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Fussfaule Millionäre oder der Bürgerkrieg, der nicht kommt

12.06.2009, 11:07 Uhr  ·  Die einen auf der Linken wollen die bösen Millionäre schröpfen, die anderen fragen sich in der FAZ, warum es eigentlich noch keinen Bürgerkrieg der Leistungsträger gegen den Staat gibt, der ihnen so viel nimmt. Beiden gemein ist, dass sie nicht am Tegernsee wohnen, sonst wüssten sie es besser. Obwohl wir hier zwar alle der Überzeugung sind, dass die "uns ois nemma", gibt es wirklich andere Probleme, die wichtiger sind. Einerseits, weil die grössten Millionärshalunken aus dem nächsten Millionärsdorf kommen, andererseits, weil man doch eher träge und gut eingerichtet ist. Und weder so reich, wie das die Linke glaubt, noch so geschröpft, wie man das gerne auf der Terrasse mit See- und Bergblick behauptet.

Von

Und er fuhr ruhig fort zu beweisen, dass man zuerst 50 und 100 der grössten Millionäre verhaften und dem Volk erklären müsse, dass wir alle Kapitalisten als Räuber betrachten.
Lew Dawidowitsch Bronstein genannt Trotzki (mehr TrotFAZkismus hier!), Über Lenin

Ganz erstaunlich, was man mit diesem emotional aufgeladenen Nichtwort “Millionär” alles ausdrücken kann. Bordellwirte geben sich damit als “reich” aus. Hässlichgeistige Zeitungen verwenden es verbittert als Sammelbegriff für Ultrareiche mit Kaufhauseigentum. Man bezieht es auf Spekulantinnen im Autozulieferbereich, für die es auf eine Million nicht ankommt. Die Linke möchte den Millionären mit hohen Steuern an den Geldbeutel. Und sie kommt damit an, weil – wer mag schon Millionäre?

Ich persönlich kann mich eines ablehnenden Reflexes auch nicht erwehren. In meinem Leben taucht die Eigenbeschreibung erst lange nach jenen auf, die sie auf sich beziehen könnten. Die ersten, die sich mir gegenüber als Millionäre bezeichneten, waren Internetgründer und, sekundär, ihre journalistischen (was immer Sie denken, es kann nicht so grob sein wie das, was hier stehen sollte). Geschmacklos, geschichtslos, Millionär, weil sie sonst nichts haben, sind oder können. Es würde mich nicht überraschen, wenn der gemeinsame Erweckungsmoment der Internetgründer zu Schulzeiten der Vertrieb von sinnlosen Versicherungen an Omas aus der Nachbarschaft wäre, um sich einen Golf GTI oder einen Urlaub auf einem Erlebnisschiff zu finanzieren. Kennt man einen, kennt man alle, früher waren sie oft in München, heute sind sie fast ausschliesslich in Berlin und jammern vor Gericht, weil sie von den Käufern ihrer windigen Klitschen noch ein paar Millionen extra wollen – vielleicht, weil die Anlagestrategie für die erste Tranche in Zeiten der Kreditkrise doch nicht so gut war. Gäbe es die Linke nicht, man müsste sie für diese Leute…

Bild zu: Fussfaule Millionäre oder der Bürgerkrieg, der nicht kommt

Oh, da gehen sie schon mit mir durch, die reichenfeindlichen Gäule. Angesichts der Vermögensverhältnisse meines Umfelds ist das wirklich nicht klug, denn natürlich würden staatlich Eingriffe a la mode Gysi ins Millionenvermögen auch für mich nicht ohne Folgen bleiben. Eine Bekannte etwa muss bald ihren Maserati entsorgen, und ich fände es gar nicht gut, wenn sie in Zukunft mit einem Golf an den Tegernsee käme. Nun stand in der Zeitung, zu der dieses Blog gehört, jüngst ein Beitrag des Fernsehmoderators und Philosophen Peter Sloterdijk, der sich wunderte, warum dieses Umfeld angesichts der steuergetriebenen Umverteilung von Reich zu Arm nicht einen “antifiskalischen Bürgerkrieg” vom Zaune bricht. Wieder streift mein Blick über den Tegernsee, und ich überlege, wie der Sloterdijk’sche Bürgerkrieg hier ausbricht, hier, wo die revolutionäre Garde für den Klassenkampf von oben lebt: Frau Schickedanz, Herr Beisheim, Herr Schalck-Golodkowski, ein paar Fussballer des FC Bayern München und Frau Hohlmeier, Herr Burda und ein paar Wittelsbacher, angetan mit Kalschnikows, lassen sich also von ihren Chauffeuren nach Berlin bringen, wo sie Strassenbarrikaden…. und sobald die nette Frau S. und ihre Freundinnen übers Hannerl ausgeratscht haben, kommen sie auch noch nach, mit Torte vom Wagner anstelle einer Feldküche, das wird ein lustiger Bürgerkrieg. Noch etwas Tee in der Gefechtspause in der Schlacht um Marzahn?

Spass beiseite – bei allem Ärger über den Staat, Millionäre like us verhalten sich anders: Ich habe eine ziemlich hart arbeitende Bekannte. Letzthin traf ich sie, es war Samstag, sie war krank und hatte keine Stimme, und trotzdem war sie in der Arbeit. Vor drei Jahren hat sie von ihrer Grossmutter etwas geerbt; ein vermietetes Haus in guter Lage, ein paar Tafelpapiere, mit denen peinlicherweise von ihrem Grossvater längst verjährte Steuern optimiert wurden. Man kennt das, das ist die Schweizer Familiendepotkrankheit. Dazu Schatzbriefe, Bargeld, und als sie die Steuern abgeführt hatte, war sie 32 Jahre alt und das, was das M-Wort in Bezug auf Vermögen umschreibt. Bei uns nennt man diese Personen eher eine “gute Partie” oder “gut eingesäumt”, aber das allein wäre jetzt noch nichts, weswegen man eine eheliche Verbindung ins Auge fassen sollte. Meine hart arbeitende Bekannte ist eher durchschnittlich für das Viertel, in dem man wohnt.

Bild zu: Fussfaule Millionäre oder der Bürgerkrieg, der nicht kommt

Und sie arbeitet natürlich. Weil das, was sie besitzt, kaum reicht. Weil eine Million, oder auch zwei Millionen, eben nicht mehr das sind, was einst den Begriff des Millionärs prägte. Qua Definition gehört man zu den Dollarmillionären, wenn man jenseits des selbst genutzten Wohneigentums Besitz in Höhe von vergleichsweise geringen 700.000 Euro hat. Angeblich soll es davon in Deutschland nur 826.000 (oder 1% der Bevölkerung) geben, aber das kann nicht sein, da kenne ich schon fast mehr. Sollten es wirklich so wenige sein, kann man den Bürgerkrieg eh vergessen, da hilft auch kein Studium Trotzkis gesammelter Werke. Wie auch immer: Es ist alles andere als “viel Geld”. Nur die wenigsten werden mit Goldstücken Schusser spielen, wie das noch bei meinem Urgrossvater praktiziert wurde.

Gehen wir mal von 2 Millionen Euro aus, also das, was der normale Angehörige dieser Gruppe so besitzt. Gehen wir von 6% Verzinsung aus, die man mit einer guten Immobilie oder einer halbwegs sicheren Anlage ohne dauernden Stress erzielen kann. 3% gehen für die Inflation, Rücklagen, Reparaturen und Absicherung drauf, 1% für den Staat, bleiben grob 2%. Das sind 40.000 Euro pro Jahr. Nicht unbedingt das, was nach Reichtum aussieht. Genug für 7 Jahre eisernes Sparen, wenn man zwei Kinder hat und denen für das Studium in München zwei kleine Wohnungen kaufen möchte. Nicht genug für ein teures Automobil, nicht genug für ein Haus am Tegernsee, nicht mal genug für eine Zweitwohnung auf Sylt und schon gar nicht genug, wenn die Weltwirtschaftskrise einen Teil des Portfolios auslöscht. GM- und HRE-Aktionäre können ein Lied davon singen, im Chor mit Gewerbeimmobilieninvestoren und Filmfondszeichnern. Einmal dem Exminister geglaubt, der für einen Vertriebler etwas als Rentenergänzung anpreist, und schwups, kann man ein paar Jahresrenditen wieder einzahlen, um die Verluste der todsicheren Berlinimmobilie auszugleichen. Low-Tier-Millionäre heissen diese Leute in der Fachsprache der Vermögensverwalter, das M-Proletariat, die Erbsenzähler, die Knicker. Das sind die meisten, auf die das M-Wort zutrifft. Diejenigen, die ihren im Urlaub nach einem Mietferrari maulenden Töchtern mitgeben, sie sollten ja nicht glauben, man sei reich, oder auf bayerisch, man hätte einen “Gejdscheissa”.

Bild zu: Fussfaule Millionäre oder der Bürgerkrieg, der nicht kommt

Eher kommt man von Federn auf Stroh, so die allgemeine Ermahnung an all jene, die zumindest nicht Versicherungen an Omas verkaufen müssen. Ein wenig Sicherheit ist das Vermögen, etwas Rückhalt und vielleicht auch Zufriedenheit. Aber kein Anlass, nicht mehr zu arbeiten und nach Sri Lanka an den Strand zu ziehen, mit dem unsäglichen Benehmen von Spesenrittern, Porscheleihkäufern und Medienprominenz aufzuwarten, oder für schlecht gelaunte Fernsehmoderator eine Barrikade östlich von Berlin-Mitte zu bauen. Man kann das kleinbürgerlich finden, dieses Verheimlichen und Verschweigen, diese stille Freude an der Hoffnung, dass materiell wenig passieren kann, die Gewissheit, dass auch im Pflegefall noch etwas übrig bleiben würde. Millionäre? Das sind die anderen. Das sind jene, die sich nach vorne drängeln und Verschwendung inszenieren, die mehr ausgeben, als sie verdienen, und denen man selbstredend die Linke an den Hals wünscht.

Wir, mein Umfeld, wir wären so etwas wie die Fusstruppen des antifiskalischen Bürgerkrieges. Die armen Schweine, die am meisten zu verlieren haben, die ein paar Zehntausend in die Schweiz tun und Immobilien alle zehn Jahre überschreiben lassen, die Steuernachzahlungen wirklich fühlen und nicht einfach die S-Klasse mit allen Extras bestellen, sondern die Roadster der kleinen Schwester auffahren. Wir haben einen anderen Bürgerkrieg zu führen. So wie die Tegernseer Kleinmillionäre, die Herrn Beisheim ob seiner Tätigkeit im Dritten Reich den Wunsch verweigerten, das Gymnasium zu sponsorn. So wie die Gmundner Kleinmillionäre, die den Umbau von Kaltenbrunn durch den Multimillionär Schörghuber vor dem Verfassungsgericht verhindert haben. So, wie momentan Millionär auf Millionär eindrischt, weil man in Tegernsee einen Uferweg bauen will. So wie ich mich ärgere, wenn russische Millionäre meine Punschtorte wegkaufen. So, wie man die Augen verdreht ob der mittelöstlichen Krankenhaus- und Aufspritztouristen am Malerwinkel.

