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Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Treffe und grüsse die jungen Konservativen

| 111 Lesermeinungen

Früher wurde man geboren und getauft, ging in die Kirche, glaubte das einzig Richtige und machte bei der richtigen Partei das Kreuz, die das Richtige für die Kirche machte, zeugte Kinder und starb in der Hoffnung, in den Himmel zu kommen. Wenn die junge Union heute Klage erhebt, dass dies nicht mehr so sei, die Wähler anderswo ihr Kreuzerl machten, und man sich als Partei nach einem schlimmen Wahlergebnis mit neuen christlich-konservativen Werten wappnen müsste, ist das natürlich ihr gutes Recht. Trotzdem würde ich in aller Freundschaft raten wollen, sich mal ein wenig bei der eigenen Kernzielgruppe umzuschauen und zu verstehen, warum es heute nicht mehr so ist, wie es früher einmal war. Denn: Gwies is nix, sagt der Bayer.

Herr Merz, wir haben ja keinen Schwanz mehr!
Flugkapitän Walter Urban zum Kommandanten Horst Merz bei der Do-X-Havarie am 9.5.1933

Die kleine, dumme Stadt an der Donau, aus der zu stammen mein Vorzug ist, hat sich durch Jahrhunderte als konservative Hochburg hervorgetan. Hatte man andernorts schon die Reformation, holte man hier die Jesuiten, legte man in Frankfurt die Stadtmauer nieder, baute man bei uns die Landesfestung, und anderswo ging man schon lange aufrecht, als man hier man hier noch die Fortbewegung der Schlammspringer kopierte, egal ob König, Militär, Pfarrer oder CSU-Grande vorbei kam. Die Hirnströme fliessen so langsam wie die Donau, der dichte Nebel beherrscht Land und Geist, kurz, aus dem Schlamm der Niederung wachsen Stadt und Bewohner. Man ist konservativ.

In dieser Hochburg des Beharrens und der Rückschritts nun findet sich auch eine örtliche Junge Union, eine dieser Knabenveranstaltungen, die momentan auf Bundesebene gerne mit Frau Merkel über das unschöne Wahlergebnis und Inhalte der konservativen Volkspartei gesprochen hätte. Bei der letzten, für die bayerische Staatspartei entsetzlich ausgegangene Landtagswahl setzte eben jene Junge Union auf ein Treffen mit der lokalen Spitzenkandidatin. Nicht im Pfarrsaal, sondern in einer stadtbekannten Szenekneipe sollte man sich begegnen, und nannte das „Meet and Greet“ und „Get together„, Drinks inclusive. Bei der Wahl ging die Frau trotzdem mit fliegenden Fahnen unter: Der Wähler wollte weniger mit ihr zusammenkommen, denn zusammenrücken. Zammarucka, heisst das bei uns. Und es ist nicht nett gemeint.

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Nun hat die Kanzlerin bekanntlich die Wünsche des Nachwuchses nach einer Generaldebatte christlich-konservativer Werte ins Leere laufen lassen, wie man das auch in der Wirtschaft mit aufsässigen Praktikanten machen würde, die nach dem Meet and Greet mit dem mittleren Management vorlaut über die Produktion einer Firma bestimmen wollen. Meet and Greet umschreibt inzwischen prächtig, wo junge Mitglieder der Union zu verorten sind; in einem spassparteilichen Weichbild rund um einen konservativen Kern, der mit seiner ehemals identitätsstiftenden Ideologie im 21. Jahrhundert ähnlich zeitgemäss ist, wie die Maobibel. Man muss dazu nur dorthin gehen, wo man die jungen Konservativen seltener als in den Szenebars antrifft: In die Kirche.

Von hier stammt die Grundstruktur der Überzeugung des Konservativismus, im Recht zu sein. Und mehr noch, nicht nur im Recht, sondern  Teil einer Mission, die alle Aspekte des Lebens umfasste. Konservativismus und Religion befruchteten sich gegenseitig, borgen sich gegenseitig Gesellschaftsmodelle und Weltbilder aus. Konservativismus ist eine Ideologie, die man angesichts des ihr innewohnenden Herrschafts- und Definitionsanspruchs nicht begründen oder argumentativ unterfüttern musste. Er reichte, daran zu glauben, und angesichts der inhaltlichen Übereinstimmung mit der Religion war dieser Glaube auch christlich gedeckt. Über Jahrhunderte, und bis ins 20. Jahrhundert hinein auch ohne Notwendigkeit, sich anzupassen, von ein paar Freikorpsaktivitäten gegen Linke einmal abgesehen.

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Man kann der Kirche beim besten Willen keinen Vorwurf machen, wenn sie angesichts ihrer ideologischen Basis auch heute noch auf den Wesenskernen beharrt, die gesellschaftlich heute anders gesehen werden. Auf das Jenseitige ausgerichtet und mit einer Theorie versehen, nachdem ohnehin nur die wenigsten später in den Genuss himmlischer Freuden kommen, kann es den leitenden Kreisen egal sein, ob an den Rändern abgefallen wird, und im Zentrum ein Murren zu vernehmen ist. Im Gegenteil, eine inhaltliche Nachgiebigkeit wäre nur ein Zeichen der Schwäche, dass einem die irdischen Mitglieder wichtiger als die göttliche Mission ist. Zumal ohnehin niemand weiss, ob der Gefolgschaft ein Schritt reicht oder, sobald man Schwäche zeigt, weitere Reformen verlangt werden.

So kann man sich als Kirche benehmen, und auch als feudalistische Struktur, und solange as System nicht angezweifelt wurde, auch als herrschende bürgerliche Klasse und Partei, die keinen demokratischen  Regeln unterworfen sind. Genau das aber hat sich bereits in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts verändert: Ein grosser Teil der bürgerlichen Klasse verlor das Interesse am Beharren und an der christlichen Moral, und die Konservativen – zogen mehrheitlich mit. Längst sind sie keine Verteidiger des Glaubens mehr, sondern Beschwichtiger, Verharmloser, geringes Fülllmaterial für eine breite Kluft, auf deren einer Seite die Kirche steht und auf deren anderen all die Geschiedenen, Abtreiberinnen, die gschlamperten Verhältnisse bis in die Parteispitzen und irgendwelche wohlstandsgesättigten Jugendlichen, die man nicht mehr mit Argumenten und Ideologien erreicht, sondern vielleicht noch mit Meet and Greet.

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Dabei können die Konservativen gar nicht so schnell die Trümmer ihrer Ideologie über Bord werfen, wie es nötig wäre, um mit der Realität der westlichen Industriestaaten in Einklang zu bleiben. Selbst in den besten bayerischen Familien gibt es eine elend hohe Scheidungsquote, die 1-Kind-Ehe ist üblich, und dazu kommen selbst in konservativsten Clans Söhne und Töchter, die bewusst unverheiratet bleiben und Schlimmeres, oder gar, auch das wird berichtet, dem eigenen Geschlecht zugetan sind und das offen zeigen. Zudem auch Eltern, die sich mit dergleichen abgefunden haben, und allein den Grosstanten bleibt es überlassen, einen wenig erfolgreichen 2. Heiratsmarkt zu betreiben. In ein, zwei Generationen wird sich die früher selbst vermehrende Führungsschicht der konservativen Kreise atomisiert haben, ganz ähnlich dem moralischen Zerfalll der konservativen Patchwork-Parteispitze, in der sich manch Nachwachsender mangels Alternativen Frau von der Leyen unter als Verschweigen des Kindermädchens als mütterliche Vorbildfigur wünscht. Mit den lustigen Meet and Greet-Fassaden vor diesem Elend jeoch, wo man sich am Caipi festhält wie früher am Glauben, zeigen die Jugendverbände andernorts schon auf, dass sie sich innerlich mit diesem nahen Tod der Kultur abgefunden haben, und sich anderweitig orientieren.

Natürlich wird man von alten Kirchgängern, den Veteranenverbänden und den Bewohnern der Westviertel allein keine mächtige Volkspartei, würde die jungkonservative Antwort auf diesen Vorwurf der Fahnenflucht lauten, die vielleicht mangels Alternativen bei Betschwestern und Ostfrontfreunden toleriert wird, nicht aber unbedingt bei den besseren Kreisen. Dort laufen sie scharenweise zu den Liberalen über, deren Antworten besser angepasst sind, und wenn es nur der schnöde Vorteil der steuerlichen Absetzbarkeit von Steuerberaterhonoraren ist. Die bessere Gesellschaft verkauft sich zu ihrem eigenen Profit an eine Klientelpartei, mag man schimpfen, und verrät dabei gemeinsame Interessen des konservativen Gesellschaftsmodells. Aber das ändert nichts am grundlegenden Problem, dass weder der Konservativismus noch dessen politischer Arm noch die ideologische Kraft hat, diese Gruppe zu halten. Und die Beliebigkeit der Partei, überall zwischen rechtem Rand und mittlerer Sozialdemokratie mitmachen zu wollen, ist eine andere als jene, die man sich oben vielleicht wünschen würde. Der Konservativismus bewahrt nichts mehr, was für diese Klasse andere nicht genau so oder besser bewahren könnten. Überall gehen jahrhundertealte Gewissheiten verloren – so auch zwischen Konservativen und besseren Kreisen.

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Neben der Kirche befindet sich ein Kaffeehaus. In die Kirche verirren sich zur sonntäglichen Vesper nur ein paar Leute, aber das Lokal ist voll. Hier tagt der sogenannte „Premium-Stammtisch“, wo sich die lokalen Restbestände aus besseren Zeiten der grossen Staatspartei treffen, politisieren und Einfluss ausüben. Ein reichlich modernes, komplett neu gestaltetes Cafe mit roten Wänden und sehr pseudofranzösisch, es könnte überall sein, wo man alte Traditionen ausgebaut und neue erfunden hat. Davor war hier ein Reisebüro, und noch früher die städtische Leichensammelstelle, wo Tote gewaschen und für den letzten Weg vorbereitet wurden. In einer Zeit, da die Toten noch eine Weile selbst laufen, kann man natürlich auch ein Café  daraus machen.

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111 Lesermeinungen

  1. Werter Don Alphonso,

    was Sie...
    Werter Don Alphonso,
    was Sie hier beschreiben ist nicht der Tod des Konservatismus, sondern der des politischen Reaktionärismus (kirchlischer Prägung). Sozialdemokraten oder Liberale können durchaus äußerst konservativ sein, sich dabei aber auf den (wie auch immer zustandegekommenen) status quo und nicht auf Gottgegebenheiten berufens. Wenn aus abgeleiteten Überzeugungen Ideologien werden, dann haben wir, wie von Ihnen herrlich beschrieben, jeden Grund uns über deren Überwindung zu freuen. Allerdings scheinen Ihnen die Mittel der Überwindung widerlich, was man in Teilen gerne nachvollziehen mag. „Das Gute bewahren, das schlechte reformieren“ in Ihrem Sinne könnte aber wohl nur funktionieren, wenn wir uns alle einig wären, was denn das Gute sei. Und das Ende dieses gesamtgesellschaftlichen (zumindest bezüglich ihrer relevanten Teile) Konsens IST eben das Ende des von Ihnen beschriebenen „Konservatismus“. Und das Kreuz bei der FDP ist sicher einer ordentlich französischen Revolution mit Guillotine und allem was dazugehört noch immer vorzuziehen.
    Gruß, T.I.M.

  2. Chapeau werter Don, mit viel...
    Chapeau werter Don, mit viel hintergründigem Humor geschrieben. Laufende Leichen, gar kopflos, begegnen einem sonst nur in der Störtebecker Saga. Aber jedem Fundamentalisten begegnet man am besten mit Humor, das mögen sie am wenigsten und hier kostet das einem Gottlob noch keinen Kopf. In anderen Ländern ist das ja leider anders.

  3. Großartig und treffsicher,...
    Großartig und treffsicher, wie meist!

  4. Man muss zunächst abgrenzen:...
    Man muss zunächst abgrenzen: Was ist konservativ? Was ist reaktionär? Bewahren, was gut ist, was sich bewährt hat, das ist eine aus meiner Sicht gute Definition dessen, was konservativ ist oder sein kann.
    .
    Politische Jugendverbände sollten kritisch sein. Das, was die Junge Union gegen Merkel bietet, wirkt auf mich nicht kritisch, es erweckt mehr den Eindruck einer nicht fundamentierten Rechthaberei, bisweilen schlicht albern.

  5. Aber dann ausgerechnet zur FDP...
    Aber dann ausgerechnet zur FDP überlaufen?
    Diese Partei ist doch nicht konservativ.
    Allein die Parteispitze, gruselig!
    Vor allem Westerwelle, Niebel (Sachbearbeiter und Fallschirmjäger?) und diese Blonde aus dem Osten.
    Und das „Spassmobil“ haben wir ihm auch noch nicht verziehen,
    ebenso wenig wie die antisemitischen Aussetzer Möllemanns.
    Nein nein.

  6. Sehr sehr schön. Vor allem...
    Sehr sehr schön. Vor allem zum Ende hin.
    Bin gespannt, ob sich von der Union irgendwann auch einmal eine Gruppierung abspaltet wie die Grünen oder jetzt die Linken von der SPD (was deren Niedergang ausgelöst hat). Noch ist nichts zu sehen, aber vielleicht ist der Verfall auch schleichender. Die Union ist einfach nicht so gut in der Disziplin „medial professionell inszenierter Selbstzerfleischung“ wie die SPD …

  7. @Don Alphonso
    Da ich an dem...

    @Don Alphonso
    Da ich an dem herrlich großen Dorf an der Isar heimisch bin, darf ich Sie nur an den als Elend mitanzusehenden Verfall der CSU erinnern. Seehofer ist wirklich die Krönung eines arroganten, linkischen Geschwürs , das sich seit Strauß selig von innen nach außen über die Partei samt Alt-Konservatismus stülpt. Aus dessen Rülpsen erwächst dann der Weichspülkonservatismus der Neuzeit.

  8. Sehr schön analysiert....
    Sehr schön analysiert. Konservativ sein heißt offensichtlich nicht mehr, die Flamme weiterzutragen, sondern Asche aufzubewahren. Guidos Spaßpartei knüpft ihre Versprechungen eben nicht an einen überkommenen diffus-christlichen Moral- und Wertekanon, nach dem nicht einmal mehr seine langjährigen Vorbeter wirklich leben wollen. Ein bisschen herzjesu-sozialistische Restwärme strahlt aus dem Aschehaufen vielleicht noch heraus, aber in dem besseren Viertel unserer nicht ganz armen Verbundgemeinde in der Düsseldorfer Nachbarschaft ist die FDP bei den letzten beiden Wahlen mit Abstand die stärkste Partei gewesen.

  9. Das rote Haus rechts, zeigt...
    Das rote Haus rechts, zeigt doch in seiner schlichten Pracht, das ein Wandel, ein sich anpassen an andere, neue Lebensinteressen auch in Dons Stadt gelingt. Der Dank gehoert auch dem Denkmalschutz. ‚Le Cafe‘ steht wohl fuer die kleine, dumme Stadt. Vielleicht ergibt sich aus dieser Wandlungsfaehigkeit ja doch noch Hoffnung fuer dieses orangefarbene Gebaude auf der linken Seite. Vielleicht ‚Le Spirit‘?

  10. zum glück gibt es...
    zum glück gibt es bücher.
    und chopin.
    .
    schöne bilder, schöne melodien in ihrem text, herr don.
    aber
    schwingt da (ganz) leise nicht etwas melancholie mit?

  11. Eine Dialektik von konservativ...
    Eine Dialektik von konservativ und revolutionär
    So wie mir besonders diese beiden Sätze gefallen, sie sind beinahe lyrisch: „Aus dem Schlamm der Niederung wachsen Stadt und Bewohner“, und: „In einer Zeit, da die Toten noch eine Weile selbst laufen, kann man natürlich auch ein Café daraus machen“, so muss ich Ihnen en détail widersprechen.
    Konservativismus ist mir ebenso ein Gräuel, doch wirkt nicht alles wirklich konservierend was sich zunächst um eben den Erhalt eines Wertes, Grundwertes (Grundwerte!) eines Zustandes, einer gegebenen sozialen Beziehung, die noch gewisse erhaltenswerte Elemente enthält, als eines Zustandes von sozialen Rechten, etc. bemüht. Nur wer sich um den Erhalt von sozialen Vorrechten bemüht, kann dann zu Recht als Konservativer denunziert werden. Es gibt da sogar eine Art Dialektik zwischen Konservativem und Revolutionärem. Zumeist aus dem konservativen Bemühen, das „Gute“ zu bewahren, entwachsen dann, in der Verzweiflung, ob der misslungenen Versuche, revolutionäre Ansätze. So ähnlich sieht das auch Slavoj Žižek, wenn ich diesen richtig verstanden habe.
    Gerade diese Verwechslung von einem gewissen Konservativismus der Massen (darin nicht unähnlich dem Verharrungsvermögen der physikalischen Masse) und einer grundsätzlich reaktionär-konservativen Grundanschauung von Eliten, macht es einer echten revolutionären Bewegung so unglaublich schwer, in den Massen Fuß zu fassen.
    Ja mehr noch: Gelingt es den Reaktionären diese beiden Konservativismen unter einen Hut zu bekommen, dann haben wir eine Volkspartei, eine Partei der Massen – der reaktionären Massen.
    Ich halte es daher für eine Notwendigkeit in der revolutionären Taktik, solche Differenzierungen, die so besehen im Wesen der Sache liegen, nämlich die zwischen reaktionären Führern der Massen und den „konservativen“ Massen selber, auszunutzen.
    Gerade in Bayern wirkt die CSU ja nicht nur korrumpierend auf die Massen, wegen der Privilegien, die sie ihren Anhängern (aber eben nur ihren Führern) ermöglicht, sondern wegen ihres sog. sozialchristlichen, christlich-sozialen Weltbildes, verwirrend, zumal das, und das ergibt sich aus der Komplexität einer solchen Ideologie, u.U. gar das Tor zu einer eigentlich linken Kritik aufstößt.
    In dieser „Verwirrung“ liegt eine Chance. Sehen wir nur die Klage von CSU-Größen gegen den Lissabon-Vertrag, oder auch den Kampf, sicherlich aus religiösen Motiven, gegen die Ambitionen der Biotechnologie, das „göttliche Wesen Mensch“ obsolet werden zu lassen. So wie die Motive, allein darin begründet, natürlich schwach sind, so ist der Ansatz zu unterstützen, ja geradezu voran zu treiben. Mehr noch: sie sind darin zu kritisieren, dass ihre Kritik nicht konsequent genug ist, dass die gesellschaftliche Relevanz – selbst die kirchliche – unterbelichtet bleibt. Dass sie nur Ideologie produzieren, aber nichts bewegen. Den Massen geht es um die Sache, den Führern um die Ideologie, ihrem darin liegenden Machterhalt. Und genau darin liegen auch die Ansätze für eine revolutionäre Gesellschaftskritik, besonders jetzt, in der sog. Postmoderne, denn eben genau jene konservativen Versprechungen können die konservativen Ideologen nicht halten, wo sie dem Kapital doch nichts entgegen zu setzen haben. Die CSU macht das jetzt ganz raffiniert, sie wird ihre fehlende Konsequenz ihrer Koalition mit den Liberalen zuschreiben. Das muss man entlarven: Das Programm der Liberalen und die Demagogie der CSU.
    Die Apologie der Moderne hingegen, gerade wie sie von Liberalen oder Sozialdemokraten, aber auch gewissen „Linken“, betrieben wird, ist für eine revolutionäre Kritik ziemlich unfruchtbar, denn abgesehen davon, dass sie in der Praxis das Spiel der Herrschenden spielen, sind ihre Worte nur Schall und Rauch, Wohlklänge aus fernen Zeiten, überholte Töne, falsche Zungenschläge, obsolete Gegenüberstellungen.
    Es gibt da ein historisches Vorbild, welches dann wahrlich in die Geschichte einging. Es gab da diesen berühmt-berüchtigten Hungermarsch 1905 in Russland, ein Bitt- und Betmarsch zu Väterchen Zar, zu dessen Winterpalast, ein Flehen um Nahrung und Winterhilfe, dessen Fernwirkung (dessen hirnlose Niederschlagung, eben durch verbohrte Reaktionäre) dann 1917, letztlich zur Oktoberrevolution führte. Die Bolschewiki nahmen nach ihrer Kritik an diesem Vorhaben – aus naheliegenden Gründen – dann doch Teil an dieser Bewegung, womit sie sich die Führung in den dann revolutionären Massenbewegungen der folgenden Jahrzehnte sicherten. Diese Massen waren alles andere als revolutionär – zu diesem Zeitpunkt -, sie waren es aber, die dann – 12 Jahre später (nach der Hölle der Reaktion) – die radikalste aller bisherigen Revolutionen durchführten.

