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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Geständnisse eines Distanzierten

| 117 Lesermeinungen

Offen gesagt: Es ist gut zu wissen, dass nicht alle auf einer Ebene sind. Es ist angenehm zu wissen, dass es unterschiedliche Normen gibt, die Disatnzen zwischen Menschen legen. Mir gefällt das gutbürgerliche, altmodische Modell der Distanz weitaus besser als die dem Kapitalismus entlehnte Konkurrenz, die man in der Moderne angeblich nötig hat, und mit der Manieren irrelevant werden - bis man an deren Nichtbeherrschung zugrunde geht und mit seinem Unglück jene erfreut, die das Spektakel aus der Distanz des Tegernsees betrachten.

Was wagt Ihr Euch hier herein? Hat Euch der Teufel geschickt?
René d’Anjou, Vom liebentbrannten Herzen

Vor ein paar Wochen war ich zu einem Streitgespräch eingeladen, von dem mir einige Erlebnisse in Erinnerung bleiben dürften. Da war etwa jener Herr, den ich nur aus dem Internet in einer Weise kannte, die man schwerlich als „angenehm“ bezeichnen könnte. Dieser Herr nun stand am Eingang, neben ihm der Veranstalter, und der wiederum sagte, der Herr liesse fragen, ob ich es erlaube, wenn er Photos mache und veröffentliche. Das ist ohne jede Frage eine extreme Form der Unhöflichkeit; wer von einem etwas will, sollte sich vorstellen, oder noch besser, vorstellen lassen und seine Frage vortragen, und nicht feixend daneben zu stehen und zu warten, dass man ihm vor versammelter Mannschaft mitsamt seinem Anliegen eine Abfuhr erteilt. Nachher trank er übrigens Bier. Aus der Flasche.

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Nun sollte man sich über Vertreter der Münchner Boulevardjournalisten ohnehin keine Illusionen machen; in der öffentlichen Meinung meiner Umgebung ändert auch diese Tätigkeit für die FAZ wenig an der generellen Anrüchigkeit des Berufsbildes, das meilenweit unter dem Arzt, dem Notar und dem Liegenschaftsverwalter angesiedelt ist. Schliesslich sind das keine Politiker, die auf die Nähe solcher Leute angewiesen wären, und allein der typische Gegenstand der Berichterstattung – Glotzenpromis, Reifenauschneider, Lokalpolitiker und Vertriebenentreffen – macht den Journalisten zu einem Grenzüberschreiter der Klassenschranken von unten, ähnlich der Putzfrau, aber nicht so ordentlich, oder dem Gärtner, aber nicht so wichtig. Kurz: Man möchte ihm kaum vorgestellt werden, so wie ich auch froh bin, mit solchen Leuten wie oben keine Bekanntschaft pflegen zu müssen.

Es ist im Übrigen noch gar nicht so lang her, da musste man sich nicht weiter um derartige Probleme des sozialen Umfeldes kümmern. Denn mit dem „nicht vorgestellt werden“ erledigte sich die Zumutung ganz von alleine. Vorgestellt werden konnte man nur, wenn man jemanden kannte, der denjenigen kannte, dem man vorgestellt werden wollte. Der Mittler konnte sich dann als Anwalt der eigenen Interessen beweisen, vorfühlen, die Vorzüge des anderen preisen und dann fragen, ob man vorgestellt werden möchte. Diese Frage ist natürlich mit „Aber, mein Bester, liebend gerne“ stets positiv zu bescheiden, und Nein sagen kann man immer noch, indem man gleich im Anschluss mit hohem Interesse das Tafelsilber lobt und zuerst wissen möchte, welchen Vorfahren es zu verdanken ist.

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Auf diese Weise verliert niemand sein Gesicht. Derjenige, der vorgestellt werden möchte, wird vertröstet. Dem verhinderten Vorsteller wird zu verstehen gegeben, dass man jenen anderen als nicht angemessen betrachtet, ohne dass man deshalb seine Familie, seinen Stil und seine Ehre als makelhaft betrachten würde. Und man selbst entledigt sich einer unangenehmen Bekanntschaft, ohne Nein zu sagen und damit dem Vorsteller eine schlechte Menschenkenntnis zu unterstellen. Sagt man dagegen präventiv: „Ich möchte Soundso nicht vorgestellt werden“,  lässt die Aussage breitesten Raum für Spekulationen, wie übel das gemeint sein könnte. Im Kern aber ist klar: Es muss sehr übel sein. Und es könnte gar sein, dass diskrete Nachfragen für den Zuhörer das ein oder andere Detail ans Licht bringen, warum man sich selbst besser auch nicht vorstellen lassen sollte.

Bis zu jenem Zeitpunkt jedoch gab es kein böses Wort, niemand wurde offensichtlich beleidigt oder ausgeschlossen. Einfacher wäre es natürlich, sich ein paar angemessen deutliche Dinge zu sagen und den Rest mit Bierflaschen auszutragen; das aber ist unter diesen Menschen absolut nicht opportun. Das Konzept ist im Übrigen hocheffektiv, wie seine Adaption in der süditalienischen Unternehmerschaft zeigt: „Der Freund eines Freundes“ garantiert ehrenwerten Männern, dass niemand einen Staatsanwalt oder gar Feind von Berlusconi zu einem exklusiven Treffen mitbringt, auf dem man über Gebietsstreitigkeiten, Einfluss und Rechte an Politikern und Medien verhandelt. Trotzdem kommt es aus der Mode, oder besser, ausser Gebrauch.

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Nicht nur, weil es eine alte Form ist. Der eigentliche Paradigmenwechsel dürfte eine Veränderung in der Wahrnehmung und Bewertung von Abstand sein. Die Gesellschaft, aus der die Norm der Vorstellung eines Freundes kommt, definiert sich über Distanz, also einen messbaren, unveränderlichen Abstand, der zu respektieren ist. Man ist eventuell bereit, die Distanz beiseite zu lassen, wenn dabei die Norm der Vorstellung als Zeichen des Respekts der Distanz gewahrt wird. Man möchte gefragt werden, ob man die Distanz behalten möchte. Man nimmt damit ein Angebot an, bei dem man sich durch den Vermittler auf die Ernsthaftigkeit des Bemühens verlassen kann. Die Distanz wird von allen Beteiligten nicht in Frage gestellt, sondern respektiert.

In der nachbürgerlichen Gesellschaft ist Distanz eher verpönt. An ihre Stelle ist mit dem vulgärkapitalistischen Wettbewerb die Konkurrenz getreten; ein relativer Wert, volatil und unsicher, eine wechselnde Führerschaft implizierend und schon im Kern darauf angelegt, die Vorzüge und Werte der anderen zu übertreffen. Man muss sich nicht vorstellen lassen, um jemanden zu verdrängen. Man braucht keine Form, wenn es darum geht, Vorteile zu ergattern. Und auch keinen Respekt, denn natürlich wird einem auch kein Respekt zuteil, wenn man den Wettbewerb verliert und dabei feststellen muss, dass die neue Konkurrenz an der alten Distanz immer noch scheitern kann. An die Stelle einer in aller Regel gewährten Durchlässigkeit tritt eine erzwungene Distanzlosigkeit der Brechstange; rutscht diese ab und verletzt jenen, der sich Zugang verschaffen wollte, ist auch kein Mitleid zu erwarten.

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Von mir schon gleich gar nicht. Um ehrlich zu sein, ich liebe es geradezu, kumpelhaften PR-Leuten und aufdringlichen Werbern ihre Anmachen auf Augenhöhe mit dieser spezifischen „Gern stelle ich Ihnen meine Rechtsvertretung vor“-Haltung zu begegnen, die das Internet dank eines Gesetzes gegen unverlangte Werbepost erlaubt. Es macht mir Spass, all diese Mareikes und Marios zu demütigen, ihre traurige Betätigung zu entwürdigen, und zwar unabhängig von der Art des Plunders und der Lügen, die sie verkaufen wollen. Ich glaube natürlich nicht an die Möglichkeit, jene zu nachträglich zu erziehen. Ich glaube aber an Distanz und an ihre Durchsetzbarkeit durch Sichtbarmachung. Und bitte, es ist keine Anstrengung und keine grosse Überlegung: Man tut so etwas instinktiv.

Natürlich entspricht das nicht dem illusionsbeladenen Zeitgeist, der von allen verlangt, Teil einer distanzlosen „Community“ zu sein, „must haves“ wie alle anderen zu besitzen und das recht zu haben, mit allen überall sofort zu reden. Nichts gegen Demokratie und Gleichheit vor dem Gesetz; aber angesichts der Schlachtrufe wie „Yo Alda was geht ab“ und „Rufen Sie jetzt ab und wählen Sie das Topmodell“ würde ich mich gern auf der anderen Seite der gesellschaftlichen Möglichkeiten definieren. Sehr viel Distanz haben. Und denen auf gar keinen Fall vorgestellt werden.  

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117 Lesermeinungen

  1. Lieber Don, der letzte Plausch...
    Lieber Don, der letzte Plausch über 1930 war viel amüsanter. Wollte da jemand von der FAZ uns nicht vorgestellt werden oder umgekehrt? Es war so schnell vorbei… Was haben Sie gegen Berlusconi (-TV)? „Zeltln“ ist bald wieder in Gebrauch, erst in den italienischen Bergen, dann am Donauufer. Sie werden feststellen, dass auch in der armseligsten Hütte ein TV flimmert. Vielleicht haben Sie recht, bleiben wir unter uns. Aber ich habe den Eindruck, einige FAZ-PRler reden ungern über 1930 und nur zu gern über Tafelsilber…

  2. häh?...
    häh?

  3. Schreiben Sie doch bitte...
    Schreiben Sie doch bitte endlich mal etwas, was ich nicht gerne lese !
    Also, kurz & bündig: Glückwunsch zum Artikel.

  4. bier aus der flasche? trauen...
    bier aus der flasche? trauen sie der reinlichkeit der wirte oder der gastgeber?
    oder noch besser – wie mein doktorvater – bier vom fass, und dann ist das fass in der wirtschaft 3 wochen offen. nicht alles, was deplaziert wirkt, ist es. es kann einfach nur klüger sein

  5. Häh, nicht jeder muss immer...
    Häh, nicht jeder muss immer alles verstehen. Wobei ich, lieber Driver, auch nicht ganz verstehe, was das hier mit FAZ-PRlern zu tun haben soll. Es spricht ja nichts gegen einen offenen Diskurs im Internet, aber das ist natürlich etwas ganz anderes als das Konzept „Bekanntschaft“ oder „Gleichgestellte“. Und natürlich gibt es auch hier Kommentare, bei denen ich mir gar nicht die Mühe mache, sie freizuschalten – das ist dann das Konzept der Nichtbekanntmachung im Internet.

  6. miner, ich werde mir alle...
    miner, ich werde mir alle Mühe geben. Wie wäre es mit der Halacha des 3. Jahrhunderts und den Einfluss der zynischen Philosophie?
    bertholdIV, ich bin weit davon entfernt, anderen Menschen ihre Trinksitten einzureden, aber wenn schon Gläser angeboten werden, kann man sie auch benutzen. Man ist auch ohne Glas kein schlechter Mensch, nur gibt es eben Menschen, denen so etwas nicht in allen Lebenslagen zwangsweise behagt. Der Veranstaltungsort war durchaus nicht so, als dass man schmutzige Gläser erwarten müsste – und wenn doch, kann man sie auch zurückgehen lassen.

  7. Monsieur, mit "FAZ-PRlern"...
    Monsieur, mit „FAZ-PRlern“ meinte ich die bleichen Gestalten am Computer, die den Hebel des Blogs umlegen, am Ende der Show. Oder machen Sie das etwa selbst? In diesem Fall, und in jedem anderen auch, sind Sie natürlich von meinem Seitenhieb auf PRler ausgenommen. Ich folge Ihren Ausführungen gerade aus einer +8-Zeitzone und bekomme vielleicht schiefe Eindrücke. Mein Eindruck war, dass das amüsante Geplauder über 1930 etwas zu schnell vom Schirm verschwand. Die etwas langsamere SZ, die ich eben las, hat dagegen erstmals 2,2 Billionen Schulden geboten bis 2013. Mit einem Wort: Ich brauche einen Anlagetipp für bis 2020. Vielleicht doch britische Lira? Dort herrschen auch gute Benimmregeln…

  8. don, je aelter ich werde, je...
    don, je aelter ich werde, je laenger ich mich in der welt rumtreibe, umso geringer die toleranz gegenueber irgendwelchen anderen. – zu sehr verwoehnt werde ich von zufaelligen begegnungen in flughaefen oder restaurants mit menschen, mit denen einen etwas ganz fundamentales, etwas sehr schoenes verbindet. haette ich jemals darauf gewartet, vorgestellt zu werden, wuerde ich jemals darauf bestehen, dass andere mir vorgestellt werden bevor ich sie zur kenntnis nehme, die substantiellsten erfahrungen im leben waeren mir verwehrt geblieben.
    wie schoen wenn jemand mit gutem instinkt durch die menge schneidet, dich anspricht und du erkennst dich in ihm. – sich mit anderen und in anderen finden zu koennen, ist ein segen unserer wilden, globalisierten welt. – insofern bin ich wach und offen fuer neues und neue. – so lange – und hier kommt meine oben eroeffnende einschraenkung – so lange die chemie stimmt, wir auf einer wellenlaenge und tatsaechlich verwandte seelen sind. das erkennt man aber ganz schnell. noch bevor man irgendetwas anderes erkennt. – und situativ kann ich dann genauso intolerant sein, wie der don es oben beschreibt. aber nur dann – sonst verstellt man sich das schoenste im leben.

