Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Die unfeine unenglische Unart

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Im 18. Jahrhundert eiferte der schnupftabakverschmutzte Freiherr aus Deutschlands morastigen Flusstälern der französischen Mode nach. 3 Jahrhunderte später schnupft der Berliner Professional vielleicht anderes Zeug oder nimmt eventuell Ritalin, und sein Blick richtet sich nicht mehr nach Paris, wo die Autos wie in seiner Heimat brennen, sondern nach London, wo es noch Society's geben soll, und Lady's und Gentleman's. Und jede Menge Traditionen, die besser als die eigenen sind, und die so wunderbar in seine Weltstadt passen.

Members of the Public committing suicide from this tower do so at their own risk.
Lord Berners, Inschrift des Aussichtsturms seines Hauses in Faringdon

In der Altstadt von Verona findet sich ein Herrenausstatter, der sich, holzgetäfelt und mitteldüster, in der ganzen Aura britischer Eleganz produziert. Man findet dort – keine 300 Meter von meinem italienischen Schuster entfernt – feinste englische Schuhwaren, deren Preis zwei-, dreimal feinster als der meiner Schuhe ist, und ebenso feinste Stoffe, deren feinste Kosten noch zu steigern sind, wenn man dort nicht von der Stange kauft, sondern nähen lässt und dann im englischen Koffer mit nach Hause nimmt. Draussen gehen alte Italienerinnen mit den üblichen Insignien ihrer und der jungen Japanerinnen Gattung vorbei, bleiben stehen und überlegen, wie sie ihre Männer dazu bringen, sich ebenfalls dort einzukleiden, und nicht mehr diese italienischen Schuhe mit ihrem Zuhälter-Appeal zu tragen, der sich in Berlusconis Landen hartknäckig einer Kultivierung widersetzt.

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Dieses Geschäft ist in Verona nicht unbedingt deplaziert, es liegt in einer feinen, diskreten Seitenstrasse, aber ich finde, sie sollten unbedingt nach Deutschland expandieren. Denn bei uns fänden sie sicher begeisterte Kundschaft, nachgerade in angesagten Unternehmer- und Politikerkreisen zu Berlin, wo man eben jenes England seit ein paar Jahren für sich entdeckt hat, und es inzwischen ausgiebig zur feinsten Steigerung der Reputation nutzt. Buzziness-Denglisch nämlich ziemt sich ab dem mittleren Erbsenzählermanagement nicht mehr, ab einem gewissen steuervermeidungsfördernden Einkommen muss es schon echt britisch sein, am besten auch mit so einem allerfeinsten, allerbritischsten Apostroph, wie es jene Veroneser einsticken, und es sich unter all den Personality-Peer’s und Hunnen-Hon’s der Berliner Republik grösster Wertschätzung’s erfreut.

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Denn die dort zusammenströmende, selbst definierte Elite hat ein, sagen wir mal, Stil- und  Legitimationsproblem. Berlin war stets bestenfalls zweitklassig, wenn es nicht gerade der Sitz von Diktatoren und geschmacklosen Herrenmenschen war, und in deren Tradition zu stehen erscheint angesichts der langen Halbwertszeit von Geschichte, namentlich der deutschen Geschichte nicht wirklich schicklich. Gerne wird die kurze Blüte der Stadt zwischen Kaiser und Hitler zitiert, aber auch das war, man schlage nach bei Mehring, Goll und Hollaender, nur begrenzt eine grosse Zeit, mit Hunger, Strassenschlachten, Inflation und Arbeitslosigkeit. Also ist man an dieser tabula rasa des Stils und der Geschichte stillschweigend überein gekommen, sich eine anderen Kultur und ihre Erscheinung anzumassen: Die Kultur der Briten zu ihren besten, kolonialen Zeiten, ist eine Art grösster gemeinsamer Nenner der dort tätigen Aufmerksamskeitsmaschinisten. Eigentlich schon sinz 1966.

Als ich zur Präsentation der Zeitschrift „Der Freund“ im sog. Journalistenclub des Springerhochhauses zwischen all den runtergetretenen Webteppichen und verbeulten Sektkühlern war, wurde mir das von diversen Mitarbeitern des Hauses während der Bebröselung des Bodens versmalltalkt: Dass Axel Springer hier oben unbedingt die Atmosphäre eines englischen Clubs haben wollten. Edel. Gediegen. Manche Kollegen, die nicht Neigung, sondern ein armes Elternhaus und Broterwerb zum Journalistendasein brachte, und die offensichtlich nicht den Unterschied zwischen einem echten Teppich und Hotelware kannten, schrieben das auch. Das Absteigenambiente lobpreisend, flegelten sich die Mitarbeiter auf überstrapazierten Ledersesseln, trugen Rolex Submariner und hielten die Teller mit dem Buffetessen äussert nah an den oberen Eingang ihres Verdauungstraktes. In englischen Club hätte man ihre Mitgliedschaft für dieses Benehmen vermutlich mit der schwarzen Kugel aus der Elefantenbüchse beendet, aber das ist Berlin. Da hat es Tradition, wenn es von ganz unten nach vierteloben britelt.

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Da gibt es, um in jenem Haus zu bleiben, Figuren wie einen gewissen Herrn Körzdörfer aus der Oberpfalz, deren Zugehörigkeit zu Bayern man als Landeskind nur unter Folter zugeben würde; ein Herr, der sich in Berlin einen englischen Namen „Blieswood“ zulegte und eine Stilkolumne in der Bildzeitung schreibt (man halte kurz inne und vergegenwärtige sich die Abgründe, die sich in diesem Satz auftun). Aus dem reichlich unprätentiösen Nürnberg gesellt sich ein gewisser Herr Poschardt bei der „Welt“ dazu, der, grosszügig ein Opfer vergessend, Freundlichkeiten über den Veranstalter einer tödlich endenden, britischen Raserveranstaltung mitteilt, sie und ihre Teilnehmer gleichsam in die Tradition der englichen Exzentrik stellt (http://www.welt.de/vermischtes/article3622974/Gumball-3000-das-Leben-auf-der-Ueberholspur.html), und über die polo-, Polo!behemdete Stilsicherheit von FDP-Mitgliedern fabuliert.

Nicht ohne Witz ist es dann, wenn hauptstädtischen Medien Begriffe wie „Ehrenmann“ oder „Dame“ nicht mehr ausreichen, und man bereitwillig englische Titel wie „Society-Lady’s“ oder „Gentleman’s“ wie sonst nur Verdacht auf Geschlechtskrankheiten und Scheidungen verteilt, angefangen bei der TV-Prominenz über Spassparteileute bis zum Haarschneider. Der stete Vergleich mit London – ist nicht die Friedrichstrasse fast so bedeutend wie die Bond Street, ist die Galerieszene nicht ebenso gut wie an der Themse, kommen nicht viele Briten hierher, denen London zu teuer ist – rundet das Verhältnis von Vorbild und Nachahmung ab. Eine „Upper Class“ hat man noch nicht, weil man sich unsicher ist, ob man dahinter noch ein ’s anfügen kann, und mit Klasse hat man es in Berlin nicht so, aber bei Society’s ist das kein Problem. Society’s trifft man im Adlon im postkolonialen Tscheinah Klapp, wo die dazugehörigen Firmen gerade ein paar unfeine Probleme haben, über die die Chefin nicht so gerne redet, wie etwa über ihren neuen Laden an der Friedrichstrasse. Aber immerhin: Die Firmenbesitzer sammeln angeblich britische Roll’s Roy’s, und fördern die Ausbreitung des Polosports in den unwirtlichen Weiten Mecklenburgs, das angesichts der Probleme in Heiligendamm und trotz grenzenloser Golfplatzmöglichkeiten wohl eher nicht so schnell zu Mecklenborough`s wird, so sehr das dem Lebensstil der neuen Briten auch entspräche.

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Die es, zugegeben, natürlich leicht haben, sich in den ideologischen Ruinen der Briten auszubreiten. Das England, das von den Rinnsteinschreibern bis zu deutschen Einrichtungszeitschriften als Stilbrennsuppe durch die Zeilen schwappt, ist nach Aussage der darin lebenden Briten wie Nancy Mitford oder Evelyn Waugh mit dem 2. Weltkrieg untergegangen. Das deutsche Beschmachten des Impire’s ignoriert nicht nur die eigene Herkunft aus finstersten deutschen Käffern. Es übersieht den Niedergang einer Nation, die ihre besten Häuser versteigern musste, das Silber in den 70er Jahren einschmelzen liess und ihre bekanntesten Marken an Amerikaner, Inder, Ägypter, Chinesen, Deutsche und – siehe Asprey – an die Familie des Sultans von Brunei verkaufte. Diese Blindheit erst macht Deutschbritannien zu jener idealen und konkurrenzlosen Berliner Erbgrafschaft, in dem man gepflegt beim Tee über die neuesten Affair’s spricht, vielleicht noch eine Style-Zeitschrift oder einen Grill Room oder einen holzgetäfelten Taylor’s gründet, die paar in Berlin ansässigen Läden mit britischen Waren besucht, und Frau Merkel zur norddeutsch-fastschonenglischen Vollendung von Frau Thatcher erklärt. Die Briten haben dank dieser Person und ihren Folgen gerade andere Probleme, als sich um die Bastardisierung ihrer Vergangenheit an der Spree und den angeschlossenen Städten zu kümmern.

Natürlich gibt es auch in der kleinen, dummen Stadt an der Donau einen Golfclub und englische Antiquitäten. Nur käme hier niemand auf die Idee, jemanden als Gentleman oder Lady zu bezeichnen oder sich anderweitig mit schlechter englischen Aussprache zu blamieren; das wäre in höchstem Masse peinlich und alles andere als ein Kompliment. Als „Ladies“, ergab eine Recherche im Internet, bezeichnen sich nur ab und an jüngere, für körperliche Freuden inserierende Frauen. Männer mit gutem Benehmen nennt man „Kavalier“. Eventuelle Adressaten haben englische Titel in einer weitgehend intakten und seit Generationen einbetonierten Klassengesellschaft nicht nötig, und wer es nötig hätte, gehört nicht dazu. Ungewollt – und vermutlich würden sie sich hier auch mit Händen und Füssen gegen den Vergleich wehren, weil man mit ausländischen Sitten nichts zu tun haben will – sind diese überkommenen Kreise erheblich näher dran am nicht weniger überkommenen britischen Gesellschaftsmodell, als jene Bewohner der Spreeinsel im ostdeutschen Morast, die sich nach der Zusammenrottung mit dem ’s erst noch ihre eigenen, zukunftstauglichen Klassengrenzen erfinden und dann mit neuen Netzwerken gegen den Rest abschotten müssen.

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Wenn es aber stimmt, dass es drei Jahre dauert, ein Schiff zu bauen, aber 300 Jahre, eine Tradition aufzubauen – dann haben die neuen Briten a. d. Spree jetzt seit dem Bau des Springerhochhauses noch 257 Jahre Zeit zum Üben, Versuchen und Abstürzen – und ich bin mir sicher, dass sie bis dahin auch einen Weg gefunden haben, an ihre Upper Class das edle ’s anzufügen: Upper’s Class etwa entspricht voll und ganz den Zielen jener Gesellschaft.

Offenlegung: Enstanden ist dieser Text auf einem englichen Mahagonischreibtisch, ca. 1870, und mit einer ebenso englischen Teekanne von Mappin & Webb, 1887 – aber der Mahagonistuhl kommt aus Wien des Biedermeier und die Lampenfüsse aus Italien, ca. 1770, die Biedermeierkerzenhalter aus dem Badischen, die Kuchengabel aus Würzburg und das Porzellan aus, ähm, also, der Oberpfalz, die, glaube ich, heute zu Österreich gehört.

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147 Lesermeinungen

  1. Großartig. Schlicht's und...
    Großartig. Schlicht’s und einfach ein großartiger Text. Awesome.

  2. Tja, beknackt´s.
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    Auf der...

    Tja, beknackt´s.
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    Auf der anderen Seite (des Kanal´s): Lord Berner´s Flachwitz lässt um den englischen Humors fürchten.

  3. Was ist, von dem "oberen...
    Was ist, von dem „oberen Eingang ihres Verdauungstraktes“ abgesehen, deren „unterer“?

  4. Das 'bessere' England ist...
    Das ‚bessere‘ England ist ohnehin in Frankreich zu finden. Dort neigt man noch immer zur flächendeckenden Kultur-Kultivierung, verliert sich nicht allzu sehr im Nachäffrausch und hat es meistensteils mit freundlichen Umgangstönen zu tun. Und wenn es unbedingt klassenkämpferisch zugehen muss, so pflegt man auch hier einen eigenen Stil.

  5. Ja, der Siegeszug des 's ist...
    Ja, der Siegeszug des ’s ist leider kaum aufzuhalten – egal, wie deplatziert es wirkt, ganz zu schweigen von der zumeist sogar inkorrekten Nutzung.
    ’so lieber Don Alphon’s, noch einen schönen häppie Monday’s.

  6. ach ne, watt herrlisch, don. -...
    ach ne, watt herrlisch, don. – ich kriege heimweh nach berlin.

  7. Refjur, bitte, gern...
    Refjur, bitte, gern ge’schehen.
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    Juliu´s, Lord Berner’s galt zu seiner Zeit als sehr geistreich, aber ich dachte, nach der letzten Nacht steht mir der Sinn nach etwa’s Niedrigem.

