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Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Jung, dumm und glücklich dank 68

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Also, ich finde die 68er sicher besser als die 18er, die 28er, die 38er sowieso, die 48er sollen auch nicht so prickelnd gewesen sein, und die 58er hatten gerade mal ein Goggombil. Die 68er dagegen hatten Spass und waren auch so freundlich, ihren Kindern etwas davon mit ins Leben zu geben, wie das Versprechen, dass sie eines Tages einfach aufbrechen würden, die Heimat hinter sich lassen und auf einem Berg sitzen und meditieren. Das mit dem Meditieren hat zumindest in meinem Fall nicht funktioniert, aber dafür geht es mir prima, der Kofferraum ist voller Speck, und ich verstehe überhaupt nicht, was all die Gegner von 68 überhaupt dagegen haben können.

Die Welt hatte aber gar nicht die Absicht zusammenzustürzen, ob nun Paolo Rubini ins Büro ging oder nicht.
Silvio Toddi, Einmal Venedig und zurück

Gemeinhin wird in gewissen deutschen Medien bis hinab zu den Wurmgebüchsen der Oligarchie behauptet, die 68er hätten Deutschland so umluxuriös, gleichmacherisch und genussfeindlich gemacht, ganz so, als hätte es zu Adenauers Zeiten kein Eisbein in Aspik gegeben. Dabei wurde das logistische Rückgrat der besseren, eisbeinfreien Gesellschaft – die im Übrigen am eigenen Leib von 68 so viel merkte wie von einer Hungersnot in Nordkorea – durch den Kapitalismus gebrochen. Denn mit dem Kaufhäusern und ihren Feinkostabteilungen wurden in den Städten die Feinkostläden umgebracht und ausgerottet, und sobald die Konkurrenz weg war, verschwand in den Kaufhäusern auch die Feinkostabteilung, da es sich angeblich nicht lohnte. Italien hatte 68 die Roten Brigarden, Frankreich schwere Strassenschlachten, Österreich eine dicke braune Tradition, und alle haben sie trotzdem ihre kleinen Feinkostläden behalten. In Deutschland gibt es noch ein paar grosse Feinkosthändler und Markthallen mit extrem überzogenen Preisen, wo man banalsten Südtiroler Speck für eine exklusive Sache hält und Hirschwurzen der Ortlerregion als Delikatesse anpreist, obwohl man in den Bergen die zu zahlreichen Tiere zwangsweise abschiessen muss.

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Im übrigen war 68 eine kurzlebige Erscheinung ohne tiefere Bedeutung, ausser dass man Willy Brandt wählte, Kinder nicht mehr prügelte und Mao vermutlich mit weniger Begeisterung lass, als heute Merz und Hayek. Kann ja sein, dass man der Jugend in den 60ern die Weltrevolution und in den 70ern die freie Liebe versprach, wie man ihnen in den 30ern Lebensraum im Osten zusagte, und ab Mitte der 40er ein paar Konservendosen. In den 80ern lautete das allgemeine Versprechen an die immer noch, aber nicht mehr ganz so dumme Jugend mit 68er-Eltern schon: Eines Tages wirst du mit deinem Sportwagen nach Italien fahren, das Wetter wird grandios sein und der Anlass vollkommen nichtig. Du wirst den Anlass einfach konstruieren. Du wirst deine Freunde in Berlin und Frankfurt fragen, was dort für italienische Spezialitäten verlangt wird und was sie haben wollen, du wirst merken, dass deine Frau Mama den ganzen Espresso aufgebraucht hat, und wenn sie am nächsten Tag zu Besuch kommt, möchtest du mit Parmaschinken aufwarten. Aus Italien. Und so kommt es auch. Man fühlt sich wieder jung und angenehm dumm, als man die Ausfahrt zu einem Akt des Widerstandes gegen das Diktat der Warenhäuser und das von Unkundigen inszenierte Geschmäcklertum in Frankfurts Kleinmarkthalle deklariert.

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Also, ich weiss zwischen den Kurven und Rampen oberhalb von Innsbruck wirklich nicht, was die alle mit ihrem Hass auf die 68er haben.  Dass ich hier bin, verdanke ich nicht dem Kapitalismus, der mir Schinken für 69 Cent aus Formfleisch anbietet, ich verdanke es einer gewissen Grosszügigkeit der Erziehung, Kinder einfach mal was machen zu lassen. Als ich 16 war, hatten meine Eltern nichts dagegen, dass ich nach Südfrankreich geradelt bin. Ich durfte allein nach Florenz und mich dort selbst durchschlagen, auch wenn ich die wichtigsten Punkte – die Museen, die Kirchen, Pineider, ein paar Restaurants – schon von meinen Eltern her kannte. Vielleicht liegt der Hass einfach daran, dass die damals andere Eltern hatten, die ihnen all das nicht erlaubten. Ich kannte einen Jungen, dessen strenge Eltern zwei Drogeriemärkte hatten, die von den Ketten in den Ruin getrieben wurden, und die Leuchtreklame lag bei denen im Garten – der ging dann zur Jungen Union. Wir nicht. Wir waren links, und heute fliege ich über den Brenner und dann hinunter nach Sterzing. Vielleicht sammelt er heute Wahlplakate ein. Was weiss ich.

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Ich weiss allerdings genau, wo ich amSonntag in Sterzing Apfelstrudel bekomme, selbst wenn die beliebte Konditorei Häusler, bei der wir immer waren, geschlossen hat. Weiter oben ist die Konditorei Prenn, die auch nicht schlechter ist. Es ist wie früher, ich kaufe den Strudel gleich nach Kilo, das macht man hier so. Dass vor mir ältere italienische Männer in Jeans und mit Baseball-Kappen sind, finde ich jetzt nicht so toll, früher trugen die meistens noch Anzüge wie Marcello Mastroianni, aber das liegt vermutlich nicht an 68, sondern am amerikanischen Beitrag zur Globalisierung. Zufrieden gehe ich zurück zum Wagen, fahre wieder Richtung Brenner und halte an einem Ort, an dem man mich nach den Äusserlichkeiten nicht erwarten würde, aber so ist das eben, wenn man der Globalisierung und dem Diktat der Märkte entgehen will.

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In diesem niedrigen Betonbunker nämlich, der die Kulisse eines Südtiroler Road Movies abgeben könnte, gibt es auch am Sonntag die typischen Produkte des Landes. Speck von Rossi aus Sterzing, Kaminwurzen von Gasser aus Klausen, und Hirschwurzen von Siebenförcher, deren Laden unter den Lauben von Meran – so könnte man das schwärmerisch in der Kleinmarkthalle anpreisen und an Banker verkaufen, die Qualität preisen und winzige Stückchen zum Probieren hinlegen und danach auch noch einen überteuerten Modewein anbieten – nun ja. Hier ist es normal. Ich nehme gleich etwas mehr mit. Auf der anderen Seite der Berge gibt es davon vermutlich nie genug.

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Natürlich kann man auch auf der anderen Seite der Berge Speck räuchern, aber der schmeckt dann nicht nach dem Holz der Berge, und statt der Gewissheit, dass die Tiere ein sauberes Leben in den Bergen hatte, bekommt man irgendwelche Nachweiszertifikate. Aber auch das ist so eine 68er-Haltung, der manche einen schnellen Tod wünschen, zusammen mit der Einführung von genetisch veränderten Nahrungsmitteln und –  angeblich keinesfalls schlechterer – Massenproduktion.  Ich finde ja, dass man allen Öko-Kritikern, die heute etwas gegen ökologische Ernährung vorbringen und meinen, damit solle jetzt wieder Schluss sein, lebenslang altdeutsches Eisbein in Aspik geben sollte, damit sie mit gutem Beispiel vorangehen. Ich denke, sie werden das als „lecker“ bezeichnen, oder in ihren proamerikanischen Varianten „yummie„, das passt zu ihnen. Ab und zu gibt es ein Hähnchen aus weissrussischen Beständen, die mit dem Medikamentencocktail. „Heute bleibt die Küche kalt, heut gehen wir in den Wienerwald“, titelte in den 70ern ein dem Franz Josef Strauss nahestehender Hendlbrater. Das war Anti-68. Bei uns wurde immer mit drei Gängen gekocht.

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Voll beladen bedaure ich es fast, keine Hemden mitgenommen zu haben. Wie wäre es jetzt, denke ich mir, spontan noch zu bleiben, wie meine Eltern das auch taten, die sich nie an exakte Zeitpläne hielten, und die Gelegenheiten nutzten, statt im Pauschalurlaub zu nehmen, wofür man bezahlt hatte. Nach links ist die Strasse gerade frei, es ist erst halb zwei, ich muss noch nicht zurück, also biege ich nach Süden ab und dann nach Westen, Richtung Jaufenpass. Man hat es uns versprochen, die Sache mit dem Cabrio, dem Süden, dem schönen Wetter, tu was du willst, und das mache ich auch, und die Mariazeller Messe lässt mich hinauf zum Pass fliegen, weit entfernt all der vernünftigen Volvos und was sonst man so fahren mag, wenn man sein eigenes Leben und das der anderen gern in globalisierten Blau- und Grautönen haben möchte, ein Dasein wie in der Bankenwerbung. Entsetzlich unbunt ist dieser neue Konservativismus, finde ich, so steif, so gebügelt, und mir ist es im Licht so egal, so unfassbar egal, dass mein Leinensakko gerade beim Schleudern durch die Kurven knittert.

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Dann bin ich oben. Vor mir das Passeier Tal, in 30 Kilometer Entfernung wäre Meran. Hätte ich nur Hemden dabei, dann könnte ich… aber wohin dann mit dem Käse und dem Fleisch, wie von dort wieder loskommen, wenn man schon mal dort ist. Manchmal frage ich mich, ob diese korrekten Leute in ihren korrekten Anzügen nicht auch die Lust verspüren, so etwas zu tun, oder ob sie einfach nur indolent sind wie jener Einkaufsmanager der kleinen, dummen Stadt an der Donau, der sich laut Anklage mit über 800.000 Euro hat bestechen lassen und ohne Schuldbewusstsein argumentiert, davon habe ja auch seine Firma profitiert, und das sei so üblich gewesen, altes Herkommen gar. Wie wird man so? Wieso macht man es sich so einfach? Ich fühle mich recht jung und etwas dumm hier oben, glücklich sicher auch – ich nehme einen Schieferstein von der Höhe mit, um ihn in meinen Garten zu legen, um mich an diesen Tag zu erinnern. Ein Stein als Andenken. Das ist sehr 68, nehme ich an, und nicht Feng Shui, aber ich mag es.

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Natürlich brauche ich, wie die anderen auch, solche Orte zur Selbstvergewisserung. In meiner Berliner Zeit habe ich diese Höhlen der neukonservativen Entscheider auch besucht, ich fand das Essen in der Bertelsmannstiftung nicht so gut, die Hostessen irgendwie zu devot und charakterlos – wie hält man diese Männer dort eigentlich den ganzen Tag aus, ohne Gemeinheiten zu tuscheln? – und das gegenseitige Bestätigen der Transatlantiker sehr gezwungen. Ich mag deren Stilbaukästen mit USM und Eames seitdem nicht mehr besonders, und auch nicht diese massgeschneiderten Lebensläufe und die vereinheitlichte Ausdrucksweise, die ziemlich sicher den Funktionen von Powerpoint geschuldet ist. In zwanzig, dreissig Jahren, nehme ich an, wird uns diese Ästhetik erscheinen wie alte Aufnahmen aus dem Politbüro der DDR, dessen Insassen – übrigens, dass diese neuen Konservativen auch ein Faible für die Jagd entwickeln, ist auch so eine Sache, die sie mit den nach oben gespülten Kadern der DDR gemein haben. Drüben an der Strasse kommt etwas, was eher mein Rollenmodell für das Alter wäre, da grauschiebelt es aus einem quietschroten 911er Targa aus den 70er Jahren.

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Die kommen sicher von Meran zurück, fein für sie, sie hatten Wäsche dabei. Daheim stand mein Louis-Vuitton-Koffer mit den Hemden, den ich nicht mitgenommen habe. Das ist übrigens auch so eine Sache, natürlich haben die 68er mein Leben positiv geprägt und das Land zu seinem Besten verändert, aber deshalb laufe ich nicht mit Latzhosen rum oder bohre mir wie gewisse Leute das Schmalz aus den Ohren, wenn der Saal für die Präsentation verdunkelt wird, bestes Berlin mit Blick auf die Spree. Die Batiktaschen sind verschwunden, ein Irrweg, aber ich glaube nicht, dass die Klapprechnertaschen der entscheidenden Bürosklaven später mal dem gleichen Schicksal negativer Beurteilung entgehen werden. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie das Photoalbum so eines Anti-68ers aussieht; vermutlich wie eine Bewerbungsmappe für eine Beratungsklitsche.

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Ich drehe um, ärgere mich noch ein wenig über die vergeudete Gelegenheit für eine Nacht in Meran, gleite entlang den letzten Strahlen des Sonnenuntergangs hinunter ins Inntal, und über dem bergklaren Zillertal steht später der Vollmond. Es ist bitterkalt, aber ich fahre immer noch offen, ganz eins mit den Bergen und der kalten Luft über mir, und packe am Tegernsee aus. Unter dem Strudel und den restlichen Einkäufen ist eine grosse, flache Ledertasche; meine seit Wochen vermisste Steamerbag jenes beliebten Luxushauses, die ich verzweifelt suchte, weil darin ein paar neue Hemden und andere Wäsche verstaut waren. Und sogar eine Krawatte, etwa für ein Kurkonzert in Meran.  

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128 Lesermeinungen

  1. Nel blu dipinto di blu
    Felice...

    Nel blu dipinto di blu
    Felice di stare lassù

  2. Wie immer, Don Alphonso, ist...
    Wie immer, Don Alphonso, ist Ihnen Ihr Beitrag sehr gut gelungen. Eines gebe ich aber zu denken: Die Atlantiker und Neocons in Berlin haben Geld und Stellen [in Anlehnung an TVÖD 13 – mindestens] zu vergeben. Von Hostessen zu schweigen. Dies wirkt auf Sozialwissenschaftler anziehend. Auf solche aus guter und aus weniger guter Familie, möchte ich hinzufügen. Aber wir beide sind immun :)

  3. "ausser dass man Willi Brand...
    „ausser dass man Willi Brand wählte“
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    Werter Don, entweder meinen Sie eigentlich „Willy Brandt“, oder ich habe den Witz nicht verstanden. (Oder schreiben Sie einfach „Herbert Frahm“, das verrät profunde Kenntnisse der Zeitgeschichte.)

  4. Ein Loblied auf die 68er? Das...
    Ein Loblied auf die 68er? Das vermutlich erste und einzige, das ich seit langer, langer Zeit gelesen habe, außerhalb der linksliberalen Presse. Very fine!
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    Ansonsten ist das gauche caviar in bester Form, der Speck, der blauschimmernde Himmel auf den Bildern. (Was durchaus positiv zu deuten ist – im Gegensatz zur mainstream-Meinung vor allem in D besteht keine unmittelbare Verbindung zwischen Asketismus und eine progressiven politischen Weltanschauung.)

  5. @ DonAlphonso
    Im Übrigen war...

    @ DonAlphonso
    Im Übrigen war 68 eine kurzlebige Erscheinung ohne tiefere Bedeutung? Mitnichten! Ihr Anspruch von Anfang an die Wogen zu glätten und die Emotionen klein zu halten in allen Ehren. Entscheidender Anstoß zur Globalisierung, eben nicht nur wirtschaftlich, war 68. Vor diesem Hintergrund frage ich mich, wie groß ist eigentlich die kleine Welt, die Sie beschreiben? Sind Sie Teil einer Elite? Aber wo ist dann die Masse? Manchmal kommt es mir so vor, als würden Sie einer Vergangenheit nachtrauern, die auch nur für eine Elite existierte. Und auch heute ist ihr Hauptdaseinsmerkmal Abgrenzung. Kommt man sich da nicht einsam vor?

  6. Werter Don Alfonso !

    100 %...
    Werter Don Alfonso !
    100 % Zustimmung – selbst bis ins letzte Detail (z.B. den globalisierten Farbgebungen und dem Huschke von Hanstein Muetze)
    Schau mir das ganze Spiel jetzt mal eine Zeit lang aus der Ferne an.
    Mitten zwischen drei Vulkanen habe ich meine Streetcruiser durch einen 94ger Landcruiser ausgetauscht.
    Meine Armbanduhr habe ich bereits 1998 auf Anraten eines Kochs in der Devotionalentruhe auf dem Speicher deponiert.

  7. Genau das, Avantgarde, summe...
    Genau das, Avantgarde, summe ich auch immerm wenn ich über den Brenner rolle.
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    Kristian, als ich in Berlin war, habe ich auch eine Entlassungsrunde gesehen, weil so ein Verein etwas weniger Zuschüsse vom Staat bekam, das war dann weniger lustig und hat eine Bekannte, die extra aus Frankreich für diese Arbeit kam, doch in ihren Grundfesten erschüttert. Und viele dieser Klitschen – es gibt wirklich zu viele davon – sind längst zu Versorgungseinrichtungen verkommen. Ansonsten steht es jedem frei, dergestalt auf Knien zu leben. Meins wäre es nicht..

  8. Ernst Karl, danke, da war ich...
    Ernst Karl, danke, da war ich zu hastig hinten und zu schludrig vorne – keine gute Kombination.
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    Georgiana Darcy, kein Loblied, ich verstehe nur diese Gehässigkeiten von Leuten nicht, die sich anschauen würden, würde man sie wirklich in eine Zeit von 1968 zurücktreten. Da könnte sich so mancher Schmierfink seine gschlamperten Verhältnisse mit dem Prekariat sparen, da wäre Schluss mit dem Leben der speckigen Maden, da hätte man einen Verhaltenscodex, den kaum einer von denen noch erfüllen könnte. Und das, was gewisse Leute schlagwortartig 68 unterstellen, dieser pathologische Hass des Hauses Springer – ich mein, das hat sich alles eingerenkt. Zu unser aller Vorteil, solange man nicht gerade schmierigen Boulevard, die Welt, den Abbau von Arbeitnehmerrechten und andere Verblödung verkaufen will.

  9. "Herbert Frahm" verhaelt sich...
    „Herbert Frahm“ verhaelt sich zu Willy Brandt wie FDJ Sekretaerin Angela zu Kanzlerin aller Deutschen. In etwa.

  10. Werter Don A.
    sehr feine...

    Werter Don A.
    sehr feine Fotos. Vor allem der Speck macht Lust es Ihnen nach zu tun. Nun immerhin habe ich letzte Woche auch einen Tag an „Ihrem“ See verbracht. Ich musste einfach einem Berliner mal das Zuckerbäcker Bayern präsentieren! http://schwarzmarkt.blog.de/2009/10/02/haus-see-7082749/

  11. ErnstWilhelm, ich will gar...
    ErnstWilhelm, ich will gar nichts glätten, es ist halt so: Unter dem lauten Protestieren wartete einfach eine Mehrheit, die etwas verändern wollte und auch dafür sorgte, dass es politisch und gesellschaftlich verändert wurde. Weil das, was man davor hatte, wenig erfreulich und noch voll mit braunen Ansichten und Gesetzen war. Als meine Eltern geheiratet hateb, konnte man noch angezeigt werden, wenn man unverheirateten Paaren eine Wohnung vermietete, und Gatten konnten ihren Frauen verbieten (!), zu arbeiten. Mir scheint, die Gegner scheinen mitunter zu vergessen, was da an historischem Müll zu bedeitigen war. Wie gesagt, ich würde den Adenauer-Fetischisten wirklich gern den Rheingoldexpress geben, und eine Ecke des Landes, in der sie die Zeit davor nachspielen können. Und das alles selber ertragen, ohne den Leuten diese schauderhafte posttotalitäre Epoche als Vorbild hinzustellen. Die Behauptung, 68 wäre der Anstoss zur Globalisierung gewesen, die nehme ich nicht an. Da müsste man mir schon beweisen, dass Dutschke ein Grossreder war, und der SDS japanische Kameras importierte.
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    No. 6., glücklicherweiswe ist die Mütze nicht aus Hanstein’scher prä-45-Produktion, sondern aus England und in den Niederlanden erstanden. (In den Niederlanden ist es mit den Delikatessengeschäften, den Hutgeschäften und den Farbengeschäften ganz ähnlich wie in Nichtdeutschland). Ein wenig Entschleunigung und Abkoppelung vom Ideal der frühaufstehenden Leistungsfetischisten tut uns allen ganz gut, denke ich.

  12. <p>XOT, sehr in...
    XOT, sehr in etwa.
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    BlackJack, man denkt sich immer, dass es am Tegernsee schön ist, bis man oben am Jaufenpass steht:
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  13. Ja, die »Feinkost« - Wüste...
    Ja, die »Feinkost« – Wüste Deutschland. Ich verstehe wirklich nicht, warum die Fischauswahl in jedem italienischen oder französichen Laden weitaus besser ist (selbst im hintersten Hinterland) als in besseren deutschen Geschäften.
    Wer in Deutschland ein paar einfache Austern kaufen will, der wird regelmässig schief angeschaut und hat dann abartige Preise zu zahlen, daür bekommt man dann woanders fast eine ganze Steige.
    Für etwas fleur de sel zahlt man in Deutschland schnell einmal 5 Euro, etwa dem Dreifachen von dem was es in Frankreich kostet. Für mein Bratolivenöl zahle ich in Deutschland 22,99 Euro, bei einem kleinen Weinhändler in der Comeser Innenstadt kostet der gleiche halbe Liter gerade mal 9 Euro.
    Aber, glücklicherweise ist Frankreich nicht allzu weit. Zumal wir in Baden ja doch noch um Welten besser sind als der Rest der Republik. Mein Metzger hat gerade frisches Wild (aus dem Schwarzwald und nicht dieser Neuseelandschrott) und französiche Fasanenbrüste.
    Gelegentlich fülle ich meine Mineralwasservorräte mit Tagesausflügen nach Como auf. Die Schwarzkopff über St. Gotthard gehört kann aber sehr gefährlich werden. San Gemini ist ein ungemein gutes Mineralwasser und leider nirgendwo in Deutschland zu finden.
    Die 68er Einsprengsel wirken sehr bemüht, in gewisser weise »Fremdkörper«. Aber, ich lasse Ihnen natürlich den Groll. Das gehört zum Menschsein dazu.

  14. Lieber Don,
    vielen Dank für...

    Lieber Don,
    vielen Dank für die schönen Fotos, das ist wahre Entspannung in der Kaffeepause. Ich beneide Sie ehrlich um diese Freiheiten, ein an den Arbeitsplatz gefesselter Mensch muss sich entweder Urlaub nehmen oder sich am Wochenende mit den anderen in den Stau stellen…
    jaja, zu den 68ern. Den Frauen, die gegen die 68er wettern (oft gerne in Verbindung mit Lästereien über Alice Schwarzer) erzähle ich auch gerne wie vorher die Zustände waren. Dass sie viele ihrer gesellschaftlichen Freiheiten als Frau den bösen 68ern verdanken (wieviele Frauen starben in Deutschland nochmal jährlich vor der Reformation des § 218 an verpfuschten Schwangerschaftsabbrüchen?). Willy Brandt nehme ich es in diesem Kontext übrigens posthum sehr übel, dass er bei der Abstimmung zum §218 demonstrativ den Saal verließ („ich als uneheliches Kind“ usw.), selber aber seine Frau in frühen Ehejahren zu einer Abtreibung drängte (nachzulesen in „Die Antwort“ von Alice Schwarzer).
    Damals wäre eine Bundeskanzlerin jedenfalls undenkbar gewesen, genauso wie ein offen bekennender Homosexueller als FDP-Vorsitzender, der wäre nämlich vor 1969 noch unter den § 175 gefallen… insofern sollten auch mache „Konservative“ ihre Kritik an den 68ern differenzieren und stets anerkennen, dass sie von den damals erkämpften Rechten heute auch profitieren.

    ich kriege jetzt übrigens richtig Hunger auf eine schöne Südtiroler Brotzeit und Apfelstrudel zum Nachmittagskaffee… naja, was letzteren angeht so werde ich am Wochenende wieder damit versorgt, die Oma meines Mannes macht ganz in guter alter Tradition der böhmischen Küche den Apfelstrudel komplett selber (wir kriegen den dann auch kiloweise mit – uns essen ihn erstaunlich schnell auf :-))

  15. Dipsy, wie sie wirken, ist...
    Dipsy, wie sie wirken, ist nicht meine Sache, aber tatsächlich überlegt man sich beim Fahren eben solche Dinge, gerade weil es im Gegensatz zum Geplärre diverser Medienhäuser ja nicht so ist, dass die Kinder der 68er missraten wären. Oder lustfeindlich. Oder was auch immer.
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    Es gibt da eine amüsante Sache: In Rottach am Tegernsee ist ein Tengelmann, der sich Mühe gibt. Und in Scholastica am Achensee, über der Grenze, ist ein M-Preis normaler Ausstattung. Dort kaufen sehr viele Deutsche ein. In Rottach sehe ich nie einen Österreicher. Schon lustig, aber wirklich gut wird es unten im Inntal, in Schwaz. Da gibt es Feinkost Josef Pedevilla.
    .
    unellen, man darf nicht übersehen, dass ich dort nicht extra anreisen muss, das ist für mich einfach die nähere Umgebung. Es ist kein Problem, nach Meran oder Brixen zum Mittagessen zu fahren. Ansonsten muss man erst gar nicht zu den grossen Dingen und Politikern (ahem) gehen, das zeigt sich alles schon im Kleinen, Zwischenmenschlichen: Die wenigsten, die 68 revidieren möchten, können heute auch nur so sprechen und sich benehmen, dass sie in einer Welt vor 68 irgendwie akzeptiert würden.

  16. @Don Alphonso: Eine...
    @Don Alphonso: Eine hervorragend-lustvoll-zu-lesende Ergänzung zu Ihrem letzten Beitrag – beziehungsweise der dann stattfindenden Kommentierungswelle, die irgendwann so sehr abflachte, dass sich kein Strand mehr fand, sie aufzunehmen… Vielen Dank!
    .
    Vielleicht haben einige Inseln der 1950er Jahre noch bis heute überlebt. Ich denke da an die zwanghaften Gemeinschaften von Schrebergartensiedlungen, in denen ein Stiefmütterchen zu viel oder eine zu lebendig rankende Gurke Anlass für eine Vorstandssitzung mit anschließender Ordnungsmaßnahme ist.

  17. Klingt für mich nach einem...
    Klingt für mich nach einem gelungenen Sonntagsausflug. Auch wenn ich persönlich bei derart perfektem Wetter eher das Madritschjoch angesteuert hätte.
    Lassen Sie es sich schmecken!

