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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Konservative, an die Wand klatschend

| 109 Lesermeinungen

Früher, in Zeiten von Thron und Altar, war es noch leicht, konservativ zu sein. Auch unter Wiederaufbereitungsanlage und Franz Josef Strauss war der Zusammenhalt des bürgerlichen Lagers stark. Nur zwanzig Jahre später ist das alles dahin; jeder treibt, was er will, man trägt Piercings zum Dirndl und einen Konservativismus a la mode, wenn er gerade der Scheidung oder dem Vergnügen nicht im Weg ist. Man kann mit dieser dekoration seinen Spass haben - aber wie will man damit in Bayern und im Bund Wahlen gewinnen?

Klesias, Bacchide und Plangon lebten hinfort in vollkommener Einigkeit und führten in ihrem Palast ein elysisches Dasein.
Théophile Gautier, Die goldene Kette

Da standen wir also, die drei Grazien und der bocksbeinige Satyr, allesamt mit blutroten Fingern, in den Körben leuchteten die süssen Opfer unseres Raubzuges auf dem Erdbeerfeld der sozialen Gleichheit, wartend in der Schlange, auf dass man unsere Beute wiegen möchte. Vor uns waren zwei flüchtig bekannte junge Frauen, die einen anderen Lebensweg als meine Begleiterinnen eingeschlagen hatten – ihre Männer und Kinder waren schon mal in die Büsche gegangen, und sie standen nun vor uns, das gebärfreudige Becken wippend und mit übergrossen Sonnenbrillen auf den Nasen, und redeten. Über Kinder. Und die eine sagte über ihre Tochter nach einigen Klagen: I heds ondwaand kladschn kenna. Zu deutsch: Ich hätte meine Tochter am liebsten an die Wand geschlagen.

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Nun ist das hier das konservative Kernland von Bayern und auch von Deutschland, hier werden die Reaktionäre gezüchtet wie andernorts das Genfood und die Wahlen entschieden; ohne Städte und Regionen wie diese wäre Deutschland knallrot wie die Erdbeeren. Damit das auch so bleibt, haben wir eben Mütter wie jene beiden vor uns, die zwar selbst die reaktionären Gymnasien der Stadt gehasst haben, aber ohne mit der Wimper zu zucken ihren Nachwuchs in die gleichen Anstalten verfrachten. Das war hier schon immer so, die Aufklärung in Bayern kam nicht mal bis Aschaffenburg, und schon gar nicht in den besseren Kreisen an. In den besseren Kreisen ist man immer konservativ, in den Schattierungen schwarz, knallschwarz oder schwarzbraun. Und nie, nie, nie, hätte man auszusprechen gewagt, man könnte die Tochter an die Wand klatschen. Prügelstrafe war natürlich etwas anderes, aber ein derartig öffentliches Bekenntnis der Unfähigkeit, die Tochter anständig zu erziehen – das liess uns den Atem stocken.

Und das – das muss dazu gesagt werden – obwohl wir eigentlich so gar nicht konservativ geraten sind. Ein notorisch schlechterer Sohn aus besserem Hause und drei nicht mehr ganz junge Frauen, von denen eine einen schweren Scheidungskrieg hinter sich hat, die andere mit Männern in anderen Städten verkehrt, und die dritte hat auch keine Neigung erkennen lassen, ihre Eltern mit einem Enkel zu beglücken.

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Wir sind nicht in der Nähe der Staatspartei des Freistaates. Niemand hätte etwas gegen die Türkei in der EU, nachdem man ja auch die Österreicher aufnahm, alle haben einen eher lockeren Lebenswandel, niemand verkehrt an jenen „Premiumstammtischen“, an denen die lokale Parteiprominenz Briefe verfasst und sich beschwert, wenn auf dem Nockherberg ein Niederbayer mit türkischen Vorfahren auftritt. Trotzdem finden wir es unerträglich, wenn eine Mutter öffentlich betont, ihre Tochter an die Wand zu klatschen. Wir sind auch nicht der Meinung, dass Mütter sich beklagen sollten, wenn sie selbst so rumlaufen: Früher, meinte eine der Grazien, hätten sie sich die Haare geschnitten, wenn sie Kinder bekamen. Heute lassen sie sich eine Tätowierung stechen. Und tragen Pornosonnenbrillen. Und das wollen Mütter sein? Vorbilder gar? Mit dem Stigma des Prollblau in der Haut?

 Später dann wird das Unvermeidliche kommen, das es früher auch nicht gegeben hätte: Die Scheidung über die Kinder hinweg. In meiner Jugend gab es das. Einmal. Bei einer Familie, die aus dem Norden kam, ein Manager einer Raffinerie vor der Stadt. Der liess sich von seiner Frau und dem Kind scheiden. Das war monatelang das Gesprächsthema schlechthin, bis sie von dannen zogen. Es gab im Laufe der Jahre noch andere Fälle, aber akzeptiert ist das deshalb noch immer nicht. Trotzdem haben wir auch hier inzwischen das, was man in Berlin als Patchworkfamilie bezeichnet. Und das geht unserer Meinung nach nun wirklich nicht. Unsere Eltern hätten sich da lieber vierteilen lassen.

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Und nun haben wir in Bayern eine Partei, von der das Wohl und Wehe der konservativen Politik in diesem Lande abhängt. Eine Partei, die in der Krise ist, seitdem sie Bayern nicht mehr allein beherrscht, und nun versuchen muss, alle „konservativen“ Kräfte um sich zu scharen. Aber welche konservative Kraft? Uns, die wie konservative Werte vom Rosenthalgeschirr bis zum korrekten Sitzen am Tisch beherrschen, weil wir das noch mit den Büchern unter dem Arm gelernt haben? Oder die anderen, die zwar Familien gründen, aber an der Erziehung scheitern, scheitern müssen, weil der Mann nicht passte und das achtstufige Gymnasium, das die Partei unbedingt wollte, zu viel von ihnen verlangt; sie, bei denen die amerikanische Glamourserie längst jede Betätigung in der Kirche abgelöst haben?

Es ist nicht mehr so einfach mit den Konservativen. Früher waren sie ein fester Block ohne Alternativen, heute ist „konservativ“ extrem postmodern, ein Zitatenschatz, aus dem sich jeder herausklaubt, was gerade in sein Leben passt. Konservativ ist der Milchbauer, der gegen die Staatsregierung ein Haberfeldtreiben entfesselt, konservativ bin ich, der ich auf dem Wochenmarkt mein Essen kaufe, konservativ ist die weisse Hochzeit in der Asamkirche, jeder möchte etwas bewahren und für sich nutzen – und trotzdem haben selbst höchste Politiker gschlamperte Verhältnisse, der Bauer verkauft die Wiesen mit Bergblick an Projektentwickler, die Bürgersfrau klatscht ihre Tochter, und meine kulturkonservative Einstellung erlaubt es mir, auch eingefleischte CSU-Anhänger als berlinerisch verseuchte Modernisten (mit TV-Besitz!) zu betrachten, die man nicht auf der Gartenparty sehen möchte.

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Es ist leicht, eine linke Partei zu machen; ein wenig Besitzstandswahrung und Umverteilung, Freibier und Staatsausgaben, keine Einmischung in das kleine Glück und Bundesliga für alle, fertig ist das Erfolgsmodell. Eine konservative Partei dagegen muss heute all die auseinanderbrechenden Haltungen einsammeln, sie muss dem Ausländerfeind eine Heimat geben und dem Aufsteiger Chancen versprechen, dem Kirchenmann den Einfluss zusichern und der Mutter Hilfe in ihrem Alltag, dem Bauern einen Milchpreis und meinen Freundinnen, dass die Oper weiter gefördert wird; kurz, die konservative Partei muss ihren Angehörigen hinterher kriechen in der Trümmerlandschaft konservativer, teilweise gar konkurrierender konservativer Überzeugungen. Es gibt keine Lösung für den Konflikt zwischen dem Wunsch der Wirtschaft nach schnellem Abitur und den Klagen der vom achtstufigen Gymnasium gestressten Mütter. Man kann nicht den Landfrauenschaft sichere Strassen versprechen und die Landkinder saufen lassen.

Und wenn sie den Brückenschlag doch versuchen, endet es wie bei der Bundesfamilienministerin. In einer der letzten Ausgaben des bei Lobbyisten und PR beliebten Fachblatts „Cicero“ schiebt sie ihre Familie ins Rampenlicht und betont die Bedeutung des Vorlesens – vor einem, sagen wir es unter Bibliophilen deutlich, mit vielen Lücken versehenen Bücherschrank, ganz ohne die für echte Leser eigentlich typischen Bücherstapel. Von dort aus lässt sie die Leser wissen: „Vorlesen ist ein grosses Chillen.“ Steht da so. Ich weiss nicht, welche konservativen Pilleneinwerfer die Person mit dem „Chillen“ ansprechen möchte, aber dieser Laissez-fair-Konservatismus, dieser Wellnesszugang scheint die Antwort der bürgerlichen Parteien auf ein zunehmend fragmentiertes Bürgertum zu sein. Ohne sich die Frage zu stellen, warum man sich als Anhänger konservativer Überzeugungen für eine Partei entscheiden sollte, die so beliebig ist wie die unreife Mutter, die mal Kinder und sie ein paar Piercings später an die Wand klatschen will.

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109 Lesermeinungen

  1. Früher hörte man noch...
    Früher hörte man noch Mütter sagen “ Halte Dich gerade, hebe die Füße, sprich nicht mit vollem Mund !“ Aber zu meiner Kindheit waren auch nur Seeleute tätowiert und nicht Mütter!
    Das Schlimme ist aber, dass nicht die unerzogegen auffallen, sondern die wenigen, die noch etwas Manieren haben.
    Die von Euch, werter Vetter, so genannte Staatspartei ist eigentlich seit Ende der Goppel-Ära nicht mehr konservativ!

  2. Hm. Ob man diesen -...
    Hm. Ob man diesen – zugegebenermaßen etwas derben – Spruch mit dem „an die Wand klatschen“ anders (sprich: weniger dramatisch) wahrnimmt, wenn man selber Kinder hat? Wer sich darauf einlässt, wird die Erfahrung machen, dass sich Wohlerzogenheit des Nachwuchses nicht qua Stand und Geburt einstellt, sondern manchmal auch hart errungen werden muss. Man sagt ja heute nicht mehr „Trotzphasen“, sondern „Schübe in der Persönlichkeitsentwicklung“, aber selbst das wohlgeratenste Kind wird es manchmal schaffen, die Eltern zu nerven und zu stressen, das gehört zur Entwicklung halt auch dazu. So ein skandalöses Bekenntnis kann ich daher aus diesem Spruch nicht heraushören, wenngleich ich zugestehe, dass man sowas zwar gerne denken darf, aber nicht unbedingt explizit aussprechen muss.
    Meine Mutter, eine sehr kinderliebe Frau, die vier Söhne geboren hat und zudem als Kindergärtnerin und später als Vorschullehrerin arbeitete, hat manchmal im Eifer des Gefechts gesagt, man möchte bisweilen „eins von den Bälgern schnappen und das nächste damit umhauen“. Zu den vielen Dingen, die sie in der Erziehung richtig gemacht hat, gehörte es jedenfalls, diesem Impuls nicht nachzugeben. Ob wir bessere Menschen geworden wären, wenn sie sich diesen Spruch damals verkniffen hätte – ich weiß es wirklich nicht.

