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Garnelen, Buddha und Abwracken als deutsche Stilikonen

19.06.2009, 21:57 Uhr  ·  Mitunter weiss ich nicht, ob ich die anderen bedauern soll, oder einfach nur zufrieden sein sollte, weil sie mich und meinesgleichen mit ihren Eigenheiten in Frieden lassen. Denn manchmal findet deren Realität auch zu mir, und ich kann mich nur wundern, oder, wie hier, meinem Befremden ob eines Möbelprospekts Ausdruck geben.

Von

Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen
Göthe, Faust II

Möchte ich, dass jeder wie ich lebt? Wünsche ich mir Millionen Konkurrenten beim Erwerb victorianischer Möbel, soll jeder so erzogen sein wie ich, wünsche ich mir, alle, wirklich alle in der Orgelmatinee zu sehen und wäre es wünschenswert, jeder kaufte seine Torten bei meinen Lieferanten? Ich denke, die Antwort ist klar: Nein. Ich bin kein zwingender Befürworter eben jener Klassengesellschaft, deren Nutzniesser ich am Ende der gesellschaftlichen Fressordnung ich bin, aber es ist doch auch ganz nett, dass unter meinem Stuck nur ich auf meinen Sofas mit ihrer einzigartigen Vorgeschichte in der Wäscheabteilung eines bekannten Münchner Damenmodengeschäfts ruhe.

Bild zu: Garnelen, Buddha und Abwracken als deutsche Stilikonen

Meine Sofas waren für mich kostenlos; ich habe sie dank einiger Beziehungen und Bekanntschaften bekommen, als sie bei der Neudekorierung des Geschäftes übrig blieben. Sie sind von erlesener Qualität, deutsche Wertarbeit, und teurer als das meiste, was es in regulären Einrichtungshäusern gibt. Ich schlafe oft darauf ein, so bequem sind sie. Wenn ich so auf meinem Sofa liege und hinaufschaue an die Decke, frage ich mich manchmal, wie das so sein mag, wenn es nicht so ist, wie es ist. Wie ist das bei anderen, die man nicht kennt, und die keinen kennen, der ihnen so etwas vorbeibringen lässt? Nun – sie müssen wohl mit den erfolgreichen Möbelhäusern vorlieb nehmen.

Jene Handelsunternehmen, deren Prospekte gross, bunt und mit vielen überdeutlichen Zahlen versehen sind. Normalerweise werfe ich das weg, aber wenn ich mich mal wieder frage, wie andere so leben mögen, nehme ich diese Prospekte zur Hand. Die Leute kaufen das ja. Wären alle wie ich, gäbe es keine Prospekte und keinen schwedischen Milliardär in der Schweiz, dessen Firmen Lizenzgebühren steuermindernd in Steuerparadiese überweisen. Von diesen Prospekten geht eine normative Kraft des Faktischen aus, die wie eine Planierraupe durch meine Lebenswirklichkeit walzt.

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Nun, würde ich dem folgen, müsste ich alles rauswerfen. Alles hier ist bestenfalls das, was man in diesen Kreisen als “alt bezeichnet”, also älter als ein paar Jahre. Hier stehen genug Altertümer, um einige Familien glücklich zu machen, die diesem Aufruf folgen möchten. Haltet ein, möchte man den Beteiligten zurufen, alte Möbel verursachen  keine Emissionen, sie überdauern Jahrhunderte – aber vielleicht meinen sie auch nur jene Stücke, die vor ein paar Jahren aus eben jenen Hallen getragen wurden. Deutschland – ein Land wrackt ab. Erfindet sich mit neuen Opels und neuen Garnituren neu.

Was mich, der ich nicht betroffen bin und anderen überhaupt keine Vorschriften machen möchte, daran ein wenig stört, ist die damit implizierte Behauptung, das Existierende sei allein schon durch seine Existenz minderwertig, Müll, Schrott. Ich will das bei gewissen Möbeln und Bundeszensurpolitikern gar nicht bestreiten, auch gibt es einfach Produkte, deren Lebenszyklus begrenzt ist, aber diese Lust am Zerstören des Alten zugunsten einer Konsumwelt, die kaum für sich in Anspruch nehmen kann, irgendwie besser zu sein, ist doch erstaunlich. Zumal man am Ende doch wieder das grösste Problem mit sich herumschleppt: Sich selbst.

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Natürlich kann man sich davon auch ablenken. Die anderen, entnehme ich den Katalogen, greifen durchaus wieder zu Holz, wenn auch als Imitat, und zu Leder, wenngleich auch aus einer möglicherweise chinesischen Herkunft, die, nun ja, sagen wir mal, nicht angenehme Gerüche verströmt. In den der Masse zugänglichen Möbelhäusern riecht es ohnehin schlecht, selbst wenn die Lüftung auf Hochtouren läuft, den Eigengeruch wird man erst merken, wenn es schon so hübsch im Raum steht, raumgreifend gegenüber der Glotze, damit auch grössere Gruppen, etwa zum Videoabend eingeladene Freunde, sich am Gerät und dem Sitzmöbel erfreuen können.

Ich vermute, es ist auch nicht mehr wirklich neu, Zimmer mittig vollzustellen. Früher war das anders, man stellte alles an die Seiten, und noch früher trug man gar die Möbel von Raum zu Raum, von Haus zu Haus. Das muss man heute nicht mehr tun, und vielleicht ist es die Angst vor der Leere des Daseins, wenn man die Räume so zustellt. Dagegen, wie auf dem Bild zu sehen, helfen diesen Leuten italienisch anmutende Knabberdinge, die schlimmer bröseln als der Käseigel all jener Armen, die schon in den 60er Jahren keine Buffets mehr fertigen konnten. Sowie diese langstieligen, nur viertelvollen Weingläser, die jeder hat, der Kennerschaft vortäuschen möchte. Dazu das Erstbuch. Damit noch etwas Drang zum Höheren da ist.

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Der Prospekt, so schreiend bunt er auch sein mag, berichtet mir zudem von gestiegenen Ansprüchen bei der Ernährung; der dortige Käufer scheint von der Bockwurst, heimisch und fett, auf den asiatischen Garnelen umgestiegen zu sein, Umweltzerstörung und widerliche Zuchtbedingungen zum gleichen globalisierten Preis, dazu Basilikum und Nudeln, die unter solchen Leuten immer nur Pasta heissen. Ich kann mir das richtig gut vorstellen, diese Gutscheineinlöser, die am Montag von den Garnelen schwärmen, die man sich leisten kann. Neben der Garnitur für ein Drittel, und überhaupt, das sei ein schönes Wochenende gewesen.

Zu gerne würde ich glauben, dass ihnen irgendwann einmal die Nichtswürdigkeit dieses Betragens auffallen würde, dass sie begreifen, dass sie nur eine schnell verderbliche Gegenwart zu hohen Preisen mieten und, erschlafft von all dem Anpassungsdruck von der Bockwurst über die Garnelen bis zum bald kommenden Möbelhaussushi für 2,99, vielleicht sogar begreifen, dass nun ein wenig von der inneren Leere und Verzweiflung angebracht wäre, die in meinen Kreisen manche ab und an in Selbstmord, Depression oder Mesalliancen treiben – aber da habe ich die Rechnung ohne die sinnstiftende Kraft des Möbelhauses gemacht:

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Über den Betten, auf denen man allein und ungeliebt solchen schicksalshadernden Gedanken nachgeht, ist kein Stuck prunksüchtiger Vorfahren und ihrer Mätressen und kein mit schweren Gedanken befülltes Bücherregal, sondern eine auf alt gemachte Statue eines fetten Buddha, der grinsend die Mentalität aller Zufriedenen und zufrieden Einkaufenden verkörpert. Ich könnte das schlimm finden, aber es ist wohl nur banal und üblich, demnächst werden andere Trends kommen, und so stehe ich auf, gehe in die Küche, in der meine Sammlung alter Imariteller zu finden ist, koche Tee und werfe den Katalog zum Altpapier, selbst wenn mir keiner dafür eine Abwrackprämie für neuen Müll, sagen wir mal, das Bundesgesetzblatt mit den kranken Einfällen der Bundesfamilienministerin, anbietet. Fette Zahlen, Scampi und gefälschter Chinakitsch, man gebe denen die Insignien des Stils, des Aufstiegs und der Herzensbildung, die sie wollen, und lasse mich in Ruhe. Eigentlich muss ich froh sein, dass es solche Prospekte, Möbel, und Konsumanbieter gibt. Die besten Klassengrenzen sind immer noch die, hinter denen sich die anderen selbst verbarrikadieren.

Begleitmusik: Als Kompagnon durch nachdenkliche Stunden weiss ich gerade kaum etwas Besseres als einen sehr ausgefallenen Tonträger – Paolo Pandolfo spielt auf der Viola da Gamba Stücke des Komponisten Carl Friedrich Abel. Die Fenster müssen offen stehen, der Tag erlischt, ein paar Vögel vielleicht und etwas Geplapper auf der sommerlichen Strasse, dazu eben jene komplexe und nicht jedem verständliche Musik; das hilft gegen das Nichts der anderen und trägt dem Vergessen bei, auf dass man nicht träumt, auf einer Sonderangebotswohnlandschaft von einem aufgedunsenen Buddha mit billigen Shrimps zwangserwährt zu werden, während in der Glotze Frau von der Leyen erklärt, warum wir in Sachen Informationsfreiheit Teheran und Peking nacheifern müssen.

 
 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (112)
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Entschuldigen Sie, werter Don,...

Entschuldigen Sie, werter Don, aber lesen zu müssen, dass es sich bei den mediokren Ergüssen des Musikalienherstellers Abel um "komplexe Musik" handeln soll, ist nun wirklich schlichtweg schmerzhaft. Was bitte soll an diesem ennuyanten Sequenzgenudel, das ebenso verzweifelt wie vergebens (und obendrein noch hoffnungslos anachronistisch) den großen Vorbildern Marais und Sainte-Colombe nachzueifern sucht, "komplex" sein? - Allerdings, wenn ich's mir recht überlege, er passt schon recht gut zu Ihnen, der Kleinmeister Abel. Doch, doch.

0 donalphonso 20.06.2009, 00:47 Uhr

Ich dachte ja eine Weile, es...

Ich dachte ja eine Weile, es gäbe eine Möglichkeit, Sie trotz Ihrer mittelmässigen Einschätzungen sophistischer Natur hier irgendwie einzubeziehen, aber ich muss gestehen, dass ich mich da wohl geirrt habe. Möchten Sie vielleicht so freundlich sein und sich an Angeboten erfreuen, die Ihrem Wissen und Vorurteilen angemessen sind? ich habe schon verstanden: Sie mögen das hier alles nicht, Sie könnten es vermutlich auch weitaus besser, Ihrer Meinung nach, also machen Sie doch selbst ein Blog auf und sammeln Sie jene um sich, die Sie und Ihre Kompetenz zu würdigen wissen. . Die Mutter der Idioten ist bekanntlich immer schwanger, sagt man in Italien.

0 perfekt!57 20.06.2009, 05:21 Uhr

Nichts Neues unter der Sonne...

Nichts Neues unter der Sonne (natürlich nicht). . Wir sitzen hier auf Eames, Alu Chair; von einer Bankfilliale nicht ganz weit weg vor ein paar Jahren anläßlich einer "Renovierung" "als unmodern" aussortiert standen die ungefähr schon auf der Strasse. . "Könnse gerne haben und mitnehmen, wennse wollen". "Oh tätsächlich?" haben wir gesagt. Und "herzlichen Dank" natürlich auch, ganz so, wie es sich gehört. Und eingeladen. Und bekamen ein hochmütiges Abwehrlächeln vom Typus "die haben ja echt keine Ahnung, so arme Leute, sich so alte "Sitzgelegenheiten" mitzunehmen; so was würden wir aber nicht machen, wir kaufen immer nur neu" noch kostenlos mit dazu. . Ja, ja, so ist es, das Volk. Und das unsere wohl ganz besonders, wie mir manchmal scheint. . (Nicht, dass der Eindruck entstünde, "unsere Entfaltung geschähe fast immer auch nur "anti"" (so wie bei Don?) - nein, nein, aber manchmal eben auch. Und man lächelt.)

Jaaa...ein paar von den...