  12. Als Spießbürger oder...
    Als Spießbürger oder Spießer werden in abwertender Weise Personen bezeichnet, die sich durch geistige Unbeweglichkeit, ausgeprägte Konformität mit gesellschaftlichen Normen, Abneigung gegen Veränderungen der gewohnten Lebensumgebung und ein starkes Bedürfnis nach sozialer Sicherheit hervortun.
    Inhaltsverzeichnis
    [Verbergen]
    * 1 Entstehung des Begriffes
    * 2 Synonyme
    * 3 Literatur
    * 4 Weblinks
    * 5 Quellen
    Entstehung des Begriffes [Bearbeiten]
    Der Begriff geht zurück auf die im Mittelalter in der eigentlichen Stadt wohnenden Waffen tragenden Bürger, die ihre Heimatstadt mit dem Spieß als Waffe verteidigen konnten, im Gegensatz zu den in der Vorstadt wohnenden Pfahlbürgern. Später wurden eher ärmere Bürger so benannt, die nur mit einem Spieß bewaffnet bei den städtischen Fußtruppen Dienst taten. Der Spieß als Waffe war relativ billig herzustellen, zugleich effektiv gegen die adligen Ritterheere des Hoch- und Spätmittelalters und verhalf Bürgern und Bauern in den Bauern- und Hussitenkriegen zum Teil zu hohen Schlachtensiegen gegen die adlige Kavallerie. Ab dem 17. Jahrhundert waren die Bürger mit ihren rückständigen Spießen den Landsknechten und später den ersten stehenden Heeren unterlegen, die mit Schusswaffen bewaffnet waren.
    Mit Beginn des 20. Jahrhunderts kommt die Kurzform Spießer und das Adjektiv spießig auf, die anfangs als Kampfbegriff adliger Kreise gegenüber dem Bürgertum, später meist fortschrittsorientierter und politisch linker Gruppierungen gegen die gesellschaftlichen Führungseliten (das sog. „Establishment“) verwendet wird. Neuerdings findet der Begriff vereinzelt auch Anwendung auf eben diese Gruppierungen, da Kritiker deren Position im Zuge des Marsches durch die Institutionen als neuen Mainstream sehen. Die taz, die in einer Artikelreihe die Neue Bürgerlichkeit erörterte, nutzte den Begriff Spießer in einer darauf bezugnehmenden Abo-Kampagne („Werden Sie Neo-Spießer“).

  13. @swina: Den Gedanken hatte ich...
    @swina: Den Gedanken hatte ich auch schon. Mir scheint es bei Herrn Alphonso eher eine tiefe Haßliebe zu seiner Heimatstadt, zur CSU und insbesondere zur Guten Alten Zeit zu sein!

  14. "In ein, zwei Generationen...
    „In ein, zwei Generationen wird sich die früher selbst vermehrende Führungsschicht der konservativen Kreise atomisiert haben, ganz ähnlich dem moralischen Zerfalll der konservativen Patchwork-Parteispitze, in der sich manch Nachwachsender mangels Alternativen Frau von der Leyen unter als Verschweigen des Kindermädchens als mütterliche Vorbildfigur wünscht. “
    Na, dann hoffen wir mal auf die Führungsschicht anderer Stützen der Gesellschaft, da die jungen nebulös Konservativen so offensichtlich entlarvt und vaporisiert werden! Oder, da die Liberalen offenbar auch nichts taugen, sind die sich stetig und guten Mutes selbst zerfleischenden linken Intellektuellen etwa ein brauchbares Korsett? Oder ertappe ich Don Alphonso lediglich bei seinen hinter scheinbar feinsinnig formulierten Sätzen verborgenen Stammtisch-Parolen à la „alles sch*****“? Das Lesen hat jedenfalls sehr Spaß gemacht!

  15. Oft gelesener Don...
    Oft gelesener Don Alphonso,
    hoffe doch sehr auf Ihre baldige Genesung! Ihre Art der Benutzung der Fotographie moechte ich nicht missen. Dieser Blick durchs schmale Visier, der Ausschnitt duenn wie ein schwarzer Balken ist sehr treffend und bloggerecht. Also bitte gesunden, raus in die Welt und wieder rein ins Web. Danke aus Thailand!

  16. Erinnert streckenweise stark...
    Erinnert streckenweise stark an Jan Fleischhauers Analyse der Linken in „Unter Linken“, kurz ein paar Vokabeln ausgetauscht und schon passts…

  17. Don Alphonso,
    toller Artikel....

    Don Alphonso,
    toller Artikel. Kleiner Rest der gerettet wird, das ist aber sehr stark Augustinus oder Calvinismus u.ä. Ansonsten hat T.I.M recht und Sie. Es ist wirklich gut, dass diese Einheit von CSU und kath. Kirche verschwindet. Wenn ich mich erinnere wie oft vor Wahlen bei uns in der Oberpflaz ich als ministrant deutliche Hinweise in der predigt gehört habe, die CSU zu wählen. Pfarrer, die den CIC missachteten und für die CSU kandidierten… In Österreich z.B. schreibt die ÖVP Brandbriefe, die Kirche möge doch den Zöllibat abschaffen, damit die Seelsorge am Land gewährleistet ist.
    Wie sagt man in bayern südlich der Donau: Aus is und gar und schön ist das wahr ist (dass es vorbei ist mit diesen Ärgerniss)

  18. FriedrichK, obwohl ich es...
    FriedrichK, obwohl ich es nicht geschafft habe, diesen schmierige Blase aus der Spiegelgosse zu lesen, gibt es natürlich ein gemeinschaftliches Problem aller Parteien (ausser der Linken): Die Entideologisierung. Das ist links so, bei den Konservativen und bei den Marktradikalen. Es gibt aber zwei Unterschiede: Die Union hat das Problem noch weitgehend vor sich, und sie verliert dabei nicht irgendwelche Wähler, sondern die, nennen wir sie mal, relevanten Kreise, die immer zum Wählen gehen und die Nachwuchskader stellen.
    .
    Thairat, gern geschehen. Draussen ist zwar gerade Nebel, aber demnächst bin ich in sonnigen Gefielden.

  19. Falkenherz, ich würde einiges...
    Falkenherz, ich würde einiges darum geben, aus sicherer Entfernung zu wissen, wie sich due bessere Gesellschaft nach zwei Generationen Gebährverweigerung darstellt – vermutlich mit enormen, zusammengelaufenen Vermögen und vollkommen verhätschelt – gerade hatte ich wieder eine Auseinandersetzung mit einer Cayenne-Mama, die es unerträglich fand, dass sie nicht eine halbe Stunde vor meiner Feuerwehreinfahrt auf ihr Kind warten durfte. Da ziehen wir uns alle gerade einen leistungsorientierten, kulturell aber eher minderwertigen Nachwuchs heran, der vermutlich ganz eigene Wege gehen wird. Mir kann es egal sein, ich bin, wenn es voll ausblüht, ohnehin tot und vergessen. Was ja auch was wert ist.
    .
    swina & Don Ferrando, nein, ich bin unter der CSU aufgewachsen, ich empfinde kein Mitleid, nicht den kleinsten Funken Mitleid. Auch bei der Kirche: Nachdem es keine 50 Jahre her ist, dass auch hier „Kopftuchmädchen“, um mal den rassistischen Begriff von Sarrazin umzudrehen, gemacht wurden und Zwangsheiraten nicht unüblich waren, ist es gut in einer Zeit zu leben, da man nicht mehr einfach diskriminiert werden kann, weil es dem Bischof so passt.

  20. Wunderbarer Kommentar.
    Schön...

    Wunderbarer Kommentar.
    Schön das Elend der Konservativen herausgearbeitet, die noch immer versuchen, den Spagat zwischen „eigentlich rechts Sein“ und „den Linken die Wähler abluchsen“ hinzubekommen. Die tiefschwarzen Ortsgruppen und die hellschwarz verwässerte, ins rötliche schimmernde Bundespartei.
    Der Ausweg? Selber nachdenken, selber überlegen was von dem konservativen Gedankengut brauchbar ist und aktiv werden. Den Sprung wagen, raus aus den vermeintlichen Volksparteien, rein in bestehende und noch zu gründende Alternativen; auch wenn es unbequem ist, Rückgrat verlangt, Engagement, Kopfzerbrechen; auch wenn es Häme hervorruft („was, die schaffen doch kein Prozent im Bundestag“). „Was, die sind doch so scheusslich national, europafeindlich, erfolglos, politisch nicht korrekt?“ Na hoffentlich, denn schaut euch mal an, wohin uns die politsch korrekten, proEuropa und erfolgreichen Parteien gebracht haben…..
    „Die Rechte“ ist nur noch eine Frage der Zeit. Je mehr vernünftige Konservative da mitmachen und sich nicht von der CDU/CSU ins Boxhorn jagen lassen, desto besser.

  21. T.I.M., erstaunlicherweise...
    T.I.M., erstaunlicherweise würde ich mich jetzt beispielsweise überhaupt nicht als konservativ sehen (der Umstand, dass ich ein Blog schreibe und auf Print wenig Lust habe, zeigt das Problem in gewisser Weise auf). In vielerlei Hinsicht bin ich vielleicht das, was man als progressiv bezeichnen kann, hänge aber durchaus ein paar reaktionären Vorstellungen an – allein schon, weil vieles, was mir wichtig ist, praktisch verschwunden ist oder nur noch in Nischen existiert. Und natürlich würde ich die Prozesse, die Kleider zu kik bringen und Kinder als Investment in die Zukunft begreifen, gerne revidiert sehen. Grob gesagt sehe ich als Historiker viele Momente, da der Zug des Fortschritts in die falsche Richtung fuhr, und dafür muss man erst mal wieder zurück.
    .
    Ich glaube im Übrigen auch, dass konservative Parteien nicht darum herumkommen werden. Nicht nur, weil sie mit etwas Pech auf mich treffen, der ich ihnen nachweisen kann, dass sie dem verdammungswürdigen Pelagioanismus anhängen, und sie noch nicht mal ihren Augustinus gelesen haben. Sondern auch, weil vieles einfach nicht zusammen geht: bayerische Landschaft rühmen und die Donauauen vernichten, von Tradition reden und die Investoren alles wegreissen lassen, am Sonntag in die Kirche rutschen und am Montag die Pressesprecherin in Berlin flachlegen. Man kann über die Kirche viel schlechtes sagen, aber sie hat zumindest eine glaubwürdige Fundamentierung. Und genau die haben die Konservativen nicht, die allenfalls darauf ihre lose Bruchsteinmauer errichten.

  22. Man darf bei aller...
    Man darf bei aller berechtigter Kritik an der Widersprüchlichkeit zwischen konservativem Anspruch und unzulänglicher Praxis nicht die Theorie für die Fehlbarkeit der Handelnden verantwortlich machen. Konservative Rückbesinnung auf klassische Werte, das folge ich ihrer Argumentation allerdings uneingeschränkt, ist das Gebot der Stunde, wenn das christliche abendländische Europa wie wir es kennen auch in Zukunft weiter bestehen soll. Gerade die christlichen Parteien sollten daher auch auf die persönliche moralische Integrität ihres Führungspersonals mehr Wert legen – da kann man bisweilen wirklich zum Schluss kommen, dass Luzifer von einigen Besirtz ergriffen hat. Gerade in der Jungen Union sehe ich aber ein Bekenntnis zum konservativen Wertekanon, der promiskutäre Narzisten ebenso verloren gegagenen ist wie den nihilistischen Wendehälse, die in der CDU mehr denn je das Gesellschaftsbild der FDJ-DDR verfestigen. Die von Helmut Kohl einst geforderte geistig moralische Wende war nie nötiger als heute.

  23. LutzBrux, nun, in Bayern gibt...
    LutzBrux, nun, in Bayern gibt es mit den freien Wählern schon auf Landesebene so eine Art „pragmatische Rechte“. Ganz rechts sehe ich massive Probleme, angefangen von der Unterwanderung der üblichen Verdächtigen bis zum Umstand, dass kirchenrechts etwas ganz anderes ist, als nationalrechts, und das nicht unbedingt antieuroparechts sein muss. Kurz, ich bezweifle, dass die gemeinsamen Feindbilder da als Klammer für sehr unterschiedliche Zielsetzungen ausreichen werden.
    .
    BertholdIV, was mich an der Entwicklung so erstaunt, ist nicht, dass es da einen Bruch gegeben hätte – die Partei wurde einfach komplett überdehnt von der Gesamtentwicklung. Links zieht die de facto ungläubige, aber an Stabilität und eigenen Vorteil bedachte Mitte, rechts die Kirche, und dazwischen tut es weh. Glücklicherweise entstand der Schmerz aber so langsam, dass sie es selbst kaum merken. Es gibt, siehe SPD, unerfreulichere Tode.

  24. Hartmut Dresia, ich glaube, es...
    Hartmut Dresia, ich glaube, es ist der Frau Merkel nur recht, wenn die Junge Union so ist, wie sie ist. Man muss sich dann mit ihr nicht rumärgern, und wer nach oben will, löst sich früh genug von den Plakatklebern.
    .
    Naja, soweit ich das sehe, lautet die Frage: Wer bietet mir was für meine Stimme. Bei der FDP hat sich die Sache mit dem Steuerberater und seiner Absetzbarkeit schon voll rentiert, das sind ein paar tausend Euro bei den besseren Kreisen pro Jahr. Dafür nimmt man auch Sparifankerl in Kauf, und an Ostdeutsche hat man sich ohnehin mittlerweile gewöhnt.

  25. @lutzBrux: dein Kommentar ist...
    @lutzBrux: dein Kommentar ist doch nicht etwa dein Ernst?!
    Ich bin auf viele junge „Konservative“, denen an christlichen Werten tatsaechlich noch sehr viel liegt, getroffen und kann die Grundausage des Textes leider nicht ganz unterstuetzen…

  26. Ideologisch vielfältiger
    @Don...

    Ideologisch vielfältiger
    @Don Alphonso: Dort wo das Kapital direkt regiert, mag es so aussehen, als würde entideologisiert. Ein Beispiel wären dafür gewisse Beraterunternehmen im Regierungsauftrag (Mc Kinsey, Berger & Co), denn unter deren Fittiche darf sich die Bürokratie als neue Managerelite trainieren lassen, als Gegenleistung zu jenen lukrativen Aufträgen, die an diese – an den Ausschreibungen vorbei – gemogelt wurden. In der (ans Volk gerichteten) Politik herrschen aber nach wie vor die Ideologen. Ist Rüttgers kein Ideologe, oder Wulff, oder Koch, nur weil sie sich als Praktiker in ihrer Region aufspielen? Selbst Westerwelle ist ein Ideologe, und was für einer. Unvergessen, sein Hurrapatriotismus im Anschluss an die Fussballweltweisterschaft. Was wir beobachten können, ist allerdings die Beliebigkeit der jeweils verwendeten ideologischen Versatzstücke. Gemeinsam verteidigen sie alle die „soziale Marktwirtschaft“ (das ist nicht nur Ideologie, sondern auch eine Aporie, denn der Markt ist per se nicht sozial, als ein solcher mit Erfolg kann er nur a-sozial wirken). Und während Koch den Konservativen gibt, so treibt’s Wulff liberal, so wie Wowereit mit den sozialdemokratisch-gewendeten Realsozialisten um nicht weniger neoliberale Projekte. – Ohne den Burgfrieden mit den Berliner Realosozialisten keine erfolgreiche Zerstörung der Reste des Berliner Frontsozialstaats. Rüttgers reibt sich mit Lafontaine am Zerfall des Nationalstaates, wegen der katholischen Arbeiterschaft (und den überkommenen/verkommenen preußisch-protestantischen, resp. französisch-katholischen Verwaltungseliten), die sie beide nicht verschrecken wollen). Lafontaine verwendet deretwegen sogar schwer belastete Begriffe, wie die der „Fremdarbeiter“. Nur der Christdemokrat Blüm könnte ihn dahingehend noch übertreffen. Und der Seehofer feiert nun ein liberales Steuersparprogramm, damit sein Bayernvolk nicht bemerkt, auf wessen Kosten und zu wessen Nutzen da gespart wird. Ideologisch vielfältiger geht’s nicht.