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Danke für den Hinweis auf den Bürgerkrieg, Herr Sloterdijk, aber den haben wir schon, es gibt genug Millionärsfressfeinde, gegen den man sich bis aufs Messer verteidigen muss. Angst, wirklich Angst hat man nicht vor der Steuer, sondern allein vor der Hyperinflation. Erst eine Hyperinflation würde alle zusammenschweissen , den Immobilienspekulanten, den Startupgründer, den Apothekerssohn und den Mittelständler – aber auch erst nach Verbringung des Vermögens in die Schweiz. Ansonsten weiss hier jeder, der ein wenig altes Geld aus den Katastrophen des 20. Jahrhunderts gerettet hat: Krieg ist nie rentabel. Arme Bevölkerungsschichten, die von der Hand in den Mund leben, die angeblichen Begünstigten der staatlichen Umverteilung – die halten die Wirtschaft weiter in Schwung, wenn der Schatz des Tegernsees längst inflationssicher in Schweizer Goldvreneli unter Graubündner Bergen bleischwer von Schäfchen aus Platin träumt. Von hier aus bin ich in 25 Minuten an der Grenze zu Österreich. Die in Marzahn können nicht weg. Im Süden daher nichts Neues.

Begleitmusik: Überhaupt, man stelle sich nicht so an, ein jeder ist doch nur auf der Suche nach seinem kleinen Glück. Überall die gleichen kleinen Tragödien und Freuden, die gleichen Scherze und das gleiche Leid. Im Spanien des 18. Jahrhunderts gab es die Tonadillas, kleinste Opern für den einfachen Geschmack, für alle Klassen, mal melancholisch und mal systemkritisch, lebendige Musik jenseits von Schranken und Bildung. Bei Glossa ist jüngst nun eine CD mit dem Namen “La Tirana contra Mambrú” erschienen, die auf’s Schönste diese alte Gattung mitsamt Kastagnetten wieder zu Gehör bringt.

 
 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (79)
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0 Schloßdeich 12.06.2009, 11:35 Uhr

Wieviele Taler, oh Wissende,...

Wieviele Taler, oh Wissende, braucht denn Mensch zum Leben? Also zum richtigen Leben, am Tegernsee.

0 donalphonso 12.06.2009, 11:49 Uhr

Kleines Wohneigentum mit zwei...

Kleines Wohneigentum mit zwei Parkplätzen ab 220.000 Euro, Einrichtung 10-20,0000, wenn man nichts mitbringt, Jahreseinkommen bessere Müncher Klasse, so ab 50.000 pro Jahr brutto. Da geht es los. St. Quirin mit Seeblick, repräsentables Haus, 200 m² und 1000 m² Grund, ab 1 Million, und dazu die üblichen Einnahmen. Im grossen und ganzen ist es aber auch nicht teurer als sehr gute Münchner Lagen.

0 Don Ferrando 12.06.2009, 12:00 Uhr

"Jahreseinkommen bessere...

"Jahreseinkommen bessere Münchner Klasse 50.000 brutto" ???? Werter Vetter, Ihr meintet doch wohl eher netto ?

naja - das m-wort wird ja...

naja - das m-wort wird ja schon lange als Mittelschicht ausgeschrieben. wobei Mittel fuer begenzte geldmittel und fuer bedrohte mitte der gesellschaft steht. - eine mio euro ist heute weit weniger das, womit man langfristig staat machen koennte, sondern weit naeher an dem, was eine vierkoepfige familie problemlos in staedten wie london oder new york zum annehmlichen leben inklusive privatschulen und ab und zu ausessengehen in einem jahr benoetigt.

Lieber Don Alphonso, wer wird...

Lieber Don Alphonso, wer wird denn da im dritten Bild auf dem Fresko vom Teufel geholt? Ein Reicher? Im Neuen Testament kommen die ja leider gar nicht gut weg, siehe Kamel und Nadeloehr :). Ist das Ihr schoenes silbernes Cabrio?

ps - eine mio jahresbedarf in...

ps - eine mio jahresbedarf in meinem obigen kommentar ist bruttoangabe. - ab 15mio auf dem konto wirds langsam gemuetlich - vorbehaltlich ebenfalls langsamer inflation.

0 Georgiana Darcy 12.06.2009, 12:33 Uhr

Bevor hier gleich das große...

Bevor hier gleich das große Familientreffen losgeht und alle anfangen, darüber zu jammern, wie wenig Geld sie angeblich haben, und dass sie sparen müssen, was das Zeug hält: manche Soziologen, so wurde mir berichtet, sprechen ja mittlerweile von einer neuen globalen "superclass", deren Leben sich von jenen, die hier im Artikel so putzig "Kleinmilionäre" genannt werden, genauso sehr unterscheidet wie das eines Wohlhabenden von einem Beschäftigten der Niedriglohnbranche. Also jener Personenkreis, dessen Besitz größer ist als als BSP ganzer Länder, und die ein eigenes U-Boot mit Raketenabwehrsystem besitzen....

btw sloterdijk. - ich finde...

btw sloterdijk. - ich finde den mann eigentlich immer schwaecher in letzter zeit. auch glaube ich das der traditionelle konfikt des 20.jahrhunderts - arbeiter vs kapital - sozis vs konservativ - sich laengst ausgezehrt hat. potentiell sehe ich eher eine signifikante verschiebung der demarkationslinie in das spannungsfeld rund um das 'bedingungslose grundeinkommen'. - hier konnten sich - und werden sich wahrschienlich - in naher zukunft diskussionen anlagern, die die linearitaet unserer wachstumsgesellschaft gegen sustainibility, ballance und oekologie im weitesten sinne verhandeln. in diesem zusammenhang rufe ich die deutsche bobo partei (bohemian bourgeois) aus und bestelle hiermit don alphonso per akklamation zum ersten vorsitzenden.

0 Jochen Hoff 12.06.2009, 12:43 Uhr

Ach ja. Das erinnert doch sehr...

Ach ja. Das erinnert doch sehr an das Quälkind meiner Jugend und seine Schnulze, von Mamatschie die ihm ein Pferdchen schenken sollte. Nein, wie er keine Pferde vor dem Beerdigungswagen meinte, so meint der Klassenkämpfer von heute auch keine Durchschnittsmillionäre. Wir leben im Zeitalter der Milliarde. Was ist das schon eine Million. Mal ganz im Ernst. Millionäre kann man nicht einmal beneiden. Solange sie unter 50 Millionen bleiben, werden sie die Schulden der Milliardäre bezahlen müssen. Sie gehören längst zum Pöbel. Da helfen auch die silbernen Kannen nicht. Viele von ihnen geben schon jetzt jährlich mehr Geld für den Steuerberater und den Anlageberater aus, als beide zusammen in fünf Jahren einbringen. Nein solche Millionäre meint man nicht. Ihr Geld in der Schweiz, schicken selbst die Schweizer bald freiwillig an Steinbrück. Für solch kleine Summen kämpfen die nicht. Das einzige wo solche Millionäre demnächst noch Anerkennung finden, ist bei der Reichensteuer. Da werden sie bluten müssen. Arme Minimillionäre. Sie sitzen mit den Arbeitnehmern in einem Boot und meinen, nur weil sie nicht richtig rudern müssten, wären sie Teil des Offizierskorps. Welch grandioser Irrtum.

0 Schloßdeich 12.06.2009, 13:04 Uhr

Ja, klingt danach. Wäre...

Ja, klingt danach. Wäre umzusetzen. Nur ein Häkchen: Ist das nicht eine Tourismushochburg? Wie lebt man mit 20 Kaffeefahrten am Tag?

Rein rechnerisch verhält sich...

Rein rechnerisch verhält sich der Milliardär zum Miliionär ja wie Günther Jauch zu seiner Putzfrau - aber wie habe ich mir das vom Standesverhalten her vorzustellen? Mit wem umgeben sich Milliardäre? Und wo leben die?

Wie der Hase und der Igel Das...

Wie der Hase und der Igel Das ist ja ein Ding, diesem Sloterdijk-Steuerbürgerkrieg jage ich hinterher, wie der arme Hase in der bekannten Fabel, kaum dass ich ihn wieder habe, ist er schon verschwunden – im kostenpflichtigen Archiv. Nun haben Sie ihn wieder ausgegraben. Danke. Ich bin Ihnen schon wieder was schuldig. Und da ich das diesem „Philosophen der Deutschen“ (klingt wie die Volksaktie der Deutschen), eben jenem Sloterdijk, nicht gönne – nicht die Einnahmen für seinen Beitrag in der FAZ, die gönne ich ihm, so wie die Steuer, die er vermutlich doch nicht zahlt, trotz allen Gejammers, nein, diese meine Kritik ständig verschwinden sehen zu müssen, zusammen mit seinen aphoristischen Weltbetrachtungen - , hier ist mein Leserbrief (siehe auch: http://blog.herold-binsack.eu/?p=267) noch einmal, in der Hoffnung, dass er nun nicht mehr verschwindet, in irgendein Archiv. Schuldner und Gläubiger, Kapital und Arbeit, Barrikaden und Scheiterhaufen Hinter dem Gegensatz von Schuldnern und Gläubigern steckt weiterhin der Gegensatz zwischen Arbeit und Kapital, denn Schuldner wie Gläubiger zertifizieren sich gegenseitig, was ein anderer erarbeitet hat, wenn sie nicht gar ganz deckungsgleich mit Arbeit und Kapital sind. Und dass ein Philosoph wie Sloterdijk zu solch einer Tiefenbetrachtung der Dinge nicht mehr durchzusteigen wagt, hängt wohl damit zusammen, dass sein Hauptfeind als Intellektueller nur noch das Finanzamt ist. Er hat wohl ganz vergessen, zwischen all seinen aphoristischen Betrachtungen der Welt, woher das Kapital herkommt, dass er da irgendwo in Aktien, Wertpapieren, oder sei es auch in Sachanlagen (verzinst) angelegt hat. Und es käme halt auch schlecht an, wenn er sich, als der „Philosoph Deutschlands“, neben gewissen deutschen, philosophisch sicherlich recht unbedarften, Fussballstars und noch harmloseren Musiksternchen, irgendwo in einem Steuerparadies ansiedeln würde. Also Ihr „Bürger“, geht auf die Barrikaden, aber bedenkt, dass diese dann auch als Scheiterhaufen für euch genutzt werden können. Und das geschieht regelmäßig dort, wo man das Volk in den Kampf gegen Chimären jagt. Deutschland hat da eine lange Geschichte zu.

Ich kenne mich da ja nicht so...

Ich kenne mich da ja nicht so aus. Aber ist der "antifiskalische Bürgerkrieg" nicht eher so ein stiller, kalter, der längst stattfindet? Ich erinnere mich da an so eine Reportage aus südwestlicher Gegend, hier auf diesen Seiten.

0 Chat Atkins 12.06.2009, 13:48 Uhr

Nun dibber doch hier nicht...

Nun dibber doch hier nicht rum: Zuverlässige Laternen stehen allzeit bereit - und ein paar Kälberstricke werden sich dann auch noch finden. Selbst in der einst so beschaulichen Schweiz schauen die Leute längst aus anderen Augen auf allzu gewohnte Verhältnisse ...

