Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Mittlebenskrise für Bessergestellte

| 183 Lesermeinungen

Fern liegt es mir zu behaupten, dass der Tegernsee im November eine schöne Reisedestination ist: Tatsächlich ist es dort so hässlich wie überall und fast so schlimm wie Bochunm, obendrein auch kalt und windig. Aber wenn man es als Bildungsreise auffasst, zum Quell der eigenen Ängste und Zweifel, wüsste ich keinen Ort, der besser geeignet wäre als das schöne Rottach an einem tristen Novembersonntag, wenn man den Sportwagen abgestelllt hat, und am See entlang zum idyllischen Malerwinkel spaziert.

  Wenn man in das Haus des Glücks durch die Pforte des Jubels eintritt, so wird man durch die des Wehklagens wieder hinaustreten.
Baltasar Gracián, Kunst der Weltklugheit

Gehört man zu jenem Personenkreis, der einst in seiner Funktion als Erben noch einmal das Vermögen und den Reichtum der Wirtschaftswunderjahre in sich vereinen wird, ohne dafür mehr getan zu haben, als geboren zu werden, etwas Sinnloses zu studieren und dann in einem Beruf zu arbeiten, der ohne Anstrengung ein gesichertes Auskommen garantiert; hat man schon ein paar Immobilien und das Gefühl, dass, so die Weltrevolution dank der Untätigkeit der Massen angesichts ihrer Enteignung durch Banken und von ihnen gewählter, beihelfender Politik doch nicht kommt, einem eigentlich in finanzieller Hinsicht nichts passieren kann; und weiss man aus Erfahrung vom Stapeln hoher Holzstösse und der gelegentlichen Tiefflüge auf dem Rodel durch dichte Bergbewaldung, weil man rüstigen Rentnern in der Kurve ausweichen musste, dass man mit einer bemerkenswert robusten Gesundheit ausgestattet ist, kurz, ist man vom Schicksal in jeder Hinsicht mehr als nur ein wenig begünstigt und lebt zudem an einem Ort, wo sich andere wegen der Umverteilung den Urlaub nicht mehr leisten können, dann könnte man ruhig und gelassen in die zweite Lebenshälfte gehen. Mittlebenskrisen gelten in meinen Kreisen als typische Erkrankung von Neureichen, die die erste Hälfte ihres Daseins dem Geld hinterher gerannt sind, und in der zweiten Hälfte bemerken, dass es ihnen nicht reicht, woraufhin sie eine Praktikantin sexuell belästigen und im Erfolgsfall die Scheidung einreichen. Es gibt dafür in meinen Kreisen einfach keinen rationalen Grund. Ausser einen. Und der heisst Rottach-Egern.

Bild zu: Mittlebenskrise für Bessergestellte

Rottach, bekannt aus Heimatfilm und Serienfernsehen, ist so eine Art Kampen ohne typische Sylter Exzesse. Teuer, klein, Frau Schickedanz wohnte hier und viele andere, die auf keinen Fall in die Medien möchten. Rottach gelingt der Spagat, gleichermassen  hässlich, reich, ja fast ordinär zu sein, und trotzdem diskret zu bleiben. Rottacher sind nicht wirklich jung, im Schnitt sicher 20 Jahre älter als der Autor dieser Plauderei hier, der sich im besten Mittlebenskrisenalter befindet, das er ohne grössere Verwerfungen und Sorgen erreicht hat, und nun damit rechnet, dass es auch so bleiben wird. Für ihn  ist Rottach ein Blick in den Abgrund.

Denn ist man ohne Sorgen, macht man sich wenig Gedanken über die Zukunft; man neigt eher dazu, die sorglose Vergangenheit als Quell des angenehmen Lebens zu glorifizieren. Alles war gut, alles ist gut, und warum es nicht so bleiben wird, versteht man erst, wenn man in Rottach zu Besuch ist. Rottach ist das, was kommt, wenn man diese gerade Lebenslinie durchzieht, mit seinen Schnauzbartträgern, die sich die Nase an Läden mit roten Aallederjacken plattdrücken, den Pelzträgerinnen, den diversen Insignien des Reichtums, die mit angetrengtester Lässigkeit getragen werden. Weil…

Bild zu: Mittlebenskrise für Bessergestellte

Weil, man sucht nach Antworten, und die Ergebnisse mögen nicht gefallen, weil vielleicht nichts anderes mehr bleibt? Man fühlt sich plötzlich etwas unbehaglich im Stoff von Loro Piana, man fröstelt unter dem Seidenschal, sind das nicht auch diese Insignien, mit denen man Zugehörigkeit und Status zeigt. Mokant lächelt man über die aufgearbeiteten Trophäenfrauen und die Bezahler an ihrer Seite, aber wie waren die vor 20 Jahren? Vielleicht wie man selbst? Wo eigentlich gehen all die strahlenden jungen Menschen hin, wenn sie älter geworden sind? Die eigene zukünftige Vergangenheit, sie liegt vielleicht, mit etwas Pech, unter Falten, zu viel Herrenkosmetik und zu neuen Lederfreizeitjacken verschüttet. Vermutlich ist es nicht schlimm, später einmal so zu sein, vermutlich ist es immer noch besser als das, was weniger Begünstigte im Alter erleben. Aber die Vorstellung, die eigene Zukunft könnte auch so aussehen, das wären die nächsten Stationen auf dem Weg zur Hölle der Altersdemenz, die kann nicht gefallen.

Dabei sind das schon die positiven Rollenbilder. Sie sind gepflegt und immer noch ohne vermeidbare Sorgen, sie kennen keine Nöte und Verpflichtungen, und vermutlich müssten sie auch nicht an jenem grauen Novembertag durch Rottach und seine bundesweiten Äquivalente stapfen. Sie tun es, man selbst tut es, es hat etwas von Vorhölle und der Unausweichlichkeit eines Schicksals, das es nicht mehr gut meint, sondern nur noch das tut, wozu es vertraglich verpflichtet ist, und sich nicht verantwortlich fühlt, den Wandel vom Hier und Jetzt zu der allgegenwärtigen Zukunft zu verhindern. Rottach ist die unerbittliche, gnadenlose Fortschreibung dieses Lebens. Deshalb wohnen sie auch alle hier. Essen sternengekrönte Mischküche obskurer Provinienz in modernen Hotels, kleiden sich nach internationalem Vorbild, lesen Zeitschriften und wissen vermutlich auch um die Popkultur.

Bild zu: Mittlebenskrise für Bessergestellte

Sie sind nicht die alten Nazis, die hier kompanieweise vom Mördergeneral bis zum Schreibtischschlächter auf den Friedhöfen liegen. Diese Generation ist längst tot und ausgestorben, die Nachfolger haben ihren Frieden mit der Gegenwart gemacht, fuhren mit ihren Kindern auf Konzerte von den Rolling Stones, und können den Text von Nutbush City Limits auswendig aufsagen. Da sind keine ideologischen Gräben, die einen wohlig davon trennen, keine sicheren Mauern, die es abgrenzen, nur 10 Kilometer am See entlang, das ist alles, was trennt, es reicht sogar, wenn man zum Sandstrand am Paraplue fährt – von dort aus kann man mit dem Ruderboot zum Hotel Überfahrt gebracht werden, 1,50 Euro kostet die Strecke auf dem Nachen eines lederbehosten Charon zum Malerwinkel, wo gerade sehr unmalerisch umgebaut wird, um noch mehr Menschen noch feiner zu versorgen, denn es werden mehr kommen, mit den Erben der nächsten Jahre.

Die griechische Mythologie erzählt vom Eingang in die Unterwelt der Schatten, und dieser Ort ist im November das moderne Äquivalent, mit dem feinen Unterschied, dass die Bewohner das absolut nicht so sehen, wenn die S-Klassen durch die verkehrsberuhigten Strassen gleiten. Auch fühlen sie sich nicht im Mindesten tot, die Leichen sind erst in den Kliniken und Seniorenresidenzen weiter hinten bei Kreuth, hier wird noch gelebt, geprasst, und das Offenbach’sche Höllenballett, will mir scheinen, hört auf Bigbands, hat Seeblick und Kerzenschein beim Essen über fünf Gänge.

Bild zu: Mittlebenskrise für Bessergestellte

Zu dumm, dass man diesem Weg nicht entgeht, wenn man einen Ferrari erwirbt, sondern im Gegenteil den Weg beschreitet. All die unvernünftigen Dinge des Konsums, die sonst getan werden, um einem leeren Dasein in Richtung einer ebenso leeren, aber frisch bepinselten Alternative zu entgehen, bringen einen nur wieder hierher, oder noch schlimmer, zu jenen Leuten, die sich nicht schämen, ihr reiches Elend auf spanischen Fernsehinseln im TV auszubreiten. Andere Fluchtmöglichkeiten sind nicht vorgesehen, wenn man einmal von jenem tristen Pfad absieht, der im Polizeibericht viel Raum für die Beschreibung von Schmuck an den Wasserleichen nach sich zieht. Am besten ist die traditionelle Lösung, die seit jeher in diesen Kreisen für gute Ehen gesorgt hat, man macht sich einfach keine Gedanken und wartet, bis das Wetter besser wird, und Rottach nicht mehr wie die Topdestination für Untote aussieht.

Bild zu: Mittlebenskrise für Bessergestellte

In zwanzig Jahren kann viel passieren, Depressionen sind nur Einbildung ohne jeden Grund, und mit etwas Glück merkt man die schleichende Verrottachung nicht, bis das dann endlich das grosse und angemessene Vergessen einsetzt.

0

183 Lesermeinungen

  1. Wenigstens geht es dort...
    Wenigstens geht es dort gepflegt zu.
    Und der Anblick von billigen beige- und cremefarbenen Blousons bleibt Ihnen ebenfalls erspart.
    Und, wenn Sie dort in 20 (vermutlich aber frühestens in 30) Jahren dort landen sollten, werden Sie vergessen haben, dass Sie sich heute vor diesem Moment gefürchtet haben.

  2. Nein, aber dann habe ich...
    Nein, aber dann habe ich sicher die Borniertheit des Alters, die Nichtmehrganzjugend zu verlachen.

  3. Lieber Don,
    Kopf hoch! Die...

    Lieber Don,
    Kopf hoch! Die Lebenserwartung waechst (!) nach wie vor (der Krise) um drei Monate im Jahr. Also haben Sie noch viele Doppeldekaden vor sich. Wachstum ist ueberall, und irgendwer muss den Plunder ja kaufen, bei den Billigheimern und auch in den deutschen Autohaeusern.
    Bleiben Sie in Bewegung!

  4. Don Alphonso, glückwunsch zu...
    Don Alphonso, glückwunsch zu diesem gelungenen Beitrag! Er zeigt gut auf, wie das ganze abläuft. Das ist das am besten zu Ihnen passende Themengebiet, besser als Wirtschaftspolitik z.B. ;-) Oder?

  5. Aber darüber stehen Sie doch...
    Aber darüber stehen Sie doch schon heute. Zum einen von anderen ggf. als Nichtmehrganzjugend betrachtet zu werden. Zum anderen der Gedanke, die Jugend von oben zu betrachten.
    Zur Zeit teile ich mein Büro bei meiner unselbständigen Tätigkeit, mit der ich mein täglich Brot erwerbe mit einer 10 Jahre jüngeren Person. Ich entdecke Seiten an mir, die mich früher angewidert hätten, jetzt aber einfach ein Kräuseln meiner Oberlippe hervorrufen.
    Tempora mutantur, nos et mutamur in illis.

  6. Mein Beileid! Wirklich...
    Mein Beileid! Wirklich gruselig, die Vorstellung von diesen bräsigen Tanten und Onkels, die in Rottach auf das Jüngste Gericht warten.
    Ich kenne mich in dem Örtchen nicht so aus, aber hat da vielleicht zufällig schon ein Ed Hardy-Store aufgemacht? Dann dauert es bis zum Untergang jedenfalls keine 20 Jahre mehr.

  7. Ein Bekannter von mir (es ist...
    Ein Bekannter von mir (es ist schon viele Jahre her) betrat einmal eine Tankstelle. Man muss dazu sagen, dass er damals lange Haare hatte und gerne Ledersachen trug. Jedenfalls machte er keinen glücklichen Eintrag, als er wieder herauskam. Er sagte nur: weißt Du, was das junge Mädel an der Kasse gerade zu mir sagte? „Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend!“ IHNEN (!!) Da brach für ihn eine Welt zusammen und er kam sich seehr alt vor.
    Nun, werter Don, seien Sie froh, dass Sie keine Kinder haben. Mit Kindern wird einem noch mehr bewußt, wie schnell die Zeit vergeht. Ohne Kinder kann man noch ein wenig um sich selber kreisen und sich ein wenig selber belügen, über die Zeit hinwegtäuschen. Mit Kindern bekommt man es immer wieder auf’s Brot geschmiert, dass der Zahn der Zeit an einem nagt.
    Also, fahren Sie wieder nach Italien und denken Sie nicht über die Zukunft nach. Spätestens wenn die eigenen Eltern mal nicht mehr sind, steht man direkt an der Front und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit bis…
    Wünsche noch ein angenehmes Rest-Leben!

  8. Hm, lieber Don, gibt es denn...
    Hm, lieber Don, gibt es denn unter ihresgleichen keine Subkulturen? Also Alternativdestinationen, meine ich? Und muss man nicht damit rechnen, dass ihnen das Rottach der 2030er erheblich mehr entgegenkommt?

  9. Sehr geehrter Herr...
    Sehr geehrter Herr Alphons,
    dieser Bericht aus Rottach fügt meiner Novemberdepression noch eine weitere Facette hinzu, nachgerade unerträglich!
    Fliehen Sie aus diesem Frührentner-Ghetto, fliehen Sie aus Ihrer Welt der Silberkannen, Cremetorten und höheren Töchter, fliehen Sie ins wirkliche Leben und auch Ihre Stimmung wird schlagartig besser!
    Denn:
    Sie ziehen Ihre geneigten Leser mit herunter!
    Sie machen nicht nur sich unglücklich!
    Deprimierte Grüße, hs.

  10. Don, Das ist nicht...
    Don, Das ist nicht deprimierend im Gegenteil. Es ist der triumphale Erfolg einer erlösenden Entwicklungslogik. Die Konzentration auf das Oberflächliche hat ein Ideal, nämlich den Hohlkörper. Der höchste „Clear“ dieses hedonistischen Kalküls ist der Rottach-Zombie. Es wird Ihnen gefallen.

  11. Don,
    der Artikel hat NICHTS...

    Don,
    der Artikel hat NICHTS mit der Überschrift zu tun.
    In Rottach lebt man gut.
    Gruß

  12. "Wo eigentlich gehen all die...
    „Wo eigentlich gehen all die strahlenden jungen Menschen hin, wenn sie älter geworden sind?“ Für diesen Satz ein Lob. Schmerzlich der eigene Verfall und ebenso unerträglich der Anblick der Anderen. Verdrängen helfen wohl am besten eine robuste Gesundheit, solide Finanzen und die große Liebe. Auch erscheinen mir weniger „verkopfte“ Mitmenschen viel glücklicher.

  13. Nachdem er Charon bestochen,...
    Nachdem er Charon bestochen, sein Ziel erreicht, dann doch alles verlot, erschien ihm freundlich Apoll und zog ihn in die Glueckseeligkeit.
    .
    Die Freude beginnt bei 3 Min. 12 Sekunden.
    .
    http://www.youtube.com/watch?v=qMgy7eVEmho

  14. vielleicht wird man glück...
    vielleicht wird man glück haben & wird gar nicht so alt werden? ;)

  15. Lieber Don,

    das erinnert mich...
    Lieber Don,
    das erinnert mich an unsere Innenstadt hier … glücklicherweise können wir inzwischen tatsächlich weitestgehend „im Wald“ oder mindestens dort, wo die Bäume höher als die Häuser sind, bleiben.
    Maximilianstraße, Lange Straße, vielleicht sogar inzwischen die „Kö“ (war lange nicht mehr da) – irgendwie schon gruselig. Aber was mich tatsächlich interessiert: Was wäre die Musik dazu? (obiges, von Filou empfohlen, finde ich jetzt nicht so angemessen).
    Und noch eine Frage: Warum ist denn das Leben in Italien im „Alter“ besser? Ist das der Ausbruch aus den eigenen Kreisen? Wo man „neu“ anfangen kann? Denn – die Flucht vor dem Winter nehme ich nicht als ganz glaubwürdigen Grund.

  16. Byron, im Badischen sagt man...
    Byron, im Badischen sagt man zu den weniger „Verkopften“ auch gern:
    „Du häschs gut, Du bisch bleed.“

  17. So kommt man also am schönen...
    So kommt man also am schönen Tegernsee auf den Hund. Empfehle eine menschliche Bindung (ausserhalb Mama und Papa) zB so:
    http://www.youtube.com/watch?v=1iJ8_Ez8BM4

  18. Lieber Don,
    Ihnen fehlen nur...

    Lieber Don,
    Ihnen fehlen nur zwei bis fuenf Kinder und spaeter dann Enkel.
    .
    Ganz ohne Dynastien kann der Feudalismus auch nicht funktionieren.

  19. Ach, Burgunder, die saisonal...
    Ach, Burgunder, die saisonal depressive Seele weiss, es gibt keinen Ausweg in diesen grauen Tagen. Selbst der Anblick der huebschesten Maedchen bringt keinen Trost, laufen die doch gerade jetzt wie in Sack und Asche gehuellt durch die immer ordinaerer werdende Weihnachtsdekoration.
    Man ziehe sich also zurueck an den bullernden Kachelofen-ersatzweise tickende Zentralheizung und troeste sich damit, das Truebsinn auch schoene Seiten haben kann, so wie hier es vorgeschlagen wurde. Es ist eine gute Dosis Gegengift.