  9. ja, ich glaube da kommen wir...
    ja, ich glaube da kommen wir langsam in diese Richtung, in der meine Augenlider schwer werden würden und es evtl. mehrere Anläufe bedürfte, um Ihre Artikel durchzulesen.
    Ganz nebenbei musste ich eben erst mal schauen, wass die Halacha des 3. Jhrdts. überhaupt ist, denn sie lag doch tatsächlich ausserhalb meiner Hirnrinde.

  10. <p>Miner, ein hochspannendes...
    Miner, ein hochspannendes Thema, gerade wenn man sie mit der Frühphase des Kirchenrechts vergleicht. Zumindest unter Spezialisten.
    .
    Driver, das sind für mich Rätsel. Welche Hebel umlegen? Ich für meinen Fall bin finanziell nicht vom Bloggen oder der FAZ abhängig, man bescheinigt mir freundlicherweise oft genug eigenes Denken, und natürlich sind meine Ansichten oft nicht deckungsgleich mit denen anderer Autoren. So gesehen bin ich frei, und ich habe durchaus den Eindruck, dass die FAZ mit meiner Meinung leben kann.
    Das amüsante Geplauder über 1930 ist immer noch online im Bereich Feuilleton, stand lange auf der ersten Seite und hat sehr, sehr viele Leser gehabt, mehr als das Dutzend Beiträge der Stützen davor und war auch einer der meistgelesenen Beiträge dieses Tages.

  11. abf, in aller Regeln sind...
    abf, in aller Regeln sind Empfehlungen guter Freunde auch gute Empfehlungen. Andererseits denke ich, dass man sich besser auf echte Freunde konzentrieren sollte, und nicht auf Tausende von Kontakten. Und natürlich denkt man sich ab und an auch: Den und jenen möchte ich kennenlernen, egal wie schwer es ist. Die Spannbreite ist sehr gross, aber was mir wirklich Probleme bereitet, lässt soich am besten mit dem Begriff des „Kontakte machen“ umschreiben. Und oft sind es gerade solche Gestalten, die sich einem besonders aufdrängen.
    Ein Tipp für Anlagen? O je. Bis 20000 Euro und 5 Jahre Haltefrist würde ich sagen: Etwas , das Spass macht und wertbeständig ist, ein alter Meister, ein paar besondere Möbel des Rokoko (ich schaue mir nächste Woche eine neapolitanische Kommode um 1740 an, die in einer Ramschauktion versteckt ist), ein klassisches Automobil aus einem Land mit Währungsproblemen.
    Bei einemk längeren Horizont und mehr als 100.000 Euro: 1A-Immobilien, entweder am Alpenrand vom Bodensee bis Salzburger Land, und mit etwas mehr Mut Credit Crunch Regionen wie Südfrankreich, wo wir noch den Einbruch sehen werden. Alles ohne Gewähr.

  12. Don, ich bin ein zutiefst...
    Don, ich bin ein zutiefst fauler Mensch. Der Ursprung all meines Handelns und sogar der jedes Erfolges, liegt in meiner Faulheit begründet. Solche Menschen haben selten Schlafprobleme.
    Sollte ich aber doch jemals unter Schlafproblemen leiden, werde ich Sie um eine genaue Ausführung dieser Halacha-Kirchenrechts-Thematik anflehen.

  13. Ich muss gestehen: ich hatte...
    Ich muss gestehen: ich hatte Ihr Blog schon beinahe abgeschrieben, als es zur Profilierungsspielwiese des historischen Materialismus zu verkommen drohte. Doch siehe da: ein Hoffnungsschimmer! Vielleicht können die diversen Maoisten/Stalinisten diesmal nicht folgen. Daher: bitte schreiben Sie bald etwas zur Halakha. Mazal tov.

  14. Bekannte hat man viele, aber...
    Bekannte hat man viele, aber ein Mensch der in seinem Leben 2 oder sogar 3 Freunde hatte ist ein glücklicher Mensch.
    Naja, im I-Net ist das Du keine Herzlichkeit. Beleidigungen sind immer sächlich, man kennt sich schliesslich nicht. Argumente sind immer unpersönlich, da der Inhalt zählt, nicht der Vortragende.
    Im realen Leben ist es oft besser, bei seines Gleichen zu bleiben. Zu weit Oben ist die Luft dünn und viele Zusammenhänge ergeben sich aus Tradition. Zu weit Unten mag unterhaltsam sein, aber es hat doch etwas von Abstieg und/oder Großtuerei, weil der Herr/die Dame es ja natürlich nicht nötig hätte.
    In allen Schichten gibt es Erkennungsmerkmale und Riten. Die Vorstellung oder besser die Bürgschaft für einen Anderen mag unmodern geworden sein, aber sie hat ihren Sinn.
    Es gibt nicht ohne Grund immer noch diverse „Vereine“ die 2 Bürgen für ein neues Mitglied voraussetzen. Das sind nicht immer Elitebruderschaften oder Verschwörungszirkel, sondern durchaus auch Gesellschaftskreise, die nur einfach gerne wissen, daß der Scherz von Gestern nicht die Kolummne von Morgen ist.

  15. Der Zeitgenosse, den Ihr...
    Der Zeitgenosse, den Ihr anfangs des Beitrages schildert, ist schwerlich als Herr zu bezeichnen.
    Viel eher solltet Ihr von dieser Person sprechen!
    Auch das häufige aufgedrängte Duzen ist eine ganz schlimme Form von verloren gegangener Distanz !

  16. Miner, man täusche sich...
    Miner, man täusche sich nicht, die Halacha ist keinesfalls abgehoben und erfreut sich wunderbarer Grenzfälle wie „Darf man einen Swimmingpool als Ritualbad benutzen?“
    .
    stilkritik, was ich haben wollte, war eine offene Spielwiese für vielerlei Ansichten und Meinungen unter der Prämisse, dass es um Eliten geht. Man kann die Debatte so und so drehen, wenn man sich beteiligt. Und wer sich durch Marx gefressen hat, den wird mein Schreiben sicher nicht abschrecken. Ich hoffe natürlich, dass für jeden was dabei ist.

  17. Don Ferrando, eine gewisse...
    Don Ferrando, eine gewisse Resthöflichkeit möchte ich auch solchen Herren nicht verwehren, damit darunter noch Platz für andere Erscheinungen bleibt.
    .
    Holly01, eines der anderen Ereignisse jenes Abends entsprang der selbstverständlichkeit, einer Besucherin die Tür aufzuhalten, als sie und ich gerade gingen. Nach den üblichen Höflichkeiten sprachen wir ein paar bedeutungslose Sätze miteinander, dann trennten sich unsere Wege. ich fuhr heim und sie veröffentlichte ihre Meinung zu meiner Person bei Twitter. Da stehen wir also.

  18. Zu gern würde ich in der...
    Zu gern würde ich in der Nähe stehen, wenn jemand fragt, ob er Ihnen den Huber vorstellen darf. Ja, exakt, diesen Huber damals.

  19. don alphonso. nachdem ich...
    don alphonso. nachdem ich laten kirchengeschichte bei norbert brox gehört habe (leider viel zu früh verstorben, aber so bin ich den literaturhinweis jetzt los geworden). was ist das kirchen recht des 3 jh? nochmals der hinweis, wenn wir schon im 3.jh sind, auf origines (s. bendikts audienzen).

  20. richard sennett: verfall und...
    richard sennett: verfall und ende des öffentlichen lebens – die tyrannei der intimität wäre ein buch aus der literaturliste zum geschilderten phänomen. während des studiums habe ich es lustlos quergelesen („ja na und , ist eben alles lockerer heute!“), seit zwei wochen goutiere ich es.

  21. Sehr geehrter Don Alphonso,...
    Sehr geehrter Don Alphonso, Bekanntschaften zu vermeiden, das lässt sich noch stilvoll einrichten. Wie geht man in Ihren Kreisen aber mit Bekanntschaften um, die sich erst nach Jahren als Fehler herausstellen? Wie distanzieren Sie Menschen, denen Sie nur schwer aus dem Weg gehen können, so genannte alte Bekannte oder Nachbarn, denen Sie eine Einladung schulden? Stilvoll, aber ohne Anwalt und Duell? – Werden solche Bekannte bei Ihnen zu einer Art schlechter Angewohnheit, die man nur mit großer Disziplin über einen langen Zeitraum wieder loswird?
    Entschuldigen Sie bitte die vielen Fragen. Vielen Dank für Ihre unterhaltenden und anregenden Artikel.

  22. Danke schön für Ihr Lob der...
    Danke schön für Ihr Lob der Distanz, deren Verkehrsformen vom Prinzip des Konkurrierens ersetzt wurden. Kennen Sie Lethens Verhaltenslehren der Kälte? Er bringt das, wenn ichs recht erinnere, mit Scham- versus Schuldkulturen in Verbindung. Und noch was: Nicht nur, dass man sich auf kommode Weise unangenehme Personen vom Leibe halten kann. Sind nicht die Reservierten häufig sogar besonders nett und herzlich?

  23. Sehr geehrter Hr. Don...
    Sehr geehrter Hr. Don Alphonso,
    würde es die bessere Gesellschaft nicht geben, man müsste sie aus just jenem Grunde erfinden, den sie in diesem Ihrem Blogbeitrag so ausführlich beschrieben haben (na gut ein wenig übertrieben aber wo lernt man sonst noch diese kleinen Details des zwischenmenschlichen Kommunizierens ). Ich verabscheue es wenn mich beim Weggehen unbekannte Menschen ansprechen (ohne sich vorzustellen), die von Diesem oder Jenem gehört haben, dass ich mich mit blablabla auskenne und sie doch gerne meine Dienste (natürlich nicht umsonst blubberblabba) versichern wollen. Ich weise diese Person dann höflich drauf hin, dass auch ich gerne einmal Feierabend haben möchte und empfehle ihnen X., der diese Dienstleistung ebenfalls kompetent erledigt , dazu noch als Selbständiger davon leben muss und meine Preise weit über den seinigen liegen würden. Zum Glück hat mich jahreslanges ZEN-Meditieren innerlich so gestärkt, dass ich ob dieser Störung schnell wieder meine innere Ruhe finde.
    Im gleichen Maße wie die Anzahl der SOAPS im Fernsehen steigt (soweit ich das höre, da ich selbst keine Fernseher besitze), steigt auch die Unhöflichkeit der Menschen (so erscheint es mir wenigstens).
    Auch schön zu lesen ist es, was das angehören einer „Community“ so mit sich bringt. Da bin ich froh keiner anzugehören.
    Bleiben sie weiterhin so geschmeidig, in Wort, Schrift und Benehmen

  24. Liebe Kitty Koma, Ihr...
    Liebe Kitty Koma, Ihr englischer Freund muss sich ja wirklich aufgeführt haben, wenn Sie daraufhin zu Sennett gegriffen haben. Aber Logierbesuch mit Anstand, Bequemlichkeit + zur beiderseitigen Freude zu arrangieren, find ich für Distanzierte ohnehin eigermaßen herausfordernd.

  25. Ritualbäder zu...
    Ritualbäder zu Schwimmbädern
    Wenn man es so weit gebracht hat wie die Juden, nämlich über einen Staat zu verfügen, der sogar aus marxistischer Sicht, ja gerade aus dieser (denn für gewöhnliche kapitalistische Staaten, ist das doch eher ein beneidenswertes Ärgernis), ein Existenzrecht hat, kann man sich auch ein paar schräge Benimmregeln extra gönnen. Die Welt wird es überleben, wenn nicht gar umgekehrt, diese Regeln die Welt. Wie das mit den Ritualbädern der Juden ist, da muss der Marxist leider passen, ich weiß nicht, ob man Schwimmbäder zu Ritualbäder machen kann, ich weiß nur, dass der Muslime ebensolche Ritualbäder hat, hingegen viele Schwimmbäder trocken gelegt sind, mangels Interesse, wegen der Geschlechtertrennung in so einigen. Und da ich weiß, dass es bei den Juden auch so ein paar konservative Knöpfe gibt, hätte ich gerne gewusst, ob die da ähnliche Probleme mit ihren Schwimmbädern haben, denn was stünde gegen die Option, Ritualbäder zu Schwimmbädern zu machen?

  26. da bin ich froh,dass sie ihren...
    da bin ich froh,dass sie ihren sunbeam mal in der garage gelassen haben.
    er erschien mir beinahe schon als metapher für`s kumpelhaft vertraute.
    selbst habe ich beim „du“ und „sie“ nie eine einfache zuordnung gespürt-
    im gegenteil:wo das eine manchmal plump verordnet wird,kann das andere
    eine erotische wirkung entfalten………naja

  27. Es geht nicht, ging...
    Es geht nicht, ging wahrscheinlich nie: Man begibt sich in Gesellschaft um irgendwie seinesgleichen zu treffen, den Kopf voll Witz, das Florett unterm Mantel, fuer eine reizende Dame eine zartes Bluemchen in der Hand (Dame: „Wie? Wat? Fuer mich?“). Man moechte plaudern. Nicht zu unverbindlich, trotzdem amuesant und amuesierend. Und was trifft man? Makler, Buchhalter,
    Oberstudienraetinnen, Fotografinen, Pfarrer (evangelisch), Bezirksbuergermeister…
    …da geht niemand auf die Planche. Und wenn, kann er nicht fechten. In seiner Verzweiflung gebraucht er die Faust und macht aus Freude ueber den Niederschlag eine Malleparty in Koeln-Nippes. Da hilft nur Distanziertheit, meinetwegen Arroganz. Die Freude an einem kultivierten Schlagabtausch ist dahin: der Sieger fair, der Verlierer gelassen. Nein, diesen Sport gibt es nur noch selten. Eigentlich garinicht mehr.