Die Schreibe und der Sprech...

Die Schreibe und der Sprech von Sloterdijk wirken auf mich begrifflich immer so holprig. Aber die Neuprägung des Begriffs "Semi-Sozialismus" und seine Anwendung auf die hiesigen Verhältnisse - wie zur Bestätigung der jüngst hier [http://www.faz.net/s/Rub4D6E6242947140018FC1DA8D5E0008C5/Doc~E32519663DCC94598967095AC0694894D~ATpl~Ecommon~Scontent.html]vorgetragenen Beichte, dass Schwarz keine Farbe sei , sondern nur ein ganz, ganz dunkles Rot - gefiel mir.

0 Blinder Passagier 12.06.2009, 14:30 Uhr

Lieber Don, warscheinlich...

Lieber Don, warscheinlich könnte man auch unterscheiden zwischen a)Neureichen und b) altem, über Generationen erworbenem Reichtum. Meine perönlichen Erfahrungen mit unter a) genannten: überwiegend negativ. Unter b) eher positiv. Aber auch hier gilt, das Ausnahmen die Regel bestätigen (besonder, wenn zu b) noch ein Adelsprädikat hinzukommt. Aber das ist ein anderes Thema). Eine Frage zu einem anderen Thema noch. Würden Sie einem interessierten Laien die Anschaffung von E.H. Gombrich - Die Geschichte der Kunst empfehlen?

Vererhrter Don Alphonso, ich...

Vererhrter Don Alphonso, ich freue mich, daß Sie auf Sloterdijk eingehen. Daß eine Million nicht mehr "viel" ist, zeigt ja schon ein Blick in die Journaille dieser Monate - der Begriff kommt kaum vor, es ist von Milliarden ( gar Billionen ) die Rede. Ich glaube Sloterdijk hat recht mit seinem Postulat: „Wir leben gegenwärtig keineswegs ,im Kapitalismus’, sondern in einem massenmedial animierten, steuerstaatlich zugreifenden Semi-Sozialismus.“ Wobei ich glaube, daß nicht die von Ihnen beschriebenen Millionäre die Hauptleidtragenden sind sonder die "Mittelschicht". Ihre Aussage: "Angst, wirklich Angst hat man nicht vor der Steuer, sondern allein vor der Hyperinflation." macht mich nachdenklich. Stimmt sie denn? Abgesehen davon, daß m. M. eine Hyperinflation auf 10 bis 20 Jahre unwahrscheinlich ( siehe Japan ), weil genau durchdacht, unmöglich erscheint ( Inflation entsteht durch ein Aufblasen der Neu-Schuldverhältnisse und dazu fehlt der z. Zt. ein Anlaß ). Aber sei's drum. Käme sie und träfe sie uns alle gleichmäßig, dann bewirkte sie nichts - es bliebe alles beim alten. Käme sie und träfe jeden anders ( uns ungleich, wie wäre das wohl möglich? ), dann eröffnete sie riesige Chancen, um reich werden, für die die es vermögen. Sie kämen zu Vermögen. Ist es gerecht, wenn der eine mehr hat als der andere? Ja, wenn er es verdient hat. Ich freue mich, daß es Ihren Blog gibt. Gruß Hanskarl

0 Schloßdeich 12.06.2009, 14:41 Uhr

Don Ferrando, mit 50.000 netto...

Don Ferrando, mit 50.000 netto müssen Sie nach Haar ziehen. Oder noch dahinter ins Eck. Da haben Sie recht. Aber vielleicht reichen die Taler eben doch für den Tegernsee. Oder sagen wir 75.000 netto. Wissen wirds der Don Alphonso.

0 donalphonso 12.06.2009, 14:43 Uhr

Bei dem 50.000 brutto gehe ich...

Bei dem 50.000 brutto gehe ich stillschweigend davon aus, dass noch irgendwo die besagte Dollarmillion zwecks Rendite in Höhe von 20.000 Netto rumliegt. Damit kann man hier einsteigen.

0 Schloßdeich 12.06.2009, 14:53 Uhr

Dös basst scho. Ich kenn aber...

Dös basst scho. Ich kenn aber einige Menschen, die sich am Starnberger See auch wohl befinden. Ganz lieb, mit Seegrundstück. Mal schaun.

0 donalphonso 12.06.2009, 15:10 Uhr

abf, das ist sicher nicht von...

abf, das ist sicher nicht von der Hand zu weisen, aber: 1% der bevölkerung hat diese Mittel. 99% haben sie nicht. Es ist in diesen Kreisen üblich, das als Mittelstand zu begreifen, aber nichts könnte fälscher sein. Da ist man schon ganz oben angekommen. Auch ich würde instinktiv sagen, dass zu dieser Gruppe 10, 15% der Bevölkerung gehören, und dann noch mal 5%, die darüber liegen. Nur: Es stimmt nicht.

0 donalphonso 12.06.2009, 15:15 Uhr

Cao Ky, das ist eine der...

Cao Ky, das ist eine der ersten in deutschland zugelassenen Barchette, weiland ein Geschenk meiner Eltern an meine Schwester, die dann vor vier Jahren auf etwas anderes umstieg, und bevor man den Wagen abgeschafft hätte, nahm ich mich seiner an. Wir sind durchaus sparsam, wenn ich mal von den gerade erstandenen 3 Dutzend Baccarat-Gläsern absehe. Auf dem Bild ist ein Sünder am Jüngsten Tag zu sehen, der justament bei der Erweckung schon von einem Teufel ohne Sconto kassiert wird. Es ist Teil eines gotischen Frescos in der Totenkapelle von Schwaz, Tyrol.

0 Avantgarde 12.06.2009, 15:18 Uhr

Weit kann's wirklich nicht...

Weit kann's wirklich nicht mehr her sein mit den Millionären, wenn die Leute in Chiasso schon 134 Milliarden im Koffer haben, und damit auch noch erwischt werden. (Wäre mit einer Barchetta nicht passiert.) Ob echt oder falsch ist nach der Hyperinflation dann auch egal. Ich hab noch einige Billionen Reichsmark, damit kann ich locker den kompletten Bailout der USA finanzieren. Ist Sloterdijk ein "Leistungsträger"? Oder heißen die so, weil sie sich von den Leistungen anderer tragen lassen? Ist ein Mensch, der den ganzen Tag arbeitet, aber nicht genug verdient, um davon Einkommensteuer (Existenzminimum) zahlen zu können, ein "unproduktiver" Mensch, oder nicht doch jemand, der anderen zu mehr Einkommen verhilft, für das diese dann (manchmal) Steuern bezahlen? Braucht die INSM auch einen Bailout? Fragen über Fragen.

0 donalphonso 12.06.2009, 15:19 Uhr

Malte, ganz im Süden ist...

Malte, ganz im Süden ist Rottach-Egern und Tegernsee. Dort wohnen einige. Schickedanz, Beisheim, die Wittelsbacher, der Sachs und noch ein paar, die nicht auffallen wollen. Früher auch Leute wie heinrich Himmler - der See hiess nicht umsonst in der Nazizeit Lago di Bonzo. Als Einstieg für den Zeitvertreib der Milliardäre empfehle ich diese lustige Geschichte: http://www.barthel-spd.de/wahlkreis/themen-im-wahlkreis/beisheim-gymnasium-tegernsee.php

nicht selbstgekauft sondern...

nicht selbstgekauft sondern uebernommen!!! - don. junge. da faellt mir ein stein vom herzen. die barchetta meine ich. ... pfffft... - schwein gehabt. meine eingabe bei der stilpolizei werde ich zurueckziehen. uebernommen kleidet jedes automobil. dafuer sollte es eigentlich gesonderte kfz-zeichen geben.

0 donalphonso 12.06.2009, 15:36 Uhr

Auf der Insel nennt man das...

Auf der Insel nennt man das "One-Family-Owner". Sie wurde gerade 14 Jahre alt, und wir planen natürlich, sie in der Familie zu belassen, bis sie ein Klassiker ist. Abgesehen davon, man belächelt das Auto nur so lange, bis man mal das Stilfser Joch (Bild) damit gefahren ist. Danach nicht mehr.

Wirklich eine Provinzposse...

Wirklich eine Provinzposse allererster Güte. Bedauerlich aber, jenes bürgerliche Engagement des Herr Professor derart derart zu verunmöglichen. Vielleicht muss der ein oder andere "Sozi" auf die eigene Vergangenheit (Verherrlichung von Massenmördern) gestossen werden. Es steckt eine gewaltige Selbstgerechtigkeit der -glücklichen- Nachgeborenen dahinter, einem damals 15-18jährigen jungen Manne einen solchen Vorwurf zu machen.

Die panische Inflationsangst...

Die panische Inflationsangst beobachte ich auch beim Frankfurter M-Proletariat. Sie äußert sich gegenwärtig öfters im überstürzten und nicht durchdachten Immobilienerwerb. Zu Grunde liegt ihr, eine mir vollkommen irrationale erscheinende Existenzangst. Zumal meist keine Kinder zu versorgen sind, sollte es am Ende, wenn nicht alles schief läuft, sogar noch für eine anständige Beerdigung reichen. Die Sache mit dem Weitermalochen trotz ständig verbreiteter Ausstiegsphantasien verstehe ich auch nicht

0 Georgiana Darcy 12.06.2009, 16:29 Uhr

@ Don Alphonso: Ich hatte...

@ Don Alphonso: Ich hatte heute Mittag einen kurzen Kommentar verfaßt, ist der nicht angekommen? (Wenn Sie jedoch noch keine Zeit, alle Kommentare zu lesen und freizuschalten, diesen Beitrag bitte einfach löschen.)

Die panische Inflationsangst...

Die panische Inflationsangst beobachte ich auch beim Frankfurter M-Proletariat. Sie äußert sich gegenwärtig im überstürzten und nicht durchdachten Immobilienerwerb. Zu Grunde liegt ihr eine mir vollkommen irrationale erscheinende Existenzangst. Zumal meist keine Kinder zu versorgen sind, sollte es am Ende, wenn nicht alles schief läuft, sogar noch für eine anständige Beerdigung reichen. Die Sache mit dem Weitermalochen trotz ständig verbreiteter Ausstiegsphantasien verstehe ich auch nicht.

0 donalphonso 12.06.2009, 16:31 Uhr

Aaaaaaalso, gemäss den...

Aaaaaaalso, gemäss den üblicherweise gut informierten Kreisen auf dem Leeberg ist es so, dass Herr Beisheim seine önnerschaft auf eine Art in den Ort getragen hat, auf dass sich viele auch nicht gerade Arme dachten: Das muss man sich nun wirklich nicht abtun. Zumal Herr Beisheim es ja auch eigentlich vorzieht, aus steuerlichen Gründen in der Scjhweiz zu leben. Das passt vielleicht für eine Uni mit dem Nachwuchs des globalen Zockertums, aber jetzt nicht so wirklich nach Tegernsee am Tegernsee. Also stellte man ein paar Fragen, auf die man von beisheims Seite nicht zum ersten Mal nicht sonderlich geschickt antwortete, was irgendwie so gar nicht zum Leitbild passte. Das ist dann auch der Grund gewesen, dass man Herrn Beisheim wenig unterstützt hatte. Ausserdem, die lumpigen 10 Millionen hätte man auch anders zusammenbringen können. Gerade an diesem Ort.

