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Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Briefe aus Stresa III: Die Villa Bersani im Hotel du Parc

| 125 Lesermeinungen

In den letzten Jahren habe ich viele Hotels erlebt, und zu den meisten habe ich geschwiegen: Mieträume auf Zeit, Zimmer für Tage, man zahlt und bekommt eine Dienstleistung, vom komplett heizungsfrei erhaltenen Gasthof im novemberlichen Wienerwald bis zum komplett charakterlosen Fünfstern-Hotel in einem lausigen Kaff namens Köln a. Rhein. In Stresa am Lago Maggiore jedoch gibt es ein Hotel, da bucht man ein Zimmer und bekommt einen mondänen Salon der Zeit um 1900, in dem man auch schlimmste Regentage gern verweilt und mit der Chefin des Hauses über die grosse Vergangenheit plaudert

Mir ist es nicht selbstverständlich, im Hotel du Palais abzusteigen, der Apparat würde auf mir lasten.
Kurt Tucholsky, Ein Pyrenäenbuch

Fährt man von Scoul über Zuoz nach St. Moritz und weiter zum Malojapass und dann hinunter an den Comer See, liegen die alten Palasthotels wie an einer Perlenkette nebeneinander, mit St. Moritz als reichlich misslungenem, weil zu protzigen und nach saudischem Geschmack aufgedonnerten Diadem in der Mitte. Bei manchen weiss es der Kundige, weil es mitunter von Kollegen als Investmentgelegenheit angepriesen wird, bei anderen hängen riesige Plakate an den Seitenfassaden und verkünden es: Hier kann man nicht nur Urlaub machen. Man kann hier auch komplette Wohnungen bekommen; manchmal, wie im Des Bains in St. Moritz, in einem extra angebauten Flügel, manchmal aber auch, und da verschweigt man die Namen, innerhalb des Hotels. Mitunter ist es sogar so, dass man die alten Gebäude komplett in Wohnungen zerlegt und den Hotelbetrieb, der den grossen, alten Namen nicht mehr verdient, in einem modernen Anbau abwickelt.

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Anders, versichern einem die verantwortlichen Manager, könne man heute Grand Hotels oft nicht mehr betreiben, denn der bessere Tourist Europas sei nicht mehr das, was er einmal war: Aus dem Reisenden, der in der Sommerfrische in gemietetem Prunk residieren möchte, wurde der Besitzer, für den die Zweit- oder Drittwohnung ebenso sein muss, wie die eigene Einrichtung. Das Schwimmbad, das Restaurant, die Tennis- und Golfplätze und das Personal nimmt er gerne mit, aber des Abends tanzt er nicht mehr im Ballsaal, er will auch keinen festen Essenszeiten mehr folgen, und ausserdem, wenn er mal alt und krank wird und wirklich nicht mehr reisen kann, wird es seine Luxusseniorenresidenz. Das sagt keiner offen, aber es ist so: Das Schicksal der Grand Hotels ist die Verwandlung in bessere Gerontologieabteilungen. Entsprechend wird entkernt und umgebaut, verändert und angepasst, und von der originalen Einrichtung überlebt ohnehin so gut wie nichts die diversen Modernisierungen. Kurz, es bleibt vom Grand Hotel nur der grosse Name, der Anspruch und die Fassade. Der Verfasser dieser Zeilen, der ebenfalls zwischen vier Wohnungen an drei Orten wählen könnte, wäre im Übrigen der Letzte, der sich über diese Entwicklung beschweren könnte – auch, wenn sie ihm nicht gefällt.

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Die Lösung des Problems wäre also eher ein Hotel, das exakt jenen gewünschten Eindruck eines Rückzugsortes der besseren Gesellschaft bietet, die Grösse und Behaglichkeit einer Villa und eine ungebrochene Tradition von der grossen Zeit des Reisens um 1900 bis heute. Und während draussen im schönen Stresa zwei Tage lang monsunartige Regenfälle niedergingen, hatte ich Gelegenheit, so ein Konzept – das eigentlich gar keines ist, sondern gelebte Geschichte – auszuprobieren, und mit der Chefin des Hauses zu reden. Sie ist zu Beginn noch verhindert, denn der Gast in Zimmer Nummer 5 weist sie darauf hin, dass es in diesem Hause spuke, was angesichts der Geschichte der Villa Bersani – seit 1952 Hotel du Parc – nicht sonderlich überraschend wäre. Wir treffen uns nicht in der Lobby, denn der Empfangsraum des Hotels ist sehr klein, sondern im Salon. Der Salon ist nicht, wie in Hotels üblich, ein Ort des Transits, der die Möglichkeit des Verweilens für eine begrenzte Zeit erlaubt, sondern der Salon der Villa Bersani. Seit der Zeit um 1900 hat sich hier nicht mehr als gerade nötig getan.

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Denn bevor das Hotel du Parc entstand, war das Gebäude und der hauseigene Park eine Sommervilla einer reichen Schneiderfamilie aus Mailand. Der beauftragte Architekt musste nicht sparen und schuf eines jener Sommerhäuser, die nicht nur ein Zweitwohnsitz für das Grossbürgertum, sondern auch öffentliche Manifestation eines bestimmten Bewusstseins sind: Eine Selbstsicherheit, eine gewisse gesellschaftliche Bedeutung, eine innere Haltung, die entsteht, wenn man sich mit eigener Kraft wirklich etwas Besonderes geleistet hat. Ausgewogen könnte man die Villa Bersani nennen, im Gleichgewicht, ein Ort für die unbeschwerte Kindheit und ein geruhsames Alter, für die schönen Seiten des Lebens – 1952 starb der Sohn der Familie in jenem Haus frühzeitig, ein grosses Unglück, erzählt die Signora, und nie wieder sollte die Familie das Haus betreten. Es wurde geschlossen und an den Schwiegervater der Signora verkauft, der in ein Hotel als Ergänzung zu seinem feinen Restaurant umwandelte.

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Aber nicht wirklich umbaute. Und so sind die Salons der grossen Zeit der Bürgertums erhalten geblieben, mit ihren venezianischen Leuchtern, den Imaritellern an den Wänden, dem wunderbaren Parkett mit seinen kleinen Einlegearbeiten, den innenliegenden Fentserläden, den Doppelflügeltüren, mit denen man aus den Salons einen grossen Ballsaal machen kann, und mehr noch: Was verändert und angebaut werden musste, wurde ausgehend vom Geist des Salons entwickelt. Niemand beging das Verbrechen, die alten Fenstergläser auszutauschen, und der Tisch, an dem wir sitzen, trägt die Patina von mehr als 100 Jahren mit Würde. Dem ältesten Muranoleuchter fehlen, wie das immer so ist, ein paar Teile, es ist wie bei mir daheim, man kennt das: Nichts durchschreitet die Zeiten ohne Spuren, aber manches besteht gegen die Schleifsteine der Alterung, wo anderes zerrieben wird. Die Villa Bersani hatte das seltene Glück, Besitzer zu finden, die nicht wie heutige Hotelmanager alles nach Renditegesichtspunkten entscheiden; sonst wäre der später angebaute Frühstücksraum sicher schlichter und moderner, oder, um das schlimme Wort in den Mund zu nehmen, praktischer ausgefallen.

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Man kann lange Regentage damit zubringen, all die Details zu entdecken; die schmiedeeisernen Jugendstilgeländer etwa mit ihren hölzernen Handläufen, die nach 100 Jahren Benutzung die immense Qualität erfahren lassen; die geschwungenen Fensterlaibungen und die verspielten Fenstergriffe. Die Signora sagt, dass sie Auflagen wie Brandschutztüren natürlich erfüllen muss, und man merkt, dass sie dem Haus und seiner Substanz dabei keinen Schaden zufügen will. Es gibt gewisse alte Häuser, die so hochwertig sind, dass sie auch mit solchen Veränderungen, so sie behutsam und mit Augenmass eingefügt sind, spielend fertig werden. Es mag sein, dass dieses Hotel für Freunde schlichten Designs und moderner Kühle ein Horror ist, aber, möchte man ihnen zurufen, nach zwei Tage Dauerregen sucht man in einem kühlen Designhotel mit grossen Fensterflächen einen Designerhaken, um sich daran mit einem Designerstrick aufzuhängen – im Hotel du Park setzt man sich den grossbürgerlichen Salon der Villa Bersani und hat, nebenbei bemerkt, jenes kostenlose WLAN, wegen dessen extrem kostenpflichtigen Cousins im Designhotel es beim Aufhängen vermutlich bei den verknoteten Ärmeln des letzten Hemdes bleiben muss.

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Gewisse Dinge – kann man so und so sehen. In Stresa hat man die Wahl zwischen dem ungedämpften Strassenlärm der Hotels vorne zum See und manchmal vorbeifahrenden Zügen hinten bei den Zimmern zum Park wie unsere grosszügige Räumlichkeit, die aber auch Seeblick hatte – hier jedoch dämpft der Park. Manche werden anmerken, dass die feinen Kiesel am Ende der Auffahrt – ein begrünter Traum mit Serpentine! Man wünscht sich sofort einen alten Bentley, und mindestens einen Tag nur zum auf- und abfahren – trolleyfeindlich sind; wir aber, die wir im Regen der im Wagen sitzenden Dame den französischen Schweinslederkoffer hinterher tragen, sagen: Geschieht Euch recht! Reist gefälligst wie alte Europäer und erfreut Euch am Knirschen! Freunde zubetonierter Landschaften und Gewerbeparks werden vielleicht den üppigst wuchernden Park als zu grün ansehen, und die ebene Fläche für das Federballspiel findet man nur, wenn man die im Park des Hotels versteckte Tür zum ehemaligen Küchengarten aufdrückt.

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Kurz, wir haben den Aufenthalt im alten Europa sehr genossen und hoffen, dass die Villa Bersani noch lange als Hotel du Parc bestehen bleibt, mit einer verständigen Signora und einer Tradition fern aller Kommerzimmobilien. Man kann sich in Luxushotels wie ein russischer Oligarch oder deutscher Startup-Unternehmer ausnehmen lassen, man kann den *****-Prunk von Fondsbetrügern mieten, oder den Plunder hochbezahlter Modeinnenarchitekten: Wie schon im Fall der Villa Saxifaga bei Meran ist es hier das Beste unserer eigenen Geschichte, in dem man die Regentage staunend und, nachdem man keinen Kronleuchter mitnehmen kann, auch sehr neiderfüllt zubringt.

http://www.duparc.it/index.html, geöffnet von März bis Oktober.

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125 Lesermeinungen

  1. "Der beauftragte Architekt...
    „Der beauftragte Architekt musste nicht sparen und schuf eines jener Sommerhäuser, die nicht nur ein Zweitwohnsitz fur das Grossbürgertum, sondern auch öffentliche Manifestation eines bestimmten Bewusstseins sind: Eine Selbstsicherheit, eine gewisse gesellschaftliche Bedeutung, eine innere Haltung, die entsteht, wenn man sich mit eigener Kraft wirklich etwas Besonderes geleistet hat.“

    Ja, damit sind wir beim Thema: Dem Wandlitz-Syndrom des deutschen Post-Großbürgertum.
    Was wissen wir über die Villen und Wohnungen, in denen die erfolgreichen westdeutschen Unternehmer des Wirtschaftswunders gewohnt haben? Und ihre Nachfolgegenerationen? Wird Ackermanns Villa einmal musealen Wert haben?
    Ich weiß es einfach nicht, ich war noch nie an solchen Orten. Darum kann ich auch nicht behaupten, dort gebe es nur geschmacklosen Kitsch. (Vermutlich trifft das auch nicht zu.)
    Der echte Unterschied liegt woanders. Auch um 1900 hatten nicht alle reichen Italiener guten Geschmack. Der eigentliche Verfall liegt darin, daß solche Villen heute absolut keinerlei öffentliche Funktion mehr erfüllen und für niemanden nichts mehr symbolisieren. Von außen ist keine andere Botschaft erkennbar als nur: „Schaut her, wir haben soooo viel mehr Geld als ihr“ — so wie beim Ferrari.
    .
    Der Rest ist Wandlitzer Privatesse.

  2. Die Villa Bersani hatte das...
    Die Villa Bersani hatte das seltene Glück, Besitzer zu finden, die nicht wie heutige Hotelmanager alles nach Renditegesichtspunkten zu entscheiden; sonst wäre der später angebaute Frühstücksraum sicher schlichter und moderner, oder, um das schlimme Wort in den Mund zu nehmen, parktischer ausgefallen.
    Streiche Zu (vor entscheiden), ersetze Parktischer durch praktischer

  3. HansMeier, was ist Wandlitz?...
    HansMeier, was ist Wandlitz? Sagen wir mal so: Die Objekte der Nachkriegszeit, die ich kenne, sind jeweils zeittypisch. Das können sehr formschöne Bungalows sein, aber so mancher Butzenscheibenimitatrundbogen der 70er, die Memphismöbel der 80er und die Kücheninseln dieses Jahrzehnts werden vermutlich länger brauchen, um später wieder respektiert zu werden. Generell: Die Qualität, siehe Holz vs. Pressspan selbst bei teuren Möbeln, hat nachgelassen.
    Knirschender Trolley, danke, ist berichtigt.

