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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Vom Wesen des Unglücks im Reichtum

| 82 Lesermeinungen

Typischerweise steht man an einem Grab, lässt das ganze Elend so eines Lebens Revue passieren - und bei dieser Revue fliegen in der Regel keine Frauenbeine - und fragt sich: Wie konnte es bei all dem Reichtum letztlich nur so enden. Wieso hat der verstorbene nicht besser gelebt, was hat ihn davon abgehalten, seine Vorzüge zu nutzen? Darauf gibt es viele Antworten, aber zumeist ist eine dabei, die eine ganz bestimmte, in besseren Kreisen weit verbreitete Krankheit zum Thema hat: Das Unglück in Form von Persönlichkeiten, die für den kleinsten eigenen Nutzen anderen ohne Bedenken den grössten Schaden zumuten. Typisch für die Oberschicht wie ein Konto in der Schweiz, aber leider weder strafbar noch dortselbst im Schliessfach zu vergessen.

Ce monde est un grand Bedlam, où des fous enchaînent d’autres fous.
Voltaire

In den letzten Wochen war ich in der kleinen, dummen Stadt an der Donau verhindert, und so hatten Freunde das Vergnügen, meine Wohnung am Tegernsee zu geniessen. Es hat ihnen sehr gefallen, sie waren am Strand und im Wasser, besichtigten einiges und kamen auf dem Rückweg noch mal vorbei, um Kürbistarte oder Zwetschgendatschi als Wegzehrung zu essen, und zu berichten. Vom italienisch-blauen Himmel über dem See, vom Kaiserwetter, vom Müssiggang, und – sie kamen bekindert – von den Leuten am See. Den reichen Leuten, die aussehen, als gehörten sie nach St. Tropez, was durchaus passt, denn die Region rund um den Spielplatz bei Seeglas ist so eine Art Bayerisch St. Tropez – mit allen Nach- und Nachteilen. Frauen mit Geld und Kindern ohne Arbeit suchen sich, eingeengt von der Konkurrenz, Lebensinhalte und Lebensstile. Jedenfalls, meinten die Besucher unisono, hätten sie selten so viele unzufriedene Menschen auf einem Haufen gesehen, obwohl die allesamt sicher reich waren.

Der Besuch hat eine scharfe Beobachtungsgabe. Tatsächlich würde ich nicht darauf wetten wollen, dass „Reiche“, die Oberschicht, die bessere Gesellschaft prinzipiell glücklicher ist. Es kann sein, aber nach nunmehr 4 Jahrzehnten in diesen Kreisen habe ich meine eigene Theorie, warum das in der Regel nicht so ist. Denn abstrakt gesprochen, ist Reichtum nicht „Geld“, sondern nur die Fähigkeit, die Optionen zu nutzen, die Geld bietet. Ob man eine Woche bei einer blöden Zwangsarbeit in einem stickigen Büro sitzt, putzen gehen muss oder kurz entschlossen nach Meran fährt, um dem Regengebiet nördlich der Alpen zu entgehen: Diese offene Option, diese Möglichkeit, unangenehmen Dingen auszuweichen und das Angenehme zu tun, wenn andere nicht anders können, das alles macht Glück aus, und die besseren Kreise haben diese Möglichkeit. Meistens.

Bild zu: Vom Wesen des Unglücks im Reichtum

Es sei denn, die Optionen fallen weg, weil sie nicht genützt werden können. Tod, Krankheit, körperlicher Zerfall, Familientragödien, all das, was man gemeinhin als Schicksalsschläge bezeichnet, sind von den Folgen her mit Geld vielleicht abzufedern, aber mehr auch nicht, und die Gefühle bleiben. Neben diesen wirklich grossen Dramen der besseren Gesellschaft gibt es aber auch noch die alltäglichen Unausweichlichkeiten, und die halte ich nach meinem – bislang ruhig und fern der meisten schweren Verwerfungen verlaufenen – Leben für wirklich entscheidend für die schlechten Gefühle.

Denn es gibt neben dem Schicksal auch noch menschlich gemachtes Elend. Nun sollte man denken, dass materielle Sorglosigkeit zusammen mit den üblichen menschlichen Problemen die bessere Gesellschaft immer noch erheblich dastehen lässt, als den Rest der Bevölkerung. Diese Annahme aber lässt zwei Phänomene ausser Betracht: Einerseits wird die materielle Sorglosigkeit zur Gewohnheit, wenn man es überhaupt je anders gekannt hat. Sprich, wenn man immer nur Nirostabesteck gegessen hat, kommt einem das 800er Familiensilber als etwas Besonderes vor. Wenn man nichts anderes als Silber kennt, wird es normal – oder gar banal, gewöhnlich. Es erhebt einen nicht mehr. Man kennt es nicht anders.

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Im rein Menschlichen jedoch bleibt natürlich ein materieller Abstand zu anderen Schichten und zum Niedergang erhalten. Und diese grosse Höhe darf man sich nicht als Luft vorstellen, durch die man abstürzen kann. Dieser Abstand ist eher wie ein gummiartiger Brei oder gar eine Feder, die einen, wenn man sich gehen lässt, zurückschnalzen lässt. Denn dieser Abstand wird auch geschützt von einem Umfeld – Familie, Freunde, Firma, Vermögen. Lakaien, Kriechernaturen – das mehr oder wenig freiwillig bereit steht, um im Zweifelsfall zu helfen, wenn sich so einer mal wieder voll daneben benimmt und dabei davon ausgeht, dass es geht, weil die anderen schon helfen. Irgendjemand wird es schon in Ordnung bringen. Womit wir zum dritten Mal in Folge bei Josef Ackermann und dem Mysterium seiner lockeren, die Gesellschaft ins Gesicht tretenden Einlassungen sind, einfach so, mit der Banalität des Könnens und ohne Rücksicht auf Verluste.

„Weil ich kann“, wäre vielleicht die Antwort solcher Leute. Und sie haben recht. Es klingt banal, aber sie tun es, weil sie es können. Man trifft in diesen Kreisen oft, zu oft solche, die keine Rücksichten nehmen müssen. Nach meiner Erfahrung gibt es einen sehr speziellen Typus in der besseren Gesellschaft, den man vielleicht so umschreiben kann: Leute, die für einen minimalen eigenen Vorteil stets bereit sind, für möglichst viele anderen einen maximalen Schaden anzurichten. Diese Leute sind die Pest der besseren Gesellschaft; es sind sehr wenige, aber dafür mit Auswirkungen, die vollen Nutzen aus den Schwächen der Klasse ziehen. Das muss kein Bankchef sein. Das gibt es in der Version der Grosstante, die alle so lange terrorisiert, bis sie exakt den Blick bekommt, was sie will – und dann meint, daheim wäre es schöner. Es sind die Elitessen, die ihre Eltern 300 Kilometer bis zum Studienort fahren lassen, damit die ihren Saustall aufräumen, während sie selbst gelangweilt auf dem Balkon des Studentenheimes telefonieren. Es sind Privilegienritter, die ganze Abteilungen auf Trab halten, nur damit der Dienstwagen auch ja Extras bis zum Limit hat. Schön, wenn diese Leute eine Firma, eine Partei, eine Bundeskanzlerin oder eine niedrigere Klasse haben, an der sie das feist grinsend austoben können. Leider spielt sich das aber nur zu oft in der eigenen Umgebung ab. Kaum eine bessere Familie, die dergleichen nicht in der Verwandtschaft hat.

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Denn gerade die bessere Gesellschaft ist extrem anfällig für solche Freunde des maximalen Schadens. Der maximale Schaden für andere ist unabdingbarer Teil des eigenen Profits. Es gibt bei uns leider einen gewissen Anstand, der einen zwingt, auch Entgleisungen bis zu einem gewissen Punkt wort- und klaglos hinzunehmen, und auch nicht hintenrum darüber zu reden. Asoziales Verhalten wird dadurch sehr spät bestraft, und oft haben die Verursacher nicht nur ein Gefühl für den maximalen Schaden für andere, sondern auch für Zeitpunkte, da man ihnen direkt nicht die Meinung sagen kann. Fragen wie „Könntest Du morgen, wenn Du ohnehin nichts zu tun hast, für mich vielleicht diese oder jene kleine Arbeit machen, (beiseite) die eine unsägliche Drecksarbeit ist, deren fatale Konsequenzen erst offensichtlich werden, wenn Du nicht mehr zurück kannst, die Rechnung zahlen musst und ich nicht an mein Handy gehe, denn im Cafe will ich nicht gestört werden“ – solche Fragen kommen bevorzugt in Anwesenheit Dritter. Dann geht es. Dadurch entsteht bei diesen Personen der Eindruck, das wäre möglich. Es würde schon jemand kommen und das tun, was man selbst nicht tun möchte. Es gäbe schon eine Lösung des Problems, die man anderen aufdrücken könnte. Die bessere Gesellschaft sei auch eine bessere Absicherung.

Tatsächlich – haben sie nicht unrecht. Es war schon immer so. Im britischem Empire jedoch konnte man solche Leute noch in die Kolonien verfrachten, wo sie an Malaria krepierten oder von Militärs abgeknallt wurden, denen sie die Frauen streitig machten. Hierzulande jedoch bekommen sie leitende Versorgungsposten in Anwaltskanzleien, Personalabteilungen, Parteien und staatsnahen Firmen.

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In diesem Umfeld können sie sich auch ungestört entwickeln. In anderen Klassen wären weder die unangemessen freundlichen Manieren da, noch die finanzielle Kraft, die Schäden und Sonderaufwendungen zu verkraften. Würde sie sich in anderen Klassen privat dergestalt benehmen, sie wären schnell ausgeschlossen, pleite, auf der Strasse, ganz unten angekommen, ein Fressen für Müllformate des Privatfernsehens und auf keiner Liste für Verdienstorden. Die typisch mittelklassige Angst vor den Abstieg ist nicht wirklich gut, hilft aber mitunter bei der Disziplinierung, die in besseren Kreisen spätestens dann nicht mehr möglich ist, wenn der besagte Vertreter finanziell unabhängig ist. Wenn er sich nicht mehr auf pflegeintensive, gegenseitige Verpflichtungen verlassen muss, sondern auf Abhängigkeiten, auf Unausweichliches, auf Familienbande zurückgreifen kann. Man kann ihnen nicht einmal nachsagen, sie hätten keine soziale Intelligenz; sie haben sie sehr wohl, aber mit einem extrem asozialen Beweggrund.