  20. @muscat
    Danke, daß Sie mich...

    @muscat
    Danke, daß Sie mich an einem üblen Tag zum Lachen gebracht haben.

  21. Werter Don,
    vor Jahren mußten...

    Werter Don,
    vor Jahren mußten wir bei Besuchen im Süddeutschen mit unserer Großmutter immer nach Bad Herrenalb oder nach Baden-Baden zum Torte essen am Sonntag, das Gefühl war damals ähnlich wie das von Ihnen beschriebene. Ich war damals noch keine zwanzig, aber diese greisen, grell geschminkten oder mit Schnauzbärten verzierten Gesichter mit ihren alte-reiche-Mernschen-Uniformen haben mich gegruselt.
    Da überlegt man sich schon, was mache ich mit meinem Leben, um nicht so zu enden. Das Gefühl war beim Lesen Ihres Artikels wieder da….
    Kann man alt werden ohne alt zu sein?
    Gruß aus dem Norden

  22. ansonsten muss ich mich...
    ansonsten muss ich mich wiederholen: Es gibt in unserer armseligen, erbärmlichen, trostlosen, wohlstandserstickt-hirntoten Ex-Gesellschaft einfach mal keine angemessenen Freizeitbeschäftigungen für Erwachsene mehr. Es gibt nur noch Rummelplätze für Kinder, die wir aber nicht mehr haben.
    Und so kann man heute das SChauspiel sehen, wie ein Dutzend Rentner ein Kind in den Freizeitpark mitnehmen, in fortgesetzter Bettelei um die Aufmerksamkeit des Fünfjährigen

  23. Der Sammler, der...
    Der Sammler, der künstlerische oder wissenschaftliche Dilettant, der gebildete Humanist, der Wohltäter und Förderer, der Gärtner und der Reisende haben das Alter nicht zu fürchten, glauben Sie mir.
    Zu einer bürgerlichen Kindheit gehören auch Bildung und die Förderung künstlerischer und wohltätiger Interessen; all das fehlt ja den „aufgearbeiteten“ Rottachern, die zwar zu Geld gekommen sind, aber nicht in den Genuß „besserer“ Erziehung kamen.
    Mein Geschäftstipp: dort einen überteuerten Esoterik-Shop eröffnen, geht sicher gut!

  24. ... Rottach-Eggern: Das beste...
    … Rottach-Eggern: Das beste Argument gegen ExistenzGeld, das man sich denken kann.

  25. HansMeier555, Ihnen ist...
    HansMeier555, Ihnen ist sicherlich der Zusammenhang von Kinderreichtum und Armut bekannt. Also muss es doch voellig in Ihrem Sinne sein, wenn die Kinderreichen arm bleiben, damit die reichen Kinderlosen um so mehr Macht und Zeit haben, die Masse eines Guten zu belehren. Allerdings braeuchte es dafuer gute Erziehung, sehr gute Bildung, und gesellschaftliches Verantwortungsgefuehl.

  26. Diese Art der Depression ist...
    Diese Art der Depression ist wahrscheinlich klassenspezifisch. Letzte Woche war ich auf einem Konzert, wo es den Don sicherlich nie hinverschlagen würde: Den Pierced Arrows (http://www.youtube.com/watch?v=ljWHG962gSU). Und wenn ich Fred Cole mit inzwischen über 60 Jahren ohne jede Peinlichkeit seinen schmutzige Garagen Rock’n’Roll krächzen höre, dann ist es mir um die nächsten zwei Dekaden nicht bange. Meiner Generation und meiner Klasse werden die Zeitläufte wenig anhaben können: Dunkle, verqualmte, nach Bierdunst stinkende Kaschemmen in denen man wüste Musik hören kann, wird es immer geben (okay, verqualmte vielleicht irgendwann nicht mehr). Und aller Wahrscheinlichkeit nach wird man mich dort auch noch in zwanzig Jahren antreffen – da habe ich keine Sorgen.

  27. Alter Bolschewick, genauso....
    Alter Bolschewick, genauso. Richtig schoen wirds ab 1.50. Let us take the road…
    .
    http://www.youtube.com/watch?v=i2E7p59sRvQ

  28. muscat - Danke, daß Sie mich ...
    muscat – Danke, daß Sie mich an einem üblen Tag zum Lachen gebracht haben.

  29. Verehrter Don,
    Daß Sie heute...

    Verehrter Don,
    Daß Sie heute als Wahlspruch die Sentenz 59 – Das Ende bedenken – aus dem Oraculo manual, y arte de prudencia des großen Jesuiten bringen hat mir mittags ein weiteres Lächeln geschenkt.
    Sie selbst scheitern bei dem vorgezeichenten Weg allerdings schon bei der Scheidung – das geht für Sie doch gar nicht. Außerdem haben Sie wie schon von Foersterliesel angemerkt, viel zu viel im Kopf zusätzlich zur unverwüstlichen Konstitution, die Zahnärzten und beim Rodeln im Weg stehenden Bäumen widersteht. Die Verwandtschaft mit dem Hackebeil allerdings gibt zu denken.
    Und wie schon vielfach angeführt, wäre Nachwuchs ein Therapeutikum ersten Ranges für viele Krisen. Für Sie, verehrter Don Alphonso, ist da, wenn Sie mir gestatten, meine schluchtische Sicht darzulegen, trotz kräftigen Wehrens noch Hoffnung, denn „Abraham war hundert Jahre alt, als sein Sohn Isaak zur Welt kam“ (Genesis, 21,4). Gestorben ist er mit 175 Jahren (Gen 25, 7+8), betagt und lebenssatt, wie es heißt. Das wäre nicht weit entfernt von dem, wie Sie es in diesem Blog schon früher kund getan haben.

  30. <p>Nun, was Kinder angeht: Ich...
    Nun, was Kinder angeht: Ich ziehe eingebildete Luxussorgen über spätere Verreichung ganz sicher den unbestreitbar echten Notsorgen der späteren Verarmung durch Kinder vor.

  31. Wäre Rottach mit einem -...
    Wäre Rottach mit einem – begrenzten – Nuklearschlag geholfen? Hatte beim Lesen so den Eindruck… :)

  32. @Filou
    Den ZUsammenhang...

    @Filou
    Den ZUsammenhang zwischen Armut und Kinderreichtum gibt es so nur in einer spätbürgerlich eingetrockneten Eigentumsgesellschaft, in der nur erebtes Betriebskapital Wohlstand garantiert und Erbteilung Verarmung bedeutet, v.a. wenn dann auch noch der Konsumzwang der Kinder dazukommt.
    .
    Im zünftigen Feudalismus ist das ganz anders. Dort garantiert der Kinderreichtum den Erhalt der sozialen Stellung. Der Clan braucht Kinder Kinder Kinder, um sich mit möglichst vielen anderen Clans verbinden zu können, darüberhinaus gibt es jede Menge anderer Pfründe (Bischofs-, Fürstabt- und Domkapitelstellen), wo auch die zweiten, dritten und siebten Söhne Verwendung finden.
    .
    Verfassung, Gesetze, Konkurrenz, das ist alles nur Geschwafel. Das einzige was zählt, sind feste, belastbare Beziehungen zwischen den Menschen. Und welche kommen dafür in Frage wenn nicht die, die auf Blutsverwandtschaft beruhen?
    In den wirklich fortgeschrittenen Demokratien (Polen, Italien, USA) wird man sich dieses Umstands wieder zunehmend bewußt.

  33. Hätte der zweite Wltkrieg...
    Hätte der zweite Wltkrieg etwas länger gedauert, hätte man mit dem Südende des Tegernsees sicher einen Ort gehabt, an dem man mit einer Bombe der Parteiführung geschadet hätte – in der Zeit sassen dort ziemlich viele Spitzen des Systems. In der NS-zeit sassen sie hier alle ziemlich auf einem Haufen, wobei: heinrich Himmlers Privathaus ist bei mir um die Ecke. Ist also immer zweischneidig. Im Prinzip würde das reichen, was vielen Leuten sowieso lieber wäre: Eine Zurückdrängung des Tourismus im Tegernseer Tal. Das Hotel Überfahrt (oben im Bild) hat Rottach auf eine Art entstellt, die auch kriegerische Einwirkung so nicht hinbekommt. Angeblich gibt es Postkarten, auf denen das Hotel wegretuschiert wurde.

  34. Byron, sehr gerne.
    Essen hilft...

    Byron, sehr gerne.
    Essen hilft aber auch. Lieber Don, ich warte immer noch auf das Apfelstrudel-Rezept.

  35. Welche Vorteile hatte...
    Welche Vorteile hatte Rottach-Eggern nach dem Krieg?

  36. sehr schoen....
    sehr schoen.

  37. So entstand der moderne Roman,...
    So entstand der moderne Roman, aus dem Gefühl der adligen Überflüssigkeit heraus. Die Russen im 19. Jahrhundert hatten jahrzehntelang kein anderes Thema. Und sie hingen damals schon in Wiesbaden, Baden-Baden und Monte Carlo herum. Erst ihre Enkel (und nicht etwa Arbeiter und Bauern) erbarmten sich endlich und fanden im REvolutionärsberuf ihre höhere Bestimmung.

  38. Lieber Herr Meier, belastbare...
    Lieber Herr Meier, belastbare Beziehungen durch Familien? Na, was ist denn mit den Maerklins und den Mercks?
    Clanbeziehungen fuehren auch zu nix. Da haben sich die Kennedys den Schwarzenegger ausgesucht…
    Am Ende kommen auch nur florentinische Grossverbrecherfamilien heraus. Die geschichtliche Erfahrung ist nun mal so.

  39. Du verarmst nicht durch ein...
    Du verarmst nicht durch ein paar Kinderchen, mach halt ein paar und probier es aus – denk an die vielen Blechspielzeuge, die antiken Schaukelpferdchen und barocken Prinzenwiegen… ;-)

  40. Filou, herzlichen Dank! Ich...
    Filou, herzlichen Dank! Ich wußte überhaupt nicht, daß es eine Verfilmung der Beggar’s Opera gibt. Jetzt darf ich sogar feststellen, daß deren zwei auf DVD angeboten werden. Wird sofort bestellt!

  41. Meine Haushalte sind nicht...
    Meine Haushalte sind nicht kindgerecht und bleiben das zu unser aller Vorteil auch.
    .
    fazfazfaz123, für die Angehörigen des NS-Regimes? Die meisten haben sich in der Frühzeit des Regimes oder sogar davor hier niedergelassen, und somit entging der Besitz der Enteignung während der Entnazifizierung. Auch Himmlers Privathaus blieb im Besitz seines Familie. In der Bundesrepublik kamen sie hier dann wieder zusammen, und die Indstriellen hatten hier sehr oft Ferienhäuser. Deshalb gibt es eine ziemlich feste und nicht eben tolle Tradition des Lago di Bonzo (Spitzname) aus der NS-zeit bis in die Bundesrepublik. Man redet natürlich lieber von Thoma, Ganghofer, Thomas Mann und den königlichen Hoheiten, die auch hier waren.

  42. Werter Don...
    Werter Don Alphonso,
    offensichtlich beschreiben Sie die Leiden des älteren Werther, der nun im
    Establishment angekommen, leider wahrzunehmen genötigt ist, daß
    Alltagsbanalität auch im oberen Stützengeschoß kaum auf Suche nach
    Unterkunft angewiesen ist. Sie findet sich einfach ein.
    Ein wenig könnte einen die Depression ein Stück Weges geleiten, sähe man
    sich dem Anblick der ausgesucht teuren Geschmacklosigkeit, in irgendwie
    zartrosa gestreifter Fellkombination (letztes Photo Ihres Kommentars), mehr
    als den verfliegenden Augenblick ausgesetzt. Die Wirkungsverstärkung des
    wohl auch in Berlin eher nicht unauffälligen Handgepäckstücks wollte ich dabei
    nicht unterschlagen.
    Das Leben in dieser komfortabel gepolsterten Belanglosigkeit wird eben auch
    nicht einfach nur geschenkt. Dafür muß mit anderer Münze bezahlt werden,
    manchmal auch, in einer Mischung von Überdruß und unbestimmter Unzu-friedenheit, mit der Anspannung die Menschen sich abfordern, wenn sie
    die innere Leere mit demonstrativ vorgelebtem Stil auszufüllen sich dem
    eigenen Umfeld gegenüber verpflichtet fühlen.
    Hat mir gut gefallen, haben Sie damit doch wieder einmal die Reißzwecke mit
    breitem Daumen auf dem Kopf getroffen und damit eine durchaus gefällige
    Notiz am Anschlagbrett des gesellschaftlichen Lebens befestigt.

  43. @Filou
    Es gibt auch Familien,...

    @Filou
    Es gibt auch Familien, die immer gut zusammengehalten haben, wie z.B. die Habsburger oder die Innenstadt von Bern.
    .
    Zweitens gibt es einfach sonst nichts, worauf man sich verlassen kann. Ich meine, die Geschichte mit diesen absurden „Manager“-Gehältern sagt ja genug. Hätte Frau Schickedanz einen fähigen Sohn gehabt, dann hätte sie keinen untreuen Mietling wie Middelhoff engagieren müssen. Oder zumindest wäre dann alles in der Familie geblieben.
    .
    Wenn heutige Unternehmerfamilien oft zerfallen, dann liegt das eben genau daran, daß die dynastischen Werte nicht mehr hochgehalten wurden. Der 68er-Hedonismus wirkt nirgendwo so zerstörerisch wie in der Eigentümerkaste.
    .
    Wer aber durch Aussterben reich bleiben will, der landet früher oder später eben an einem Ort wie Rottach-Egern. Dann sind es halt die Anlageberater, Pelzhändler und Ärzte, die alles erben. Auch das Pflegepersonal in der Seniorenresidenz weiß im Moment X, wo der Schmuck liegt.

  44. „Unausweichlichkeit eines...
    „Unausweichlichkeit eines Schicksals“?
    Gracian!, was soll man von ihm halten. Klug war er wohl, belesen ebenso, vermutlich ein Meister der Scholastik. Auf jeden Fall ein Meister der Sprache, ein Stoiker, dem auch Epikur was zu sagen hatte, einer der die Mächtigen kannte, und der zum Beispiel wusste, dass sie „alle Götzendiener“ sind, und deren „freien Willen“ man am besten dadurch zerstört, indem man ihren speziellen Götzen erkennt. Für solches und ähnliches hatte er 300 Ratschläge parat, und kein unbedeutender als Schopenhauer, hielt es für nötig, diese ins Deutsche zu übersetzen, jener also, dem die Welt „Wille und Vorstellung“ war – nicht Schicksal. Ein Mann, der 500 Jahre vor der Zeit, den modernen Pragmatismus entdeckt zu haben scheint, einen jenen, ohne den keine Politik der Gegenwart funktioniert. Und doch ein Mann von antikem Geist, einer dem ich täglich im Orientalen begegne. Auch dort traut man dem besten Freunde nicht, da der morgen dein schlimmster Feind sein kann. Paranoid geworden, ist sie, diese Welt, so paranoid, dass uns solche Ratschläge so wenig befremden, wie ein Gefängnis in unserer unmittelbaren Umgebung, an dem wir täglich in Freiheit vorbei marschieren. Ist nun unsere Freiheit nur möglich, weil wir zu dumm sind zu begreifen, dass es Freiheit nur geben kann, wenn alle frei sind, oder weil wir zu klug sind um uns über solche Kleinigkeiten all zu viele Gedanken zu machen, und sie einfach nehmen, als wäre sie ein Gottesgeschenk, eine Nettigkeit der Schicksalsgöttin. Eine der wichtigsten antiken Glauben – und solchermaßen heute im Orient noch sehr aktuell -, ist die Vorstellung, dass man Reichtum nicht zeigen dürfe, weil man sonst nicht nur den Neid der anderen, sondern vor allem sein Glück herausfordert. Gracian hat das auch gelehrt, es wird wohl eines der Geheimnisse jesuitischer Macht sein, und doch ist es Ausdruck einer geradezu lächerlichen Ohnmacht – dem Schicksal gegenüber. Nicht nur die Rottacher fügen sich hierein, sondern wir alle, „man selbst tut es, (denn) es hat etwas von Vorhölle und der Unausweichlichkeit eines Schicksals“!

  45. Ich war vor einigen Wochen...
    Ich war vor einigen Wochen auch im Krisengebiet am Tegernsee, der Kollege im ärmsten deutschen Ort Pasewalk. Entstanden ist ein wahrscheinlich sozialneidischer Text (nachzulesen unter: http://www.merkur.de/2009_40_Grenzfall_Deutsch.37525.0.html?&no_cache=1), wobei nicht klar ist, wer wen beneiden soll.

  46. cfl, vielleicht noch ein...
    cfl, vielleicht noch ein Hiweis zum erwähnten Kaltenbrunn: Das zerfällt nicht, weil kein Geld da ist. Würde die Schörghubergruppe verkaufen, gäbe es sofort ein Konsortium von Gmundnern, die es übernehmen würden. Der Konflikt hier ist nicht „Wer hat das Geld“, der Konflikt ist „Wieviel Tourismus wollen wir hier“. Geld ist am See von allen Problemen das Geringste, auch in Gmund, das wenigstens noch nicht vollkommen durchtouristisiert ist. Ich finde die Kühe, die auf meine Terrasse starren, nun mal angenehmer als die Touristen. Der See braucht nicht n och mehr Tourismus, sondern mehr Bewahrung, und Kaltenbrunn ist eines dieser Juwelen, die erhalten werden müssen, so wie sie sind. Und nicht als Gegenstück zum Elend des Überfahrt in Rottach. In dem Moment, da wir hier das erste Luxushotel haben, beginnen hier auch die Begehrlichkeiten direkt am See.