  3. Vielleicht ist es ja eher die...
    Vielleicht ist es ja eher die Derbheit die schockiert. Ich kenne den Satz eher von gestandenen Mannsbildern im Blaumann denn von Damen der besseren Gesellschaft.
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    Aber was mich brennend interessiert: wie kriegen es denn die Stützen hin, dass der Nachwuchs sich benimmt, vor Allem in Situationen, in denen man nicht vorgeführt werden möchte? Und dann noch ohne Schelte, Schellen und Beugehaft? Ich rede hier von Kleinkindern (nicht Säuglingen).
    Eine Überlegung: vielleicht indem man Kinder nicht in Situationen bringt mit denen vor Allem ihre Ausdauer nicht gefordert sondern überfordert ist (z.B. Kleinkinder nicht in Restaurants mitzunehmen, sondern zu warten bis die Tischmanieren einigermassen sitzen). Aber sonst?

  4. Es ist wahr, dass die CSU in...
    Es ist wahr, dass die CSU in den, sagen wir mal, geschmeidigen Kurs mit Strauss voll eintrat, aber auch schon zu Goppels Zeiten… nunja, wer hier lebte, der kann vieles erzählen, die Partei hat sich nicht besonders geändert. Was sich geändert hat, ist die Anspruchshaltung an die Partei, und da ist vieles in den letzten Jahren erodiert. Zumal man ja momentan sieht, dass die Welt nicht untergeht, wenn die CSU sich die Macht teilen muss. Was natürlich wiederum die Partei anstachelt, sich noch mehr zu verausgaben. Das wird hochspannend am kommenden Sonntag, ob sie es nochmal nach Brüssel schaffen.

  5. mark, es geht dich um die...
    mark, es geht dich um die Frage, wie man öffentlich dasteht, wenn solche Sitten einreissen. Dass man einem unzivilierten Wesen wie einem Kind nicht mit feinster Zivilisation kommen braucht, sieht man in jedem Konzert, aber das andere ist es, die Haltung zu bewahren. Entweder man weiss, dass es so werden würde – dann lässt man es bleiben. Oder man lässt sich darauf ein. Dann halte man aber in der Öffentlichkeit den Mund, wenn es derartig drastisch zu werden droht. Gerade, wenn man ansonsten gar nicht genug über bürderliche Tugenden reden kann. Wie das mit den Kindern ansonsten geht, ist mir egal, nachdem ich ja entschieden habe, dass es eh zu viele Menschen, Deutsche und Bayern gibt.

  6. Der Titel ist ein wenig...
    Der Titel ist ein wenig irreführend – ich ging zunächst davon aus, daß Sie den Konservatismus „an die Wand klatschen“ wollen (was mir nicht mißfallen würde;-).
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    Nun, Ihr Eintreten für den politischen Konservatismus in allen Ehren – aber ich möchte hier doch mit aller Deutlichkeit bestreiten, dass die öffentliche Finanzierung von Opernhäusern, Rosenthal oder Einkäufe auf dem Wochenmarkt konservative Domänen sind. Diese Bereiche sind doch der Heimspielplatz linker Politik.
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    Begründung:
    Opernhäuser: nur öffentlich gesponsorte Opernhäusern stellen sicher, dass sich hier jeder ungeachtet des Geldbeutel an Kultur erfreuen kann. Ich verweise auf die Preise privater Opern und Konzerthallen jenseits des Atlantik…
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    Rosenthal: Es ist wesentlich sozialer (und ökologischer), Rosenthal zu verwenden als Ikeaschrott – nicht in Billiglohnländern mit Turbo-Ausbeutung produziert, kann zudem von nachfolgenden Generationen weiterverwendet und muss nicht entsorgt werden.
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    Wochenmarkt: siehe Argument zu Rosenthal (bis auf den Weiterverwendungsaspekt natürlich).
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    (Wie dreist von den Konservativen, sich alles Gute und Schöne einfach einzuverleiben: wie der abgehalfterte Merz, der Brandts legendäre Parole zu einem schnöden: „Mehr Kapitalismus wagen“ umfunktionierte. Ts ts ts…)

  7. GRS2, meine Eltern waren zwar...
    GRS2, meine Eltern waren zwar Kinder der 68er Generation, aber nur so lange, wie es nicht um die Erziehung ging. Meine Erziehung war straff, konservativ und vom Willen geprägt, jemanden zu schaffen, der Vorurteile über andere zurecht aussprechen kann. Das Blockkind war das Horrorszenario, das mir vor Augen geführt wurde, und so will man natürlich nicht werden. Dafür konnte ich schon mit 8 Jahren Mädchen in den Mantel helfen, Tisch decken und mich so tadellos benehmen, dass man mich „kleinen Cavalier“ nannte. Das war gewissermassen das Grosskreuz des richtigen Viertels.

  8. @Don Ferrando: "Das Schlimme...
    @Don Ferrando: „Das Schlimme ist aber, dass nicht die unerzogegen auffallen, sondern die wenigen, die noch etwas Manieren haben.“ Ich teile ja Ihren oft geäußerten Enthusiasmus bezüglich des Konservatismus wirklich nciht, aber da haben Sie Recht. Meiner Meinung nach sind das aber die kulturellen Auswirkungen des Neoliberalismus….

  9. Wenn Konservatismus eine...
    Wenn Konservatismus eine politische Haltung ist, dann gibt es hier m. E. durchaus einen gewissen Kanon typischer Überzeugungen, beginnend damit, alles für schlecht zu halten, was als „links“ gelabelt werden kann.
    Das wäre quasi der negative Konservatismus, der sich dadurch ergänzt, dass er sich gegen ambitionierte politische Veränderungen sperrt und den altbekannten Institutionen und Trägern von Autorität (früher der Kaiser, heute die Wirtschaft) das Wappen hält.
    Dazu kommt ein gewisser Wertekanon eines positiven Konservatismus, in den „Familie“ (durchaus gerne traditionell verstanden), Nation und vor allem Sicherheit (inkl. diverser paranoider Spielarten des Sicherheitsstrebens) gehören.
    Diesen diversen, aktuellen Möglichkeiten des Konservatismus werden dann, gleichsam postmodern, eben genau diejenigen Attribute entnommen, die der/die Konservative für sich verwenden mag. Tjanun. Eine Art „anything goes“ eines entgrenzten Konservatismus, bei dem einzelne Vertreter wie Heiner Geißler bis zum linken Rand des Linksliberalismus reichen – als aktive Mitglieder des Attack-Netzwerkes.
    Moderner Konservatismus halt.
    Es kann vorkommen, am Ende möchte eine gepiercte oder tätowierte konservative Landfrau ihr Kind an die Wand klatschen, weil sie sich beim Studium der einschlägigen Vorabendserie gestört fühlt…
    (vielleicht ist das summa summarum noch respektabler als Wiedergänger des Wilhelminismus oder, schlimmer noch, ein dediziert anti-liberaler Konservatismus, der sich an chwarzbraune Ungeister anlehnt, Autoren wie Ernst Jünger, Ernst Graf zu Reventlow, Ernst Niekisch, Ernst Nolte – oder die etwas weniger ernsten Othmar Spann, Helmut Schelsky oder der unsägliche Carl Schmitt, dem bis heute eine geradezu hündisch-bewundernde Fangemeinde folgt)

  10. @Giorgiana: Danke sehr. Meiner...
    @Giorgiana: Danke sehr. Meiner Meinung nach sind das Auswirkkungen der 68er !
    Allerdings ist Konservatismus etwas, das ich nicht sonderlich leider mag.
    Aber eine gewisse konservative Grundhaltung schätze ich doch. Dies ist allerdings etwas ganz anderes!

  11. Denke mir schon, dass das...
    Denke mir schon, dass das straff war, nur wie gesagt, würde ich gerne wissen, ob es eine gepflegte Form des Anschisses gibt (darüberhinaus, dass man sich Kraftausdrücke verkneift). Oder ob, wie ich nach eigenen Erfahrungen vermute, wenn Willen auf Willen trifft, manchmal unumwundene Machtausübung¨unabdingbar ist.
    Ich denke trotzdem, dass der andere Teil darin besteht dass man nicht meint, die Kindern müssten immer und überall mit dabei sein. Beim Musizieren fängt man ja auch mit einfachen Melodien, Tönen und Üben an.

  12. @mark793:"aber selbst das...
    @mark793:“aber selbst das wohlgeratenste Kind wird es manchmal schaffen, die Eltern zu nerven und zu stressen, das gehört zur Entwicklung halt auch dazu.“
    Und vor allem auch zur Entwicklung, oder eben Bildung, des elterlichen Charakters! Ansonsten kann ich Deiner Meinung nur zustimmen: aus dem Spruch macht der Don hier eben seinen Aufhänger, allerdings auch aus einer Fliege einen Elefanten.
    .
    @Don Alphonso:“Was sich geändert hat, ist die Anspruchshaltung an die Partei, und da ist vieles in den letzten Jahren erodiert.“
    Erodiert? oder hat sich da vielleicht etwas entwickelt? Nunja, die Entwicklung von Schwarz pur zu Schwarz/Blau ist jetzt kein evolutionärer Schritt, aber immerhin ein Schritt in Richtung Emanzipation von der schwarzen Seite.
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    @Don Ferrando: „Das Schlimme ist aber, dass nicht die unerzogegen auffallen, sondern die wenigen, die noch etwas Manieren haben.“
    Hm, diejenigen „die noch Manieren haben“ zeigen diese meist durch duckmäuserische Haltung. Dann lieber ungezogen sein und „Nein“ sagen, wenn man „Nein“ sagen sollte!