Lieber Don Alphonso, die...

Lieber Don Alphonso, die Barchetta ist doch ein bildhuebscher Roadster und abf sollte nicht noergeln. Von Andreas Zapatinas kann man immer etwas Herrliches erwarten. - Meine Schwester hat mir nur mal einen Ford Gran Torino Station Wagon aus den 1970ern ueberlassen (x.te Hand), mit falscher Holzvertaefelung und schwarzen Kunstledersitzen, und der war dann nach 3 Wochen auch kaputt. Aber noch lange genug um meinen Friseur sich wundern zu lassen warum ich so alle 3 Monate mit einem anderen offensichtlich am Lebensende stehenden Gefaehrt angefahren kam - ein ehemals weisser dann schwarz angestrichener Chevy Vega SW, der sich so bedenklich nach links neigte dass man ihn nicht volltanken durfte ohne auf geneigter Strasse Sprit zu verlieren (gekauft von einer Professorin die ein Buch ueber die Mafia schrieb!), dann ein rot-weisses Buick Le Sabre Coupe von einer gehbehinderten alten Dame - sichere Wahl, dachte ich, aber ihr junger englischer Chauffeur hatte das Kfz schon mehr als halbtot gefahren. Doch am Besten ein silbergrauer Dodge gekauft von einem Priester, der die ganze Strecke von SF nach Wyoming und zurueck bis zum Achsenbruch schaffte. Im Nachhinein will man das alles aus Studententagen nicht missen, auch nicht den allerersten 1972er Buick LeSabre der 10 Meilen bis zum Getriebeschaden hielt, dann repariert bis nach Galveston und zurueck nach LA. Doch mein roter Mazda 323 "Mickey" fuhr brav neu von 1990 bis zum Verkauf 2003, als ihn dann die Schwester des Kaeufers innerhalb von Tagen zu Schrott fuhr. - Wann tritt denn der Sunbeam seinen Dienst bei Ihnen an??

0 donalphonso 12.06.2009, 16:42 Uhr

Montag, hoffe ich. Mein erster...

Montag, hoffe ich. Mein erster Wagen war ein 72 Oldmobile Delta 88 candyrot mit weissem Dach und weissem Leder, aus Arizona, einer Power Buldge auf der Motorhaufe und ein dicker Lader drunter. So um die 400 PS, vielleicht auch mehr. Von SF nach Nevada, LA, den Highway No. 1 wieder hoch. War mein Abiturgeschenk an mich selber. ich habe sehr um ihn geweint.

0 donalphonso 12.06.2009, 16:50 Uhr

Georgina, jetzt ist er da. Es...

Georgina, jetzt ist er da. Es ist selbstverständlich so, dass das Leben von Kleinmillionären keinesfalls mit Milliardären vergleichen werden kann, aber: Gemessen an einem Hartz IV Empfänger spielt das keine grosse Rolle mehr. Generell stellt sich die Frage, wie weit man auf der sozialen Leiter kommt, und ab einem gewissen Punkt ist der Blick ganz an die Spitze eher kontraproduktiv. Man hat, was man hat. Den Kindern wird es nicht schlechter ergehen, egal was auch kommen mag. Irgendwann stellt man sich auch die Frage des Aufwands: was bringt es, sich weiter reinzustressen, an zusätzlichem Gewinn? Und somit entsteht eine breite, faule Schicht älterer Menschen, die ab und an auf eine Versteigerung gehen, ein Mahagoniboot pflegen oder einen Oldtimer kaufen, um damit an die Riviera zu fahren. Die Superreichen... ach, da schaue man nur mal nach Russland. Austauschbares Pack mit zu viel Geld. Nicht unsere Sache.

0 donalphonso 12.06.2009, 17:13 Uhr

abf, ich glaube, der Konflikt...

abf, ich glaube, der Konflikt zwischen Arm und Reich wird nur gut kaschiert. Einerseits, weil man die Armen ruhigstellt, mit 0% Zinsen auf die Glotze. Andererseits - ich mein, wie viele Angebote wie die "Stützen" gibt es? Warum gibt es Zilliarden von Promiwebseiten, die eine Medienelite erfinden, und so gut wie nichts über die realen Herren des Landes, ihr Leben, ihr Treiben? Das sind die Fragen, die mich umtreiben, es ist, als hätte man den ganzen Konflikt in Beton gegossen und im öffentlichen Hafen versenkt. In gewisser Weise kann ich das verstehen, denn Medien fehlt heute jeder Respekt und jedes Feingefühl. Der Konflikt jedoch wird dadurch nicht ausgelöscht. Gerade Sloterdijks - meines Erachtens - sagenhaft ignoranter Beitrag, der so tut, als wäre der Staat ein schwarzes Loch für Geld und keine Umverteilungsmaschine, die den Reichen in den letzten 25 Jahren Traumzuwächse beschert hat, ist ein prima Beispiel für die Nebelkerzen, die da geworfen werden. (Mal abgesehen davon, dass man aus jeder Zeile merkt, dass er wenig mit Reichen zu tun hat)

0 Georgiana Darcy 12.06.2009, 17:21 Uhr

@Blinder Passagier: oh nein,...

@Blinder Passagier: oh nein, feudale Wurzeln haben im üblichen keine positiv steigernde Wirkung. Da hatte der Dünkel über Jahrhunderte und Aberjahrhunderte Zeit, zu akkumulieren, und wenn das z.B. im Hochmittelalter anfängt, kommt ganz ordentlich was zusammen. Im Falle, dass die Besitzungen der Familie dann auch noch in Ostdeutschland oder Osteuropa lagen, also nach dem 2. WK abhanden kamen, finden Sie nochmals eine Steigerung, die nahezu schwindelerregend ist. (Und wenn Sie jetzt noch einen drauflegen wollen, dann gehen Sie eine Mesalliance ein;-)

0 Georgiana Darcy 12.06.2009, 17:37 Uhr

@ Don Alphons: "ich glaube,...

@ Don Alphons: "ich glaube, der Konflikt zwischen Arm und Reich wird nur gut kaschiert. [..] Andererseits - ich mein, wie viele Angebote wie die "Stützen" gibt es? Warum gibt es Zilliarden von Promiwebseiten, die eine Medienelite erfinden, und so gut wie nichts über die realen Herren des Landes, ihr Leben, ihr Treiben? Das sind die Fragen, die mich umtreiben, es ist, als hätte man den ganzen Konflikt in Beton gegossen und im öffentlichen Hafen versenkt." . Ich finde, das trifft es ziemlich gut. Das ist meiner Erfahrung nach allerdings ein sehr deutsches Phänomen: thematisiert man die Frage "Klasse" schlägt einem eine ganz eigenartige Reaktion entgegen, es ist, als habe man etwas unglaublich Unanständiges, Unpassendes, Nicht Aussprechbares erwähnt. Und das gilt seltsamerweise auf beiden Seiten des Zauns... In UK gibt es da wirklich einen etwas anderen Diskurs, da man selbstverständlich davon ausgeht, dass die class society weiterhin existiert.

vielleicht stütz man sich in...

vielleicht stütz man sich in germoney auf dem schein- bzw. krückenkonstrukt der 68-er & tut so als ob es immer noch gelten würde?

Lieber Don Alphonso, das...

Lieber Don Alphonso, das Oldsmobile muss ein Traum gewesen sein, ich kann jede Ihrer Traenen verstehen! Arizona ist ein Geheimtip fuer klassische US Wagen - und auch Flugzeuge. Nicht umsonst gibt es das Pima Air Museum nahe Tucson, wo Legenden zu bewundern und manchmal auch zu besteigen sind. - Nur in Ihrer Antwort zu Ms. Darcy haben Sie Recht - und Unrecht! - wenn Sie schreiben, dass es "den Kindern ... nicht schlechter ergehen [wird], egal was auch kommen mag." Richtig - jedes Streben nach noch mehr Besitz wird ab einer gewissen Vermoegenshoehe wohl irrelevant (deshalb arbeitet Bill Gates auch nicht mehr wegen seiner Kinder!). Aber - "egal was auch kommen mag" ist leider falsch! Wer das in Deutschland 1913 dachte, lag so falsch wie an einem anderen Ort 1975, wenn man wie von Ihnen hier wohl sinngemaess impliziert nur an das Materielle denkt! Wenn die wahre Katastrophe kommmt, sollte es heissen, ist nur "egal was man vorher angehaeuft hat." Das Rittergut in Ostpreussen oder die Villa auf den Huegeln von Da Lat - die sind dann erst einmal weg. Bei uns war es natuerlich selbst fuer die, die nicht gehen konnten, im Ganzen viel, viel weniger schlimm als nebenan unter dem Massenmoerder Saloth Sar (Pol Pot), aber trotzdem ... die Wahrheit ist dann doch, dass es nicht auf ein "noch mehr" an Guetern geht, sondern daran, was man den Kindern an geistigen Dingen und Lebenseinstellung mitgeben kann. Da freut man sich mehr an der Erinnerung an den verstaendnisvollen, lebensfrohen Vater als man sich ueber das Erbe eines Mahagoniboots oder des Mercedes SL Coupe gefreut haette, dass dann verloren ging. In Massen die Dinge geniessen, deren man sich erfreuen darf, aber immer an die wahren Werte denken, die ueberleben, solange man selber ueberleben darf.

@ Ms. Darcy: In den USA gilt,...

@ Ms. Darcy: In den USA gilt, wie es Garrison Keillor so schoen im Falle des Lake Woebegone ausgedrueckt hat, "every child is above average," und 90% rechnen sich selber der Mittelklasse zu :). Wer die Wahrheit wissen will, dem/der sei Paul Fussell, "Class," zur Lektuere empfohlen - das Buch sollte auch den lieben Don Alphonso interessieren! Kleines Beispiel: fahren zwei befreundete Familien in einem Auto, sitzen bei den blue collars die Maenner vorne, die Frauen hinten. Middle Class/white collar hat jeweils die verheirateten Paerchen nebeneinander sitzend (vorne und hinten), und in der Oberklasse ... da sitzt die Frau der befreundeten Familie neben dem einladenden Mann, und umgekehrt. Das gleiche Prinzip ist das Erfolgsgeheimnis der Platzierung bei einem British Dinner.

Der "Britische Peso" gehoert...

Der "Britische Peso" gehoert ja nun der Vergangneheit an und die britische Oberschicht kann weiter Kunst sammeln a la Alphonse. In puncto "Klasse" muss ich sagen, dass der Brite als solcher eben (nur) deshalb offen drueber redet, weil er die Schranken ja auch gerne akzeptiert. Vollrausch und fertig. Was dann noch zwischen oben und unten uebrig bleibt, kann ja bei Morrisons sein (deutsches) Auto waschen - preussischer als Berlin. Und: War des Dons Lieblingssendung nicht "Top Gear"? Unsaegliche Wettrennen von Trabis gegen Ford Cortinas, die jeder saechsische Taxifahrer fuer sich entscheiden wuerde. Und: Ja, die Boulevards fuer das Medienvolk ("celebrities") sind hier laenger als anderswo, aber das Wort "kaschieren" trifft es nicht. Die Leute wissen (und sehen) schon genau, wo die Taler hinwandern. Aber sie sind d'accord. Don Alfonso, geben Sie Gas!