Jaaa...ein paar von den Prospekten sollte man aber aufheben, als historische Quelle für später. Ich besuchte einmal ein historisches Seminar über die 30er Jahre, in dem die Krisenhaftigkeit der Zeit genau an solchen Manifestationen von Geschmack oder Ungeschmack gemessen wurde. Allerdings hege ich die Hoffnung, dass die Art von Pseudokultur, die in diesen Prospekten vorgeschlagen wird, nur einen Extremfall darstellt, der von den meisten Leuten nicht in dieser Form praktiziert wird. Es soll ja Leute geben, die nicht das 200jährige Familienkristall zur Verfügung haben, und auch nicht die Zeit, jedes Wochenende am Flohmarkt so lange zu suchen, bis sie DAS stilvolle Teil gefunden haben, und die gehen dann vielleicht einfach der Zweckmäßigkeit halber mal einen Satz Gläser kaufen oder auch einen neuen Tisch, und schütteln dabei genauso den Kopf über die bunt schreienden Rabatt-Poster. Nur so angemerkt, denn auch wenn ich Ihnen im Kern Recht gebe, ist mir die polarisierende kulturelle Codierung ein bisschen zu arg. Andererseits, etwas Pointierung muss ja immer sein.

Schlechten Stil kann man erst...

Schlechten Stil kann man erst haben, wenn man ueber die Mittel oder die Gelegenheit verfuegt, sich stilvolle Dinge leisten zu koennen. Nichts ist natuerlich auch sehr oft mehr. - Ausgangspunkt ist der von Ihnen, werter Don Alphonso, bemaengelte Buddha im Moebelhaus. Grundsaetzlich halte ich absolut gar nichts davon, Sakralobjekte einer anderen Religion als Dekoration zu missbrauchen. Dass musste auf die harte Weise juengst auch ein Dekorateur im Falle der Neugestaltung des Trainingszentrums eines sicher auch Ihnen beilaeufig bekannten Muenchener Sportvereins einsehen, sehr zum Nachteil des damaligen Trainers der anscheinend diesen Stilbruch nicht zu vertreten hatte, obwohl es ihm in der Boulevardpresse angelastet wurde. - Andererseits weiss ich von meinen buddhistischen Freunden dass, wenn man (noch) gar nichts wieder hat, eben auch eine massenhergestellte Figur und die an sich unverzeihlichen Plastikblumen dazu dienen muessen, um in der ersten neuen Wohnung den Hausaltar zu schmuecken. Wenn der dahinterstehende Glaube ernst ist, muss es keine handgefertigte oder gar antike Figur sein, und echte Orangen machen die Plastikblumen wett. Oder in unserem Fall die erste Plastikmadonna. Spaeter hat man das Figuerchen so liebgewonnen dass es bleibt. Das ist dann vielleicht die Erhoehung des Objekts durch subjektiven Inhalt. - Doch genug davon -- die Benzinpumpe ist hin, schrieben Sie?

0 donalphonso 20.06.2009, 07:50 Uhr

Nach 75000 Meilen sollen sich...

Nach 75000 Meilen sollen sich SU-Pumpen ja generell verabschieden. Manche munkeln auch, dass die Skinners Union von den Nazis gegründet wurde, um britische Fahrzeuge untauglich zu machen. Aber egal. Ich fahre gleich nach Idstein und hole Ersatz. . Natürlich gab es auch zu allen Zeiten Müll, keine Frage, aber generell weiss man, dass man sich früher als handwerker weniger Pfusch leisten konnte. Die gute Sache war, dass Gürtelschnallen ein Leben lang gehalten haben. Die schlechte Sache, dass man eben nur eine Gürtelschnalle hatte. Bis ins 18. Jahrhundert hinein hatte man oft auch nur ein Kleid, maximal zwei Kleider. Die waren dann aber eine andere Qualität als heute. Insofern ist es nicht ganz so dumm, sich an Altes zu halten; meine ältesten Türen sind weit über 300 Jahre alt und gehen noch immer.

0 donalphonso 20.06.2009, 07:52 Uhr

ivar, ich verurteile die...

ivar, ich verurteile die Codierung ja auch bei den anderen nicht. Ich finde, die haben ein Recht, das alles gut und toll und lecker zu finden. Und angesichts der üblichen Sprüche, man solle doch das alte Gerümpel wegreissen und endlich mal schöne, neue Türen einbauen, sei mir ein wenig Zufriedenheit gegönnt. Mehr ist es ja nicht.

Weniger ist mehr und besser...

Weniger ist mehr und besser und auch (im Sinne der Pleitebanker) "langfristig" billiger. Und wenn wir selbst tot sind, werden unsere Moebel noch von uns zeugen. Wir koennen das alles fuer Schuhe, Kleider und Moebel, Essen und Lederwaren durchdeklinieren. Alles kommt heute aus China/Nordkorea, alles ist oekologisch um die Welt geflogen und von Sklaven zusammengeklebt. Bei den (Privat)Autos aber wuerde ich eine Ausnahme machen. Die sind ueberall auf Verschleiss gebaut, entweder die Elektronik streikt, oder sie werden eben zwangsverschrottet qua "Anreiz". Auf einer andren Heimseite stand gestern noch, das erfolgreichtse Modell von DB, der Strich 8, bringe heute fuenfstellige Summen. Was dagegen ewig faehrt, sind alte Strassenbahnen und Busse. Sollte der Don nicht mal zu einer Kaffeefahrt einladen, schliesslich wollen wir als Kenner die objets, Stuckengel und Ledersofas, auch mal im Original sehen, riechen, anfassen, probeliegen ... Hinterher nehmen wir gerne eine Tasse Tee mit Gebaeck.

0 Herrentorte 20.06.2009, 08:13 Uhr

Bitte aufpassen, was Sie da in...

Bitte aufpassen, was Sie da in die Mülltonne tun. Am Ende versenken Sie noch von Ihnen mitfinanzierte bayrische Steuergelder: http://nachrichten.rp-online.de/article/wirtschaft/Bayern-buergt-fuer-Quelle-Katalog/42930

Zunächst mal Danke für...

Zunächst mal Danke für dieses Stück. Selbst für mich, dessen Stilsicherheit in Einrichtungsdingen sich auf das Vermeiden von Hässlichkeit und Schrott beschränkt, sind diese Orte der Unkultur absolute „no go areas“. Jedoch, falls man nicht das Sammeln alter Möbel und das Flohmarktstöbern zum Hobby und zum Lebensinhalt hat, ist guter Geschmack schon eine Frage des Geldes. Es gibt in der Möbelindustrie nur noch den Müll aus den Prospekten oder die teuren Designerobjekte, dazwischen nichts. Und Handwerkerarbeit ist kaum zu bezahlen. An die Abwrackmentalität bei Möbeln glaube ich nicht. Wenn ich mir so z.B. im noblen Frankfurter Westend betrachte, was an Spanplattenschrott, in die 18 Tonner Sattelschlepper der internationalen Umzugspeditionen ein- und ausgeladen wird, denke ich mir oft, dass ein Müllcontainer auch genügen würde.

Na klar, sei Ihnen gegönnt....

Na klar, sei Ihnen gegönnt. Ich fühlte mich auch eben an eine uralte BR-Dokumentation erinnert, wo das Verschwinden der altbayrischen Sterntüren und Sprossenfenster an 300jährigen Bauernhäusern beklagt wurde, untermalt von sehr langen Einstellungen, in denen diese typischen 70er-Jahre-Haustüren aus Pressglas in endlosen Varianten gezeigt wurden. Das war mal ein gutes Stück Fernsehen, ist aber schon lange her.

Le style fait l´homme. Darum...

Le style fait l´homme. Darum träumen unsere französischen Nachbarn nicht von Geld allein, sondern von genug Geld, um wie im absolutistischen Versailles zu speisen, um sich einen Salon wie den der Guermantes und eine Mätresse wie Diane d’Andouins oder meinetwegen Madame du Barry leisten zu können. (Was für Rückschlüsse das hartnäckige Wiederwählen Berlusconis über die Träume italienischer Männer zulässt bleibt gnädig verschleiert). Wir haben meiner Meinung nach das Problem, dass die Masse der ehemaligen Untertanen durch die jahrhundertlange Aufspaltung des Landes in dörflich geprägte Kleinststaaten keine Chance hatte, sowas wie historisch gewachsene Stilsicherheit zu entwickeln. Und vielleicht fällt darum die Imitation der USA, das vulgäre, geschichtslose, rein quantitative Anpreisen und Konsumieren leichter als woanders. Davon abgesehn: die Möbelhausinhaber in Ihrer Bekanntschaft freut´s trotzdem, wenn sie ihre giftigen Holzabfälle so gut loskriegen.

0 Grimaldeli 20.06.2009, 09:36 Uhr

Cher Don Alphonso! Diese...

Cher Don Alphonso! Diese Prospekte und auch diese Einrichtungshaeuser sind sicher der kalte Graus. Nur haben, Gott sei Dank aber viele den Drang, sich "vorne Stil und hinten Pappe" in ihre, ach so gemuetlichen Wohnungen zu stellen. Man denke an die Umsatzsteuer, welche unser Staat ja soo dringend braucht! Ich persoenlich halte es da mehr mit Pestalozzi: "Was er braucht, ist ein Wohnstuebchen"! Das Essen ist ein anderes Kapitel. warum haben wir nur so viele FastFood-Restaurants? Warum duerfen die sich eigentlich Restaurant nennen? Aber nichts desto trotz gibt es bei mir heute Shrimps, nur mit dem kleinen Unterschied: hab ich heutmorgen beim Pescatore meines Vertrauens in XXmiglia geholt! Einen schoenen Tag! G P.S.: Hab durch das Tortenbild erst entdeckt, dass Ihr Wagen ein RHD ist, also das Steuer auf der falschen Seite hat! Wie kommen Sie damit zurecht? Auf Malte oder GB mag es ja gehen? Aber in unseren Breitengraden? Ehrlich gesagt, das ist bei all dem Benzin, was ich mit 55 im Blut nach wie vor nicht moeglich fuer mich!

...die Masse der Menschen mit...

...die Masse der Menschen mit ihrer tiefen Liebe zum gehaltsleeren Dasein kann man auf Dauer nur beobachten, wie man einen Affenkäfig beobachtet. Man sollte wirklich nur sehr genau darauf achten, dass diese niedlichen Figuren mit all ihren Vorstellungen nicht ins eigene Leben eindringen...denn dann wirds wohl ungemütlich.

0 Blinder Passagier 20.06.2009, 10:22 Uhr

Lieber Don, beim Lesen Ihres...

Lieber Don, beim Lesen Ihres Beitrags fiel mir ein älteres Lied der Band "Element of Crime" ein. http://www.youtube.com/watch?v=K6gewW2o6LE&feature=PlayList&p=D474817D952F328B&playnext=1&playnext_from=PL&index=24 Es entspricht evtl. nicht Ihrem Musikgeschmack, aber zum Grundtenor ihres Artikels passt es schon. Lesenswert auch der Artikel zu Enzensberger und den Versandhauskatalogen in der Print-Ausgabe der FAZ v. heute.

möbel. sowieso ein...

möbel. sowieso ein speziathema. wer schon mal in der brd in einer solchen fabrik gestanden und sich an den heftigen ausdünstungen von formaldehyd und leim und lösungsmittel delektieren durfte, kann sich sicher gut vorstellen wie die gleiche fabrik in rumänien oder china ausssieht. wer gesehen hat, in welcher rasenden geschwindigkeit die grausligsten sachen am band zusammengekloppt werden und weiß wieviel zum beispiel küchen kosten, baut sie gerne selbst zusammen, dann hat man jede macke wenigstens selber verursacht... das ergebnis: "möbel" ohne jeden wert, ohne auch nur einen wertigen werkstoff und logischerweise ohne wertschätzung. mir ist auch nicht klar, warum der schrott so irre teuer ist. und man kauft ihn doch, einfach weil man es nicht anders kennt. es ist nicht unbedingt die verlotterung der jetzigen generation sondern die gier der sechziger jahre - welche familienerbstücke will man sich denn heute noch irgendwo hinstellen? was ist denn mit dem ollen hundert jahre alten grobgeschlagenen bauernküchentisch passiert? da musste resopal in's haus! war es groß genug, konnte jemand mit mehr bewahrungswillen das möbel auf dem dachboden verstecken, auf dass es heute in meiner küche stehe. wenn nicht: der ofen (nicht mal dafür taugt der pressspan)! naja. jetzt steht der resopaltisch auf dem dachboden. wer weiß, wann man den noch mal wieder braucht...