  13. Chill ma', Wilma - ruhig Blut,...
    Chill ma‘, Wilma – ruhig Blut, Professor Alfonso Higgins, Sie desillusionierter Pygmalion: „Seh’n Sie sie, verludert und verlottert, gestraft durch jede Silbe, die sie stottert – erhängen sollt‘ man sie, und zwar sofort, für kaltblütigen Muttersprachenmord“. Gemach, gemach – diese Wendung „an die Wand klatschen“ (mit dem Ziel, etwas totzuschlagen) ist so alt wie die volkssprachige Dichtung (Heinrich von Neustadt, Apollonius – der Arzt und Humanist Heinrich Steinhöwel, Äsop – oder Meistersinger Hans Sachs – oder das Volksbuch von Dr. Faust). Was Sie erschrecken mag, ist wohl die Umkehr des Grimmschen „Froschkönig“: Nun werden die kleinen versifften Prinzen an die Wand geklatscht, auf daß sie wieder zur Lurchenbrut werden. Das müßte Ihnen dezidiertem Kinderhasser doch eigentlich zupasskommen. Oder verlangen Sie ernsthaft von genervten Muttertieren, daß sie ständig handeln wie Goethes Aurelie, die den kleinen Felix in Wilhelms Arme warf?
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    Umgangssprache ist nun mal unmittelbar von intensiv erlebten Situationen abhängig – da mag der hl. Ursula (und anderen 11.000 akademischen Jungmüttern) ein längerer USA-Aufenthalt nachhängen“: „Chillen“ heißt bei ihr wohl, das begrenzte Zeitbudget zu nutzen und das Kinderzeitfenster weit in Richtung Kühlschrank zu öffnen „Ich rede so, wie mich meine Blagen noch verstehen“. (Blag, norddeutsch für „Balg“). Ansonsten haben eingebürgerte Vulgarismen häufig ihren Sitz im konkreten Intimleben. „Verars…“ kommt eben von sexueller Devianz aus der Hurensprache – in „versifft“ hört man noch Anklänge an die Syphilis heraus.

  14. Georgina Darcy, diese...
    Georgina Darcy, diese Verwechslungsmöglichkeit, ja ich möchte gar sagen Doppeldeutigkeit ist mir nicht verborgen geblieben, allerdings lege ich wert darauf, dass hier buchstabengetreu ausgelegt wird.
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    Der Wochenmakrt nun ist zumindest in meiner Heimat die Heimat aller alten Frauen, und deren politische Ausrichtung ist so reaktionär, dass sie in Sachen Essen auf dem linken Flügel der Grünen wieder rauskommen. Man kann es also nicht immer sagen. Das opernpublikum, das ich kenne, ist eine gute Mischung mit konservativem Schwerpukt, so nicht gerade Wagner oder Strauss gegeben wird. Mich trifft man folglich eher bei Rossini, den ich ohnehin für stark unterschätzt halte.

  15. werter Raucher,
    es gibt...

    werter Raucher,
    es gibt Duckmäuser mit sonst guten Manieren und genauso Duckmäuser mit schlechten Manieren.
    Gute Manieren haben per se nichts mit Duckmäusertum zu tun !

  16. John Dean, wie soll denn das...
    John Dean, wie soll denn das alles noch funktionieren? „Die deutsche Wirtschaft“ gibt es nicht mehr, „den Staat“ gibt es auch nicht mehr, statt dessen Einflussgruppen, abstakte Zwänge, undurchsichtige Beziehungen, eine hohe Scheidungsrate, uneheliche Kinder. Irgendwo müsste es noch solide Haltepunkte geben, aber auch Konservativen dürfte auffallen, dass dergleichen am Verschwinden ist. Wie orientiert man sich an einer Beratungsfirma, an einer Investmentbank, an einem Aufsteiger?
    .
    Damit sind wir bei „Konservativen“ wie Friedrich Merz angekommen. Welten zwischen dem und dem, was im kern national und religiös fixiert war. Was ist einer wie Merz? Eine Projektionsfläche, eine Teflonschicht. Die haltung ist nur noch Accessoire.

  17. Merci Don Alphonso für den...
    Merci Don Alphonso für den unterhaltsamen Beitrag! Jedes Mal, wenn ich meine Schwester im Weichbild Ingolstadts besuche, reissts mich ob des Dialekts. Das ist der gscherteste, derbeste, primitivst wirkende Dialekt, den es im Freistaat gibt, besonders aus Frauenmund. Und ich fürchte deshalb um mein Patennichtchen, das dort den Kindergarten besucht. Dort müssen die Kinder den Erzieherinnen übrigens morgens noch die Hand schütteln + Grüß Gott sagen. Die Kinder meiner anderen Schwester sind gerade einem Frankfurter Kinderladen entwachsen. Dort sagt man morgens hi oder hallo zum Erzieher. Dafür geht man jede Woche in irgendein Museum, backt, legt Beete an, spielt Theater. Keine der Mütter trägt Tattoos oder Piercings. Also wertkonservativ linksliberaler grüner urbaner Prägung. Das ist mir abzüglich bestimmter ökoideologischer Ausprägungen immer noch das Sympathischste.
    Und Georgiana Darcy: Wochenmarkt, Rosenthal, subventionierte Opernhäuser, Heimspielplätze linker Politik??? Ich lebe in einer traditionell SPD regierten Stadt mit einem Opernhaus, das sich avanciertes Tanztheater nicht mehr leisten will, sich lieber beim Musical anbiedert. Und hier gibts 79 städtische Kulturläden mit dem Geist des Soziokulturellen von anno tralala, alles ziemlich piefig, ziemlich antiintellektuell, bloß nichts „abgehobenes“ oder „überkandideltes“. Das kann man sich als Berliner oder Kosmopolit gar nicht vorstellen!
    Nette Formulierung, Don Ferrando, die mit den tätowierten Seeleuten.

  18. @John Dean: Linksliberalismus...
    @John Dean: Linksliberalismus 2.0 klingt sehr vielversprechend!
    .
    @Don Ferrando: Die 68er haben sicher manches übertrieben – aber sie mußten ja auch erst mal mit der „schwarzen Pädagogik“ brechen. Viele haben auch die antiautoriätere Erziehung mit Nichtstun verwechselt – wirklich antiautoritäre Erziehung scheint mit nach der Lektüre des Summerhill-Klassikers dagegen eher eine wirklich anstrengende, zeitaufwendige Angelegenheit zu sein.
    .
    Die um sich greifende Asozialität in der Gesellschaft hat aber doch mehr mit Ellenbogenmentalität, verschärftem Konkurrenzkampf, der Ideologie „jeder ist sich selbst der Nächste“ und Schwinden von sozialem Sinn zu tun, und weniger mit den 68ern. Irgendwie kann man ja nicht alle Aspekte der Gesellschaft marktradikaler Logik unterwerfen – gut ist, was Gewinn bringt – und dann erwarten, es hätte keinerlei Auswirkungen und Kultur und Zusammenleben. Ich denke, es kam im Verlauf der wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen der letzten zwei Jahre auch zu einer massiven Verschiebung der Mentalitäten – und das Ergebnis davon ist das, was Sie als Menschen ohne Umgangsformen wahrnehmen.
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    Aber: was ist denn der Unterschied zwischen dem Konservatismus, den Sie nicht leiden mögen, und der konservativen Grundhaltung, die Sie schätzen?

  19. Derbheiten sind in Bayern...
    Derbheiten sind in Bayern nicht das Problem, dafür macht der Dialekt viel zu viel Spass, denn wo kann man sich so gewählt ausdrücken wie im Dialekt (bin Bayer in 1. Generation und weiß wovon ich spreche). Das eigentliche Problem hat der Verfasser jedoch recht klar erkannt, die Aufklärung kam nicht nur bis Aschaffenburg, sie muß überhaupt einen großen Bogen um den deutschsprachigen Raum gemacht zu haben, sonst könnte ich das Geschätz vom „wohl verstandenen“ Konservatismus nicht nachvollziehen. Wilhelm von Ockham, vielleicht müssen Sie den erst mal nachschlagen, fand aber nur im noch heute liberalsten Bundesland Zuflucht. So viel zu Bayern, den an dieser Stelle angebrachten Kraftausdruck „verkneife“ ich mir, da Sie, als Leser sich sonst brüskiert fühlen müßten, trotz G9. Was wirklich peinlich ist, daß ausgerecht ein Erdenbürger aus der Gegend am Inn Papst werden mußte und somit den Eindruck verstärken darf, daß in Bayern die Zeit seit 1800 stehengeblieben ist. Servus.

  20. Wehrter Don,
    alleine die...

    Wehrter Don,
    alleine die Tatsache das meine Mutter sich eine Tätowierung hätte 68
    machen lassen können, führte noch zu Hausarrest in unserer Familie.
    In den verschiedensten Punkten sind unsere Familien konservativ und
    leider muss ich sagen das es in diesem Land keine echte konsevative
    Partei mehr gibt.
    Es ist schade, das es so ist, doch diese Art scheind langsam weg zu sterben.
    Herzlichst P.

  21. Der verwendete aufhängerische...
    Der verwendete aufhängerische Spruch belegt eigentlich nur die inhärente Brutalität des Bürgertums gegen alles, was die egozentrischen (denn die haben die familien-zentristischen) Kreise stört. Wer selbst schmarotzt, möchte nicht an-schmarotzt werden – nicht mal vom eigenen Balg.

  22. "Meiner Meinung nach sind das...
    „Meiner Meinung nach sind das Auswirkkungen der 68er !“, sagt Don Ferrando. Eva Herman, ebenfalls ein Leuchtturm des historisch-analytischen Intellektualvermögens, meint das auch.
    Statt bei gesellschaftlichen Entwicklungen hinzugucken, ob deren Ursache nicht in zeitlicher Nähe zur Wirkung liegt, um erst dann, wenn man nicht fündig wird, weiter in der Geschichte zurückzugehen, suchen ewig nachkartende HysterikerInnen die Gründe für von ihnen aktuell Beklagtes nicht in gesellschaftlichen Prozessen der letzten 15 Jahre, sondern sie greifen ein halbes Jahrhundert zurück, um “die 68er” anzupinkeln, die angesichts der gigantischen Wirkung und Fernwirkung, die man ihnen zuschreibt, alle Gründe hätten, um noch nachträglich größenwahnsinnig zu werden.

  23. @rainer: Ach, und in den von...
    @rainer: Ach, und in den von Dir so gern glorifizierten Proll- und Hool-Kreisen ist derartige Verbalgewalt völlig unbekannt? Erstaunlich. ;-)))
    @don, 14 Uhr 17:
    „(…) die Frage, wie man öffentlich dasteht, wenn solche Sitten einreissen.“
    Ja, gute Frage. Sicher gibt es adäquatere und für die Umwelt angenehmere Arten, das eigene Überfordertsein mit dem Nachwuchs zu artikulieren. Aber aus so einem krachledernen Spruch (zumal in Bayern) den Untergang des bürgerlich-christlichen Abendlandes abzuleiten, scheint mir dann doch etwas gewagt. Wohlverstanden: Die weitere Analyse, die Entlarvung des heutigen Restkonservatismus als postmodernes Beliebigkeitszitat, das ist ziemlich fein beobachtet und treffend analysiert. Nur schien es mir halt beim Lesen, als trüge der Aufhänger das Ganze irgendwie nicht so recht. Aber zugestanden, wenn man es selbst „live vor Ort“ erlebt hat, mag sich das anders darstellen.

