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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Der Fluch der Privilegien in der Demokratie

| 127 Lesermeinungen

Man möchte die Debatte um die Einladung des Chefs der Deutschen Bank ins Kanzleramt beendet sehen. Man wünscht, das Volk solle sich wegen der paar Euro nicht so haben. Man möchte bitte andere Sorgen vortragen und wegschauen, wenn sich die Kanzlerin bei der aufgeflogenen Privilegenvergabe peinlich windet. Dabei geht es wirklich nicht um das Geld oder die Gangabfolge im Kanzleramt. Es geht um die Frage, welche Privilegien man eigentlich der Demokratie und der besseren Gesellschaft dieses Landes zumuten kann. Meines Erachtens: Gar keine.

Will der Herr Graf ein Tänzchen wohl wagen
Soll er’s mir sagen
Ich spiele ihm auf.
Lorenzo da Ponte, Figaros Hochzeit

Wollte man F***** beschreiben, man müsste wohl zu den Begrifflichkeiten des erotischen Romans des 18. Jahrhunderts greifen. Von ihren Eltern in grösstmöglicher Verblödung und Verdünkelung des Konservativismus erzogen, verfügte sie jedoch über eine reichlich lebenslustige Grossmutter, die sie ab und an durch die Weltgeschichte schleifte. Sie hatte Haut wie Elfenbein, leuchtende Augen und ebenmässige, klassische Züge mit einer wundersam falschen, wollüstigen Verwandlung rund um die Lippen, ein festes Fleisch und einen vorzüglich geformten Körper. Die halbe AG Literatur des Gymnasiums war in sie verliebt, und obwohl sie formal den moralischen Ansprüchen ihrer Eltern genügte, verstand sie durch den Erbteil ihrer Grossmutter sehr wohl die Möglichkeiten, die sich hier boten.  F***** war dort, weil es dazu gehörte, in der Schule etwas zu tun, was andere nicht taten, las aber die Bücher nicht, sondern schweifte bald ab und erzählte Nichtigkeiten, wegen derer ihr viele an den vollen, roten Lippen hingen. Dann war es vorbei, und alle fuhren heim. F*****s Eltern hatten mit meinen Eltern verabredet, dass sie nur mit mir heimfahren sollte. Es bot sich an, denn wir kamen aus eben jenem Viertel, in dem die 2% der Stadt wohnten, die dort für die restlichen 98% keinen Platz sahen. Bei mir war die Gefahr amourösen Verwicklung gering, denn wenn F***** auch in der AG Literatur zu brillieren wusste, so war sie im Westviertel doch allenfalls ein typisch verzogenes Produkt dieser Kreise, das man von klein auf kennt und – nun, sagen wir es so: Ihre Nachbarin H***** war eher schon in jungen Tagen das, was man eine Diva nennen könnte: Verlogen, indiskret, skandalumwittert. F***** begleitete man heim, für H***** hätte man sich in Stücke reissen lassen.

F***** aber reüssierte also lieber in der AG Literatur, und war fraglos schön und auf eine reizende Art beschränkt. Wenn sie es zwar verstand, den besten Lockvogel für den Aufstieg in die bessere Gesellschaft durch Verheiratung zu geben, war sie auch stets höchst instinktlos, wenn es um Privilegien ging. Ihre Eltern mussten vergessen haben, ihr entsprechende Weisungen mitzugeben, und während ich  – damals, denn niemand hätte mich wie heute die FAZ dafür entlohnt – brav über unsere Verhältnisse schwieg, plapperte F***** darauf los.

Bild zu: Der Fluch der Privilegien in der Demokratie

Mitunter war das für manche sicher verlockend, was da von daheim bleibenden Müttern, reichen Vätern und Sommerhäusern am Gardasee in süssen Tönen anklang. Mitunter aber auch kaute ich verlegen an den Plätzchen, wenn F***** etwa über einen gewissen Ball erzählte, zu dem nur bestimmte Leute eingeladen wurden – und über die Art, wie die Einladungen bestimmt wurden. Finanziert über öffentliche Mittel, setzten sich ein paar Frauen der Veranstalter zusammen und sagten – der schon, der nicht, und den Rest kennen wir gar nicht. F*****s Eltern kannte jeder, und die junge Dame war nicht nur eingeladen, sie durfte auch selbst ein wenig selektieren, um die durch nicht kommende Abweichler wie mich gelichteten Reihen der Jugend in diesem – sagen wir es ruhig so, wie ich es auch heute noch empfinde – kryptofaschisten Militaristenaufmarsch in schlecht sitzenden Anzügen mit Schnauzbärten zu füllen.

Kurz, F***** liess alle merken, dass sie im Besitz von Privilegien war. Privilegien im eigentlichen Wortsinn, ein klares Vorrecht zu bestimmen, wer welche Möglichkeiten erhält und wer nicht. Es tat, um es vorsichtig zu sagen, so mancher Verliebtheit einen Abbruch, und besser als in jedem Sozialkundeunterricht lernten die Anwesenden, dass gewisse Teile der Elite einen Dreck darauf geben, dass in diesem Staate angeblich alle gleich sind. Der Vortrag der Selektionskriterien war in etwa von der Perfidie, mit der heute die Bundeskanzlerin dieser Republik einem Banker die Einladung einer Figur wie Herrn Dieckmann von der Bildzeitung ins Kanzleramt überlässt und danach dreist behauptet, das hätte Vertreter aus Wirtschaft (Volksprodukte?), Kultur (Bohlen?), Bildung (nackte Frauen?) und Forschung (Hitlers Ufos?) ins Gespräch bringen sollen.

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Es gibt manche, die das schlucken. Und meinen, das Land hätte ja wohl andere Probleme, als sich über die paar tausend Euro aufzuregen, die das kostet. Das sind Journalisten des Springerkonzerns, aber auch in diesem Blatt hier findet man eine ähnliche Meinung. Da merkt unsereins dann wieder, warum Journalisten in meinen Kreisen kein hohes Ansehen geniessen; ich hatte gestern die Möglichkeit, mit etlichen Vertretern der typischen besseren Kreise daheim und auf dem Wochenmarkt zu reden, und die allgemeine Meinung war: Das geht absolut nicht. Das kann man nicht machen.

Es geht dabei nicht wirklich um das Geld, sondern vielmehr um die Problematik der Privilegien in einer demokratischen Gesellschaft und ihrer Eliten. Privilegien sind in Zeiten des Feudalismus nötig gewesen, als es noch kein für alle verbindliches Recht gab, und sie wirkten trotz Verfassungen und Gesetzgebung fort bis 1918. In den wirklich schweren Zeiten des Bürgertums war die Jagd nach Privilegien unabdingbar. Nur so konnten sich Reichsstädte eine Weile gegen Fürsten behaupten. Mit dem Absolutismus wurden diese Privilegien wieder entzogen, in der Aufklärung wieder vergeben, in der Restauration nach 1815 erneut gestrichen und im Laufe des 19, Jahrhunderts in einer Mischung aus Revolte und elender Kriecherei wieder ergattert. Die Privilegien waren die Kette, an der man die bürgerlichen Eliten gehalten hat. Sie waren ein Angebot, andere für den Adel zu unterdrücken. Die Privilegien waren nur geliehen, und sie schufen eine antidemokratische und obrigkeitshörige Zwischenschicht, die vom ersten Weltkrieg bis in die 70er und 80er Jahre des 20. Jahrhunderts brauchte, um diesem Untertanengeist zu entwachsen.

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Entsprechend gross ist heute der Hass auf Privilegien in weiten Teilen der bürgerlich-demokratischen Gesellschaft. Im Viertel meiner Eltern gilt ein Buch als Pflichtlektüre: „Macht und Missbrauch“ von Wilhelm Schlötterer, der mit den dunklen Jahren unter Franz Josef Strauss und dessen Privilgienwirtschaft aufräumt. Dieses altertümliche Privatrecht, das historisch seine Bedeutung und Begründung hatte, wird im Kontext der besseren Gesellschaft extrem kontraproduktiv. Reichtum ist akzeptiert, weil seine Mehrung zu Leistung anspornt. Vermögen ist akzeptiert, weil es Möglichkeiten eröffnet. Privilegien dagegen ersetzen das Leistungs- und Verdienstprinzip gegen vermutete Mauschelei vom Hinterzimmer der Dorfkneipe bis zum Empfangsbereich des Bundeskanzleramts, und teilen die bessere Gesellschaft in zwei Schichten. Es ist in der Demokratie nicht mehr möglich, ganze Klassen zu privilegieren. Also bietet man Einzelpersonen Vorrechte an und legt damit die Bombe an die Fundamente einer Klasse, deren Mitglieder voller Urangst sind, abgehängt zu werden.

Es war bei uns ein weiter und nicht schöner Weg zu dieser Erkenntnis. Nachdem eben jenes Westviertel aber ein Hauptschauplatz des Mega Petrol Skandals war, haben hier viele auch am eigenen Leib und Vermögen verspürt, dass die Gleichheit aller vor dem Gesetz nicht schlecht wäre. Mit Privilegien verschafft man sich nicht nur Vorrechte, notfalls von weisungsgebundenen Staatsanwälten milde behandelt zu werden, man  gerät auch in Abhängigkeiten. Man ist verpflichtet, und genau das widerspricht fundamental dem, was man als Kind dieser Kreise, wenn sie wirklich besser und nicht nur oligarchisch sind, eingebläut bekommt: Tu nie etwas, das Dich oder uns zu etwas verpflichtet. Zahl selbst, das Geld legen wir in die Silberschale. Nimm nie eine Einlaung an von einem, der etwas von Dir erwartet. Kurz: Bleib unabhängig.

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Historisch gesehen hat das Bürgertum in dieser Gesellschaft alles erreicht, was zu erreichen war. Es ist die reiche Schicht eines reichen Landes, es gibt alle Möglichkeiten, kaum Beschränkungen und allein durch die ungleiche Verteilung des Vermögens jede Menge gestaltende Möglichkeiten, die auch gern für Übles verwandt werden. Es gibt diese Freiheiten aber nur, weil das System der Privilegien und deren Verteiler durch eine Serie extrem unerfreulicher Ereignisse niederkämpft wurde, und am Ende gar mit amerikanischen Bomben ausradiert werden musste – nichts verkörpert Privilegien besser als das System der Herrenrasse, die sich das Vorrecht herausnimmt, andere Rassen auszulöschen. Von da sollte man eigentlich so weit wie irgend möglich weg wollen, wie auch von den Steuerpächtern, Kaufjuristen, Handlangern, Bütteln, Hofdichtern, Speichelleckern, all dem Pack und Abschaum des Obrigkeitssystems, das wegzuwischen und gleichzumachen das Grundgesetz mit seinem Freiheitsversprechen angetreten ist. Ist man für die Demokratie und Freiheit, muss man auch gegen Privilegien eintreten, gerade als Teil dessen, was man die bessere Gesellschaft nennt.

Der Umstand, dass F***** trotz ihrer Privilegien eine gar nicht mehr so schöne und reichlich frustrierte Hausfrau wurde, ändert nichts am generellen Prinzip der Vorrechte, die in unserer Gesellschaft keinen anderen Zweck haben, als das Recht ausser Kraft zu setzen. Das gilt besonders, wenn sie von der Regierungschefin des Staates mit dieser Verfassung dem obersten Geldchef des Landes zugeschanzt werden. Da muss man was sagen. Alles andere bringt uns auf die Schnellstrasse der Oligarchie.

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127 Lesermeinungen

  1. @ Don
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    wie jetzt ".... Alles...

    @ Don
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    wie jetzt „…. Alles andere bringt uns auf die Schnellstrasse der Oligarchie. … “ ?
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    Liber Don, wir sind bereits – bestenfalls – auf ein kurzes Päuschen an der Schnellstrassen-Raststätte auf halben Wege zur Oligarchie.
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    Und das nicht erst seit Acki’s 60tem.

  2. Werter Don A,
    so gerne ich die...

    Werter Don A,
    so gerne ich die meisten Ihrer Beiträge auch lese und oft dacore gehe, hier neige ich zu einer anderen Meinung! Ich denke, dass ein(e) Kanzler(in) auch die Pflicht hat, sich mit den Mächtigen und Einflussreichen zu treffen. Hier kann sie Gespräche führen, ihre Meinung inoffiziel zum Ausdruck bringen und vielleicht mehr erreichen, als durch öffentliche Schelte.
    Ich habe eher den Verdacht, dass solche Nichtigkeiten die Nebelkerzen sind, hinter denen man die wirklichen Probleme: Staatsschulden, Afghanistankrieg, verdeckte Arbeitslosigkeit gut verstecken kann. Vielleicht trifft sich sogar eine Kommission und beschließt welche Sau heute durchs Dorf getrieben und beschmutzt wird, damit die restlichen Sauereien unbemerkt bleiben.
    Also obwohl ich es hasse Herrn Steinbrück zu zustimmen, hier hat der Mann recht, wenn er sagt, das Kleinkariertes aufgeblasen wird.

  3. Lebemann, es gibt aber auch...
    Lebemann, es gibt aber auch einen Rückwärtsgang und die Möglichkeit, gegen die Einbahnstrasse zu fahren. In Bayern trennen uns inzwischen doch einige Meilen von dem, was hier unter Strauss war. Man sieht also: Es geht. Es ist kein Naturgesetz.

  4. BlackJack, es steht natürlich...
    BlackJack, es steht natürlich jedem frei, gerade in Blogs, andere Schweine zu züchten und zu treiben. Erziehung aber fängt im Kleinen an, und wenn die kleine Ängela partout meint, sie müsse dem kleinen Josef daheim bei den Eltern eine Party schmeissen lassen, damit der mal seinen Freunden zeigen könnte, wie toll er ist, sehe ich mich als Teil des elterlichen Gewissens veranlasst, dem Gör zu erklären, warum das so nicht geht, und warum man das nicht tut. Meines Erachtens ist das ein anständiges Haus. „Benimm Dich nicht wie Graf Gox“, hätten meine Eltern zu mir gesagt, hätte ich ähnliches angestellt.
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    Ich persönlich glaube, dass man bei der kleinen Erziehung später grosse Skandale verhindern kann. Und darum geht es.

  5. Don,
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    Ich fürchte hier liegt...

    Don,
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    Ich fürchte hier liegt ein Irrtum vor. Es trennen seit Strauss keine Meilen, lediglich die Fassade hat sich zeitgemäss verändert. Anderslautende Aussagen sind imho optimistisch, bestenfalls als Pfeifen im Walde zu werten.
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    Mir sind keine über das anekdotische hinausgehenden Hinweise – geschweige denn Beweise – für einen „Rückwärtsgang“ bekannt.
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    Schon gar nicht in Bayern – aber was will man schon von einem Landstrich erwarten dessen bekanntester Monarch sich von einer irischen Vaudeville-Tänzerin mit der Haarbürste hat durchprügeln lassen.

  6. Lebemann, man muss aber...
    Lebemann, man muss aber konzidieren, dass die Fassadenänderung nie geschehen wäre, hätte die menge vor der alten Fassade nicht die Meinung entwickelt, dass man es so nicht machen könnte. Sicher. es ist ein zäher Kampf. Aber er findet statt, und die Zeiten, da die Staatspartei noch eine solche war, sind gerade dabei, etwas zu verblassen. Da helfen auch keine neuen Fassaden. Privilegien sind nicht unmöglich, aber es ist schwieriger geworden, sie unwidersprochen auszuüben.

  7. Nicht zum ersten frage ich...
    Nicht zum ersten frage ich mich, ob und wie Don Alphonso mit den Stützen der Gesellschaft in den Zeiten der Herrenrasse zu Gericht geht. Das mag nicht zum aktuellen Beitrag gehören, aber das es angerissen wurde, wie war das?: „Nimm nie eine Einlaung an von einem, der etwas von Dir erwartet. Kurz: Bleib unabhängig.“

  8. Nun hat der Herr Ackermann...
    Nun hat der Herr Ackermann denn alleine entschieden, wer kommt und wer nicht, ich dachte, dass die Bundeskanzlerin mit entschieden hat.
    Gelungen finde ich allerdings den Vergleich, so dass der Souverän (Bürger) das elterliche Gewissen ist. Hand aufs Herz, wer von uns hätte die Einladung zu diesem Abendessen abgeschlagen, so er denn eine erhalten hätte? Frau Bundeskanzler, falls Sie hier mitlesen, mich dürfen Sie gerne einladen, ich blogge dann auch freundlich über den Abend!

  9. Laut Spengler (und er scheint...
    Laut Spengler (und er scheint in vielen Fragen Recht zu haben), befinden wir uns in einer Phase, in der die Gewaltpolitik über das Geld siegt, nachdem die Herrschaft des Geldes (von ihm in Anführungszeichen als ‚Demokratie‘ bezeichnet) beendet wurde. Gekennzeichnet ist diese Phase durch einen zunehmend primitiveren Charakter der politischen Formen – siehe auch Privilegien als Kennzeichen vordemokratischer Gesellschaften. Leider sind nach Spengler diese historischen Abläufe schicksalhaft und unausweichlich. Die gegenwärtig beginnende Phase wird nach seiner Einschätzung etwa bis 2200 andauern. Dennoch hat innerhalb dieser Gesetzmäßigkeiten jeder von uns seine Funktion in der Erfüllung dieses Schicksals und seiner Erscheinungsformen. Ihre Kritik ist ein Bestandteil davon. Sie hebt sich sehr von der sonst oberflächlich gemeinten Plauderei ab. Vielen Dank dafür!

  10. Don,
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    Sofern wir den letzten...

    Don,
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    Sofern wir den letzten Satz in:
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    Privilegien sind nicht unmöglich, aber es ist tendenziell schwieriger geworden, sie öffentlich, offensichtlich, selbstherrlich und unwidersprochen auszuüben.
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    Abändern, kann ich dem vollumfänglich zustimmen. Nur: was sagt uns das?