0 donalphonso 20.06.2009, 11:19 Uhr

Driver, Archäologie des 21....

Driver, Archäologie des 21. Jahrhunderts wird allein deshalb schon eine lässige Angelegenheit, weil am Ende doch wieder alles vernichtet wird. Insofern wird das ein komplett falsches Bild unserer Sachkultur hinterlassen. . Herrentorte, dem fränkischen Ordnungspolitiker zu Guttenberg und seinen Münchner Spiessgesellen ist eben der freie Markt nur dann nahe, wenn ihn andere in Rüsselsheim ausbaden müssen.

0 donalphonso 20.06.2009, 11:23 Uhr

Plebejer, das ist leider...

Plebejer, das ist leider richtig, und der Schrott verdrängt zumehmend auch die Luxushersteller. Weil man eben dem Produktzyklus huldigt in der Vorahnung, dass die Erben nachher sowieso alles verschleudern oder wegwerfen werden. Aber noch gibt es Sofas von den Bielefelder Werkstätten und Werther und Poltrona oder in England von Smith "pre-owned" recht günstig zu haben. . ivar, das war die famose Serie "Topographie" von Dieter Wieland: http://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Wieland Beim modernen Italo-Elend haben sie gelernt, den Dreck nicht ganz so offensichtlich sein zu lassen. Zuerst mal ist es nur Kitsch. und bis zum Müll gibt es die nächste Abwrackaktion.

0 perfekt!57 20.06.2009, 12:24 Uhr

"Archäologie des 21....

"Archäologie des 21. Jahrhunderts?" Schreck laß nach! Wie das gehen wird? Leicht vorherzusagen: "Papa, Papa, komm ich habe was gefunden!" "Was denn mein Kind?" "Na komm mit Papa, ich zeig es Dir." Kurze Zeit später: "Ach so mein Kind, nur schon wieder ein Autobahnkreuz, was Du da gefunden hast; so nannte man das früher, laß bloß zu, lohnt nicht, sahen eh alle gleich aus die Dinger, nur beton und fahrbahn und ein paar olle, zerborstene Stüzen !" "Und was war das denn da drüben Papa?" "Eine Millionenstadt mein Kind - und laß mich bloß zufrieden damit! Wer will sowas nämlich schon ausgraben, Millionenstädte? Soviel unnütze Arbeit für nix. Und gibt es doch noch Hunderte von, unausgegraben rund um die Welt, die kann man nicht alle ausbuddeln; und lohnt auch nicht, das bißchen alte Architektur und bemüht gemachte Museen in den Zentren... ." Noch ein bißchen Tee? .

lieber d.a., zugegeben, die...

lieber d.a., zugegeben, die spießigkeit mancher möbelhäuser und die schmierigkeit ihrer verkäufer kann einem die luft wegnehmen. und man braucht sich gar nicht hineinzubegeben um sich vorstellen zu können mit welcher kitschlawine man dort ästhetisch vergewaltigt wird. es reicht schon aus, wenn man sich die eingänge von außen genauer anschaut, die mit geschmacklosen brunnen oder volksfestkarussells "geschmückt" sind, um zu ahnen welche grausamkeiten sich darin entfalten... aber: sehen sie das nicht ein wenig zu einfach? denn viele verhaltensweisen liegen an dem sozialisationsprozeß der menschen, das oft mit den ökonomischen gründen stark verbunden ist. und es fehlt sehr oft an alternativen, denn wirklich interessante möbelhäuser, die erschwingliche ware anbieten würden gibt es leider nicht. außerdem (und das ist vielleicht einer der wichtigsten argumente für schwedischen möbelherstellerfans) ist der heutige lebensstil einfach anders geworden. schnellebiger nicht nur im hinblick auf konsumieren, sondern vor allem auf das lebenstempo. und für jemanden der gezwungen ist zum beispiel jeden 2 jahr ins ausland beruflich umzuziehen und mit sich die wedgwood porzellan, kronleuchter oder sperrigen chaise longues, die marie-antoinette-hinrichter im 18 jh. ersteigern ließen schleppen muß, wird galube ich nicht so begeistert sein...

0 perfekt!57 20.06.2009, 15:22 Uhr

Abwracken? Aber sicher. . Hier...

Abwracken? Aber sicher. . Hier der Link der Bilder Roms aus der Zeit Goethes zeigt, bevor es von uns (vorrübergehend) ausgegraben wurde: http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=3717 . Nebenbei: Wie die Möbel in den Ruinen aussahen, ist zwischenzeitlich auch rekonstruiert. . Statt Möbelherkunftsdifferenzierung erwäge ich gleich nachher einen Hallenbadbesuch mit den eigenen Kindern. Oder morgen mit der Frau auf einer Decke im Wald unter einem Baum zu liegen und ein Buch (vor)zulesen oder einfach so zum Himmel zu schaun und dem Spiel der Blätter im Wind zu lauschen. Und wir nehmen ein bißchen ganz viel heißen Tee mit.

Der Spielplatz der...

Der Spielplatz der Massen Nicht alles ist Kitsch, was man in diesen Möbelhäusern kauft. Man muss nur wissen, was man will. So haben meine Frau und ich vor einiger Zeit eine Ledercouch gesucht, eine, die den Krallen unserer 3 Stubentiger widersteht. Da benötigt man erstens eine helle Couch, zweitens, eine, deren Leder dick genug ist, und drittens eine, die vom Preis her erschwinglich bleibt. Nun genau diese haben wir gefunden, zur Zufriedenheit unserer Katzen, denn die liegen da – nach einer Eingewöhnungszeit von etwa einem Jahr, vermutlich weil das Leder solange gemuffelt hat – darauf. Und auch für unsere Tochter ist sie geeignet, denn für sie ist sie der ideale Spielplatz. Und als ein solcher, muss sie zu allem noch sehr robust sein. Antike Möbel lieben wir auch, und die haben wir auch, aber die sind eben nicht für jeden Zweck geeignet, bzw. auch nicht für jede Wohnung und schon gar nicht für jede Geldbörse. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass man mit antiken Möbelstücken die Bedürfnisse der Massen befriedigen kann. Das eigentliche Problem ist eben, dass nicht deren Bedürfnisse befriedigt, sondern derer falschen geweckt werden. Das aber ist ein Phänomen des Kapitalismus, sprich der Produktion für den Markt und nicht eines des besseren Geschmacks. Geschmack aber, vor allem guter Geschmack, soll im Kapitalismus nicht wirklich geweckt werden, nicht in den Massen jedenfalls, dort genügt es, wenn ein solcher nur vor deren Nase gehängt wird, als etwas, was sie nie erreichen werden, sowenig wie Reichtum, Bildung und Chancengleichheit.

0 "Elitestudentin" 20.06.2009, 15:40 Uhr

Um welche Kleinstadt an der...

Um welche Kleinstadt an der Donau handelt es sich wohl in Ihren Texten mfg eine Elitestudentin aus besserem Hause und mit leider zu wenig Zeit für Drogen, Eskapaden und ähnlich illustre Dinge, welche Sie ihn Ihrem Blog unserem alltäglichen Leben zuschreiben...

0 noch so einer 20.06.2009, 15:42 Uhr

Wer kauft eigentlich noch...

Wer kauft eigentlich noch Möbel? . Diese ganzen Prospekte, mit denen die Möbelhäuser (ich nehme an, ausser dem einen, weltweiten, aus Schweden gibt es hier zu lande noch zwei Grosse, unter verschiedenen Namen, damit es nicht so auffällt) seit Jahren immer neue Rabatte versprechen und inzwischen schon zinsfreie Finanzierungen bieten, das zeigt doch nur, wie marode die ganze Branche ist. Bleibt das mit den Shrimps. Die gelten immer noch als vornehm. So wie die Königin der Früchte, die Ananas, die um die halbe Welt transportiert worden ist und dennoch billiger verkauft wird, als Äpfel aus der Region. . Ähnliches gilt für die Autohändler, wobei, auf ein Auto kann man schwerer verzichten als auf Möbel. Letzte Woche wurde ein Prospekt verteilt, lauter neue Autos, keine Preise mehr, nur noch supergünnstige Raten (wer das klein gedruckte auch gelesen hat, erst Anzahlung, dann Ballonfinanzierung, bei eingerechneter Abwrackprämie, na ja), offenbar zahlt dort keiner mehr bar. . Die Kundschaft, die man früher mit billiger Bockwurst locken konnte, kauft inzwischen anderes anderswo. Außerhalb der Städte finden sich Handelsketten, die allerhand Elektrik und Elektronik, gerne zur Geräuscherzeugung für sich und andere, anbieten. Ja, die eine Kette besteht dreissig Jahre und bietet ihre bereits so billichen Artikel zum Ratenkauf, 30 Monatsraten bei 0% Zinsen und das bei Einkäufen ab 300,00 EUR. Die müssens nötig haben. . Die Kundschaft, die weder Möbel noch gadgets auf Kredit erhält, nimmt auch am Wirtschaftsleben teil - in und ausserhalb den Städten, dort wo bar bezahlt wird, bei tedi, kik, takko und Konsorten. Hier wird die Illusion vermittelt, auch dazuzu gehören, ein Segment, das augenblicklich hohe Zuwachsraten hat. Un das vermutlich auch richtig Gewinn macht, weil sowoh die Kunden wie die Arbeitnehmer, na ja, sie müssen ja nicht, sie wollen doch ....

0 donalphonso 20.06.2009, 16:22 Uhr

Geschätzte Elitestudentin, es...

Geschätzte Elitestudentin, es freut mich, dass es immer noch Leute gobt, die keine führenden Mitglieder der "Ich glühe härter vor als Du Party machst"-Gruppe sind. Alkohol ist keine echte Droge, aber am Umstand, dass alkoholisierte Standes Vertreter einander die Köpfe eingeschlagen haben, führt wohl kein Weg vorbei. . Ansonsten, gefält es? . noch so einer, es scheint tatsächlich, als würde die Absatzkrise diesmal üblere Formen annehmen. Aber das war doch schon länger zu erwarten. Es gibt zuviel und zuviel Müll und den an unpassenden Orten, tonnenweise Billigzeug mit Ablaufgarantie, und irgendwann - man nehme nur das Beispiel Tchibo - rechnet sich das alles nicht mehr. Schlimm? Vermutlich nicht. Solange man keine Firma in China laufen hat. Ich kann nur zu wirklich hochwertigen Sofas raten. Natürlich kann man an denen nicht einfach so hirnlos klebriges Zeig in sich hinein stopfen, aber mittelfristig lebt es sich angenehm. Und man muss auch nicht so viel schleppen.

0 Eppendorfer Alraun 20.06.2009, 16:44 Uhr

Ohne den sehr klugen Texten...

Ohne den sehr klugen Texten des Herr Don und seiner Leser im mindesten nahe treten zu wollen: Möbel kauft man beim Möbeltischler. Der sie nach den Wünschen des späteren Nutzers tischlert. Aus Holz.

Lieber Don Alphonso und alle...

Lieber Don Alphonso und alle anderen Interessierten, lesen Sie doch (wieder einmal?!) William Morris, z.B. News From Nowhere. Morris war ein Idealist, der den Massen den (erschwinglichen) guten Geschmack nahebringen wollte. Das Arts and Crafts Movement hat auch in California um Pasadena herum schoene Haeuser hinterlassen. - Ansonsten ist immer wieder Aldous Huxley's Brave New World zu empfehlen. Die Abwrackpraemie passt hier genau ins Konzept. - La Perla hat auch in gewisser Hinsicht Recht: wer innerhalb fast eines Jahrzehnts in Istanbul, Maskat, Bucharest und Abu Dhabi arbeitet wird es beschwerlich finden, schoene Moebel mitzunehmen. Da ist dann Minimalismus besser. - Zur Verteidigung der Schweden sei nur gesagt, dass ihre Moebel wenigstens nicht den Anspruch haben, mehr zu sein, als sie sind. Und die Buecher in diesen Moebelhaeusern sind auch alle gleich auf schwedisch, und reihenweise das gleiche Buch, damit jede(r) versteht dass sie nur Dekoration sind :). Siehe auch The Great Gatsby: "He knew where to stop - none of the pages are cut" in den Buechern seiner Vorzeige-Bibliothek. - Ich wuensche einen schoenen Abend am Tegernsee. War der Trip nach Idstein erfolgreich und konnten Sie eine neue SU fuel pump erstehen und einbauen lassen, so dass einem kleinen Ausflug am morgigen Tag nichts im Wege steht?