  27. egghat, man hört in Bayern ja...
    egghat, man hört in Bayern ja immer wieder so Gerüchte rund um Herrn Gauweiler, aber ich weiss nicht, was ich davon halten soll. Ich denke, es geht so lange mit der Union gut, als sie genug für alle verteilen kann und die äusseren Feinde einen einsamen Weg gefährlich erscheinen lassen. Umgekehrt ist es aber so, dass jene Frau, die demnächst wohl Ministerpräsidentin von Thüringen wird und als Widerstand gegen die DDR gilt, zumindest in der Springerpresse, früher selbst FDJ-Sekretärin war und gleichzeitig ProChrist fördert. Die Frage ist dann eben, wann es den Linientreuen einfach mit den Anpassern reicht. Vielleicht, auch das möchte ich nicht ausschliessen, kommt es regional zur Spaltung. In Bayerrn etwa würde ich gute Chancen für eine Frankenpartei sehen.
    .
    Byron, tatsächlich würde ich Seehofer für den besten aller möglichen CSU-Ministerpräsidenten bezeichnen wollen, nachdem die Alternative den Namen Söder (incl. auch nicht gerade linientreuem Privatleben) heisst. Und wie schnell man durchgereicht wird, könnte auch ein poppiger Guttenberg, jener Posterboy der Meeter und Greeter, an Seehofer erkennen. Nein, es ist schon alles gut so, wie es ist, mit kleiner Flamme und langem Garen.

  28. Konservatismus ist keine...
    Konservatismus ist keine Idologie, im Gegenteil. Im Grunde läßt sich diese Anschauung auf eine leicht schlecht gelaunte, misanthropische Resignationshaltung gegenüber den Fährnissen der Welt reduzieren, und die Klügeren unter den Konservativen wissen, daß der Claim „früher war alles besser“ ebenso ortlos ist wie der blinde Fortschrittsglaube, wie er einst die Linke kennzeichnete.

  29. Don Alphonso
    Wo da rechts und...

    Don Alphonso
    Wo da rechts und links ist, weiss ich nicht genau. Vielleicht sind die Bayern, wie kardinal meissner sagt,gar nicht gläubig, sondern nur folklore, oder nicht mehr.
    Man sollte den ‚kalten krieger‘ jpII nicht vergessen, der die katholische kirche von allen nicht rechten gläubigen ‚gesäubert‘ hat, dafür aber von der bush familie gelobt wurde.

  30. Die wahren Konservativen, das...
    Die wahren Konservativen, das sind im Moment die Grünen und die alten Sozialdemokraten. Rechts wohnen, links daher reden.
    Und weil sie nicht mehr an Gott glauben, sind ihre Götzen die Umwelt und das Klima, die soziale Gerechtigkeit und die Solidarität. In deren Namen wird der größte Blödsinn verbrochen – es reicht ja, wenn das Volk daran glaubt…

  31. Als Historiker sind die obigen...
    Als Historiker sind die obigen Bemerkungen ueber den Konservativismus einfach erschreckend. Sie sind genauso ideologisch wie diejenigen von ganz rechter Seite. BEvor man ueber „den“ Konservativismus schreibt, sollte man sich zuerst einmal mit der Geschichte dieser vielfaeltigen Bewegung auseinandersetzen. Klaus Epstein’s Buch ist ein guter Anfang. So war der Beitrag hoechstens eine unterhaltsame Glosse ohne Wahrheitsanspruch.

  32. Ohne eine Grundsatzdebatte...
    Ohne eine Grundsatzdebatte anstossen zu wollen: „Konservativ“ (von nicht zur Diskussion stehenden/-r guten/-r Werten und Erziehung abgesehen) ist ein unscharfer Begriff und vermutlich nur im Sueden so wie im Beitrag und der Diskussion zu verwenden. Jeder kennt Beispiele von konservativen Nicht-Stuetzen, die aber nie CDU oder FDP waehlen wuerden, sondern fuer welche die „bewahrende“ Variante z. B. SPD heisst. Interessanterweise meine ich sogar eine leichte Antikorrelation zum Vermoegen zu beobachten: Wer etwas mehr als der Durchschnitt hat (= a bisserl ko), der moechte bisweilen, dass andere nicht mehr bekommen, sondern zusaetzlich geschaffener Wert weiter hoch besteuert und umverteilt wird. Dann hat man selbst laenger was von dem Reihenhaus, das man steuerfrei geerbt/durch Eltern-Teil-Finanzierung zum 40. erworben hat. Der etwas andere Konservativismus der (geistigen Unter- aber) Erben-Mittelklasse.

  33. U. Lehner, wenn Sie mir schon...
    U. Lehner, wenn Sie mir schon mit „Wahrheitsanspruch“ kommen – wären Sie vielleicht so nett, mir zu erklären, wo ich Unwahrheiten verbreite? Ausserdem nehme ich mit Erstaunen zur kenntnis, dass sich auch in Ihren Kreisen das neudeutsche ’s grosser beliebtheit erfreut.
    .
    w.schmid, bei aller berechtigter kritik an gewissen Lebensformen linker Kreise – und ich selbst will mich da mit meiner Mischung aus feudalem Lebensstil und einer gewissenen sentimentalen Neigung zur Theorie der permanenten Revolution nicht ausschliessen – so muss man doch sagen, dass es der natur weitaus besser gehen könnte, und marktradikale Ideen gerade einen ziemlichen Dämpfer bekommen heben, gerade weil sie nicht auf Ausgleich, sondern auf bereicherung schielten.

  34. maternus, es ist ja schön,...
    maternus, es ist ja schön, dass die klügeren Konservativen die Probleme der Vergangenheit kennen – aber dann würde man sich auch wünschen, dass sie es zum Wohle aller formulieren. Natürlich weiss jeder, dass es nicht klug war, Spenden von Herrn Schreiber zu nehmen – aber auf Entschuldigungen wartet man vergeblich, und der Herr Johl feistet sich bis heute eins mit seinen schwarzen Kassen. Und solange das so bleibt, muss ich sagen, dass ich nur wenig Klügere erkennen kann. Sollen sie es halt aussprechen,
    .
    BertholdIV, ich würde da etwas vorsichtig sein, ich kenne durchaus viele Leute, die gläubig sind und sich auch sehr um den Glauben verdient machen. Es wäre nicht meine Sache, aber es ist vollkommen legitim, etwas für seinen Glauben zu tun. Schmierig wird es erst dann, wenn man christliche Werte predgt und sich absolut nicht daran hält, dann erst wird das zum pseudoreligiösen Rummel. Dass es mit den Grundlagen der Religion beim Bayern nicht weit her ist – sicher, das ist ein Problem. Aber auch eines, das die Kirche nicht bedauert. Johannes Chrysostomus etwa würde ich jetzt nur für begrenzt mehrheitstauglich halten.

  35. Don Alphonso, dass Sie sich...
    Don Alphonso, dass Sie sich selbst keineswegs als konservativ ansehen, durchaus aber als reaktionär in manchen Punkten liegt doch nur an Ihrer Position auf der Zeitskala. Es gibt sicherlich die ein oder andere gegenwärtige Eigenschaft, die Sie genauso gerne bewahrten, wie Sie manch Vergangenem hinterhertrauern. Insofern haben Sie sicherlich zumindest reaktionäre UND konservative Ansichten – und das ist auch gut so. Auch wenn ich mich bislang nie in die Diskussionen eingeschaltet habe (dachte immer, man müsste sich irgendwo registrieren), so kenne ich doch Ihren Blog lange genug, um Sie in beiderlei Hinsicht vom Anhängen eines „-ismus“ freizusprechen. Und ob der „Fortschritt“ tatsächlich als Zugmethapher beschrieben werden sollte, wage ich zumindest bezüglich der Gesellschaft zu bezweifeln.
    Was die armseligen Aspekte des politischen Konservatismus anbelangt, die die dann auch zu den angesprochenen Auswüchsen politischer Bigotterie führen mögen, so beruhigt mich, sofern Sie Recht behalten, der von Ihnen negativ ins Feld geführte Mangel eines Fundamentes. Denn ein geistiges Fundament wie das der Kirche erlaubt auch einen ebensolchen Fundamentalismus. Bei aller Verdammung (oder trotz dieser) durch den Oberfundi der allein seligmachenden katholischen Kirche (Selig die Armen im Geiste!): Es lebe der Relativismus!

  36. Und nun? Es gibt keine...
    Und nun? Es gibt keine Konservativen mehr. Es gibt keine Partei die konservativ ist. Und das Bürgertum – da folgen wir Siedler und Fest – gibt es auch nicht mehr. Die besseren Kreise erfreuen sich umso entschiedenerer Exclusivität – ganz ohne Parteienbindung. Bessere Kreise ist doch des bessere Begriff – Danke DonAlphonso. Und den Freiheitlichen und Unions-Junioren überlassen wir das Konservativ-Bürgerlich-spielen.

  37. sophie, natürlich gibt es...
    sophie, natürlich gibt es die. Auch. Neben vielen anderen. Aber früher war das die mehrheit. Heute ist es eine kleine Fraktion, schliesslich sind am Sonntag Abend mehr im Cafe als in der Kirche. Früher wäre es andersrum gewesen, und die im Cafe hätten das böse Gerede bekommen.
    .
    Zapato, „nur im Süden“ bedeutet für die Union aber dummerweise „im innersten Kern ihres Wesens“. Im Osten ist zwar das C noch vor der Partei, aber nicht mehr in den Leuten. Sprich, was sie hier verlieren, trifft sie an den Wurzeln.
    .
    Der angesprochene Kleinbürger ist natürlich eine weitere sicher Bank für konservative Kreise. Ich glaube auch nicht, dass sie den mittelfristig verlieren. Aber bei den Funktionskasten des Landes tut es erheblich mehr weh – man kann es doch jetzt schon überprüfen: geistig brilliante CDU-Mitglieder mit feinen Manieren und guten Formen. Bei uns in der Region haben wir jetzt einen entsprechenden jungen Abgeordneten aus dem Landmaschinenhandel, der wird vielleicht was. Aber sonst? Nicht dass es andernorts so viel besser wäre. Aber für die Beherrschung des Landes oder zumindest den Anspruch is des a wengal grattlig, würde man in Bayern sagen

  38. Lieber Herr Lehner,
    Statt...

    Lieber Herr Lehner,
    Statt Verweis auf eigene Homepage http://mu.edu, doch bitte ein paar konkrete Literaturhinweise und Kritikpunkte. Am Schluss empfehlen Sie uns noch den Franzen zur Kirchengeschichte (mit der historie der Päpste beginnend bei petrus). Obwohl es bei der SJ auch gute Historiker wie Prof. Schatz an in St. Georgen in frankfurt gibt

  39. jbovier, ich bedaure, aber...
    jbovier, ich bedaure, aber wenn ich vom christlichen Abendland rede, dann tue ich das auf Basis meines Wissens mit einem gewissen Amüsement. Denn der normale Christ im Abendland hat sich weder mit den Briefen von Ambrosius von Mailand auseinandergesetzt, noch versteht er den Kulturraum, in dem er lebt. Beide Aspekte sind in diesem Kontinent einer kleinsten Schicht vorbehalten, der Rest hat keine Ahnung, liest Bild, Spiegel Online oder Praline und ist damit, mit diesem christlichen Abendland vollauf zufrieden. Ja, ich wage zu behaupten, dass sendungen wie „Wer wird Millionär“ dieses Abendland und seinen common sense neu definiert und das Alte wegplaniert haben. Ich kann ja gerne mal etwas über die Bedeutung des Konflikts zwischen Pelagius und Augustinus für die europäische Kulturgeschichte schreiben, aber ich denke nicht, dass es viel Resonanz haben würde, obwohl es extrem wichtig für unsere Geistesgeschichte ist – für uns, die wir sie kennen. Dem Rest ist das vollkommen egal.
    .
    Devin08, in meinenAugen ist der Finanzkapitalismus auch nur eine Ideologie, wenn man so will: Ein sozial entkleideter, gegen den Kommunismus gewendeter Trotzkismus. Wir haben es mit einer permanenten Revolution reinsten Wassers zu tun in dem, was Goldman Sachs und andere gerade treiben. Natürlich sind diese Menschen hochgradig ideologisch. Und jene Eltern, die ihre Kinder schon mit 5 Jahren chinesisch lernen lassen, sind es nicht minder. Man tut so etwas nicht freiwillig, wenn man nicht bis in die Knochen mit ideologie durchtränkt ist.

  40. Hier wieder was gelernt zum...
    Hier wieder was gelernt zum Thema:
    http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~ED78922990A4D4C1BA43FD5B015A17830~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    Nietzsche war ein „Jungkonservativer“ (laut Habermas)! Könnte was dran sein.
    Schon interessant, was die FAZ da für eine widerliche Debatte angestoßen hat. Für mich auch sehr aufschlussreich, auf welch niedrigem Niveau dort (in der FAZ) einige sogenannte Intellektuelle ihre Angst vor der sogenannten „Gleichmacherei“ zum Ausdruck bringen und wieviel gestelzten Aufwand sie dafür betreiben müssen.

  41. Ganz kurz abgeschweift: Über...
    Ganz kurz abgeschweift: Über diesem Beitrag erscheint aktuell auch Werbung der Bank of Scotland, er es nicht zu peinlich ist, mit dem Wort „Vertrauen“ zu werben. Ich hoffe, kein Leser ist so dumm und lässt sich von diesem Institut mit seiner erbärmlichen Leistung während der Finanzkrise auch nur einen Keks aufschwatzen.

  42. Ich kann nur wiederholen; es...
    Ich kann nur wiederholen; es macht Freude, diesen Blog sowie die Kommentare hierzu, jedenfalls die meisten, zu lesen. Dabei erinnere ich mich gern an andere Artikel in diesem Blog und es kommt mir eine Titelzeile in den Kopf, die ich in gänzlich anderem Kontext erst jüngst gelesen habe und hier vielleicht auch eine gewisse Wahrheit entfalten kann: „Das Netz hängt seine Nutzer ab“.
    Meine spekulativen Gedanken, die sich freilich auch erst nach Beobachtung aus sicherer Entfernung, längst tot und vergessen, validieren lassen werden: Entweder unerhörte Nivellierung bis zur Grenze der gesellschaftlichen Disintegration, so dass letztlich das Zeitalter der Konzernherrschaft anbrechen wird, oder aber die Stunde der Tapferen aus der Mittelschicht, die das Werte-Banner des gefallenen Trägers ergreifen werden. Ob daraus dann ein geordneter Rück- oder Siegeszug wird, ist dann letzten Endes gleichgültig. Jedenfalls wäre dann eine neue stabile, auch fruchtbare, gesellschaftliche Stütze erhoffbar. Nur dauert das manchmal vielleicht viel zu lang.

  43. Dieser Artikel ist so...
    Dieser Artikel ist so niveauvoll, wie der Außenelbe bei Ebbe…
    Der Autor hat ein Bild des Konservatismus im Kopf, dass er gerne sich und seine Gleichgesinnten als allgemein gültigen Zustand präsentiert. Siehe: Nichts ist schöner als ein bestätigtes Vorurteil. Das ist aber ähnlich korrekt, als wenn ich die Thesen der Frau Wagenknecht und ihrer Genossen in der kommunistischen Plattform exemplarisch für den ’sozialistischen Mindset‘ in der PDS gleichsetze. Differenzierung – das wird mir die Klientel des selbsternanntes Fortschritts – sollte auch dort geübt werden.
    Alles in allem möchte ich für mich festhalten:
    1. Es gibt viele verschiedene Formen des Konservatismus!
    2. Lieber lebte ich in Gebieten dieses ach so gruseligen Konservatismus (mit in der Regel besseren wirtschaftlichen Verhältnissen) als in Marzahn, Gelsenkirchen oder Wilhelmshaven. In letzteren Orten werden sie nicht viele der beschriebenen ‚Witzfiguren‘ finden, dafür aber wirtschafts- und gesellschaftspolitische Irrläufer die alles (v.a. Wirtschaft) in die Grütze reiten. Im besagten Ort, das wette ich, gibt es mit Sicherheit auch immer noch mehr Ehen, mehr Kinder pro Ehen, mehr Heteros, mehr Gläubige und (ach wie spießbürgerlich) mehr saubere Vorgärten und Straßen.

  44. Justin Thynne, nun, es gibt...
    Justin Thynne, nun, es gibt tatsächlich nicht mehr die siedler’sche Bürgerlichkeit, aber die Frage ist doch auch, ob es sie denn jenseits der Beschreibung gegeben hat. Ich kenne da sehr viele Spielarten der Bürgerlichkeit, manche gehen weiter und andere verschwinden – das Bürgertum hat es immerhin geschafft, als Fettauge über 2 jahrhunderte weit oben auf der Suppe zu schwimmen. Auch das ist eine Leistung. Vielleicht zu wenig für Fest, aber ausreichend für den dicken Don Alphonso.
    .
    T.I.M., ich denke, das Problem der neuen Fundamentierung liegt darin begründet, dass man schon seit jahrzehnten gelernt hat, mit den Provisorien zu leben. Sprich, es ging auch eine Weile ohne Fundamente, man konnte einfach anbauen an die Kirchenwand. Und vor lauter anbauen hat man vermutlich auch vergessen, wie das mit dem Fundamentieren so geht, vor allem: Dass man dazu Zeit bräuchte. Zeit, die die Union nicht hat. Schon gar nicht in der Regierung, und während Rot-Grün war man zu faul dazu. Nun ja, man wird sehen, ob sich das rächt.