  11. Das Streben nach dem Privileg,...
    Das Streben nach dem Privileg, also nach dem Einzigartig-Sein, steckt doch in jedem von uns: Der eine freut sich, wenn ihn der Türsteher im Berliner Kitkat-Club an der Schlange vorbei reinlässt, der andere wenn er vom Essen in der Staatskanzlei erzählt, der Dritte, wenn er mit seinen Silberkännchen und alten Autos prahlen kann.
    Leider wird Demokratie von vielen als Gleichmacherei auf niedrigstem Niveau verstanden. Und nicht als die Möglichkeit für alle, recht ungehindert nach Selbstverwirklichung streben zu dürfen. Bei uns durfte z.B. ein unvermögender (in jeder Hinsicht), straßenkämpfender Taxifahrer schließlich Vizekanzler und US-Ehrenprofessor werden. Dass man als Bürger dieses darf, ist mehr Privileg als eine Einladung zum popeligen Essen mit Promis.
    Von mir aus soll einer, der sich für den Staat einsetzt, für die Kanzlerin wichtig ist oder für die Beamten, die deren Terminkalender schreiben, doch ein warmes Essen erhalten. Oder einen Orden für 7,50 Euro Materialwert. Denn anders als im Feudalismus kann das jeder bekommen, wenn er nur was dafür tut. (Und damit meine ich: mehr als Blogs schreiben, in denen zwischen den Zeilen der „besseren Gesellschaft“ doch nur der krattlerische, kleinbürgerliche Neid durchschimmert.)

  12. Lebemann, das sagt uns, dass...
    Lebemann, das sagt uns, dass das Volk nicht mehr ganz so blöd (Abbildung 1 und 2), sondern etwas aufgeklärter und unzufrieden (Abbildung 3) ist und vielleicht auch mal soweit kommt, Gesetze nicht nur schreiben zu lassen, sondern sie auch durchzusetzen (Abbildung 4, leider fand ich gerade das Bulletin de Lois von 1796 auf die Schnelle nicht, aber Napoleon macht die Sache auch nicht schlecht).
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    anderl, höchst ablehnend. Allerdings ist das nur begrenzt Bestandteil dieses Blogs.

  13. W.Schmid, darf ich fragen, was...
    W.Schmid, darf ich fragen, was das sein soll? Aus der Anonymität heraus ein wenig feige sein?
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    BlachJack66, ich hatte solche Einladungen, und fand die Vorstellung, mich oim Adlon bei irgendwelchen Regoerungschefs zu langweilen, schrecklich. Schon die berüchtigte Bertelsmannstiftung ist ein elender Bauchpinselverein. Und das Service vom Anspruch des Bundeskanzleramt steht bei mir in der Gästewohnung, weil es nicht so schlimm ist, wenn es Kinder kaputt machen. Wenn es dort Spargel gab, war er auch nicht aus Abensberg, sondern aus der Region Berlin. Das soll jetzt nicht arrogant wirken; entscheidend ist einfach das Einräumen eines Vorrechts. In einer Gesellschaft, die ohnehin zu viele Vorrechte kennt und daran zu zerbrechen droht.

  14. Lieber Don,
    jetzt kann ich...

    Lieber Don,
    jetzt kann ich nicht mehr. Immer habe ich Ihr Blog leicht zurückgelehnt und mit einem Schmunzeln genossen. Aber wenn Sie jetzt anfangen, die „Meinung der Menge“ als Begründung für eigene Ansichten und Einlassungen zu übernehmen, gehört das wohl eher zum Inhalt der Produkte des von Ihnen so gescholtenen Herrn Dieckmann, der übrigens mit seinen Produkten eine wichtige Voraussetzung dafür schafft, daß Sie „Stütze der (besseren) Gesellschaft“, wie Sie sich bisher dargestellt haben, sein können.

  15. Don Carlos, ich tendiere...
    Don Carlos, ich tendiere inzwischen dazu, Spengler mit 20 Jahren Abstand gnädiger zu sehen, als in meiner Jugend. Das ist vermutlich einer der Autoren, für den man viel gesehen und erlebt haben muss, um seine aufklärerische Dimension zu begreifen. Noch immer denke ich, dass es ein böses Buch ist, aber heute muss man es vielleicht als heilsames Gift begreifen.
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    Was ich aber nicht für richtig halte, ist die Unausweichlichkeit. Ich glaube auch nicht an den Fortschritt des Menschen, tendiere aber zu einer Adaption des Konzepts – nur des Konzepts! – der permanenten Revolution von Trotzki, wenn es um die Verhinderung solcher Automatismen geht. leider ist die Welt nicht mehr so gross, dass man wie Candide nach Istanbul gehen und sich einfach dort um den Garten und dessen Bestellung kümmern kann. Die Welt würde es einen nicht tun lassen.

  16. Wieder ein sehr schöner...
    Wieder ein sehr schöner Beitrag.

  17. Welche "Meinung der Menge",...
    Welche „Meinung der Menge“, Peter? Es ist die Meinung derer, unter denen ich lebe, das ist alles – und das ist sicher nicht „die Menge“. Die Menge dürfte tatsächlich nur denken, dass die im Kanzleramt auf Steuerkosten prassen waren, und sehen eher nicht das Kernproblem der Priviliegieneinräumung. Zumindest wird es so von diversen Kommentatoren vorgegeben. Dass es ein Oben und ein Unten gibt, ist nicht das Werk der Bildzeitung, aber sie ist durchaus eine Folge dieser Trennung.

  18. Was ist denn in Deutschland...
    Was ist denn in Deutschland los, Don Alphonso? Kaum bin ich zwei Wochen in der Schweiz: schon geht es drunter und drüber.
    Ich kann diesem „Skandal“ ehrlich gesagt wenig abgewinnen – allenfalls, dass der Volksverblöder Nummer eins, Dieckmann zu diesem Empfang geladen wurde und das auf Kosten des Steuerzahlers.
    Es scheint mir aber eine ganz typisch deutsche Reaktion. Man erwähnt „Ackermann“ und schon ist man sich sämtlicher Beissreflexe sicher. Wobei: ich weiss ehrlich gesagt gar nicht, was alle gegen diesen Mann haben?! Er selbst finanziert mit seinen Steuern ganze Wohnblöcke von BILD-Lesern, die Bank zahlt nicht wenige Steuern (selbst in der Krise hat sie Gewinn gemacht) und sie spendet jedes Jahr eine grosse Summe für kulturelle Projekte.
    Der Gästeliste die Dr. Schirrmacher in dieser Zeitung anklingen liess, die lässt wirklich nicht darauf schliessen, dass es sich um einen privaten Anlass des Dr. Ackermann gehandelt hat. Er nimmt Wohnsitz an bester Stadtzürcher Lage (eine recht bescheidene Bleibe) und wird sich wohl kaum an einem Tischnachbarn wie Dieckmann erfreuen.
    Sie haben im Kern ganz recht: es gilt Unabhängigkeit zu bewahren. Aber: persönliche Unabhängigkeit. Nun sind die Dres. Ackermann und Hambrecht gleichzeitig aber Chefs zweier deutscher Vorzeigeunternehmen die in Deutschland Arbeitsplätze sichern, entstehen lassen und auch Steuern zahlen. Wir wissen nun beide, verehrter Don Alphonso, Wirtschaft ist von Rahmenbedingungen abhängig und die bringt man am ehesten da an, wo etwas bewirkt werden kann: bei der Regierungschefin.
    En ewigen, und ich empfinde ihn inzwischen nervtötend, Vorwurf des Lobbyismus will ich schlicht entgegen halten: wir alle betreiben in irgendeiner Form Lobbyismus. Dr. Ackermann für die Banken, Dr. Hamprecht für die Chemie, Dr. Schirrmacher für die Presse, die Linke für BILD-Leser, ich für Steuerhinterzieher, Sie für Konditoren.
    Worauf ich hinaus will: Sie haben mit Ihrer Kritik zwar im Kern ganz recht; dennoch muss ich da eine ähnliche Naivität unterstellen wie der Schmitt’schen Parlamentarismuskritik. Das Kernproblem ist doch ein ganz anderes: Lobbyismus gibt es immer nur dann, wenn es einen zu mächtigen Staat gibt. Würde sich dieser Staat auf seine verfassungsgemässen Aufgaben beschränken und nicht in allen Rand- und Grauzonen rumfuschen – Lobbyismus wäre ein weitaus kleineres Problem.
    Nun, ich habe heute schon gewählt und werde mich am Montag zurück nach Luzern und Sils begeben. Bis dieser ganze Krach vorbei ist.

  19. Werter Don,
    im Prinzip dacore,...

    Werter Don,
    im Prinzip dacore, auch bei uns ist niemand gleich, aber ich gebe w. schmid in dem Punkt Recht, dass hier alle die gleichen Möglichkeiten haben sich zu entfalten, nicht alle gleich gemacht werden. Aber ich wundere mich doch schon, wie die Masse und die Presse sich erregt, stehen doch ganz andere Summen im Raum, man lese den Bericht des Bundes der Steuerzahler zu den verschendeten Milliarden! Also ich sage: Nebelkerze Das ist wie der Zaubertrick, mache was auffälliges und was niemand bemerken soll, wird zeitgleich erledigt, wenn alles nach links schaut!
    Und was Spargel angeht, so kommt der Beste aus der Region Braunschweig oder genauer gesagt Watenbüttel bei Braunschweig! Die haben früher die besten Hotels der Welt damit beliefert, als Ihre Klasse noch wirklich elitär war und in diesen Häusern verkehrte!

  20. Eins der treffendsten...
    Eins der treffendsten Plädoyers für die Demokratie und für die Abschaffung von Privilegien, dass ich je gelesen habe.
    Und das von Ihnen, werter Don, dessen Blog ich mit großem Interesse lese.
    Capeau et merci.
    Sie wissen, was Sie Ihrer Klasse „schulden“, ohne sich zu verplichten.
    Es geht halt um die „Dinge, die man tut und die, von denen man weiß, dass man sie nicht tut und daher auch nicht tut“, (Zitat: grand-mère Waldwuff).

  21. Don Carlos und Don Alphonso,...
    Don Carlos und Don Alphonso, noch eine kleine Anmerkung zu Spengler. Spengler ist mit seinem Untergang des Abendlandes ja nicht sonderlich originell. Er vertritt eine klassische Dekadenztheorie und die hat ihren Ursprung beim Ursprung allen Denkens: bei Heraklit. Sein πάντα ῥεῖ und die anderen 113 Fragmente sind eben nicht naturalistisch zu interpretieren, ganz im Gegenteil. sie sind zutiefst politisch (wer das Lesen will: Gadamer ist da sehr gut). Eine erste Zyklentheorie geht auf Ulrich v. Wilamowitz-Moellendorf (der Schweigersohn meines geliebten Mommsen) zurück (eine Rede zum Geburtstag des Kaisers an der Univ. Göttingen, ich glaube 1897). Auch Spengler hat in jungen Jahren reichlich über Heraklit geschrieben.
    Ich will nun noch etwas weiter ätzen: wir haben hier einen ganz normalen Prozess. Folgt man Hölderlin (auch ein Heraklitfreund) ist ein auseinanderbrechen der Gesellschaft logische Folge und wiederholt sich periodisch. Nur in einer natürlichen Sekunde (im Zeitpunkt der Revolution) stimmen Staatsziel mit Volksziel überein (alles im Tod des Empeokles) nachzulesen. Nun ist unser Staat mit all seinen Einrichtungen ein Konstrukt des Liberalismus (Bürgerrechte, Demokratie, Parlament, Privatrecht etc.) – der „Volksgeist“ (um hier den Begriff der historischen Rechtsschule zu verwenden) ist inzwischen aber ein ganz anderer. Gewonnen hat in den letzten Jahrzehnten eine „Tugend“, die den liberalen Tugenden diametral entgegen steht: das Gefühl.
    Und da, da bin ich auch ganz Spengler, Europa hat seinen Zenit schon lange überschritten. Die grosse Zeit war ca. 1820-1870. Seitdem geht es bergab.

  22. Naja es geht wie immer um die...
    Naja es geht wie immer um die richtige Wahrnehmung unserer Existenz in diesem Augenblick der Geschichte hier an Ort und Stelle. Fast nicht möglich, oder vielleicht nur, wenn man sich sehr weit zurücklehnt, bis in die Marsumlaufbahn. Bleibt wieder nur, sich mitten ins Getümmel zu stürzen, Anstoß zu nehmen oder auch nicht – und heiter zu bleiben. Im Kanzleramt hatte sich das Gesinde (ohne l) der Demokratie versammelt, aber ich glaube kaum, daß es sich dessen bewußt war.
    @ machschirrer: wie war das denn mit dem Dazugehörigkeitsgefühl? Wie bei Loge, als die Götter nach Walhal einmarschierten?

  23. Werter Don,
    falls Ihr Artikel...

    Werter Don,
    falls Ihr Artikel wirklich nur gegen die Privilegien gedacht war, so kann ich sagen, dass ich Ihnen zustimme. Privilegien sind das Gift einer Demokratie. Von daher zu verdammen. Doch empfinde ich es nicht als Privileg, dass Herr Ackermann eingeladen wurde und einladen durfte. Das machen andere doch auch. Das ist ein Verdienst und halt auch seinem Einfluss geschuldet. Herr Ackermann hat seinen Posten weder geerbt noch geschenkt bekommen. Er hat bestimmt hart dafür gearbeitet, um da zu stehen, wo er jetzt ist. Es sei ihm von meiner Seite aus vergönnt!
    Und wie gesagt, dieses Dinner hat mich als Steuerzahler so um die 0,00001 Cent gekostet. Herr Funke mit seinen irrwitzigen Spekulationen kostet mich an Steuergeldern ca. 6.000,00 €. Das ist für mich viel dekadenter, zumal er meint noch ein Anrecht auf Pension und Gehalt zu haben. Da lobe ich mir Herrn Ackermann!
    Aber ich ordne Ihren Beitrag als Festrede auf die Erklärung der Bürger und Menschenrechte durch die französische Nationalversammlung am 26. August 1789 ein. Mögen Privilegien, zumal ererbte endlich der Vergangenheit angehören!

  24. Die Messer werden schon...
    Die Messer werden schon gewetzt
    Der eigentliche Skandal, oder besser gesagt: der Witz an der Geschichte, ist doch, dass sich Ackermann in der Rolle des Privilegierten zu gefallen scheint. Erst dieses dümmliche „V-Zeichen“ im Anschluss an seinen gewonnenen Bestechungsprozess (warum hat er den wohl gewonnen? – er denkt, weil er Herr Ackermann ist, er begreift noch nicht mal die Gesetze seiner eigenen Klasse)), dann dieses großkotzige Geplapper in aller Öffentlichkeit über diese Kanzlereinladung.
    Dieser Mensch hat weniger Stil als seiner Klasse gut tut. Weiter so, Ihr Ackermänner, die Messer werden schon gewetzt – in den unteren Klassen.

  25. "Tu nie etwas, das Dich oder...
    „Tu nie etwas, das Dich oder uns zu etwas verpflichtet.“ Da seh ich vor meinem inneren Auge einen kleinen glatzigen Gentleman bei einem ganz anderen Don sitzen und murmeln: „I believe in America.“ So fängt es nämlich an: aus den kleinen Gefallen werden die großen Verbrechen. Ich möchte ungern schlußfolgern, daß es in diesem Lande soweit wäre. Der Anlaß zu solchen Erwägungen ist denn doch nicht bedeutend genug. Aber ich habe eine Gesellschaft erleben dürfen, die vom esprit de lois nichts wissen wollte. Ein Erfahrung, die ich nicht wiederholen möchte. Insofern: wehret den Anfängen.

  26. >>Ist man für die Demokratie...
    >>Ist man für die Demokratie und Freiheit, muss man auch gegen Privilegien eintreten, gerade als Teil dessen, was man die bessere Gesellschaft nennt.<< . Respekt, der Artikel ist schon fast aufklärerisch, wie er die Dinge zurechtrückt. Was sollen wir von einer Journaille -auch in den besseren Blättern- halten, die das eigentliche Problm nicht ebenso scharf heraussezieren kann? Die angemahnte bürgerschaftliche Verantwortung fand sich früher (bis etwa 1989?) nicht nur in den sog. oder tats. besseren Kreisen; gute Bürger (citoiens, als Gegenteil des Bourgeois) gab es da in allen Kreisen. Was bleibt , wenn es keine Bürger im obigen Sinne mehr gibt, die die genannten Zusammenhänge kennen? Fiat jus ut not pereat mundi? ... ? .... ?

  27. BlackJack, Ackermann muss eben...
    BlackJack, Ackermann muss eben -da größtmögliche Prominenz- als Symbol für das Böse schlechthin herhalten. Die Commerzbank, in schlimme Schieflage geraten, gehört nun dem Staat; kennt jemand den Namen des Vorstandsvorsitzenden, ohne im dortigen Impressum nachzuschauen? Und interessiert sich irgendwer dafür, von wem ihm schon einmal ein Essen spendiert wurde?

  28. wenn auf vieles nicht, dann...
    wenn auf vieles nicht, dann konnte ich mich im leben auf eines immer verlassen: privilegien zu erhalten. und genauso gerne gewaehre ich privilegien. denn genau hier kommt das menschliche salz in die suppe.

    ‚privilegien als feind der demokratie‘ … – mag sein. die demokratie in tatunion mit medien ist aber auch die schlimmste spiesserveranstaltung, die man sich vorstellen kann, so dass sie selbstverstaendlich jede menge natuerliche feinde hat.

  29. Demokratie und Privilegien,...
    Demokratie und Privilegien, das erinnert mich an ein Buch von K.H. Scheuch aus den fruehen 1990ern (Titel wird mir wieder einfallen). Er hatte nach rechts und links ausgeteilt und hat das (politisch, CDU Mitglied, in Koeln) selbstredend nicht ueberlebt.
    P.S. Stimmt es, dass die Deutsche Bank der groesste Einzelspender der CDU ist (EUR 280.000 etwa im letzten Jahr?). Welche Kultur wurde damit gefoerdert? Feu Seebacher Brandt, bitte uebernehmen Sie.