Sloterdijk als Till...

Sloterdijk als Till Eulenspiegel am Hofe der Marktwirtschaft ? Was will der Künstler uns damit sagen ?

0 Don Ferrando 12.06.2009, 19:35 Uhr

Vielleicht mal für mein...

Vielleicht mal für mein Verständnis: Wie definiert Ihr, werter Vetter, denn "arm" in Deutschland. Und wie hoch ist dann der Anteil dieser Armen an der Gesamtbevölkerung??

0 kleinerberg 12.06.2009, 20:18 Uhr

ich glaube,es ging sloterdijk...

ich glaube,es ging sloterdijk nicht um die nabelschau nach dem motto: wieviel habe ich,und wie will ich es bis zu meinem ableben aufbrauchen? . im letzten absatz seines artikels(12.6.09,faz-online), gibt er zu bedenken, ob die zwangssteuersätze nicht besser auszutauschen wären gegen schenkungen an das allgemeinwohl. . sie don a., haben vermehrt die russischen tortendiebe im blick, deren ethisches ansinnen nicht in ihre kleine,feine welt passt. . ich liebe ja dieses so oft angefasste wort "nachhaltigkeit"- wenn ich da z.b. "bobbeles" angepeilte ehe mit der lily hernehme,dann zerfliessen doch die millionen ganz von alleine.sorglos ins elend,nach mir die sintflut.......... wenn das ein paar contra- e-motions aktivieren könnte,wäre nicht schlecht.

Generalissimo Sloterdijk ruft...

Generalissimo Sloterdijk ruft zu den Waffen und seine sicher geglaubten Bataillone verweigern den Marschbefehl? Da hat er die struktuerelle Verarmungsangst deutscher Vermoegenden falsch interpretiert, man ist durchaus bereit in eine Illusion, die sich sozialer Kitt nennt, in Form von Steuern zu investieren. Man moechte auch als gutsituierter Bewohner am Tegernsee die Fassade der Anstaendigkeit aufrecht erhalten, wie die angefuehrten Beispiele darlegen. Nicht umsonst hat man Art 14 Absatz zwei ins Grundgesetz geschrieben und versteckt sich hinter dem bismark`schen Ideal der paternalistischen Unternehmensfuehrung bei Meldungen aus Herzogenaurach und Zuffenhausen. Es ist schon so wie die werte Georgiana schreibt, der Teutone ist schockiert, wenn das Wort Klasse faellt, sowohl der Plebejer wie der Patrizier. Der Professor aus Karlsruhe scheint da ordentlich was misverstanden zu haben beim reinhorchen in die nehmende Klasse, es besteht kein Beduerfnis nach buergerlicher Revolution, man hat sich arrangiert, akzeptiert die anscheinend semi sozialistische Umverteilungsmaschine als den zuzahlenden Preis, um nicht von seinen Angestellten als Geisel genommen zu werden. Eine in meinen Augen pragmatische Einstellung, resultierend aus den Katastrophen des 20. Jahrhundert, nicht unbedingt aufrichtig, aber realistisch. Man verzichtet auf Standesbewusstsein, dafuer hat man sein Ruhe und wenn der Mahrzahner dann reich mit Sido und Bushido assoziert, hat man sein Ziel erreicht. Daher bleibt sein Versuch einer philosophischen Grundsteinlegung fuer den, seiner Meinung nach ausbleibenden, Buergerkrieg, eine schummerig nebeloese Aneinanderreihung von vor ihm Gedachten, ein leichtfertig dahergeschriebener Rechtfertigungsversuch fuer neureiche Steuerhinterzieher

Ich frag mich wo Sie - zum...

Ich frag mich wo Sie - zum wiederholten Mal - Ihre Sicherheit bzgl. der Goldvreneli hernehmen. Die werden seit Ewigkeiten nicht mehr gepraegt, noch dienen sie der Sicherung der schweizer Waerhrung, die ist nicht goldgedeckt. Gut, auch besitze ich sowas - allein der moeglichen medizinischen Notwendigkeit geschuldet, aber als Vermoegenssicherung?? Die EMB laesst gruessen...

0 Avantgarde 12.06.2009, 22:09 Uhr

devnull Sagen wir mal so:...

devnull Sagen wir mal so: Goldvreneli muss man nicht in Schubkarren zum Lebensmittelhändler fahren wie 1923 das Geld Sie sind klein, handlich, mögen im Wert stark schwanken, aber nie wertlos sein. Verrotten auch nicht, wenn man sie vergräbt

Genie und Tratschtante @Don...

Genie und Tratschtante @Don Alphonso: „Gerade Sloterdijks - meines Erachtens - sagenhaft ignoranter Beitrag, der so tut, als wäre der Staat ein schwarzes Loch für Geld und keine Umverteilungsmaschine, die den Reichen in den letzten 25 Jahren Traumzuwächse beschert hat, ist ein prima Beispiel für die Nebelkerzen, die da geworfen werden. (Mal abgesehen davon, dass man aus jeder Zeile merkt, dass er wenig mit Reichen zu tun hat)“ Gut erkannt, und ich nehme an, Sie wissen auch, dass Sloterdijk genau jener Nebelkerzenwerfer ist!? Nur in einem irren Sie: er hat mit Reichen zu tun, nur nicht von Angesicht zu Angesicht, oder gar als Mitglied ihrer Loge, nein, als ihr Hofnarr. In früheren Zeiten war er Bhagwan-Priester, nun spielt er selbst den Guru. Das ist die Kunst, rechtzeitig begriffen zu haben, wann man genug gelernt hat, um sich nun selber seine Schüler zu suchen. Darin steckt sein „Genie“, das muss man ihm lassen. Selbst auf Heidegger will er mittlerweile pfeifen, obwohl jede bessere Zeile eine Kopie von ihm ist, auch mit Hölderlin schmückt er sich, obwohl er vermutlich kein Wort von ihm verstanden hat. Hölderlin war kein Blender, er hingegen ist es. Hölderlin hätte nie über einen Gegner /einen Konkurrenten schlecht geredet, wenn er nicht das Zeugs gehabt (oder nicht die Notwendigkeit gesehen) hätte, dies nur mit besten Argumenten und höchstpersönlich zu tun. Goethe war so ein ganz Großer, das wusste Hölderlin, und obwohl er es nie überwunden hat, dass er ihn so kalt hat stehen lassen, damals bei Schiller, hat er nie ein Wort über ihn gesagt, denn er wusste, dass Goethe der Bessere, auf jeden Fall aber der Wichtigere war. Allerdings nicht überall, nicht dort, wo Hölderlin für Goethe unerreichbar blieb. Die Menschen, das einfache Volk, eines das zu großen Taten bereit war/bereit sein sollte, ihren Göttern gleich gemacht zu haben, das war Hölderlins Genie, ein Goethe verstand es nur, den Literaten zu vergöttlichen, und darin blieb er gewöhnlich. Ein großer Philosoph – und Hölderlin war natürlich auch ein Philosoph -, spürt die Anwesenheit eines Ebenbürtigen und nimmt das schweigend zur Kenntnis, wenn Schweigen besser ist. Der wahre Dichter schweigt, sagte Hölderlin, und damit auch meinte er sich selbst in Bezug eben auf diesen Goethe, und er begriff, dass eines Goethes Schweigen hingegen Schwäche war, eine, eines Hölderlin nicht wirklich abträglich, aber eines Goethe unwürdig. Und da kommt diese Tratschtante und lästert den toten Marx ab, und dass das ohne Stil ist, nicht einfach nur Schwäche, das erkannt zu haben, das spricht für die Leser der FAZ, selbst wenn sie deshalb noch lange keine Marxisten sind/nicht sein müssen.

Hääh, Slöterd... wie! Den...

Hääh, Slöterd... wie! Den muß man nicht kennen, oder? Mehr dümmliches Gesülze geht fast nicht!

0 donalphonso 13.06.2009, 00:10 Uhr

Chat, eine Reise zu den...

Chat, eine Reise zu den langsam in Bedrängnis kommenden Reichenkantonen wie Unterwalden würde mich auch mal interessieren. Allein schon, weil ich annehme, dass man es besser heute anschauen sollte, bevor es morgen vorbei ist.

0 donalphonso 13.06.2009, 00:15 Uhr

Devnull, ich sage nur: Im...

Devnull, ich sage nur: Im Falle eine Hyperinflation. Ansonsten Finger weg von Gold. . Herold. ich werde mir den Text nochmal genauer anschauen; mich erinnert er etwas an das Buch "Der schwarze Schwan", dessen Autor seine Konstruktion auch in einem Wust von zurechtgebogener Geistesgeschichtsbrocken servierte. Nur generell halte ich die Idee eines Bürgerkrieges für lächerlich, nachdem die "Leistungsträger" zumindest in Deutschland mitsamt Steuertricksern keinen Anlass zur Klage haben.Abgesehen davon: Auch weniger Begüterte zahlen Umsatz- und andere Verbrauchssteuern.

0 donalphonso 13.06.2009, 00:25 Uhr

Blinder Passagier, meine...

Blinder Passagier, meine Erfahrungen sind stets durchwachsen, nur gibt es gewisse Verhaltensnormen, die ich eingehalten sehen möchte - und die lernt man als Kind oder gar nicht mehr. ich kann das schlecht in wenigen Zeilen unschreiben, aber man denkt sich schnell: Nein, denen möchte man nicht vorgestellt werden. . Gombrich hat vermittelndes Talent gehabr, keine Frage. Wie auch immer, ich würde in ein Antiquariat gehen und kaufen, was mich interessiert, und darauf dann aufbauen und vertiefen. Es geht in einem Buch einfach zu viel verloren.

0 perfekt!57 13.06.2009, 03:38 Uhr

Fast schade, dass im Text...

Fast schade, dass im Text steht, wo das Bild des Pkw aufgenommen. Wir und andere hatten es auch so gleich gesehen, dort hält man nun mal, wegs nach Val Müstair ... .

0 Deddi di Cabrio 13.06.2009, 05:20 Uhr

. Man(n) Don, haben Sie ein...