Hin und wieder dringt davon etwas an die Medien; ein zertrümmertes Hotelzimmer, eine mühsam kaschierte Vergewaltigung mit anschliessender Verbringung in ein Internat in die Schweiz, ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue, ein Victory-Zeichen, Internetzensur, eine Todesanzeige mit sehr formalen Trauerbekundungen. Weil man es – bis zum erreichen der biologischen Grenze – konnte. Hauptsache, es geht ihnen dabei gut, und sie haben ihren Vorteil gehabt.

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82 Lesermeinungen

  1. Soweit ok. Wesentlicher aber:...
    Soweit ok. Wesentlicher aber: wie behilft man sich denn realistisch gegen die Übergriffe solcher Leute?

  2. "Ob man eine Woche bei einer...
    „Ob man eine Woche bei einer blöden Zwangsarbeit in einem stickigen Büro sitzt, putzen gehen muss oder kurz entschlossen nach Meran fährt, um dem Regengebiet nördlich der Alpen zu entgehen: Diese offene Option, diese Möglichkeit, unangenehmen Dingen auszuweichen und das Angenehme zu tun, wenn andere nicht anders können, das alles macht Glück aus, und die besseren Kreise haben diese Möglichkeit. Meistens.“ Am Rande: Viele Mitglieder Ihrer (unserer?) Klasse müssen sich um das Familienvermögen, dass man dem Anlageberater nicht vollends anvertrauen möchte, oder den Familienbetrieb, den man ja schließlich selbst aufgebaut hat, kümmern. Bei uns in der Familie ist das jedenfalls so. Wenn jemand dann mal eine Woche Urlaub macht, dann kann diese natürlich an nahezu jedem Ort der Welt verbringen, aber das kommt gar nicht so oft vor. Der Status und die Unabhängigkeit von anderen ist schließlich erarbeitet und nicht in der Lotterie gewonnen.

  3. Trifft hier der Begriff...
    Trifft hier der Begriff „Sozialschmarotzer“
    oder ist der exclusiv für Harz4ler,die sich erdreisten einen miesen 1 Euro Job abzulehnen?

  4. jene...
    jene gesellschaftlich-angenehmen Höhen! Oh, wie werde ich auf diese hinarbeiten: Meine Enkel sollen einst die Generation jener Undankbaren begründen ;-) (ich – schaffs mit Sicherheit nimmer. menschlicher Humus – ich! was solls…. ;-) Dank der permissiven Bildungspolitik der 70er im staatlichen Gymnasium geduldet – die „Unterschiede“ wohl empfindend (durch Abschreibenlassen sich zeitweise einkaufend ;-)

  5. Die (da oben) sind eben auch...
    Die (da oben) sind eben auch nur Arschlöcher, war mein erster Gedanke. Und ja, asoziale Sozialkompetenzler gibt es in jeder Schicht.
    Stellt sich (für mich) die Frage: Warum kommen schichtübergreifend diejenigen, die für ALLE das beste wollen, nicht zusammen?

  6. sehr schoen.
    mancher...

    sehr schoen.
    mancher sozialpsychologe oder philosoph wuerde in einem punkt widerspechen: nicht die fuelle an moeglichkeiten macht gluecklich, sondern – ganz im gegenteil – die fuelle an moeglichkeiten beguenstigt ab einem gewissen punkt ganz radikal und unwiderrufbar die subjektive unzufriedenheit. das allerdings nur am rande bemerkt.
    viel wichtiger und treffender ist diese sehr schoene illustration eines betimmten typus mensch: „Könntest Du morgen, wenn Du ohnehin nichts zu tun hast, für mich vielleicht diese oder jene kleine Arbeit machen, (beiseite) die eine unsägliche Drecksarbeit ist, deren fatale Konsequenzen erst offensichtlich werden, wenn Du nicht mehr zurück kannst, die Rechnung zahlen musst und ich nicht an mein Handy gehe, denn im Cafe will ich nicht gestört werden.“
    – BRAVO. – wer kennt sie nicht, diese widerlinge und soziopathen, „die ganze Abteilungen auf Trab halten, nur damit der Dienstwagen auch ja Extras bis zum Limit hat.“ – well done. praezise arbeit, don.
    ob freund ackermann jetzt zu dieser sorte zwangsdominanter koeter mit fruehkindlichem traumaschaden gehoert, kann ich auf die distanz nur schwer beurteilen. – aber vielleicht gibt es hier jemanden, der ihn persoenlich kennt und der erkenntnis stiften kann.

  7. Naja, diese Schneisenschläger...
    Naja, diese Schneisenschläger sind schon übel. Gefärlicher, weniger leicht identifizierbar sind die dezenten, Wohlwollen simulierenden Manipulierer und Mehrwertabschöpfer.

  8. sterne, Kinderlosigkeit und...
    sterne, Kinderlosigkeit und Wegziehen sind schon mal gute Anfänge. Wenn es nicht anders geht_ Ab und an etwas weniger höflich sein.
    .
    Debütant, sicher, man kann nicht immer aus, aber vermutlich doch lockerer als viele andere. Gerade gestern durfte man von so einem Fall lesen:
    http://ftalphaville.ft.com/blog/2009/08/28/69071/aigs-new-ceo-is-very-busy-ok/
    Und letztlich hat man eben genau den Stress, den man sich selbst macht. Viele Leute könnten kürzer teten, wenn sie wollten.

  9. ossi, ich würde hier...
    ossi, ich würde hier vielleicht generell aufpassen wollen, dass die Verhältnisse gewahrt bleiben; das Wort ist so oder so sehr unschön.
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    wortschubse, man unterschätze nie die Assimilationskraft der alten Tanten, gerade wenn man mit kleinen Kindern anrückt oder der Neffe gerade eine Scheidung mit einer besseren, aber schwierigen Frau hinter sich hat. Und es tut auch gar nicht weh.

  10. Ein Scheinheiliger spielt in...
    Ein Scheinheiliger spielt in Molières Komödie „Le Tartuffe“ die Hauptrolle. Die bessere Gesellschaft wird nach außen prinzipiell nur in bestem Lichte dargestellt. Der schöne Schein musste – in der „Guten Alten Zeit“ – gewahrt bleiben.
    In fast 65 Nachkriegsjahren in Frieden, Freiheit, Wohlstand denkt man heute anders. Die Ellenbogengesellschaft hat „gesunden“ Egoismus kultiviert, den Kindern alles erlaubt, da sie es sich in diesem Umfeld ohnehin genommen hätten. „Es sind die Elitessen, die ihre Eltern 300 Kilometer bis zum Studienort fahren lassen, damit die ihren Saustall aufräumen, während sie selbst gelangweilt auf dem Balkon des Studentenheimes telefonieren“…
    Wie lange kann diese Dekadenz – von „sehr wenigen“ der besseren Gesellschaft – noch ausgehalten werden?

  11. "Denn gerade die bessere...
    „Denn gerade die bessere Gesellschaft ist extrem anfällig für solche Freunde des maximalen Schadens.“ Werter Alphonso – was ist denn das für eine „bessere“ Gesellschaft am Tegernsee? Wirklich nur parvenus, Schnellreiche mit billigen Allüren? Ich bitte Sie! Verzicht ist Luxus. Geld ist kein Kennzeichen der besseren Gesellschaft. Welche Maßstäbe haben Sie?
    Aber seien wir nicht vermessen: Auch in der wirklich besseren Gesellschaft gibt es die sogenannten schwarzen Schafe. Gottseidank und natürlicherweise. Und es gibt auch viele, zu viele, die nicht durch eigene Leistung, sondern nur durch Haltung einen gewissen Status bewahren. Aber immerhin! In der wirklich besseren Gesellschaft prahlt man nicht mit der Ausstattung des Dienstwagens, allein schon deswegen, weil es die Absenz sonstiger Geistesgaben dokumentiert.
    Ich bin enttäuscht.

  12. Diese Erscheinung, in der die...
    Diese Erscheinung, in der die Kontingenz zur sozialen Inkontinenz wird, gibt es keinesfalls nur in der besseren Gesellschaft, sondern in jeder Gesellschaftsform und auch hier nicht nur bei den Stützen sondern auch bei denen auf Stütze und mittendrin erst recht. Wurde zeitweise zum Distinktionsmerkmal von Funktionseliten, hierzulande in zwei Staatsformen, die Abweichler gerne als Sozialschmarotzer bezeichneten. Erstaunlich, wie gnädig auch bei schweren Verfehlungen in vorstaatlichen Gesellschaftsformen mit solchen Leuten umgegangen wurde, schimpfen und nach ein paar Wochen Wildnis war´s wieder gut erstmal (Ostrazismus). Ich meine: Müssen wir aushalten.
    Also mit dem Wesen des Glücks in der Gesellschaft bringe ich das nicht recht zusammen, nur vielleicht mit Blick auf die Gottschedsche Formel: „Die Weltweisheit nenne ich eben die Wissenschaft von der Glückseligkeit der Menschen“. Daran fehlt es vielleicht dem Saturierten? Der überheblichen Arroganz des ungezogenen Lümmels vom Gutsherren mit bürgerlicher Moral zu begegnen war damals auch ein Desiderat des gesellschaftlichen Prozesses. Vielleicht in ihrem Sinne?

  13. Ich gehe, wie meist, fast...
    Ich gehe, wie meist, fast d´accore. Nur leider betrifft dieses Verhalten nicht eine Minder- sondern eine Mehrheit aller Kreise. Die Fähigkeit zu wahrhaft aufrechter Haltung in Geist und Handlung war schon immer nur wenigen gegeben. Und was auch immer an Kultur in Literatur und Kunst einmal Mittel war, den Horizont des Geistes offen und in der Waage zu halten, ist heute allenfalls nur noch Accessoire.

  14. Werter Don
    ja hier wird das...

    Werter Don
    ja hier wird das sog. DownSizing mit Dekadenz und allgemeiner Anstand vormals preußischer Disziplin mit dem Ideal einer Gesellschaft verbunden, die so nie existierte. Das Problem: die Auflösungserscheinungen werden, mangels Abwesenheit von Not, als Solche gar nicht wahrgenommen. Quelle horreur! Et en plus: Der Mehltau des Wahns – just zum Beginn des Herbstes – senkt er sich langsam herab. Durchaus literarisch…

  15. Lieber Domday, ich stimme...
    Lieber Domday, ich stimme Ihnen zu; die Einteilung unserer Gesellschaft, wie sie Alphonso vornimmt, gefällt mir auch nicht. Aber ich muss ihm zugutehalten: Er versucht jene „bessere Gesellschaft“ zu beschreiben, welche weitläufig als solche gesehen wird.
    Und Herrn Ackermann muss ich wohl einmal verteidigen: Ich habe ihn nie persönlich kennengelernt, aber ausgehend von den Interviews, die ich von ihm gelesen habe und den Informationen, welche nicht durch eine linke Presse verfälscht worden sind, halte ich ihn für einen rechtschaffenen, fleissigen Mann!

  16. Don, Sie wachsen mehr und mehr...
    Don, Sie wachsen mehr und mehr über sich hinaus !
    @ Julius: „…die dezenten, Wohlwollen simulierenden Manipulierer und Mehrwertabschöpfer…“
    Meinst Du diesen Typus „Tiefensee“, so mit ruhigen, treudoofen Sackäuglein, aber als Ausgleich dazu wenigstens konsequent korrupt ?

  17. Volle Zustimmung, Der...
    Volle Zustimmung, Der Saetzzer, diese Leute gibts in jeder Schicht. Wer nur einmal von unten nach oben (ick hab det Schloss jesehen, bin awwer nicht Koenich geworn) durchwanderte, kennt sie alle. Und er kennt sie fuer den Rest seines Lebens. Ich moechte allerdings darauf hinweisen, dass viele Frauen diese antisoziale Lebensregel perfekt handhaben, bis zur vierten, endlich gewinnbringenden Scheidung.
    Und wer in den fruehen 70gern in Soziologieseminare geriet, konnte die fruehbluehtigen, opportunistischen spaeteren Sozialbuerokraten kennenlernen. Wer diese Leute erlebt hat, geht mit Grausen, wendet sich der Ingenieurwissenschat zu und baut bis an sein Lebensende lieber Bruecken und Strassen. Oder Tunnel. Muss ja nicht in Koeln sein. Da gibt es ein Nest voller Solcher…

  18. Ich fürchte, solche Leute gab...
    Ich fürchte, solche Leute gab es auch schon früher und auch in der Unterschicht.
    Wenn ich nur daran denke, wie leicht man in den ersten drei Nachkriegsjahrzehnten Kinder und Jugendliche in gefängnisartige „Heime“ abgeschoben werden konnten! Dort wurden sie dann von sadistischen Nonnen im Namen des Heilands geprügelt und durften durch Zwangsarbeit die Kirche reich machen. Viele dieser Kinden ihren eigenen (Stief-)Eltern und Jugendämtern dorthin abgeschoben wurden. So gesehen ist der Egoismus der Alpha-Neurotiker, die alle Extras im Dienstwagen brauchen, vergleichsweise harmlos.

  19. Ich fürchte, solche Leute gab...
    Ich fürchte, solche Leute gab es auch schon früher und auch in der Unterschicht.
    Wenn ich nur daran denke, wie leicht man in den ersten drei Nachkriegsjahrzehnten Kinder und Jugendliche in gefängnisartige „Heime“ abgeschoben werden konnten! Dort wurden sie dann von sadistischen Nonnen im Namen des Heilands geprügelt und durften durch Zwangsarbeit die Kirche reich machen. Viele dieser Kinden ihren eigenen (Stief-)Eltern und Jugendämtern dorthin abgeschoben wurden. So gesehen ist der Egoismus der Alpha-Neurotiker, die alle Extras im Dienstwagen brauchen, vergleichsweise harmlos.

  20. Sehr geehrter Don...
    Sehr geehrter Don Alphonso,
    seit dem Interview von Josef Ackermann und dem darauffolgenden Wirbel habe ich mir genau die Frage gestellt, warum hat er das gesagt? Das war doch im Grunde ein Vorführen von Angela Merkel! (Ich habe sogar danach gegoogelt und nichts gefunden). Ich habe schon an eine geheime Agenda gedacht – wer weiß? Und nun haben Sie diese meine Frage so wunderbar klar beantwortet! Übrigens, obwohl ich nicht zu Ihren Kreisen gehöre, sondern nur zum Mittelstand, der versucht, sein Leben nach alten kantschen Tugenden zu führen, lese ich Ihre Blogs immer mit dem größten Vergnügen – sie sind immer so elegant, so „italienisch“ im Stil und Inhalt.

  21. ...."Leute, die für einen...
    ….“Leute, die für einen minimalen eigenen Vorteil stets bereit sind, für möglichst viele anderen einen maximalen Schaden anzurichten. Diese Leute sind die Pest der besseren Gesellschaft.“…Ist das schön:-)
    ….“Könntest Du morgen, wenn……… in Anwesenheit Dritter“……das ist noch schöner:-))
    .
    Immer wieder, doch ja, kommen diese Dienstwagen- und Sicheinladenlassen-Geschichten und da möchte man an den Ex-Finanzminister erinnern, der sich mit unerträglichem Passiv-Gerede als Obersparer hervortat, sich aber zuvor und bei Beginn seines Unwirkens als hess. Ministerpräsident das Büro für 120.000€ renovieren ließ (Spiegel berichtete). Die Leute hatten schon damals gottlob ein kurzes Gedächtnis und so durfte dieser fortan vom Sparen fabulieren.
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    Don, Hut ab, nie war es amüsanter, die Unerträglichkeit des Gegebenen zu akzeptieren, sich ihr gar hinzugeben. Seit betreten Ihres Salons – Ausdruck von Frau Diener – bin ich ja ohnehin der Meinung, sie dienten hier auf Erden als Messias für uns arme Lämmer?!

  22. Lieber Don Alphonso, lesen...
    Lieber Don Alphonso, lesen Ihre „bekindeten“ Verwandten eigentlich auch diesen Blog…?
    @abf und Don Alphonso, die Aussage, daß mehr Möglichkeiten glücklicher machen, halte ich für falsch und, pardon, etwas oberflächlich. Schon meine kettenrauchende, linkslastige Ethiklehrerin erklärte dies vor 25 Jahren und auch damals schon widersprach ich. Glücklich zu sein ist eine rein psychologische Angelegenheit und eine Erfüllung menschlicher Bedürfnisse nach Liebe, Anerkennung usw. Die Erfüllung von Wünschen ist nur ein kleiner Teil des Ganzen.
    Herr Liebreiz, Doktor Benway, das Problem des korrekten Verhaltens ist leider der einem daraus kontinuierlich enstehende Nachteil gegenüber denen, die inkorrektes Verhalten zeigen. Ich habe davon auch langsam die Nase voll, korrektes Verhalten wird regelrecht als „blöde“ hingestellt.
    Ansonsten pflichte ich Don Alphonsos These „Minimaler Nutzen – Maximaler Schaden“ bei.

  23. dersaezzer, das ist eine gute...
    dersaezzer, das ist eine gute Frage. Vielleicht, weil es mitunter sehr nervig sein kann, solche Diskurse zu führen, weil da enorm viele Vorurteile, blinde Flecken und unterschiedliche Lebenserfahrungen hineinspielen. Manchmal erinnert mich das an Debatten zwischen deutschen Israel- und Palästinaunterstützer. Ich habe mal bei einem lonken Bürgerradio gearbeitet und bin gegangen, als man mir bürgerlich-dekadente Haltung vorwarf, als ich ein Buch über gotische Kreuzrippengewölbe besprochen habe. Man fragt sich immer, warum man sich das antun soll.
    .
    abf, ob die Optionen tatsächlich zur Unzufriedenheit beitragen, ist immer auch vom Typ abhängig. Nach meiner Beobachtung wird das weitestgehendst für gut befunden, weil man es ja auch anders kennt, oder anders kennen lernt. Dieser vollkommene Lebensüberdruss ist vielleicht eher eine Randerscheinung.

  24. Ist das wirklich nur ein...
    Ist das wirklich nur ein Phänomen unter Reichen?
    Diese Leute, die auf dem Anstand, der Gutgläubigleit und sozialen Integrität von Familienmitgliedern, Freunden usw.surfen, sie für sich ausnutzen, rücksichtslos.
    Kein Gewissen und kein Nachher scheint sie zu belasten. Diese Sozial- und Kulturschmarotzer.
    Woher sie ihre Macht beziehen? Durch Geld, aber auch durch Rücksichts- und Skrupellosigkeit.

  25. websimultan, nachdem meine...
    websimultan, nachdem meine Dachterrasse über einem Wohnheim liegt, kann ich das Schauspiel ab und an beobachten und sagen: Nicht alle. Aber es passiert mit schöner Regelmässigkeit. Insofern scheint das schon noch zu gehen. Der „schöne Schein“ und der „gute Ruf“ sind übrigens immer noch sehr wichtig, wenn man mal von Grosskonzernen, Banken und Leistungskranken weggeht – aber Bachelorstudiengänge und Praktikairrsinn werden das auch noch ändern, keine Sorge.
    .
    Domday, ich habe keine besondern Massstäbe. Das lohnt sich heute nicht mehr, dazu hat sich zu viel verändert. Für mein Leben wird es noch reichen und passen.

  26. Praktika-Irrsinn?
    Lieber Don,...

    Praktika-Irrsinn?
    Lieber Don, Sie stellen einen Zusammenhang her zwischen Bachelorstudiengängen, dem Praktika-Irrsinn und der schwindenden Bedeutung des „guten Rufes“?
    .
    Das interessiert mich sehr, könnten Sie das noch genauer ausführen?
    Danke.

  27. Ich hoffe Don Alphonso ist nun...
    Ich hoffe Don Alphonso ist nun glücklich mit seinem literarischen Prachtstück. Papier (oder der Blog) ist genügsam und mal kann viel Worte verschwenden um doch die eigentliche Motivation zu verschleiern, Neid. Na ja entweder Neid oder der Versuch den Massen eine recht oberflächliche Beschreibung von denen ‚da oben‘ zu geben.
    Glück ist eine sehr persönliche Erfahrung. Ein schöner Frühlingsmorgen, den Kuss der Liebsten oder das Kaufen des Porsches. Das bleibt so und das kann mir auch keiner miese machen.

  28. Zu den Studenten, die ihr...
    Zu den Studenten, die ihr Zimmer von den Eltern aufräumen lassen, kann ich nur sagen:
    1) Studiert die Oberschicht denn wirklich in der Stadt an der Donau? Ist dort eine Elite-Uni?
    2) Wohnen die Kinder der Oberschicht im Wohnheim? Wie das?
    3) Die Eltern sind selber schuld, wenn sie so was machen.
    4) Früher oder später wird es darauf hinauslaufen, daß die Elitestudiosi eben einen Elite-Kammerdiener mitnehmen. Der kann dann für sie auch den Anmeldungs- und Sprechstundenkram bei den Professoren besorgen und auf dem Heimweg die Bücher aus der Bibliothek mitbringen.
    5) Und damit sind wir wieder beim Hauptproblem unserer Zeit: Der Schwierigkeit, geeignetes Hauspersonal zu finden.

  29. Auslaender, blöd daherreden...
    Auslaender, blöd daherreden und faseln ist das eine. Argumentieren wäre das andere gewesen.
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    HansMeier555, die Schnellstudiengänge mit den möglichst kurzen Studienzeiten und den maximalen, möglichst „guten“ Praktika sorgen heute schon reichlich früh für ein ganz normales Hauen und Stechen, dazu kommt dann noch der Blödsinn jeder agerissenen Ossiklitschenbaracke und Geldschnöselneugründung im Westen, Elite sein zu wollen. Auch wenn die Absolventen, siehe Nachwuchsjournalisten, nichts taugen. Und glücklicherweise eh in die PR abrutschen.
    .
    In der kleinen, dummen Stadt an der Donau versucht man, so vielen wie möglich Wohnheimplätze zu geben. Das liegt einerseits am Streben nach angelsächsischen Vorbildern, andererseits am reichlich teuren Immobilienmarkt und dem Problem, dass es rund um die Ini nicht grenzenlos Platz für Studenten gibt. Es ist zwar alles ziemlich hässlich, aber teurer als normaler Wohnheimsbau. Typisch für diese Stadt.

  30. Herr Liebreiz, da spricht aber...
    Herr Liebreiz, da spricht aber eine andere Haltung dagegen: Der Wunsch, niemandem verpflichtet zu sein, und der ist auch recht stark. Es gibt auch einen gewissen Stolz und Willen, das eigene selbst zu machen, sogar bis zum Extrem a la espagnola: Beleidigt sein, wenn der andere nicht fühkt, was man will (auch dazu könnte ich was schreiben, oh ja,)
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    slothro, ich bin ja immer ganz froh, wenn so ein nassforscher Web2Nuller auf dem Fazialbereich zu liegen kommt und dabei wieder aufzeigt, wie es auch enden kann. Man bräuchte mehr wirklich heftige Fälle, wo solche Figuren nicht gleich wieder gründen dürfen, sondern für alle sichtbar ein paar Jahre wirklich mis vegetieren und dann auch nicht weiter als bis zur Stadtverschönerung kommen. Das würde sicher abschreckend auf Nachahmer wirken. Insofern wäre ich auch wirklich dafür, wenn man die finanziellen Folgen der Finanzkrise bei eben jenen eintreibt, die sie verursacht haben – und wenn sie in der Folge zu einem Überangebot an Reinigungspersonal beitragen, das ist es mir wert.

  31. Exzellenter Artikel, das...
    Exzellenter Artikel, das Phänomen ist klassenübergreifend etabliert.
    @auslaender. Wie sollte „Mensch“ hierzu Neid entwickeln können? Mitleid ja!

  32. DoktorBenway, ach, mit einem...
    DoktorBenway, ach, mit einem Blick auf die Neufinanzierung der Schulden der ganzen Gewerbeimmobilien und den gelockerten Vergabekriterien bei den Hauskrediten in den USA wird man auf die nächste Notlage sicher nicht lange warten müssen.
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    Linus, gab es eigentlich irgendwas ausser den üblichen Verdächtigen der WirtschaftsPRpresse, die Ackermann gut und richtig und angemessen fanden?

  33. Auslaender, wahres Glück...
    Auslaender, wahres Glück zeigt sich an einem häßlichen Wintermorgen ohne Kuss. Und dann kann kommen was will. Das ist aber auch nur Erfahrungssache. Wenn der Hausherr hier auf einen Neidvorwurf reagiert – der will nur streiten, gehen Sie ruhig darauf ein!

  34. mawu, es sind Bekannte, und...
    mawu, es sind Bekannte, und die lesen das hier (und sie schreiben es in ihren eigene n Blogs auch selbst). Ich kann hier nur über mich selbst und das mir bekannte Umfeld sprechen, wo ich das erlebe, aber auch ich sonniges Gemüt werde strahlend sonnig, wenn ich weiss, dass ich nicht zwingend muss, sondern selbst entscheiden kann. Nächste Woche etwa habe ich entschlossen, werde ich den Lago die Como besuchen. Das ist sehr fein.
    .
    Hochstabler, was ich denke ist, dass es unter Reichen angesichts der Möglichkeiten besonders gut eingeübt und praktiziert werden kann. Wenn man von anderen abhängig ist, kann man nicht einfach die Sau nach Belieben rauslassen.

  35. nico, danke, aber ich kann nur...
    nico, danke, aber ich kann nur betonen: es ist nicht mehr als eine anregende Plauderei. Im Übrigen ist es mir lieber, wenn man ein Büro mit 120.000 Euro an deutscher Wertarbeit füllt, als wenn man 120 Milliarden für die Zockerei mit amerikanischen Derivaten und anderem Irrsinn rauswirft, wie bei der HRE.
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    Konfuzius sagt, dem Hausherren, der ein grosses Interesse am Diskurs hat, ist es einfach nicht intelligent genug, wenn mit Neid argumentiert wird. Gerade sehe ich bei CarandClassik einen Bentley Mk. VI in Schokobraun und Hellbraun, 18000 Pfund würde er kosten, und das kann ich mir zusammen mit den Folgekosten gerade aus diversen Gründen nicht leisten. Er ist sehr schön. ich freue mich am Anblick und für den, der ihn besitzen wird. Neid ist mir in materiellen Dingen ziemlich fremd. Wenn ich im Auktionshaus bin und bei einem Bild grandios verliere – mei. Dann ist es eben so.

  36. julius, miner
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    die...

    julius, miner
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    die wohlwollenden manipulierer gehen auf das human engineering mitte der fünfziger in den usa zurück, untrennbar verbunden mit der präsidentschaft john f. kennedys. die durchsozialpädagogisierung der gesellschaft entspricht einer durchsozialdenokratisierung der politik, die als wesentlichen nachteil den hat, dass es bei schönem wetter am besten funktioniert.
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    unbedingter formulierungspreis für den: Typus „Tiefensee“, so mit ruhigen, treudoofen Sackäuglein, aber als Ausgleich dazu wenigstens konsequent korrupt.
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    ich vermute, dass tiefensee kein manipulierer, sondern ein lockvogel ist. als manipulierer fasse ich denjenigen auf, dessen grinsefresse ich die letzten vier wochen nicht übersehen konnte, verziert mit dem claim: Der Sachse.
    der schon frühe willige tillich ist für mich die verkörperung der politischen klasse des beitrittsgebeits; immer den eigenen vorteil im auge, egal unter wem und mt wem. das grimmassenhafte feixen: die gescheiten leben von den dummen, die dummen von der arbeit, egal unter welchem regime und welcher ideologie.
    .
    korruption? dass ohne den herrn ministerpräsidenten wenig und gegen ihn nichts läuft, weiss jeder aber beweisen kann es keiner.
    hat auch keiner ein interesse dran. dass die wirtschaft im freistaat eben jetzt schon und in vier wochen noch schneller gen süden marschiert, man braucht es niemand zu sagen, der es eigentlich gar nicht wissen will; das wetter ist schön, die sonne scheint, feste werden gefeiert, die schlechten nachrichten kommen noch früh genug.
    .
    wer hier teilnehmend beobachte könnte, würde zeuge des entstehens einer neuen schicht wohlhabender aufsteiger. dies als folge einer ziemlich engen verbindung von politik und wirtschaft.
    vielleicht fehlt es noch am geld, aber jammern können sie schon ganz prima.

  37. In der Tat, da stimme ich zu....
    In der Tat, da stimme ich zu. Da hatte die heimische Wirtschaft bzw. Handwerksbetriebe etwas Umsatz. Andererseits, bei den 120 Milliarden der HRE zuzüglich der hunderten von Milliarden Luftnummern anderer Banken, hatte man im Siegestaumel vor dem Platzen der Blase die Premiumklassen aller Bereiche wie Luxusautos, Restaurationen, Immobilien, die ein oder andere Silberwarenmanufaktur wie Cristofle etc. stark gesponsert – auch der Hermes-Heli wäre da ausverkauft gewesen. Insofern war das in gewisser Weise gemeinnützig………bis zum Platzen. Etwas zynisch, aber nur um etwas Gutes zu sagen, meine ich.