  30. Tut mir leid, auch ich kann...
    Tut mir leid, auch ich kann nicht mehr folgen und muss mich deshalb von Ihrer Teeparty, auf der ja schon „die Messer gewetzt“ werden, leider verabschieden.
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    Sie argumentieren unredlich — was Sie als Historiker auch genau wissen –, wenn Sie die Privilegien des Feudalzeitalters mit irgendwelchen Vergünstigungen innerhalb der republikanischen Staatsordnungen nach 1789 in einen Topf werfen. Schauen Sie mal in Zedlers Universallexicon nach, was dort zum Privileg steht: Es handle sich um „ein Gesetz oder eine Verordnung, die einzelne Personen insonderheit betrifft“. Es handelt sich also um eine Rechtegewährung, die vor 1789 mangels allgemeiner Freiheit und Gleichheit überhaupt nur in dieser Form möglich war, aber danach schon strukturell jeden Platz verloren hatte. Es geht in unserem Fall dagegen überhaupt nicht darum, Herrn A. oder sonstwem ein besonderes „Recht“ zuzuschanzen. Vielmehr: jeder kann in unserer Gesellschaft theoretisch in alle Kreise oder Klassen gelangen, wenn er/sie sich da hineinarbeitet oder meinetwegen auch hineinerbt, was Ihnen ja auch nicht ganz fremd sein dürfte. Und da liegt auch der große Unterschied zu 1933 ff., wo das eben nicht jeder konnte. Der Vergleich ist nicht nur polemisch und für meinen Geschmack unerträglich zynisch und scheinmoralisch, sondern schlicht falsch.
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    Vielleicht auf Wiedersehen auf „Rebellmarkt“, dort ist’s weniger voll.

  31. Versichern Sie mir bitte, daß...
    Versichern Sie mir bitte, daß Sie auf Kurs bleiben, Don.
    Das Thema ist tatsächlich auch (und gerade) für eine „bessere Gesellschaft“ keine Quantité négligeable und besitzt deutlich mehr Relevanz als (sorry :-) ) alle gespreizten kleinen Finger dieser Welt…

  32. privilegien ja, jederzeit. -...
    privilegien ja, jederzeit. – aber damit prahlt man nicht. das diskreditiert nur. und man nimmt sie nicht persoenlich. eher als stille gunst des schicksals, das einem manches gewaehrt und anderes nicht. soviel selbstdistanz muss sein. – ich bin hier ganz bei devin08. – ackermann hat sich vollstaendig disqualifiziert. seine selbstgefaelligkeit hat ihn zu einem unberuehrbaren gemacht. – der kerl ist durch. das war’s fuer ihn. ne walking time bomb. – keiner, der was auf sich haelt, packt den mehr an.

  33. Bollocks.

    Ein informelles...
    Bollocks.
    Ein informelles Dinner-Treffen zum Meinungsaustausch hat nichts mit Privilegien zu tun.

  34. N.W. genauso sehe ich das...
    N.W. genauso sehe ich das auch. Blöderweise hat offensichtlich die Kanzlerin dem Chef der deutschen Bank aber gesagt, er solle mal ein paar gute Freunde einladen, und das Bundeskanzleramt richte das dann für ihn aus. So zumindest der Verursacher. Ob dann am Ende ein vertrauliches Gespräch daraus wird, ist eine andere Sache. Und ob man andere in einer Diskussion darüber auch noch verbal attakieren muss, ist nochmal eine andere Frage – die der manieren nämlich
    .
    abf, ich glaube, dass man sich Privilegian ab einem gewissen Punkt schenken kann – danach geht es nur noch um die befriedigten Eitelkeiten, etwas zu können, was andere nicht können. Und sei es nur, sowas in die Kamera zu sagen.

  35. Schade, dass Sie auf den...
    Schade, dass Sie auf den Kommentar von w.schmidt nicht inhaltlich geantwortet haben – seinen prinzipiellen Gedanken zur Ausprägung der Privilegien kann ich mich anschließen.

  36. Hallward, man kann mit...
    Hallward, man kann mit Menschen diskutieren oder versuchen, sie zu diskreditieren, aber beides zusammen führt nur dazu, dass ich auf den zweiten Aspekt reagiere und danach keine Lust mehr verspüre, dergleichen freizuschalten. Ich bin hier für den Text und den Diskurs zuständig, nicht aber für sinnlose Trolldebatten.
    .
    sadeler, oh, absolut, das steht ausser Frage. Aber ich denke, auch der gesellschaftsfinger hat seine Berechtigung. Kern des Problems des gesellschaftlichen Phänomens, das wir hier besprechen, ist die Gleichzeitigkeit banalster Dinge und wirklich tiefschürfender Gedanken. Wir werden auch weiterhin beides haben – wobei der abgespreizte Finger auch seine Tiefe haben kann.

  37. Nun, Don Alphonso. Wie Sie dem...
    Nun, Don Alphonso. Wie Sie dem Beitrag Dr. Schirrmachers allerdings entnehmen können, kann es sich bei den Gästen kaum um „gute Freunde“ gehandelt haben. Dr. Schirrmacher kannte -nach eigenen Angaben- Dr. Ackermann bisher kaum. Auch wird Dr. Ackermann diesen Dieckmann kaum kennen. Wird Frau Honorarprofessor Schavan eine gute Freundin des Dr. Ackermann sein? Oder Herr Professor Lehmann ein guter Freund?
    Mit Verlaub, ich halte diese ganze Angelegenheit für ziemlich übertrieben und sehe den ganzen Rummel allein im Ackermann’schen Beissreflex begründet.
    Würde es einen ähnlichen Aufschrei geben, wenn Frau Bundeskanzler Rattle (da bekomme ich Beissreflexe) zu einem ähnlichen Anlass eingeladen hätte? Wahrscheinlich nicht. Ich halte es auch für ein gutes Recht des Staatsoberhauptes solche Veranstaltungen, auch zu Ehren einer Person, durchführen zu können.
    Sie erlauben mir noch eine ätzende Anmerkung zu Ihrer Wochenmarktbefragung. Es ist nun nicht neu, dass gerade Mitglieder der müde gewordenen besseren Gesellschaft sehr stromlinienförmig argumentieren; gegelgentlich antikapitalistische Reflexe haben – insofern unter dem Hannosyndrom leiden. Das ist dann bourgoise, aber nicht bürgerlich. Machen Sie den Test: gleicher Anlass, aber für einen Künstler. Das kantianische Zeitalter ist vorbei!

  38. @Hallward

    "w.schmid 27....
    @Hallward
    „w.schmid 27. August 2009, 10:50
    Das Streben nach dem Privileg, also nach dem Einzigartig-Sein, steckt doch in jedem von uns […], der Dritte, wenn er mit seinen Silberkännchen und alten Autos prahlen kann.“
    Nun, da hat jemand, der natürlich rein gar nicht von Mißgunst geplagt ist, den Begriff „Privileg“ nicht verstanden. Privileg ist ein Vorrecht, das einem Einzelnen oder einer sozialen Gruppe zugestanden wird, und daher in einem demokratischen, republikanischen Rechtsstaat nichts zu suchen hat.
    Was hat bitte die Freude, ein schönes Silberkännchen fast zum Materialwert erstanden zu haben (theoretisch könnte das sogar ein Hartz IV Empfänger, wenn er die Zigaretten weglässt), damit zu tun?

  39. Ich bleibe dabei: business as...
    Ich bleibe dabei: business as usual, das Spektakel wird nur vom Namen Ackermann befeuert.
    „Bei Schröder dauerten solche Veranstaltungen, die ähnlich waren, viel länger und es wurde auch viel mehr Alkohol getrunken und es gab auch Zigarren“, so Nowak, ehemals Leiter der Grundsatzabteilung im Kanzleramt unter Ex-Kanzler Gehard Schröder.
    http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/5/0,3672,7618757,00.html

  40. <p>Dipsy, ich war ja von 2004...
    Dipsy, ich war ja von 2004 bis Mitte 2005 in eben jenem republikanischen Berlin, und ich konnte mich des Eindrucks nicht ganz verschliessen, dass „Freund“ dort ein reichlich infaltionär gebrauchtes Wort ist – und nachdem es zu dieser Frage von Frau Merkel auch kein Dementi gab, dürfen wir wohl annehmen, das die ebenfalls nicht dementierte Version des Herrn Ackermann zumindest nicht ganz aus der Luft gegriffen ist. Und damit ist es eben etwas anderes, als wenn die Kanzlerin tatsächlich ein informelles Gespräch gewünscht hätte. Es wäre doch ganz einfach: Ackermann und Merkel stellen sich vor die Medien und sagen, wie es wirklich gelaufen ist. Statt weiter am Haken zu zappeln.
    .
    In Sachen Wochenmarkt ist es exakt so gemeint, wie ich es schreibe: denn dort trifft sich tout kleine dumme Stadt an der Donau. Die Preise sind zwar nicht prohibitiv, aber dort wird man bei der Kundschaft vergeblich nach Sozial Benachteiligten suchen. Man trifft dort eben jene, die man zu kennen wünscht.
    .
    Dass auch die Marjtfrauen das nicht cool finden, möchte ich nicht bestreiten; allein – ich blieb schon beim Thema.

  41. anderl, Business as usual war...
    anderl, Business as usual war auch die Idee von Marie-Antoinette, ihr kleines Chateau mit versenkbaren Wänden zu versehen, damit keiner so richtig mitbekam, wer da zu gast war. Die Geschichte hatte sehr unerfreuliche Konsequenzen, weil das Volk diese Heimlichkeit so gar nicht mochte und eines schönen Tages 1789 anrückte. Nachdem das vermutlich auch in der DDR als leuchtendes Beispiel proletarischer Politikgestaltung an der Schule gelehrt wurde, sollte Frau merkel das eigentlich schon mal gehört haben. Wenn jeder alles zum Business as usual erklären würde, hätten wir da wenig Freude.

  42. Dipsy, zwecks Lobbyismus: Der...
    Dipsy, zwecks Lobbyismus: Der kleine Unterschied ist, dass ich von all dem, was ich schreibe, keinen geldwerten Vorteil habe. Herr Ackermann würde, wäre er gewechselt, eben jetzt für die UBS lobbyieren und Geld bekommen. Ich habe eine Meinung. Keiner bezahlt mich dafür, was der Inhalt meiner Meinung ist. Insofern geht diese Überlegung, jeder sei als Lobbyist unterwegs, in eine pauschalisierende Richtung, die eigentlich immer kommt, wenn einer ganz konkret mit der Hand in der Keksdose erwischt wurde und nun versucht, es darüber zu erklären, dass alle anderen ja auch an den Klau von Keksen dächten.

  43. Mag man die Ausrichtung eines...
    Mag man die Ausrichtung eines Geburttagsevents noch mit Milde beurteilen, zumal Frau Merkel damals ernsthaft mit Acker befreundet war, so ist ihr Versuch (bzw. das von ihr mit Lügen beauftragte Kanzleramt), dieses nette Beisammensein zum „Treffen von Verbandsspitzen“ zu zeichnen, schlichtweg ein Anzeichen von Verkommenheit. Hätte sie gesagt: „Es war falsch, und ich will es nicht wieder tun“, wäre ihre Fehler eher lässlicher Natur.
    So aber zeigt sich aber eine unverhohlene Missachtung der Regierungschefin gegenüber denen, die sie regiert, und auf deren Kosten sie regiert.

  44. Privilegien wirken besonders...
    Privilegien wirken besonders widerlich, wenn sie von Emporkömmlingen erlangt werden.
    Die Marquise de Pompadour war charmant, begabt und hatte einen lauteren Charakter.
    Aber es ist nicht das, was unsere Elite-Qualitätsjouralisten mit ihr gemeinsam haben.

  45. „Ich weiß, dass viele...
    „Ich weiß, dass viele Menschen auf so etwas schauen und sagen, gibt es da zu enge Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft vielleicht. Da muss man sensibel sein. Deshalb verstehe ich auch die Nachfrage.“
    Sagt Frau Merkel. Sie „versteht“ die Nachfrage.
    DAS, Freunde, ist wahre Arroganz der Macht.

  46. Nun Don Alphonso. Sie erlauben...
    Nun Don Alphonso. Sie erlauben mir den Hinweis: Dr. Ackermann ist wohl nicht das „Charakterschwein“ als das er von der Presse dargestellt wird. Er wird zwar, sollte es nützlich für ihn und die Bank sein, zu den Herren Dres. Döpfner und Schirrmacher, allenfalls auch zu diesem Dieckmann freundlich sein – er wechselt nun aber ganz sicher nicht die Freunde wie ein anderer die Wäsche. Immerhin ist er Schweizer und kein Berliner.
    Richtig, Dr. Ackermann würde dann für die UBS Lobbyarbeit betreiben. So wie es auch seine Aufgabe als Unternehmenschef ist. Ich darf daran erinnern, dass die deutsche Bank in einem internationalen Wettbewerb steht und die ein oder andere gesetzliche Bestimmung durchaus ein erheblicher Wettbewerbsnachteil für die Bank darstellt. Wohl gemerkt nicht nur für die Bank: vielmehr für den gesamten Finanzplatz Deutschland.
    Da die Bank des Herrn Dr. Ackermann keinen einzigen cent Staatshilfe in Anspruch genommen hat (und zum Zeitpunkt dieser Zusammenkunft das Thema Bankenrettung noch nicht einmal im Raum stand); auch gab es in den letzten Jahren keine Erleichterung im regulatorischen Umfeld der Banken (ganz im Gegenteil). Ihren Keksdosenvergleich halte ich schlicht für verfehlt.
    Kurz: Dr. Ackermann hat keinen persönlichen Vorteil (bis auf vielleicht die paar Stangen Spargel) aus der Veranstaltung gezogen; und auch die deutsche Bank durfte nicht von irgendeiner Vorzugsbehandlung profitieren. Viel Lärm um nichts.
    Ich schreibe es gerne auch noch einmal: Lobbyismus und die Suche der Nähe zu den Mächtigen ist das Problem eines zu starken Staates! In der liberalen Bürgergesellschaft des 19. Jahrhunderts (hier klammere ich ganz bewusst Preussen aus) galt die Wirtschaftsfreiheit noch etwas. Heute ist das gesamte Leben derart überreguliert, dass ein guter Draht zur Lockerung einer Regelung oder zur Verhinderung noch schärferer Regelungen wirklich unabdingbar ist.
    Ich darf die Frage stellen: gäbe es einen solchen Aufschrei auf dem Marktplatz, wenn nicht Prügelknabe Ackermann sondern irgendein anderer Vorstandschef geladen gewesen wäre? Wahrscheinlich nein.
    Es tut mir leid, aber ich fürchte, Sie haben diesesmal Ihre Unabhängigkeit nicht bewahrt: die Unabhängigkeit von diesem unsäglichen Zeitgeist.

  47. Hmm, interessanter Blog und...
    Hmm, interessanter Blog und interessante Kommentare. Nur fehlt beiden heute ein wenig das Heitere, leider!

  48. <p>FS, gespasst wird wieder am...
    FS, gespasst wird wieder am Wochenende, dann mit den neuesten Kanten der besseren Kreise.
    .
    Dipsy, genau das habe ich nicht gesagt. Meine persönliche Meinung über Ackermann ist, dass er zumindest öffentlich ein gewisses Defizit in dem hat, was man gemeinhin als soziale Intelligenz bezeichnet. Ab und an würde man ihm jemand Besseren wünschen, der das bremst. es ist kein Geheimnis, dass die Deutsche Bank nicht wenig dafür gezahlt hat, PR-Spezialisten für eine Imageverbesserung des Herrn Ackermann sorgen zu lassen. Offensichtlich immer mal wieder wirksam, zumindest bei den Medien; bei der Bevölkerung hat man offensichtlich ein längeres Hirn. Nur so ist es auch zu erklären, wenn er bei den Medien mit der Behauptung durchkommt, die DeuBa hätte keine Staatshilfen genommen. Das komplett vergeigte Geschäft der Postbankübernahme zu 55 Euro je Aktie und der spätere Preisnachlass bei gleichzeitig indirekter Beteiligung des Bundes ist de facto nichts anderes. (http://www.boerse-go.de/…/Presse-Dt-Bank-zahlt-55-Euro-je-Postbank-Aktie-Deutsche-Post,a979843.html, das Internet vergisst nichts) Ohne Probleme mit der Kernkapitalquote hätte die DeuBa das nicht mehr stemmen können – also hat man mit der Politik einen Kuhhandel ausgemacht, sprich, die Post hat sich an der DeuBa beteiligt. Das ist keine Staatshilfe wie bei der Hypo Real Estate, richtig. Aber ansonsten würde ich mir schon wünschen, dass solche Vorgänge nicht einfach so unter den Tisch fallen, wie sie gefallen sind.
    .
    Es gibt so Leute (dazu mehr am Wochenende), die es einfach verstehen, genau zum richtigen Moment für den kleinsten persönlichen Vorteil für alle anderen den grösstmöglichen Schaden zu verursachen. Ackermann macht das nicht immer, sonst wäre die deuBa pleite, aber ab und an…
    .
    Im Übrigen kann ich beweisen, dass ich hier nicht dem Zeitgeist aufsitze – zu dem Thema habe ich schon 2003 sehr viel in meinem Roman geschrieben.