  47. Wenn Gott die Menschen strafen...
    Wenn Gott die Menschen strafen will, erfüllt er ihre Wünsche.
    .
    Und die Hölle, das sind nicht die anderen, das ist man selbst.

  48. Ach wenn man sich doch selbst...
    Ach wenn man sich doch selbst heiraten und dann sich dann auch selbst wieder zur Welt bringen könnte!
    .
    Bald werden wir es können und mal sehen, wie sich das auf die Immobilienpreise am Tegernsee auswirken wird.

  49. Einfühlsam & sensibel...
    Einfühlsam & sensibel beobachtet und zu Blatt gebracht!
    Don, ein absolut genialer Artikel…ohne wenn & aber.

  50. Cav4li3re & miner, danke für...
    Cav4li3re & miner, danke für das Lob, aber, um der Wahrheit die Ehre zu geben: Das hier wurde nur schnell niedergeschmiert, um dann an den See in die Sonne zu kommen, ansonsten: Eingefallen ist es beim Rumlaufen und Kopfschütteln.
    .
    HansMeier555, insgesamt kann man sagen, dass der Tegernsee seit dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts preisstabil geblieben ist. Es ist seitdem immer zu wenig See für zu viele, die hier sein wollen.

  51. Lieber Don Alphonso, also...
    Lieber Don Alphonso, also Rottach ist wirklich unerträglich. Mein Cousin, aus Schaftlach stammend, hat dort einige Jahre bei einer Krankenkasse gearbeitet, bis er es nicht mehr durchgehalten hat – und der ist hart im Nehmen. Abgesehen davon, daß die Gegend schön ist; ich wundere mich doch immer ein bisschen, was Sie gerade dorthin verschlägt. Ich selbst habe keine sonderliche Lust, mich dorthin zu stauen, en Masse auf dem Wallberg herumzulatschen und mich dann zu fühlen, wie bei meiner 96-jährigen Großmutter in der Seniorenresidenz. Kitzbühel etwa hat mit seinen Schickis zwar auch etwas schwer erträgliches – aber gegenüber den Rentnern aus Rottach machen die wenigstens was her. Am liebsten fahre ich eigentlich an den Wörthersee.
    .
    Der Mensch entwickelt sich weiter, jedes Alter hat etwas für sich. Ich würde (bisher) nicht wieder jünger sein wollen. Ihr sorgloses Leben, das Sie in Ihren Texten zeichnen, habe ich ebenfalls gehabt, bzw. habe es zu großen Teilen immer noch. Aber nun, wo ich eine Ehe führe und Zwillinge habe, ist es zwar unglaublich anstrengend – aber es öffnen sich eben auch ganz neue Horizonte. So ist das nunmal, jedes Alter hat etwas für sich. (Und wenn man keine Familie will, sei einem das natürlich völlig freigestellt – damit Sie das nicht falsch verstehen)
    .
    HansMeier555 – „Wenn Gott die Menschen strafen will, erfüllt er ihre Wünsche. Und die Hölle, das sind nicht die anderen, das ist man selbst.“ – Da kann ich Ihnen nur zustimmen. Also ich habe übrigens Zwillinge, wie erwähnt, und deren Beobachtung hat mich zur Aussage veranlaßt, daß ich mich selbst als Bruder vermutlich auch umgebracht hätte. Sich selbst heiraten? Womöglich klonen? Nein Danke! Es ist wohl gut so, wie es ist…

  52. Frau Waldwuff, ja, diese...
    Frau Waldwuff, ja, diese Seiten, die man dann entwickelt, die kenne ich von dem Augenblick, als ich zum ersten Mal aus dem Fenster Randalierer erblickte und dann die Polizei rief. Hätte ich auch nicht gedacht. Beim ersten Mal fühlt es sich komisch an, aber nach dem dritten Mal denkt man sich: Na los. Macht es. ich habe das Telefon und die Kamera schon in der Hand.
    .
    muscat, nein, dieses amerikanische Kleidungszeug wird vermutlich verschwinden, bevor es Rottach erreichen kann. Rottach ist einer dieser typischen „Qualität-über-alles“-Orte, wo schon Lacoste ausserhalb der Tennisplätze als nicht ganz angemessen erscheint. Ich war dort in Merinowolle von Loro Piana und war, sagen wir mal, durchschnittlich eingetucht. Es gibt dann noch einen Ausreisserladen für schrilles Zeug wie Rentnersäcke mit Pelzeinlagen für mehr als 3000 Euro, aber das ist eher nicht die Regel.

  53. Die Entstehungsgeschwindigkeit...
    Die Entstehungsgeschwindigkeit wertet diesen Artikel nicht ab. Sie spielt keine Rolle. Unter Zuhilfenahme aller Sinne, schliesslich über Bauch & sogar noch übers Herz in die Hand. So etwas bleibt nur Wenigen vergönnt.
    Ich bleibe also bei meinem positiven Urteil.

  54. mawu, ich habe den Tegernsee...
    mawu, ich habe den Tegernsee schon immer gemocht. Es ist dort, an einem Tag wie heute etwa, unglaublich schön. Es gibt sicher schönere Ecken, aber nicht anderthalb Stunden von meinem Geburtsort entfernt. Wenn es mir nicht gut geht, setze ich mich eine Stunde an den See, und es geht wieder. Natürlich nicht, wenn es Rottach ist. Wenn ich auf meinen Berg gehe, nehme ich einen Weg, wo ich zwei Stunden lang keinen Menschen sehe. Am Nordrand des Sees gibt es eine Perlenkette kleiner Buchten, in denen man allein ist. Der Blick ist phänomenal, das Leben gemütlich, das Klima sehr gesund und das Essen famos. Es ist unter berücksichtigung der Umstände für den Moment die optimale Lösung. Würde ich aber wirklich können, wie ich wollte, würde ich jetzt die Villa Minerva in Riva restaurieren, oder Haus Henrietta in Obermais. Aber allein das Gefühl. über den Zaun zu steigen und einfach losgehen zu können, im Wissen, dass geradeaus Italien kommt, und der erste Berg der Alpen ist direkt vor mir – das ist schon nicht schlecht (ausserdem ist es eine narrensichere Geldanlage).
    .
    Doctor Snuggles, als Historiker macht man sich keine Illusionen über das Vergehen und Altern, und es ist mir im Grossen und Ganzen egal. Ich ziehe mich gerne gut an, aber man darf mich erschiessen, wenn meine Kosmetikbedürfnisse über die Seife von meinem Imker hinausgehen. Ich bin auch kein Freund des Jugendkultes; ich fand, als ich 20 war, 50-Jährige Porschefahrer im Parkcafe entsetzlich, und werde da sicher nicht selbst damit anfangen. Alter gehört dazu. Aber bitte nicht in der Rottacher Variante.

  55. An einen lieben kinderlosen...
    An einen lieben kinderlosen Anfangvierziger,
    sei getrost, die Dämmerung ist noch fern. Begib dich an Orte wie Karl-Marx-Stadt, Marburg, Bayreuth, Hagen, Schwerin oder Kiel.
    Finde dort eine hochwangige mittlere Tochter mit Fachhochschulstudium, sie wird dir herrliche Söhne gebären.
    Vererbe dem erstgeborenen deine Patek und fahr mit deiner Tochter, nenn sie Aurelia, in der Barchetta über alpine Wunschorte dem Abend entgegen.

  56. Miner, der beitrag...
    Miner, der beitrag hier
    http://rebellmarkt.blogger.de/stories/1530631/
    war um 10.40 Uhr fertig, dieser Beitrag entstand danach und wurde mit Bilderbearbeitung und Hochladen, etwas Frühstück, Teekochen, Text und Einleitung um 13.31 Uhr freigeschaltet. 8000 Zeichen an sich in erheblich unter 2 Stunden sind hingeschmiert, daran führt kein physikalischer Weg vorbei. wenn ich mir Mühe gebe, brauche ich drei bis vier Stunden.
    .
    Not quite like Beethoven, auch Gmund, wo ich wohne, ist schon sehr rentnerfreundlich. Ich brauche kein Rottach. Subkultur? Nun, das was ich tue, gehört sicher dazu, schliesslich schwingt bei anderen (siehe den Text im Merkur) immer auch ein wenig Respekt mit, der mir angesichts des Affenfelsens da unten vollkommen fehlt. Zumal sich im Winter auch zeigt, dass die Leute reingelegt wurden: Rottach hat die 5 kurzen Monate verdammt wenig Sonne. Bei uns sind die Wiesen schon wieder grün, wenn in Rottach alls noch unter dem Eis liegt. Kein Wunder, wenn da so viele Ärzte sind: Die einen brechen sich die Knochen, und die anderen werden depressiv.
    .

  57. <p>gheluveld, in weitläufigen...
    gheluveld, in weitläufigen Teil unseres Clas findet sich auch ein junger Bundestagsabgeordneter der CSU, und als der bayerische Staatsfunk mit seiner Mutter ein Interview machte, sagte sie, dass er hoffentlich von da oben keine Frau mitbringt. Das ist sehr indiskret, aber es ist auch die Weisheit, mit der der Clan reich und angesehen wurde. Ausserdem gibt es in meiner Heimat schon einen florierenden Heiratsmarkt, dem ich mich erfolgreich widersetze.
    .
    hugoservatius, es gibt Hoch und Tief, es gibt Nebel in Rottach und Föhn in Gmund –
    .

    .

    .
    besser?

  58. Bolschewik, aus den 90...
    Bolschewik, aus den 90 Sekunden Let Us Take The Road kan man unglaubliche 5 Minuten Rock machen. Bei dem Gedanken wird mir ganz anarchistisch ums Herz.
    Es gibt noch eine Auffuehrung mit dem Leadsaenger der Who (Name vergessen).
    Zucker!

  59. Lieber Don Alphonso, ich...
    Lieber Don Alphonso, ich wollte auch keinesfalls behaupten, der Tegernsee an sich wäre nicht schön! Ich liebe meine Heimat über alles, was gibt es denn schöneres als dies hier? Obermais ist Heimat im weiteren Sinne, „Lederhosenland“, am Tegernsee sind Sie ja auch ka oahoamischer. Aber Riva – das ist schon vergleichbar mit auf den Balearen ansässigen Fincabesitzer, dort ist man Fremder. So schön Südtirol auch ist, und es ist wirklich wunderschön, am Wörthersee mit meinen Kindheitserinnerungen finde ich es einfach am Schönsten. Das kann man nicht kaufen.

  60. mawu, nun, nicht "Riva" als...
    mawu, nun, nicht „Riva“ als das, was es zu sein scheint. Explizit die Villa Minerva, jenes ehemalige Sanatorium, in dem auch Kafka weilte: http://www.gtblog.de/press/?p=820 . Das ist schon eine ganz andere kulturgeschichtliche k.u.k.-Hausnummer als eine Finca.
    .
    poisson, bevor ich aus etwas anderem denn ethnologischem Interesse im Nightclub des Bachmair unter der Discokugel tanze oder im Überfahrt eine Massage nach Reiki-Fengschui-Art oder wie immer das Zeug heisst ordere, reiche man mir bitte den Schierlingsbecher.

  61. Mike, das mit Text und...
    Mike, das mit Text und Überschrift sehe ich anders, und es kann sein, dass man in Rottach gut lebr. ich möchte da nicht tot über dem zaun des Strandbades hängen.
    .
    Byron, ich sehe eine Alternative im nicht verblödeten Daseins eines alten Zynikers, der in jedes drehende Rad seinen Stock hineinhält und sich am Knirschen im Getriebe erfreut.

  62. Don, was ist denn dieser...
    Don, was ist denn dieser häßliche verlassene Kasten mit der kleinen Baustelle davor? Sieht ja schlimmer aus wie Reinickendorf. – Das Problem mit Bewahrung vs. Tourismus ist, ob ein paar Geldverteilernasen reichen, die Infrastruktur (Gastronomie, Läden..) zu halten – die geht u.U. flöten, wenn die kritische Masse nicht mehr erreicht wird, die für zwar schmalen, aber kontinuierlichen Geldnachschub sorgt. – Ansonsten kann ich schon verstehen, daß man nicht überall Touristen haben mag, man will ja schließlich auch noch wohnen. – Da manche darüber spekulierten, ob derart gekleidete Leute in Berlin auffallen würden: ja, als Provinzler. So wie die 3 Damen in der U-Bahn heute mit Lodenmantel, starkfarbigem Schal und Anorak. Städter sind irgendwie farbloser und nachlässiger gekleidet.

  63. laperla, ich will noch...
    laperla, ich will noch mindestens mit 95 andere stören, und es gibt sehr viele noch gar nicht so arg alte leute, deren Gräber ich gerne sehen würde. Und ich bin zäh.
    .
    spätburgunder, der Vorteil an einem milden Klima wie in Meran ist das Ausbleiben von Stürzen auf Eis und Lungenentzündungen. So ein Oberschenkelhalsbruch mag mit 40 noch gehen, mit 80 verscheusslicht er die letzten 10 Jahre extrem. Wir alle müssen sterben und es ist auch gut so, nur sehe ich nicht ein, wieso man dem Sensemann mehr Gelegenheiten an die Hand geben sollte, als unbedingt nötig. (und schon gar nicht würde ich in Städten wie Berlin alt werden wollen)

  64. Don Alphonso, bitte...
    Don Alphonso, bitte entschuldigen Sie meine Unwissenheit, was die Villa Minerva betrifft. Ich hätte vor meinem Beitrag besser mal nachsehen sollen, bin aber schon einigermaßen müde, und auch nicht mehr ganz konzentriert. Aber ich denke, im Großen und Ganzen dürften wir uns verstehen…

  65. Was sagt uns das jetzt über...
    Was sagt uns das jetzt über Qualität, über Erfolg und über das Empfinden Dritter zum Geschaffenen?
    Ich habe vor Jahren nach dem 3ten Bier Dinge entworfen (eben, aus dem hohlen Bauch), die sich aktuell noch bestens verkaufen…und habe aber auch unter voller Konzentration nächtelang mit Stift in der Hand und Schweissperlen auf der Stirn echte Ladenhüter kreiert… So what ?
    .
    Jetzt werd ich aber langsam sauer, da will man Ihnen auf die Schnelle mal ein Kompliment für einen echt schönen Artikel machen und dann so was… ;-)

  66. Ah, die neuen Seebilder...
    Ah, die neuen Seebilder gefallen mir besser. – Nein, Zyniker zu werden ist kein erstrebenswertes Ziel, es ist gar zu randständig. Mildes Spötteln hingegen kann man sich schon erlauben, je nach Lage auch Galgenhumor. Mit dem Verblöden sollte man es gar nicht erst probieren; das funktioniert einfach nicht.

  67. colorcraze, das ist das...
    colorcraze, das ist das berühmte Hotel Überfahrt mit seinen Luxusrestaurants im Umbau. Aus mir unverständlichen Gründen gilt es als äusserst schick, und im Sommer sieht man dort auch arabische Herrschaften, mich jedoch nie. Am Tegernsee würde ich denken, dass allein schon die Bewohner viel Geld in das Tal bringen. es hat auch niemand was gegen den Tourismus als solchen, aber gerade mit diesen globalisierten Luxushotels zerstört man genau das Gewachsene, das die Schönheit des Tales ausmacht. Und es ist ohnehin alles schon reichlich voll.
    .
    Der Gärtner, man versteht die volle Tiefe von Grünwalds „Jacques Sacques“ nur, wenn man mit Leuten aus Mindelstetten in der Schule war. Andere können das gar nicht umfassend begreifen, wie auch Mindelstetten, wobei Zandt aber noch schlimmer ist.

  68. "nur sehe ich nicht ein, wieso...
    „nur sehe ich nicht ein, wieso man dem Sensemann mehr Gelegenheiten an die Hand geben sollte, als unbedingt nötig.“
    .
    Mit welchem Alter planen Sie dann das >Rodeln durch bewaldete Schluchten einzustellen???

  69. Don Ferrando, ich glaube, dass...
    Don Ferrando, ich glaube, dass man beim Rodeln aufgrund der Nähe der Bäume sehr viel mehr acht gibt, als wenn man sich auf der Strasse denkt: Oh, das wird schon nicht rutschig sein.
    .
    colorcraze, mit irgendwas muss man doch seinen Spass haben, wenn der sex ausfällt wie auch die dritten Zähne. Man muss nehmen, was man kriegen kann.

  70. mawu, natürlich - ich finde...
    mawu, natürlich – ich finde die Schilder mit dem entcoffeinierten Kaffee in Riva auch entsetzlich. Schlimmer ist aber sicher Sirmione. Die Villa Minderva liegt abgelegen, und es ist schon in Ordnung, sie nicht zu kennen.
    .
    miner, beim Radio sagt man, dass Denken beim Texten nur schadet – das Lob nehme ich natürlich trotzdem gern an.

  71. In den Großstädten gibt es...
    In den Großstädten gibt es dafür mehr Geisteskranke:
    .
    http://www.faz.net/s/Rub5785324EF29440359B02AF69CB1BB8CC/Doc~E06B00A6B26294567BB972C2883F302F2~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  72. Lieber Moritz, ich fürchte,...
    Lieber Moritz, ich fürchte, wir werden es herausbekommen, woe alt man werden kann. Ich denke aber, dass ein reiches und mit Vorurteilen erfülltes Leben helfen kann, dabei die Alternativen abzuwägen, dass man weder ein seniler depp noch ein Berufsjugendlicher…
    .
    Ich muss da eine kleine Geschichte erzählen. Am Tegernsee wohnen ja einige bekannte deutsche Familien, und man trifft sie tatsächlich auch unten in Seeglas beim Essen. Eines schönen Tages lernte ich den Neffen eines bekannten Politikers kennen, auch schon in den 90ern, und der sagte, dass er das Alter schon merken würde, doch, also er müsse sich einschränken, also nicht mehr jeden Tag Tennis…
    oha, dachte ich mir. So könnte ich mir das auch vorstellen.

  73. Zyniker sein: Nicht nur eine...
    Zyniker sein: Nicht nur eine Willensfrage. Mancher denkt, Zynismus sei so leicht hinzukriegen wie rosa-goldiger Kitsch. In Wirklichkeit kann beides verdammt schwer sein, wenn man die Veranlagung nicht mitbringt.
    Da hilft dann nur üben, üben, üben, üben, genau wie beim Violinespielen.

  74. Herr Meier, das muss ich Ihnen...
    Herr Meier, das muss ich Ihnen noch erzaehlen: Am Samstag rief ein Freund alle seine Kumpel an, um zu verkuenden, das ihn seine Frau verlassen hat. Wir liessen uns nicht lange bitten und versammelten uns in seinem Haus. Alle unsere Haende waren taetig: mit der rechten taetschelten wir die Schulter des nur maessig Ungluecklichen, die linke hielt das Bierglas, stets nachgefuellt von seiner Freundin.
    .
    Sonntags nahm ich dem Freund die Morgenbeichte ab. Auf dem Heimweg, es war so gegen Elf, besuchte ich noch schnell einen Markt fur gebrauchte Buecher.
    Und da lagen sie: Zwei Baende im Schuber aus dem Verlag des Trierer Volksfreund. Erster Band: Das feudalistische Manifest von Hans Meier. 120 Seiten, 14 Punkte Helvetica, dickes, gutes saeurefreies Papier. Der zweite Band im Schuber enthielt den Kommentar zum ersten Band. 450 Seiten, 9 Punkte Fraktur, Duenndruck, von Herold Binsack.
    .
    Ich erwachte, als mir der Rettungssanitaeter gerade die Atropinspritze aus dem Brustkasten zog.

  75. @ HansMeier555: Sie sagen, es...
    @ HansMeier555: Sie sagen, es gäbe keine angemessenen Freizeitbeschäftigungen für Erwachsene mehr. Hmm, hat es die denn schon mal gegeben, wenn es sie jetzt nicht mehr gibt? Und wenn ja, was war das?
    Im übrigen stimme ich Ihnen zu: Kinder kosten zwar Geld, aber wer bereits ein wenig Geld übrig hat, der braucht die Verarmung weniger zu befürchten. Klar, es kostet vor allem Zeit und Nerven und ein Zweisitzer ist dann auch ein wenig unpraktisch wie hilfreich für die Ausfahrten. Aber: wie wären Familien wie die Rothschilds so reich und weit verzweigt geworden, hätten sie nicht Kinder in die Welt gesetzt, die dem eigenen Namen zu Ruhm und Ehre verhalfen? Aber das zählt heute nichts mehr. Wie war das mit den Werten der besseren Gesellschaft?

  76. Früher am See fand ich die...
    Früher am See fand ich die alten Schachteln und ihre noch älteren Kerle nur lustig. Jetzt denk ich mir: Mit all dem Geld – das ist es, was euch einfällt? So viel steht euch offen, aber ihr tut was eure Klassen-Kohorte halt tut. Traurig.
    Und dann freu ich mich. Denn kreative Lebensherbst-Gestaltung scheint einen Teufel mit der Kohle zu tun zu haben. Wobei, Geld hilft natürlich. Wer sagte nochmal, dass es einen Unterschied gibt, ob man aus Liebeskummer im Taxi oder in der U-Bahn heult?
    Sei’s drum. Keiner muss sein Prä-Demenz Alter in Rottach verbringen, ausser den 34 Quoten Hartzlern. Der Punkt scheint zu sein: Die Leute tun es trotzdem, grade die mit Wahlmöglichkeiten ohne Ende. Und so schließe ich mit den Worten: Der Mensch ist ein Schaf und folgt der Herde, der er sich zugehörig fühlt.
    Und ist so unglücklich wie es sich gehört, man will ja auch was zu verbergen haben ;-)

  77. Lieber Don,
    was hielten Sie...

    Lieber Don,
    was hielten Sie denn von einer schönen Fernreise?
    Südiendien, Kerala vielleicht, Backwaters?
    http://www.desicolours.com/houseboats-on-backwaters-of-kerala/13/01/2009
    Kurzfristig könnte ich auch den schönen Beatlessong „Eleanor Rigby“ empfehlen:
    http://www.youtube.com/watch?v=FxyJLxV0_-8&feature=related

  78. Werter Filou,
    Ihr...

    Werter Filou,
    Ihr antquarischer Buchtipp, insbesondere der zweite Band, hat mir mehr als
    nur ein herzliches Schmunzeln abgewonnen. So kurz und treffend Sie damit die
    Lemmata eines häufig annähernd monothematisch arbeitenden
    Contentanbieters hiesigen Blogs beschreiben, will ich doch nicht hoffen, dies könnte jenem, als getroffenem, Anlaß sein, um so mehr lautzugeben, auch schon um Ihrer Gesundheit willen.
    Vielleicht können Sie sich ja noch an die Ausstattung des Schuberinhalts
    erinnern. Die Bücher in rotem Halbleinen?

  79. Mit 20 schaut man die 40...
    Mit 20 schaut man die 40 jährigen an und denkt das schafft Du nie. 20 Jahre studium & arbeit später schaut man weitere 20 Jahre voraus und hofft so wird man nie. Wurde da nicht schon mit 20 ein „falscher“ Weg eingeschlagen ? Ich schaue jenseits der 40 eher aufmerksam zur Seite als angestrengt voraus und geniesse den Ausblick in der Gegenwart!

  80. ... aufgrund einer geplatzten...
    … aufgrund einer geplatzten Heizungsbatterie bin ich schon wieder hellwach!
    Da kann ich ja, nachdem die Pfütze aufgesogen und der Heißwasserzustrom abgeklemmt wurde. noch mal schnell hier reinplatzen.
    .
    Angemessene Freizeitbeschäftigungen für Erwachsene? Aber ich bitte Sie:
    .
    Turniere, Jagden, Wallfahrten, Duelle, Hofbälle, Bauernlegen, Kreuzzüge, Ritterorden, freiwilliger Rückzug ins Kloster, und so weiter. Und natürlich die Verheiratung der Kinder, der Enkel, die Taufe der Patenkinder und alle naselang ein Begräbnis zwischendurch.
    Tanzen lernen, Kirchen stiften, an Feldzügen teilnehmen, Offizierskommandos übernehmen, sich Orden verleihen lassen, die Dienerschaft auspeitschen. Durch Europa reisen und überall mit allen wichtigen Persönlichkeiten bekannt werden. Hinterher darüber Erinnerungen schreiben. In trauter Runde von den bedeutsamen Erlebnissen plaudern. Porträt sitzen.
    Und so weiter und so fort!
    Heute geht man in die Oper, früher gab man eine in Auftrag.
    So, jetzt muß ich noch ein paar Stunden schlafen…

  81. HansMeier555, ehrlich gesagt...
    HansMeier555, ehrlich gesagt sind das alles Freizeitbeschäftigungen, auf die ich sehr gut verzichten könnte. Aber ich stamme ja auch (zum Glück) aus einer anderen Zeit.
    Aber was mir auch aufgefallen ist: gibt es heute eigentlich noch wirklich große Förderer der Kunst oder läuft das eher alles steuersparend und leise im Hintergrund ab? Klar, es gibt ab und zu mal einen Sammler, der seine Sammlung zur Verfügung stellt. Aber große Opern, die in Auftrag gegeben werden? Oder fehlt es an großen Komponisten? Selbst Musiker aus anderen Bereichen der Musik arbeiten ja bei größeren Projekten eher im Auftrag einer Stadt oder einer Firma, weniger im Namen von Privatleuten. Man hört eher davon, dass die Reichen sehr viel Geld ausgeben, um sich mit der nächsten Superjacht zu überbieten. Die Sachen sind teilweise so teuer, da hätte man locker eine Kindergartenkette mit dem eigenen Namen gründen und betreiben können. Oder die Komposition einer eigenes CD in Auftrag geben (okay, die Musiker stecken meist in Verträgen fest, aber mit Geld kann man auch das regeln). Gut, aus den USA hört man ab und zu solche Sachen, wenn irgendein Flügel einer Uni nach einem großzügigen Spender umbenannt wurde. Aber aus Deutschland hört man so gut wie gar nichts. Wird hier einfach nur getan und nicht darüber geredet, so dass man nichts hört? Oder wird hier wirklich weniger getan?

  82. @Filou
    Im Zweifelsfalle...

    @Filou
    Im Zweifelsfalle Suhrkamp taschenbuch wissenschaft.
    .
    Ansonsten rate ich zu E-Books.

  83. Da gibts nur eines: Neue...
    Da gibts nur eines: Neue Perspektiven schaffen, Milleuwechsel !
    Dafür braucht man nicht nicht wirklich Geld.
    .
    Papa werden.
    Nochmal ein Fernstudium anfangen (etwas das interessiert).
    Der Einsatzabteilung einer freiwilligen Feuerwehr beitreten.
    Am Besten alles gleichzeitig.
    .
    Es ist positiver Stress.
    Das macht jung.

  84. Meinten Sie DEN Laden, Don...
    Meinten Sie DEN Laden, Don Alphonso?
    http://www.lisa-e.de/wcms/bin/Server.dll?Article?ID=41&Session=1-MXD6GscN-0
    Ich halte daran fest: Der Untergang, er steht tatsächlich kurz bevor. Echt „cultig“, ey….
    .
    @Devin08: Apropos Reichtum nicht zeigen… Waren Sie schon mal in Marrakesch? Die Häuser in der Medina – von aussen wie bei Schweinchen Dick, aber drinnen erwartet einen der Traum von 1001 Nacht.

  85. muscat, aber nein, das ist ja...
    muscat, aber nein, das ist ja noch dezent im Vergleich zu dem, was es da sonst noch gibt.
    .
    Reiterjunge, nun, für den positiven Stress habe ich das Blog hier, da gibt bes mehr als genug.

  86. Doctor Snuggles, aus...
    Doctor Snuggles, aus naheliegenden steuerlichen Gründen läuft sowas hierzulande meist über Firmen. „Charity“ ist aber fraglos ein Markt und ernährt inzwischen ja auch Charityberater. Mein Ding wäre das nicht, aber es passt ganz gut in ein Land, das die Grosszügigkeit und die Herzlichkeit nicht erfunden hat.
    .
    Jakob Kerack, gemeinhin reicht mir Europa vollkommen aus, sagen wir mal von Athen über Neapel bis nach Portugal, Frankreich, England nur so lange bis ich Hunger bekomme, Benelux und in Deutschland alles was nicht Norden oder Osten ist. Das ist mehr als genug für ein Leben.

  87. readsalot, ich denke, den...
    readsalot, ich denke, den südlichen Tegernsee macht einfach die Bequemlichkeit attraktiv. Alles an einem Ort, Dauerbespassung seniorengerecht, Golfplatz, seilbahn zum Wallberg, Restaurants jeder besseren Qualität, ärztliche Idealversorgung, und alle sind so wie man selbst. Und Hinterfragen nervt nur.
    .
    Filou, meine gesammelten Werke „Unter Kronleuchtern. Vom Leben eines schlechteren Sohnes aus besserem hause“ war nicht dabei?

  88. Reiterjunge, es ist doch...
    Reiterjunge, es ist doch Klagen auf hohem Niveau, das einen echten Wechsel gar nicht will. Das Schöne an dem Artikel ist eigentlich die Bestätigung dafür, dass mehr Geld zwar einem zu mehr Möglichkeiten verhelfen könnte, aber aufraffen muss man sich immer noch selber. Und wer das nicht tut, der versumpft ebenso in seinen Kreisen wie anderswo die Leute an der Trinkhalle. Nur eben ein paar Stufen besser. Das Leben bringt einem nicht automatisch Sinn, speziell wenn es einen eigentlich nicht wirklich fordert. Man muss ihn sich suchen. Oder man arrangiert sich mit dem, was man hat und was kommen wird. Im Zweifel dann Rottach.

  89. Ich zitiere:
    erstens, meine...

    Ich zitiere:
    erstens, meine rheinische Großmutter (die aber viele Kinder hatte und keinerlei Reichtum): ‚Wer nicht alt werden will, muß sich jung aufhängen.‘
    zweitens, einen sehr bekannten Münchner Feinkosthändler und Eigentümer einer berühmten Disco. Als er mit knapp 40 in seine eigene Disco ging, und sich dort an die Bar setzte, wurde er von einem Gast angesprochen:‘ Na Alter, bist Du zum Sterben hergekommen?‘
    Und jetzt, traue ich mich gar nicht mehr, mir selbst zuzugeben, daß ich mitten in der Krise stecke … kann man dagegen was tun außer Solarium?

  90. Das mit den Strudel-Fotos war...
    Das mit den Strudel-Fotos war ausgesprochen bösartig, Don Alphonso.
    Dass Sie ne fiese Möpp sein können, wusste ich ja, aber SOOO fies…

  91. Kann mir jemand, muscat oder...
    Kann mir jemand, muscat oder wer auch immer, sagen, warum ich hier netter sein sollte, als gegenüber den Fremdenverkehrsamtsmitarbeitern in Rottach, die das hier clippen müssen?
    .
    Stendhal, solche Sprüche kenne ich auch von meiner Grossmutter. Es war ja auch nur präventive Herbstdepression, mir geht es prima, im Gegensatz zu vielen anderen aus der schreibenden Zunft.

  92. @muscat: Die Strudelfotos...
    @muscat: Die Strudelfotos haben mich etwas getäuscht. ich dachte, die Frau Mama macht gewickelten Apfelstrudel statt geschichteten.
    .
    @Stendhal: Ihre rheinische Großmutterbringt es richtig auf den Punkt! Danke für das Zitat!
    .
    @DonAlphonso: Sie sind doch eigentlich noch viel zu jung für die Mittellebenskrise! Flucht nach Arco hilft allerding womöglich eh nichts !

  93. deprimierende Aussichten- was...
    deprimierende Aussichten- was machen nur diese Leute den ganzen Tag?! Klingt nicht danach, als wären die intellektuell arg ausgelastet. Empfehle dagegen seine Studienwahl nicht danach auszurichten, wie man mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Geld verdienen kann sondern sich etwas zu suchen, was einen geistig fesselt, fasziniert. Mir tun jedenfalls die Leute leid, die mit ihrem sinnentleerten Leben nichts anzufangen wissen und meinen, die Leere im Kopf und im Herzen würde besser wenn man die zehnte überteuerte Handtasche kauft und sich das x-te mal Botulinumtoxin spritzen lässt. Merke: wer rastet rostet- so banal das auch klingt. Mein Doktorvater könnte in etwa im Alter der beschriebenen Leute sein. Er macht aber keineswegs so einen deprimierenden und deprimierten Eindruck und ich hab das später auch nicht vor;-).

  94. Sehr geehrter Don Alphonso! ...
    Sehr geehrter Don Alphonso!
    Ich fühle mich mal wieder ertappt! Ertappt dabei, mich als Leser in bessere Kreise eingeschlichen zu haben. Dort wo ich aufgewachsen bin, mitten im Ruhrgebiet, dort pflegt man sich auf die späteren Jahre zu freuen. Geben sie doch die Möglichkeit, sich ganz den geliebten Tauben im Hinterhofstall zu widmen. Allerdings nur, sofern man die Staublunge und andere lästige Begleiterscheinungen täglicher, schwerer körperlicher Arbeit überlebt hat.
    Dennoch hat mir ihr Artikel Freude gemacht. Sie beherrschen die Wortmalerei in einem Ausmaß, wie es sich wohl nur ein privilegierter, gelangweilter Zeittotschläger aneignen kann.
    Zugegeben, ein wenig Neid schwingt schon mit, wenn ich ihre Zeilen lese. Allerdings nicht der Neid auf die Dinge, sondern wohl eher ein bissl Neid auf die Möglichkeiten. Möglichkeiten, die „ihren besseren Kreisen“ zwar einerseits weit offen stehen, andererseits aber durch die Last der unverschuldeten Zugehörigkeit zu eben jenen Kreisen versperrt sind.
    Mein Rat an Sie: Beenden Sie Ihre „Mittlebenskrise“ mit einem fröhlichen „geht schon noch“ und lernen Sie ein bissl Zufriedenheit bei den Unterschichten, für die Glück allein in der Abwesenheit von Unglück liegt.
    Mit vorzüglicher Hochachtung und einem vergnügten Gruß!
    Ihr aufmerksamer Leser, Sec

  95. Stendhal, bloß nicht...
    Stendhal, bloß nicht Solarium. Das trocknet die Haut aus und dann sieht man noch schneller aus wie seine eigene Großmutter.
    Krisen kann es eine Menge geben. Die erste, wenn sich das Kind von den Eltern emanzipieren will. Die zweite, vor ca. 10 Jahren aus der Taufe gehoben, ist dann die „Quaterlife Crises“ ( http://de.wikipedia.org/wiki/Quarterlife_Crisis ). Dann gibt es noch die berühmte Midlife Crises. Welche haben Sie denn nun?

  96. Don, "Subkultur? Nun, das was...
    Don, „Subkultur? Nun, das was ich tue, gehört sicher dazu“. Ja und das auch noch in jedem Hergelaufenen der „Rottach“ sucht allgemein zugängliches und kommentierbares Blog zu stellen! Ich glaube das Thema hatten sie schon einmal anderswo angesprochen.
    Übrigens finde ich es beeindruckend, wie Sie sich hier auch nach längerer Abwesenheit durch die Kommentare arbeiten und antworten. Danke!

  97. Werter Don Alphonso,
    ein...

    Werter Don Alphonso,
    ein wunderbarer Beitrag, der mir heute Morgen den grauen norddeutschen Himmel erhellt.
    Aber bitte, was ist Ihnen denn mit dem ersten Satz passiert? Zuviel Kleist im November? Ruheloses Streben nach idealem Glück? Das endet immer bös. Bitte bleiben Sie besonnen!

  98. „Aufstand der Massen der...
    „Aufstand der Massen der Halbgebildeten“
    @Muscat: Meine Leidenschaft gehört dem asiatischen Orient, weniger dem afrikanischen, resp. arabischen. Aber ich kann es mir vorstellen.
    @Filou/codizil: Sie machen mir Freude, die besseren Bücher erhält man heute eigentlich nur noch antiquarisch, also Danke für die Blumen. Auch den von Don Alphonso zitierten und von mir besprochenen Garcian, habe ich natürlich antiquarisch bezogen. Es gab da bislang in der Fressgasse in Frankfurt eine hervorragende Adresse – den Ewald. Leider hats den jetzt auch vertrieben, vielleicht der ständig steigenden Mieten wegen, und/oder: das Gebäude wurde an die Mafia verkauft, oder das immer anspruchsloser gewordene Publikum, hat ihn nur noch gelangweilt. Ach ja: das ist Ihnen ja zu monothematisch. Nun ja: So ist die Welt, nur noch von einem Thema beherrscht – einem kriminellen Kapital und dem sinnlos gewordenen „Aufstand der Massen“ (Ortega). Denn diese Massen herrschen schon, wie es scheint, allerdings nur in der pervertierten Form der „Herrschaft der Spezialisten“, der „Halbgebildeten“ („Epoche der Halbgebildeten“ http://blog.herold-binsack.eu/?paged=3).

  99. Als Don Giovanni fährt man...
    Als Don Giovanni fährt man aus freiem Willen zur Hölle – oder man bekehrt sich. Man jammert nicht über seine schäbige Existenz, indem man sich sagt, die anderen sind auch nicht besser. Bei den Frauen kommt das übrigens auch besser an. Warum also bekommt Don Giovanni eine Oper von Mozart und Don Alphonso nur einen Blog, den er sich selbst schreibt?

  100. Werter Don,
    wir führen ein...

    Werter Don,
    wir führen ein großes Unternehmen, das sich dieser Zielgruppe bereits seit dem 19. Jhd. angenommen hat. Es gab kurzzeitige Ausrutscher in andere Zielgruppen, aber man kehrte reumütig zurück. Ein neues Experiment, das wir ganz deutlich auf die von Ihnen beschriebene Gruppe abgestimmt haben, fillettiert die Menschen extrem.
    Die Menschen, egal ob männlich oder weiblich sind in etwa so ausgeprägt: Gleichmut vor dem Alltäglichen, Langeweile ohne Bildung, Reichtum ohne Anwendungsmöglichkeiten, Alleinsein durch Alter, Einsamkeit durch Überheblichkeit, Verzweiflung durch Faltenbildung bei dem verzweifelten Versuch, 26 Jahre alt zu sein. Es wird einem ein solches Sammelsurium von Kuriositäten vorgeführt, dass ich mir einen ganz genauen Plan machen konnte, wie ich ab dem 50. Lebensjahr sein möchte und wie auf gar keinen Fall. Egal, ob in Partnerschaft oder verwitwet oder anderweitig allein gelassen, egal ob die Banken es geschafft haben, einen vom 50. Platz der Forbesliste zu schmeissen oder durch andere, zum Beispiel gesundheitliche, Gründe beeinträchtigt, werde ich den Traditionen und Werten, die Generationen seit 1549 aufgebaut haben, in angepassterer Form folgen können, OHNE an die Rottacher Krankeit zu geraten, die wir in BLANKENESER Form auch bei uns im Norden haben. Wobei es auch hier egal ist, wie alt das Geld ist. Ein neuester Trend ist zu beobachten: das alte Geld strebt den Lebensformen des neuen, dreckigen Geldes nach. IGITT, aber interessant. Das Fazit scheint zu sein: das neue Geld hat ein Streben nach Öffentlichkeit und das alte Geld sieht es dann als Manko, nicht auch Öffentlichkeit zu haben. Menno! Ich will auch bei RTL2 porträtiert werden für die Nachwelt. Alte Namen reissen ihre hohen Hecken hinfort, um die Sonne der Öffentlichkeit hineinscheinen zu lassen. IGITT, aber ein neuer Trend. Nicht mit uns!
    Beste Grüße von der Binnenalster
    MvB-B

  101. Doctor Snuggles, medchen -...
    Doctor Snuggles, medchen – Ihre künstlerischen Ideen in Ehren, aber mit zunehmendem Alter muß ich leider auch eine abnehmende Energie meinerseits feststellen. Während ich mit Mitte 20 noch einen sagenhaften unternehmerischen und künstlerischen Tatendrang hatte, ist dies heute nicht mehr der Fall. Man hat nach der x-ten gefloppten Geschäftsidee eben keine Lust mehr. Meine Agenturkunden sind zum großen Teil dumme, ungebildete Dilettanten, dort habe ich auch keinen Weltverbesserungsdrang mehr. Kein Mensch ausser mir selbst hat sich jemals sonderlich für meine Ideen und Werke in der bildenden Kunst, Musik, Architekur und Fotografie interessiert (ich verkehre allerdings auch nicht in diesen Kreisen). Und meine letzten diesbezüglichen Energien rauben meine Zwillinge. Man richtet dann seine Prioritäten eben neu aus und geht die Dinge anders an.
    .
    Die meisten haben natürlich wenige Interessen, aber im Prinzip reicht es doch, etwa ein bisschen zu Golfen, Wandern, Urlaube zu machen, zu lesen und dergleichen. Was ist daran eigentlich so schlimm? Der nicht unvermögende Vater meines Trauzeugen, Italiener, hat den ganzen Tag an seinem Bauernhaus in der Toskana gearbeitet. Eine seiner Tätigkeiten war etwa eine Garagentüre aus altem Holz (und alten Nägeln – sind so teuer!!!) zusammenzubauen, damit der dort den Ferrari abstellen kann, den er meinem Freund gekauft hatte. Der sollte nämlich mal ein gescheites Auto fahren. Die Steine für Mauern auf dem Grundstück hat er alle selbst ausgegraben und gestapelt. Wein und Olivenöl produziert uvw. Zwar nicht sehr intellektuell – aber ist das nicht auch irgendwie in Ordnung?

  102. Werter Don Alphonso,...
    Werter Don Alphonso,
    schreiben Sie mehr, das hilft gegen Sinnverlust und die Angst, sich zu einer lebenden Konsumleiche zu entwickeln. Dieses Schicksal ist unbedingt zu vermeiden, ganz egal, ob man dann eine reiche oder eine arme Leiche ist. Es muss ja nicht gleich ein Jahrhundertroman werden.

  103. Lieber Filou, haben Sie...
    Lieber Filou, haben Sie herzlichen Dank für das Bücherpaket, das ich heute wohlbehalten erhielt.
    Da stand er nun der opulent ausgestattete, zweibändige Schuber, etwas dominant und großformatig zwischen den Stw-Bändlein, Hegels Rechtsphilosophie überragend und wollte sich einfach an etwas Größeres anlehnen.
    Ich fand schließlich einen würdigeren Platz zwischen „Werkbuch für Jungen“ und einer etwas angestaubten MEW in blauem Leinen.
    Leider muß ich nun jedesmal in den Keller, wenn ich mich langweile und den Katalog der zeitgemäßen Freizeitbeschäftigungen konsultieren will, oder meinem Neffen erklären muß, warum man kein VWBus-Wohnmobil oder dergleichen will. Immerhin habe ich bei der Gelegenheit einen alten Timberjack-Prospekt, der lange unauffindbar schien, wiedergefunden.
    Hans Meier, Mit einem Kaminfeuer wäre das nicht passiert.

  104. @Doctor Snuggles: Doch das...
    @Doctor Snuggles: Doch das gibt es auch hierzulande. Mir fallen spontan zwei Damen ein, Frau Schulte-Hillen bei den jungen begabten Musikern und der Vergabe von Instrumenten und Frau Gabriele Henkel. Das läuft zwar mit Masse über Stiftungen (und den Deutschen Musikrat usw) aber es werden doch auch Konzerte veranstaltet entweder daheim oder im passenden Ambiente.
    Oder in Rostock verzichtete eine alte hanseatische Familie auf die zustehende Rückerstattung eines Renaissance – Treppengiebelhauses in der City. Und die Restaurierung nach der Wende stiftete sie noch dazu. Heute ist da die City-Stelle der Stadtbücherei drin!
    Allerdings habe ich auch den Eindruck dass wir in diesem Bereich mit der Stifterfreudigkeit zum Beispiel in den USA nicht konkurrieren können, wobei das dort natürlich auch steuerliche Gründe hat.
    Don, Gracians Handorakel als Zitatenquelle bei Ihnen, dabei kannte ich den bisher nur aus den Tagbüchern Ernst Jüngers. Aphoristische Weisheit, das Tellurische wie das Mystische haben den ja noch bis ins ALter angezogen.
    Was die standesgemäßen Nebenbeschäftigungen für Männer aus den Stützen der Gesellschaft angeht, ist uns mit dem mißbrauchten Idealismus eben auch ein guter Teil davon abhanden gekommen. Da hilft auch kein „Schiller-Jahr“!
    Ins Feld, ins Feld, in die Freiheit gezogen
    da wird das Herz noch gewogen….
    Drum frisch Kameraden, den Rappen gezäumt,
    die Brust im Gefechte gelüftet,
    Die Jugend brauset, das Leben schäumt,
    Frisch auf, eh der Geist noch verduftet (dachte er da an Rottach?)
    Und setzet ihr nicht das Leben ein,
    nie wird euch das Leben gewonnen sein.
    (Ich hoffe ich habe aus dem Gedächtnis halbwegs korrekt zitiert)

  105. Pardon, ich war für die...
    Pardon, ich war für die letzten zwei Stunden verhindert, arbeite aber die Kommentare nach.
    .
    prince Matecki, ich nehme die Zitate, wie sie kommen, ohne sie mir wirklich vollumfänglich zueigen zu machen. Bei Gracian ist der Sinn ein etwas anderer, dort geht es wirklich darum, dass man sich im Gegenteil Dinge erleiden und erkämpfen sollte, um sie dann lange zu geniessen – etwas, woran jeder Schlaganfalltote ein Jahr nach der Pensionierung Zweifel hegen und hegeln konnte.

  106. @ Devin08:...
    @ Devin08: http://www.antiquariat-ewald.de/
    @ Mawu: ich arbeite seit einer ganzen Reihe von Jahren in der IT im Großbankenumfeld. Glauben Sie ernsthaft, ich würde noch an die Vernunft der Menschen glauben? Mit bestimmten Dingen muss man sich einfach abfinden: http://www.youtube.com/watch?v=mAg6hQ_v1OI

  107. Oh, mawu, das ist nicht...
    Oh, mawu, das ist nicht schön. Halten Sie durch!

  108. Nix für ungut, MvB-B, aber...
    Nix für ungut, MvB-B, aber altes Geld kann sehr wohl auch SEHR dreckig sein. Allein der Verwesungsgeruch lässt über die Jahrzehnte/-hunderte nach.

  109. Don Ferrando, nun, langsam...
    Don Ferrando, nun, langsam komme ich in das Alter, und je November, desto eher. Und natürlich hilft ein Umzug. Andere geheh vielleicht zum Friseur, ich denke an Umzug.
    .
    medchen, es gibt immer was zu tun, der Haushalt muss organisiert und verwaltet werden, dazu auch das Vermögen, Einladungen sind zu organisieren, ab und an braucht es neue Möbel, und auch Krankheiten oder Körperverbesserungen brauchen ihre Zeit. Keine Sorge, in diesen Kreisen gibt es keine Langweile, und wenn doch: Golf, Fitness, Wellness.

  110. Mawu, noch zu Ihrer Frage:...
    Mawu, noch zu Ihrer Frage: natürlich, wer beschäftigt sich denn nur mit intellektuellen Dingen? Wer keinen Bezug zu anderen Dingen hat, der vergeistigt doch völlig und nimmt immer mehr Abschied vom wahren Leben. Ich arbeite mit Begeisterung im Garten und bekomme da den Kopf frei. Nebenbei läuft der Kellerausbau. Ich mache alles selber, mir kommt da keine „hinzugekaufte Kompetenz“ in Form von Handwerkern oder Gärtnern ins Haus. Dadurch geht es langsamer voran, aber überall stecken meine Gedanken drin. Im übrigen habe ich auch zwei Kinder, sowas erdet immer ganz gut.
    Ich würde auch nie soweit gehen zu behaupten, dass bestimmte Kreise anderen Schichten in irgendeiner Form überlegen wären. Sie haben mehr Geld, jemand hat dort wohl mal etwas geleistet oder tut es noch. Dadurch sind die Kreise zumindest finanziell freier in der Wahl ihrer Lebensgestaltung. Aber: es macht diese Leute nicht automatisch zu etwas Besserem. Das denken nur die Leute, die sich von Fassaden blenden lassen. Das Bessere muss auch durch besseren Inhalt gefüllt sein, ansonsten ist es eben nur eine nette Hülle bzw. nach außen gezeigter Reichtum.
    Wo Sie das Olivenöl erwähnen: wer gerne ißt, dem empfehle ich die Fernsehreihe „Zu Tisch in…“, die auf ARTE läuft. Ebenfalls auf DVDs käuflich zu erwerben. Gekocht wird nicht in Hochglanzkochstudios, es sind keine labernden Moderatoren oder dauergrinsenden Fernsehköche, sondern einfache Leute und Bauern. Sie kochen in ihren Umgebungen das, was ihre Tradition gebietet. Besucht wird dabei ganz Europa. Die DVDs haben noch den Vorteil, dass alle gezeigten Gerichte in Rezeptform dabeiliegen.

  111. Lieber Don, raffen Sie sich...
    Lieber Don, raffen Sie sich auf: http://www.youtube.com/watch?v=Q1-YohnaOzs

  112. Mit was auch immer, aber bitte...
    Mit was auch immer, aber bitte nicht mit Jünger und Hesse.
    Im Ernst, ich schreibe hier gerade die Ideen für die nächsten Monate auf, das ist auch ganz nett, vielleicht eine Reise zu den italienisches Wollwebern rund um Biella, oder auch mal London – gestern bot man mir an, alles inclusive für 35 Euro hin und zurück zu fliegen.

  113. Second Attempt, ja, das wäre...
    Second Attempt, ja, das wäre fein, ein „privilegierter, gelangweilter Zeittotschläger“, wenn überhaupt, dann bin ich relativ privilegiert und das aiuch nur, weil ich Zeit zum Lesen habe – und das wiederum, weil ich Leute, die privat oder von Berufs oder neigung wegen vor der Glotze sitzen,, für, naja, also, jedenfalls: Jedem Gewinn wohnt auch ein Verzicht inne, für jede Torte muss ich auf den Berg, und ob meine Verpflichtungen, von denen hier nichts steht, allen gefallen würden, wage ich auch zu bezweifeln.

  114. Don, was haben Sie gegen...
    Don, was haben Sie gegen Hesse? Nicht intellektuell genug? Ich meine, welcher andere Schriftsteller hat sich schon so auf eigene Kosten in die Korrespondenz mit seinen Lesern geworfen. Da kann so mancher Blogger noch von lernen.

  115. Don, was wollen Sie denn bei...
    Don, was wollen Sie denn bei den Inselaffen? Überteuerte Antiquitäten kaufen (spräche für den Billigflieger)?
    Und woher kommt Ihre Abneigung gegenüber Hesse?

  116. Dochdoch, bitte, schreiben Sie...
    Dochdoch, bitte, schreiben Sie von den Verpflichtungen. Und von jener edlen Haltung des „Ich dien“, mit der Sie sie tragen. Das ist heute schließlich selten geworden. Noch seltener, genaugenommen.

  117. So sehr mir der Beitrag...
    So sehr mir der Beitrag gefällt und ich mich zustimmend von seinem Tenor gefangennehmen lassen möchte: Es ist doch Jammern auf hohem Niveau. Erwähnt wurden bereits die beigen und helleren Windjacken der älteren Gesellschaft, die nicht in Rottach, aber sehr wohl in meiner Heimatstadt das Straßenbild verpesten. Dies ist eine Stadt, die in naher Zukunft eine Menge an Lebensqualität einbüßen wird, da auf Teufel- komm- raus gespart werden muß, wo schon jetzt Schmalhans Küchenmeister ist. „Haushaltssicherungskonzept“ heißt das Stichwort, doch ist das Defizit strukturell, das Sparen wird also nichts nützen und das Unheil in Form der Überschuldung nur hinauszögern. Dies bedeutet, gerade heute bekanntgegeben, das Ende für das städtische Theater und fünf städtische Bäder, erstmal.
    Da lob ich mir doch die Zustände in Rottach! Wer dort, und wenn auch mäkelnd ob der Schar der zutreffend Beschriebenen, weilt, hat noch noch Glück. Obwohl: Nach Torbergs Tante Jolesch behüte uns ja Gott vor allem, was noch ein Glück ist.

  118. Die Verrottachung-Vereggerung...
    Die Verrottachung-Vereggerung ist eine direkte Folge der Auflösung verbindlicher dynastischer und korporativer Strukturen.
    .
    Freiheit, Freiheit, Freiheit wollte das Bürgertum haben und hat sich auch bekommen: Die Freiheit, Geld zu horten und sich Wohnsitz, Religion und Angehörige je nach Marktlage anzuschaffen und wieder abzustoßen.
    .
    Was der Meschpoke dort fehlt wie die Luft zum Atmen, ist ein solides Korsett gesellschaftlicher Zwänge. Familienfeiern und Einladungen, denen man nicht fernbleiben kann, ohne sich und seinen Clan zu diskreditieren; junge Leute, die glücklich verheiratet werden müssen und dafür der Mitwirkung der Verwandten bedürfen; kulturelle Herausforderungen (Jagden, Bälle), bei denen man sich nachhaltig blamieren kann.
    .
    Seine Manieren erlernte der Adel früher am Fürstenhof. Einen Hof gibt es heute nicht mehr, also worüber wundern wir uns.
    .
    Der Terror der Unverbindlichkeit hat uns voll im Griff, das Leben, gleicht einem immerwährenden Inkognito…
    .
    Apropos Kunstförderung: Das Schlimme ist ja nicht, daß irgendwer damit Steuern sparen will, sondern daß die Mäzene („Produzenten“/“Sponsoren“) sich ihrer Rolle irgendwie schämen, und eine Zurückhaltung an den Tag legen, die ich nur als pseudo-vornehm bezeichnen kann. Sie haben sich vom Bürgertum bequatschen lassen und wollen es jetzt so aussehen lassen, als würden Sie dem Künstler nicht reinreden wollen.
    Weil es ja sonst Zensur wäre!
    .
    Als hätten sie seinem „autonomen Genie“, einen Blankoscheck ausgestellt, damit der ganz frei (jaja: frei frei frei) vor sich hinschöpfern darf. Für die Betonkirchen, die Fettecken und phobharmonischen Kakophonien sind dann nicht sie verantwortlich, sondern der Künstler selbst und die üblichen Beiräte, Kuratoiren, Stiftungsmanager und andere Koryphäen, die ihn ausgewählt haben.
    Anstatt zu sagen:
    „Ich habe ihn die Oper so oft umschreiben lassen, bis sie mir gefiel, auch wenn es mich ein Vermögen gekostet hat!“

  119. Herr Meier, das wuerde eine...
    Herr Meier, das wuerde eine vollstaendige Neuschoepfung der „elitaeren“ Kreise
    bedeuten. Mit dem, was uebrig geblieben ist, kann man nur Affen aus dem Urwald locken.
    PS.: Scheisstag gehabt heute?

  120. Hegel, Stalin,...
    Hegel, Stalin, Flüchtigkeitsfehler und der eigene Kopf
    @Dr. Snuggles: Danke, ein echt wertvoller Tipp. Hatte auch schon mal an googeln gedacht. Aber ich weiß nicht, warum ich es nicht getan habe.
    @Poisson: Da hat jemand Ahnung von Hegels Rechtsphilosophie, ohne in dessen „Schatten zu stehen“. Klasse, ich warte auf Ihr Posting zu diesem Thema.
    Zu Stalin, in dessen Schatten – zumindest in theoretischer Hinsicht – stehe ich ganz definitiv, aber nicht innerhalb dessen ideologischen oder gar praktischen Schranken, und ich habe mich dazu schon vor nicht all zu langer Zeit – und des öfteren – geäußert. Es stand mal in meinem Blog. Bedauerlicherweise ist alles vor dem März 2009 aus dem Archiv verschwunden, nach dem letzten Update. Die Beiträge müssen per Hand neu eingelesen werden – bei Gelegenheit.
    Stelle Ihnen aber gerne noch einmal ins Netz, was ich erst im Juli dieses Jahres in Don Alphonsos Blog gepostet hatte, der Auffrischung der Erinnerung wegen. (Ritualbäder zu Schwimmbäder, http://blog.herold-binsack.eu/?p=333). Es beleuchtet wohl nur einen Teilaspekt, aber diesen doch klar und deutlich.
    Danach darf ich doch davon ausgehen, dass das für alle zugänglich ist, was ich da zu Stalin denke und auch offen vertrete, und vor allen Dingen, dass ich meinen eigenen Kopf benutze, Klartext rede, und mich nicht mit Andeutungen zufrieden gebe.
    Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen: es muss natürlich Gracian (nicht Garcian) heißen, Flüchtigkeitsfehler, habe mich wohl mehr geärgert – über so gewisse Bluffer -, als ich mir eingestehen wollte.
    „Stalin, der großrussische Chauvinismus, die USA und die Antihitlerkoalition
    @CaoKy: Oh, Ortega müssen Sie mir nicht entgegenhalten, den zitiere ich selber gerne, wie auch schon geschehen in Strobls Blog („Wenn sie ihre Lieder singen/Immer ein Ausweg“, http://blog.herold-binsack.eu/?p=284). Genau seine Analyse ist es, die mir deutlich gemacht hat, dass „die Massen“ kein Phänomen, keine vernachlässigbare Größe, sondern eine historische Entwicklungstendenz sind. Eine Tendenz, die nicht von ungefähr mit dem Kapitalismus, der Massengesellschaft, der Gesellschaft, der Vergesellschaftung überhaupt, zusammenfällt.
    Mit dem Hitler-Stalin-Pakt hat das Phänomen Stalin-Trotzki nichts zu tun. Ich verurteile diesen Pakt, insofern es sich tatsächlich um einen Pakt handelte. Man muss die Sache ein wenig zerlegen. Stalin wollte eine Front gegen Hitler, schon sehr früh. Mit München begriff er aber, dass der Westen die Faschisten gegen die SU zu lenken, ja gerade zu ködern suchte. Ganz besonders England war daran interessiert. England war sogar bereit Frankreich dafür zu opfern (siehe auch Churchills: „Ich glaube wir haben das falsche Schwein geschlachtet“). Das hätte auch beinahe funktioniert, wenn Stalin nicht diesen Pakt, der ja als Nichtangriffspakt gedacht war, mit Hitler eingegangen wäre. Soweit betrachte ich das Vorgehen Stalins – unter diesem Motiv – noch nachvollziehbar (wenn man so will, schloss auch Lenin einen Pakt mit dem wilhelminischen Deutschland, um der russischen Revolution überhaupt erst den Weg zu öffnen). Auch die Teilung Polens war unter der Bedingung, dass die Sowjetunion damit die Front – zeitweilig – nach Westen verlagert, noch akzeptabel. Der Verlauf des Krieges zeigte, wie wichtig manchmal nur 100 km waren. Alles Weitere war definitiv ein Verrat an der kommunistischen Sache, wie auch am polnischen Volk. Es war Ausdruck jenes großrussischen Chauvinismus, wie ihn Lenin zum Beispiel gerade Stalin des Öfteren vorwarf.
    Und von da an sollte dieser großrussische Chauvinismus überhaupt die In- und Außenpolitik der Sowjetunion beherrschen. Er beherrschte auch teilweise den Charakter der Antihitlerkoalition. Die sich im Klassenkampf befindenden Arbeiterklassen dieser Front wurden ausschließlich durch diese Brille gesehen. Die Klassenkämpfe zum Beispiel streikender Arbeiter in den USA gegen das US-Kapital wurden als trotzkistische Verschwörung abgetan (weil die Arbeiter sich gegen die „kriegsbedingte“ zusätzliche Ausbeutung wehrten), ohne begriffen zu haben, dass deren Interessen, wohl mit der revolutionär-sowjetischen, aber nicht mit der Antihitlerkoalition zu 100 % identisch sein können, so das US-Kapital durch diese Koalition eben nicht den Charakter als Ausbeuterklasse verloren hätte. So komplex die Frage auch war: denn selbstverständlich gab es Sabotageaktionen, von prodeutschen/profaschistischen/faschistischen amerikanischen Kapitalisten, wie u.U. auch von Trotzkisten (für letzteres fehlen mir allerdings die Beweise!), wie überhaupt von Antikommunisten – das lag auf der Hand. Es wäre Sache der Kommunistischen Partei der USA gewesen, hierin Klarheit zu schaffen. Allerdings waren die in den USA, auch und gerade zur Zeit der Antihitlerkoalition unterdrückt, verboten. Es hätte also an den USA gelegen, durch eine Legalisierung der amerik. Kommunistischen Partei , für Klarheit zu sorgen. Aber genau das wollten sie nicht, die Herren des Kapitals. Sie wollten beides: Antihitlerkoalition und Antikommunismus! Und sie fürchteten den sowjetischen Einfluss mehr als den deutschen Faschismus!
    Auch gewisse Aktionen, wie zum Beispiel die mit den Engländern im Iran, zwecks Sicherung des dortigen Öls, sind im Nachhinein als falsch zu beurteilen. Die russisch-revolutionäre Sache wurde damit extrem beschädigt, imperialistisch beschmutzt. Stalin betrachtete alles und ausschließlich unter dem Aspekt der Versorgung der Front. Auch die dem Krieg folgende Weltaufteilung war eine Katastrophe, denn sie diente nicht der Verbreitung des Sozialismus, sondern seiner Desavouierung, seiner Zerstörung, wie ja nun zu erleben war.
    Hätte Stalin nach dem Ende des 2. Weltkrieges die russisch-polnische Grenze wieder hergestellt, so wie sie vor dem Krieg war, wäre das in Ordnung gewesen. Wäre das ein Beweis gewesen, dass er den Krieg nicht zu nutzen gedachte, für großrussische Interessen. Der sog. polnisch-russische Vertrag war eine Farce, da klar war, dass die polnischen Kommunisten definitiv keine Wahl hatten.
    Aber am aller übelsten war Stalins Überrascht sein bzgl. des dann doch deutschen Überfalls der Sowjetunion, so als hätte er wirklich geglaubt, dass die Deutschen Wort zu halten gedachten. Diese Überraschung machte deutlich, dass er diesen Pakt beim Wort nahm, ihm mehr beimaß als er war – Zeitgewinn. Auch seine Aussagen auf den diesem Pakt folgenden Parteitag, waren ein Skandal. Er machte allen Ernstes den Nazis und ihrer Ideologie, ihrem Nationalismus und Rassismus opportunistische Avancen, indem er die „ungelöste nationale Frage“ im Nazideutschland hervorhob. Reine Apologie, unhistorisch und ein Affront gegen die leninistische Theorie vom Imperialismus.
    Es gibt somit keinen Grund, diesen Pakt zu verteidigen, auch nicht im Nachhinein, ob strategischer Gründe – obwohl es die gegeben hat -, wie das die Sowjetunion, auch die nachstalinsche, immer wieder versucht hat zu belegen.
    Nur, wie gesagt, wüsste ich nicht, was das alles mit Trotzki zu tun hat. Um das klar zu stellen: die trotzkistische Linie ist nicht mehr und nicht weniger als linker Sozialdemokratismus, das lässt sich dort nachvollziehen, wo sie politischen Masseneinfluss haben – Frankreich/USA -, somit keine Angelegenheit für eine marxistischen Selbstkritik. Stalins Politik, völlig gleich ob in der Trotzkifrage oder nicht, ist das – eine Frage der Selbstkritik.“(vgl.: http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2009/07/08/gestaendnisse-eines-distanzierten.aspx?CommentPosted=true#commentmessage)

  121. Don, fuer 35 Euro nach London?...
    Don, fuer 35 Euro nach London? Fuer Sie geht diese Rechnung nicht auf. Sie muessten fuer’s Uebergepaeck maechtig viel berappen, denn Sie essen bekanntlich nichts englisches. Das heisst: Futterpackete mitschleppen!

  122. Danke, damit ist klar: ich...
    Danke, damit ist klar: ich gehe doch wieder nach Meran, und ich brauche eh nichts mehr zum Anziehen.
    .
    Devin08, ich fürchte, die Leser kennen hier mein Blog mitunter besser als ich selbst.

  123. @Filou
    Danke der Nachfrage,...

    @Filou
    Danke der Nachfrage, der Tag war okay.
    Sie dürfen die Lernfähigkeit der Menschen nie unterschätzen. Wenn die Anreize da sind, geht es plötzlich ganz schnell.
    Vielleicht leben wir morgen schon wieder im Feudalismus, und alles wird gut.

  124. Dr. Snuggles: Den bundesweit...
    Dr. Snuggles: Den bundesweit größten Etat fürs Kunstsammeln hat das Auswärtige Amt, Museen haben in der Regel Etats unter 1 Mio., arrangieren sich zähneknirschend mit Leihgebern. Größere private Sammler gründen sich früher oder später ihr Privatmuseum – der Menschen Eitelkeit, Banken und andere Industrielle gefallen sich auch im Sammeln – Nicht nur Herzog August von Sachsen dürfte die meiste Zeit die Nase rümpfen, was das Niveau all dieser Sammler angeht. Und dann ist das natürlich inzwischen auch ein globalisiertes Thema. Ein weites, aber spannendes Feld, spätestens seit der Reformationsehr weechselhaft.
    Was meine Krise angeht, wenn ich das wüßte, na dann wäre ich schon weiter, andererseits: soo schlecht haben alle meine drei Großmütter auch wieder nicht ausgesehen, wobei die vermutlich alle, Gott hab sie selig, nie im Solarium waren. Gegen Falten, wenns nur darum geht, hilft übrigens am Besten Speck – Mops oder Ziege, Damen-Wahl.

  125. Kleidung können Sie ja auch...
    Kleidung können Sie ja auch bestens in Italien kaufen.
    Vielleicht kann ihnen ihr Schuhmacher in Bern ja auch einen Schneider alter Schule empfehlen!
    Das Tuch kommt naturgemäß aus Bugella Civitas!
    Ich empfehle Lanificio Bugella. Die weben herrlichen Super 180!

  126. Dr. Snuggles, mich...
    Dr. Snuggles, mich interessiert jetzt doch: Fanden Sie Hesse in jedem Lebensalter gleich gut? Meine Erfahrung ist, dass ich ihn als Teenager und in der Adoleszenz gelesen habe und seitdem nicht mehr sonderlich spannend finde (würde ihn allerdings niemals auf die gleiche Stufe wie Jünger stellen, werter Don, da müsste ich dann doch zu weit in den Keller). Mein Brüderchen liest ihn, aber der ist möglicherweise noch immer in der Adoleszenz. Kommt irgendwann in der Mitte des Lebens das Interesse an Hesse wieder? Hätte ich also meinen Hesse-Bestand doch nicht vollständig an das interessierte Geschwisterkind abschieben sollen? (Zu viele Bücher, zu wenig Platz.)

  127. Hesse und Jünger habe ich in...
    Hesse und Jünger habe ich in einer gewissen Phase gelesen, zwischen 16 und 18, und fand in beiden Fällen Männlichkeiten vor, deren Empfindsamkeit schlimmer als jeder Macho war. Damals las ich auch Brideshead Revisited zum ersten Mal, und das nun war eine Welt, die ich sofort verstanden habe. Das ist der Höllensturz meiner Bildung: Oben schiebt der mokant lächelnde Erzengel, der aussieht wie Anthony Blanche, Goldmund in ein Stahlgewitter voller schlecht riechender Menschen mit dritten Zähnen. (Vielleicht wäre es nicht gar so übel gewesen, wenn Jünger mir rücksichtsvoll als Toter entgegengetreten wäre, und nicht als Jubelperser schwarzbrauner Pfälzer Saumageninhalte. Aber so…)

  128. Das tertium comparationis...
    Das tertium comparationis dieses blogs, also auch der Lebenseinstellung der Kunstfigur Don Alphonso, des Handorakels oder Kunst der Weltklugheit und damit Gracians ebenso wie Ernst Jüngers ist doch der Standpunkt abseits der Masse.
    Masse ist dort wo der kritische Intellekt kapituliert und sich in „Verhandlungen mit dem Zeitgeist“ einlässt (Vorsicht, E.J. Zitat). Daher zitiert Jünger eben auch Gracians inzwischen berühmten Spruch „Denken wie die Wenigen und Reden wie die Meisten“ (Weltklugheit, sozusagen überlebenspraktisch gewendet).
    Wenn der eigene Sohn wegen einer unvorsichtigen Äußerung verhaftet wird, vor Gericht gestellt wird und im Strafbataillon fällt, dann ist Weltklugheit vom Autor nicht nur in der Autorschaft gefordert, sondern auch im Alltag. Damit sind die Tagebuchnotizen dann vielleicht doch glaubwürdig und authentisch.
    Unsere kritische Distanzierung von den Massen ist wohlfeil, erst recht mit dem Erbe der Väter im Rücken.
    Das ist ansonsten sicher nicht auf meinem Mist gewachsen, in der Zeitschrift Sezession, Heft 24 Juni 2008 kann man es bei Till Kinzel Abseits der Masse – Eine Apologie der Absonderung nachlesen. Und Georges Arthur Goldschmidt hätte das sicher auch so unterschrieben.
    Überdies ist die Perspektive solcherart abgesondert lebender und denkender Autoren hinsichtlich des Alters gar nicht so schlecht. Der mehrfach Verwundete benötigte noch mit über 90 keine Brille zum lesen und schrieb weiter unkorrekt vor sich hin, es muss uns ja nicht gefallen.

  129. Jüngers ménage à trois
    @Don...

    Jüngers ménage à trois
    @Don Alphonso: Apropos Ernst Jünger: es gibt von ihm tatsächlich ein einziges kleines Buch, dass man lesen sollte, das literarisch wirklich genießbar und inhaltlich brauchbar ist. Es nennt sich: Der Gordische Knoten. Habe diesem kleinen Werk auch das Verständnis meiner Beziehung zum Orient zu verdanken. Jüngers Ideologie sollte man/muss man ansonsten wirklich scharf kritisieren. Eines seiner schlimmsten Werke ist „Der Arbeiter“. Jedes Wort könnte auch in „Mein Kampf“ stehen, nur nicht so stilistisch geschraubt. Aber viel schlimmer als eines Jüngers Werke sind die, die ihn umgarnten. Es waren nicht nur die Nazis, die er übrigens verabscheute – weniger aus ideologischen Gründen, sondern eher aus Standesdünkel, vermute ich mal -, sondern auch die Bolschewiken. Jüngers Nationalbolschewismus wegen, und im „Interesse der Nationalen Front“, bekam er gar Angebote aus dieser Ecke. Er lehnte ab, zur Schande jener Bolschewisten. Es steigt mir vor Wut die Schamesröte ins Gesicht, wenn ich mir das vor Augen führe. Er lehnte ab, weil er vermutlich die Kommunisten noch mehr verachtete als die Nazis, mit einer gewissen Berechtigung gar, ob dieses Angebotes. Das ist in etwa die schwärzeste Seite in der deutschen kommunistischen Geschichte, und das nicht nur des erlittenen Naziterrrors wegen.
    Was Hesse angeht, das ist wohl Geschmackssache. Ich bevorzuge auch da die etwas älteren Jahrgänge, zum Beispiel Emile Zolas „Meistererzählungen“ – Manesse Verlag.

  130. Das mag so scheinen, allein:...
    Das mag so scheinen, allein: Jünger und Gracian wollen etwas von der Masse, wollen sie bestimmt sehen, gläubig, zu Höherem berufen, sei es nun die gesellschaft Jesu oder die Herrenrasse. Wenn ich mich hier ausgerechnet auf Anthony Blanche beziehe (http://en.wikipedia.org/wiki/Anthony_Blanche), so ist das sein absolut gegenläufiger Ansatz: Er möchte gar nicht, dass irgendwer seinen Vorstellungen folgt. Er hasst den Konformismus, er hat auch keine ösung parat, und seine Weltsicht ist geprägt von einem Gefühl der Bedeutungslosigkeit. Jünger und Gracian haben Ziele.
    .
    Und ich möchte nur plaudern. Man sehe mir das nach, aber ich denke, mit Plaudern kann man einiges erreichen, und anderes zum Glück nicht.

  131. Devin08, da stimme ich gerne...
    Devin08, da stimme ich gerne zu: Jüngers Dünkel gegenüber niedrigeren Schichten entsprach aber sicher auch dem Zeitgeist, den man aus dem Austrofaschismus oder weiten Teilen der Upper Class in England jener Tage kannte, man lese dazu etwa Nancy Mitford und E.M. Foster, oder, um ein anderes Beispiel zu nennen, die französisch-klerikal-konservative Elite der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die uns in den Vierteln der Reichen von Aragon gegenübertritt, oder so meisterhaft im Fall von Paris von Ilja Ehrenburg geschildert wird. Das mag einem Jünger vielleicht nicht behagt haben, dieses Modische des Arbeiterhasses nach dem 1. Weltkrieg, aber so oder so ist es kein Verdienst.

  132. @prince...
    @prince M.
    Altesse,
    Absonderung als solche finde ich gut, aber die Absoderungs-Pose als Mittel zur massenkompatiblen Selbststilisierung finde ich ekelhafter als Privatfernsehen.
    .
    Das waren Zeiten, als die Backfische noch von Harry Steppenwolf verrückt waren und nicht von Harry Potter.
    .
    Aufgepaßt: Der kritische Intellekt kann auch in Einsamkeit vor der Masse kapitulieren.

  133. Die französisch klerikal...
    Die französisch klerikal konservative Elite kannte Jünger gut ( das kann man transitiv und intransitiv lesen). Nach 1940 noch besser….
    Nun, er hatte zu Beginn der 30er zunächst eine Frau, dann auch zwei Söhne zu ernähren. Das erzwang Kompromisse um überhaupt Zeilenhonorar zu erhalten. Gleichzeitig war das Vermögen der Eltern sowohl durch den Krieg, sodann durch die Inflation und danach durch die Wirtschaftskrise dezimiert worden. In Stahlgewittern war ein „longseller“, also ein Buch das regelmäßig kleine bis mittlere Stückzahlen verkauft. Gemessen an E M Remarque (und selbst E L Renn, E Köppen usw) kein Bestseller.
    Er ist immer da gut wo er aphoristisch ist, in der Arbeiter findet sich auch:
    Der Kirche täten ein paar glaubwürdige Heilige in unserer Zeit mehr Not als tausend kluge Theologen (mal wieder ungenau aus dem Gedächtnis, das Buch steht in der anderen Wohnung). Das passt selbst heute noch.
    Die Marmorklippen kann man sicher nicht als Affirmation faschistoider Schlächterei lesen, und die Stahlgewitter hat er nach 34 zusehends verknappender und elliptischer gefasst, von jeder pejorativen Bewertung des Feindes getilgt. Leider ist die komplexe Editionsgeschichte seiner Überarbeitungen dieses Buches in Deutschland zwar beforscht, aber nicht editiert. Nur die neue Ausgabe auf französisch in der Editions de la Pléiade versucht die Varianten mit den Daten und dem warum wenigstens per Fußnote oder Anhang anzugeben.

  134. Achso, der Besuch des...
    Achso, der Besuch des Pfälzers hat ihn wohl eher irritiert, über Mitterand hat er sich gefreut. Leider war der eine nicht ohne den anderen Besucher zu haben

  135. <p>HansMeier555, jeder...
    HansMeier555, jeder stilisiert sich hier selbst – das liegt in der Natur des Plauderns und ist durchaus begrüssenswert.

  136. Werben, das keines ist,...
    Werben, das keines ist, Geschichte die keine ist
    @Don Alphonso: Sie haben natürlich recht. Doch bedeutet das nicht, dass man deswegen auf eine eigene Sicht der Dinge verzichten soll, und auch nicht, dass man dafür nicht wirbt. Wäre das anders, dann hätten wir nichts mehr zu sagen, und wir könnten genau so gut schweigen. Nur ist nicht alles entscheidend, ob einem da irgendwohin gefolgt wird, sondern, ob der Diskurs fruchtbar ist. So kann ich mich mit Leuten, die ganz und gar nicht meiner Auffassung sind – und dies auch bleiben – sehr gut unterhalten, mit Leuten, die meiner Auffassung sind, oder gar all zu schnell auf meine Position wechseln, wohl eher nicht, denn wo wäre da noch der Diskurs? So geht es mir auch mit Leuten wie Jünger, Gracian, Ortega…Sie alle haben mir was mitzuteilen, aus einer ansonsten völlig fremden Perspektive. Das Beste daran ist, dass sie nicht mehr leben, und mir daher weder widersprechen noch folgen, sie bleiben eisern, und ich kann mich daran abarbeiten, neue Perspektiven gewinnen. Ihre Ideologie, unter Umständen gar das ganze theoretische Gebäude auf dem diese steht, unterwerfe ich dabei meiner Kritik. Und so wird es wohl auch mit meinen Ansichten gehen. Sie unterliegen der Kritik. Nur geht es nicht, dass man diese entstellt, einer billigen Polemik wegen, da werde ich sauer.
    Und was Ihr „Geplauder“ angeht, das verstehe ich so, dass Sie für ein Werben werben, das keines ist. Das ist aber kein Geplauder, nicht im umfänglichen Sinne des Wortes. Denn zumindest planen Sie Ihr „Geplauder“, und damit widersprechen Sie in wenigstens einem Punkt dem, was in Wikipedia darüber steht (http://de.wikipedia.org/wiki/Alltagsgespr%C3%A4ch). Vorurteilsfrei, intersubjektiv, ja, das würde ich unterschreiben. Wobei natürlich niemand „vorurteilsfrei“ ist, aber doch der eine oder andere dazu fähig, diese, seine Vorurteile, zurück zu stellen, des Geplauders/des Diskurses wegen.
    Noch mal zu Jünger: Auch ein Thomas Mann war ein verbohrter Nationalist und voll des Standesdünkels; Antisemiten waren doch beinahe alle bürgerlichen Intellektuelle, das gehörte zum guten Ton, wenigstens seit jenem ‚Geheimrat‘, bekannt unter ‚Goethe‘.
    Meine Versuche einen solchen Antisemitismus eines Goethe, wie auch bei einem Walser, eben nicht vergessen zu machen, sind allesamt an der Zensur der FAZ gescheitert, fein säuberlich raus geschnitten worden, sind sie – der Rest blieb stehen, so, dass ich die Zensur beinahe selber nicht bemerkte. Selbst ein Frank Schirrmacher scheint da vergessen zu wollen, was er mal zu einem Walser sagte, wegen dessen antisemitischen Ausfällen gegen Reich-Ranicki. Ein doppelt schäbiges Verhalten, seitens eines Walsers, aber auch eines Schirrmachers, da da nicht nur Antisemitismus mit im Spiel war, sondern blanker Neid, jedenfalls auf Seiten Walsers, ob des Juden „Genialität“, eine jene, die einem Walser, allein deswegen schon auf immer verwehrt sein wird. Im Lesesaal solches zur Kritik zu machen, kommt nicht gut an, und das nur des guten Ton wegens, eines gewissen literarischen Geplauders.
    Diese und andere mehr oder weniger doch noch Anekdoten zeigen aber, dass ein Jünger mehr in der Tradition der deutschen Literatur steht, als zum Beispiel ein gewisser Heinrich (Der Untertan), auch aus der Familie der Manns.
    Es macht daher wenig Sinn einen Jünger heraus zu nehmen, besser doch einen Heinrich Mann. Der Rest kann da bleiben wo er ist, wegen mir auch im Rampenlicht der Geschichte, denn eines Heinrichs Geschichte gehört da eher nicht hin, denn sie ist aus der Perspektive der Verlierer geschrieben.
    Aber diese hervor zu holen, diese Verlierer, aus den Folterkellern der literarischen Inquisition sozusagen, macht sie u. U. posthum zu Gewinner. Und wie ärgerlich das ankommt, zeigen solche Betitelungen wie „monothematisch“, hier in diesem Blog. In der Tat: Es geht mir ausschließlich darum, die Untertanen aus ihren Verliesen zu holen. Wenn da der eine oder andere „Untote“ dabei zu Staub verfallen sollte, wäre das das Wagnis trotzdem wert. Es bleibt doch hoffentlich noch genug Substanz.

  137. @Don
    Hier ist es ja okay. Aber...

    @Don
    Hier ist es ja okay. Aber die Absonderungspose von Leuten wie Jünger, Heidegger, George ist mir doch suspekt. Diese Personen selbst betrachte ich ja durchaus mit wohlwollendem Humor, aber das Gewese, das die Groupis um ihre Gurus mitunter veranstalten … dann doch lieber Stefan Raab.
    .
    @Prince Matecki
    Danke für Ihre Hinweise zu Jünger. Aber wie kommen Sie in diesem Zusammenhang auf Georges Goldschmidt? Die Einsamkeit der Berge, jaja, aber zwischen Jäger und Wild besteht doch ein Unterschied, der nicht überbrückt werden kann.

  138. wazzerpfärdt, Hesse kann...
    wazzerpfärdt, Hesse kann immer gut von Sinn-Suchenden gelesen werden, egal in welchem Alter. Sicherlich, es gibt Werke wie „Unterm Rad“, die passen eher zu den Teenagern. Umgekehrt gibt es auch Werke, die für Teenager wohl weniger interessant sind, wie z.B. sein „Klein und Wagner“, „Die Morgenlandfahrt“, sein Alterswerk „Das Glasperlenspiel“ oder die Sammlung „Mit der Reife wird man immer jünger“. Sehr schön ist auch „Freude am Garten“ für alle die, die gerne mal zur Schaufel greifen oder „Italien“. Von daher finde ich bei Hesse immer etwas, was passt. Sicherlich lese ich heute nicht mehr einen „Peter Camenzind“, aber es gibt genügend andere Literatur von ihm, zu der ich gerne greife. Ich muss aber auch sagen, dass Hesse bei mir im Bücherschrank alleine drei Reihen füllt, daher kenne ich bestimmt auch mehr von und über Hesse als der Durchschnittsleser. Die Äußerung vom Don, er habe Hesse zwischen 16 und 18 gelesen (und die vorgegangene Äußerung, er wolle nichts mehr von Hesse hören), klingt doch sehr für mich nach „ich bin jetzt groß und lese nur noch ernsthafte Sachen“. Nun ja, jedem so, wie es beliebt.

  139. Ich darf an der Stelle...
    Ich darf an der Stelle allgemein und auch im Speziellen vielleicht die Definition von Wikipedia ablehnen und auf das verweisen, was besagter Anthony Blanche über Plaudereien sagt:
    .
    Conversation should be like juggling; up go the balls and the plates, up and over, in and out, good solid objects that glitter in the footlights and fall with a bang if you miss them.

  140. Auf Goldschmidt kam ich wegen...
    Auf Goldschmidt kam ich wegen des Titels, Die Absonderung ist einer seiner Romantitel. Übrigens beschreibt er ja gerade den Zwiespalt nicht nur gedemütigt zu sein sondern das auch noch ganz in Ordnung zu finden. Das ging ja bis ins erotische und masochistische hinein. Übrigens hat ein als Jugendlicher vom Balkan in die USA emigrierter bekannter Psychoanalytiker in einem wenig beachteten Buch über Jugend und Kindheit gleiches beschrieben. Es scheint also beim Herausgerissen sein aus einer Kultur in eine andere durchaus häufiger aufzutreten. Das könnte man dann auch auf Heinrich Mann wenden. Und Thomas durchmaß ja einige schneidige Kurven, so to speak, von Friedrich und die große Koalition 1914 über Betrachtungen eines Unpolitischen bis hin zu den Ansprachen im Radio während des Krieges.

  141. Not quite like Beethoven, man...
    Not quite like Beethoven, man erträgt solche Texte leichter, wenn sie von unten kommen, als wenn sie von jemandem stammen, dem man eher schlecht ein Neidmotiv anhängen kann. Das macht es auch so unerfreulich, mit dem hier umzugehen.
    Windsbraut, gern geschehen. Ich wollte im ersten Absatz einfach mal wieder einen ganz langen Satz schreiben, weil das nach Überzeuging vieler Kollegen abschreckt und die Leser vertreibt. Obwohl, kollegen sollte ich sie vielleicht nicht nennen.

  142. Ich empfehle die Jünger...
    Ich empfehle die Jünger Tagebücher. Eigentlich Reisetagebücher und die Reihe ,,Siebzig verweht“ Die Romane sind ausser Stahlgewitter fast unlesbar. Die Tagebücher aber glühen voll Traumdeutungen, Beobachtungen und oftmals treffenden Aphorismen. Seine Weltdeutung schöpft aus ganz anderen Quellen als den allgemein gebräuchlichen. Hier möchte ich prince mateki zustimmen in seiner Einschätzung. Interessanterweise wird er in Frankreich sehr verehrt, fast alles ist ständig erhältlich.

  143. Don Giovanni. Lesen Sie...
    Don Giovanni. Lesen Sie gefälligst Da Pontes Libretto, bevor Sie hier nochmal aufschlagen. Ich lese hier gerne Meinungen, aber keine miserable Viertelbildung.
    .
    MarkusvonBentheim-Burg, man sah ja in den letzten Jahren, wie es sie russisch-amerikanische Krankheit durch Impertinenz und Beharren geschafft hat, stilbildend zu werden. Ein obszönes Bankerbesäufnis wie die Art Miami hätte es früher nicht gegeben, wie auch Glitzerkram und Swarovski-Klimbim. Allein, das ist nicht immer und überall so, es gibt eben solche und seuche.

  144. Goldschmidt hatte aber keine...
    Goldschmidt hatte aber keine Wahl. Seine Absonderung ist auch die Abspaltung von sich selbst. So hofft der erbärmliche Bettnässer psychisch zu überleben, im Wissen darum, daß sein physisches Überleben von den sadistischen Erzieherinnen abhängt.
    .
    @Don
    Das ancien régime ging an Plauderei zugrunde, vielleicht können wir es auch durch Plauderei neu errichten?

  145. Hat nicht vorhin irgendwer was...
    Hat nicht vorhin irgendwer was von Harry Potter gefaselt? Ach ja, der Meier Hans, danke. Weltliteratur, nicht wahr? Wird in Lappland, aber auch in Rottach gelesen. Wie geht man eigentlich mit erwiesenermaßen nicht-grenzdebilen Personen aus dem Bekanntenkreis um, die mit leuchtenden Augen erzählen, dass sie ihre H.P.-Bände bereits zum zweiten Mal lesen, um die Zeit bis zum Erscheinen des neuesten Bandes zu überbrücken?

  146. <<Wie geht man eigentlich mit...
    < >
    @muscat: solchen Leuten möchte man nicht vorgestellt werden

  147. ...
    @muscat
    Globalisierungsliteratur würde ich das nennen. Als Kinderbuch bestimmt nicht schlechter als andere Klassiker.
    .
    Wie man damit umgeht? Erzählen Sie einfach irgendwas ganz peinliches über sich selbst, was Sie selbst ihrem Ehepartner in 20 Jahren nicht gestanden haben. Ich meine, um das Gleichgewicht wiederherzustellen.
    .
    Eine meiner Nichten bewarb sich unlängst um die Aufnahme an einer sehr bekannten angelsächsischen Elite-Hochschule. Dort wurde im Fragebogen auch nach der Lieblingsliteratur gefragt. Gegen meinen Rat hat sie wahrheitsgemäß „Harry Potter“ angegeben — und erhielt ihren Studienplatz. Zumal es auf dem Campus auch beinahe aussieht wie bei Hogwards.

  148. Erwiesenermaßen grenzdebilde...
    Erwiesenermaßen grenzdebilde Hegel-Heidegger-Esoteriker sind schlimmer. Bei Potter ist der Hokuspokus wenigstens unterhaltsam.

  149. Don Ferrando, dann haben Sie...
    Don Ferrando, dann haben Sie bisher wohl einfach Glück gehabt. Ich sag´s Ihnen, H.P. ist ausnahmsweise kein Schichtenphänomen und daher nur sehr schwer in der ersten Phase des Kennenlernens auszumachen.

  150. Potter für...
    Potter für Erwachsene?
    @Muscat: Lesen auch Erwachsene Potter? Hab da mal im Fernsehen eine Dokusendung zu gesehen. Alles aus antiken Vorlagen zusammengeschmökerter und völlig verhunzter Mist, so ähnlich wie ‚Stargate‘ (dieses nach Dänikens Vorlagen), nur eben eigentlich für Kinder.
    @Don Alphonso: Das mit den Viertel-Gebildeten ist gut. Bei Ortega kommen die gar nicht vor, offenbar unter jeder Beschreibung.
    Suche da übrigens eine gute Ortega-Rezeption. Hat da jemand einen Tipp?

  151. @Devin08, HansMeier:...
    @Devin08, HansMeier: Globalisierungsliteratur, meinetwegen. Macht es nicht besser und nein, auch nicht unterhaltsamer. Aber trotzdem danke für den Tipp.
    Für mich hat die (nicht H.P.- sondern damals noch Hohlbein-)Phase im Alter von 12 oder 13 Jahren geendet. Ich hatte ein paar von den Wälzern gelesen und mir jedes Mal gedacht, so und wann kommt jetzt endlich was mit F….. ?
    Damit das gleich klar ist: Ich würde nie „Fantasy“ sagen, zumindest nicht beim Don.

  152. Don (o9.20 Uhr): nein, es war...
    Don (o9.20 Uhr): nein, es war noch nicht im Ramsch. Aber so genau weiss ich das natuerlich nicht. Ich wurde besinnungslos, und man rettete mich im letzten Moment.
    Auch meine Promotionsschrift `Die Niederlande als Strafanstalt fuer Deutsche im Offenen Vollzug` lag noch nicht auf den Tapeziertischen.

  153. @muscat
    Sehen Sie, Harry...

    @muscat
    Sehen Sie, Harry Potter ist eine Subkultur, und internetbedingt existiert längst ein Ozean an apokrypher Harry-Potter-Literatur, wo tausende von Jugendlichen aus aller Welt ihre erzählerischen Talente erproben.
    Auch der 13jährige muscat hätte da auf alle Fragen schnelle Antworten gefunden.

  154. Oper für Mozart
    @Don...

    Oper für Mozart
    @Don Giovanni: Ich denke, Sie haben da was missverstanden. Don Giovanni hat keine Oper von Mozart bekommen, er hat eine Oper für Mozart gelebt.

  155. Ich halte die gegenwärtige...
    Ich halte die gegenwärtige Zukunft für wahrscheinlicher, als eine „zukünftliche Vergangenheit“.
    .
    Klasse: neben mir liegt klein,dunkelgrün ledern mit Goldschnitt das Hand-Orakel der Weltklugheit-und das rote Bändchen auf Seite 41….und passend zum Artikel:“….das meiste und Beste, was wir haben, hängt von anderen ab. Wir müssen entweder unter Freunden oder unter Feinden leben….“
    Ich freu mich,lieber Don.
    ( Die Übersetzung ist natürlich von Schopenhauer,falls die Kommentatorin Kleist ihr zugeordnet haben sollte, zur Erklärung)

  156. Muscat, habe einmal ein Buch...
    Muscat, habe einmal ein Buch von Hohlbein gelesen. Verstehe nicht, was die Leute daran finden. Aber ich mag auch dieses ganze Fantasy-Gedöns nicht so sehr.
    HansMeier555, diese Subkulturen gibt es mittlerweile viele. Es haben sich auch ganze Universen rund um Star Wars und Star Trek gebildet, mit zahlreichen Vorgeschichten, Parallelsträngen, usw. Ist schon Wahnsinn, wie die Leute darin versinken. Oder wenn wir mal den westlichen Raum verlassen und nach Japan gehen zu ihren Mangas, das sind ja z.T. auch recht komplexe Geschichten, die über Jahre laufen. Kein Wunder, wenn sie da jemand richtig reinkniet und anschließend nichts mehr von seinem Platz in der hiesigen Realität wissen will.

  157. Guten Morgen,
    @maWu,...

    Guten Morgen,
    @maWu, natürlich ist das in Ordnung- solange man das was man tut gerne tut und mit dem Herzen dabei ist. Mir kamen beim Lesen diese bepelzmäntelten Rottacher nur nicht besonders glücklich vor. Aber vielleicht sind sie das ja, wer weiß das schon?
    In diesem Sinne, allen einen schönen sonnigen Spätherbsttag!

  158. Wie in alten Zeiten, beim...
    Wie in alten Zeiten, beim Lesen dieser vielen Zeilen komme ich mir vor wie im Hauptseminar, immer wieder gibt es was zu lachen, und man geht raus mit dem Gefühl, daß man zwar nix gelernt hat, aber jetzt ganz schnell irgendwelche Bücher lesen muß, die man bis dato aus unerfindlichen Gründen versäumt hat.
    HansMeyer, vielen Dank.

  159. Sehr geehrter Don,
    bezüglich...

    Sehr geehrter Don,
    bezüglich Harry Potter halte ich es mit tsun tse, der vereinfacht in seinem Werk über den Krieg schrieb, dass man seinen Gegener, in diesem Fall Potter, genau kennen muss, um ihn, Harry, zu besiegen. Ich habe durch Bekannte ein Hörbuch in die Hand bekommen und es gehört. Rufus Beck liest H. Potter. Man kann sich oberflächlich betrachtet einem gewissen Reiz nicht entziehen. Es wird Spannung aufgebaut aber viel viel zu lang gehalten, insgesamt riesige Längen überhaupt und dann am Ende: nix. Es verbleibt ein schaler Beigeschmack, die Frage: was sollte das? Warum musste der oder die jetzt sterben? was hat das für den Handlungsstrang jetzt gebracht? Fazit: die gesamte Geschichte hätte ein guter Autor und nicht eine Arbeitslose in einem halben Band in normal grosser Schrift mit mehr Geschmack und besserer Handlung zusammengefasst. Aber von Marketing versteht Frau Rohling etwas, oder die die sie promoten…
    Meine Kinder werden dieses Werk nicht zu lesen bekommen. Sie werden im Umkehrschluss aber auch nicht gezwungen, Erich Fromm zu lesen. Vielleicht ein wenig Banditendoktor und Patricia Highsmith….
    Beste Grüße aus dem Literaturkrieg am Ballindamm
    MvB-B

  160. Stendhal, die Kunst der...
    Stendhal, die Kunst der Abschweifung ist eine grosse Kunst.
    .
    MarkusvonBentheim-Burg, ich fürchte, ich habe dieses Werk gar nicht thematisert, das alles liegt mir einfach nur fern.

  161. Herr von Bentheim, Ihre Kinder...
    Herr von Bentheim, Ihre Kinder werden das lesen, was sie wollen, wenn sie denn lesen wollen, spätestens ab 10. Diese Entscheidung haben Sie nicht in der Hand. Oder haben Sie nicht unter der Bettdecke die Bravo gelesen?

  162. <p>Also, in dem Alter war ich...
    Also, in dem Alter war ich auch schon arrogant genug, um verächtlich auf Bravoleser herabzuschauen.

  163. Don, jetzt sind wir aber alle...
    Don, jetzt sind wir aber alle gespannt: Wer oder was hat Sie dann aufgeklärt?
    Oder sind Sie gar – die Theorie überspringend – mit 16 am Strand… von der 31jährigen, die um die Schultern nur ihr langes Haar trug…?

  164. Nicht nur Sie, verehrter...
    Nicht nur Sie, verehrter Meister. Auch die LeserInnen konnten meiner Verachtung sicher sein. Andererseits: Man wusste dann immer, wie man die dazugehoerigen Maedchen anschmusen konnte. Manchmal erfolgreich, oft auch nicht.

  165. muscat, das ist eine...
    muscat, das ist eine indiskrete Frage. Aber irgendwann bekam ich Mirabeaus Bekehrung in die Finger.

  166. So so..... 50-Jährige im...
    So so….. 50-Jährige im Porsche sind also „entsetzlich“! Könnte man PORSCHE evtl. näher definieren? Ist mehr so die Boxster/Cayman-Fraktion gemeint oder wollen Sie wirklich an den 911 ran? Naja… mit etwas Wohlwollen gehe ich auch noch als 47-Jähriger durch!

  167. Merci Don, geht doch. Das...
    Merci Don, geht doch. Das stand mir jetzt zu, nachdem Sie mir schon das Strudel-Rezept verweigert haben.
    Ich werde mal ein bißchen beim Grafen blättern und gucken, ob der mit meinem alten WAS ist WAS-Band „Mann+Frau“ mithalten kann.

  168. Harry Potter ist doch für...
    Harry Potter ist doch für Kinder. Die Erwachsenen lesen Dan Brown.

  169. Oberschwabe, damit ist doch...
    Oberschwabe, damit ist doch nur eine ganz bestimmte Personengruppe gemeint: die Aufreißer in Münchner Nobeldiscos, die ganz deutlich über dem durchschnittlichen Alter des Publikums liegen. Aber wenn’s den Mädels gefällt… die Typen haben sicher ihren Spaß und die gleichaltrigen Burschen sind natürlich sauer – eigentlich schon irgendwie lustig, wenn man’s sich genauer überlegt, jetzt, aus der etwas älteren Perspektive!

  170. Hans Meier, Absonderung als...
    Hans Meier, Absonderung als Absonderung („solche“) ist natürlich hohles Gewäsch und endet in Rottach:
    .
    „Die weitere Schwierigkeit aber kommt von der Seite, daß der Mensch denkt und im Denken seine Freiheit und den Grund der Sittlichkeit sucht. Dieses Recht, so hoch, so göttlich es ist, wird aber in Unrecht verkehrt, wenn nur dies für Denken gilt und das Denken nur dann sich frei weiß, insofern es vom Allgemein-Anerkannten und Gültigen abweiche und sich etwas Besonderes zu erfinden gewußt habe.“
    Wikipedist, omnis definitio periculosa wie überhaupt Lexika oft der Halb- bis Vierteldummheit Vorschub geben.

  171. Sehr geehrter Don, sehr...
    Sehr geehrter Don, sehr geehrter Stendhal,
    in der zweigeschossigen Bibliothek der Vorfahren und bis heute gibt es eine große abschließbare, und meistens auch abgeschlossene, Vitrine mit der Art Bücher, die nicht vor 18 oder zumindest nicht vor einer gewissen sittlichen Reife gelesen wurde/wird.
    Ich werde habe mit den Sprößlingen des Geschlechts ein sehr gutes Einvernehmen, sodass ein Verbot gar nicht notwendig ist. Die Bravo kenne ich – wie der Don – nur vom Hörensagen.
    Der einzige erträgliche, weil puristische Porsche ist der s.g. Gummipufferporsche aus den 1970ern. Sehr schön, leicht schnell, ein Klassiker. Alles was danach kam, ist für Menschen, die nicht fahren können, aber Porsche fahren wollen. Voller anfälliger Technik und blöder Fahrhilfen für Doofe. Unser altes Kindermädchen bekam zum 50. Dienstjubiläum den abgelegten Porsche meines Vaters. Freude war groß, Kindermädchen sehr bald danach tot. An Porschetitis am Fahrbahnrand eingegangen…Tragisch….
    Beste Grüße aus der Garage
    MvB-B

  172. @poisson
    Die "Absonderung als...

    @poisson
    Die „Absonderung als solche“ ist für mich kein Ideal, kein Fetisch und bestimmt nicht Ergebnis eitler Originalitätssucht. Ich sehe sie mehr als eine Haltung, zu der Menschen (meist unfreiwillig) Zuflucht nehmen müssen, wenn sie keine andere Möglichkeit sehen, mit sich selbst im Reinen zu bleiben.
    Schöner ist es natürlich, wenn man im vollen Einklang mit seiner Umgebung genau das tun kann, was man für richtig hält. Das ist es, was ich anderen wünsche.

  173. Euer Durchlaucht, Altesse,...
    Euer Durchlaucht, Altesse, sehr veehrte Damen und Herren
    wie sollen wir die Kinderbuchdebatte zum Thema des Blogs zurückführen ohne Hinweis auf Donald Duck? Den lustigen Taschenbüchern verdanke ich mindestens 70 Prozent meiner Bildung. Den eben von Donald-Duck-Geschichten und nicht aus anderen Quellen bin zum ersten Mal mit den Ikonen abendländischer Kultur in Berührung gekommen: Mit Homers und Shakespeare’s sämtlichen Werken vorweg (Donald als Hamlet, Dagobert als Kaufmann von Venedig), dem Lächeln der Mona Lisa und Schiller („wir wollen sein ein einig Volk von Neffen, Onkel Donald trotzen in jeder GEfahr“) über die trivialen Stoffen von 1001 Nacht bis zu James Bond, und nicht zuletzt der menschlichen Grundsituation des unglücklichen Berufserben Donald Duck, des „schlechteren Neffen aus besserem Haus“. Auch über den Kapitalismus wissen Mickymausleser schon alles.

  174. @Don: also doch das Hotel. Ja,...
    @Don: also doch das Hotel. Ja, das Unverständnis teile ich, zumindest wenn ich dieses Bild sehe. Für mich sieht das aus wie eine KdF-Anstalt oder eine ehemalige Fabrik oder derlei, und die Glasscherben reißens auch nicht wirklich raus. Allerdings muß ich sagen, wenn man das den Leuten als schick verkaufen kann, ist man ein fähiger Verkäufer. Ich könnts nicht. – Ihre Träume von der Villa Minerva haben meine Sympathie. Es ist ein schönes Gebäude, wert, daß es jemand mit Geld und Verstand instandsetzt. Erfahrung mit denkmalwürdigen Häusern haben sie ja. Die Bauherrenrolle zu übernehmen, ist eine fordernde Aufgabe; und die Sache wird nur gut, wenn man auch bereit ist, das zu tun. – Die Frage ist halt, will man mit 40 nochmal auswandern oder nicht. Andere Sprache, andere Leute, andere Lebensart – es ist schon eine gewisse Umgewöhnung. Denn nur als Ferienhaus, bei dem man 2 Monate im Jahr den Wasserhahn aufdreht, wird es wahrscheinlich nicht einzurichten sein.

  175. Guten Morgen,
    habe mich...

    Guten Morgen,
    habe mich gestern bei allerbestem Frühlingswetter an das Steuer meines Targa gesetzt und bin in die Holsteinische Schweiz auf eines unserer Güter gefahren. Herrlich. Halboffeen, grollender Motor und die wunderschönen Wege rund um Sierhaben und Hasselburg. Kann ich jedem nur empfehlen.
    Die Lustigen Taschenbücher des HansMeier555 habe ich auch lesen dürfen. Schade nur, dass es diese nicht ledergebunden oder als Hardcover gibt. So sehen sie nach dem ersten Lesen aus, als habe man sie einem Obdachlosen entwunden.
    Musiktipp fürs Wochenende Pieter Porters Pictures of Passion I und II. Eine exzellente Zusammenstellung von Musik.
    Beste Grüße
    MvB-B

  176. Ich möchte die Gelegenheit...
    Ich möchte die Gelegenheit nutzen und um mehr gegenseitige Wertschätzung bitten.

  177. .
    Mit gelben Birnen...

    .
    Mit gelben Birnen hänget
    Und voll mit wilden Rosen
    Das Land in den See,
    Ihr holden Schwäne,
    Und trunken von Küssen
    Tunkt ihr das Haupt
    Ins heilignüchterne Wasser.
    .
    Weh mir, wo nehm ich, wenn
    Es Winter ist, die Blumen, und wo
    Den Sonnenschein,
    Und Schatten der Erde?
    Die Mauern stehn
    Sprachlos und kalt, im Winde
    Klirren die Fahnen

  178. Oh, das Lieblingsgedicht...
    Oh, das Lieblingsgedicht meiner Frau Mama.

  179. Möge sie stolz sein auf ihre...
    Möge sie stolz sein auf ihre Kinder.

  180. es fiel mir leicht nach Beginn...
    es fiel mir leicht nach Beginn der Lektüre das Lesen dieses Schwachsinns zu beenden.

  181. Schön für Sie!...
    Schön für Sie!

  182. Sehr vereehrter Don! Ihre...
    Sehr vereehrter Don! Ihre Emfindungen kann ich sehr gut nachvollziehen. Vor zwei Jahren war ich in St. Moritz, wie Sie sich sicher erinnern:
    http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2010/01/17/luxussorgen-oder-ein-versuch-ueber-das-unglueck-der-reichen.aspx
    Da gibt’s ein sehr ähnliches Publikum. Aber einmal hingehen, war schon interessant.

Kommentare sind deaktiviert.