  24. Im amerikanischen wurde dazu...
    Im amerikanischen wurde dazu der Begriff „white trash“ geprägt.

  25. @Don Alphonso: "diese...
    @Don Alphonso: „diese Verwechslungsmöglichkeit, ja ich möchte gar sagen Doppeldeutigkeit ist mir nicht verborgen geblieben“ – Klingt fast so als wollten sie derartigen Widerspruch provozieren…. aber wenn Sie auch eine solche Vorlage liefern…..
    .
    Da ich mich gerade noch von den grauenhaften Operninszenierungen der Hauptstadt erholen muss – die wollen alle ein Abklatsch der Volksbühne sein – findet man mich eher bei Konzerten der Alten Musik, die ebenso nicht angemessen gewürdigt wird, als in der Oper….

  26. @Ladyjane: Halten Sie die...
    @Ladyjane: Halten Sie die verschröderte SPD denn noch für links? Ich verstehe unter der Linken nicht eine bestimmte Partei, es geht mir mehr um etwas, das man als emanzipatorisches Projekt bezeichnen könnte, plus eine Form historischen Bewußtseins, das sich in der Aufklärung verortet. Überdies eine Orientierung an Grundprinzipien wie Solidarität, Gerechtigkeit, Befreiung, Emanzipation, Gleichheit.
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    Aber: oh ja, die alternativen Kulturprojekte in kleinen Städten sind oft furchtbar. Linkes Spießertum, keine Frage.

  27. Bei den Erziehungsstandards,...
    Bei den Erziehungsstandards, bzw. das Fehlen jeglicher, die ich so erleben durfte, wäre es schon schön, wenn die missratenen Blagen zumindest zeitweise in ihre Grenzen gewiesen würden. Auch ohne aus dem Mantel helfen würde ich es durchaus begrüssen, wenn sie weniger krakeelen, schmatzen und anderen unerfreulichen Dingen frönen würden. Ich weiß, ich weiß, es sind die Eltern, die versagen, aber entschuldigt das wirklich alles?

  28. Huuber! Über den Huber sollst...
    Huuber! Über den Huber sollst schreibn. Und frag nicht wieder, welchen Huber…

  29. Fliegende Bocciakugeln
    Auch...

    Fliegende Bocciakugeln
    Auch wenn mir das Konservative so fern ist, wie meiner Tochter das „brav sein“, und auch wenn ich diese, zur Zeit doch sehr in Mode gekommene, Kritik an den 68ern absolut nicht teile, so möchte ich doch eine Anekdote loswerden, die meine Einstellung dazu vielleicht am ehesten trifft.
    Es gibt da einen wunderbaren Campingplatz (ich war früher Wohnmobilist) an der französischen Atlantikküste, er nennt sich „le pin sec“, zu dem ich mich vor jetzt schon wieder Jahrzehnten mal verirrte, mit meinem damals 8-jährigen Sohn aus erster Ehe und meiner aktuellen Freundin (jaja, auch ich gehöre zu diesen Patchworkgestalten: erste Ehe mit einer Türkin, daraus einen Sohn, usw…).
    Ich wusste noch nichts von diesem merkwürdigem Publikum dort, als ich aber meiner Einfuhr zu hören bekam: Papa du Arschloch…, ahnte ich es.
    Oh ja, das waren stramme Bürschlein, die da schon mit Opa aus 68 seit Jahren regelmäßig campierten und sich dort vor den Franzosen mit solchermaßen schlechten Manieren hervortaten. Ein besonderes Erlebnis war aber, als mir fast mal eine dieser Bocciakugeln aus Metall ins Wohnmobil flog. Diese Jungs kugelten da nämlich nicht mit, sondern machten da sowas wie Kugelstoßen daraus. Ihre „Erziehungsberechtigten“ zogen dann immer mal wieder die Köpfe ein – warum eigentlich? -, aber dass da mal einer eingeschritten wäre…
    Wohin? – man ist ja antiautoritär. Die Jungs müssen schließlich ihre Erfahrungen machen. Nun, ich, wie gesagt, kannte mich da nicht so aus, und mein Sohn schaute mich auch schon ganz auffordert an – er genoss nämlich keine antiautoritäre Erziehung -, und somit ergriff ich eine dieser Kugel n, die mir da zu den Füssen rollte, hob sie und zielte auf die Bande. Mein Kommentar war dann nur, wenn ich werfe, dann treffe, ganz sicher.
    Es wurde dann so ruhig um diese Meute, dass man schon das nicht geäußerte Raunen der umstehenden Nicht-Erzieher zu hören glaubte. Da wagte es doch einer, ihren Kindern Gewalt anzudrohen. Dass seitdem keine dieser Kugeln mehr durch den Luftraum auf jenem Campingplatz flog – natürlich auch nicht die meinige -, schien allerdings niemand so richtig bemerken zu wollen.
    Die einzigen, die das wohl cool fanden, waren die rar vertretenen Franzosen, mit denen ich mich so allabendlich bei einem Glas Rotwein anfreundete.

  30. @Georgiana Darcy: Natürlich...
    @Georgiana Darcy: Natürlich nicht, mir wollte nur nicht einleuchten, was Sie heute Nachmittag als Heimspielplätze linker Politik kennzeichneten. Mit Ihrem abendlichen Grundkurs emanzipatorische Projekte in aufklärerischer Tradition gehe ich d´accord. Ob es heute weiterbringt, das als links zu bezeichnen, weiß ich nicht, ganz unrhetorisch, ich weiß es nicht.

  31. Und schon wieder duftet es in...
    Und schon wieder duftet es in der Blog-Küche nach leicht angebrannten Allgemeinplätzchen. Es wäre doch wirklich zu und zu schön, wenn die sog. „Auswirkungen der 68er“ als Generalanschiß endlich mal im Orkus der Diffamierung bleiben könnten – in der Hölle der Pseudo-Argumente. Ach, und wer einen Spießer „Spießer“ nennt, ist selbst eine(r). Am schlimmsten ist aber das Verdikt „White Trash“: Wie sagte die berüchtigte Kandidaten-Mutti in Condons „The Manchurian Candidate“ über ihre Kindheit? „In den Südstaaten ist ein Mädchen nur so lange Jungfrau, wie es schneller als Vater, Onkel und Brüder laufen kann“. Gemeint war Alabama, nicht aber ein oberbayerischer Landkreis. Ein Wort der Kritik , lieber Don, denn doch noch zu Ihrer überhaupt nicht latenten, sondern nahezu handgreiflichen Misogynie gegenüber den etwas (selbst-)beschränkteren Angehörigen des anderen Geschlechts: Den Begriff des „gebärfreudigen Beckens“ finden Sie zuerst in den Mediziner-Zoten schlagender Verbindungen und sonstiger Testosteron-Bolde des Zweiten und dritten Reichs.

  32. @Ladyjane: Zu den...
    @Ladyjane: Zu den Heimspielplätzen linker Politik: ich habe das deshalb so bezeichnet, weil es mir darum ging, dass die Linke ja mal weitaus mehr bedeutete als nur Brot (und Kuchen und Torte) für alle. Sondern ein Gesamtprojekt politischer Emanzipation und kultureller Teilhabe war, zu dem meiner Ansicht auch schönes Porzellan, Musik, etc. gehören., bzw. dem nicht widersprechen. Wo kommen wir denn hin, wenn wir es zualssen, dass die Konservativen die ganze Kultur für sich beanspruchen? (Vor allem vor dem Hintergrund, dass ein gros der wirklich besten Literaten, Musiker und Maler progressiv war, ist das meiner Meinung nach eine unerhörte Okkupation….)
    .
    Ich halte „links“ eigentlich weiterhin für einen ziemlich guten Begriff, er hat ja auch historische Wurzeln. Wenn man die Linke von dem ganzen Dreck des Stalinismus und der sozialdemokratischen Selbstaufgabe befreit hat, käme da, glaube ich, etwas raus, das ganz brauchbar wäre….

  33. Unerzogene Kinder rächen sich...
    Unerzogene Kinder rächen sich – wetten.

  34. GRS2,
    von meinen Eltern und...

    GRS2,
    von meinen Eltern und später auch von mir wurde es, wie Sie schon vermuten, so gehandhabt, dass die Kinder bis zu einem gewissen Alter einfach nicht mitgenommen wurden.
    Als überaus wirksam hat sich auch die Drohung erwiesen, denjenigen, der sich nicht benimmt einfach zu Hause zu lassen oder beim nächsten Mal nicht mitzunehmen.
    Eine gepflegte Form des Anschisses, die es durchaus gibt, war dann meist schon nichtmehr nötig, zumindest nicht im Zusammenhang mit Benimm außerhalb des elterlichen Hauses. Unumwundene Machtausübung (sofern ich den Begriff richtig deute) war bei diesem Thema nie nötig.
    Ich denke es hängt aber auch viel vom Benehmen der Eltern ab. Wenn zuhause gewisse Reglen herrschen und diese auch vorgelebt werden ist auch den meisten Kindern klar das diese Regeln außerhalb des Hauses erst recht gelten. Das heißt zwar nicht, dass die Kinder sich auch dran halten, aber da half wie gesagt fast immer die Drohung den Delinquenten bei nächsten daheim zu lassen.

  35. manche meinen
    lechts und...

    manche meinen
    lechts und rinks
    kann man nicht velwechsern
    werch ein illtum
    (Jandl)
    Ich bin Linker. Gefühlsmäßig. Links sein bedeutet für mich, Dinge in Frage zu stellen, sie nicht als gottgegeben hin zu nehmen. Und wenn manche Dinge, die ich denke oder tue anderen als konservativ erscheinen mögen, es hat einen Grund, ich habe darüber nachgedacht und sie für mich akzeptiert. Ich tue sie nicht, weil es immer schon so war.
    Früher war ich dogmatischer, ideologischer, aber rinks und lechts….
    (Disclaimer: Rechtsaußen hat natürlich eine ganz andere Schäbigkeit als linksaußen)

  36. "Klagen der vom achtstufigen...
    „Klagen der vom achtstufigen Gymnasium gestressten Mütter.“
    Das ist wohl die Sicht des Kinderlosen. Das eigentliche Problem sind doch die gestressten KINDER.
    Und das derbe Spruch mit dem „an die Wand klatschen“ ist wohl auch nur für einen Kinderlosen schockierend. Leute mit Kindern haben für eine solche Aussage definitiv MEHR Verständnis.

  37. Warum tut man sich dann sowas...
    Warum tut man sich dann sowas an?
    .
    Nachdem meine Mutter ja eine Instanz in solchen Fragen ist, habe ich nachgefragt, und sie meint, dass man so etwas definitiv nicht tut. Denken vielleicht, aber sagen niemals.