  45. Falkenherz, ich halte dagegen:...
    Falkenherz, ich halte dagegen: semipragmatisches Durchwurschteln auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner in deutscher Wertarbeit.
    .
    Ein Niedersachse in Hessen, abgesehen davon, dass Sie vielleicht auch einem mediokren Schreiber wie mir das Vergnügen lassen sollten, seine elenden Episteln mit anderer Meinung zu lesen – auch bei Flut ist die Aussenelbe nicht niveauvoll.

  46. Don Alphonso, schon mal gut,...
    Don Alphonso, schon mal gut, wie Sie erkannt haben, dass die Außenelbe Gezeitenunabhängig nicht niveauvoll sein kann. Wenn Sie jetzt auch noch den Transfer zu meinem Vergleich hinbekommen, dann fühle ich mich von Ihnen verstanden!

  47. Das Religion jetzt unbedingt...
    Das Religion jetzt unbedingt konservativ sein muss, scheint mir ein modernes europaeisches Vorurteil zu sein. Oder vielleicht wird Religion mit purem (und imaginaerem) traditionellem Katholizismus (oder ggf. auch der protestantischen Tradition) gleichgesetzt. Historisch gesehen (und auch heute) haben christlich-inspirierte Bewegungen oft „fortschrittliche“ (wie immer man dies auch definieren mag) und manchmal sogar revolutionaere Ziele verfolgt. Man nehme z. B. den erfolgreichen Kampf englischer als auch amerikanischer (protestantischer) Christen im 19. Jahrhundert gegen den Sklavenhandel, der Stand der katholischen Kirche in Europa und Latein Amerika fuer die soziale Gerechtigkeit, und im Allgemeinen die zahlreichen christlichen humanitaeren Organisationen, die in Krisengebieten wie Afghanistan und Kongo oft schon Hilfe leisten bevor staatlich finanzierte Organisationen sich dort befinden.

  48. Selten so viel charmanten...
    Selten so viel charmanten Unsinn gelesen. Der Autor unterhält auf eine etwas schrullig- innovative Art. Wer’s mag!?

  49. Wehrter Don,
    war es nicht...

    Wehrter Don,
    war es nicht schon immer so das die, welche konservativ und noch
    wohlhabend waren, glaubten in aller Stille auszusterben?
    Herzlichst P.

  50. Sie haben recht, Ryan aus...
    Sie haben recht, Ryan aus Indiana, denn die Jesuiten in Don Alphonsos kleiner dummen Stadt waren einst ebenfalls enorm fortschrittlich, was dem Vatikan damals durchaus nicht sympathisch war.

  51. @ D.A. "neudeutsche 's" - ist...
    @ D.A. „neudeutsche ’s“ – ist das die politsich korrekte Variante von Deppenapostroph?
    Jene Vertreter des Meet&Greet, die ich kennenlernen durfte (und das waren bisher doch einige), waren zum ganz überwiegenden Teil nicht sonderlich konservativ im beschriebenen Sinne. Es waren vielmehr schlicht und ergreifend Karrieristen. Oder besser gesagt, sie erhoffen sich eine Parteikarriere. Bei welcher Partei schien dabei schon nebensächlich zu sein. Die meisten wären sicher auch in der DDR in die SED eingetreten, wenn es sich auf dem Weg nach oben weitergebracht hätte. Oder wie mein Großvater über diesen Menschenschlag immer sagte: „Wenn morgen die Chinesen kämen, würden die sich heute Nacht noch einen Zopf wachsen lassen.“

  52. marktradikale Ideen sehe ich...
    marktradikale Ideen sehe ich wenige in Deutschland. Und bei Ideen bleibt es auch höchstens. Unsere völlig sozialdemokratisierte Kanzlerin und die weichgespülte FDP vehindern das doch völlig.
    Bei der Merkel CDU ist ja mitlerweile leider auch die soziale Marktwirtschaft nicht mehr auf der Agenda.
    Auch ein Grund, weshalb es der SPD so schlecht geht, denn die CDU ist an ihre Stelle getreten.
    Nicht weniger, sondern mehr Markt braucht es in Deutschland.
    Damit meine ich aber nicht Manchester Kapitalismus !

  53. die beobachtung ist treffend...
    die beobachtung ist treffend und ich danke für den hinweis, konservativismus, der sich selber begründen muss, ist in wirklichkeit keiner.
    .
    (wobei konservativismus schon zu urzeiten nicht die enführung des faustkeils verhindern konnte, und von dort an immer so weiter)
    .
    allerdings denke ich, dass wir über kurz oder mittelfristig wieder eine parteienlandschaft wie zu zeiten der weimarer republik haben werden.

  54. ryan,
    das ist wohl mehr dem...

    ryan,
    das ist wohl mehr dem missionsauftrag als dem eigenlichen wesenskern tiefen, fernab jeder frage bestehenden, glaubens geschuldet.
    dass in den ursprüngen der arbeiterbewegung sehr viel mehr religiös als ökonomishc argumentiert wurde, hängt damit zusammen, dass einerseits das die einzige argumentation war, die die adressaten verstanden; zum anderen ist ein moralisch begründetes argument mit sachargumenten nicht widerlegbar (dafür gibt es das bekannte argumentum ad personam von denen, die öffentlich wasser predigen und heimlich wein trinken).
    .
    für bayern gilt nach wie vor das vom völkerkundler mc cormick (tief in bayern) gesagte:
    .
    der bairische katholik kommt mit der parusieverzögerung sehr gut zurecht.

  55. 5 Minuten nachdem ich den...
    5 Minuten nachdem ich den Artikel gelesen hatte, ist mir aufgefallen, daß ich nun schon seit JAHREN keine Spam-Mails mehr bekomme, wo mir Schwanzverlängerungen angeboten werden.
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    In „Elementarteilchen“ läßt Hollebecq den Medizinunternehmer darüber räsonnieren, daß ALLES, was sich in den USA durchgesetzt hat, auch in Europa früher oder später zum Standard wird — und daß er darum eine großes Dummheit beging, nicht rechtzeitig offensiv in Penisverlängerungen zu investieren.
    .
    ERGO: Früher oder später kommt der Bibel-Fundamentalismus amerikanischen Typs auch nach Bayern und sogar in die heidnischen Ostgebiete!
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    Der Don zeichnet hier ein Bild der unaufhaltsamen Säkularisierung, der Entkirchlichung und der Liberalisierung. Aber niemand sollte sich darauf verlassen, daß diese Entwicklung wirklich ein Selbstläufer ist. In Algerien ist es auch anders gelaufen, und die türkischen Einwanderer leben heute sittenstrengar als um 1980.
    In den 1960er Jahren konnte man in den USA wie in Nordafrika den Eindruck einer unaufhaltsamen Liberalisierung haben, aber dann kam der Rollback!
    .
    Auch in Europa braut sich sowas zusammen. Vor 20 Jahren schienen die fundamentalistischen Pius-Brüder eine aussterbende Spezies zu sein, aber heute diktieren sie dem Vatikan ihre Bedingungen. Denn sie haben ja Nachwuchs trotz Zölibat, während die absolutistisch-aufgeklärte Landeskirche Prister aus Polen importieren muß, die ebenfalls nicht grade mit Jaspers, Buber und Maréchal großgeworden sind — sondern mit Radio Marya.
    .
    Lieber Don, haben Sie schon mal versucht, in Polen eine Kirche zu besichtigen? Es geht nicht. Fotos wie die oben könnten Sie dort NIE machen, weil immer, (ja: IMMER) vollbesetzter Gottesdienst ist und Sie doch zu wohlerzogen sind, um mitten im Offertorium die Sünderinnen zu blitzen. (DAS nenn ich Gegenreformation, mein barocker Tortenfresser).
    Und das Schlimmste: Die meisten Kirchenbesucher sind JUNG, erheblich jünger als Ihre verruchten sodomitischen Schlammspringer von der jungen Union.
    .
    Früher oder später kommt da auch zu uns. Es muß sich nur jemand finden, der das offensiv macht und sich nicht zu fein dafür ist.
    .
    Bisher gilt in D immer noch das verheerende ökumenische Agreement: Die Amtskirchen behalten ihre institutionell-materiellen Privilegien und verzichten dafür auf offensive religiöse Propaganda. Nur deswegen konnte z.B. die CSU die beschriebene Spannung zwischen christlichem Moralanspruch und gelebter Libertinage aushalten.
    .
    Langsam scheint die aber Zeit Jacob Burckhardt einzuholen, der schon um 1869 gesagt hat:
    „… der Staat ist im Begriff, den erschütterten Bund zwischen Thron und Altar, als jetzt und unvorteilhaft geworden, aufzukündigen; die katholische Kirche aber verläßt sich viel zu wenig auf innere Kräfte und sucht viel zu sehr nach äußeren Stützpunkten.
    Ob das Konzil eine Lösung bereit hält?
    Von seiten des Staates ist es lächerlich, wenn er gerne „liberale Prälaten“ hätte, die seiner Bürokratie keine sauern Tage machen sollen. Den nordamerikanischen Regierungen ist es ganz gleichgültig, wie ultramontan oder „aufgeklärt“ die katholischen Bischöfe der Region sind.“
    [Ende des Zitats: Okay, das Basler Käppsele war seiner Zeit um 130 Jahre voraus, aber sonst paßt das schon… ]
    .
    Der Markt ist da, es fehlt nur noch der strategische Investor.

  56. Don Alphonso
    Ich unterstelle...

    Don Alphonso
    Ich unterstelle nicht, dass alle bayern ungläubig ist (bin ich ja selber)… Worüber die Kirche unzufrieden ist, weiss ich nicht genau (hier wäre vorsichtig sein angebracht). Im Theologiestudium hat uns N. Brox bei Papst Leo I gesagt, dass die alte kirche alle seine Äußerungen beachtet hat. Analog müsste man jetzt auch den Frühwerken BXVI die gleiche Autorität zuweisen.
    Da die Kardinäle des Conclaves diese Vorgehensweise kannten. Mal sehen was da noch kommt.

  57. Der Bhagvan-Guru
    @Herrentorte:...

    Der Bhagvan-Guru
    @Herrentorte: An dieser Debatte beteilige ich mich auch schon seit einiger Zeit. Nachzulesen in meinem Weblog, Suchfunktion: Sloterdijk. Dieser Herr ist für mich der Bhagvan-Guru, der er schon immer war. Nur dass er jetzt unter trickreicher Zuhilfenahme von Kant, Nietzsche und Hölderlin seine philosophische Flachheit zu retuschieren weiß, wie durch sein unerträgliches Genuschel in den Bart. Eine gewisse rhetorische Begabung spreche ich ihm nicht ab. Aber er kann nur punkten, als Philosoph, weil er keine ernst zu nehmenden Gegner auf diesem Feld hat, in den „Enkeln“ der Frankfurter Schule schon gar nicht. Die Angriffe durch Honneth und Menke sind berechtigt und waren längst fällig, wenn sie auch darin völlig ungenügend sind; ja, sie liefern ihm damit die Steilvorlage, die er mit seiner Provokation vermutlich gesucht hat. Der „Zorn“ (der Wille) soll die (flache) Theorie ersetzen, der Thymus (die Emotion) den (willenlosen) Verstand, so wie ein gewisser evident gewordener Nihilismus den Sozialismus. Der Geist soll endgültig geschleift werden. Die fehlende Kampfkraft, der Mangel an Bewusstheit unter den Massen, soll definitiv manifest werden, durch eine quasi naturbedingte „Ungleichheit“, durch das Vorrecht der Herrschenden, dem Privileg der Denker. Selbst Steuer zahlen soll vom Willen und Status in der Hierarchie der Macht abhängen. Der Souverän soll nicht nur die Steuerhoheit verlieren, sondern völlig seine Souveränität. Das bürgerliche Subjekt soll entsorgt werden zum Almosenempfänger. Eigentlich alles nichts Neues, nur ist es so von Philosophen noch nicht gerechtfertigt worden. Ein neuer Höhepunkt in der Apologie. Eben: unverblümtes Herrenmenschendenken, wenigstens darin haben Honneth und Menke recht. Das „Elend der deutschen Philosophie“ ist mit (wie gegen) Sloterdijk leider noch nicht an seinem Höhepunkt angekommen.

  58. HansMeier555
    vor gut 10...

    HansMeier555
    vor gut 10 jahren hatten wir als Studenten an der kath. Fakultät in Regensburg eine ‚kontrovers theologisches Seminar‘ in Zaitzkofen (PIUS X – Priesterseminar). ich fand die meisten ausser ein zwei, die schon nahe an ganz weit rechts waren, schwer in ordnung. Was mir auffiel war in persönlichen Gesprächen, dass sie durch manche Entwicklungen z.B. in der Diözese Basel nach Vat II verwirrt waren, aber ganz einfach keine intelektuellen gesprächspartner in der katholischen Kirche mehr fanden und das ziemlich gut sahen, die Mediokrität derer (in diesem Fall Bistum Regensburg)

  59. Zur Kinderlosigkeit der...
    Zur Kinderlosigkeit der Oberschicht:
    .
    Genau darin liegt m.E. der tiefere Grund für die exorbitanten „Managergehälter“.
    Das klassische Unternehmertum erfordert der Idee nach – genau wie die dynastische Monarchie – einen männlichen Erben, der über eine zumindest durchschnittliche Intelligenz und Statur verfügt.
    .
    Solche Erben waren schon immer rar. In der heutigen Wirtschaft kommt erschwerend hinzu, daß manche potentiell befähigten Nachfolger es vorziehen, sich ihren Teil auszahlen zu lassen und dann einen bunten zu machen.
    .
    Die Firma muß aber weiterleben und heuert folglich „Manager“ bzw. Mietlinge an, und diese bereichern sich halt. Entweder sie kriegen ihre Millionenzahlungen als Gegenleistung für ihre Loyalität (im günstigern Fall) oder schon als Folge ihrer Illoyalität. Nun ja, kann man von außen nicht immer beurteilen.
    .
    Als 1989 die Mauer fiel, wußten plötzlich alle, warum die sozialistische Wirtschaft nicht funktionieren konnte: Weil es keinen Eigentümer gab, der nach dem rechten sah. Weil staatliche Manager nur „Pläne erfüllen“, aber nicht die Substanz erhalten. Nun, ich versteh nicht wirklich was von Wirtschaft. Aber möglicherweise kann man manche Phänomene heutiger economy schon damit erklären, daß es in heutigen Dax-Unternehmen faktisch auch keine Eigentümer mehr gibt und stattdessen das Kollektiv der Mietlinge überall eine Selbstbedienungs-Mißwirtschaft betreibt wie die sowjetische Nomenklatura unter Breschnew. Was damals der „Plan“ war, sind heute die frisierten Bilanzzahlen.
    .
    Sind diese Zustände womöglich eine Spätfolge des „Werteverfalls von 1968“?
    Kann es sein, daß keine gesellschaftliche Schicht den postbürgerlichen Hedonismus so sehr ausgelebt hat wie die Großbürgerkinder, diese kinderlos koksenden Kuponschneider?

  60. anzufügen:
    wie es um "die...

    anzufügen:
    wie es um „die werte“ im und um le café bestellt ist, weiß ich natürlich nicht,
    allerdings
    weiß ich,
    daß ich als
    ostfrau
    relativ schnell mitbekam,
    in einem „die alten zeiten“ bewahrenden (konservativem) und deutlich kirchlich geprägtem land angekommen zu sein.
    wobei
    das mittelalter bereits in hannover und nicht erst ab-passau-südlich begann.
    .
    zu den werten –
    ach, wieviel wäre da zu sagen …
    ob nun tellenkamps weißer hirsch oder liefers platte (damals gab es glücklicherweise noch keinen schmähbegriff wie unterschichts-quartier) – werte waren damals wohl nicht „schichtzugehörig“, was für mich dann schon auch wieder einen wert darstellt.
    aber das ist ein anderes spielfeld …

  61. Das Wort von der...
    Das Wort von der „Selbstbedienungs-Misswirtschaft“ ist ein gutes Wort – treffend – und auf diesen Nenner könnte man eventuell auch bestimmte Erscheinungen des CDU/CSU-Konservatismus bringen, besonders dort, wo sich der politische Konservatismus in seinen Hochburgen wähnt.
    .
    Ich glaube, dass der Konservatismus (z. B. interpretiert als Skepsis gegenüber sozialen oder gesellschaftlichen Experimenten) noch längst nicht am Ende ist, auch ideologisch nicht, und auch dann nicht, wenn ihm die zuvor gehuldigten Heiligheiten weitgehend abhanden gekommen sind: Papst und Kaiser.
    .
    An die Stelle des Kaisers ist längst schon „die“ Wirtschaft getreten, unter besonderer Berücksichtigung der Konzerne und wiederholten Mundbekenntnissen an „den“ Mittelstand. Dank willfähriger Verleger lässt sich ein erheblicher Anteil der Bevölkerung darüber hinweg täuschen, dass dieser schattenhaushaltende Wirtschaftsklientel-Konservatismus *gegen* die Mehrheit der Bevölkerung regiert, und schlimmer noch, zusätzlich auch gegen erhebliche Teile des Bürgertums, besonders jene Teile, welche trotz aller unnötigen Steuergeschenke die Ausgestaltung und Entwicklung einer ausgrenzenden Drittelgesellschaft nicht eben als lebenswertes Umfeld für sich und die eigenen Kinder betrachten.
    .
    (hupps – langer Satz)
    .
    Dem Konservatismus sind nicht nur die Autoritäten abhanden gekommen (die mehr schlecht als Recht Wirtschaftsmächtigen ausgetauscht wurden, welche kaum mehr zustande bekommen als das Verbrennen von Hunderten von Milliarden), schlimmer noch, dem Konservatismus ist sein ideologischer Gegner abhanden gekommen.
    .
    Die Pseudoliberalen Heinis von der FDP sind gewiss keine Gegner des Konservatismus, und die Jungliberalen sind sogar noch konservativer als die ohnehin schon bis zum letzten Kragenknopf reaktionären Parteiaktivisten der Jungen Union. Tja: Und der Gegner links?
    .
    Die Sozialdemoratie hat sich mit beachtlicher Hilfe des Seeheimer Kreises selbst demontiert, die eigene Parteibasis entmachtet und den Anschluss an die Gesellschaft weitgehend verloren.
    .
    Was soll denn aus dem Konservatismus werden, wenn er keine Gegner mehr hat? Woran soll er wachsen, wodurch soll er sich beweisen? Die größte Bedrohung des Konservatismus ist nicht sein schleichender innerer Verfall, den Don beschrieben hat, nicht seine Unzeitgemäßheit, sondern die Sozialdemokratie.
    .
    Dadurch, dass sie schlaff und leer geworden ist.

  62. Sehr geehrter Don Alphonso,...
    Sehr geehrter Don Alphonso, Ihr Bild von Kirche und Glauben ist völlig verzerrt. Leider hat es die Aufklärung geschafft, dieses Zerrbild auch den Konservativen aufzuschwatzen. Die Journaille folgte teils, teils lief sie voran. Sie, Don Alphonso, laufen wohl hinterher. So wird es nichts. Weder aus dem Konservativismus, noch aus der Kritik daran. Mit apostolischem Gruß und Segen, Ihr Tizianus

  63. Werter Don Alphonso, der Text...
    Werter Don Alphonso, der Text ist fein geschrieben. Aber ich freue mich darauf, wenn Sie die für Sie so schmerzlichen Ereignisse des September verdaut haben, so dass nicht alles und jedes, was Ihnen auf den Magen schlägt, in einem gedanklichen Eintopf verwurstet wird.
    .
    Ich bin frohen Mutes, dass Ihnen die anstehenden Tage in ansprechender Umgebung mit Ihrer vorzüglichen Reisebegleitung den Kopf durchpusten. Wahrscheinlich reicht schon die erste Alpenüberquerung. Viel Freude dabei.

  64. Tizianus, es ist natürlich...
    Tizianus, es ist natürlich leicht, solche Urteile auszusprechen, aber ich fürchte, meinen Äusserungen liegt durchaus so etwas wie fachliches Wissen zugrunde – sprich, ich habe mich ziemlich lang und intensiv mit der Kirche auseinandergesetzt. Ich nehme der im Übrigen nicht übel. dass sie ein Menschenbild ihrer Wahl vertritt. Seien Sie also so nett und versuchen Sie es mit Argumenten, dann können wir gerne darüber reden, wo das „Zerrbild“ sein soll.
    .
    John Dean, da sehe ich aber erhebliche Unterschiede. Der Kaiser wurde zu seiner Zeit von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt und galt als unantastbar, von ein paar Nihilsten einmal abgesehen. Die Wirtschaft dagegen wird heute durchaus kritisch beäugt, und das Unbehagen ist unverkennbar. Die spannende Frag ist natürlich, ob angesichts des laschen Konservativismus und der kaputten SPD nicht irgendwo eine neue, andere Ideologie aufpoppt, Stichwort Rechtspopulismus.

  65. swina, es ist auch...
    swina, es ist auch kulturgeschichtlich nicht leicht, das Mittelalter gegen die Neuzeit abzugrenzen – so jedenfalls, wie es in der Renaissance mit dem Kampfbegriff Medii Aevi getan wurde, geht es eigentlich nicht. Heute geht man eher von der Gleichzeitigkeit vieler Phänomene aus. Das Leben in kleinen bayerischen Dörfern unterschied sich vom geistesgeschichtlichen im Jahr 1950 wenig von dem um 1400, und das Mittelalter ist geschickt darin, sich Veerkleidungen zu suchen – wobei es mir eigenrlich noch immer lieber ist als die Zeit der Reformation.

  66. mal wieder ein süffiger Text,...
    mal wieder ein süffiger Text, lieber Don Alphonso. Diese subjektive Bestandsaufnahme raubt einem ja jede Hoffnung. Ein Wunder nur, dass diese offenbar unerträgliche Mischung aus Kirche, Konservatismus und Vetternwirtschaft aus dem rückständigen Agrarland Bayern eine der erfolgreichsten Wirtschaftsregionen der Welt entstehen lassen konnte. Die CSU war doch wohl bis vor kurzem nicht die dümmste, sondern die erfolgreichste Partei Europas. Schaut man in Bundesländer, in denen jahrzehntelang eine Partei regiert hat, die den Fortschritt für sich gepachtet zu haben glaubte, sieht man die Folgen des dort ehemals regierenden Konservatismus (nur unter anderem Vorzeichen) mit Trauer. Auch dort sterben die Konservativen nun aus und wählen lieber CDU. Allerdings führt man die Klage über die Folgen des Konservatismus in Gelsenkirchen oder Duisburg auf einem niedrigeren wirtschaftlichen Niveau als in der kleinen dummen Stadt an der Donau.
    .
    Im Grunde ist es völlig gleich, wie sich eine politische Ausrichtung nennt oder benannt wird. Entscheidend ist, um die Worte eines großen Philosophen zu verwenden, was am Ende hinten rauskommt. Wäre der Sozialismus á la DDR ein Riesenerfolg gewesen, hätte vielleicht die Bundesrepublik eine Mauer bauen müssen. Dann wären selbst die Schlammspriger aus der dummen kleinen Stadt an der Donau nach Schwedt an der Oder emigriert. Dieser philosophische Überbau, mit dem sich insbesondere die sich selbst als fortschrittlich bezeichnenden Kräfte zu schmücken versuchen, ist nicht weiter als ein Krückstock an dem man in stürmischen Intellektuellendebatten Halt sucht. „Das Volk“ interessiert (zu recht) nur eins: die Sicherung der wirtschaftlichen Existenz und Teilhabe am wirtschaftlichen Erfolg der Gesellschaft. Gelich welcher -ismus gerade regiert, wer das nicht schafft, ist weg vom Fenster. Da helfen dann auch keine schillernden Theoriegebäude. Vor allem nach dem Scheitern des sozialistischen Experiments in dem Versuchslabor, das man mal Comecon oder RGW nannte, lassen sich immer weniger Menschen von Theorien begeistern. Es zählt die Praxis. Jede politische Partei braucht aber die Klammer eines „-ismusses“. Die Krise der Volksparteien ist eine Spätfolge des Zusammenbruchs des auf Abgrenzung beruhenden Systems des Kalten Kriegs.

  67. Lieber Don Alphonso, gerne...
    Lieber Don Alphonso, gerne lasse ich Ihnen Argumente zukommen, die meine Analyse vom „Zerrbild“ bestätigen. So schreiben Sie in Bezug auf die Kirche und den Glauben von einem „Menschenbild ihrer Wahl“, von einer
    „ideologischen Basis“ und davon, dass die Kirche „mit einer Theorie versehen“ sei, nach der „ohnehin nur die wenigsten später in den Genuss himmlischer Freuden kommen“ können. Mit Verlaub, aber das zeugt doch nur von einer recht äußerlichen Beschäftigung mit dem Thema. Das Menschenbild hat sich die Kirche nicht „gewählt“, sondern es ist ihr durch die Menschwerdung Gottes in Christus offenbart worden. Das nennt man Gnade, was so ziemlich das Gegenteil von freier Wahl ist. Die „ideologische Basis“ – wäre da nicht die Terminologie „Überbau“ gleich treffender? – heißt „Schrift, Tradition und Lehramt“ und ist nicht im Sinne einer Ideologie etwas „Erdachtes“, sonder etwas leiblich Gestiftetes. An diesem Punkt scheinen Sie mir die Kategorien des 19. Jahrhunderts, nämlich die Theoretisierung und Entpersonalisierung des Glaubens im Sinne von Kant und Hegel, zugleich auf die Kritik anzuwenden. Das meine ich mit: „So wird es nichts.“ Natürlich haben Sie in einem zentralen Punkt recht: All dies wissen die jungen Konservativen schon lange nicht mehr. Woher auch? Dies setzt ein langes und intensives Studium der Kirche und ihres Glaubens von außen und innen, sowie einen ordentlichen Kübel Gnade voraus.
    In den Genuss himmlischer Freuden kommt man katholischerseits übrigens recht einfach: Reue, Beichte, Besserung. Eine echte Erneurung des Konservativismus kann statfinden, wenn auf diesem Wege im Glauben an einen personalen Christus gearbeitet wird, als dessen Leib sich die Kirche versteht. Und nur von hier aus kann echte Kritik am Konservativismus geübt werden. Dazu scheinen mir aber selbst die wenigsten Konservativen noch fähig zuein. Mit freundlichen Grüßen, Ihr Tizianus

  68. werter don,
    all die jungen aus...

    werter don,
    all die jungen aus den besseren kreisen bei uns in hamburg hat es nach altona oder gleich ganz auf den kiez verschlagen. wie der name al to na schon sagt, ist man noch all zu nah an den elterlichen elbvororten. man stemmt sich verzweifelt gegen die abstammung, doch verleugnen kann man sie auch nicht zwischen liken, künstlern und linken intellektuellen. dann schließt man sich den grünen an, doch die abstammung kommt zeitversetzt wieder heraus. deswegen gibt es schwarz-grüne und jamaika parteiliche zusammenschlüsse, auch bei uns in hamburg. die abkehr von der kirche unter der entschuldigung keine kirchensteuer bezahlen zu wollen, um etwaige hexenverbrennungen des mittelalters nicht mitfinanzieren zu wollen sind hohl und leer. kaum aus der kirche ausgetreten, wird diese zu hochzeiten, erstkommunionen oder taufen wieder betreten und man will ja auch einen platz auf dem kirchhof nach dem ableben haben. der u.a. meistgekaufte themenkomplex der buchhandlungen ist die der lebensratgeber. kirche nein, aber den rat, den die kirche von der kanzel gegeben hat dann doch lieber von einem kleinen fachverlag für lebensfragen neudeutsch-denglisch erklärt auf dem teatable liegen haben wollen… ironie?
    erst mal von allem abkehren, was konservativ aussieht um dann ganz ganz laut zu jammern wenn an allen ecken udn enden die grudfesten wackeln udn bersten. wie konnten die jungendlichen nur auf den herrn brunner eintreten?das bei uns in bayern? wie kann eine mutter ihren jungen nur an tisch und bett festketten – bei uns in bayern? warum bricht nur immer alles weg??? gottseidank sind wir nicht konservativ!
    beste grüße von der elbe
    mvb-b

  69. Sag ich doch:

    Im Florenz der...
    Sag ich doch:
    Im Florenz der Jahre bis ca 1520 nC gab es wie bekannt den „Goldeuro“ – aber nur fuer die DAX-Konzerne (aka die global taetigen Handelshaeuser) – und den (inflationierbaren) Silbereuro – fuer den Rest der Welt.
    Und der Goldeuro war fix, und Silbereuro wurde von ca. 1252 bis 1523 um sieben Zehntel abgewertet. Mit den bekannten Folgen fuer die nicht-international taetigen Massen.
    .
    Und wer da meinte in der dummen, kleinen Stadt von damals, „an ihm ginge es wohl eher doch schon meist eine Menge ein ganz grosses Bisschen uerbewiegend sicher fast irgendwie doch vorbei“, der hatte sich eben geirrt. Ich glaube 1458 war da der grosse Bankencrash (des Goldeuro!), der alles nach unten zog, von dem sich Florenz am Ende nie wieder wirklich erholte: Fini. (Es wurde vorgeschlagen, die Loehne, zahlbar in Silberforint, drastisch zu senken: sic)
    .
    Man lese z. B. hier: http://cgi.ebay.de/Machiavelli-Muenkler-Herfried_W0QQitemZ170392072570QQcmdZViewItemQQptZSach_Fachb%C3%BCcher?hash=item27ac28b17a Geschrieben 1982. Recht umfassendes Quellenregister auch.
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    „However, the gold content of the florin did not change while the money of account continued to inflate; by 1500, a florin was worth seven Florentine lire.“ (Wiki, „Florin“)
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    http://en.wikipedia.org/wiki/Herfried_M%C3%BCnkler
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    Wie gesagt: das waere die Zukunft fuer uns auch: Einfach den abwertbaren „Volkseuro“ einfuehren, waehrend die multinationalen Konzerene und golbalen Handelshauser einen stabilen „Goldeuro“ behalten:
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    Das und nur das macht dann am Ende z.b. auch die in Immobilien angelegten low- u. mid-tier-Vermoegen fuer die Globaliserung nutzbar (*g*), denn schliesslich zahlen die meisten Mieter nur in Silbereuros (wie auch sonst, *g*) und nach Jahrzehnten spaetestens ist ein voelliger Wertuebergang auch der Immobilienvermoegen (ja, gerae auch in der dummen kleinen Stadt) in die Grossbilanzen gegeben – ueber Abwertung und Ausbeutung der in Silbereuro sich Verkaufenden naemlich. Wie gesagt: Ist nicht von mir, hatten wir alles schon mal.
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    (Und ein starker Staat begleitet den Prozess, schafft Rechtsicherheit fuer alle, in jedem „Jetzt“ waehrend des Vorgangs. Egal ob mit „Discorsi“ oder einem „Principe“ (Schaueble z. B.) an der Spitze. Wobei der genannte M. immer die „Discorsi“ bevorzugte, wenn der gesellschaftliche Zyklus gerade solche hervorbrachte. Im Abschwung aber, so war schon durch M. simpel zu konstatieren, gehen die Buergerlichen lieber sich privatiseren, in Meran oder anderswo, anstatt in Gruppen verlaesslich (endlich wieder) selber die Geschicke der Republik in die Haende zu nehmen: Wie bekannt. „Und dann kann der „Principe“ eben nun Mal nicht anders“, wie auch bekannt („, …als es halt weiter alleine machen zu muessen.“))
    .
    Und auch die Wiederentdeckung des zyklischen Gesellschaftsmodells jetzt eben kein Zufall, sondern konnte jetzt nicht anders passieren — . (Macht u.a. Annaeherung an die moslemischen Gesellschaften, die schon immer reine Zykliker waren, an Fortschritt (so ihr Dogma) nie nicht wirklich glaubten … .))

  70. Don, für Deine Vakuumtheorie...
    Don, für Deine Vakuumtheorie scheint vieles zu sprechen. Nimmt man das (überwiegend junge und m. E. recht bewegliche) dt. Bloghausen als Beispiel, und schaut man dann, wie dort das beschriebene Vakuum in den letzten Jahren gefüllt wurde, so gab es zwischendurch schon mal einen Trend in Richtung Rechtspopulismus/Neue Rechte. Mancher erinnert sich sicher noch an diese US-Neocons nachäffenden Rechtsblogger, bei dem sich Marktfundamentalisten und Mises-Sektierer mit Migrantenfeinden, Kriegstrommlern, Neurechten und anderen Irren verbündeten. Aber die Vakuum füllende Richtung liegt m. E. woanders.
    .
    Die Piratenpartei ist ein Beispiel. Nicht nur für Oberflächlichkeit und Sektierergehampel, sondern auch dafür, wie schnell aus dem politischen Vakuum heraus eine echte (!) Partei entsteht, die – immerhin! – im im Internet zu einem politischen Faktor geworden ist, und mehr noch, die inzwischen einen fühlbaren Einfluss auf reale politische Prozesse ausübt.
    .
    Analysiert man Politblogs (& populäre Blogs mit regelmäßigen Politthemen) genauer, so sind verblüffende Beobachtungen möglich, wenn man sich fragt, wie das Vakuum gefüllt wird. Man stellt dann nämlich fest, das rund 30 bis 40 Prozent dieser Blogs das Vakuum auf eine ganz bestimmte Weise füllen, fernab etablierter Partei-Richtungen. Nämlich verblüffend linientreu linksliberal.
    .
    („linientreu linksliberal“: ein Oxymoron)
    .
    Sollten Blogs in ihrer Gesamtheit gewisse Trendsetter-Funktionen haben, würde mich das freuen. Ich meine sogar, in Bloghausen sogar Züge eines lebensfähigen „Linksliberalismus 2.0“ entdecken zu können, eine Ausprägung, die trotz Etatismus-Skepsis und deutlicher Nähe zur Idee vom rheinischen Kapitalismus soziale, gesellschaftlich progressive und kämpferische Züge aufweist sowie eine deutliche Eliten- und Lobbyisten-Kritik, und sogar gewisse „klassenkämpferische“ Züge inkl. eines neuen, merklich egalitäreren Begriff von Bürgerlichkeit, der nicht ausgrenzt, sondern ausgesprochen inklusiv ist.
    .
    Man mag das und meine Fähigkeit zur politischen Beobachtung bestreiten, zumal ich hier etwas voreingenommen sein könnte. Sicher ist: Das Vakuum wird gefüllt werden. Wenn dies nicht innerhalb der Parteien geschieht, oder in neuen Parteiformationen, dann eben außerhalb. Im Bereich der Kleinparteien, sofern man diesen überhaupt beachtet, gibt es zunehmend Bewegung.
    .
    Die etablierten Parteien haben Grund zur Sorge. Dies nicht nur, weil sie aufgrund der bröckelnden Basis zunehmend angreifbar werden für spezielle und gut organisierte Interessengruppen, zunehmend angreifbar und manipulierbar auch für demokratiefeindliche Parteikommandanten vom Schlage Kahrs, die im Hintergrund und durchaus zum Schaden der jeweiligen Partei wirken. Es kann in diesen Zeiten nämlich sehr schnell gehen, dass eine neue politische Kraft das altgewohnte Gefüge durcheinander wirft und in schon wenigen Jahren 15 bis 20 Prozent erreicht. Sowas geht immer schneller als den Etablierten lieb ist.
    .
    Auch die schwarz-gelben Wahlsieger mögen sich vorsehen. Merkel, wie man hört, nimmt die 2-Prozent-Partei der „Piraten“ ziemlich ernst, nachdem ihr wahlanalysierend verdeutlicht wurde, dass nicht nur linksgerichtete und progressive Wählerschaften, sondern zu beachtlichen Teilen auch ehemals konservative, junge und netzaffine Wähler in Scharen Piraten gewählt haben. Ich denke, nicht nur darum, dass die CDU kaum eine Alternative zu einer fortgesetzten gesellschaftspolitischen Erneuerung bzw. gesellschaftspolitischen (Links!)-Liberalität hat.
    .
    Alles andere würde sie einem Erosionsprozess überantworten, einer Fremdheit gegenüber der Gesellschaft, mit der sie nahezu sämtliche Machtoptionen verlieren würde. Für einen Konservatismus nach Art des Weikersheimer Kreises oder gar in Gestalt Übel wollender pickeliger Hesenköche gibt es in unserem Land nicht viel Raum.
    .
    Wie gesagt: Es gibt ein politisches Vakuum, mit dem sich die zunehmend alt gewordenen Parteien auseinander setzen müssen. Eventuell gibt sogar mehrere Vakui. Bislang – das ist meine These – gelingt es der CDU am Besten, sich diesem Vakuum zu entziehen. Tja, und der Erfolg der FDP ist nicht etwa ein Produkt ihrer besonderen, marktfundamentalistischen Linientreue und ausgeprägten Klientel-Orientierung, sondern eben zu guten Teilen auf diesem Vakuum zurück zu führen. Viele der neuen FDP-Wähler (besonders bei den U50) reagieren sehr erschrocken, wenn man ihnen verdeutlicht, wofür sich diese „Liberalen“ im Streit um den kommenden Koalitionsvertrag einsetzen bzw. eingesetzt haben. Es kann sehr schnell passieren, dass die FDP diese Wähler wieder los ist.
    .
    Anders gesagt: Das Vakuum lebt.
    .
    Ach ja, und es ist in Bezug auf die Verfassung unseres Landes ausgesprochen konservativ – deutlich konservativer, als es unsere in Bezug auf die Sozialverfassung pseudomodernen („Reformen“) etablierten Parteien sind.

  71. @ Elbsegler
    .
    Die CSU hat...

    @ Elbsegler
    .
    Die CSU hat einen Bayern-Bonus. Es gibt sie eben nur in Bayern und Sie wird im eigenen Bundesland als Regionalpartei wahr genommen – und sie inszeniert ihren regionalparteilichen Habitus mit einem regelmäßigen wie lustvollen Streit mit der CDU.
    .
    Ohne diesen Bayern-Bonus läge die CSU bei wohl unter 35 Prozent. Und schaut man sich deren Spitzenpersonal einmal genauer an, dann wundert man sich mitunter, dass das nicht ohnehin der Fall ist.

  72. @John Dean
    Verwechseln Sie...

    @John Dean
    Verwechseln Sie hier nicht Ursache und Wirkung? Der „Bayern-Bonus“ ist doch ein Ergebnis der CSU-Politik und nicht umgekehrt. Wenn es so einfach wäre, müsste die Bayernpartei die CSU seit Jahrzehnten um Längen schlagen. Der politische Erfolg der CSU ist auch unter größter Anstrengung nicht wegzudiskutieren. Wie wir derzeit erleben können, ist dieser Erfolg nicht selbstverständlich oder gar vererblich.

  73. Es heißt, den Konservativen...
    Es heißt, den Konservativen fehlte ein Gegner. Es heißt, es gebe da ein Vakuum, wo die Rechtspopulisten bald reinstoßen (pardon, „aufpoppen“) könnten.
    .
    Ich sehe die Paradoxie der Situation ein bißchen anders. Ich sehe die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Voraussetzungen für die Wiedereinführung feudaler Strukturen längst erfüllt. Nur die mental-kulturellen Zustände hinken da ein wenig hinterher.
    .
    Unsere Elite erstickt vor Geld, ist ansonsten aber „dumm und glücklich wie die 68er“. Darum sieht sie ihre Chance nicht, die sie jetzt objektiv hätte: Die Revolution von 1789 rückgängig zu machen und (nach, sagen wir mal, chinesisch-lateinamerikanischem Vorbild) eine Gesellschaft zu schaffen, in der der demokratische Diskurs nicht mehr existiert.
    .
    Die Elite ist zuwendungsfaul: Sie kümmert sich nicht um ihr Gescherr; sie hält sich kaum Dienstboten und schickt diese nicht zur Kirche, zur Beichte oder mal ins Konzert. Sie mischt sich nicht (oder höchstens sporadisch) in das Privatleben ihrer lohnabhängig Beschäftigten ein. Kein Wunder, daß dort Killerballercomputerspiele und Komasaufen überhand nehmen.
    .
    Die Elite ist distinktionsfaul: Sie protzt hin und wieder mit dem Erwerb eines Maserati, hat aber sonst keine Distinktionsmerkmale, die man nicht mit Geld kaufen könnte. Sie können weder fechten, noch reiten, noch tanzen noch kennen sie sich mit Orden, Weinen oder Kunst wirklich aus. Beim Teetrinken bleibt der kleine Finger unten. Sie gucken Fußball und schämen sich nicht dafür.
    .
    Sie ist auch genußfaul, darum gibt es in D-land kaum Feinkostgeschäfte.
    .
    Selbstredend ist sie auch glaubensfaul, siehe oben.
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    Sie sind obrigkeitshörig, zahlen sogar Steuern (manchmal). Welch Schande!
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    Alles fault, fault, fault. Intellektuelles Geschmeiß steht vor der Haustür schlange und bettelt um Anstellung, aber der Herr Graf ist gestern, genau wie ein Assi, besoffen vorm Fernseher eingeschlafen und heute morgen zu faul, um die Videoüberwachungskamera einzuschalten und sich anzuhören, was dieser komische Herr Sloterdijk ihm für eine Philosophie aufschwatzen will. Dann döst er wieder ein.
    .
    Soooooo ist die Reaktion natürlich nicht zu machen! Als armer Feudalist fühlt man sich wie ein Nazigegner 1943: Alles, was man tun kann, ist sich verstecken und zu hoffen, daß die Amerikaner bald einmarschieren.

  74. @ Hans Meier
    Wenn schon, dann...

    @ Hans Meier
    Wenn schon, dann müssten nicht die Amerikaner, sondern die Polen einmarschieren, nicht in Gestalt unterbezahlter Kassenkräfte im Einzelhandel, sondern mittels polnischen Armee, vor allem, mit der polnischen Gerechtigkeitspartei (PiS) in vorderster Front, Arm in Arm mit PiPi-News.

  75. Elbsegler
    Die Wertschätzung...

    Elbsegler
    Die Wertschätzung der CSU sei Ihnen ungenommen. Aber bitte achten sie die Bayernpartei. Lesen Sie lieber mal über die Spielbankaffäre, das Verfahren wegen Meineid gegen den späteren Minister Dr. Zimmermann etc.
    http://geschichte.bayernpartei.de/?page_id=7

  76. @John Dean
    Ihren Vorschlag...

    @John Dean
    Ihren Vorschlag unterstütze ich uneingeschränkt.
    Und von den Polen könnten wir ja auch lernen, wie man Pferde striegelt, Stiefel wichst und den Damen die Hände küßt.
    Da sollte der Don einmal hinfahren.

  77. Unfähig zu regieren, wie auch...
    Unfähig zu regieren, wie auch unfähig zu protestieren
    @HansMeier555: Bravo Herr Meier, Ihr Zynismus gefällt mir so langsam, denn offenbar liegt nur noch in der Übertreibung (und Provokation) ein Fünkchen Wahrheit. Wenn ich Sie richtig verstehe, dann ist Ihre Feudalgesellschaft eine Tendenz, die sich dank der Unfähigkeit der Herrschenden selber, nicht erfüllt. Das mag im analytischen Sinne nicht richtig sein, denn Feudalgesellschaft – wir sprachen drüber – wäre ein linearer Rückschritt, aber es drückt die Unfähigkeit (mit Sloterdijk: der Unwille) der Herrschenden zur Macht aus. Schon ihre derzeitige Machtausübung ist strukturell porös. Am Ende nicht unähnlich dem alt gewordenen Römischen Reich – ; Marc Anton konnte nur noch jammernd – stoisch duldend – das nahende Ende (einschließlich des seinigen) beschwörend beschönigen. Das beinhaltet aber auch, dass eine Änderung von innen (durch den Klassengegner) nicht mehr aktuell wäre, also der Todesstoß von außen zu erwarten ist. Eine durchaus reale Möglichkeit.
    Möglicherweise liegt der Ehrgeiz eines Sloterdijks gerade darin, ein solches Ende verhindern zu wollen. So sein aggressiver – thymotischer – Impetus. Aber nicht mal mehr einen Commodus wird eine solche Jammergestalt wie das deutsche Bürgertum hervorbringen. Die Macht der Herrschenden stützt sich voll und ganz auf die Unfähigkeit der Massen, angemessen und vor allem machtvoll zu reagieren, Chancen zu nutzen, wo sie sich bieten. Aber die Angst ist latent vorhanden, daher das Gerede von der Notwendigkeit der Ungleichheit. Es gibt da den revolutionären Kern in den morschen Knochen des deutschen Proletariats, und sei es auch nur in Form der Theorie.
    Ich sehe da im Übrigen kein Vakuum sondern eher eine Art Patt. Die Herrschenden sind so unfähig zu regieren, wie die Regierten so unfähig zu protestieren. Ein Sloterdijk weiß das, und versucht daher mit den Grenzen zu spielen. Er gibt sich revolutionär, geradezu plebejisch, ist aber doch ein erzkonservativer Knopf. Er spielt mit Worten, wo er die Taten fühlt, fürchtet geradezu. Der Professor übt den Sturm im Wasserglas. Das ist alles, was die deutsche Philosophie, der deutsche Philister, zu leisten vermag – eine theoretische Revolution, einen Zwergenaufstand, einen semantischen Stellungskrieg. Und doch fürchtet das Volk der Dichter und Denker, die theoretische Revolution mehr als die praktische. Daher auch der Hass auf die Intellektuellen, die Schreibtischtäter, die wahren Verbrecher – aus der Perspektive der Konterrevolution. Und so verrückt es daher klingen mag, kann doch in Deutschland eine philosophische Debatte doch eine Revolution auslösen. Darin liegt unser Elend wie unsere Chance, unser Versagen, wie unser möglicher Erfolg.

  78. "Konservativ" kann natürlich...
    „Konservativ“ kann natürlich auch bedeuten, daß man sich ausschließlich aus Konserven ernährt — leiblich wie geistig.

  79. @elbsegler:
    Na schaun'S, in...

    @elbsegler:
    Na schaun’S, in Bayern haben sich mit Napoleon-folgende die feudalen Strukturen ja auch zerfasert, aber nicht so schnell wie anderswo. Da hat die CSU schon noch viel lebendiges Gewebe aufgefunden und das halt genutzt, so lange es irgendwie ging. Feudalismus funktioniert, Feudalismus ist stabil, Feudalismus sorgt dafür daß das Humankapital „arbeitet“.
    Demokratie dagegen ist keine so gute Idee, siehe Hafenstraßenstadt Hamburg. Aber was soll man machen, den Fischköpfen fehlt da einfach das gegenreformatorische Erbe. Sind ja mit dem Barock kaum in Berührung gekommen!
    Die jahrhundertelange republikanische Vergangenheit lastet wie ein Albdruck auf dem Elbmoloch. So was kann man nicht einfach abschütteln, das sitzt auch nach Generationen ganz ganz tief in den Knochen drin.
    Aber wir haben Geduld.

  80. @Devil09:
    Dieses...

    @Devil09:
    Dieses Postbürgertum, das uns regiert, ist nicht nur kultur- sondern auch machtfaul, genau.
    .
    Alles, was sie in den letzten 20 Jahren dazugewonnen haben, verdanken sie angelsächsiche Heuschreckenschwärmen, dem Loserbär in Moskau und der chinesischen Grundherrschaft.
    Selber haben die deutschen Trittbrettfahrer zur permanenten Gegenreformation nix nix nix beigetragen außer ein bissel Währungsunion, 500 km Osterweiterung und ein Vertriebssystem für afghanische Kräuter.
    .
    Die Welt könnte ihnen gehören, aber sie halten sich lieber an sozialdemokratische Kommunistengesetze, fressen Dosenfutter und schimpfen auf den Papst.

  81. @HansMeier555
    Ihrer Freude...

    @HansMeier555
    Ihrer Freude daran, Zukunftsbilder anhand menschlicher Beziehungen zu entwerfen, habe ich bereits meine Sympathie erklärt. Heute um 17:29 Uhr aber übertrieben Sie es zum Ende hin etwas: das ‚et-si-omnes‘ von Vater Fest anno Dunkeljahre steht auch einem Feudalisten unter Westerwelle-Wählern nicht zu.
    @Tizianus
    Gut gebrüllt Löwe! Sie schreiben: „Eine echte Erneurung des Konservativismus kann statfinden, wenn auf diesem Wege im Glauben (…) gearbeitet wird (…). Und nur von hier aus kann echte Kritik am Konservativismus geübt werden.“ Sofern Sie damit zum Ausdruck bringen wollen, dass der Konservativismus als Weltanschauung durch verantwortliche Reflexion im Glauben an den den Menschen zugewandten Gott nur an Orientierung gewinnen kann, ist dem nichts hinzuzufügen. Nur träfe das auf jede andere Geisteshaltung genau so zu. Sie stellen zu Recht – den Don vielleicht etwas zu sehr beim Worte nehmend – dar, dass Glaube nichts mit Theorie zu tun hat. Indes klingt nach meinem Eindruck zwischen Ihren Zeilen ein wenig durch, dass „der Konservatismus“ in „der Kirche“ (ich glaube, hier verstehen wir uns) eine „Hausmacht“ hat. Und insofern möchte ich mit
    @ Ryan doch stark darauf hinweisen, dass die Kirche auf Seiten der Schwachen zu stehen hat. Von denen dürften nicht wenige ‚konservativ‘ sein. Sie passen aber sicherlich nicht in das Bild der hier diskutierten „(konservativen) Stützen der Gesellschaft“.

  82. @BertholdIV
    Es geht hier nicht...

    @BertholdIV
    Es geht hier nicht um meine Wertschätzung der CSU. Dass nach gefühlten 400 Jahren CSU-Herrschaft in Bayern sich einiges an Filz gebildet hat, ist wohl klar. Die Skandale und Skandälchen unter weiß-blauem Himmel dringen sogar üer die Landesgrenzen hinaus. So mancher macht es sich aber zu einfach, den Erfolg der CSU als politische Partei als eine Art Zwangsläufigkeit der Geschichte zu erklären. Nein, da war sehr viel Geschick und politisches Können einzelner Personen am Werk. Nur zu gern hätten die anderen diesen Erfolg wenigstens teilweise kopieren wollen. Es ist ihnen nicht geglückt. Man kann philosophieren und polemisieren so viel man will. Die CSU hat es als einzige Partei in Deutschland geschafft, Wähler von weit Rechts bis Mitte Links für sich zu gewinnen. Bei allem Leid, das Don Alphonso unter der Knechtschaft der CSU widerfahren ist, ist Bayern per Saldo doch wohl nicht nur trotz sondern auch wegen der Politik dieser Partei heute ein reiches Land und nicht mehr der rückständige Agrarstaat der Nachkriegszeit.
    .
    Hier im Blog haben sich jetzt so viele hochgebildete und kreative Köpfe mit klugen Gedanken geäußert, dass mir, wenn alle diese Köpfe jetzt politisch aktiv werden, um eine Erneuerung des Bürgertums und unserer Demokratie nicht mehr bange ist.

  83. Was den rückständigen...
    Was den rückständigen Agrarstaat angeht, der Bayern nach dem Krieg gewesen sein soll: Da ist auch etwas Übertreibung dabei. Man kann den Weg in die Zukunft nicht einfach der CSU zuschanzen, das waren schon auch und vor allem die Menschen selbst, die angepackt haben. Manche Dinge wie der Tourismus kamen ganz von allein, andere – wie die aus dem Osten geflohenen Firmen – siedelten sich halt irgendwo im Westen an. Ich empfehle da gern einen Böick auf die Zeit um 2000, als es für die Region München zwei sich Konkutrenz machende Ansiedlungsagenturen bei CSU-Ministern gab. Einfach nur zwengs der Eitelkeit. Was die CSU konnte, war unbestreitbar, die Erfolge des Landes als ihre eigenen Erfolge hinzustellen. Und die miesen Wahlergebnisse sagen, dass man ihnen das heute – man sieht das ja überall, wie es läuft – nicht mehr abnimmt.

  84. markusvonbentheim-burg, ich...
    markusvonbentheim-burg, ich denke, es muss da einen Zwischenweg geben. Die unbestreitbaren Verdummungstendenzen gibt es, aber ich denke, die Antwort auf eine Abkehr von der Kirche ist nicht das Nachlaufen des nächsten Rattenfängers, Coaches oder das Absacken ohne Halt, sondern das seiner selbst bewusste Individuum. Das kann doch nicht so schwer sein.

  85. Tizianus, Sie werden das...
    Tizianus, Sie werden das natürlich wieder mal als Beweis meiner aufklärerischen Verblendung betrachten, aber es gubt doch einen massiven Unterschied zwischen einem jüdischen Modell, das Sie da mit „Gnade“ andeuten, und die Einforderung einer bewussten Entscheidung für den Glauben bei gleichzeitigem Ausschluss aller Alternativen, die wir bei Augustinus in der Civitas Dei finden. Tatsächlich sehe ich darin auch die Basis, denn in der katholischen Kirche (und auch in vielen Bereichen der Protestanten des ehemaligen Augustiners Luther) wurde durchaus darauf geachtet, dass sich von dieser Basis nicht zu viel wegentwickelt. So gesehen bin ich vielleicht etwas linientreuer in meiner Argumentation als Sie – Reue, Beichte, Besserung sind nette Dinge, aber fortgesetztes schwerstes Sündigen, wie es nun mal heute üblich ist in sexuellen und auch anderen Dingen, passen nicht zu dem Forderungskatalog, der bis heute das Wesen der Kirche definiert.

  86. @jean-jacques
    Gebe Ihnen...

    @jean-jacques
    Gebe Ihnen völlig recht, aber falsch verstandene liberale oder soziale Geisteshaltung ist zur sehr vom Menschen und vom Zeitgeist her gedacht. Würden Liberale oder Sozialisten diese „verantwortliche Reflexion“ vertieft betreiben, wären sie schnell konservativ im besten Sinne.
    Man kommt jedoch unweigerlich zur o.g. Diskussion, was denn Konservativimus ist, bzw. was denn da konserviert werden soll. Wenn das nicht im Untergang eines verknöcherten senats-aristokratischen Konservativismus à la Symmachus enden soll, kann das nur bedeuten, dass das menschliche Leben gerade in seinen schwächsten Phasen „bewahrt“ werden soll. Diese Aufgabe hat Konjunktur, so lange es Menschen gibt. Dies hat in der Tat nichts mit dem Platzhirschkonservativismus einer ländlichen CDU/CSU-Aristokratie zu tun.

  87. Herr Alphons,
    auch wenn Sie es...

    Herr Alphons,
    auch wenn Sie es immer wieder gebetsmühlenartig wiederholen: die leistung der CSU in der vergangenheit werden Sie nicht kleinreden können. Natürlich war nicht alles Verdienst der CSU alleine und es wurde auch recht viel Schlechtes gemacht.
    Warum die Wähler jetzt weglaufen, liegt allerdings mehr daran, dass die CSU und ihr Personal in der jetzt so guten Lage einfach nicht mehr für notwendig erachtet werden und die schon immer vorhandenen Negativa jetzt in der Vordergrund der Betrachtung rücken.

  88. @Don Alphonso
    So allmählich...

    @Don Alphonso
    So allmählich entwickele ich mich hier wider Willen zum CSU-Vorsitzenden. Wenn das alles nach dem krieg so zwangsläufig war, dass selbst die CSU den Aufstieg Bayerns nicht verhindern konnte, sondern sozusagen im Schlafwagen zum Erfolg gefahren wurde, verwundert es doch sehr, das in anderen Bundesländern, die gleiche oder bessere Ausgangspositionen eingenommen haben, nicht alles noch viel besser lief, ohne diesen konservativ-klerikalen Ballast des bayrischen Lebens.
    .
    Bei allem Verständnis für das auch Ihrer Rolle geschuldete Verhältnis zu Ihrem Stammland, dass von tiefer Hassliebe geprägt ist, etwas mehr Objektivität gegenüber den politischen Leistungen der Altvorderen würde ich mir von den bayrischen Bayern-Feinden schon wünschen.
    Dieses für Nicht-Bayern manchmal schwer erträgliche Mir-sam-mir-Gehabe, oder sagen wird es freundicher, dieser ausgeprägte bayrische Nationalstolz, macht es wohl jedem Bayern, der nicht der selbsternannten und allein selig
    machenden Staatspartei namens CSU nahesteht, unmöglich, die Realitäten zu ertragen.

  89. @Tizianus
    Vielleicht...

    @Tizianus
    Vielleicht verwechseln Sie „Konservativismus“ einfach mit Christentum.
    @CSU-Interpreten
    Ihr Argument, die CSU sei „trotz Korruption effizient“ beruht auf einem typisch bürgerlichen Irrtum. Nicht „trotz“ sondern „wegen!“. Die Leistung der CSU besteht gerade darin, daß sie den Filz gezüchtet hat, der den 1789ff in Europa engetretenen Veränderungen die nahm, daß sie alles kommodierte, dämpfte, moderierte, und die Utopie vom „aufgeklärten Absolutismus“ endlich real werden ließ.
    Was andere „Korruption“ nennen, ist in Wirklichkeit nur effiziente Strukturpolitik im Sinne von „Zuwendung“, „Distinktion“ und Gndade. Die von unkommoden Transparenzfanatikern bei kommunalen Bauaufträgen immerzu eingeforderten Ausschreibungen erfassen die weichen FAktoren viel zu wenig. Diese aber sind es, die soziale Geflechte nachhaltig stabilisieren.
    .
    Daß sich Leute wie der Don da nicht wohlfühlen, kann man zweigleisig begründen.
    1)
    Zum einen liegt das an den stabilen Strukturen selbst, die Ausnahmegeistern wie ihm als so eng, dumpf und bedrückend erscheinen mögen, daß er schonmal halsüberkopf in die Weddinger Gosse flüchten musste. (Und der Blog hier dient ihm vermutlich auch nur dazu, den gewonnenen Abstand beizubehalten. Dann kann er sich einreden, er sei ja gar nicht wirklich zurückgekehrt, sondern nur ein vorgeschobener trotzkistischer Dorf-Korrespondent… aber ich schweife ab).
    2)
    Zum anderen muß man zugeben, daß im bürgerlichen CSU-Feudalismus wirklich kein Platz ist für Leute wie ihn. Und daran sieht man, daß die CSU halt doch kein vollwertiger ERsatzist für die Wittelsbachermonarchie, die größeren Irren als der Don einer ist, angemessene Tätigkeitsfelder verschafft hat.

  90. @Don
    Sicher, Don Alphonso,...

    @Don
    Sicher, Don Alphonso, einem inneren „Ja“ zum Glauben muss ein äußerers freies „Ja“ entsprechen. Das ist dann die freie Entscheidung. Gerade die verquasten Konservativen tun sich schwer damit und die sind mehr und mehr bei den Grünen zu finden (Atomkraft nein, Embryonenschutz ja, Lebensschutz nein, Bewahren der Schöpfung ja etc.) Gerade Augustinus Konversionserlebnis, geschildert in den Confessiones, und Luther – neben Paulus die beiden schlechthinnigen Gnadentheologen) scheinen mir da nicht die rechten Gewährsmänner zu sein, wie es überhaupt bedenklich ist, den Begriff Gnade zu sehr dem Judentum zuzuordnen. Auch in diesem Punkt leben Judentum und Christentum in guter Tradition zusammen. Alles das ist aber nur ein Nebenkriegsschauplatz:
    Die gesellige Selbstauflösung eines rustikalen Strukturkonservativismus im meet and greet ist nicht allzu bedauerlich. Beängstigend ist nur, womit diese Lücke gefüllt wird: Forschungsfreiwilderer, intolerante Monogeschlechtslobbies, Renditenmaximierer etc.
    @HansMeier555
    Es geht nicht um ein Verwechseln, dh. das man fälschlich das eine für das andere hält, bei gleichem Inhalt. M.E. ist das Christentum – und hier eigentlich nur der Katholizismus (der Protestantismus birgt schon das Risiko des Erstarrens mit anschließender Revolution und Selbstauflösung) – die Quelle für einen lebendigen Konservativismus.Lebendiger Konservativismus ist hier ein weiterer Begriff, der nicht genuin religiös ist, aber im Glauben seine Quelle haben muss, sonst wird er Strukturkonservativismus. Zum Konservativismus gehören in einem weiteren Bereich u.a. das Befürworten einer „Mitte“, die Einsicht, dass der Mensch Teil der Natur ist und die Grundannahme von Transzendenz. Ein so gearteter Konservativismus ohne religöse Rückbindung scheint mr jedoch nicht dauerhaft lebensfähig zu sein.

  91. Auch eine Wohlstandsregion,...
    Auch eine Wohlstandsregion, oder wie man das Verschwinden von Kirche, Staat und Parteien überlebt:
    http://www.perlentaucher.de/artikel/5757.html

  92. @Tizian
    Das Heidentum ist...

    @Tizian
    Das Heidentum ist älter als das Christentum und innovativer war es auch nicht.
    .
    „Ein so gearteter Konservativismus ohne religöse Rückbindung scheint mr jedoch nicht dauerhaft lebensfähig zu sein.“
    .
    Und was ist mit Konfuzius? Den sollten wir uns nochmal gut ansehen, bevor die Chinesen ihre (bisland von ihnen selbst viel zu konservativ bewertete) Währung aufwerten.
    http://www.nytimes.com/2009/10/23/opinion/23krugman.html?_r=1&hp
    .
    Dauerhaft lebensfähig sind u.a. Schildkröten, Krokodile und natürlich die Schlammspringer
    http://de.wikipedia.org/wiki/Schlammspringer

  93. Übertreiben, aber nicht...
    Übertreiben, aber nicht Selbstkarikieren
    @HansMeier555: Ist das ein Versehen oder Absicht – „Devil09“?, wenn Sie mich meinten, dann hieße ich Devin08.
    Ihr letzter Satz klingt nun wieder mal etwas wirre. Meinten Sie „sozialdemokratische Antikommunistengesetze“ oder sozialdemokratische, ergo: kommunistische Gesetze? Ein bisschen „trollig“ (u.U. auch drollig), was Sie da gelegentlich von sich geben. Mein Tipp: Bleiben Sie ruhig bei der Übertreibung, aber meiden Sie die Selbstkarikatur. Wenn Sie übertreiben, wirken Sie klar, ja mit unter sogar revolutionär, wenn Sie sich selbst karikieren, dann kauderwelschen Sie bis hin zum konterrevolutionären. Sie sollten den Sarrazin nicht kopieren, nicht jedem ist es vergönnt, es damit bis in die Führungsspitze der Bundesbank zu schaffen.

  94. @Devin08
    Obama ist auch ein...

    @Devin08
    Obama ist auch ein Kommunisten-Nazi und sein Krankenversicherungsprojekt wird letztlich auf Euthanasie herauslaufen. Ist man ein Troll, wenn man so etwas öffentlich behauptet? Die jungen US-Konservativen, die uns von ihren Denk-Panzern heruntergrüßen, würden sich selber nicht so sehen.
    Und da erwarten Sie von mir, daß ich auf meine alten Tage anfangen soll, zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten zu unterscheiden? Mein Opa würde im Grab rotieren.
    .
    Bin ich ein sich selbst karikierender Troll? Hmmm. Sehen Sie, das kann man eben immer nur vor dem Hintergrund einer etablierten vorherrschenden Meinung („common sense“) sagen. Wer davon zu weit abweicht, der gilt dann als Krwallmacher oder als Spinner. Als ein solcher würden Sie selbst in CSU-Kreisen ohne weiteres angesehen werden, wenn Sie dem politischen Nachwuchs explizit nahelegen würden, am Sonntagmorgen in die Kirche zu gehen statt in die Kneipe oder wenn Sie als Ingolstädter Stadtpfarrer dem Publikum einfach mal kein seelsorgerisches Wischiwaschi, sondern genau das predigen würden, was seit vielein Jahrhunderten offzielle alleinseligmachende Lehrmeinung ist.
    .
    Ein bißchen trollig bin ich vielleicht schon, na und. Ich bin in einer Familie großgeworden, wo alle immer über Politik gestritten und sich dabei in bester bildungsbürgerlicher Manier niedergebrüllt haben, verbale Tiefschläge natürlich inklusive. Schlimm schlimm schlimm, aber der Verzicht auf kontroverse Diskussionen ist doch auch keine Alternative. Das geistige Elend unserer Mainstream-Medien rührt ja auch von diesem Harmoniezwang her.
    .
    Ich sehe mich jedenfalls nicht verpflichtet, immer von Anfang an deutlich zu machen, was ich nun ironisch meine und was nicht. Denn der Leser soll seine Meinung ja selber bilden, nicht an die meine anpassen. Es irritiert mich, daß Diskutanten immer wissen wollen was HansMeier „wirklich denkt“. Sie sollen lieber selber einmal „wirklich denken“.
    Z.B. über die Frage: Was wird aus dem immensen Immobilienbesitz der katholischen Kirche Bayerns bis 2050?

  95. Ich kann "Tizianus" nur...
    Ich kann „Tizianus“ nur zustimmen. Es ist eine besondere Leistung der katholischen Kirche, allen eine Heilsgewißheit zu bieten, nicht nur Auserwählten, da alle dort Bürger der „Civitas Dei“ (Augustinus) sind. Dies gilt insbesondere auch in der Erzdiözese Freising, zu der Ingolstadt zählt.
    Auch weltabgewandt ist die Katholische Kirche – im Gegensatz zu den wirtschaftswissenschaftlichen Instituten, den Bloggern, Theatern und dem Feuilleton – nicht. Die Caritas ist mit 500.000 Beschäftigten Deutschlands größter nichtstaatlicher Arbeitgeber und es gibt nur wenige Alltagsbereiche, die man nicht im Rahmen der Gemeinden ausüben kann. Dazu zählen auch Psychologie und Soziologie, Naturheilkunde und Armenspeisung. Selbst der einst von Strauss und nun von Seehofer und Söder als „Imitatio Domus Bavariae“ propagierte außereheliche Geschlechtsverkehr wird durch kluge Beratung von „Donum Vitae!“ zum Erfolg und Wohle der Gemeinschaft befürwortet.
    Die CSU-Think-Tank Granden aus München und Berlin kennen keine Religion und keine Kirchen mehr. Die Kirche ist in keiner Weise konservativ, denn sie möchte die heutige, herzlose und kinderfeindliche Welt der Munich Area nicht bewahren, sondern zerstören. Schon deshalb stammt keine Grundüberzeugung der CSU stammt aus der Kirche und dem Glauben, weil Politik und Grundüberzeugungen – siehe die Grünen und die SPD – sich ausschliessen. Allenfalls in der atheistischen FDP finden sich noch gewisse Grundüberzeugungen aus voraufklärerischer Zeit, nach denen die Adligen Sonderrechte haben, die es zu bewahren gilt.
    Wir alle wären in unserer bayerischen Heimat glücklicher, wenn die leistungs- und konsumfeindliche, befruchtende und jede Wegkreuzung würdigende, segensreiche Kraft der Heiligen Maria, der Mutter Gottes, unsere Dörfer und Vorstädte zu lebenswerten Stätten der gelebten Liebe machte!

  96. @Alexander Dill
    Die Caritas...

    @Alexander Dill
    Die Caritas verdankt ihre Position einem Bündnis mit der Politik, das letztlich auf ca. 200 Jahre alte Säkularisierungs-Konkordate zurückgeht und seitdem immer wieder erneuert wurde. Die katholische Kirche in Deutschland segelt immer noch im Windschatten des Staates und verdankt ihm Zugriff auf die Melderegister, die Schulen und auf die Finanzämter.
    .
    Vor diesem Hintergrund ist ein Bruch mit der CDU/CSU auch in Zukunft kaum zu erwarten. Die Kirchenhierarchie will, daß alles bleibt, wie es die letzten 50 Jahre war. Das Agreement soll weiterhin gelten: Wir sind die liebe, handzahme Seelsorgerkirche, die allenfalls Schulkindern mit der Verdammnis droht, aber der CSU politisch den Rücken freihält.
    .
    Im obigen Artikel hat der Don auf einige Entwicklungen hingewiesen, die dafür sorgen könnten, daß sich dieses Bündnis demnächst auflösen könnte.
    .
    Wenn es in Deutschland nach US-Vorbild aber einmal einen freien Markt der Religionen geben wird, dann wird es auch auf dem Gebiet der Seelsorge und der sozialen Fürsorgeeinrichtungen starke Mitbewerber geben — von den Piusbrüdern über die Zeugen Jehovas bis zu den Scientologen. Mal sehen, wer dann das Lächeln der Mutter Gottes erwidern kann.

  97. @HansMeier: Ich möchte...
    @HansMeier: Ich möchte übrigens auch noch meine Wertschätzung über Ihre Beiträge hier zum Ausdruck geben, insbesondere Ihre Meditation über „die Elite“.
    Allerdings beruht der Erfolg von Caritas und übrigens auch Diakonie nicht auf Konkordaten. Scientologen und New-Age-Erwecker mit ihren Erfolgsreligionen haben ebenso wenig Interesse an Sozialarbeit wie eschatologische Endzeitpropheten à la Mormonen und Zeugen Jehovas. Besonders aber helfen der Stadt auch Starbucks, dm-Markt, Biosupermärkte, Antirassisten und Atomgegner nicht, weil diese sich alle nicht als verantwortliche Teile der Gemeinschaft fühlen, sondern ihre Forderungen an „den Staat“ delegieren. Eine Mitbewerberschaft um die Errichtung von nach heutigem Geldwert 1 Mrd. Euro teuren und kostenlos zugänglichen Meditationsräumen in den Stadtzentren und um die Versorgung von etwa 4 Mio Behinderten, Armen, Ausgegrenzten etc. wird es nicht geben. Leider, denn dann würde das geschehen, was derzeit noch von Politik, Wirtschaft und Medien als sentimentaler Luxus verachtet wird: eine Soziale Marktwirtschaft, die diesen Namen verdient.
    Auch die Piusbruderschaft, deren Hauptleistung in Exerzitien besteht und die sich noch der Mission verpflichtet sieht
    http://www.piusbruderschaft.de/lehre/lehramt
    tritt in keinen Wettbewerb der sozialen Anteilnahme ein. Für jene Christen aber, die im Geiste der Enzyklika „Deus Caritas Est“ von Benedikt XIV. stehen, fallen Seelsorge und sozial-weltliches Engagement zusammen.
    http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/encyclicals/documents/hf_ben-xvi_enc_20051225_deus-caritas-est_ge.html
    Seit nämlich in eben dieser Enzyklika, deren erste Anmerkung Friedrich Nietzsches Satz gilt, die Religion haben dem Eros Gift zu trinken gegeben, zum ersten Mal in der Kirchengeschichte die sinnliche Liebe als Ausdruck göttlichen Willens betrachtet wird, ist zumindest die katholische Religion in eine Familien- und damit Gesellschaftstherapiephase übergegangen, die alle Erlösungstheologien zu egoistischen Kopfgeburten macht.
    Das Konkordat zu dieser neuen Mission steht noch aus. Mit Westerwelle und Merkel regieren nun Menschen, die die Familie allenfalls noch als Abgabenquelle für ihre Pensionen sehen, aber nicht mehr als seelisch-geistiges Zentrum unserer Kultur.
    Nein, dieser Staat duldet die Caritas, weil sie ihm Geld spart für Afghanistan, Beamtenpensionen und Steinkohlesubvention (1,7 Mrd. Euro pro Jahr). Er würde sie verbieten, sobald sie von ihm ein Bekenntnis zur Familie verlangte.

  98. Welche Perspektive nehmen Sie...
    Welche Perspektive nehmen Sie ein?
    @HansMeier555: Ich persönlich erwarte von Ihnen gar nichts. Ich habe eine Empfehlung ausgesprochen, nicht mehr, nicht weniger. Diese Empfehlung beruht auf dem Wunsch sich über Begriffe zu verständigen. Denn wo das nicht möglich ist, ist eine Debatte fruchtlos. Und in der Tat, das kommt Trolldebatten sehr nahe.
    Die Perspektive, aus der man einen „Kommunistennazi“ ausmacht, ist nicht die meinige, insofern, weiß ich halt nicht, von wem oder was Sie reden. Es gab da mal ein ideologische Richtung, die nannte sich „Nationalbolschewisten – verwirrend genug -, aber selbst die, dürften Sie nicht gemeint haben.
    Aus meiner Perspektive ist ein Obama ein Repräsentant des US-amerikanischen Kapitals, mit liberalem Anstrich, aber auch nationalistischen Pathos. Seine Politik hat mit Kommunismus so viel gemein wie meine Katze mit meiner Tochter, außer vielleicht, dass auch meine Tochter eine Kratzbürste ist.
    Obama jongliert geschickt zwischen einem New Deal, eines Roosevelt (auch dieser hatte stark nationalistische, wenn nicht gar faschistische Züge, aber auch rein gar nichts mit Kommunismus gemein) und einem „I had a dream“ eines Martin Luther King. Auch King war alles andere als ein Kommunist, nicht mal ein kommunistischer Träumer, sondern wohl eher ein Liberaler. Nationalliberal, das ist vielleicht das, was ein Obama ist. Dass ein Liberaler für solche Träume allerdings sterben musste, wie King, das hat wenig mit einer kommunistischen Realität zu tun, dafür eher mit einer fanatisch antikommunistischen, und daher auch antiliberalen, einer repressiven, wenn nicht gar faschistischen Atmosphäre also.
    Eben, aus einer ganz bestimmten Perspektive sind auch Liberale Kommunisten (wie auch Kommunisten gleich Nazis). Nehmen Sie diese Perspektive ein? Überlegen Sie, auf welche Weise Sie verstanden werden wollen, und von wem!

  99. @Devil08
    Entschuldigen Sie...

    @Devil08
    Entschuldigen Sie mein loses Geschwätz. Ich werde mich klarer ausdrücken.
    .
    Barack Obama ist weder Kommunist noch Nazi. Aber das bleibt unter uns, okay?
    .
    Die jungen Konservativen in den USA sind sich da nämlich nicht so sicher. Sein Versuch, die Krankenversicherung und andere Formen der staatlichen Fürsorge zu stärken, gelten ihnen als eine Form des Kommunismus. Obamas politische Gegner verfügen über so viel politische und mediale Macht, daß sie diese Sicht der Dinge zumindest gesellschaftsfähig machen können. Sie können das Obama-Lager so sehr in die Defensive drängen, daß die Demokraten am Ende mit allen vernünftigen Argumenten ernsthaft beweisen müssen, daß Obama kein Nazi ist und sein Projekt einer Krankenversicherung kein Euthanasieprogramm enthält.
    .
    Noch vor 15 Jahren hätte ich so etwas nicht für möglich gehalten. Vielleicht bin ich ja naiv und trottelig. Nie hätte ich geglaubt, daß in einem von mir für demokratisch und progressiv angesehenen Land wie den USA die öffentliche Debatte auf ein so niedriges Niveau sinken kann. Aber man lernt ja dazu.
    .
    Jetzt stelle ich mir halt die Frage, warum eigentlich es bei uns noch nicht so weit ist. Und da komme ich halt ab und zu ins Phantasieren. Zumal ich weit und breit niemanden sehe, der in Europa die Demokratie gegen solche Entwicklungen ernsthaft zu verteidigen bereit wäre.

  100. Aus deutscher Sicht sind die...
    Aus deutscher Sicht sind die Deutschnationalen immer die schlimmsten
    @HansMeier555: Auf der Basis kann ich mich mit Ihnen vernünftig unterhalten. Ich teile Ihre Sorgen, bzgl. der USA, aber auch in Bezug auf unser Land. Genau aus diesem Grund, sind Leute wie ich politisch-medial aktiv. Was wir gegenwärtig nicht verändern, sind die politischen Rahmenbedingungen. Diese werden sozusagen demokratisch abgestimmt. Mal mit den Füssen, mal mit Geld, mal mit Illusionen, mal mit Dummheit, ganz selten aus Überzeugung. Aber auf dem Gebiet der Überzeugung muss gehandelt werden. Es muss deutlich gemacht werden, dass sich einmischen lohnt, ja möglich, notwendig ist. Es darf kein weißer Fleck auf der politischen Landkarte geben, zumal es kein Vakuum zwischen der Revolution und Konterrevolution gibt. Jede Position, die auf der einen Seite nicht besetzt ist, wird es auf der anderen Seite. Nehmen wir ein Beispiel. Als vor Jahrzehnten noch eine sog. Antiimperialistische Bewegung ein Schuldenmoratorium für die 3. Welt forderte, gab es keine relevante politische Kraft, die ein solches Programm als ein revolutionäres durchzusetzen vermocht hätte. Es blieb somit eine nette Illusion. Nicht so aber auf der Seite der Konterrevolution. Ein gewisser Herrhausen, machte sich dies zum Programm, sorgte sogar dafür, dass seine Bank, die Deutsche Bank, Wertberichtigung betrieb und versuchte so, die internationale Konkurrenz platt zu machen. Aber, wenige Wochen, nachdem er in den USA hierfür Werbung gemacht hatte, war er plötzlich tot. Ich überlasse es der Klugheit der Leser, sich einen Reim darauf zu machen, warum ausgerechnet eine sog. RAF – also ein Teil jener sog, antiimperialistischen Bewegung – für einen solchen Mord hätte zuständig gewesen sein sollen. Ja ich behaupte, dass diese antiimperialistische Bewegung das damals gar nicht begriffen hat, was da geschah.
    Solche Dinge werden auf Seiten der Konterrevolution eben mit anderen Mitteln gelöst, als auf Seiten der Revolution, aber, und das ist das wichtigste, sie bleiben dort nicht ungelöst
    Mit diesem Mord, und in der Folge auch mit dem Mord an Rohwedder (siehe auch: Gerhard Wisnewski – Das RAF-Phantom), wurde auch die Frage der Lösung der sog. Wiedervereinigung in Deutschland geklärt. Nicht die Großdeutsche – Alleindeutsche – Vereinigung kam zum Zug, sondern eine, die die Interessen des internationalen Kapitals angemessen berücksichtigte (siehe hierzu auch die „Leuna-Affäre).
    Das bedeutet nun nicht, dass jene politischen Kräfte, die da unterlegen waren, definitiv ausgeschaltet sind, das bedeutet nur, dass sie eine Schlacht verloren haben, aber die nächstbeste Gelegenheit nutzen werden, um diese Scharte auszuwetzen.
    Solche und ähnliche Dinge sind es, die die latente Kriegsgefahr im Imperialismus ausmachen. Die Kräfteverhältnisse werden ständig neu ausgefochten, niemals herrscht Frieden.
    Ein Sarrazin zum Beispiel gehört zu jenen, die nun kräftig im Deutschnationalen Lager schüren, in klarer Absicht, wie ich meine, denn eine Deutsche Bank (und eine Bundesbank ist der deutschen Banken Agent) mag vielleicht nicht mehr von einem Schuldenmoratorium reden – die Warnung hat sie erhalten -, aber sie kauft einen Greenspan ein. Wofür wohl?
    Und ein Köhler – ein politischer Niemand – wurde Bundespräsident, weil er, wie ich nun hörte, in der deutschen Vereinigungsfrage eine Schlüsselrolle gespielt haben soll – im Auftrag des IWF!
    In wessen Auftrag, heißt natürlich die nächste Frage, der deutschnationalen oder der internationalen Kräfte. Um das zu klären, muss man beobachten, wie die Deutschnationalen agieren, und wie das internationale Kapital, die internationale Konkurrenz, reagiert. Jede Kleinigkeit zählt. Klare Begriffe sind hierbei Voraussetzung.
    Eine revolutionäre Analyse solcher und ähnlicher Dinge, setzt voraus, dass man hierbei eine unabhängige Position einnimmt, sich nicht durch solche Kapitalgruppierungen vereinnahmen, irritieren lässt, und herausarbeitet, welche im gegebenen Moment die gefährlichste ist, die machtvollste, die ambitionierteste.
    Aus deutscher Sicht sind die Deutschnationalen aber immer die schlimmsten!

  101. Hans Meier 555, was diesen...
    Hans Meier 555, was diesen kommunistischen Nazi Obama bin Laden angeht: Ich war einmal vier Wochen lang gezwungen, mich von Fox-News zu ernähren. (Schiff…) Was ich da an hasserfüllter Hetze erlebt habe, von morgens bis abends, in diesem Fall gegen den Kandidaten Obama, hatte ich nicht für möglich gehalten. Theoretisch zwar, dafür steht schließlich der Name des Verlegers – gegen den der frühe Axel Cäsar Springer ein Waisenknabe mit lockigem Haar war -, aber nicht in Wirklichkeit. Ich nehme an, zu Zeiten des weiland „Stürmers“ war es in Deutschland nicht anders. Wenn ich daran denke, dass Amerikaner sich nicht nur vier Wochen, sondern die ganze Zeit über mit derartigen „Nachrichten“ zumüllen lassen, wird mir ganz plümerant.

  102. Abend lieber Don,

    Ist mal...
    Abend lieber Don,
    Ist mal wieder Zeit ein paar einfache Worte zu schwingen ohne einen Don oder Devin missen zu wollen.
    Naja,Konservativ…irgendwie überholt,genauso wie Sozial…
    Die zwei Eigenschaften haben beide genau das gleiche Problem,man muss es sich leisten können.Wem der Verlust beider Eigenschaften am meisten in die Karten spielt ist hinlänglich bekannt.
    Ein Wort zu Christlich in der Parteienlandschaft.
    Auch überholt…Mantel teilen,Wange hinhalten usw. passt heute so garnichtmehr zu irgendeinem Parteiprofil.
    Ist wie mit der Kirche…für den Machterhalt(Geldsegen) werden Lügen aufgetischt das es kracht .
    Witzige Doku zum Thema gibt glaub bei kino.to oder youtube…nennt sich Zeitgeist 1..wens interessiert..einmal ablachen.
    Ansonsten wie immer ein Genuß lieber Don und gute Besserung.

  103. @B.A.H.
    Und warum gibt es...

    @B.A.H.
    Und warum gibt es hierzulande so was nicht? Oder zumindest nicht in dieser krassen Form?

  104. Hans Meier 555: Umerziehung?...
    Hans Meier 555: Umerziehung?

  105. @B.A.H.
    Haha, das könnte...

    @B.A.H.
    Haha, das könnte allerdings sein! Aber wie lange gilt das noch?
    .
    Die politischen Parteien haben kaum noch vorzeigbares Personal und mit den Journalisten steht ein ganzer Berufsstand vor dem sozialen Abstieg.
    Wenn jetzt ein strategischer Investor auftaucht?

  106. Dieses Medium ist einfach zu...
    Dieses Medium ist einfach zu schnell für mich – ich habe jetzt vier Tage gebraucht, um in meinem Kopf zu sortieren, was mich an dieser Diskussion hier irritiert. Jetzt ist die Karawane bereits weitergezogen, trotzdem:
    Von Konservatismus sans phrase kann man eigentlich schlecht reden. Es gibt (mindestens) einen politischen Konservatismus, einen sozialen und einen kulturellen. Was den sozialen und den kulturellen Konservatismus betrifft, würde ich mich selbst für schuldig bekennen: Ich bin der Meinung, daß man von seiner Arbeit leben können soll, daß die Gesellschaft diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer nicht arbeiten können, unterstützen muß, und daß diejenigen, die über exorbitant mehr Einkommen als der gesellschaftliche Durchschnitt beziehen, dafür auch exorbitant zur Kasse gebeten werden dürfen. Das würde ich als sozialen Konservatismus bezeichnen: Die Gesellschaft sorgt für einen vernünftigen Interessensausgleich zwischen den gesellschaftlichen Klassen. Kulturell bin ich sogar extrem konservativ: Selbst dreizehn Jahre nach ihrer Auflösung sind für mich immer noch die Ramones der Goldstandard für jede Form zeitgenössischer Musik.
    Bleibt der politische Konservatismus: Diesen würde ich dahingehend definieren, daß er die gesellschaftliche Machtverteilung so beibehalten will, wie sie durch die Überlieferung gegeben ist. In diesem Sinne ist dann nicht nur die CSU in Bayern, sondern war auch die SED in der DDR eine konservative Partei.
    Für das Verhältnis des politischen Konservatismus zur Kirche ergibt sich daraus eine paradoxe Entwicklung: Da die politische Macht und die Kirche über Jahrhunderte mehr oder minder in Symbiose miteinander lebten, war der soziale und kulturelle Konservatismus der Kirche zugleich auch ein politischer Konservatismus. Doch in dem Maße, in dem sich säkulare Formen politischer Macht herausbildeten, zerbrach dieses scheinbar naturgegebene Band zwischen Politik und Kirche. Die erste Reaktion der Kirchen auf diesen politischen Bedeutungsverlust war natürlich, daß sie statt konservativ reaktionär wurden – das reichte von der Unterstützung der Monarchie gegen demokratische Bestrebungen bis hin zum Bündnis mit dem Faschismus. Doch ich glaube, daß sich dies prinzipiell gewandelt hat (die Pius-Brüder sind eher die die Regel bestätigende Ausnahme), daß der soziale und kulturelle Konservatismus der Kirchen sich zusehendes vom politischen Konservatismus löst. Wie unser junger konservativer Freund Dipsy in diesem Blog einmal meinte, muß der (politische) Konservatismus heutzutage auch ein Liberalismus sein: Es ist die unbeschränkte Entfesslung des Marktes, mit der die heutigen gesellschaftlichen Eliten glauben, ihre Machtpositionen bewahren zu können. Der Markt ist aber leider der Tod des sozialen und kulturellen Konservatismus.
    Deshalb stehen gläubige Christen (ich bin keiner, aber ich glaube das auch aus den Kommentaren hier herauslesen zu können) und zunehmend auch die Kirchen als Institutionen zunehmend vor der Frage, ob sie sich entweder politisch oder aber sozial und kulturell konservativ positionieren sollen. Denn das eine geht oft nicht mehr mit dem anderen zusammen. Und das gilt auch umgekehrt: Es verwundert eigentlich überhaupt nicht, daß die jungen Konservativen mit der Kirche nichts mehr am Hut haben. Da geht es nicht nur ganz individuell um Kirchgang und gschlamperte Verhältnisse – vielmehr würde die Kirche auch allgemein soziale und kulturelle Ansprüche stellen, die in ihrem neoliberalen Weltbild einfach keinen Platz haben.
    Wenn aber die gesellschaftlichen Eliten zur Unterfütterung ihrer Herrschaftstrategie sich nicht mehr auf die christlichen Traditionen des Kulturkreises stützen können, dann kommt, aufgrund ihrer Minderheitenposition, ein ziemliches Problem auf sie zu: Allein mit Hayek gewinnt man keine Mehrheiten, da müssen schon stärkere ideologische Geschütze aufgefahren werden. Sarrazin hat gezeigt, wo die Reise hingehen könnte…

  107. Devin08
    auch wenn Sie es...

    Devin08
    auch wenn Sie es vielleicht schon kennen:
    Daniele Ganser: NATO-Geheimarmeen in Europa. Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung. orell füssli Verlag, Zürich 2008, ISBN 978-3-280-06106-0.
    Das ist zwar ein sehr vorsichtiges Buch und es erweckt sogar Verständnis für Gladio.
    Aber Daniele Ganser schildert ganz witzige Episoden, z.B. wie Gulio Andreotti es schaffte, dass Untersuchungskomissionen gegen Gladio eingestzt wurden.

  108. Ach, nun Don Alphonso. Wir...
    Ach, nun Don Alphonso. Wir wissen ja, dass Sie Mühe mit dem Wahlergebnis haben. Ich akzeptiere den Groll eines Grünen durchaus. Aber, irgendwann wird dieses »bashing« wirklich langweilig. Ich bin auch kein Freund der Union; sie scheint mir aber das geringere Übel als die Kaste der sozial Gerechten.
    Dieser Schattenhaushalt hätte ein Volumen von maximal 60 Mia. gehabt und ist inzwischen vom Tisch. Kleiner Hinweis: Peitschen-Peer (allwissend, voraussehend, genial) hat keine 2 Wochen vor der auch hier zitierten Lehman-Pleite ganze 15 Mia. p.a. neu umverteilt. Obwohl ersichtlich war, dass wir Probleme bekommen werden.
    Hätte der gute Peer im letzten Jahr –mit etwas gutem Willen wäre ein Überschuss- problemlos möglich gewesen etwas gespart, die Lage wäre weit weniger dramatisch als jetzt. Aber, auch jetzt wird das mit dem sparen nicht wirklich etwas. Wir haben eine Sozialistin als Bundeskanzlerin.

  109. Möglicherweise haben wir...
    Möglicherweise haben wir unterschiedliche Vorstellungen von Sozialismus wie auch von dem, was ein Finanzminister in einer Koalition tun kann. Soweit ich das verstehe, ist jetzt Schluss mit Sparen, und dafür werden Menschen wie ich klar bevorzugt. Im Sozialismus wäre das sicher anders.

  110. Ich sehe in Deutschland keine...
    Ich sehe in Deutschland keine Konservativen von Relevanz. Weder junge noch alte. Und Versandhandel und Buchverlage zählen nicht.
    Da es mich politisch hierzulande schon lange friert, halte ich es mit Davila:
    Der Reaktionär ist bloß ein Passagier, der mit Würde Schiffbruch erleidet.
    Er ist jener Narr, der die Eitelkeit besitzt, die Geschichte zu verurteilen, und die Unmoral, sich mit ihr abzufinden.
    Der Reaktionär argumentiert nicht gegen die moderne Welt in der Hoffnung, sie zu besiegen, sondern damit die Rechte der Seele nicht verjähren.
    Das reaktionäre Denken sichert seinen Adepten keinerlei Erfolg, es bewahrt sie lediglich davor, Dummheiten von sich zu geben.

  111. Unglücklicherweise wird in...
    Unglücklicherweise wird in diesem Artikel nicht zwischen Konservatismus und Christdemokratie unterschieden. Diese Volksparteien sind aber auch komplizierte Gebilde.

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