  8. @ Wunderwelt: ich glaube,...
    @ Wunderwelt: ich glaube, erotische Vorlieben gehören nicht zu den in guter Gesellschaft zu erörternden Themen.
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    Tja, stimmt schon, in München kann (konnte) man sich stilvoll pleite bummeln. In Berlin nicht. In bairisch Sibirien auch nicht, aber das ist ja, tröstend Sie sich, nur an der Peripherie.
    Grossartigen Stil hat schon Chateaubriand in Berlin vermisst, wenn er von der Schmuddeligkeit des Soldatenkönigs (oder ein anderer, vielleicht verwechsele ich) schreibt, und davon, dass bei Einfahrt des Königs ein murkeliger Wachmann strammsteht und das Gewehr überlegt, während in Frankreich da eine riesige Zeremonie war. Und was will man von einem Ort, dessen zuständiger König seinerzeit Kohl auf der Terasse seines Wochenendhäuschens pflanzte?
    Ich versuche mich stets zu trösten mit dem Gedanken, dass ein Zugereister wie Sie an die bessere einheimische Gesellschaft doch nicht herankommt und Ihre Krittelei am Ziel vorbei trifft. Aber wenn ich an einen Auftritt des damaligen Bürgermeisters Diepgen – der vom bürgerlichen Lager – in grünem (!), das war Anfang der 90er Jahre, Anzug den Gang zum Pult schlurfend und eine Ansprache vor lauter korrekt gekleideten und sich haltenden, meistens auswärtigen Gestalten nuschelnd, dann habe ich einige Zweifel.
    Nun ja, alles geht vorrüber…
    Wahrscheinlich hätte ich meine Zweifel für mich behalten sollen, als sie vor unfreundlich gesonnenen Menschen herauszuflennen. Aber der Anstand gebietet doch auch manchmal da recht zu geben wo es sein muss.
    Im übrigen weiss ich nicht ob ich Ausländern von Münchenern reden würde, wenn ich Freundlichkeit, Zurückhaltung und Höflichkeit illustrieren wollte.

  9. Wunderwelt, Informationen dazu...
    Wunderwelt, Informationen dazu bekommen Sie bei jenem Mitarbeiter, der sich am meisten kritiklos um das Wohlergehen der Vorgesetzten bemüht,
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    Ephemeride, ich tendiere ja dazu, das Beste aus allen Welten zusammenzutragen. Mein Schuster etwa spaziert durch die Veroneser Strassen mit jenen Geschäften, und wenn ihm eine Form gefällt, dann schaut er, dass er sie besser nachmachen kann. So etwa sind meine italienischen Norweger entstanden. Schwarz mit weissen Nähten! Von den Französen würde ich gern mehr Möbel haben, allein, die wissen leider, was sie haben.

  10. abfeldmann, bitte - ich hoffe,...
    abfeldmann, bitte – ich hoffe, es ist ein etwas anderes Berlin als zwischen Reichstag und Dutschke-Strasse.
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    Don Nutella, dass sie es nutzen und falsch machen, wäre nicht schlimm, denn die Mutter der Idioten ist immer schwanger. Was mich entsetzt zurücklässt sind die Orte, zu denen es vorgedrungen ist – und der Stolz, es a la anglaise zu tun. Wie etwa ein Sternerestaurant am Tegernsee: Blabla’s Villa am See. Schrecklich. Nicht nur die Mutter der Idioten ist immer schwanger.

  11. Werter Don, was haben Sie...
    Werter Don, was haben Sie gegen die Rolex Submariner? Sind Sie nicht selbst Rolex-Träger? Ich meine, dies in einem Ihrer Blogs mal gelesen zu haben.

  12. Im London von heute muss man...
    Im London von heute muss man entweder in eine von 10 akzeptablen Schulen gegangen sein und/oder einen Oxbridge Abschluss haben. Man laeuft in ausgetretenen Turnschuhen herum und zelebriert leisen Witz und gutes Essen. Alles was Amerikaner als teuer erkennen würden ist verpönt. Man läd in „our little place in the countryside“ ein, hat kein Profil auf asw und braucht auch keines.
    Warum ist Deutschland nur so protzig wo England so dezent ist?

  13. icke, bei der Gelegenheit...
    icke, bei der Gelegenheit empfiehlt sich nachzulesen bei Lesage, der hinkende teufel, auf dessen Mantel alle Nationen Europas beschrieben sind, wie auch die teutschen Landen, und das im Vergleich, was die Sache schlimm macht.
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    Schlimmer als Diepgen – oder Momper – war selbst aus der bayerischen Fernsicht dieser gewisse Herr Lummer, bei dem ich nicht verstanden habe, was der eigentlich mir Bürgertum zu tun hat. Oder dieser Gafron. Was ich so erlebt habe, kam mir vor wie das, von dem ich erwarten würde, dass ich es in Köln erleben würde – die Stadt, das ist Haffeloher. Heute eben in englischer Maskerade.

  14. Felix, ich habe zwei reichlich...
    Felix, ich habe zwei reichlich alte und zerkratzte Oyster Perpetuals. Am liebsten trage ich aber Gruen (die gibt es zum Glück nicht mehr, ich mache also keine Werbung) oder Longines. Die Submariner wollten bei uns die Arztsöhne mit 18. Das ist heute genauso peinlich wie der Musikgeschmack mit 18, solange man vermutlich nicht in Berlin lebt und bei Welt oder Bild mittelleitend arbeitet. Aber das sind in der regel ja auch keine Arztsöhne, die haben vielleicht Nachholbedarf (zu viel Hineinversetzen in einen Springermitarbeiter macht krank und anderes).
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    Tristan, so schlimm ist Deutschland auch nicht immer, es gibt reizende, dezente Menschen in allen Klassen, unabhängug von Schulen und Familien. Das ist mir auch sehr wichtig, und die Vorstellung, dass Parvänüh’s das ändern möchten und versuchen, das über eine gewisse konsumdefinierte Ironie Berliner Drittklassigkeit zu betreiben, missfällt mir. Meines Erachtens: Inneres Wissen, dass man Geschichte letztlich nicht kaufen kann.

  15. "Eine "Upper Class" hat man...
    „Eine „Upper Class“ hat man noch nicht, weil man sich unsicher ist, ob man dahinter noch ein ’s anfügen kann…“ – danke, danke, danke!

  16. Ja, in der Tat, was den...
    Ja, in der Tat, was den Verbreitungsgrad angeht, scheint die Mutter auch noch einige vermehrungswillige Brüder und Schwestern zu haben. Mich nervt das Getue mittlerweile etwas. Wir Deutschen müssen es mit jedem Trend übertreiben, aber das leider konsequent. Diesem Fall haben wir blöderweise das „British Understatement“ übersehen und hauen ordentlich auf die Kacke, was die eigentliche Intention der feinen englischen Art gerade wieder ad absurdum führt. Ein typischer Fall von Worschtkäs (worst case).

  17. Ad Schulen und Familien:
    Das...

    Ad Schulen und Familien:
    Das ist es eben, was mich an England so freut und an großen Teilen Kontinentaleuropas stört. Damit man in Paris/Wien/München einen Fuß auf den Boden bekommt, muss „man“ schon die Großeltern gekannt haben. Dazuzugehören funktioniert nur über Blut und Boden Folklore und nur teilweise über Bildung. Im UK kann jeder brilliante 13jährige in Eton/Westminster/Charterhouse/Rugby etc. etc. als Stipendiat aufgenommen werden und jeder Neureiche kann seine Kinder mit dreistelligem IQ in ebendiese Schulen mit 50k€/a einkaufen. Die soziale Durchlässigkeit ist viel eher gegeben. Der Ärztesohn ist plötzlich nicht mehr (nur) Ärztesohn sondern ein Old Etonian und weiss, dass man eine Rolex nur tragen kann, wenn der eigene (Ur)(ur)(groß)Vater damit den Ärmelkanal durchschwommen oder einen 8000er erklommen hat. Sonst muss sie wohl in einer Schublade bleiben.

  18. Verehrter Don Alphonso,
    von...

    Verehrter Don Alphonso,
    von Verona nach Berlin in sechs Sätzen. Ist diese Reise noch vergnüglich, wird es nach Erreichen des Ziels langweilig. Ja, Berlin ist ein Emporkömmling unter den europäischen Millionenstädten. Berlin ist keine Weltstadt. Berliner sind provinziell und unkultiviert, also auch schlecht gekleidet. Die Stadt ist häßlich, das Essen schlecht. Man trifft in Berlin entweder Berliner (igitt) oder zugereiste Parvenüs zwischen verbeulten Sektkühlern und auf Industrieteppichen. Der Deutsche als solcher ist/ißt sowieso ohne eigenen Stil und versucht deshalb verzweifelt, abwechselnd den Franzosen, Engländer oder Italiener zu geben. Summa summarum: Es ist einfach furchtbar! Ohne jede Aussicht auf Besserung. Was können wir nur tun? Ich kauf´mir in Inge´s Backshop erstmal einen Donut.

  19. Ariadne, mit dem grössten...
    Ariadne, mit dem grössten Vergnügen, bitteschön.
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    Don Nutella, ich glaube nicht mal, dass das „alle“ Deutschen sind, sondern nur ein Marketingtrick gewisser Deutscher (mein Sohn studiert natürlich in Oxford, wo kämen wir denn da hin, wenn es woanders wäre) für gewisse andere Deutsche (wow, die müssen ja fette connektschns haben). Blöderweise hat man halt, was man in Deutschland hat, und man ist, was man ist. Auch mit britischer Tünche ist es immer noch eine deutsche Wand. Das ist in Ordnung, solange man nicht versucht, eine britische Wand daraus zu machen. Dann nämlich wirkt es so lächerlich wie die indischen Paläste der spätviktorianischen Epoche, überidentifiziert, peinlich.

  20. Lieber Elbsegler, da muss ich...
    Lieber Elbsegler, da muss ich Ihnen widersprechen. Die Deutschen essen doch nicht ohne eigenen Stil! Jede Region hat ihre eigenen Spezialitäten, das macht die deutsche Küche sehr abwechslungsreich, auch wenn es ihr vielleicht kein einheitliches Erscheinungsbild verpasst.

  21. Don Alphonso, da haben Sie...
    Don Alphonso, da haben Sie natürlich Recht. Die große Mehrheit findet diese Marketingsprache genauso albern wie ich, was die Minderheit aber nicht davon abhält, ihre creative Idea’s weiterzuverbreiten.

  22. <p>elbsegler, im Gegensatz zu...
    elbsegler, im Gegensatz zu anderen finde ich die deutsche Tradition in vielen Bereichen gar nicht mal so übel und durchaus auch zukunftsgeeignet, wenn man die richtigen Schwerpunkte setzt. Von Hochgeschwindigkeitsgesellschaften und Dauerreform und Weltmarktanpassung haben wir ja erst mal genug gehabt, ich könnte jetzt mal eine Pause brauchen, um noch Abgehetzteren beim Krepieren zuzuschauen. Danach kann man nachdenken, was man wirklich aufheben und in den Vordergrund stellen möchte. Ich mag Deutschland. Ich mag es, wie es ist. Und man muss überhaupt nicht anderen nachrennen, es gibt phantastische Landgasthöfe in Bayern, und sicher auch Gutes in Berlin – solange man es mit Augenmass macht. Die Gastronomie im angesprochenen Adlon hat angeblich eine sehr geringe Auslastung – mei, moderne chinesische Küche ist nicht jedermanns Sache, und schon gar nicht jederberliner’s. dafür kenne ich auch in Berlin ein paar wirklich gute Konditoren mit schwäbischer Herkunft.
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    Tristan, dafür haben wir eine famose Durchlässigkeit nach unten. Gut, das ist nicht so fein, und das Argument mit der Bildung…. das Problem ist, dass… es ist so: Gestern habe ich 10 Minuten nach 12 in Pfaffenhofen vier Ansichten des Fuji von Hokusai aus einer Kiste gezogen. Stück 5 Euro. Tausende müssen daran vorbeigegangen sein und sie gesehen haben. Keiner hat es erkannt, und das ist schon hart. Bildung ist bei uns eben sehr konventionell, und damit nicht sehr hoch bewertet. Schlimm. Aber ich sehe das ja auch hier, sobald es inhaltlich komplexer wird, Stichwort Romreise, gehen die Zahlen in den Keller. Und dabei ist die Veranstaltung hier sicher eine der anspruchsvolleren Kolumnenserien im deutschen Internet. Ehrlich gesagt sehe ich generell nur wenig Interesse an Bildung. Egal ob oben oder unten. Man ist mit Bildung oft der Exot.

  23. Noch schlimmer als Asprey's...
    Noch schlimmer als Asprey’s ist es der Encyclopedia Britannica ergangen.

  24. Woher die Abneigung gegen die...
    Woher die Abneigung gegen die Oberpfalz??
    Von außen betrachtet unterscheiden sich Ingolstadt und z.B.
    Weiden nicht sehr.
    Und wenn die Automobilindustrie den gleichen Weg wie die Porzellanidustrie gegangen ist, werden beide gleich sein!

  25. Interessanter Artikel,
    nur...

    Interessanter Artikel,
    nur sollte der Autor die deutsche Rechtschreibung beherrschen.
    „Straße“, „größer“ und „Füße“ werden weiterhin mit „ß“ geschrieben
    und nicht mit „ss“.

  26. Ein original Hokusai kanns...
    Ein original Hokusai kanns doch wohl kaum gewesen sein, niemand der nicht um seinen Wert wüsste hätte ihn je in die Finger bekommen.

  27. @ Don A. und icke: Weia, was...
    @ Don A. und icke: Weia, was für Ideen! Da bleiben´S besser in der Stilkritik.
    Wo ich gerade in der Gegend bin: Herr Don, maulen´S so tüchtig über Berlin und seine Vergangenheit, weil´s fei piekt, dass in Wirklichkeit München die „Hauptstadt der Bewegung“ war? ´

  28. Alta, de Engländer gehn...
    Alta, de Engländer gehn nieder, ok. Aber schon mal gemerkt voll krasse Niedergang von Doischland?

  29. Der Moslem, nun, wenn man UK...
    Der Moslem, nun, wenn man UK heute mit dem Empire vergleicht, dann war die Insel damals die führende Wirtschaftsmacht der Welt. Und heute?
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    Wunderwelt, was München angeht, bin ich komplett schmerzfrei, speziell während des Oktoberfestes. Nur rennen dort nicht massenhaft Journalisten und Medien rum, die mit der Nase kaum über den Kehricht kommen und trotzdem so tun, als sässe man stets nur im Carlton und nehme Butter zu den Keksen. Ich würde München heute nicht mehr ertragen, deshalb wohne ich ja auch nicht mehr dort.

  30. Don Nutella :
    Aber welche...

    Don Nutella :
    Aber welche LAndesküche hat shcon ein einheitliches Erscheinungsbild? Die englische Küche nicht, ebenso wenig die de Franzosen, Italiener, Spanier.. einfach keine? abgesehen vll von der amerikanischen, aber selbst da gibt es regionale Unterschiede!

  31. antares, das ist ein steter...
    antares, das ist ein steter Konflikt, und ich kann nur sagen: Ich schreibe ss. Immer. Schriftstellerische Freiheit. Ich könnte anders, will aber nicht.
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    Tristan, die Frage nach der „Originalität“ ist bei einem Ukiyo-e schwer zu beantworten. Jedenfalls tragen sie ein Kaufdatum in den 70er Jahren, ein Bapperl einer sehr gute Galerie, die eigentlich keine Kunstdrucke führt, und deutlich erkennbare Altersflecken. Lebenszeit? Nachdruck im 19. Jahrhundert? Ich weiss es nicht. Der Markt ist halt nicht gerade für seine Asiatica bekannt. Überhaupt glaube ich nicht, dass „ich“ die Dinge finde. Die Dinge finden mich.

  32. @Don Nutella
    Mit Ihrer...

    @Don Nutella
    Mit Ihrer Bemerkung rennen Sie bei mir offene Küchentüren ein. Mein Beitrag entstand unter dem Eindruck der mal wieder erschütternden Erkenntnisse des Dons zu Berlin im Allgemeinen und dort anzutreffender Personen im Besonderen und war deshalb nicht ganz ironiefrei.
    @ Don Alphonso
    Ihre Beobachtungen sind sicher zutreffend beschrieben und ich bin dankbar für jeden Tag, dass ich zu dieser Sorte Mensch so gut wie keinen Kontakt haben muss. Berlin besteht aber nicht nur aus dieser Möchtegernwelt. Der ungebildete Adabei ist einschließlich seiner ungelenken Versuche der Selbstaufwertung gerade wieder in unübertrefflich hoher Dichte auf dem sogenannten Volksfest in München namens „Wies`n“ beim Gute-Laune-Verströmen zu beobachten. Dieses Spektakel mit München oder den Münchnern gleichzusetzen, wäre billige Polemik.

  33. An icke:

    Die englische...
    An icke:
    Die englische Gesellschaft als Musterbeispiel für eine durchlässige Gesellschaft? Häh? Ich glaube, das Beispiel taugt nicht viel.

  34. Don Ferrando, die...
    Don Ferrando, die Automobilinsdustrie geht bereits den Weg aller Überkapazitäten – man warte auf Opelneuigkeiten jetzt nach der Wahl. Aber es wird immer welche geben, die überleben. Inmitten der Krise hat diese Stadt 3,1% Arbeitslosigkeit. Wer einen Job braucht, bekommt hier einen. ich kenne einen Facharbeiter, der mehr verdient als ein überdurchschnittlicher Redakteur einer normalen deutschen Zeitung. Moit weitaus weniger Arbeit. Ich finde es auch nicht perfekt, wie es hier ist, aber es ist schon gscheit gut, wirtschaftlich betrachtet. Die Oberpfalz – mei, da waren wir geschäftlich auch mal, ist aber schon 200+x Jahre her, Steuereintreibung. Gutes Gesc häft, aber wohnen wollten wir dann doch nicht dort. Abgesehen davon laufen da wirklich, also, sagen wir mal, leute rum, die man auch als normaler Bayer kaum versteht.
    .
    B.A.H., wenn ich höre, dass Harrods nun eine Art Schrein für einen jüngst verstorbenen Kommerzpopsänger einrichten will, muss ich sagen: Es gibt Schlimmeres als den Tod.

  35. Achja, nachdem der ostgotische...
    Achja, nachdem der ostgotische Genitiv nun endlich akzeptiert, wenn auch nicht überall geliebt wird, kommen wir nun zum Plural mit ’s. Noch jemand Pomme’s Frite’s? http://www.schalkefan.de/?p=782
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    Und da ich grad hier bin – irgendwelche Landstriche mit intakter Sozial-und Krankenversicherung in Sicht, in die man auswandern könnte (Also ausserhalb von Merkel’s und Westerwellen’s Gnaden)?

  36. Don Nutella, ein paar Stunden...
    Don Nutella, ein paar Stunden in den angesagten Orten am Tegernsee zeigt leider, dass Menschen das sehr wohlo ernst nehmen und goutieren, weil es so englisch daherkommt. Die Menschen, das sage ich nach dem gestrigen Abend im vollen Bewusstsein, möchten nicht die wahrheit hören.
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    elbsegler, ich bin zu der zeit immer aus München geflohen, zuerst wegen der Australier, aber dann immer mehr auch wegen der Einheimischen oder was sich in München so nennen darf. Glauben Sie es ruhig: Das Fest ist Fleisch vom Fleische.

  37. Finmike, nach längerer Zeit,...
    Finmike, nach längerer Zeit, in der ich an die autonome Provinz Südtirol, aber weniger an den sinkenden Lebensstandard in Italien dachte, denke ich gerade wieder an Südfrankreich, wo der Franzose sein rebellisches Leben im Zweifelsfalle bei Leistungskürzungen auch ausspielt. Portugal ist sehr fein, wenn man etwas Geld mitbringt, und bei Sintra und Estoril stehen auch ein paar nette Villen.
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    Tschonni, was soll man zu einem Land sagen, in dem der Teebeutel das Erscheinungsbild des Tees ist, wie früher in Deutschland.

  38. @ Don Alphonso: der Lummer war...
    @ Don Alphonso: der Lummer war wahrscheinlich das ES des Bürgertums. Und Momper war ein Roter, als solcher nicht unbedingt zu bürgerlichem Betragen gehalten. Landowski ist übrigens Franke. So, jetzt aber Schluss, sonst wird das hier noch ein Veteranentreffen.

  39. @ Zweifler: ich bezweifele...
    @ Zweifler: ich bezweifele nicht, dass Sie mich mit Tristan verwechseln.
    Ich halte Deutschland, zumindestens Berlin, für relativ durchlässig wegen der Möglichkeit des Aufstiegs über den zweiten Bildungsweges.

  40. Sehr geehrter Don,
    im August...

    Sehr geehrter Don,
    im August war ich in ebendieser Gasse mit dem Herrenausstatter. In dessen Nachbarschaft befanden sich weitere englische Modegeschäfte für Sie und Ihn. Wunderbar. Aber nicht wirklich neu – wenn man aus Hamburg kommt. Die bessere Gesellschaft kommt übringens aus Hamburg. Nicht aus München, nicht aus Starnberg-Schmarrnberg. Man wohnt in Hamburg! Also, wenn man aus Hamburg kommt, kennt man den Brit-Schick von Kinesbeinen an. Da steht das alte Jaguar-Coupé mit dem älteren XJ nebenan in der Kiesauffahrt der alten Familienvilla mit Elbblick und der Harristweet hängt von kleinster Größe aus Kindestagen neben dem abgeschrabbelten Modell mit Lederflicken an den Ellenbogen, das ich aktuell trage. Wunderbar, gekauft vor drei Generationen bei Ladage&Oelke, Staben oder Peek&Cloppenburg. Häuser, die es länger gibt als München urkundlich erwähnt wird. Sehr schön. Hier im Norden wird die britische Lebensart mit der Muttermilch eigesogen und verinnerlicht. Es sei denn man prügelt sich in schwarz gekleidet mit der Polizei, wenn man sich mit dem hanseatischen Elternhaus verkracht hat.
    Jedenfalls wäre man gerne ein hanseatischer Londoneinwohner und trägt, fährt und lebt englisch seit Anbeginn der Zeiten.
    Beste Grüße von der Alster
    MvB-B

  41. "Berlin war stets bestenfalls...
    „Berlin war stets bestenfalls zweitklassig, wenn es nicht gerade der Sitz von Diktatoren und geschmacklosen Herrenmenschen war, ..“
    Meint (sicherlich nicht): war also erstklassig mit Diktatoren und Herrenmenschen.

  42. @ D.A. Bildung lohnt sich...
    @ D.A. Bildung lohnt sich nicht. Das ist es doch, was der breiten Masse seit Jahrzehnten immer wieder vor Augen geführt wird. Und mit Bildung meine ich damit nicht den Abitur oder Studium. Fast jeder Depp schafft heute ein BWL, Lehramts- oder sonstiges Studium. Aber erwähne ich in meiner Vorlesung Manns „Mephisto“, Joseph Beuys (finde ich persönlich albern, aber man sollte doch wenigstens mit dem Namen etwas anfangen können), Iustinian oder den Kulturkampf Bismarcks, schlägt mir in der Regel völliges Unwissen entgegen. Und diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.
    Zu DDR-Zeiten war es mit der humanistischen Bildung ohnehin nicht weit her, was ich aber rückblickend fast verstehen kann, denn jede Konsum-Verkäuferin mit 8.-Klasse-Abschluss hatte mehr Einfluss (Wer bekommt noch eine Flasche Radeberger oder drei Bananen?), als ein Lehrer oder Professor (Parteikarrieristen ausgenommen). Und das ist heute im Prinzip noch genau so.

  43. Tschonni, keine! Und das ist...
    Tschonni, keine! Und das ist auch gut so!
    elbsegler, stimmt, jetzt wo Sie es sagen, fällt mir das mit der Ironie auch auf… Tja, auch für mich gilt: Manchmal heißt lesen nicht verstehen ;-)
    Don Alphonso, Sie halten sich viel zu oft an angesagten Orten auf. Besuchen Sie doch mal die nicht so angesagten! Um es mal flott und trendy auf Fernsehsprachisch zu formulieren: „Colour your life!“

  44. An icke:

    Sie haben Recht....
    An icke:
    Sie haben Recht. Entschuldigung bitte. Die Frage ging an Tristan.

  45. Sind es die Leser- und/oder...
    Sind es die Leser- und/oder Kommentarzahlen, die bei Romreise und ähnlichem sinken?
    Gerade von diesen Beiträgen kann man doch etwas mitnehmen, den Ansporn nicht im Tal vom Hier und Jetzt zu bleiben, sondern bei sich selbst für Perspektive und Weitblick zu sorgen. Aber vielleicht ist das auch schon wieder zu viel Aufwand für manche.
    Something completely different: Über Herrn Lummer nachzulesen war ein unschönes Erlebnis, brrrrr.

  46. <i>...wurde mir das von...
    …wurde mir das von diversen Mitarbeitern des Hauses während der Bebröselung des Bodens versmalltalkt…
    Sprache verbeugen. Und die Sprache verbeugt sich vor dir. Sehr gut.
    Ich bin dankbar.

  47. @ Zweifler: keine Ursache, und...
    @ Zweifler: keine Ursache, und nichts für Ungut wegen des Spiels mit Ihrem alea.

  48. @icke RICHTIG!!! neuerdings...
    @icke RICHTIG!!! neuerdings hats ja sogar Realschul-Guido nach fastoben geschafft. Auf dem zweiten Bildungsweg. Und wenn man bedenkt, dass seine 2 paar Eltern beide arme arme Rechtsanwalts waren, dann ist der Aufstieg ja wohl nichts weniger als atemberaubend ;-)
    Nun, ich habe den Kerl live beim Dreikönigstreffen erlebt (eine Verlustigung durchaus 2. Kajüte) und kann nur sagen: Kavalier wird man nicht durch die schnell erlernte Kunst des doppelten Windsor. Wie schon Freiherr von Knigge so trefflich zu bemerken pflegten: Suche nicht, Dir das Ansehn zu geben, als gehörest Du zu der Klasse der Vornehmen oder lebtest wenigstens mit ihnen in engster Vertraulichkeit. Rühme Dich nicht ihrer Freundschaft, ihres Briefwechsels, ihres Zutrauens, noch Deines Übergewichts über sie. Wenn eine solche Verbindung ein Glück ist – ich meine, man kennt hierüber meine Grundsätze – so erfreue man sich in der Stille dieses unbequemen Glücks. Es gibt Menschen, die durchaus dafür angesehn sein wollen, eine größere Figur in der Welt zu spielen, in höherem Ansehn zu stehn, als wirklich der Fall ist. Sie führen auf Unkosten ihres Geldbeutels den Luxus der Vornehmen und Reichen in ihren Häusern oder drängen sich in deren Zirkel ein, wo sie eine elende Figur spielen, nur hinterherlaufen müssen und keinen frohen Genuß haben, indes sie lehrreichern und süßern Umgang gänzlich vernachlässigen und gute Freunde und weise Menschen von sich entfernen. Die geizigsten Leute sparen zuweilen keine Kosten, wenn sie Gelegenheit finden können, Zutritt in großen Häusern zu erlangen, und hungern gern Monate hin durch, um einmal einen Fürsten bei sich zu bewirten, der dieses Opfer gar nicht gewahr wird, nicht dankbar dafür ist, vielleicht Langeweile bei ihnen hat, alles sehr bürgerlich findet und nach vierzehn Tagen wohl gar den Namen des törichten Wirts vergessen hat. Andre lassen es sich wenigstens angelegen sein, die nichtsbedeutenden und verderbten Sitten der Großen pünktlich nachzuahmen, ihre hochmütige Herablassung, ihren geschäftigen Müßiggang, ihre Zerstreuung, ihr Wichtigtun, ihre leeren Vertröstungen, ihre seelenlosen Gespräche, ihre Zweizüngigkeit, Windbeutelei, Gefühllosigkeit, Nachahmung der Ausländer, die Verachtung ihrer Muttersprache, ihre fehlerhafte Schreibart, ja sogar ihre lächerlichen Gebärden, Gewohnheiten und Gebrechen, ihr Stammeln, Lispeln, Achselzucken, ihre Grobheit gegen Niedere, Kränklichkeit, ihr Podagra, ihre schlechte Hauswirtschaft, ihre dummen Launen und mehr der gleichen herrliche Vorzüge zu kopieren und sich eigen zu machen. Ihnen ist der beste Beweis für die Güte einer Sache der, daß sie sagen: Jedermann von Stande handle so und nicht anders, als wenn das eine Narrheit heiligen könnte! – Handle selbständig! Verleugne nicht Deine Grundsätze, Deinen Stand, Deine Geburt, Deine Erziehung; so werden Hohe und Niedre Dir ihre Achtung nicht versagen können.

  49. Roll's Roy's - Wunderbar (ist...
    Roll’s Roy’s – Wunderbar (ist ja auch denglisch ;-) ).

  50. egghat, es ist die Sprache der...
    egghat, es ist die Sprache der Gewinner. Danach die Villa. Am Lago Matschore.
    .
    wortschubse, das Anbiedern wird man dem Menschen nicht austreiben können, das wird ja auch kräftig medial geübt (D-Promi kommt in das Studio, alle kreischen, etc.), und ich habe auch nicht den Eindruck, dass dieses Verhalten auf dem absteigenden Ast ist. Es stört auch nicht, wenn geistreiche Gespräche nicht mehr zu erwarten sind. Hauptsache Bespassung. Event, nennt man das heute wohl.

  51. - ach is det scheen!...
    – ach is det scheen!
    Großartig ge-/beschrieben. Danke Don!
    Wo gibt es denn in Berlin (unter den „Bewohner’s der Spreeinsel im ostdeutschen Morast“ einen „Ehrenmann“?
    -ick kenne keen.

  52. Danke...
    Danke

  53. Wortschubse et al.: "80 Jahre...
    Wortschubse et al.: „80 Jahre sind vor DIR wie ein Tag, Gras, dass am Morgen spriesst und am Mittag schon dörr ist“ – oder so ähnlich. Die Integration – von ganz unten nach ganz oben – in eine Gesellschaftsschicht ist nicht in einer Generation abgeschlossen. Aber das eine oder zwei Sprossen vorankommen – die Kinder können dann schon etwas bekannter sein und eine etwas angemessenere Bildung haben, ist möglich. Und kenne genügend Leute von nahe genug um meine Meinung über die Vorteile des zweiten Bildungsweges gebildet zu haben.

  54. Remington, es ist mir eine...
    Remington, es ist mir eine Ehre, nicht weniger, Sprache so behandeln zu dürfen. Der Abend war von grenzwertiger Uneleganz, und zwischen all dem entsetzlichen Springerpublikum ohne Manieren der wirklich sehr angenehme Christian Kracht, die äusserst charmante Eva Munz, und weitere seltene Arten, die so unendlich fremd in diesem geschmacklosen Käfig über der Stadt umherflatterten.
    .
    tobitobson, die Leserzahlen sind deutlich eingebrochen, die Kommentare im Verhältnis auch, allerdings nicht ganz so ausdrücklich. Mir ist das eigentlich eher egal, weil ich denke, dass es ein Recht der Leser gibt, gefordert zu werden und sich ab uns zu auch Themen auszusetzen, die sie sonst nicht lesen würden. Inzwischen meine ich eine bessere Balance als bei der Romreise gefunden zu haben, mit mehr Raum in und Zeit zwischen den Beiträgen. Trotzdem sind die extremen Ausschläge bei den Themen zu erkennen, die eher leicht und weniger anspruchsvoll sind.

  55. @ wortschubse: "seine 2 paar...
    @ wortschubse: „seine 2 paar Eltern beide arme arme Rechtsanwalts waren“. Neineinein. Der Plural ist „Rechtsanwalt´s“ oder besser „Rechtsantwaltse“.

  56. Hab mich bis jetzt köstlich...
    Hab mich bis jetzt köstlich amüsiert! Einer der besten Beiträge der letzten Zeit! Und auch die Kommerntatoren mehmen es durchweg von der heiteren Seite (das ist ja nicht immer so!) Weiter so, die Damen und Herren!

  57. Don Nutella, abgesehen davon,...
    Don Nutella, abgesehen davon, dass Verona nicht wirklich angesagt ist – und dort, wo ich in Verona bin, auch die sog. In-Crowd kaum anzutreffen ist – war ich zuletzt im mondänen Pfaffenhofen, im schicken Eichstätt und sogar im berühmten Beilngries Kuchen essen. Na wenn das nichts ist!
    .
    Ariadne, Bachelor, Master, Verschulung des Studiums und Berufsreife nach 8 Semestern… ich denke, das war schon früher nicht recht viel anders, nur werden seit ein paar Jahren die Möglichkeiten, anders zu sein, beschnitten. Dazu kommen noch Alternativen der Freizeitgestaltung. Früher las man am Abend, heute hängt man im VZ. Nur: Wer wirklich will, der macht das auch so. Und auf die wird es ankommen, nicht auf die Hochleistungserbsenzähler. Bildung war noch nie für alle da. Nicht, weil es nicht ging, sondern weil sie es nicht wollen.

  58. Markus von Bentheim-Burg, bin...
    Markus von Bentheim-Burg, bin begeistern von dem Beitrag, soll heißen, emotional angetan. Hier, etwas weiter östlich von Hamburg, fehlen zwar die Rolls und die alten Jacken, aber der preußische und schwedische Einfluß vermischt sich mit dem unechten, weil lediglich angelernt britischen. Da kommt was Hübsches raus! Hamburg dagegen hat es leicht mit dem Brit-Schick: Mentalitäten halten über Jahrhunderte wenn richtig „vererbt“. Wir wissen ja, daß Angeln und Sachsen, von da wo jetzt Hamburg ist, die einheimischen Kelten auf besagter Insel ganz früher mal verhauen haben (ohne Kapuzen). Ich denke, Don Alphonso hat auch einen „Mentalitätsstamm“. Wäre interessant. Dann bräuchte er nicht so herumwildern.

  59. Oh dear, Don Alphonso, you did...
    Oh dear, Don Alphonso, you did it again! Cought you once before, remember?The hallmarks on the picture clearly show that the tea-pot was made in Sheffield in 1884 and not in 1887 (that would have been a „U“). May I suggest you buy a „Bradbury’s ( yes, the apostroph is correct in this case) Book of Hallmarks“ to get it right once and for all? Apart from this tiny error your remarks are -as always- most amusing and spot on. By the way: Spent the last three weeks in Rottach and was hoping to get a glimpse of you. Alas, I failed.

  60. Nun, die Deutschen waren schon...
    Nun, die Deutschen waren schon immer anglophil. Einem Hanseaten, Herr von B., wäre es auch nie eingefallen, orange marmelade für eine Mehlspeis‘ zu halten wie ein gewisser Herr Permaneder. Und bis zu Willy Zwo und der Daily-Telegraph-Affäre war das nicht mal eine einseitige Angelegenheit. Mittlerweile haben sie es sicher satt, uns wechselweise an ihren Schuhen oder an ihrer Gurgel zu haben. Das wirklich neue ist die Vulgarität, mit der man sich einem herbeifantasierten englischen Stil anzubiedern versucht, den es in der Realität gar nicht gibt. Immerhin sind mir Springer-Fuzzis mit Minderwertigkeitskomplex immer noch lieber als mit Größenwahn.

  61. MarkusvonBentheim-Burg, naja,...
    MarkusvonBentheim-Burg, naja, wie man es halt so nimmt; von München ist das vielleicht nicht so bekannt, aber auch dort und auch in meiner hemat gibt es Läden, mit denen man seit Generationen bestes Einvernehmen pflegt. Loden Frey zum Beispiel, Ludwig Beck, und für schnelles Wegwerfen war man auch nicht reich genug. Es fällt halt nicht so auf, und es ist nichr „typisch britisch“, sondern so, wie es ist, und wie es sein sollte. Man macht darum eben kein Gewese wie die „Ich fliege jetzt nach London und lasse mir aus meinem Polopferd ein paar Brogues machen“-Haltung manch anderer Leute.
    .
    Jeeves, Berlin ist so mittelmässig, die bekommen nicht mal eine prunkvolle Despotie hin. Insofern sehe ich auch die kommende Regierung allenfalls als vergrösserte Häppchenschleuder auf mittelmässigem Porzellan.

  62. Ach so, Hamburg, stilvoll und...
    Ach so, Hamburg, stilvoll und zurückhaltend – frische Spampost einer hanseatischen Agentur zu Hamburg:
    „Hamburg ist eine der führenden Metropolen für Kommunikation und
    Informationstechnologie in Deutschland – insbesondere in den Bereichen
    Kommunikationsdesign und Journalismus genießt die Elbstadt einen
    hervorragenden Ruf. Die relevanten Hochschulen und weitere
    Kompetenzeinrichtungen laden zu Präsentationen, Workshops und Vorträgen bei
    der 3. Nacht des Wissens in Hamburg am 7. November 2009 ein. Ausgewählte
    Programmpunkte senden wir anbei als PDF – vielleicht sind sie für die Leser
    Ihres Blogs interessant.“
    .
    Bedaure, aber das ist der gleiche Müll wie überall

  63. Das mit der Bildung ist wie...
    Das mit der Bildung ist wie mit dem Lederkoffer und den Trolleys ( Trolley’s).
    Den meisten erscheint es einfach praktischer, nur eine Ausbildung zu erhalten. Bildung ist in deren Augen gar nicht notwendig, zu schwer, auf der Karrieretreppe unnütz etc.
    Und vor allem muß man sich um Bildung erst einmal selbst kümmern (einfetten des Leders {Leder’s}, während man Ausbildung geliefert bekommt ( Trolley fürs Zeitungsabonnement)!
    Das schlimmste ist allerdings, daß man vielerorts als arrogant gilt, wenn man nur das kleinste Fünkchen von Bildung erkennen läßt!

  64. An icke:
    Die Schmuddeligkeit...

    An icke:
    Die Schmuddeligkeit (genauer: Verunreinigung der Oberbekleidung durch Schnupftabakspuren) wird Friedrich dem Großen nachgesagt, was aber mit dem Wirken von Chateaubriand zeitlich nicht zusammenpasst. Das kann dieser also nur vom Hörensagen beschreiben.
    Zu Ch.s Zeiten in Berlin, also ca. 1820 (wie auch zu denen Friedrichs des Großen), gab es kein Zeremoniell bei der Wache. Das ist aber nach meinem Verständnis durchaus kein Makel: Falls die Wache in Frankreich zu der Zeit noch Notwendigkeit war, also dem Schutz des Königs/Kaisers diente (dienen mußte), hatte der Monarch in Preußen eben demgegenüber nichts zu fürchten. Und falls es Pomp war: In Preußen war just durch das Wirken der Landsleute Ch.s von jenseits des Rheins eben eine Situation entstanden, in der man sich die Entfaltung größeren Aufwandes nur mehr schlecht leisten konnte – und auch nicht Schulden machte. Angesichts dessen hätte es in Hinsicht auf Kritik Ch. gut angestanden, die Feder zu halten.
    Das Kohlpflanzen könnte sich auf die Beschäftigung Friedrich Wilhelms III. während seines Exils beziehen. Nun, ist mir noch lieber als das, was sein Widersacher N. während des seinen anzettelte (Elba: Rückkehr und Waterloo – auf St. Helena war auch kein Hauch von Großartigkeit mehr vorhanden).
    Diese kleine Ehrenrettung heißt natürlich nicht, das ich die von Don A. behandelten Umstände guthieße. Gegen das „Beschmachten“ könnte eine Besinnung auf das Eigene helfen: Da braucht es keine englischen Schuhe – es gibt hervorragende Schuhmacher gerade in Berlin – , und Uhren werden in Sachsen auch hergestellt.

  65. ...
    „Zuhälter-Appeal“
    Passend zu diesem Stichwort – und nicht nur zugeschnitten zu jenen Verhältnissen, „südlich der Alpen“ -, habe ich erst kürzlich was geschrieben, siehe: „ In den Schlaf gräuseln“ , http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E5F5F0EC5712A463D8F649452D1DBF7F3~ATpl~Ecommon~Scontent.html.

  66. Don Ferrando, das Problem mit...
    Don Ferrando, das Problem mit Bildung ist doch, dass man sich damit selbst ausgrenzt. Das Wissen ist in den letzten Jahrzehnten enorm angewachsen, und man kann auch als Gebildeter nur in wenigen Teilbereichen den Überblick bewahren. Man frage mich etwa irgendwas zu TV, Fussball, Popmusik, moderne deutsche Literatur, Gehirnforschung, Gentechnik, Web2.0 – ich habe nicht die geringste Ahnung. Gut, ich habe auch nachweislich keine Ahnung von Journalismus, und man darf mich nie fragen, wie das mit dem Bloggen geht – Fakt ist aber, dass man sich mit jedem weitergehenden, nichtpopulären Wissen sofort Gegner macht. Und, wie wir bei Voltaire im philosophischen Wörterbuch nachlesen können: Das sind stets die Mehreren.
    .
    savall, man sollte dabei auch betrachten, dass wir hier nur über die Diskrepanzen zwischen der deutschen Vorstellung von Britischkeit und der Upper Class reden, und nicht den mindestens ebenso grossen Diskrepanzen in anderen Schichten, bei denen sich die Xenophobie immer noch zu Wort meldet. Man hat die einen Deutschen an den Schuhen und die anderen an der Gurgel. Das ist das Problem (wobei ich sagen muss, dass ich um betrunkene Briten auf dem Oktoberfest auch einen Bogen machen würde, müsste ich dort sein).

  67. Kann mir vielleicht mal jemand...
    Kann mir vielleicht mal jemand kurz erklären, warum das Land von Katie Price (aka „Jordan“), den Fußballer-WAGS, den Beckhams und der Tageszeitung „The Sun“ (nicht, dass „The Times“ so viel besser wäre, im Internet kann man das jetzt leider ja ohne Mühe alles lesen), das Land, das der „Prinzessin der Herzen“ eine unsäglich sentimentale Trauerkundgebung ausgerichtet hat, stets als Inbegriff des Vornehmen, Zurückhaltenden und Untertriebenen gilt? Oder habe ich da was falsch verstanden?
    Verwunschene Landsitze, in die man sich als Sehnsuchtsorte hineinträumen kann, sofern man das Bedürfnis verspürt, gibt es ja schließlich auch anderswo, ein „bisschen Lust am Untergang“ (K. Bohrer) gibt es beispielsweise in Portugal günstiger und bei schönerem Wetter, von der wohlklingenderen Sprache der Portugiesen einmal ganz abgesehen.

  68. Hätte man eine Upper Class...
    Hätte man eine Upper Class und das Problem mit dem ’s gelöst könnten wir in regelmässigen Abständen Berlin’s Upper Class’s Twit of the Year wählen. Das wäre ein großes Vergnügen. http://www.youtube.com/watch?v=TSqkdcT25ss

  69. Sir Henry, I've been in...
    Sir Henry, I’ve been in Rottach on saturday afternoon. Just watch out for the silver Barchetta – there are not many around since everybody owns bigger and better cars. Of course, you’re right, however, I wrote this text very early in the morning and didn´t check the hallmarks because I knew it was made in the 80ies. Thank you for the advice and the commendation.
    .
    FS & Boreer, gern geschehen. Vielleicht sollten die Deutschen öfters derartige Wahlergebnisse abliefern, dann stehe ich unter dem richtigen Schreibdruck.

  70. Krokodil, ich nehme an, es ist...
    Krokodil, ich nehme an, es ist der überragnde Ruf der Royal Warrants und der geheime Wunsch dieser Menschen nach einer Monarchie, der sie in die Arme solcher Hersteller treibt. Der Rest, würde ich meinen, ist irgendwo zwische Illusion (Blieswood), Fake (Springer) und Neuerfindung (Poschardt) – aber der Begriff Brderline’s dürfte in diesen Kreisen ohnehin bekannt sein. Sehr schön beschreibt Nancy Mitford das Leben in solchen scheusslichen Kästen ohne Heizung in den englischen Liebschaften.
    .
    Devin08, vielleicht ist Monaco so gesehen doch nicht so schlecht, wie ich immer dachte (man vergisst schnell das Schlimme in Frankreich).

  71. Da bin ich ja beruhigt, dass...
    Da bin ich ja beruhigt, dass ich mit all dem Unsinn in Berlin eher nicht in Kontakt komme. Hier in Baku wohnen etwas 2000 Briten. Deren Hauptinteressen sind Saufen, Sex und Fußball. Also absolut normaler europäischer Durchschnitt. Von höherer britischer Lebensart keine Spur mehr. Es kann nicht nur der 2. Weltkrieg gewesen sein. Auch danach muss noch etwas passiert sein. Was allerdings sympatisch wirkt, ist die Tatsache, dass ein jeder seinen eigenen Dialekt spricht. Von Anpassung an ein „britisches“ Englisch keine Spur. Ach ja, ein Hauch des alten Empire kommt immer beim Burns Supper auf. Der Haggis wird extra aus Schottland eingepflogen:
    Fair fa’ your honest, sonsie face,
    Great Chieftain o’ the Puddin-race!
    Aboon them a’ ye tak your place,
    Painch, tripe, or thaim:
    Weel are ye wordy of a grace
    As lang’s my arm.
    Aber ich denke ein Burns Supper wird es inzwischen auch in Berlin geben. Ich frage mich nur, ob der Hauptstädter den Haggis herunterkriegt?

  72. Die Blieswood-Kolumnen in der...
    Die Blieswood-Kolumnen in der „Welt“ sind ja unglaublich, danke für den Tipp, so eine Verknüpfung von Markennamen kenne ich sonst nur aus „American Psycho“ von Ellis, nur das dort eben gerade nicht behauptet wird, dass der Verbrauch besonders auserlesener Produkte zum Glück führe…
    Die deutsche Anglophilie scheint der Chinoiserie oder dem Orientalismus verwandt zu sein (vgl. auch „The China Club“), man stellt sich halt etwas Exotisches und „Ganz Anderes“ vor.

  73. Ui, da hat sich doch in meiner...
    Ui, da hat sich doch in meiner Abwesenheit das Hamburger „Möchtegernengländertum“ über Elbe und Kanäle Richtung Havel und Spree aufgemacht.
    Das Bedenkliche ist also, dass einige Leute in Berlin (sicherlich Schwaben und Bayer) es nicht irgendwelchen Engländer gleichtun, sondern den Elbsachsen in Hamburg.

  74. Harry S, Sie machen mir Witze,...
    Harry S, Sie machen mir Witze, die Zeit der „deux Frances“ gestaltete sich dermaßen schizophren, daß auch das ausgeklügelste Wachzeremoniell das vorzeitige Ableben des potentiellen Thronerben 1820 nicht verhindern konnte. Der Mörder soll übrigens ein Liberaler gewesen sein -das waren Zeiten!

    wortschubse, Danke für die schöne Knigge-Zitierung, die ganz nebenbei mancher Einlassung hier die Geschäftsgrundlage nimmt.
    Savall, Komplex und Wahn sind Geschwister – gerade in diesem Fall.
    Don, Die Schichtfolge bei dieser Schuhe/Gurgel-Torte gerät jedoch bisweilen etwas durcheinander. Hamsun war ein großer Englandhasser aber zu dieser Zeit nicht gerade Unterschicht oder bildungsfern.

  75. <p>Sie reden viel und...
    Sie reden viel und fehlerhaft
    dank deformierter Kehle.
    Sie vegetiern im eignen Saft
    und halten das für Seele.
    Sie können nichts und wissen nichts
    und sind zu dumm zum Siezen.
    Sie hoffen nichts und missen nichts
    und schimmeln in den Kiezen
    und sind, dem Herrgott sei’s geklagt,
    zu blöd zum Brötchenholen.
    Wer Hauptstadt der Versager sagt,
    der meint Berlin (bei Polen).

  76. Werter Don,

    dann bitte dies...
    Werter Don,
    dann bitte dies noch zur Kenntnis nehmen:
    In der „Saison“ zwischen September und Juni veranstaltet der Übersee-Club für seine Mitglieder und deren Gäste eine Reihe von Vorträgen, Clubabenden, Jours Fixes, Hauskonzerten und Soireés en Ville. Diese finden im Clubhaus, bei größeren Vorträgen aus Kapazitätsgründen in anderen Räumlichkeiten Hamburgs statt.
    Ich lade Sie herzlich hierzu ein.
    Beste Grüße von der Küste
    MvB-B

  77. offenbar scheint es manchmal...
    offenbar scheint es manchmal einfacher zu sein, sich die imperialistischen symbole made by colonialism (& damit meine ich nicht nur die materiellen) eklektisch & oberflächlich aneignen zu wollen, ohne sich damit umfassender auseinandersetzen zu müssen.
    die grenzen des guten geschmacks & co. kann man ohne visum doch nicht so leicht überschreiten ;)

  78. Es gibt nichts Gewöhnlicheres...
    Es gibt nichts Gewöhnlicheres als gewöhnliche Engländer. (Wie das mit den Schotten ist, weiß ich allerdings nicht.)

  79. Ach Don Alphonso,

    Sie...
    Ach Don Alphonso,
    Sie schreiben über Gott und die Welt doch nur als Außenstehender, der es es nirgendwo geschafft hat und sich zu Vergewisserung seines Ichs immer wieder auf seine Zugehörigkeit zur seit Generationen „einbetonierten Klassengesellschaften“ vergewissern muss.

  80. Deutschmeister, das ist noch...
    Deutschmeister, das ist noch gar nichts gegen meine einsamen Nächte, in denen ich unter dem Stuck schreie und die Brokatkissen vollweine, weil Sie mit Ihrer grandiosen Analyse meines Seelchens all die unendlichen Qualen aufgedeckt habe, unter denen ich leide. Sie Held, Sie. (Kommen Sie sich eigentlich auch mal doof vor, wenn Sie sowas schreiben?)
    .
    laperla, zur Einsicht, dass zu jedem guten Empire auch Colonie’s gehören, hat sich dort jedenfalls noch nicht breitgemacht – ich sehe zumindest keine Rotröcke im Marsch durch die thüringische Wüste, um den dem linken Mahdi zum Opfer zu fallen.

  81. Das deutsche Beschmachten des...
    Das deutsche Beschmachten des Impire’s ignoriert nicht nur die eigene Herkunft aus finstersten deutschen Käffern.
    ja, und etwas, das einem private eye gleichkäme, gibt es hierzulande auch nicht (wers nicht kennt, http://www(punkt, von mir aus auch period)private-eye.co.uk/). wenn schon choice hemden, dann richtig.

  82. :)...
    :)

  83. Don, für die Spatzen solche...
    Don, für die Spatzen solche Kanonen?

  84. Was hat der tower aus dem...
    Was hat der tower aus dem vorangestellten Zitat mit dem Hochhaus aus dem letzten Satz zu tun?
    Fuji und Ukiyo-e??
    Sind wir hier beim Spiegel???

  85. Das hat nichts miteinander zu...
    Das hat nichts miteinander zu tun. Das Zitat war in Richtung „Wer partout meint den Briten mimen zu müssen darf sich nicht wundern, wenn er damit als Parvenü auffällt“ gedacht.

  86. @ MarkusvonBentheim-Burg: Ja,...
    @ MarkusvonBentheim-Burg: Ja, Hamburg war immer schon ein wenig peinlich. Aber müssen Sie´s so unbarmherzig zeigen?

  87. Könnten wir das gegenseitige...
    Könnten wir das gegenseitige Hickhack etwas zurückfahren?
    .
    MarkusvonBentheim-Burg, ich kenne den Verein aus den Zeiten, als ich in München ab und an am CAP war und weiss durchaus um sein Bemühen. Danke für die Einladung; aus rein reisetechnischen Gründen bin ich leider 10 mal in Italien, bevor ich einmal nach Hamburg komme. Von meiner Haustür aus ist es zum Alexanderplatz in Berlin auf den Kilometer so weit wie bis zum Campo von Siena. Nach Meran fahre ich zum Mittagessen. Insofern ist der Norden naturgemäss selten auf meiner Reiseroute.

  88. Danke Don. Dann ist ja alles...
    Danke Don. Dann ist ja alles in Ordnung.

  89. Also wenn man über eine...
    Also wenn man über eine Einladung in den Club am Junferstieg spricht, ist mir unverständlich, wie man da den Alexanderplatz auch nur erwähnen kann. Das wäre fast so als ob man di Torre della Mangia mit dem Fernsehturm in Ostberlin verbindet!

  90. ich hatte nur die Daten für...
    ich hatte nur die Daten für Berlin und Siena im Kopf. Soll ich mal nachrechnen, was das Äquivalent zu Hamburg ist?

  91. OK, jetzt habe ich mal...
    OK, jetzt habe ich mal geschaut:
    .
    Gmund bis Jungfernstieg, Hamburg: 825 Kilometer.
    .
    Gmund bis Cannes, Promenade Jacques Hibert mit kleinem Umweg zu meinem Lieblingsrestaurant in Peschiera del Garda: 825 Kilometer
    .
    Nach Rom wären es übrigens 879 Kilometer.
    .
    Ich denke, da ist die Wahl eindeutig.

  92. @icke Ich seh immer noch nicht...
    @icke Ich seh immer noch nicht ein, warum man denn nun partout den Weg über die Realschule nehmen muß? Das Gymnasium verlangt doch (noch) keine Schulgebühren? Oder? Die hätten Realschul-Guidos Eltern sicher auch locker lockermachen können (sehr viel lockerer locker als meine.) Oder haben die Klein-Guido auf dem Gymnasium etwa nicht wollen? Na, sowas!
    Und ich versteh auch nicht, warum ein Mensch, der aus den nicht ganz so oberen Oberschichten kommt, auf Bildung auf dem ersten Weg verzichten sollte? Diese erst seinen kletternden Kindern überlassen sollte?
    Klettern? Nun haben es im Südwesten schon immer auch recht arme Nachwüchse, dank Landesexamen geschafft, bis doch ziemlich weit oben zu kommen (angefangen bei Johannes Kepler). Das Internat Maulbronn gibt es übrigens noch, auch die Begabtenprüfung und Stipendien.
    Auch dachte ich immer, andersrum würde ein Schuh draus: Wenn man schon nix hat, dann wenigstens Bildung, Herzensbildung, Anstand und die leise Ahnung, dass man sich um den Erwerb dieser hohen Güter jeden Tag bemühen müsse.
    Man kanns natürlich auch wie der Besitzer der schönen Ladenkette KIK machen: Rücksichtslos Kohle schaufeln (lassen auf Kosten derer in Bangladesh, unter Ausbeutung von Kindern, auf Kosten auch der bei KIK Beschäftigten in Deutschland), das Töchterlein mit dem Zusammengerafften nach Zuoz schicken, damit es sich dort was angle. Na, undsoweiter. In 2 Generationen ist die üble Herkunft des Geldes dann ganz sicher vergessen. Kinderarbeit: Noch ein Grund mehr, die Nähmaschine anzuwerfen (und das Ersparte Projekten gegen Menschenschinderei zuführen! Das ist ja vielleicht doch fürnehmer als Taylors Casimir de lana ;-)

  93. Von Gmund aus ungefähr soweit...
    Von Gmund aus ungefähr soweit wie das umbrische Terni!

  94. Generell finde ich ja, dass...
    Generell finde ich ja, dass die FAZ nicht schlecht daran täte, ihr Hauptquartier an einen oberitalienischen See zu verlegen. ich fahre auch gern nach Frankfurt, aber so eine grössere Villa am Comer See, oder ein entzückendes Schlösschen in Arco wäre auch nicht von der Hand zu weisen.
    .
    Mister Pief, wenngleich es auch in England immer davon abhängt, wo man abhängt, so würde ich dort nicht tot über dem Zaun abhängen wollen. Nirgends. Schlimmer als Überwachungsstaat, Torie’s und Vollprivatisierung finde ich aber – das britische Essen, und hier besonders das Brot. Wir waren Bäcker! Das würde ich nicht überleben.

  95. B.A.H., nachdem wir eine...
    B.A.H., nachdem wir eine schottische Partnerstadt – und gewisse amoureuxe Verwicklungen im Umfeld – hatten, würde ich meinen: Seltsam.
    .
    poisson, ich verstehe das nicht. Wo schreibe ich über Hamsun?

  96. Wenn sich der Niedergang...
    Wenn sich der Niedergang Englands an irgendeiner Zahl ablesen läßt, dann an folgender:
    1939 gab es auf der Insel noch 25.000 professionell ausgebildete Butler, 1979 nur noch 45.

  97. Krokodil, Blieswood ist...
    Krokodil, Blieswood ist wirklich, äh, gewöhnungsbedürftig. Aber mei, Springer. Was die Chinoiserie angeht: Da war die Vorstellung näher an einem Ideal der Gleichheit und Weisheit denn an einer Klassengesellschaft. Ausserdem gab es echte kulturelle Leistungen, die überdauerten. Bei Schuhen und Anzügen kann man nicht davon ausgehen, dass sie so alt wie Imariporzellan werden.
    .
    Austerlitsch, vom Humor könnte man in Deutschland durchaus was lernen.
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    ErnstWilhelm, in meiner Zeit in Lissabon habe ich mal walisisches Weihnachtsessen bekommen. Ich glaube, ich will gar nicht wissen, was das ist und was die sonst so essen.

  98. Mein England-Bild oszilliert...
    Mein England-Bild oszilliert zwischen Jane Austen und Ken Loach und dürfte deshalb etwas unvollständig sein. Aber es ist doch so, daß die Engländer es in ihrer Geschichte seit 1066 mit fast allem richtig gemacht haben. Nagut, das Ding mit Amerika haben sie versaut. Aber selbst dort, wo sie fürchterlich danebengehauen haben, geschah es mit Stil. Hatte denn nicht Gandhis gewaltloser Widerstand Erfolg, weil auf der anderen Seite Leute waren, die sich davon beeindrucken ließen? Insofern kann ein bißchen Anglophilie nicht schaden. Es muß ja nicht gleich an der Schuhsohle enden.
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    Ah, Wortschubse, Sie haben heute den Spiegel gelesen? Fürchterlich, das mit Kik. Aber wie der Autor richtig schreibt: Billigartikel haben ihren Preis, auch wenn man ihn nicht an der Kasse entrichtet. Ich weiß schon, warum ich da nicht hingehe. Das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen. Also, buy british?

  99. hansMeier555, dafür dürfte...
    hansMeier555, dafür dürfte die Zahl der Banker und Hedge Fonds Manager in der gleichen Grössenordnung angewachsen sein. Wehe, man sorgt nicht dafür, dass das Personal ein Auskommen hat.
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    Das mit Kik ist ebenso widerlich wie nicht überraschend. ich denke, auch wenn ich dort nie eingekauft habe, werde ich mich das nächste Mal gezielt auf die Suche nach Schneidern machen.

  100. @ Alphonso + Savall:
    es gibt...

    @ Alphonso + Savall:
    es gibt auch noch einiges Vernünftige zwischen Saville Row und KiK! Auch und gerade aus Deutschland.
    Wobei mir die Möwenschuhe aus Bern auch sehr gefielen !

  101. Hach, ich finde das ja immer...
    Hach, ich finde das ja immer herrlich wie sich hier gegenseitig die Angehörigen der upper classe gegenseitig zerfleischen, wer denn jetzt dazugehört und warum und wer nicht, ob die Briten jetzt ein Vorbild sind oder nicht…
    ist besser als Kino hier ;-)
    Zum Berlinbashing habe ich mich ja schon im Ikea-Thread ausgelassen. Ich wage mal zu behaupten dass die meisten Leute Hamburg genauso stillos finden würden wenn die Stadt in einer ähnlich schlechten wirtschaftlichen Situation wie Berlin wäre…
    Wenns einem in Berlin mal zu blöd mit den Leuten wird geht man am besten mal in eins der vielen tollen Museen (z.B. ins Pergamonmuseum), dann ist man mit der Stadt wieder versöhnt.
    Was die Sache mit der Bildung und dem Exotendasein angeht, so muss ich aber zustimmen. In meiner Diplomandinnenzeit (übrigens an einer nicht unbedeutsamen deutschen Forschungseinrichtung) war ich schnell der Snob des ganzen Instituts. Das kam so: Ich hörte in meinem Büro immer Klassikradio (dem Webradio sei Dank). Der Praktikant, der mit mir das Büro teilte horchte auf einmal auf und fragte mich „Sag mal, aus welcher Fernsehwerbung ist nochmal das Stück das da grade läuft?“ Worauf ich nur entgegnen konnte „Das ist der fünfte ungarische Tanz von Brahms, aber aus welcher Werbung der ist kann ich Dir wirklich nicht sagen“.
    Ich meine, ich betrachte Klassikradio jetzt nun nicht als das höchste Kulturgut des gebildeten Menschen, aber das man als junger Mensch schon fast als abgedreht wahrgenommen wird nur weil man ein paar populärere Klassikstücke vom Hören kennt finde ich immer noch sehr, sehr seltsam.

  102. kurze Frage, nicht zur...
    kurze Frage, nicht zur Veröffentlichung;
    kann es sein, dass Sie meinen letzten Kommentar erst freigeschaltet hatten und er nun wieder verschwunden ist ??
    Ich meine den mit Saville Row und Schuhen aus Bern ??

  103. Alle meckern über...
    Alle meckern über Berlin.
    Aber schaun Sie sich doch einmal das englische Königshaus an!
    Benimmt sich diese Sippe wirklich feiner, distinguierter, stilvoller als Kai Dieckmann? Arbeiten die nicht alle in der gleichen Branche?
    Oder liegt es daran, daß die Windsors allesamt deutscher Abstammung sind? Das wäre natürlich eine Erklärung.

  104. Das britische Bewusstsein...
    Das britische Bewusstsein natürlicher Überlegenheit – das in Deutschland Besitzer und Träger hanseatischer Tweed-Jacketts mit Lederflecken am Ellenbogen am hübschesten verinnerlichen – stützt sich in der neueren Geschichte auch auf eine gewisse moralische Überlegenheit im zweiten Weltkrieg. Die Franzosen haben kapituliert, aber… und so weiter.
    Die Wahrheit ist, das war alles nur Geographie, nicht Nationalcharakter. Auf den besetzten Kanalinseln war die Zahl der unehelichen Besatzungskinder im Verhältnis gleich, die der anonymen Anzeigen bei der Besatzungs-Gestapo eine Idee größer als in Frankreich.
    Und wenn Sie jetzt denken, das alles sei Schnee von vorgestern, haben Sie nie auf der Insel leben dürfen.

  105. <p>Don Ferrando, das System...
    Don Ferrando, das System hakt leider manchmal. Man schaltet frei, aber das System zeigt den Vorgang nicht an, also drückt man nochmal – das system aber hatte den Beitrag schon freigeschaltet und zieht ihn dann wieder zurück. Passiert manchmal. Hier übrigens die neuen Schuhe aus Verona:
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    Dazu für die Buchmesse: Eine leichte Jacke mit Abnähern für den Nahkampf, Dort sind auch Jungautoren ohne manieren aus Berlin und Leipzig. (Aus Deutschland natürlich. Trotzdem, mittelfristig suche ich nach Alternativen.)
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    Unellen, das ist natürlich bitter (wobei ich ehrlich sagen muss, mich macht Klassik radio mit der Easy Listening Abspielung einzelner Sätze wahnsinnig)

  106. @unellen
    Lassen Sie mich...

    @unellen
    Lassen Sie mich raten: Universität der Künste

  107. Ja, die deutsche Sprache geht...
    Ja, die deutsche Sprache geht den Bach runter. Bei den Dummen war es schon immer so, aber nun greift es auch bei den Bessergestellten um sich. Dann gehe ich doch lieber mit FinMike zum Pommes-holen, da weiß man wenigstens woran man ist: http://www.youtube.com/watch?v=lOzOzsbGaX0

  108. HansMeier555, es gibt zwar ein...
    HansMeier555, es gibt zwar ein Bild, das die Königin zeigt, die ein Weinglas am kelch hält, aber zwischen denen und Dieckmann liegen Welten. und es ist immer noch ein Unterschied, ob man selbst Affairen hat, oder die Affairen anderer Leute ausschlachtet.
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    B.A.H., nun, wie auch immer: man hätte es auf der Insel auch netter machen können und zuschauen. Hat man nicht. Man sperrte die eigenen Nazis weg und bekämpfte die anderen in wahrlich nicht guten Zeiten. Und dafür bin ich durchaus dankbar.

  109. @hansMeier: Also ich wäre...
    @hansMeier: Also ich wäre ehrlich geschockt wenn man an der UdK für versnobt gehalten wird wenn man Klassikradio hört…
    Nein, es war eine naturwissenschaftlich orientierte Forschungseinrichtung im Westen der Republik.
    @Don Alphonso: Kann ich verstehen dass Klassikradio Sie wahnsinnig macht. Mich macht es auch manchmal wahnsinnig – aber weniger die einzelnen Sätze (als Nebenbeimusik beim Arbeiten ist das für mich ok) als blödsinnige Gewinnspiele oder manche Filmusikstücke die bis zum es-geht-nicht-mehr wiederholt werden (ansonsten nix gegen Filmusik!). Ich habe aber bisher noch keine wirklich Alternative zu Klassikradio gefunden, und auf der anderen Seite schätze ich immer das Gespür der Musikmoderatoren, oft genau zu richtigen Zeit die richtige Stücke zu spielen. Ein Strauss-Walzer von den Wiener Philharmonikern gespielt ist für mich jedenfalls genau das richtige Mittel gegen das Post-Mittagspausentief :-)
    Ich bin ja auch nicht so versnobt dass ich aus Prinzip nicht nebenbei manchmal Popgedudel hören würde, aber wenn ich mich wirklich konzentrieren muss lenkt mich alles mit Texten in Sprachen, die ich verstehe zu sehr ab. Da ist Klassik schon besser.
    Die Schuhe sind übrigens wirklich sehr schön – wieviel bezahlt man für so etwas? (die Frage müssen Sie natürlich nicht beantworten, aber ich habe echt keine Vorstellung davon was man für solch „feines Leder“ hinblättern muss).

  110. @Unellen
    Sie haben Recht, die...

    @Unellen
    Sie haben Recht, die Museen in Berlin sind wunderbar, die Theater, ganz besonders die drei Opernhäuser (trotz Inszenierungen von Bieito oder Neuenfels, die aber auch andernorts drohen), die Philharmonie, die Galerien, eine in Europa einmalige Bibliothek wie die iberoamerikanische bieten viel; wenn ich in Berlin bin, dann habe ich gar keine Zeit, mich mit den Stilsünden der Berliner zu befassen. Außerdem gehöre ich sowieso nicht zur upper class und nehme an den Distinktionskämpfen nur als Zaungast teil.
    Nebenbei gesagt sollte man den Briten zugute halten, dass sie die schärfsten politischen Analysen der Klassengesellschaft (z.B. in der von Percy Anderson herausgegebenen „Left Review“, die man auch dann mit großem Gewinn liest, wenn man einer anderen politischen Richtung anhängt) und die besten Satiren darüber (die Fernsehserie „Keeping up appearances“ – ich kenn nur einiges aus dem Netz, ist die in Deutschland mal gezeigt worden?) hervorgebracht haben.

  111. Bei allem was Recht ist, aber...
    Bei allem was Recht ist, aber besser lachen über und mit Engländer(n) kann man nicht, und besser feiern als mit Iren ist schwer. Und die britishiste Bar sah ich in Andalusien. Es gab auch Gurken/Mortadella-Sandwich. Und vergesst mir nicht die Lea&Perrins Worchestersauce – ohne die kein Ragout-Fin. Ansonsten geht dieses fremdsprachenresistente Volk von gambas rojas gar nicht. Außer Dame Edna vielleicht.
    http://www.dame-edna.com/

  112. nico, die Dame Edna ist ein...
    nico, die Dame Edna ist ein Australier.

  113. @unellen & Herr Sowieso zu...
    @unellen & Herr Sowieso zu Bentheim-Überseeclub:
    Hamburg ist scheußlich – sinnlos, das zu leugnen. Die „grüne „Hölle“ (Lagerfeld, ausgerechnet) mag dem Außenstehenden sich noch als immerwährende Elbchaussee der Herzen und funkelnde liberale Elbmetropole mit feiner hanseatischer Lebensart an den Hals werfen wie eine glitzernd behängte Bordsteinschwalbe – der Kenner jedoch weiß, dass sich dort eher Plumpheit, Rohheit und Dummheit die Klinke in die Hand geben. In Blankenese und Rissen findet die Welt, die nicht mehr in Ordnung ist und nie war, ihre Gestalt in notdürftig hinter Liguster versteckten Protzwillen a la „Zuhause Wohnen“, in denen unter Stuckdecken dann die verstörten einsamen Kinder von konservativen Spiegel-Redakteuren und Leistungsträgern in Drogen ihren Ausweg suchen, in Barmbek und Hammerbrook dagegen ist es der rote Einheitswürfelhusten der sozialdemokratischen Backsteinwelt, der die Gemüter der besoffenen RTL-Dauergucker und Möchtegern-Aufsteiger erstickt. Es bleibt die Stadt der Pfeffersäcke und ihrer willfährigen Büttel und Untertanen, immer gewesen, die stumpfe Dialektik von Herr und Knecht, der beiderseitige hirnrissige Stolz auf die schale Parodie eines lieblos gemachten Abklatsches der vergangenen englischen Klassengesellschaft in einer Inszenierung des ZDF. Ob sozialdemokratisch abgefüllt und nach Berlin gekarrt vom intriganten Hauptmann der Reserve, oder verhohnepiepelt vom blassen Freiherren „mit Herz“, den man sich stolz als Herrscher auserkohr, ob liberal mit Halstuch und teurem Täschchen beim Pferderennen a la „Windsor“, oder schwarzgrün im drittklassigen Kulturhaus, Boheme und Intellektualismus mimend, bleibt sich da völlig eins in dieser Stadt, in der nach allgemeiner Ansicht „zum Arzt“ soll, wer noch Visionen hat. Von Stil kann da überhaupt keine Rede sein, den borgte man sich höchstens mal bei den Besetzern aus vielen Jahrhunderten aus, und ging damit dann umso ostentativer hausieren, aber sobald diese abzogen, beherrschten wieder geistige Leere, Labskaus und der Kater von schlechtem Bier die Seelen der Menschen im sog. „Elbflorenz“. Diese Stadt hat keine Seele, wo andere eine solche noch spüren lassen mögen, findet man hier nur eine Bilanzrechnung und die Pressemitteilung einer PR-Agentur. So stiefeln sie weiter durch ihre hässlichen Einkaufspassagen und leblosen Straßen, die feinen Hanseaten, kaufen ein bei H und M und Peek und Cloppenburg, wählen GAL und Schill, tragen Tweed oder „Tom Tailor“, und nennen ihr umfassendes Elend dann ernsthaft ein „aufregend urbanes Leben“, denn schließlich gibt es ja jeden Samstag ein Feuerwerk, und im Sommer dazu noch die knatternden „Harley Days“ im „Tor zur Welt“, das sich nicht öffnen will. Gleich ihren modernen englischen Vorbildern verscherbeln sie ihre Stadt heute an jeden mit einem Geldscheinbündel in der Hand, wo sie sie nicht dem Verfall anheimfallen liessen oder schon abgerissen, um dafür „was praktisches“ hinzubauen; ihre Krankenhäuser verramschen sie, ihre Parks und Kirchenfassaden, Busfenster und Bahnhöfe, und ihren Hauch von Kultur, den andere ihnen mal so großzügig mitgebracht hatten, so mitleidig mit ihnen teilten. Sie strömen lieber zu den überraschungslosen Lustbarkeiten, die ihre drittklassige „Presse“ sie ihnen jeweils gerade anpries, von denen sie jeweils meinen, sie würden ihrer Klasse geziemen, und bringen so ihre traurigen Tage unter dem fahlen norddeutschen Himmel zu; nicht durchwegs stumpf und proletarisch wie in Berlin, nicht selig dumpf und bajuwarisch wie in München, aber dennoch um keinen Deut besser. Die Stadt mag sich noch so viele Glaspaläste andrehen lassen und überall hinstellen – „zu vermieten“ -, dafür ihre Armen vertreiben, und ihre letzten lebenswerten Flecken mutwillig durch zuviel Geld und Dummheit zerstören: Das Glück wird nicht mehr in ihr einziehen.

  114. Was sind das doch fuer...
    Was sind das doch fuer Doofmaenner. Margareth Thatcher war bei den Russen
    vorstellig um die Deutsche Wiedervereinigung zu verhindern.Und hier machen die Berliner auf die feine Englische Art.

  115. @B.A.H.: Man darf die...
    @B.A.H.: Man darf die Geschichte nicht vom Ende her sehen. Zwischen Mitte 1940 und Mitte 1941 stand UK gegen einen Kontinent voller Nazis und ihrer Schranzen, nebst den verbündeten Kommunisten. Die Amerikaner machten weitgehend in Nabelschau. Es gab zu diesem Zeitpunkt nicht einmal eine strategische Option, wie man diesen Krieg gewinnen könne und trotzdem haben sie nicht aufgegeben, zu unser aller Wohl. Nein, „The finest hour“ ist kein Mythos, sondern Realität. Daran ändert auch nichts, daß die einzelnen Menschen immer anfällig für Totalitarismen und Blockwartmentalität sind.
    .
    Eine gute Alternative zu Klassikradio ist übrigens Bayern 4. Ist auch schon besser gewesen, aber für mich immer noch die beste Adresse. Wortanteil unter 10% und garantiert keine Gewinnspiele.

  116. Anton Lintl, wie man sieht,...
    Anton Lintl, wie man sieht, war selbst an Thatcher nicht alles schlecht.
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    Savall, Bayern 4 ist eine Perle, aber letztendlich nehme ich doch CDs, und das Radio im Auto benutze ich nie.

  117. Doctor Snuggles, da haben Sie...
    Doctor Snuggles, da haben Sie n atürlich recht, aber für eine Abschaffung privater TV-Stationen ist es jetzt leider zu spät.
    .
    unellen, der Markt ist einfach für Alternativen zu klein. Das ist schlimm, ich weiss, aber man wird sich am Ende damit abfinden müssen – und eine Besserung der Lage kann ich auch nicht erkennen. Aber mei – solange ich das im Auto auf CD habe, ist mir die Welt da draussen & unten nicht so wichtig. Das ist deren Problem, wenn sie den Müll der Popindustrie dann auch noch kaufen.

  118. einer meiner...
    einer meiner lieblingssender:
    figaro (mdr), kluge interviews, beiträge & rock,swing,klassik-sound.
    .
    unellen: erst das seidentüchlein fein, jetzt die kassikradio-schote, bin ja gespannt, welche i`m so anders als die anderen-story folgt.

  119. frankophilie (18 jh.),...
    frankophilie (18 jh.), anglophilie (ein wenig später), bin gespannt welche -philie als nächstes kommen wird.
    und überhaupt: hat die geltungssucht noch sinn, seit dem de valmont in dem duell gefallen ist? vergeblich wird man heutzutage nach einer demerteuilschen raffinesse suchen…

  120. Geehrter Don, ein wenig geht...
    Geehrter Don, ein wenig geht das Thema durch die große Welt spazieren, das ist sicherlich fein. Ihnen und Ihren Kommentator(inn)en danke ich sehr für den schönen, nie ermüdeten Hinweis auf den reizenden Tegernsee. Von hier will ich nun nicht mehr scheiden. Aber wandern Sie, wandern Sie, lieber Don, im trefflichen Verein. Beste Wünsche für die Zukunft!

  121. Werter Don,
    .
    so mancher liebt...

    Werter Don,
    .
    so mancher liebt den Schein,
    um vieles mehr, als sein Sein –
    will als Keiner gar der Größte sein.
    Erklimmt er aber mal den Sockel,
    zeigt sich, er ist nur ein eitler Gockel.
    .
    Gruß Hanskarl

  122. Zu diesem Blog fällt mir...
    Zu diesem Blog fällt mir spontan das sehr unterhaltsame Buch von Ian Buruma „Anglomania. Europas englischer Traum“ ein. Sehr unterhaltsamer Abriss über die Geschichte der deutschen Faszination für England.

  123. Ich finde ja die Gegenseite...
    Ich finde ja die Gegenseite sehr nett: Über 100 Jahre alt ist nun „3 Men on a Bummel“ von Jerome K. Jerome. Besser kann man die unüberbrückbaren, aber auch nicht schlimmen Unterschiede nicht schildern.

  124. wortschubse, Den...
    wortschubse, Den Realschulabschluß finde ich weit weniger peinlich als die FernUniversitätHagenPromotion
    Don, Tut mir leid, zu schnell gelesen, zu frei assoziiert. Ihr Text bringt nichts durcheinander. Was ich wahrscheinlich zu sagen versuchte war: Xenophophie ist kein Privileg der Unterschichten.
    Klassikradio: Vermutlich kann man die satzweise Abspielung, das Einblenden von Reklame etc. bemängeln – ich kann es nicht.
    Denn dazu müsste ich den süßlich-ekligen Klangbrei, den dieser Sender ausstrahlt, länger ertragen als der Sendesuchlauf der Radiogeräts braucht zur nächsten Station zu springen.
    Wie sonst nur bei PopReklameMurks-Sendern üblich wird das Sendesignal durch Exiter, Kompressoren und andere Klangverbesserer derart aufgepeppt, daß es eine Ware Niedertracht ist. Bässe geschnitten, Pseudobässe draufharmonisiert, Präsenzen in den Himmel gehoben und dann alles zu Tode komprimiert. Dieser Dreck, der jede Musik in dieselbe Klangplörre zwischen Moselspätlese und Colabrause verwandelt, ist unerträglich. Wer meint, das muß so klingen, sollte einmal in seinem Leben ein Konzert besuchen.
    PS:Lassen Sie sich von Laptop BoomBoxen und MP3-Playern nicht irre machen. Dank britischer Pioniertaten der 70er und 80er Jahre (BBC, Studiomonitore, Quad Amps und Elektrostaten) ist es heute möglich auch für kleines Geld sehr gut produzierte Radiosendungen (aller ARD Spartensender) authentisch zu genießen.

  125. "Jugend ohne Schoenheit ist...
    „Jugend ohne Schoenheit ist ein Problem, Schoenheit ohne Jugend eine Tragoedie.“ So hatte ich das in Erinnerung. Tatsaechlich lautet das Zitat (lt. „Wikiquote“): „Jugend ohne Schönheit hat immer noch Reiz; Schönheit ohne Jugend keinen.“
    Warum schreibe ich das? Weil man meiner Meinung nach „Jugend“ mit „Intelligenz“ und „Schoenheit“ mit „Bildung“ substituieren kann, und es stimmt immer noch. Bildung kann nie komplett sein, aber die Qualitaetsteile, die man entweder zu Hause gelernt oder sich selbst erarbeitet hat, bieten typischerweise Anknuepfungspunkte zu anderer Bildung. Selbst bei einer relativ ueberschaubaren Grundausstattung an solchen Knotenpunkten kann ein intelligenter Mensch meist eine gebildete Unterhaltung zumindest mit-fuehren.
    Dumme Menschen hingegen spachteln oft die Windungen im Gehirn mit Stiftung Weltethos, Klassik auf Naxos-CDs oder Reich-Ranicki-Buecherlisten zu. Faellt allerdings trotzdem auf, wegen der Denkpausen. Ausser natuerlich es treffen sich zwei Dumme. Man kann mit Bildung keinen (Geisteszu-)Stand erzwingen. Und schon gar nicht mit Verhaltensauffaelligkeit eine Staatsbuergerschaft.
    Ich hatte das Glueck, England ein paar Jahre kennenlernen zu duerfen. Mir hat es dort sehr gut gefallen. Auch die Einstellung, dass Bildung kein Weltkrieg ist, sondern Mittel zum Zweck (Job, Debatten, Leben nach eigener Facon, etc.). Und dass man sich halt entscheiden muss, was man wo machen und wissen will. Und hier sehe ich auch das Problem „Berlin’s“: Wer alles ohne „commitment“ will, der bekommt nur dummes Zeug. Alles andere braucht einfach „quality time“, die sich bestenfalls manchmal durch schnelles Lernen, also Intelligenz, verkuerzen laesst. Andersrum funkioniert’s leider nicht – wobei es ein eigenes Thema waere, wie es dumme Fernsehsender bei ebensolchem Publikum ueberhaupt erst schaffen, ziellosen Intelligenzdurst zu erzeugen… der dann sinnigerweise mit grossem Bildungsfressen gestillt wird. Oder halt auch nicht, oh Wunder.
    Weniger ist halt manchmal doch mehr – Don Alphonso, ein sicherlich unumstritten gebildeter und intelligenter Autor, kauft ja auch nicht fuenf Paar Schuhe auf einmal, wenn der „hinkende“ Vergleich erlaubt ist. Macht doch jedesmal wieder Spass, was Neues zu kaufen/lernen? Fuer mich, dass das Eingangszitat wohl von Schopenhauer sei. Und dass es eine Website namens Wikiquote gibt.

  126. Nochmal ...
    Nochmal „Zuhälterallüren“
    @Don Alphonso: Zu dem Thema habe ich aus aktuellen Gründen noch einen drauf gesetzt. Es geht hier nicht nur um die Person Polanski, oder wen auch immer:
    http://blog.herold-binsack.eu/?p=433

  127. @Savall Ja, in der Tat habe...
    @Savall Ja, in der Tat habe ich mir gestern? vorgestern? den Spiegel zu Gemüte geführt ;-)
    …. und was soll man stattdessen anziehn? Oh, die Idee mit der Schneidersuche ist gar nicht so schlecht ;-) (einfachere Stücke – und da verhält sichs wie Torte zu Zwetschgendatschi – könnte man doch auch selber….???? ;-) na gut! Kann man offenbar nicht. (mein Tipp: manches Teil läßt sich durchaus bei Hobbyschneiderinnen über einschlägige Seiten im internet erwerben, das ist auch nur unwesentlich teurer als …, bietet aber die Sicherheit, keine Kinder auszubeuten.)
    Muß nichtmal Hobby sein: Trigema-Chef Grupp kann offenbar auch ohne Ausbeutung Geschäfte machen, na, geht doch!
    Ansonsten ist … ein so durchaus unersprießlicher Nebengedanke zu einem netten Blog-Eintrag und ich entschuldige mich, diesen überhaupt aufgebracht zu haben.
    Übrigens kann wirklich nur zum Erwerb von Qualität geraten werden. Man könnte solche Erzeugnisse in der Tat mit dem unschönen Label unkaputtbar versehen (und wer nicht zu Gewichtsschwankungen neigt, trägt durchaus 20 Jahre lang an seinem Kostüm. Wie schon mehrfach an verschiedenen Konsumgütern durchgerechnet – Koffer (danke Don, für den Einkaufstipp), Schuhe, Geschirr – amortisiert sichs).
    Im Südwesten gibt es das schöne Modehaus, das auf den noch viel schöneren Namen Koelble & Brunotte hört, ein bodenständiger Name, dessen frankophil anmutender Teil daher rührt, dass man sich erstens nicht allzu weit (1 – 1,5 Stunden) der Grenze zum französischen Nachbarn befindet, zweitens mehrere hugenottische Einwanderungswellen in jene schönen Gegenden erfolgten. Weshalb auch die – sonst eher verpönten – Vornamen Chantal Jeanette Jaqueline ein recht organisches Klangbild mit den landesüblichen Nachnamen abgeben (oder hab ich mich einfach dran gewöhnt? ;-)

  128. @poisson ja, seit wann kann...
    @poisson ja, seit wann kann man denn da promovieren? Echt? Nasowas! (aber Fernuni an sich ist doch gar nicht so dumm, oder?)

  129. Das Englischtümeln können...
    Das Englischtümeln können Sie auch Herrn Westerwelle überlassen. Is in gudd hänz seer.

  130. Wortschubse, Schakkeline passt...
    Wortschubse, Schakkeline passt eigentlich nirgends.

  131. so von schubse zu schieber: Oh...
    so von schubse zu schieber: Oh doch! Jacqueline passt scho! Oder was meinen Sie zu so herrlichen Bildungen wie Jacqueline Wehrli oder Jacqueline Gräsle, Jacqueline, das fügt sich wie René zu Schickele, ist halt in der Südwestecke daheim, wo sich Baden und die Schweiz schubsen, das Elsass den Schwarzwald schiebt und schmeichelt durchaus dem (naja gut: meinem!) Ohr.

  132. Es ist doch sehr eigenartig,...
    Es ist doch sehr eigenartig, in Norddeutschland ist man anglophil, in Süddeutschland liebäugelt man mit der italienischen Dolce Vita (im Westen mancheraorts mit dem nahen Frankreich). Als typisch deutsch wird nur dieses eigentümliche Spektakel Oktoberfest – man beachte auch den reizenden Blog zum Dirndl in „Ding und Dinglichkeit“- angesehen.
    Das soll keine der ewigen und untypischen Apotheosen auf das typisch deutsche sein, aber ist es denn wirklich so schwierig, einen guten Geschmack zu haben ohne irgendeiner Nation mit ihren typischen Accessoires hinterherzujagen?

  133. Es gibt da ein Bonmot –...
    Es gibt da ein Bonmot – Napoleon zugeschrieben – das, selbst wenn es nicht stimmen sollte, doch wahr ist:
    „Die preussischen Beamten sind unbestechlich. Selbstverständlich! Es gibt ja in Preußen auch wirklich nichts, womit jemand zu bestechen wäre.“

  134. Nun, seitdem man in Preussen...
    Nun, seitdem man in Preussen den Steuertopf sitzen hat, haben die ort Lebenden dazu gelernt, möhte ich befürchten.
    .
    Antoinette, in Bayern kann man das vielleicht eher mit den erlebbaren Räumen erklären. Warum sollte einem Hamburg näher sein als Verona, wenn es doppelt so weit weg ist? Kultureinflüsse orientieren sich nun mal eher an Nähe denn an Landesgrenzen.

  135. wortschubse, kein Problem,...
    wortschubse, kein Problem, dergleichen anzumerken, dazu sind Kommentare ja da.
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    Zapato, sagen wir mal so: Nachdem mein Schuster doch recht weit entfernt ist, wäre das Ordern einer grösseren Zahl Schuhe ökonomisch. Allerdings würden damit die Gründe für viele Reisen nach Verona wegfallen, und das würde mir nicht behagen. Also bestelle ich ein Paar, hole es nach zwei Monaten ab, bestelle wieder… und so weiter.

  136. sterne, danke - wandern Sie...
    sterne, danke – wandern Sie doch einfach weiter virtuell mit.
    .
    laperla, ich fürchte, man wird dem Land eine Kohljahrephilie verordnen, und ich werde eine Liebe zum mobilen Lebensstil entwickeln.

  137. @swina: Danke für den Tip mit...
    @swina: Danke für den Tip mit dem Figaro, werde ich mal ausprobieren (Bayern 4 ebenso).
    Was das Anders-sein angeht: Der ganze Blog handelt doch im Prinzip vom Anderssein. Wenn man (aus welchen Gründen auch immer) nun mal anders ist als die Leute um einen herum, hat man im Prinzip doch nur zwei Möglichkeiten: entweder man verbiegt sich und passt sich seiner Umgebung an, oder man trägt es mit Humor und kokettiert damit ein wenig. Man hat so ein Problem ja schon sehr schnell, da reicht schon eine „unpassende“ Freizeitinteressen/Berufskombination. Ich finde es nur immer wieder erstaunlich, wie schnell man in einer angeblich ach so individuellen Gesellschaft aneckt, wenn man nicht genau den Sitten und Gebräuchen seiner peer group entspricht.
    @poisson: Jetzt muss ich aber doch mal für Klassikradio in die Bresche springen. Neben dem Klanggeplörre, das es zweifellos gibt hört man oft genug hervorragende Mitschnitte von Orchestern wie den Wiener oder Berliner Philharmonikern. Zumindest bei den Mitschnitten der Berliner Philarmoniker kann ich aus eigener Anschauung sagen, dass sie bei Klassikradio so gut klingen wie es im Radio möglich ist.

    finde es übrigens sehr lustig, dass jetzt auch Hamburg-Bashing betreiben wird…
    ist als Zaungast sehr unterhaltsam ;-) als Nicht-Mitglied der upper class kann ich sogar schamlos dazu mein Feierabend-Bier aus der Flasche trinken 8-)

  138. Ey, chère Antoinette,...
    Ey, chère Antoinette, bezüglich des Südwestens irren Sie wohl! Das Französische ist in jener Gegend sowenig herbeigefabelt als Lafontaine nach Saarlouis, die Dingse liegen mitunter ein wenig komplizürter. Manchmal gehört es wirklich ganz original dazu. Sie werden gar Ortsnamen in jener Gegend finden wie Perouse oder Pinache, die sind keiner Modelaune entsprungen, es handelt sich um einfache, bescheidene Waldenserdörfer. Und überhaupt ist die deutsche Anglophilie den Angelsachsen ihr inniges Verhältnis zum Französischen. Und übrigens zieh ich die Dinger, die sich Dirndl nennen, manchmal ganz gern an. Machen eine Superfigur!

  139. Natuerlich bin auch ich...
    Natuerlich bin auch ich anglophil obwohl mir die schrecklichen Bombennaechte durch die RAF noch in guter Erinnerung sind. Als ehrbahrer Hamburger Kaufmann reiste ich durch die Welt und folgte der Lehre meines Professors, „das werden die Englaender noch bereuen, uns Anglophile so zu bombardieren „,nach dem Motto die Guten ins Kroepfchen, die Schlechten nach England. So habe ich in meinem wirtschaften Leben einen erheblichen Beitrag zum finanziellen Niedergang Englands geleistet. Trotzdem empfehle ich Noel Annan zu lesen, insbesondere „Former Enemies, current friends“, denn ohne die Englaender waere des heutige Deutschland halb so lebenswert. Don, Ihre Artikel sind the best.

  140. chère Antoinette: Wieso...
    chère Antoinette: Wieso sollte man all-dies nicht mit einem leicht amüsierten Auge betrachten? So lichteten Japaner eine russische Freundin als typisch Deutsche ab (nein, die ist kein bißchen blond, eher das Gegenteil davon), während ich denen nicht deutsch genug aussah, dafür ging ich in Blumenau (Brasilien) anläßlich des dortigen Oktoberfestes (jaja, das gibt’s) als typische Südamerikanerin bei den ebenfalls sich dort aufhaltenden Russen durch, während mein garantiert südamerikanischer Begleiter als typisch Deutscher…. (nein, ich sehe kein bißchen südamerikanisch aus und ich bin mir nicht mal sicher, ob ich zur Feier des Tages nicht doch das Dirndl trug;-)

  141. ...ach kinnings, ihr wisst gar...
    …ach kinnings, ihr wisst gar nicht wie schoen das hier ist:…., unellen hat wie immer extrem qualifizierte kommentare, savall gibt sich stilsicher, wortschubse kompetent, don alphonso mir raetsel auf (= was bitte hat das wort „commendation“ in einem zusammenhang wie dem oben genannten zu suchen ??)
    vielleicht guckt ja auch devin08 ja mal wieder rein, wenn er sich in den anderen foren ausgetobt hat.
    ich bin ja eigentlich hamburger (aus ueberzeugung), muss‘ (<--??) mir aber sagen lassen, dass berlin die bessere hauptstadt ist...., naja, schaun mer mal, dann sehn mer'(<--!!)s schon.

  142. commendation
    Lob {n}
    ...

    commendation
    Lob {n}
    Beifall {m}
    Belobigung {f}
    Empfehlung {f}
    lobende Einführung {f}
    Referenz {f} [Empfehlung]
    und noch viel Spaß beim Weiterätzen ;-) (da gibt es sicherlich noch ein paar blogs, die das dringend brauchen).

  143. Ulf Poschardt möchte noch...
    Ulf Poschardt möchte noch folgendes ergänzen: http://www.welt.de/kultur/article4668151/Wie-West-Berlin-leise-wieder-zurueckkehrt.html

  144. Spät entdeckt, desto mehr...
    Spät entdeckt, desto mehr genossen. Lieben Dank!

  145. nana, gern...
    nana, gern geschehen.
    .
    Nachtrag: Mich weht bei solchen illusionistischen Meisterwerken stets ein Kummerhauch an.

  146. Sehr geehrter Herr...
    Sehr geehrter Herr Alphons,
    habe Ihren Beitrag erst heute lesen können, da ich auf Reisen, u. a. an Ihrem Nachbarsee, war.
    Muß, als im von Ihnen nicht sonderlich geliebten Berlin lebender Hamburger, natürlich widersprechen, kennen Sie ja von mir nicht anders…
    Die nach außen getragene Anglophilie einiger selbsternannter Hanseaten (Herr v. B.-B., in HH läßt man das von weg! Und spricht auch nicht über die Bezugsquellen seiner Plünnen oder gar über seinen Club.) ist natürlich etwas albern, die grundsätzliche Nähe zu England liegt aber in der Schifffahrt und im Handel begründet.
    Daß man Jaguar fährt und Tweed-Jacketts trägt, ist in München oder Kronberg im Taunus nicht anders und nur äußerer Schein. Habe gerade in München bei Ed. Meier wieder ‚mal wunderbare britische Oberbekleidung gesehen, deutlich besser als bei Ladage & Oelcke.
    Wichtig ist sicher eher das Verhältnis zu Demokratie, Tradition, Bürgertum und Weltoffenheit, und das gibt es in Hamburg immer noch, und es ist erheblich besser ausgeprägt als in anderen deutschen Großstädten.
    Auch gibt es in Hamburg – im Gegensatz zu Berlin, aber auch München oder Frankfurt – eine Form von bürgerlicher Gesellschaft, die sich über Bildung, Herkunft und Umgangsformen definiert, nicht über geleaste Sportwagen oder bei Ebay ersteigerte Hermès-Krawatten.
    Insofern erscheinen mir die Einträge der Herren Julius und Honseot verständlich, es ist nicht ganz einfach, hier dazuzugehören. Open minded, but closed circles.
    Die von Ihnen sehr schön pointiert beschriebene England-Liebe der sogenannten Berliner Gesellschaft hingegen ist mir noch nicht aufgefallen.
    Allerdings:
    Die Möblierung des von Ihnen beschriebene Ort im Springer-Hochhaus ist – so habe ich es jedenfalls aus Erzählungen meines Vaters in Erinnerung – tatsächlich aus England, die Legende besagt, daß Axel Springer, der ja aus Altona (damals noch eine eigenständige Stadt im Schatten Hamburgs) stammte und Zeit seines Lebens die englischen Verleger ebenso bewunderte, wie die englische Gesellschaft und mit dieser Liebe zu Großbritannien auch ein wenig seinen Minderwertigkeitskomplex der Hamburger Gesellschaft gegenüber kompensierte, daß dieser Axel Springer davon erfuhr, daß die Bibliothek der „Times“ renoviert werden sollte und die demontierten Möbel aus London erwarb und im Springer-Haus in Berlin einbauen ließ.
    Ich war selber noch nie dort, aber die Geschichte erscheint mir durchaus glaubhaft, Axel Springer war auf jeden Fall ein Mann, der zwar nicht übermäßig gebildet, aber äußerst kultiviert war und ein ausgeprägtes Gespür für Symbole und Stimmungen hatte.
    Den Hamburgern galt er übrigens immer als Parvenue, obwohl sie alle immer gerne bei ihm eingeladen wurden…
    Beste Grüße, hs.
    P.S. Schön war’s in Ihrer bayrischen Heimat, aber noch schöner war’s in Zürich!

  147. @MarkusvonBentheim Burg

    Das...
    @MarkusvonBentheim Burg
    Das Hamburg nun besonders „britisch“ sei, ist so eine lang gepflegte Selbst-täuschung der Hamburger. In der britischen Presse (ich glaube es war die London Times) wurde diese Illusion letztens mit gehörigem Erstaunen kommentiert. Ein Tweedjacket macht nun noch keinen Upper-Class Briten, und Pferderennen in Hamburg Horn ist auch nur begrenzt mit Royal Ascot zu vergleichen – lustige Hüte hin- oder her.

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