  18. Werter Don A.,

    wenn Sie keine...
    Werter Don A.,
    wenn Sie keine Hemden dabei haben sollten Sie sich einer hervorragenden Maszschneiderei in Meran bedienen – falls es letztere noch gibt.
    @XOT: Full Ack!!!
    P.S.: Wann bekommen wir wieder ‚was von der „Donna“ zu lesen ?

  19. Werter Don, ein schöner geht...
    Werter Don, ein schöner geht fast immer, leider sehr viel häufiger ein schlimmer geht immer.
    In Rottach habe ich übrigens für Sie vor dem Escadaladen eine Don A Blog Gedenkminute eingelegt. *lol* (der musste jetzt neudeutsch hier rein)
    Ach ich sonne mich auch gerne in manch Errungenschaft, der den Mief alter Zeiten aus den Buden trieb. Obwohl damit vielleicht auch manch gute Tradition verloren ging.

  20. Wehrter Don,
    danke für diese...

    Wehrter Don,
    danke für diese Zeilen.
    Herzlichst P.

  21. Vielleicht ist das ja das...
    Vielleicht ist das ja das Mensch sein: das sich etwas gönnen können und genug Kultur (muss ja gar nicht so sehr viel sein) dass einem einfällt, was man sich gönnen könnte und wie man geniesst… tief einatmen, riechen, lauschen, schauen, fühlen. Lieben können, sich am Kleinsten und am Grösseren erfreuen.
    Ihr Ausflug waren mir die Tomate, gestern, aus dem Garten, so reif dass man sie einfach so pellen kann, nicht mehr viele, sodass wir sie gleich an Ort und Stelle verputzt haben.

  22. @ No. 6
    Landcruiser - eine...

    @ No. 6
    Landcruiser – eine wirklich gute Wahl. Bin so seit ca. 20 Jahren unterwegs. Von der „Erleuchtung“ und dem Anlasser mal abgesehen kreuzt man hier von den Fesseln jeglicher Elektrik und sonstiger vermeintlicher Annehmlichkeiten befreit. Starrachsen, Blattfedern und das Nichtvorhandensein einer Servolenkung unterstreichen diese Art des Vorwärtskommens. Und fast hab’s ich vergessen: Sprengringfelgen, Aschenbecher und rechter Außenspiegel serienmäßig.

  23. @Don Alphonso
    Mir ging es um...

    @Don Alphonso
    Mir ging es um die nichtwirtschaftliche, gesellschaftliche Globalisierung. Ohne diese säße ich jetzt nämlich gerade nicht in Moskau sondern wahrscheinlich als Beamter des mittleren Dienstes in einer Behörde im südöstlichen Niedersachsen. Bereits vor dem ersten Weltkrieg gab es eine Globalisierung. Freier Warenverkehr und freie Finanzmärkte sind keine Erfindung der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Die heutige Globalisierung betrifft jedoch auch umfassend die Gesellschaft und die Kultur. Nicht nur einer Elite sondern breiter Bevölkerungsschichten in fast allen Ländern der Welt. Ansonsten mal zwei Fragen. Was sind „Wurmgebüchsen der Oligarchie“? Und zweitens, wie isst man so eine Kaminwurze? In Aserbaidschan habe ich festgestellt, dass die ostfälische Kopfwurst, eine streichfähige Rohwurst, sich bestens mit dem dortigen Fladenbrot (Təndir çörəyi) verträgt. Auch diese Erkenntnis verdankt die Welt der Globalisierung.

  24. Lieber Don,

    einfach nur...
    Lieber Don,
    einfach nur schön geschrieben. Auch wenn ich als Schleswig-Holsteiner die von Ihnen beschriebenen Örtlichkeiten leider nicht kenne, machen sie Lust auf einen Urlaub im Süden der Republik und in den angrenzenden Ländern. Ich packe dann meinen TT ein und nehme mein Iphone aus dem USM Regal (war ein Scherz). Vielleicht besuchen Sie auch mal unser schönes Schleswig-Holstein, die Ostseeküste ist ein Traum und bietet allerlei Köstlichkeiten.
    Viele Grüße

  25. Wenn man den Protagonisten...
    Wenn man den Protagonisten glauben darf, war es ja eher 67, und 68 eigentlich alles schon gelaufen. Aber sehr schön, danke. Das mit dem Stein kenne ich auch so, ich habe mir mal einen von Saint-Jean-Cap-Ferrat mitgenommen, ein abgebrochenes Stück der ausgewaschenen Kalksteinspitze des Cap unterhalb der Pinien, im sog. „Daypack“ dann zur Regionalbahn transportiert. Ach ja, Frankreich. Wobei 68 hierzulande ja eher ein Abklatsch der Geschehnisse in Frankreich war, überhaupt 68 eine internationale Angelegenheit von Moskau bis nach Mexiko war, und gerade in seiner spezifisch deutschen Variante natürlich auch sowas wie das geistlose Hinterherlaufen hinter neuen autoritären Vaterfiguren – Mao wurde schon genannt – beinhaltete. Der Punkt an 68 in, beispielsweise, Frankreich war aber das Bündnis zwischen Arbeitern, Studenten, Kultur und Intelligenz, der Generalstreik, die Parolen der Künstler, die Diskussionen an der Sorbonne, die Brinton so ergreifend schilderte, die überstürzte Flucht de Gaulles; insgesamt also der Vorschein einer Art von großzügiger Freiheit für alle, die über die eng gebundenen Krawatten der Anhänger eines bürgerlichen Hayek-„Liberalismus“ weit hinauswies, und nicht dahinter zurück wollte, wie man heute nicht müde wird, uns weis machen zu wollen. Deshalb sind diese Jahre bei jenen Neu-Konservativen im liberalen Mäntelchen wohl auch so verhasst, verleugnet, diffamiert, und man arbeitet sich noch heute so sehr daran ab. Damals wie heute hat man dem einfach wenig entgegenzusetzen. Zu guter Letzt – was ist geblieben? Mitbestimmung, Sensibilität für gesellschaftliche Minoritäten, ein desavouierter Mainstream der Anpassung, der bis heute nicht darüber hinweg kommt, Wowereit und von Beust, Merkel und die Grünen. Und eine ganze Menge damals gestellter, und weiterhin offener Fragen, wie ich meinen will. Obwohl meine Eltern nicht einmal echte 68er waren (dafür heute auch keine Renegaten sein müssen). Aber einen Hauch davon hat wohl fast jeder abbekommen, der zu dieser Zeit wirklich lebte, und empfand.

  26. Werter Don A.,

    vorhin vergas...
    Werter Don A.,
    vorhin vergas ich zu fragen: Ist das Wappen auf der Barchetta jenes Ihrer Familie ?

  27. Ich habe testweise ein...
    Ich habe testweise ein Graubündner Wappen am Wagen, um mich als leichte Beute für Zöllner erkenntlich zu machen.
    .
    Ephemeride, erstaunlicherweise werden auch diese letzten Ecken der 50er geschleift, angefangen bei der CSU bishin zu den Kleingärtnern, die sich selbst zu ihrem Erstaunen auf Seiten der Umweltschützer wiederfinden, und mitunter auch solche Nachbarn haben. Nicht jeder Schrebergärtner ist zwingend spiessig, da hat sich durchaus was getan. Die ganze Wirtschaftswundergeschichtsfälschung von INSM und Co. geht ja auch mehr dahin, den gesellschaftlichen Konsens für die eigenen Zwecke zu verbiegen. Die wollen natürlich auch gerne weiterprassen, nur eben als Stichwortgeber.

  28. Moritz, Sie haben meine gerade...
    Moritz, Sie haben meine gerade Neugier geweckt. Welche lokalen kulinarischen Spezialitäten und Orte der Ostseeküste können Sie denn besonders empfehlen?

  29. Ich bin erstaunt, wie...
    Ich bin erstaunt, wie widerstandslos sich hier die Neo-Toscanistas durch Don Alphonsos Danaerlob an die 68er bauchpinseln lassen.

  30. wollten sie nach der
    hohen...

    wollten sie nach der
    hohen see
    des letzten eintrages nicht etwas
    angenehm dahinplätscherndes
    formulieren?
    ich befürchte ja …
    .
    als zonengirl kann ich mich heute nur auf die zuschauerbank setzen.
    mangels feinkost/meran- und 68er-erfahrung.
    vielleicht
    nur eins am rande:
    nicht ein jeder hat die möglichkeit, sein dasein jenseits „kniender“ lohnsklaverei zu verbringen. das muß man sich ja erst einmal leisten können (zumal als mutter/vater) – ich würde mir ihrerseits etwas weniger verachtung? (oder was immer es auch ist, was ich da lese) wünschen. – genießen sie einfach, daß sie über freiheiten verfügen, welche andere (noch) nicht besitzen oder anstreben.
    [ich bin im übrigen selbstständig.]

  31. Streuf, leider kommt man da...
    Streuf, leider kommt man da nicht mit dem Auto hoch. Wäre ich dort zur Nacht geblieben, wäre ich aber über das Stilfser Joch heimgefahren. Hach.
    .
    P.Seudonym, ich hätte schneller nach Hause fahren müssen, als die Hemden fertig geworden wären. So ist das leider. Aber vielleicht findet sich doch noch eine Möglichkeit im Oktober.

  32. Wir gehen mal in die...
    Wir gehen mal in die Kleinmarkthalle. Und dann zeige ich Dir, daß es kaum etwas bodenständigeres gibt als das, und kaum etwas weniger geschmäcklerisches. Das ist hier ja nicht München. Die Bänker kommen auch nicht bis dorthin, die kommen nur bis in die Freßgass und die dortigen Delikatessenläden, da sind die Marken vertreten, die sie kennen, und nicht irgendwelche Wetterauer Marktfrauen und italienische Nonnas, die einem labelloses Zeug verkaufen und dabei das Ohr abschwätzen. Vieles ist schlimm hier, aber die Kleinmarkthalle ist es sicher nicht.

  33. Swina, angesichts der diversen...
    Swina, angesichts der diversen sonstigen Einlasungen deutscher Medien und des Bemühens dieses Textes, diese Herrschaften nicht von unten anzunörgeln, sondern von oben gleich auf ihre verhuzelte Minderexistenz einzustauchen, finde ich das gar nicht so unkontrovers. Manche muss man aufspiessen, aber die meisten kann man einfach auslachen, diese wildgewordenen Kleinbürger, die heute dem Kapital so dienen, wie ihre Urgrosseltern dem bauern beim Sauhüten.

  34. Ein kurzer Kreuz und Quer-Ritt...
    Ein kurzer Kreuz und Quer-Ritt durchs morgendliche Netz zeigt auf…
    .
    der Sarrazin ist böse, die 68 sind gut, Nahrung ist in Deutschland ewig von minderer Qualität, ein Anti-68er ist immer auch automatisch ein Wirtschaftssklave, der Don fährt zum besseren Einkaufen über die Berge, der Guido und der Sigmar freuen sich einfach mal, recht viele Leute werden entlassen aber bekommen ein Billy-Regal geschenkt wenn sie 3 kaufen, Staaten versinken in Verschuldung, Aktienmärkte explodieren grundlos, der Goldpreis explodiert gleich mit, der Dollar implodiert, Silber ist unterbewertet, endlich kommt Windows 7 obwohls keiner braucht…
    .
    Wieso kommt bei soviel Wahrem, Schönen & Guten so ein brummendes Styropor-im-Bauch-Gefühl auf ? ( man verzeihe mir meine Ironie )
    Es scheinen nicht gerade glorreiche Zeiten für erfolgreiche Online-Geisteserweiterungen zu sein, oder meine Augen & mein Geist sind momentan zu trübe es zu erkennen. Drum nehme man sich einige Bücher und verschwinde…
    …denn es gab selten mal einen besseren Zeitpunkt für einen Urlaub am Meer…ohne Sportwagen, einfach im Schlafwagen.
    Bis bald mal*

  35. ...ach stimmt, die...
    …ach stimmt, die Kleinmarkthalle ist eigentlich auch schlecht. Gut dass ichs vor meinem Urlaub noch erfahren habe…

  36. @ Swina: deshalb ja mein...
    @ Swina: deshalb ja mein Versuch über die Tomate

  37. Die Kleinmarkthalle ist sicher...
    Die Kleinmarkthalle ist sicher nicht ganz auf der Höhe mit den Gassen von Bologna. Ein Stückchen fehlt, sicher. Aber wir haben hier auch Erzeugermärkte, da gibts dann halt Ahle Worscht statt Kaminwurzen.
    Und von meinem samstäglichen Ausflug in den Odenwälder Wald habe ich 2kg Maronen mitgebracht. Die liegen da so rum und ergeben lecker Süppchen.
    Klopapier kauf ich beim Schlecker. Das stimmt.

  38. Mit Verlaub: Wenn bayerische...
    Mit Verlaub: Wenn bayerische Großbürgersöhnchen, die seinerzeit noch in die Lederhosen gepieselt haben, über 68 schreiben, dann hätt ich lieber ein paar Blinde, die mir die Farben beschreiben. Denn dem Erstgenannten kann die Zahl nur ein Chiffre seiner eigenen Ressentiments (der guten wie der schlechten) sein.

  39. sehr schoener text, don...
    sehr schoener text, don a.
    irgendwann zwingt es aber doch, das neue buch, denn sone saetze moechte man in 10 jahren mal aus dem regal fischen. sie werden dann nur schoener, lustiger und wahrer.
    „Ich mag deren Stilbaukästen mit USM und Eames seitdem nicht mehr besonders, und auch nicht diese massgeschneiderten Lebensläufe und die vereinheitlichte Ausdrucksweise, die ziemlich sicher den Funktionen von Powerpoint geschuldet ist. In zwanzig, dreissig Jahren, nehme ich an, wird uns diese Ästhetik erscheinen wie alte Aufnahmen aus dem Politbüro der DDR …“ – punkt.
    – beobachtungsgabe und das feine ausloten von wahrnehmungsdifferenzen, das ziert den mann. weit mehr als kleinmuetige noergelei.
    wir freuen uns, den don bei so guter verfassung zu finden.

  40. @Don Alphonso:...
    @Don Alphonso: Wirtschaftswundergeschichtsfälschung ist ein höchst langes und höchst angemessenes Wort. Ich habe es nicht mehr ganz parat, aber war da nicht irgendein schwerwiegender Mythos im Marshall-Plan versteckt? Und wurde die DM und das spätere Wirtschaftswunder zunächst nicht aus sehr obskuren Taschen vorfinanziert? Jedenfalls war es kein Phänomen, für welches sich heute rückblickend noch einige eine Nelke ans Revers heften sollten. Es hat gewissermaßen einfach stattgefunden, mit Glück und Dusel – ebenso wie sich die Rolle der Frau Mitte des letzten Jahrhunderts auch (und das ‚auch‘ ist ausdrücklich gemeint) aufgrund der Erfindung der Pille so schlagartig verändern konnte. Nur dass sich ein Carl Djerassi nie wirklich damit gebrüstet hat – im Gegensatz zu den heute ‚weiterprassenden Stichwortgebern‘ (Zitat D.A.).

  41. Mit welchen Schlagzeilen hat...
    Mit welchen Schlagzeilen hat die B. in den vor 68-ern aufgemacht? Gab es da schon die T. auf Seite 1? Oder Hetze gegen Langhaarige, Studenten, Kommunisten, SPD, Entspannungspolitik. Bin zu jung und kann mich nicht mehr erinnern.

  42. @Andrea Diener
    Ich finde die...

    @Andrea Diener
    Ich finde die Freßgasse absolute einmalig. Manchmal fliege ich aus dem einzigen Grund nach Frankfurt, um die alte Oper zu bewundern und mir die Banker in der Freßgasse anzugucken.

  43. Nach all der Aufregung der...
    Nach all der Aufregung der letzten Tage also wieder was „nettes“! So nen spontanen Ausflug würd ich auch gern mal wieder machen, neidisch könnt man werden!

  44. @Don Alphonso: Kaminwurzen von...
    @Don Alphonso: Kaminwurzen von Gasser? Hm. Essen kann man die bestimmt auch. Aber das ist eine Fabrik! Gibt es in vielen Supermärkten. Ich empfehle Ihnen die Metzgerei Martin Pöhl in Klobenstein am Ritten. Das ist ein kleiner Familienbetrieb. Die verwenden selbstverständlich nur heimisches Fleisch. So einen Speck gibt es in ganz Südtirol kein zweites Mal. Auch sonst ist der Ritten sicher mal einen Ausflug wert. Leider wohne ich nicht mehr im Süden Deutschlands und komme daher nicht mehr so oft hin. Früher war ich da sozusagen Stammkunde ;-)
    Pfiat enk

  45. Rainersacht, daran ist nur die...
    Rainersacht, daran ist nur die antiautoritäre Erziehung schuld!

  46. Spaetgeborener:
    Biermann zum...

    Spaetgeborener:
    Biermann zum Beispiel sang: 3 Kugeln auf Rudi Dutschke – ein blutiges Attentat – Ihr habt genau gesehen, wer da geschossen hat – … – die (erste?) Kugel kam – aus Springers Zeitungswald.

  47. Vielen Dank für die...
    Vielen Dank für die Einkaufstipps — habe allerdings noch nirgendwo den Vorwurf gehört (oder geäussert, ich bin nämlich selber nicht gerade 68er-Freund), die 68er seien genussfeindlich gewesen. Eher zu hedonistisch.

  48. F.S.
    Spontanreisen können...

    F.S.
    Spontanreisen können auch ganz schön schiefgehen. Letztes Jahr bin ich mit dem Auto gefahren. Es war zur Zeit der Buchmesse und ich dachte, die Freßgasse wäre dann besonders eindrucksvoll. Ich kam aber nur bis kurz nach der Autobahnausfahrt Limburg, dann war da ein gigantischer – im Autofunk nicht angesagter – Stau. Statt der Banker und Booker in der Freßgasse, hatte ich die einmalige Gelegenheit, acht Stunden lang einen Laster mit Schweinen auf dem anderen Streifen zu bewundern und zu riechen.

  49. Dame im Dirndl, die Freßgass...
    Dame im Dirndl, die Freßgass ist im Sommer zur Mittagszeit besonders pittoresk – und im Herbst, wenn dieses Weinfest ist, nach Feierabend. Schwankende Gestalten allüberall. Zur Buchmesse bestimmt allerdings nicht der Bänkerzwirn, sondern das Tweedjackett das Straßenbild. Das ist immer wieder faszinierend, wie der Anteil gut angezogener Menschen an diesen paar Tagen signifikant steigt.

  50. Wie auch immer: Ich esse jetzt...
    Wie auch immer: Ich esse jetzt schon mal für die Buchmessenzeit vor. In England, wo ich ja auch nichts gegessen habe, bis ich auf der Fähre war, hat sich diese Strategie bewährt. (Nachher mach ich Zwetschgendatschi)

  51. D.A. Heute bringen Sie mich...
    D.A. Heute bringen Sie mich weder durch die Erwähnung von Zwetschgendatschi noch durch irgendwelche gemeinen Fotos von leckeren Tortenstücken aus meinem seelischen Gleichgewicht. Heute habe ich nämlich ein großes Stücke selbstgebackenen Apfelkuchen dabei. Ha!

  52. Wie wäre es mit einer...
    Wie wäre es mit einer Makroaufnahme aus dem Inneren eines Glases mit Marmelade aus Mirabellen und ganzen Kirschen, natürlich hausgemacht?
    .
    BlackJack, nicht nur der Laden, das ganze Ensemble, in dem er drin ist, schreit Klage gen Himmel.

  53. icke, so eine Tomate in einen...
    icke, so eine Tomate in einen Topf fallen lassen, mir leicht gebräunter Butter, dann 15 Minuten kochen und über frische Pasta… Kaviar? pah!
    .
    Ernst Wilhelm, Wurmgebüchse der Oligarchie ist eine Anspielung auf ein ehemaliges Sturmgeschütz der Demokratie, dessen rostiger Lauf heute Tummelplatz für Maden und andere Formen des niederen Schriftuntums ist.
    .
    Und von Kaminwurzen beisst man einfach ab, wenn ich das bei meinen B.ekannten richtig beobachte.

  54. Lieber Don Alfonso,
    ich...

    Lieber Don Alfonso,
    ich möchte hier doch eine kleine Lanze brechen für die netten und hilfsbereiten Hostessen in der Bertelsmann Stiftung. „Devot“ mag sich manche geben (das liegt an Ostwestfalen und seiner Geschichte!) „Charakterlos“ sind nur sehr wenige. Nicht mehr als in Berlin, am Tegernsee oder in Meran. Auch „neo-konservative Entscheider“ mögen mißfallen; Gottseidank gibt es sie. Und das Essen in der Kantine ist anti-angelsächsisch und angemessen gut. Das sagt einer, der dort öfter zugegen war und sich als „erzkonservativer“ dennoch (oder vielleicht gerade deswegen) zumeist wohlgefühlt hat.

  55. Moritz, ich habe da einen...
    Moritz, ich habe da einen Bekannten an einem Meerbusen – das Problem für mich ist halt, dass es nach Hamburg an den Jungfernstieg genauso weit ist wie an die Croisette in Cannes. (Fast alle Völkerwanderungen gingen von Nord nach Süd)
    .
    Honseot, es ist 68 immerhin gelungen, ein paar saubere Pflöcke einzuschlagen. Ich finde es auch heuchlerisch, wenn konservative Politiker den Prager Frühling bejubeln und den SDS verteufeln. Da hatte sich eine Weltordnung festgebacken, die einen kräftigen Schlag brauchte und auch bekommen hat. Und die es nicht nötig hat, sich von springerösen Profiteuren und sponistischen Mitläufern madig machen zu lassen.

  56. Keine Chance. Versuchen Sie es...
    Keine Chance. Versuchen Sie es mal mit einer Mischung aus Erdbeeren, roten + schwarzen Johannisbeeren und Stachelbeeren…

  57. Sehr geehrter Don, dass Sie...
    Sehr geehrter Don, dass Sie sich mit Zwetschgendatschis verwöhnen, bevor sie nach Frankfurt fahren, kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich ging immer ins Alte Café Schneider. Leider wurde es vor ein paar Jahren modernisiert, und es riecht jetzt da nach Quiche. Als ich das letzte Mal da war, ist mir der Appetit auf Bethmännchen sofort vergangen.
    Sehr geehrte Frau Diener, was halten Sie davon, dass wir uns bei Gelegenheit gemeinsam die Banker in der Freßgasse angucken? Don können wir dazu leider nicht einladen, denn der fährt nur zur Buchmesse nach Ffm, und zu der Zeit komme ich mit Sicherheit nicht noch einmal.

  58. Freie Liebe, Freie Drogen,...
    Freie Liebe, Freie Drogen, Zerfallene Werte, Steine gegen Polizisten, RAF, Linksruck, Orientierungslosigkeit, Zerstörte Familien, Antiautoritäre erziehung, Ehescheidung, Abtreibungen, Generationenkonflikt, Egoismus, Individualismus,…
    …nein, es hat sich nichts geändert, ausser, dass man Willy Brandt wählte.

  59. Wie das Leben so mit spielt...
    Wie das Leben so mit spielt und der Zwang der Reichen nichts dazu zu lernen, bleibt es immer beim gleichen, wenn der kleine Mann, der benachtaligt und von den sonnigen Plätzen ausgeschloßen wird, dass er sich einen Weg sucht zu überleben. Und wie so oft endet sein Überleben mit einem gewaltsamen Ende der besser Betuchten. Er nimmt sich das, was ihm verwährt wurde und dann noch mit Zinseszins.

  60. Fisch kauft man besser bei...
    Fisch kauft man besser bei Schenck in der Münchner Straße (aber nur Mo bis Frei) oder bei Edelfisch in Griesheim, nicht in der Kleinmarkthalle. Und wers bayrisch mecht, der komme heute auf den Rossmarkt, ich hörs mir schon seit 10.00 Uhr und wohl noch ein bißchen länger an, seuf z ..

  61. Altklug und frustriert als...
    Altklug und frustriert als 68er?

  62. Lieber Don Alphonso,

    Ihre...
    Lieber Don Alphonso,
    Ihre Leidenschaft, das lustvolle Leben in Bayern und Italien zu beschreiben, stellt jeden Hochglanzprospekt der Tourismuswirtschaft in den Schatten, wenn es um die Kultivierung der Sehnsucht nach dem Süden geht.
    Wie schon andere geschrieben haben, gibt es auch nördlich Bayerns kulinarisch so manches zu entdecken und viele schöne Orte, um romantische Fotos zu machen. Nur hat man es dort nicht verstanden, eine entsprechende Folklore- und Heimatindustrie aufzubauen, die Fremden so geschickt zu verkaufen vermag, wo es sich angeblich einzig lohnt zu leben. Das muss der Neid lassen.
    Das Verschwinden der Feinkostläden ist ein Jammer, aber sie kommen wieder. Da bin ich mir sicher. Nach dem die totale Veraldisierung des Landes jetzt erreicht zu sein scheint, muss jetzt die Wende kommen.
    Nur am Rande nehme ich zur Kenntnis, dass wir den 68´ern alles zu verdanken haben, was uns das Leben heute lebenswert macht, während die Zeit davor ein überschätzter Irrtum war. Marshallplan und „Wirtschaftswunder“ waren nur ein Budenzauber alter Nazis im Verband mit den dunklen Mächten des Westens, (vor)finanziert aus dunklen Taschen.
    Lieber Don, freuen Sie sich doch, dass Ihre Familie den Wohlstand glücklich über die Zeiten retten konnte, weil die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs Bayern nicht der Sowjetischen Besatzungszone zugeschlagen haben. Dann könnten sie jetzt das Schicksal der von Ihnen mit Hingabe gehassten „ostelbischen Junker“ teilen. Ihre alten Möbel hätte man schon lange an den Klassenfeind verhökert und das schöne Stadthaus in der dummen kleinen Stadt würde jetzt dem Freistaat Bayern gehören, nachdem Ihre Altvorderen eine Stunde Zeit hatten es zu räumen. Wenn beim Malen des Geschichtsbildes zu dem üblichen Schwarz/Weiss noch ein paar weitere Schattierungen kommen könnten, bliebe immer noch Raum für launige Bemerkungen.

  63. Werter Don,
    dass es noch...

    Werter Don,
    dass es noch immer gebildete Menschen gibt – zumindest machen Sie einen solchen Eindruck – die glauben, dass Autoritätsgläubigkeit und überkommener Konservatismus Rückstände von“…braunen Ansichten und Gesetzen“ seien, zeigt, dass uns die sogenannten 68er ihren platten Ahistorismus vererbt haben.
    Was ist an Beispielen wie „Als meine Eltern geheiratet hateb, konnte man noch angezeigt werden, wenn man unverheirateten Paaren eine Wohnung vermietete, und Gatten konnten ihren Frauen verbieten (!), zu arbeiten“ nationalsozialistisch (braun)? Ist der enge, provinzielle Konservatismus der 1950er nicht vielmehr als Antwort auf die Exzesse und Veränderungen des Dritten Reiches zu sehen? Suchten und fanden die Deutschen nach dem Krieg nicht einfach Halt in den Traditionen vergangener Tage – steht nicht auch der Alte aus Rhöndorf für die gute alte (prefaschistische) Zeit?

  64. Herr Alphons,
    ich habe ja...

    Herr Alphons,
    ich habe ja schon mehrfach mein Mißbehangen, ja nachgerade meine Trauma mit einigen 68er hier kommentiert.
    Meine Eltern, bei Anfang der 20er geboren ließen mir genau jene Freiräume, die Sie so schön beschrieben haben: Mit 15 allein in die Toscana, mit 17 per Anhalter nach Paris, keine Zwänge zu Schulbesuch, keine Pauschalreisen. Weltoffenheit und und Neugier auf Fremdes schaffende Erziehung.
    Ganz anders meine Gymnasiallehrer: allesamt 68er und verlogen, hinterhältig, gemein und falsch!
    Vorsichhertragend ihre angeblichen Ideale, in Wirklichkeit kein Deut besser als die Nazi-Lehrer meiner älteren Geswchwister.
    Das ist meine prägende Erfahrung mit den 68er.
    Und im Grunde hat sich Agenda Gerhard genauso benommen.

  65. Geschätzter Don...
    Geschätzter Don Alphonso,
    sehr schöner Beitrag mit schönen Bildern – mich zieht es dabei gerade heftig nach Sulden am Ortler..aber wie man im Kofferraum einer Barchetta eine Tasche übersehen kann ist mir schleierhaft…

  66. So, Appetitzügler sind out,...
    So, Appetitzügler sind out, als wird am Wochenende meine alte GPZ 1000 RX in diese Region vorstoßen,selbstverständlich mit Tankrucksack zwecks Verpflegungseinkauf.
    Falls Dipsy Bedarf an Frischem hat, darf er/sie sich gern melden,da wir ja wohl beide aus selbiger Ecke kommen.
    Dann mal herzlichsten Dank lieber Don..das wird ein Wochenende ohne Familienstreß….kannste öfter ma rauskitzeln ;-)

  67. Ach ja, die 68er. Meine et...
    Ach ja, die 68er. Meine et alt. Eltern hatten damals (68) eine Riesenangst, dass diese Langhaarigen (damals) mal unserer Lehrer würden, und gründeten flugs eine Privatschule (kostenlos zugänglich für alle), auf dass uns dies erpart bleibe. Nun ja, die Schule wurde wirklich gut, und ist es wohl noch immer, und wir haben dort das gemacht, was alle Adolescenten machen: Fleissig gelernt (klar doch), alles das wovor uns die Eltern gewarnt hatten, üblichen Unfug und all das, was man bei der besseren Gesellschaft nicht in geschriebene Worten fasst. Natürlich haben alle unsere Eltern das gewußt (waren ja auch mal jung und nie dumm), und sie liessen uns in ihrer Bürgerlichkeit wohl mehr Freiräume („mehr machen, was wir wollten“), als danach die Kinder der sog. 68er. Denn wir sollten „es ja mal besser haben“.
    .
    Haben wir auch. Echte ehem. revolutionäre 68er (mittlerweile in Rente) und andere echte Linke habe ich dann später nicht an der Univ. getroffen, sondern bei meiner Firma, einer (damals zumindest) geradezu hohepriesterlichen Institution alles dessen, wogegen 68 stand (dennoch das Gegenteil vom Sp******). Aber bei uns sind mehr Jusos Direktoren geworden als manch andere und als man denkt, denn wer eine Demo organiseren kann, der kann auch im Geschäft was bewirken. (Nicht jeder, man muss sich schon die Mühe machen, die richtigen herrauszufinden.)
    .
    Nicht nur die Wirtschaft, unsere ganze Gesellschaft ist wohl recht gut mit 68 zurechtgekommen – das (pseudo-)revolutionäre Potenial wurde doch gut integriert.
    .
    Jemand hat mal ein böses bonmot gesagt: 68 hat das Duzen an der Univ. gebracht (wäre auch so gekommen), und hat uns mit der Jeans beglückt (hätte die Marketingabteilung von Levi’s auch so geschafft).
    .

  68. merci für die angewandte...
    merci für die angewandte sehnsuchtologie, in der man wenigestens für einen kleinen augenblick der eigenen küchenentropie entfliehen konnte.
    p.s. die 68-er überlasse ich den älteren & mehr kommentarfreudigen als die blüte der jugend

  69. Frankfort ohne Kleinmarkthalle...
    Frankfort ohne Kleinmarkthalle ist wie die Gelbworscht ohne Senf. Kein Weg führt an ersterer vorbei, ist man der Gormandise verpflichtet. Nur nicht mit leerem Magen reingehen. Und ne Thüringer in der Fressgass, nun, wer kann da widerstehen? Ein Quadratmeter Verkaufsfläche und den Metzger im Rücken bietet beste Betriebswirtschaft.
    .
    @Dipsy, ganz so schwarz sieht es dann doch nicht aus. In den Hansestädten kann man sich seit Jahr und Tag Austern beim Fischfritzen aufmachen lassen und im Stehen bei Muscadet verzehren. Für 1.20€ Stück. Allerdings nie so frisch wie in der Bretagne, das ist klar. Hier zucken sie nicht mehr. Ganz Nordfrankreich lebt eben auch davon, und das ist gut so.

  70. Andrea Diener, wie angenehm,...
    Andrea Diener, wie angenehm, dass nicht jedermann Frankfurt so schlecht findet. (Und die Kleinmarkthalle.) Überhaupt glaube ich, man sollte bei allem, was nördlich des Mains liegt, mit dem Herrn Don eine Portion Nachsicht haben. Bis jetzt hatte ich immer geglaubt, man müsse die Legenden vom Preußenhass der Süddeutschen nicht so ernst nehmen. Folklore und so. Aber man lebt und lernt.
    Dessen ungeachtet: als ich die Wahl hatte, von auswärts nach Berlin oder nach Frankfurt zurückzukehren, habe ich Frankfurt gewählt.

  71. 68 hießen die Einwohner jener...
    68 hießen die Einwohner jener lieblichen Gegenden noch Itaker und Spaghettifresser….
    (und mir ist immer noch übel von dem Leberkäs des Herrn Thilo;-)
    http://www.italienportal.eu/joomla/dolce-vita/dolce-vita/50-jahre-deutsche-vita.html
    PS: diesen link habe ich bereits vorher verschickt, weiß jedoch nicht, ob er angekommen ist. Falls ja, bitte ich, diesen Kommentar zu löschen.

  72. @nein,nein,nein: Mag sein,...
    @nein,nein,nein: Mag sein, dass dieser Beitrag die Bedeutung der 68er bewusst herunterspielt. Als Kontrapunkt zu den ganzen Ex-Post-Erregungen nicht zuletzt aus dem Hause Springer und von anderen Fanfarenbläsern des Konservatismus halte ich das aber für durchaus legitim, mal die Frage zu stellen, ob der Wandel der Gesellschaft wirklich so sehr an diesem Datum und den prominenten Protagonisten jener Jahre festzumachen ist – oder ob es nicht auch einmal an der Zeit wäre, klar zu sagen, dass die Mehrzahl der damaligen Studierenden an die Uni gegangen ist, um Scheine zu machen und Prüfungen abzulegen und sich nicht sonderlich um die Sache der Weltrevolution zu kümmern.

  73. Lieber Herr Don,
    wer hat Ihnen...

    Lieber Herr Don,
    wer hat Ihnen denn diese Schiebermütze empfohlen? Macht Sie garantiert zehn Jahre älter. Echt hässlich..

  74. Dame im Dirndl, das können...
    Dame im Dirndl, das können wir bei Gelegenheit gern tun. Wissen Sie, wie man mich erreicht? (Zur Not stehe ich auch ganz altmodisch im Telefonbuch.)
    .
    B.A.H., Frankfurt ist nicht sie schönste aller Städte. Aber zumindest interessant, und die Kleinmarkthalle und den Palmengarten verteidige ich mit Zähnen und Klauen. Daß der Don die Markthalle schlecht findet, liegt nur daran, daß er noch nie dort war (allein der Büchermarkt würde ihn wohl eines besseren belehren). Daher übe ich mich in ewiger Nachsicht.

  75. Ach was, Frau Diener, Don A....
    Ach was, Frau Diener, Don A. kennt die Kleinmarkthalle nicht und wählt dann diese Worte? Humpf. Ich verkneife mir hier liebe die Worte, die mir gerade durch den Kopf gingen. Jedenfalls ist da gerade ein wenig Lack abgeplatzt.

  76. Das ganze Gejammere über die...
    Das ganze Gejammere über die bösen 68er ist schlicht lächerlich: Da beklagt sich die angebliche Mehrheit der Gesellschaft, dass alles Elend in Deutschland darauf zurückginge, dass ein paar rebellische und hasch-rauchende Studenten vor über 40 Jahren mal ein bißchen den Aufstand geprobt haben. Das ist doch so, als würde ich meinen Eltern heute die Schuld daran geben, dass ich nicht reich und berühmt bin, weil sie mir vor 25 Jahren das Sandförmchen nicht gekauft haben, das ich so gerne wollte.
    Die 68er, die ich kennenlernen durfte – einige haben sich auch in den Osten verirrt – und die ihre „Rebellentum“ alle nach wie vor wie ein Schild vor sich hertragen („Ja, wir waren ja damals noch politisch, wir haben noch was verändert…“), waren die größten Spießbürger. Abgesehen davon, dass sie natürlich Grün oder SPD wählen, wohnen sie im sanierten Jugendstil-Altbau und klagten – während sie seit 20 Jahren die Einführung der Gesamtschule in Sachsen fordern – die eigenen Kinder in die hiesige katholische Privatschule ein.
    Also eigentlich müssten sich die beschriebenen Anti68er und die 68er doch bestens verstehen…?

  77. Apropos 1968er!
    .
    Die Zeiten...

    Apropos 1968er!
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    Die Zeiten haben sich weiß Gott geändert.
    .
    Damals definierten sich alle über ihre Arbeit, ihren Beruf, ihren Anteil an der Produktion, während sich die Frage des „richtigen Konsums“ gar nicht zu stellen schien. Die 68er verherrlichten immer noch den Proletarier, einen Menschen, der in großen Fabriken schwere körperliche Arbeit verrichtete.
    .
    Heute aber repräsentiert der Don einen Menschentyp, alles nur noch vom richtigen Konsum her begreift. Die hohe Schule des richtigen Einkaufens ist die Königsdisziplin menschlicher Kultur und Moral.
    .
    Damit stellt der Don das Verhältnis von Basis und Überbau dialektisch vom Kopf auf die Füße: Was die 68er „Produktion“ nannten ist bestenfalls „Reproduktion“ und umgekehrt.
    .
    Oder anders gesagt: Das einzige, was wirklich unbedingt produziert werden muß, ist Genußfähigkeit: Die Lust am schönen Erlebnis, der Spaß am Alpenpaß und am guten Essen (um nach der Art des Don mal von anderen, noch schöneren Erlebnissen diskret zu schweigen).
    .
    Wenn die Nachfrage nach Feinkostläden erst einmal da ist, dann wird man im reichen D-land auch die materiellen Produktionsfaktoren ruckzuck herbeischaffen.
    .
    Lieber Don, vielleicht inspiriert die Buchmesse ja mal dazu, als Individualtourist ins chinesische Hinterland zu reisen? So wie früher nach Florenz? Dort gibt es bestimmt auch noch Qualitätshandwerk.

  78. @Don Alphonso
    Zitat
    (Fast...

    @Don Alphonso
    Zitat
    (Fast alle Völkerwanderungen gingen von Nord nach Süd)
    tatiZ
    Erschreckend, nicht wahr? Hatte so mancher völkische Ideologe vielleicht doch Recht, dass sich im Norden das Gute und Starke herausbildet, um danach nach Süden zu streben und in Dekandenz und Niedergang zu enden? Dann bleibt nur die Frage, warum überhaupt Menschen im Norden wohnen?

  79. Der Gärtner, in meinem Alter...
    Der Gärtner, in meinem Alter ist das vollkommen gleichgültig, ob ich nur wie 50, 79 oder gar wie Müntefehring aussehe.
    .
    HansMeier555, eigentlich spielt Konsum mit Ausnahme von Büchern und CDs in meinem Leben keine besondere Rolle, und den Speck essen auch andere – ich bin Vegetarier, der einfach was für seine Bekannten mitbringt, weil man das so macht. ich hoffe aber, dass die Idee, in Gmund wieder einen Dorfladen mit regionalen Produkten zu eröffnen und gesellschaftlich zu betreiben, auch kommt – denn dort werde ich sofort Gesellschafter.

  80. auxtroisglobes, ich denke, als...
    auxtroisglobes, ich denke, als 68er muss man in Zeiten wie diesen mit all den Renegaten und Verleugnern und Springers Marktführerschaft im Internet nehmen, was man kriegen kann. Sogar mich.
    swina, man muss diesen Beitrag und die beiden vorhergehenden als Trilogie begreifen, als eine Reise von der Verkaterung über die Verachtung bis zur Erkenntnis, dass die einem letztlich alle nicht nahekommen, dass es immer eine Geschichte geben wird, die ich hatte und die nicht.
    .
    Ansonsten sehe auch ich mich gezwungen zu arbeiten. Ich kann mal zwischendrin nach Meran, aber ich muss auf der anderen seite auch Nachts um 11 noch Kommentare freischalten.

  81. @Don
    Veilleicht ist Ihr...

    @Don
    Veilleicht ist Ihr Konsumbegriff zu eng.
    Auch das Qualitätsmöbel vom Dorfschreiner ist Konsum, denn auch da wird etwas verbraucht (nur nicht ganz so schnell, aber trotzdem).
    Auch Autofahren, Hotelbewohnen, Schuhe-kaufen, Wonungsbeheizen ist Konsum, und natürlich auch das Benutzen von Computern und anderen Elektro-Geräten. Feinkost sowieso, auch wenn es regionale Bioprodukte sind.
    .
    Was Sie sagen wollen ist, daß Sie relativ wenig Ressourcen verbrauchen bzw. relativ wenig Geld ausgeben.
    Aber die Frage, „wie man es richtig ausgibt“, die ist für Sie ganz zentral, das zieht sich durch alle Ihre Beiträge.

  82. Ernst Wilhelm, ich fürchte,...
    Ernst Wilhelm, ich fürchte, das ist der Forschungsstand von Kossina, und das war eigentlich schon 33 veraltet, als es mit dem NS-Ahnenerbe zu neuem Glanz kam. Es ist ja auch nicht gerade so, dass das Projekt Völkerwanderung eine Erfolgsgeschichte war, weder sozial noch militärisch. Und die Merowinger, die letztlich mit den ganzen Jungs aus dem Norden und Nordosten aufräumten, waren sesshafte Franzosen. (und bitte keine „die sind dann im Süden alle verweichlicht“-Argumenet, am kann diese Epoche von der keltischen Wanderung nach Kleinasien bis zum Ende des Langobardenreiches 1 Jahrtausend später nicht monokausal erklären)
    .
    Ariadne. ich denke, das muss man einfach aus der Zeit heraus sehen. DEs gab eben diese Veränderung, demographisch, politisch, inhaltlich, die 68 eine gewisse Ausprägung hatte und dann einen langen Weg ging, in dem viel ausprobiert und verworfen wurde, aber wenigstens waren die Tabis erst mal gebrochen und Alternativen denkbar. Was dann 20, 30 Jahre später daraus wurde: Mei. Das ist nur menschlich.

  83. @Don:
    "Ansonsten sehe auch ich...

    @Don:
    „Ansonsten sehe auch ich mich gezwungen zu arbeiten. Ich kann mal zwischendrin nach Meran, aber ich muss auf der anderen seite auch Nachts um 11 noch Kommentare freischalten.“
    *Feierabend-Lavendeltee-fast-auf-Tastatur-prust*
    Hmm, wenn ichs mir recht überlege würde ich trotzdem gerne mit Ihnen tauschen ;-) ich nehme gerne die Kommentarbearbeitung um 11 wenn ich dafür zwar nicht nach Meran weil zu weit aber z.B. zum Mittagessen mal eben ins Elsass fahren könnte…
    @HansMeier: „Heute aber repräsentiert der Don einen Menschentyp, alles nur noch vom richtigen Konsum her begreift. Die hohe Schule des richtigen Einkaufens ist die Königsdisziplin menschlicher Kultur und Moral.“
    Das liegt aber auch daran, dass Konsumenten – sofern denn eine gewisse Menge zusammenkommt – mit ihrem Verhalten unglaublich viel Macht haben.
    @nico und dipsy: Können Sie sich meine Qual in meinem Urlaub auf dem Cotentin vorstellen? Überall frische Austern zu günstigen Preisen und ich darf nicht mehr wegen einer Lebensmittelallergie :-(

  84. unellen, wenn Sie ich wären,...
    unellen, wenn Sie ich wären, würden Sie nächste Woche auf eine Messe voller Bücher müssen, die weit nach 1930 gedruckt wurden. ohne Aussicht auf eine hübsche ledergebundene Ausgabe von Diderot, aber elend viel Grossmäulern, die einem einreden wollen, die Zukunft des Buches sei digital. Das kann man eigentlich niemandem zumuten.
    .
    laperla, bitte, aber die Sachen mit der „Jugend erster Blüte“, um Leporello die Egre zu geben, kann ich hier schlecht niederschreiben.

  85. @unellen:
    Konsumentenmacht ist...

    @unellen:
    Konsumentenmacht ist m.E. eine Chimäre, jedenfalls wenn damit gemeint ist, daß der mündige Konsument die Welt durch sein intelligent-verantwortliches Kaufverhalten besser machen soll.

  86. "....außerhalb der...
    „….außerhalb der linksliberalen Presse“
    .
    *hihi*
    Nicht wirklich, Georgiana Darcy.
    .
    @ Don
    „Wurmbüchse der Oligarchie“
    Wow. Großartig. Extrem gut.

  87. @Don: Ich halte mal dagegen:...
    @Don: Ich halte mal dagegen: Wenn Sie ich wären müssten Sie morgen um 6.15 Uhr aufstehen, ins Büro fahren, dafür sorgen dass bei stärkerem Regen die Leute kein Wasser im Keller oder gar Rückexplosionen durch ihre Sanitäröffnungen haben, Kanalfilmungen gucken und in der Mittagspause krampfhaft versuchen mit den Kollegen ein Gesprächsthema zu finden, das sich nicht um die hiesige Regionalliga dreht ;-)
    Mit der digitalen Zukunft des Buches habe ich überhaupt kein Problem, schließlich besitze ich selber einen ebook-Reader. Nach 1930 gedruckte Bücher finde ich auch nicht schlimm, da gibt es doch eine Menge was sich zu lesen lohnt..
    Aber ich respektiere Ihr Jammern, einem verzweifelt jobsuchenden Hartz-IV-Empfänger kommt mein gelegentliches Jammern bestimmt auch total lächerlich vor ;-)
    @Hans Meier: Lassen Sie mir doch meine Illusionen… um die wahre Macht des Konsumenten zu beurteilen bräuchte ich z.B. Umsatz-Vergleichszahlen diverser Unternehmen vor und nach ihren Mitarbeiter-Überwachungsskandalen. Habe aber leider keine zur Hand, ist inzwischen auch zu spät (vielleicht kann uns da morgen jemand weiterhelfen).
    In diesem Sinne: Gute Nacht! :-)

  88. Damit auch noch nach 23.00h...
    Damit auch noch nach 23.00h etwas freizuschalten ist: Bei der Lektüre des Textes fiel mir das spontane Bonmot einer Freundin ein. Die meinte zu mir, als eine kleine, dumme „Elite“-Studentin in einem Seminar einen als Referenten geladenen sogenannten 68er dumm anmachte: „Während der eine Biographie hat, wird die es maximal zu einem Lebenslauf bringen.“
    .
    Wer, gerade von den Jüngeren, jenseits alberner Klischees wirklich etwas über die Vorstellungswelt und das Denken eines echten „Alt-68ers“ lesen will, dem kann ich nur wärmstens Walter Mossmanns brilliant geschriebene Memoiren „Realistisch sein: das unmögliche verlangen. Wahrheitsgetreu gefälschte Erinnerungen“ empfehlen.

  89. Die Idee mit dem Graubündner...
    Die Idee mit dem Graubündner Wappen ist höchst spaßig. Ich hätte das allerdings eher von Don Raphael als von Don Alphonso erwartet. Aber Don Raphael ist ja kein Vorbild für die Jugend, nicht wahr.
    Was „68“ betrifft, bewundert viel und viel gescholten, so meine ich, daß wir es da mit einem kulturellen Paradigmenwechsel zu tun haben, wie es ihn in der Geschichte schon öfter gab. Das ist nicht nur ein bestimmtes Ereignis, sagen wir der Mai 68, oder eine bestimmte Bewegung wie die der Studenten. Sondern es ändert sich das globale Stimmungsgefüge, nennen wir es Zeitgeist. In der Regel sind diese Änderungen der kulturellen Großwetterlage Vorzeichen größerer Veränderungen der Gesellschaft insgesamt. So war es nach 1648 als die neuzeitliche Staatenverfassung die Ständegesellschaft ablöste und sich das Barock über ganz Europa, ja bis nach Indien ausbreitete. So war es nach 1789, als nach und nach alle Länder sich dem von der Französischen Revolution ausgelösten Kulturwandel unterwarfen, gleichgültig, ob es in dem Land eine revolutionäre Bewegung gab oder nicht. England war 1815 im Vergleich zu 1789 nicht minder ein anderes Land geworden als Frankreich. Gleiches trug sich auch 1968 ff. zu. Im übrigen war das auch im Ostblock zu spüren, zeitversetzt zwar und mehr kulturell als politisch, aber doch unverkennbar. Es gab im Vergleich zu den Jahren davor mehr Zuckerbrot und weniger Peitsche. Nun kann man über manche Auswüchse der 68er Bewegung geteilter Meinung sein. Ich halte zum Beispiel die antiautoritäre Erziehung für einen Irrweg. Aber die Änderung war fundamental und im ganzen fruchtbar. Schwerer ist die historische Einordnung, es ist zu wenig Zeit vergangen. War 68 das Anfang vom Ende des bürgerlichen Zeitalters?

  90. Savall, ich denke, das...
    Savall, ich denke, das Bürgertum hat gelernt, sich den Zeitläufen anzupassen. Früher wurde man dort schräg angeschaut, wenn man Roggensemmeln servierte oder Feldblumensträusse aufstellte (Unser Schulweg führte an so einer Wiese vorbei, und wir brachten immer Sträusse mit, was manche Gäste meiner Eltern fragwürdig fanden). Heute ist das alles reichlich normal, ja, man sage nur mal, dass diese Quiche mit sooo günstigen Eiern aus der Batterie gebacken wurdee – man ist sofort unten durch. Es gibt das Schimpfwort „keandlfressa“ im Bürgertum nicht mehr, man ist allgemein gegen Atomkraft – das alles hat sicb verändert, ohne dass jemand den Eindruck hätte, dass sich am Wesen des Bürgertums etwas verändert hätte.
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    Alter Bolschewik, es muss auch solche Erbsenzähler geben. Und wenn sie damit zufrieden sind – um so besser.

  91. unellen, es gibt Autoren,...
    unellen, es gibt Autoren, glauben Sie mir, die sind schlimmer als jede Konversation über die Regionalliga Süd. Aber ich werde mein Leiden hier aufschreiben und zudem hoffen, dass die Feinde der schreibenden Zunft dabei noch weniger Spass als ich haben.
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    John Dean, und wer hat’s erfunden? Die Kontograubündner.

  92. abf, ich bin ja auf der...
    abf, ich bin ja auf der Buchmesse – da kaue ich vielleicht auch an dem einen oder anderen Verlegerohr zwecks eines Reisebüchleins – von aussen an die Riviera undvon innen an mich selbst und meine Vorurteile.
    schusch, jede Region hat etwas zu bieten, das ist richtig. Das Besondere an Südtirol aber ist, dass es eben eine ganz andere Region ist. Man kann es nicht jeden Tag haben, oder wenn doch, dann nur zu hohen Preisen. Das Wichtigste aber ist der gedanke, woher es kommt und unter welchen Abenteuern es beschafft wurde.
    .

  93. HansMeier555, nicht wirklich:...
    HansMeier555, nicht wirklich: Was sich durch meine Beiträge zieht, sind Ratschläge an andere, wie man es auch machen könnte, wenn man nicht in 20 Jahren Tribut an fernöstliche Despoten überweisen will. Ich mache mir mein Verhalten hier bewusst, aber ansonsten denke ich nicht besonders dran. ich habe, was ich habe, der Rest ist Überfluss.
    .
    Krämerseele, das ist ganz einfach, wenn sie stratigraphisch ganz unten ist und anderes Zeug drüber liegt. Was bei meinem Ordnungsprinzip schon mal passieren kann. (Ich habe den Wagen seit Stresa nicht ausgeräumt.)

  94. Thomas B., man nimmt eben, was...
    Thomas B., man nimmt eben, was man am Sonntag kriegen kann, und der Duft ist, Fabrik hin oder her, zum Tote aufwecken. Aber danke für den Tipp – jetzt brauche ich nur noch einen Vorwand, um nochmal hinzufahren.
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    FS, immer nur zu, das Leben ist ohnehin zu kurz.

  95. paolo5, ich würde dort nach 2...
    paolo5, ich würde dort nach 2 Tagen eine Schreikrampf bekommen. Allein schon, weil dort alle Debatten und Gesprächskreise ablaufen, als hätte man eine Platte mit Sprung. Die gleichen Typen, das immer gleiche Selbstverständnis, die gleichen Floskeln, das gleiche schummrig liberalalaöse Ziel, die Beamten, die immer früher wegmüssen. die Anzüge, die Bücher zum Mitnehmen mit den immer gleichen Inhalten, und dann eben auch noch das Essen, das, wie mir mal dort gesagt wurde, natürlich mithalten können muss mit dem, was die Landesvertretungen machen, wobei die Bertelsmannstiftung auch nichts anderes als die Landesvertretung eines Medienmolochs ist. Ich hatte aber immer den Eindruck, dass ich der einzige bin, dem dieser fade Limbo aufstösst. Naja.
    .
    Nein,Nein,Nein, ach bitte: Dass es gewisse Etremformen gab, ist doch nur normal, die gelebte Realität der mehrheit sah ganz anders aus und war eine Wohltat für das Land. Abtreibungen sind im Übrigen in Deutschland legal. Und kommn sogar in den besten Familien vor.

  96. student85, das zu vermeiden,...
    student85, das zu vermeiden, ist Sinn des Spruches von der verantwortung, die aus dem Besitz entsteht. Ein Stein vom jaufenpass ist jedoch ein billiges Vergnügen, und eine feine Barchetta gibt es ab 3000 Euro (noch).
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    elbsegler, nun, ab und zu dürfen meine Leute auch mal Glück haben. Ich kenne jemanden, der könnte sich sein Gut bei Leipzig zurückholen, und tut es nicht – naja.
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    Was die Berge – im Gegensatz zum Flachland – so einzigartig macht, ist das Gefühl des Übergangs. Wenn man von Bayern nach Berlin fährt, verschwinden irgendwann die Hügel, das war es auch schon. Wenn man in die Berge fähert, stellen sich die Felsen mit Wucht in den Weg, sie verweigern weite Blicke und einfaches Gleiten, das Land fordert einen Preis für seine Schönheit, man muss Kurven nehmen und ist ständig gefordert. Honter jeder Serpentine sieht es anders aus, man weiss nicht, was 100 Meter weiter sein wird, und ist man dann erst oben, wo die Luft dünn ist und das Licht surreal –
    .
    Das, mein lieber Elbsegler, muss man erst mal haben. und so wie das Land sind dann auch die Spezialitäten, man isst nicht nur Speck, man ahnt die würzige Bergluft und den kühlen Wind der Gipfel. Ist wirklich so.

  97. Ich bin immer wieder dankbar...
    Ich bin immer wieder dankbar für deinen besonderen Blickwinkel auf das Leben, auch wenn viele damit ein Problem haben oder das befremdlich finden.
    Danke für die Inspiration und das damit verbundende kurze Innehalten um in eine andere Welt blicken zu können, damit ich die eigene hinterfragen kann. Dafür wurde das Internet glaube ich erfunden.

  98. Wohl wahr, Don Alphonso, das...
    Wohl wahr, Don Alphonso, das Bürgertum weiß sich anzupassen. Seine Geschichte ist länger als das bürgerliche Zeitalter und wird auch noch länger dauern. Die Frage bleibt trotzdem, welchen Epochenwandel wir derzeit erleben. Daß es ein Epochenwandel ist, daran habe ich keinen Zweifel. Wohin er führt, ist mir unklar. Ich gäbe sonstetwas darum, wenn ich ein Geschichtsbuch lesen könnte, das in zweihundert Jahren erscheinen wird.
    Für das Reisebuch würde ich übrigens ohne zu zögern eine Subskription unterschreiben. So etwas gibt es durchaus noch, bei Faber und Faber zum Beispiel. Sie sollten sich den Messestand mal anschauen. Zwar sind die beiden Fabers politisch etwas… naja (Faber sen. ist Chef des DDR-Aufbau-Verlages gewesen, Faber jun. Kulturdezernent von Gnaden der Linken). Aber die beiden machen wunderbare Bücher. Die wissen noch, was Typographie ist. Schauen Sie sich den „Hiob“ in der Vorzugsausgabe an. Ich krieg da immer feuchte Augen.

  99. Nun, lieber Don, ich gönne...
    Nun, lieber Don, ich gönne Ihrer Familie dieses „Glück“, denn es erscheint nur als olches vor dem Unrecht, welches den anderen geschehen ist. Das mit dem Gut bei Leipzig ist interessant. Sicher handelt es sich dabei um ein tadellos gepflegtes Herrenhaus mit einer funktionierenden und lukrativen Landwirtschaft. Liebevoll Jahrzehnte als volkseigenes Gut geführt und auch in den letzten zwanzig Jahren lief alles bestens. Dieses „Gut“ ist in der Regel ein heruntergewirtschaftetes Herrenhaus, vielleicht noch ein paar verfallende Wirtschaftsgebäude, ohne Land und wirtschaftliche Basis. Dafür dürfen sie erst einmal ein Paar Millionen in die Immobilie stecken, um den Verfall zu stoppen. Es soll tatsächlich Leute geben, die unter diesen Umständen darauf verzichten, sich diesen teuren Rest des geraubten Vermögens zurückzuholen.
    Ich bin auch ein Fan der Berge. Keine Frage, das hat was und auch heutzutage muss man sich maximal eine halbe Stunde zu Fuß von den touristischen Magnetfeldern entfernen, um wieder allein zu sein. Aber wir verschenken viele Erlebnisse, wenn sich der Blick auf diese „Standards“ der Touristik verengt. Vielleicht ist der Reiz der Mecklenburger Seenplatte, der Schneeeifel, des Oderbruchs nicht sofort zu spüren. Man muss sichdarauf einlassen, weil diese Landschaften nicht mit dieser ungeheuren Wucht auf uns wirken, wie es die Alpen ohne jede Frage könne. Wandern Sie mal jetzt im Herbst durchs Hohe Venn bei Aachen und kehren anschließend in einen alten belgischen Landgasthof ein. Sie werden vor Zufriedenheit tief durchatmen. So ein Ardenner Schinken und eine frische Bachforelle sind auch nicht zu verachten oder auch nur ein leckeres Reistörtchen zum Kaffee. Erkunden Sie mal die Wunderwelt des Elbsandsteingebirges, der „Sächsischen Schweiz“, möglichst abseits des Rummels rund um die Bastei. Ja es ist eine Wunderwelt. Man glaubt es erst, wenn man es gesehen hat. Diese bizarren Sandsteinformationen, die manchmal während der Wanderung wie aus dem Nichts aus dem Wald vor einem auftauchen, Enge Täler mit einer wegen des besonderen Mikroklimas überraschenden Fauna. Wegen der geschützten und feuchten Lage gedeihen dort Pflanzen, die sonst in diesen Breiten keine Chance haben, den Winter oder auch den Sommer zu überleben. Sie finden viele kleine restaurants mit bodenständiger aber guter sächsisch-böhmischer Küche. Nichts für Kalorienzähler. Fahren sie mal mit dem Paddelboot durch den Spreewald. Sie glauben nicht, wie exotisch Brandenburg sein kann. Ja Europa ist ein fasszienierender Kontinent. Man müsste mal hinfahren.

  100. Im Übrigen fand ich Ihren...
    Im Übrigen fand ich Ihren Block wieder sehr gut. Das Photo vom Apfelstrudel hat mich dazu angeregt, selbst einen zu backen, einen südtiroler, nicht einen Wiener. Gott-sei-Dank behauptet mein Mann auf Diet zu sein. Das gibt mir ein gutes Argument, warum er nicht den halben Kuchen wegessen kann.

  101. 30 km vor Meran umdrehen und...
    30 km vor Meran umdrehen und kiloweise tote Tiere einkaufen.
    Ich erkenne Sie nicht wieder, Herr Alphonso! Ich bin schockiert!

  102. Allgemeiner Hinweis: ich kann...
    Allgemeiner Hinweis: ich kann aus Gründen der Lesbarkeit keine 76.000-Zeichen-Kommentare freischalten und bitte ausserdem, wenigstens halbwegs beim Thema zu bleiben.

  103. 76.000 Zeichen?
    Sind in...

    76.000 Zeichen?
    Sind in Deutschland schon wieder Ferien?

  104. don alphonso

    hier nicht. wohl...
    don alphonso
    hier nicht. wohl wahr. aber ich bin mir sicher: es gibt genügend andere orte, an denen unglaubwürdige arien ein dankbares publikum finden würden. ;)

  105. Nico, ich bin eigentlich kein...
    Nico, ich bin eigentlich kein Freund davon Austern an einer Austernbar (womöglich im Freien) zu vertilgen. Ich habe da schlechte Erinnerungen an einen Aufenthalt in Berlin im letzten Winter (wo sonst). Da bestellten sich doch tatsächlich eine Frau und ein Herr mittleren Alters eine Platte und dazu Moet (!). Dieses widerwärtige Zeug kann man überhaupt gar nicht trinken. Eine furchtbare Szene, mir zuviel Selbstdarstellung. Ich nehme die daheim, ohne grossen Aufriss. Ich kann das nur für die Gesundheit empfehlen. Die haben einen sehr hohen Zinkgehalt und damit furchtbar gut für das Immunsystem. Ich hatte allerdings einmal den Handschuh verlegt, beim öffnen abgerutscht und mir dann das Messer in die Hand gerammt.
    Quallenregen, vielen Dank. Meine Marktbeschicker haben in der Regel all das was ich haben will. Allerdings muss ich wegen der ein oder anderen Kleinigkeit dann doch mal in so einen Supermarkt kaufen. Mich überkommt dann immer ein gewisser Ekel und ich frage mich ernsthaft, wie man da seinen Grundbedarf decken kann. Vor zwei Wochen bin ich aufgrund eines Absturzes am Vorabend nicht mehr auf den Markt gekommen und musste in so einen Laden. Ich wollte ein Stück Entrecôte haben und die Qualität war wirklich miserabel. Wenn das Fleich tropft kann das nur Mist sein.
    Aber, ehrlich gesagt kann man das den Supermärkten ja gar nicht übel nehmen. In einem Land, wo die Leute den Laden wechseln, weil die Butter irgendwo 2cent günstiger ist, da haben die Konsumenten diesen Schrott nur verdient.

  106. Vielleicht ist der Begriff...
    Vielleicht ist der Begriff „Konsum“ für heutige Leser irreführend.
    .
    Der Grundgedanke ist eben, daß die wahre Leistung im Genuß selber besteht, und keineswegs im Verzicht darauf. (Aber selbstredend auch nicht im Geldausgeben).
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    Das post-68er-Bürgertum ist in D-land so genußfaul wie eh und je, wird allenfalls noch von den großen Brüdern jenseits des Atlantik übertroffen.
    .
    Die Maximierung des Genusses, das muß ich in mein Feudalistisches Manifest mit aufnehmen.

  107. Ich meine: Die...
    Ich meine: Die Genußmaximierung als staatsbürgerliche Haltung und als notwendige Voraussetzung für den Übergang zu einer nachhaltigen Lebensweise.

  108. @Dipsy & Blog
    ...lag gerade...

    @Dipsy & Blog
    …lag gerade zwischen 1/2 Dutzend Austern, Schlumberger rosé (wg. den Histaminen) und meiner 18 Jahre jüngeren Liebsten und hörte im Fernsehen was von Fisting-Attacken bei Google und Yahoo (ZDF, Fisting – suchen bei YouTube) und blätterte in der MoPo wo Samenflüssigkeit „Ewiges Leben“ verprach. Sofort erschien mir Jens Riewa im 911 im Lederganzkörpercatsuit zusammen mit Marietta… aber lassen wir das. Wir haben gewonnen, Don (oft mit den Radl – Herkules Halbrenner mit Strassenübersetzung – hinunter nach Sterzing und irgendwann immer rechts abgebogen…).

  109. DoktorBenway, irgendwie schon...
    DoktorBenway, irgendwie schon – man muss wohl zufrieden sein. Wenngleich es besser hätte sein können.
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    HansMeier555, sicher, man soll dabei ja auch nicht leiden, darben und jammern.

  110. Dipsy, man fängt irgendwann...
    Dipsy, man fängt irgendwann an, ein Gefühl für die Zeit zu entwickeln, wo an den Kassen am wenigsten los ist. Das hilft für jene Momente, zu denen man tatsächlich dort hinein muss.
    .
    egghat, das nächste Mal fahre ich durch. Aber Gastgeschenke mitbringen gehört sich nun einfach mal.

  111. elbsegler, nun habe ich bei...
    elbsegler, nun habe ich bei der dummen kleinen Stadt an der Donau genau so ein Revier vor der Haustür, denn de facto wohnen meine Eltern an einem gut 50 Kilometer langen Auwald entlang der Donau, wo man ebenfalls sehr schöne Erlebnisse haben kann. Nicht weit ist auch das Altmühltal, das es mit den Ardennen und der sächsischen Schweiz mehr als aufnehmen kann. Es ist wie in der Musik, auch Triosonaten können sehr anregen, aber das ist nichts gegen den Moment, da einen die Mariazeller Messe durchflutet. Vielleicht bin ich da etwas simpel gestrickt, aber der Alpenpass brennt sich in das Bewusstsein ein, wenn jede Erinnerung an sanftes Hügelland verblasst ist. Die Schönheit mag die Bedeutungsfrage stellen, aber die Existenzfrage stellt allein der Pass. Vielleicht wegen der steten Nähe des Todes?
    .
    Ich würde es zumindest versuchen und mich aktiv um eine Möglichkeit bemühen, zumindest etwas davon zu bewahren.
    .
    Savall, vielen Dank für den Ratschlag, mit diesem Beitrag dürfte ich ja meine Eintrittskarte bei den Dunkelroten verfasst haben (wobei das, was mir vorschwebt, ganz und gar grossbürgerlich wäre, mit langen Elogen, warum es Louis Vuitton sein darf, und die Vorteile einer Rolex, wenn man schon keine hamilton mehr erwerben kann. Da bekommtz man keinen linken Dreh hinein.). Das mit dem Wandel sehe ich ähnlich, und mehr Sorgen als die Linke macht mir da das Piersind, die Tätowierung, das Komatrinken und der Niedergang der Kochkunst, ohne dass andernorts etwas Gutes nachkäme. Ganz zu schweigen von dem, was von der Bildung übrig bleibt.

  112. Ich habe aufgehört meinen...
    Ich habe aufgehört meinen deutschen Gästen Austern zu servieren. Kaum stehen die Köstlichkeiten auf dem Tisch reden sie wie bestellt von Hepatitis und Allergie..Übrigens alles Ex-68iger, beste Linke, aber bis ins Mark genussfeindlich..Das ist übrigens eins der Hauptmerkmale dieser Gruppe.
    Halb Frankreich müsste ausgerottet sein stimmten deren Vorurteile nur zu 5%. Kein Belgier, Franzose oder Holländer käme auf die Idee solche Gespräche bei Tisch anzuzetteln. Da sind die Deutschen besonders schamlos. Ist ja nett von Ihnen lieber Don, dass Sie Ihre Freunde mit Hirschwurst beglücken können. Mir käme sowas bestimmt nicht in den Sinn.

  113. Patrick, bitte, das freut mich...
    Patrick, bitte, das freut mich sehr. Aber es ist gar nicht so arg schwer, das nachzumachen – alte Barchettas gibt es für ein paar Euro. Der Rest ist fahren und geniessen.
    .
    yaq12, stimmt, die gesellschaft hatte plötzlich eine erstaunliche Fähigkeit, sich das zunutze zu machen, was ihr bei 68 in den Kram passte, und man vorher eh schon getan hat (offene Beziehung vs. Ehebruch, Abtreibung vs. Engelmacherin, Pille). Nur in Bayern hat es länger gedauert, und 68er-Lehrer hatten wir auch kaum, nur alte Totalitaristen.

  114. Das vom Joch der Diktaturen...
    Das vom Joch der Diktaturen befreite Deutschland kann sich freuen: Herta Müller hat den Nobelpreis bekommen

  115. Der Gärtner, wenn sie sich...
    Der Gärtner, wenn sie sich das wünschen und von der Versorgung abgeschnitten sind, warum sollte man das nicht tun? Ich kenne auch ein paar von der lustfeindlichen und verbiesterten Sorte, aber im Grossen und Ganzen sind die ein ganz kommodes Völkchen mit vielen lustigen Geschichten, die man von alt gewordenen JuLis sicher nicht hören würde. Die einzig negative Erfahrung in der Hinsicht waren gewisse Stukturen bei einem Bürgerradio. Aber Stalinismus ist ein anderes Thema.
    .
    Ich kann auch Don Ferrando nicht zustimmen. Bei uns waren es die konservativen Knochen, die einem jeden Spass (Klassenfahrten, politische Meinungsäusserung) vermiesten, die die von 68 geprägten Lehrer erlaubt hatten. Als wir einmal nach Dachau gebracht wurden und die Gedenkstätte geschlossen war, und wir statt dessen eben Schloss Nymphenburg besuchten, schrieb so ein Typ unter falschem Namen einen Leserbrief an das lokale Schwarzschmutzblatt, wo er den verantwortlichen, liberalen Lehrer die Laufbahn zu beschmutzen suchte. Widerlich.

  116. Keine Frage, die 68iger...
    Keine Frage, die 68iger Bewegung möchte ich nicht missen mit Jimmy Hendrix, aufregender Strassen-Demos und befreiter Sexualität. Ein warmer, frischer Wind der in die hellbraunen Lande seinerzeit wehte. Nur was ist daraus geworden? Hören wir den seligen Matthias Beltz: ,,Partisan und Parmesan, wo sind sie geblieben? Partisan und Parmesan, beide sind zerrieben.“ Viele der Altlinken sind einfach nur noch verknöcherte, dogmatische und genussfeindliche Spiesser.

  117. Für den Haß auf die...
    Für den Haß auf die Altlinken gibt es m.E. eine simple Erklärung: Der arme normaldenkende Bürger (und zwar auch der Bildungsbürger, o ja) mußte sich von ihnen jahrzehntelang geistig dominieren lassen. Er konnte sich nie so benehmen und daherreden wie er es in den 50er und 60er Jahren gelernt hatte. Seine eigene, teuer bezahlte kulturelle Anpassungsleistung wurde dann niemals mehr honoriert. Die Gesellschaft, an die er sich anpassen wollte, existierte plötzlich nicht mehr. Die 68er hatten ihm sein soziales Kapital gestohlen, wie es Kommunisten eben tun.
    Stattdessen wurd er von da an immerzuzurechtgewiesen und ermahnt von ungezogenen „Linken“ , die scheinbar alles besser wußten.
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    Als das losging (in Universitätsstädten so um 1964-67, anderswo entsprechend später), hat der Mehrheitsbürger anfangs versucht, sich dagegen zu stemmen, mußte aber die Erfahrung machen, daß die Mehrheit ihn im Moment der Feindberührung immer im Stich ließ. Die agressive Rotte der 68er dagegen kreiste ihn ein mit Parolen, Fremdwörtern und unfähren Argumenten, bis er sich provozieren ließ und dann komplett blamierte. Im schlimmsten Falle wurde ihm die Nazi-Keule über den Schädel gezogen, und das sicher auch noch völlig zu Unrecht! Nein, so etwas vergißt man nicht so schnell. Von da an biß er immer die Zähne zusammen äußerte seine Meinung nur noch am sicheren Familientisch zu Hause.
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    Diese Leute erkennt man am Jammern darüber, daß „man ja nix mehr sagen darf“. Dabei durften sie in Wirklichkeit immer alles sagen. Nur waren sie als eingefleischte Konformisten einfach zu feige dazu, wenn sie auf die Unterstützung der Mehrheit nicht rechnen durften. Ganz alleine Auge in Auge mit zwei oder drei Linken, die im Gremium das Wort führten, da hielt er lieber die Klappe.
    .
    Das heutige 68er-Bashing speist sich aus diesem aufgestauten Haß der besten Vertreter der unterdrückten Mehrheit, die ca. 25 Jahre lang „nix sagen durfte“.
    Heute dürfen sie endlich wieder. Und die Feinkostläden hat keiner von denen jemals vermißt.

  118. Apropos Austern - nachdem ich...
    Apropos Austern – nachdem ich in letzter Zeit wieder meine Liebe zu ihnen in San Francisco und Paris entdeckt habe würde mich mal interessieren, ob jemand aus der Leserschaft eine gute Adresse in München kennt. Austernbar hin oder her – meine Frau geht Samstags gerne in der Stadt bummeln und mir würde es gefallen, wenn ich mich nach den diversen Beautyabteilungen und Boutiquen an ein paar Austern erfreuen könnte, dann hätte ich wenigstens auch ein Ziel. Mal abgesehen vom schönen aber überfüllten Dallmayr wäre wohl der Fisch Witte am Viktualienmarkt sehr zu empfehlen (war selbst noch nicht dort).
    .
    Und apropos 68er – kurz vor der letzten Bundestagswahl waren wir im Königshof essen, eines der wenigen Restaurants in München mit zwei Michelin Sternen (es gab auch mal bessere Zeiten…). Und dann traute ich meinen Augen nicht – an uns vorbei lief der damalige Noch-Aussenminister Joschka Fischer, der uns dann mit seiner Anwesenheit, und dem seines umfangreichen grünen Gefolges im entsprechenden „Look“, für den Rest des Abends beglückte. Gestrickt wurde aber nicht und Joschkas Turnschuhzeiten waren ja auch schon sehr lange passé.

  119. dank der gnade der fruehen...
    dank der gnade der fruehen geburt, ’64, kurz vor den ’68ern, wurden wir in ffm aufwachsend von unseren (bayrisch-staemmigen) eltern noch mit dem teppichklopfer erzogen, wann immer das in deren augen noetig schien. — inzwischen tut es mir leid, dass ich meiner (bayrischen) tochter nur ein EINZIGES mal, in ihrem mittlerweile 26 jaehrigem leben, eine ohrfeige verpasst hab…. (und auch die war noch „mit ansage“….). –wundert mich ehrlich gesagt nicht, dass sie seit monaten nicht mehr mit mir spricht. auf der anderen seite bekam unsere mutter vorgestern den groessten und opulentesten blumenstrauss aller zeiten zu ihrem geburtstag –> „verkehrte welt“ ?? , oder bin ich „nur“ „altmodisch“ ?? — anno ’84 wurde uebrigens immer noch an (mindestens einer) bayrischen schule im (englisch-)unterricht gestrickt…
    ….bei dallmayr war ich mit omi immer einkaufen, da lohnt das schlangestehen!! (u.u. wird man mit namen begruesst und bekommt „das uebliche“ (in der welt der „buergerlichen“ ein denkenswertes ereignis!)).
    jaja, hansmeier-mit-den-vielen-5en hat schon recht: die „linken“ konnten sich „schon damals“ nicht so recht ausdruecken, …und heute ?? — zum glueck hatten weder unsere vorfahren, noch wir, mit „politik“ je etwas zu tun. das alles ist uns zu „schmutzig“. da machen wir uns lieber die haende beim arbeiten dreckig und fahren von dem geld in die toskana und besuchen freunde die wir beim studium kennengelernt haben. deren mutter gibt uns auf den heimweg nach hh „kaese aus der region“ mit….,… unnoetig zu sagen, dass der dazu passende schinken vom nachbarn, und die sonnengetrockneten tomaten aus „PAPA’s“ garten kommen… — leider reichen die portionen nicht fuer alle.

  120. lieber don,

    wenn man die...
    lieber don,
    wenn man die vielleicht einmalige gelegenheit hat, diese deutsche betrachtung mit dem abstand von 9.000 km aus brasilien zu verfolgen, wird zumindest mir hier leider sehr deutlich, dass unsere zeit abzulaufen scheint, wenn wir uns unsere europaeischen werte nicht mehr bewahren wollen.
    was dich auszeichnet: das feuer im leuchtturm zu verteidigen. obrigado.

  121. ...ps.: der gaertner ist immer...
    …ps.: der gaertner ist immer der moerder !! ;-))

  122. Werter Don,
    wenn die...

    Werter Don,
    wenn die Reizschwelle für ein bewegendes Naturerlebnis so hoch angesetzt ist, dass es gefühlt um Leben oder Tod gehen muss, wünsche ich Ihnen, dass Sie nicht eines Tages in den Himalaya reisen müssen, weil unsere Alpen nicht mehr ausreichen, um die stete Nähe des Todes spüren zu können. Da nehmen wir beide Landschaftseindrücke wohl durch völlig verschiedene Kanäle wahr. Mich durchflutet die Mariazeller Messe, um in Ihrem Bild zu bleiben, auch an einem Herbsttag im Hohen Venn. Wie sagt der Kölner: Jede Jeck es anders.

  123. Danke,
    gern geschehen!...

    Danke,
    gern geschehen!

  124. n.thusias, ach, es macht ja...
    n.thusias, ach, es macht ja durchaus Spass das zu tun. Arbeit und Leid sähe anders aus, und ich sehe durchaus Fortschritte.
    .
    elbsegler, für die Nähe des Todes auf dem Jaufepass sind die mannigfaltigen Opels zuständig, die im Weg rumgurken, sinnlos bremsen und einem beim Überholen in den Abgrund drängen wollen. Die Sense ist nichts gegen einen Opel.

  125. mawu, ich bin ja nicht...
    mawu, ich bin ja nicht wirklich ein fan von Muscheln, aber man sagt mir, dass die Fischerei in Tegernsee in der Hinsicht ganz fein sein soll. Und das, obwohl am Yachthafen, ohne die übliche Grosstuerei. Dass sich Fischer seinen Daseins freut – mei, in dem Alter, da bleibt einem nicht mehr viel.
    .
    Manni1000, ich glaube, da sind andere Faktoren (oder deren Gesamtheit) wichtiger als die Prügelstrafe. Es gibt einen weit entfernten Verwandtschaftsschlag vom Dorf, da war das üblich, mit dem Ergebnis, dass der Sohn den Vater bei der Bestattung verfluchte. Auch nicht nett.

  126. Gibt es unter den...
    Gibt es unter den wirtschaftsliberalen Autoren jemanden der genauso gerissen ist wie Martin Mosebach bei den Katholiken? Das würde den hier versammelten
    Bankmitarbeitern und Service Providern sehr viel Hoffnung geben.
    http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?titel=DER+LEIB+DER+KIRCHE&id=64082680&top=SPIEGEL&suchbegriff=beger&quellen=&qcrubrik=artikel

  127. Wenn ich mir die Filme aus den...
    Wenn ich mir die Filme aus den 50igern so anschaue, kann ich die 68er verstehen. Mich wundert eher die Trägheit der „Generation Kohl“. Wir waren wohl zu sehr mit der Globalisierung und dem Ausland(sstudium) befasst, statt im Inland Revolte anzuzetteln. Warten wir mal, was unter schwarz/gelb kommt.

  128. Hallo,

    eine kleine wenn auch...
    Hallo,
    eine kleine wenn auch Verspaetete Anmerkung zur hiesigen Globalisierungsdiskussion: die Globalisierung ist an sich aelter als das 20te Jharhundert. Einer der ersten Prozesse dieser Art, (wirtschaftlich und kulturel) ist die Erfolgsgeschichte von Kaffee, Tee, Kakao und Tabak, alles Produkte die in der ersten Haelfte des 17ten Jahrhunderts zuerst nach Europa kamen und das was in den naechsten 200 Jahren zur Erfolgsgeschichte wurde, kann man auch als einen grossen Globalisierungsprozess bezeichnen.

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