  49. Meine Damen und Herren, was...
    Meine Damen und Herren, was trübt ihre Urteilskraft?
    Glauben Sie wirklich hier könnte jeder unabhängig von Klasse und Geburt „theoretisch“ alles werden? Leben Sie in Amerika?
    Da man Ihnen eingangs noch erklärt hat was ein Privileg ist, kommen Sie zu dem Schluß vom Kanzler der Repubik die Geburstagsfeier ausgerichtet zu bekommen sei keins?
    Natürlich ist der Kanzler auch nicht das Staatsoberhaupt, was Weizäcker tat in der Tat nicht vergleichbar.
    Was Herr Ackermann tut ist sicher kein Lobbyismus mehr, dieser findet naturgemäß in der Vorfluren der Macht sein Betätigungsfeld und nicht in deren Zentrum. Über Torten schreiben sei Konditorlobbyismus – Sondermann
    Auch wenn Sie noch mehr wohlverdiente akademische Grade an die Geburstagsgäste verteilen – wer hier eigentlich Forschung und Bildung „vertreten“ sollte bleibt unklar.
    Was trübt ihre Urteilskraft ? Sie hatten doch nicht klammheimlich eine Präferenz für die Ermahnte

  50. don alphonso ? monstrum in...
    don alphonso ? monstrum in facie, monstrum in animo

  51. Don, nun gut, ich warte!...
    Don, nun gut, ich warte!

  52. poisson, was ich glaube ist,...
    poisson, was ich glaube ist, dass es zimindest eine vage Möglichkeit gibt, die Gesellschaftsstrukturen so flexibel zu halten, dass die Geburt kein Urteil für das Leben ist. Ein Blick auf die Mechanismen der bayerischen Gymnasien zeigt aber, dass es in der Hinsicht schon nicht mehr um die Vorsorge, sondern eher um die Vermessung der Risse und Trümmer geht.
    .
    Avantgarde, verstehen ist immer der erste Schritt zur besseren Nichtbeantwortung der Fragen. Aber immerhin. Das nächste mal wird der Einladung ein Non Disclosure Agreement begefügt, dann hat sich die Sache erledigt. (Pro Prozent der CDU bei der Bundestagswahl unter 42% 5 Millionen Wahlkampfkostensinnlosigkeitserstattung durch den Verräter)

  53. senex, oder auch: Then since...
    senex, oder auch: Then since the heavens have shaped my body so, let Hell make crooked my mind to answer ist. (Extrem Bildungsbürgerlichen)
    .
    Ach, Hansmeier, reden Sie nicht von der Marquise de Pompadour, da werde ich nur melancholisch und frage mich, warum wir nicht mak mehr eine saubere Mätressenkultur hinbekommen…

  54. Es war ja alles noch viel...
    Es war ja alles noch viel schlimmer. Frank Elstner war auch als eingeladener Gast zugegen.

  55. Entschuldigen Sie Don...
    Entschuldigen Sie Don Alphonso. Das ist nun aber eine vollkommen verquerte Darstellung der Tatsachen um die Postbank. Die deutsche Bank hat mit der Post einen Kaufvertrag über die Postbank geschlossen. Dort sind Nachverhandlungen durch Klauseln ausdrücklich gesichert, insbesondere bei einem dramatischen Kursverfall wie es ihn bei der Aktie der Postbank gab. Es darf an der Stelle nicht verschwiegen werden, dass die Postbank Ende 2009 Abschreibungen kaschierte und so die Aktiva der Bilanz massiv schmolz. Solche Geschichten stützten nun den Aktienkurs nicht unbedingt.
    Sie haben hier ein ganz schlichtes Problem: bis zur Integration der Postbank musste die deutsche Bank ihre Beteiligungen zum Marktwert bilanzieren. Das hätte zu ganz erheblichen Abschreibungen bei der deutschen Bank geführt und die Kernkapitalquote der Bank geschwächt.
    Sie haben sachlich zwar vollkommen recht, dass zwischenzeitlich der deutsche Staat über seine Minderheitsbeteiligung an einen börsennotierten Unternehmen (Post) an der deutschen Bank beteiligt war. Aber, wollen Sie hier von einer „Staatshilfe“ zu sprechen? Ich halte das wirklich für sehr weit hergeholt.
    Aber auch: selbst wenn eine private Bank Staatshilfe in Anspruch nimmt: diese Finanzkrise ist gerade das Ergebnis staatlicher Einmischung in den Kreditmarkt und insofern gibt es hier auch ein „Recht“ auf Hilfe.
    Und, Dr. Ackermann mag in der Tat gelegentlich tollpatschig sein. Aber, geht man mit ihm nicht vielleicht zu scharf ins Gericht?

  56. @stilkritik:
    These 1: "Es...

    @stilkritik:
    These 1: „Es handelt sich also um eine Rechtegewährung, die vor 1789 mangels allgemeiner Freiheit und Gleichheit überhaupt nur in dieser Form möglich war, aber danach schon strukturell jeden Platz verloren hatte“
    Privilegien werden heute typischerweise an juristische Personen vergeben. Corporations sind heute vielfach so privilegiert wie einst Monarchen und Aristokraten. Individualprivilegien mutieren dann zu einem sekundären gesellschaftlichen Partizipationsphänomen mit extrem ungleicher Verteilungscharakteristik. Eine Revolution, die sich gegen den Komfort dieser juristischen Personen richtete, würde ihren Namen verdienen.
    These 2: „jeder kann in unserer Gesellschaft theoretisch in alle Kreise oder Klassen gelangen“
    Das war im Mittelalter nicht anders, erforderte allerdings vielfach den Willen, Köpfe einzuschlagen. Generell wechselten Epochen hoher sozialer Mobilität mit solchen niedriger Mobilität ab. Oh, Byzanz gab es natürlich auch. Gegenwärtig ist nun wieder die Tendenz zur sozialen Impermeabilität der Eliten dominant.
    Anm.: Hier herrschen ja abenteuerliche Vorstellungen über die Originalität von Zyklustheorien. Griechen, Römer, Araber… Historiker, Ökonomen, Börsianer… lassen wird das. An Spengler sind nur die sprachwissenschaftlichen Kenntnisse bemerkenswert.

  57. John Dean, wenn man eine Weile...
    John Dean, wenn man eine Weile in Berlin unterwegs war, dann weiss man: Das wird nie kommen. Das, was da vorgetragen wurde, die nette, verständnisvolle Schiene bei gleichzeitigem Dazukommen passender Kommentare der Springerpresse (wie kann das nur passieren? Zufall!) ist das Maximum, was man erwarten kann. Der Rest ist die Frage, wie lange es dauert, bis das vergessen ist. Keine Frage: Ein neuer Skandal muss her. Montag, würde ich vermuten, hat die Bild dann etwas parat.

  58. Dipsy, ehrlich: Ich bedaure...
    Dipsy, ehrlich: Ich bedaure es, dass wir das erst jetzt und hier unten thematisieren. Ich sehe es so: Entweder hat die Postbank die Bilanz geschönt. Dann haben Ackermanns Leute aber bei der Due Diligence vergeigt. Oder aber: Die ahnten, dass etwas nicht stimmt, gingen aber trotzdem voran und rechneten damit, dass Ackermann dann im Spätwinter 2009 der Öffentlichkeit die Mär von der waidwunden DeuBa präsentiert, die nun selbst schlimmstens betroffen sein wird, würde sie nun die in Schieflage geratene Postbank übernehmen.
    .
    Soweit ich das von aussen beurteilen kann, ging es mit der Übernahme zu schnell, und irgendwo bei der DeuBa hat man die Risiken nicht richtig eingeschätzt. Im Ergebnis ist die Diskrepanz zwischen dem ursprünglichen Kaufpreis und dem, was daraus wurde, so gross, dass man nicht einfach sagen kann: ist halt passiert. Die deuBa hatte meines Erachtens enormes Glück, dass es in die Tiefststände an den Märkten hinein passiert ist, sonst wäre die ganze Geschichte als grandioses Übernahmedebakel in die Medien gekommen, und Herr Ackermann hätte dabei nochmals erheblich schlechter ausgesehen. Wie gesagt: Es ist nicht die Hypo Real Estate. Aber es ist alles andere als ein Ruhmesblatt gewesen. Die Gründe werden verborgen bleiben, aber am Ende war es kein gutes Geschäft für den Staat. (Und ganz ehrlich: ich glaube nicht, dass der DeuBa die Risiken nicht bewusst waren)

  59. maternus, wie heisst es nicht...
    maternus, wie heisst es nicht so schön? Man muss die Feste feiern, wie sie fallen.
    .
    Peter Lehmann, ad 1: Richtig, sehr richtig, aber das ändert nichts am gefühlten Problem. Die Domonanz der Strukturen in der Moderne ist ein ganz eigenes Problem gerade für die hier zu besprechende Schicht, die das nicht will und deshalb gern Kronleuchter aufhängt, ich zuallererst.
    ad2: Stimmt, aber genau das müsste eigenrlich nicht so sein, schliesslich ist das hier das 21. jahrhundert und Deutschland – und Byzanz war kein schäbiges, beamtenaffärengeschwängertes Dienstwagenloch wie Berlin, sondern wenigstens prunkvoll, und die Kastraten waren auch solche.

  60. ich gebe zu, dass ich noch...
    ich gebe zu, dass ich noch nicht so ganz verstanden habe, worin genau das „Privileg“ besteht, das Angela dem Josef gewährt hat. Was genau hatte er von so einem „Empfang“? Wurde er bei irgendwem beliebter dadurch? Eröffneten sich denn bei diesem abendlichen Arbeitsessen Möglichkeiten, die anderweitig nicht bestehen? Werden Lobbyarbeiten in einem solchen Rahmen angegangen? Eignet sich eine Sause in Angelas Bude denn wirklich zum Prestigegewinn? Ich staune….. gebe außerdem zu, dass ich mich lieber mit den geladenen Abwesenden unterhalten hätte.

  61. Don Alphonso, an so einem...
    Don Alphonso, an so einem „Deal“ sind nicht nur die Leute Ackermanns beteiligt. Eine solche Due Dilligence Prüfung wird oft von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Unternehmensberatungen durchgeführt. Seine Leute standen damit sicher nicht alleine und von „vergeigen“ möchte ich nicht sprechen; aus einem ganz einfachen Grund: die Übernahme wurde Anfang Spetmber (vor Lehman!) bekannt gegeben; sämtliche Prüfungen dürften im Sommer 2008 stattgefunden haben.
    Die Postbank hat zu diesem Zeitpunkt auch nicht Bilanz geschönt. Wir haben hier schlicht ein Problem mit staatlich aufgezwungenen Wertberichtigungsmodellen. Basel II schreibt das ungefähr so vor: jeder Kreditnehmer ist in eine Kreditrisikoklasse zu stecken und aufgrund dieser Kreditrisikoklasse ist eine Wertberichtigung vorzunehmen. Zahlt ein Kreditnehmer immer sauber, dann passiert nichts. Zahlt er einen Monat nicht, dann erhöht sich die Wertberichtigung. Nach 90 Tagen ist ein solcher Kredit aber auf „DCR“ – also Ausfall zu setzen. Dann werden oft 70% des Kredites abgeschrieben (= Verlust). Kommt nun eine Kreditrate rein, dann ändert sich die Geschichte wieder von „DCR“ auf eine andere Risikoklasse und Wertberichtigungen können aufglöst werden (= Gewinn). Dieser ganze Schwachsinn der monatlichen Bewertung und quartalsweisen Bilanzierung ist nicht die Idee der Banken gewesen – es ist staatlich verordnet.
    Nun hat aber die Postbank Geschäfte mit Lehman gemacht und zum Zeitpunkt der Due Dilligence Prüfung konnte noch kein Mensch ahnen, dass diese Papiere irgendwann Schrottpapiere werden. Schrottpapiere verursachen Abschreibungen (sehr wahrscheinlich auf null).
    Die Diskrepanz im ursprünglichen Kaufpreis und dem tatsächlich verhandelten Kaufpreis ist schlicht auf den massiven Verfall der Kurse zurückzuführen. Selbst bei der deutschen Bank (die immer Gewinne auswies) gab es massive Kursschwanken – rational überhaupt nicht zu erklären. Reine Psychologie.
    Ohne Kursverfall der Postbank Aktie hätte es auch kein Debakel gegeben. Ackermann hätte dann keine Abschreibungen auf diese Titel vornehmen müssen (ohne Wertverluste auch keine Abschreibungen) und seine Kernkapitalquote wäre nicht tangiert gewesen.
    So sehr ich auch diese Kurzfristigkeit im Denken verabscheue – so sehr muss die Frage erlaubt sein, ob nicht staatliche Regulierung dieses Denken anstachelt. Ob nicht staatliche Regulierung zur Verantwortungsdiffusion geführt hat und so ein Banker gar nicht mehr wissen kann was er da eigentlich tut und wo genau die Risiken liegen.
    Ich bin nun seit einiger Zeit an der „Erforschung“ der Ursache dieser Krise. Und, umso mehr ich dazu lese: ich glaube immer mehr an staatliche Marktmanipulation.
    Und: es wird immer schlimmer. Ich unterhielt mich zuletzt mit einem Oberen einer grossen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Berlin ist in der aktuellen Krise vollkommen überfordert. Sämtliche Massnahmen, sämtliche Gesetzentwürfe – nahezu alles kommt von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Anwaltskanzleien. Der Mann mit dem ich sprach, er sprach davon, dass selbst hohe Regierungsbeamte nicht die geringste Ahnung von wirtschaftlichen Zusammenhängen hätten, nicht die geringste Ahnung von möglichen Auswirkungen eines Gesetzes auf das Bankgeschäft und: sie haben nicht die geringste Ahnung von der Ursache dieser Krise. In allen Köpfen geistert immer nur „Gier der Manager“ herum.
    Ich teile mit Ihnen den ganz grundsätzlichen Einwand, dass Politik unabhängig zum Wohle aller Bürger entscheiden sollte und solche „Privilegien“ (ich will es auch als rechtshistorischer Sicht nicht so nennen) grundsätzlich dazu geeignet sind, dem ein oder anderen Wohlwollender gegenüber zu stehen. Aber, wir haben hier ein ganz natürliches Problem des modernen Parlamentarismus. Wenn Sie das umgehen wollen, dann muss das aristotelische Demokratiekonzept genutzt werden. Dann hat ein Ackermann, hier in der Unterstellung er wäre ein bios apolaustikos, nicht zu wählen und nichts zu sagen. Wir Deutschen neigen ja nicht gerade dazu, mit Widersprüchen leben zu können – offenbar nachwehen des Idealismus.
    Sie müssen mich nun aber für heute entschuldigen. Ich bin verabredet, habe noch keine Blumen, sehe schlimm aus und noch nüchtern!
    Sie erlauben mir aber noch die Frage: wie geht es Ihrem Aloysius? Ich nahm mit meinem Aloysius-Pendant auf der Rückreise Quartier in einem Thermalbad. Das Wasser tat seinen alten Knochen sehr sehr gut.

  62. @Peter Lehmann: ad 1): Mit...
    @Peter Lehmann: ad 1): Mit Verlaub, aber das ist Unfug. Im 17. Jahrhundert entstanden juristische Personen durch Privileg, etwa die Ostindienkompanien. Heute herrscht Vereinigungs- und Gewerbefreiheit. Juristische Personen entstehen, weil Privatpersonen sie gründen. Ein Blick ins Grundgesetz hilft dem geneigten Leser. Art. 9 Abs. 1: Alle Deutschen haben das Recht, Vereine und Gesellschaften zu bilden. Ad 2): Natürlich gibt es immer eine gesellschaftliche Hintertür, die mehr oder weniger offen oder auch verschlossen ist. Aber es ist immer noch ein verdammter Unterschied, ob mir jemand sagt: „Verzeihen Sie, Herr Stilkritik, aber ich kann Sie auf unserer Gästeliste nicht finden, sind Sie mit der Kanzlerin befreundet und sind Sie überhaupt irgendwie wichtig?“ oder ob derselbe sagt: Schwarze haben hier keinen Zutritt. Oder: Juden haben hier keinen Zutritt. Bevor man die Grundlagen der bürgerlichen Gesellschaft ideologiekritisch hinterfragt, sollte man sich vielleicht doch die Mühe machen, sie erst einmal zu verstehen.

  63. Der Artikel weckt...
    Der Artikel weckt offensichtlich bei recht vielen französische Gefühle – was ich nachvollziehen kann. Allerdings holpern diese prinzipiell begrüßenswerten Ansätze noch etwas unglücklich über’s Pflaster. So heißt es d’accord, nicht dacore; chapeau, nicht capeau; esprit des lois nicht esprit de lois; citoyens, nicht citoiens. Es scheint hierzulande offensichtlich immer noch erheblichen Nachhilfebedarf in Französisch zu geben. Wie Marx schon 1843 schrieb: „Wenn ich die deutschen Zustände von 1843 verneine, stehe ich, nach französischer Zeitrechnung, kaum im Jahre 1789, noch weniger im Brennpunkt der Gegenwart.“ Ganz überholt ist diese Marxsche Diagnose (wie auch so einige andere) offenkundig nicht…

  64. Dipsy, natürlich ist die...
    Dipsy, natürlich ist die Sache nicht einfach. Allerdings reden wir hier nicht von der Sparkasse Niederschänhausen, die dem metzger Killer einen Kredit gibt, sondern der Deutschen Bank. Die „wenn das jemand richtig macht dann ist es die“ Deutsche Bank. Insofern verstehe ich nicht ganz, warum der erkennbare fehler bei der Übernahme – zu grosser Risikohunger in zu riskanten Zeiten – nicht einfach anerkannt wird. Zumal die Deutsche beim Blick in ihre eigenen Portfolios ja auch verstehen musste, was sie da an Risikopotenzialen kaufen. (Das gleiche Problem sehe ich übrigens wieder bei Oppenheim, ich wäre höchlichst überrascht, wenn auch diese Geschichte nicht etwas, sagen wir mal, unvorsichtig angegangen wurde). Dass die inkompetente Politik wenig weiss, ist logisch, schliesslich wussten es auch die Banken selbst nicht, sonst gäbe es keine Krise. ich bin aber bereit, manchen Politikern eine schnelle Lernfähigkeit zuzusprechen – nur nicht konsequent genug. Ich muss nun meine alten Knochen auf den Berg schleppen, es wird aber weiter freigeschaltet, und ich antworte später. Beim Zwetschgendatschi.

  65. Anmerkung: Privilegien werden...
    Anmerkung: Privilegien werden weder erworben noch gewährt. Schon gar nicht erlangt. Man ist privilegiert – und das nicht im literarischem Sinne. Ähnlich verhält es sich mit der Souveränität. Man muss sich nicht entschuldigen. Daraus leitet sich das Volk ab. VOX populi VOX Dei. Don, mehr Impact, bitte. Der Putsch wartet…

  66. DoctorBenway, ich orientiere...
    DoctorBenway, ich orientiere mich am mittelalterlichen Rechtsbegriff des „Privilegium“. Und nicht am römischen Begriff, der hat nochmal eine andere Bedeutung.