  4. Diese Dame im lila Dirnd ist...
    Diese Dame im lila Dirnd ist besonders eindrucksvoll. Obwohl ich fürchte, dass mann in solchen Hotels darin etwas deplaziert wirkt. Aber vielleicht haben sich die Zeiten auch geändert, was Dirndl-tragen betrifft. Ich habe mal von einer Dame gehört, die ist zu einem ernsten Gespräch mit einem Schweizer Personalchef einer internationalen Organisation in Paris im Dirndl erschienen. Wahrscheinlich wollte sie aber nur diesem Schweizer demonstrieren, in welcher Klasse Hotel sie abzusteigen pflegt.

  5. @Don
    Mit "Wandlitzfaktor"...

    @Don
    Mit „Wandlitzfaktor“ meine ich das Verkriechen der Grauen Mäuse,
    den Verzicht auf jegliche Repräsentation, die über das unmittelbare private Umfeld hinauswirkt.
    .
    Die den Mitbürgern nicht darüber mitteilt, wie der Elitist sich seine Rolle in der Gesellschaft vorstellt. Er fährt nach der Arbeit nach Hause wie jeder lebt dort wie jeder, nur ein bißchen großzügiger und komfortabler natürlich.
    Sie erinnern sich an Ihren eigenen Hinweis, wie es früher war: Das Anwesen in der Innenstadt mit zahlreichen Fenstern zur Hauptstraße oder zum Marktplatz hin. Von dort aus konnte man das Schauspiel (Militärparaden, Hinrichtungen, Wochenmarkt, Laientheater, Volksversammlung) direkt vom Fenster heraus beobachten. Aber die Menge konnte auch zurückgucken und registrieren, was der Patrizier tut und denkt. Richtige Bürgerhäuser hatten einen Balkon, von dem aus man bei Bedarf auch eine „Rede an das Volk“ halten konnte.
    .
    Das galt schon für das vermaldeite Bürgertum. Wie es bei den Fürsten war, muß ich hier nicht ausbreiten.
    .
    Daß heute der Personenkreis, der sich seine „Systemrelevanz“ hat regierungsamtlich bestätigen lassen, für niemanden öffentlich sichtbar ist, sondern sich nach „Wandlitz“ zurückgezogen hat, ist m.E. ein Aspekt unserer politischen Kultur, der durchaus Beachtung vedient. Denn diese Entwicklung ist ja keineswegs selbstverständlich.
    .
    Eigentum verpflichtet m.E. auch zur sozialen REpräsentation. Die Bevölkerung sollte schon wissen, wer die Menschen, die das Mehrprodukt abschöpfen, eigentlich sind, wo sie wohnen und was sie sonst so machen.

  6. Mein Gott, ein...
    Mein Gott, ein Klimaanlageninnenteil im Frühstücksraum. Don, und Sie sprechen von einer einer Tradition fern aller Kommerzimmobilien. Das passt doch nicht zusammen. Niemand braucht Klimaanlagen, schon gar nicht in Mitteleuropa. Auch architektonisch wird jeder Raum durch solch ein Gerät entstellt. Von den ökologischen und gesundheitlichen Gefahren ganz zu schweigen. Wenn ich bei mir zu Hause in Baku die Klimaanlage laufen lasse, bin ich sofort erkältet. Von der Klimaanlage im Auto wird mir schlecht. Zusammenfassend, die Klimaanlage ist ein Beispiel moderner Obszönität.

  7. Don, sind es nun und wiedermal...
    Don, sind es nun und wiedermal Ihre wunderschönen Aufnahmen – man ist geradezu entzückt ob der ausstrahlenden zeitlosen Ruhe – oder Texte wie: „….nebenbei bemerkt, jenes kostenlose WLAN, wegen dessen extrem kostenpflichtigen Cousins im Designhotel es beim Aufhängen vermutlich bei den verknoteten Ärmeln des letzten Hemdes bleiben muss…..“?! – Wohl beides.
    Ich darf das Des Bains Venice bei dieser Gelegenheit empfehlen. Auch ein Ort, an dem noch in Würde gealtert wird. Und dieser Pomp und Prunk wirkt so beruhigend auf das Gemüt. Kann man woanders Mensch sein?

  8. Sehr geehrter Herr...
    Sehr geehrter Herr Alphons,
    sehr schöne Geschichte, sehr schönes Hotel, ich beneide Sie, wäre auch gerne in Italien.
    kurze Anmerkung Herrn Meier:
    Ich denke, zu keiner zeit waren alle Privatvillen erstklassig, auch damals gab es gute und schlechte Architekten, ebenso gute und schlechte Bauherren, was noch viel wichtiger ist, wie ich aus meiner Berufserfahrung als Architekt heraus sagen kann.
    Allerdings: Je älter etwas ist, desto mehr sieht der Betrachter mit Milde über manche Fehler und ästhetische Mängel hinweg, bei alten Möbeln und alten Autos übrigens auch.
    Aber es gab zu jeder Zeit gebildete Menschen, die sich in Ihrer Zeit ein anspruchsvolles Haus bauen ließen, sei es in den Zwanzigern und Dreißigern, aber auch in den Fünfzigern, Sechzigern und Siebzigern gab es qualitätvolle, elegante, intellektuelle Privathäuser und-villen.
    Allerdings nicht in Wandlitz, aber sogar in Berlin.
    Eines der besten Beispiele für eine phantastische Privatvilla aus den neunziger Jahren steht in Berlin-Dahlem, gebaut von David Chipperfield für ein kunstsammelndes Ehepaar.
    Weiterhin viel Vergnügen in Italien,
    neidische Grüße, hs.

  9. @hugoservatius, in der Tat...
    @hugoservatius, in der Tat muß man das so sehen. Auch ist wahr, durchschreitet man die Altstadtviertel mediterraner Gegenden, so staunt der Betrachter vor verfallenen Fassaden und bezeichnet diese gar als pittoresk. Sicher, jeder läßt sich von diesen auch klimatisch begünstigten Regionen und deren Bauten fern der Heimat, bewußt der momentanen Leichtigkeit des Seins, verführen. Für einen Berliner Hinterhof indes hätte man nicht diese Art der Betrachtung – selbst wenn er noch so morbide erscheint.

  10. ACHTUNG! DAS SYSTEM IST GERADE...
    ACHTUNG! DAS SYSTEM IST GERADE NICHT STABIL!
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    Ich bitte deshalb, die Kommentare vor dem Abschicken zu kopieren und zu speichern. Das erspart Leid und Müh, falls die Störungen wiederkommen.

  11. und fährt man vom Comer See...
    und fährt man vom Comer See über den Majolapass nach Zuoz und weiter nach Scoul, muß man Peder Benderer besuchen. Bevorzugt in Sent, Grüße an Heidi. Birnenbrot und ….
    „Wenn ich nur Rädchen an den Füssen hätte!“ . Erbitte Bildbericht in Kombination mit Silberkanne.

  12. Schöne Beschreibung des...
    Schöne Beschreibung des Hotels…sie beinhaltet den Hauch, den Duft, den Glanz einer vergangenen Epoche. Nur solche Gebäude geben einem gegenwärtig die Möglichkeit ein Stück Geschichte fast in ihrer reinen Form zu leben, einzuatmen, sich sozusagen in sie hinenzuatmen.
    Beieilt Euch, die letzten Hotels zu besuchen, die Stolz, Würde und Geschichte in sich tragen…. denn sie sterben wie die Fliegen….eine Tatsache, die mich persönlich seit Jahren extrem traurig macht.

  13. @ Lisbeth Heuse: das erklären...
    @ Lisbeth Heuse: das erklären Sie mir bitte, in was für einer Klasse Hotels steigt man ab, wenn man zu einem Personalgespräch in Paris mit einem Dirndl erscheint?
    @ ErnstWilhelm: ohne Klimaanlage wäre ich wahrscheinlich schon ein paar Mal im Auto den Hitzetod gestorben. Für mich ein Segen. Und im Büro wäre es auch erträglicher – wäre, denn eine wirklich funktionierende Klimaanlage im Büro habe ich vor recht genau 9 Jahren erlebt. Danach kamen nur „Klimadecken“ und „Betonkernkühlungen“ und sonstiger Mumpitz. Tolle Namen, nur wirklich auf erträgliche Temperaturen konnten die nicht runterkühlen. Draußen 34 Grad, drinnen immerhin „nur“ 28 Grad, tolle Leistung. Da macht die Arbeit richtig Spaß.

  14. Werter Vetter,
    Euer Bericht...

    Werter Vetter,
    Euer Bericht macht mich sehr traurig!
    Ich glaube, diese Orte wird es nicht mehr allzulange geben!

  15. lustvolle koerperpflicht....
    lustvolle koerperpflicht. schoenes foto. schaeferstunde

  16. Wehrter Don,
    ein schöner...

    Wehrter Don,
    ein schöner Bericht und eine neue Idee doch noch
    das alte Europa zu suchen.
    Herzlichst P.

  17. Ein wenig modeste Melancholie...
    Ein wenig modeste Melancholie verströmen die Bilder schon. Irgendwo zwischen Tod in Venedig und Il Gattopardo. Aber das ist ja gleichzeitig auch der Charme der alten Häuser, daß ein bißchen Verfall einer Familie mit hineinspielt. Wenn alle Hotels so aussehen würden, wäre es doch nichts besonderes und wir würden es nicht einmal bemerken. Es lebe die Differenz. Auf jeden Fall ist die Signora zu loben, daß sie sich um angemessene Erhaltung kümmert. Am schlimmsten finde ich immer solchen Stilmischmasch: Bauhausstühle im Barockschloß, Biedermeiersofa im Glas- und Stahlfoyer. Wobei ich sowohl Bauhaus und Barock mag, aber jedes an seinem Platz. Übrigens wirkt auch der Kronleuchter im übrigen Ambiente nicht mehr so, äh, overdesignt.

  18. Scheffeln für die...
    Scheffeln für die Geschmacklosigkeit eines solchen Seins
    @HansMeier555: Das beste Beispiel scheint mir ein gewisser Herr Schlecker zu sein. Man hat kein aktuelles Bild von ihm. Wie ein Gespenst wirkt er am Schicksal so vieler 1000er, so wie er diese demnächst alle entlassen wird, um dann neues Personal für maximal die Hälfte des bisherigen Aufwandes einzustellen, durch eine von ihm eigens dafür gegründete Zeitarbeitsfirma, versteht sich – mit Sitz im Osten Deutschlands. Er scheffelt dafür wohl eine weitere Milliarde und repräsentiert im Gegenzug dazu nur noch die Geschmacklosigkeit eines solchen Seins.

  19. Lisbeth Heuse, die Dame im...
    Lisbeth Heuse, die Dame im Dirndl ist die Copilotin und Kollegin Andrea Diener. Ich kann von meiner Warte aus nur berichten, dass es bei Frauen früher üblich war, sich so zu kleiden, wenn es in die Berge ging. Niemand dachte sich etwas dabei, und natürlich kann man mit schlichten Dirndls nicht nur Kraxeln, sondern auch Federball spielen.
    .
    HansMeier555, ah ja. Nun, ich nehme an, dass dieses Verhalten auch ein wenig modernen Medien wie zeitung, TV und Radio geschuldet ist – man weiss ja, man kommt nicht mehr raus, wenn man mal drin war. Zum Glück mögen Journalisten und Adabeis einander so sehr, dass man sich bestens zurückziehen kann, was ich für sehr klug halte. Wer will schon landläufige Journalisten im Haus oder im Vorgarten haben.

  20. ErnstWilhelm, mein Ding wäre...
    ErnstWilhelm, mein Ding wäre es auch nicht, aber es wird nun mal in Italien nicht nur verlangt, es ist auch vollkommen normal. Wie viele Balkone sind damit zugestellt! So fallen sie wenigstens nicht allzu sehr auf. Und sind bei Bedarf auch wieder schnell abgebaut, falls sich die Einstellung ändert.
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    nico, die Aufnahmen sind nur so gut wie das Motiv. Bei venedig bin ich noch etwas am überlegen, wann und wie und unter welchem Vorwand es dorthin geht; nachdem aber das du Parc eine Empfehlung einer Bekannten war, bin ich auch da gern und dankbar bereit, mich beraten zu lassen.

  21. hugoservatius, es kommt...
    hugoservatius, es kommt natürlich hinzu, dass gerade viele alte 1A-Lagen einfach nicht mehr zur Verfügung stehen, die die repräsentativen Plätze einnehmen. So kann es natürlich geschehen, dass spätere Nachfolger in die 3. und 4. Reihe gehen müssen. Ich jedoch würde immer ein altes haus kaufen; architektonische Selbstverwirklichung hat im 21. Jahrhundert so ihre Schattenseiten.
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    nico, ich denke, es gibt einen Unterschied zwischen der Berliner Verwahllosung und der italienischen Patina. Allein schon das Ausgangsmaterial ist anders auf Alter berechnet; Berliner Wohnblocks wurden schon im 19. Jahrhundert als Renditeobjekte geplant, während in Italien das Haus die Familienfestung war.

  22. Nun meine Herren, die Zeiten...
    Nun meine Herren, die Zeiten der Grand Hotels sind Europa definitiv vorbei. Es fehlt am nötigen Kleingeld und auch am entsprechenden Publikum.
    Der Unterhalt eines alten Hauses ist alles andere als günstig und kann (soweit die Auslastung nicht jenseits der 75% Marke liegt) durch die Einnahmen nicht mehr gedeckt werden. Hotels mit einer gewissen Morbidität sind herrlich, knackendes Parkett, verkratztes Silber, „nutzlose“ Räumlichkeiten wie Schreib- und Lesesalon. Es gibt das ein oder andere Hotel was da wirklich in einen Abwärtsstrudel geraten ist: ausbleibende Erhaltungsmassnahmen in den fetten Jahren, Verfall und Wegsterben der Klientel. Mit 30-40% Auslastung funktioniert so ein Haus einfach nicht (es gibt auch nichts schlimmeres als ein leeres Hotel).
    Ein Paradebeispiel für diesen Zyklus war(!) das Hotel Römerbad in Badenweiler. Die hatten um die Jahrtausendwende eine nur noch sehr geringe Auslastung und mussten einen Stern abgeben. Die neuen Eigentümer haben jetzt mit sehr viel Engagement diesen Stern wiedergeholt und das Haus hat inzwischen wieder eine gute Auslastung.
    Was man aber auch nicht vergessen darf, es fehlt am Publikum in diesen Häusern. Die sterben schlicht alle weg und es gibt nicht allzu viele Liebhaber wie Don Alphonso. Ich habe im April ein paar Tage im Waldhaus Flims verbracht und führt dort ein Gespräch mit einem jungen deutschen Paar. Die haben sich furchtbar über dieses „altbackene Flair“ aufgeregt und fanden dann die paar Franken für die Nacht vollkommen überteuert. Freude hatten die beiden allein an der Lobby – und die ist dort wirklich grässlich, scheusslich, kühl modern. Die ist so wie in jedem Stadthotel der Welt.
    Es fehlt schlicht das Verstädnis dafür, dass man sich am Abend vernünftig anlegt. Sie Deux-Pieces, er Krawatte. Keine Jeans, nur gebügelte Hemden. Keine Sandalen etc.. Der Niedergang dieser Häuser ist das deutlichste Anzeichen für den Niedergang des alten Europas.

  23. staph.aureus, der Rückweg...
    staph.aureus, der Rückweg führte offen über die Traumstrasse der Gardesana nach Norden, denn davor stand auch noch der Besuch eines gewissen Schusters in Verona.
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    Dipsy, es gibt viele grosse Namen, die starben – und das auch schon früher. Man muss einfach sehen, dass die alten Destiantionen im Wettbewerb mit anderen Regionen stehen, die zu den grossen Zeiten der Grand Hotels nicht erreichbar waren. In Meran etwa wurde aus dem Grand Hotel Elisa eine Schule.
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    Man kann das Rad der Zeit nicht zurückdrehen, dafür wird man weder die Mittel noch die Leute finden. Wichtig aber scheint mir das bewusstsein, dass da noch etwas anderes als die Moderne und die Postmoderne ist, das auch seine Existenzberechtigung hat und der Neuentdeckung harrt. In Regensburg etwa – Oberpfalz! Man soll es nicht glauben! – hat das Cafe Orphee ein Hotel im alten Stil eröffnet, das blendend läuft, und sehr geliebt wird.
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    http://www.hotel-orphee.de/deutsch/index0.htm
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    Hätte man dort eine Affaire, man müsste sie unbedingt dort ausleben. Und tatsächlich stehen die jungen Damen vor dem Schaukasten und machen Ah und Oh, weil sie genau das gern hätten. Nicht alle. Aber für die, die es erkennen, lohnt sich die Arbeit.
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    Es werden sicher nicht die Grand Hotels sein. Das ist vorüber, weil, wie erwähnt, das Klientel stirbt oder selbst kauft. Aber die mittleren Häuser mit guter Vergangenheit, die haben Chancen.

  24. Emma. Grand Hotel Emma in...
    Emma. Grand Hotel Emma in Meran.

  25. Zunächst: Ein wunderschönes...
    Zunächst: Ein wunderschönes Haus zum Träumen und Entspannen. Gut, dass es den Betreibern gelingt, mit ihrem Konzept leben zu können – hoffentlich noch lange.
    Aber diese sonderbare Nostalgie, die den Artikel und so manchen Kommentar durchweht, wirkt auf mich befremdlich. Diese Liebe zur Vergangenheit ist doch ein recht neues Gefühl. Die längste Zeit der Kulturgeschichte wurde das Alte dem Neuen ohne Wimpernzucken geopfert. So gut wie jedes Schloss hatte einen Vorgänger. Für die gotischen Kathedralen wurden jahrhundertealte Vorgänger zum Bauschutt. Das, was die Zeiten an Altem überstand, verdankt sein Leben oft wirtschaftlichen Katastrophen. Es fehlte dann oft über lange Zeit das Geld, etwas Neues zu bauen und das alte abzureißen.
    Das Gejammere über die Pressspanplatte erscheint mir auch nicht in jedem Fall von Fachkenntnis getragen zu sein. Es ist schlicht falsch, so zu tun, als habe man früher nur besser bauen wollen. man konnte gar nicht anders. das Massivholzmöbel ist weder qualitativ noch handwerklich das Nonplusultra. Ohne Furnier ist eine hochwertige Oberfläche eines Möbels gar nicht denkbar und für bestimmte Konstruktionen ist Massivholz schlicht ungeeignet. Verbundhölzer, wie die gute alte Tischlerplatte oder das Sperrholz, haben auch in Qualitätsmöbeln ihre Daseinsberechtigung. Ohne verbundwerkstoffe sind maßhaltige Möbel kaum herstellbar. Pressspan wird nun wirklich nur bei Billigmöbeln verwendet. Schon allein wegen seines enormen Gewichts kommt das Material sonst nicht in Frage. Moderne MDF-Platten sind auch für Qualitätsmöbel geeignet.
    Dass die „Reichen“ ihren Reichtum heute angeblich nicht mehr zeigen, halte ich für eine Mär. Sie zeigen ihn nur anders als vor 100 Jahren. Die Immobilienanzeigen in der FAZ werben jedes Wochenende um Käufer für Häuser aus den letzten Jahrzehnte mit Wohnflächen, die auch jeder Gründerzeitvilla gut zu Gesicht stünde. Teure Autos, Yachten, Uhren, Weine etc. haben sich bis zu dem kürzlich eingetretenen kleinen Betriebsunfall auf den Finanzmärkten blendend verkauft und auch die Häuser Prada, Gucci un Konsorten hatten keinen Grund zu Klage. Die Mailänder Familie, die sich einst die Villas Bersani gönnte, konnte ihr Geld auch noch nicht in Privatjets und Hubschrauber investieren, da blieb noch mehr Geld fürs Bauen übrig. Denn die normalen Arbeitnehmer jener Zeit wurden so sparsam entlohnt, dass diese sich über guten Geschmack bei der Auswahl ihrer Häuser und Möbel keine Gedanken machen mußten.

  26. "ACHTUNG! DAS SYSTEM IST...
    „ACHTUNG! DAS SYSTEM IST GERADE NICHT STABIL!“ Don, einer Ihrer schönsten Sätze politischen Denkens… Nur vermute ich, das System ist stabiler als es vorgibt.

  27. Elbsegler, Ihre These "Diese...
    Elbsegler, Ihre These „Diese Liebe zur Vergangenheit ist doch ein recht neues Gefühl“ halte ich für etwas einfach. Es gab immer eine Liebe zur Vergangenheit, jahrhundertelang etwa eine Liebe zur Antike, aber es gab immer bewundernswerte und weniger bewundernswerte Vergangenheit. Die jüngste Vergangenheit etwa ist immer eine, die man gerade überwunden hat, die braucht eine Weile, um sich zu bewähren und zu patinieren, um wieder begehrenswert zu erscheinen.
    .
    Zur Zeit werden gerade die „Bausünden“ der Sechziger und Siebziger Jahre beseitigt – aber warten Sie mal ab, wie man diese Bausünden in Dreißig Jahren sieht. Vermutlich wird da sogar das Technische Rathaus in Frankfurt wieder schön.

  28. Liebe Frau Diener,
    erlauben...

    Liebe Frau Diener,
    erlauben Sie mir, ebenso vereinfachend-zuspitzend zu argumentieren, wie es der Don auch gerne tut. Sicherlich ist die jüngste Vergangenheit stets diejenige gewesen, die man am wenigsten schätzte und schützte. Als die Kölner Stadtkonservatorin Hiltrud Kier schon in den siebziger Jahren begann, den Denkmalwert der Bauten der 50er Jahre, wie z.B. des „Blau-Gold- Hauses in der Nähe des Doms, herauszustellen, schlug ihr allenthalben Unverständnis und Empörung entgegen. Heute dürfte es unstreitig sein, dass auch die fünfziger Jahre wertvolle und schützenswerte Architektur hervorgebracht haben. Und es ist noch nicht allzu lange her, dass der Historismus der Gründerzeitjahre von modernen Architekten mit Unterstützung der Meinungsführer dieser Gesellschaft vorzugsweise mit der Abrissbirne behandelt wurde. Früher war das nicht anders. Der Stadtumbau von Paris durch Hausmann war auch nicht sonderlich durch Rücksichtnahme auf die alte Bausubstanz gerechtfertigt und den Neubau des Petersdoms an Stelle der alten Basilika empfand auch damals schon so mancher als verwerfliche Zerstörung. Mit dieser nahezu flächendeckenden Architekturnostalgie der heutigen Zeit sind wir dem Historismus wieder sehr nahe. Wir wünschen uns die gute alte Zeit zumindest in ihrer Form wieder zurück, weil offenbar die Formen der Moderne keine Entsprechung für unsere Gemütsverfassung bieten können.

  29. miner und Don Ferrando, die...
    miner und Don Ferrando, die Orte verschwinden ja nicht, wenn sie insolvent gehen; die Gebäude bleiben – die Frage ist halt, was man damit macht. Wegräumen wie Brennerbad? Verfallen lassen wie das Hotel Angst und einige Villen in Stresa? Den Russen verkaufen wie in Lech? Appartments? Oder an einen Notar verkaufen, der es als Versteck benutzt, wie es auch ab und an passiert?
    .
    Es ist halt Kapitalismus: Wer will, dass es bestand hat, muss es nutzen und dafür zahlen. Bei gewissen, durch Jahrzehnte immer wieder auf- und umgemöbelten Hotels bin ich übrigens ziemlich schmerzbefreit, was ihr Ende angeht. Das gehört dazu.Nur hier ist die Sache eine andere.

  30. Paulchen, davon wird es bald...
    Paulchen, davon wird es bald noch etwas mehr geben, hoffe ich.
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    abf, oh nein, bitte keine Schafe – ich komme aus einer Region mit echtem Schäfer, die Tiere sind mir zu, äh, schafartig. Einfach nur: Menschen im Park

  31. Savall, nun, ein wenig mehr...
    Savall, nun, ein wenig mehr davon und viel mehr Bewusstsein dafür wäre schon eine feine Sache. Es wäre auch fein, wenn die Leute lernten, dass es zwischen Geschleckt und runtergekommen auch noch das Bewahren gibt, und zwischen makellos und abgelebt die Patina. ich denke aber, da lernen die Deutschen durchaus von Briten, Franzosen und Italienern.
    Devin08, man fragt sich ja, was man von noch mehr hat. (Schlecker ist irgendwie so gar nicht meins, meine Honigseife kaufe ich bei einem Imker auf dem Wochenmarkt)

  32. Elbsegler:

    weil offenbar die...
    Elbsegler:
    weil offenbar die Formen der Moderne keine Entsprechung für unsere Gemütsverfassung bieten können.
    ===================================================
    Wenn ich mir die wirren Gehry-Häuser ansehe, muß ich leider zugeben,
    daß da die Stimmung der Zeit erschütternd genau wiedergegeben wird …
    http://images.google.com/images?client=opera&rls=de&q=gehry&sourceid=opera&oe=utf-8&um=1&ie=UTF-8&ei=oWC3SuG7KJqZjAfT1cnGCw&sa=X&oi=image_result_group&ct=title&resnum=1

  33. Das gerühmte Haus - was...
    Das gerühmte Haus – was mehr kann man wünschen? – schmückt sich bescheiden mit drei „Sternen“. Die zusätzlichen zwei bei anderen Hotels sind dann wohl leicht verzichtbar. Oder: Die Essenz liegt wohl doch nicht den Sternen (jedenfalls nicht in den von Fremdenverkehrsbeherbergungsbetriebsstättenwerbetreibenden vergebenen).

  34. @ MG Midget
    Die Gehry-Häuser...

    @ MG Midget
    Die Gehry-Häuser sind in der tat gewöhnungsbedürftig. So lange sie nicht in Massen auftreten, halte ich sie für erträglich, wenn sich ihr architektonischer Witz mit jeder Wiederholung auch abnutzt. Das Materie gewordene Grauen sind für mich diese unsäglichen Einfamilienschachteln und Reihenhausketten, die die Wohnlichkeit eines überfüllten Campingplatzes und die ästhetische Qualität eines Toastbrots ausstrahlen, wie auch die innerstädtische Kommerzarchitekur mit ihren billigen Vorhangfassaden. Was leider völlig untergegangen ist, ist das landschaftstypische Bauen. Noch immer ist das einzige Hilfsmittel, was ein moderner Architekt in der Regel zur Hilfe nimmt das Geodreieck. Diese Schachtelarchitektur wird dann unter Mißbrauch des Bauhauses und seiner Ideen gerne auch noch als Fortschritt bezeichnet.
    Jetzt werde ich sentimental und frage mich, ob es eigentlich schon früher zeitengab, in denen die zeitgenössischen (Architektur-)Künstler sich auch großen Teilen der an Kunst und Kultur interessierten Bürgerschaft so entfremdet hatten, wie heute. So wie mancher Theaterregisseur es als Ausweis seiner Fähigkeiten ansieht, wenn der Saal möglichst leer bleibt, so scheint auch mancher Architekt es darauf anzulegen, mit seinen Entwürfen möglichst starke Schmerzen beim Publikum auszulösen.

  35. @ Don Alphonso
    das ist ein...

    @ Don Alphonso
    das ist ein wichtiges Thema: die Patina. Nichts ist schwieriger, als ein Gebäude in Würde altern zu lassen. Dem steht wohl die deutsche Sucht nach Gründlichkeit im Wege. Da muss noch der letzte Winkel gerichtet und jede Macke verspachtelt werden. Mit ungeheurem wirtschaftlichen Aufwand wird schließlich totsaniert, was man vorher hat verkommen lassen. Italien und Frankreich sind als Vorbilder aber nur eingeschränkt dienlich. Die südliche Sonne taucht alles in ein Licht, das auch Bausünden und Verfall dem Auge erträglicher macht. Denn bei aller Schwärmerei für Italien und Frankreich. Dort häufen sich Beispiele primitiver Architektur unmenschlicher Dimension auch am Rande der bekannten Wallfahrtsorte des guten Geschmacks in unerträglicher Weise. Das moderne Bauen in Form brutalistischer und menschenfeindlicher „Trabentenstädte“ hat dort sogar noch größere Ungeheuerlichkeiten hervorgebracht als bei uns.

  36. Sehr geehrter Herr Midget,
    ich...

    Sehr geehrter Herr Midget,
    ich muß widersprechen.
    Sicherlich ist die moderne Architektur durch die Vulgärmoderne der Nachkriegszeit erheblich in Mißkredit geraten, aber es gibt doch sehr viele Beispiele wirklich hochklassiger zeitgenössischer Architektur, wenn auch sicher nicht vom meines Erachtens völlig überschätzten Fachkollegen Gehry.
    Aber es ist natürlich bei den Bauherren nicht anders als in allen anderen Bereichen, es gibt gebildete und ungebildete, und die ungebildeten sind in der Überzahl.
    Doch sind Beispiele wie die von mir weiter oben erwähnte Villa in Berlin-Dahlem, das Kunstmuseum Bonn von Axel Schultes und Kollegen oder auch Teile der Hamburger Hafencity zeitgenössische Architektur auf höchstem Niveau.
    Auch der Kanzlerbungalow in Bonn, die Hamburgische Staatsoper oder das 4711-Haus in Köln und die Deutsche Botschaft in Washington sind aus dem Zeitgeist entstanden und haben trotzdem Bestand.
    Und ein MG aus den Sechzigern war Ende der Siebziger auch nur ein altes, unmodernes Auto, den formalen, historischen und kulturellen Wert erkannten die meisten Leute erst erheblich später.
    Ich bewohne ein unter Denkmalschutz stehendes Haus von 1957 und kann Ihnen versichern, daß es sich hervorragend darin leben läßt und daß ich es sehr genieße, abends aus meinem Büro in einem klassischen, prächtigen Charlottenburger Gründerzeithaus zurückzukehren in die leichte, luftig-elegante Atmosphäre einer optimistischen, nach vorne schauenden Moderne.

  37. ich spule grade im kopf...
    ich spule grade im kopf zurück zu vicki baum, zu „menschen im hotel“. dieses wunderbar ironische loblied auf das grand hotel. heute, in viel individualistischeren zeiten ist das vom modernen ego geprägte schneckenhaus an diesem und jenem ort eben das non plus ultra.
    das lebensgefühl des grand hotel wird derweil in niedriglohngebieten als all-inclusive-konzept in eigens dafür geschaffenen anlagen zweitverwertet.

  38. yaq12
    Diese Sterne sind...

    yaq12
    Diese Sterne sind ohnehin ein fragwürdiges Kriterium bei der Hotelauswahl. Sie mögen manches bewerten können, aber das Wichtigste nicht: Die Atmosphäre eines Hauses, die entscheidend von den Menschen, die dort arbeiten geprägt wird. Häufig müssen ältere Hotels auch deshalb unter Wert eingestuft werden, weil bestimmte technische Kriterien, wie die Zimmergröße oder für die Klassifizierung erforderlicher Ausstattungsschnickschnack nicht erreicht werden können. So manches First-Class-Hotel ist nichts als eine perfekt laufende Beherbergungsmaschine, die zwar freundlich zu den Gästen ist aber nicht gastfreundlich.

  39. Wozu repräsentieren?
    @Don...

    Wozu repräsentieren?
    @Don Alphonso: Man kann Schlecker natürlich ignorieren oder besser: boykottieren. Ich tue das bei so einigen (nicht nur) „Diskountern“. Das Problem ist nur, es gibt derer so viele! Und es bleibt die Frage, ob der Konsument wirklich die Macht ist, in die er sich da hinein imaginiert? Das Schicksal der Beschäftigten dort ist wenigstens so ernst zu nehmen, wie dasjenige eines Herrn Schlecker eigentlich unernst zu nehmen wäre. Es ging mir auch nicht um diesen Punkt – Seife hin, Seife her -, sondern um die Darstellung der „da oben“, derer die da so ungeniert Klassenkampf betreiben, ohne sich dabei auch nur einmal gezeigt zu haben. Es gibt wohl gar keine bessere Metapher für die Anonymität des Kapitals, als eben genau diesen Schlecker. Und eben genau dies will mir doch in einem kohärenten Verhältnis zu den hier beschriebenen Prunkbauten (vergangener Bourgeoisherr(sch)lichkeiten) stehen. Wie will man herrschen ohne zu repräsentieren, oder muss es lauten: wozu repräsentieren, wenn man eigentlich gar nicht mehr „herrscht“, bestenfalls als ein Skandalon herumgeistert. Wo wird denn der Reichtum zum Maßstab – zum legalen Maßstab – gemacht? Die Reichen werden statistisch auf jeden Fall geleugnet, ansonsten verkriechen sie sich in ihren Villen. So gibt es keinen Reichtumsbericht, sondern nur Armutsberichte (die Reichtümer sind bestenfalls kaschiert, die Armutsberichte natürlich auch, aber bei weitem nicht so verschämt). Man spricht vehement dort von Mittelstand, wo man die herrschende Bourgeoisie meint, die Kapitalistenklasse (siehe: „Zwei Kategorien von Nicht-Nettosteuerzahlern“: http://www.faz.net/s/Rub4D6E6242947140018FC1DA8D5E0008C5/Doc~EEF9C4322233640A29A669D2C031B70C7~ATpl~Ecommon~Scontent.html – „en passé“ müsste es natürlich heißen – ein Übertragungsfehler).

  40. Nur kurz, da keine Zeit. Darf...
    Nur kurz, da keine Zeit. Darf ich dieses Hotel (sehr modern, Spa und Golf sollte man ignorieren) zur Diskussion stellen?
    Ich selbst habe es vor Jahren ausprobiert-und fand es gelungen.
    .
    http://www.dasgogers.at/html/de/bilder_hotel.shtml

  41. Das Pestana Palace in Lissabon...
    Das Pestana Palace in Lissabon ist auch sehr zu empfehlen, unglaublich schöne alte Anlage mit sehr nettem, diskreten Personal und Gästen.
    Ein Traum!! Den Gin Tonic gibt es Abends unter alten Gemälde im Herrenhaus, serviert im Frack und natürlich eingeschenkt vor den Augen des Gastes (nur mit Bombay Sapphire Gin)
    PS: Der letzte Film von Chabrol wurde hier u.a. gedreht, vergessen Sie den Internetauftritt, er gibt nicht ansatzweise die Atmosphäre wieder, aber ein paar Bilder müssen sein (http://www.pestanapalacelisbon.com).

  42. Mit welcher...
    Mit welcher Autohausarchitektur Deutschland nächstes Jahr an der Expo teilnimmt ist auch ganz lustig. Es gibt immerhin ein paar Löcher, durch die man sich die Nachbarpavillons anschauen kann.

  43. Mensch, Konfuzius: das ist ja...
    Mensch, Konfuzius: das ist ja wirklich Architektenhilfsschulgrundkurs. Buh! Aber die HP dieses einfallsfreien Nichtpavillons geht sogar noch schlechter: „A city can be a good place to live – if it provides a balance between renewal and preservation, innovation and tradition, urbanity and nature, community and individual development and work and leisure. That’s the message of the German Pavilion.“ Ein bisschen irgendwie-etwas von allem, v.a. deutsche Selbstpräsentation als totale Entlarvung des kaum noch mittelmässigen.

  44. Konfuzius, das Schauen auf die...
    Konfuzius, das Schauen auf die Nachbarpavillons hilft nicht: die sind alle so (HP der Expo, nur was für starke Nerven).

  45. sándormáraistisch, schön....
    sándormáraistisch, schön.

  46. Jetzt es wieder so weit, daß...
    Jetzt es wieder so weit, daß alle Hoteltips austauschen.
    .
    Möchte kurz nochmal nerven: Was den heutigen Hotels (im Gegensatz zu den noblen „Grand Hotels“ der belle epoque) fehlt, das ist NICHT die geschmackvolle Inneneinrichtung — es ist die dazugehörende „bessere Gesellschaft“ als einer sozialen Schicht, die einen höheren Kulturanspruch auch lebt — und zwar nicht nur jeder bei sich zu Hause (18-Jh.-Möbel mit Stereoanlage zum anhören von alter Musik), sondern eben öffentlich.
    .
    Diese Grandhotels waren sicher auch nur Abklatsch und Simulation. Dort konnte sich der zahlungsfähige Bürger im Urlaub beim Tanz im Salon als das fühlen, was er in seiner Heimatstadt möglicherweise nicht war: Ein Teil der besseren Gesellschaft. Das waren auch die Brutbetten des charmanten Hochstaplertums,der Heiratschwindler, etc. Aber auch das hatte nicht weniger Reiz als ein Dirndlkleid.
    .
    Und heute? Heute gibt es eben einfach keine bessere Gesellschaft mehr, der irgendjemand nacheifern könnte.
    So wie es auch keine Ballsaison mehr gibt. Der Niedergang einer Gesellschaft läßt sich auch daran ablesen, daß die Musikliebhaber in der Staatsoper prozentual stark zunehmen.

  47. @ Dr. Snuggles
    Wenn die...

    @ Dr. Snuggles
    Wenn die Dirndl-Dame Pech hatte, waren alle Hotels voll. Daraus hat sie gelernt dass man zu einem ernsthaften Gespräch mit einem Personalchef einer internationalen Organisation am besten morgens einfliegt, und sofort nach dem Gespräch wieder rausfliegt.
    @ Don Aphonso
    Bitte gestatten Sie mir Ihre Co-Pilotin ausdrücklich von mir grüssen zu lassen.

  48. "Die den Mitbürgern nicht...
    „Die den Mitbürgern nicht darüber mitteilt, wie der Elitist sich seine Rolle in der Gesellschaft vorstellt. Er fährt nach der Arbeit nach Hause wie jeder lebt dort wie jeder, nur ein bißchen großzügiger und komfortabler natürlich.
    Sie erinnern sich an Ihren eigenen Hinweis, wie es früher war: Das Anwesen in der Innenstadt mit zahlreichen Fenstern zur Hauptstraße oder zum Marktplatz hin. Von dort aus konnte man das Schauspiel (Militärparaden, Hinrichtungen, Wochenmarkt, Laientheater, Volksversammlung) direkt vom Fenster heraus beobachten. Aber die Menge konnte auch zurückgucken und registrieren, was der Patrizier tut und denkt. Richtige Bürgerhäuser hatten einen Balkon, von dem aus man bei Bedarf auch eine „Rede an das Volk“ halten konnte.“
    .
    Herr Hans Meier, Sie sprechen mir aus der Seele. Besonders peinlich finde ich das „Zurueckgucken“.
    .
    Militaerparaden gleich Null. Hinrichtungen gerne, aber leider nicht mehr ueblich. Wochenmarkt wegen schlechter Qualitaeten vergessenswert. Laientheater mangels Interesses unprofitabel. Volksversammlung, wo denken Sie hin?
    .
    Der Balkon zwecks Ansprachen ans Volk? Das sehe ich kommen. Ich haette viel zu sagen, aber mir hoert ja keiner zu…
    .
    Gerne wuerde ich mich mit dem Pastor der gegenueberliegenden Kirche verbuenden. Leider hat diese Gemeinde wegen der Knickrigkeit seiner, doch zahlreichen, Mitglieder kein Geld dafuer.
    .
    Dies aber weiter auszufuehren, wuerde uns vom Thema abkommen lassen.
    .
    Das beschriebene Hotel ist mir ein Graus. Selbst sollten die Raeume so gross sein wie D.A. behauptet, auf allen Fotos glaube (!) ich eine zwanghafte, aber lieblose Zusammenstellung von Mobiliar zu erkennen, mit dem Herzen der Besitzerin gestaltet, aber ohne Seele. Nein, es ist eine Vorspiegelung von Stil. Es ist kleinherzig, auch der offizielle Teil des Parks. Der Park ist gross, aber Signora ist klein.
    Ausnahme: Das Federballgelaende. Aber das war ja auch nur durch eine diskrete Seitentuer zu erreichen.

  49. "Erfreut euch am Knirschen!"...
    „Erfreut euch am Knirschen!“
    Welch ein wunderbarer Imperativ, vielleicht lässt sich daraus sogar eine politische Idee formen, die sich dann in Wahlplakaten ausdrückt, auf denen sich weiß ziselierte Auffahrten zwischen englischem Rasen mit der Ahnung von Tudor-Schlössern am Horizont mit beigen Kutscherwegen, die Alleenbewachsen zum Herrenhaus hinaufführen, abwechseln.