Lieber Don Alphonso, aus dem...

Lieber Don Alphonso, aus dem gegebenen Anlass der spaeten Abendstunde nun doch die Frage, ob Ihnen nach Mitternacht schon einmal in einem Ihrer 54 Raeume ein bleicher Jesuitenpater begegnet ist, der Sie ob Ihres Verlassens des Schosses der Heiligen roemisch-katholischen Kirche zugunsten der von Ihnen erwaehnten Angehoerigkeit in einer des Alkohols entsagenden transnationalen Religionsgemeinschaft, wobei es sich nach meinen Vermutungen um eine im 19. Jahrhundert in Persien gegruendete Gemeinschaft mit vielen intelligenten Menschen weltweit handelt (denn die andere Alternative, die Mormonen, duerfen auch keinen Tee trinken!), gescholten hat?

0 Trüffelfinderin 20.06.2009, 19:02 Uhr

Konsequentes Angebot für den...

Konsequentes Angebot für den von den Medien Eingelullten, sich gerne von der Politik entmündigen Lassenden und intellektuell mit leichtem Gepäck Reisenden. Klasse, so bedient der Markt eben jedes Klientel.

@Eppendorfer Alraun: Wenn Sie...

@Eppendorfer Alraun: Wenn Sie die materiellen Mittel dazu besitzen, ueber einen Ihnen mindestens eine Dekade anzunehmend erhaltend bleibenden Wohnsitz verfuegen, und Ihnen schoene Moebel eine Lebensprioritaet sind, warum nicht? Tischler sind meistens nette Menschen. - Ansonsten ist aber auch der Weg des Dons zum Antiquar oder Flohmarkt empfehlenswert, denn warum neu erschaffen, was schon besteht und gefaellt?

0 Blinder Passagier 20.06.2009, 19:26 Uhr

Lieber miner, die Frage ist...

Lieber miner, die Frage ist doch die, wer im Käfig sitzt. Die "Massen" oder "Wir".

Lieber Blinder...

Lieber Blinder Passagier, interessanter Gedanke. Ich denke, dass es weniger auf den Ort (hier Käfig) ankommt, als auf das gute Gefühl des jeweiligen Insassen / Besuchers. Ich bin, ähnlich wie der Don, so in der Mitte meines Lebens angekommen und denke, dass es mir egal ist, ob ich in dem Käfig sitze oder "die". Wichtig ist wohl, dass man nicht mehr gezwungen bin, bei irgendeinem von " deren Spielchen" mitzuspielen. Denn es steht ausser Frage, dass die "Spielchen" unserer Gesellschaft in der kommenden Zeit immer schneller, heftiger, verlogener, billiger und unmenschlicher werden. (Da dürfte wohl spätestens seit den letzten Jahren des schuldenfinanzieren Glücksgefühls kein Weg mehr dran vorbeiführen. ) Für diesen Moment der Freiheit/ Entschleunigung habe ich gekämpft und beobachte (doch recht neutral) die Menschen in ihren Strukturen, ihrem Trott, ihren Zwängen...Ob´s nun Besucher des Zoo´s sind, die mich anschauen, oder ob ich der Besucher vor dem Käfig bin...ich möchte jedenfalls nicht tauschen mit dem, was ich vor mir sehe.

0 donalphonso 21.06.2009, 07:58 Uhr

Ich denke, der Unterschied...

Ich denke, der Unterschied ist, wie man hineinschaut und was man dort sieht. Es ist nicht weiter schwer, hinab zu schauen und zu wissen, dass es zwar schlimm ist, aber auch schlimmer als das Schlimmste, was kommen wird. Der Katalog ist eine Lebensrealität, mit der man notfalls vorlieb nehmen müsste. Dieses Blog dagegen ist eine Art Schlüsselloch, aber tatsächlich sind meine Lebensumstände für viele kaum erreichbar, und sie werden es auch nie sein. Die Hälfte der Bewohner dieses Landes sind mehr oder weniger vermögenslos, wollte man es allein am gelde fest machen. Die wenigsten verstehen überhaupt etwas von Dauerhaftigkeit. Und viele finden es gut, so wie es ist, zwischen Garnelen, Buddha und Abwrackprämie.

0 donalphonso 21.06.2009, 08:05 Uhr

Cao Ky, nein, bedaure. Ich...

Cao Ky, nein, bedaure. Ich habe den Eindruck, dem Haus ist die Weltanschauung seiner Bewohner egal, solange sie sich gut darum kümmern. Ausserdem haben es die Gesellschaftler auch nur umgebaut. Davor haben sich andere schon daran zu schaffen gemacht, Jahrhunderte, viele Jahrhunderte. . Ich lese gerade ein Buch, in dem es am Rande um das Leben der Huxleys in Südfrankreich geht. Das sollte man kennen, wenn man sich die bösen Phantasien dieses Herrn vergegenwärtigt. In Sanary muss es sehr heuter zugegangen sein.

Wie immer lesenswert und...

Wie immer lesenswert und unterhaltend! Sehr nett finde ich: "Dazu das Erstbuch. Damit noch etwas Drang zum Höheren da ist." Möglicherweise ist die Schrift in dem Buch das einzige, was nicht hässlich ist in dem Reklamewohnzimmer. Und diese Schrift ist dann aus dem sechzehnten oder siebzehnten Jahrhundert und hat nur deshalb überlebt, weil das keiner weiß. Ach und Bücher im Wohnzimmer überhaupt: Ich warte bei Gästen immer auf die B-Frage: Hast du/Haben Sie die alle gelesen? Wenn die alle wüssten, was für ein Vergnügen sie sich entgehen lassen, nur weil sie glauben, dass es Mühe macht.

Ivar und Don, obwohl...

Ivar und Don, obwohl Glotzentalk hier ja eigentlich tabu ist, darf ich kurz anmerken, dass ich immer wieder erstaunt bin, bei wie vielen Menschen die besagte Serie Topographie und Dieter Wieland „Kult“ sind. Mir hat kürzlich ein Bekannter, Schreiner von Beruf, seine alten VHS Videomitschnitte der Serie ausgeliehen. Ist daher noch nicht alles verloren.

Wenn im Zentrum der...

Wenn im Zentrum der mittelfristigen Lebensplanung das Hinterlassen einer Wohnung samt einiger Mietschulden steht, dann will man den Verlust doch nicht durch teuere Möbel steigern.

das Problem der hohen...

das Problem der hohen Mobilität die unsere modernen globalisierten Zeiten von uns angeblich fordern wäre in der Tat eins für den Benutzer alten Gestühls, aber zumindest in meinem weiteren Umfeld zieht man auch nicht alle 2-3 Jahre um. so instabil sind die Zeiten und Verhältnisse dann doch nicht und der finanzielle Rahmen ließe auch den Kauf guter Möbel zu, allein am Willen mangelt es. "Früher" hat man sich einmal eine Wohnzimmereinrichtung gekauft, vieleicht auch 2mal im leben, heute spätestens alle 10 Jahre. Man benötigt dies wohl auch um seinen Gesellschaftlichen Status zu wahren, man muss ja mit der Mode gehen. Zeitlos war damals bestimmt nicht alles, aber man musste sich wohl auch nicht dafür schämen wenns nicht mehr ganz so aktuell war. Heute wäre es geradezu unsinnig viel in totes Holz in hübschen Formen zu investieren ( und gutes Handwerk gibt es noch, ein Besuch einer Gesellen oder Meisterschau öffnet da Augen), in 10 Jahren landet es ja eh im container. Gebraucht würde man es auch nicht los, die Schichtsgenossen räumen ja auch gerade aus. Die weniger Begüterten erstehen lieber Kitsch oder billige Abklatsche der aktuellen Mode und würden sich ums verrecken kein Gebrauchtmöbel ins Zimmer stellen ( wenn sie nicht gerade massiv am Hungertuch nagen). Irgendwo weiter oben schon angesprochen, auch "Marken"* sind heute kein Garant mehr für hochwertige Produkte. man hat den Eindruck das aktuelle Management würde die in langen Jahren erarbeiteten Ressourcen auf dem Altar der Boni und Unternehmensgewinne opfern. Sichtbarstes Zeichen ist wohl der Trend zum Plastegehäuse und auch hochwertiger kunststoff gilbt und wird brüchig. * Das Wort Marke bitte ich im eher traditionellen Kontext zu verstehen, als Kennzeichen eines Unternehmens, das sich seinen guten Ruf durch lange Jahre intensiver Pflege seiner Produkte und nicht seines Marketings erworben hat.

Wehrter Don, wieder einmal...

Wehrter Don, wieder einmal beeindruckt mich Ihre Musik. Sicherlich ist es schon etwas "altmodisch" sich für die anregenden Hinweise zu bedanken. Doch mit Ihren Hinweisen komme ich aus dem Trott herraus und freue mich auf Neues. Herzlichen Dank, P. P.S. Bitte gehen Sie langsam zur Tür, wenn es klingelt.

0 Hier findet man 21.06.2009, 16:00 Uhr

Einkaufs- und Stilberatung auf...

Einkaufs- und Stilberatung auf recht hohem Niveau. In größeren Städten kann man dafür sogar Berater mieten. Eine interessante Entwicklung. Vielleicht wird Warenkunde wieder einmal populär.

0 Eppendorfer Alraun 21.06.2009, 16:05 Uhr

Cao Ky, Dekaden? So wenig?...

Cao Ky, Dekaden? So wenig? Nun, selbst dann ist es für gute Möbel kein Problem, umzuziehen. Eher wird es Ihnen misslingen, so ein Möbelhaus-Ding ein zweites Mal aufzubauen. Und: Wenn man glaubt, dass heutige Verbraucher ihre Möbel alle 8-10 Jahre "austauschen", ist der Tischler schnell die bessere Wahl, auch was den Aufwand angeht.

0 Eppendorfer Alraun 21.06.2009, 16:07 Uhr

Sorry rbt, wollte Sie nicht...

Sorry rbt, wollte Sie nicht wiederholen. Stimme ganz zu.

Sehr geehrter Don Alfonso,...

Sehr geehrter Don Alfonso, Ihren Blog zu lesen ist immer wieder erheiternd. Denn sowohl im eigentlichen Artikel, als auch in den folgenden Kommentaren, finde ich einen Großteil meiner persönlichen Einschätzung zur Lage der Dinge wieder. "China-Schrott", wie ich es nenne, gehört dabei schon seit langem zu einer meiner Anfechtungen. Dies hat weniger mit dem Chinesen als solchem zu tun, als mit der erschreckenden Art der Herstellung, sowie der technischen und ästhetischen Qualität dieser Produkte. Diese sind bereits nach der Herstellung unbrauchbarer oder absolut unnötiger "Müll". Ich hoffe, daß der Weg wieder zu mehr Qualität führt, was auch insbesondere diesem Land hier wirtschaftlich sehr gut täte. . Leider befürchte ich, daß diese dingliche und ästhetische Umweltverschmutzung einfach ein ganz normaler Teil der Menschheit ist - ganz so, wie es eben im Gegensatz dazu auch Unsereins gibt. . Waren Sie übrigens auf der Bavaria Historic? Man sagt ja auch "bayerische Mille Miglia" dazu, leider hat es dieses Jahr so starkt geregnet. . Grüße aus Schwabing an den Tegernsee.

Werter Don Alphonso, leider...

Werter Don Alphonso, leider ist mir in meinem vorhergehenden Kommentar ein Fehler bei der Schreibweise Ihres Namens passiert. Ich hoffe, Sie verzeihen mir und sind nicht nachtragend, ich wurde durch den Namen eines früheren Bekannten irritiert.

0 JoeKotsch 21.06.2009, 16:43 Uhr

..war nicht ein Grossteil der...