  38. Einmal mehr wird deutlich,...
    Einmal mehr wird deutlich, dass Don Alphonso keine Kinder hat und auch keine will. (sorry falls das schon zigmal erwähnt wurde)

  39. Dafür klatsche ich auch...
    Dafür klatsche ich auch niemanden an die Wand, und so sind alle zufrieden.
    .
    Kampfstrampler, hier kann jeder zu essen mitbringen, was ihm behagt, und Allgemeinplätze sind ja auch nicht immer schlechte Orte. Was den Begriff angeht, den kenne ich aus freier Wildbahn in unverdächtigem Zusammenhang, namentlich alte Tanten, die meinen, über die Gesässform einiges ableiten zu können. Und die müssen es ja wissen.

  40. da stecken ja mal wieder ne...
    da stecken ja mal wieder ne menge angedeuteter fragen und gedankengänge zum lauf der zeit drin. verpackt in eine wunderbar süffisante form. danke, don.

  41. Verehrter Don Alfonso...
    Verehrter Don Alfonso !
    Wundervoll ! Darauf warte ich schon lange. Endlich öffnen Sie die Büchse der Pandora ! Ist der ruhige, zurückhaltende, freundliche, schüchterne, fleißige junge Schüler nun ein zukünftiger HighPotential – Prototyp – Erfolgsmodell, keine Frage – Sproß aus gutem Haus und Ergebnis des bayrischen Schulsystems … Oder könnte vielleicht ein Versager daraus werden: Nicht kommunikativ genug, nicht durchsetzungsstark, mit 20 noch nie besoffen, kann gut zuhören und liest Bücher – ist deshalb mit 28 immer noch Jungmann. Möglicherweise gar ein potenzieller Ausraster weil er von jedem Deppen ungestraft gemobbt werden kann ! … Darfs nicht doch ne Nummer härter sein ? Feinsinnig, kulturell beschlagen, Frauenversteher, aber mit den erforderlichen Ellenbogen. Natürlich nur ein bischen die Verantwortung scheuend. „Erst wickle ich Dich ein und dann reite ich Dich rein.“ Hätt er sich vielleicht sogar politisch engagieren sollen ? Wo möglich sogar konservativ – also bei seiner Bank ? Ein bishen Prolocharm, d.h. laut und deutlich, im Umgang mit Abhängigen und Migranten. Bei betuchten Migranten (dazu zählen hin und wieder auch Saupreissen) ein wenig Dünkel vorsichtig dosierend, um geschäftsschädigende Wirkungen auszuschliessen. Waren die 58ger mit 55 anders als die 68ger ? Vom Fähnlein Fieselschweif zum Bäumchen Wechseldich. Was inspirierte die Generation Golf und was inspiriert die Erben der Golfschläger ? Ego Shooter ? Shootings at the beach ? Shooting Stars ? Was ist überhaupt noch konservativ: links, mitte, rechts, rot, gelb, schwarz, grün ? „Who shall be among the surviving fittest ?“ Die Möglichkeiten der Erziehung sind sehr begrenzt. Wir können ihnen nur Werte mitgeben. Welche Werte wollen wir wollen ?

  42. Aber gewiß, Egghat, wer...
    Aber gewiß, Egghat, wer selber so besoffen ist, daß er auf die Straße kotzt, hat definitiv mehr Verständnis für andere, die dies auch tun.
    Don hat nicht kritisiert, daß Eltern auch mal aggressive Empfindungen gegenüber ihren Kindern haben. Wogegen er sich wendet, ist dieser Klatsche-Spruch in der Öffentlichkeit.
    Es geht darum, was sich schickt und was nicht. Es geht darum, ob man einen Instinkt, ein Gespür für das Schickliche und Unschickliche hat, oder nicht.
    Bei der Rede von den „Kinderlosen“ macht der unangnehme „Der kann gar nicht mitreden“-Oberton sich vernehmlich, so, als sei nur der Saufbold berufen, über das schlechte Benehmen von Saufbolden zu urteilen.

  43. Vielleicht ist das der...
    Vielleicht ist das der Unterschied zwischen dem konservative und dem sozialdemokratischen Kernland? Hier sagt man was man denkt.
    Ich weiss auch nicht, ob man das auf dem Erdbeerfeld erzählen muss, aber ich kenne kaum Eltern, die diesen Gedanken nicht nachvollziehbar finden.
    Warum man das macht? Kinder sind extrem. Und die positiven Gefühle, der Spaß eben auch extrem schön ist. Liebe halt.

  44. Doktoranden u.ä....
    Doktoranden u.ä. intellektuelles noch-Prekariat sprechen prätentiös er die eigene Kinderlosigkeit. Ein trauriges Fest.

  45. Da sich unser System, das...
    Da sich unser System, das lange Grundlage und Mitte unserer Gesellschaft gebildet hat, mit all seinen Spielregeln gerade in Lichtgeschwindigkeit auflöst & zersetzt, lösen sich zwangsläufig wohl auch die beliebten rechten und linken Flanken auf. Denn ohne klaren Standort gibt’s auch keine Richtungsbezeichnung mehr.
    In einer Stadt wie Frankfurt sieht man entweder
    -Kinder um die sich kaum einer kümmert. Sich selbst überlassen turnen sie im frühesten Kindesalter alleine oder mit Altersgenossen auf der Strasse herum.
    -Kinder, um die sich mit Hilfe moderner Technologie ( Bildschirm im Auto, Bildschirm im Kinderzimmer und wahrscheinlich auch noch ein Bildschirm auf dem Lokus ) etwas….sagen wir mal „dummbürgerlich“ gekümmert wird.
    -und dann gibt’s da noch die Kinder der selbstgemachten „neuen Elite“ . Die, die immer mit lustigen Doppelnamen zu SUV herbeigerufen werden. Kinder die vor lauter Klavier, Klarinette und Ballett nicht mehr zum Träumen kommen. Betreut von jobgeprägten Alphamüttern und Alpahavätern. Diese Gattung richtet ihren Blick sofort auf das AlphaKind wenn es nur kurz quääckt und lässt dafür jede Unterhaltung mit Mitmenschen absterben. Das ist mindestens genauso unhöflich wie das ständige Glotzen auf ein Blackberry und ignoriert die alte grossmütterliche Weisheit, dass sich ein Kind der Welt der Erwachsenen anzupassen hat und nicht umgekehrt.
    Bei einer so prachtvollen Auswahl an Eltern sollten die Erwartungen an die zukünftigen Generationen doch ein wenig gedämpft sein.

  46. GRS2, was die Kinder angeht,...
    GRS2, was die Kinder angeht, die überall dabei sein müssen: Meine Eltern kannten da auch keine Gnade. Aber ich wusste, dass ich ruhig zu sein habe, wenn da vorne ein Konzert ist. Und dass man nicht zwischen den Sätzen klatscht. Und abgesehen von einem einzigen Konzert, das meine Abneigung gegen Flöten und Orgel begründete – beides schätze ich bis heute nicht – habe ich mich auch stets wohlverhalten. Es kann also funktionieren. (Alle Eltern, die ich kenne, haben ihre Kinder in die Konzerte mitgenommen. Da gab es nie Probleme.)
    .
    Raucher, aus Sicht der POartei ist tatsächlich der fruchtbare Boden verweht und hat bitteres, steiniges Land zurück gelassen. Wenn man mit deren Vertretern spricht, verstehen sie noch immer nicht, was da eigentlich passiert ist. Man kann ja nicht sagen, dass sie abgewählt wurden, weil es dem Land schlechter ginge. In voller Blüte dahingerafft – so sehen sie es, und das ist keine natürliche Entwicklung.

  47. hier darf man sich mal richtig...
    hier darf man sich mal richtig gute oder schlechte stimmung anlesen.danke.
    die wortanalysen von kampfstrampler sind da eine erholung fürs gemüt.
    ich bin schon einigermaßen darüber erstaunt,wieviel man zu sagen „weiß“,
    über das was man nicht hat( z,b, kinder)-
    und vielleicht gibt es überhaupt einen zusammenhang zwischen dem
    nichtgelingen unserer sozialen marktwirtschaft und dem nichtgelingen
    konservativer parteien.
    was ich aber dulden muss als mutter, ist so ein pädagogischer quatsch wie:
    „wir setzen die schüler regelmäßig um,damit sie flexibler werden………“
    uahhhhhhh….während ich den runden tisch gegen einen eckigen getauscht habe,
    dass die sitzordnung klarer wird und mehr ruhe einkehrt.

  48. Kampfstrampler, ich bin nur...
    Kampfstrampler, ich bin nur jemand, der seine Leidensfähigkeit richtig einschätzt. Abgesehen davon wäre ich ein wahrlich schlechter Sohn, würde ich nicht die gute Erziehung, die ich hatte, in Ehren halten gegen die Wandklatscher der Gegenwart.
    .
    Ladyjane, das mit dem Hand schütteln hat eine andere Wurzel in Bayern: Hier wurden lange noch Waffen mit sich herumgeschleppt – ein Mann ohne Messer war kein Mann. Mit dem Handschlag zeigt man, dass man dem Gegenüber nicht das Messer mit eben jener Hand reinstechen wird. Bayerische Schüler üben das Abstechen oft mit Geodreiecken. Und was den Tonfall angeht: Da ist das Donaumoss wirklich das grössere Problem, jene Einöde südlich der Donau (man sagt bei uns: Iwadonauziagdmaned – Über die Donau zieht man nicht). Dort wurden im vorletzten Jahrhundert Kriminelle und arme Pfälzer angesiedelt, und das merkt man bis heute – mia vaschtengan de ah ned, de schiachn Hint.

  49. Kant-ig, man muss Bayern...
    Kant-ig, man muss Bayern einfach Gerechtigkeit wiederfahren lassen, und alles kann nicht gut sein. Trotzdem würde ich nirgends anders leben wollen. Etwa, weil ich das hier schreiben kann, ohne dass Horden wütender Bayern auflaufen. Die lesen das und sagen sich: Jo mei, es is wias is,
    .
    Bayern ist nicht aufgeklärt, aber leschear und gegenüber Kritik von einem selbst auch tolerant. Würde man so einen Text über Bochum schreiben, wäre hier die Hölle los. Das mag ich an Bayern.

  50. Paulchen, was man sich...
    Paulchen, was man sich wünschen würde, wäre eine patriotische Partei mit Honoratioren. Auf lokaler Ebene gibt es das teilweise mit den freien Wählern, über die man jetzt nicht so arg viel Böses sagen kann, und die beim Bürger einfach besser ankommen als die globalisierte CSU. Und deren Chefs auch mal mim Moped duach Ameriga foan und nemhea bloggn. Des is a andere Rass, wie man in Bayern so schön sagt. (Bitte keine Aufschreie, das ist nunmal so. Rass ist in Bayern ein normales Wort. Klingt auch netter als Rasse.)

  51. @auxtroisglobes :...
    @auxtroisglobes : Danke!
    @alle: Frage mich woher der Kinderhass und Elternass der angeblich besseren Gesellschaft kommt? Vielleicht durch zuviel an Unterschichtendokusoapgenuss? Bei Don Alphonso eher pathologisch durch eigene frühkindkliche Erziehungsschädigung begründet.
    @miner: „In einer Stadt wie Frankfurt …“ sehe ich in allen Schichten und Altersklassen meist wohlerzogene, freundliche, tolerante und positiv gestimmte Kinder und Jugendliche. Ihre eigenen selektiven Wahrnehmung scheinen mir auch durch übertriebenen Medienkonsum verursacht.