  67. Im Land von Josef Ackermann...
    Im Land von Josef Ackermann (er ist zwei Dörfer von hier aufgewachsen) ist man erfreut und erstaunt ob der Geste von der Bundeskanzlerin Frau Merkel. Ein einmaliges Privileg und Hochachtung für einen Chef der Deutschen Bank. Wer lädt gleich noch 30 honorable guests nach Wahl des „Jubilaren“ ein? Man ist sprachlos. Ein Geburtstagsgeschenk unter Freunden !! Es ist schwierig, dies dem einfachen Fussvolk plausibel zu machen, dass Leistungen und Goodwill geehrt werden sollten. J. Ackermann gehört zu den weltbesten Bankern und ist überaus erfolgreich auf dem globalisierten Finanzmarkt. Die Mehrzahl der Deutschen werden seine Leistungen wahrscheinlich erst bei seinem Abgang schätzen. – Die Schweizer Grossbanken hätten J. Ackermann gerne zurück….
    HG Bruno

  68. Bruno, leider ist es so, daß...
    Bruno, leider ist es so, daß der Prophet im eigenen Land nicht verehrt wird. Wenn in einem trüben Tümpel zu viele kleine Fische schwimmen, und dann noch infektiöse Diarrhoe erleiden, wird das Wasser für sämtliche Flora und Fauna des Teiches besser, wenn ein Hecht ein paar schnelle Happen nimmt. Das stärkt seine Kraft, wenn seine Verdauungsorgane gesund arbeiten, und verhindert, daß Leichen den Teich vergiften, auf dem Rücken im Wasser treibend. Der Hecht darf durchaus seine Finger-Flossen V-förmig spreizen: man soll ihn erkennen.

  69. Solange Klassen...
    Solange Klassen existieren…
    @Don Alphonso: Ich muss Ihnen ein wenig widersprechen. Worüber Sie sich auslassen, ist die sog. objektive Seite des Faktums „Privilegien“. Das Kapital, der Markt, die ökonomische Basis und die politische Verfasstheit haben Privilegien nicht im Programm – soweit stimmt das -, aber die Menschen sind nicht identisch mit der abstrakten Wirklichkeit. Völlig konkret betrachtet, leben wir in einer Klassengesellschaft; und Klassen beinhalten die Neigung zur Bestechung, Bestechlichkeit, Privilegienheischerei, Selbstgefälligkeit, etc. p.p.
    Genau genommen kann auch das Kapital nicht ohne solch korrupte Subjekte, denn eine Gesellschaft, die derart im Widerspruch steht zu den Bedürfnissen ihrer Mehrheit(en), würde keinen Tag überleben – nur kraft objektiven Gesetzen und Verhältnissen. Es bedarf der konkret-politischen subjektiven Wirklichkeit, selbst wenn diese im Widerspruch stünde zu Eigengesetzlichkeit in der objektiven Welt – zur abstrakt-ökonomischen Matrix. In jener subjektiven Welt drehen wir uns im Kreis, tanzen wir um das goldene Kalb. Ba‘al hat in der Klassengesellschaft seinen ständigen Platz.
    Ganz konkret gesprochen: In der subjektiven Wirklichkeit sind die Menschen noch die gleichen wie in vorkapitalistischen Zeiten, selbst gebildeter sind wir kaum, wenn auch halt ein wenig technisch weiter entwickelt. Solange Klassen existieren, solange wollen die Unteren den Oberen gefallen, und die Oberen sich selbst. Gottseidank, denn wäre das anders, wäre die Klassengesellschaft auf ewig. Brecht hat das gut erkannt, wenn er den „Baal“ sagen lässt: „Was kann ich dafür wenn dein Wein, den du mir gibst mich besoffen macht!“ Auch ein Ackermann wird besoffen von dem Wein der Kanzlerin. Ein modernes Stück, man sollte es genießen, denn sein Ende naht.

  70. Don sagt:
    „Die Privilegien...

    Don sagt:
    „Die Privilegien waren die Kette, an der man die bürgerlichen Eliten gehalten hat. Sie waren ein Angebot, andere für den Adel zu unterdrücken. Die Privilegien waren nur geliehen, und sie schufen eine antidemokratische und obrigkeitshörige Zwischenschicht, die vom ersten Weltkrieg bis in die 70er und 80er Jahre des 20. Jahrhunderts brauchte, um diesem Untertanengeist zu entwachsen.“
    So ist es. Die Zeit, über die Don hier spricht, ist übrigens die Zeit der Genese des Bildungsbürgertums. Das Bildungsbürgertum im historischen Sinn, das nicht nur sprachlich, vom Wort her, eine deutsche Spezialität ist, entstand aufgrund des Verwaltungsbedarfs des absolutistischen Systems einerseits und der nichtstattfindenden bürgerlichen Revolution andererseits: während der Absolutismus die Grundlage für die typisch bürgerlichen Berufsbilder schuf, hinderte die deutsche Nicht-Revolution den Bürger an der wirtschaftlichen Machtergreifung, im Unterschied zu Frankreich und England, wo die Revolution ganz andere Bedingungen schuf.
    Denn als dort die Bürger schon intensiv an der Produktion von akkumulierbarem Mehrwert werkelten bzw werkeln ließen, knuschelte der deutsche Bürger mit „Bildung“ vor sich hin, weil die kulturelle Distinktion die einzige war, die er hatte.

  71. don, hab gerade den artikel...
    don, hab gerade den artikel nochmal mit aufmerksamkeit gelesen. – ganz allgemein, „no such thing as a free lunch“ ist ansichtssache. ich habe mich noch nie jemandem verpflichtet gefuehlt weil ich zb ein ferienhaus nutzte, das sonst leergestanden haette. auch erwarte ich umgekehrt weder huendische loyalitaet noch ewige dankbarkeit noch sonst irgendein entgegenkommen, wenn ich menschen dinge ermoeglichen kann, die ihnen sonst ohne weiteres nicht moeglich waeren. im gegenteil. manch alltaeglichkeit fuer einen selbst kann etwas ganz besonderes fuer andere sein. die freude des anderen daran im augenblick ist der groesste dank, den man erhalten und erwarten kann. nur in der freude werden dinge belebt, die sonst wenig mehr waeren als eingestaubte spielzeugsammlungen verwoehnter einzelkinder oder statustrophaeen analfixierter hilfsbuchhalter.
    so halte ich es mit privilegien. so halten es alle meine freunde.

  72. „Als nun ihr Gemahl in der...
    „Als nun ihr Gemahl in der seltsamen Verkleidung aus dem Dome zurückgekommen und sich ihr sozusagen als ein Gespenst Karls des Großen dargestellt, habe er wie zum Scherz beide Hände erhoben und ihr den Reichsapfel, den Zepter und die wundersamen Handschuh hingewiesen, worüber sie in ein unendliches Lachen ausgebrochen; (…) Als aber die Kaiserin, ihren Gemahl zu begrüßen, das Schnupftuch geschwungen und ihm selbst ein lautes Vivat zugerufen, sei der Enthusiasmus und der Jubel des Volks aufs höchste gestiegen, so daß das Freudengeschrei gar kein Ende finden konnte. (…)“.
    Was Goethe hier in „Dichtung und Wahrheit“ über Kaiserin Maria-Theresia und die Krönung Franz Stephans (dem Vater des späteren Kaisers Joseph (sic) II.) in Frankfurt (sic) anno 1745 zu berichten wußte, soll und kann natürlich keinesfalls auf irgendwelche Ähnlichkeiten oder Parallelen zu den Hauptprotagonisten dieses Blog-Themas bezogen werden, weder was das „im Scherz“ und „unendlichen Lachen“ zum Ausdruck kommenden Verständnis der (Symbolik der) Macht betrifft, noch was den „Jubel des Volks“ zu dieser vielsagenden Gestik von Kaiserin M. und dem just gewählten Kaiser betrifft….. – Nochmals: Ähnlichkeiten wären rein zufällig und lägen nicht in der Intention des Autors.
    Anyway, – die geleisteten (und sicherlich weiter folgenden) Strator-Dienste der Frau M. für die „Strukturen der Macht“ (für die pars pro toto der fast schon bedauernswerte Herr A. steht), sind m.E. ebenso ein berechtigtes Thema für (nicht nur) die „Stützen der Gesellschaft“ wie andere prima vista scheinbar „marginale Sujets“, die mich immer wieder in diesem Blog erfreuen – und die ebenso nahe am Kern der Sache liegen können (s.o.). Deswegen möchte ich auch keinesfalls, geschätzter Don, im Rahmen dieses Blog-Geplauders auf Ihre verbalen Arabesken oder Ihre gestochenen Voluten und Mauresken aus der Rara-Abteilung verzichten. Die sinnliche Schönheit wiegt mir ebenso schwer wie die „Core-Values“….

  73. sehr schoen, noergler....
    sehr schoen, noergler.

  74. Ja der vorposter sagt eine...
    Ja der vorposter sagt eine wahrheit. Duschen ohne nass zu werden. Großes Kino. Vielleicht sogar das Leben. Arrette. Maintenant. Marche!
    Nun, bei diesem Aufruf geht es dann schnurstracks in einen gleichnamigen gehobenen finger-und-fast-Food Tempel. Mit weißem Kreuz auf rotem Grund. Oder wie mir mal der Verwaltungsrat sagte: „Im Gegensatz zu Ihnen fuehren wir keine Kriege.“

  75. wortschubse, nun, es ist...
    wortschubse, nun, es ist einerseits ein klassisches Vorrecht, das nur er hat. Und seine Freunde von der Bild haben das natürlich genutzt, um ihm den Lesern nahe zu bringen:
    .
    http://www.sueddeutsche.de/politik/56/485481/text/7/
    .
    „Es wäre nicht ganz fair, zu sagen, die Bild hinke mit der
    Berichterstattung über die Ackermann-Party im Kanzleramt komplett
    hinterher. Bereits am 16. Januar widmete sie ihm fast eine ganze Seite
    zwei. Der Titel in geschwungenen Lettern: „Josef Ackemann – Das
    Gesicht der deutschen Wirtschaft“.
    Bereits in den ersten Zeilen findet das Abendessen im Kanzleramt als
    einer der „gesellschaftlichen Höhepunkte im Leben des Josef Ackermann
    Erwähnung. Und entgegen der von der Bild heute transportierten Sicht
    der Kanzlerin heißt es damals: „Sogar die 25 Gäste für das Abendessen
    im April 2008 durfte der Jubilar selber aussuchen.““
    .
    Das würde ich durchaus als geldwerten Vorteil bezeichnen. Und seine PR-Mitarbeiter vermutlich auch.
    .
    Alter Bolschewik, ich gebe dreimütig zu: Mir erginge es da nicht besser.
    .

  76. Bruno, das Fussvolk ist gar...
    Bruno, das Fussvolk ist gar nicht so, wenn es nicht den ganzen Tag den Eindruck hat, dass es nach Strich und Faden reingelegt, ausgezogen und über das Ohr gehauen wird. Und man kann es ihnen bei sinkenden Realeinkommen und gleichzeitig sprudelnden Bankengewinnen auch nicht verdenken: Denn da gibt es durchaus einen Kausalzusammenhang in der Form, als Banken das Mehr gegen jene einsetzen, die weniger haben. Muss man solche Leute mögen? Sehe ich nicht.

  77. Devin08, ich sage oben...
    Devin08, ich sage oben durchaus, dass es Privilegien auch so schon gibt – nur eben im Rahmen der Gesetze und nicht durch Anmassung oder eine geltungssüchtige Bundeskellnerin. Genau das ist der Unterschied des aktuellen Wortsinns von „Privileg“ und „privilegiert“. In diesem Fall ist das Kernproblem, dass das Privileg die Privilegierten spalten kann, und das ist allgemein keine gute Entwicklung. An ein Ende der Klassen glaube ich nicht, dafür sind sie zu attraktiv, und werden zumehmend in die Industriestaaten durch wirtschaftlich erfundene Stämme ergänzt. Das ist dann aber auch keine bessere Welt.
    .
    Nörgler, sehr richtig, aber generell ist es in meinen Augen besser, das Bürgertum tobt sich an Bildung aus, denn an seinen Mitmenschen.

  78. Mehr Feudalismus wagen?
    Ja,...

    Mehr Feudalismus wagen?
    Ja, wir alle müssen mehr Feudalismus wagen, wer wollte da widersprechen?
    Aber leider ist das nicht so einfach. Wo das soziale Geflecht, das kulturelle Kapital der feudalen Ordnung erstmal 100 Jahre lang zerstört war, da wachsen so auf die Schnelle keine edlen Gehölze nach.
    Bevor wir in das gelobte Land des Neo-Feodalismus zurückkehren dürfen, müssen wir erst einmal 40 Jahre lang durch die Wüste der champanerbuffetveredelten Exzellenzverblödung, des primitiven Wahlbetrugs und der mercedesfahrenden Kleptokratie.

  79. Ich finde ja: Leibeigenschaft...
    Ich finde ja: Leibeigenschaft ist besser als ihr Ruf.
    Spass beiseite, man muss sich Gedanken machen, wie man den Rückfall in die feudalen Strukturen und ein Primat der Wirtschaft bricht; das Ganze hatte erst mal genug Raum für den Irrsinn, und es ist an der Zeit, die Kapitalmärkte zu zügeln oder, wenn es nicht anders geht, zu brechen.
    .
    abf, normale zwischenmenschliche Beziehungen sind damit auch nicht gemeint; auch nicht Hilfsbereitschaft oder Altruismus. Es geht allein um –
    .
    wie soll ich sagen: Ich war ein paar Mal mit jemandem essen, der im Bereich von Blogs und PR arbeitete. Das war ganz in Ordnung, man traf sich und tauschte sich zum gegenseitigen Nutzen aus. Ich zahlte selbst. Irgendwann bekam ich mit, dass er damit angab, dass er mich kannte und dafür sorgen könnte, dass ich mich nett verhalte. So geht das nun eben nicht. Und da war ich froh, selbst gezahlt zu haben (ist mal ein eigenes Thema, ich weiss)

  80. sieh' an, diese diskussion...
    sieh‘ an, diese diskussion trennt endlich hier einmal die spreu vom weizen, sehr schön! vorher konnte man es ja schon gar nicht mehr unterscheiden, wer in dieser runde wessen geistes kind ist.
    .
    was mich wundert ist, dass die ergebnisse des tribunals über die steuergeldverschwendung derart widerspruchlos von der intelligenten bürgerlichen leserschaft geschluckt werden, dass es eine freude aller priviligierten ist. demnach ist die ackermann-party keine verfehlung, der linklaters-auftrag ist keiner, der laut statut anders hätte vergeben müssen, und nur der geklaute dienstwagen der ulla schmidt ist ein bisschen moralisch angreifbar. das nenne ich mal eine gelungene nebelkerze!
    .
    ist es kein privileg, mit der kanzlerin dinieren zu dürfen? aber hallo. jeder, der schon einmal versucht hat, sein politisches anliegen (einer NGO beispielsweise) direkt der kanzlerin beizutragen, dürfte sofort unterschreiben, dass es sich bei dieser art von NÄHE selbstverständlich um ein außerordentliches privileg handelt. das hat nichts mit klassen zu tun, denn diese gibt es nach der komfortablen marxistischen abgrenzungsdefinition nicht mehr. es hat auch nichts mit gesellschaftlichen schichten zu tun, von denen man allenfalls reden könnte. sondern es hat etwas mit einer interessenlage zu tun, bei der beide seiten von derartigen veranstaltungen profitieren. herr ackermann hat etwas davon und frau merkel hat etwas davon. man muss auch nicht lange raten, was das im einzelnen sein könnte. frau merkel wird mit einiger wahrscheinlichkeit die wahl gewinnen. herr ackermann wird mit einiger wahrscheinlichkeit die unterstützung der bundesregierung brauchen. noch fragen?
    .
    selbstredend wird es derartiges gemauschel immer geben. aber es muss auch eine lebhafte kritik an diesen dingen geben. in diesem fall war es bemerkenswert dumm von herrn ackermann, die geschichte aus eitelkeit in einem interview preiszugeben. man darf sich als bürger fragen, ob man einen solchen mann in der position des finanzberaters der bundesregierung sehen will. denn diesen job wirde er voraussichtlich ihn in den nächsten jahren haben. abgesehen davon, dass wir hier nach dem muster der DDR bei einer art stasikap anlangen: macht ackermann grundätzlich, von der sache selbst her, seinen job gut? ich sage nein. dass die deutsche bank das geschäftsjahr mit einem plus abschließt, hat andere ursachen und ist reine makulatur. (man müsste an dieser stelle statt dessen überlegen, ob eine bilanzierung nach diesem muster noch zulässig sein darf.) die postbank war ein unglaublicher fauxpas, für den jeder mittelmässige finanzmanager in einem mittelständischen unternehmen sofort seinen hut hätte nehmen müssen. darüber hinaus: „Nun sind die Dres. Ackermann und Hambrecht gleichzeitig aber Chefs zweier deutscher Vorzeigeunternehmen die in Deutschland Arbeitsplätze sichern, entstehen lassen und auch Steuern zahlen.“ ha?! wir wollen mal nicht vergessen, dass herr ackermann die gewinne der deutschen bank auf dem abbau von über 6000 arbeitsplätzen gegründet hat. es ist ein verfahren wegen veruntreuung gegen ihn anhängig, ich sage nur „ostsee-pipeline“. er ruft nach staatshilfe, wenn sich aus unklugen spekulationen bankrisiken ergeben. aus dem mannesmann-prozess ist er – ebenfalls wegen veruntreuung – gewissermaßen vorbestraft und hat sich aus der verantwortung lediglich mit geld rausgekauft. er tritt damit aber so vollkommen in die fußstapfen eines schalck-golodkowski, perfekter geht das schon gar nicht mehr. wenn man doof ist, sieht man nur das geld, das die party im bundeskanzleramt gekostet hat. ach du meine güte – wenn es nur darum ginge!