..war nicht ein Grossteil der I*K*E*A-Möbel zu DDR-Zeiten eben aus diesem Land?

0 Frundsberg 21.06.2009, 16:57 Uhr

Ich komme nicht umhin, das...

Ich komme nicht umhin, das Eingangsscharmützel dieses Beitrags unreflektiert zu lassen. Wenn man offensichtlich zu viel MTV sieht und dort - neben der Banalität und Stupidität der sogenannten "Pop Music" - nach dem Entblössen irgendwelcher Gesäuge oder anderer unappetlicher Körperteile von zu klein für ihr Gewicht geratenen Dämchen lechzt, muß Einem die Musik eines C. F. Abel vermutlich nicht goutieren. Ich fand die Empfehlung Euer Liebden wie immer sehr bereichernd ... merci beaucoup !

0 noch so einer 21.06.2009, 17:23 Uhr

Joe Kotsch, Frage falsch...

Joe Kotsch, Frage falsch gestellt. . Was eigentlich kam in den achtzigern bis zur Vereinigung nicht aus der DDR, was bei den Versandhäusern und den Kauf- und Warenhäusern angeboten wurde? . Das Problen der DDR war nicht der mangelnde Absatz im kapitalistischen Ausland, wie das damals hiess. Das Problem war, dass so billig verkauft wurde, dass Investitionen in Anlagevermögen nicht mehr möglich waren. Es wurde auf Verschleiss gefahren, bis auch das nicht mehr ging. . Wie sieht es in China mit den Investitionen beim Anlagevermögen aus? Könnten die Chinesen nächstens vor ähnlichen Problemen stehen?

0 donalphonso 21.06.2009, 17:30 Uhr

Spannende Frage. Es gab bei...

Spannende Frage. Es gab bei Quelle früher Kondensatormikrophone, die ganz hervorragend waren und wohl bei Mikrophontechnik Gefell gebaut wurden, einem der besten Anbieter auf diesem Feld weltweit, und für einen Bruchteil dessen, was Sennheiser verlangt hat. Bei Sennheiser brauchte man Spezialbatterien, bei den DDR-Mikrofonen reicht eine normale AA-Batterie. Nicht alles war Rennpappe. . Ikea lässt inzwischen global produzieren. Ich würde es einfach nicht wollen, es ist Ausweis einer welt, die mir zu gross ist. Und zu geschmacklos, im innersten Sinn des Wortes. Nicht gegen Geschmack, sondern bar jeden Geschmacks. Wie billiges Rapsöl, im Vergleich zum Olivenöl. Wie Margarine gegen Bergbauernbutter.

ja in den 50er und 60er Jahren...

ja in den 50er und 60er Jahren war weiß gott nicht alles schlecht was von drüben kam. Auf dem Feld des Industriedesigns war die DDR ihrem großen Nachbarn in jedem Fall ebenbürtig. Die Qualität der Produkte war zu Beginn auch noch sehr ansprechend. Wer statt Biedermeier Industriedesign der 50er und 60er Jahre bevorzugt wird auch mit Ostprodukten oft sehr glücklich. Der Verfall oder besser die Verkrustung setzt erst ab mitte der 60er ein, als der anfängliche Schwung sich abschwächte. Bis zum bitteren Ende wurde die Kluft zum kapitalistischen Nachbarn dann immer größer. Gleiches gilt auch für die übrigen Staaten des RGW. Die besten Röhren (diese Dinger aus der Vortransistorära) kommen immer noch aus Russland. Perfektion auf dem Stand von 1970... .Die Strukturen jenseits des Eisernen vorhangs müssen wohl so starr gewesen sein, dass nichteinmal die Blockkonfrontation als Konkurrenzsituation Antrieb genug war sich weiterzuentwickeln.

Wer behauptet, umziehen mit...

Wer behauptet, umziehen mit Spanplattenteilen sei leichter als mit richtigen Möbeln, hat das noch nie getan. Im übrigen bezweifle ich, dass ein nennenswerter Teil der Menschen alle paar Jahre umzieht. Wer dennoch vorsorgen will, beschafft sich englische Offiziersmöbel.

Man stelle sich vor, ihr...

Man stelle sich vor, ihr geliebtes Möbel wäre in millionenfacher Ausfertigung vorhanden - und die heute in ihrer Simplizität glänzenden Katalogmöbel nur im Singular erhältlich. Ihre Wohnung würde da wohl anders aussehen. Ich höre sie direkt über den Mief der morschen Möbel schwadronieren und auf die an Mies van der Rohe gemahnenden Linien diverser Möbelketten verweisen. Was den Dingen ihre Identität raubt, ist die Massenfertigung. Was millionenfach gefertigt wird, ist mausetot schon bevor es zu leben beginnt, was millionenfach geschätzt wird ebenso. Was den Unterschied macht, ist die mangelnde Integrationsfähigkeit des Betrachters. Guter Gechmack ist immer in der Minderzahl, niemals ein Massenphänomen. Selbst das mieseste, hässlichste Möbel lebt und stahlt, wenn es den findet der sein Strahlen sieht. Will sagen, die Qualität ihres Sofas steckt in ihnen - nicht im Sofa.

0 Martinovic 21.06.2009, 20:58 Uhr

Diese Einrichtungsreflexionen...

Diese Einrichtungsreflexionen mögen ja manchmen ganz nett erscheinen: aber warum wird jemand für so einen sinnlosen Artikel bezahlt? Ich sehe nicht mehr als ein Selbstgespräch, in dem sich der ein oder andere satte Bundesbürger widerfinden, einmal an die ach so kulturlosen Möbelhausausstattungen denken und sein dann sein Selbstwertgefühl durch eingebildete "Exklusivität" aufrichten kann. Einfach nur substanzlos- solche Artikel gehören eben auch nur zum Wohlstandsmüll.

Ist es so, dass Goethe jetzt...

Ist es so, dass Goethe jetzt Göthe geschrieben wird? siehe: "Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen Göthe, Faust II"

0 donalphonso 21.06.2009, 21:05 Uhr

Wenn meine Beiträge so...

Wenn meine Beiträge so substanzlos wie das ewige "Bäh der beitrag gefällt mir nicht weil da nicht meine Meinung steht sondern eine andere die andere als ich gut finden also schmeisst den raus"-Geflenne sind, lasse ich es wirklich bleiben. Davor sind mir solche Einlassungen eher egal. Lesen Sie halt was anderes. . zebulon, ich habe durchaus Dinge aus Massenproduktion. Massenproduktion ist nicht schlecht, und gewisse alte Formen wurden sicher auch millionenfach durch die Jahrhunderte gefertigt. ich fände es aus anderen Gründen nicht gut, wenn jetzt alle Mahagonitische kaufen würden - siehe die Ausrottung der Bäume. Es geht nicht darum wie oft etwas hergestellt wurde, sondern allein um das wie und das zu welchem Zweck. Perverserweise war die Technik nie besser als heute, und gleichzeitig entsteht all dieser Müll.

0 donalphonso 21.06.2009, 21:08 Uhr

db, beides ist möglich, meine...

db, beides ist möglich, meine alte Biedermeierausgabe etwa nennt ihn Göthe. . ilnonno, in Berlin wird, sobald es eine günstigere Wohung oder eine Scheidung gibt, laufend umgezogen. Der Wunsch nach Sesshaftigkeit kommt in der Regel mit dem eigenen Heim.

Lieber Don. heute so düster?...

Lieber Don. heute so düster? Alle Möbelhäuser haben in der heutigen Zeit ihre Berechtigung! Das mag man traurig finden nur nur bedauern, solang man weiß, wo man selbst das findet, wo nach man sucht ist doch alles o.k.!! Grüße FS

"Perverserweise war die...

"Perverserweise war die Technik nie besser als heute, und gleichzeitig entsteht all dieser Müll." Perverserweise kann man in diesem Land & in ganz Europa jederzeit hochwertige, ewig lange haltbare Produkte herstellen und dabei eine ganz grosse Nachfrage erzielen...aber kaum einer macht es!?! Immer öfter sind es sogar ausländische Mitbürger, die noch den Mum zur Produktion und das dazugehörige "Explorertum" in sich haben. In mehr als der Hälfte aller deutschen Köpfe herrscht eh ein plumper, seitens der Eltern antrainierter "dienstleistungsbezogener Angestelltentraum" zur Bewältigung ihres tristen Lebens und von den wenigen Gestalten, die sich noch auf Produktion und Risiko verstehen, sind viele oft von kurzfristigen Renditezielen verblendet. Also, ihr ewigen Marktlückensucher: Qualität ( egal in welchem produzierenden (!!!!) Bereich) ist eine ganz grosse Marktlücke, verbunden mit Schweiss, Ausdauer und ner Menge Arbeit aber versucht es mal schlicht und einfach....ohne die sinnlose Übermacht von Meetings, Networking- , Team-building- & Re-Union-Events. @Martinovic. Wie man einen Alphonso-Artikel als --substanzlos-- betiteln kann, in welchem sich der Don per se gegen gesellschaftliche Substanzlosigkeit wendet, wird mir wohl auch keiner erklären können. Wo sollte denn dann Ihrer Meinung nach die Substanz sein? Im Media-Markt-Flyer oder in der letzten Merkel Rede ???

by the way Don, ...

by the way Don, "perverserweise" werden Sie morgen hier in Frankfurt an die 300tsd Leute finden, die Ihnen langweilige Finanzprodukte empfehlen können, während sie mit viel Mühe & Glück 2-3 echt nette Opi´s finden können, die sich dem wesentlich spannenderen und erfolgversprechenderen Thema eines Oltimermotors annehmen werden.

0 Köstlich 22.06.2009, 04:55 Uhr

Dass die Mehrheit lieber 5 x...

Dass die Mehrheit lieber 5 x in 20 Jahren zum Schwedischen Möbelhaus oder zu Otti Fischers grossem Stuhl rennt als 1 x zum Schreiner ist schon seltsam. Das liegt wohl daran, dass der Gang zum Schreiner einiges an eigener Konzeption verlangt, eine Mühe die es den Schnellmöblierern vermutlich nicht wert ist. "Gekauft wie im Katalog gesehen" statt "mal sehen was wir da beauftragt haben" ist die vermeintlich sichere Variante. Apropos "Zwang zur mobilität" - ein Echtholzmöbel verkraftet Umzüge weitaus besser als Pressspahn! Der Transport ist auch leichter, wenn es richtig konzipiert ist.

Noch so einer sagt: auf ein...

Noch so einer sagt: auf ein Auto kann man schwerer verzichten als auf Möbel. Stimmt nicht. Ich hab statt Möbel meinen SUV ins Wohnzimmer gestellt. Sieht Scheiße aus.

apropos busse und trams: in...

apropos busse und trams: in belgrad fahren sie alle noch, die alten aus ganz europa! hab dort die der alten hamburger linie 3 gesehen, und im himmelblauen bus stand: wer ohne billet faehrt, wird mit FR 60 gebüsst!

Lieber Don, jaja, die bunten...

Lieber Don, jaja, die bunten Blaettchen, die einem ins Haus flattern, trotz verbarrikadiertem Briefkasten. Mit das Beste was ich je gehoert bzw. gelesen habe war "Haben sie schon Ihre Wintermoebel?" Also bitte, wer Stil hat muss nach einem halben Jahr alles rausschmeissen und mit neuer Pappmache vollstellen. Sic transit gloria mundi

Liebe Kommentatoren, ich...

Liebe Kommentatoren, ich glaube Ihnen sehr gerne dass diese Schwedenmoebel Umzuege weniger gut als Qualitaetsmoebel ueberstehen. Das ist auch nicht Grund ihrer Beschaffung, denn beim naechsten internationalen Umzug werden diese Dinge dann verschenkt, und man sorgt sich nicht weiter um sie. Die Sache mit den englischen Offiziersmoebeln , lieber Grossvater, ist interessant. Bezugsquelle? - Wer ein richtiges bestaendiges Heim wie der gute Don Alphonso besitzt, der sollte sich auch, die Mittel und Gelegenheit gegeben, richtig schoen und stilvoll einrichten :-).

Man umgibt sich mit Dingen,...