. Man(n) Don, haben Sie ein Glück. Während Leute wie ich vor 30 Jahren noch alles dransetzten, auch einmal zu den Besseren dazuzugehören, nach denen sich die da unten umschauen, können Sie dort leben und darüber schreiben. Als früherer Rottacher Beute-Hesse und normalerweise Stammgast eines schnuckeligen Hotels in der Seestrasse, „fühle ich voll Rohr mit“. „Voll Rohr“ deshalb, weil ich bereits Ende der 70er hoffnungslos altem rostigen Eisen mit Sternen auf Hauben und Radkappen (damals die abgelegten, betagten Altbenze meines Paps) und nebenbei dem Tegernsee und dem täglichen Panoptikum verfallen war. Ach ja, sieht man heute auch noch gelegentlich den „schönen Konsul“ in Rottach in der Seestrasse mit Gattin flanieren? Der soll ja wie man kürzlich las, „voll rohrmäßig“ mit meiner Bad Homburgerin Nachbarin Susanne Klatten verwandt sein. Egal, Sie haben mir den Gasfuß wässrig und wieder mal mächtigen Appetit auf Tegernseeer Punschtorte und Linsenteller auf der Moni-Alm gemacht. Mit 170PS - Altbenz ‚Pagode’ unterm Hintern (ohne Windschott versteht sich), Ihren Tourenbeschreibungen und sicherheitshalber einem Denz Alpenstrassenführer, werde ich mich demnächst mal wieder im Alpenraum bewegen. Mit freundlicher Lichthupe, Detlef Kupfer Sie gestatten mir die kleine Werbung? Ich bin öfters mal hier zu finden: http://www.oldtimer-weiss.de/wordpress/ .

0 Karl Peters 13.06.2009, 07:41 Uhr

Antifiskalischer Bürgerkrieg?...

Antifiskalischer Bürgerkrieg? Sloterdijk?? Ist das nicht dieser weltweit gerühmte Sozialphilosoph, im Feulleton besonders bewundert für seine glitzernde geistige Oberfläche, welcher die Hälfte der Bevökerung als verachtenswerte "Unproduktive" betrachtet, tatsächlich, darunter seine Kinder (wenn er welche hätte), sowie seine Rente beziehenden Eltern, welche ihm eine schöne Kindheit und Jugend ermöglicht hatten. Ein Mann, der beständig und in langen Tiraden heult, über den Umstand, dass zig Millionen von Menschen auf "seine" Kosten leben und leben müssen. Ein Gehirnwissenschaftler und Volkspsychiater, der von einem unvermeidlichen menschlichen Todestrieb schreibt und zugleich ein Humangenetiker, an der Spitze aller Forschung stehend, der Menschenzüchtungen für notwendig hält, damit der von ihm erwartete Niedergang gerade eben noch verhindert wird. Ein hysterischer Eiferer in fast allen Fragestellungen, der umso emsiger vor Eifererkollektiven warnt. Dieser Sloterdijk?? . Warum wird dieser Ekel erregende, postmoderne geistige Dünnpfiff dieses Extremisten und ehemaligen Bhagwan-Jüngers überhaupt in der FAZ abgedruckt? Aaah! Ich verstehe. Er ist Fernsehmoderator.

0 Georgiana Darcy 13.06.2009, 08:34 Uhr

@Cao Ky: ich stimme Ihrer...

@Cao Ky: ich stimme Ihrer Antwort an Don Alphonso zu. ("Aber - "egal was auch kommen mag" ist leider falsch! Wer das in Deutschland 1913 dachte, lag so falsch wie an einem anderen Ort 1975, wenn man wie von Ihnen hier wohl sinngemaess impliziert nur an das Materielle denkt!"). In Bayern überdauerten die materiellen Besitztümer die Katastrophen des 20. Jahrhunderts, anderswo hatte man weniger Glück. Ich gebe jedoch zu bedenken: Ostdeutschland bestand nicht nur aus Ostpreussen. Auch anderswo gab es Rittergüter, in Sachsen, Thüringen, Meck-Pom z.B..... Gelegentlich wird die ältere Generation, die das alles noch erlebt hat, wehmütig: Man war ja zuerst amerikanische Besatzungszone! Wenn das nur so geblieben wäre.... Und selbst die jüngere Generation - selbst im Falle politischer Überzeugungen, die dezidiert antifeudal sind - lebt in einer etwas seltsamen Nostalgie, macht Urlaubsreisen dorthin, spendet für den Erhalt von Kulturgütern in einer Region, in der man nie gelebt hat und gar nicht wirklich kennt. . Merci noch für den Buchtip zu den USA!

Avantgarde, D.A. danke fuer...

Avantgarde, D.A. danke fuer die Antwort, hab's nochmal gelesen und bemerkt dass ich es -einen alten Artikel im Hinterkopf- missverstanden habe: Nicht die Anlage in der Schweiz ist durch Goldvreneli gedeckt, sondern sie erfolgte in Form von Goldvreneli - da wird dann natuerlich ein Schuh draus...

0 Antwortender Slotty (Persiflage) 13.06.2009, 10:02 Uhr

Bürger! Ihr müsst mit euren...

Bürger! Ihr müsst mit euren Revolutionsakten gegen den Steuerstaat in täglichen Übungen neue, gute Traditionen gemeinsamen Überlebens befolgen! Eure Tradition ist der Widerstand. Widersetzt euch! Revolutionäre! An der drohenden Plünderung der Zukunft, an der drohenden Besteuerung von Großgrundbesitz und Konzernveräußerungen, ja, an Steuern überhaupt, an all diesem ist die sozialistisch-marxistische Staatsreligion schuld, jene rituelle Staatskollektivismus, jene gleichsam illusionäre wie überflüssige Rundum-Versicherung gegen Tod, Krankheit, Hunger und Resignation, jene Fahnenflucht aus der gescheiterten Ichbildung. Leistungsträger! Die Unproduktiven hindern euch, kognitiv Neues zu wagen, nämlich eine sozialpsychologische Neuerfindung "der Gesellschaft", wo gänzlich neue Geschenke an die Allgemeinheit erst möglich werden. Im ersten Schritt aber, meine lieben Revolutionäre, müsst ihr euch verweigern, so umfassend, so brutal, so unnachgiebig, wie es nur wahren Revolutionären wahrhaft möglich ist! Euch! Ihr! Eurer Widerstand und eure Revolution ist die Körperpolizei der gebenden Hand, eine Heilsarmee der ersten thymotischen Umwälzung seit der Zeit der Pharaonen! Die Hälfte unserer Population besteht aus Beziehern von Null-Einkommen oder niederen Einkünften, pfui, die von jeglichen Abgaben befreit sind, widerliche Substistenzexistenzen, deren Subsistenz weitgehend von UNSEREN Leistungen abhängt, wir, die wir zur steueraktiven Hälfte gehören! Bedenkt das! Ich fordere darum von euch nichts weniger als eine anthropotechnische Wende, indem ihr die Ausbeutung der Produktiven durch die Unproduktiven ein für allemal beendet, die Ausbeutung durch Kinder, die Ausbeutung durch Kranke, die Ausbeutung durch Schüler, Rentner oder mindestens ebenso lästige Verkehrspolizisten. Es ist der notwendige, unumgängliche Steuerwiderstand, also, der minütliche Revolutionsakt ist es, der uns zu eigentlich Produktiven formt und uns, die Avantgarde der Revolution, als bald Gotteserhabene zum innerweltlich verstandenen menschlichen Aufstieg über uns selbst hinaus erschafft. Darum! Ihr müsst! Anders lässt sich die scheußliche Schuldenpolitik der keynesianisch vergifteten Staaten nicht eindämmen, die ja im Kern darauf beruht, und auf nichts anderem, dass WIR von substitierenden Unterschichtlern und Staatsbediensteten ausgenommen werden wie die Rebhühner vom Jäger, der bereits von üppiger Bratensoße träumt. Jetzt gilt es, wir haben nichts zu verlieren als unsere Ketten! Mit unserer weltumspannenden Bescheidenheit unseres Revolutionsaktes (wissenschaftlich korrekter Beginn: 12.6.2009) werden wir besseren unter den FAZ-Feuleton-Lesern den Makro-Egoismus des Westens und anderer Großmächte bändigen. Unser Kampf gegen den Steuerstaat, unser Kreuz bei der Bundestagswahl für die FDP, macht einen Ko-Immunismus möglich, eine neue Makro-Struktur globaler Immunisierungen, eine allunumgängliche Desolidarisierung großen Stils, mit der wir der Allgemeinheit ein eventuelles mögliches künftiges großes Geschenk andienen, bei dem wir die Existenz der Subsistenz im Kontext aller Kontexte neu denken und neu entmöglichen! Wenn wir also vermeiden wollen, wir Vermögensbesitzer und Kleinmillionäre, und einsehen, dass wir diskret wie unvermeidlich auf eine Situation zusteuern, in der die Schuldner ihre Gläubiger wiederholt enteignen werden (wir, die wir gleichsam des Kiesels vom Stein des Sysiphos gedemütigt werden, der immer wieder neu über uns hinweg rollt, solange, bis wir zu Sand zerfallen sind), so müssen wir auch einsehen, dass es so nicht weitergehen kann, und ich fordere von euch allen, zur Sicherung der Zukunft, die pantagruelische Dimension des nehmenen Ungeheuers und der sich davon nährenden öffentlichen Schulden brechen, zu zerschlagen und darum in täglichen Übungen die guten Revolutionsgewohnheiten gemeinsamen Überlebens annehmen. Revolutionäre! Euer Slotty

0 donalphonso 13.06.2009, 11:10 Uhr

Jochen Hoff, natürleich weiss...

Jochen Hoff, natürleich weiss man, dass man nicht wirklich privilegiert ist. Ich würde meinen: In dieser Unterklasse der Oberklasse ist man froh, wenn man in Ruhe gelassen wird. Es geht etwas rauf, wenn man Glück hat, und vielo runter, wenn man den falschen Anlageberater hat. Trotzdem ist die Lebensrealität fundamental anders als nei den unteren 2/3 der Gesellschaft.

0 donalphonso 13.06.2009, 11:15 Uhr

HansKarl, was ich sehe, ist...

HansKarl, was ich sehe, ist einen Semi-Sozialismus für die Oberschicht und Verblödung durch Pseudogeschenke wie die Abwrackprämie. Der besagte Herr macht es sich viel zu leicht; gerade in Deutschland gibt realiter keinen Gras und zu klagen, wenn man Vermögen hat. Die Vorstellung, man könnte den gesellschaftlichen Frieden aufkündigen, ist lächerlich: Wenn jemand Anlass hat, sich zu beschweren, dann sind das jene Angehörigen der Mittelklasse, die mehr und mehr nach unten durchgereicht werden. Würde man mal aufrechnen, wo der Staat den Reichen gibt, sähe das alles gleich wieder ganz anders aus.

0 Georgiana Darcy 13.06.2009, 11:15 Uhr

@Slotty: das haben Sie...

@Slotty: das haben Sie garantiert von irgendeinem Text aus der Russischen Revolution abgekupfert. Oder ist´s Ernst Busch?

0 donalphonso 13.06.2009, 11:19 Uhr

Driver, momentan entwickelt...

Driver, momentan entwickelt sich der Britische Peso nur noch zu einer Britischen Lira, aber das muss keinen Bestand haben. Die strukturellen Probleme der Insel sind immer noch die gleichen: Pleite, deindustrialisiert, unsozial, und 10% der Hypothekenbesitzer schulden der Bank mehr, als ihr Haus wert ist, dazu Regierungskrise und korrupte Politiker. Schwer vorstellbar, dass sich dort die Lage stabilisiert, egal wie viel ich kaufe und importiere.