  81. @don danke für den...
    @don danke für den Nachhilfeunterricht;-) und trotzdem komme ich aus dem Staunen nicht raus, dass sich der „mächtigste Mann im Staate“
    (wenn man darin der „taz“ folgen mag:
    http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/das-prinzip-ackermann/)
    dass der sich also über diese Petitesse freuen kann (ich vermag bei bestem Willen keinen „gesellschaftlichen Höhepunkt“ zu erkennen. Nicht nach Studium der Gästeliste;-)
    der mächtigste Mann also freut sich über ein Abendessen bei Bundeskanzlers?
    Zitat aus der taz:
    „….In einem erhellenden Gespräch mit seinem Doktorvater Christoph Binswanger sagte Ackermann: „Die Eintrittsbarrieren für manche Geschäftsbereiche sind so hoch, dass es neue Wettbewerber sehr schwer haben. Eine führende Investmentbank muss heute global aufgestellt sein, sie benötigt eine ausgeklügelte Informationstechnik. Das aufzubauen dauert Jahre, ist sehr kostspielig.“ (FAZ, 30.06.2009) Letztlich zielt also Ackermann auf ein Oligopol, das durch technologische Barrieren gegen die lästige Konkurrenz geschützt ist und daher hohe Gewinnmargen verspricht.
    Drittens: Komplexe Informationstechnik ist natürlich nur nötig, wenn auch die Finanzprodukte komplex sind. Für ein schlichtes Sparbuch braucht es keine ausgetüftelten Modelle. ….“
    Getanzt wurde ja nicht. In 5 Stunden gehts ab zur Milonga ;-)

  82. Den Spargel kann man...
    Den Spargel kann man tatsächlich nicht als nennenswerten persönlichen Vorteil bezeichnen, Lärm schon (16.33). Den gab’s jetzt als Nachschlag. Mutti hat dem Mann von der Deutschen Bank bestimmt erlaubt, nochmal was über den Abend zu erzählen. Jeder der hier lärmt und belärmt wird hat doch was davon, auch persönlich. Und die Gesellschaft, die vielleicht nicht so viel vom Berufslärmer liest, hat auch was davon. Die kann sich jetzt darüber unterhalten, was man tun und lassen soll (10.31) und stolz sein. Und Mutti schaut cool zu, wie alle ab übermorgen wieder friedlich sind und lässt ein Foto machen, auf dem sie auch stolz guckt.

  83. Letztendlich kommen wir immer...
    Letztendlich kommen wir immer wieder auf das Finanzgebaren der Banken (hier die DeBank) zurueck. Es scheint so zu sein, als ob demnaechst die groesste Bank, also das meiste Geld, die Funktionen des Staates in einigen Bereichen bestimmend beeinflussen koennte. Das ist historisch nicht neu, verwundert einen dennoch, weil man aus der Vergangenheit gelernt habe sollte.
    .
    Was bedeutet das aber fuer einen Durchschnittswohlhabenden? Es bedeutet: Nimm deine paar Kroeten, lege einen Teil unters Kopfkissen, einen Teil gibst du auf’s Konto (zur Sicherung der „offiziellen“ Liquiditaet) bei der Bank deines Unvertrauens, den Rest riskierst Du im „Grauen Markt“. Versichere Dich der serieusen Brutalitaet russischer, oder tuerkischer Geldeintreiber. Du bist nicht der einzige und nicht der erste. Dieser Markt existierte immer schon. Nicht nur bei den genannten Bevoelkerungsgruppen. Die Regeln sind einfach und werden gewissenhaft befolgt, weil Regelverletzungen drastisch bestraft werden. Der Service kostet einiges, dafuer sind die Gewinne betraechtlich. Verluste tun weh, sind aber verschmerzbar.
    Was heisst hier „mafieus“? Genau diese Form der Solidaritaet (nennen wir’s mal so) hat die Mafia gross gemacht. Ab in den Untergrund, Buerger! Wenn Ihr Euren gewaehlten Vetretern nicht auf die Muetze zu schlagen Euch traut, bleibt Euch nichts anderes uebrig. Italienisiert, orientalisiert unser Land! Aber klagt hinterher nicht ueber die gesetzlosen Verhaeltnisse.
    Ein grienender Ackermann mit Victorygeste zeigt den Beginn des Mafieusen. Dabei tur dieser Mann in der Logik-und in unschuldiger Logik-genau das, was zu tun ist. Es ist die perverse Logik des verkehrten Einstiegs.
    .
    Merkel hin oder her: sie hat das getan, was man in solchen Faellen zu tun hat. Man muss die Bedroher kennen lernen. Das kann man nicht in der offenen Konfrontation machen. Man hat freundlich laechelnd Leute zusammenzufuehren, die mehr oder weniger bedeutend sind. Der eine oder andere Hampelmann aus dem Showbusiness laesst die grimmige Szenerie harmloser erscheinen. Ob Dieckmann oder Schirrmacher, das ist doch wurscht. Beide sind Pressbengels (Karl Kraus): eitel und korrupt. Wuerden sie nicht ihr Geschaeft repraesentieren, wuerden sie sich wahrscheinlich als prima Kumpels durchgehen.
    .
    Wir brauchen eine Revolution! Wir, die Buerger unseres Staates, werden zunehmend mehr die Idioten des Systems.

  84. Werter Don,
    köstlich;...

    Werter Don,
    köstlich; heutiger Eintrag und folgende Kommentare versprechen mir zum inneren Gartenfest zu geraten.
    Die Kanzlerinnen-Sause war wohl nur ein seichtes Säuseln von und mit überstundenpflichtigen Premium-Lobbyisten, dem mitessenden Redakteur nicht einmal Notizen wert, zwecks nachträglicher Reflektion. Die Teilnehmer sind eigentlich eher zu bedauern. Dann auch noch mittels Benennung durch den mitessenden Redakteur durch den Kakao gezogen zu werden, mit Ausnahme der sich arglos in persönlicher Eitelkeit privilegiert sehenden, wohl eher nicht die Intention der Gäste, die nun in einen Ruch zu geraten drohen.
    Grund sich ein wenig zu sorgen bietet das öffentlichkeitswirksame Mitteilungsbdürfnis des mitessenden Geschäftsführers einer deutschen Großbank.
    Großes Geld schweigt idR diskret, flüstert allenfalls, wirkt.
    Abnehmende Finanzkraft muß sich eitel regen und streben, wird redseliger.

  85. sadeler, nun, ich orientiere...
    sadeler, nun, ich orientiere mich gern an alten Vorbildern wie denen da oben – wobei die elegante Geschichte des Ausweichens auf den Druckort Agra und das Privileg des Grossmoguls zeigt, wie nah Lust und Verzweiflung, Verfolgung und Witz beeinander liegen. Ich wage aber zu bezweifeln, dass es bei der Wiederwahl der M. zu Jubel auf den Strassen kommen wird.
    .
    itha, ich denke, es ist durchaus wichtig, solche Dinge auch kontrovers zu diskutieren. Ich muss da an die New York Times mit ihrer nachrufspalte denken, und die Begründung, warum dort kaum Banker auftreten: Weil Geld machen kein Verdienst für die Gesellschaft ist. Und gerade, wenn man im Nachgang behauptet, es hätte der Kultur gedient, möchte ich schon auch mal über den Kulturbegriff der Einladenden sprechen.

  86. wortschubse, ich habe zu...
    wortschubse, ich habe zu danken. Dass Herr Ackermann versucht, aus der DeuBa ein systemrelevantes Institut zu machen, an dem man nicht vorbei und das man nicht ersetzen kann, ist sein Job, das versuchen im Moment alle. Daher vermutlich auch die riskante Übernahme von Oppenheim, die, wie soll ich sagen… nun, jedenfalls zeigt sich da das Streben nach dem Höchsten, sei es nun dieses hässliche Kanzleramt oder dieses marode Bankhaus.
    .
    Konfuzius sagt, ich glauibe ja, dass Mutti am 27. September wieder genauso bedroppelt auf die Monitore schaut wie das letzte mal, denn wirklich moderner ist die Union nicht geworden, nur prinzipienloser. Na, man wird sehen.

  87. ...
    http://www.von-der-heydt-museum.de/portal.htm
    Als es noch Bankiers gab, taten diese auch viel für die Kultur.
    Eingutes Beispiel sind die Elberfelder Bankiers August und Eduard von der Heydt !

  88. Don Alphonso, nun aus der...
    Don Alphonso, nun aus der Risikoappetitperspektive haben Sie grundsätzlich recht. Allerdings ist das keine alleinige Krankheit der deutschen Bank – es ist vielmehr die Krankheit jedes börsennotierten Unternehmens. Im Moment gibt es quasi kaum Unternehmensübernahmen – obwohl es im Moment wirklich günstig ist. In 3 Jahren werden wieder absurde Preise gezahlt, gefolgt von heftigem Bauchweh.
    Ich lasse Ihnen natürlich Ihre Abneigung gegen Ackermann. Wie „gerecht“ Sie damit sind, das müssen Sie selbst entscheiden. Natürlich, er ist gelegentlich tollpatschig – allerding begegnet man ihm in Deutschland wirklich missgünstig. Mich erinnert das ein wenig an die Darstellung über die Geschichtsschreibung vei Friedell.
    Was mir aber unklar ist. wieso ist nun eigentlich Ackermann wieder der Bösewicht? Geladen hat doch Frau BuKa. Eigentlich sollte sich doch all der Zorn an ihr entladen?
    Und, ihta. Ich mache auch gar kein Hehl daraus, wessen geistiges Kind ich bin. Müsste sich meine Familie zwischen Bibel und Bastiat entscheiden – wir würden Bastiat bevorzugen. Ich will aber durchaus anmerken, nicht selten als „reaktionärer, katholischer Kotzbrocken“ bezeichnet zu werden. Ich bin absoluter Verfechter der Freiheit, auch der Wirtschaftsfreiheit und folge nicht diesem hanno’schen Trend der müden besseren Gesellschaft, die Grundlagen des eigenen Wohlstandes infrage zu stellen oder schlicht: dekadent zu sein (hier passt das Wort dekadent in seinem eigentlichen Sinne wirklich).
    Ich habe schon so einige Fragen. Wie glauben Sie eigentlich funktioniert ein Staat? Es ist wirklich erstaunlich wie sich dieser wilhelminische Blödsinn im Kopf der Leute hält. In Deutschland ist man offenbar nach wie vor der Ansicht, „der Staat“ ist eine Ansammlung von absolut neutralen Beamten und Politikern die alle das Beste für den Staat und seine Bevölkerung wollen und quasi ein Art Überbau über der „normalen“ Gesellschaft bildet. Freilich, sowas hat Schmitt, Forsthoff und die ganze staatsrechtliche Schülerschar gelehrt und man lehrt sowas noch heute.
    Das widerspricht nun aber zutiefst bürgerlicher Gesinnung. Ein Staat kann nicht mehr sein als die Summe seiner Bürger und ein Staat ist zwangsläufig auf Interessenausgleich gerichtet! Es gibt nicht DIE staatlichen Interessen schlechthin! Die Regierung kann sich allenfalls um einen Interessenausgleich bemühen, wird aber ganz zwangsläufig immer irgendeine Interessengruppe bevorzugen.
    Zwischen einem Dr. Ackermann und einem NGO bestehen durchaus gewichtige Unterschiede: Dr. Ackermann und seine Bank bringen dem Staat Geld (was wunderbar umverteilt werden kann) und sichern Arbeitsplätze. Ein NGO will in erster Linie Geld vom Staat (ich gebe es ganz offen zu: viele der Vertreter der gemeinnützigen Institutionen lobbyieren zunächst einmal in der eigenen, persönlichen Sache – für den eigen Job).
    Ich stimme Ihnen aber ganz zu: es wäre weitaus intelligenter gewesen, wenn Ackermann da einfach die Klappe gehalten hätte. Aber, hier wird ganz wunderbar der Beissreflex verdeutlicht. Hätte Frau BuKa den Kollegen Blessing von der Commerzbank geladen und hätte sich der verplappert – es hätte niemanden interessiert. Bei Ackermann ist man sich aber der Empörung sicher. Ob Dr. Ackermann tatsächlich den Job eines Finanzberaters haben will, es sei einmal dahingestellt. Ich denke mir, er wird seinen Ruhestand auf angenehmere Weise verbringen wollen als permanent in Berlin verbringen zu wollen. Was hat er davon? Sie fragen, ob Ackermann einen guten Job macht, verneinen das mit dem Hinweis auf die Bilanzierungspraxis! Nun, die Bilanzierungspraxis steht nicht in der Willkür der Bank sondern ist staatlich vorgeschrieben. Wenn da was nicht passt, dann kommen die Oberaufseher der BaFin und dann gibt es gewaltig eine auf den Deckel.
    Zum Abbau der 6.000 Arbeitsplätze: stimmt, es waren aber fast alles bösartige, gierige Investmentbanker in London die da gehen mussten. Schon vergessen? Und, 6.000 Arbeitsplätze machen keine 5 Milliarden Gewinn, zumal die Bank in den letzten Jahren wieder massiv an Personal gewonnen hat.
    Ich rate all jenen Kritikern der bösen, bösen Banken sich vielleicht einmal mit dem regulatorischen Umfeld der Banken auseinander zu setzen (ich bin aus familiären Gründen mehr oder weniger dazu gezwungen). Da erkennt man den ein oder anderen Wahnsinn – staatlich verordnet. Auch, wenn mir die ein oder andere Geschäftspraxis dieser Banken nicht zusagt, verwundern kann mich diese Praxis allerdings nicht.

  89. Wir dürfen eins nicht...
    Wir dürfen eins nicht vergessen, Angie et al sind unsere Angestellten, wir sind der Aufsichtsrat des Parlamentes. Und deswegen nehme ich mir das Recht heraus, meine Angestellten darauf hinzuweisen (glücklicherweise haben wir im Don einen guten Pressesprecher), dass sie nicht so schludrig mit unserem Geld umgehen dürfen und es für Dienstfahrten, Essen oder Beratung verschleudern.
    Und wenn unsere zweithöchste Angestellte mit einem Banker kuschelt, der sich vorher schon privilegiert gefühlt hat, durch die Einladung privilegiert wurde und sich zukünftig privilegiert verhalten wird, dann finde ich es nicht in Ordnung, wenn sie es während ihrer Arbeitszeit auf unsere Kosten veranstaltet (ebensowenig wie Ullas Fuhrunternehmen oder KTs „ich frag mal Brandstifter nach Brandverhütung“).
    Wäre unsere Angestellte mit A. befreundet, dann hätte sie ihn auf ihre Kosten eingeladen – wenn wir die Zeche zahlen muss sich unsere Angestellte eine Abmahnung in Form von Kritik gefallen lassen.
    So, der Zorn ist verraucht – jetzt wäre es an der Zeit herauszufinden, ob die Siegelfäden an den Mandaten unserer Angestellten aus Seide oder aus Hanf gewirkt wurden.

  90. @Dipsy,
    wohin ein Essen...

    @Dipsy,
    wohin ein Essen führen kann: http://www.nachdenkseiten.de/?p=4155
    Wenn da mal nicht ein Privileg im Spiel war…

  91. Ius respicit aequitatem, das...
    Ius respicit aequitatem, das konstituiert diesen Staat und alle seine Organe inklusive des Bundeskanzlers. (Nur das Vernünftige ist wirklich)
    „Ich weiss den Mann von seinem Amte wohl zu unterscheiden“
    Diesen Unterschied machen zu können, schützt den Mann
    (nämlich seine Integrität) wie das Amt (vor der Willkür des Inhabers) .
    Und so kann die Freundin wollen (nämlich die Bevorzugung des Freunds), was der Kanzlerin aus den besten Gründen verwehrt bleiben muß.
    Die symbolische Privilegierung (mehr war augenscheinlich nicht) wird lustvoll begangen (und nachher gerühmt) gerade um den Gleichheitssatz mit Füßen zu treten. Der Regelverstoß an sich ist die ultimative Gefälligkeit,
    die zu erweisen, der Kanzler der Republik nicht in der Lage wäre.

  92. don, oh bitte, ganz...
    don, oh bitte, ganz meinerseits. Was mir gerade so durch den Kopf geht: Und die Rothschilds waren nicht geladen? Oder wurde schon im Vorfeld höflich dankend abgelehnt? Schließlich gehört jener Familie, im Gegensatz zu Ackermann, die Bank, die sie leitet (während die Privatbank Metzler noch gerade klein genug ist als dass Herr von Metzler nicht umhin konnte?) Fragen über Fragen ;-)

  93. Don, in einigen Ihrer anderen...
    Don, in einigen Ihrer anderen Beiträge schauen Sie doch scheinbar auf die sog. Leistungselite herab, weil diese im Aufstieg begriffen ist, und nicht schon seit Generationen oben. Wie kommt es, dass Sie nun scheinbar anerkennen, dass auch die Mitglieder Ihrer Klasse einmal Aufsteiger waren, die sich durch Leistung Möglichkeiten und Vorrechte erworben haben?

  94. Vielleicht die letzte...
    Vielleicht die letzte Chance
    @codizil: „Abnehmende Finanzkraft muß sich eitel regen und streben, wird redseliger.“ Das ist genau meine Meinung, und daher glaube ich an das „Ende der Klassengesellschaft“ (@ Don), wenn auch nicht auf friedliche Weise, und auch nicht im unmittelbaren Kontext dieser Krise. Die Finanzindustrie trennt sich von ihrer industriellen Basis und steigt auf in höhere Regionen. Die virtuelle Welt (substanzlose Finanzprodukte) ist dabei nur Übergang. Und genau hier befindet sie sich in einer extrem schwachen Position. Wer weiß wie lange das dauert und wie krisenhaft dieser Übergang wird? Und ob die Biotechnologie wirklich alles halten kann, was sie verspricht? – aber sie ist die letzte Hoffnung – für das Kapital! Diese Krise ist also keine Finanzkrise sondern eine Übergangskrise, eine wahrhaftige Systemkrise. Die Klassen und der Klassenkampf werden dabei noch einmal ordentlich durchgeschüttelt – nicht gerührt. Vielleicht die letzte Chance für einen sauberen Übergang in die klassenlose Gesellschaft, oder das Ende des Subjekts.