Man umgibt sich mit Dingen, die so sind wie man selbst, Mainstream oder Einzelstück. Nur glaube ich, das man nicht die Qual der Wahl hat. Wie schon Schoppenhauer sagte, kann man zwar tun, was man will, nicht aber wollen was man will. Wer zum Mainstream gehört und kauft und schätzt was alle wollen, weil alle es wollen hat auch keine Wahl. Dazugehören ist eine Behinderung, die sich jeder wünscht. Wer will schon wirklich einzigartig sein, das bringt nur Probleme. Die Menschen riechen, dass man nicht dazugehört. Man ist dann schrullig, oder spinnt ein bisschen. Das mag der Vorteil von Vermögen sein, dass man die Leute und sich selbst dann glauben läßt, die Eigenheit (die sich am Geschmack offenbart) hänge an dem was die anderen nicht haben - das viele Geld, die Zeit. Eigen zu sein ist ja gerade heute, wo alle glauben wir befänden uns in liberalen Zeiten etwas eigenartiges, verbotenes das man nur Künstlern zugesteht, oder Reichen. Dem Eigenen - wie im Herbst bei einer Bergtour die Luft immer klarer wird und dünner - leert sich die Welt. Dafür ist die Aussicht schön von dort oben - nehme ich einmal an.

0 donalphonso 22.06.2009, 07:49 Uhr

Ach je, ich bin doch selbst...

Ach je, ich bin doch selbst auch nur Mainstream mit meiner Haltung, in meinem Umfeld ist das alles so aussergewöhnlich wie grünes Gras. Da wundert sich keiner, wenn er eingeladen wird und die Wohnung voller Möbel von vor 1900 findet. Gespräche über Antikmarktpreziosen sind das neue Geplauder über das Wetter. Ich bin höchst durchschnittlich. Nur eben nicht überall und zu allen Zeiten.

Es stimmt nicht unbedingt,...

Es stimmt nicht unbedingt, dass solide teuer ist. Es war da mal eine junge Familie, die sich ihr neu erworbenes Heim einrichten wollte und nur über ein recht begrenztes Budget verfügte. Nach Erkundung der lokalen billigen und weniger billigen Möbelhäuser - über deren Waren der Herr des Hauses, der aus einem Tischlerdorf kam, ein vernichtendes Urteil fällte - blieb der Gang zum Trödler und zum Rechner (wegen Kleinanzeigen). Alles in allem sieht es bei dieser Familie jetzt recht manierlich und massivholzig aus (auch die Rückwände). Für weniger als Gegenstände gleicher Funktion im billigsten Möbelhaus. Auch der Zeitaufwand blieb vertretbar (einige Wochenenden und Abende). Und es gab sogar Stücke "mit Geschichte". Nun gut, die Familie verfügte über einen Kastenwagen zum Transport. Und war bereit, sich bis zu einem gewissen Gerade dem Zufall zu überlassen - warum auch nicht?

0 donalphonso 22.06.2009, 07:52 Uhr

Neutrum, das mit den Saisonen...

Neutrum, das mit den Saisonen gab es früher mal bei den wirklich guten Stoffen, und ist heute runtergegangen zu ganzen Möbeln. Ist aber überall so: Beim Rennrad gab es früher jahrelang die immer gleichen Gruppen. Veraltet war ein Rennrad der frühen 70er Jahre in den frühen 90er Jahren noch nicht, und alles war austauschbar. Heute kommen die Komponenten jedes Jahr neu heraus, wie auch die Fahrrädermodelle, und die werden zum Ende der Saison verramscht, als wäre es ein Kleiderfetzen. Verrückt, vollkommen verrückt.

Nun Don Alphonso, hier darf...

Nun Don Alphonso, hier darf ich Ihnen einmal widersprechen. Eine Kombination aus England 17. Jhr. und Ikea geht durchaus. Ausserdem spiegelt doch nun jede Einrichtung etwas Persönlichkeit des Besitzers wider. Bei stolpert man permanent über Bücher; woanders über Strippen für den Elektronikschrott.

der autor behauptet,...

der autor behauptet, wohlhabend zu sein. gebildet. wohlerzogen. stilsicher. und meint deshalb, eine stilbildende funktion zu haben. RICHTIG! aber: was macht er daraus!? er kauft antiquitäten! einrichtungs- und haushaltsgegenstände von hoher handwerklicher qualität und hohem ästhetischem anspruch. aber eben auch gegenstände, die in einer vergangenen epoche auf dem damals herrschenden technischen kenntnisstand, unter damals herrschenden produktionsbedingungen für das ästhetische empfinden sowie den qualitäts- und bequemlichkeitsanspruch eines in dieser zeit lebenden und dem in dieser zeit vorherrschenden denken verhafteten käufers hergestellt wurden. wo wirkt der autor stilbildend? er konsumiert auch nur. vielleicht auf dem niveau und auch in dem stil wie ihm seine herkunft vorgibt. aber er verläßt genausowenig vorgegebene denkschemata und regulierungen seiner schicht wie der plebs, von dem er sich (verständlicherweise) distanziert. doch er ist nicht in der lage, seinen eigenen intellekt, seine kreativität, seinen geschmack, seine bedürfnisse, seinen sinn für qualität, seine herkunft und seinen wohlstand in die herstellung neuer, zeitgemäßer, wenngleich vielleicht nur geringfügig weiterentwickelter gegenstände zu investieren, um somit wirklich stilbildend und anspornend zu wirken, damit vielleicht wieder ein bedarf nach echter handwerkskunst entsteht, der genau wegen dieser denkweise nicht mehr vorhanden ist: nur antikes ist echte handwerkskunst. die gegenwärtigen fähigkeiten werden entwertet. neues wird geringgeschätzt. das untere mittelmaß wird zur normalität, weil keine höchstleistungen mehr abgefragt werden. und so sind wir alle in einem niedergang gefangen, den der autor beklagt, von dem er sich distanzieren möchte, den er jedoch maßgeblich, wenn auch nur als einzelnes individuum, mitgestaltet. die zugehörigkeit zu 'besseren kreisen' bedeutet nicht nur, mehr stil, mehr bildung, mehr wohlstand zu haben. es bedeutet auch die verantwortung zur weiterentwicklung.

0 donalphonso 22.06.2009, 08:42 Uhr

c. cramer, wo ist da die...

c. cramer, wo ist da die Neuigkeit? Habe ich je behauptet, nicht dieser Klasse verhaftet zu sein? Steht das nicht auch so in der Beschreibung? Es ist ja mitunter nett, daran zu erinnern, aber mitunter erscheint mir diese Küchentischpsychologie mitsamt Heureka doch reichlich obsolet.

0 Thomas R.P. Mielke 22.06.2009, 08:51 Uhr

Herr Don, das heisst korrekt:...

Herr Don, das heisst korrekt: "Verrückt, vollkommen absurd".

@ Barb: Ein SUV sieht überall...

@ Barb: Ein SUV sieht überall Scheiße aus.

0 Thomas Frieling 22.06.2009, 08:55 Uhr

Hach, was sind wir alle...

Hach, was sind wir alle anspruchsvoll und so anders als die anderen alle. Wer den Gedanken noch nicht aufgegeben hat, daß ein Sofa nicht ein Monatsagehalt verschlingen soll, zumal ja auch beim Umzug noch eine neue Küche und ein paar andere Dinge benötigt werden, freut sich über Angebote - man muß ja nicht gleich den erstbesten Ramsch auswählen. Nicht jeder richtet sich mit abgespreiztem kleinem Finger seine Antiqutätenwohnung ein. Manch einer freut sich auch ab und zu über etwas Neues in den eigenen vier Wänden. Auch diese Naturen freuen sich über und sind angewiesen auf günstige Angebote. Traurig diese Überheblichkeit - wie wäre es mit etwas mehr Leben und Leben lassen?

the only way to go:...

the only way to go: eklektizismus eklektizismus eklektizismus. bisken was von hier, bisken was von dort, bisken was fuers museum, bisken was vom sperrmuell... stil-clash schafft atmosphaere und sich immer wieder neu. schoener gehts nimmer. - und dann ein hinweis: gehts mal auf die moebelmesse nach mailand, auf die design miami/basel oder in irgendein zeitgenoessisches up-market moebelgeschaeft... im kulturellen reichtum, liebe freunde, - gemessen an handwerkskunst und vielfaeltigkeit - nimmt unsere jetztzeit es gerne mit jeder anderen historischen periode auf. was es gegenwaertig im design, in der archtitektur und in er kunst fuer spitzen gibt, macht unsere zeit spielend - und wie es beim lesen dieses beitrags und der kommentare scheint: von vielen unbemerkt - zu beinahe einzigartig goldenen jahren. auch das wird die 'archaeologie des 21.jhdts´ zeigen.

Liebe gewisse Kommentatoren,...

Liebe gewisse Kommentatoren, dem Don Alphonso sei doch gestattet, in seinem Blog mal etwas haerter aufzutreten gegenueber den Dingen, die ihm missfallen. Im wahren Leben ist er laut seiner eigenen Angaben doch ein sehr toleranter Mitmensch. - Die berechtigte Kritik hier zielt doch wohl auf jene, die sich einreden lassen, obwohl sie es besser wissen sollten/koennten, dass sie beim Schweden oder anderswo mehr an Qualitaet, Stil und Freude am Objekt vermittelt bekommen, als das tatsaechlich der Fall ist. Und die dann noch der Werbebotschaft folgen und glauben, sie muessten schnell ersetzen, was a) keines Ersatzes bedarf und wobei b) der Ersatz nichts Besseres bietet.

@Blurb Stimmt, aber wir wollen...

@Blurb Stimmt, aber wir wollen es uns doch nicht mit den gefühlt 100jährigen, auf 40 Jahre runter gelifteten Ladies von der Kö verderben, die schon für das Handtäschchen einen SUV benötigen und ein solches Auto für ein absolutes "must" halten.

"Ikea lässt inzwischen global...

"Ikea lässt inzwischen global produzieren. Ich würde es einfach nicht wollen, es ist Ausweis einer welt, die mir zu gross ist. Und zu geschmacklos, im innersten Sinn des Wortes. Nicht gegen Geschmack, sondern bar jeden Geschmacks. Wie billiges Rapsöl, im Vergleich zum Olivenöl. Wie Margarine gegen Bergbauernbutter." - das ist gut erfuehlt und formuliert, don, und laesst deshalb auch den allgemeinen folgeschluss zu, dass ein aromaneutrales ikea in einer globalisierten welt flexibler und effizient gestreamlineten interaktion, natuerlich wieder ungeheuer authentisch ist und den 'geschmack' der zeit nicht nur trifft sondern auch ausdrueckt und verstroemt. aber genau so, wie wir nicht alle immer nur global citizens sind, genauso unmoeglich ist ein leben in ausschliesslich ikea. - als faustformel: zwischen 10 bis max 20% ikea schadet nie. - danach kippt es leicht um.

@ TF "Manch einer freut sich...

@ TF "Manch einer freut sich auch ab und zu über etwas Neues" Die Frage ist: warum freut sich manch einer über etwas Neues? Ein Großteil unserer Großväter hatte eine Hose für jeden Tag und eine für sonntags. Da wurde nichts Neues gekauft, solange nichts kaputtgegangen war. Kaufen konnte man eh nichts, man mußte bauen oder schneidern lassen. Die Einstellung, öfters Neues zu brauchen fiel nicht vom Himmel, die haben wir uns eingebrockt oder einbrocken lassen. Für mich hat das mit Freiheit zu tun. Ich will mir nicht vorschreiben lassen, daß ich etwas kaufen soll (außer von meinem Magen oder meinetwegen Gaumen), geschweige denn was ich kaufe.

0 Pius Xaver Kaltspiel 22.06.2009, 10:35 Uhr

Das kleine Zwischenspiel am...

Das kleine Zwischenspiel am Anfang der Kommentare bestätigt offenbar doch wieder mal ein Klischee: in den besseren Kreisen scheint man recht empfindlich, was unverblümte, einseitig zugespitzte Meinungsäußerungen angeht (konkret: cosmas spricht hier wie einst Badesalz in "(Ich liebe) Jazz" sinngemäß vom "Scheiß' Gefuddel"). Interessant dabei ist, dass während der Jazzgitarrist in besagtem Kleinkunststück sein Wirken äußerst kritisch reflektiert, sich hier die Antagonisten recht bierernst ihre Geschmacksunterschiede um die Ohren hauen. - Lustig anzuschauen für einen, der sowohl IKEA als Käufer kennt als auch Möbelfertigung beauftragt und kauft. Offenbar gilt auch den EDV-Bildschirmen oftmals das Postmansche Verdikt, dass Bildschirme lediglich unterhalten können.