  52. Plebejer, man hätte kaum eine...
    Plebejer, man hätte kaum eine bessere Kindheit als meine haben können. Sie war halt nicht wischiwaschi, aber ich bin froh, frühzeitig gelernt zu haben, wie man sich benimmt. Bei anderen (sic!) ist später alles zu spät, wie man sieht.

  53. @Plebejer:Ist es eigentlich...
    @Plebejer:Ist es eigentlich nicht eintönig im Westend zu wohnen, im Grüneburgpark zu joggen und zu oft am Prosecco zu nippen, während das Au-Pair-Mädchen die Kinder zur Kantschule bringt?

  54. An die Wand klatschen wie...
    An die Wand klatschen wie ordinär, unartige Kinder schickt man in den Wald zum Brennesseln pflücken. Alternativ Mose 5 Kapitel 21 18-21

  55. Sorry, aber nach der Lektüre...
    Sorry, aber nach der Lektüre Ihrer bisherigen Beiträge schien mir Ihr wiederkehrendes „Wie man sich benimmt“ (besser wäre „Wie man sich benahm“) allerdings das zentrale wenn nicht einzige Thema zu sein was Ihnen zu Erziehung und Kindern einfällt. Aber lassen Sie sich nicht stören, nicht von Kinderlärm nicht von meinem Geschreibsel.

  56. Oh, bis auf die Kantschule...
    Oh, bis auf die Kantschule würde mir das beschriebene Leben im Westend sogar gefallen. Meine schulpflichtigen Kinder gehen jedoch auf öffentliche innerstädtische Grundschulen mit hohen Migratrionsanteil, gerade daher meine positive Sicht auf die „heutige Frankfurter Jugend“. Ich bins zufrieden.

  57. Kindheit - um die Diskussion...
    Kindheit – um die Diskussion weiter zu kannibalisieren – ist eine lange Periode in der die intellektuellen, physischen und anderen Fähigkeiten nach und nach zu nehmen. Deshalb kann man und sollte von 8 Jährigen mehr als von 2 Jährigen verlangen.
    Mit unumwundener Machtausübung meinte ich nicht „verprügeln“, aber doch mehr als freundliches Bitten.
    Und bewusstes Grüssen, Verabschieden und andere Höflichkeitsbezeugungen – mehr als ein über die Schulter genuscheltes hi – halte ich nach, Erfahrungen in Lehre, Sport und Arbeit für in sehr unterschiedlichen Miljöhs, für möglicher weise anders verbreitet als in der guten Gesellschaft gemeinhin angenommen.
    Es ist angenehm; denn es zivilisiert. Auch wenn mir das zackige „Wir grüssen/danken der gegnerischen Mannschaft und den beiden Schiedsrichtern mit einem dreifachen Hipp Hipp Hurra“ schon mit 10 ein bisschen eigenartig vorkam (dazu stellen sich beide Mannschaften einander gegenüber an der Mittelfeldlinie auf und brüllen Hipp Hipp Hurra, oder was auch immer der Kapitän mit seinem Sprüchlein angekündigt hat).

  58. Re: GRS203. "Denke mir schon,...
    Re: GRS203. „Denke mir schon, dass das straff war, nur wie gesagt, würde ich gerne wissen, ob es eine gepflegte Form des Anschisses gibt“ Das funktioniert anders. Habe letztens in einem Frühstücksrestaurant eine kleine Szene mit einem Kleinkind beobachtet. Das Kleinkind war am Kreischen. Die Mutter sagte daraufhin ganz ernst in einem besorgtem Tonfall zu dem Kind, dass sie glaubt, dass dieses wohl etwas mit den Ohren hätte. Sie müssten wohl morgen zum Arzt gehen. Scheint’s hatte das Kind Angst vorm Arzt. Jedenfalls wirkte dieser Satz, das Kind hörte auf zu kreischen. Also merke: Sich nicht um die Ängste des Kindes sorgen, sondern statt dessen diese für eigene erzieherische Zwecke nutzen. Übrigens jetzt mal im Ernst. Das gezielte Nutzen der Ängste des kindes habe ich schon häufiger in erzieherisch erfolgreichen Familien beobachtet.

  59. @ Kurt Saum
    Herzlichen...

    @ Kurt Saum
    Herzlichen Dank.
    Demnach wäre der Unterschied zwischen den einzelnen Kreisen der Grad der Verfeinerung – sonst gibt’s was hinter die Ohren, gefaucht, oder Du musst wohl zum Arzt, gesäuselt.
    Und für die, die aufbrachen es anders zu machen die – ohne Spott – verstörende Erkenntnis das Erziehung auch Machtausübung ist.

  60. @kurt saum:Aber überteiben...
    @kurt saum:Aber überteiben darf man das auch nicht, sonst laufen irgendwann nur noch traumatisierte Angstneurotiker durch die Gegend!
    Obwohl, haben wie nicht alle unser Trauma durch irgenwas, irdendwen, irgendwie abbekommen?
    Ist man ohne Trauma eigentlich noch ein ganzer Mensch??

  61. Kinder haben ist wie...
    Kinder haben ist wie Bergsteigen. Natürlich hat man ohne Kinder ein in gewisser Weise einfacheres Leben, und Kinderkriegen ist natürlich nicht für jeden etwas, aber Kinder sind halt eine Herausforderung, die einem ganz neue Horizonte eröffnen. Ich kann Ihr geistiges Zusammenzucken angesichts dieser Äußerung gut verstehen, ging es mir doch ähnlich, als ich diesen Spruch als Schwangere von der Cousine meines Mannes hörte, einer konservativen, eleganten, jungen Frau, die bestimmt ein gute Mutter ist. Aber ich denke, für alle Eltern gibt es, wenn sie vor sich selbst aufrichtig sind, Momente, in denen sie etwas ähnliches denken, auch wenn sie es nie – vor allem nicht zu den Kindern – sagen würden. Der Unterschied zu früher ist eher positiv zu sehen, während es in den von Ihnen gelobten guten alten Zeiten wohl real sehr viel öfter geklatscht hat, ist heute die gewaltfreie Erziehung, jedenfalls in den „besseren“ Kreisen die Regel.

  62. @FS: "Aber überteiben darf...
    @FS: „Aber überteiben darf man das auch nicht, sonst laufen irgendwann nur noch traumatisierte Angstneurotiker durch die Gegend.“ Genau, vielleicht ist das das eigentliche Geheimnis der Erziehung. Das Erziehungsmittel Angst nicht inflationär, sondern sparsam intelligent für das Wichtige einzusetzen.

  63. Jeder Ansatz, der auf der...
    Jeder Ansatz, der auf der Basis eigener individueller Erfahrungen mit dem Versuch, ein Individuum auf das „Leben“ vorzubereiten, einen allgemeingültigen Masterplan erstellen möchte, ist einfach… Na? Wer nicht überrascht/enttäuscht/widerlegt werden will, soll nichts neues zeugen.

  64. @ Bergsteigerin:
    ich weiss...

    @ Bergsteigerin:
    ich weiss nicht, ob sie gewaltfrei sein kann, wenn man Gewalt nicht auf Schläge + beschränkt sondern auch psychische Gewalt einbezieht.
    Unangenehme Erfahrungen sorgen auch für Lerneffekte.
    Ein Gutes der 68er ist es, sich über so etwas austauschen zu können.
    Und übertreiben darf man gar nichts.

  65. Faktor Angst bei der...
    Faktor Angst bei der Kindererziehung?? Heilandsack noch mal – hier haben wohl doch einige zu viel Bueb und Winterhoff gelesen und internalisiert. Das schlimmste Buch, an das ich mich in meiner frühen Kindheit erinnern kann, war der hochgelobte „Struwwelpeter“ des Dr. Hoffmann – von dessen Horrorgemälden zu unartigen Kindern habe ich nachts Albträume gehabt. Sadismus pur! Und ein gesäuseltes „Liebchen, ich glaube, wir müssen mal wieder zum Ohrenarzt gehen“ halte ich für eine erzperfide Gemeinheit. Das ist nicht Erziehung, sondern Psychofolter in Gestalt pervertierter Contenance – Fräulein Rottenmaier läßt grüßen. Dagegen verblaßt selbst ein in Affektlabilität herausgerutschtes „Ich könnte Dich glatt …“ Das nimmt ein Kind normalerweise als das, was es ist – einen verbalen mütterlichen Wutausbruch, der auch wieder verraucht. Boooey, Mami kann ja auch schimpfen!?!

  66. Lieber Kampfstrampler, ja wo...
    Lieber Kampfstrampler, ja wo leben Sie denn? Kenn Sie das nich auch aus der kindheit: Man hatte was ausgefressen wurde, erwischt und dann kamen so Sätze wie … mein Lieber dartüber reden wie noch, oder …das hat Konsdequenzen! War da dann nicht dieses ungheute Gefühl, oh weia, was konnt denn da noch auf mich zu? war das denn keine Angst?

  67. @kampfstrampler: Wenn ein...
    @kampfstrampler: Wenn ein Wutausbruch beim Kind nichts bewirkt („dies ist nur ein Wutausbruch der auch wieder verraucht“), kann aus der Wut schnell ohnmächtige Wut werden– und ob die immer ohne körperliche Gewalt verraucht…Als Alternative böte sich beim Elternteil der Burn-Out an.

  68. Ist das Verhältnis Eltern -...
    Ist das Verhältnis Eltern – Kinder angstbesetzt (übrigens auf beiden Seiten!), dürfte schon vorher etwas gewaltig schiefgelaufen sein – was m.E. sehr viel mit Distanz zwischen den Generationen zu tun hat. Genau dort hat sich aber etwas zum Positiven in den letzten 50 Jahren verändert. Das soll nicht heißen, daß die Elternrolle „verkindlicht“ werden muß. Kinder schätzen freundliches, autoritatives (nicht angemaßt autoritäres!) Auftreten durchaus. Bsp.: 5-jähriger hat sich auf den Beifahrersitz der Familienkalesche geschwungen und weigert sich, den Platz freizugeben. Alles Heidschi-Bum-Beidschi nutzt nichts – schließlich tritt eine resolute Dr.phil. an die Tür und wird energisch: „Junge, verpiss Dich“! Daraufhin steigt der Knabe aus und sagt: „Endlich mal ’ne klare Ansage!“.

  69. eine frage zur der...
    eine frage zur der zugegebenermaßen betörenden ikonographie des eintrags:
    lieber don alphonso, sie sind hoffentlich nicht der meinung, daß lockere sitten mit schlechter erziehung (was immer das auch heißen mah) notwendigerweise einher gehen müssen? :) und wenn nicht, wie soll man diese bilder sonst deuten?

  70. Ich glaube nicht, dass ein...
    Ich glaube nicht, dass ein Mangel an Benehmen dem Spass am Sex förderlich ist. Das ist das eine. Das andere ist, dass ich ab und an einfach gerne kunstgeschichtliche Sujets bemühe, um das Problem darzustellen und zu fassen – von der angenehmen Gesellschaft in Bild 1 bis zum akulturellen Prasser ist schliesslich einiges dabei; die zarte Verführung durch die richtige haltung in Bild 2 genauso wie die Schamlosigkeit des Weibes des Potiphar, deren Urenkel heute Spitzenpositionen der Staatspartei halten dürften.

  71. Bergsteigerin, auch ich bin...
    Bergsteigerin, auch ich bin oft auf Bergen. Mit etwas Glück und gutem Wetter etwa kommenden Sonntag wieder auf dem Hirschberg. Aber: So ein Berg ist nach ein paar Stunden vorbei. Und dann geht es wieder runter. Man hat es mit einer Erscheinung zu tun, die einem nichts gibt, einer Naturgewalt, an der man sich selbst erfahren kann und niemanden schädigt. Kinder sind da in jeder Hinsicht sehr, sehr anders.

  72. Plebejer, Kinderhass?...
    Plebejer, Kinderhass? Mitnichten. Ich stelle nur fest, dass ich viele Nachreile und keine Vorteile sehe. Was Eltern angeht, da gibt es solche und solche. Ich habe mit denen – meine eigenen ausgenommen – wenig zu tun, denn dort verschieben sich sofort die Interessen, und darin habe ich kaum einen Platz. Ich kenne trotzdem gute Eltern und auch wieder solche, bei denen ich nur den Kopf schütteln kann.

  73. @kampfstrampler("Endlich mal...
    @kampfstrampler(„Endlich mal ’ne klare Ansage“): Die Worte „Endlich mal“ stimmen mich nachdenklich.

  74. Ich denke, das "endlich mal"...
    Ich denke, das „endlich mal“ macht auch deutlich, warum ich keine Kinder will.
    .
    (Gestern war Familientag. Sehr hübsche und brave Nichte 2. Grades, aber die Katze war wirklich schön)

  75. Kleinerberg "während ich den...
    Kleinerberg „während ich den runden tisch gegen einen eckigen getauscht habe, dass die sitzordnung klarer wird und mehr ruhe einkehrt.“ – ach, runde Tische und die Politik der offenen Türen ist auch in Betrieben nichts anderes als ein verstecken, nicht aber das Aufheben von Hierarchien.

  76. Passen Sie auf sich auf, Don...
    Passen Sie auf sich auf, Don Alphonso! Auf dass Sie kein verschrobener Hagestolz werden.

  77. @Don Alphonso: 'Ich denke, das...
    @Don Alphonso: ‚Ich denke, das „endlich mal“ macht auch deutlich, warum ich keine Kinder will.‘. Kinder, die IMMER kuschen, können schon eine Freude und eine Bereicherung im Leben sein.

  78. In meiner Schulzeit habe ich...
    In meiner Schulzeit habe ich bei vielen Jungs die Erfahrung gemacht, dass sie bei den Reaktionären gekuscht und die Netten fertig gemacht haben. Auf solche Spiele habe ich einfach keine Lust. Ich habe genug in meinem eigenen Leben zu tun, und wie das mit dem Bereichern gehen soll, wenn Kinder immer nur Geld kosten, muss mir auch erst mal einer schlüssig erklären.

  79. Das Gegensatzpaar Reaktionär...
    Das Gegensatzpaar Reaktionär versus Netter deutet auf eine Stereotype im Denken hin.

  80. darf ich die Oberste Instanz...
    darf ich die Oberste Instanz um eine kleine zeitliche gnadenfrist bitten? würde gerne noch antworten, befinde mich aber zur zeit sehr in eile :)

  81. Laperla, alle Zeit der...
    Laperla, alle Zeit der Welt!
    .
    Kurt Saum, welchen Reaktionär meiner Schule hätten sie gern? Den Altnazi mit Faible für die Partisanenjagd, den Waffen-SS-Freund oder den Kerl, der Anfangs des Schuljahres schon mitteilte, wen er durchfallen lassen würde?

  82. Lieber Don Alphonso. Dann mal...
    Lieber Don Alphonso. Dann mal weiter viel Spaß beim Trübsalblasen.

  83. Wenn ich daran denke, dass in...
    Wenn ich daran denke, dass in den sechziger Jahren in bayerischen Volksschulen die Lehrer noch Schüler verdroschen haben wird mir immer noch ganz übel! Und das waren sicher nicht alles Nazis. Es war damals common sense!
    „A gscheide Watschn hod no näams g’schod “ !

  84. Kurt Saum, mir geht es...
    Kurt Saum, mir geht es blendend.
    Don Ferrando, das war auch in den 70ern noch nicht vorbei. Der Spruch lautete „A Guada hoids aus und uman Schlechdn is ned schod“.

  85. Gut, heute läuft's anders,...
    Gut, heute läuft’s anders, jedenfalls wenn man’s einigermaßen drauf hat. Man stellt den Gegner einfach in die Nähe der Nazi-Ecke. Gut, dass ich unter einem Pseudonym poste.

  86. Werter Vetter,
    langsam wird...

    Werter Vetter,
    langsam wird mir klar, wie weit die kleine dumme Stadt hinter der Entwicklung herhinkte. Wohl auch, weil sich dort erst sehr viel stärker der positive Einfluss des Zuzugs protestantischer Nord- und Westdeutscher bemerkbar machte, als im Einzugsgebiet der Landeshauptstadt!

  87. dieses Schema wird sich wohl...
    dieses Schema wird sich wohl kaum verändern. während man momentan nun schon fast gruseliges Gelüge ( versteckt in netten Worten ) aus Öffentlichkeit & Politik hört und sich da in diesem Land die blöde „German Gelassenheit“ breitmacht, nörgelt man an Leuten rum, die Bochum wenig Zukunft einräumen und einfach selbst kein Kind wollen…..muss ja nicht jedem sympathisch sein, ist aber wenigsten ehrlich. Ein seltenes Gut.
    Soll der Don denn auch noch opportunistischen Mist labern, damit die Sache mit dem „Mist labern“ wenigstens zu 100% rund ist ?

  88. Einverstanden, Don Alfonso -...
    Einverstanden, Don Alfonso – man möge bloß keinen Freund seines eigenen Seelenfriedens zum Hüter einer Bande von puerilen Ego-Taktikern ernennen, die alle Unsitten biologisch-anthropologischer Grundkonstanten seit Neandertalers zum Maßstab ihres Handelns machen, jene kleinen His-Balla-Balla-Terroristen, die einem wie ihr Vorbild Ballack ungerührt erklären, Foulspiel wäre erst, wenn der Schiedsrichter pfeift – und das wäre sowieso eine Pfeife. Nein, wie niedlich aber auch – man weiß bloß nicht, wo die großen Lümmel alle herkommen, die ungerührt dann sämtliche in Peer-Groups archaischen Rankings erlernten Boshaftigkeiten auf Politik, Wirtschaft und Schule(!) anwenden. „Wir sind die Bestimmer“ – da fällt mir Schillers „Wallenstein“ ein: „Wie er sich räuspert, wie er spuckt – das hat er ihm trefflich abgeguckt“.
    .
    „In vollkommener Einigkeit ein elysisches Dasein zu führen“ (Gautier) – das ist Arkadien – man möge es bloß nicht realisieren. Ahja, „Strawberry Fields forever“ – John Lennon besang jedoch gleichnamiges Waisenhaus. Dortige rigide Hierarchien spielen aber genau jenem „Herrn der Fliegen“ in die Hände, der schon den vorwitzigen Dr. Faustus an die Wand geklatscht hat, daß diesem sein Hirn „versprützte“. Aus dem Ruder gelaufene Sozialkontrakte allerorten – wie wäre es mit ein bißchen mehr Mediation statt Daumensenken? Im übrigen üben Sie sich und uns ja schon in angewandter Gruppentherapie: Ihr Kind ist Ihr Blog, das Sie intensiv fördern, hätscheln, an den Ohren ziehen, a Watschn geben – und das nur halbwegs verdrossen, obwohl Sie diesen oder jenen User sicher manchmal „an die Wand klatschen“ könnten. Sehen Sie – so unähnlich sind Sie den Brutpflegerinnen mit den Pornosonnenbrillen nicht.
    Dabei fällt mir ein – den berühmtesten Wandklatscher Ihrer Heimatstadt haben Sie gar nicht erwähnt, Dr. Frankensteins Monster und dessen unkonventionellen Umgang mit den Stützen der Gesellschaft.

  89. Kurt Saum, Sie können sich ja...
    Kurt Saum, Sie können sich ja mal zum Thema „Zeitgeschichtliche Forschungsstelle Ingolstadt“ schlau machen, dann wird sich Ihre Meinung vielleicht relativieren.

  90. ...ich meinte natürlich, der...
    …ich meinte natürlich, der Einfluss machte sich erst sehr viel SPÄTER , nicht stärker bemerkbar !!!

  91. Vielen Dank für die...
    Vielen Dank für die Diskussion, lieber Don Alphonso. Ich habe einiges über Diskussionstechnik gelernt. Zum Thema: Mit meiner Bemerkung „Reaktionär-Netter“ hatte ich mich ein wenig verrannt. Ich hatte mich leider in der Bedeutung des Begriffs Reaktionär geirrt, ich wusste nicht, dass sich die Rückwärtsbezogenheit auf das Ziel der vordemokratischen Zeiten bezieht. Ich halte weiterhin Ihren Satz „In meiner Schulzeit habe ich bei vielen Jungs die Erfahrung gemacht, dass sie bei den Reaktionären gekuscht und die Netten fertig gemacht haben. “ für bedenklich. Sie sollten Ihre diesbezüglichen Wahrnehmungen und Schlussfolgerungen noch einmal überprüfen. Vielleicht schauen sie noch einmal genauer hin. Meine Wahrnehmungen waren jedenfalls andere.

  92. Danke, aber ich komme schon...
    Danke, aber ich komme schon recht gut mit meinen Erfahrungen klar.

  93. Daran habe ich nicht die...
    Daran habe ich nicht die geringsten Zweifel.

  94. kampfstramples, dieses Blog...
    kampfstramples, dieses Blog ist eine Plauderei, mehr nicht, und wer meint, ich nähme das hier allzu ernst, der irrt sich doch leicht bin mittelschwer. Natürlich ist es mein Bestreben, den beschriebenen Zerfall wenigstens zu thematisieren, bevor man sich wie manche – Kollegen, würden das andere nennen – das ungewaschene Journalistenschreibwerk über die Gosse der TV-Sender zerreisst, satt das einzige zu tun, was angemessen ist: derartige Gesellschaftsent- und auswürfe genauso ins Nichts zu ignorieren, wie man das auch bei anderen veranstaltungen macht, die der Gesellschaft schaden, angefangen bei den Parteien der Rechtsextremisten bism, nun, da kann man sich Grenzen überlegen.
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    Ansonsten schreibe ich das hier ja nicht, um beklatscht zu werden; ich möchte zum Nachdenken anregen und unkonventionelle Standpunkte lesen. Wenn das funktioniert, ist es gut; wenn nicht, ist es schade, aber dann liegt es entweder an mir, oder aber am Umstand, dass es ansonsten zu viel andere Ablenkung gibt.

  95. Was sind sie nun, die...
    Was sind sie nun, die „Stützen der Gesellschaft“? Zum Beispiel:
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    Noch „Stützen der Gesellschaft“ oder doch schon bald eher etwas wie „unterirdische Reststützpfähle“ (als ungefähr so etwas, wie die bekannten Überbleibsel steinzeitlicher Bodensee-Pfahlbauten, wenn man nur tief genug gräbt) oder etwa gar doch das, was klassischer Marxismus von Menschen wie dem „bürgerlichen Kouponschneider“ sagt: „Eine eklig schillernde Sumpfblüte der Verderbnis auf dem fauligen Pfuhl des Kapitalismus?“ (*g*)
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    Wär‘ doch mal was, wenn unser Don die Verderbnis nicht nur bei den anderen entdecken würde, sondern auch mal bei sich selbst? Gibt es da keine Aufweichungstendenzen – oder wurden die bloß nicht beobachtet? („… weil die Optik in die andere Richtung eingestellt is““?)
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    Nur den Kindern gehört die Zukunft. Alles andere ist tot. (Weshalb die mythisch-magischen Formeln wie bekannt auch allesamt wissen „Worte des lebendigen Glaubens“)
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  96. Was mich angeht: ich habe...
    Was mich angeht: ich habe durchaus ein Auge darauf, was um mich herum geschieht, und ich bemühe mich natürlich im privaten Leben, ein gewisses Niveau zu halten und den Pöbel nicht nah rankommen zu lassen. Ich habe keinen Fernseher, und das senkt die Quote des in meinem Umfeld stattfindenden Drecks doch erheblich. Wenn ich irgendwo bin, wo solche Kreaturen auflaufen, weiss ich nicht mal, wer die sind. Das ist sehr angenehm. Ich bevorzuge Bücher, und ich denke, zumindest für meine Lebenszeit bin ich gut genug abgesichert gegen die Zumutungen der Gegenwart. Und da ist immer noch genug Distanz, um auf jene hinunterzuschauen, die sich ihren Lebensunterhalt mit Verkauf ihrer Haut an Ballerspielproduzenten oder dem Beklatschen von Medienmüll verdienen.
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    Ich kann diese Erscheinungen ebensowenig verhindern wie die mich, aber wenn ich dazu beitragen kann, dass die schlecht aussehen und die Leute sich zumindest etwas peinlich fühlen, ist schon einiges erreicht.

  97. Eine gute, aber leider...
    Eine gute, aber leider allzuseltene Einstellung. Doch leider können diese Leute Sie mehr verhindern, als einem lieb sein kann (zumindest können sie einen Don Alphonso im medialen Theater an den Rand der öffentlichen Wahrnehmung drängen). Denn diese Leute haben leider Gottes einen grossen Markt (um den ich sie nicht beneide) und Sie, verehrter Don, sind einer der wenigen Rebellen ohne Markt.
    Aber wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung. Ist wohl der berühmte Tropfen auf den heissen Stein.

  98. @mark793: "Ach, und in den von...
    @mark793: „Ach, und in den von Dir so gern glorifizierten Proll- und Hool-Kreisen ist derartige Verbalgewalt völlig unbekannt? Erstaunlich. ;-)))“
    Okay, wenn einem Bürgerlein die Arbeiterklasse als Proll- und Hool-Kreis gilt, dann ist deine Äußerung verständlich. Hools (soll wohl heißen „Hooligan“) sind und waren nie eine Erscheinung der Arbeiterklasse – das Gros der Freunde der dritten Halbzeit entstammt dem Kleinbürgertum. Prolls ist wiederum ein bürgerliches Schimpfwort für alle Menschen, die man im eigenen Viertel nicht sehen will.
    Da fragt man sich – auch angesichts diverser Hauptartikel hier – wer eigentlich den Klassenkampf betreibt.

  99. lieber d.a.

    der wundebare...
    lieber d.a.
    der wundebare ästhetische aspekt dieses bloges ist nur schwer zu übersehen & einer der gründe weshalb ich hier so gerne verweile. nicht desto trotz erschließt sich mir der sinnzusammenhang zwischen dem schlechtem benehmen & der biblischen verührung nicht so ganz.
    ähnlich unergründlich finde ich die tatsache, daß hier so oft das thema der kinder/erziehung thematisiert wird, obwohl dieser aspekt angeblich keine große rolle im ihrem leben spielen sollte :) negativer bezug ist auch einer, wenn nicht sogar ein emotional stärker gefärbt als der positive. aber lassen sie mich wissen, wenn ich übertreibe bzw. überinterpretiere. dies mag auch daran liegen, daß ich die vorherigen 100 kommentare aus purer faulheit ignoriert habe. :)

  100. na ja,

    Paulchen, was man sich...
    na ja,
    Paulchen, was man sich wünschen würde, wäre eine patriotische Partei mit Honoratioren. Auf lokaler Ebene gibt es das teilweise mit den freien Wählern, über die man jetzt nicht so arg viel Böses sagen kann,
    in Sachsen gibt es sie auch, die freien Quäler. Einige von denen waren noch vor nicht ganz fünfundzwanzig Jahren bei einer recht vaterländischen Veranstaltung, wenn sie nicht eben von der Sowjetunion das Siegen lernten.

  101. Ich möchte ganz klar...
    Ich möchte ganz klar anfügen: Das bezog sich allein auf Bayern.

  102. miner, ich halte es da stets...
    miner, ich halte es da stets mit Voltaires Candide, der am Ende seiner langen Reise sagt, dass man seinen eigenen Garten bestellen muss. Ich glaube nicht, dass ich verlieren werde, denn ausser meinem Leben in Vergnügen habe ich nichts zu gewinnen, und das kann mir keiner nehmen – von jenen, die glauben, es ginge ihnen in der Gosse gut.

  103. Laperla, die Kindesaufzucht...
    Laperla, die Kindesaufzucht und das daraus resuktierende Fehlverhalten schob sich von selbst in meinen Lebensweg, und muss deshalb damit rechnen, aufgespiesst zu werden. Und natürlich wäre die ganze Thematik erfreulicher, wenn Erziehung anders beschaffen wäre. Benehmen sich also Kind und Eltern, werden sie hier kaum dem Risiko ausgesetzt sein, als schlechtes Exemplum zu enden.

  104. Don, der Rückzug ins eigene,...
    Don, der Rückzug ins eigene, schöne Leben, mit der Gewissheit der eigenen Genügsamkeit, ist immer wieder ein Genuss, ein unendlicher Trost. Da stimme ich zu.
    Wie sagte schon Kazantzakis : Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei.
    Aber, Sie bestellen nicht nur Ihren eigenen Garten…denn dafür leuchtet ein wenig zuviel Kampfeslust aus Ihren Artikeln (So solls ja auch sein….sonst würde ich ja nicht weiterlesen)…und ausserdem haben solche Zeilen ja im Blog auch Aussenwirkung. Ich meine über den Gartenzaun hinaus.

  105. Seitdem ich darüber schrieb,...
    Seitdem ich darüber schrieb, zogen die Preise für englische Silberkannen doch etwas an. Gut, ich habe etwas Einfluss, ich kann das ein oder andere sagen, und hinter meinem Garten ist noch die Kommentarwildnis. Aber was bin ich gegen eine Talkshow? Eben. Am Ende ist es besser, seinen Garten zu pflegen.

  106. Silberkannenpreise, verstecken...
    Silberkannenpreise, verstecken hinter der Talkshow…Das war jetzt aber Understatement.
    o.k., letzter Anlauf für die Nacht bzgl. revolutionärem Geiste wecken etc.
    Dieses kleine bischen „Kommentarwildnis“ hat, in aller Bescheidenheit, oft auch so seine grossen Auswirkungen.
    Ihr Wirken erinnert mich hier und da so ein wenig an die BBC-Legende John Peel (man beachte sein Credo).
    Nun kann man sich fragen: und was hat der denn erreicht; aber man kann sich auch sagen: Einiges hat der erreicht. Und da Sie nicht dem Laster verfallen sind, klappt´s vielleicht auch damit, in Ehre die 65 Lenze zu knacken.
    http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,325132,00.html

  107. wie sich die zeiten geändert...
    wie sich die zeiten geändert haben?
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    in der stadt, in der ich heranwuchs, gab es eine buchhändlerin, die hatte in einer ecke einen kleinen tisch mit einer kleinen bank drumherum, da durften die kinder mickymaushefte lesen, wenn sie höflich darum baten und ihre hände herzeigten, ob sie sauber waren, denn die hefte sollten ja auch verkauft werden. waren die hände nicht so ganz sauber, kam der freundliche hinweis, schräg gegenüber befinde sich eine öffentliche toilette, dort möchte man sich die hände waschen, danach gerne.
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    so lernt ein junger mensch beizeiten und fürs leben: höflichkeit führt weiter als stoffeligkeit, der besuch von buchhandlungen ist angenehm, wer bücher anfasst sollte saubere hände haben. lehren also, deren nützlichkeit sowohl für den buchhändler wie auch seinen kunden auf der hand liegen.
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    in dieser stadt gibt es neurdings ein medienzentrum mit einer buchhandlung. die gibt sich kinderfreundlich und hat in ihren ladenräumen eine grosse rutschbahn installiert. so lernen schon die kleinsten fürs leben, dass bücher und ihre leser nur im wege sind.

  108. Ha! Ich habe noch so eine...
    Ha! Ich habe noch so eine Buchhandlung! Und dort vorgestern ein Buch gekauft, das zu bespechen ganz nett sein könnte.

  109. die letzten drei zeilen des...
    die letzten drei zeilen des kunstrats fraischdörfer, stehen für das grosse
    missverständnis der pausenlosen und allgegenwärtigen absättigungen
    von „kinderwünschen“-die ich selbst drei kinder geboren habe, und ablenkungen
    wie kinderrutschen in buchläden sträflicher empfinde als die blitzampel heute
    in dem mir unbekannten düsseldorf.
    meine gegenreaktion fällt so kläglich aus,dass ich die schokolade pur( also ohne
    pfeffer oder schrimpsgeschmack), eisbecher pur( also niemals früchtebecher)….
    und bis heute alle bonuskarten ignoriere.

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