  95. Lieber Fisch,
    "Regelverstoß...

    Lieber Fisch,
    „Regelverstoß als ultimative Gefälligkeit“ ist einfach wunderbar. Jetzt versteh ich endlich, woran Herr Dr. Ackermann seinen Spaß hatten. Quod licet Iovi und dieses festgestellt zu haben. Tangoed Up In Blues – „Demo“ zum Nicht-Thema „Wer führt?“ ;-) man kann dergleichen Fragen eben auch unvergleichlich eleganter aushandeln: http://www.youtube.com/watch?v=ifBLdBKWIM4
    (übrigens war ich dabei. Zwar war ich nicht geladen, zwängte mich jedoch am Türsteher vorbei. Es wurde nicht getanzt und ich war so besoffen, dass ich die Silberlöffel aus Versehen in die Handtasche steckte. Wie ich später im Pfandleihhaus erfuhr: electroplated. Herr Ackermann sagte, dass er über seine guten Taten nicht reden wolle und Frau Roth erwähnte Goethe. Ich muß Ihnen sagen, es war ein wundervoller Abend, alle waren zu bis obenhin, ich biß Herrn Sparg den Herrn in den Spargel, dann wurde es Zeit für Kreditkarten http://www.youtube.com/watch?v=zaHtA89RHUQ – danke filou;-)

  96. Filou, es gab Anfang der 30er...
    Filou, es gab Anfang der 30er und Ende der 40er schojn mal eine Chance, das Ding seiner Risiken durch Zerschlagung zu berauben, und diesmal hätte man es auch tun können, wenn man mutiger gewesen wäre. Meine private Antwort auf die Krise war das Investment in Haus und Boden, das ist sicher und macht Freude. Was dann auch die Rendite ist. Mehr brauche ich nicht, und falls doch: mei. man kann sie nie alles leisten. Not werde ich schon nicht leiden.
    .
    codizil, was aus altem, grossem Geld wurde, kann man momentan an den Trümmern von Oppenheim betrachten. Die Zeiten haben sich geändert und sind so gross wie die Persönlichkeiten der Bundeskanzlerin plus des Bankchefs mal dem Dieckmann, also klein genug.

  97. Don Ferrando, natürlich gibt...
    Don Ferrando, natürlich gibt es auch erfreuliche Gestalten unter Bankern. Banale, dumme Erben sind mir trotzdem die bessere Gesellschaft.
    .
    Dipsy, morgen gibt es dann gewissermassen Teil 3 der Ackermann-Trilogie. Wie auch immer, laut Bild und generell unwidersprochen war er es am Ende wohl doch selbst, der einladen durfte. Ich halte Leute wie Ackermann für notwendig, der gehört zur besseren Gesellschaft wie der Tod zum Leben und wie der Absturz zum Bergsteigen. Das sind die Ecken der besseren Kreise, an denen man sich stösst.

  98. Stephan, es ist nicht nur ein...
    Stephan, es ist nicht nur ein recht, sondern auch eine Pflicht – und als PRler sehe ich mich gar nicht, auch nicht als Haberfeldtreiber. Solange der Vorgang im Dunklen liegt, muss man nicht nur fragen, sondern auch auf die dem innewohnenden Tendenzen hinweisen. Sonst kommt morgen der nächste und will noch mehr.
    .
    <°(((()<(, den Pöbel zu treten, hat den Oberen immer Freude bereitet, das ist nun mal so - oder es war ihnen zumindest gleichgültig. Dummerweise sehe ich nicht, warum man sich das noch gefallen lassen sollte.

  99. Ach, lieber Don, zum Thema...
    Ach, lieber Don, zum Thema haetten Sie ruhig die Betrachtung von Wolfgang Roehl durchgehen lassen sollen. Weiter nicht schlimm ist, dass es nicht geschah.
    Wenn’s um’s Polemisieren geht, schreibe ich mir meinen kleinen Bedarf auch selbst.

  100. Don, daß Ackermann die...
    Don, daß Ackermann die Gästeliste bestimmte kann wohl als sicher gelten, jedenfalls hat „die Zeit“ gestern online berichtet auf der Originaleinladung sei Entsprechendes vermerkt gewesen. Mehr Licht tut der Angelegenheit und sicher auch einigen der Geladenen sicher gut. Die Tendenzen sind jedoch alles in allem eher erfreulich: Einer der Vorgänger von Herrn Ackermann war nicht nur als Gast im Kanzleramt zum Spargelessen sondern (selbstverständlich ohne irgendwelche Legitimation) regelmäßig Teilnehmer von Kabinettsitzungen zu seligen Adenauers Zeiten. Es gibt eben doch so etwas wie Fortschritt.

  101. poisson, Sie meinen Herrn...
    poisson, Sie meinen Herrn Pferdmenges? Der soll Kaefer gefahren haben-mit Chauffeur. Es waren andere Zeiten. Der damalige Kanzler war gut geerdet, kannte sein Vieh im Stall, und hatte, so kurz nach dem Krieg, jede Menge Arbeit. Ueber Adenauer sollte man nicht klagen. Aus der Sicht von heute mutet seine Art seltsam an, aber er und Helmuth Schmidt-denen kann man nachtrauern. Meine Hoffnung gilt Steinbrueck. In 4 Jahren! Wenn der bis dahin nicht zur CDU gewechselt haben sollte.

  102. Im Moment kommt mir das Land...
    Im Moment kommt mir das Land vor wie ein dumpfer, dröger Karpfenteich. Politiker & Bankerchen schauen zufrieden auf die dicken, doofen Karpfen, die dort in der Brühe vor sich hintreiben…und vergessen dabei, dass sich der ph-Wert im Teich merklich verändert hat.

  103. Werter Vetter,
    ich habe ganz...

    Werter Vetter,
    ich habe ganz bewußt Bankier und nicht Banker geschrieben.
    Also der Bankier, der als Eigentümer (und Erbe) mit seinem persönlichen Vermögen haftet!
    Eine Spezies die rar geworden ist !

  104. Es ist eines der Mysterien der...
    Es ist eines der Mysterien der heutigen Zeit, warum man einem Jobkiller mehr Respekt zollt als 4 oder 5 Millionen ehemaligen Arbeitnehmern, die, wenn sie denn zur Wahl gehen würden, dem Spuk sehr schnell ein Ende bereiten könnten. Aber solchermassen verschont, werden sich am Wahlabend Parteien, die 20 oder 40 Percent der abgegebenen Stimmen – bei 40 Percent Wahlabstinenz – erhalten werden, somit tatsächlich nur 12 oder 24 Percent der Gunst der Wahlberechtigten erhalten haben, als Sieger der Jagd um die erneut auf 4 Jahre vergebenen Pfründe betrachten dürfen. Bataillen führen wir ja bereits wieder, die Finanzen sind zerüttet wie unter Louis Quatorze, Herr Necker heißt nunmehr Steinbrück – warum eigentlich kehren wir nicht zur Monarchie zurück ??

  105. Eine Monarchie bedarf der...
    Eine Monarchie bedarf der Tradition. Das haben wir hier nicht mehr. Auch in Frankreich nicht.
    Aber will ich ein preussisches Kaiserhaus? Wilhelm II vor Augen-lieber nicht!

  106. Don, geht es hier um Banken?...
    Don, geht es hier um Banken? Fast am Ende Ihrer Einlassung finde ich irgendwo den Begriff des Obrigkeitdenkens. Ja, der Nährboden für all dies Unerträgliche liegt darin begründet. Schon Adolf wußte: Je größer die Lüge, desto mehr Menschen laufen ihr hinterher.

  107. dipsy, sie verzerren da ein...
    dipsy, sie verzerren da ein wenig sehr, was ich zuvor geschrieben hatte. lesen sie nochmal genau nach. aber im einzelnen: „6000 investment-banker“: wenn ich sie richtig verstanden habe, verteidigen sie deren tätigkeit ja gerade mit dem hinweis auf die wunderbare geldvermehrung, auf deren grundlage die daraus resultierenden einnahmen des staates beruhen? dann müssten sie ackermann eigentlich gerade deswegen nicht mögen. es war aber nur eine wunderbare geldvermehrung auf jetzt wertlosen papieren, die die deutsche bank auf der vermögensseite bilanziert hat. eben deshalb regte ich an, die bilanzierungpraxis einer prüfung zu unterziehen. die bafin hat diesem schwachsinn offenbar bislang nicht viel entgegensetzen können. (abgesehen davon: beim stellenabbau damals war ich sozusagen live dabei. es waren nicht nur investmentbanker. als nachfolger für seinen eigenen posten bei der deutschen bank hat ackermann übrigens einen investmentbanker vorgeschlagen.)
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    „wie ein staat funktioniert“: darum ging es mir eigentlich nicht, und darüber würde ich auch nicht diskutieren wollen. sondern das thema oder die frage war: was bedeutet die nähe des herrn ackermann zur bundesregierung für den bürger und will man das haben? ich stelle diese frage auch gerne direkt an sie, da sie sich in diesen dingen kompetent wähnen: was ist das surplus, das der bürger aus der liaison des herrn ackermann mit frau merkel erwarten darf? arbeitsplätze? sagen wir in etwa im bereich 6000 stellen? bei der deutschen bank? ich sehe das offen gestanden nicht.
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    der ruhestand des josef ackermann soll nach seiner eigenen aussage so aussehen, dass er beratend „im öffentlichen bereich“ tätig wird: http://www.manager-magazin.de/koepfe/artikel/0,2828,461133,00.html
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    zum unterschied zwischen banken und NGOs: der unterschied liegt, wie sie scharfsichtig diagnostizieren, tatsächlich in dem offenbar von der aktuellen bundesregierung verschieden gewichteten gewinn, der durch eine zusammenarbeit entstehen könnte. keine sorge, ich bin überzeugt, dass auch ein sozialdemokratischer bundeskanzler diese unterschiedliche gewichtung vornehmen würde. nach meinem bürgerlichen verständnis der aufgabe der bundesregierung ist es aber nun leider so, dass sie sich um das gemeinwohl bemühen und dieses auch verantworten sollte. ich bezweifle stark, dass es sich bei dem plan, zusammen mit herrn ackermann (oder von mir auch aus der dresdner bank) die weiter ausufernde verschuldung des staates auf kosten der bürger zu gestalten, um eine verfolgung der interessen der deutschen bürger handelt. kennen sie das reichstagsgebäude? auf dem steht oben heute noch: „dem deutschen volke“. wollen wir das konsequenterweise ändern lassen in: „der deutschen wirtschaft“? es wäre – ihrer argumentationslinie folgend – sowieso das gleiche. wenn es das aber tatsächlich wäre: wieso geht es dann nicht allen bürgern gut? warum sind wir bis über die ohren verschuldet? wieso werden die öffentlichen töpfe nach der wahl fest geschlossen? die theorie der unsichtbaren hand scheint am ende wohl nicht so ganz hinzuhauen. adam smith ist nach über 200 jahren ein wenig überholter noch als der „wilhelminische blödsinn“.
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    don, ich verstehe den einwand der kulturkritik nicht ganz. ich hatte überhaupt nichts gegenteiliges behauptet. allenfalls hätte ich einwände gegen die schwammigkeit des begriffs, mit dem alles mögliche und zum teil unsinnige gerechtfertigt wird.

  108. Dipsy, gestehen Sie, Sie sind...
    Dipsy, gestehen Sie, Sie sind Ackermann!

    Schon bizarr, welche Rechtsauffassungen und Moralvorstellungen hier so herrschen. ‚Das bißchen Spargel auf Staatskosten!‘, ‚Nur eine unschuldige Feier unter Freunden!‘. In welchem Wald erhält man sich diese simplicische Schlichtheit? Wenn das keine Privilegien sind, warum darf ein Beamter keine Geschenke (inklusive Einladungen zum Essen) mit einem augenscheinlichen Wert oberhalb 5 Euro annehmen? Warum haben aus dem Dienst geschiedene Beamte zweijährige Sperrfristen, in denen sie keine ihrer bisherigen Verwendung nahen Tätigkeiten aufnehmen dürfen? Diese Gesetze und Vorschriften wurden von genau jenen erlassen, für die es selbstverständlich ist, ihre Freunde auf Staatskosten zu bewirten und ihre Nebeneinkünfte als Parlamentarier zu verschweigen.

    Deutschland: Ein Land, dessen Finanz- und Sozialämter seine Untertanen unablässig an ihre Pflichten gegenüber dem Staat ermahnen. In dem staatliche Leistungen nicht ohne voherigen Rechtsstreit gewährt werden. In dem eine schier unüberschaubare Zahl von Gesetzen und Verordnungen nur deshalb besteht, um ihre Durchschaubarkeit und Nutzbarkeit durch den Pöbel zu erschweren, welcher sich keine steuerlich absetzbaren Anwaltsheerscharen leisten kann. Dessen Beamte dazu verpflichtet sind, genau jenen keine Hilfestellung und Unterstützung bei der Durchdringung des Gesetzesdickichts zu bieten, deren Diener sie eigentlich sind und von deren Steuern sie leben. Dessen Politiker entschieden haben, daß seine Bürger zu nicht mehr als für Zeitarbeits- und Ein-Euro-Knechtschaft zu gebrauchen sind. Dessen Bürger infolge eines nicht mehr als solches bezeichenbaren Bildungssystems zu keinen höheren geistigen Leistungen mehr fähig sind, wodurch sie noch nicht mal in der Lage sind zu erkennen oder dagegen aufzubegehren, mit Hilfe der Medien durch dieselben Politiker und Lobbyisten als dumm, träge, faul und unbrauchbar bezeichnet zu werden, die diese Verblödungsmaschinerie wahrscheinlich bei dem einen oder anderen Spargelessen entwickelt haben… Und es finden sich tatsächlich immer wieder welche, die eine harmlose Rechtfertigung dafür finden, daß eine Obrigkeit aus Politik, Wirtschaft und Medien mal einen netten, steuerfinanzierten Abend gemeinsam verbringt!? Quo vadis Germania…?

    Natürlich hat Herr A. keinen persönlichen Vorteil von seiner selbstlosen Lobbyarbeit, mit deren Hilfe Bilanzanpassungen legitimiert wurden, die vorher als Bilanzfälschungen geahndet worden wären, was zu einem positiven Jahresergebnis führt, welches völlig ohne Einfluß auf das erfolgsorientierte Gehalt von Herrn A. ist. Oder war dieser Stuß satirisch gemeint?

    @ Peter Lehmann – ‚An Spengler sind nur die sprachwissenschaftlichen Kenntnisse bemerkenswert.‘ Wo haben Sie denn den aufgeschnappt…?

  109. Don, itha & Don Carlos- Ich...
    Don, itha & Don Carlos- Ich muss es noch mal schnell loswerden: Es ist schön zu lesen wenn jemand mit Herzblut schreibt.
    Die letzten Kommentare schmücken einen schönen Artikel mit einer wichtigen Prise Enthusiasmus…heutzutage echt wichtiger denn je.

  110. Don Alphonso, als die...
    Don Alphonso, als die Finanzwunde Oppenheims ersten Schorf zeugte, war dies noch mit bescheidenem Lautgeben verbunden. Sicher wurde da noch nicht der Fäulnisgeruch innerlich angefressener Kapitalstruktur ausreichend kommuniziert.
    Eine kleine Ahnung von abschmelzendem Kapital durfte man sich aber schon genehmigen.
    Auch ein anderer Grundsatz an Nachhaltigkeit orientierten großen Geldes (esse non videri) wurde nicht ausreichend gewichtet. Öffentlichkeitswirksame Auftritte von Geschäftsführern mit Prominenz und Oberbürgermeister z.B. bei Richtfesten, eher ein zuviel an Geräusch, an Wahrnehmbarkeit.
    Die Vita des bürgerlichen Geschäftsführers steht abschnittsweise für schnelles Neugeld. Und die Geräusche um Oppenheim wurden auch immer lauter.
    Devin08, danke für die Wertung, aber ich würde mir nicht zutrauen wollen den geschichtlichen Ablauf so exakt vorauszusagen, nicht einmal die ungefähre gesellschaftliche Entwicklungsrichtung scheint mir so eindeutig bestimmbar.
    Bei den irischen Märchen soll sich abweichend vom restlichen Europa oftmals für alle Protagonisten ein eher unglückliches Ende eingefunden haben. Damit scheint mir mehr Lebenserfahrung und Realitätssinn verbunden zu sein, als mit Vorhersagen zum baldigen Ende der Klassengesellschaft, so erstrebenswert das auch sein könnte.
    Nicht umsonst fuhr der alte Lenin mit einem „geliehenen“ Rolls-Royce und bewies so den ihm eigentümlichen Sinn für Distinktion in einer klassen“befreiten“ Gesellschaft.

  111. In der Tat: wenn man Geld hat,...
    In der Tat: wenn man Geld hat, braucht man Geld nicht zu verstehen. Aber wenn man Geld verstehen will, gibt Thomas Hobbes einen wertvollen Hinweis: „Was ist der Wert eines Menschen? Derjenige Betrag, den man für den Gebrauch seiner Macht geben würde.“ Geld ist ein Netz von Sozialbeziehungen. Salonsozialistentum und Beschwörung von Egalität sind demgegenüber bloßer ideologischer Überbau. Ich habe kürzlich den Titel eines Buches gelesen: „Is Reality Optional?“ Es sollte dafür eigentlich einen großen Bedarf geben.

  112. itha, pardon, das sagte ich...
    itha, pardon, das sagte ich unterstützend ja auch, wenngleich etwas missverständlich formuliert.
    .
    thomasriedel, nähmen wir einmal an, es wäre überflüssig, es mit „Salonsozialistentum“ anzusprechen – was wären dann die Alternativen? Zuschauen?

  113. codizil, zusammen mit anderen...
    codizil, zusammen mit anderen Meldungen – Cerberus hat in seinem Hauptfonds mit Milliardenabflüssen zu kämpfen, Liechtenstein wird unschicklich bei den Reichen – ist das ohnehin ein hübsches Thema: Das tödliche Ergrauen von scheinbar unsterblichen Eminenzen, die innerlich zerfressen waren. Bei Oppenheim erwarte ich, falls in Köln ein neuer Bürgermeister kommt, noch Höchstspannendes.
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    nico, man kann das aufgrund der Verflechtungen kaum trennen: Es geht um das System und die Frage, wie man es abhält, zu einer reinen Oligarchie zu werden.

  114. Fest steht: Privilegien machen...
    Fest steht: Privilegien machen ganau so Spaß wie Zinsen, Mieten, Pachten und Dividenden. Man macht einfach nix und alle anderen müssen sich derweil einen abbrechen um halbwegs das gleiche zu bekommen…

  115. In diesem, unserem Lande gibt...
    In diesem, unserem Lande gibt es keine Privilegien:
    „Der ehemalige Telekom-Manager Eick ist für diesen Fall gut abgesichert. Die Gesellschafter der Privatbank Sal. Oppenheim haben ihn für seinen insgesamt über fünf Jahre laufenden Vertrag die Summe von zehn bis 15 Mio. Euro garantiert.“
    Wie viele unserer kleinen, unbedeutenden Leben wären dadurch finanziert? Was hat dieser Herr Eick getan, daß er vielleicht zehn oder zwanzig Leben wert ist?
    .
    Im übrigen möchte ich mich miner anschließen. Hier sind wirklich Kommentare zu lesen, die jeden bezahlten Journaille-Artikel weit hinter sich lassen. Ich bitte Sie, fortzufahren (pars pro toto: Frundsberg, itha, codizil, Don Carlos, poisson et. al.) Sie werden immer einen dankbaren Leser finden.

  116. Das Witzige ist ja, daß...
    Das Witzige ist ja, daß unsere Verfassung uns alle Möglichkeiten in die Hand gibt, diesen Wahn kurzerhand abzustellen.
    Schließlich können wir die Bundesregierung auch abwählen! Niemand hindert uns daran, die LINKS-Partei zu wählen, oder, wenn diese uns aus irgendwelchen Gründen nicht gefällt, eine andere Oppositionspartei zu gründen und mit dieser um die Mehrheit zu kämpfen.
    Niemand hindert uns daran, die neofeudale Pründenwirtschaft juristisch und publizistisch zu bekämpfen. Wenn die systemrelevanten Qualitätsmedien derartige Meinungen unterdrücken, dann sollten sich andere Mittel der Verbreitung finden lassen.
    .
    Dennoch ist es sehr unwahrscheinlich, daß sich in den nächsten Jahren so etwas wie politische Opposition bildet. Denn in Wirklichkeit hat in Deutschland keiner was gegen Privilegien und Pfründe, solange er selber auch was abbekommt. Seitdem das Axiom vom „freien Markt“ kein Gebot der „political correctness“ mehr darstellt, können Wünsche nach Subentionen, Apanagen, Erbhöfen, Regalien, Monopolien und sonstigen Verstößen gegen das Gleichheitsgebot wieder ganz offen artikuliert werden.
    .
    Wir Deutsche wollen ja gar keine Gleichheit aus Prinzip, sondern „soziale Gerechtigkeit“ — und das bedeutet, daß das gesellschaftliche Einkommen so verteilt werden muß, daß die von den Vorvätern überkommene soziale Hierarchie mehr oder weniger unverändert erhalten bleibt. Unter „Sozialer Gerechtigkeit“ verstehen wir Deutsche eine Rundum-Garantie gegen sozialen Abstieg. Wer seinen Bürgern so etwas in Aussicht stellt, darf ruhig korrupt sein.
    Die Deutschen wollen keine mündigen Bürger sein, sondern Kinder bleiben dürfen. Ihr Geschrei hat immer nur den Zweck, die Aufmerksamkeit der Eltern zu gewinnen: „Wischt mir den Po ab! Füttert mich! Nachbars Thorsten hat auch ein Mofa, warum krieg ich keins?“
    .
    Lieber Don, ich weiß wirklich nicht, für wen Sie sich überhaupt einsetzen!
    Vielleicht sollten Sie Ihre Aufgabe lieber darin suchen, unserer herrschenden Klasse ein bißchen Nachhilfeunterricht in Geschmacksdingen zu erteilen. Damit der nächste Kanzleramtsneubau ein bißchen stilvoller aussieht, damit es dort einen Ballsaal gibt, damit auch ein paar Leute mit Format eingeladen werden und damit hinterher auch ein bißchen getanzt wird. Bedeutet es etwa keinen Standortnachteil für uns, daß sich die internationale Klatschpresse einen Dreck um Berlin schert? Wäre es für uns Deutsche nicht viel schöner zu wissen, daß auch in New York, Paris und London darüber getuschelt wird, wer bei der Kanzlerin zu Gast war und wer welches Kleid von welchem Schneider trug?
    Der Glanz eines echten Hofstaats strahlt auch auf Hoflieferanten und Lakeien ab! In diesem Sinne: Think big, think sex, think positve!

  117. Lieber thomasriedel,

    Macht?...
    Lieber thomasriedel,
    Macht? Können. Können Sie einfach was, was die anderen nicht können. Seien Sie ganz einfach Wernher von Braun, Albert Einstein, Justus Liebig, Max Planck, Gottlieb Daimler…. oder Bill Gates, Steve Jobs, Klaus von Klitzing, Christiane Nüsslein-Vollhard, Gerhard Ertl, Peter Grünberg, der Ehemann von Frau Bundeskanzler;-)….. Liste ist politisch voll unkorrekt, voll unkomplett. also ziemlich erweiterbar. Das andere findet sich dann schon…

  118. Ich bitte Sie zu bemerken,...
    Ich bitte Sie zu bemerken, HansMeier555, dass solche Gleichheitsforderungen immer in den Gulag o.ä. führen. Und ich spreche aus eigener Erfahrung. Im übrigen glaube ich durchaus, dass stilvolles Betragen kein Selbstzweck, sondern Selbstdisziplinierung bedeutet. Nein, es ist durchaus nicht gleichgültig. Und ja, dadurch wird die Welt nicht gebessert. Aber haben die Weltverbesserer die Welt verbessert? Ein weiser Mann sagte dieses:
    “I have a dream that one day this nation will rise up and live out the true meaning of its creed: ‘We hold these truths to be self-evident: that all men are created equal.’“
    Es bedeutet eben: gleich erschaffen, nicht gleich seiend.

  119. Zitat...
    Zitat HansMeier555:…internationale Klatschpresse einen Dreck um Berlin schert?
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    Es ist leider umgekehrt: Der Dreck schert sich um Berlin:
    http://www.tagesspiegel.de/magazin/immobilien/Kreuzberg;art875,2885169

  120. In England (wohlgemerkt nicht...
    In England (wohlgemerkt nicht in Großbritannien!), wo die Klassenprivilegien noch heute weit ausgeprägter sind als sonst irgendwo auf der Welt, reicht die Privilegienwelt bis tief in die Unterklasse. Ein Butler, der sich durch zahllose Ränge der Unterklasse bis zu diesem erhabenen Posten empordienen musste, wird stärker auf die mit seinem Posten verbundenen Privilegien pochen, als ein bloßer Lord, der lediglich in die Privilegien seiner Klasse hineingeboren wurde.

  121. @thomas riedel:
    ""Was ist der...

    @thomas riedel:
    „“Was ist der Wert eines Menschen? Derjenige Betrag, den man für den Gebrauch seiner Macht geben würde.“ Geld ist ein Netz von Sozialbeziehungen. “
    Sehr richtig, aber unvollständig.
    Umgekehrt bemißt sih der Wert des Geldes nämlich daran, wieviel man davon braucht, um Menschen zu kaufen, und zwar nicht nur deren MACHT, sondern auch ihre SEELE.
    .
    Dazu eine Anekdote:
    „Ob er sich erinnere, daß er mir mal einen offenen Scheck geschickt habe – „Füll aus, wieviel du willst“, weil er unbedingt ein Wunderlich-Bild habenwollt, das ich besitze – als gebe es die nicht bei jedem guten Händler zu kaufen; ob er nicht begreifen wolle, daß jeder Mann einen … Freund brauche, einen wirklichen Vertrauten… während er wohl meine, er könne alle Menschen anstellen und entlassen und auszahlen, ob Frauen, Männer oder Redakteure…“
    (Fritz Raddatz zu Augstein, siehe: Unruhestifter, Berlin 2005, S.259)
    .
    Wirklich reich ist, wer es sich leisten kann, Menschen zum Vergnügen zu kaufen.
    Das mit popeliger Mauschelei und Politikerbestechung nichts zu tun. Diese ist ja nur eine Investition, eine Ausgabe, die wiederum Einnahmen generiert.
    Wer aber schon genug Einnahmen hat und sich wirklichen Luxus gönnen will — der will sich eben keine Politiker mehr, sondern MENSCHEN…

  122. @ HansMeier555
    -
    'Niemand...

    @ HansMeier555

    ‚Niemand hindert uns daran, die LINKS-Partei zu wählen, oder, wenn diese uns aus irgendwelchen Gründen nicht gefällt, eine andere Oppositionspartei zu gründen und mit dieser um die Mehrheit zu kämpfen.‘ – Doch, der Bundeswahlleiter wird sie daran hindern, indem er Ihrer neuen Partei die Ernsthaftigkeit abspricht.

    ‚Niemand hindert uns daran, die neofeudale Pründenwirtschaft juristisch und publizistisch zu bekämpfen. Wenn die systemrelevanten Qualitätsmedien derartige Meinungen unterdrücken, dann sollten sich andere Mittel der Verbreitung finden lassen.‘ – Hier in meiner Gegend herrscht ein ehemaliger Finanzamtsleiter als CDU-Landrat in der Manier eines großen Kurfürsten. Politisch Andersdenkende werden von ihm exemplarisch mit Klagen wegen Verleumdung belegt und ihre Firmen von der Rechnungsprüfung durchforstet. Gleichzeitig ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen neonazistischer Wortwahl wegen Gebrauchs des Wortes ‚Gleichschaltung‘. Das alles deutet eine Tendenz an, die in Verbindung mit ‚vorsorglicher Inhaftierung von Gefährdern‘, ‚Abhören von Wohnungen‘, ‚Mithören von Telefonaten‘, ‚Bundestrojanern auf Computern‘, ‚Bundeswehreinsatz im Inneren‘ und zuletzt ‚Guantanamo‘ bestimmt keinerlei Anlaß zu einem gelassenen Vertrauen in die ‚Kraft der Demokratie‘ gibt. Wohlgemerkt, das alles, währenddessen eine Melange aus den höchsten Kreisen von Politik, Banken, Wirtschaft und Medien einen lauschigen, fremdfinanzierten gemeinsamen Abend verbringt. Kurz vor einer Bundestagswahl, vor der es faszinierenderweise keinen Wahlkampf gibt und für uns die schon seit Wochen dieselben unveränderten Wahlergebnisse von den Meinungsformungsinstituten vorab eingebläut werden.

  123. Es ist durchaus richtig, dass...
    Es ist durchaus richtig, dass jeder Mensch seinen Preis hat, HansMeier555. Ich meine, ich würde für meine Person nicht einstehen, wenn man mir eine Kleist-Erstausgabe böte. Aber trotzdem gäbe es doch eine Art von Selbstbehalt (so empfinde ich es), der über der Korruption stünde. Ein letzter Kern, der nicht korrumpierbar ist. Ich spreche diesen Ackermanns und Konsorten eben diesen Kern ab, weil ihnen außer dem Geld eben nichts mehr wert ist. Es ist dann, trotz aller ideologischen Übertreibung stimmig: „Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf die Gefahr des Galgens.“

  124. Don, gut, daß Sie ...zu einer...
    Don, gut, daß Sie …zu einer reinen Oligarchie….schrien, denn wir sind doch längst dort angekommen, nur sieht die unsere eben anders aus; Ihr Präsident läßt sich zwar nicht in Macho-Pose beim Lachsfischen ablichten und die Öl- und Gas-Mafia sind hierzulande nicht dem KGB entsprungen, schön und allgegenwärtig indes hier der Kniefall vor dem omnipräsenten Götzen, die Bankenmafia, der salonfähig präsentiert wird. Und Teile unserer Lobbyisten-Politiker-belle etage nehmen ja seit geraumer Zeit Anleihe im Land der Oligarchen. Bin sicher, dies wird dem ganzen hier den letzten Schliff geben, so wie ja schon die Implementierung der STASI-Methoden in manch einem Ex-Staats-Unternehmen erfolgreich umgesetzt wurde.

  125. Sozialismus oder Barbarei (2....
    Sozialismus oder Barbarei (2. Versuch)
    @codizil: Das ist keine exakte Voraussage, sondern nur eine Annahme, die wiederum bestimmte Voraussetzungen erfordert. Schwere Krisen, wie die vorliegende macht diese Annahme immer möglich, wenn auch nicht notwendig. Das Subjekt hat es im Rahmen seiner Möglichkeiten selbst zu bestimmen, ob es „aufgehoben“ oder aufgelöst werden soll. „Aufheben“ kann es sich als revolutionäres Klassensubjekt, auflösen kann es sich als „automatisches Subjekt“. Für Letzteres muss es nichts weiteres tun, als so weitermachen. Die spontane Bewegung führt es von selbst dort hin. Die Herrschaft des Kapitals tendiert zur Auflösung („Prekarisierung“) aller Klassenverhältnisse (und nicht zur Stabilisierung, wie man so gerne annehmen möchte, die Klassenverhältnisse sind mitnichten stabil!). Das Kapital ist in jedem Moment gesellschaftliches (abstraktes) Gesamtkapital wie auch individuelles (konkretes) Einzelkapital. Gesellschaftlich ist es wesentlich politisch, individuell ist es ökonomisch. Der ökonomische Mensch ist ein isoliertes Einzelnes, kein gesellschaftliches Wesen – eine Idealisierung des Kapitals. Mensch wie Subjekt sind aber gesellschaftliche Wesen, darin aber nicht abstrakt sondern real-konkret. „Aufheben“ erfordert das ausloten aller nur denkbaren Möglichkeiten und die Nutzung derselbigen, in jedem Moment der Geschichte, die Nutzung der Politik wider die Ökonomie, die „Kritik der politischen Ökonomie“. Die einzige „exakte Voraussage“ kann daher nur lauten: Sozialismus oder Barbarei (Marx-Engels-Kommunistisches Manifest).

  126. Devin08, die Alternative...
    Devin08, die Alternative „Sozialismus oder Barbarei“ findet sich nicht im Kommunistisches Manifest sondern in Rosa Luxemburgs Junius-Broschüre von 1916 (wenn auch mit Verweis auf Engels). Es war der erste Weltkrieg, der der historischen Siegesgewißheit der Marxisten den ersten heftigen Dämpfer versetzte…
    .
    Übrigens: Schön, daß Sie wieder da sind – ihr Urlaub war hoffentlich erholsam. Merwürdigerweise habe ich Ihre Beiträge wirklich vermißt…

  127. Die Geschichte machen wir...
    Die Geschichte machen wir selber
    @Alter Bolschewik: Sie haben recht, und die Erinnerung ist eben keine verlässliche Quelle, zumal wenn man davon überzeugt ist, dass jenes Paradiktum eigentlich genau dort hin zu passen habe!
    Der Urlaub, der ja eigentlich eine Kur war, war sehr erholsam. Danke!
    Ich glaube übrigens nicht, dass die Marxisten wirklich siegesgewiß waren, sie waren nur zu sehr auf den objektiven Faktor orientiert, und glaubten sich daher innerhalb der Geschichte gut aufgehoben. Auch eine Rosa Luxemburg war noch von dieser Krankheit erfasst. Es bedurfte eines Lenin, der ihnen klar machte, dass der subjektive Faktor alles entscheidet. Die Geschichte machen wir selber, wenn auch nur im Rahmen einer möglichen (nicht unbedingt notwendigen!) Geschichte.
    Die Theorie selber kann Geschichte machen, wenn sie die Geschichte versteht.
    Ganz konkret: Demokratie heute – auch und gerade im Sinne des Wortes: Herrschaft des Volkes -, erfordert, dass das Volk sich in Klassen versteht, also nicht als amorphe Masse, sondern als eine klar strukturierte, einer, die sich vom abstrakten zum konkreten hin orientiert, und somit vom gesellschaftlichen hin zum individuellen – und eben nicht umgekehrt.
    Das ist wesentlich, denn wer das umgekehrt begreift, versteht nicht, warum Privilegien an eine gewisse mehr oder weniger identische soziale Gliederung gebunden sind, und nicht an eine juristische. Darin irrt nämlich unser guter Don, wenn er glaubt, dass man Privilegien innerhalb eines gesetzlichen Rahmens erfahre. Jeder gesetzlicher Rahmen hierfür ist die Hure der Praxis, nicht ihre Rechtfertigung. Nehmen wir die Privilegien in einer sog. sozialistischen Gesellschaft. Diese gibt es doch nur, weil der Sozialismus noch mit Haut und Haaren an den Kapitalismus gebunden ist, an die Klassengesellschaft, an die Verwaltung der Not und des Notstandes und nicht der „Sachen“, wie dann erst im Kommunismus. Privilegien drücken überhaupt nur einen Zustand aus, in dem die Mehrheit der Bevölkerung, die Massen, vom Genuss derselben ausgeschlossen sind, in dem der Mangel herrscht, und diesem die Politik, die Macht der Bürokratie. Daher verstehen zum Beispiel die Trotzkisten nicht den Begriff des Bürokratismus. Sie halten ihn für einen gesonderten, wo er doch nur der allgemeine für eine jegliche Klassengesellschaft ist. Der Bürokratismus kennzeichnet eben nicht die Verwaltung von Sachen, sondern die von Menschen, aber dies in einem hochorganisierten Zustand, einem jenen, der den Sachen schon sehr nahe gekommen ist. Der Bürokrat gibt sich als Sachwalter, ist aber doch nur ein Machthaber, ein dafür delegierter.

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