0 hugoservatius 22.06.2009, 10:39 Uhr

Sehr geehrter Herr...

Sehr geehrter Herr Alphons, sehr geehrte Kommentatoren, Sie haben natürlich alle Recht. Furchtbar, diese Ramschmöbelhäuser, die Convenience-Food aus dem Supermarkt, der gold-metallic-farbene Opel Corsa. Die Bild-Zeitung und RTL. Das nicht-mehr-gebundene-Bücher-lesen und das nicht-mehr-Vinyl-Schallplatten-hören. Die billigen Fummel von H&M und C&A. Alles ganz furchtbar. Aber: Herr Alphons weiß darum, Sie wissen darum und ich auch. Wir, die eventuell eine Universität besucht haben, die FAZ lesen, unsere Möbel im Antiquitätenhandel kaufen, unsere englischen Oldtimer pflegen und rahmengenähte Schuhe tragen. Herr Alphons schildert uns regelmäßig in gewählten Worten die Gräuel der nivellierten Mittelstandsgesellschaft und wir geben ihm - meistens - recht. Wenn einer widerspricht, bekommt er eine Watschen. Und wir kommen uns dabei toll vor, denke ich. Aber tut denn hier einer etwas gegen den eigentlichen Grund all dieser ästhetischen und geistigen Verrohung, nämlich die fehlende Bildung? Vielleicht gibt es unter den Kommentatoren hier den einen oder anderen Architekten, der schon einmal eine vernünftige Sozialwohnung entworfen hat. Den Journalisten, der nicht in der FAZ, sondern meinetwegen auch bei Super-RTL die Zuschauer zum Nachdenken angeregt hat, oder den Studienrat, der seinen Beruf wirklich ernst nimmt? Die Arroganz, mit der einige Kommentatoren das kommentieren, was für viele Millionen die täglichen Lebensumstände darstellen, der Opel, das Sofa von Möbel-Höffner oder die Küche von Ikea, diese Arroganz dient ausschließlich der Selbstüberhöhung und peinlichen Selbstdarstellung. Und im Übrigen: Der Erwerb von Antiquitäten macht es dem Erwerber ja überaus einfach, sich als stilvoll und gebildet darzustellen, er lebt halt genauso wie seine Eltern und Großeltern. Mit Bildung hat das wenig zu tun, ist vergleichbar mit den Cordhosen, Tegernseer Jankern und Tweedjacken des Bürgertums in Nachahmung des Adels, falsch macht man damit nix. Aber Stil hat man deswegen auch nicht. Pardon, aber das mußte gesagt, nein, geschrieben werden. Ich nehme schon mal die Brille für die zu erwartende Ohrfeige ab. hs.

0 Grimaldeli 22.06.2009, 10:42 Uhr

Als ich so mit 40 Lenzen ...

Als ich so mit 40 Lenzen meine Midlife-Crisis hatte und glaubte, mich mit jungen Maedels umgeben zu muessen, wie derzeit Signore B., bekam ich von einer 19jaehrigen bei der ersten Visite meines Domicils folgendes zu hoeren: "Du wohnst ja, wie meine Grosseltern!" Im Nachhinein finde ich, es war ein schoenes Kompliment! Das gute Kind ist heut 33 jahre alt und lebt in ihre Mainzer Altbauwohnung in einem, nennen wir es, aehnlichen Stil. p.s.: Sollte sich jemand an meinen fehlenden Umlauten stoeren (db?), ich habe eine AZERTY-Tastatur. Desolais!

ist gut, ihr Möbelhändler....

ist gut, ihr Möbelhändler. Don Alphons: Neues Thema, bitte.

0 hugoservatius 22.06.2009, 10:50 Uhr

Entschuldigung, einen Nachtrag...

Entschuldigung, einen Nachtrag habe ich noch: @ rbt: Das Industriedesign der fünfziger und sechtziger Jahre der DDR war nun wirklich nicht konkurrenzfähig. Auch wenn auf der hochgelobten Burg Giebichenstein das eine oder andere ansehnliche Konzept entwickelt wurde, kaufen konnte man es nicht und wirklich weltbewegend war es auch nicht. Im Gegensatz dazu gab es in der jungen Bundesrepublik die Hochschule für Gestaltung in Ulm, sozusagen der geistige Nachfolger des Bauhauses. Und die Braun-Plattenspieler, das Mono-Besteck, der Porsche 911 und der Bonner Kanzlerbungalow zählen bis heute zum Besten, was die Zunft der Industriedesigner und Architekten hervorgebracht hat. Übrigens auch um Klassen besser, als der Kitsch des neunzehnten Jahrhunderts, der heute so gerne als Antiquitäten verkauft wird...

0 donalphonso 22.06.2009, 10:53 Uhr

Hugoservatius, ist es nicht...

Hugoservatius, ist es nicht so, dass dies hier eine kleine Plauderei ist gegen das grosse Geschrei, das millionenfach den Menschen den Konsum, den unreflektierten Konsum nahebringt? Ist es so schlimm, Alternativen aufzuzeigen? Abgesehen dsvon, meine Sofas sind auch nur ein paar Jahre alt. Die Reage ist, gebe ich (oder auch nicht, in meinem Fall) einmal 5000 Euro für ein gescheites Sofa aus, oder lasse ich mir alle drei Jahre eine neue Wohlnandschaft für 1000 Euro angrehen? Man wird doch noch mal anderer Meinung als die Prospekte sein dürfen. Dass das Aufsexen des Konsums mit teuer wirkender Billigabspeisung und leeren Ritualen aua dem fernen Osten sinnbefrachtet wird, ist wohl auch nicht zwingend gut. . Also, natürlich denken die meisten anders, und es gefällt ihnen auch so. Sie glauben wirklich, dass es gut ist, Altes einfahc wegzuwerfen. Warum sollte man das nicht bedauern?

hugoservatius. schön...

hugoservatius. schön geschrieben. obwohl ich die Alphonso-Artikel echt gerne lese und dem dahintersteckenden Schreiberling die Daumen drücke, habe ich mir in Sachen Kleidung & Einrichtung schon oft gedacht: Jaja, macht ihr mal, zieht eure selbstgenähten Budapester an und setzt Euch ans wackelige Holztischchen. Besser Ihr als ich. Ach, ich hab keine Brille auf.

0 hugoservatius 22.06.2009, 11:08 Uhr

Herr Alphons, Sie haben ja...

Herr Alphons, Sie haben ja Recht!!! Ich sehe es doch genauso! Nur: Dann lassen Sie uns etwas dagegen tun, nicht nur darüber lamentieren und uns gegenseitig versichern, wie recht wir haben! Ich als Architekt habe die Möglichkeit, einer Wohnungseigentümergemeinschaft den Einbau neuer Plastikfenster auszureden und stattdessen die alten Kastendoppelfenser aufzuarbeiten, auch wenn mein Honorar dann deutlich geringer ausfällt. Sie als Autor und Journalist haben diese Möglichkeit auf anderen Ebenen doch auch! Beste Grüße, hs.

@hugoservatius Nun, Sie...

@hugoservatius Nun, Sie bezeichnen es als Arroganz. Man kann die Gründe, die eben zu jenen Lebensumständen (man kann es auch als Zumutungen beschreiben) führen, sie sind zumeist selbstgewählt. Niemand zwingt dazu, in einer Sozialwohnung zu leben. Niemand zwingt dazu einen Opel zu fahren, niemand zwingt dazu im Aldi einkaufen zu gehen. Aber: Sie haben in einem Punkt ganz recht. Es ist ein Bildungsproblem - in mehrfacher Hinsicht. Einmal wird in Deutschland lieber darüber lamentiert, wie man den Wohlstand umverteilt; nicht etwa, wie man Wohlstand mehrt. Auf der anderen Seite ist doch eben diese Bildung eine höchstpersönliche Geschichte, sie strengt an - sich da von einem TV berieseln zu lassen scheint weitaus einfacher. Auch darf ich Ihnen in einem Punkt recht geben: die Antiquitschen sind allzu oft die gleiche Fassade die sie auch bei den jungen Urbanen; die gleiche Fassade die Sie bei der Unterschicht finden. Nicht die Persönlichkeit des Einzelnen ist entscheidend, es ist das Möbel/Handy/Eletrkonikschrott. Und hier liegt auch der grosse Unterschied: der Konsum erfolgt um der Darstellung wegen, nicht um die Notwendigkeit eines neuen Möbels.

@Miner: Also wackelig sieht...

@Miner: Also wackelig sieht der piecrust table von Don Alphonso nun wirklich nicht aus.

@Cao Ky: Auf dem Bild hat er...

@Cao Ky: Auf dem Bild hat er bei längerem Hinsehen ganz kurz gewackelt. Scherz beiseite. Und wenn er wackelt macht diese Tatsache seinen Besitzer ja auch nicht unsympathisch....war auch eher lustig gemeint und nicht direkt auf diesen Tisch bezogen.

0 donalphonso 22.06.2009, 11:56 Uhr

Rein physikalisch: Wie soll...

Rein physikalisch: Wie soll ein Tisch mit drei Beinen wackeln?

0 Don Telephonso 22.06.2009, 12:17 Uhr

"Rein physikalisch: Wie soll...

"Rein physikalisch: Wie soll ein Tisch mit drei Beinen wackeln?" Sendung mit der Maus? Wissensschau? Naseweiser Witz? Nö. Mehr war eben nicht drin.

0 Soziologe 22.06.2009, 12:47 Uhr

@Cao Cy: danke für die...

@Cao Cy: danke für die interessante religionstheoretische Spekulation weiter oben. Die Stelle, an der unser aller Phantom D.A. sich in diesem Sinne bekannt haben soll, war mir bisher entgangen. Es wirft jedenfalls, so es denn wahr sein sollte, ein ganz neues und überhaupt nicht in die üblichen Schubladen passendes Licht auf die Hintergründe dieses sehr gelungenen Blogs.

@ don alphonso hm!? fiel...

@ don alphonso hm!? fiel irgendein wort gegen ihre herkunft oder ihre klassenzugehörigkeit? mit sicherheit nicht. es scheint kein einfaches leben zu sein zwischen all dem alten plunder, den von anderen bereits abgelegten höheren töchtern, der angespannten sitzhaltung, den träumen von der großen vergangenheit und dem studentenwohnheim der elite business school in der aussicht, der gegenüber man seinen frust höchstens mit nächtlichen anrufen bei der polizei wegen ruhestörung abarbeiten kann. würde mich auch anstinken. aber nicht gleich zum ganz großen totschlagargument mit neidvorwurf ausholen, wenn mal jemand ein paar gedanken äußert. kurz: es ging bestimmt nicht um ihre herkunft, sondern um ihre fähigkeit zur gestaltung von gegenwart und damit der zukunft. warf einige fragen auf. beim frühstück. am küchentisch. und!? sie schreiben nur. ich hinterfrage nur.

0 donalphonso 22.06.2009, 13:47 Uhr

Wenn Sie das so auffassen,...

Wenn Sie das so auffassen, will ich Ihnen da keinesfalls widersprechen, dann bleibt mehr für mich übrig und das Boot ist ohnehin schon übervoll. Wenn es Ihnen anders besser behagt, wird niemand Sie aufhalten. Die Art Ihrer Hinterfragung jedoch ist nichts, was mich zur hinterbeantwortung einladen würden. Denken Sie, was Sie wollen, an welchem Tisch und in welcher Gesellschaft Sie wollen, solange es nicht die meinige ist - Ihre Aversion bringen Sie hier ja schon länger zum Ausdruck, ohne dass sich da so etwas wie Erkenntnis in Ihr für Zwischentöne so gänzlich veschlossenes, schweizer Humororgan einschleichen könnte.

Lieber Don Alphonso, war denn...

Lieber Don Alphonso, war denn der Trip nach Idstein erfolgreich?

0 hugoservatius 22.06.2009, 14:30 Uhr

@ Dipsy Pardon, aber was Sie...