  50. @Filou
    Wieso ist zurückgucken...

    @Filou
    Wieso ist zurückgucken „peinlich?“
    .
    Und wenn der Investor vom Balkon aus eine Rede hält, dann sollten die (potentiellen) Auftrags- und Arbeitnehmer schon mal die Ohren spitzen.

  51. Langsam frage ich mich, ob die...
    Langsam frage ich mich, ob die „bessere Gesellschaft“ nicht zu allen Zeiten ihren eigenen Niedergang beklagt hat, einfach unter der Annahme dass die ganzen neureiche Osteuropäer im Jogginganzug per definitionem nicht dazugehören (um es überspitzt auszudrücken).
    Ich habe ja nichts dagegen, wenn mit liebevollem und bewahren-wollendem und auch leicht ironischem Blick auf altertümliches geschaut wird (wie es auch Don Alphonso tut), aber dieses Beklagen des angeblichen Niedergangs aller guter Sitten geht mir manchmal hier ein wenig auf die Nerven. Wer definiert denn was „bessere Gesellschaft“ ausmacht? Doch nur die bessere Gesellschaft selber, die sich dann ja auch mit Händen und Füßen dagegen wehrt, wenn so ein neureicher Osteuropäer im Jogginganzug sich erdreistet, auch zum Skifahren nach St. Moritz zu fahren.
    @Hans Meier: Dieses Zitat müssen Sie mir erklären:
    „Der Niedergang einer Gesellschaft läßt sich auch daran ablesen, daß die Musikliebhaber in der Staatsoper prozentual stark zunehmen.“
    Ist das nicht eher als gutes Zeichen zu werten?
    …………………………
    ich finde Frau Dieners Dirndl übrigens ganz zauberhaft.

  52. die einen formen sich aus...
    die einen formen sich aus hackfleisch wasauchimmer in badewannen,
    die anderen delektieren sich an unendlichem spaß –
    und ich fetischisiere
    durch ausrollende „wagen“ leise knirschende kiesauffahrten.
    .
    danke für den trigger.

  53. Devin: so arm sind auch die...
    Devin: so arm sind auch die Armen in dieser Republik nicht. Ein Armutsbericht der als Armutsmasstab eine relative Zahl nimmt ist schlicht verfehlt. Zumal wir eine ganze Sozialhilfeindustrie haben, die von der „Armutsbekämpfung“ (richtiger wäre wohl Armutsverwaltung, effiziente Bekämpfung würde Arbeitsplätze in dieser Industrie kosten und das kann nun wirklich kein „sozial Gerechter“ wollen) lebt. In einem Punkt gebe ich Ihnen aber ganz recht: es macht wenig Sinn, über all die bösen Discounter (seien es Lebensmittel oder Drogerie) zu schimpfen – selbst aber dort einkaufen zu gehen. Insofern hat auch der Konsument eine nicht unbeachtliche Macht. Allerdings ist es wesentlich einfacher auf die bösen, bösen Kapitalisten zu schimpfen als selbst das eigene Einkuafsverhalten zu ändern.
    HansMeier: ich muss Ihnen da widersprechen. Natürlich gibt es noch eine Ballsaison, natürlich gibt es eine ganze Anzahl von Veranstaltungen der besseren Gesellschaft (fragen Sie einfach mal den Hotelier Ihres örtlichen ersten Hauses). Die stehen aber nicht in grossen Lettern in der örtlichen Presse und die Einladungen sind nicht im Ticketladen zu bekommen. Die werden verschickt, handgeschrieben.
    unelle, Sie sind da auch nicht ganz falsch. Man hat Aufsteiger eigentlich immer beklagt und gern übersieht man, dass die eigene Familie selbst irgendwann mal aufgestiegen ist. Eine Freundin stellt selbst Aufsteigerfamilien der Gründerzeit unter das Etikett der Parvenues (und die haben nun wirklich schon seit mehr als 100 Jahren viel Geld). Der Jogginganzug ist an sich auch nicht das Problem, solange er im Zimmer getragen wird – problematisch ist es aber, wenn er in der Halle des Hotels getragen wird und diese Männer damit zum Dîner erscheinen (streng genommen ist da eigentlich nur black tie erlaubt). Man erlebt da ja schon sehr viel. Jeans, Turnschuhe, T-Shirts, Polohemden. Sport ist vor der Tür aber nicht im Hotel. Es gibt sich das ein oder andere Hotel wo sowas akzeptiert wird – man muss nun, wenn man sich nicht vernünftig kleiden mag, nicht ein Hotel aufsuchen, wo es noch ordentlich dahergeht. Nur um sagen zu können ich war im Hotel B. in St. Moritz (wobei, gehen Sie bloss nicht nach St. Moritz. Dort ist es inzwischen schlimm).

  54. @unellen:
    Nein, das ist kein...

    @unellen:
    Nein, das ist kein gutes Zeichen. Denn der soziale Sinn der Oper liegt ja nicht im Musik-Konsum, sondern im Sehen-und-Gesehenwerden der relevanten Persönlichkeiten.
    @Dipsy:
    Die von Ihnen erwähnten „Veranstaltungen der besseren Gesellschaft nicht in grossen Lettern in der örtlichen Presse stehen“, sind doch nur das Hobby von Westviertelbewohnern, so was ähnliches wie Kegelklubs oder der Fußballverein, nur halt für Besserverdienende.
    Darum kann die Presse das alles auch getrost ignorieren. (Siehe dazu des Dons Artikel: „Die Kanten der besseren Kreise).
    Da hat die freiwillige Feuerwehr in so einem österreichischen Alpendorf mehr soziale Relevanz in ihrem Umfeld.
    .
    @alle:
    Mit Niedergang der Gesellschaft meine ich NICHT das Auftauchen von Osteuropäern und /oder Jogginghosen oder so. Es geht NICHT um Ästhetik, Geschmack oder Inneneinrichtungen. Es geht um die „bessere Gesellschaft“ als gesamtgesellschaftliche Institution, die fähig ist, Integration auch vertikal herzustellen. Das bedeutet zuerst: Sichtbare Präsenz, mit allen Verpflichtungen die daraus erwachsen.

  55. @Andrea Diener:
    Auch ich finde...

    @Andrea Diener:
    Auch ich finde Ihr Dirndl wunderbar. Nur nehmen Sie sich vor allzu charmanten Sportwagenfahrern in Acht, die sich in den Lobbys von Grand Hotels herumtreiben.

  56. HansMeier555, ich bedaure,...
    HansMeier555, ich bedaure, aber eine „bessere Gesellschaft“, die in der Lage wäre, eine gesamtgesellschaftliche Integration herzustellen, könnte das nicht mal in Sack und Asche tun. Einfach schon, weil der Rest keine Lust hat, sich dem nicht immer leichten Leben der Klasse anzupassen. Man stelle sich einfach an einen typischen Berliner S-Bahn-Imbiss und überlege sich, wie man diese Leute zu Tisch bringt, aufrecht sitzend und ohne Ellenbogen auf dem Tisch. Und dann ein passendes Thema finden.
    .
    Dipsy, das Problem ist einfach immer präsent. Schon in Venedig grenzten die alten Patrizierfamilien die „neuen“ Familien auch noch Jahrhunderten aus. Allerdings muss man auch sagen, dass es durchaus auch Bemühungen gibt, das zu überwinden. Überhaupt ist das, was wir heute als deutsches Bürgertum kennen, eine Neuerfindung nach dem 3. Reich. Die Strukturen haben sich erst in den letzten 20 Jahren wieder verhärtet.

  57. swina, manchmal sind es eben...
    swina, manchmal sind es eben die kleinen, feinen Dinge, die zudem nichts kosten.
    .
    unellen, man muss das ganz deutlich so sehen: In der Regel holt man das hervor, wenn andere Methoden zur Audgrenzung noch zu stark oder rechtlich nicht zulässig wären. Es ist die freundliche Variante weniger freundlicher Ablehnung, ein Appel an den Rest, doch so freundlich zu sein und dem Herrn aus Russland zu bedeuten, dass es hinter dem ural auch schöne Pisten gibt.
    .
    Abgesehen davon: Ich denke durchaus, dass wir irgendwann ausgelöscht, oder besser, verändert sein werden. Man schaue sich nur mal die FDP an, von der Wirtschaftspartei im Rauchersalon zur Gaudipartei, in der alles geht, vom arabischen Schwarzgeld bis zum Spasswahlkampf. Bei solchen Debatten geht es also auch um die Frage, wo wir stehen, und wo der richtige Ort zum Verweilen ist.

  58. HansMeier555, da liegen Sie...
    HansMeier555, da liegen Sie grundsätzlich richtig. Es sind am Ende auch nur bessere Fussball- oder Kegelvereine. Unterschätzt werden sollte dabei aber nicht die soziale Kraft solcher Veranstaltungen. Nicht selten wird bei einer Matinée irgend ein armer Künstler unterstützt (die Kapelle bei einem Ball braucht ist eher weniger unterstützungsbedürftig), Arbeitsplätze bei der örtlichen Hotelerie werden gesichert (und das Personal muss dann auch einmal richtig servieren), nicht selten wird auf so einer Veranstalung gesammlt, und es gibt auch relativ kurze Wege um Misstände in der eigenen Stadt zu beheben.
    Die bessere Gesellschaft ist und bleibt es, die sich um das Wohl einer Stadt sorgt.
    Aber, noch etwas zu Ihrer sichtbaren Präsenz. Bei uns in Süddeutschland ist es grundsätzlich problemlos möglich, sich als Teil der besseren Gesellschaft zu „outen“. Wenn auch man zur besseren Gesellschaft nicht allein wegen des Kontostandes gehört, so gehört man doch nicht unbedingt zu den ärmsten der Armen. Nicht selten hört man aus anderen Landstrichen der Republik, dass man sich die bessere Gesellschaft gar nicht traut wirklich nach aussen zu treten. Zu gross sind die Anfeindungen als „Bonze“ etc..
    Ich kann mir durchaus vorstellen, worauf Sie mit Verpflichtungen hinauswollen. Bessere Gesellschaft hat auch etwas mit sozialer Verantwortung zu tun. Nur, wer glauben Sie eigentlich zahlt die Sanierung des Kirchturms und der Orgelrestaurierung, zahlt Beiträge in der Kunst- oder Musikgesellschaft, zahlt sozial benachteiligten Kindern die Ausfahrt der Kirchgemeinde? Es gibt durchaus eine Spendenkultur – allerdings tritt man da ganz ganz leise auf und lässt das nicht wie irgendein Star und Sternchen nach aussen hängen.
    Mit der sozialen Verantwortung hört es aber dann auf, wenn andere bewusst mit diesen Leistungen kalkulieren und dazu „auffordern“ („der kann es ruhig, der hat ja genügend“; „sollen doch die Bonzen zahlen“). Man macht das gern, es bleibt aber freiwillig.
    Ganz nebenbei wird auch niemand ausgeschlossen und nimmt auch gern neue Leute auf. Es scheitert aber nicht selten am Feingefühl dieser Leute.

  59. @HansMeier:
    Ach so, und ich...

    @HansMeier:
    Ach so, und ich Trotteline dachte immer es geht um die Musik! Da habe ich mir damals als arme Studentin immer die Eintrittskarten vom Munde abgespart, dabei hätte ich statt die Musik zu genießen nach relevanten Persönlichkeiten Ausschau halten sollen. Aha, so geht das also.
    Das einzige Mal wo ich bewusst bekannte Leute gesehen habe war beim Beethovenfest in Bonn – zum einen Ranga Yogeshwar (da dachte ich nur: „ui, der sieht ja in echt genauso nett aus wie im Fernsehen“) und Hans-Dietrich Genscher (da dachte ich: „Was, der lebt ja immer noch?“ und „ich glaubs nicht, er trägt immer noch diese albernen gelben Pullunder“).
    Ich wüsste übrigens gerne, was die mit den Verpflichtungen und der Integration und so meinen. Meistens habe ich ja eher das Gefühl, dass es der besseren Gesellschaft hauptsächlich dadrum geht sich vom gemeinen Volk möglichst abzuheben/abzuschotten.
    @Dipsy: Na dann hoffe ich mal dass Sie in St. Moritz ihre löchrigen Pullover im Schrank lassen (wahrscheinlich tragen Sie die eh nur zum understatement) ;-)
    Selber würde ich ich eh nie nach St. Moritz fahren. Die Schweiz ist mir zum Skifahren einfach viel zu überteuert, da fahre ich lieber nach Österreich. Oder wenn der Winter es hergibt ins tschechische Mittelgebirge (die Tschechen mögen es übrigens überhaupt nicht, wenn man sie als Osteuropäer bezeichnet).
    @all: Generell denke ich aber, dass man unabhängig vom Untergang der besseren Gesellschaft überall Leute findet, die unangenehm auffallen: Sei es der Jogginganzugträger im Nobelhotel, der mit-kurzen-Hosen-italienische-Kirchen-besichtigen-wollende Normaltourist oder die Leute, die meinten sie müssten nachts um halb vier durch betrunkenes Gegröle den ganzen Campingplatz wachhalten. Vor schlechtem Benehmen ist auch die bessere Gesellschaft nicht gefeilt.

  60. MaximilanBurggraben, dazu...
    MaximilanBurggraben, dazu müsste man aber erst mal die Partei der Schamlosen Reichen Deutschlands PSRD gründen – und zuerst mal wünsche ich mir das Knirschen zwischen den Zähnen gewisser Politiker zu hören, wenn sie Sonntags feststellen, dass ihre Hoffnungen zerstoben sind.
    .
    Filou, die entsetzte Tippgeberin, die auch in den nächsten Jahren noch ohne Hordenandrang dort verweilen will, wird entzückt sein, dieses Missfallen zu vernehmen. Es ist ganz klar kein Hotel für alle und jeden. Manche Häuser suchen sich die richtigen Besitzer, genauso suchen sich manche Hotels die richtigen Gäste.

  61. Lisbeth Heuse, aber bitte,...
    Lisbeth Heuse, aber bitte, gern.
    .
    Hansmeier555, die modernen Felix Krulls sind ja leider selten geworden, der Heiratsschwindel soll, wenn ich das richtig verstanden habe, durchaus noch am Leben sein, wenngleich geschmälert durch seinen verdorbenen Neffen, den Bordellurlaub. Man kann sich überlegen, was mehr Stil hatte. Früher suchte der Page im Hotel den Kommerzienrat Ochsenbringer, heute plärrt der CFO Ziegenhalter die Firmendetails in sein Mobiltelefon. Nun ja.
    .
    Und ich spiele immer noch federball mit Holzschlägern in Parks. Man lernt Bescheidenheit. Aber manche bleiben stehen und lächeln. Auch nett,

  62. "und überlege sich, wie man...
    „und überlege sich, wie man diese Leute zu Tisch bringt, aufrecht sitzend und ohne Ellenbogen auf dem Tisch. Und dann ein passendes Thema finden“ Tja (schmunzel), das geht schon, braucht aber ca 300 Jahre…

  63. Inette und Filou, vielen Dank,...
    Inette und Filou, vielen Dank, wobei ich sagen muss: ich würde mich in diesem modernen Ding schrecklich veraltet fühlen, wie ein belle epoque Möbel in einem minimalistischen Interieur.
    .
    Was die Expoarchitektur angeht: Man kann sich auch zu viel anstrengen. Aber wer ausser prügelnden Prinzen und Politchargen geht schon auf Expos?

  64. Julius, nun man sagt zwar,...
    Julius, nun man sagt zwar, dass es 300 tage dauert, ein Schiff zu bauen, aber 300 Jahre, um eine Tradition zu begründen – aber hier, denke ich, reichen Eltern, die das an ein Kind weitergeben. Macht 20 Jahre. Das geht.
    .
    unellen: ich sage nur klassenübergreifend: Deutsches Schuhwerk und weisse Socken in Italien. Unausrottbar. Dazu. Kurze Hosen und vorne getragene Wimmerl.

  65. nicht,
    daß ich jogginghosen...

    nicht,
    daß ich jogginghosen (außer in eigenen regresisven phasen) liebe,
    nein!,
    aber
    die gegenwart eines qua einstellungsprofil asozialen bankers oder in seinem narzißmus per positionem gepimpten geschäftsführer, mitgliedes der weißdergeier“loge“ – nur echt in feinem zwirn und budapestern –
    ist
    mir weitaus unangenehmer als
    mr. smith in jogginghose.
    .
    es mag ausnahmen geben …
    beidseits der „betuchtheit“.
    .
    mir ging nur allmählich die oberflächliche blasiertheit, welche ich hier zuweilen lese, gegen den strich.

  66. @Don
    ""... könnte das nicht...

    @Don
    „“… könnte das nicht mal in Sack und Asche tun.“
    Nicht in Sack und Asche, sondern im Nadelstreifen. Warum nicht am erwähnten S-Bahn-Imbiß.
    Gesprächsthema: „Hey, sucht Ihr ’nen Job? Ich brauch jemanden, der mir Leute wie Euch vom Hals hält und dabei eine schicke Livree trägt“.

  67. Dipsy, es stimmt natürlich:...
    Dipsy, es stimmt natürlich: Im Süden hat man einen normaleren Zugang zum Thema Vermögen, als im Norden und im deutschen Mezzogiorno. Ein Freund mit Barchetta drückte es mal so aus: Mit seinem Wagen beachte ihn in Frankfurt niemand, und in Berlin guckte man ihn blöd an.
    .
    unellen, zur Abgrenzung; muss nicht sein, die Existenz der besseren Gesellschaft sagt ja auch indirekt, dass alle anderen qua Definition in einer schlechteren Gesellschaft sein müssen. Nur das sagt niemand so deutlich. (ups)

  68. @Don
    Apropos...

    @Don
    Apropos Heiratsschwindler: Die müssten sich heute eher in den Asamkirchen umgucken. Würde aber auch dort an den erwähnten Fingernägeln scheitern. Sehen Sie: Auch DAS meine ich mit „fehlender Integrationskraft“ der besseren Kreise.

  69. Ja, die Abkürzung ist schon...
    Ja, die Abkürzung ist schon denkbar. aber woher solche Eltern nehmen?

  70. @unellen:
    Heute geht es nur...

    @unellen:
    Heute geht es nur noch um Musik. Das ist ja. Jeansträger können sich den Eintritt leisten, und die Elite kann sich das Wegbleiben leisten.

  71. swina, zum Glück - wie sich...
    swina, zum Glück – wie sich nachher bei einem kaum verhüllten Angriff auf nichtswürdige Bankster und ihre Vorgänger zeigen wird, bin ich nicht nur oberflächlich blasiert, sondern auch tiefgründig hinterhältig.
    .
    HansMeier555, weil gutes Personal geschult werden muss, idealerweise von gutem Personal, und das wiederum habe ich nicht. Selbst ist der Mann.

  72. HansMeier555, wie soll ich...
    HansMeier555, wie soll ich sagen; in Zeiten der Gütertrennung ist das kein besonders effizientes Vorgehen mehr. Dann eher die Ehezerrüttung mitsamt Erpressung, das ist eher die moderne Variante.
    .
    Julius, es hat ja auch Eltern, die denken, dass das ihnen in ihrer Jugend angetane Fastfood ihren Kindern erspart bleiben sollte. Hoffe ich zumindest.

  73. @Dipsy
    Was Sie beschreiben ist...

    @Dipsy
    Was Sie beschreiben ist Wohltätigkeit.
    Die gibt es natürlich und das erkennt jeder an. Aber Wohltätigkeit ist eben ein bürgerliches Konzept. Das hat mit den Feudalismus, den wir wiederhestellen müssen, nix zu tun. Mit „vertikaler Integration“ meine ich Verpflichtungungen, die gegenseitig wirken müssen.
    Das heißt: Man müsste sein Geld so einsetzen (meinetwegen: „sozial investieren“), daß man sich dadurch eine Klientel schafft, die auch persönlich verpflichtet ist.
    Einen Künstler zu fördern würde eben bedeuten, daß dieser auch privat verfügbar ist: An einem Tee-Nachmittag dem Kaffekränzchen Klavier vorspielt und mit relevanten Personen über Literatur und Kunst plaudert. Ohne Honorar natürlich, Kost und Logis stehen ja zur Verfügung.
    Handwerker und Arbeitslose zu fördern würde bedeuten, daß die dann halt auch mal politisch Flagge zeigen sollen: Wenn es etwa um den Bau einer Straße oder eines Einkaufszentrum geht, und warum nicht auch um Wahlen. (Bei einer Wahlkreisgröße von ca. 1000 Wählern pro Wahllokal weiß man doch, wer wie gewählt hat….). Dadurch wiederum könnte sich die lokale Elite politisches Gewicht verschaffen, daß sie insbesondere gegenüber den Landes- und Bundesregierungen gut einsetzen kann. Frau Merkel weiß dann, wem sie 2.000 CDU-Stimmen im Kurort soundso zu verdanken hat. (Die können ja auch mal wegbleiben).

  74. @Don:
    "Gutes Personal muß von...

    @Don:
    „Gutes Personal muß von gutem Personal geschult werden, und das hab ich nicht.“
    .
    Ja, und nicht nur Sie! Genau das ist das Problem. Das muß aber nicht so bleiben. Wir müssen darum kämpfen, daß Leute wieder eher nach ihrem Personal als nach ihrem Auto beurteilt werden. Und das ist keineswegs aussichtslos.

  75. @Hans Meier555: Wenn...
    @Hans Meier555: Wenn Niedergang der besseren Gesellschaft heißt, dass ich mir dann die Karten leisten kann finde ich das gut :-) wobei ich zu meiner Verteidigung sagen muss, dass ich da nie in Jeans hingegangen bin – ich war ja froh, endlich mal wieder einen Anlass zu haben wo ich mein Abiballkleid anziehen konnte (obwohl meins kein Ballkleid, sondern ein Cocktailkleid ist).
    Dazu nur:
    „Gesprächsthema: „Hey, sucht Ihr ’nen Job? Ich brauch jemanden, der mir Leute wie Euch vom Hals hält und dabei eine schicke Livree trägt“.“
    *schock*
    *Kaffee-vor-Lachen-fast-auf-die-Tastatur-prust*
    @Don: Jaja, die weißen Socken. Die scheinen wirklich unausrottbar. Wann kapieren endlich die deutschen Männer dass Michael Jackson (er möge in Frieden ruhen) der einzige Mann auf Erden war der weiße Socken (sogar in Lackschuhen!) tragen konnte ohne dabei völlig bescheuert auszusehen?
    „zum glück […] bin ich nicht nur oberflächlich blasiert, sondern auch tiefgründig hinterhältig“
    das muss ich mir merken 8-) Das sage ich meinem Mann das nächste Mal wenn er mich einen Snob schimpft (meistens wenn wir irgendwo essen gehen wollen, ich ihn von Kopf bis Fuß mustere und dann sage: „Schatz, so gehe ich mit Dir da nicht hin. Zieh Dir bitte was Vernünftiges an“).
    In Berlin wird man übrigens schnell blöd angeguckt, da soll man sich mal nichts draus machen. Nur wenn man ungewaschene Haare, unmanikürte Fingernägel (bei Frauen am besten mit abblätterndem Nagellack), Piercing und Tattoo zur Schau stellt wird man in Berlin NICHT blöd angeguckt.
    (ich wurde mal in der Mensa von einer anderen Studentin gesiezt. Lag wohl an meinem Seidenschal).

  76. Personal bedeutet nur...
    Personal bedeutet nur Verantwortung, und wenn es etwas gibt, worauf ich noch weniger Lust als auf Staubwischen habe – dann ist es Verantwortung.
    .
    unellen, vielleicht ist es auch sinnvoll, den Schatz wissen zu lassen, dass seine Bewertung im Sinken begriffen ist, wenn das Metall nicht wirklich funkelt und auch von anderen beneidet wird.

  77. @Don
    Sehen Sie, jetzt ist es...

    @Don
    Sehen Sie, jetzt ist es raus.
    Gegenüber Ihren schönen alten Gegenständen fühlen Sie sich aber durchaus verantwortlich.
    Das ist halt der Unterschied zwischen ästhetisch verfeinertem, vom kulturellen Restkapital zehrenden Spätbürgertum und einer sieghaften Aristokratie.

  78. @don,
    sie meinte ich nicht...

    @don,
    sie meinte ich nicht einmal … – bislang stehen sie bei mir unter artenschutz,
    .
    @unellen,
    seidenschals sind mir nur als klasse(n)merkmal between in und um bonn herum (in hh weilte ich noch nicht, vermute aber, daß auch dort und anderswo zum blazer das (h-)tüchlein fein getragen wird,) aufgefallen.

  79. Wenn schon, dann...
    Wenn schon, dann Unartenschutz, bitte.
    .
    Und Aristokratie ist nun wirklich nicht mehr nötig.

  80. Ohne kleinlich zu sein: Don,...
    Ohne kleinlich zu sein: Don, über Verantwortung im Leben eines schlechteren Sohnes aus gutem Haus wären ein paar Zeilen schon recht. Die fehlende Bereitschaft zur Verantwortung ist ja etwas, was rundweg allen Männern ihres Alters zugesprochen wird. Wie sieht die praktisch aus und wie begründet sich die in der guten Familie?

  81. Don, sagen Sie's halt der...
    Don, sagen Sie’s halt der Tippgeberin nicht weiter. Ansonsten bin ich Ihrer Meinung. Ich tue mich bei der Hotelauswahl immer sehr schwer, das richtige habe ich bisher noch nicht gefunden. Doch einmal! Ausserhalb von St.-Remy-de-Provence. Ein bisschen zu teuer fuer mich, von einer nonchalanten Eleganz mit einem dezenten Hauch Schlamperei. Ich habe sofort meinen Aufenhalt um drei Tage verlaengert. Mein versiffter Ford Fiesta stand neben einem Maserati Quattroporto, der stand neben einem Megane. Sowas gefaellt mir.

  82. Julius, praktisch übernehme...
    Julius, praktisch übernehme ich die Verantwortung für ein grosses, altes Haus und ein grosses, neues Blog und fahre zudem mit Geschiedenen und anderen Alleinstehenden ohne sexuelle Interessen nach Eichstätt, ja sogar bis nach Meran zur Kur. ds muss auch jemand machen.
    .
    Filou, die Tippgeberin liest das alles. Meine Erfahrungen mit französischen Hotels sind, vorsichtig gesagt, durchwachsen – in Paris etwa lief das Hauptabwasserrohr des Hotels durch die Duschkabine.

  83. Don, stimmt. Kann passieren....
    Don, stimmt. Kann passieren. Ich vergesse niemals mehr ein Badezimmer, das vollstaendig mit Teppichboden beklebt war. Bis zur Oberkante Badewanne!
    Meine liebe Frau pflegt uebrigens immer einen Satz Wachskerzen einzupacken, um so manches Elend zu verschleiern. Die Mitnahme eigener Bilder wurde sogar erwogen, aber als unpraktisch verworfen.

  84. @Don
    Doch ist eine neue...

    @Don
    Doch ist eine neue Aristokratie nötig.
    Ohne Aristokratie keine Kultur, das sollte in den letzten 250 Jahren doch klargeworden sein.

  85. Silberne Teekanne, eigener Tee...
    Silberne Teekanne, eigener Tee und eigenes Porzellan sind mitunter der letzte rest Zivilisation, an dem man sich festhalten kann, wenn es einen etwa in ein Holiday Inn voller Berater und Vekäufer mit Trolleys verschlägt (wobei ich da eher den Rücksitz des Sunbeams bevorzugen würde).

  86. Onkel Don, da bin ich dann auf...
    Onkel Don, da bin ich dann auf Ihre Memoiren gespannt: „Der ihr die Tür aufhält – Erinnerungen eines Begleiters“ oder „Nach der Scheidung ich – Hilfestellungen eines Federballes“?

  87. Sowas hab' ich nicht, aber...
    Sowas hab‘ ich nicht, aber eine kleine Kaffeemaschine. Die kommt schon mal mit. Ach so; Weinglaeser, sonst muss man aus Plastikbechern trinken. Die gibt es schon ab 4* aufwaerts. Das ist echter Niedergang. Holiday Inn ist die aeusserste Notadresse, die haben auch immer einen Hosenbuegler im Raum. Brauche ich allerdings nicht. Ich trage notorisch Jeans, besitze aber eine Diner-Jeans. Die muss mir eingepackt werden, selber tue ich das nicht.

    So, war nett hier. Ich muss jetzt wieder an die Arbeit. Schade, schade.

  88. Don,
    Ihr Wüten gegen die...

    Don,
    Ihr Wüten gegen die Ziehkoffer in allen Ehren, spätestens nach dem ersten Bandscheibenvorfall (beim Federballspiel?) nehmen auch Sie bestimmt Abstand vom selbst-geschleppten soliden Lederkoffer mit Holzeinlage. Vor allen Dingen bei all den Sachen die Sie jetzt noch als unabdinglich erachten. Fliegen Sie mal von Amsterdam oder FFM zum Beispiel nach Luxemburg. Da ist Ihr Flugsteig zwei Kilometer entfernt. Viel Spass beim Tragen!

  89. Don, der Julius trifft da...
    Don, der Julius trifft da schon einen Punkt. Ich habe vorhin auch Deinen Artikel über dieses italienische Hotel gelesen und habe gedacht: Schade, wirklich gute Schreibe, aber an jeder Ecke porentief durchtränkt von einem kleinlichen, großbürgerlichen Ressentiment.
    Das ist so massiv, das es tatsächlich wie bei Julius Neugier darauf weckt, was da eigentlich beim Autor los ist. Ich persönlich stelle mir einfach vor, dass man sich als intelligenter Mensch mit Geld („übernehme Verantwortung für ein großes Haus“) doch irgendwie anders entwickeln müsste, entspannter, jedenfalls nicht derart auf irgendwelche Distinktions-Merkmale fixiert, wie sie hier den Ausgangspunkt quasi jeden Artikels bilden. Vielleicht liege ich da aber auch ganz und gar falsch.
    Aber ich könnte mir vorstellen, dass es mir in dem folgenden Punkt wie Julius geht: Ich vermisse in Deinen Texten eine Weiterentwicklung, das Ringen um eine Innenschau. Will sagen, man spürt schon diffus, dass es in Deinen Texten auch emotional ums Geld, um Zugehörigkeit geht, aber eben zugleich, dass Du an der Stelle irgendwie auf der Vollbremsung stehst, nix rauslassen willst. Das macht es etwas strohig, steril, vorhersagbar.
    Du kannst mehr!

  90. Weiterentwicklung? Warum...
    Weiterentwicklung? Warum sollte man? Ich frage das ganz im Ernst. Ich sehe als Historiker sowas wie „Entwicklung“ nicht. Die Geschichte lehrt, dass „Entwicklung“ nicht wirklich existiert, sondern eine grandiose Einbildung ist, unterbrochen von anderen Formen der Einbildung. Gäbe es sowas wie Entwicklungm gäbe es heute in deutschland keine unverstaatlichte Bank mehr. Das sind die echten Probleme, nicht meine Sentimentalität. Darum geht es auch im nächsten Beitrag ganz zentral.

  91. @Julius
    wir sind hier in einem...

    @Julius
    wir sind hier in einem Salon und nicht in einer maoistischen WG.
    .
    Jeder gibt selber von sich preis soviel er möchte und penentrantes Nachfragen menschlich nicht vertretbar.
    .
    Für den Rest gibt’s Agenturen.

  92. Lisbeth Heuse, Danke für die...
    Lisbeth Heuse, Danke für die Grüße.
    Hans Meier, Sportwagenfahrer können mich nicht beeindrucken, da braucht es schon mindestens etwas altes, grünes, britisches, und wer hat heute sowas noch? (Ach so, halt – Moment. Da war was.)
    .
    Ansonsten arbeite ich an meinem Mut zum Dirndl. Solange es die alten, unverrüschten Arbeitsdirndl noch gibt, muß man sie aufkaufen und in Ehren halten. Was nachkommt, ist Polyester made in China oder überteuerter Designquatsch.

  93. Wohltätigkeit ist was...
    Wohltätigkeit ist was Schreckliches.

  94. @ A. Diener: Ja, stimmt, das...
    @ A. Diener: Ja, stimmt, das war was. Aber wo ist es hin?

  95. Nichts gegen Trolleys. Niemals...
    Nichts gegen Trolleys. Niemals im Leben wollte ich einen Rollkoffer, bis eines Tages in Rom…
    …es ist schon etwas laenger her, und der Vorfall ist nicht unpeinlich. Das Taxi setzt uns vor einem Hotel der besseren Mittelklasse ab, der Hausdiener erscheint, uns beim Gepaeck zu helfen. Der Herr ist schon fortgeschrittenen Alters und mueht sich gar sehr. Neben einer (sehr relativen) guten Erziehung besitze ich auch Mitgefuehl. Also nahm ich dem Herren den schwersten Koffer ab und quaelte mich mit diesem Stueck bis in die 3te Etage (kein Lift).
    Hm, seitdem wird gerollt. Mit zwei Trolleys. Der eine ist ein Edelprodukt, der andere von Tchibo. Der von Tchibo ist meiner. Und die Gesinnung ist christlich.
    .
    Werft also nicht mit Steinen nach Trolleys, sondern schleppt in Demut Koffer!

  96. @Julius: Es ist die wunderbare...
    @Julius: Es ist die wunderbare Wandlung zur Immoblie geschehen.

  97. Vor etwa 2000 Jahren bestand...
    Vor etwa 2000 Jahren bestand die Welt aus Feuer, Wasser, Luft und Erde. Immerhin ahnte ein kluger Geist die logische Struktur des Problems.
    Man erkannte, daß Dinge, die leichter sind als Wasser, schwimmen. Daraus schloß man das Vögel leichter seien als Luft. Diese Art die Welt zu sehen war immerhin so unterhaltsam, daß wenig später Newtons Principia erschienen, Maxwell die Elektrodynamik begründete und (aus dem gleichen Übermut) Gibbs die Theorie der Wärme. Und weil auch kleinen Dingen Beachtung zukommt: Dirac und v. Neumann die Quantenmechanik.
    Keine Weiterentwicklung ?
    So urteilt einer, dem das alles Indianerland ist. (Wie China)
    Die Frage ist eher, wieso die kulturelle Welt in zwei Teile zerfällt, deren einer sich zur Stagnation verdammt sieht ( oder sich berufen fühlt?).
    Damit will ich keinesfalls einer literarisch- psychologischen „Weiterentwicklung“ Ihrer Person das Wort geredet haben.

  98. @ Filou: Lag unterm Tisch vor...
    @ Filou: Lag unterm Tisch vor Lachen! Gratuliere zum klaren Wort!

  99. Filou, der übernächste...
    Filou, der übernächste beitrag ist ein Koffertest – an einem 80 Jahre alten Koffer. Der schon ohne Gepäck 8 Kilo wiegt. Man muss so etwas eben sportlich nehmen.

  100. Ich habe vor, "das, was war"...
    Ich habe vor, „das, was war“ zur Buchmesse in FFM abzuholen.

  101. Sehr geehrter Herr...
    Sehr geehrter Herr Filou,
    Trolleys sind die Opel Vectra’s des Reisens.
    Ungefähr so stilvoll wie Turnschuhe mit Klettverschlüssen und Funktionsjacken über Trevira-Anzügen.
    Nur akzeptabel für Senioren mit kleiner Rente. Sie haben etwas entwürdigendes.
    Natürlich sind sie praktisch. Jogginghosen sind auch praktisch.
    Außerdem macht man sich an den Rollen permanent die Hosen schmutzig, wenn man das Ding trägt. Und den Bouclé-Teppich der umgeklappten Notsitze im Elfer, auf den man ihn ablegen muß, noch dazu.
    Martin Suter hat in „Business Class“ den endgültigen Text dazu geschrieben.
    „… man würde auf eine Operation der Wirbelsäule verzichten können, würde er in Zukunft eine einseitige Belastung derselben vermeiden. Er entschied sich für die Operation.“

  102. HansMeier555: Ich weiss nun...
    HansMeier555: Ich weiss nun ehrlich gesagt gar nicht worauf Sie hinauswollen. Wenn wir von Künstlern sprechen (dieses Wort wird heute leider sehr inflationär gebraucht), dann will ich mein Geld (bzw. das meiner Familie) eigentlich überhaupt gar nicht so einsetzen, dass sich irgendwer verpflichtet fühlt. Entweder überzeuge ich durch meine Person oder eben gar nicht. Und irgendwelche Gefälligkeitsbesuche irgendwelcher Leute will und muss ich nicht ertragen wollen (davon habe ich wirklich schon genug). Eine „echte“ Freundschaft kommt da zumeist nur mit Leuten zustande, die zwar Muse haben, aber auch nicht auf meinen Kaffee angewiesen sind.
    Ganz nebenbei: ich weiss auch gar nicht, ob ich Wahlwerbung für diese Kanzlerin machen will.

  103. Don, bin gespannt. Ich besitze...
    Don, bin gespannt. Ich besitze einen Samsonite (von wegen „Igitt!“) von 1983. Den setze ich dagegen.
    Halt! Das kann ich nicht. Ich bin ab Freitag, na wo schon, in Fronkreisch. Koennen Sie das nicht verschieben? Ich wuerde Sie so gerne mit unseren Koffern beim rosenfingrigen Morgen in der Waldlichtung zum Transportbehaelterduell treffen. Die Sekundanten stuenden mit ernsten Gesichtern um den Dienstmann vom Hauptbahnhof…

  104. Herr Servatius, bei Koffern...
    Herr Servatius, bei Koffern bin ich aus Bequemlichkeit tolerant. Bei Wirbelsaeulenoperatinen kaemen mir doch Bedenken. Aber auch da bin ich sportlich: als mir der Kardiologe eroeffnete, dass ich zur Vermeidung eines Infarktes blutdrucksenkende Medikamente, mit der Moeglichkeit der Impotenz, zu nehmen haette, entschied ich mich zum Herzinfarkt.
    Dann doch lieber Trolley. Wollte ich irgend etwas ideologisch sehen wollen, wuerde ich Kommunismus vorziehen.

  105. Freitags, lieber Filou, kann...
    Freitags, lieber Filou, kann ich auch nicht, denn da backe ich für einige Bekannte Zwetschgendatschi – Donnerstag Mitteg, nehme ich an, wird es soweit sein.

  106. Man kann den Trolley ja mal...
    Man kann den Trolley ja mal links, mal rechts ziehen. Einen alten Koffer, der übrigens viel leichter ist, habe ich auch.
    Also ich verpflichte mich gerne. Das war bei uns Chinesen schon immer so. Allerdings sind wir auch bei der Entwicklung top, Marxismus ahoi!

  107. Donnerstag passt. Freitag muss...
    Donnerstag passt. Freitag muss ich weg. Es wird ein kurzes Gemetzel.

  108. Filou & Don: Fotodokumentation...
    Filou & Don: Fotodokumentation für alle wäre nett.

  109. Ich nenn mal ein Beispiel:...
    Ich nenn mal ein Beispiel: „Der Bajazzo“ von Thomas Mann. Genial gemacht. Wie da ein junger Mann, der „ausgesorgt“ hat, den Horror erlebt, vom wahren Leben abgeschnitten zu sein. Das ist mal ein interessanter Text, was Reichtum aus einem Menschen machen kann.
    In Deinen Texten kommen dagegen z. B. Menschen bestenfalls mal als Staffage vor, als satirisch skizzierte Klischee-Typen oder als Randfiguren. Dabei müsste es doch in dem Milieu, in dem Du Dich bewegst, vor allem ohne Ende interessante Menschen geben (nicht nur Möbel, Geschirr und Villen). Warum beschränkst Du Dich quasi auf Flohmarkt/Reiseführer/Internet-Geschäftsideen-Kritik? Das will mir nicht recht in den Kopf (aber es ist natürlich Deine Autoren-Karriere).
    Und dass Du keine Weiterentwicklung siehst: Ich glaube, das liegt daran, dass Du zuviel nur über toten Plunder von vor hundert Jahren berichtest. Ich meine, ich glaub Dir ja, dass Du davon wirklich begeistert bist, aber erweitere doch diese Schilderungen etwas mehr (auch) auf das lebendige Material. So langweilig kann die Welt der Besserverdienenden doch gar nicht sein!

  110. <p>so in...
    so in etwa?
    .

  111. Wie Armut Arbeitsplätze...
    Wie Armut Arbeitsplätze schafft
    @Dipsy: „so arm sind auch die Armen in dieser Republik nicht“. Sorry, dass ich jetzt erst antworte, aber ich war etwas irritiert, sowas hier zu lesen. Ich frage mich, ob Leute, die solches sagen, ein wenig zu blasiert, unwissend, versnobt oder einfach nur ignorant sind. Ich denke fast, von allem etwas. Armut kann man nicht an der Armut in anderen Verhältnissen messen. Und ich nehme an, dass solange die Leute hier nicht so arm sind wie eine Rikschakuli in Kalkutta, erkennen Sie in Deutschland keine Armut. Die Armut in Deutschland ist die der Armen in Deutschland, in deren Verhältnis zum Reichtum – hier! Daher gehört beides zusammen! Mit Reichtum meine ich letztlich, den von der Gesellschaft geschaffenen, welcher von wenigen angeeignet wird.
    Ähnliches gilt für „effiziente Bekämpfung würde Arbeitsplätze in dieser Industrie kosten…“. Leeres Gerede und/oder neoliberale Propaganda. Es sei denn Sie meinten, dass Arbeitsplätze nur noch da sind, weil wir einen festen Arbeitslosensockel haben. Einen solchen nämlich, der den noch Arbeitenden ständig vor Augen führt, was ihnen blüht, wenn sie auf dumme Gedanken kommen. So was schafft natürlich Arbeitsplätze. Hierin wäre ich mit Ihnen einverstanden.

  112. Ja. Und das "Gemetzel" (sagt...
    Ja. Und das „Gemetzel“ (sagt Filou, nicht ich) bitte auch. Nur so für unter uns.

  113. Praktische Sicht auf die...
    Praktische Sicht auf die Welt
    Fliegen ist das Reisemedium der Massengesellschaft, und hierbei sind schwere Koffer (ob Samsonite oder alte Lederkoffer) indiskutabel. So ein Rimowa hat schon was, allerdings ist auch der mir beim ersten Einsatz anständig verbeult (und nur recht mäßig wieder hergestellt) worden. Und die alten Koffer, so charmant sie aussehen, bei den neuen Autos verkratzen sie nur die Kunststoffverkleidung des Kofferraums. (Und wer will sowas bei Zugreisen mit sich rumschleppen und womöglich auf die Ablage raufwuchten?)
    Ich habe so einen kleinen Lederaktenkoffer (mit Messingverschlägen) – auf dem Flohmarkt erstanden -, da habe ich wichtige Dokumente drin, solche, die ich nie mit mir rumschleppen muss, oder die so wichtig wären, dass sie möglichst schnell zur Hand sein müssen (bei einem Wohnungsbrand zum Beispiel), zu mehr taugt das Zeug halt heute nichts mehr.
    Aus einer ein wenig praktischen Sicht sollte man die Welt schon sehen.

  114. Darum testen wir am Donnerstag...
    Darum testen wir am Donnerstag ja auch ein vollgestopftes altes Ledermonster im Monsun auf Herz und Nieren. Und zwar eines mit aufgesetzten Kanten und dicken Nieten. Das Stück, das nicht verbeult wird, sondern andere verbeult. Das Leben ist hart, und es gibt zu viele Trolleys auf der Welt.

  115. (Ich wollte explizit keinen...
    (Ich wollte explizit keinen Koffer, sondern einen Trolleyschlächter)

  116. mit verlaub, der begriff der...
    mit verlaub, der begriff der aristokratie ist so unterschiedlich wie unterschiedlich die monarchien es waren. man sollte doch bitte ein wenig differenzieren :)
    & nein, das stimmt, man braucht heute kein versailles, dessen zentrum das schlafgemach des königs darstellt, um die rangordnung & etc. definieren zu können.
    aber ohne aristokratie gäbe es doch heute keine silberne kannen.. :)

  117. Architektur & Einheitlicher...
    Architektur & Einheitlicher Stil
    .
    Ob es sich nun um das vom Don vorgestellte Hotel handelt oder welche Gebäude auch immer: am besten, man läßt gute Architektur in ihrem ursprünglichen Stil und erhält sie, statt zu „modernisieren“. Was gibt es schlimmeres, als diese toten profan modernisierten Hotels? Ein Albtraum. Gegenbeispiel: das Tantris in München. 1971 zur Olympiade in Sichtbeton gebaut, rote Plüschteppiche an der Decke. In den 90er Jahren nicht gerade populär der Look, aber bis heute praktisch unverändert. Und jetzt? Wahnsinn!!!
    http://www.tantris.de/
    .
    @Devin08 – zum Rimowa Koffer wäre zu sagen, daß die eine Serie aus superweichem Plastik im Programm haben (Salsa), mit Reißverschluß! Erst dachte ich, was soll denn das für ein windiges Ding sein? Das Prinzip folgt aber eher einer Tasche: das Material verformt sich leicht und nimmt danach wieder die ursprüngliche Gestalt an: unverwüstlich! Gewicht: 4kg. Made in Europe.
    .
    Mein Vater hatte vor 20 Jahren mal einen LV Reisekoffer angeschafft, Don-Alphonso-Class, schönes Ding mit seinen Initialen und sehr praktisch für die Kleidung mit der oberen Lade zum herausnehmen. Zum Fliegen natürlich untauglich. Sehr „sinnvolle“ Anschaffung, dekoriert nun meinen Schrank…

  118. Manchmal finden sich noch so...
    Manchmal finden sich noch so alte Kästen mit einer gewissen Atmosphäre, das ist dann immer sehr nett, vor allem wenn es klappt, die auch noch zu bewirtschaften. Ferienwohnungen sind für Familien, Gruppen, Projektler, aber 2 Erwachsene mit Auto und Reiselust sind in einem richtigen Hotel besser dran.

  119. Verehrter Don,

    erlauben Sie...
    Verehrter Don,
    erlauben Sie mir zu fragen, ob Ihre 4 Wohnungen kreditfinanziert sind oder Ihnen wirklich gehören.

  120. Kredite sind Teufelswerk!...
    Kredite sind Teufelswerk!

  121. colorcraze, ich würde jetzt...
    colorcraze, ich würde jetzt mit Kindern auch nicht gerade in ein Grand Hotel gehen, aber ich denke, so wie ich reise, ist es angesichts geringer Bindung für mich perfekt.
    .
    mawu, das Tantris hatte das Glück, bewirtschaftet zu sein. Das Schlimmste sind Besitzerwechsel von Leuten, die immer alles neu machen wollen.

  122. Don Alphonso,
    Sie haben es...

    Don Alphonso,
    Sie haben es geschafft, die Atmosphäre in Stresa so treffend zu beschreiben. Seit vielen Jahren verbringen wir verregnete und sonnige Wochenenden in einem Haus oberhalb von Stresa und bringen unsere Gäste auch mal im Hotel du Parc unter. Nicht nur dort scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, den gleichen Eindruck hat man in der Bar Gigi, wo es die besten Brioches im Umkreis von 100km gibt, in den Booten zu den Inseln, in der Merceria Pirovano, deren Auslagen seit den 50er Jahren, die ich selbst nicht erlebt habe, nicht mehr verändert wurden. Kommen Sie einmal zurück, wenn schönes Wetter ist.

  123. Wegen der angesprochenen und...
    Wegen der angesprochenen und möglichen „Kostenfrage “ – und weil wir in der einen Welt leben, noch drei Sätze von uns, nur kurz angefügt:
    .
    Hier http://www.palace.it/de/galerie.htm – der Innenarchitekt musste auch nicht sehr sparen. Hat aber, wie die Bilder der Innenräume im Vergleich zu Don’s Bildern zeigen (scrollen), sein Geld auch sinnvoll und dem Anlaß angemessen angelegt. Sogar noch sparsam. Auch der Bauherr, welcher offensichtlich schon eigene fundierte und feste Vorstellungen mitbrachte, (siehe andere Videos vom Haus, in denen er sich persönlich an uns wendet) – sowie wohl auch Kenntnisse von anderen ähnlichen Objekten des Weltmarktes – er hat gewußt, was er wollte, und sein Wollen ggfls. sogar noch etwas zurückgenommen, denn der Stil für solche Objekte an sich liegt zum großen Teil, wie bekannt, bereits fest, war und ist vorgeprägt.
    .
    Und auch die im Unterbewußten zumindest immer vorhandenen Ganzheitlichkeits- und Gelungenheitsansprüche an Räume oder Ensemble „eben wie aus einem Guß“ sind bekannt. Je höher der Bildungsgrad der Klientel (hier: im Umgang mit Spitzenhotels resp. Spitzeneinrichtung), desto höher Gewohnheitsgrad und Erwartungshaltung.
    .
    Was dem aber wie bekannt auffällt, und worauf es wohl vor allem ankommt – ist wohl, dass erstklassige Handwerker für die Ausführung zur Verfügung standen. Die Qualität der Ausführung macht den Unterschied. Fast nicht die Qualität des Entwurfs.
    .
    Wir sagen es nochmals: Das man es so macht und machen muss, nämlich das vorfindliche Erbe an Erinnerung an aristokratische Einrichtungsweisen und -stile höchstens behutsam weiterzuentwickeln, wohl völlig selbstverständlich – zumal für uns Menschen aus Deutschland (arm an Bodenschätzen, dafür aber ausbildungs- u. kenntnisgetrieben).
    .
    .
    Und auch wie andere Entwürfe heute und genauso leicht gemacht werden können – für andere Zwecke: http://images.google.de/images?sourceid=navclient&hl=de&rlz=1T4GZEZ_deDE308DE308&q=zaha+hadid+architects&um=1&ie=UTF-8&ei=BT2-SvHjH8GG_AadrJRz&sa=X&oi=image_result_group&ct=title&resnum=4
    .
    Wie sagt die zu recht allseits hochgeschätzte Zaha Hadid? „Die Idee zu haben, den Entwurf zu machen ist so leicht, („Genie ist kein Problem“), aber es durchzusetzen, es nicht mal so sehr den Bauherren erklären zu müssen, das und warum gerade so – aber der restlichen Welt, das ist und bleibt so enervierend“. Recht hat sie.
    .
    Und bleibt: Wo immer ich von mir spreche, zeige ich vor allem die Grenzen meiner Kenntnis/Erkenntnis auf.
    .
    Zu glauben „das gibt es heute so nicht mehr“ ganz sicher nicht richtig. Oder heute eher nur in Deutschland so nicht mehr. Dafür aber an anderen Orten oder Stellen. Und wir Mitteleuropäer waren und sind stark beteiligt.
    .
    „Die herausragende Inneneinrichtung ist in den letzten gut zehn Jahren vor allem eben auch schwimmen gegangen“ – weil der Kunde sie an Land schon hatte, oder den Neid satt. Z. B. http://www.tamsen.com/ 41m Yacht / Interior oder http://www.oystermarine.com , Moment warten, der Film läuft von selbst an
    .
    http://www.oldenburger.com/yacht-interior.html
    .
    „Monaco Yacht Show, Monte Carlo Auf dem Oldenburger Stand der Yacht Show wird nicht nur Handwerkskunst gezeigt, sondern auch live gebaut. …“ – Und: „Die Oldenburger übernehmen auf Wunsch die Projektierung des Innenausbaus kompletter „Superyachten“. Dabei steuern wir jedes Projekt vollständig im eigenen Haus: Erfahrene Projektleiter, kompetente Konstrukteure und fachkundige Tischlermeister bilden zusammen ein Expertenteam, das ausgefallene Wünsche Wirklichkeit werden lässt. …“
    .
    Aber nur am Rande.

  124. @filou und @julius

    hier ein...
    @filou und @julius
    hier ein Flohmarktext aus dem Jahr 1973 zum Thema Weiterentwicklung (von Roland Barthes), den man nur ein wenig entstauben muß und schon paßt er wie angegossen:
    „Eine Gesellschaft von Sendern“
    „…die Wollust zu schreiben, zu produzieren, drängt sich von allen Seiten heran; meistens bewegen sich die Texte dahin, wo nicht nach ihnen gefragt wird; sie begegnen zu ihrem Unglück „Beziehungen“, nicht Freunden und noch weniger Partnern, was zur Folge hat, daß diese Art kollektiver Ejakulation der Schreibweise, in der man die utopische Szene einer freien Gesellschaft sehen könnte (in der Wollust zirkuliert, ohne ihren Weg über das Geld zu nehmen), heute die Züge der Apokalypse annimmt….“
    Istvan
    Das Untenstehende zersetzt im übrigen jeden Text und zwar innerhalb von zweieinhalb Sekunden:
    Zitat:
    „…@ Don Aphonso
    Bitte gestatten Sie mir Ihre Co-Pilotin ausdrücklich von mir grüssen zu lassen…“
    „…@Andrea Diener:
    Auch ich finde Ihr Dirndl wunderbar. Nur nehmen Sie sich vor allzu charmanten Sportwagenfahrern in Acht, die sich in den Lobbys von Grand Hotels herumtreiben…“
    „Andrea Diener22. September 2009, 15:34
    Lisbeth Heuse, Danke für die Grüße“
    Istvan

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