0 donalphonso 13.06.2009, 11:25 Uhr

Don Ferrando, das kann ich...

Don Ferrando, das kann ich schlecht in ein paar Sätzen beantworten. Genauso, wie Reiche den Anteil der Reichen massiv überschätzen, tendieren Arme dazu, die Armen nicht bei sich zu sehen. Ausser Millionären rennt kaum jemand rum und sagt, er sei arm. Generell würde ich aber sagen, dass tatsächlich die Hälfte der Bevölkerung kaum in der Lage ist, an ihrem Status und Vermögen etwas entscheidendes zu ändern. Diese Chancenarmut würde ich vielleicht am ehesten als Basis meiner Überlungen definieren. . kleinerberg, die Vorstellung, dass es unter deutschen Reichen sowas wie eine gebildete Mäzenatenschicht geben könnte, ist so realstisch wie eine saubere Politik unter Berlusconi, die CSU ohne Schmiergelder und Silvana Koch-Mehrin mit einer Anwesenheitsquote im EU-parlament von 75%.

nachdem ich mich durch die...

nachdem ich mich durch die kommentare hier durchgekämpft habe & in meiner apoltischen haltung mehr als bestätigt worden bin, bleibt mir nur abzuwarten, bis sie -lieber d. a.- wieder mit einer havannatorte anrücken, die mit kunstgeschichtlichem gefüllt worden ist. oder ich müßte umziehen, richtung gt-blog natürlich. oder... sonniges we noch.

0 DoktorBenway 13.06.2009, 12:54 Uhr

Bravo, Bravissimo, Don...

Bravo, Bravissimo, Don Alphonso - eine der barocksten fin de siècle Beschreibungen ÜBERHAUPT. Lächelnd im Bürgerkrieg auch mal die Mossberg fütternd... Doktor Benway

0 Antwortender Slotty (Persiflage) 13.06.2009, 14:18 Uhr

@ Georgiana Darcy Ich habe...

@ Georgiana Darcy Ich habe mich nur selbst übertroffen. Wie immer. Zu Hause schiebe ich gerade Schubkarren voller zustimmender Revolutionszuschriften von einer Ecke meines Anwesens zur nächsten. Das waren nicht selten zornige und sogar kreuzzugsartige und in agitativen Ton gehaltene Zuschriften von doppelten thymotischen Wert! Titanisch! Mein Paradigma einer Revolution der älteren zornigen Männer wird Wirklichkeit! Und vielleicht, wenn mich an diese neue allmorgendliche revolutionäre Ertüchtigungstat des Schubkarrenschiebens freundlich zustimmender Zuschriften gewöhnt habe, schneide ich dann deren Adressen aus und verkaufe sie an diesen freiherrlichen Vermögensberater, der dafür bereits bestes Geld geboten hat. Ich gründe dann auf den Cayman Islands eine Wissensbank, wie ich sie mir immer schon gewünscht habe! Allein mit den abgelösten Briefmarken meiner Revolution befürwortenden Zuschriften könnte ich den Markt von Ebay auf Monate hinaus dominieren! Leider geht es mir gesundheitlich gerade nicht gut. Irgend ein hämischer Professorenkollege meinte zu mir, dass der erste Tag, an dem mein Revolutionsaufruf bundesweit befolgt wird, für mich den Verzicht auf mein eigentlich schon ungenügendes Professorengehalt bedeuten würde. Dem habe ich zwar vehement widersprochen, weil es komplett unlogisch ist, sowas von unlogisch, denn ein einzelnes Professorengehalt hat ja wohl kaum etwas mit dem Steueraufkommen der raffenden Staatshand zu tun, aber ich bin seitdem sehr enttäuscht, wie ein Vertreter meiner Schicht etwas derart Abscheuliches zu mir sagen kann. Wie kann man nur so hässlich sein?! Ich habe ihm dann, als Entgegnung auf sein destruktiv linksfaschistisches Argument, die nächste Woche drauf geantwortet, dass nur ein notfalls von uns bewirktes Ende der Bevölkerungsexplosion in Israels islamischen Nachbarländern eine Chance auf Frieden in Nahost ergeben würde, auch, weil es keinen islamischen Jungmännerexport in alle Welt geben dürfe, aber mein Professorenkollege entgegnete darauf, dass ich lediglich ein gewöhnlicher über Politik schwafelnder Schwachkopf sei, der in eine für ihn unpassende quasipapistische Attitüde des totalen Steuerstaatsverweigerers verfallen ist, sowie, dass mein Professorengehalt immer noch die Existenz des von mir revolutionär bekämpften Steuerstaates notwendig mache. Diese letztlich nur basale Botschaft zieht mich irgendwie runter. Schreibblockade. Deutlich akkumulierende Kopfschmerzen. Auch für das Aufschichten von Barrikaden brauche ich nunmehr deutlich mehr Zeit. Sowas nagt. Auch der geliebte Thymotianduft einer mir unbekannten, angeblich "Thymian" heißenden Gartenpflanze mag mich nicht mehr erheitern. Ich weiß nur nicht, warum. Euer Slotty

@Ms. Darcy: Viel Spass mit...

@Ms. Darcy: Viel Spass mit Paul Fussell - wie gesagt, das sollte auch dem Don gefallen. - Im Prinzip sollten doch alle willkommen sein, die willens sind, fuer den Erhalt von Kulturguetern zu spenden. Schliesslich wurden Teile der Rothenburger Stadtmauer (ob der Tauber) auch von den Geldern saniert, die begeisterte Japaner nach ihrer Rueckkehr in die Heimat grosszuegig nach Deutschland gesandt haben. - Im Uebrigen ist Thueringen doch auch wirklich schoen. Die Amerikaner haben halt an den Frieden mit Stalin geglaubt. Aber nach 1973 wollten sie von Suedostasien erst mal nichts mehr wissen und hatten sich schon damit abgefunden, dass es schief laufen kann, von wegen Pariser Abkommen und so.

@ Don Alphonso, ja! Ich finde...

@ Don Alphonso, ja! Ich finde das Postulat: „Wir leben gegenwärtig keineswegs ,im Kapitalismus’, sondern in einem massenmedial animierten, steuerstaatlich zugreifenden Semi-Sozialismus.“ richtig - nicht jedoch den wenig durchdachten Aufruf zur "Revolution". Besonders treffend ist die Formulierung "massenmedial animiert". Zur Steuergerechtigkeit: Wer seinen Bürgern mehr als 50 % ihres Einkommens abnimmt ist weit davon entfernt. Ich habe einen großen Teil meines bisherigen Lebens in verantwortlicher Funktion, als Mitinhaber eines mittelgroßen Betriebes verbracht und ( leider ? ) ohne Steuertricks ein gerüttet Maß meines Einkommens abgeben müssen - aus meiner Sicht zuviel. Zu Sloterdijk: wenigstens traut er sich! Auch in der Demokratie geht es darum, welcher Teil des Volkes sich auf Kosten des anderen vieviele Vorteile verschaffen kann. Vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Gruß Hanskarl

Sehr geehrter Don Alphonso,...

Sehr geehrter Don Alphonso, ich verfolge Ihren Blog nun seit einigen Wochen, und kann mich einer gewissen Skepsis ihrer Person gegenüber nicht erwehren. Um meinen Eindruck zusammenzufassen: Sie stammen zweifellos aus einer Familie der Oberschicht. Dies hat Ihnen eine umfassende kulturelle, politische und gesellschaftliche Bildung ermöglicht. Sie schauen herab auf "Neureiche", die zwar möglicherweise hart gearbeitet haben, denen aber das Ihrem Umfeld eigene Maß an Traditionen, Kultur und das Wissen um gesellschaftliche Konventionen fehlt. Obwohl Sie (in einigen Beiträgen mehr, in anderen weniger) Kritik an diesen Verteilungsstrukturen erkennen zu lassen, können Sie einen gewissen Stolz auf Ihren persönlichen Hintergrund wohl auch nicht leugnen. Was ich zu denken gezwungen bin: In welcher Hinsicht sind Sie wirtschaftlich produktiv, was leisten Sie, wie tragen Sie zur Ermöglichung Ihrer Existenz bei? Sind Sie nicht einfach nur ein intellektueller Nutznießer des Systems, das Sie kritisieren? Leistet nicht der Aufsteiger und Neureiche, der möglicherweise einen ganz anderen Hintergrund hat, es aber mittlerweile auf seine 100.000Euro im Jahr bringt, viel mehr als Sie, und sind Sie in der Position, ihn zu kritisieren? Anmerken möchte ich: Ich mag mich irren. Ich schließe auf Grund ihrer Beiträge auf den Autor als Person, vielleicht stellen Sie sich in diesem Rahmen also ganz anders da, als Sie sind, betrachten den Kommentierenden oder den Erzähler ihrer Einträge also als fiktive Kunstfigur. Des Weiteren möchte ich betonen: Dieser Kommentar soll Ihre Leistung (in Form dieses Blogs) keinesfalls herabwürdigen. Ich halte zumindest den Großteil ihrer Beiträge für sehr wertvoll und lese diese mit großem Enthusiasmus.

0 donalphonso 14.06.2009, 07:40 Uhr

Oh, bitte, das ist doch kein...

Oh, bitte, das ist doch kein Problem, schliesslich wurden wir einander nicht vorgestellt: Ihre Skepsis darf also bleiben. . Zweierlei: Natürlich zeichnen diese Texte in einer Schärfe, die im echten Leben so nicht gegeben ist. Auch Trotzki liess nicht jeden Millionär sofort umbringen. Ansonsten bevorzuge ich einfach die Gegenwart von Menschen, die mir den Privilegien von Kindesbeinen an umgehen können, die die richtige Bildung besitzen und ein angenehmes Benehmen. Manche werden das als dünkelhaft empfinden, aber der Punk muss sich ja auch nicht rechtfertigen, wenn er Ungewaschene schätzt, wie es auch dem FDPler nicht verübelt wird, wenn er an den Zitzen der Privatstiftung hängt und in Kreisen verkehrt, die das Land als das ihre betrachten. In meinem Umfeld muss ich mich nicht dauern anstrengen, mich anpassen und verstellen. Unter meinesgleichen existieren viele Regeln, aber entweder erfülle ich sie unbewusst, oder aber ich kann begründen, warum ich es nicht tue - und es wird akzeptiert. . Was ich nun tue - nun, ich betreibe dieses kleine Projekt natürlich nicht kostenlos, und die FAZ würdigt es durchaus angemessen, da kann ich mich nicht beschweren. Darüberhinaus gibt es jenes grosse Baudenkmal des Jahres 1600 tatsächlich, und das ist einiges an Arbeit. Obwohl ich auch einen Handwerker holen könnte, mache ich das meiste selbst. Ich habe das im Studium gelernt, und die Gesellschaft profitiert in jenen Menschentrauben, die hier täglich vorbeikommen und das Gebäude ablichten und es so schön finden. Ich könnte natürlich auch ein Renditeprojekt daraus machen, oder es verkaufen und dann ohne grosse Probleme auf diese ominösen Einkünfte kommen - aber obwohl das Grundbuch etwas anderes behauptet, bin ich für meine Lebenszeit nur der Hüter des Hauses. . Wäre die Welt schöner, wenn ich als Anwalt Geierfonds konstruieren würde, als Erbe Toskanablocks in die Landschaft setzte, Mitarbeiter in einem grossen Betrieb überwachte? Ich glaube Nein. Das Einkommen sagt nun mal wenig über die Leistung für die Gesellschaft aus. . Im Übrigen habe auch ich nicht das Gefühl, wirklich zur Oberschicht zu gehören. Ich gehöre zur Kaste der alteingesessenen Stadtbürger eines oberbayerischen Kaffs, unter dem man eine Goldgrube namens Audi angelegt hat. "Oberschicht" ist nicht wirklich differenziert. Mir ist die Kritikwürdigkeit dieser Kaste durchau bewusst, allein: Ich mag sie und ihre Kinder doch sehr.

0 donalphonso 14.06.2009, 07:48 Uhr

Hanskarl, ich würde meinen:...

Hanskarl, ich würde meinen: Dar Staat nimmt nicht nur, er gibt ja auch. Ob er das effektiv genug tut, ist eine andere Sache, aber gerade die aktuelle Krise zeigt doch, dass der Staat immer noch ein besserer Nehmer ist, als der Irrsinn der wertvernichtenden Märkte. Als vor einem Jahr Schnelltender für die Kapitalnot der Banken notwendig wurden, sagte soch auch keiner, das sei Semisozialismus.

0 donalphonso 14.06.2009, 07:53 Uhr

laperla, mir ist durchaus...

laperla, mir ist durchaus klar, dass eine Aufpaltung dieses Blogs in Reise, Genuss, alte Dinge, Gesellschaft und Wirtschaft eine sinnvolle Sache wäre. Allerdings reicht dazu die Zeit nicht, und gerade die ersten drei Punkte wären nicht weniger als gesponsortes Wohlleben auf Kosten der FAZ. Ausserdem kann ich nicht umhin zuzugeben: Je schöner und netter die Themen, desto weniger Kommentare und Interesse.

Der Revolutionär und der...

Der Revolutionär und der Konservative Der Don ist doch in Wahrheit ein braver Junge, er berichtet halt nur gerne. Und was hat er schon zu berichten? Eben über den Klassenkampf, den von oben. Und dafür bin ich ihm ausgesprochen dankbar. Denn Betroffene merken oft gar nicht, dass sie betroffen sind, daher ist hin und wieder ein Perspektivenwechsel angesagt. Der Klassenkampf von unten, um den ich mich ja so bemühe - manche haben es richtig bemerkt -, stockt, schon lange. Warum wohl, weil die Betroffenen ihr Betroffensein ignorieren (dafür melden sich dann immer wieder mal ganz andere „Betroffene“ – Sloterdijk zum Beispiel). Und das in der FAZ zu wagen, ist so verkehrt nicht, denn in jedem Revolutionär steckt doch auch ein konservativer Kern, der, der das Gute zu erhalten sucht, und manchmal dabei merkt, dass das nicht geht. Slavoj Zizek zum Beispiel hob ausdrücklich auf den Erzkonservativen - heute würde man sagen Spießer - Kant ab, wie dieser doch die Welt revolutioniert habe. Was wäre die Aufklärung ohne Kant, und auch: was wäre ihr Ende ohne ihn. Erst danach kamen doch alle die Alt- und Neukantianer. Und jetzt entdecken sogar die Marxisten (Zizek, und ich auch) einen gewissen Kant in uns allen (Das Ding, das in Wahrheit eine Lücke ist!, vgl. „Logik, Dialektik und mitnichten Nichts“ - http://blog.herold-binsack.eu/?paged=4) Oder Marx! Der wollte doch eigentlich nur ein Professor werden, was man ihm aber nicht gestatten wollte, wegen so ein paar Geschichten über (und aus dem antiken) Griechenland – dass Demokrit und Heraklit die ersten Revolutionäre waren (und beide waren von edler Abstammung, schon merkwürdig, nicht wahr?), das wusste doch damals beinahe jedes Kind. Also wurde er Revolutionär, um endlich das sagen zu können, was diese beiden vor mehr als 2500 Jahren unbeschränkt hatten sagen dürfen, und wie hat er dabei die Welt verändert! – mehr als all diesen und jenen Konservativen wie Revolutionären wirklich bewusst ist. Also, lieber Don: Weiter so, durch gewisse, immer wieder auftretende, Missverständnisse kräftig hindurch.

0 Georgiana Darcy 14.06.2009, 09:28 Uhr

Noch eine Anmerkung zu der oft...

Noch eine Anmerkung zu der oft aufgeworfenen Frage, warum niemand über, wie es ihr so treffend formuliert wurde "die wahren Herren des Landes" schreibt, sondern eine Medien- und Spassgesellschaftselite konstruiert wird, die eigentlich vollkommen irrelevant ist: irgendwer, ich glaube sogar es war der unsäglich Carl Schmitt, sagte mal: Elite sind die, deren Soziologie keiner zu schreiben wagt. Darum kennen auch so wenige die Mont Pelerin Society, die wohl gefährlichste Fundamentalistengruppe des 20. Jahrhunderts - institutionalisiert zu Chicago, erprobt in den Folterstaaten Lateinamerikas, und die Welt ins Chaos gestürzt anno 2008.

0 donalphonso 14.06.2009, 12:58 Uhr

Naja, Hayek, Friedman und Co....

Naja, Hayek, Friedman und Co. sollten ja inzwischen ihren verdienten Platz auf dem Müllhaufen der Ideologien gefunden haben, angesichts des Weichei-Unternehmertums, das nach 2 Minuten Krise schon nach dem Staat plärrt. Liberalalismus funktioniert halt auch nicht besser als der real existierende Sozialismus. Aber Vevey ist sehr schön, man kann es denen nicht verdenken, wenn sie da Urlaub machen. Vielleicht sollte man dort gleich eine Altersresidenz einrichten. Mit Spezialabteilung für Kleptogerontokratieanfallgeschädigte.

0 Antwortender Slotty (Persiflage) 14.06.2009, 19:26 Uhr

Wertester Don! Sie liegen...

Wertester Don! Sie liegen falsch, grundfalsch und mehr noch, sie argumentieren mit falschen Grund. Die Menschen immunisieren sich mit Weihnachtseinkäufen gegen die quasimarxologischen Schwindler der Kapitalismuskritik und ohnmächtigen Neoliberalismushasser und lassen sich ihr optimistisches Lebensgefühl durch die unangemessene Krisenrhetorik kaum trüben. Das Primat des Inneren muss künftig als Teil der Zivilisation internalisiert werden. Anders gesagt, die Zeit der zornigen Armen ist vorbei! Als führender Volkspsychologe, der ich bin, können Sie mir das ruhig glauben. Vor allem aber möchte ich Ihnen eines sagen, Herr Don Alponso: Der Zweck dieses allerübelsten aller Ungeheuer expers rationis aus einem mittelalterlichen Bestarium, der Zweck des Staates ist es doch, so er denn überhaupt einen Zweck haben darf, UNS zu dienen. Verstehen Sie? UNS! Da Herr Solms und der hier kaum minder großartige Herr Steinbrück einträchtig an einem Strang ziehen, und die Finanzmarktgesetze sowie die Gesetzgebung zu den Übelbanken vollständig parlamentsauswärtig erledigen lassen (bei den auch von mir hochgeachteten Rechtsanwälten von FRESHFIELDS BRUCKHAUS DERINGER, Berlin, Potsdamer Platz 1), also, das wäre vielleicht noch ein allereinzigster Grund dafür, meinen thymotischen Furor gegen den Steuerstaat und gegen diese von uns subsistierenden Unproduktiven etwas zu bremsen und folglich die vor wenigen Tagen ausgerufene Revolution ein klein wenig aufzuschieben. Ich schiebe! Ich schiebe ja ohnehin jeden Tag meine Schubkarren revolutionszustimmender Zuschriften. Allein das benötigt Zeit! Mit meinem feinen Gefühl für Revolutionsabbrüche bin ich jedoch keineswegs fußfaul! Schließlich laufe ich jeden Tag einige Meter und gehe ich der von mir ausgerufenen Revolution konsequent aus dem Weg. Als führender und unsere Kultur bald schon erneuernder Revolutionär sage ich Ihnen als Grund, öhm, es geht um UNS. Bitte, verstehen Sie doch! UNS! Wir, die Stützen der Gesellschaft verdienen es, gestützt zu werden! Und bitte reden Sie mir den klügsten aller Köpfe, meinen Herrn Ludwig von Mises nicht schlecht! Aufgrund einer selbstformend höchstethischen Entscheidung lese ich nämlich sein eigentlich unergründliches wie epochales Werk über den Liberalalismus seit vielen Jahren und lerne allein dadurch jeden Tag hinzu. Ich lerne, wie die Invasion der sozialen Verlierer und Steuergeldverbraucher mit einer Revolutionstat der Reichen abgewehrt werden könnte. Mehr noch, ich übe das Signum seiner Einsichten in alle philosophischen Kontexte hinein, um damit das ausbeuterische und gegen Not tuende Selbstverantwortung gerichtete Wohlstandstreibhaus der sozialnationalistischen Bundesrepublik endgültig zu überwinden. Ich bleibe also Revolutionär. Winden auch Sie! Euer Slotty

Das schöne an Don Alphonsos...

Das schöne an Don Alphonsos Beiträgen ist paradoxerweise, dass einem klar wird (vorausgesetzt, man nimmt ihm sein Standesbewusstsein nicht übel), wo man gelandet ist. In was für einem Land man lebt. Ein bisschen besser meinetwegen wie in seinem Fall, aber selbst dann offenbar nicht ohne ständig darauf zu achten, welche Interessen-Clique einem jetzt wieder an den Kragen will. Dort, wo politische Aussitzakrobaten das Verteilen von Arbeitsplätzen trotz nicht vorhandener Nachfrage weiterhin als rhetorische Pflichtübung betrachten und sich dem Wahlvolk mittels passendem Dampfgeplauder als Führungskräfte empfehlen, sodass sie unter Garantie von irgendwem gewählt werden (müssen), ist gut sein. Im Land der Gehirnlosen, der Armen und vieeeel zu vielen bösen Reichen. Darauf mein letztes Hofbräu.

0 elbsegler 15.06.2009, 12:57 Uhr

Die Reichen sind nicht so arm,...

Die Reichen sind nicht so arm, wei sie sich fühlen und die Armen sind reicher als sie denken. Da kann doch alles nur gut werden?!

Besser als die eine oder...

Besser als die eine oder Million sind Pensionsansprüche. Die tauchen in keiner Vermögensstatistik auf. Ein pensionierter Politiker oder Lehrer, der zur Miete wohnt, wird als arm eingestuft.Der Nachbar mit einer Million, aber ohne Rentenanspruch als vermögend. Der Anlagestress lohnt sich doch nicht. Besser das Geld kultiviert ausgeben und dann Grundsicherung im Alter beziehen

ist eine Kunstfigur, die seinem Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist.