Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Wertezerfall beim Weintraubenessen

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Es sind nicht die Abendkleider und die Lackschuhe, die das Wesen der besseren Gesellschaft ausmachen; es ist nicht der Drittwagen und das Fünfthaus, und auch nicht die Sorge, dass das Kind einmal nicht Chefarzt werden könnte. Den Wesenskern der besseren Gesellschaft machen vielmehr jene Symbole aus, die für Dominanz und Beherrschung stehen, und die fraglos akzeptiert und geachtet werden. Allerdings sieht es heute gar nicht mehr so gut aus mit diesen Symbolen. Trauben etwa werden heute nicht mehr widersprúchslos in jener Art gegessen, wie es früher Anstand und Sitte verlangten.

Und sie kamen bis an den Bach Eschkol und schnitten dort eine Rebe ab mit einer Weintraube und trugen sie zu zweien auf einer Stange.
Moses, 4. Buch

Wenngleich ich auch eintrete für Ordnung auf den Strassen und gegen Müllimporte der ökonomischen Globalisierung, obwohl die beste aller möglichen Welten in meinen Augen das alte Westdeutschland ist, das sich nicht um ostdeutsche und andere afghanische Angelegenheiten kümmern muss, und hier wiederum jene Klasse, die sich auch nicht um die anderen Klassen kümmern muss; wenn ich also wirken mag, als sei ich nachgerade nostalgisch, veraltet oder gar reaktionär – so bin auch ich nur ein Produkt des Zerfalls einer Schicht, die es bald in der mir bekannten Form nicht mehr geben wird.

Denn die Zielstrebigkeit der besseren Gesellschaft, eine eben solche zu sein, erschlafft, verliert an Kraft und wird porös wie überdehnter Gummi. Gut 200 Jahre lang, vom Wiener Kongress bis zu den alten Tanten, die heute noch wissen, was man tut und was nicht, dauerte dieser Zustand an, er erschuf sich seinen Wertekanon und Bücherwände, seine genau überwachten Abgrenzungen und ungeschriebenen Gesetze, die um so schärfer befolgt wurden, je weniger sich andere dagegen wehren konnten. Aber selbst im alten Westen hält der Verfall der Sitten Einzug, und da muss man erst gar nicht nach Scheidungen oder Patchworkfamilien fragen. Nein, die schiefe Ebene vom respektierten Vertreter der Gesellschaft über die Grattler und Asozialen bis zum Berliner wird schon in jenem Moment beschritten, da Menschen wie ich an den Weintrauben vorbeikommen, eine pflücken und sie essen. Einfach so.

Bild zu: Wertezerfall beim Weintraubenessen

Zurück bleibt also eine kahle Stelle in der Rebe, eine garstige Protuberanz im Früchtekorb, der in Wohnzimmern und Gängen den Besuchern zeigt, dass es hier niemandem an etwas mangelte. Jeder, der wollte, könnte sich etwas nehmen, sagen die Silberschalen, die – wer ko, der ko – vollkommen unter der süssen Last verschwinden. Aber das tut natürlich niemand. Man pflückt nicht einfach so eine Traube und hinterlässt das Angebinde in diesem angefressenen Zustand.

Die Pflicht ist eine andere: Wenn man denn tatsächlich von der Rebe nimmt, dann gleich einen ganzen Ast, den man stets zuoberst vom Stiel abbricht. Mit diesen Trauben geht man bitteschön in die Küche, wäscht sie erneut – es könnten ja Fliegen daran gewesen sein, trotz aller Vorsicht – legt die feuchten Trauben auf einen Teller – schliesslich ist man ja kein Barackler – und isst sie von dieser Stelle aus. Hat man das ein, zweimal gemacht, und die Stiel ragt evident kahl aus der Natura Morte empor, geplündert und ärmlich wirkend, holt man die Schere und schneidet ihn wieder kurz zurück. Schon stimmt die Optik wieder.

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Ich kenne diese Theorie, weil sie mir in der Praxis immer und immer wieder verkündet wurde. Ich gab sehr oft Anlass dazu, denn mein Betragen war immer von kurzfristigen Begierden und nie von langem Stilwollen geprägt. In der Regel pflückte ich die oberste Traube, und wenn meine Mutter es bemerkte, gab ich meinem Vater die Schuld, dem dergleichen auch hin und wieder passierte. Um die Weintrauben wurden zähe Schlachten geschlagen. Der einen Seite, geprägt vom Opportunismus, war das Aussehen eher egal, und die andere argumentierte, so mache man das nicht. Letztendlich übernahm ich das Rupfen, und die andere Seite die Arbeit mit der Schere.

Noch grösser ist der Fauxpas, wenn man die Rebe vor der Präsentation nicht prüft. Jede gute Gastgeberin weiss, dass sich Fäulnis und unschöne Stellen an den Trauben finden können, die man beim Einkaufen übersieht. So, wie jede bessere Familie damit leben muss, dass eine Urgrosstante über einen beträchtlichen Verschleiss an Männern niederer Stände verfügte, hat auch jede Rebe ihre Fehlentwicklungen, und die gilt es auszumerzen. Man stelle sich nur vor, Besuch würde entdecken, dass die Familie kein makelloses Obst präsentierte. Sofort stünden ungeäusserte Fragen im Raum wie „Kann die das nicht besser“ oder „Haben die sich beim Versuch der Steuerersparnis mit zu grossem Hebel beim falschen Fonds eingekauft, dass die Minderwertiges präsentieren müssen?“. Oder gar „Sollen wir wieder gehen?“

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Es ist das Wesen der bürgerlichen Gesellschaft, diese Perfektion der Natur aufzudrängen, wie sie sich auch ihre eigene Natur so weit als möglich verkneift, wie man despektierlich über Geschiedene spricht, missratene Zöglinge in Schweizer Internaten zwischenlagert und eben so tut, als gäbe es mit dem Eintritt in diese Gesellschaft weder faulige Makel noch unbeherrschbare Gier. Die Weintrauben der besseren Gesellschaft waren ein Symbol für die perfekte Beherrschung äusserer Fehlentwicklungen und innerer Triebe, bis sie dann nach einer Weile zerlegt, gewaschen und als Nachtisch serviert wurden, um der nächsten Rebe den Platz in den Silberschalen zu überlassen. Es geht die Legende, ein Römer hätte dereinst eine Grenzlinie in den afrikanischen Sand gezogen, und niemand habe es gewagt, sie fürderhin  zu überschreiten. Die unberührte Rebe ist nicht weniger als der Beweis für die Aufrechterhaltung von Zucht und Ordnung, die unausgesprochen wirkt. Oder besser – sie war es.

Denn vom Status der letzten vier, fünf, sechs Generationen, die das so hielten und weitergaben, breche ich schon ab und stürze an die 400 Jahre zurück in die Vergangenheit, die sich weniger beherrscht hat. Nahmen die früheren Generationen das Stillleben, das Natura Morte wirklich todernst bis zur Totenstarre, lasse ich die fauligen Früchte an den Reben. Ich drehe sie so hin, dass man sie sieht. Ich rupfe auch gnadenlos an sichtbaren Stellen. Der Stiel meiner Reben ist nicht weniger lang als beim Früchtekorb von Caravaggio. Ich mag es, wenn an allen Ecken und Enden der Zerfall sichtbar wird, ich kaufe gern krumme Gurken und poliere nicht jeden Kratzer aus dem Nussholz. Bei mir sind die Weintrauben nicht mehr Symbol der Beherrschtheit, sondern Ausweis des Niedergangs und der Lasters.

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Nun bin ich Kulturhistoriker und wohne in einem Haus des Baujahres 1600, also im Entstehungsjahr der Kunstgattung mit all ihren welkenden Blumen, den angeschnittenen und trocknenden Zitronen und aufbrechenden Granatäpfeln, mit Fliegen, Käfern und toten Tieren; ich kann mich herausreden auf den Ursprung aller Früchtekörbe, die eben nicht gesittet bürgerlich waren, sondern wild, prunkvoll und schäbig zugleich, wo Silber achtlos zusammengeworfen wird und der billige Fisch neben dem teuren Hummer liegt, ich kann vom Reiz der Fäulnis erzählen und vom ewigen Übergang, der in solchen Ensembles zum Ausdruck kommt, in denen das Hohe niedergeworfen wird und das Banale alle tiefere Bedeutung einnimmt.

Aber es steht ausser Frage, dass ich mich damit vom Höhepunkt der Entwicklung meiner Klasse entferne, in weniger respektable Zeiten. 400 Jahre in 40 Jahren Lebenszeit, was andere in 200 Jahren aufgebaut haben. Das geht schnell. Zieht man eine Linie zwischen dem Plateau, auf dem meine Vorfahren stehen, und mir und meinen abgerupften Stengeln, wird es allenfalls ein Jahrhundert dauern, bis sich unsereins wieder wie ein durchschnittlicher Vorstandvorsitzender eines DAX-Konzern daneben benimmt. 110 Jahre nur trennen uns vom Affen auf dem Baum, und in 500 Jahren werden auch unsere Nachkommen in Berlin Mitte vegetieren und nichts dabei finden, in den angesagten Boazn bei überteuertem Billigfrass von schlecht gelauntem Personal mies behandelt zu werden, während man nebenan Werbern und PR-Leuten den Napf nicht unter, sondern auf den Tisch stellt. Schrecklich. Deshalb greife ich übrigens, wenn Gäste kommen, nicht nur zu Silber und Feuer und Kristall und Kerzen, sondern – auch zur Schere. Man muss unter dem Funkeln der Lüster und im wohligen Gleissen der Polkappenabschmelzer wenigstens den Anschein und die Tradition wahren. Und wehe, einer würde es wagen und eine Traube… man kann mit Scheren nicht nur Stiele kappen…

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Begleitmusik: Bei all dem sollte man nicht übersehen, dass die Weintraube tatsächlich eine Frucht des Exzesses und der Enthemmung ist. So soll der Sänger Orpheus von Mänaden, den berauschten Anhängerinnen des Bacchus und Mütter aller Malletouristen, im Suff erschlagen worden sein. Claudio Monteverdi war ein stilvoller und gesitteter Komponist, und hat 1607 die Sage rund um den Sänger und seine – letztlich gerettete – Frau Eurydike mit einem guten Ausgang und noch besserer Musik versehen. Bei k617 gibt es eine etwas ältere, aber sehr feine Liveaufnahme dieser bahnbrechenden Oper zu einem wirklich günstigen Preis.

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103 Lesermeinungen

  1. Don Alphonso, diese...
    Don Alphonso, diese Perspektive, an einem Detail eine ganze Welt zu erkennen, gefällt mir sehr. William Blake hat dazu das passende Gedicht geschrieben:
    To see a world in a grain of sand
    and heaven in a wild flower
    to hold infinity on the palm of your hand
    and eternity in an hour.

  2. Wie ist das mit Rosinen? Kann...
    Wie ist das mit Rosinen? Kann man die als feiner Mensch ausnahmsweise aus der Tüte naschen oder ausschließlich nur im Hefezopf?

  3. Lieber Don, mit diesem Text...
    Lieber Don, mit diesem Text kommen wir auch zum Kernproblem unserer Zeit: Nämlich der Schwierigkeit, gutes Hauspersonal zu finden. Denn sobald die Hausfrau selber mit der Schere in der Obstschale herumhantieren muß, hat im Grunde schon die DDR gesiegt.
    Aber vielleicht können Sie mit Ihrem Erfahrungsschatz ja ein paar Hinweise geben? Vielleicht in Ihrem nächsten Text? Wie lösen Sie das Problem?

  4. Georgina Darcy, danke, aber...
    Georgina Darcy, danke, aber mitunter ist diese Welt tatsächlich so eng, dass sie in ein Sandkorn passen würde. Aber davon versteht das Pack der Journalisten natürlich nichts, die gleuben, sie wüssten, was Reichtum wirklich ausmacht und wie man ihm huldigt. Einen Mercedes kann jeder Depp kaufen, aber diese Erfahrung hat eben nicht jeder.
    .
    missino, nun, natürlich gehörte das Klauen von Weinberl beim Apfelstrudel machen zum Sport, aber so richtig akzeptiert ist es auch nicht.

  5. Hansmeier555, bei uns gab es...
    Hansmeier555, bei uns gab es Aufsichtspersonal, das hinter mir mit der Schere hergelaufen ist. Ich bin die erste Generation, die dergleichen nicht mehr hat, aber als Bachelor wäre alles andere Verschwendung. Aber natürlich wartet man nicht, wenn man eine Fehlstelle entdeckt. Man schneidet und weist anschliessend zurecht. Würde man das nicht mehr tun, wäre man wirklich bei Hoyerswerda.

  6. Ma gab sich Mühe bei jedem...
    Ma gab sich Mühe bei jedem Schritt die Richtung zu halten und die weiteren Schritte vorzubereiten.
    Das Haus wurde vom Keller zum Dach gebaut und die Form des Daches war in der kellergestaltung schon vorbestimmt und eingeplant.
    Man gab Geld aus, daß zuvor verdient wurde und man gab Geld aus, damit man neues Geld verdient. Wer verdienen will, muss investieren. Wer investiert muss Plan B und C bereit haben, flexibel sein situationsbedingt handeln.
    Das Leben ist ein ewiger Krieg in dem man plant, seine Recourcen in Stellung bringt und weiss, nach dem ersten Schuss ist alles Planung wertlos, denn nur die Geschwindigkeit der Entscheidungen und die Durchsetzungskraft der Grundidee wird die Schlacht schlagen.
    Ja „gehabt hat“ klingt ganz übel. Heute ist der König der den nächsten Schritt plant. Ein Weg ist kaum noch vorstellbar.
    Hätte Porsche einen Plan B und C gehabt wäre man der David aus der Sage gewesen, nicht die erschlagene Mücke, die nur einfältig Aufmerksamkeit erregte.
    Der Gedanke an das, was die Entscheidung von heute, im Morgen erzwingt wird heute gerne verdrängt.
    Schulden machen ist nicht schwer, Schulden begleichen dagegen sehr.
    Anderen etwas für teuer verkaufen und für sehr billig zurück mieten, ohne zu bedenken, daß der Sachwert gerade den Besitzer gewechselt hat und nicht ersatzbar ist ……. ist deutsch geworden. Es gewinnen alle haben sie geraunt und bezahlten die Zeche am Ende so vorhersehbar wie der Tag nach der Nacht kommt.
    Der Geldadel von heute, ist kurzatmig geworden. Man hat immer noch die Grundversorgung fest im Griff. Essen, Trinken und Unterhaltung sind Jahrhunderte erprobte Einnahmequellen. Aber geblendet von Renditeversprechen der Geschäftsführer und Banker treiben sie ein Spiel das eine Frage offen läßt. Wer zahlt am Ende?
    Die Bank gewinnt immer. Der Geschäftsfüherer hat nochts zu verlieren und gewinnt wie die Bank am Geschäft und seinem Nennwert. Wer bleibt? Die Erbin, die Milliarden hatte und nun Angst vor der Armut hat?
    Der Medienkonzern der diesen Geschäftsfüherer unittelbar vor dem coup de grace abfing und in die Wüste schickte?
    Die Wahrheit ist ernüchternt und simpel. Es zahlt wer auch immer das Geld hat. Zuerst die Politiker, weil sie am wenigstens kämpfen um das Geld, es gehört ihnen ja nicht.
    Dann die Masse, weil sie sch nicht wehren kann.
    Dann kommen die Mittelschicht unddie Kleinvermögen, weil sie leicht zu erreichen sind und die Absicherung durch permanenten Rechtsbeistand und persönliches Wissen um Rechte und Pflichten fehlt.
    Die Kunst ist der Ausdruck ihrer Zeit. Jede Zeit bringt ihre Kunst hervor und diese Kunst zeigt den weiteren Generationen wer man war.
    Die Ägypter die Pyramiden.
    Die Griechen die Ethik.
    Die Römer das Militärwesen.
    Das Mittelalter das Kriegshandwerk.
    Die Neuzeit den Beweis das Gott den Menschen zu wenig Gehirn mitgab.
    Die Kunst jeder Epoche zeigt, was die Menschen jeweils brauchten und wollten. Was brauchen und wollen wir?
    Ich meine das ganz ernst. Essen, Trinken, Verdauen und „mein Haus, meine Frau, mein Auto“ kann doch nicht alles sein.
    Wir leben in einer Zeit in der alle alles können. Zumindest kann jeder alles ein wenig. Aber nur extrem wenige können eine Sache richtig und ein paar ausreichend.
    Wer eine Sache richtig kann, ist die Spitze. Es wäre schön, wenn in Deutschland wieder mehr Gemeinwesen da wäre damit sich daraus Spitzenleistungen entwickeln können.
    @ Don Alfonso: die Ex-DDR ist Deutschland. Wir beanspruchen das die Siebenbürger Sachsen Deutsche sind. Die sind seit etwa 300 Jahren in Russland. Es kann ja nicht gut sein, daß 42 Jahre Trennung da einen Schlußstrich darstellen. Die Preußen haben Bayern ja schliesslich 1848 auch in den Bund aufgenommen und das Bayern immer noch Ausland ist, sollte uns Warnung genug sein.
    In diesem Sinne schönen Sonntag allen

  7. "die Ex-DDR ist Deutschland."...
    „die Ex-DDR ist Deutschland.“ Nein. Sie ist ein Teil von Deutschland. Aner Deutschland ist gross, und die Realitäten sind höchst unterschieslich. Es gibt ejine Regierung in Berlin für alle und den Osten für viele und den Tegernsee für 30000. Zwischen dem einem und dem anderen gibt es keine Ähnlichkeit. Es könnten genauso drei Grenzen dazwischen sein.

  8. Don, dieser cd-shop, liefert...
    Don, dieser cd-shop, liefert der auch sonntags? Höre sonst zunächst das Requiem von Wolferl – der ärmste soll nun noch an einer Lungenkrankheit zu Tode gekommen sein -, denn bei mir zu Gast wird oft beklagt, man könne Trinkgefäße nicht auf diesem doch augenscheinlich wertvollen Möbel ohne Tischdecke abstellen. Insistierend muß ich verlauten lassen: doch, man kann. Die Fotos belegen: auch Sie kultivieren diesen Habitus.

  9. Man kann zumindest dort...
    Man kann zumindest dort bestellen. Tischdecke, das sehe ich mal so oder so. Prinzipiell muss und kann es auch ohne gehen.

  10. Ach werter Don. Die 30.000 die...
    Ach werter Don. Die 30.000 die den Tergernsee mit ihren Handtüchern einkreisen (sie nennen es Grundstücke) sind doch nur DDR´ler deren Handtücher für Malle zu groß und für Berlin zu klein sind.
    Der sozialistische Weg den Deutschland als Ganzes eingeschlagen hat, macht uns alle zu EX-DDR´lern.
    Zum Glück aber nicht zu EX-Kommunisten oder Stasispitzeln. Der breite Pinsel mit dem die Medien alles und jeden gleich machen tüncht alles zu.
    UNd ja … ein Teil von Deutschland sind sie. Das Volk waren sie und die Masse sind sie nun. Nun kann jeder sagen was immer er will, es hört nur keiner mehr zu und es interessiert auch keinen mehr was da gesagt wird.
    Wir jagen ja alle die perfekte Welle des Dax und den Antizyklus den ausser uns keiner gesehen hat. So wie der Hammster sein Rad dreht.
    Schade ansich … ich mag Weintrauben.

  11. Don, Hermès bietet ab sofort...
    Don, Hermès bietet ab sofort einen Heli-Shuttle mit eigens produzierten Helikoptern an. Damit könnten Sie zu Cristofle jetten, falls Silberschalen für Ihre Weintraubenkultur fehlen. Endlich stilvoll zum Einkaufen!

  12. Oh ja, vielleicht die derzeit...
    Oh ja, vielleicht die derzeit schönste Einspielung des ‚L’Orfeo‘. Hört man Victor Torres als Orpheus bei seinem wundervollen ‚Vi ricorda, o boschi ombrosi‘ zu, wirkt die anschließende Botschaft vom Tod seiner Eurydike um so schmerzvoller. Von den mindestens 18 Opern Monteverdis sind nur drei nebst einer Arie überliefert. Welch großartige Musik mit den übrigen Partituren verloren gegangen sein muß!

  13. Don Alphonso, bei der...
    Don Alphonso, bei der Schilderungen „Ihrer Klasse“ fehlt mir doch ab und zu der Aspekt der Innovation, Ihre Schilderungen wirken mir teilweise etwas zu statisch. Waren Sie es nicht, dessen Familie sich schon in frühen Jahren mit Verbrennungsmotoren fortbewegte? Meine Familie jedenfalls hatte auch das erste Auto in ihrer Kleinstadt, und das war damals sicherlich sehr innovativ und sicher auch nicht überall gerne gesehen.
    .
    Es ist eben auch das Besondere der bürgerlichen Klasse, nicht nur die Traditionen zu pflegen und zu bewahren, sondern gleichzeitig auch sehr innovativ zu sein. Dies geschieht nicht unbedingt durch die gleichen Personen; aber es sind ja zum Beispiel auch Sie persönlich, der als bürgerlicher Sproß zwischen all seinen Silberkännchen und Torten mit seinem Notebook einen Blog betreibt – Ihre Mutter oder Tanten hingegen versuchen, nebst anderen Dingen, den richtigen Stil der Obstkörbe zu bewahren. So ähnlich ist das auch bei uns.

  14. ach ja, les querelles...
    ach ja, les querelles allemandes.
    .
    für einen ossi war die ddr deutschland. die brd war der klassenfeind und ist es noch. für einen ossi ist ein wessi kein deutscher. nicht alle ddr-bürger sind ossis, nicht alle im beitrittsgebiet geborenen sind keine ossis.

  15. ambivalenz:
    feine...

    ambivalenz:
    feine beitragsbrosche zum sonntag
    und doch die frage:
    wozu die verherrlichung des tegernseebollwerkes?
    .
    .
    weintraubenrudimente werden auch am weißen hirsch (dd) per schere beschnitten.

  16. wenn jetzt das bürgertum...
    wenn jetzt das bürgertum seine gesellschaftliche macht, regeln zu bestimmen, verliert, wer ist als nächstes dran? wer bestimmt die in zukunft?

  17. schoener artikel....
    schoener artikel.

  18. Guten morgen Don Alphonso....
    Guten morgen Don Alphonso. Wieder ist Sonntag und ein neuer Sommertag bahnt sich an. Was für ein Privileg! Sonne für Alle aber eben mit kleinen Nuancen. – Toll wie Du das Ritual Traubenessen in besseren Kreisen beschreibst und wieder mit treffenden Fotos unterstreichst. Tatsächlich so haben wir früher die herrlichen Früchte serviert bekommen. R e s p e k t wurde ganz besonders den Mahlzeiten gezollt (!!) Passend zu jedem Gerichte deckte man den Tisch. Bevor man das Tischgespräch mit einem aktuellen Tagesthema eröffnete, honorierte man die bevorstehende Mahlzeiten: das Huhn aus Bresse, den Fisch aus dem Neuenburger See, das Bollito misto, den Branzino, den Salm, die Jakobsmuscheln, les fromages etc. – Zurück zu den Trauben. Im Center kauft man die Trauben in Plastiktüte abgepackt. Der Verzehr der Früchte findet gleich auf dem Parkplatz statt. Die Trauben sehen also kaum einen Wasserhahn und verschwinden im Rachen von gierigen Fast-footlern. Ich glaube es geht hier eindeutig um Respekt vor unseren Nahrungs- oder Lebensmittel. – Respektlosigkeit, die uns heute überall im Alltag begleitet. Man entweicht diesen täglichen Störungen indem man sich an einen ruhigen See, an einen tosenden Bach oder Fluss hinlegt oder auf einem touristenfreien Berg hochklettert. Noch etwas steht uns offen, einen Besuch bei unseren Verwandten und Freunden in England….HG Bruno

  19. ehrlich gesagt - i also love...
    ehrlich gesagt – i also love the einstelldatum/+zeit – „23. August 2009, 03:09 Uhr“
    wenn alle feiern und einer denkt und schreibt.
    der outcome – wie gesagt – macht spass. – weiter so mit dem mitternachtschreiben!

  20. @ Holly01 Langsam....
    @ Holly01 Langsam. Siebenbürger Sachsen haben erstens mit Russland nichts zu tun sondern mit Siebenbürgen und zweitens sind sie dorthin vor 800 und nicht 300 Jahren ausgewandert, um die Region zu kolonisieren.
    In diesem Zusammenhang bietet sich folgende hervorragende Primärliteratur an:
    Georg Daniel Teutsch : Geschichte der Siebenbürger Sachsen für das sächsische Volk. 1925 / 1907 / 1910.
    Ach ja, übrigens haben sie mit Sachsen gar nichts zu tun. Sie stammen ursprünglich aus der Gegend zwischen Rhein und Mosel.

  21. …schauen Sie nach dem...
    …schauen Sie nach dem Schreckenschreck!
    Unsere Kulturempfehlung für den Sonntag: »La Cocarde Tricolore«
    …Nein!…nicht diese!…jene von Charles-Théodore und Jean-Hippolyte

  22. Nun, es ist schon etwas wahres...
    Nun, es ist schon etwas wahres daran. Wenn die DDR irgendwo erfolgreich war, dann bei Entbürgerlichung und Entchristlichung. Und das hat durchaus Bestand. Letztens bei einem Konzert in der Thomaskirche war ich über den Altersdurchschnitt schockiert, auch wenn einige Studenten den Weg dorthin gefunden hatten. Die Kirche war übrigens auch nicht voll besetzt. Es stimmte schon melancholisch: diese 200 oder 300 Leute sind also der harte Kern, der übrigblieb? Im übrigen würde ich mit Schuldzuweisungen vorsichtig sein. Wie sollen Bürgerlichkeit und Zivilisation enstehen, wenn die Erziehung fehlt? Das kulturelle Ideal der DDR-Bonzen bestand ungefähr in dem Zustand eines SPD-Ortsvereins aus dem Jahr 1930. Und so sah die DDR dann auch aus. Mich schockierte im Jahr 1989, als die Vorhänge sich kurz hoben, die Stillosigkeit in der die Machthaber lebten. Der Kultur-Oberbonze Kurt Hager hatte eben einen röhrenden Hirsch an der Wand und keinen Canaletto. Deren Vorstellung von Luxus war eine Karnickeljagd wie weiland beim Reichsjägermeister. Dieser Muff wurde dann jahrzentelang konserviert und ist auch nur über Jahrzehnte wieder abzutragen.

  23. Freut mich, Savall, daß Sie...
    Freut mich, Savall, daß Sie der DDR wenigstens etwas Gutes zugestehen: Die Entchristlichung. Hoffen wir, daß Ihre Prognose stimmt und das Bestand hat. ;-)

  24. Schade.
    Eigentlich wollte ich...

    Schade.
    Eigentlich wollte ich meinen Senf auch rumbloggen hier.
    Warte auf das nächste Thema
    ein Südschwede

  25. Alter Bolschewik,
    .
    was bleibt...

    Alter Bolschewik,
    .
    was bleibt nach der Entchristlichung?
    .
    Früher gab es da ersatzweise die Weltrevolution und den Kampf gegen den Klassenfeind. Aber, wie man hört, das Neue Deutschland verliert Abonnenten.
    .
    Inzwischen gibt es die verschiedenen Privatsender, die das thema Voyeurismus variieren – schade eigentlich, dass Günther Anders diese unsere Zeiten nicht mehr kommentieren kann – und ansonsten fressen, saufen und was war da noch? ach so, autofahren ad libitum.
    .
    Entchristlichung allein genügt nicht.
    .
    Es muss beim Kirchenfernen das Bewusstsein hinzukommen, das richtige um seiner selbst willen tun zu wollen.
    .
    Oder wenigstens, wie George Orwell, das Bestreben, mit seinem Nachbarn in Frieden zu leben.

  26. @ Siebenbürger Sachse:
    Bei...

    @ Siebenbürger Sachse:
    Bei mir spukt da Katharina die Große und das Wolgagebiet mit einer Zeit um 1700 herum. Reines Schulwissen (oder Unwissen?).
    Wie auch immer es verstärkt die Aussage eher als sie zu schwächen.
    Eine Thematisierung der Russland-Deutschen wollte ich eher nicht. Es fehlt mir das Hintergrundwissen und der Bezug.

  27. ein beitrag, der die sehnsucht...
    ein beitrag, der die sehnsucht nach der vielfältgen sprache der niederländischen malerei erweckt… nach 1600, nach vermeer, kalf, torrentius. denn es war doch die zeit, in der die welt des details sich dem ende zuneigte, nicht wahr?
    interessanterweise bei cranach sah man die details, indem man sich dem gemälde näherte, bei vermeer indem man sich von ihm entfernte, oh nein, aber genug, denn jetzt beginne ich noch abzuschweifen…
    und eigentlich um dem ganzen nachzuspüren müsste man sich wieder in delfter gäßchen verlieren oder in http://www.mauritshuis.nl/ ein wenig länger verweilen können. ja, wenn man bloß mehr zeit & muße hätte & ja & überhaupt :)
    p.s. weintrauben bleiben für mich das fruchtbarkeitssymbol schlechthin.

  28. @Holly02
    Das mit Katharina...

    @Holly02
    Das mit Katharina stimmt auch, aber sind die Wolgadeutschen, und mehr so gegen 1770.

  29. laperla, besonders, wenn man...
    laperla, besonders, wenn man sie Frauen in den Mund schiebt.
    .
    Wie auch immer, Kalf ist mit seinem expressionistischen Ansatz ein Wunder. Was mich bei solchen Prunkstillleben immer schockiert, ist die Ärmlichkeit unserer Gegenwartskultur. Man blättert sich bei der Recherche durch die Bücher und denkt sich: warum ist da draussen alles so grau und ungolden? Heute konnte ich dann nicht widerstehen, und habe eine barocke Kasel erstanden, mit blauer Seide und Koldstickereien. Zur Hölle mit der Entsagung.

  30. Holly01, ach, das brandet...
    Holly01, ach, das brandet ünter meinen Leuten vorbei, es ist nur etwas mehr geworden, aber es wären nicht diese leute, wenn sie dafür nicht auch eine Lösung hätten. Kann schon sein, dass unten verarmt wird, aber die vermögende Schicht in diesem Land hat sehr viel Schlimmeres durchgestanden. Seien wir ehrlich: Gegen die Kriege ist der Komplex Ostdeutschland nicht mal ein meldepflichtiger Störfall der Geschichte.

  31. Verehrter Don, vielleicht...
    Verehrter Don, vielleicht könnten Sie den hier vertretenen lutherischen Häretikern und – horribile dictu – Atheisten erklären was eine Kasel ist. Selbst post Vat II Katholiken müssen da vielleicht erst Wikipedia bemühen. (Ich habe als kleiner Ministrant noch auf dem Stand missale romanum editio typica 1962 angefangen). Und in partibus infidelorum, also den zwar gebraucht hinzugekommenen aber für Wessis „neuen“ Ländern dürfte das nur im Eichsfeld und im Görlitz klar sein, na vielleicht noch im Schatten der Dresdner Hofkirche.

  32. lieber don...
    lieber don alphonso,
    expressionistischer ansatz bei kalf, würden sie das bitte ein wenig weiter ausführen? klingt nämlich sehr interessant.
    & ja sie haben vollkommen recht, man kann sich einen l’orfeo anhören und gleichzeitig den anblick des kürzlich in london erstandenen nautilus auf dem schreibtisch genießen. die welt dadraußen jedoch bleibt weiterhin grau und ungolden oder wie ich es ausdrücke: quadratisch, praktisch, schlecht ;) vielleicht ist es aber auch deshalb so, weil die heutigen künstler sich dafür zu schade sind die welt zu verschönern und weil deren begriff der schönheit/ästhetik sich dermaßen gewandelt hat? wohingegen die demut gegenüber den einfachen sachen und arbeiten bei den niederländischen malern viel größer war und sie keine berührungsängste mit der anfertigung von einfachen alltagsgegenständen hatten?
    p.s. & um auf den anfang ihrer antwort zurückzukommen, es aber gleichzeitig nicht unbeidngt salopp ausdrücken zu müssen: darüber wer und wem etc. unterhalte ich mich persönlich viel lieber beim traubenessen.

  33. <p>Die Kasel ist der meist...
    Die Kasel ist der meist sehr bunte und prächtige Überhang über den Priestergewändern in der Messe und in der Regel das teuerste der liturgische Paramente; in meinem Fall ist es eine ziemlich üppige barocke Bassgeigenkasel in Blau mit weissem Seidenaufsatz.
    .

    .
    Das wiederum ist eine Besonderheit, weil Blau eigentlich keine liturgische Farbe mehr ist und früher speziell bei Marienfesten getragen wurde. Sie sind eigentlich sehr selten, und mein Exemplar wurde schon vor längerer Zeit mal kräftig umgerbeitet, indem man das Rückenteil verkehrt herum und einen Kleiderbügel angenäht hat. Vermutlich hat man sie mangels Bedarf irgendwann aussortiert und weggehängt und letztendlich dann auch weggeworfen. Mein Exemplar kommt buchstäblich aus dem Müll eines Pfarrhauses.
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    So aus dem Bauch heraus würde ich irgendwas zwischen 1650 und um 1700 annehmen, die weisse Seidenstickerei ist noch kein Rokoko, die blaue Seide ist sehr dick und könnte formal sehr viel älter sein, das Muster etwa könnte auch 15. Jahrhundert sein, aber man ist mit dem frühen Barock gut dabei, würde ich vermuten. Ich muss mal schauen, was man aus dem guten Stück noch mit sanfter Reinigung herausholen kann, vielleicht fällt mir dann auch was Besseres zur Datierung ein.

  34. Warum die Welt heute so...
    Warum die Welt heute so häßlich ist?
    Diese Frage ist schon oft genug beantwortet worden. Also gut, noch einmal.
    Seit der Französischen Revolution herrscht in Europa das Bürgertum. Und der Fluch des Bürgertums ist nun mal seine künstlerische Sterilität. Ich meine das nicht als politisches Statement, einfach nur eine sachliche Feststellung.
    Übrigens ist das Bürgertum keineswegs unkultiviert. Das kulturelle Erbe, das uns die feudale Epoche hinterlassen hat, schätzt es durchaus. Und hegt es und pflegt es, betreibt die Opern und Museen immer weiter und weiter und durchaus kompetent, die Sache mit dem Kölner Stadtarchiv ist eher eine Ausnahme. (Unsere Sicherheitsvorschriften sind heute besser als unter den Fürsten).
    Nur selber hat das Bürgertum in 200 Jahren nichts Nennswertes hervorgebracht. (Im Grunde auch vorher schon nicht, außer vielleicht den holländischen Stilleben).
    Nein, ich will das gar nicht auf den „Kapitalismus“ oder „Materialismus“ zurückführen. Kulturelle Produktivität wird einfach nur von niemandem verlangt und von niemandem vermißt. Ansonsten haben wir ja den Kulturbetrieb: Der so tut, als gäbe es heute noch Maler, Bildhauer und Komponisten, obwohl wir alle wissen, daß dem nicht so ist.
    Sagen wir so: Unsere Zivilisation fühlt sich am besten, wenn es keine lebendige Kultur gibt, und objektiv gesehen waren diese gotischen Dome und baroken Schlösesr ja auch damals schon nur rausgeschmissenes Geld.

  35. "und objektiv gesehen waren...
    „und objektiv gesehen waren diese gotischen Dome und baroken Schlösesr ja auch damals schon nur rausgeschmissenes Geld.“
    .
    In Zeiten von Lehman und CDOs würde ich diese Haltung überdenken. Allerdings sehe ich in der Literatur offen gesagt so gut wie keinen adligen Beitrag, das sind fast immer Bürger.

  36. @Don - danke und wunderbar...
    @Don – danke und wunderbar die Baßgeige!

  37. (Ich stelle gerade wieder...
    (Ich stelle gerade wieder fassungslos fest, wie entsetzlich kulturlos nicht das Bürgertum, sondern das Internet ist. Null, nichts zur historischen Entwicklung von Kaseln, Seidenparamenten und Goldstickerei. Jeder poplige Domschatzkatalog hat da mehr zu bieten)

  38. Lieber Don, der Kerzenständer...
    Lieber Don, der Kerzenständer steht schief.Dann braucht man zum Fruchtbarkeitssymbol ja möglicherweise auch ein Gegenmittel-so empfehle ich
    Schlehen. Mein Mann steckte sie mir beim Spazierengehen in den Mund……….

  39. Sicherlich waren gothische...
    Sicherlich waren gothische Dome zur Zeit Ihrer Erbauung nicht unbedingt gut angelegtes Geld.
    Aber kaum sind ein paar Jahunderte vergangen, ist man doch dankbar für diese Investitionen.

  40. @Don Alphonso
    Erlauben Sie...

    @Don Alphonso
    Erlauben Sie mir, mich an dieser Stelle für eine frühere Entgleisung, die an anderer Stelle Folgen hatte, zu entschuldigen?
    Sie sind ein begnadeter Apokalyptiker des westdeutschen Bürgertums, der all dessen geistige Vermächtnisse und deren aktuellen Restzustand noch in jedem Detail zum Vorschein zu bringen vermag, selbst noch in einem Weintraubenstiel. Und die entspannte Verzweiflung, mit der Sie das präsentieren, ist einfach bewundernswert!

  41. Johannes Paul Richter hätte,...
    Johannes Paul Richter hätte, so er nicht ueber Bayreuth gefahren wäre, seine wahrste Freude an Ihrem Artikel, Don. 2 Begegnungen mit Frauenzimmern dionysischem Ausmasses am Wochenende (mild und leise inkl. Dem Chor franz. Pariser Bacchantinnen und zwar nicht die der Promo-Abteilung von Carrefour) brachten mich ehrlich gesagt nicht einmal in die Sichtweite eines buergerlichen Ansatzes. Auch bin ich kein Mensch der Renaissance. So begnueg ich mich mit dem Dasein des Barons von Retz, der ja auch keine Befriedigung erfuhr. Bleibt die Traube als Metapher. Eines Georges Batailles oder eines weniger sophistiziertem Vertreter christlicher Mystik: Meister Eckhart. Ob diese Schule das Fin de Siecle am Tegernsee uebersteht? Ich befuerchte, selbst in Schaftlach erholt sich niemand vom Edelstoff um auch nur einmal das Gebräu der Wolken als das zu deuten was sie sind…

  42. schade, lieber don alphonso,...
    schade, lieber don alphonso, daß sie meine frage bezüglich des expressionistischen ansatzes nicht beantwortet haben. es wäre interessant zu wissen, was sie unter expressionismus verstehen. aber nun, lassen wir es.
    prince matecki, eine erstaunliche perspektive, aus der sie heraus zu wissen meinen, daß man atheisten oder lutheranern den begriff der kasel näher bringen muß. von agnostikern schon kaum zu sprechen. ;)

  43. Unsere Welt ist so haesslich,...
    Unsere Welt ist so haesslich, weil niemand mehr den Einsatz wagt der Haesslichkeit entgegenzutreten. Wir geniessen, den Charme der Vergangenheit. Der Letzte wirklich kulturelle Schub fand Mitte bis Ende des 19ten Jahrhunderts statt, und scheint uns doch schon tiefste Vergangenheit. Der wohlhabende Buerger baut sein Wohnhaus nicht mehr im Zentrum der Stadt. Nein, er ueberlaesst sein ureigenstes Revier den Saeufern, Bankern oder Parfumketten. Er, der Buerger, ist feige geworden, verkriecht sich in den sogenannten besseren Vierteln-und stellt nichts mehr dar. Er ist nicht das Vorbild, dem nachzustreben man sich bemuehen sollt: mit Schlauheit, Klugheit, Soliditaet (besonders die) und Schlitzohrigkeit etwas zu schaffen. Er, der Buerger, ist zu nichts mehr verpflichtet-er tut nur so; dann sitzt er im Museumsverein, oder fuehlt sich gut bei seinen Rotarieren. Es gibt keine privaten Stadthaeuser mehr mit denen man zeigte, wer man ist und was man der Gesellschaft bedeuten kann. Stattdessen hat er eine kleine Finca auf Malle, die Fotos davon hat er immer dabei, um einem eventuellen One-Night-Stand aufs Duemmst zu imponieren. Man hat sowas auch schon mal anders gemacht. Aber das war damals. Damals war nicht alles besser, sicher nicht. Aber in den nachrevolutionaeuren Zeiten von 1789-nicht nur in Frankreich-sah man sich doch, in Massen (immerhin!) gewissen Idealen verpflichtet. Die kamen uns abhanden in den darauffolgenden Jahrhunderten, besonders im 20ten. Welche Buerger einer Stadt rotten sich zusammen, um ihren populistischen Politikern (lokal, versteht sich) kraeftig auf die Muetze zu hauen?
    Na wer? Freiwillige vortreten!

  44. Werter Don, verstehe Ihre...
    Werter Don, verstehe Ihre Kritik am Internet nicht: http://de.wikipedia.org/wiki/Kasel_(Gewand)
    http://www.uni-muenster.de/Kultbild/missa/bilder/realien/kasel/kasel_index.html
    http://www.kreation-kevelaer.de/html/papst_benedikt_xvi.html
    http://u0028844496.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Paramente
    http://www.goldstickerei.de/neu/publikationen/indexGlossar.htm
    Und sogar ein Online-Shop für Kaseln existiert: http://www.schreibmayr.de/de/Messgewaender/Kasel-roemisch
    .
    Im übrigen: wenn Sie etwas vermissen und selber Kenntnisse darüber haben, dann erstellen Sie doch eine Seite dazu. „Man müßte doch“ und „warum macht denn niemand?“ erinnert mich sehr an meinen Herrn Vater, der immer die Revolution predigt, aber selber niemals aufstehen würde.

  45. Don Alphonso, ich glaube, ich...
    Don Alphonso, ich glaube, ich würde das eher Verfeinerung der Kultur nennen, Eleganz, oder auch Wertschätzung schöner und guter Dinge, wie sie Bruno oben so wunderbar beschrieben hat. (Und der Vorteil der Kultur ist, dass sie auch dann erhalten bleibt, sollte der materielle Reichtum abhanden kommen.)

  46. Doctor Snuggles, ich denke,...
    Doctor Snuggles, ich denke, ich habe genug damit zu tun, erst mal ein Kompendium des „reich und etwas dumm sein im Deutschland des frühen 21. Jahrhunderts“ zu schreiben – das ist nämlich auch ein Desiderat.
    .
    Und ich sage ja nicht, dass es nichts gibt; es ist nur lächerlich wenig im Vergleich zu jedem zweitklassigen Domschatzkatalog. Ich hätte gern etwas wie „500 Stoffbeispiele von Paramenten des ausgehenden Mittelalters bis zum Wiener Kongress“ oder „Eigenheiten der Lyoner Seidenmanufakturen im Vergleich mit italienischen Arbeiten“. Nur muss man dafür Spezialist sein, und dummerweise liegt in meiner Bibliothek der Schwerpunkt ganz klar auf den Paramenten des Mittelalters – und selbst dort ist die Ausstattung im Vergleich zur Buchmalerei eher schlecht.

  47. Prince Matecki, wir haben in...
    Prince Matecki, wir haben in Sachsen noch eine katholische Exklave: die Sorben. Vor mittlerweile auch schon mehr als 10 Jahren gab es dort eine wunderbare Landesausstellung:
    http://www.panschwitz-kuckau.de/landesausstellung/
    Das Kloster Marienstern ist, von ein paar Jahren während des Dreißigjährigen Krieges abgesehen, seit über 600 Jahren aktiv. Ich hatte übrigens davon, wie sicher die meisten Leute, keine Ahnung. Auf jeden Fall sind die Klosterbestände weitgehend unangetastet geblieben. Zur Landesausstellung hat man sogar die Klausur geöffnet. Man hatte auch eine große Anzahl von liturgischen Gewändern ausgestellt, auch einige Kaseln darunter. Auch uns Agnostikern ist die Sache also nicht fremd. Manchmal glaube ich ohnehin, daß ich die Sachen mit größerem Respekt anschaue, als die Christen. Das Kloster hat übrigens eine Kirche mit einem Barockaltar, der auch dem Don Respekt abnötigen würde. Eine Spezialität der Ausstellung waren übrigens merkwürdige Madonnenstatuen. Sie stellen die schwangere Jungfrau dar, mit, äh, herausnehmbaren Jesuskind. Der Typus war mir damals allerdings wirklich neu.

  48. Für die Frühe Neuzeit gibt...
    Für die Frühe Neuzeit gibt es ein recht informatives Portal:
    http://www.historicum.net/home/
    Für die Recherche nach Textilien und ihrer Herstellungsschichte gibt es aber auch nichts her, soweit ich sehe. Ohnehin ist Bildrecherche im Internet immer noch sehr schwer. Ich suche schon seit ein paar Wochen nach einer Quelle für Exlibris. Ich habe einen Band mit einem seltsamen Exlibris aus dem Jahr 1787. Man könnte das Bild als „Kreuzstab-Madonna“ bezeichnen, wenn es so etwas gäbe. Vielleicht ist es nur ein Bild der Teresa von Avila. Auf jeden Fall ist es kurios, so etwas im „Werther“ eingeklebt zu finden.

  49. Savall, so ist eben der...
    Savall, so ist eben der Katholizismus: Barbarisch, degoutant und reisserisch. Man muss das mögen. Aber es ist kein Wunder, dass der Katholizismus niederging, als ihm die Pracht und das Geschmeide genommen wurde. Früher war das keine Kirche, sondern ein Spektakel mit allen Mitteln und Tricks. (und ich mag deren Relikte sehr)
    .
    Georgina Darcy, Verfeineerung bedeutet eben auch Aufwand, und den zu betreiben schreckt Menschen heute eher ab. Vielleicht noch für andere, aber für sich selbst sicher nicht. Nicht umsonst bekommt man heute Versilbertes und Goldrand nachgeschmissen, weil es kaum einer mehr will. Was nicht spülmaschinenfest ist, hat keine Chance mehr. Und bei Silber darf man nicht übersehen: Drei, vier Mal im Jahr muss man es putzen. Und dafür geht jedesmal ein tag drauf. (Oder alternativ, immer wenn der Tee zieht, in der Küche zwei, drei Dinge säubern)

  50. <p>Savall, das problem in...
    Savall, das problem in diesem Fall ist auch, dass barocke Tetilien in den Domschätzen ein Schattendasein führen, das ihrem ehemaligen Wert in keinster Weise angemessen ist. Der Schwerpunkt liegt meistens auf den Stücken der Frühzeit; Stoffe des Barock gibt es dagegen in reichlich grossen Mengen, und die Besucher gehen achtlos vorbei – im Internet ist das dann eben auch nicht anders.
    .
    Was das Exlibis angeht, würde ich am ehesten in Richtung Damenstift/Erziehungsanstalt denken, die nicht gar so viele Bücher hatte. Im 18. Jahrhundert sind Exlibris nicht so arg häufig; in der Regel hat man sich als Privatperson meist selbst eingetragen; Exlibris sind dann eher bei Institutionen zu finden. Und gerade so um 1800 rum waren die Sitten in diesen Stiften nicht allzu streng. (Ausnahme vielleicht englische Fräulein)
    .
    Filou, bei uns wird in der Innenstadt wieder gebaut. Und wie! Leider dann auch so, dass aus dem Bürgerhaus eine entkernte „Residenz“ wird, und das bei einer polpligen Front mit nur 4 Fenstern ohne Gesindehaus (Wir haben selbst nach Abbruch eines ganzen Flügels um 1820 noch 11 Fenster pro Stockwerk zur Strassenfront)

  51. laperla, das ist in zwei, drei...
    laperla, das ist in zwei, drei Sätzen nicht zu machen. Aber ich wollte ohnehin mal was über die Kunst des Stilllebens (und seinen Niedergang) schreiben, gerade unter Berücksichtigung seiner prunkvollen Varianten.
    .
    Doktor Benway, jenseits aller Mystik würde ich das sehen wollen: Die Trauben hängen auch bei uns am Haus und sind einfach da. Man hat das gewohnheitsmässig – und wenn ich in Südtirol oder am Rhein bin, gehe ich gern in die Weingärten und koste. Man sieht: es geht auch ohne Lustmord und Überhöhung.

  52. Zum schneiden von Trauben gibt...
    Zum schneiden von Trauben gibt es spezialisiertes Gerät, die Traubenschere. Oder ist das schon wieder übertrieben?

  53. Die Idee mit dem Damenstift...
    Die Idee mit dem Damenstift ist ausgezeichnet, Don Alphonso. Werde ich mal schön weitersuchen. Übrigens stehen noch die Initialen „JGL“ im Exlibris. Immerhin zeigt mir das Exlibris, daß der Einband aus dieser Zeit stammt. Das ist doch schon etwas. Äh, jetzt muß ich nur noch einen Schlenker finden, um vom Stift zum Thema zurückzukehren. Ach, ich hab’s! Die Internatsschule in Schulpforta war ja früher ein Zisterzienser-Kloster, wie Marienstern übrigens auch. Die Mönche waren es, die herausfanden, daß man im Unstrut-Tal durchaus genießbaren Wein anbauen kann. Tafeltrauben gibt es meines Wissens dort aber nicht. Aber man kann nicht alles haben.

  54. Wahrscheinlich liegt es...
    Wahrscheinlich liegt es einfach daran, dass niemand sich die Arbeit mit so einer Webseite machen will und dafür kein Geld bekommt. Auch die Seite goldstickerei.de verweist ja lieber auf ein Buch, weil da alles viel mehr und besser drinsteht. Kostet nur…

  55. @laperla - ach das sind...
    @laperla – ach das sind Erfahrungswerte. Ich war vor Jahren mit Offizieranwärtern aus Neufünfland auf einer Tagung in Friedrichshafen. Als Boss des Häufleins beschloss ich nach 2 Tagen zäher Vorträge in stickigen Räumen dass es dafür genug sei und nahm die Jungs im VW-Bus mit rund um den Bodensee. Münster in Überlingen, Birnau und was so in einer Tagestour machbar ist. Man wundert sich was studierende junge Männer mit gutem Abitur alles an Kunst- und Kulturgeschichte nicht wissen. Vorhalle und Baptisterium, Lettner und Hochchor, Stilkunde von Romanik über Gotik zum Barock und Rokoko… dazu Erläuterung der Funktion und des Sinns der Altäre, Bildnisse, Symbole.
    Hier hause ich (derzeit daheim im Urlaub, Nordost) in einer Stadt die die einzige katholische Kirche aus der Vorkriegszeit sprengen ließ und eine leicht beschädigte (Bomben) spätgotische Hallenkirche im englischen Kathedralstil gleich mit dazu.
    @Savall ja Sorben und Marienstern ist mir ein Begriff, die Aufzählung war nur prototypisch gemeint, nicht exklusiv.
    @Don Alphonso – ja Stillleben, in Kassel habe ich als Abstecher einer Dienstfahrt mal die dort in der Staatsgalerie Wilhelmshöhe hängenden angeschaut. Inzwischen halte ich es mehr mit Landschaften. Über dem Sofa hier hängt ein Utrechter Italianisant, die Landschaft schwer mit Bedeutung aufgeladen (Flußübergang als Hinübergehen – sowohl Furt als auch Nachen mit stakendem Bottsmann als auch Träger mit Menschlein auf dem Rücken sind bei der Querung zu erkennen, auf der einen Seite ein Weg hinab, auf der anderen Seite leuchtet ein Torbogen am Damm des Gegenhangs in der Abendsonne hell…), auf der anderen Wand zwei Ruisdeal Kopien (die Originale sind inwzischen oberhalb der Reichweite gut bezahlter Offiziere, das wäre vor 100 Jahren anders gewesen), darunter die von ihm mehrfach gemalten Bleichwiesen vor Haarlem. Man bewundert die Perspektive vom Hügel den es in solcher Überhöhung dort gar nicht gibt.

  56. danke, lieber don alphonso,...
    danke, lieber don alphonso, man darf also gespannt sein (auch darauf, ob sie bei der gelegenheit arcimboldos werk streifen werden ;).
    was die theorien im 1600 anbetrifft, so könnte man scherzhaft sagen, daß es zu damaligen zeitpunkt auch schon konstrukvistische ansätze gab. hier die erste niederlländische familie, die einen mondrian bei sich im wohnzimmer hängen hat:
    http://www.essentialvermeer.com/dutch-painters/elinga.html :))
    schönen tag noch.

  57. @Savall Die Mönche mussten im...
    @Savall Die Mönche mussten im Unstrut Taal Wein bauen. Die Regel genehmigte Tischwein ( wenn auch weniger als bei den Benediktinern, die nur in für Weinbau völlig ungeeigneten Lagen ersatzweise Bier zuließ) und als Reformkloster mussten die Zisterzienser wenn irgend möglich autark sein, das schloss Weinbau für den Messwein ein ( jeder geweihte Priesterbruder jeden Tag, daher in solchen alten Klosterkirchen die vielen Seitenaltäre).

  58. @prince Matecki: Ich glaube,...
    @prince Matecki: Ich glaube, es steht in Fontanes Wanderungen, daß auch im Brandenburgischen die Zisterzienser noch versuchten, Wein anzubauen. Das war der Natur ein bißchen zuviel abverlangt. Die Unstrut-Mönche hatten da wenigstens bleibenden Erfolg. Die Bildungsdefizite der Offiziersanwärter glaube ich Ihnen unbesehen. Wie gesagt, die Entchristlichung in diesen Landen ist wirklich ein voller Erfolg geworden. Ich mußte mir meine paar Brocken Bildung auch mühsam zusammensuchen. Zum Glück gab es in LE eine vernünftige christliche Buchhandlung. Allerdings ist die auch den Weg alles irdischen gegangen. Mittlerweile ist in dem Ladenlokal eine Kneipe. Tempora mutantur.

  59. prince matecki, wollen sie...
    prince matecki, wollen sie mich wirklich glauben lassen, daß sie von den offizieranwärtern auf lutheraner und atheisten schließen dürfen?
    nun, vielleicht haben sie recht. die welt ist heutzutage dermaßen kompliziert geworden, daß man sich ab und zu auch beim denken bequem machen sollte und zur verallgemeinerungen je nach beliebigkeit greifen darf. ;)

  60. @ Don. Dankeschön :-)...
    @ Don. Dankeschön :-)

  61. Im Grunde ist Obst das einzige...
    Im Grunde ist Obst das einzige Nahrungsmittel, daß uns die Natur freiwillig überläßt.
    Alles andere ist bloß Tod und Kultur.
    Als Futterneider sollten wir der Natur mehr Respekt entgegenbringen und unsere Münder vollstopfen, dazu zählen auch die braunen und faulen Stellen.

  62. Die Lutheraner sind...
    Die Lutheraner sind bedauerlicherweise auch nicht mehr das, was sie einmal waren, besonders nach der Erklärung zur Rechtfertigungslehre.
    Besonders die bayerische lutherische Landeskirche ist ja schon stark rekatholisiert!

  63. Ja, laperla, Arcimboldo liegt...
    Ja, laperla, Arcimboldo liegt nahe:
    http://enlavalla.files.wordpress.com/2007/09/arcimboldo-otono.jpg
    Wie mag so etwas auf seine Zeitgenossen gewirkt haben? Der Kaiser Rudolph hat es wohl goutiert. Aber der war ja auch verrückt, sagte man damals. Ich denke, er war ein verhinderter Künstler. Macht sich in der Politik nicht so gut, wie wir seitdem gelernt haben.

  64. nico, Christofle ist zwar...
    nico, Christofle ist zwar nett, aber auch dort begann der Aufstieg, als die Firma in der Lage war, grosse Serien zu minimaltgen Kosten für den gerade klammen französischen Hof zu fertigen. Allerdings haben wir schon mehr als genug Silberschalen; in Pfaffenhofen habe ich, reichlich übersättigt, auf den Ankauf zweier Exemplare verzichtet.
    Goya y Lucientes, man hört ja momentan nicht auf, weiter auszugraben. Wer weiss, was uns da musikhistorisch noch erfreuen wird.

  65. auch einer, wie gut, dass von...
    auch einer, wie gut, dass von wenigen Kreisen im Westen keiner den Ostdeutschen als Klassenfeind betrachtet. Wir haben es hier also nochmal mit einem echten Klassenkampf zu tun,
    .
    Mawu, das ist eine spannende Frage, die ich kurz vielleicht so beantworten würde: Vielleicht war man eine Weile zu fortschrittlich und hat sich zu Dingen überreden lassen, die zwar modern, aber nicht mehr wirklich bürgerlich sind, sondern gleichmachend. Der Bildungsunterschied zwischen einer guten Bibliothek und einer Gossenzeitung ist nun mal um Welten grösser, als der Abstand zwischen 3Sat und dem üblichen Dreck der Glotze. Nirosta ist als Industrieprodukt und Verbrauchsgegenstand näher am Plastikbesteck als Feinsilber am Nirosta. Die Gedankengänge dieses Blogs sind zwar in der FAZ nachzulesen, aber man findet hier auch schale Lobeshymnen auf Autos und nichtiges Gerede über irgendwelche Umfragen. Die spannende Frage ist also: Was taugt eine Elite, die nicht mal mehr in der Sachkultur, Wissen und Bildung, ihren alten Kernbereichen für Dünkel, relevant erhoben ist über dem Rest, und wo hat man die falsche Abzweigung erwischt? Da ist der Blick zurück nur zwangsläufig.

  66. abf, gern geschehen.
    .
    Bruno,...

    abf, gern geschehen.
    .
    Bruno, es scheint mir einfach wichtig, ein Beispiel zu geben. Entweder, die anderen überlegen, ob ein wenig Respekt und angemessenes Verhalten auch ihr Dasein und die welt verbessern könnten – dann ist es gut. Oder sie lassen es bleiben – das ist schlecht, aber man hat es versucht. Oder sie hassen und verabscheuen es. Das wiederum ist gut, denn durch solchen Plebs werden sich wiederum andere überlegen, ob es dieses Extrem wirklich sein kann. Ich will nicht alles und jeden unter Kronleuchtern versammeln, aber wichtig scheint mir der Diskurs unbedingt zu sein. Oft wird so getan, als sei das Bürgertum gottgegeben und ewig – genau das ist es nicht. Im Gegenteil, es verschwindet, wenn man nichts tut.

  67. Um kurz auf Arcimboldo zu...
    Um kurz auf Arcimboldo zu sprechen zu kommen: Die zeitgenossen konnten diese Bilder und ihre Herkunft durchaus einordnen, man denke etwa an den Totenkopf in Holbeins Gesandten.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Gesandten
    Das sind maneristische Spielereien, Vorformen findet man etwa in den Grotesken der Spätrenaissance. Arcimboldo war derjenige, der aus einem Trend ein populäres Genre machte.

  68. @laperla ach auch das war...
    @laperla ach auch das war weniger der Bequemlichkeit geschuldet denn als pars pro toto gemeint. Ansonsten bemühe ich mich schon, beim um die Ecke denken unfrisierter Gedanken Abkürzungen, vor allem die wohlfeilen, zu vermeiden.
    Aber bitte keinen flame-war hier, sonst schaltet uns der Don nicht mehr frei.

  69. lieber prince matecki,...
    lieber prince matecki, verzeiehen sie mir bitte, wenn ich zu viel eigelb beigemischt habe. werde es in zukunft dann wohl eher dezenter anfassen müssen.
    nicht desto trotz bin ich der meinung, daß zwischen einer ironisch-kritischen anmerkung und einer, wie sie es bildhaft auszdrücken pflegen: flame-war welten liegen :)

  70. also, was mich angeht, ich...
    also, was mich angeht, ich schalte fast alles frei, nur keine allzu persönlichen Angriffe und Unterstellungen.

  71. Die Kasel ist ja nicht nur aus...
    Die Kasel ist ja nicht nur aus liturgischen Zusammenhängen bekannt, sondern auch aus Oscar Wilde, wo in „The Importance of Being Earnest“ der Verehrer der Gouvernante Miss Prism den Namen Dr. Chasuble / Dr. Kasel trägt. Nur: Was macht man eigentlich so mit einer Kasel, wenn man kein Priester oder Pfarrer ist? Legt man sie in die Vitrine? Hängt man sie an die Wand? Gerahmt oder ungerahmt?

  72. <p>Nun, zuerst wird die Kasel...
    Nun, zuerst wird die Kasel mit einem Beitrag in diesem FAZ-Blog noch heute teilweise refinanziert.
    .
    Ich würde sie normalerweise rahmen und aufhängen, womit die an sich prächtigere Rückseite (der Priester stand meist mit dem Rücken zur Gemeinde) verschwinden würde. Aber nachdem die beiden Teile ohnehin schon mal getrennt und sehr hässlich und falsch zusammengenäht wurden, werde ich sie erneut trennen und Vorder- und Rückseite getrennt aufhängen.

  73. Man kann auf Antik-Märkten...
    Man kann auf Antik-Märkten oder bei Entrümpelungen von Sakristeien ( schlimm, früher wartete man den nächsten Krieg mit Plünderung ab und hat ansonsten akkumuliert) erstandene Kaseln natürlich auch der nächstgelegenen Neugründung der Petrus-Bruderschaft stiften, da sind sie beim Zelebrieren der Messe nach tridentinischem Ritus durchaus am richtigen Platz. (NB Nein das sind nicht die mit den ähm antisemitischen -Nicht-Bischöfen sondern die die sich schon vor Lefèvres Tod zurück zum Papst und der römischen Kirche geflüchtet haben und seither das Indult genießen die Messe immer im alten Ritus feiern zu dürfen)

  74. Vielleicht sollte ich an...
    Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich in Sachen Kunst schnell zum freudigen Besitzer raffenden jüdischen Kapitals werde und darin auch keinen Makel sehe – was wir haben, geben wir nicht mehr her.

  75. Ja, lieber Don, Sie hätten...
    Ja, lieber Don, Sie hätten damals eben doch ins Seminar eintreten sollen. Predigen können Sie, die Sakramente sind Ihnen vertraut, die Paramente noch mehr. Alles lässt sich aber nachholen, und eine hübsche Barockkirche stünde Ihnen als Pfarrherr gut.

  76. Es ist für mich ja nun von...
    Es ist für mich ja nun von den Proportionen her nicht statthaft, meine bescheidene Behausung mit der des Dons zu vergleichen. Ich meine, wenn ich angeben will sage ich, daß ich einen Bauhaus-Stil habe. Spolien wären bei mir nur fehl am Platz. Aber abgesehen von den Proportionen habe ich fortlaufend Platzprobleme. Die Bibliothek schwappt derzeit in Richtung Korridor über und es ist abzusehen, daß in den nächsten Jahren weitere Räumlichkeiten in Mitleidenschaft gezogen werden. Nun haben Sie, Don Alphonso, reichlich Räumlichkeiten zur Verfügung und in Anbetracht der Geschichte dieses Gebäudes ist es nur recht, wenn auch nicht billig, es in dieser Form auszustatten. Aber falls die Kasel einen Wandrahmen bekommt, dann gehen geschätzt mal schnell 8 Quadratmeter Wandfläche drauf. Führt diese, sagen wir, Musealisierung nicht zu familiären Konflikten?

  77. Don , Sicher drängt es Sie...
    Don , Sicher drängt es Sie danach, zu erklären, was an dem Kapital jüddisch ist. Der infrage stehende Sack ist jedenfalls katholisch.

  78. poisson, eigentlich drängt es...
    poisson, eigentlich drängt es mich absolut nicht, aber angesichts des Umstandes, dass ich nur als VegetArier zurecht als Arier bezeichnet werden kann und besagtes Kapital habe, und obendrein nichts wieder verkaufe, was ich einmal besitze, ist die Aussage eigentlich klar.
    .
    Savall, ja, im Korridor ist meine Bibliothek auch schon angekommen. Meine Eltern halten mich selbstredend für verrückt, aber meine Chorgestühlschnitzereien haben ihnen nach etwas gewöhnung auch gefallen. Sehen sie dann etwas woanders, was bei mir ähnlich ist, bemerken sie trocken, dass es bei ihrem Sohn genauso aussieht. Natürlich soll ich nichts kaufen, ist ihr Credo, aber ich sündige gerne und oft und obendrein kann man es sich nach ein paar Wochen gar nicht mehr vorstellen, wie man je ohne den rosa vonezianischen Leuchter leben konnte.
    .
    Sterne, ich muss in kein Seminar mehr eintreten, ich wurde in einem Seminar geboren und wohne da heute noch drin – nur die Gesellschaft Jesu musste es 1773 verlassen, also etwas vor meiner Geburt. Die passende Kirche steht gegenüber.
    .

  79. Bei allem Respekt vor Ihrem...
    Bei allem Respekt vor Ihrem Alter: In der Tat sind Sie nicht in einem Seminar geboren (Jesuitenanpissen ist geschenkt, aber Geburten waren in dem Häuschen vor 1773 eher selten), sondern in einem Haus, das einmal ein Seminar beherbergte. Immerhin haben Sie die Hausgeburt überstanden.
    Aber das alles meine ich ja nicht (das sind leere Hüllen, auf die Sie verweisen), und an Ihnen ist ein Priester verlorengegangen, solange Sie nicht in ein lebendiges Seminar wechseln.

  80. Wenn Sie nicht ein...
    Wenn Sie nicht ein Genussmensch wären, würde ich Ihnen raten, ins Zen-Kloster zu gehen. Verglichen mit den vielen Regeln, die dort insbesondere beim Essen eingehalten werden müssen, dürfte sogar das Spanische Hofzeremoniell vergleichsweise liederlich daherkommen.

  81. Nunja, Don Alphonso, es wird...
    Nunja, Don Alphonso, es wird wohl Zeit, Börne zu zitieren. Briefe aus Paris. :-)
    1773 ist Adam Weishaupt Professor für Kirchenrecht geworden. Was für eine Steilvorlage für eine Verschwörungstheorie! Aber Verschwörungstheorien in Zeiten der Krise sollten veilleicht mal ein eigenständiges Thema werden?

  82. Wer so etwas nicht hat,...
    Wer so etwas nicht hat, versteht das nicht: Ich bin hier nicht einfach nur geboren, und ich wohne hier nicht. Dieses Haus hat mich zu seinem Knecht gemacht, und weil es ein Haus mit rabenschwarzer Geschichte ist, hat es mich auch zum Knecht dieser Geschichte werden lassen. Ich sammle die Schriften der Aufklärer in Originalausgaben, aber auch die Schriften der Gesellschaft. Man darf sich keine Illusionen machen: Alte Häuser färben auf ihre besitzenden Knechte ab, schinden sie, formen sie, und wenn sie sterben, sind sie nur ein weiterer Teil der Geschichte des Hauses. Nicht jeder könnte das, nicht jeder will das, genug Leute hätten Angst davor, weil es einen selbst vor der Geschichte so klein werden lässt. Ich bin kein Freund dessen, was die Gesellschaft 1600 war, aber es war ihr Wille, das entstehen zu lassen, und dieser Anspruch der Ewigkeit, der aus den Mauern und Dachbalken spricht, ist natürlich auch etwas, das mein Leben beeinflusst. Das ist nichts Besonderes; ein Mensch, der in seinem Leben in 20 verschiedenen Mietwohnungen lebt, ist auch davon geprägt. Aber der Einfluss einer Mietwohnung ist nun mal ein anderer als der eines Hauses, in dem alles beginnt und enden wird. Wäre es nicht so, würde man nicht 600 verrostete Schrauben aus den Balken eines Fussbodens mit der Hand rausschrauben und abschleifen, bis man Blut spuckt. Das ist ziemlich jesuitisch, nebenbei gemerkt.

  83. Ok, kein Problem, es muss auch...
    Ok, kein Problem, es muss auch Knechte geben.

  84. Entschuldigung Don, mir geht...
    Entschuldigung Don, mir geht es nicht um (selbstverständlich überflüssige) Bekenntnisse, sondern um Fahrlässigkeiten beim rhetorischen Kosten-Nutzen-Verhältnis.
    Sie retournieren einen leichten ersten Aufschlag (die Zumutung einer Stiftung an eine katholische Bruderschaft) um den Preis eine Nebenbedeutung des Wortes „jüdisch“ zu reanimieren, die zu etablieren Ziel von Nazipropaganda war und ist. (siehe z. B. Gottfried Feder: „Der deutsche Staat auf nationaler und sozialer Grundlage“)
    Ihre Volte (die den Nazi-Nexus braucht, um zu funktionieren) ist in 5 Minuten belacht, der Schaden am Wort „jüdisch“ bleibt.

  85. Ach poisson, das Wort...
    Ach poisson, das Wort jüdisch, das braucht sich da keine Sorgen mehr machen… es ist doch so: Entweder man lässt sich von den Nazis die Worte vorgeben und definieren, was man sagen darf, oder man bestimmt das selbst. Ich habe keine Lust, mir von diesem Abschaum, egal ob lebend oder tot, etwas sagen zu lassen. Ich raffe. Ich raffe gerne. Mitunter schiebe ich dabei sogar meine dicke Unterlippe nach vorne. Wenn es übel konnotiert ist – dann her damit, dann drehe ich es um. „Heeb“ ist ein Schimpfwort in den USA, aber als die so entsetzlich verrufene Zeitschrift Heeb in Berlin eine Party gemacht hat, war der Laden knackevoll. Und es gibt nichts Dümmeres, als sich seine Ausdrucksfähigkeit von jenen beschneiden zu lassen, die das genau so sehen möchten. Jedder rafft. Es rafft der Arier, es rafft der Libanese, es rafft der Deutschbänker, wenn die Kanzlerin ihm das Essen zum Geburtstag spendiert, und ich raffe auch mit meinem Kapital: Eine barocke Kasel.
    Und retounieren tu ich damit gar nichts. Ich mache mich nur über Naziterminologie lustig,

  86. sterne, jeder ist immer...
    sterne, jeder ist immer irgendwo ein Knecht, Ich bin es ganz gerne dort, wo ich es bin. Freiheit ist eigentlich nur die Möglichkeit, sich die jeweilige Stelle als Knecht auszusuchen.
    .
    lebowski, ach, das spanische Hofzeremoniell war auch nicht so tragisch, wie man immer gerne meint. Für die Beteiligten soll es ganz lustig gewesen sein, sobald es nicht mehr im Escorial stattfand und zum „kleinen Spanischen“ wurde; siehe etwa das Schloss in Ansbach.
    .
    savall, ach, wenn nur die geschichte nicht so banal und in ihrem weiteren Verlauf sp absolut fern dieser Stadt gewesen wäre… ich denke, die normalen Jesuiten hatten damals ganz andere und durchaus heftige Pläne, da waren die Illuminaten Chorknaben dagegen.

  87. Don Ferrando,
    so als...

    Don Ferrando,
    so als Aussenstehender habe ich den Eindruck, dass die katholische Kirche eben so etwas wie eine Reformation durchmacht, die Laien wollen Priester sein, die Priester keine Priester mehr, man übt sich im Dialog, wo man früher bekehrt hätte und, na ja, die Frömmigkeit, wie man sie noch vor fünfzig Jahren auf dem Lande, gerade in Oberschwaben kannte, die gibts so nicht mehr.
    .
    Wohingegen die Evangelischen, die einen versuchten Kirche in Sozialismus, die anderen Sozialismus in der Kirche. Die einen von denen bewegen sich stracks in Richtung Agnostizismus, so die Forderung des Prinzen – nein, nicht Matecki, Leonce wars, nach einer kommoden Religion erfüllend. Die anderen haben ihre Spiritualität entdeckt, die wollen nur noch glauben, nicht mehr angepredigt sein, denen wäre katholischer Barock und Prunk ganz recht, sie üben sich schon einmal im Wallfahren und nächstens kommt dann auch noch die Maiandach. Ist aber auch was für den Frauenstandpunkt, es soll da ja ganz rasante Mystiker, auch dermassen emanzipierte Mystikerinnen gegeben haben…

  88. Das ist ja reine...
    Das ist ja reine Gottesknechtstheologie. Jeremia!

  89. Soso Don, Sie sind ein Sklave...
    Soso Don, Sie sind ein Sklave Ihres Hauses aber beim Schreiben ein freier Mann. Diese naive Autonomie ist mir -Verzeiung- zu naiv. „Dann her damit, dann ich drehe es um“ . Gerade für ein so leichtes Format eine schwergewichtiges Unterfangen. Und hat man sich dann zum Stemmen solche Gewichte nicht richtig warm gemacht oder hat nicht die richtige Technik, verhebt man sich leicht.

  90. Kadavergehorsam nennt man das...
    Kadavergehorsam nennt man das bei un – äh den Jesuiten.

  91. Poisson, man kann hier Dinge...
    Poisson, man kann hier Dinge ansprechen oder schweigen. Mittelmässig überempfindliches Angeraune aus dem Halboff (bayerisch nennt man sowas „Kniebiesln“) ist kein Stilmittel, sondern eher feige und überflüssig.
    .
    Zuchthausprediger Süptitz, dem Katholizismus ist ganz klar die Hierarchie und das Klassenbewusstsein abhanden gekommen. Das passiert halt, wenn die Rolle nicht mehr vom Staat garantiert und im Zweifelsfall auch mit Rechtsmitteln durchgesetzt wird. An der Spitze funktioniert cas System noch über das Kirchenrecht, aber unten ist nun mal die Realität, und die ist anders als noch vor 60 Jahren, als man in Bayern noch einen Beichtzettel zum heiraten brauchte, und Männern den Frauen den Beruf verbieten konntem.

  92. Nur, weil Sie´s aufbringen:...
    Nur, weil Sie´s aufbringen: Ist Ihnen die Herkunft des Wortes Kadavergehorsam bekannt?

  93. Ja eine gesellschaftliche...
    Ja eine gesellschaftliche Kraft ist ie römisch-katholische Kirche nicht mehr, das letzte Aufbäumen war, als Kaplane noch in die Kinofilm Die Sünderin gingen, un dort so rechtzeitig Stinkbomben zu werfen, dass die Zuschauer dort nicht mehr das sehen konnten, wofür sie eigentlich gekommen waren: Die paar Sekunden, in denen die Knef unbekleidet war.
    .
    Heute sitzt das noch in allerhand Mediengremien, ernst genommen wird es nicht einmal mehr in der CSU, die CDU hat sich längst von ihren katholischen Wurzeln getrennt.
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    Nun, ich musste als Kind erleben, in einem katholischen Kindergarten ja, was eigentlich? in schach gehalten? erzogen? zu werden. Ein gutes hatte diese Erziehung wenigstens, ich weiss, wogegen ich bin.
    .
    Nur denke ich, dass das mit dem Beichtzettel, den man früher brauchte und heute nicht mehr und das mit dem Eimersaufen und dann vor anderer Leute Haustüren zu kotzen, was man heute tut und früher nicht so sehr, doch in einem gewissen, sehr vertrackten Zusammenhang steht.
    .
    Oder anders: Kann es sein, dass der heutigen Jugend absichtlich nicht der Unterschied zwischen Freiheit und Zügellosigkeit aufgezeigt wird?

  94. Aha, die grosse "Was übernahm...
    Aha, die grosse „Was übernahm Ignatius von Loyola von Franz von Assisi“-Diskussion. Tatsache ist, dass beide von dem Gehorsam des toten Leibes gesprochen habe, Allerdings bleibt Franz dabei indifferent, was den gehorsam bedingt, bei Ingantius jedoch steht ganz klar „sich von der göttlichen Vorsehung mittels des Oberen führen und leiten lassen“, und das „mittels des Oberen“ ist der springende Punkt, denn es ist nicht mehr direkt der gehorsam gegen Gott (den man eventuell noch mit anderen diskutieren kann), sondern der Gehorsam gegen den Oberen, und nachdem die Jesuiten tunlichst unabhängig sein wollten von allen weltlichen und lokalen kirchlichen Authoritäten, heisst das nun eben auch: Niemand untertan ausser dem Papst. Und so haben sie sich ja auch instrumentaliseren lassen , man denke nur an das Edikt von 1764 oder Busenbaum nach la Croix:
    http://rebellmarkt.blogger.de/stories/928555/

  95. Don, so wie Sie Ihr Haus...
    Don, so wie Sie Ihr Haus beschreiben mußte ich sofort an einen Spielfilm denken… http://de.wikipedia.org/wiki/Landhaus_der_toten_Seelen

  96. Seit 1846 ist das Haus gut zu...
    Seit 1846 ist das Haus gut zu uns, und wir sind gut zum Haus. Und nachdem – soweit mir bekannt – alle Besitzer steinalt wurden, und das bei bester Gesundheit, kann es nicht so schlimm sein.
    .
    Zuchthausprediger Süptitz, die grosse Frage wäre, wie man die Zügel weglässt, und trotzdem alles in die richtige Richtung läuft. Das Projekt Aufklärung, wenn man so will.

  97. Lieber Don,

    ein wirklich...
    Lieber Don,
    ein wirklich schöner Beitrag, eine begeisternde Komposition aus Trauben und Muschel und Marmor in Bleich und Silber, wunderbar die Kommentare wie Insekten um den süßen Saft der dahinwesenden Trauben. Ich gestehe, dass es mich schüttelt vor Ekel, wenn ich angefressene Stellen auf Obsttellern erblicke, vorlieblich von Männern erzeugt (und ich erblicke darin ganz männervorverurteilend und sicherlich vollkommen ungerechtfertigt eine genderpolitisch voll unkorrekte Parallele zum beinhebenden Hund an der Ecke, oder hat es vielleicht mit Machtanspruch zu tun: Seht her, die beste Traube aus dem Gebinde für mich, der Menschenrest kann den Traubenrest wegknabbern ;-)
    Zu den Vanitasgebinden auf blinkenden Silbern noch folgende Anleitung oder Anregung: Das gut Geputzte, das Blinksilber auf das süß bepatzte Linnen, die summenden Fliegenpapiere ringeln um Schalen und Schüsseln.
    Die Kasel wollt ich im Hause nicht hängen. Es sei denn: in einen Schrank. Aber so? Als Gesprächsfeuerzeug? Ich merke gerade, dass aus mir wohl kein Sammler mehr wird. Ja.
    Nochmals vielen Dank für Beitrag und Comments, das atmet schon Ausgang des Sommers, den Herbst. Dank!

  98. Vielleicht noch ein Vorschlag...
    Vielleicht noch ein Vorschlag zur Benennung der mehrfach besprochenen Schere: In Anlehnung an die Lichtputzschere, die Traubenputzschere? Obstputzschere, Fruchtputzschere? ;-)
    Ja, die Literatur ist eine genuin bürgerliche Kunst, sieht man mal von der Handvoll verarmten Adels wie Novalis und Eichendorff ab.

  99. Für Kaselfetischisten hier...
    Für Kaselfetischisten hier noch ein faszinierendes Exemplar:
    http://www.dornai.com/images/Danse_Macabre/kremsmuenster.jpg
    Anders als wortschubse, würde ich mir die auch an die Wand hängen. Kann allerdings verstehen, wenn’s nicht jedermanns Sache ist. ;-)
    .
    @Don: Wo kann man eigentlich solche Nautilus-Muscheln erstehen?

  100. dr snuggles, wie gemein !...
    dr snuggles, wie gemein ! Unterlassen sie solche Tips, denn diesen Film werde ich mir jetzt anschauen, wenn ich im Herbst wieder mal ein Haus im Küstennebel bewohne. Und ich glaube, dass mir der Movie mind. 1 – 2 Nächte meines Urlaubes rauben wird….aber es geht doch in Bezug auf eine richtige Gänsehaut nichts über diese 70er-Lsd-Psycho-Atmosphäre.

  101. @goya - oh, da irren Sie sich,...
    @goya – oh, da irren Sie sich, die würde ich mir beispielsweise durchaus anne Wand nageln. Über den Schreibtisch vermutlich. Oder seitlich dazu. Vielleicht als Teil eines Tryptichon aus Barockspiegel und moderner Fotoarbeit bzw. Vanitas-Gemälde (alles außer Blutorgien-Nietzsch;-) Oder zu einem der Pendants aus dem prachtvoll düsteren Mexiko. Wenn ichs so recht bedenke: Doch, lieber Don, bitte hängen. Nur nicht museal allein und nackt auf weißer Wand.

  102. Werte wortschubse, wenn das so...
    Werte wortschubse, wenn das so ist, sehen Sie mir bitte die falsche Einschätzung Ihres Geschmacks nach. Dann können Sie sich ja vielleicht auch für dieses Objekt erwärmen:
    http://zumsterbenschoen.info/uploads/pics/handtuchhalter.jpg
    Vanitas-Handtuchhalter, 17. Jhdt.
    .
    Oder wie wärs mit einem Anhänger in Sargform zum Gedächtnis an Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt, Deutschland, nach 1661:
    http://zumsterbenschoen.info/uploads/pics/ged_an_landgraf.jpg
    .
    Was den Blutorgien- und Mysterien-Zampano angeht, gehe ich mit Ihnen d’accord. ;-)

  103. danke für die links, lieber...
    danke für die links, lieber goya, prachtvolle Stücke, gewiß! Den Handtuchhalter in einem prachtvollen Bad? Wohl eher neben einem Waschtisch, ich kann mir nicht denken, wie sonst das Holz den Feuchtraum übersteht. Am schönsten wohl in Spa, Muckibudi, Wellnesshotel ;-) Das Angebinde, das Andenken an den Herrn Markgraf wäre ebenfalls eine Überlegung wert, durchaus! Doch alles in Maßen! Memento mori, Carpe diem. Die Kasel, auf die Sie verwiesen, zeigt auch dieses: Musikinstrumente. Eine prachtvoll geschnitzte Laute, eine Geige?

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