  28. Entfernter Don,
    es ist an der...

    Entfernter Don,
    es ist an der Zeit, Sie um Verzeihung bitten zu lassen.
    Dachte ich doch, einfach in dieses Forum, frei jeder Konvention, nicht einmal vorher anklopfend, eintreten zu dürfen.
    Die FAZ, Ihr gnädig (sklaven?-)arbeitgewährender Teil-Brotgeber hat den Zugang bisher absolut barrierefrei, nahezu beispielgebend klassenvergessen, ohne Zugangsbeschränkungen, seien es Nutzername sowie Passwort, bereitgestellt.
    Selbst Googlemail, dessen Dienste Sie, Distanz wahrender Don, ausweislich Ihres Impressums bei den Marktrebellen, in Anspruch zu nehmen geneigt sind, hatte ursprünglich die Exklusivität, sich mittels Einladung vermittels Referenzpersonen zu bedienen, so seinen Nutzerkreis zu erweitern.
    Meine Erziehung gestattet mir nur in engen Grenzen, falls einmal erforderlich, ein limitiertes Maß an kurzfristig als notwendig erachteter Unhöflichkeit, natürlich nur gegenüber dafür zugänglichen Adressaten.
    Darf ich Sie formlos bitten, als Fürsprecher in eigener Sache, um weiteren, auch ohne vorher gebeten, geschweige denn durch eine Person Ihres Vertrauens vermittelte Vorstellung, einstweilig unbeschränkten Zugang zu Ihrem Forum?

  29. "Comrade" Alphonso, als...
    „Comrade“ Alphonso, als Trotzkyist duerfen Sie allerdings auf keiner Distanz zu den Vertretern der Masse bestehen ;-) – und die Aufgabe der Journalisten ist es, als Transmissionsriemen der Botschaft von der Partei zu den Massen zu fungieren. — BertholdIV: Origen war doch der Kirchenvater, der sich in einer Wahnhandlung selbst kastriert hat … ob das so ein gutes Thema fuer Don Alphonso’s Blog ist?! Da ist doch die Geschichte von Abelard und Heloise schaurig-schoener! – Ist das Problem der Schwimmbaeder nicht das chlorierte Wasser, was zur rituellen Waschung untauglich macht? P.S.: Wunderschoene Blumenbilder!!

  30. Don Alphonso,
    Sie sprechen da...

    Don Alphonso,
    Sie sprechen da zwei üble Auswüchse des Zeitgeistes an. Einmal die „Netzwerkgesellschaft“, auf der anderen Seite der (gewollte) Verlust des Privaten.
    Selbst unter uns Studenten grassiert bereits die „Netzwerk“ sucht. Auf einer gewissen Plattform kann man sich da registrieren und hat dann „bestätigte Kontakte“. Meine Kommilitonen wollen mir jeweils die „Wichtigkeit“ und den „Karrierefaktor“ einer solchen Vernetzung nahe bringen und haben überhaupt gar kein Verstädnis, warum es vier fünf Söhne und Töchter des Semesters gibt, die es permanent ablehnen, sich dort zu „vernetzen“. (Nicht das Sie nun aber denken ich wäre ein Student der Wirtschaftswissenschaften).
    Fairer weise ist aber einzugestehen, dass wir alle irgendein „Netzwerk“ benutzen. Allerdings ist unser „Netzwerk“ nicht auf „Business“ aus – sondern es ist eher ein Nebeneffekt; ausserdem tritt man weniger laut.
    Schlimmer ist aber das Gesichtsbuch. Da werden intimste Details aus dem Privatleben verbreitet, die neuesten Errungenschaften präsentiert, Photos aus allen Lebenslagen gezeigt. Manche ganze Tage mit der Pflege ihrer Möchtegernidentität. Diese Menschen leben auch in Wohnungen, die von der Strasse (dank grosser Glasfront) vollständig einsehbar sind. Eine Art urbanes Fernsehen.
    Gerade dieser Verlust des Privaten verdeutlicht nur allzu genau: wir sind in keinem liberalen Zeitalter und Tocquevilles und Berlins Prophezeiungen der vollständigen Einebnung der öffentlichen Meinung (diese Netzwerke haben am Ende auch einen gewaltigen „Sanktionscharakter“) scheint sich immer mehr zu bewahrheiten.
    Eine „modernes“ diocletianisches Zeitalter.

  31. Dipsy, das wird sich später...
    Dipsy, das wird sich später noch legen. Da sortiert sich dann ein Netzwerk der Gschaftlhuber heraus, und bei den anderen pendelt sich das auf ein normales Mass ein. Einerseits, weil es im Beruf nicht gern gesehen wird, wenn da manche jeden Tag vier Stunden ihr Netzwerk pflegen. Andererseits, weil es dem Bestreben jeder HR-Abteilung entgegen läuft, wenn es nicht mehr nach Kompetenz geht. ich kenne eine Reihe von vergleichsweise hochrangigen Mitarbeitern einer Münchner Bank, über die gibt es exakt 0 Inforamtionen im Netz. Irgendwann llernt man das auch zu schätzen.
    .
    Cao Ky, meine Aufgabe als Blogger ist es, Sachen zu schreiben, die sonst keiner schreibt. Und schon länger wollte ich über Eunuchen schreiben, denen dafür an anderen Stellen Hörner wachsen,

  32. @filou: Sie haben die Juristen...
    @filou: Sie haben die Juristen vergessen in ihrem schönen Couplet, die Juristen an allererster Stelle!
    @Don Alphonso: Distanziertheit… ja, bei diesem Wort und dem Ihrigen Beitrag kommt mir einmal mehr dieses merkwürdige Phänomen in den Sinn, dass manche Menschen beispielsweise um einen anderen trauern, den sie niemals gekannt haben, höchstens vom Hören-Sagen oder von der Mattscheibe. Warum pilgern so viele zu einer Michael Jackson Trauerfeier? Weshalb kritzeln sie Betroffenheitsschilder mit diesem ewigsinnlosen „Warum?“, warum heulen sie, wenn eine ferne Adlige in einem Pariser Tunnel ihr Lebenslichtlein abgibt? Dort, wo im wahrsten Sinne echte Distanz herrscht, da schaffen es so viele, mitzuleiden und mitzutrauern. Oder sind diese ‚Gefühle‘ nur eingebildet, nur anerzogen, nur einer anderen Form des Voyeurismus entsprungen? Denn was fühlen diese Menschen, wenn sie einen wirklich nahestehenden Menschen verlieren? Ließe sich das Mitfühlen und Trauern dann noch einmal steigern? Mir jedenfalls ist diese Form der Distanzlosigkeit immer unheimlich. Sie scheint fremdgesteuert, massenhysterisch, zombiehaft. Ähnlich der distanzlosen Begeisterung, einmal einem ‚berühmten‘ Menschen nahe gewesen zu sein. Nur dass Begeisterung wenigstens noch ein flüchtiges Gefühl ist, aber Trauer?

  33. codizil, mit dem werten...
    codizil, mit dem werten Arbeitgeber ist ausgemacht, dass hier des leichteren Zugangs wegen eine Kunstfigur agiert, mit der man ganz anders reden kann, als mit dem realen Menschen. Und wollte ich das nicht, gäbe es hier auch keine Kommentare. Das ist nah genug und fern genug. Noch einen Tee?
    .
    filou, ich rate zur Lekture kommerzienratfeindlicher Gedichte von Tucholsky, und wenn es ganz schlimm wird, den Griff zu Walter Mehring. Danach kann man sich dem wieder mit einem maliziösen Lächeln aussetzen.

  34. Ephemeride, diese Leute leben...
    Ephemeride, diese Leute leben ja davon, dass sie ein Gefühl der Nähe nach draussen tragen, als könnten sie einfach zur Tür reinkommen und mit einem reden. Die Weiterentwicklung der Volkstümlichkeit für das Medienzeitalter. Etwas, worauf ich offen gesagt keine Lust hätte. „Einer von denen sein“ oh Gott, lieber hätte ich einen Bandscheibenvorfall. Das sind Leute, die oben und unten sein wollen. Kein Interesse.
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    kleinerberg, in Frankreich siezten sich die besseren Paare sehr lange Zeit, und das liest sich in den erotischen Romanen des 18. Jahrhunderts immer besonders prickelnd, diese Kombination aus Intimität und Distanz. Nicht zwingend liebevoll, aber spannend.
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    Der Sunbeam. Ach. Ja. Magengeschwüre sind immer schon die Krankheit besserer Stände.

  35. Kittykoma, deshalb habe ich...
    Kittykoma, deshalb habe ich ja auch eine Gästewohnung. Ich glaube zudem, dass wir heute nicht mehr für dauerndes Beisammensein geschaffen sind. Mit einer Gästewohnung – oder am See einem mobilen Sunbeam, bei dem man auch die Tür zumachen kann – lässt sich ein Wechsel aus Distanz und Nähe schaffen, der auf Dauer seht angenehm sein kann.

  36. setarkos, ich habe einen guten...
    setarkos, ich habe einen guten Freund, der Unfallmediziner ist, und wenn man den privat anspricht, so diagnostiziert er auch bei Schnupfen Lungenkrebs, bei einer Zerrung den baldigen Rollstuhl und bei Grippe die Schweinepest. Er sagt, das sei ein sehr erfolgreiches Vorgehen gegen derartige Belästigungen.

  37. Der Sunbeam scheint zur Zeit...
    Der Sunbeam scheint zur Zeit kein „ray of light“ in Ihrem Leben darzustellen, Don Alphonso … macht die Schweisserei Schwierigkeiten? Das selbst der Panzerstahl durchrosten kann!

  38. Was das erwähnte rituelle...
    Was das erwähnte rituelle Schwimmbecken angeht, muss das Wasser, glaube ich, „aus der Erde kommen“, nicht also aus irgendeiner Anlage. Da gibt es aber noch ganz andere Grenzfälle: darf man am Sabbat einen Lift benutzen, der sowieso abwärts fährt? Oder als Polizist im Notfall den Streifenwagen anlassen? Man darf, wenn…
    Was man nicht darf, ist, am Sabatt ein „Licht anzünden“; aber dafür hat man den Sabbat-Goy. (Der Don weiß, was das ist, die anderen können ja nachschauien.)
    Ich wage so besserwisserisch mitzureden, weil ich während meiner paar Jahre in Jerusalem einmal in dem Institut war, das die Regeln – also sagen wir: adaptiert. Wie es die Vatikaner mit ihrem Latein für die Enzykliken machen. Die Regelwelt selbst ist unerhört geheimnisvoll, farbig von innen, wie die „gemalten Fensterscheiben“ im Gedicht. Die Hauptregel aber scheint zu sein, dass man alles darf, man muss nur wissen, wie. Nämlich: WIE man es dem Chef erklärt, und notfalls so erklärt, dass er in seinen weißen Bart schmunzeln muss, wie schlau sein auserwähltes Volk doch sei.
    Etwas anderes, was mich als Zaungast manchmal beschäftigt hat, was man aber nicht sagen darf, aber hier sind wir ja unter uns, oder? – ist: die Ultraorthodoxen hier und die Taliban dort sind einander in ihrem Denken und Regelwerk gar nicht so unähnlich. (Warum hassen sie dann einander so?) Ein ultraorthodoxes Gemeinwesen sähe vermutlich gar nicht viel anders aus als ein Taliban-Regime. Selbst der Jude, der nur fromm ist und nicht ultra, dankt Gott in seinem Morgengebet täglich, dass er ihn nicht als Frau erschaffen hat.
    Aber bitte, wie gesagt, nicht weitersagen, aber vor allem, nicht übelnehmen! Zis is an order!

  39. Geschätzter Don (na,...
    Geschätzter Don (na, zumindest, was ich von Ihnen lese schätze ich, Sie kenne ich ja nicht wirklich): Teufel auch. Mir aus der Seele gesprochen. Ein schöne Plädoyer für mehr Qualität im Umgang mit anderen Menschen.
    Die Differenzierung der Bekanntschaften, der Bekanntschaftsgrade und die damit verbundene Distanz wird von vielen als verkrampft, als unlocker und arrogant betrachtet. Ich muss nicht mit jedem Gutfreund sein. Man versucht es über die Menge der Kontakte – nicht über eine sorgfältige Auswahl, wie süchtige Sammler, denn man weiss ja nie wofür man es gebrauchen kann. Oberflächlichkeit und Unverbindlichkeit sind die Zeichen jener die nun wirklich jedem die Hand schütteln müssen. Die nicht mehr unterscheiden (können) zwischen Freund und Feind, die mit allen Gutfreund sein wollen, oder müssen, die es nicht ertragen, wenn man sich nicht für sie interessiert. Die Distanzlosen eben. Und wie Sie so schön beschrieben: Die Würde behalten, das Gesicht wahren. Es geht ja nicht darum jemanden zu beleidigen oder vor den Kopf zu stoßen. Sondern seine eigenen Interessen zu wahren, ohne dabei auf anderen herum zu trampeln.

  40. Werter Don Alphonso,
    ja bitte...

    Werter Don Alphonso,
    ja bitte und danke für den virtuellen Stuhl.
    Vielleicht gelingt demnächst auch ein Petit-Four als Beitrag zu Ihrer Tafel.
    Man sollte allerdings die virtuelle Figur nicht unterschätzen, werden doch deren Einlassungen auch an der Realität gemessen. Manche künstliche Aufregung paart sich distanzlos mit ehrlich gemeintem Echt-Ärger, könnte man jedenfalls der hier versammelten Trotzkismus-Exegese als stark duftende Essenz abgewinnen.
    Und die olfaktorische Definition beanspruchter Territorien ist, ähnlich der virtuellen Dimension, nicht minder konfliktbeladen.
    Einige Zeilen dazu, auch im Bouquet des Paradigmenwechsels, sicher so anregend wie das Aroma eines frisch gemahlenen und von Hand im Porzellanfilterträger geduldig aufgegossenen Kaffees.

  41. Ist das Autochen hin?...
    Ist das Autochen hin?

  42. Distanz und Nähe
    Ach ja,...

    Distanz und Nähe
    Ach ja, Tucholsky! Seine Distanziertheit, war sie nicht manisch? Und doch war er vielleicht der einzige, der erkannte, recht früh schon, wohin die Konterrevolution will, die deutsche, nach 1918, nach Krieg und Revolution. Wie nahe alles war. Krieg-Revolution, Krieg und Revolution. Schrie sie nicht laut genug nach neuem Blut, Revanche und Tod der Revolution, die Konterrevolution? Nur wenige wollten das hören, und noch weniger konnten es hören. Sie waren zu nahe. Nur aus der Distanz war es möglich, die Dinge zu sehen, klarer zu sehen, wie sie sind, wie sie wurden, in allen Dingen. Jeden Nationalismus hassend, stand er den Kommunisten nahe, aber weit genug, um nicht Teil zu haben, an ihrer Revolution. Sah er doch auch in ihnen nur den „Nationalismus“, das Kollektiv, die Masse, den Feind des Einzelnen. Wahrlich weitsichtig, sehr weitsichtig, die Richtung erkennend, von der Gefahr wissend, nicht aber den wahren Grund. Nicht die Lösung. Zu weit, nicht nahe genug. Denn: ohne „Konzessionen“ („Hej“, Ges. Werke, Bd. 3, S.226) war ein Leben nicht möglich, viele Leben ja, aber eines? Das nahe Leben, das nächste. Sein Tod war tragisch, ein schwerer Verlust, vor allem für die, denen er nicht nahe genug stand, die ihn brauchten, welche ihm ganz sicher auch ihre Konzession machten, da sie sich ihm nahe wähnten.

  43. <p>Sterne, der Hausherr ist...
    Sterne, der Hausherr ist zwar gerade kurz außer Haus, aber das kann ich auch beantworten: Das Autochen steht hier vor meinem Fenster und wartet auf den Schweißer. Der ist aus Marokko und, wie so ziemlich alle Marokkaner um diese Zeit, gerade auf Heimaturlaub. Davor hat er die Autos anderer Marokkaner, die auf Heimaturlaub wollten, fit gemacht. Wenn die große marokkanische Reisesaison überstanden ist, fährt das Autochen zum Schweißer. Und zwar aus eigener Kraft. (Und sagen sie nichts gegen den marokkanischen Schweißer! Derselbe hat meine Unfallbarchetta ganz wunderbar wieder hingebogen.)

  44. Leider sind Rituale und...
    Leider sind Rituale und Zeremoniell – außerhalb der Römischen Kirche – ja weitestgehend aus der Mode gekommen. Dabei geben sie ( Rituale…) ja doch Handlungssicherheit und binden immer alle Beteiligten. Nur wenige, ja gerade durch sichere Hierachien geordnete Bereiche nutzen das noch. Wie schön, wenn mir beim an Bord kommen auf einem Kriegsschiff „Seite“ gepfiffen wird und die Fallreepsgasten stehen! Dabei lässt sich Zeremoniell und Ritus doch gerade auch vom Schwächeren zielgerichtet einsetzen: Heinrich wusste warum er barfuß und in Sack und Asche vor Mathildens Burg kniete. Konnte doch der Hl Vater gar nicht anders als von seiner Gewalt zu binden und zu lösen Gebrauch zu machen und ihn vom Bann lossprechen. Die üble Laune des Papstes danach sprach Bände. Aber dieser Sinn für die tiefere Bedeutung von Zeremoniell und Ritual, Benehmen, Sitte ( nur Orden in der Kirche haben neben der Regel noch consuetudines zur Regelung von Fragen…)ist weitestgehen abhanden gekommen. Daher auch die Unsicherheit in manchen Lebenslagen, nicht zuletzt solchen des Staates oder seiner Diener, äh Minister.
    „Gestatten Sie“ wird ja kaum noch gefragt. Nach einem Konzert im Münsterkreuzgang stand ich Dienstag Abend mit den Künstlern und Bekannten, ein Glas Weißwein in der Hand, noch dort. Ein junger Mann fragte, eher rhetorisch : „ob man hier Rauchen darf“ worauf ich dann gerade noch antworten konnte: „Aber nur Weihrauch“. (das Rauchen unterblieb nach dem allseitigen Schmunzeln tatsächlich)
    Und ebenso ist es mit dem Vorstellen und vorgestellt werden. Dabei macht Distanz und die geschickte Führung des Floretts das Treffen ( ob noch jemand erinnert dass „Treffen“ auch einen militärische Wortbedeutung hat?) doch erst interessant.
    In Gesellschaft auf meine Fachkenntnisse angesprochen, verweise ich gerne auf das sofortige Erfordernis radikaler Amputation. Bei Tisch prüfe ich dann schon einmal die Schärfe des Messers durch leichtes Streifen mit dem Daumen und füge hinzu: „man könnte auch gleich schon….“

  45. ach ja, werter don alphonso....
    ach ja, werter don alphonso. gästezimmer, gästewohnung. die suche nach einem größeren domizil dauert schon zwei jahre.
    die sitte, den angetrauten bettgenossen noch lange jahre zu siezen, finde ich zwar bizarr, aber sehr reizvoll.
    was den englischen freund betrifft, so versicherte mir eine ältere freundin, daß mein ärger berechtigt gewesen wäre. es sei repektlos, im beisein der gastgeberin ununterbrochen die attraktivität und anziehungskraft minderbemittelter schulmädchen zu betonen.
    danke für die themenwahl. ich fühle mich als sehr distanzierter mensch verstanden. das, was ich bisher für einen defekt gehalten habe – den mangel an kommunikations- und kontaktfähigkeit – scheint doch keiner zu sein.

  46. Küss die Hand Frau Diener...
    Küss die Hand Frau Diener :-))
    Ich lese Dons Beitrag auch ein wenig als mahnende Erinnerung an den traditionsreichen Vorrat gesellschaftlich anerkannter Verhaltensregeln, die, analog zu den klassischen Redewendungen, leeren Phrasen und Courteoisieritualen der Diplomatie auch verfeindeten Parteien das gesicherte Terrain für eine sachliche Verständigung bieten. Distanz ist nur das letzte Refugium für alle, die sich dem vulgären epidemischen Missverständnis, Höflichkeit mit ihrer kodifizierten Unterwerfungssemiotik sei „Schwäche“, nicht auszusetzen bereit sind.

  47. PS von Tucholsky: "Ja, nicht...
    PS von Tucholsky: „Ja, nicht wahr, man ist, was man ißt.“ „Ich würde mehr Gans empfehlen, Gnädigste.“ Ende des Gesprächs.

  48. Lieber, Don Alphonso. Mit...
    Lieber, Don Alphonso. Mit diesem Bericht haben Sie es aber dem Münchner Boulevardjournalisten wirklich heimgezahlt, haben Sie ihm gezeigt, wo der Hammer hängt, haben die Schmach mehr als wettgemacht. Und wenn Sie Glück haben, liest er diesen Bericht auch noch.

  49. Das erinnert mich an die...
    Das erinnert mich an die Geschichte eines Landvermessers, der vergeblich versucht Zugang zu einem Schloß zu bekommen.

  50. angesichts ihres beitrags,...
    angesichts ihres beitrags, lieber don alphonso, muß ich an eine begebenheit denken, deren zeugin ich zufälliger weise vor einiger zeit gewesen bin.
    ein junger studierende irrte damals durch den campus und fragte nach dem hausmeister. in folge einer verwechslung dachte er, daß die gesuchte person einer der betagten, jedoch sportlich aussehenden professoren sein könnte.
    der studierende ging auf ihn zu und erläuterte schnell & leicht arrogant sein vorhaben, sicherlich auf eine unkomplizierte auskunft hoffend.
    diese fiel jedoch ein wenig anders aus als erhofft, denn der besagte professor plusterte sich immer mehr auf bis er empört aus sich herausschrie: SIE Ars.ch!
    :)
    es scheint, als ob die distanz viele gesichter hätte…

  51. @laperla: Das war von dem...
    @laperla: Das war von dem Prof aber eher uncool. Besser, er haette dem jungen Studierenden mit einem gewissen Laecheln geantwortet: „Ein wichtiges und dringendes Anliegen, das sollten Sie mit dem Hausmeister besprechen!“ Und auf die verdutzte Gegenfrage, wer man denn sei, „Ach, ich bin nur Professor fuer ….“ DAS haette sicher gewirkt :)

  52. @laperla und Cao Ky
    Genau, der...

    @laperla und Cao Ky
    Genau, der (entnervte) Schrei kann nur ultima ratio regis sein. Wieiviel effektiver doch häufig die Ironie. Wenn allerdings Florett nicht mehr hilft, dann doch Säbel und wenn der Gegner kein Fechter, dann die Axt.

  53. @cao ky, natürlich war das...
    @cao ky, natürlich war das uncool, mehr sogar als das. aber er gilt auch allgemein als nicht unbedingt fein. nicht desto tortz fand ich die kombination zwischen distanz & nähe in seiner aussage sehr ungewöhnlich ;)

  54. über Matecki:
    Bei Tisch macht...

    über Matecki:
    Bei Tisch macht es der unauffällige Gebrauch des zugereichten Bestecks.
    Die Schilderung einschneidender chirurgischer Techniken, die Nahrungsaufnahme narrativ begleitend, erschließt sich dem schnittechnisch ungeübten mehr in seiner emotionalen Wirkung, das vorgebildete Publikum vermag auch ironisches darin fachkundig zu würdigen.
    Die vornehme Distanz Ihres Auditoriums, behagliche Erkenntnisaufnahme bemüht spielend, Ergebnis fortlaufend gepflegter Erziehungsrituale, wird dem auch auf glattem Parkett trittsicheren nicht entgangen sein.
    Der minimalinvasive Gebrauch der Axt; chapeau.
    Welche ratio der König wohl seinem stilsicheren Nachfolger angedeihen läßt?
    Vorgezogener Zapfenstreich?
    Aber höchst vorsorglich: Asche auf das Haupt des Urhebers dieser vielleicht auch nur unmaßgeblichen, disparaten Interpretation.

  55. @ K.
    Ich kann leider nicht...

    @ K.
    Ich kann leider nicht ganz folgen. Old Shatterhand hatte versucht Zugang zu einem Schloss zu bekommen?

  56. @Cao Ky
    " "Ein wichtiges und...

    @Cao Ky
    “ „Ein wichtiges und dringendes Anliegen, das sollten Sie mit dem Hausmeister besprechen!“ Und auf die verdutzte Gegenfrage, wer man denn sei, „Ach, ich bin nur Professor fuer ….“ DAS haette sicher gewirkt :)“
    Nö, der letzte Teil der Antwort wäre auch erbärmlich. Zu offensichtlich ist die Absicht, dem Fragenden eins auszuwischen -und damit wertet man ihn auf.
    Und mit akademischen Titeln herum zu protzen geht gar nicht. Das ist plump.

  57. Dies eine noch zum Thema...
    Dies eine noch zum Thema Sunbeam: nachdem es mein nicht von der Firma gestellter Firmenwagen sein wird, wird es hier natürlich in aller epischen Breite ausgeführt, wenn es soweit ist. Ausserdem glaube ich fest daran, dass ich noch diesen Sommer damit an die Riviera fahre. Durch die Schweiz. Bis nach Avignon. Und wenn es das letzte ist, was ich tue.

  58. Andrea Diener, das klingt in...
    Andrea Diener, das klingt in der Tat nicht gut. Aber auch im Zweifelsfall war das Autochen den Preis wert: wegen der feinen Fotos. Und für die ließe sich das Stück weiterhin vor die schönsten Bergkulissen schieben.

  59. Huuh.rrah, den Erwin Huber?...
    Huuh.rrah, den Erwin Huber? Der wurde mir schon vorgestellt, beruflich. Zählt also nicht.
    bertholdIV, nun, die Grundlagen des Kirchenrechts werden zu der Zeit ähnlich im Diskurs gehandhabt, wie in der Halacha auch. Aber während die Halacha in den folgenden Jahrhunderten gerade aufgrund der zynischen Philosophie flexibel und anpassungsfähig blieb und obendrein auch alle Irrlehren bewahrte für den Fall, dass man sie später unter anderen Voraussetzungen doch noch brauchen könnte, die andere Meinung also schätzte, entwickelte man im Christentum schon damals die Grundlagen für ein möglichst festgefügtes Recht nach dem Vorbild der römischen Gesetzbücher. Also keine Diskussion, sondern Durchsetzung. Man schaue sich da nur mal den Konflikt um die vom Glauben Abgefallenen auf der Synode von Karthago 251 an. (Das alles führt jetzt sehr weit weg vom eigentlichen Thema)

  60. Stellen Sie sich vor:
    Pack...

    Stellen Sie sich vor:
    Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.

  61. tzztzztzz, andersrum wird ein...
    tzztzztzz, andersrum wird ein schicklich passender schuh draus. – don wurde dem huber vorgestellt, nicht huber dem don… – allenfalls die herren einander.

  62. Werter Vetter,
    ich wünsche...

    Werter Vetter,
    ich wünsche Euch sehr, dass es mit der Fahrt nach Avignon diesen Sommer im Sunbeam klappt.
    Allein mir fehlt der Glaube nach meinen eigenen Erfahrungen mit dem Restaurator meines Oldtimers !

  63. Dem Psychiater nahe
    @laperla:...

    Dem Psychiater nahe
    @laperla: Gespielte Distanz, nur gespielte, ansonsten sehr nahe, nahe an seinem Psychiater

  64. @ devin, ich kann gerne mit...
    @ devin, ich kann gerne mit aussagen eines menschen polemisieren, diese schätzen, kritisieren, beurteilen etc.
    aber die beurteilung des psychischen zustands eines menschen steht mir einfach nicht zu. das überlasse ich lieber denjenigen, die dafür zuständig sind.

  65. Recht so. Nicht...
    Recht so. Nicht wettbewerbsfähige Sitten werden verdrängt. Das Schöne: Es vollzieht sich automatisch. Niemand muß darüber Befinden, welche Sitte erhaltenswert ist oder nicht. Der Wert der kreativen Zerstörung zeigt sich auch hier.

  66. Nicht verdrängt. Die...
    Nicht verdrängt. Die Akzeptanz nimmt ab. Aber das heisst nicht, dass sie nicht weiter von Bedeutung sind. Man sieht das gerade beim Konzern Vodafone, die sich offensichtlich die falschen Vermittler für die starken Internetnutzer ausgesucht haben, um die „generation Upload“ zu bewerben. Ein klassischer Fall von tölpelhaft nicht akzeptierter Distanz.
    .
    Don Ferrando, der Wagen hat mich von Surrey nach Frankfurt gebracht. Ich bin zuversichtlich. Trotz allem.

  67. Don Alphonso, Cao Ky, auch...
    Don Alphonso, Cao Ky, auch Anhänger der kritischen Theorie haben vollstes Verständnis dafür, wenn jemand auf die Bekanntschaft mit Menschen verzichtet, die sich mit „Yo Alda was geht“ begrüßen;-) Wer möchte schon die globalen Lakaien neoliberaler Niedertracht (PRlern und Bourlevardjournalisten) kennen, ob mit oder ohne Vorstellung? Brr.

  68. laperla, die Anmachen von...
    laperla, die Anmachen von Studenten zur Beantwortung ihrer Batschelah-Fragen reichen vollkommen aus, um diese Geschichte vollkommen wahrscheinlich erscheinen zu lassen.
    .
    Georgina Darcy, man sagt ja auch, dass jeder Topf seinen Deckel findet. Man nimmt denen also nichts weg, die finden andere.

  69. Also offenbar bin ich kein...
    Also offenbar bin ich kein starker Internetnutzer. Mir hat noch keiner versucht vodafone vorzustellen. Angesichts der von vodafone offensichtlich ungeschickt ausgewählten Vermittler und deren Auftreten sicherlich kein Verlust.

  70. @ K.
    Ah, jetzt hab ich es doch...

    @ K.
    Ah, jetzt hab ich es doch noch verstanden. Franz Kafka: Das Schloss. Franz Kafka, das war doch dieser bedauernswerte Dichter, der so unter seinen Schuldgefühlen litt, weil er an Gott zweifelte.
    Das war aber ganz schön gemein von Ihnen, Herr Alphonso, mir auf solche Art und Weise mitzuteilen, dass ich irgend etwas nicht verstanden hätte. Aber andererseits, war auch ganz schön gerissen. Vielleicht sollte ich doch noch mal den einen oder anderen Klassiker wieder lesen.

  71. Nur Mut, Don Alphonso, das mit...
    Nur Mut, Don Alphonso, das mit dem Sunbeam sollte schon wieder werden! Warum muss denn soviel geschweisst werden? Wenigstens kann man ihn noch schweissen, nicht wie bei all den Plastikteilen zeitgenoessischer Waegen! Fuer die Reise an die Riviera empfehle ich – gerade wegen der zu erwartenden Tee- und anderen Pausen :-)! – William Boyd’s Kurzgeschichtensammlung „The Destiny of Nathalie X“ mit einer herrlichen Geschichte darueber, was einem in einem Packard auf der Fahrt durch Frankreich so alles passieren kann.
    @lebowski: Doch, die Antwort ist richtig und es ist kein „protzen“ mit dem Titel und auch kein „Auswischen“ sondern eine ironisch vorgetragene Zurechtweisung poebelhaften Betragens – wenn der Studierende Geist und einen Rest Takt hat, merkt er’s und wird dann auch hoffentlich den echten Hausmeister wie einen Mitmenschen behandeln. Dann haette ihm die kleine Lektion wirklich weitergeholfen im Leben!

  72. Don Alphonso, noch eine...
    Don Alphonso, noch eine Leseempfehlung (auch an Devin08): Dmitri Volkogonov, „Trotzky: The Eternal Revolutionary“ (Free Press, 1996). Und dann sind wir mal auf die neueste Biographie von Robert Service gespannt, die Harvard am 15.1.2010 herausbringen wird. Die zu lesen sind Sie sich als selbstbekennender Trotzkyist schon schuldig, um ernsthaft Ihre Position darlegen zu koennen~!

  73. Den Typus meine ich
    @Laperla:...

    Den Typus meine ich
    @Laperla: Da ich den genannten Professor persönlich nicht kenne, kann ich ihn auch persönlich nicht gemeint haben, aber den Typus kenne ich, und den meine ich. Und solches festzustellen, das steht mir zu, denn das ist Gesellschaftskritik (und im Übrigen auch Selbstkritik, denn wer unter uns, schleppte nicht das eine oder andere Statusproblem mit sich rum?)

  74. Cao Ky, naja, ob Service das...
    Cao Ky, naja, ob Service das Monumentalwerk von Isaac Deutscher übertreffen wird? Das dürfte schwer werden.

  75. @Cao Ky:Das Problem bei der...
    @Cao Ky:Das Problem bei der Ironie ist, dass der Ironiker davon ausgeht, die Dinge korrekt verstanden zu haben. Hat der Ironiker sich dann vielleicht doch geirrt, so wird die Ironie vom Gegenüber nicht verstanden, und, da er nicht offen ausgesprochen hat, was er wirklich denkt, hat sein Gegenüber auch keine Möglichkeit, korrigierend einzugreifen. Ein offenes Zeigen seiner Gefühle, wie im Falle des Professors, bietet immerhin die Möglichkeit, dass es noch zu einer Annäherung, eines gegenseitigen Verständnisses kommt.

  76. Lieber Don, als Stilexperte...
    Lieber Don, als Stilexperte können Sie mir sicherlich helfen. Wie geht man damit um, wenn man auf einer öffentlichen Veranstaltung (hier: Betriebsversammlung unseres Unternehmens) von einer Person, die man nicht kennt und die man auch nicht kennen möchte (hier: Vertreter der IG-Metall), in aller Öffentlichkeit geduzt wird? Ich habe einfach des lieben Frieden willens den Mund gehalten und mich geärgert … mit der geballten Faust in der Tasche. Gibt es einen eleganten Weg sich ohne Gesichtsverlust zu wehren?

  77. Die Führer als Projektion der...
    Die Führer als Projektion der Massen
    @CaoKy: Mein Interesse an Trotzki hält sich im Rahmen, außerdem dürfte ich doch deutlich gemacht haben, dass mich an solchen Personen eigentlich nur das interessiert, was sie historisch transportieren, inwieweit sie die Projektion der Massen darstellen. Mir persönlich ist jeder Personenkult fremd (aber in dieser Beziehung verständlich), so fremd wie ein überzogener Hass gegenüber Einzelnen. Hass ist vermutlich ehe ein Empfinden, das ich nur im ganz persönlichen Rahmen zulasse. „Hass“ als gesellschaftliche Projektion drückt die Verzweiflung derer aus, die sich getäuscht fühlen, getäuscht durch sich selber, ob ihrer eigenen Projektion. Als solcher im Übrigen auch in der „Beziehungskiste“ deutlich erkennbar!
    Ich wäre zur Zeit Stalins mit Sicherheit nicht unbedingt sein Verehrer gewesen, wohl aber auch nicht sein Feind (damals wohl noch weniger als heute, denn ich hätte noch weniger gewusst als ich heute weiß!), da ich eine andere Bewegung als die kommunistische nicht hätte ausmachen können, für die ich mich einsetzen hätte wollen. Ob ich allerdings so distanziert wie Tucholsky gewesen wäre, möchte ich bezweifeln – aber auch Tucholsky spielte dahingehend mit sich selbst („Hej“ – „noch nicht“), ein wenig wie Brecht vielleicht. Ein Trotzki wäre mir damals wie heute zu schwammig gewesen, zu sehr Ästhet, offenkundiger Bourgeois. Ich entdecke keine Theorie bei ihm, nur Feuilleton, keine Geschichte, nur Geschichtchen, keine Tragik, nur sein persönliches Drama.
    Mich interessieren die Bewegungen der Massen, die Führer nur in ihrer Rolle (als Transmissionsriemen von Theorie, Partei, Strategie und Taktik, als Wissenschaftler u.U.). Und – und das wird Sie vielleicht verwundern – es ist nicht die Theorie selber, die mich überzeugt, sondern meine Beschäftigung mit ihr, die Kritik und die Selbstkritik, das, was nicht immer offenkundig ist, also darin wo ich mich selber überzeugen muss.
    Das heißt nicht, dass ich keine Theorie habe, ich halte mich nicht für einen Eklektiker, aber ich höre auch auf die Leute, die nicht meine Theorie akzeptieren, insoweit ich überhaupt auf jemanden höre (meine Frau würde das bezweifeln – das „hören“). Denn die Theorie ist niemals die ganze Wahrheit (eher immer nur ein Konzept), „Wahrheit“ stellt sich erst in der praktischen Bewegung der Massen heraus, aber auch als solche immer nur in Schritten, manchmal mehr, manchmal weniger. „Wahrheit“ ist überhaupt nur als Massenbewegung zu verstehen. Das wäre im Übrigen auch meine Antwort auf Pontius Pilatus gewesen, als dieser Jesus fragte: „Was ist denn Wahrheit?“ – „Massenbewegung“! Oder physikalisch ausgedrückt: Die Bewegung von „Masse“. Hier spricht man von Wirklichkeit.
    Wo beides nicht anwesend ist, kann es keine Wahrheit/Wirklichkeit geben.

  78. Die Führer als Projektion der...
    Die Führer als Projektion der Massen
    @CaoKy: Mein Interesse an Trotzki hält sich im Rahmen, außerdem dürfte ich doch deutlich gemacht haben, dass mich an solchen Personen eigentlich nur das interessiert, was sie historisch transportieren, inwieweit sie die Projektion der Massen darstellen. Mir persönlich ist jeder Personenkult fremd (aber in dieser Beziehung verständlich), so fremd wie ein überzogener Hass gegenüber Einzelnen. Hass ist vermutlich ehe ein Empfinden, das ich nur im ganz persönlichen Rahmen zulasse. „Hass“ als gesellschaftliche Projektion drückt die Verzweiflung derer aus, die sich getäuscht fühlen, getäuscht durch sich selber, ob ihrer eigenen Projektion. Als solcher im Übrigen auch in der „Beziehungskiste“ deutlich erkennbar!
    Ich wäre zur Zeit Stalins mit Sicherheit nicht unbedingt sein Verehrer gewesen, wohl aber auch nicht sein Feind (damals wohl noch weniger als heute, denn ich hätte noch weniger gewusst als ich heute weiß!), da ich eine andere Bewegung als die kommunistische nicht hätte ausmachen können, für die ich mich einsetzen hätte wollen. Ob ich allerdings so distanziert wie Tucholsky gewesen wäre, möchte ich bezweifeln – aber auch Tucholsky spielte dahingehend mit sich selbst („Hej“ – „noch nicht“), ein wenig wie Brecht vielleicht. Ein Trotzki wäre mir damals wie heute zu schwammig gewesen, zu sehr Ästhet, offenkundiger Bourgeois. Ich entdecke keine Theorie bei ihm, nur Feuilleton, keine Geschichte, nur Geschichtchen, keine Tragik, nur sein persönliches Drama.
    Mich interessieren die Bewegungen der Massen, die Führer nur in ihrer Rolle (als Transmissionsriemen von Theorie, Partei, Strategie und Taktik, als Wissenschaftler u.U.). Und – und das wird Sie vielleicht verwundern – es ist nicht die Theorie selber, die mich überzeugt, sondern meine Beschäftigung mit ihr, die Kritik und die Selbstkritik, das, was nicht immer offenkundig ist, also darin wo ich mich selber überzeugen muss.
    Das heißt nicht, dass ich keine Theorie habe, ich halte mich nicht für einen Eklektiker, aber ich höre auch auf die Leute, die nicht meine Theorie akzeptieren, insoweit ich überhaupt auf jemanden höre (meine Frau würde das bezweifeln – das „hören“). Denn die Theorie ist niemals die ganze Wahrheit (eher immer nur ein Konzept), „Wahrheit“ stellt sich erst in der praktischen Bewegung der Massen heraus, aber auch als solche immer nur in Schritten, manchmal mehr, manchmal weniger. „Wahrheit“ ist überhaupt nur als Massenbewegung zu verstehen. Das wäre im Übrigen auch meine Antwort auf Pontius Pilatus gewesen, als dieser Jesus fragte: „Was ist denn Wahrheit?“ – „Massenbewegung“! Oder physikalisch ausgedrückt: Die Bewegung von „Masse“. Hier spricht man von Wirklichkeit.
    Wo beides nicht anwesend ist, kann es keine Wahrheit/Wirklichkeit geben.

  79. @ebs Auf einer Tagung von...
    @ebs Auf einer Tagung von einem jüngeren Kameraden den ich keineswegs kannte gleich anhaltend geduzt antwortete ich auf seine nach 5 Minuten eingeflochtene Frage: „Wie war noch gleich dein Vorname?“ mit der Nennung meines ( ja ohnehin an der Uniform ablesbaren) Dienstgrades, in der verbindlichsten Form und mit einem Lächeln im Gesicht.

  80. Meine anfänglich bekundete...
    Meine anfänglich bekundete Sympathie für die Reservierten + die Distanzvirtuosen fängt angesichts mancher Kommentare hier ein wenig an zu bröseln. Bitte kultivierte Verkehrsformen nicht mit kleinlicher Dünkelhaftigkeit verwechseln. Verweise auf den eigenen akademischen Titel, auf die Einkommensklasse etc. finde ich nicht besonders elegant. Und das Interesse an (beruflichem) Spezialwissen trifft keineswegs nur Professoren oder Chirurgen, sondern auch den Bäcker, den Gärtner, den Autoschrauber, die Erzieherin, den Krimikenner uvm, die allesamt nach Tips + Tricks gefragt werden. Natürlich muss man unterscheiden + natürlich muss man nicht jedem aufdringlichen, abzockerischen Begehr Gehör schenken. Aber die Tugenden der Freundlichkeit und Großzügigkeit find ich auch nicht ganz unwichtig. Und sehr geehrter Herr ebs, dass die Sozis duzen, das ist doch lang genug bekannt. Einfach zurücksiezen. Wenns ein Unsympath ist, das Siezen ganz besonders betonen. Aber sich drüber aufregen? Contenance!

  81. @Georgina Darcy: Auf Service...
    @Georgina Darcy: Auf Service kann man gespannt sein; seit den 1950er Jahren sind wesentliche neue Quellen erschlossen worden (gerade auch nach 1989) und Service bringt eine ganz andere Perspektive als Deutscher zur Sache.
    @ebs: Da Sie wohl mit diesem unangehmen Zeitgenossen weiterhin beruflich zu tun haben werden, sollten Sie ihn besser nicht zum Todfeind machen. Konsequent den anderen Siezen ist eine Moeglichkeit, das Ganze gelassen hinnehmen (siehe Eiche und Sau, schoenes deutsches Sprichwort!) oder wenn der Andere beim Bier das Du anbietet, annehmen, um des – wie von Ihnen schon gesagt – lieben Betriebsfriedens wegen. Privat kann man unangenehme Menschen meiden und auch zurueckstossen, dienstlich muss man oft mit ihnen zusammenarbeiten und sollte diese lieber nicht aergern, das ist der Sache nicht dienlich.
    @Devin08: Dann lesen Sie doch mal (wieder?) Gustave LeBon und Ortega y Gassett zu den Massen, oder auch Walter Benjamin. – Da Sie sich fragen, ob Sie Stalin verehrt haetten, haetten Sie zu seiner Zeit gelebt, die Gegenfrage, wie haetten Sie sich wohl gefuehlt, als Stalin den Pakt mit Hitler August 1939 schloss? Waeren Sie dann nicht auf die Seite Trotzky’s und der 4. Internationale uebergeschwenkt?
    @Prince: Auch hier die Frage, ob man den „jungen Kameraden“ aergern will oder nicht. Immerhin, er ist ein Kamerad von Ihnen. Ansonsten die Rueckfrage, „Wieso moechten Sie dass denn wissen?“, aber wie gesagt, unter Kameraden kann man Duzkomment vielleicht doch verzeihen, auch wenn es plump sein mag. Er kommt vielleicht gerade von einem „motivational leadership training“ wo man „Formlosigkeit“ eingepeitscht hat.

  82. Von Surrey nach Frankfurt. Es...
    Von Surrey nach Frankfurt. Es ging mal die Rede, das Autos englischer Herkunft, besonders die betagteren, zwischen den Ausfahrten längere Ruhepausen brauchten. Auch, dass sie öfter in der Werkstatt anzutreffen seine, als an der Tankstelle. Die Rede war in erster Linie von Jaguars, aber man könnte schnell den Eindruck bekommen, das träfe auch auf andere Fabrikate zu. Viel Glück, es wäre wirklich schade um das kleine Schmuckstück.

  83. ebs, gar kein problem. man...
    ebs, gar kein problem. man ueberhoert es einfach und wendet sich – nicht unmittelbar, aber nach zwei, drei saetzen – ganz selbstverstaendlich in direkter anrede an das gegenueber – und zwar in der form, die einem adaequat erscheint. – nur wenn man es mit knallchargen vom type berlusconis zu tun hat, kann man etwas direkter werden. am besten allerdings unter vier augen oder durch uebermittlung von dritten. auf oeffentlich ausgetragene machtkaempfe sollte man sich nicht einlassen.

  84. Werter Herr abf!
    Bitte...

    Werter Herr abf!
    Bitte erzählen Sie, wie Silvio berlusconi denn so ist, wenn man ihn persönlich trifft.
    Ich kenne ihn leider nur aus Zeitung und Fernsehen; da kann man sich kein vollständiges Bild machen.
    Haben Sie ihn als PdC oder Privatman getroffen ?

  85. über Matecki:
    Er hat sich...

    über Matecki:
    Er hat sich selbst auf den Dienstgrad reduziert, ist sich, wenn auch selbstbenannt, damit treu geblieben, diesmal auch wieder „schneidig“.
    Empfohlener Tagesbefehl: Kameraden, distanziert ablachen!
    p.s.
    wär schon mal interessant, was der Kamerad ablesen durfte

  86. don fernando, das war halb...
    don fernando, das war halb privat, halb beruflich. seit jahren pflege ich den schoenen ausgleichssport des paparazzo. feine sache. der kick stimmt und die bildnerisch gestalterische dimension kommt auch nicht zu kurz.
    hat man sich an den sicherheitsbeamten einmal vorbeigerobbt, geht es in berlusconis anwesen eigentlich recht rustikal und zwanglos zu.

  87. Ein weiterer vorzüglicher...
    Ein weiterer vorzüglicher Beitrag von heute ist auch der von Jan Grossarth auf FAZ.net:
    http://www.faz.net/s/Rub501F42F1AA064C4CB17DF1C38AC00196/Doc~EAD0683C2039D4B77B6C7CDC6FDF4A4BF~ATpl~Ecommon~SMed.html
    http://www.faz.net/s/Rub501F42F1AA064C4CB17DF1C38AC00196/Doc~EAD0683C2039D4B77B6C7CDC6FDF4A4BF~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    Mein Kompliment an den Autor und an Herrn Stollwerk.

  88. dabei faellt mir ein, meine...
    dabei faellt mir ein, meine freundin hat ihn tatsaechlich mehrfach getroffen. beruflich. in seiner funktion als tv-magnat. – er ist tatsaechlich, wie man ihn erwartet, sagte sie. – ne knallcharge.

  89. Stalin, der großrussische...
    Stalin, der großrussische Chauvinismus, die USA und die Antihitlerkoalition
    @CaoKy: Oh, Ortega müssen Sie mir nicht entgegenhalten, den zitiere ich selber gerne, wie auch schon geschehen in Strobls Blog („Wenn sie ihre Lieder singen/Immer ein Ausweg“, http://blog.herold-binsack.eu/?p=284). Genau seine Analyse ist es, die mir deutlich gemacht hat, dass „die Massen“ kein Phänomen, keine vernachlässigbare Größe, sondern eine historische Entwicklungstendenz sind. Eine Tendenz, die nicht von ungefähr mit dem Kapitalismus, der Massengesellschaft, der Gesellschaft, der Vergesellschaftung überhaupt, zusammenfällt.
    Mit dem Hitler-Stalin-Pakt hat das Phänomen Stalin-Trotzki nichts zu tun. Ich verurteile diesen Pakt, insofern es sich tatsächlich um einen Pakt handelte. Man muss die Sache ein wenig zerlegen. Stalin wollte eine Front gegen Hitler, schon sehr früh. Mit München begriff er aber, dass der Westen die Faschisten gegen die SU zu lenken, ja gerade zu ködern suchte. Ganz besonders England war daran interessiert. England war sogar bereit Frankreich dafür zu opfern (siehe auch Churchills: „Ich glaube wir haben das falsche Schwein geschlachtet“). Das hätte auch beinahe funktioniert, wenn Stalin nicht diesen Pakt, der ja als Nichtangriffspakt gedacht war, mit Hitler eingegangen wäre. Soweit betrachte ich das Vorgehen Stalins – unter diesem Motiv – noch nachvollziehbar (wenn man so will, schloss auch Lenin einen Pakt mit dem wilhelminischen Deutschland, um der russischen Revolution überhaupt erst den Weg zu öffnen). Auch die Teilung Polens war unter der Bedingung, dass die Sowjetunion damit die Front – zeitweilig – nach Westen verlagert, noch akzeptabel. Der Verlauf des Krieges zeigte, wie wichtig manchmal nur 100 km waren. Alles Weitere war definitiv ein Verrat an der kommunistischen Sache, wie auch am polnischen Volk. Es war Ausdruck jenes großrussischen Chauvinismus, wie ihn Lenin zum Beispiel gerade Stalin des Öfteren vorwarf.
    Und von da an sollte dieser großrussische Chauvinismus überhaupt die In- und Außenpolitik der Sowjetunion beherrschen. Er beherrschte auch teilweise den Charakter der Antihitlerkoalition. Die sich im Klassenkampf befindenden Arbeiterklassen dieser Front wurden ausschließlich durch diese Brille gesehen. Die Klassenkämpfe zum Beispiel streikender Arbeiter in den USA gegen das US-Kapital wurden als trotzkistische Verschwörung abgetan (weil die Arbeiter sich gegen die „kriegsbedingte“ zusätzliche Ausbeutung wehrten), ohne begriffen zu haben, dass deren Interessen, wohl mit der revolutionär-sowjetischen, aber nicht mit der Antihitlerkoalition zu 100 % identisch sein können, so das US-Kapital durch diese Koalition eben nicht den Charakter als Ausbeuterklasse verloren hätte. So komplex die Frage auch war: denn selbstverständlich gab es Sabotageaktionen, von prodeutschen/profaschistischen/faschistischen amerikanischen Kapitalisten, wie u.U. auch von Trotzkisten (für letzteres fehlen mir allerdings die Beweise!), wie überhaupt von Antikommunisten – das lag auf der Hand. Es wäre Sache der Kommunistischen Partei der USA gewesen, hierin Klarheit zu schaffen. Allerdings waren die in den USA, auch und gerade zur Zeit der Antihitlerkoalition unterdrückt, verboten. Es hätte also an den USA gelegen, durch eine Legalisierung der amerik. Kommunistischen Partei , für Klarheit zu sorgen. Aber genau das wollten sie nicht, die Herren des Kapitals. Sie wollten beides: Antihitlerkoalition und Antikommunismus! Und sie fürchteten den sowjetischen Einfluss mehr als den deutschen Faschismus!
    Auch gewisse Aktionen, wie zum Beispiel die mit den Engländern im Iran, zwecks Sicherung des dortigen Öls, sind im Nachhinein als falsch zu beurteilen. Die russisch-revolutionäre Sache wurde damit extrem beschädigt, imperialistisch beschmutzt. Stalin betrachtete alles und ausschließlich unter dem Aspekt der Versorgung der Front. Auch die dem Krieg folgende Weltaufteilung war eine Katastrophe, denn sie diente nicht der Verbreitung des Sozialismus, sondern seiner Desavouierung, seiner Zerstörung, wie ja nun zu erleben war.
    Hätte Stalin nach dem Ende des 2. Weltkrieges die russisch-polnische Grenze wieder hergestellt, so wie sie vor dem Krieg war, wäre das in Ordnung gewesen. Wäre das ein Beweis gewesen, dass er den Krieg nicht zu nutzen gedachte, für großrussische Interessen. Der sog. polnisch-russische Vertrag war eine Farce, da klar war, dass die polnischen Kommunisten definitiv keine Wahl hatten.
    Aber am aller übelsten war Stalins Überrascht sein bzgl. des dann doch deutschen Überfalls der Sowjetunion, so als hätte er wirklich geglaubt, dass die Deutschen Wort zu halten gedachten. Diese Überraschung machte deutlich, dass er diesen Pakt beim Wort nahm, ihm mehr beimaß als er war – Zeitgewinn. Auch seine Aussagen auf den diesem Pakt folgenden Parteitag, waren ein Skandal. Er machte allen Ernstes den Nazis und ihrer Ideologie, ihrem Nationalismus und Rassismus opportunistische Avancen, indem er die „ungelöste nationale Frage“ im Nazideutschland hervorhob. Reine Apologie, unhistorisch und ein Affront gegen die leninistische Theorie vom Imperialismus.
    Es gibt somit keinen Grund, diesen Pakt zu verteidigen, auch nicht im Nachhinein, ob strategischer Gründe – obwohl es die gegeben hat -, wie das die Sowjetunion, auch die nachstalinsche, immer wieder versucht hat zu belegen.
    Nur, wie gesagt, wüsste ich nicht, was das alles mit Trotzki zu tun hat. Um das klar zu stellen: die trotzkistische Linie ist nicht mehr und nicht weniger als linker Sozialdemokratismus, das lässt sich dort nachvollziehen, wo sie politischen Masseneinfluss haben – Frankreich/USA -, somit keine Angelegenheit für eine marxistischen Selbstkritik. Stalins Politik, völlig gleich ob in der Trotzkifrage oder nicht, ist das – eine Frage der Selbstkritik.

  90. Devin08,
    läuft dieses...

    Devin08,
    läuft dieses umfangreiche Rechtfertigen und nocheinmal Nachverbessern wollen nicht gelöster, aber teilweise schon abgehakter Problemstellungen, nicht auf den unerklärten Wunsch nach einem Wiederholungsspiel hinaus?
    Wollte der Don vielleicht nur die Empfindungen anklingen lassen, assoziert mit Teilen von Trotzkis Begrifflichkeiten und der Trotzki möglicherweise zu Unrecht unterstellten Liberalität, ohne, an Masse Ihre schon umfangreichen Konvolute fraglos weit übertreffend, staubtrockene Theorien in ihrer Tiefe ergründen zu wollen?
    Theorieplünderung, Rosinenpicken im Schrotthaufen dieser Geschichte, wäre dieser Ansatz nicht etwas probater, weil menschlichem Verhalten näher?
    Seien Sie doch froh, wenn bei dieser archäologischen Tätigkeit gelegentlich ein Fund, nicht ausgeschlossen z.B. ein kleines Silbergefäß, wieder zu neuem Glanz poliert wird.
    Ob das darin gerinnende, theoretisch fundierte Tauwasser, die Hände zukünftiger Protagonisten dieser geschichtlichen Entwicklung zu reinigen vermag?

  91. Ach ich habe ja nichts dagegen...
    Ach ich habe ja nichts dagegen Tips oder Ratschläge zu geben wenn ich freundlich gefragt werde ( „Wie man in den Wald hineinruft…“).
    Nur ist ein festliches Essen kaum der richtige Zeitpunkt Details einiger chirurgischer Krankheitsbilder zu erörtern. Am besten man übertreibt dann, Motto die verdopplung der Wahrheit gibt die Satire.
    In Östereich (Bundesheer) duzen sich Offisiere (kein Vertipper sondern der Versuch die Sprachlichkeit der Kameraden nachzuahmen) grundsätzlich. Das stammt aus der Zeit als man oft genug familiär versippt war. Die Nutzung des du geht aber in aller Regel mit dem Gebrauch der Anrede per Dienstgrad einher, ein Rest Förmlichkeit (und damit Distanz) wird also gewahrt.
    Immerhin mag man ja als Vorgesetzter in die Situation kommen, den anderen in Teufels Küche, also etwa auf Patrouille in Afghanistan zu schicken. Das fällt möglicherweise leichter wenn es nicht personal gefärbt ist. Insofern steckt in solchen Mechanismen von Distanz auch lange gesellschaftliche Erfahrung.

  92. Keine Anekdote
    @codizil:...

    Keine Anekdote
    @codizil: Schön formuliert, nur irgendwie am Thema vorbei, denn der „Glanz“ interessiert mich nicht, auch nicht wirklich die theoretische Substanz, gleich welche, sondern die Möglichkeit auf das aktuelle Geschehen einigermaßen intelligent eingreifen zu können. Ich bin ein viel zu politischer Mensch um mich von semantischen Hüllen blenden zu lassen. In diesem Sinne interessiert mich nicht mal „Geschichte“, sondern diese nur soweit sie im aktuellen Geschehen noch wirkt, also geschichtsmächtig geblieben ist. Das mag dann auf Sie so wirken, als ginge es um überholte, abgehakte, Dinge. Und dabei verstehen Sie offenbar nicht, wie wenig die Gegenwart wirklich ist, ohne die Spur von Vergangenheit, die Verunreinigungen sozusagen vor unserer ganz persönlichen „Mattscheibe“. Daher wiederholt sich Geschichte wohl nicht, aber sie überlebt sich auch nicht so ohne weiteres. Sie bleibt in (ihren) Spuren immer vorhanden, manchmal über ganze Epochen hinweg. Obsolet werden immer nur die Anekdoten. Und wahrlich: Anekdoten waren weder die kommunistische Weltbewegung, noch Stalin, noch Trotzki (ja auch dieser nicht)…, auch wenn das so ein Schlaumeier wie Wehler anders dargestellt haben möchte.
    Was nun gewisse antike Gegenstände angeht, die können wohl bei der Spurensuche helfen, aber sie sind nicht die Spur. Die Spuren können tatsächlich nur theoretisch erfasst werden. Nun, da gibt es verschiedene Theorien, die marxistische ist eine davon, eine die immer geschichtsmächtig. Wie! – das möchte ich ja gerade dokumentieren.

  93. Korrektur: "Nun, da gibt es...
    Korrektur: „Nun, da gibt es verschiedene Theorien, die marxistische ist eine davon, eine, die immer noch geschichtsmächtig ist“, soll es wohl heißen. Ich denke, ich verabschiede mich für heute abend, meine Konzentration lässt nach.

  94. @DA:
    Die Wendriner-Monologe...

    @DA:
    Die Wendriner-Monologe kenne ich sehr gut, und den Revoluzzer von Mehring
    pflegte ich damals, ach wie lang ist’s her, trunken von der liebenwuerdig eines
    Maedchens, auf einem Tisch stehend auswendig aufzusagen.
    Bis man uns Zwei nachdruecklich aus dem Kreis der Revolutionaere entfernte.
    Wir gingen nach Hause, die Cocerti a Due Chori (Haendel) zu hoeren.

  95. So ändern sich die Zeiten:...
    So ändern sich die Zeiten: Ich sitze drinnen, draussen tobt der Mob des „Bürgerfestes“ zu Stampfmusik, und ich höre eine neue CD mit Konzerten von Fasch. Ich werde sozusagen vertrieben.

  96. Nun, morgen wird es bei uns...
    Nun, morgen wird es bei uns soweit sein. Man nennt das in unseren rustikalen Kreisen „Schuttersfeest“, auch „Kermis“. Das ganze findet vor unsrem Hause statt. Die Freude darueber ist durchaus endenwollend.
    Fasch ist schoen. Ueber Audiodata noch schoener. Wenn’s hier ganz arg wird,
    fahren wir nach Koeln. Die neue Douglas-Filiale zu besichtigen. Oder bei Manufaktum keinen Nachbau eines Tiefpfluges kaufen. Ich hab eine Maus auf dem Dachgarten.
    Gott, ist mir fad!

  97. Das Risiko eines jovialen...
    Das Risiko eines jovialen Gelegenheitssatirikers liegt in der Erkenntnis, daß bei Wirkstoffverdoppelung nicht immer die erhoffte Wirkung eintritt, abweichend von geglaubten Weisheiten, eine deutliche Befindlichkeitsstörung näherer Kreise sich der treffsicheren Diagnose kaum entziehen kann.
    Ein vorsichtiger Held gewährt natürlich höflicherweise den Vortritt beim Gang zur Küche, beschränkt sich in Distanz bescheiden auf knappe Instruktion.
    Der Küchenchef wird es schon richten und Auszeichnungen sind erst nach der Mahlzeit angesetzt.

  98. @abf: Ihre Kommentare sind...
    @abf: Ihre Kommentare sind genauso lesenswert, wie des Don’s Betrachtungen. Thanks for sharing!

  99. sehr freundlich, schlange,...
    sehr freundlich, schlange, herzlichen dank. – mir geht es wie jedem in dieser mitteilsamen meute… – i love to share.

  100. und nochmal zu don fernando -...
    und nochmal zu don fernando – ich habe mich fuer sie erkundigt – meetings mit silvio b. sehen ungefaehr so aus: er kommt rein. ueberschwaengliche begruessung in drei halbsaetzen. dann sofort tagesordnung: ausgiebiges flirten mit den anwesenden damen. verliert sich in plauderei. erste erinnerung an zeitplan durch mitarbeiter. silvio winkt ab, breites berlusconi-lachen. … zweite erinnerung an zeitplan. rollt die augen – sklave seiner macht und verpflichtungen… „meine schoenste, wenn irgendetwas in den verhandlungen nicht nach ihren wuenschen verlaeuft, melden sie sich bitte direkt bei mir. – wenn ich ihnen meine bezaubernde stadt zeigen darf, bitte auch.“ abgang.
    ein pausenclown, dem der ganze laden gehoert.

  101. @abf
    Ist das jetzt eine...

    @abf
    Ist das jetzt eine „traduzione“ von Beppo Grillo, aus der Sie nur seine Art von Humor herausgefiltert haben?

  102. Ausflug ins Exotische: nicht...
    Ausflug ins Exotische: nicht nur München leuchtet. Gegen zehn erschien dem geduldigen Leser dieser Visionen die Vision einer Mannschen Schinkensemmel. Oj, ajre Dajges mecht ich woln habn. Auf der Party treffen sich Leute, die einander nichts zu sagen haben, und das tun sie dann ausgiebig.

  103. nein, grimaldeli, das ist ganz...
    nein, grimaldeli, das ist ganz sachliches zeugnis vertauenswuerdiger quelle. – meine freundin hat im filmgeschaeft gearbeitet, da begegnet man den murdochs und berlusconis dieser welt schon mal.
    herzlichen dank fuer den hinweis auf beppo grillo. scheint ein interessanter bursche zu sein.

  104. @abf
    Bei Beppo Grillo muessen...

    @abf
    Bei Beppo Grillo muessen sie auch sehr auf die Zwischentoene achten!
    Der gute Mann ist politisch orientiert, wie viele SPDler und Gruene in der BRD.
    Sein Jahreseinkommen liegt die letzten Jahre immer gut bei 3 mio € (Mancher Blogger traeumt sicher davon)!
    Und, wie hies es so schoen: „Zwischentöne sind bloß Krampf…“
    Er ist nicht anders, als andere Sozial-spezies.
    Wobei ich es ihm ebenso goenne, wie Joschka und dem Herrn, der sich die Haare nicht faerbt.

  105. Lieber Don Alfonso,

    ich...
    Lieber Don Alfonso,
    ich betrachte den Verlauf der letzten Diskussionen mit einiger Sorge. Gegen Ende zeigen sich starke Verfehlungen des vorgegebenen Themas. Von meinen mehr oder weniger geistreichen Einwuerfen ist sowieso abzusehen. Zum Schluss der Party, die Dank Ihnen, immer sehr vielversprechend beginnt, stehen in jeder Ecke des Raumes Kleingruppen mit sehr partikulaeren Interessen, die von Trotzki bis Grillo reichen, Stalin nicht ausschliessen, dabei aber den Basso Continuo, naemlich die Revolution von Oben, den Kampf gegen die Zumutungen der postmodernen Gesellschaft, voellig uebertoenen. Das war auch schon mal anders: ziemlich Vergnueglich und fuer mich Grund genug, nur zu lesen, sich dabei etwas zu denken, und weiterzulesen.
    Das ist keine Beschwerde, bitteschoen, es ist ein Appell an alle Beteiligten. Das es funktionieren kann, zeigt doch die mittelschwere Literatur des fruehen vorigen Jahrhunderts. Wenn wir hier sind, auf diesem Blog, befinden wir uns in einem Salon, mit allen Freiheiten, aber auch mit gewissen Beschraenkungen. Es reicht nicht, einen guten Anzug zu tragen; man muss ihn auch entsprechend fuellen.
    Ich haette noch einen Wunsch, lieber D.A.: Sie gehen, so las‘ ich, gerne in die Oper. Vielleicht haetten sie irgendwann etwas zum Thema Barockoper und Regietheater zu sagen. Ich erinnere mich mit Grausen an Salzburg, Juergen Flimm, den King Arthur van Purcell und Stahlhelme.
    Mit feundlichen Gruessen!

  106. @Filou,
    das habe ich auch so...

    @Filou,
    das habe ich auch so empfunden. Ein wenig Trotzki-Pfeffer und anderes -Salz wirkt anregend, die gelegentliche Überwürzung eher aufregend.
    Aber die Adressaten sollen selbst entscheiden, welchen Weg sie wählen.
    Man kann ja auch ungelesen weiterscrollen, was ich freimütig gestehe.
    Das vorgegebene Thema sollte annähernd weitergesponnen werden.

  107. @Filou: Sie haben Recht...
    @Filou: Sie haben Recht manchmal schweift es etwas vom Thema ab. Jedoch scheint mir dieses blog ein wenig wie eine Mischung aus schöngeistigem Salon, in dem Konversation gepflegt wird, einem Pariser Cafe des 19. Jahrhunderts, in dem die Radikalen die Revolution herbeidiskutierten, und einem Renaissanceschlößchen in den Bergen von Urbino, wo des Abends über Eleganz und Haltung parliert wird. Auch einen Schöngeist lockt es gelegentlich zu politisieren, und auch ein Politico vergnügt sich gern mit kulturphilosophischen Betrachtungen. Variatio delectat!

  108. Deckchen stricken…
    @Filou:...

    Deckchen stricken…
    @Filou: wär die Alternative!
    @Georgiana Darcy: Die Revolution kann man nicht herbeireden, aber man kann sie gut vorbereiten, vor allem dann wohl erst mal geistig. So nebenbei erfährt man was über die Geistlosigkeit eines gewissen Teils der Massen („Massen“ wie bei Ortega).
    @Alle: Ich für meinen Teil, versuche wenigstens das Niveau zu halten, auch die Themen verfehle ich nicht wirklich, es sei denn, das sorglose Plaudern wäre Dons eigentliches Thema, was ich nicht so richtig glaube. Die Metaphorische Ebene scheint mir wohl eher sein Terrain.

  109. @Devin08,
    chapeau zu Ihrer...

    @Devin08,
    chapeau zu Ihrer Versuchsanordnung und weiter so, der Himmel hängt hoch und viele Stufen warten darauf, steigen sie ein wenig, das Niveau wird Ihnen dann schon gelegentlich folgen.

  110. Nun, neben "Paris", "Café",...
    Nun, neben „Paris“, „Café“, Salon“ und „Urbino“ fällt mir auch noch das mittelenglische Wirtshaus in den Canterbury Tales des Geoffrey Chaucer ein, in dem allerdings keine Distanz zwischen Hoheiten und niederem Volk bestand. Der Jesse Venturas gab es unter den Herrschern so einige.
    (Und auch der Don führt gelegentlich Kunstgriffe vor, wie sie der vormalige Gouverneur Minnesotas wohl beim Wrestling einsetzte. Neulich ist ihm dabei ja ein ganzer Thread – vermutlich ungewollt – entglitten und – nicht ohne sein initiales Zutun – zu einem shouting match zwischen Berlinern und Münchnern missraten. Die Vielfalt malediktorischer Paraphrasen einfacher Ortsbezeichnungen war schon staunenswert und konnte gar den Verdacht wecken, der eine oder andere FAZ-Blog-Kommentator habe womöglich bei Reinhold Aman erworbene linguistische Spezialkenntnisse endlich einmal verwerten wollen. Das historische Konstrukt der Bürgerlichkeit steht hernach natürlich etwas nackt da und erweist sich als wohl doch sehr zeit-, orts- und personenspezifisch. Ob man hier wirklich mehr als punktuelle Nachahmung von Hof- und Haupstadtkulturen unterstellen darf? Gewiss hatten Henry James, der viktorianische Roman, Fontane, Mann usw. ihre Realvorbilder, aber eine allgemeine Gültigkeit der ihre artifiziellen Mikrokosmen prägenden Interaktionsnormen für die jeweilige Schicht im jeweiligen Land in der jeweiligen Epoche anzunehmen, erscheint verwegen. Ach, und der Don selbst schillert natürlich mit dem buntesten Regenbogen um die Wette. Es funktioniert ja auch nicht wirklich, sich auf die autonome Existenz einer Kunstfigur berufen zu wollen. Um dementierbar zu werden, muss sie mindestens gedoppelt, gespiegelt und verzwittert sein, damit es dem Autor beim Eintritt ins eigene Werk nie an der Möglichkeit zum Maskenwechsel gebricht…)

  111. Nun, vielleicht könnte man...
    Nun, vielleicht könnte man auch noch jenes Gasthaus hinzufügen, in dem sich die Personen des Heptameron der Margarete von Navarra aufgrund widriger äusserer Bedingungen zusammenfinden.
    .
    Für mich es legitim, wenn der Diskurs eigene Wege geht; ich bin nur der Stichwortgeber, alles andere wäre nicht gerade höflich.

  112. Ach, Devin08.... sein´S doch...
    Ach, Devin08…. sein´S doch net so erbsenzählerisch.

  113. Artifizielle Mikrokosmen, hmh,...
    Artifizielle Mikrokosmen, hmh, hmh
    @Georgiana Darcy: Wenn Sie mitzählen, bleibt’s unter uns. Aber man muss schön aufpassen, wenn da wer einem die Leiter zum Himmel reichen möchte (dodizil).
    @Lehmann: „…aber eine allgemeine Gültigkeit der ihre artifiziellen Mikrokosmen prägenden Interaktionsnormen für die jeweilige Schicht im jeweiligen Land in der jeweiligen Epoche anzunehmen…“ Sind Sie immer so gemein? Der Satz wäre schon „verwegen“ genug, wenn da stünde: …aber eine allgemeine Gültigkeit der ihre gekünstelten Mikrokosmen prägenden Interaktionsnormen…“, weil dann könnte man sich darüber unterhalten, inwieweit solche (welche? Alle?) Normen verwegen sind, stattdessen muss man sich nun Wort für Wort mit dieser verwegenen Semantik rumquälen. Im Übrigen hätte man sich bei dem Begriff Interaktion auch auf Kommunikation einigen können. Zugegeben nicht dasselbe, aber doch zumindest gemeinverständlicher und nicht ganz falsch. Und nun haben wir vielleicht folgende, zugegeben etwas vereinfachende und leicht veränderte, Fragestellung: Gibt es so etwas wie Klassen auch im Habitus (nach Bourdieu), oder zeigen sich im Habitus auch die Klassen (nach Marx), bzw. gibt es überhaupt einen klassenspezifischen Habitus (Lehmann)?

  114. Sind Schichten - ja sogar:...
    Sind Schichten – ja sogar: sind „classes“ (upper, lower, middle) „so etwas wie Klassen“?
    Sind Stände und Milieus (höfische z. B.) „so etwas wie Klassen“?
    Wittgensteins Konzept der Familiennähnlichkeit zufolge müsste es „so etwas wie Klassen“ geben.
    Umrissschärfe erreichen Distinktionen, die wir als Merkmale eines Habitus identifizieren, jedenfalls nicht ausschliesslich durch einen ökonomischen Klassenbezug. Ein Freund erzählte mir von zwei sehr alten Fotos an der Wand eines ebenso alten Clubs in einer kanadischen Grossstadt (Montreal war’s wohl). Eines zeigte laut Bildunterschrift eine Gruppe von „Industrialists“, das andere eine Gruppe von „Financiers“: eine Differenz, die man gewiss nicht als eine solche der Klasse auffassen kann, die aber offensichtlich für tiefliegender gehalten wurde, als der moderne soziologische Rollenbegriff es uns nahelegen würde.
    Nicht, dass ich jetzt so gemein sein und einen Bogen von Marx über Wittgenstein zu Karl Löwith schlagen wollte. Dann müsste ich den bedeutendsten Ökonomen des 19. Jahrhunderts der Religionsstiftung bezichtigen. Die Quellen, aus denen wir unseren Entähnlichungsbedarf decken, dürfte die Marxsche Theorie aber wohl nur höchst unvollständig abhandeln.
    Dass es noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts offenkundig eine nichtbegriffliche Unterscheidung zwischen Industriellen und Finanziers gab, ist für mich ein Faszinosum. Heute reden wir endlos über Real- und Finanzwirtschaft, aber gewiss nicht unter denselben mentalen Voraussetzungen.
    So, hier muss ich einen Punkt machen – sonst beginne ich noch über Wortpaare wie Egalitarismus vs. Nivellierung und Kultur vs. Barbarei zu meditieren. Ausserdem fürchte ich mich vor meinem eigenen kantianischen Radikalismus. (Der würde Barbarei als das durchs Sein bestimmte Bewusstsein definieren – dabei ist es doch viel bequemer, es kurzerhand in Kultur umzudeuten. So kommt doch auch manche Stütze der Gesellschaft viel leichter durch den Tag.)

  115. Wir empfinden schon seit ein...
    Wir empfinden schon seit ein paar blogs, dass einmal jemand daran erinnerte, dass tatsächliche Aristokratie, Hocharistokratie zumal, wie bekannt niemals Stellung nimmt zu den Belangen des Volkes. Und niemals Auskunft gibt über Unterschiede. Am Beispiel: Die Queen schweigt. Zu ungefähr allem, was das Volk macht.
    .
    Es sei denn, sie würde von Vertretern des Volkes darum gebeten, etwas zu sagen. Und auch in dem Falle ließe sie sich beraten, eben was denn die Vertreter meinen würden, was angemessen wäre und was das Volk hören wollen würde. Und sie ist mit weiteren, gar eigenen Gedanken, äußerst sparsam. Am besten gar nicht. (Nur bei Ausnahmen (wie bekanntermaßen anläßlich Di’s Tod) darf, muss es anders sein.). Schließlich hat das Volk kluge Vertreter, die wissen schon, was gesagt werden soll. Und sind die klugen Vertreter mal nicht so klug, dann schweigen ihre Majestät weiter eisern, und dann wissen die klugen Vertreter „Aha, Ihre königliche Hoheit meinen „so gut war das nicht, und wir sollen noch mal mit einem neuen, verbesserten Vorschlage kommen“. Und dann kommen sie nochmals. Und ggfls. auch noch nochmals. Solange, bis Majestät, statt zu schweigen, huldvoll lächelt.
    .
    Und entblöden sich Prinzen (gesteigert: Kronprinzen!), das Volk – und gar in Schriftform – über „Den Guten Geschmack beim Häuslebauen“ belehren zu wollen, dann sind zu Recht alle Experten und mit ihm das Volk los: So gehts nicht. Völker bauen, wie sie bauen, und wie sie können, und wie sie guten Geschmack auf ihre Art und Weise verstehen. Und das kommentieren unter den Aristokraten nur die Dummen, oder die, die eben keine sind — so doch wohl die ehernen Gesetze.
    .
    .
    Wie gesagt: Ich möchte keinen Blog von Don Alphonso misssen, habe aber schon des öfteren diese Art Vorbehalte gehabt.
    .
    .
    Nachtrag. Was dann logischerweise noch zu schlussfolgern bliebe: Entweder Aristokratie wäre heute so marginalsiert „bei uns in Mitteleuropa“, dass sie es nötig hätte, in Form solcher blogs nach sich selbst zu fischen – oder es handelt sich um keine solche.
    .
    Besonders, wenn man für einen möglichen Eintritt, eine Aufnahme in tatsächliche Aristokratie werben wollte, wäre dies ein sehr notwendiger Beitrag: „Zum „von“ durch „Benimm““ sozusagen.
    .
    .
    Ich fand alles aber auch so sehr angenehm und erfrischend, eben auch, weil jedes Wort wahr und uns an frühere, ähnliche und auch unangenehme eigene Ereignisse erinnernd.
    .
    (Fast überflüssig zu sagen: Inzwischen hat sich unser Leben verändert. Begegnen solchen eher nicht mehr. Lassen sie unter sich. Schweigen auch schon mal gleich. (Körpersprache äußerster Courtoisie als angenehm und angebracht empfunden). Deren Zumutungen eigentlich ja eben auch Hilfeschreie sind: „Begrenze mich, setze mir Schranken, ich kann es nicht selbst und habe es auch nicht gelernt.“ Und so wird, wie bekannt, aus der Not eine Tugend gemacht: Die Pseudoziele und angebliche objektive Notdurft, die zu solchem Verhalten behautetermaßen „zwingen“, sind bloß die Vehikel des Selbstbetruges.)

  116. ...
    „Entähnlichungsbedarf“
    Das ist aber jetzt ein wenig sloterdijksch. Der Begriff setzt einen subjektiven Willen voraus, sich mit anderen nicht vergleichbar machen zu willen, wo doch der Zweck der Klassenanalyse die Vergleichbarmachung ist. Mag sein, dass da Marx ziemlich ignorant gegen den Willen strömte, sodass er völlig übersah, wie wir uns im Alltag so verhalten, nämlich dass wir möglichst ein Original bleiben. Wie sehr das Selbstbetrug ist, erklärt uns dann unser ökonomisches Verhalten zueinander, mittlerweile sogar die Neurowissenschaft, auf jeden Fall aber unser Konsumverhalten.
    Da strömt die Masse, reichlich unbeeindruckt durch des Nachbarn Einkaufstüten in denselben Laden. Aber das wäre noch nicht der Tiefe genug. Die Klassen bestimmen sich in ihrer Stellung im Produktionsprozess zueinander. Und auch das hat herzlichst wenig mit unserer Befindlichkeit zu tun, unserem Wunsch nämlich möglichst aristokratischer als unser Nächster zu sein. Diese Matrix ist noch ignoranter als der alte Marx. Wie Bleisoldaten marschieren wir da auf, schön der Reihe nach und noch nicht mal im Konzert, eher wie ein Pfeifkonzert – lauter Pfeifen.
    In der Tat, die früheren Klassen, waren nicht so richtig Klassen, ob des Fehlens einer eindeutigen Beziehung im Produktionsverhältnis, ob des Fehlens eines Verhältnisses überhaupt. Sie waren aber Klassen in Bezug auf die Eigentumsverhältnisse. Besitzer – Besessene, letztlich. Wer den Zehnten zu entrichten, und wer ihn empfing, das machte Klasse(n) aus.
    Und im Übrigen: Das der Industrielle und der Financier nicht ganz gleich betrachtet wurden, Anfang der vorletzten Jahrhundertwende, hing womöglich noch an altem Standesdünkel/altem Glauben/ein wenig Antisemitismus womöglich. Wer wollte schon ein „Wucherer“ sein.
    Heute ist Wucherer längst überholt, man wuchert nicht, man scheffelt nicht mal, man ist auch nicht ein Bankier, man entähnlicht sich zur zu gewissen „Bad Banks“ – gelegentlich, denn man verkauft Investments, Zertifikate, Derivate und all die anderen Glücklichmacher, und macht dabei 25 % auf die Kapitaleinlage, selbst in der Krise. Man ist die neue Aristokratie, vielleicht die einzige Klasse unter den Klassen, die sich entähnlicht hat – in jüngerer Zeit. Und die Juden sind nicht mehr so wichtig. Gar eine verschwindende Minderheit. Eine ihrer Banken wurde jüngst gar abgewickelt. Wozu da der ganze Dünkel?
    Man ist sowieso von an all den anderen entähnlicht, denn diese werden sich immer ähnlicher, sie prekarisieren, wie es so schön neusoziologisch heißt, sogar über die Klassen hinweg, der Don weiß es zu bezeugen: wie Proleten benehmen sie sich jetzt schon.

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