  38. Ich muss an dieser Stelle...
    Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass mir ein wenig der Detailblick dafür fehlte, die Leutchen da unten am Tegernsee sofort einsortieren zu können als Reiche, Wohlhandende, Neureiche oder ambitioniertes Angestelltenmilieu. Jedenfalls schien mir nicht unbedingt Unzufriedenheit das offenkundige Hauptproblem der dortigen Klientel zu sein – wohl aber spürte ich eine ziemlich tief sitzende Unentspanntheit, die ich mir nicht so recht erklären konnte. Vielleicht ist es ja so, dass die Vielzahl der Optionen, die man in diesen Kreisen nun mal hat, es strukturell erschwert, den Augenblick im Hier und Jetzt richtig zu genießen und die Gedankenmaschinerie „eigentlich könnte man ja auch…“ oder „da geht sicher noch mehr“ und dergleichen mehr mal abzustellen für eine Weile.
    Ich kenne das jedenfalls so ähnlich aus unserer kleinen Verbundgemeinde, in der das Autokennzeichen NE für „Neureiche Exildüsseldorfer“ steht wo und die FDP in den gewissen Wahlbezirken auf über 30 Prozent kam: Diese immer sehr sorgfältig gestylten und blondierten Luxusweibchen mit den Perlenketten um den etwas zu viel gegrillten Reptilienhals, die ihre Prädikatskinderlein mit dem Cayenne in den katholischen Kindergarten kariolen, die machen auf mich auch keinen zufriedeneren oder gar entspannteren Eindruck als die alleinerziehende H4-Bezieherin mit 400-€-Job in der Imbissbude, bei der es zum Monatsende hin wirklich eng wird.
    Eine allgemeine Moral will ich aus dieser Gegenüberstellung wirklich nicht ableiten. Aber die vom Hausherrn ins Spiel gebrachte Hypothese der gewohnheitsbildenden Effekte der materiellen Sorglosigkeit hat einiges für sich. Ich würde ergänzen, dass Sorglosigkeit für die meisten, die sich diesen Gemütszustand eigentlich leisten könnten, ein Fremdwort ist. Es wurde hier in früheren Beiträgen ja schon thematisiert, die stete Sorge, dass der unersättliche Staats-Schlund mit seiner Steuereintreiberei einem die Haare vom Kopf frißt, die Finanzkrise, was auch immer. Eigentlich müssten uns diese Leute leid tun.

  39. Sie haben recht, Don Alphonso,...
    Sie haben recht, Don Alphonso, gegen diese Soziopathen anzuschreiben. Ich befürchte aber, daß es von durchschlagender Folgenlosigkeit sein wird. Immerhin, man hat Flagge gezeigt. Unsereins hat ja mit fortschreitender Lebensdauer einiges erlebt und man wird zunehmend pessimistischer, aber auch duldsamer. Thomas Mann hat in der bemerkenswerten Rede anläßlich seines 75. Geburtstages, „Meine Zeit“, alles wesentliche gesagt. Es geht uns heute eben nicht anders als den Damaligen und unseren Nachfolgern wird es nicht anders gehen. Am Ende bleibt eben wirklich nur noch, seinen Garten zu bestellen. Was Ackermann als Person betrifft, so kenne ich ihn nur als mediale Inszenierung und bin deshalb mir selbst gegenüber mißtrauisch. Dieses Victory-Bild dürfte der größte PR-GAU der jüngeren Geschichte sein und drängt sich bei Erwähnung von „Ackermann“ sofort auf. Anyway, alles was ich über den Herrn höre oder lese zwingt mir den Schluß auf, daß er vom Habitus her zum Typ Gauner gehört. Sollte er dabei unglücklich sein, ist mir das nur recht. Insofern kann ich mark793 nur zustimmen. Den bemerkenswertesten Menschen, fast ein Typ wie bei Tolstoi, habe ich mal beim Jobben in den Semesterferien kennengelernt. Arm, mittelschwerer Alkoholiker, alleinerziehender Vater zweier Töchter, ungebildet, ein Faßschubser in einer Bierbrauerei. Dabei ein Weltweiser, der wenig sprach. Aber wenn er sprach, klappte einem bildlich der Unterkiefer herunter. Und ich denke, er war ein glücklicher Mensch. Es klingt wie ein Klischee, aber letzten Endes ist es vielleicht wirklich so, daß der Besitz eine Bürde ist.

  40. Das Schlimmste am Besitz ist,...
    Das Schlimmste am Besitz ist, daß man anderen Menschen nicht mehr unbefangen begegnen kann. Das Lächeln und die Freundlichkeit der weniger Begüterten hat dann immer so einen Zug, steht immer unter Verdacht. Da muß man schon sehr viel echtes Taktgefühl und Seelenklugheit haben, um echte Freundschaften eingehen und erhalten zu können. Soll man etwa mit einem neuen Kollegen, den man sympathisch findet und als Gesprächspartner schätzt, bestimmte Restaurants nicht aufsuchen, weil er sie sich womöglich nicht leisten kann? Soll man ihn nach Hause einladen? Wie wird er auf meine Einrichtung reagieren?
    Wenn man ihn immer einlädt, dann verwandelt sich die Freundschaft in Gönnerschaft und erhält so ein störendes Ungleichgewicht.
    Um dieser Gratwanderung zu entkommen, müsste man seinen privaten Umgang schon aus reiner Bequemlichkeit auf die eigene Klasse einschränken.
    Auf Dauer kann man seinen Reichtum aber genausowenig kaschieren wie seine Bildung. Irgendwann verplappert man sich und das gibt dann wieder einen peinlichen Moment..
    In dieser Ansicht ist Armut ein Privileg: Man kann sich sicher sein, daß die Leute, die einem freundlich begegnen, es auch wirklich so meinen.

  41. @hansmeier555
    es gibt durchaus...

    @hansmeier555
    es gibt durchaus (ärmere) menschen, deren souveränität es ihnen erleichtern kann, einen entspannteren umgang mit ihnen zu pflegen.
    selbst im vau könnte der neue kollege für 24€ geeiste sauerampfersuppe mit forelle & kaviar bestellen.
    .
    kann es sein, daß sie selbst erst mit den jahren zu (größeren) besitz gelangten?
    kann es sein, daß ihnen (ihr) besitz sehr wichtig ist – und fragil erscheint?

  42. Ja werter Don, da kann ich...
    Ja werter Don, da kann ich zustimmen! Optionen zu haben, oder auch sich welche schaffen zu können kann eine ganze Menge zum Wohlbefinden beitragen.
    Und ja, Menschen die auf niemanden Rücksicht nehmen finden sich leider wirklich überall! Und dem entgeht man auch mit den besten Optionen leider nicht dauerhaft! Wie ärgerlich!

  43. Expat-LI

    Lieber Don, Sie...
    Expat-LI
    Lieber Don, Sie erwaehnen die E120 Milliarden so oft ohne zu erklaeren, dass die BBC (Sie hoeren doch BBC?) bereits in Nov 08 im THE INTERVIEW den Gouvernor der kanadischen FED erklaeren liess, das er diese US mortgage loans fuer kanadische Banken zu non-investments deklarierte mit der Folge, dass die Kanadier hier keine Verluste erlitten. Da muss man sich fragen, was machen eigentlich die deutschen Vertreter auf den Meetings der G7, G8 und G20? Werden dort keine Informationen ausgetauscht? Oder wird hier Wiedergutmachung auf andere Weise betrieben?

  44. Man darf wohl zurecht...
    Man darf wohl zurecht annehmen, daß es Soziopathen in allen Gesellschaftsschichten und zu allen Zeiten gab. Interessant wird dieses Phänomen erst dann, wenn man sich fragt, unter welchen Umständen sie sich ungestraft austoben dürfen, denn da gibt es gewaltige Unterschiede. Am wenigsten, glaube ich, laufen sie Gefahr, für ihr Verhalten belangt zu werden, in abgeschotteten Gruppen, die über einen gewissen gesellschaftlichen Machtanspruch verfügen, also sogenannte „Eliten“. Neben den sogenannten besseren Kreisen fällt einem da als erstes das Militär ein (prince Matecki hätte da sicherlich aus seinem reichen militärischen Erfahrungsschatz einiges beizutragen), aber auch die katholische Kirche, die ja für ihren Schutz pädophiler Kleriker berühmt ist; oder die Justiz, die nach 1945 so gut wie keinen der Nazis in ihren Reihen zur Rechenschaft gezogen hat; oder Ärzte, die die Kunstfehler ihrer Kollegen vertuschen.
    .
    Dabei ist es innerhalb derartiger Gruppen gar nicht so, daß man die soziopathischen Mitglieder deshalb vor der Verfolgung von außen schützt, weil man einfach die Macht dazu hat. Man schützt sie (oft genug zähneknirschend), weil man der Meinung ist, daß sonst die eigene Machtposition in Frage gestellt würde. Und dieser Machtverlust wird als viel bedrohlicher angesehen als die Möglichkeit, daß irgendwelche soziopathischen Stinkstiefel bis zu ihrem Lebensende für ihr Tun nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Und das sollte uns doch einiges über sogenannte „Eliten“ zum Denken geben…

  45. Bedlam
    Törichte
    Ersinnen...

    Bedlam
    Törichte
    Ersinnen Ketten
    Für Toren
    Ein Irrenhaus
    Die Welt
    Wer ist töricht?
    Der Anspruch auf Glück postuliert?
    Der meint, erst muss ich glücklich werden?
    Der „Fressen und Gefressenwerden“
    Zu den Gestaltungsprinzipien zählt?
    Der abzumildern gedenkt,
    Durch Verfassung und Gesetze?
    Durch Religion?
    Der Nimmersatt, der ängstlich frisst,
    Damit er nicht gefreesen werde?
    Wer ist töricht?
    Der diese Arbeit mehr Wert erachtet, als jene?
    Der arbeitet, um genug zu haben?
    Der arbeitet, um mehr zu haben, als der neben ihm?
    Der meint, dass alle gleichviel haben sollten oder
    Der ahnt, dies ist bedeutungslos,
    Solange nicht am Überfluß der einen,
    Die anderen irre werden oder einfach
    Aufgefressen
    Ohne Not!
    Wer ist töricht?
    Der die Waffe schmiedet?
    Der sie scharf macht?
    Der die Klinge führt?
    Der daran verdient,
    Dass er sie machen läßt
    Und sie verkauft, wie Obst?
    Wer ist töricht?
    Der sein schönstes Hemd verschenkt?
    Der sich nicht lumpen läßt
    Sein zehntes Hemd
    Mit Handschlag und Beleuchtung
    Dem Hungerleider reicht?
    Wer ist töricht?
    Der den Mann zeigt und sein schönstes Hemd?
    Den Hungerleider?
    Den Handschlag?
    Das auch sehr schöne
    Zehnte Hemd und seine Geber?
    Wer ist töricht?

  46. @zerlina: So wurde es in...
    @zerlina: So wurde es in Odessa gemacht.
    Isaak Babel meets „no Country for old Men“
    Denke, dass es eher darum geht…

  47. "Beleidigt sein, wenn der...
    „Beleidigt sein, wenn der andere nicht fühkt, was man will (auch dazu könnte ich was schreiben, oh ja,)“
    Das wäre sehr freundlich. :)

  48. @DoktorBenway: Zugeständnisse...
    @DoktorBenway: Zugeständnisse an einige Trockennaseaffen sind notwendig. Es kann verhandelt werden.

  49. Merci für die wunderbare...
    Merci für die wunderbare Formulierung „Freunde des maximalen Schadens“.
    Die gibt es ja in jeder Klasse, aber in der besseren Gesellschaft bieten sie neben dem maximalen Schaden auch noch die maximale Medienpräsenz und die Möglichkeit, die anderen zum kleinbürgerlichen Aufregen zu bewegen, da die Neidgesellschaft besseres Leben nie als Verdienst sieht, was es manchmal durchaus ist.
    Das Präkariat regt schon lange nicht mehr auf. Das „Unterschicht“fernsehen bedient diese Schicht und die anderen schauen nicht mehr hin. Die Aufreger sind nur noch die „da oben“. Wer auch immer das sein soll… Denen man das einfach nicht gönnt. Das auch dort die Mehrzahl ein unauffälliges und schlichtes Leben (jeder in seinem Rahmen) führt, wird nicht gesehen, da unspektakulär.
    Aber auch Ihr in dieser Hinsicht aufklärendes Blog wird von den „Neidern“ eh nicht gelesen und wenn dann nur als weiterer Beweis der Dekadenz verstanden. Man liest und versteht, was man verstehen möchte.

  50. Hochstabler, es ist nur...
    Hochstabler, es ist nur bedingt ein „Phänomen unter Reichen“. Die meisten Armen (oder Ärmeren) würden es ihnen sofort gleichtun, hätten sie nur einmal die Gelegenheit dazu.

  51. 'von wesen und wurzel des...
    ‚von wesen und wurzel des ungluecks in der gesellschaft‘. – ein feiner diskurs, der sich hier entspinnt.

  52. Danke werter Don, ein schöner...
    Danke werter Don, ein schöner Artikel. Interessant, dass sich die Diskussion hier auch um die Frage dreht: was macht mich eigentlich glücklich?

  53. noch so einer, die Rolle als...
    noch so einer, die Rolle als Land mit dem Palermostil hat Bayern inzwischen fraglos an die Hessen und besonders die Sachsen abgegeben.
    .
    Beatrice, ich hoffe, es wird nicht irgendwann süditalienisch, sondern bleibt im Bereich zwischen Genfer, Comer und Tegernsee. Ich bin mir bei Ackermann auch nicht sicher, denke aber, dass da einer nicht verstanden hat, was man aus dem machen kann – das Ergebnis sieht man ja an den landtagswahlen.

  54. Doctor Snuggles, inzwischen...
    Doctor Snuggles, inzwischen denke ich da: Kurzfristiger Genuss mit langfristiger Perspektive. Warten lohnt sich nicht, weil man im Alter naturgemäss weniger Spass hat, und Prassen lohnt sich auch nicht, weil man sonst später die Quittung bekommt und gezwungen ist, höchst unwürdig als Kolumnist bei der Bildzeitung zu vegetieren.
    .
    Frau Waldwuff, den Neid sehe ich in Deutschland weniger problematisch als die Folgen: Anstelle was zu unternehmen, klatscht man sich in Hoffnung auf den nächsten gedemütigten Promi vor die Glotze. Es perpetuiert also die Lage, und das über Konsum, Verblödung und Werbung auch noch zum Nutzen derer, die man beneidet.

  55. @HansMeier555, sehr recht...
    @HansMeier555, sehr recht haben Sie, sehr recht. Gut, daß ich in einer Großstadt lebe und es kaum zu Überschneidungen kommt. Aber auch wenn die extremsten Neidobjekte wie Häuser oder Autos dann vielleicht nicht direkt sichtbar sind – so sind es doch immer die Kleinigkeiten, die einen verraten. Kleinigkeiten, die selbstverständlich sind, mit denen man nicht unbedingt rechnet. Einen guten Anzug etwa erkennt man auch ohne Marke.
    .
    swina, warum so vorwurfsvoll gegenüber Hans Meier? Wenn man arbeitet, muß man eben besonders in seinem Arbeitsumfeld aufgrund der allgegenwärtigen Neidsituation leider äußerst vorsichtig sein. Arbeit hat übrigens noch nie geschadet, der Mensch braucht eine Aufgabe.

  56. Don Alphonso
    Und doch trifft...

    Don Alphonso
    Und doch trifft der Neid (bzw. natürlich seine Folgen) dann die, die einfach in Ruhe ihr kleines durchaus bürgerliches Leben (mit oder ohne all seinen Annehmlichkeiten) leben möchten.
    Und ja, den Nutzen ziehen auch hier „die Freunde des maximalen Schadens“, zum Schaden der anderen, aber das ist das Wesen von solch einem Schaden.
    Wer ist der größere Narr? Der Narr oder der der ihm folgt…

  57. abf, dieses Bog hier hat...
    abf, dieses Bog hier hat irgendwie seinen Dauerreiz, da mit recht hoher Schlagzahl echt spannende Fragen aufgeworfen werden….und sich manchmal sogar die ein oder andere Antwort verirrt.
    Leider ab vom Thema…Ich habe mich die Tage einmal gefragt, ob der Herr S. von der FAZ hier regelmässig reinschaut. Ich habs mir mit einem klaren Ja beantwortet und mir gedacht, dass es ihm wahrscheinlich sogar ganz gut gefällt. Beim Gedanken daran musste ich ein wenig Grinsen.

  58. Frau Waldwuff, das hängt...
    Frau Waldwuff, das hängt sicher davon ab, wo man wohnt. Wird einem in Berlin as Auto angezündet, ist es natürlich mehr als ärgerlich, aber um so wichtiger scheint es mir, sich den richtigen Lebensmittelpunkt zu erwählen. Neid mag grenzenlos sein, endet aber meist mit dem öffentlichen Schienennetz. Wenn die überhaupt so weit kommen und den Platz hinter der BILD nicht präferieren.
    .
    nico, ärgerlicherweise ist das bisschen Luxusgüterindustrie nicht gegen aus Aufblähen und Hebeln des Kapitalmarkts gewesen. Nur minimale Bruchteile gingen in den Luxus, das allermeiste wurde in Anlagestrategien gesteckt. Man muss nur mal vergleichen zwischen dem Umsatz der Luxusmarken und dem Volumen des Derivatemarkts. Wobei: dass die grossen Spieler in den USA auch Rentenfonds und damit „viele“ sind, sollte man auch nicht vergessen.

  59. Don Alphonso
    Da kann ich Ihnen...

    Don Alphonso
    Da kann ich Ihnen nur zustimmen.
    „In der kleinen dummen Stadt“ vor dem „Gebürg“ (Taunus), wo auch die englischen Fräuleins ihr Unwesen treiben, ist der Neid relativ, wie Sie sich denken können.
    Aber die BILD fährt durchaus auch bis dahin, wie man sich, sofern man aus gegebenen Anlass (kulturelles Highlight am Wochenende im nahe gelegenen Moloch) vielleicht doch einmal der Schienen bedient, erfahren kann.
    Meiner eigentlichen Heimat (Berlinerin in der 5. Generation) würde ich aber natürlich nie die Treue versagen. Genieße aber durchaus die Vorteile (darf man an dieser Stelle von Privilegien sprechen?), die der Vordertaunus bietet und möchte sie nicht missen.

  60. mark793, es geht natürlich am...
    mark793, es geht natürlich am See auch immer darum, nicht aus der Rolle zu fallen – und ich weiss auch nicht, ob es gut ist, sie so verinnerlicht zu haben, dass es schon wieder natürlich wirkt. Der einfache Genuss von Vermögen ist auch nicht allen und jedem gegeben, dazu müste man vielleicht das Leben lockerer nehmen, als es sich gemeinhin schickt. Dass die Reichen damit selbst zum Opfer des Premiumdenkens werden, das dem Land aufgezwungen wird – mei, keine Träne nötig.
    Frau Waldwufff, ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bei meinen Taunustouren eigentlich gar nicht diesen Eindruck von dieser Wohnlage hatte, aber auch am Tegernsee sollte man als plünderwilloge Horde ein wenig abseits der üblichen Routen schauen. Allerdings ist die Verreisung dorthin wohl eher kein Dauerzustand. Am Wochenende gibt es auch am Tegernsee Z4 fahrende Werber und ähnliches zu besehen, aber es ist einfach kein Dauerzustand. Zumal – und darüber werde ich nachher schreiben – es ohnehin nicht so ist, dass jeder Sesshaftigkeit und Eigentum als Privileg betrachtet.

  61. Savall, wiewohl ich auch um...
    Savall, wiewohl ich auch um die Sinnlosigkeit der Aufklärung weiss, weiss ich auch darum, dass man schlimmeren Veränderungen durchaus entgegenwirken kann, wenn man sich entsprechend äussert und debattiert. Und zwar möglichst öffentlich, also nicht daheim im Feiersaal, sondern richtig auf dem Forum. Nur dort kann man im Zweifelsfall auch jene angehen, die in anderen heimischen Feierräumen Dinge vorbereiten, die nicht wirklich hübsch sind. Und mitunter ist die beste Gartenbestellung auch jene, die andere Gärten befruchtet. Soviel zum Thema „Don oder der Optimismus“.
    .
    HansMeier555, die Antwort auf diese Frage des Umgangs mit anderen Klassen ist die Klassengesellschaft selbst. Man kennt oft gar keinen, der nicht so wie man selbst ist, und den Rest besorgt das Umfeld, die Unsicherheit der anderen, und dann kommen natürlich noch die normalen menschlichen Konflikte dazu, die dann gern auf dem Schlachtfeld von „der ist reich und deshalb mies“ ausgetragen werden. Nicht einfach, wenn auch noch unterschiedliche Lebenserfahrungen dazukommen. Aber wenn es die richtigen Freunde sind, ist es auch kein Problem-

  62. HenryPetersen, die Kanadier...
    HenryPetersen, die Kanadier galten und gelten immer noch als etwas hinterwäldlerische Exoten, die gar nicht mitspielen konnten. Die Wahrheit ist: Alle haben profitiert, niemand wollte zu spät zum Sautrog kommen. Und hinterher erklären sie, wie man es machen soll, damit die Sause weitergehen kann.
    .
    Alter Bolschewik, das ist eine sehr zutreffende Erfahrung – die man übrigens auch beim Journalismus macht. Das mündet dann in ein „Macht doch jeder“, und am Ende sitzen dann die Springerchefs beim Chef der Deutschen Bank im Kanzleramt, und in den Medien gibt es noch nicht mal eine allzu grosse Debatte darüber, warum die Bild das alles als harmlos darstellt. Das Kernproblem des Schutzes ist die Erosion der Werte. Wenn nicht ab und an einer den Hunden zum Frass vorgeworfen wird, glauben alle, dass keiner so enden wird. Intern läuft das natürlich anders, da wird vorne nichts gesagt, aber hintenrum massiv geschnitten.

  63. miner, das tut er mit...
    miner, das tut er mit sicherheit.

    interessant auch, festzustellen, dass man den typus des soziopathischen und selbstherrlichen despoten, der hier diskutiert wird (‚mir geht es besser, je schlechter es dir geht‘) haeufig in kunst- und kulturnahen milieus findet. – es sei hier an werbeagenturen gedacht, an den leitenden bereich von theatern und opernhaeusern, an den kunsthandel, an die mode, moeglicherweise an verlagshaeuser auch etc etc.
    hier schaue sich um, wer diesen typus mensch in seiner reinsten und schillerndsten form studieren moechte.
    oft sind es ‚closet artists‘, wie man im amerikanischen sagen wuerde – verkappte kuenstler mit einem ganz ungeheuren gespuehr fuer qualitaet und dafuer, dass sie diese qualitaet selbst niemals liefern koennten.
    an ihren hohen anspruechen sind sie ursaechlich und sehr tragisch auch als allererste selbst gescheitert. auch deshalb sind sie nie ernstzunehmende kuenstler – kuenstler, die ihre eigene kuenstlerische arbeit haetten ernstnehmen koennen – geworden, sondern lieber kunstmanager, herausgeber, galeristen, marketingfantasten, pr-giganten, antreiber und despoten.
    ursprung und ausgangspunkt vieler solcher karrieren ist die fruehe erfahrung fundamentalen scheiterns in einem bereich, der einem der liebste ist.
    wir denken in diesem zusammenhang auch gerne an den grossen kunstmaler und spaeteren visonaer der markengestaltung und des corporate design, an unseren zweitweiligen fuehrer adolf h.

    nichts kann so sehr entlohnen, wie die kunst. nichts kann so sehr entaeuschen wie die kunst… – wie das scheitern an den eigenen massstaeben.

    in den natuerwissenschaften, in der welt der ingenieure zumal, finden sich solche naturen eher selten.

  64. Don, "kurzfristiger Genuss mit...
    Don, „kurzfristiger Genuss mit langfristiger Perspektive“, das klingt gut. Wer hätte das nicht gerne. Die Victory-Firma versenkt gerade mal wieder ein wenig Geld in ein Geschäft, das eben solches versprach: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,645690,00.html
    .
    Nicht, dass das eine wirkliche Neuigkeit wäre. Nur der Name des Spielzeugs ist neu.

  65. @abf: Voll unterschrieben!...
    @abf: Voll unterschrieben! Sowas geht mir staendig, auch auf Grund eigener Erfahrung, durch den Kopf. Die von Ihnen beschrieben Typen kennt man aus eigener Erfahrung. Man muss sich halt nur im Klaren sein, dass man gerade wieder einem solchen gegenueber steht.

  66. @abf - wie Sie vollkommen...
    @abf – wie Sie vollkommen richtig ausführen: Ästhetik klingt nach Endlösung. Selbst wenn dies der Stachel im bürgerlichen Fleisch ist; der schon längst wieder eitert und schwiert! Zum Mythos (vorhellenisch) taugen diese „privilegierten“ zufussgehenden Herrscher des Mittelmasses als Hausmeier des Geistes keineswegs.
    Was dann? Den nichtrömischen, nichtkatholischen (Gott bewahreveangelischen) Führer der sich in Überzeugung sieht, souverän. Und kein Manager einer Todes- oder Kapitalakkumulationsfabrik amerikanischer (angelsächsischer) Prägung. Moralisch zu versaut zum Putsch – seelisch verweicht selbst zum Coup d´Etat.

  67. Miner, etwas spät zu Ihrer...
    Miner, etwas spät zu Ihrer Frage: Ja, wenn auch nicht so köstlich formuliert wie bei Ihnen.

  68. @abf:
    Ins Schwarze getroffen:...

    @abf:
    Ins Schwarze getroffen:
    „Denn jedem Künstler ist es recht, spricht man von andern Künstlern schlecht“.
    (Georg Kreisler, „der Musikkritiker“, abrufbar auf youtube)
    Und dann auch der Moment: Was will denn DER da im Ensemble, der hat doch reiche Eltern, was muß er uns, die wir jeden Auftrag brauchen, undbedingt Konkurrenz machen.
    Und das gleiche gilt natürlich genauso an den Universitäten.

  69. ...sonst?...
    …sonst?

  70. Ein weiterer wichtiger...
    Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt zur Frage, warum die Egopathen so spät gebremst werden:
    Sie spekulieren zu Recht auf den ängstlichen Opportunismus, den vorauseilenden Gehorsam derjenigen, die nicht im gleichen Maße unabhängig sind und es sich „mit niemandem verderben wollen“ — etwa, indem sie jemanden einen Gefallen rundheraus abschlagen.
    Nicht immer ist vom ersten Moment an absehbar, daß man die Gegenleistung niemals erhalten wird.
    Freuen wir uns nicht, wenn wir jemandem, der offensichtlich eine starke gesellschatliche Stellung besitzt, einen Gefallen tun können?
    „Wer hat, dem wird gegeben“ — Solche Leute leben halt auch vom Schneeballprinzip, genau wie unsere internationale Finanzordnung, und der Zusammenhang ist bestimmt nicht zufällig.

  71. Neidnummer 1: Ihr koennt froh...
    Neidnummer 1: Ihr koennt froh sein, dass ihr den Dinges dabei hattet, sonst waere das nichts…etc,
    .
    Neidnummer 2: Wenn der nicht die Dings geheiratet haette…
    .
    Restliche Neidnummern selbst bedenken.
    .
    Niemals wollen sie begreifen, dass man etwas schafft, weil man teamfaehig ist, und sich darin diplomatisch durchsetzen kann. Und-natuerlich, wenn noetig-eine echte Rampensau sein kann.
    Tja, mach ‚was. Es ist halt so.

  72. na, docbenway, da hat einer...
    na, docbenway, da hat einer aber auch noch meinen verstiegensten subtext mitgelesen… – wo nachts jemand erlesenen klaengen lauscht, erwartet dich nicht immer und unbedingt nur gutes. – denn merke: das feuilleton – nicht der fussballplatz oder das unterschichtenTV – ist brutstaette der schlimmsten verbrecher.

    filou, wenn man sich mit diesem typ auf eine erste begegnung einlaesst, ist es oft schon zu spaet. ein freundlich unbefangener, der aus hoeflichkeit, mitleidsimpuls, oder weil er sich durch die gunst der begegnung geschmeichelt fuehlt vieleicht auch nur spielerisch unterwerfungsgesten andeutet, hat sofort verloren. – solchen menschen begenet man am besten ueberhaupt nur dann, wenn man (ebenfalls auf koks ist oder) ihnen ein opfergeschenk als ausdruck der eigenen macht und skrupellosigkeit vor die fuesse knallen kann, oder in person oder vertetung eines allmaechtigen hoeheren auftritt, dem sie ihrerseits unterwerfung und speicheldienste schulden. – und auch dann bleibt vorsicht allzeit geboten.

    hansmeier555, genau so ist es. anmassung und selektive aufmerksamkeit ist die perfekte honigspur, um vorauseilendgehorsame willig auf den leim gehen zu lassen. – man taeusche sich nicht, das ist kein spiel. hier werden keine gefangenen gemacht sondern (tatsaechlich) skalps gesammelt – und dann achtlos weggeworfen.

  73. @abf: Ich kann es...
    @abf: Ich kann es unkompizierter Ausdruecken: Geradeaus argumentieren, keine Arroganz, aber die eigene Sicht der Dinge darstellen, wenn noetig Ohrfeigen verteilen.
    Das geht aber nur, wenn man sich selbst in eine (relativ) finanziell unabhaengige Position gebracht hat.
    Freiheit ist auch materiell determiniert.

  74. Lieber abf, Ihre Ausführungen...
    Lieber abf, Ihre Ausführungen zu den Despoten aus dem künstlerischen Millieu sind sehr interessant. Ein Interview im Spiegel Online mit der Kunsthistorikerin Birgit Schwarz, beschreibt Hitlers Eigenwarnehmung als „Genie“ und deren Folgen – also genau das Gegenteil Ihrer und der scheinbar bisher gängigen Meinung (http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?titel=%22Ins+Herz+des+Bösen%22&id=66436897&top=SPIEGEL&suchbegriff=adolf+hitler+kunst&quellen=&qcrubrik=geschichte)
    .
    Meinen Sie nicht, daß diese „Despoten“ eher manisch sind und es ihnen entsprechend an Selbstreflexion mangelt, sie sich tatsächlich selbst als „Genie“ sehen? Die Tante, die mit maximaler Energie (also manisch) durchsetzt im Zimmer mit dem besten Blick zu verweilen, um anschliessend festzustellen, daß es zuahuse doch schöner ist (Genie)?
    .
    Vielleicht führen auch beide Wege, der des eigenen Versagens und der der Selbstwarnehmung als Genie, zum in etwa gleichen Charakter. Letztlich kann es auch der eigene Erfolg oder die gesellschaftlich höhere Stellung sein, der jemandem „Recht gibt“. Entsprechende Höhenflüge durfte ich im Bekanntenkreis leider öfters beobachten, meist mit dem prognostizierten Ende des bekannten Sprichworts: „Hochmut kommt vor dem Fall“.

  75. Ist das Herstellen einer...
    Ist das Herstellen einer Balance bereits christliche Schwaeche? Der Verzicht darauf widernatuerliches Verhalten, welches „die Weiblein“ so schaetzen? Waere das Ungeheuer nur im Feuilleton verborgen – und nicht im System… Wie waeren wir froh und koennten Hoffnung schoepfen bis zuletzt. Allein – ich muss zum Penny Markt. Der macht um 24 Uhr zu.

  76. mawu, da muss ich mich...
    mawu, da muss ich mich missverstaendlich ausgedrueckt haben. ich schrieb: „…verkappte kuenstler mit einem ganz ungeheuren gespuer fuer qualitaet…“ – und sprach mit dem ‚ganz ungeheuren gespuer‘ diesem typus bereis das – hoch nervige – genie zu.
    gerade adolf hitler – als maler eine null, verlacht und gescheitert – hat ja trotzdem von der kunst, von der gestaltung nie abgelassen. – ich glaube nicht, dass man adolf hitler ueberhaupt verstehen kann, ohne das kuenstlerische genie in ihm zu wuerdigen. – als kuenstler im engeren sinne, als maler, eine null – aber als kunst-manager und als design-manager? – als kunst- und design-manager ein unglaubliches genie natuerlich. … die uniformen. das logo. die corporate architecture. etc etc etc …
    der kuenstlerische genius, der sich hitlers zeichnender hand versagt hat, er hat seinen weg spaeter gewaltig und mittelbar gefunden. durch die arbeit leni riefenstahls, arno brekers, albert speers und vieler anderer. – hysterisch gesteigerte wahrnehmung und sensibilitaet, selbstueberschaetzung und genie, goenner, verbrenner und vergaser.

  77. Doctor Snuggles, ich empfinde...
    Doctor Snuggles, ich empfinde nach reichlich praktischer Erfahrung in diesem Bereich nur noch begrenzt Mitleid mit solchen Anlegern. Es gibt keine gute Anlage, um die man sich nicht kümmern muss. „Nicht kümmern“ ist nur ein anderer Begriff für „keine Mitsprache haben und auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sein“.
    .
    HansMeier555, dass eine Gegenleistung nie erfolgt, lernt man in der Regel schnell. Das spricht sich dann auch rum, aber ob man immer den Wünschen entgeht, ist eine andere Frage. (Vielleicht sollte ich mal ein konkretes Beispiel aus dem Westviertel vom Ende der 90er jahre bringen, an dem man die Funktionsweise sieht)

  78. @abf: Faszinierend. Bevor...
    @abf: Faszinierend. Bevor dieser Blog zum nächsten Thema weiter wandert, stellt sich mal wieder die Frage: was ist eigentlich Kunst? „Kunst kommt von Können“ heisst es, aber ist es wirklich „Kunst“ eine bestimmte Fertigkeit durch jahrelanges Üben zu perfektionieren – ist das nicht eher Fleiß, irgendwie inhaltsleer? Ist nicht entweder der seltene emotionale Genius Künstler, ein van Gogh etwa, der abseits aller damaligen Konventionen in einer Anstalt seine ganz persönliche Kunst praktiziert? Oder das Universalgenie, Musiker, Maler, Wissenschaftler, mein persönlicher Liebling? Oder der „Meta-Künstler“, der Genius, der Koordinator, der Produzent, der alles verstehende und überblickende?
    .
    Ich kenne nur sehr wenige Künstler, die als intelligent zu bezeichnen wären. Einige wenige davon gibt es sicherlich, dejenigen, die Können und Intelligenz vereinen, wie etwa Miles Davis im Jazz. Doch ansonsten scheint es sich tatsächlich so zu verhalten: „Die Kunst des Künstlers kommt von Können“.

  79. mawu, ein weites feld...
    kunst...

    mawu, ein weites feld…
    kunst von koennen, sicherlich. – aber ‚was‘ koennen?
    persoenlich sehe ich das vielleicht am ehesten so: aus disparatem EINS machen zu koennen. – ein bischen leinwand, holz, pigmente und loesungsmittel so zu verbinden, dass sie sich in ihrer unterschiedlichkeit aufloesen und zu einem ganzen werden.
    das kammerkonzert in der kirche zb. – eben noch kraechtzen sich vier musiker missstimmig an, auf hartem gestuehl beginnt das gesaess zu schmerzen, man strarrt etwas missmutig in der saeulenhalle des kirchenschiffs herum. – und dann – wenn man glueck hat – krach! – passiert es aufeinmal. die musiker sind aufgewacht und machen endlich das, wofuer sie bezahlt werden. samt ihrer instrumente entmaterialisieren sich und werden musik. die archtiketur loest sich auf. dem publikum – eben noch gedanklich beim frueheren tagwerk, spaeteren wein oder auf schweifender paarungssuche – loesen sich die gesichtszuege zu einer beruehrten und beruehrbaren offenheit und alle grenzen sind weg und alles ist musik.
    so aehnlich verhaelt es sich auch mit dem industriedesign zb: der arbeit vieler haende und disparater interessen alles fragmentarische und widerspruechliche zu nehmen, alles zu einen und es zu etwas ’nahtlosen‘, in sich schluessigen und eigenstaendigen werden zu lassen, zu dem menschen eine beziehung entwickeln wollen, weil es sie beruehrt, weil sie sich selbst, oder aspekte von sich selbst darin finden koennen.
    und so verhaelt es sich natuerlich auch mit dem schreiben: wo die e l em en te , wo die bu c h tsa be n, sa tz zei c he n und sa e tze als einzelne nicht mehr in erscheinung treten. wo einen nichts mehr reisst aus dem fluss, wo aller code, alles molekulare unidentifizierbar und untrennbar zu einem ganzen wird, das ist dann kunst.
    und dazu braucht es: den kuenstler, der die impuls lebensgebender leistung vollbringen kann. und es braucht den rezipienten, der bereit ist oder verfuehrt wird, sich mit dem kuenstler in der kunst zu treffen. – und bei beiden, bei kuenstler und mitschaffendem rezipienten, schadet talent, training, sensibilitaet und beharrlichkeit nie.

  80. p.s.
    ich habe nie...

    p.s.
    ich habe nie ‚unintelligente‘ kuenstler kennengelernt. eher gute und ueberhaupt nicht gute. aber vielleicht bin ich da auch etwas unkritisch, oder zu kritisch. ganz wie man will.

  81. Um nochmal auf den Reichtum...
    Um nochmal auf den Reichtum und einen aktuellen Anlaß zu kommen: Am Beispiel Eick et. al. zeigt sich einmal mehr die Problematik einer ‚freiheitlichen‘ Wirtschaftsordnung. Denn nur in ihr ist Reichtum als Unterscheidung von Armut oder Gleichheit möglich. Hinter dem Erwerb von Reichtum scheint die biblische Frage nach dem gerechten Lohn auf (auch dem der Vorfahren); noch dahinter der ewige Konflikt des ‚freien‘ Individuums mit der Gesellschaft, von der er mit jeder Äußerlichkeit seiner Existenz abhängig ist. Nichts Neues also. Der evolutionäre Sprung, der die Einsicht des gierigen Individuums in diese Abhängigkeit praxiswirksam macht, steht allerdings immer noch aus. Mit milden Gaben à la Wiedeking oder Eick deutet sich diese Einsicht zaghaft und unter öffentlichem Druck an (jaja, eine Spielart vom Wesen des Unglücks im Reichtum :-)). Sozialpsychologisch gesehen handelt es sich bei dem Unvermögen, diesen wichtigen Evolutionsschritt zu tun, um einen Krankheitsdefekt der dummen Eliten. Soviel Glaube an die Menschheit muß sein.

  82. gisbert4 Ihr Statement trifft...
    gisbert4 Ihr Statement trifft die Sache, die hier ausgebreitet wird, vorzüglich. Voltaires Bedlam=Welt – These, die als Motto eingangs zitiert wird, vertrat ja die Ansicht, dass „Schurken“ sehr wohl, nicht jedoch „Besessene“ zur Vernunft zu bekehren seien. Wäre jener , ich unterstelle, Sie mahnen ihn an, zu erreichen, indem Schurken zur Vernunft gebracht und vor Beseesenheit gewarnt wird? Und kann dieses Theorem aus der Marktwirtschaft hergeleitet werden?

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