@ Dipsy Pardon, aber was Sie schreiben, ist kompletter Unsinn. Die Umstände, die zu einem Leben in einer Sozialwohnung, einem alten Opel vor der Tür und einem Einkauf beim Discounter führen, sind in den seltensten Fällen selbstgewählt. Ich empfehle Ihnen, für einen Tag Ihr stylishes Büro oder Ihre lichtdurchflutete Altbauwohnung zu verlassen und mit offenen Augen durch eine beliebige deutsche Groß- oder Mittelstadt zu laufen. Tucholsky schrieb: "Man kann mit einer Wohnung einen Menschen genauso erschlagen, wie mit einer Axt."

0 Grimaldeli 22.06.2009, 14:42 Uhr

c.cramer "Fruehstueck am...

c.cramer "Fruehstueck am Kuechentisch?" Pardon, also, das geht ja schon mal garnicht!

@ hugoservatius Nicht selbst...

@ hugoservatius Nicht selbst gewählt? Oh, mir ist ganz klar, dieses Prekariat würde sehr gerne in jenen Strassen leben, in denen die Bäume höher sind als die Häuser selbst. Aber, was machen die Leute dafür? Fernsehen? "Gamen"? Insofern ist es doch wohl eine indirekte Wahl. Von einer Günstlingen einer üppigen Apanage abgesehen (eine verschwindend geringe Zahl - es gibt auch unter den bösen Reichen gnügend, die ihre Kinder bewusst kurz halten), so wohnen in diesen Lagen doch fast nur Leute, die Leistungen erbringen. Wer sein Leben ändern will, der schafft das durchaus. Man muss es allerdings wollen. Nach wie vor sei hier Bourdieu empfohlen. Natürlich lebt man dann nicht inmitten von Antiquitschen (es gibt wohl nichts schlimmeres als zusammengekaufte Einrichtungen um "Tradition" vermitteln zu wollen - die Stücke sollten durchaus eine eigene Geschichte erzählen). Aber, ich gebe Ihnen auch wieder in einem Punkt recht (ich empfinde das manchmal auch als Manko): in meinem gesamten Umfeld spielt Geld nie eine Rolle, die wechselnden Wohnungen/Häuser für die gemeinsame Hausmusik sind jeweils hübsch, die Bibliotheken gut sortiert, eingekauft wird in aller Regel auf dem Wochenmarkt und ich kenne das "wahre" Leben auf der Strasse nicht. Ein schlimmes Studentenleben.

0 hansimglueck 22.06.2009, 15:55 Uhr

"... ohne dass sich da so...

"... ohne dass sich da so etwas wie Erkenntnis in Ihr für Zwischentöne so gänzlich veschlossenes, schweizer Humororgan einschleichen könnte." . auf die gefahr hin, vom chef gescholten zu werden: die kommentare von Cosmas, c.cramer und hugoservatius mögen zwar humorlos sein, aber m.e. sind sie zumindest nicht gedankenlos-

0 donalphonso 22.06.2009, 16:02 Uhr

Ich sehe es einfach nicht als...

Ich sehe es einfach nicht als Teil meines Berufsbildes an, mir von ein paar - Hugoservatius möchte ich da ausdrücklich ausnehmen - eingschnapptn und überkandidldn Dauerrumnörglern eine schlechte Laune ob eines literarischen Spiels aufzwingen zu lassen, das sich offensichtlich jenseits ihres Horizonts entfaltet. Ist nicht weiter schlimm, wird hier auch nicht mehr aufgeführt, dazu ist es zu leicht, hier den Troll zu geben.

Divide et impera. Nicht...

Divide et impera. Nicht schlecht, Don Alphonsus.

Möbel sind eine Sache. Vom...

Möbel sind eine Sache. Vom skandinavischen Hersteller für Möbel-selber-ist-der-Mann-ohne-Werkstatt-und-zu-viel Zeit haben wir ein L-Sofa / Gästebett. Es war bezahlbar, schlicht und passend. Wenn es ein paar Jahre hüpfende Kinder überstanden hat war es auch offensichtlich robust. Omas Sofa kann man nicht mal dem Besuch anbieten, der nie hätte kommen dürfen. Ein mittelaltes Sofa habe ich vor ein paar Jahren neu beziehen lassen. Der Polsterer war begeistert mal wieder etwas großes in der Werkstatt stehen zu haben. Sonst wäre bei Sesseln Schluss. Bei den Kosten hätte es sich finanziell auch gelohnt ein hochwertiges Sofa mit Rabatten zu erwerben. Alles heute alte war einmal neu und vermutlich unwürdig für Zimmer mit Besuchsverkehr. Aber darüber ist die Patina gezogen wie ein Zuckerüberzug über schlichten Kuchen. Wer unbedingt alte Möbel haben will kann in manchen Orten innerhalb einer Woche "echt antike Möbel" mit Gebrauchsspuren und passender Geschichte bestellen. Wer möchte darf auch gerne an der Geschichte mitstricken.

das hauptwerk des span....

das hauptwerk des span. schriftstellers und philosophen jose ortega y gasset heisst im deutschen 'der aufstand der massen' (1930). ortega wird der sogenannten 'elitesoziologie' zugerechnet, da er zum einen zwar den liberalismus der moderne als hohe humanistische errungenschaft preisst, zum anderen aber den massengeschmack - die dynamiken des wollens der masse - durchaus als eine art fluch - als eine art seuche - sieht. die masse erscheint ihm dem charakter nach als ein verwoehntes kind, das alle segnungen der zivilisation schreiend einfordert, dabei allerdings in keiner weisse in der lage waere, diese selbst auch nur im entferntesten verfuegbar zu machen. es ist der zynische trick des massenmarketings eben solcher oben abgebildeter moebelhauskataloge (ikea - ich darf es nochmal sagen - hat mit diesen nicht viel gemein), der ungewaschenen masse auch fuer kleines geld das ganz grosse luxusgefuehl andrehen zu wollen. - schund in sub-prime-logik. schund, der nach zwei saisons zerfaellt, der nur entaueschung, taeuschung und leere hinterlaesst. zu den in diesem zusammenhang traurigsten erinnerungen meines lebens gehoert das jaemmerliche scharren billiger rollerskates auf glattem asphalt. ein kind - das mit mir weder verwandt ist, noch in irgendeiner verbindung steht - hatte diese billigware wohl geschenkt bekommen, und noetigte mit stolz leuchtendem kindergesicht diesem untauglichen, kratzenden mist jetzt soviel liebe ab. - liebe und aufmerksamkeit, die in diese zynischen billigproduktion niemals, niemals, niemals geflossen war. denen, die alles haben wollen, alles bereitstellen. nur dass dieses alles eben absolut nichts ist. es ist schlimmer als nichts. es ist wie ein abend am roulette-tisch: schlimmste, abgeschmackteste, abgrundtiefste leere. da hilft auch kein buddha. im gegenteil.

0 auch so einer 22.06.2009, 18:55 Uhr

barb . nur am anfang. dann...

barb . nur am anfang. dann gewöhnt man sich daran.

0 Grimaldeli 22.06.2009, 20:58 Uhr

Elaborierter Code kann auch...

Elaborierter Code kann auch ganz schoen Trash sein..... Und "abf": Roulette ist ein Spiel. Gewinnen sollte man im Leben Ich hab i.d.R. ein mal im Jahr meinen Spass dabei und kann nebenbei noch empirische Untersuchungen machen. Die Mitspieler sind meist interessanter, als die Kugel,die sich dreht! Aber: "Es gibt halt kein wahres Leben im falschen"!!

@ abf und andere...

@ abf und andere Kommentatoren, und an den lieben Don Alphonso: An Ortega y Gasset habe ich gerade im Zusammenhang mit Don Alphonso auch gedacht, aber er lehnt ja nach eigener Aussage zeitgenoessische Philosophen ab - schade eigentlich! -- Was das Werben mit einem Buddha angeht ist das schon absolut paradox, wenn man sich die buddhistischen Lehren vergegenwaertigt. Denn die erste noble Weisheit ist, dass Leben Leiden ist, die zweite noble Weisheit, dass Leiden durch Begierde verursacht wird. Schon das zeigt, wie ungeeignet ein Buddha fuer den Konsumanreiz ist, oder auch ein sportliches Leistungszentrum an der Saebener Strasse (NICHT die Idee des frueheren Trainers!). Im Gegenzug muss man aber konzedieren, dass es die Japaner mit dem Zen Buddhismus geschafft haben, Buddhismus und Samurai-Kriegsgeist zu vereinigen - eine interessante Art der "Zweitnutzung," gegen die wohl keine Religion gefeit ist. - Dem Don einen guten Morgen am Tegernsee und schmackhaften Fruehstueckstee!

@auch so einer, 22.06.09...

@auch so einer, 22.06.09 22:55 Stimmt, die Bücher sind im SUV viel staubsicherer untergebracht. Auch wenn Thomas Mann im Kofferraum und Fontane unter der Motorhaube nicht das Gelbe vom Ei sind.

0 Ephemeride 23.06.2009, 09:04 Uhr

Als ich vor kurzem mein vom...

Als ich vor kurzem mein vom Winter arg ramponiertes Radel bei einer Werkstatt sanieren lassen wollte, druckste der Verkäufer irgendwann herum: 'Also, für den Preis, den die Reparaturen kosten werden, könnten Sie..., also da kriegen Sie ein neues Rad..." Der Werkstattmann wollte oder konnte nicht verstehen, dass mein Fahrrad ja durch seine Mühen auch wieder neuwertig wurde. Übrigens eine flächendeckende Mentalität, leider. Selbst eine Buchrestauratorin, welche immerhin für Museen arbeitet, riet mir zwischen den Zeilen ab, ein zugegebenermaßen recht wertloses Geschichtswerk aus dem 18. Jahrhundert noch restaurieren zu lassen. Es würde sich 'nicht lohnen' - im Geldwertsinne. Dass mein Beweggrund der war, etwas zu retten, leuchtete ihr erst auf dem zweiten Blick ein. Und auch eine Polsterei winkte bei Nachfrage, ob man die Kissen meines Sofas überholen könnte, mitleidig ab. 'Das ist zu teuer!' Merkwürdig, dieses Wegwerfen-Wollen.

@ dobberak: Aussage eines...

@ dobberak: Aussage eines bekannten Händlers mit Antikmöbeln: "Da können wir was machen!"

0 donalphonso 23.06.2009, 14:29 Uhr

Ephemeride, man muss es eben...

Ephemeride, man muss es eben selbst machen. Oder Freunde haben, mit denen man die Dienstleistung tauschen kann. Due gute, alte Nachbarschaftshilfe ist gar nicht so schlecht, wie man immer sagt. . cao Ky, das Leben in solchem Müll ist Leiden, und was für eines. Und es fahlt leider auch an Weisen, die das den Menschen nahe bringen. Man ist fast versucht zu hoffen, dass der Buddha umfällt und stürzend den Leuten die Sache mir dem Leiden deutlich macht. Ich brauche das nicht mehr. Ich habe einen Sunbeam Baujahr 56.

0 donalphonso 23.06.2009, 15:44 Uhr

abf, unter dem Motto...

abf, unter dem Motto "Wohlstandsverwahllosung" ist man da auch schon mehr als einen Schritt weiter, denn man gibt den Massen ja jene, die die materiellen Träume billigfertigen zur Hand - und teilt das zudem noch in diverse Gruppen auf, die sich dann nicht mehr als Masse empfinden. Das ist der grosse Unterschied, die Atomisierung der Millieus und der Zusammenbau der Kulturen aus Versatzstücken der Massenproduktion. . Dobberak, der Unterschied ist, dass alte Dinge oft so konstruiert wurden, dass man sie wieder herrichten kann - nur mal als Beispiel: Normale Sechskantschrauben. Heute dagegen sind dort zig verschiedene Schraubenformate verbaut. Früher gab es fünf Formen von Batterien. heute gibt es Tausende von Akkus und Ladegeräten.

0 Don Ferrando 24.06.2009, 08:37 Uhr

Wer, werter Vetter, sagt denn,...

Wer, werter Vetter, sagt denn, dass die gute alte Nachbarschaftshilfe schlecht sei ?? Dort, wo es gute alte Nachbarschaft noch gibt, schätzt man naturgemäß die Nachbarschaftshilfe sehr !!

ist eine Kunstfigur, die seinem Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist.