Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Die Bestrafung der amoralischen Berufspartymacher

| 215 Lesermeinungen

Zu jedem guten Gesellschaftsroman gehört natürlich das Schlagen über die vorgegebenen Stränge, wie auch die unausweichliche Bestrafung dieses Verhaltens, damit alle am Ende glücklich und die Leser moralisch aufgewertet sind. Der sorglose, junge Verschwender dagegen sieht sich im Roman allerlei Übel ausgesetzt, das zu vertiefen hier sinnlos ist, denn wie jeder weiss, der so etwas selbst erlebt hat: Dergleichen hat nie Spätfolgen, nie rafft ein böses Schicksal den Sünder dahin, allenfalls etwas Melancholie befällt einen ab und an bei der Erinnerung an jene Tage der Sorglosigkeit.

From Warsaw to Rome, I’ll wait out of time
Yello, The rhythm divine

Es ist eine Besonderheit der bürgerlichen Moral, dass man von ihr als Sohn zwar stets und immer ermahnt wird, zielstrebig, sparsam, korrekt zu sein und strebsam sich bemühen sollte, um später auf dem Karriereweg erhört zu werden; sie verlangt von einem, da man noch in den Seevierteln aufwächst (Teil 1 dieser kleinen Serie: Klassenbildung), vollkommene Unterordnung unter Beschlüsse, welche Fahrschule angemessen ist, und welche Tanzpartnerin sich schickt – und gleichzeitig stellt einem die gleiche bürgerliche Moral, wenn sie denn ausreichend grossbürgerlich ist, zur Belohnung während des Studiums alle Mittel zur Verfügung, die man braucht, um schnell den Hörsaal zu erreichen, sich nicht schmutzig zu kleiden, in einer guten Gegend zu wohnen (Teil 2 dieser kleinen Serie: Gentrifizierung)- und all das ist bestens dazu angetan, es auch gleich massiv und umfassend zu missbrauchen.

Man kann da eigentlich nichts dafür. Schuld sind immer die anderen, die einen dazu bringen. Man zieht nicht allein in die nächstliegende Metropole. Andere waren schon früher da. In meinem Fall war das H., Sohn des Zahnarztes B.. Die B.s wohnten in einem guten Viertel, und H. kannte ich seit dem 5. Lebensjahr. Der athletische Sportler machte ein Jahr vor mir Abitur, entging mit Attest eines väterlichen Freundes problemlos dem Wehrdienst und war schon in München, als ich dort ankam. Dort hatte H. ein paar andere junge Leute kennengelernt, einen Sohn eines Flughafenchefs etwa und den Abkömmling eines Entwicklungsleiters bei einem Autohersteller. Und alle zusammen hatten nur begrenzt Lust auf das Studium von Betriebswirtschaftslehre oder Zahnmedizin.

Bild zu: Die Bestrafung der amoralischen Berufspartymacher

Also mieteten sie nächteweise ein Lokal an einem See in einem Park, das tagsüber äusserst schwiegerelterntauglich war, und somit nicht weiter negativ auffiel, wenn man etwa daheim auf die Frage nach der Abendgestaltung diesen Ort erwähnte. Die bürgerliche Moral muss sich etwas reichlich seriöses vorgestellt haben, wenn die Söhne in Abendgarderobe nach München in ein Haus im Park fuhren, aber sie irrte sich: Weder war das Parkcafe in München damals ein Cafe im Park, noch das andere Haus am See des Nachts ein Restaurant. Draussen waren lange Schlangen, aber ich kannte H. und ging einfach vorbei, und war drinnen. Die anderen blieben draussen. So einfach war das damals. Niemand dachte darüber nach. Warum auch. Es waren kleine Lokale, da konnten nur wenige hinein. Wie die Seeviertel daheim – auch dort war nicht unbegrenzt Platz.

Damals – Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre – gab es noch kein verschultes Studium, und niemand hatte es eilig. Warum auch, die Eltern hatten einen Weg nach oben genommen, und irgendwie würde es später schon mal weiter gehen. Niemand hatte wirklich Lust, schon mit Mitte 20 zum Nachfolger aufgebaut zu werden. Das alles würde noch früh genug kommen, das Elend der Kohl’schen Republik lag im Osten, und im Süden würde es einfach so weiter gehen. Sagten die Eltern, brüllten wir uns in den Cafes zu, wenn wir mal nicht über Gaultier sprachen, oder über die ausgefalleneren Regionen der Getränkekarte, oder über diese seltsamen Leute, die wirklich ihre Scheine machten, weil sie es wohl nötig hatten.

Bild zu: Die Bestrafung der amoralischen Berufspartymacher

Aber die kannte man nur aus dem Studium. Alle, die man von daheim kannte, mit Ausnahme der ins katholische Wohnheim eingewiesenen Apothekertochter, waren eher in Clubs anzutreffen, in denen man nur solche Leute traf. Und so, wie H. mich in den Kreis der  Berufspartymacher einschleuste, holte ich den Arztsohn R. nach, der sich dann von einem Kollegen seiner Mutter einen Fiat Uno Turbo borgte und die K. mitnahm, die sich perfekt einpasste. Es war wie daheim, nur sehr viel später und lauter, aber gesellschaftlich ohne Fehl, Tadel und Leute, denen man nicht vorgestellt werden sollte.

Und so standen wir eines Montags Morgens alle in unseren eigenen Viertel mit dem eigenen Umfeld nicht mehr am See, aber immerhin im Wasser, die Boxen dröhnten gegen die Schliessung des Lokals an, und wir tanzten im Brunnen davor, gegenüber der Strasse, auf der andere in die Arbeit fuhren. Komische Leute, fanden wir. Arbeiten, wozu? Sicher irgendwann. Später. Irgendwas würde dann schon kommen. Es kam dann leider die demokratische und klassengesellschaftlich anspruchslose Bewegung Techno aus Berlin, es kamen riesige Hallen, man wurde ohne Anzug und Blick auf die Schuhe eingelassen, und mit den Massen ging die Epoche der Berufspartymacher schneller zu Ende, als man es erwartet hätte. Man hielt sich noch im BaBaLu, und dann war es vorbei mit den Orten, in denen man unter sich blieb.

Bild zu: Die Bestrafung der amoralischen Berufspartymacher

Natürlich würde es der bürgerlichen Moral gefallen, wenn ihre komplette Missachtung unter gleichzeitiger Bewahrung ihrer sozialen Strukturen eine Strafe nach sich gezogen hätte, wie etwa AIDS, Tod durch eine Überdosis, ein alkoholisierter Unfall. Aber ausser gefälschten Attesten zur Befreiung von einem Staatsexamen, das aufflog, weil deren Antragstellerinnen nach einer Flasche Champagner am Starnberger See beim Einparken einen Porsche beschädigten, wüsste ich auf die Schnelle kein schmerzvolles Drama des nach München umgezogenen Seeviertels zu berichten. Die bürgerliche Moral wirkte vielleicht doch so stark, dass man sich nicht komplett aufgab, und stets den Spagat zwischen dem Nachtleben in München und den Heimatbesuchen schaffte. Angesichts der klassenkonformen, horrend hohen Kleiderrechnungen hätte man sich als Student keine Kokainsucht mehr leisten können.

Was bleibt, ist der schmerzliche Stich, der später, sehr viel später kommt. 2001 stand ich wieder im schwarzen Anzug im Parkcafe, vor dessen Türen früher eben jenes Plebs hätte warten müssen, das nun Einlass fand: Jungunternehmer der New Economy, die keine Apanage hatten und statt dessen auf Kosten eines fördernden Konsortiums aus Banken und Ministerien hart arbeiten und hart feiern wollten – und so schrecklich konnte kein Buffet sein, dass sie es nicht verspeisten. Im Stehen. Früher hätte es das nicht gegeben, früher wären die draussen geblieben mit ihren schlecht sitzenden Spiesseranzügen, und man hätte im Brunnen ihre Arbeitseinstellung verlacht. 2002 waren sie schon wieder am Ende, und einige Freunde standen vor der Entscheidung, den ein oder anderen Restmüll dieser Angeberwirtschaft zu kaufen und zu sanieren. Die Gespräche fand bei einem befreundeten Risikokapitalgeber statt, der ganz oben über der Münchner Freiheit residierte. Leise, diskrete Gespräche mit Kaffeekannen und Milchglas. 1990 war an dieser Stelle der „Wolkenkratzer“, jener Tanzpalast, der die Draussenbleiber zwang, ihre Schande vor dem Eingang zum Lift auf der Leopoldstrasse öffentlich zur Schau zu stellen, als abschreckendes Beispiel, wie es jenen ergeht, die sich Zugang zu Sphären erhoffen, in die sie nicht passen.

Bild zu: Die Bestrafung der amoralischen Berufspartymacher

So sieht man die Orte wieder. Die Vergehen waren nicht schlimm, der Schmerz ist nicht gross. Man fragt, was aus den Berufspartymachern wurde? Ärzte mit Söhnen. Manager. Unternehmer. Notare. Sehr viele Anwältinnen, die jungen Partnerinnen Münchner Kanzleien lesen sich wie die Einladungsliste für jenen Abend, als Mick Hucknall im BaBaLu auflegte. So gesehen hätten sich die Eltern der Apothekertochter, die ihnen natürlich beruflich nachfolgte, ihr und uns die Wegsperrung in das Heim auch sparen können – schlimmstenfalls hätte es vielleicht eine Abtreibung gegeben, oder eine etwas verfrühte Zwangsheirat, aber das kam in den besten Deutschbankierskreisen vor. Allesamt wurden höchst bürgerliche Existenzen, wohnhaft in besten Lagen. Ordentliche Leute, die nie mehr in einem Brunnen am Montag Morgen mit dem Finger auf ihresgleichen zeigen würden, wenn sie zur Arbeit fahren, aber durchaus überlegen, ob sie ihre Kinder zum Studieren nicht besser in kleine Eliteinstitute fern der Metropolen schicken.

 

Begleitmusik: Yello, One Second. Eine Platte, eine Epoche, ein Versprechen von 1987, das nicht eingelöst wurde.

0

215 Lesermeinungen

  1. Welch eine schoene Fortsetzung...
    Welch eine schoene Fortsetzung zum Vorhergehenden. Ja, die gesellschaftlichen Kreise sind doch sehr unetrschiedlich. Welch‘ Freude war es doch genau dasselbe zu erleben ohne die Zwaenge der besseren Gesellschaft. Wie sehr freute sich die belgische Unternehmerstochter (sehr gutes, sehr teures Haus) uber die unverschaemten Angebote des in Koeln studierenden Prolls. Wie bescheiden kleidete sie sich trotz reichlicher Apanage. Was ein freundliches Wesen hatte sie trotz, dessen waren wir sicher, einer zur Arroganz verleitenden Erziehung. Wieviel Fleiss, ohne sich besonders anzustrengen, zeigte sie, und welchen Erfolg brachte er ihr ein.
    Nicht nur sie.
    Nicht nur ich.
    Alle anderen auch.
    Die eine war bei den Ursulininnen auf dem Lyzeum, die andere war Tochter eines Grossbaeckers, der eine hatte Geld aus einer erfolgreichen Scheidung seiner Mutter, der andere musste in den Semesterferien arbeiten. Was machte es schon aus? Nichts. Wir gehoerten zusammen, und der ganze praetentieuse Cichi ging uns am Dinges vorbei.
    Es wurde gesoffen, es wurde getanzt, und es wurde im Uebermass geliebt-sicher nicht quer Beet, dazu waren wir zu spiessig.
    Mit den Eltern hatte natuerlich jeder, nach Massgabe seines Opportunismus‘, mehr oder weniger Aerger. Es machte aber nichts aus. Eine verknallte sich in einen Perser, und Papi war stinkesauer. Die andere verliebte sich in einen Strassenkoeter, Papi war stinkesauer. Alle Papi’s strichen ihre Unterstuetzung, und alle Kommilitonen stuetzten die Dissidenten. Und es ging! Man lebte trotzdem in Freuden, schaffte die Scheine, schaffte die Diplome, schaffte alles.
    Spaeter schaffte man sogar das banale Leben. Mit der ueblichen Tragik, und der ueblichen Kommoedie.
    Wenn ich das alles den von Ihnen beschriebenen Verhaeltnissen gegenueberstelle, bleibt kein andere Frage als:
    WAS FUER EINE VERKOMMENE BAGAGE IST DAS NUN WIEDER?
    .
    So, und jetzt setze ich mir wieder meine Kopfhoerer auf und freue mich am Leben wie es ist, wenn man nicht mit einem silbernen Loeffelchen im Mund geboren wird.
    .

  2. Darüber hat sich niemand auch...
    Darüber hat sich niemand auch nur einen Gedanken gemacht. Das war so. Natürlich waren nicht alle Eltern damit einverstanden, aber man hat bdamit auch keinem geschadet, oder wollte möglichst schnell Banker werden und möglichst viel Geld an der Börse verdienen – das waren eher die Kinder wenig gut gestellter Eltern, die dann letztlich mitunter als Gründerinnen eines Mütterportales endeten.
    .
    Verkommen? Nein. Hedonistisch. Was man nach 20 Jahren Provinz eben so tut.

  3. Hedonistisch waren wir alle....
    Hedonistisch waren wir alle. Ich bin es heute noch, trotz der Beschraenkungen, die das Leben in der Provinz so mit sich bringt.
    In der Jugend dekadent zu sein hat seinen Reiz. Es muss so sein, wenn die elterlichen Verhaeltnisse spiessig sind. Sie waren meistens so.
    .
    Liegt nicht eventuell der Niedergang dieser Berliner Republik an der traduierten hedonistischen Haltung dieser sogenannten Eliten, dieser Kinder aus nachkriegsreichen Haeusern? Den Kindern, deren Eltern nach dem Krieg jedes ethische und moralische Mass abhanden gekommen ist? Den Nachkommen jener Eltern, von denen nichts anderes ueberliefert wurde, als das Erhalten eines gesellschaftlichen Status?
    Ich fuerchte, das es so ist. Und es begann in meiner Generation. Und der habe ich immer misstraut.

  4. Mitten iin der Nacht schlaf...
    Mitten iin der Nacht schlaf ich mit offenen Augen und träume von D.A., also Deutsch Alphonso, mit ner Spritze im Arm und tanzenden Studenten vorm Lokal im Brunnen?
    Ich glaobe lieber Don A., dass mir es wichtiger ist das das keusche Verhalten den wahren wert einnimmt, also diese Sexorgien sind wohl fruchtbar erlaubt gewesen, aber bringen nicht fiel bis gar nix.
    Wünsche mir eher weniger aufdringliche Artikel, mit weniger Draufgängertum, denn arbeiten in den Semesterferien ist auch ein Genuss, oder sind Ihnen/mir dem Menschenbild angepasst, die praktischen Momente völlig abhanden gekommen

  5. Guten Morgen, werter Don,...
    Guten Morgen, werter Don, insbesondere in unserer Generation gibt es viele, die irgendwo im Nirwana zwischen gestern und heute steckengeblieben sind. Ich denke nicht, daß Sie zu jenen gehören. Ich zumindest bekomme Schmerzen, wenn ich Musik aus jener Zeit hören oder in Gesichter meines Alters blicken muß aus denen jeder Lebensfunke entfleucht ist. Yello hat übrigens ein neues Werk veröffentlicht, was Sie wahrscheinlich bereits wissen. Nach einem Spaziergang am Kleinhesseloher See können Sie heute am Seehaus einkehren und einen wunderbaren warmen Schokokuchen genießen. Beim Parkcafe ist nur der Name unverändert geblieben. Wünsche einen schönen Tag.

  6. "Natürlich würde es der...
    „Natürlich würde es der bürgerlichen Moral gefallen, wenn ihre komplette Missachtung unter gleichzeitiger Bewahrung ihrer sozialen Strukturen eine Strafe nach sich gezogen hätte, wie etwa AIDS, Tod durch eine Überdosis, ein alkoholisierter Unfall.“
    ich muß doch sehr bitten, beim morgendlichen kaffee! meine tastatur bittet um gnade & ein tuch zum trocknen… ;)

  7. Ich glaube, dass war in der...
    Ich glaube, dass war in der achtzigern typisch Münchnerisch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es z.B. in Berlin eine ähnliche „Szene“ gegeben hat.

  8. Lieber Don Alphonso, es ist...
    Lieber Don Alphonso, es ist schon lustig, Ihre Fotos aus meinem „Wohnzimmer“ zu sehen, man kennt jeden einzelnen dieser Orte, und jeder ist nicht weiter weg als ein paar hundert Meter von hier. Ja, das waren wilde Zeiten damals. Ich denke allerdings, daß ich ein wenig jünger bin als Sie, denn das PC und Seehaus waren schon während meiner Schulzeit schwer angesagt. Nach der Reinkommprozedur, der Chef „Hansi“ wählte ja persönlich aus, wichen die Trottel dann regelmäßig der Bedienung aus, um dann mit Stempel die Lokalität wieder zu verlassen und im Auto Cola zu trinken. Als Schüler hatte man noch keine so hohe Apanage, denn aus schlechtem Hause waren sie alle nicht…
    .
    Ich selbst war nie so der Nightclubber, was u.a. auch stark mit meinem Musikgeschmack in Zusammenhang steht, denn Dancefloor Jazz wurde selten gespielt. Eigentlich nur im Into Somethin‘ Club, Freitags im Café der Muffathalle und das war dann etwas später.
    .
    Im Nachhinein war es doch eine lustige Zeit im Vergleich zu heute, wo einem mit der Mischung aus jahrzehntelangem Alltag, andauernden Wirtschaftskrisen u.dgl. „das Kraut ausg’schöft“ wird. Mir geht es wahrlich nicht schlecht und ich habe so manches erreicht, wovon ich damals träumte: eine intelligente, nette und hübsche Ärztin zur Frau, süße Zwillinge, eine herrliche Wohnung, ein paar geile Karren in der Grarage, usw. usf. Trotzdem hatte ich es mir irgendwie anders vorgestellt, einfacher vielleicht. Einfacher in seiner Struktur, einfacher im Ablauf. Ich denke darüber viel nach zur Zeit. Midlife crisis?

  9. Der traurigste Artikel, den...
    Der traurigste Artikel, den ich bisher von Ihnen gelesen habe.
    Wenn das Geschilderte nur ansatzweise stimmt… tja, dann hätte ich Mitleid jenen Söhnen und Töchtern. Unfassbar.
    Wo man diese Art von Leuten mittlerweile in FFM treffen kann (wenn man sie denn treffen wollte), hatte ich Ihnen ja bereits im letzten Beitrag geschrieben.

  10. Paris 1787. Wir bemerkten mit...
    Paris 1787. Wir bemerkten mit Vergnügen in der diesjährigen Sammlung eine sanfte, vortreffliche Fabel, von einem Ungenannten: ein edles schönes Lob einer jungen Dame. Ein niedliches Lied von Hn.Varnot, einem Ingenieur-Offivier, und eine einfache natürliche Epistel von Madme. Verdier. Die Verse der Herren Daillant de la touche und Hoffmann (eines Lothringers) verdienen auch vortheilhaft bemerkt zu werden. Mit der feinsten Ironie…

  11. Ihre Schreibe dreht sich so...
    Ihre Schreibe dreht sich so langsam im Kreise und mir scheint, dass Sie in dieser von Ihnen beschriebenen goldenen Zeit hängengeblieben sind. Wehmut über die verlorenen Popperprivilegien…Wenden Sie sich ernsthafteren Themen zu und hängen Sie Ihr bayrisches Zwangsjäckchen und Scheuklappen an den Haken. Der Tegernsee und Ingolstadt sind ausbuchstabiert.

  12. Das Studium an einer...
    Das Studium an einer hessischen Fachhochschule für Ingenieurwesen hättet Ihr so nicht gepackt.
    Fünf bis sieben Scheine pro Semester, drei Klausuren je Schein.
    Labore mit Anwesenheitspflicht, Diplomarbeit in der Industrie.
    Und lauter gemeine alte Säcke als Professoren.
    .
    Wir hatten so ein paar Söhnchen mit dem beschriebenen Hintergrund.
    (Kommilitoninnen waren selten; und die haben sich sehr angestrengt)
    Die Söhnchen haben es alle nicht gepackt.
    Heute verkaufen sie Versicherungen oder Zertifikate.
    Ein anderer ist jetzt Förster.

  13. Werter Don,

    danke für diesen...
    Werter Don,
    danke für diesen Beitrag. Als Naturwissenschaftler aus kleinbürgerlichen Verhältnissen kommt man ja tatsächlich nicht wirklich in Berührung mit Ihrer Klasse – nicht mal im Studium, denn dort trifft man nur Leute, die sich für das, was sie tun, auch interessieren.
    Meine Abneigung gegen diese Auswüchse der decadence (nicht bez. des Feierns sondern der ignoranten Einstellung der (schon) arbeitenden Bevölkerung gegenüber) bestimmter „Schnösel“ scheint wunderbar bestätigt durch den Schluss, dass am Ende doch (fast) jeder nach der Eltern Wunsch gerät. Letztlich möchte sich doch jeder abgrenzen – man definiert sich über seinen Intellekt – und wenn dann noch Geld dazukommt, innerhalb dieser Gruppe offenbar eben auch zusätzlich noch darüber.
    Gesellschaftlich gesehen ist das natürlich insofern bedenklich, dass nicht nur zum einen eine Chancengleichheit nicht gegeben ist (aber wer glaubt das schon), sondern vor allem deshalb, weil die zukünftige sog. Elite dem Kontakt mit exzellenten, vielleicht ganz hervorragenden Köpfe entgeht – was letztlich leicht ein Desaster für die ganze Gesellschaft (inkl. Eliten) werden kann.
    [[ Aber unsereins behält ja immer seine Aufstiegsphantasien (und -chancen!), und die für Revolutionen vorgesehene Klasse schläft süß im Media-Markt-RTL2-Wunderland. FAZ-Blogs liest sie natürlich auch nicht. Besser so!]]
    Cheers,
    T.I.M.

  14. @Reiterjunge:
    Wie Sie schon...

    @Reiterjunge:
    Wie Sie schon Schreiben FachhochSCHULE!
    Ist halt Schule und nicht Universität!
    Nix für ungut!
    PS: ich gehöre nicht zur im Beitrag beschrieben Spezies !

  15. Don Ferrando, es ist nichts...
    Don Ferrando, es ist nichts schlimmes dabei, zu dieser Spezies zu gehören. Schlimm fand ich die schnellen Streber, die gleich als Berater in den Osten wollten.
    .
    Lieber T.I.M., was „Schnösel“ angeht: Kann man sagen, der eigene Block auf das selbst war sicher positiv, und wirklich nur dann gegen andere gerichtet, wenn die partout stören wollten. Und das richtete sich ohne Unterschied gegen alle Schichten: 45-jährige Porschefahrer wurden nicht weniger veeachtet, als man es heute Mitarbeitern des Hauses Springer angedeihen lassen könnte. Es ging also nicht gegen „unten“, sondern für uns. Meistens machte man sich über den Rest aber einfach keine Gedanken.

  16. Filou, ich persönlich denke,...
    Filou, ich persönlich denke, dass der moralische Bankrott der Berliner Republik einfach der Vermischung diverser suboptimaler Strömungen zu einem Giftcocktail zu verdanken ist. Berlin ist einfach nicht dazu angetan, Leute – wie damals uns – an der langen Leine zu halten und zu wissen, dass sie wieder kommen, Schauen Sie sich das Thema Tischsitten in Berlin an, dann wisssen Sie, was ich meine. Oder Beratern, die tagsüber Gesetzesvorlagen schreiben und in der Nacht jene mit Füssen treten, deren Entrechtung sie vorantreiben. Meines Erachtens ist Berlin von einem linken Biotop zu einem neoliberal-beliebigen Sumpf geworden. Aber das hat mit unseren kleinen Vergnügungen damals wenig zu tun.
    .
    weisnicht & Der Gärtner, pardon, aber Sie dürfen mir das schon selbst überlassen: Ich wollte mal eine längere Serie von Beiträgen zu einem grösseren Thema schreiben, um zu schauen, ob das geht – wenn es Sie langweilt, dann muss ich bedauern, aber etwas anderes gibt es hier nur begrenzt. Vor allem, weil ich nun seit über 10 Jahren dauernd höre, dass ich dies und jenes anders machen sollte, weil es früher besser und nicht so langweilig…. ginge es nach solchen Ansichten, wäre ich sicher nicht hier.

  17. @ ich habe das völlig...
    @ ich habe das völlig wertfrei geschrieben, aber als Eräuterung nötig gehalten, da Reiterjunge “ Ihr hättet…“ adressiert hat !

  18. Lieber Byron, ich sehe es so:...
    Lieber Byron, ich sehe es so: Ich habe keine Lebensgeschichte, die ich verstecken müsste, ich würde nicht mehr alles wiederholen, mitunter kann man rückblickend über sich lächeln, aber wenn wir hier schon über die bessere Gesellschaft reden, mus man eben auch in diese Epoche hinabsteigen und erzählen, wie es war. Eventuell heute auch noch ist, manche Dinge haben ja überlebt, und ausgerechnet der Ursumpf des Bösen zwischen P1 und Oktoberfest hat ja leider unbeschadet überlebt. Allerdings sind wir da natürlich nie hingegangen.
    .
    laperla, ich habe es genau deshalb schon in der Nacht gepostet, damit es allenfalls beim nächtlichen Caipi oder, wir sind ja alle nicht mehr die jüngsten, Herztonikum bleibt.

  19. Ach die wilde Studentenzeit....
    Ach die wilde Studentenzeit. Sie war schön und bei uns in Braunschweig klassenlos! Hier herrschte in den Clubs demokratische Verbrüderung von Punk und Popper, Türke und Deutschem. Ich möchte die Zeit nicht missen!

  20. Paris 1789...aufpassen, daß...
    Paris 1789…aufpassen, daß der Kopf dran bleibt, und der barocke Lederstiefel nicht zur Trophäe wird, in München…

  21. nicht die jüngsten, wohl...
    nicht die jüngsten, wohl wahr, aber immer noch jung genug um sich nachts anderen tätigkeiten hingeben zu können als ihren blog lesen, werter d.a. :))
    aber vielen dank .

  22. BlackJack66, das hatten wir in...
    BlackJack66, das hatten wir in der Heimatstadt zur Genüge. Der Mensch lebt nicht in der Boazn allein. Es gibt einfach einen Markt für Gaultier und, um einen Modeduft der Zeit zu benennen, Opium. Schick sahen wir aus.
    Und das, staph.aureus, ist auch kein Problem. Man tut damit nur jenen weh, die parout auch in diese Läden wollten, aber nicht vorgelassen wurden. Und das wiederum müsste doch auch anderen Klassen gefallen – dass diejenigen, die sich am meisten abmühen und versuchen, etwas zu sein, das sie nicht sind, im Niemandsland zurückbleiben. (Abgesehen davon: Wirklich versäumt hat man auch hinter den Türen nicht viel)

  23. War das Studentenleben nicht...
    War das Studentenleben nicht im Prinzip schon immer so? Ich glaube nicht, dass Ihre Eltern es anders gestaltet haben…

  24. laperla, wäre ich noch jung,...
    laperla, wäre ich noch jung, würde ich respektlos nachfragen, aber ich bin alt und dezent geworden.
    .
    Reiterjunge, ich würde sagen: Das hängt davon ab, ob die Väter die richtigen leute gekannt hätten. Ich kenne beispielsweise den Fall einer anderen Apothekertochter, bei der es vorne und hinten nicht gereicht hat, und das auch ohne dass sie die Nächte verfeiert hätte: Es war einfach nicht ihr Ding, sie hatte keine Lust. Es ist ein vollkommenes Mysterium, wie man das damals hinbog, aber am Ende wurde auch sie mit dem Abschluss belohnt. Und wer sich keine allzu grosse Mühe geben wollte oder einfach zu dumm war, studierte Kommunikationsdesign oder gleich Journalismus.

  25. N.W., nun, immerhin standen...
    N.W., nun, immerhin standen wir nicht barfuss vor Schusswaffengeschäften und überlegten, welche Munition man für hochrangige Politiker braucht, und das Konzept des Libertins der späten 80er Jahre ist ein anderes als das des Kommunenbewohners, auch wenn es im Ergebnis auf das gleiche Ergebnis hinausläuft – am Ende ist es nur die Ästhetik.
    .
    staph.aureus, was uns, wenn man so will, mittelfristig tatsächlich den Garaus machte, waren Änderungen der Mode, der Musik, der gesamten Jugendkultur. Plötzlich war es wieder leditim, sich nicht zu waschen, zu stinken, sich in Ballonseide zu kleiden, seine Kultur bei MTV zu beziehen, die Bibliothek galt nichts mehr, und ich denke, dass es rückblickend auch sehr viel mit dem Fall der Mauer zu tun hat. Egal. Wir hatten ein tolles Leben.

  26. d.a., es scheint so, als ob...
    d.a., es scheint so, als ob sie sich schon selbst die antwort auf die frage gegeben hätten. :)

  27. Lieber Don,
    vor Monaten habe...

    Lieber Don,
    vor Monaten habe ich Ihre Kolumne entdeckt und gestehe „ich liebe sie“ (die Kolumne ;-))). Zwar gehöre ich selbst nicht dieser hochnoblen Gesellschaftsschicht an, bin aber doch in einem recht gutbürgerlichen Haus aufgewachsen, sodass ich das Augenzwinkern, mit dem Sie Ihre köstlichen Geschichten schreiben, immer frohen Herzens nachvollziehen kann. Bitte weiter so!

  28. muscat, erstaunlicherweise...
    muscat, erstaunlicherweise fanden wir das damales sehr lustig, und nur weil man früher anders war, kann man das leben auch heute noch toll finden, mit anderen Scnwerpunkten natürlich. Es ist einfach eine gemeinsame Lebenserfahrung in gewissen westdeutschen Grossstädten. Frankfurt hatte dagegen das Dorian Grey, dort war es ähnlich. Schlimm war es nur, wenn man in Passau BWL studieren musste. Das war (und ist) die Hölle. Kein Wunder, wenn die Mädchen von dort alle Hausfrauen und Mütter wurden.
    .
    mawu, Into somethin‘ war sowas wie die letzte verbliebene Bastion; das lag aber auch daran, dass die Leute in jener Zeot kangsam doch mit dem Studium fertig wurden und anfingen, einer Erwerbsarbeit nachzugehen. Die Orte verschwanden mit dem Vermögen, und die „Szene“ verlagerte sich von Schwabing (Ich wohnte ziemlich in der M itte zwischen BaBaLu, Parkcafe und dem widerlichen P1) in das Glockenbachviertel (beginnend beim Ballhaus, falls es noch jemand kennt, vom Morizz zum Czar Club und dann immer weiter). Als nostalgische, immer noch besuchbare Orte würde ich in meinem hohen Alter das Morizz benennen, und das Cafe Puck, das aber inzwischen auch mit seinen Gästen alt wurde. Ansonsten habe ich mir vorgenommen, später mal kein Studentinnen abschleppender Berufsjugendlicher zu werden, und das Erleben dieser Szene in Berlin war auch abschreckend genug. Die Erinnerungen kann einem keiner nehmen, und was man aus der Gegenwart macht – nun, es ist letztlich eine Frage der Mentalität.

  29. Laperla, nachdem wir die...
    Laperla, nachdem wir die höflichen Formalien hinter uns haben, dürfen Sie gerne erzählen!
    .
    sedi, das freut mich – schliesslich bin ich ja auch hier angetreten, jene Menschensuppe brühwarm einzuschenken, die andere allenfalls in ihren Tiefkühlfächern der Vorstädte verstecken.

  30. Geiz ist doch immer noch am...
    Geiz ist doch immer noch am Geilsten,nicht wahr?!
    Und war es allzeit !
    Und während man in den „unteren Kreisen“ sich eben damit befriediegt hat und noch befriedigt,die größten Schnäppchen im Elektronikkaufhaus zu machen,so hat es „die Oberen“ doch sicherlich aufgegeilt,zu sehen,wer da wo nicht rein kommt,mitten in Schwabing.
    Es war eben ein Riesenfehler,daß „der Westen“ so ab 1949 die Sowjets stetig daran gehindert hat, tabula rasa zu machen -auch in Schwabing.

  31. @Don Ferrando:
    Nun, die...

    @Don Ferrando:
    Nun, die Universitäten haben ja inzwischen auch erkannt, daß sie ein bißchen effizienter arbeiten müssen um international mithalten zu können, so wie die Fachhochschulen das ja schon vorweg genommen haben.
    Damit kommt so mancher Berufspartystudent heute nicht mehr zurecht.
    Auch nix für ungut.

  32. entzückend werter d.a., sie...
    entzückend werter d.a., sie meinen vor dem versammelten hofstaat?
    bitte, geben sie mir die illusion ihrer dezentheit wieder, denn jetzt bin sehr betrübt ihrer beraubt zu sein… :)

  33. Ach, die Mauer. Nur ein...
    Ach, die Mauer. Nur ein historisches Intermezzo. Wie das Lutherische in Neuburg an der Donau. Oder die Bürgerdemokratie in Bonn.

  34. @Reiterjunge:
    Was dabei...

    @Reiterjunge:
    Was dabei herausgekommen ist, daß man die Universitäten verschult, sieht man ja gerade im Moment bei den Folgen der Bachelor Misere.
    Mit Wissenschaft hat das nichts mehr zu tun. Ob das Niveau steigt, bezweifele ich sehr.
    Ich würde jedenfalls kaum einen Bachelor einstellen statt eines Akademikers.
    Sicherlich haben die Fachhochschulen ihre Notwendigkeit. Die Zielrichtung der Ausbildung ist aber eine andere!
    Und verschulte Orchideenfächer(FH) mag ich mir schon gar nicht vorstellen.

  35. Don, kann ich nachvollziehen....
    Don, kann ich nachvollziehen. Habe früher auch gern gefeiert und tue es heute noch, nur eben woanders und seltener. Wir kamen uns auch vor wie die Dollsten; und das ist doch im Alter von Mitte 20 normal. Man dampft im eigenen Quark vor sich hin. Doch die Zeiten sind nun vorbei und ich bin nicht traurig drum. Wohl aber um die Leute, welche ihre mannigfaltigen Chancen verpaßt haben, das Umfeld und unsere Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Nur Steuern zahlen reicht einfach nicht.

  36. Vielleicht finde ich es heute...
    Vielleicht finde ich es heute ein bißchen schade mein Studentendasein nicht ein wenig mehr genossen zu haben.
    Es ging einfach nicht.
    Wenn ich mich mit Kommilitonen getroffen habe, dann um gemeinsam zu pauken wie die Blöden.
    @Don Ferrando, mit dem „Ihr“ waren die Protagonisten des obigen Artikels gemeint.

  37. Monsieur Don,
    nur die Doofen...

    Monsieur Don,
    nur die Doofen bleiben an der Uni und bleiben arm – da spreche is aus Erfahrung. Allerdings machen die Studenten machen auch heute noch kräftig Party, in allen Schichten. Nur die Deutschen glauben, sie müßten das mit „Bologna“ alles ändern. Aber im angelsächsischen System wird doch noch viel mehr ges… Die 80er in München ähneln den 70ern in Berlin viel mehr, als uns lieb sein kann. In Wirklichkeit waren wir die Made im Speck. Man durfte jung sein (wie es in anderen Ländern auch ist), dann kam die lange Leine. Und wer wirklich seinen eigenen Weg gehen wollte, der bekam/bekommt in den Institutionen keine Chance mehr dazu. Die Arztsöhne und Apothekerstöchter werden daran nicht rütteln. Ist das nicht Langeweile 2. Ordnung?
    Parken Sie richtig!

  38. Don Alphonso, ich weiß nicht,...
    Don Alphonso, ich weiß nicht, ob das Into Somethin‘ soetwas wie die „letzte Bastion“ war, denn die dort aufgelegte Musik, nämlich Dancefloor Jazz, entsprach und entspricht absolut nicht dem gängigen Musikgeschmack, wie er etwa im P1 gedudelt wird. Dementsprechend war das Publikum von stylish bis grotte, von alt bis jung und diverse meiner Bekannten hatten keine Lust mitzukommen, da sich dort nicht genügend hübsche Töchter tummelten. Leider hat sich ja auch das wirklich schöne Nachtcafé von Live Jazz zu Live Mist entwickelt und ist nun weg vom Fenster. Schade.
    .
    Das Ksar war von der Musik her recht interessant und irgendwie auch ein lässiger Laden, aber deutlich weniger „elitär“ als das Seehaus, PC und P1.
    .
    Zu „Halloween“ war ich übrigens mit meiner Frau seit langem mal wieder im Lenbach, wir wollten einfach mal wieder etwas ganz anderes sehen, als nur häusliches Leben. Das war keine gute Idee. Die Architektur dieses Ladens ist nach wie vor der absolute der Hammer – das Publikum leider auch. Wir sassen ziemlich deplatziert zwischen schnitzelessenden Turnschuhträgern (ja, Schnitzel stand auf der Karte). Ich kam mir vor, wie in einem Museumscafe. Schade.
    Für alle Nicht-Münchner: http://www.jobri.de/Lenbach_Munchen_1.bmp

  39. Werter Don,
    das Bild vom...

    Werter Don,
    das Bild vom Wolkenkratzer (Skyline) [also Ihr letztes Foto in diesem Beitrag] an der Münchener Freiheit irritiert mich ein wenig, so ist doch in den oberen Etagen heute eher ein „Film“produzent zu finden, der sich mit C-Klasse Fleischmovies einen gewissen Namen gemacht hat. Ich habe mal eine Bekannt dorthin begleitet, die von Modellträumen getrieben war.
    http://schwarzmarkt.blog.de/2009/06/05/model-traum-6240677/
    Da sitzen auch ernsthafte Finanziers?

  40. Schöner Beitrag! Nun würde...
    Schöner Beitrag! Nun würde mich aber doch noch interessieren, wo denn Ihre Münchner Freunde von damals geblieben sind? In der Isar-Metropole geblieben?

  41. @Don Ferrando, auch wenn Sie...
    @Don Ferrando, auch wenn Sie das nicht wahrhaben möchten:
    Sowohl Bachelor als auch Fh-Diplom sind akademische Grade.
    In meinem Bereich arbeiten die Absolventen verschiedener Hochschultypen erfolgreich und gleichberechtigt zusammen.
    .
    Die Probleme des Bologna-Prozesses sind andere.
    Es reicht nicht neue Etiketten einzuführen.

  42. @Reiterjunge
    Mag wohl heute so...

    @Reiterjunge
    Mag wohl heute so sein. Es gibt ja auch Leute, die nennen 90er Auflage Silberbesteck!
    .
    Geschenkt!

  43. in der brikettgeschwängerten...
    in der brikettgeschwängerten luft des ostens
    gab es weniger standesdünkel
    [a la gegenüber dem/der früh zur arbeit gehenden dreher, kindergärtnerin),
    vermutlich aber auch gruppenzugehörigkeiten
    [blueser, partymacher, fdjniks, die-anderen-bands-fans etc.]
    als (entwicklungspsychologische) biotope, von dem aus man „in die welt“ ging.

  44. Reiterjunge, Ökonomisierung...
    Reiterjunge, Ökonomisierung aller Lebensbereiche, das ist das Problem.
    Heutzutage müssen doch wahrscheinlich schon die Theologen BWL im Nebenfach studieren, um am Arbeitsmarkt nur so was wie den Hauch einer Chance zu haben.
    Dann doch lieber ein paar mehr Ingenieure, gern auch von der FH.

  45. Mich würde mal...
    Mich würde mal interessieren,was diese Eltern der großbürgerlichen Studenten ihrerseits als Studenten erlebt haben, oder ob sie damals ihre Erlebnisse bereits als Spiegelfechterei ausübten, wie die Ihrigen ?

  46. Hat es bei Ihresgleichen...
    Hat es bei Ihresgleichen damals Freude oder Stolz über irgendeine Leistung gegeben? Oder Hoffnung auf eine? Irgendeine?

  47. Kleinerberg, es gab vor den...
    Kleinerberg, es gab vor den 80er Jahren praktisch die Infrastriktur nicht, um so zu leben. Zudem war davor das unter Eleganzaspekten sinnlose 68, was hätte da sein sollen? Man las vermutlich Camus und fand Ho-Chi-Min prima. Oder man wandte sich der anderen, spiessigen Seite zu. Alles andere gab es damals noch nicht.
    .
    muscat, man kann es natürlich auch andersrum sehen: Die Rennerei nach Zusatzqualifikationen mit Namen ohne Realwert ist eine Sucht der heutigen Studenten, wie das Adden von Freunden im Netzwerk.

  48. swina, es waren weniger...
    swina, es waren weniger Standesdünkel als das Vergessen, dass es auch noch was anderes gibt, irgendwo. Aber das suchte sich dann ja schnell Zugang und kam vorbei, uneingeladen. So etwas wie der Bosnienkonflikt etwa hatte in der Vorstellungswelt einfach keinen Platz.
    .
    evm, die meisten, die daheim etwas zu übernehmen hatten, haben das auch getan. Dazu kommt, dass „daheim“ die Boomregion schlechthin ist, und man es dort extrem einfach hatte, auch mit einer krummen Biographie unterzukommen und aufzusteigen. Die Strukturen waren einfach gut. Ich gelte da mit Arbeitgebern in den USA, der Schweiz, Berlin und Frankfurt sowie dieser – angesichts des Elends anderer – durchaus misstrauisch beäugten Tätigkeit scho eher als Paradiesvogel. Ich denke, dass die langfristigen Überzeugungen und Werte – egal wie sinnvoll sie sind – weitaus stärker waren, als man sich eingestehen wollte. Und die, die wirklich fern sind, rennen an Weihnachten trotzdem in ein bestimmtes Lokal und fragen sich, ob sie nicht doch besser hier bleiben sollten.

  49. B.A.H., wir hatten fast 20...
    B.A.H., wir hatten fast 20 Jahre bayerische Provinz und ein schwarzbraun gestreiftes Gymnasium mit ziemlich hohem Leistungsdruck hinter uns. Ich glaube nicht, dass jemand im ersten Moment daran dachte, da gleich weiterzuschuften. Es gab so viel anderes zu tun, was daheim nie möglich gewesen wäre. Wir haben genossen. Wir waren anders und tolerant und lebensfroh. Allein das ist schon eine leistung, wenn man das finstere Loch kennt, das die bayerische Provinz unter Strauss war. Stolz? Nein. Glücklich? Sicher.
    .
    BlackJack66, den Risikokapitalgeber von damals gibt es rein rechtlich noch, allerdings sitzt er in einem sehr viel kleineren und vermutlich auch billigerem Büro in Haidhausen. Auch eine Art Abstieg. Die haben ein paar nicht so tolle Investitionen getätigt, und waren auf einem übersättigten Markt recht spät dran. Einlagen ab lumpigen 25.000 Euro wurden auch angenommen. Heute veröffentlichen sie nicht mal mehr ihr Portfolio. Aber damals musste das Büro schon was Besonderes sein.

  50. @Ach mawu, im Lenbach habe ich...
    @Ach mawu, im Lenbach habe ich einmal für Außendienstler (!) und Klienten eine Veranstaltung gehabt… es ist schön dort, zugebenermaßen. Aber recht eigentlich sind die sich auch für nichts wirklich zu schade. Dann lieber eine selbstorganisierte Party im Oly.
    @D.A. Was mich im Zusammenhang mit Stützen und Klassen und Kasten einmal interessieren würde, ist die heutige Rolle des Militärs. Auch wenn es sicherlich nicht mehr den Nimbus und die gesellschaftliche Bedeutung wie im zaristischen Russland zu Tolstois Zeiten oder wie in der Schweiz zu Hubers und Busers Tätigkeiten hat – mir scheint die Bundeswehr des 21. Jahrhunderts wieder zu einem sehr elitären Zirkel zu werden. Elitär in dem Sinne, als dass man sich dort immer weniger in die Karten schauen und noch weniger hinein reden lässt und damit sehr kastenartige Ausprägung annimmt.

  51. D.A., dann hatten Sie...
    D.A., dann hatten Sie wenigstens das Abitur „geleistet“. Na also, geht doch (wie der Hauptmann von Köpenick sagte). Oder hatte das auch der Papa gerichtet?

  52. Don, natürlich kann man es so...
    Don, natürlich kann man es so sehen. Doch auch da geht es wiederum nur um die Steigerung des „Marktwertes“ (wie viele Kontakte hat man, was muss im Lebenslauf stehen, wenn man sich bei den BCGs und McKinseys dieser Welt bewirbt, etc. etc.).

  53. B.A.H., wenn ich das nicht mal...
    B.A.H., wenn ich das nicht mal geschafft hätte, dann hätte man mich vermutlich enterbt- Nein, ohne bayerisches Abitur ist das hier nicht vorstellbar.
    muscat, komischerweise wurde ich mein ganzes Leben lang in diversen Bereichen nie nach sowas gefragt. Ausser für eine Untersuchung, wo eine gefälschte Onlinebewerbung die Fehler und Redundanzen zwischen drei HR-Abteilungen aufdecken sollte, habe ich mich auch noch nie „beworben“.

  54. 90er Auflage ?
    Kenne ich...

    90er Auflage ?
    Kenne ich nicht, was ist das ?

  55. Was Ihr bayerisches Abitur...
    Was Ihr bayerisches Abitur angeht: Ich bin versöhnt. Ich meine, zur Lebensfreude gehört doch auch die Freude, dass man hin und wieder einmal etwas, oder gar „es“, geschafft hat. – Trotzdem habe ich noch ein bisschen üblen Nachgeschmack. Ich hatte nämlich auch, was Sie hier „Apanage“ zu nennen pflegen, wenn auch eine winzige. Das heißt, ich habe meinem Vater auf dem Beutel gelegen, wie meine Brüder. Das hat mich aber so bedrückt, dass ich turbo studiert habe; zumindest nach den ersten drei Semestern. Also das Gegenteil von Ihrer Spezies, vermutlich. Ich lebe nicht gern auf andrer Leute Kosten. Das ist aber sicher eine Frage des Standes.

  56. Yello, One Second. Die CD habe...
    Yello, One Second. Die CD habe ich auch und sehr schwierig zu beschreibende, starke Gefuehle, wenn ich an die Musik denke und was ich damit so alles assoziiere. Passt sehr gut zur S/W-Atmosphaere im Artikel: eine schnelle, junge, aber irgendwie traurig-reife Tanzmelodie ueber dem naechtlichen Trinkbrunnen. Erkaltete Jugend. Moon on Ice?

  57. nun - "zumindest nach den...
    nun – „zumindest nach den ersten drei Semestern“ – das ist eine feine Ehrlichkeit. Bei mir waren es ein paar mehr, aber irgendwann war es auch vorbei. Und damals galt ein langes Studium eben noch nicht als anrüchig, und niemand hatte etwas dagegen, wenn man nebenbei noch Kunstgeschichte mitnahm. Einfach, weil meine Eltern Bildung nicht nur als Durchlauferhitzer zum Beruf auffassten.
    .
    Aber geschafft? Was geschafft? Es ist ja nicht so, das ich frei von Ehrgeiz wäre, und wenn ich ehrlich bin, machen mich Leute krank, die nicht lernfähig sind und nicht bereit, sich neuen Aspekten des Lebens zu stellen. Was schafft man in so einem Studium normalerweise? Die Einpassung in Strukturen. Aber nicht unbedingt die Offenheit, die man braucht, wenn sich Strukturen verändern. Darin sehe ich auch ein Elend der heutigen Studiengänge, die einem das „Es ist so“ vermitteln, und nicht den Zweifel, ob es denn so sein muss.
    .
    Nehmen wir mal dieses Blog hier: Es ist das meistkommentierte deutsche Profiblog, es hat sehr gute Zahlen, es kommen alle zwei, drei Wochen Leute daher, die es aufkaufen wollen. Der Autor hat die oben beschriebene Jugend gehabt, kann nicht schreiben, hat nie ein Praktikum oder Volontariat gemacht. Ich halte mich nicht an journalistische Regeln, ich kenne sie nicht und wo ich sie kenne, missachte ich sie. Nach der Theorie dürfte das nicht funktionieren. Die Praxis, nun, die sieht anders aus. Von Lenin stammt die schöne Einschätzung, dass die Revolution kommt, wenn ein Teil der Bourgeosie (wei er selbst und Trotzki) sich der Revolution der Arbeiterklasse annehmen und sie zum Erfolg bringen. Es muss nicht immer die Revolution sein. Das hier, wenn man so will, ist die direkte Fortsetzung der Party im Brunnen vor dem Parkcafe.
    .
    Ich glaube auch, dass man meine „Spezies“ nicht mögen muss. Aber irgendetwas habe ich auf dem krummen Weg zwischen Abitur und diesem Moment gelernt, das mich zu dem befähigt, was ich tue. Angesichts des Umstandes, dass es inzwischen Kopien und Alternativen gibt – man betrachte mal Frau Wedekind auf theeuropean oder die Kolumnen von Poschardt oder dieses Blog von diesem „Unter-Linken“-Typen da – könnte man auch die Frage stellen, ob nicht so ein schräges Dasein eines schlechteren Sohnes aus besserem Hause auch etwas sinnvolles lehrt. Oder zumindest lehren kann. Einen Totalausfall jedenfalls hatten wir nicht zu verzeichnen.

  58. Rebound, der eiskalte...
    Rebound, der eiskalte Beigeschmack macht die Hitze der Nacht erträglich. Es ist vielleicht die beste aller möglichen Welten, nicht perfekt, aber zumindest so, dass man sich nicht schämen muss.
    .
    Ephemeride, da bin ich vollkommen überfragt. Die angenehmen Leute in meiner Jugend wollten auf gar keine Fall anderthalb Jahre zum Bund, man hat ja gesehen, wie schnell die Betroffenen ihre Frendinnen verloren, zu trinken begannen und sehr langweilig wurden. Eine absolut schreckliche Vorstellung. ich sehe mich zutiefst als Zivilist, und mich gruselt es, wenn ich ab und an den Ton aus den BW-Pressestellen lese. Kundus und das Schweigen derjenigen bundeswehrnahen „Kollegen“, die der deutschen Unwahrheit erst mal aufgesessen sind, ist natürlich unheimlich.

  59. Das würde ich sogar als die...
    Das würde ich sogar als die beste der möglichen „Leistungen“ verstehen: etwas zu „leisten“, das Spaß macht. Die beste der Welten. (Und dann den Garten bestellen, oder rodeln gehen.) – Mein Gott, wenn ich mich so von „Leistung“ salbadern höre, sehe ich im Geiste plötzlich das Gesicht des alten Griechischlehrers vor mir. (Es war der älteste Griechischlehrer Deutschlands, und eine der ältesten Schulen. Wir haben natürlich furchtbar über ihn gelacht, aber um Gottes Willen nur, wenn er es nicht sehen konnte.) Bin ich schon so weit?

  60. @reiterjunge . "90er Auflage...
    @reiterjunge . „90er Auflage kenne ich nicht“
    .
    Chapeau ! Sie sind mir ja ein echt Snob!

  61. Wer tatsächlich geglaubt hat,...
    Wer tatsächlich geglaubt hat, der deutsche Afghanistanfeldzug sei grundlegend anders, als der amerikanische, sollte spätestens jetzt aufgewacht sein.
    Wenn eine Armee in diesen Krieg verwickelt ist, läuft das bei allen nach den gleichen Mustern ab.
    .
    Außer vielleicht bei den Italienern, die die Taliban bezahlen, um nicht angegriffen zu werden.
    Aber das schließe ich bei den anderen auch nicht aus.

  62. Das turboschnelle Fh-Studium...
    Das turboschnelle Fh-Studium war damals eben auch aus meiner Sicht nötig um
    meinen Eltern nicht zu lange auf der Tasche zu liegen.
    Heute, 20 Jahre später, nach Etablierung im Beruf und reproduktiver Phase gönne ich mir noch mal ein Fernstudium, nur so zum Spaß.
    Ein „unnützes Fach“ wie es Don Alphonso so schön genannt hat.
    Und das darf so lange dauern wie es will.

  63. B.A.H., auch hier gibt es...
    B.A.H., auch hier gibt es solche und solche Tage. Allerdings habe ich jahrelang behauptet, ich wüsste, wie man ein tolles Profiblog bei einem Medium machen könnte, um die Konkurrenz aus dem Wasser zu blasen, und dann hat man eben auch einen Ruf zu verlieren. Und strengt sich an. Die Frage ist halt, inwiefern man noch selbst Herr des leistungsprozesses ist, oder sich von ihm versklaven lässt. Es ist sicher ein Extrembeispiel, aber was man bei Dealbreaker über den Hedge Fonds SAC und seine Mitarbeiter findet, ist dann eben definitiv zu viel:
    http://dealbreaker.com/2009/12/post-134.php
    .
    Don Ferrando, man hätte auch antworten können: Wie schlechteres Tafelgold, nur eben mit Silber.

  64. @Ephemeride - ja, wirklich...
    @Ephemeride – ja, wirklich schade, der Abstieg eines so bildschönen Ladens, wie dem Lenbach. Aber das ist hier immer recht Szeneabhängig. Wenn dann ein Laden in Ungnade gefallen ist, dann scheint es aus und vorbei. Location hin oder her. Sehr, sehr schade…
    .
    Was das Studium betrifft: früher wurde einfach weniger studiert und das war m.E. auch gut so. Das Studium ist wirklich nur eine sehr indirekte Qualifikation, wird heutzutage stark überbewertet, ist mittlerweile aber regelrecht inflationär. Komischerweise werden die Leute trotzdem nicht schlauer – weil eben vornehmlich Multiple Choice Fragen auswendig gepaukt werden. Da könnte man genauso gut das Telefonbuch auswendig lernen.
    .
    Was die „Zusatzqualifikationen“ betrifft: ich habe mal Werbung für eine Uni gemacht, die MBAs angeboten hat und war extrem schockiert davon, was für ein vollkommener Nonsens das war. Wer sich darauf etwas einbildet, der tut mir wirklich leid. Zumindest an jener Uni, in Harvard mag das vielleicht etwas anderes sein.
    .
    „Was schafft man in so einem Studium normalerweise? Die Einpassung in Strukturen.“ Don Alphonso – Sie sprechen mir aus der Seele. Ich fand’s zum kotzen. Vielleicht hätte ich auch nicht BWL, sondern Architektur studieren wollen, das hätte mich eigentlich am meisten interessiert, davor hatte ich Depp auch noch aus Versehen eine Banklehre gemacht. Den BWL-Mist habe ich dann zur großen „Freude“ meiner Eltern nach erfolgreichem Vordiplom in Augsburg geschmissen und mich lieber meiner Firma gewidmet, wenigstens gab’s dafür den Bac. oec. Und anstelle eines Witz-MBAs fliege ich lieber Helikopter.

  65. Ephemeride: was scherte es uns...
    Ephemeride: was scherte es uns heute, würde die Bundeswehr dieses Jahrhunderts wieder zu einer Kaste? Wo sie doch nur noch ihre Knochen hinhalten muss bei Einsätzen wie Afghanistan, dem hirnrissigsten aller amerikanischen Abenteuer seit der Invasion Grenadas? Im Irak war es wenigstens noch um den Besitz der Ölquellen gegangen. Will sagen, sollte es in Afghanistan um diese Pipeline gehen, von der man angeblich nicht reden darf, würde ich es ja noch verstehen. Aber ansonsten muss doch jedem denkenden Wesen klar sein, dass diese Gegend mit westlicher Macht nicht zu befrieden ist, viel weniger zu besiegen. Das britische Empire hat es zweimal versucht und sich eine blutige Nase geholt, ähnlich die Sowjetarmee in all ihrer Glorie. Warum soll es jetzt den Mächten von Hollywood besser gelingen? Nur hängen wir diesmal mit drin. – Dass die Briten mitmachen, ist zweimal eine andere Sache. Erstens müssen die das, sobald die Amerikaner es ihnen sagen, und bitte mit ein bisschen mehr Begeisterung! Zweitens ist es eine Gelegenheit, der Geschichte ihre Rache zu lassen: aus Gründen des Godwill müssen britische Soldaten in Afghanistan jene Opiumernte schützen, deren Erzeugnisse 90 Prozent des Heroinverbrauchs in den englischen Slums decken. Das nenne ich Gerechtigkeit für die Opiumkriege gegen China.

  66. Werter Don,
    .
    in meinen...

    Werter Don,
    .
    in meinen Kreisen setzte man Kleinkinder zuweilen in Ställchen, um sie zu schützen – beließ sie aber nicht bis zum Erwachsenenalter darin.
    .
    „Wer die Mitte bestimmen will, muss die Ränder des Weges kennen – dann sollte er sich mühen weit, weit zurück zu blicken und möglichst weit vorausschauen, um die Richtung geeignet zu bestimmen.“
    .
    Ich habe meine Zweifel, daß aus den „Seeviertelkindern“ was werden konnte – wobei wir uns zuerst darüber einigen müssten, „was werden“ bedeutet.
    .
    Gruß Hanskarl

  67. Don Alphonso, "schlechteres...
    Don Alphonso, „schlechteres Tafelgold“ ?
    Kenne ich auch nicht.
    In diesem Blog ?

  68. Don, mich würde auch noch...
    Don, mich würde auch noch interessieren, ob die Leute aus Ihrer damaligen Clique mittlerweile Kinder haben und wenn ja, wie die so sind bzw. erzogen werden. Gibt es da vielleicht einen Hoffnungsschimmer? (Hoffnung insofern, als dass aus diesen Kindern eines Tages integre, mitfühlende, interessierte, skeptische, aber lebensbejahende Wesen bzw. Bürger werden könnten.)

  69. Ich fand und finde finde z. B....
    Ich fand und finde finde z. B. Discothekbesuche, Berge und Segeln total langweilig.
    Alle am See, alle mögen Diskos, interessieren sich für Oberbekleidung, alle mögen Champagner?
    Irgendwas liegt da schief. Verknappung an Vorlieben und Interessen qua ständischer Erziehung? Scheint mir unverständlich-merkwürdig.
    Möge man als Landjugend Nachholbedarf haben, aber warum haben alle den exakt gleichen Nachholbedarf? Hedonismus kann viele Gesichter haben, ich lese hier nur von einer Ausprägung, sogar einer unglaublich langweiligen.
    Mit bitte um Aufklärung.

  70. B.A.H., nette...
    B.A.H., nette Schlußfolgerung. Wenn Sie an so etwas Spaß haben, sollten Sie sich „Früchte des Vertrauens“ von A. Kluge zu Gemüte führen. Über die Feiertage vielleicht, sind nämlich 658 Minuten Material. Aber keine Sekunde langweilig.

  71. @B.A.H. - also um irgendwas...
    @B.A.H. – also um irgendwas vernünftiges, wie die Ölquellen im Irak, muß es doch auch in Afghanistan gehen. Von einer Pipeline habe ich auch schon gehört, aber nur leise zwischen dem ganzen anderen gequassel.

  72. muscat, die meisten haben...
    muscat, die meisten haben Kinder, nur ein paar Anwältinnen fallen aus diesem Raster raus. es gab ein paar Ehen, die man nicht hätte eingehen sollen. Ziemlich oft stecken die Kinder übrogens in Schulen, die ihre Eltern in der eigenen Schulzeit gehasst haben.
    .
    Hanskarl, das Problem ist die Defimition. Im Prinzip kann, wenn man schon dort ist, wo sie nicht, nicht mehr viel mehr kommen. Ab einem gewissen Niveau geht es nicht mehr um noch mehr. sondern um Stabilisierung, den Rest besorgen 1-Kind-Familien. Sie haben es leichter, das stimmt. Es wäre mehr drin. Aber wozu?

  73. Ja die Bundeswehr.
    Es war Mai...

    Ja die Bundeswehr.
    Es war Mai und ich saß in einem düsteren Zimmer, vor mir drei Herren im Janker, der älteste mit Schmiss und vermutlich noch Waffen-SS Erfahrung, und ich erklärte drei Stunden (!) lang, warum ich keine Menschen umbringen mag… geduldig, mit irritierten Blick, als spräche ich zu drei Cretins, mit der Sicherheit von Überzeugungen, wie man sie nur in diesem Alter hat. Damals waren noch die Russen in Afghanistan.
    Nach drei Stunden gaben sie auf, und ich ging hinaus in den Mai, in die Freiheit. Einige Monate später war Abschlussfeier, und einige Freunde redeten schon im Bundeswehr-Jargon.
    Es war die Zeit, in der sich die Wege gabelten.

  74. Wenn ich den Soundtrack meiner...
    Wenn ich den Soundtrack meiner (materiell nicht ganz so sorglosen) Studentenzeit zusammenstellen müsste, hätte „One Second“ von Yello sicher auch einen prominenten Platz. Und zwar als Platzhalter für die unbeschwerten Momente, für das Gefühl von Freiheit, mal nicht an morgen und an die Zukunft zu denken.
    Was – wenn es nicht zu indiskret/persönlich wird – ist denn gemeint mit dem „Versprechen von 1987, das nicht eingelöst wurde? Dass die Party immer so weitergehen würde?

  75. @muscat: dann empfehlen Sie...
    @muscat: dann empfehlen Sie dies bitte weiter. Das ist was fuer die ganz langen Naechte.
    http://www.dctp.tv/#/livestream

  76. Zum Soundtrack gehört sicher...
    Zum Soundtrack gehört sicher auch Jacques Brels „Les bourgois“
    http://www.youtube.com/watch?v=OYp2jbXaJwE

  77. Werter Don,
    dieses Mal war Ihr...

    Werter Don,
    dieses Mal war Ihr Essay wieder von einer nostalgischen Note durchdrungen, die einen zurückführt an die Wurzeln einer Jugend geprägt von diskreten Ausschweifungen. Ich muß Ihnen aber widerpsrechen, dass es sowas in den 60ern nicht gab, mein Vater war Jahrgang 48 und hat mir ebensolche Erlebnisse berichtet. Es gab neben den protestierenden Studenten auch eine Oberschicht-Jugend, die exakt so gelebt hat wie von Ihnen beschrieben. Man fuhr damals Rennen Porsche 356 gegen Karmann Ghia und war im Tennisclub.
    Interessant finde ich, dass heute wie damals auch die Gespielinnen eingeteilt wurden in potenziell heiratsfähig und eher nicht – von meinem Vater liebevoll „arm aber dankbar“ genannt.
    Gruss aus dem Norden,
    Moritz

  78. Werter Don,
    vor nicht...

    Werter Don,
    vor nicht allzulanger Zeit wurde ich aus gesellschaftlichen Gründen auf eine Party Schrägstrich Feier eingeladen, bei der die Art Leute anwesend waren, zu denen ich vo circa 18 Jahren – zumindest vom Stande her – gehörte. Diese hier kamen aus den besten Häusern, aus Häusern, die mal gerne besser werden wollen und Aufsteigern, die sich benahmen, als kämen sie aus den besten Häusern, nur aufgesetzter. Möglicherweise bin ich verfrüht zum Alten Sack geworden, aber die Uniformität, die Art des Sich-Benehmens, die Kleidung, die Orte wo und wie studiert wurde, sowie die schwafelige Art des Sich-Unterhaltens…. Ich kann nur sagen, dass diese Art Leute von uns früher eine Abreibung zu fortgeschrittener Stunde bekommen haben. Früher war alles besser, oder auch nicht, nur es hatte zumindest den Anschein als ob. Heute wird nicht mal versucht, die langweiligen Charaktere zu verstecken. Gesichtslose und charakterlose Zombies, die uns beerben werden. Buaaahhh. Mit deren Eltern und Großeltern, mit denen ich die Ehre habe im Klub zu verkehren, werden alle Abende sehr kurzweilig, anekdotenreiche Weinstimmungen, spannende Erzählungen und insgesamt spannende Menschen. Die nächste Generation ist die Generation Schwafel Cambridge, Summacumlaude Blablabla, Biografie von xy-gelesen habenmüssen wüüürrgg. Armes Partydeutschland. In Hamburg hat man es im Front krachen lassen, wenn man schwul war oder so tun konnte als ob oder im Traxx, wo man angeblich nie reinkam. Da war man quasi unter sich. Wobei der Kreis der Feiernden zu meiner Zeit bunter gewürfelt war und Apothekerstöchter belächelt und Arztsöhne ob ihrer Kleidung meistens verhauen wurden. Es war viel mehr los….
    Schade, dass das vorbei ist.
    Beste und wehmütige Grüße aus Hamburg
    MvB-B

  79. ...oder das lied meines...
    …oder das lied meines Lebens: La mauvais reputation.
    http://www.youtube.com/watch?v=6F2gh4YygWo

  80. @Filou: Jawoll, wird gemacht....
    @Filou: Jawoll, wird gemacht. Danke.
    .
    @Moritz: „Gespielinnen“? „Arm aber dankbar“? Schaurig, schaurig…

  81. MvB-B, versuchen Sie einfach...
    MvB-B, versuchen Sie einfach mal, Ihr sülzendes Gegenüber ganz laut anzugähnen. Hilft (meistens). Aber die guten Manieren, ich weiß… es ist schwer.

  82. T.I.M.,

    "Gesellschaftlich...
    T.I.M.,
    „Gesellschaftlich gesehen ist das natürlich insofern bedenklich, dass nicht nur zum einen eine Chancengleichheit nicht gegeben ist (aber wer glaubt das schon), sondern vor allem deshalb, weil die zukünftige sog. Elite dem Kontakt mit exzellenten, vielleicht ganz hervorragenden Köpfe entgeht – was letztlich leicht ein Desaster für die ganze Gesellschaft (inkl. Eliten) werden kann.“
    dafür wird schon gesorgt z. B. durch die Studienstiftung des deutschen Volkes, wo es durchaus zu einer gewissen Durchmischung verschiedener Klassen kommt.

  83. zeitkommi, das glaube ich...
    zeitkommi, das glaube ich absolut nicht. In Bayern etwa sind die Chancen für Arbeiterkinder schon extrem schlecht, überhaupt zur Hochschulreife zu kommen. Da wird gnadenlos horizontal eine Grenze durch die Gesellschaft gezogen. Und in der vierten Klasse gibt es kaum eine bessere Mutter, die ihre Kinder nicht zu Höchstleistungen bringt. Danach… sicher, es gibt Stiftungen. Aber die Ungleichheit bleibt.
    .
    Lieber Moritz, im Bayern der 70er Jahre wäre sicher noch die Polizei gekommen, hätte man im Brunnen des alten botanischen Garten gefeiert. Mir ist bekannt, dass sich manche Väter früher Rennen auf Norton 500 lieferten, und auch mein Vater hatte ein Faible für entsprechendes Gerät, bevor die Kinder kamen. Aber es wäre so gut wie undenkbar gewesen, ohne Vorwarnung mit einer nicht verheirateten Frau einfach so in ein Hotel zu gehen. Und das Fehlen all dieser Beschränkungen machte eben den besonderen Reiz aus, den andere davor nur unter Gefahren erleben konnten.

  84. MarkusvonBentheim-Burg, man...
    MarkusvonBentheim-Burg, man kann das alles ja schon bei Christian Kracht nachlesen – die Wurzeln des Übels stecken mindestens in den 90ern.
    .
    mark793, One second ist nicht wirklich durchhörbar und dem gängigen Musikgeschmack der Zeit entgegen gebürstet. Das ist genau das Feine daran: Dass es nicht für die anderen zugänglich war. Dass es eine Welt darstellte, die manche einlud und andere ausgeschlossen hat, ohne dass es denen weh tat – die hatten dann etwas anderes. Dummerweise wurde die dominierende Ableitung aus Yello für den Massengeschmack dann Techno und all die verstrahlten Langeweiler in Berlin und die Grossraumhallen voller Turnschuhträger. Ich hätte erwartet, dass die einen anderen Weg nehmen, sehr fern und ohne Beachtung der kleinen, feinen Welt, in der ich lebte. War nicht so.

  85. Werter Don,
    nachdem vor circa...

    Werter Don,
    nachdem vor circa drei Wochen das neue Album von Yello den Wetterbericht verschiedener Länder auf ntv untermalte, habe das von Ihnen beschriebene Album auf meinen Ipod gespielt. Zwischen all den verschiedenen Stücken die sich darauf befinden, kann man diese Yellostücke immer sofort schon an den ersten paar Noten erkennen.
    Dies hat dazu geführt, dass ich mir jeden Abend ein paar Stücke daraus von der Tochter unseres Gärtners barbusig am Spinett vorspielen lasse.
    Beste Grüße aus der Orangerie
    MvB-B

  86. We never ever argue, we never...
    We never ever argue, we never calculate,
    the currency we´ve spent
    I love you, you pay my rent.
    DAS war echte 80er Jahre-Romantik!

  87. Don, sicherlich, das sagen die...
    Don, sicherlich, das sagen die Statistiken. Ich persönlich kenne jedoch mindestens ein Dutzend „Arbeiterkinder“ mit/ohne „Migrationshintergrund“ in der Studienstiftung und bin erfreut, wie sie von der Förderung profitieren: Es geht dabei gar nicht so sehr um die pekuniäre Seite, sondern auch und vor allem um Persönlichkeitsförderung. Als Kind aus gutem Hause bringt man meist ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein mit, was bei den Nachkommen einfacher Leute seltener vorhanden ist. Und genau das zu wecken, das schafft die Studienstiftung in nicht wenigen Fällen.

  88. Driver, sicher, das waren die...
    Driver, sicher, das waren die Gewinner des Nachkriegslandes, die ganz kleine Spitze ganz oben. In München vielleicht mit etwas mehr Recht als in Berlin, da weitgehend selbst verdient und nicht Transferleistungen, die verballert wurden. Nachdem ich eine Weile mit StudiVZ zu tun hatte, und auch mal mit einer „Elite-Uni“ im Osten, muss ich sagen, dass mein Mitleid mit den Studierenden mitunter grösser sein könnte. Natürlich sind Unis nicht die grossen, gerechten Gleichmacher. Aber das Volk, das sich dort tummelt, ist auch nicht immer optimal.
    Was das Lenbach angeht: Seit der new Economy geht das nun gar nicht mehr. Ganz grässliches Ding und ganz unschöne Geschichte mit Leuten, denen man nicht vorgestellt werden möchte. Legendär bei der Businessgosse das Afterwork in diesem Umfeld. Wir waren vielleicht nicht immer klug, aber so peinlich waren wir auch nicht.

  89. ephemeride, @D.A. Was mich im...
    ephemeride, @D.A. Was mich im Zusammenhang mit Stützen und Klassen und Kasten einmal interessieren würde, ist die heutige Rolle des Militärs. Auch wenn es sicherlich nicht mehr den Nimbus und die gesellschaftliche Bedeutung wie im zaristischen Russland zu Tolstois Zeiten oder wie in der Schweiz zu Hubers und Busers Tätigkeiten hat – mir scheint die Bundeswehr des 21. Jahrhunderts wieder zu einem sehr elitären Zirkel zu werden. Elitär in dem Sinne, als dass man sich dort immer weniger in die Karten schauen und noch weniger hinein reden lässt und damit sehr kastenartige Ausprägung annimmt.
    .
    innerhalb ja. ist aber auch nicht ganz neu, der damalige bgs muss hinsichtlich selbstverständis und kastengeist die bw noch übertroffen haben, sogar die panzeraufklärer. dass dann auch die ehmals transportpolizisten auf bundespolizei umpaspeliert wurden, dürfte derart tendenzen noch verstärkt haben.
    .
    wie sehr stinkt belegt der ganz plötzlich ganz untragbar gewordene günzel (brigadegenral a.d,).
    .
    ausserhalb, denke ich, sind die bei den kreisen, die früher leutnats zum hausball eingeladen haben, noch nicht einmal geduldet, man weiss, das man sie braucht, aber man braucht sie dafür nicht zu mögen, sie werden ja schon bezahlt.

  90. zeitkommi, sicher, allein, die...
    zeitkommi, sicher, allein, die Studienstiftung fördert eben auch sehr viel, wo man sich denkt: Die bräuchten das nicht wirklich. Ministerkinder etwa, Butschaftsnachwuchs, insgesamt absolut kein Querschnitt durch die Gesellschaft (man merkt vielleicht, dass ich zwar die Klassengesellschaft für nicht falsch empfinde, aber dann solche Netzwerke zu deren Verkrustung verabscheue)
    .
    muscat, West End Girl traf es vielleicht am besten.

  91. @Don
    Und waren Sie beim Bund?...

    @Don
    Und waren Sie beim Bund?

  92. Natürlich nicht. Untauglich....
    Natürlich nicht. Untauglich.

  93. Don, auch auf die Gefahr hin,...
    Don, auch auf die Gefahr hin, den Bezug zur Klassenfrage etwas aus den Augen zu verlieren und mehr ins Popkulturelle abzudriften: Für mich, der ich Mitte der 80er noch weniger massentaugliches Tanzbares hörte (EBM, Dark Wave etc.) bildeten Yello schon sowas wie meine Verbindung zum Mainstream. Ich würde die auch nicht unbedingt sonderlich prominent in der Ahnenreihe des Techno sehen, dafür waren sie dann doch zu komplex und vielschichtig. Wobei Stücke wie „The Race“ schon irgendwie Vektoren marktiert haben, die zu Techno führten, so gesehen stimmt die Diagnose mit der Ableitung schon.
    .
    In gewisser Weise teilen wir auch die Erfahrung, dass das plötzlich auftretende Massenphänomen Techno unsere eigenen überschaubaren Szenen irgendwie überrollt und plattgemacht hat, sowohl Dein Party-Reservat der Kinder aus besseren Kreisen als auch meine subkulturelle Nische der weniger angepassten Postpunks, Goths und anderen Gestalten, die zu Laibach und Front 242 abtanzten. Diesen Paradigmenwechsel hin zu unreflektierter Massen-Happiness über noch mehr beats per minute habe ich bei gelegentlichen Touren ins Dorian Gray noch mitgekriegt – und relativ schnell festgestellt, dass mir die Richtung nicht passt, die das ganze nimmt. Nicht erst, als Techno dahingegend ausartete, Heinz-Rühmann-Kinderlieder mit Beat unterlegt auf 78 Umdrehungen abzuspielen, hatte ich zum ersten Mal im Leben so richtig bewusst das Gefühl, alt zu werden und nicht mehr jeden neuen Schwachsinn gut finden zu müssen.
    Was lehrt uns das? Der „Aufstand der Massen“ und der daraus folgende Einbruch der Horden in bestimmte Refugien und vorher enger definierte Zirkel ist ein beklagenswertes Übel – ganz gleich, ob man das nun durch die schwarze Existenzialistenbrille der Subkultur sieht oder durch die Designerbrille mit Upper-Class-Perspektive. ;-)

  94. @Don
    "habe nie ein Praktikum...

    @Don
    „habe nie ein Praktikum oder Volontariat gemacht“
    .
    Haben Sie herzlichen Dank für die unverlangte Absolution von jemandem, der diesen Zirkus aus ihm selbst nicht ganz verständlichen Gründen auch nie mitgemacht hat und sich jetzt nachträglich bestätigt sieht.
    .
    Aber sagen Sie Don: Waren Sie sich zu jedem Zeitpunkt Ihres Lebens sicher, daß es das nicht braucht? Hatten Sie niemals so was wie Existenzangst (bzw. in Ihrem Fall: Die Angst, tatsächlich vom Vermögen leben zu müssen?). Und würden Sie heutigen Studenten ernsthaft raten, ebenfalls keine Praktika zu machen?

  95. @Don
    ;-)) Dritter Sohn....

    @Don
    ;-)) Dritter Sohn.

  96. Aber gerade durch den Umgang...
    Aber gerade durch den Umgang mit solchen Sprösslingen aus großbürgerlichen Verhältnissen nimmt so manches Arbeiterkind eine Menge mit. Wo sonst kommt es denn ganz ungezwungen in Kontakt mit anderen sozialen Sphären?
    Ob allerdings die zugegebenermaßen ziemlich spät einsetzende (nämlich Anfang bis Ende Zwanzig) Förderung ausreicht, damit ein Kind aus einfachem Hause es auch tatsächlich nach ganz oben schafft, ist wiederum fraglich. Zumindest im akademischen Bereich gilt die Studienstiftung als Kaderschmiede. In der Wirtschaft dürfte das vielleicht anders sein …

  97. laperla, ich werde mir alle...
    laperla, ich werde mir alle Mühe geben, vor Ihren Augen jene Dezentheit zu erfinden, die mir in echt so abgeht wie jedem Blogger, der etwas taugt (heute kann sich ja leider jeder Blogger nennen, und wenn er nur Bilder aus dem Netz klaut und nicht mal Texte formatieren kann).
    .
    HansMeier555, nein, warum sollte ich mir da Sorgen machen? Journalismus ist für mich zum Glück nur ein Hobby, auf das ich nicht zwingend angewiesen bin, und auch keine Tätigkeit, die auf dem Grabstein stehen sollte. Was mich wirklich reizt – Autor, Schriftsteller etc. – kann man nicht erlernen und wenn doch, dann taugt man nichts. Ansonsten mache ich mir als Bruder Leichtfuss immer erst dann Sorgen, wenn sie angebracht sind, und bin damit immer recht gut gefahren.

  98. mark793, ich muss natürlich...
    mark793, ich muss natürlich generell sagen, dass ich nur ein Jahr und dann auch nur sporadisch in Frankfurt unterwegs war – Würzburg brachte mich dazu, und dann nach München. Damals waren noch Trillerpfeifen das Ungewühnlichste, und Leute, die Acid schrien, sa man auch nicht wirklich an. Wie auch immer: In der ersten Phase war Techno nur logisch, weil es die Ablösung des Songs durch eine Funktionsmusik für das Tanzen ablöste. Das war nur logisch und konsequent, die Entwicklung der Musik war schon länger diesen Weg der Ablösung gegangen. Im Prinzip hätte man damit auch 1989/90 stehen bleiben können. Nur verträgt das die Popmusik nicht, die sich ändern und populär werden muss. Und so wurde aus einer nicht hörbaren, rein tanzbaren Musikfläche für die ganze Nacht eben wieder das Lied mit den Technometaphern, die jeder nutzen konnte und wollte. Dazu noch Grossraumdiscos wie Die Macht der Nacht, und schwups, war alles ein einziger, toter Brei, den auch die Tochter der Nachbarn hören konnte – und die war 13. dazu dann noch die Einflüsse aus dem Partyregionen am Mittelmeer, die Austauschbarkeit, der Suff (was angesichts des Preisniveaus in besseren Häusern eher schwer zu gestalten war, ging dort plötzlich), synthetische Drogen von Jura-Fachschaftlern… dann halt nicht, sagte ich mir. Was war, war gut, nichts dauert ewig.
    .
    Zeitkommi, ich würde als Arbeiterkind wirklich nur wenig bei den realexistierenden Kindern grossbürgerlicher Familien lernen wollen. Auch bei uns sind sogar elemantare Tischsitten auf dem Rückzug. Ich denke, jeder sollte seinen eigenen Weg finden, viel zu bieten haben solche Clans im täglichen Betrieb wirklich nicht.

  99. avantgarde,
    danke schön....

    avantgarde,
    danke schön.

  100. Alles in allem schockiert aber...
    Alles in allem schockiert aber doch die Bereitschaft, sich den Eltern unterzuordnen. Daß es so was in den 80er Jahren noch gab. Ich bin ja auch ein reaktionäres Umfeld gewohnt, aber so was?
    Hätte das Mädel sich nicht einfach gegen den Willen ihrer Eltern ein anderes Wohnheim oder sogar ein Zimmer suchen können? Jede Wette, die hätten das nach einem ersten Schock auch akzeptiert. Wegen so was verstößt man keine Tochter, nicht mal als strenger Katholik.
    .
    „Das war einfach so und man hat es nicht in Frage gestellt“. Nun ja. Immerhin herrschte doch damals im Lande die „geistige Hegemonie der Linken“, und unter Abiturienten waren die GRÜNEN die stärkste Partei. Irgendetwas davon muß doch auch in die bayerischen Westviertel geschwappt sein. Gab es da wirklich NIEMANDEN, der in Wackersdorf protestiert oder bei einer Hausbesetzung mitgemacht hätte?
    .
    Die Söhnchen von unserem Bonzenhügel waren jedenfalls in der linkslastigen Schülerverantwortung aktiv, profilierten sich in der Schülerzeitung mit Titanic-Plagiaten, kritisierten die Macht der Banken, forderten einen Kondomautomaten auf der Schultoilette und träumten von einer Journalistischen Karriere. Einer wurde dann (nach einem Volontariat bei einer brandenburgischen Provinzzeitung) und dem Erhalt eines dieser Journalistenpreise Kulturredakteur beim Playboy.

  101. In Wackersdort waren alle....
    In Wackersdort waren alle. Auch die Eltern, das sagt also nichts. Und natürlich waren manche so und andere anders erzogen, es gab Condottiere und Betschwestern.

  102. @Don
    Apropos Schriftstellerei:...

    @Don
    Apropos Schriftstellerei:
    Neulich hat die taz eine euphorische Rezension über das Buch eines amerikanischen Literaturwissenschaftler über die Folgen der „Creative writing“-Seminare veröffentlicht. Die Aussage war, daß diese „Creative writing“-Kurse, die sich in den USA seit Jahrzehnten fest eingebürgert haben, sich auf den literarischen Prozeß überaus positiv ausgewirkt hätten. Die meisten Teilnehmer werden zwar nicht zu Schriftstellern, aber zu besseren Lesern – und die Schriftsteller können sich dort ein paar Dollars verdienen.

  103. Der Neugier zur Bundeswehr...
    Der Neugier zur Bundeswehr kann geholfen werden. Zu bestimmten Anlässen und in bestimmte Kreise wird man immer noch eingeladen, Leutnants sind ja ohnehin eher seltener denn nach dem Studium sind die ja schnell Oberleutnant und dann Hauptmann. In der Provinz ist ein Ball der Marine, des Garnison usw immer noch ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges. Am Honoratiorentisch durfte ich einmal eine Frau MdB und eine Frau MdL betanzen, dazu die Chefarzt- Gattinnen und die Apothekerin.
    Gleichwohl ist man vom Regen des Militarismus in die Traufe eines totalen Desinteresse gelangt. Das fing bereits Anfang der 70er an, als in meinem Abi- Jahrgang an einem alten Gymnasium ( gegründet 1609) nur 2 von 56 Jungen sich trauten zuzugeben dass sie zum Bund gingen, getan haben das dann die Mehrheit, meist einschließlich ROA als SaZ 2.
    Nach meiner Einschätzung erhöht das das PTSD Risiko bei unseren Kameraden die aus dem Einsatz zurückkehren. Es fehlt jede gesellschaftliche Struktur die sie akzeptieren und auffangen würde.
    .
    Meine Studentenzeit in Münster verlief deutlich anders, Humanmedizin mit zentralen MC Prüfungen ist selbst mit viel Geld und guten Anwälten ohne ein Minimum an Lernleistung nicht zu schaffen. Zu Münster gehörten auch Feten und Besäufnisse, aber auch Eröffnungsgottesdienst im Dom (zu Beginn Choral: Bis hier her hat mich Gott gebracht in seiner großen Güte) (warum erinnert mich das an Zuckmayer?).
    Der Umgang war quer durch die soziale Herkunft unverkrampft, Angelika de la T fuhr zwar ein englisches Cabrio, aber es war nicht taufrisch und es wurde kein Aufhebens gemacht.

  104. Hauptmann von Koepenick?...
    Hauptmann von Koepenick? Gefaengniskapelle?

  105. HansMeier555, puh, also... ich...
    HansMeier555, puh, also… ich habe da auch eine Meinung. Ich glaube, Schreiben ist eine Sache der inneren Haltung. Wenn die innere haltung nichts taugt. fällt das um so mehr auf, je stärker man von den klassischen Doktrinen abweicht. Manche Leute sind perfekte Journalisten, wenn es um die klassische Methoden geht, und komplette Versager, wenn sie mal was anderes und frei schreiben sollen. Das Internet ist hier nochmal erheblich grausamer, denn die Reaktionen des Publikums werden schneller sichtbar. Während man sich in der Zeitung mit verquastem Unsinn vielleichz noch verstecken kann, zeigen die Klicks auf, was gelesen wird. Und wer seine Leser massiv und dauerhaft anödet oder verschreckt. Insofern ist das mit der Kreativität eine sehr riskante Sache. Nach meinen Erfahrungen mit jungen Journalisten ist es auch alles andere als leicht, sie dafür zu gewinnen.
    .
    prince Matecki, ja, der Standortball, das hat man gern in der Provinz- Früher waren es bei uns die Pioniere, jetzt gibt es im Nachbarskaff wenigstens noch einen Fliegerhorst, wo alle Grössen hinpilgern. Aber mit dem Abbau des Militärs und dem Erstarken der Wirtschaft haben sich auch da die Verhältnisse verschoben. In meiner Jugend vor den Münchner Episoden jedenfalls war das Ball der Dresdner Bank schon beliebter als der reichlich durchaltete Standortball: Weitaus mehr Töchter.

  106. "Manche Leute sind perfekte...
    „Manche Leute sind perfekte Journalisten, wenn es um die klassische Methoden geht, und komplette Versager, wenn sie mal was anderes und frei schreiben sollen.“
    .
    Es juckt mich, Namen zu nennen, aber ich tus nicht.

  107. So so, in Wackersdorf waren...
    So so, in Wackersdorf waren alle?
    .
    Darf ich ganz plump und ahnungslos fragen: Warum?

  108. Weil bei uns allgemein das...
    Weil bei uns allgemein das gefühl herrschte, dass es jetzt reicht. Das hat die CSU lange nicht kapiert. Sie hat alle wie Verbrecher behandelt, und das hat alle wütend gemacht. Wackersdorf war der Anfang vom Ende der CSU als Staatspartei. Wenn die Partei aus Hubschraubern Tränengas auf harmlose Kinder werfen lässt, ist eben eine Grenze überschritten.

  109. Wer sich als Journalist nach...
    Wer sich als Journalist nach dem Krieg an den Stil von Egon Erwin Kisch annaehern wollte, wurde schnell zum literarischen Poseur. Das aergste Beispiel fand ich beim Durchblaettern der Arbeiten von Hans Habe.
    (Assoziationskette: Lack, Dose umgefallen, weisse Farbe auf gelbem Leinenimitatat, vermutlich Hanser Verlag).

  110. Und das hat die Partyjugend...
    Und das hat die Partyjugend damals noch gejuckt?
    Die alte Illusion war: Daß „unsere CSU“ doch auf Kinder Rücksicht nehmen wird.
    Die nächste Illusion: Das wäre unter einer SPD-Regierung nicht passiert.
    Staatsparteien kann man abwählen, aber der Staat bleibt und das gehört nun mal dazu. Die heutige Jugend hat das begriffen.

  111. Einerseits war das noch vor...
    Einerseits war das noch vor der Partyjugend – ich war noch in der Kollegstufe. Andererseits – Wackersdorf galt wirklich als Bedrohung. Ich glaube, man muss hier gelebt haben, um zu wissen, was die CSU damals bedeutete. Man kann das nicht mehr mit dem vergleichen, was heute ist.
    .
    Und ansonsten möchte och hinsichtlich des gerade nötpg gewordenen Löschvorganges sagen: Man kann mich hier auch persönlich angehen. Aber nur, wenn man den Text gelesen und verstanden hat. Irgendwelche Brocken zusammenklauben und dann meinen, man könne anonym loslegen, ist hier leider nicht möglich. (Immerhin: 500 Kommentare lang ist es wieder gut gegangen)

  112. Filou, Kisch war ja auch das,...
    Filou, Kisch war ja auch das, was man heute als „Borderliner“ bezeichnen würde. Meine Vorstellung ist eher von der Vorstellung des Erzählens in einem Salon geprägt; das mag nicht besonders anspruchsvoll wirken, gerade in Deutschland, aber hier hatte es die Leichtigkeit noch nie wirklich leicht. Trotzdem denke ich, dass auch Banalität ein Existenzrecht hat.

  113. Don, ich bin sprachlos....
    Don, ich bin sprachlos. Einfach sprachlos. Diese Gedanken schiessen den Vogel ab.
    Ich muss jetzt mal resignierten, so ohne weiteres blahblah: Der Text hat mich echt getroffen. Er spricht mir aus meinem Herzen. Er berührt mich zutiefst.
    Und zwei Sätze haben mich dann vollkommen erledigt:
    „…wie es jenen ergeht, die sich Zugang zu Sphären erhoffen, in die sie nicht passen.“
    (von diesen Menschen ohne Zutritt / ohne Jugend werden wir heute traurigerweise politisch & wirtschaftlich geführt. )
    „Yello, One Second. Eine Platte, eine Epoche, ein Versprechen von 1987, das nicht eingelöst wurde.“
    Ein Versprechen, das nicht eingelöst wurde….wie wahr & wie unendlich traurig.

  114. Apropos Leichtigkeit, dieser...
    Apropos Leichtigkeit, dieser Text hat Sound.
    Leichtigkeit? Ja! Verkniffene, schmallippige Texte/Menschen, die sich zu ernst nehmen, gibt es schon genug.

  115. Ich verstehe nicht, warum Sie...
    Ich verstehe nicht, warum Sie bei allfälliger Gelegenheit immer so auf die Anonymen schimpfen. Sie heißen doch auch nicht Don mit Vornamen und Alphonso mit Familiennamen. Die Ihnen nicht unbekannte Andrea Doria zum Beispiel macht das ganz anders. Und geht es ihr schlechter? Ich meine, ist Stalken heute in D. (oder Ffm., oder bei Ihnen) ein Problem? Dann würde ich alles entschuldigen.
    Oder ist es nur die Kunstform, vulgo die Eitelkeit, die jemandem wie, sagen wir, mir erlaubt, sich B.A.H. zu nennen? (Auf der anderen Hand ist das natürlich ein ganz angenehmes Gefühl; man kann ablassen, was man will, ohne unter dem Tisch geknufft zu werden. )
    Ich finde übrigens, dass das alles ein bisschen überhand nimmt. (Mal mit S. reden….) Habe ich neulich doch zum erstenmal in meinem Leben eine Barchetta gesehen, und auch noch im Westviertel – mein Gott, jetzt rede ich auch schon wie der. Westend. Aber weder D.A. noch A.D. . Will sagen, ich bin, Gott der Gerechte, auf meine alten Tage tatsächlich hingegangen und habe auf die Kennzeichen geguckt. Ich dachte, hoffentlich sieht mich jetzt niemand, und was sage ich dann?
    Vor ein paar Monaten wußte ich noch gar nicht, wer oder was eine f…g Barchetta ist. Was zum Essen? Oder zum Putzen? Und ich habe mir gedacht, hätte ich, im Fall des Falles, das holde Paar eigentlich zu einer warmen Mahlzeit „einladen“ sollen/dürfen? Im Westviertel? (Weil ich doch das F.A.Z. Abo bezahle?) Natürlich, bitte jetzt nicht gleich hyperventilieren: für Monsieur ohne jedweden Fisch, ohne Fleisch, ohne Alkohol, ohne – ja, was ist denn da sonst noch so im Busch? (Das ist im, hüstel, Westviertel nicht ganz ohne, aber es würde bestimmt gehen. Im Westviertel geht, wie wir von Ihnen lernen, alles.)
    Die Antwort war nein, denn es gibt offensichtlich durchaus noch jemanden anders, der/die/das so ein süßes Auto fährt: rechts rum, links rum, geradesaus, rückwärts – wie der signalorange Käfer, den wir damals dem DDR-Übersiedler geschenkt hatten, weil wir ein Auto kaufen wollten. Ich meine: meine damalige solche.
    Aber vergessen habe ich ihn nie. Er gehört zum Fundus der Sippe, zur Großfamilie, zur kleindeutschen Geschichte, vor allem, seit die Polizei einmal nachts um halb vier angerufen hat, und all so Sachen. Er hieß übrigens – mein Gott, jetzt habe ich ihn doch vergessen.
    Nein. Er hieß Körting. Genau, wie diese Firma. Aber das wäre jetzt ein anderes B-Log. (Körding und Kördinglichkeit.)

  116. Liebe Leser,
    die...

    Liebe Leser,
    die Beschreibungen des Don Alphonso über das Bayern unter Strauß sind naturgemäß von äußerst subjektiven Erfahrungen und vor allem Empfindungen in seinem Mikrokosmos geprägt!
    Dies ist sicherlich keine allgemeingültige objektive Zustandsbeschreibung.
    Ich habe den Freistaat damals tatsächlich als solchen empfunden. Naturgemäß ist das auch sehr subjektiv!
    Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte.

  117. B.A.H., Sie dürfen hier gern...
    B.A.H., Sie dürfen hier gern den Geschmäcklerischen geben und den Ironuschen oder auch den Tür zumachenden oder sogar auch den Themenbesserwisser, aber die Entscheidung, wann die Freiheit hier in eine Injurienorgie umschlägt, bleibt mir überlassen. Es ist nicht die Lustigste aller Aufgaben, hier für einen geordneten Fortgang der Lustbarkeiten zu sorgen, und wer dabei nörgelnd im Weg stehen möchte – nun, es hält Sie niemand auf, Ihren eigenen Garten aufzumachen, wo Sie all die Trolle mit eigenen, besseren und schöneren Themen füttern.
    .
    christina, mir ist durchaus bewusst, dass viele mit solchen Lebensansätzen weniger umgehen können, als man innerhalb solcher Freundeskreise andere Leute verurteilt hätte. Die Leute, die Hedonismus für ein Schimpfwort halten, haben fraglos gewonnen.

  118. Warum nennt sich Bayern...
    Warum nennt sich Bayern eigentlich so vehement Freistaat ?
    Frei von wem ?
    Frei von was ?
    Frei von Bescheidenheit ?
    Ist Bayern aus irgendeinem Grunde freier als andere deutsche Länder ?
    Oder ist das nur dumme Folklore um sich in Festzelten nach mehreren Mass‘
    gut zu fühlen ?

  119. Freistaat ist die deutsche...
    Freistaat ist die deutsche Bezeichnung für Republik.
    Nach Abschaffung der Monarchie 1918 war Bayern Feistaat und hat diese Bezeichnung 1946 wieder angenommen!

  120. Don, Hedonismus in Kombination...
    Don, Hedonismus in Kombination mit Egozentrismus finde ich allerdings sehr unangenehm.
    .
    @Reiterjunge: Lesen Sie doch mal die Geschichte vom Hoeneß im Magazin der SZ, welches vor wenigen Wochen erschienen ist. Da bekommt man eine ungefähre Ahnung, woher dieses große bayerische Selbstbewußtsein, das nicht selten in Arroganz mündet(e), rührt.
    Deswegen muss man noch lange kein Bayern-Fan sein.

  121. Ha, Studienstiftung. Wenn es...
    Ha, Studienstiftung. Wenn es in der Studienstiftung wirklich gerecht zuginge, würde das nach Bewerbung gehen und nicht nach Vorschlag. Denn das System, dass einen der eigene Direktor vorschlagen muss, trägt oft leider dazu bei dass alte Seilschaften zum Tragen kommen. Oder dass man wegen einer unglücklichen Kombination aus falschem Geschlecht, falscher Herkunft und einem angeblich subversivem Artikel in der Schülerzeitung trotz Notenschnitt von 1,0 nicht vorgeschlagen wird.
    Ich hätte meine Studienzeit gerne auch partyfeiernd wie Don Alphonso verbracht, aber da fehlten mir einfach die Mittel zu (da hätte aber auch die Studienstiftung nichts dran geändert). Was einem im Studium wirklich weiterbringt, sind meiner Meinung nach genau die Sachen, die in den neuen Bachelor-Studiengängen als Zeitverschwendung gelten – mal fachübergreifend in andere Vorlesungen schnuppern, Sprachkurse, „unnütze“ Praktika. Auf der anderen Seite wird so viel an Lernstoff verlangt (schon vor Bologna, und das ist nicht besser geworden), dass es kaum möglich ist, das Studium in Regelstudienzeit zu schaffen – ich kenne 4 Leute mit einem Abiturschnitt von 1,0, und keiner von denen ist in Regelstudienzeit mit seinem/ihrem Studium fertiggeworden (allesamt Naturwissenschaftler oder Ingenieure), selbst die nicht, die von ihren Eltern voll finanziert wurden.
    Naja, egal, jetzt habe ich ja ein bischen mehr Geld in der Tasche und kann mir zusätzlich zum Zweitwagen (nächste Woche Donnerstag kriege ich meinen Fiat 500, ich stell schonmal den Prosecco kalt :-))))) auch das ein oder andere Dinner außer Haus leisten (war am Samstag auf einem Nikolaus-Dinner mit Jazz-Live-Musik. War sehr schön, das einzige was mich ein bischen gestört hat, war dass mein Gatte und ich mit großen Abstand die jüngsten im Publikum waren. Aber für die Disko sind wir dummerweise auch schon wieder zu alt…)

  122. @Don Ferrando, das war mir...
    @Don Ferrando, das war mir schon bekannt.
    Alle anderen deutschen Gaue waren nach 1918 auch Republik.
    Das war also kein exklusives Attribut.
    Die Frage ist, warum wird in Bayern heute noch so darauf herumgeritten und bei jedem Bierfassanstich der „Freistaat“ betont wird ?
    Gibt es da irgendwelche Komplexe die gepflegt werden wollen ?

  123. muscat, ich fürchte,...
    muscat, ich fürchte, Egozentrik ist ein untrennbarer Bestandteil von Hedonismus, dessen philosophischer Kern, grob übersetzt, schon ausdrückt, dass man sich erst um das eigene Glück bemühen muss, um die Welt zu einem angenehmeren Ort zu machen. Angesichts der verkniffenen Sophisten jener Epoche war – und ist – das nicht unbedingt eine schlechte Einstellung, wie man vielleicht im kommenden Jahr sehen wird. Besser jedenfalls als die Umverteilung, die andere bevorzugen. Was man uns ja nicht wirklich nachsagen konnte, wir gingen ja nicht in den Osten und haben Betriebe platt gemacht.
    .
    unellen, nun, dieser Druck wurde erst nach meiner Zeit aufgebaut, die späten 90er Jahre hatten da so was ekelhaft leistungsfetischistisches und waren absolut nicht mehr grosszügig – eher selbstbereichernd und auf Vollgas geeicht. Meines Erachtens war das vor allem ein Hilfsprogramm für die Wirtschaft, die bei den Konzepten mitreden durfte, den Konkurrenzdruck zu verstärken und billig an Leute ranzukommen, die man ausbeuten konnte. Es hat natürlich was, wenn einer wirtschaftsliberalen Schreiberin in einem wirtschaftliberalen Haus aus Westdeutschland nach dem Volontariat in Frankfurt eine Stelle für 1000 Euro brutto angeboten wird, nit Sonntagsdienst – und dafür haben die dann auch noch studiert und sich klein gemacht und nicht gefeiert.

  124. miner, danke. Ich fürchte,...
    miner, danke. Ich fürchte, für solche Strukturen des begrenzten Zugangs gibt es einfach keine umfassend schöne und saubere Lösung, ausser ihre Abschaffung und den Ersatz durch neue, ebenfalls ausschliessende Strukturen. Das kann man bewusst machen, wie Techno oder Trotzkis Idee der permanenten (und andere ausschliessenden) Revolution, oder so, dass es möglichst keiner merkt (deutsche Westviertel, bayerische Bildungspolitik, G8, real existierenden Bundesrepublik). Nicht dass ich mir hier einen Trotzki wünschen würde, aber diese Ehrlichkeit wäre schon eine feine Sache.

  125. Don, das sehe ich etwas...
    Don, das sehe ich etwas anders. Eher im Sinne Epikurs (Lustprinzip). Die Freundschaft hat dort einen hohen Stellenwert. Freundschaft (und nicht Zweckgemeinschaft!) unter Egozentrikern? Na ja, da kenne ich wenige, wo das gelungen ist.

  126. Hurra, eine Abschweifung! Und...
    Hurra, eine Abschweifung! Und was für eine schöne!
    .
    Im Ernst, ich glaube, dass in einer Welt der extremen Ungleichheit und dem entsprechend umfassenden Druck in allen Lebensbereichen auf das Selbst die Ataraxie im ersten Schritt nur durch ein gehöriges Mass an Egozentrik erreicht werden kann. Im gleichen Mass, wie aussenrum mehr Anfeindungen und Bedrängnisse sind, muss man das Selbst erst frei und angenehm gestalten. Diese Welt, in der wir leben, basiert ja im Kern auf der Verneinung und der Verhinderung von innerer Ruhe, um uns voranzutreiben zu Globalisierung, Profit und Umverteilung. Man könnte also sagen, dass man, um heute den Hedonismus nach Epikur zu erreichen, durchaus zum Hedonismus von de La Mettrie greifen kann. Schlimm wird es, wenn es zu de Sade umschlägt. Aber nicht im Parkcafe hat man Untergebene sexuell gedemütigt, sondern an der Wall Street.

  127. Mir gehen die Feststellungen...
    Mir gehen die Feststellungen des Don zur vertikalen Mobilität auch sehr nah. Offenbar zählen die Abschlüsse und das Volontariat nix, die Beziehungen alles. Wie definieren wir da ein Minimum an „Unabhängigkeit“? Es gibt sogar noch ein ungerechteres Selektionskriterium, nämlich den Zufall. Die Hippiestudenten und später wir in den 80ern hatten ja noch den Traum vom Wachstum (der wird jetzt per Gesetz verlängert). Damit war dann erst mit seiner Abstufung zum „Aufschwung“ Schluss. Wer in diese Konjunkturphasen hineinleben kann wie die 68er und 78er, hat eben Glück. Wer später kommt, den bestraft der Zufall. Erstere brauchten nicht mal Abschlüsse, letzteren nützen auch Abschlüsse und Volontariat nichts mehr. Die 88er sind daher so eine Brückenkohorte: Wer hat, der hat noch eine Weile – und erbt. Für die 98er gilt dann nur noch „Generation P“. Aber von denen wählt auch jeder neunte F.D.P. Viel Spaß!

  128. Aber gerne, Don,...
    Aber gerne, Don, jederzeit…
    Epikur über La Mettrie erreichen, grübel grübel… Sie kleiner Winkeladvokat (wenn ich Winkeladvokat sage, ist das meistens, so wie hier, nett gemeint).

  129. muscat, Sie wissen ja...
    muscat, Sie wissen ja vielleicht um mein Faible für die französische Aufklärung und hier wiederum ihre Extrempositionen – schon die Überschrift des Beitrags mit dem „amoralisch“ und „Bestrafung“ reflektiert ja ein wenig auf de Sade, auch der Ton des Beitrags schuldet nicht wenig der Belanglosigkeit, mit der man mit der Philosophie im Boudoir die althergebrachte Moral verlacht. (Und natürlich macht es mir diebischen Spass, solche 200 Jahre alten Diskurse neu zu verpacken und wieder zu führen).
    .
    Trotzdem, ich sehe einfach die geänderten Rahmenbedingungen seit der Antike. Wir müssen uns die Frage stellen, ob Epikur nicht auch gesagt hätte: Angesichts der realen Zustände setze ich mich zumindest mit La Mettrie zusammen und schaue, was wir daraus machen. Meines Erachtens stehen wir mit unserer Gesellschaft ohnehin gerade bestenfalls bei Rousseau, zu Voltaire fehlt noch viel und für de Sade sind wir alle noch zu klein.

  130. Die Bibliothek der...
    Die Bibliothek der Aufklärung. Das war mal kurz ein schönes Thema, drüben bei Rebellen ohne Markt.

  131. "Diese Welt, in der wir leben,...
    „Diese Welt, in der wir leben, basiert ja im Kern auf der Verneinung und der Verhinderung von innerer Ruhe, …“
    .
    So was ähnliches meine ich auch mit meinem Mantra, daß der Sinn der modernen sozialen Marktwirtschaft in der Einverleibung der Seelen der Unterworfenen besteht.

  132. loreley, ja, ich weiss, und...
    loreley, ja, ich weiss, und ich schäme mich auch für die Inkonsequenz.
    .
    Driver, in meinem Fall waren es eigentlich nie Beziehungen, sondern die Konzentration auf kleine, hochspezialisierte Aufgabenfelder, die anderen zu stressig und lebensfeindlich waren. Oder auch Bereiche, deren Anforderungen nur wenige entsprechen wollten, weil sie in Faulheit und Inkompetenz auch ein gutes Auskommen hatten. Im Ergebnis landen dann diejenigen, die die Qualifikation brauchen, über kurz oder lang bei einem, ohne dass man deshalb dauernd Werbung machen müsste. Im Ergebnis bedeutet das eben, dass man auf grosse Strukturen verzichtet und wenig Rücksichten nehmen muss.

  133. Gut, den Rousseau lasse ich...
    Gut, den Rousseau lasse ich mir gefallen (geht aber m.E. auch eher in die Richtung des universellen Hedonismus).
    Meine erste Assoziation bei der Überschrift war jedoch eine andere. Ich dachte da an einen Landsmann von Rousseau. Aber nein, das müssen wir uns hier und heute nicht antun.

  134. @Don Alphonso: 1000€ brutto...
    @Don Alphonso: 1000€ brutto mit Sonntagsdienst bei Hochschulabschluss ist wirklich bitter. Ich möchte denjenigen, die solche Fächer studieren ja nicht zu nahe treten, aber ist das nicht auch ein bischen ein Problem von Angebot und Nachfrage? Wenn ich mir mein Einstiegsgehalt als absolute Berufsanfängerin anschaue (jemand, der ein Volontariat gemacht hat, bringt ja schon etwas mehr „Berufserfahrung“ mit), dann bin ich mit meinen 2500€ brutto doch noch besser dran… (und ich muss nicht am Sonntag arbeiten). Meine bisher arbeitslose Informatiker-Freundin hat jetzt auch einen Job, und sie verdient im ersten Jahr 3400€ brutto im Monat, was wirklich in meinen Augen schon ein ordentliches Gehalt ist. Sie bringt aber auch weil sie freiberuflich schon im Studium gearbeitet hat ein bischen mehr Erfahrung mit.
    Will sagen: Als Studienanfänger sollte man sich vielleicht doch überlegen, ob einem ein naturwissenschaftliches oder technisches Studium Spaß machen könnte. Man muss sich nicht um den NC sorgen (wir sind so wenige, dass es keinen gibt), man verdient einigermaßen vernünftig und keiner nimmt es einem übel, wenn man in der Regelstudienzeit nicht fertig wird (weil es den Chefs vor 30 Jahren auch schon so ging). Einziger Nachteil: Man muss wirklich, wirklich sein Hirn anstrengen. Analysis, Mechanik, Thermodynamik und co sind wirklich nichts, was man nebenbei in der Kneipe beim Bier lernen kann (nicht dass wir das nicht versucht hätten ;-)).
    ach ja, und Klassenteilung gibts bei uns auch nicht, denn die Söhne und Töchter der höheren Gesellschaft wählen ja eher sowas wie Medizin, Jura, BWL… ich will natürlich nicht behaupten dass diese Fächer „leichter“ sind, aber nach dem was ich gehört habe und aus meinen Jura- und BWL-Vorlesungen kenne (bleibt uns Ingenieuren nicht erspart, was ja auch sinnvoll ist) kann man sich da mit Einpauken und Auswendiglernen noch besser retten als bei anderen Studiengängen. Und man muss keine Mathematik können (gut, die BWLer müssen rechnen könnten. Aber das ist nicht dasselbe wie Mathematik).

  135. unellen,
    "Auf der anderen...

    unellen,
    „Auf der anderen Seite wird so viel an Lernstoff verlangt (schon vor Bologna, und das ist nicht besser geworden), dass es kaum möglich ist, das Studium in Regelstudienzeit zu schaffen – ich kenne 4 Leute mit einem Abiturschnitt von 1,0, und keiner von denen ist in Regelstudienzeit mit seinem/ihrem Studium fertiggeworden (allesamt Naturwissenschaftler oder Ingenieure), selbst die nicht, die von ihren Eltern voll finanziert wurden.“
    kommt mir bekannt vor. ;-) Wobei es auch sehr von der Uni abhängt, wie stressig das Studium ist.

  136. Das würde mich aber durchaus...
    Das würde mich aber durchaus interessieren. (Wobei es mir nicht wichtig ist, dass die literarischen Rätsel gelöst werden, die es immer wieder mal gibt – „from warsaw to rome“ etwa könnte auch ein versteckter Hinweis auf Juliette sein – sondern dass ich sie einflechten kann)

  137. unellen, ich kenne wenig...
    unellen, ich kenne wenig wirklich brilliante Juristen, die permanent gepaukt haben. Und Sie sind zu bedauern, wenn Sie sich das in Ihrem naturwissenschaftlichen Studium parallel antun mußten (na ja, was war das: Baurecht und ein bißchen Buchführung?).
    Und die vermeintlichen „Laberfächer“ (Philosphie wird häufig dazu gezählt) entpuppen sich spätestens im ersten Seminar für die meisten als unüberwindbare Hürde. Weil man die Texte, die da diskutiert werden, nicht nur mal kurz vorher (auf Powerpoint-Folien) quergelesen haben sollte, z.B.
    .
    …“Überwachen und Strafen“. Aber ich kann verstehen, wenn man davor zurückschreckt.

  138. @unellen, d'accord !
    Für mich...

    @unellen, d’accord !
    Für mich sieht es ähnlich aus.
    Mit den Geisteswissenschaften kann man sich ja auch immer noch beschäftigen wenn die finanzielle Basis steht.
    Es sei denn man ist von vornherein finanziell unabhängig, so wie D.A..

  139. Ich muss unbedingt mal etwas...
    Ich muss unbedingt mal etwas über den Unterschied zwischen „finanziell unabhängig“ und „finanziell abgesichert“ schreiben. Das sind zwei vollkommen verschiedene Dinge, und ich war lediglich abgesichtert. Grob gesagt ist das auf der halben Strecke zwischen unabhängig und finanziell prekär.

  140. @ Reiterjunge.
    ich bin völlig...

    @ Reiterjunge.
    ich bin völlig anderer Auffassung. Wenn einen Geisteswissenschaften wirklich interessieren, dasnn sollte man sich ihnen auch widmen und nicht ein Brotstudium wegen des Geldes absolvieren.
    Denn ein mit Freude und Interesse absolviertes Geisteswissenschaftliches Studium wird schlußendlich nicht nur mehr Lebensfreude sondern auch eine finanielle Basis sichern.
    Ich kenne jedenfalls in meinem Umfeld genügend Fälle, auf die das zutrifft.
    @unellen. verwechseln Sie nicht Ihren Rechtskundeunterricht mit Rechtswissenschaft!

  141. Geisteswissenschaften kann man...
    Geisteswissenschaften kann man nur Fanatikern empfehlen, die es wirklich ernst meinen und kein Problem damit haben, auch am Wochenende stundenlang Texte zu exzerpieren. Ja, man kann davon leben – aber auf Berlin-Mitte-Niveau, nicht auf Westviertelniveau.

  142. @muscat: In meinen Fall waren...
    @muscat: In meinen Fall waren es zwei Semester Umweltrecht, 1 Semester allgemeines Recht, 1 Semester „wirtschaftswissenschaftliche Grundlagen“ (= was ist das Prinzip der doppelten Buchführung, was ist ROI, etc.). Obwohl ich zugeben muss, dass ich als ich in den Hausaufgaben eine Aufgabe nach dem Motto:
    „Wir haben eine lineare Angebots-und Nachfragefunktion bei dieser Tankstellenkette, f(x) wieviele Liter werden weniger getankt wenn der Preis um x cent erhöht wird“ mich gefragt habe, ob das ein schlechter Scherz sein soll oder wirklich ernst gemeint war (es war ernst gemeint).
    @Don Ferrando: Da haben Sie natürlich Recht, dass es eher Rechtskundeunterrricht als Rechtswissenschaft war ;-) Multiple-Choice-Aufgaben gabs aber übrigens keine in der Klausur, es ging auch eher darum zu verstehen wie juristisches Denken prinzipiell funktioniert (viele sind an einer Aufgabe gescheitert weil ihnen nicht klar war dass „Abfall“ eine „bewegliche Sache“ sein muss und der Boden in einer Altlastfläche ergo erst dann zu Abfall wird, wenn er ausgekoffert ist).
    Und dazu:
    „ich bin völlig anderer Auffassung. Wenn einen Geisteswissenschaften wirklich interessieren, dasnn sollte man sich ihnen auch widmen und nicht ein Brotstudium wegen des Geldes absolvieren“
    da haben Sie natürlich Recht. Ich kenne aber andererseits genug Leute, die eine Geisteswissenschaft nach dem Motto „ist kein Mathe drin, ich muss nicht viel lernen und kann in der Vorlesung seidene Einstecktüchlein tragen“ oder „meine beste Freundin macht Germanistik, dann schreibe ich mich auch dafür ein“ angefangen haben zu studieren ;-). Deswegen schrieb ich ja, dass man sich zur Wahl des Studiengangs schon ein paar Gedanken machen sollte.

  143. Bis gestern sagte mir der Name...
    Bis gestern sagte mir der Name Yello wirklich nichts, aber nachdem ich das gegoogelt habe, muß ich eigentlich sagen, daß die Bestrafung der amoralischen Partymacher in der Tat selbst lag. Den Hedonismus darin kann ich wirklich nicht erkennen – ich würde das eher unter Masochismus rubrizieren.
    Trotzdem, und das ist es, was mich an diesem Text verblüfft hat, habe ich die 80er ähnlich arrogant und selbstbezogen durchlebt – nur irgendwie am anderen Ende des Spektrums. Im Umfeld der Hausbesetzer (nicht Hausbesitzer) waren die Ausschlußmechanismen und Verachtung derjenigen, die nicht dazugehörten, nicht minder krass. Allerdings war das intellektuelle (und musikalische) Niveau offensichlich etwas höher. Neben den üblichen verfassungsfeindlichen oder gegen die Eigentumsordnung gerichteten Aktivitäten wurde viel gelesen, viel diskutiert, einiges an Texten verbrochen. Und da wir nicht in Eigentumswohnungen sondern in besetzten Häusern oder Wohngemeinschaften hausten, lernten wir (nicht alle, aber viele) ein halbwegs vernünftiges Sozialverhalten.
    Der Uniabschluß war dann auch kein Problem – zu lesen, zu diskutieren, den eigenen Standpunkt zu formulieren und auf den Punkt zu bringen hatten wir gelernt. Es dauerte lang – aber ich habe mir auch den Luxus gegönnt, eine Menge Veranstaltungen anderer Fächer zu besuchen und sogar ein Jahr komplett damit verplempert, nur so zum Spaß Altgriechisch zu lernen (eine der kügsten Entscheidungen meines Lebens – denn das, abgesehen vom Vergnügen, ersparte mir den Militärdienst, aber das ist eine andere Geschichte).
    Ich trauere dieser Zeit nicht nach – den vieles von den guten Dingen damals habe ich in meinen inzwischen weniger aufregenden Alltag hinüberretten können, die schlechten (und da gab es einiges) sind längst vergessen. Und deshalb ist mir der ennui, der so gelegentlich aus den Texten des Dons spricht, ziemlich fremd.

  144. mes amis!
    was unellen zu den...

    mes amis!
    was unellen zu den naturwissenschafte gesagt hat, ist leider richtig. weder die schulkids noch die studenten mögen oder machen mathe, wers dann doch macht, wird belohnt. das ist OK, weil das auch keiner nebenbei erledigt und weil andrerseits die geistesgroessen das studium als lebensphase begreifen – come il don. heiter wirds erst dann, wenn die „wirklichen“ geisteswissenschaftler mit ausland, summa und publikationen (evtl. volontariat) auf H4-niveau landen. der doktor lohnt sich längst nicht mehr. verbeamtet wird man in der verwaltung auch mit staatsexamen. für juristen: ist nicht sogar eine sammelklage unserer W2-proffs gegen ihre niedrige besoldung anhängig?
    an der „lebensphase studium“ kommt keiner vorbei, was daraus wird, ist am ende wieder konjunktur-, also zufallsabhängig. viele unserer alten proffs hatten auch keine habil, und in oxford haben einzelne nicht mal den doktorhut. jetzt „verschleissen“ wir die studenten zwischen BA und MA, was soll man den jungen da noch raten? unser nachwuchs hat den anschluss verloren – geistig und wissenschaftlich.

  145. @alter Bolschewik: danke für...
    @alter Bolschewik: danke für ihren dritten Absatz.
    Das war es, was ich Reiterjunge oben in Sachen FH-Studium und Uni-Studium sagen wollte!

  146. @ Reiterjunge, "Mit den...
    @ Reiterjunge, „Mit den Geisteswissenschaften kann man sich ja auch immer noch beschäftigen wenn die finanzielle Basis steht.“ – Ja, toll! Noch mehr Rentner- und Hobbystudenten, die einem die Vorlesungen verstopfen. Mir hat’s auch so schon gereicht. Die alle rausschmeißen, einen vernünftigen Aufnahmetest, und um die Geisteswissenschaft wäre es mindestens doppelt so gut bestellt.

  147. @Don, 19 Uhr 43: "dann halt...
    @Don, 19 Uhr 43: „dann halt nicht, sagte ich mir. Was war, war gut“ – Ja, darauf lief es bei mir auch hinaus, wenngleich ich mir das damals gar nicht so bewusst gemacht hatte. Der popkulturelle Paradigmenwechsel des Partymachens fiel in meinem Fall zeitlich zusammen der Entscheidung, das Studium aufzugeben und mich ohne Titel, Netz und doppelten Boden (lies: Praktika und Volontariat) in die publizistische Praxis zu stürzen und wenn schon nicht eine Bank, so doch wenigstens eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung mitzugründen. Für nächtelanges Rumhüpfen auf irgendwelchen „Raves“ hatte ich nicht mehr die nötigen Hummeln im Hintern, und dem Umstand wollte ich auch nicht mit irgendwelchen Pillen abhelfen. Das (inklusive Trillerpfeifen und „Aciiiiid“-Schreien) war einfach nicht mehr meine Welt, punktum.
    Gleichwohl habe ich die inhärente Logik der Entwicklung zum Techno und darüber hinaus auch nachvollziehen können, von wegen Aufhebung der Songstrukturen, die abnehmende Bedeutung der einzelnen Interpreten innerhalb des Gesamtkunstwerks Klangteppich. Ich habe es übrigens exakt genauso empfunden, dass da irgendwann ein bestimmter Punkt erreicht war, an dem das irgendwie nicht mehr so recht weiterging und stattdessen umkippte in Richtung kirmestauglicher Klanghappen, dargeboten von vermarktbaren Interpreten, ohne deren Projektionsfläche Pop irgendwie nicht so recht funktioniert. Ich weiß nicht, warum mir dazu plötzlich „Pop will eat itself“ einfällt. Das ist ja auch so ein leeres Versprechen geblieben…

  148. "Wenn einen...
    „Wenn einen Geisteswissenschaften wirklich interessieren, dann sollte man sich ihnen auch widmen und nicht ein Brotstudium wegen des Geldes absolvieren.“
    Allerdings darf man dann auch nicht von der Solidargemeinschaft erwarten, die finanzielle Differenz ausgeglichen zu bekommen. Denn diese Solidargemeinschaft speist sich mehrheitlich aus dem Geld von Leuten, die ein Brotstudium (oder eine andere Brotausbildung) (nicht nur) des Geldes, sondern auch des Interesses wegen absolviert haben und einen Großteil des Einkommens abgeben müssen, ohne eine annähernd ähnlich-wertige Gegenleistung zu erhalten.
    Gerade bei Studenten, die ihr Studium mit wenig Interesse (bzw. gar nicht) abschließen ist der Anteil der Geisteswissenschaftler weit überproportional. Eine der weinigen guten Errungenschaften der Bologna-Reform ist dewegen auch der zwangsweise Rechenschaftsbericht bereits nach dem ersten Semester. Hierdurch wurde zumindest das unsoziale Bummelstudium-Unwesen erfolgreich eingedämmt.
    Man gestatte mir noch eine kurze Abschweife zum Thema Staatspartei: Ich stamme aus einem Bundesland, in dessen „rotem Herzen“ es jahrzentelang kaum möglich war, ein öffentliches Amt vom Hilfs-Hausmeister aufwärts zu bekleiden, ohne im Besitz eines gewissen roten Parteibuchs zu sein. Von diversen anderen Schikanen mal abgesehen, die man zu erwarten hatte, wenn man der „falschen“ politischen Überzeugung anhing. Dies hat sich zum Glück inzwischen geändert, auch wenn die alten Seilschaften teilweise immer noch präsent sind. Selbst unter Franz-Josef S. war Bayern wahrscheinlich weit mehr ein FREI-Staat, als es Bruder-Johannes Land jemals gewesen ist.

  149. unellen,

    "Wenn ich mir mein...
    unellen,
    „Wenn ich mir mein Einstiegsgehalt als absolute Berufsanfängerin anschaue (jemand, der ein Volontariat gemacht hat, bringt ja schon etwas mehr „Berufserfahrung“ mit), dann bin ich mit meinen 2500€ brutto doch noch besser dran… (und ich muss nicht am Sonntag arbeiten).“
    mit Bachelor/Master/Diplom oder gar Promotion? Wahrscheinlich mit Diplom, vermute ich. Komisch, ich dachte die durchschnittlichen Einstiegsgehälter liegen höher.
    „Will sagen: Als Studienanfänger sollte man sich vielleicht doch überlegen, ob einem ein naturwissenschaftliches oder technisches Studium Spaß machen könnte. Man muss sich nicht um den NC sorgen (wir sind so wenige, dass es keinen gibt), man verdient einigermaßen vernünftig und keiner nimmt es einem übel, wenn man in der Regelstudienzeit nicht fertig wird (weil es den Chefs vor 30 Jahren auch schon so ging). “
    Naja, kommt darauf an, was Sie unter „Chef“ verstehen, Personalchefs erwarten schon die eierlegende Wollmilchsau, mit 25 promoviert, zig Auslandsaufenthalte, Praktika, Bestnoten etc. Und ja, die Leute gibt’s tatsächlich.
    „ach ja, und Klassenteilung gibts bei uns auch nicht, denn die Söhne und Töchter der höheren Gesellschaft wählen ja eher sowas wie Medizin, Jura, BWL… ich will natürlich nicht behaupten dass diese Fächer „leichter“ sind, aber nach dem was ich gehört habe und aus meinen Jura- und BWL-Vorlesungen kenne (bleibt uns Ingenieuren nicht erspart, was ja auch sinnvoll ist) kann man sich da mit Einpauken und Auswendiglernen noch besser retten als bei anderen Studiengängen. Und man muss keine Mathematik können (gut, die BWLer müssen rechnen könnten. Aber das ist nicht dasselbe wie Mathematik).“
    Schon mal was von Wirtschaftsingenieurwesen gehört? Da stimmt letzteres nämlich nicht.

  150. @Andrea Diener, im Fernstudium...
    @Andrea Diener, im Fernstudium nehme ich nun wirklich niemandem den Platz im Hörsaal weg, da braucht man keinen Hörsaal.
    Die Aufnahmekriterien sind vorhanden und gelten für alle.
    Zu den Senioren zähle ich mich noch nicht.
    Ich könnte noch als später Erststudierender im 15.Semester durchgehen.
    .
    @ Don Ferrando, auch wir FH-Absolventen sind in der Lage zu lesen, zu diskutieren, den eigenen Standpunkt zu formulieren und auf den Punkt zu bringen.
    Das ist auch verdammt nötig, denn wenn ich das nicht tun würde dann wären hier an meinem Arbeitsplatz eventuell Menschenleben in Gefahr, oder mein Arbeitgeber würde an erster Stelle in den Nachrichten auftauchen weil eine Rauchwolke in lustigen Farben über Frankfurt wabert.
    .
    Oder wollten Sie auf die Option hinweisen durch Geisteswissenschaft dem Wehrdienst zu entgehen ?

  151. langweiler...
    langweiler

  152. @Zeitkommi
    "Personalchefs...

    @Zeitkommi
    „Personalchefs erwarten schon die eierlegende Wollmilchsau, mit 25 promoviert, zig Auslandsaufenthalte, Praktika, Bestnoten etc. Und ja, die Leute gibt’s tatsächlich.“
    .
    Es sind weitaus weniger als Sie denken. Und Personalchefs sind ja auch nicht ohne jede Lebensklugheit. Also nicht entmutigen lassen. Am Ende ist der ganze Zirkus längst nicht so wichtig, wie Sie denken. Sobald Leute gebraucht werden, spielt das alles keine grosse Rolle mehr.

  153. Reiterjunge,

    "In meinem...
    Reiterjunge,
    „In meinem Bereich arbeiten die Absolventen verschiedener Hochschultypen erfolgreich und gleichberechtigt zusammen.“
    warum gibt es dann überhaupt noch verschiedene Grade?

  154. Man kann den Bogen auch...
    Man kann den Bogen auch überspannen.
    Vor einem Krankenhaus stehen bleiben und sich über die Leute die dort herumhumpeln herablassend und amüsiert äußern. Dabei über die Zeiten schwadronieren als man selbst im Sportverein war (man hat sich nie ein Bein gebrochen) und nicht wie die da offenbar schon immer unfähig sich schwungvoll zu bewegen. Irgendwie krank oder einfach nur …?
    Wünsche gute Besserung.

  155. "Schon mal was von...
    „Schon mal was von Wirtschaftsingenieurwesen gehört? Da stimmt letzteres nämlich nicht.“
    lol, die zählten in unseren Augen nicht als echte Ingenieure ;-)
    die Einstiegsgehälter für Ingenieure sind je nach Branche, Region, Größe und Betätigungsfeld der jeweiligen Firma recht unterschiedlich – ein Maschinenbauingenieur bei einem international agierenden Großunternehmen wird in der Regel ein höheres Einstiegsgehalt bekommen als ein Bauingenieur, der in der Pampa in einem kleinen Planungsbüro arbeitet.

  156. ach ja, und man ist natürlich...
    ach ja, und man ist natürlich ein bischen gelackmeiert wenn man ausgerechnet mitten in der Wirtschaftskrise mit den Studium fertig wird…

  157. unellen,

    ""Schon mal was von...
    unellen,
    „“Schon mal was von Wirtschaftsingenieurwesen gehört? Da stimmt letzteres nämlich nicht.“
    lol, die zählten in unseren Augen nicht als echte Ingenieure ;-) “
    OK, die werden auch eher Berater – eine Spezies, die in diesem Blog wahrscheinlich auch nicht gut wegkäme. Gleichwohl gilt das Studium als ziemlich anspruchsvoll mit demensprechend guten Berufsaussichten. Bin selbst übrigens „nur“ Naturwissenschaftler.
    HansMeier555,
    woher beziehen Sie Ihre Erfahrung? Zeitschriften wie Junge Karriere, Websites wie e-fellows.net und viele Stellenanzeigen vermittlen nämlich ein anderes Bild.

  158. @zeitkommi, ja das frage ich...
    @zeitkommi, ja das frage ich mich auch manchmal.
    Zumindest in meiner Studienrichtung und meinem Arbeitsbereich sind keine gravierenden Unterschiede zwischen Fh- oder TU-Diplom sichtbar, noch nicht einmal beim Gehalt.
    Letztendlich kommt es eher auf die Leistung und die Übernahme von Verantwortung an. In anderen Unternehmen sieht das vielleicht wieder anders aus.
    Promotion ist wieder ein anderes Thema, dies ist auch hier eine andere Liga.
    Damit öffnen sich andere Türen.
    .
    Wie das mit Bachelor- oder Master- Absolventen aussieht kann ich nicht sagen.
    Von denen ist noch niemand hier angekommen.
    .
    Wahrscheinlich könnte man diese Frage 16 Kultusministern stellen und bekäme dann 16 verschiedene Antworten.
    .
    Übrigens, so mancher unbestrittene Titan der Wissenschaft der letzten 500 Jahre hat sein Studium in weniger als der Regelstudienzeit eines heutigen Bachelors absolviert.
    Was läuft da heute wirklich falsch ?

  159. Sehr geehrter Herr...
    Sehr geehrter Herr Alphons,
    sie haben mich zurückversetzt in die selige Studentenzeit vor dem Fall der Mauer.
    Herrlich.
    Die Bundesrepublik war überschaubar, bei Cabrioletfahrten in die holsteinische Schweiz stieß man immer wieder an die sogenannte „Zonengrenze“ und federte zurück in die Bonner Republik, es gab Feindbilder, keine wirkliche Not, Westbindung, Helmut Kohl und die Münchener Szene, Ihr Artikel weckt fast wehmütige Erinnerungen am meine – viel zu kurze – Münchner Zeit, das Appartment am alten nördlichen Friedhof, das erste Paar Schuhe von Ed. Meier, die Sommerabende in der St. Emmeramsmühle und die Ausflüge zum Starnberger See, gerne auch morgens nach durchfeierter Nacht.
    Retour in Hamburg, zur Beendigung des Studiums nach einer deutlich zweistelligen Semesterzahl erschienen mir diese Achtziger Jahre in München dann jedoch seltsam unwirklich und künstlich. Ein bißchen wie ein „Falco“-Videoclip oder eine Folge aus Miami-Vice, eine Schilderung aus „Faserland“.
    Klar, solche Menschen wie die von Ihnen beschriebenen, gab es auch in Hamburg.
    Aber irgendwie wurden die „bei uns“ belächelt. Gaultier-Anzüge und Helmut-Lang-Hemden trug man einfach nicht. Genausowenig, wie man einen MX 5 fuhr.
    Meistens kamen die, die es trotzdem taten, aus Lüneburg, Kiel oder Hannover.
    Ob das nur an den regionalen Unterschieden zwischen München und Hamburg lag?
    .
    Erlauben Sie mir noch eine kurze Anmerkung zu den fünfziger und sechziger Jahren.
    Der Glaube, daß der Hedonismus, das Gruppendenken und den Chic und die jugendliche Ekstase eine Erfindung der Achtziger sei, ist ein Irrglaube.
    Die Sechziger in Städten wie Düsseldorf (Buchtip: „Dazzeldorf“, von Charles Wilp) oder eben Hamburg und dem zugehörigen Vorort Sylt waren weitaus spannender als die Achtziger in Hamburg, München oder Berlin, und mindestens so hedonistisch.
    Und weder in Ihrem noch in meinem Vier Jahreszeiten sind meine Eltern vor ihrer Eheschließung je nach einem Trauschein bei der Reservierung des Zimmers gefragt worden. Und das ist über fünfzig Jahre her.
    .
    Aber eines hat Ihr Essay bei mir ausgelöst:
    Ich muß dringend wieder mal für ein paar Tage nach München, alte Orte besuchen, war schon schön.
    .
    Herzliche Grüße aus den regnerischen Berlin, hs.

  160. zeitkommi, diese mit 25...
    zeitkommi, diese mit 25 promovierten Typen sind maximal für’s Management, d.h., eigentlich für nichts zu gebrauchen. Abschlüsse sind – oder es waren zumindest – nicht so wirklich wichtig. Mein Uniabschluß ist das Papier nicht wert, auf das er ausgedruckt ist; ich arbeite im Bereich meines abgebrochenen Erststudiums (Mathematik/Informatik). Und daß ich bislang nie Probleme hatte, eine Stelle zu finden, liegt unter anderem daran, daß ich in meinem Geisteswissenschaftsstudium (und im linksradikalen Sumpf) Sachen gelernt habe, die meinen Informatikerkollegen, so gut sie sind, nicht wirklich beigebracht wurden. Dazu gehören soziale Kompetenz, sprachliche Ausdrucksfähigkeit in Wort und Schrift, schnelle Einarbeitung in komplett neue Problemstellungen, etc. Heutzutage heißt das glaube ich „soft skills“.
    Nicht, daß Naturwissenschaftler oder Ingenieure zu blöd dazu wären; und es gibt dort auch Naturtalente oder familiär Vorbelastete, die das alles einfach so können. Aber ein geisteswissenschaftliches Studium der alten Art hat einem diese „soft skills“ beigebracht, völlig unabhängig von den fachlichen Inhalten. Der sogenannte „Bologna“-Prozeß hat dem so ziemlich den Garaus gemacht.
    Ich hatte neulich das zweifelhafte Vergnügen, eine Reihe aktueller historischer Hauptseminararbeiten lesen zu dürfen – die waren (von einer Ausnahme abgesehen) katastrophal, und das von Leuten, die kurz vor ihrem Abschluß standen. Kein eigener Gedanke, Aufbau völlig schematisch, Thema geistig nicht durchdrungen, grausamer Stil. Nur die Rechtschreibung war besser verglichen mit früher – aber das ist wohl den Rechtschreibkorrekturprogrammen geschuldet.

  161. Geschätzter Don Alphonso,...
    Geschätzter Don Alphonso,

  162. Ja?...
    Ja?

  163. Nickerchen gemacht? Mit Katze...
    Nickerchen gemacht? Mit Katze auf dem Schoß?

  164. "Übrigens, so mancher...
    „Übrigens, so mancher unbestrittene Titan der Wissenschaft der letzten 500 Jahre hat sein Studium in weniger als der Regelstudienzeit eines heutigen Bachelors absolviert.
    Was läuft da heute wirklich falsch ?“
    Meine bescheidene Meinung dazu: Das hängt mit dem enormen Zuwachs an Wissen zusammen. Nehmen wir mal Einstein: Der musste nicht besonders viel Mathematik können (böse Zungen sagen, das ist Stoff den man heute schon in der Oberstufe lernt), er musste keine Simulationen am Computer durchführen und ergo auch nicht programmieren können. Außerdem erfordert das „standing on the shoulders of giants“ das man das Vorwissen zumindest im Groben versteht, das heißt ein Physiker, der neue Erkenntnisse gewinnen will muss z.B. verstanden haben, was Einstein sich im Laufe seines Lebens alles so ausgedacht hat.
    Es läuft in dem Sinne also nicht wirklich was falsch, es gibt nur einfach mehr Vorwissen und kompliziertere Methoden die für die Schaffung neuen Wissens erforderlich sind.
    „zeitkommi, diese mit 25 promovierten Typen sind maximal für’s Management, d.h., eigentlich für nichts zu gebrauchen.“
    Danke für diesen Satz :-)

  165. Alter Bolschewik, danke für...
    Alter Bolschewik, danke für den Lacher beim Lesen des ersten Satzes. :-)
    Und ansonsten könnte das von mir sein: Mathematik/Informatik habe ich nach drei Semestern einfach sein lassen, aber seit beinahe 20 Jahren arbeite ich im IT-Bereich, nach einem geisteswissenschaftlichen Studium.
    Wenn ich den Stundenplan meines Patenkindes (Mathematik/Physik) sehe, dann ist das die Fortsetzung der Schule, und nicht studieren, so wie ich es kannte.

  166. Geschätzter Don Alphonso,...
    Geschätzter Don Alphonso, werte Kommentierende und Leser
    Nachdem das Thema Berufspartymacher war und jetzt Studium und Jobaussichten besprochen werden, hätte ich einen ehemaligen Kollegen aus Studienanfangszeiten hier vorgestellt, den Z. Sein Arbeitsplatz in dem großen Saal war Luftlinie 3 m weg von meiner Wenigkeit. Bei ihm war Halli Galli schon am frühen Nachmittag. Die X an seinem Tisch wurde früh im Semester schwanger (nicht von ihm), erst Schreck dann viel Freude – Heirat wie Don schon sagte geplant – dann nix Heirat und tägliche Tränen bis Ende Semester – wie es dann weiter ging, weiß ich allerdings nicht, ich war ja mit anderem beschäftigt. Von der Sechsertruppe zwischen mir und Hannes sind mindestens drei Universitätsprofessoren geworden, bei meiner Sechsertruppe alle promoviert und ein Universitätsprofessor – aber der Z steckt uns alle als Paradiesvogel a la Don in den Sack. Der macht heute noch, jetzt allerdings mehr berufsmäßig, Party mit den Reichen und Schönen, aber solo, und steckt uns alle von damals zusammen einkommensmäßig mit links in den Sack – ohne Studienabschluß.

  167. Bitte vielmals um...
    Bitte vielmals um Entschuldigung, war die falsche Taste bzw. wahrheitsgemäß meine Unfähigkeit, die Tasten richtig zu bedienen.

  168. "Übrigens, so mancher...
    „Übrigens, so mancher unbestrittene Titan der Wissenschaft der letzten 500 Jahre hat sein Studium in weniger als der Regelstudienzeit eines heutigen Bachelors absolviert.
    Was läuft da heute wirklich falsch ?“
    .
    Einfach mal Dissertationen von, sagen wir mal, 1903 aus dem Unibib-Regal nehmen. Diese niedlichen Heftchen gehen heute gerade noch als Hausarbeit durch.

  169. Frau Diener, Sie haben die...
    Frau Diener, Sie haben die Büchlein wenigstens noch in die Hand genommen und zumindest halbwegs interessiert darin geblättert; Generation Google zitiert einfach blind und die zusammengekleisterten „Zitate der Zitate“ ergeben dann in Summe locker 60 Seiten. Es gibt genug Korrektoren, die auf so einen Käse hereinfallen.

  170. Lieber Zeitkommi,
    lassen Sie...

    Lieber Zeitkommi,
    lassen Sie sich bloß keine Angst machen!
    .
    „woher beziehen Sie Ihre Erfahrung? Zeitschriften wie Junge Karriere, Websites wie e-fellows.net und viele Stellenanzeigen vermittlen nämlich ein anderes Bild.“
    .
    Damit haben Sie ihre Frage auch selber schon beantwortet. Mädels, die nicht aussehen wie Barbie, kriegen ja auch nie einen Freund!
    Was soll ich Ihnen zu „Junge Karriere“ sagen? Das ist der Strich, wo sich die Totalversager, die nun wirklich nix können und nix gelernt haben auf den Strich gehen und sich zugleich an denjenigen rächen, die trotz allem noch ne Chance haben.
    Nehmen Sie diese Ausschreibungstexte in den Stellenanzeigen auch nicht buchstäblich. Die Firmen tun gerne so, als hätten bei ihnen nur „die Besten der Besten“ eine Chance, aber das ist alles Großkotzerei. Natürlich stellen die auch permanent Leute ein, die die dort formulierten Bedingungen deutlich unterschreiten.

  171. @Muscat Nuß
    Für 60 Seiten...

    @Muscat Nuß
    Für 60 Seiten kriegen Sie heute keine geisteswissenschaftliche Dissertation, das sind schon eher 600.
    Frau Diener hat Recht. Die geisteswissenscahftlihen Dissertation von ca. 1900 hatte so um die 100 Seiten, gerne auch weniger. Das enstpricht einer heutigen Staatsexamensarbeit, die Magisterarbeit hat meistens schon mehr. Das Niveau ist aber genauso hoch.
    Mein Gott, laßt Euch doch alle von dem Hype nicht ins Boxhorn jagen. Und glaubt ja nicht, daß es da draußen niemanden gibt, der Qualität nicht erkennen würde, wenn er sie trifft — auch ohne all die Fetisch-Credits.

  172. Alter Bolschewik,

    "diese mit...
    Alter Bolschewik,
    „diese mit 25 promovierten Typen sind maximal für’s Management, d.h., eigentlich für nichts zu gebrauchen.“
    das ist aber zunächst einmal nur ein Behauptung. Ich kenne einige Leute, die mit 26 promoviert sind und in großen Forschungsabteilungen der Industrie arbeiten – mal ganz abgesehen von den gleichaltrigen Postdocs an Unis/MPIs. Beunruhigend ist vor allem, dass es außerhalb Deutschlands einfacher zu sein scheint, so schnell fertig zu werden, ohne dass die fachliche Kompetenz leidet.
    Da frage ich mich manchmal schon, was denn am deutschen Bildungssystem so toll ist.

  173. MeierHans, ich meinte damit...
    MeierHans, ich meinte damit auch eher die Hausarbeiten, die heute geschrieben werden und nicht die Diss.
    Doch wer weiß – wenn einer über 60 Seiten einen kleinen Geniestreich hinbekommt und sich trauen würde, es als Diss abzugeben – da gäbe es mit Sicherheit den einen oder anderen Professor, den das sehr freuen würde.

  174. Was mir an diesem Blog und den...
    Was mir an diesem Blog und den Diskussionen wirklich gefaellt, ist die Grundeinstellung des Gastgebers und vieler Kommentatoren, dass es eben darauf ankomme, was man daraus macht. Hoffe, ich interpretiere das richtig. Bin aehnlicher Meinung, es ist sehr verlockend, die eigene „Grundausstattung“ (Vermoegen, Intelligenz, Kreativitaet, Leistungsfaehigkeit, etc.) mit toller Leistung zu verwechseln. Am Ende des Tages kann man nur ueber die Ueberwindung des inneren Schweinehunds „stolz“ sein, also grob: weiterarbeiten, wenn man auch relaxen koennte, bzw. mutig sein, wenn feige eine Alternative waere. Alles andere ist m. E. in die Wiege gelegt. And timing is everything!

  175. @muscat
    In den...

    @muscat
    In den Geisteswissenschaften wohl kaum.
    Nietsches Arbeit über die „Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik“ würde heute schon aus formalen Gründen nicht als Master-Arbeit anerkannt werden.
    Man würde ihm sagen: Stellen Sie das auf Ihre Webseite, aber verschonen Sie damit die seriöse Wissenschaft…

  176. Schon wieder ich.
    Francis...

    Schon wieder ich.
    Francis Crick hat seinen Nobelpreis bekommen für eine Arbeit, da war er noch nicht mal Doktor.
    Die Nobelpreisarbeit war eine Seite, nicht mal tausend Worte.
    Allerdings hat die Dame, die Daten dafür geliefert hat, keinen Nobelpreis bekommen, sondern ihr Chef.

  177. Und Carol Greider, Nobelpreis...
    Und Carol Greider, Nobelpreis 2009, hat mit der Arbeit, für die sie letztendlich ausgezeichnet wurde, eigentlich schon mit Anfang 20 begonnen.
    So wird es sich neben dem netten Geplauder auch für unseren Gastgeber eines Tages ausgehen, daß dann plötzlich ein literarisches Werk nach seinem Geschmack aus seiner Feder (heute Tastatur?) das Licht der Welt erblickt haben wird.
    Don Alphonso wird dann bei Lesungen – Gott sei gedankt – weder Dom, Orchester noch Kastraten für die Aufführung brauchen.

  178. Man mache sich da bitte keine...
    Man mache sich da bitte keine Illusionen – ich schreibe nur an einer kleinen, dummen Sommergeschichte zwischen Frau und Mann.

  179. @Zeitkommi
    Mag sein, daß es...

    @Zeitkommi
    Mag sein, daß es auch wirklich Hochbegabungen gibt, die mit 26 völlig zu Recht eine leitende Position innehaben. Und dann muß man halt die innere Stärke haben sich einzugestehen, daß man selbst veilleicht nicht zu den aller-allerbesten gehört. Aber so tragisch ist das auch wieder nicht. Die wirklichen Hochbegabungen sind sehr selten. Schon darum kommt kein Unternehmen ohne Normalbegabte aus, die einfach ihren Job ordentlich gelernt haben.
    Personalchefs sind in der Regel älter als 25 und auch schon klüger geworden. Vielleicht finden sie den Text ihrer Stellenanzeigen selber zum Kotzen, können sich aber gegen die hippen Typen von der PR-Abteilung nicht durchsetzen. Und die wiederum kopieren die Texte der Branchenführer — damit es so aussieht, als hätte ihre Klitsche die gleichen Maßstäbe, obwohl das gar nicht stimmt.

  180. Aber vor dem Sommer kommt noch...
    Aber vor dem Sommer kommt noch der Frühling!
    .
    Ach, nur einen gönnt Ihr Gewaltigen…

  181. @rebound: Wahre Worte, die Sie...
    @rebound: Wahre Worte, die Sie da schreiben. Ich sehe das genauso – und um völlig abzuschweifen, muss dieses „was draus machen“ ja noch nicht mal ein Hochschulstudium sein. Mir ist ein auf seinen Beruf stolzer und kompetenter Handwerksmeister jedenfalls wesentlich lieber, als jemand der nach 15 Semestern seinen BWL-Bachelor mit 3,4 abschließt ;-)
    Was den Seitenzahlfetischismus angeht: Also mein Diplomarbeitsbetreuer hat mir gesagt, er will auf keinen Fall mehr als 120 Seiten von mir haben – ich möge meine Inhalte bitte komprimiert präsentieren und auf das Wesentliche beschränken, er müsse das Ganze ja schließlich auch lesen. Habe das aber schon öfter von Bekannten gehört, vielleicht ist das bei den Geisteswissenschaftlern ja anders (habe schon von Mathepromotionen gehört, die angeblich nur eine Seite lang waren).
    @Zeitkommi: Noch ein Grund, warums bei uns länger dauert sind späte Einschulung, lange Schulzeiten und bei den Jungs der Wehrdienst.
    @HansMeier: Wieder ein wahres Wort, was die Qualität angeht. Die Chefs sehen das bei uns ganz leidenschaftslos: Wer im Bewerbungsgespräch überzeugen kann wird eingestellt und kriegt einen Jahresvertrag. Taugt die Person nix, wird der Vertrag eben nicht verlängert, taugt sie was wird sie weiterbeschäftigt – egal ob auf dem Diplom jetzt eine 1,0 oder eine 3,4 steht. Als ich eingestellt wurde hatte ich meine Diplomarbeit noch nicht mal abgegeben (war noch im Korrekturprozess). Ein paar Monate später hielt ich dann freudestrahlend mein Diplom mit der tollen Note in der Hand, machte eine Kopie, marschierte damit (ein Lob erwartend) freudestrahlend zu meinem Chef, der warf noch nicht mal einen Blick drauf und sagte nur „Hmm, ja, dann geben Sie das bitte Frau xy für Ihre Personalakte“.

  182. Das Studium hat eben NIX mit...
    Das Studium hat eben NIX mit der späteren Arbeit zu tun, es sei denn, man würde Wissenschaftler, was aber i.d.R. nicht mehr geht. Selbst wer es wird mit besten Abschlüssen, verarmt, und das tatsächlich in allen Fächern. In anderen Ländern wird das auch gerne akzeptiert, die Haupthürden liegen dort beim Eintritt in die Institution, den Abschluss kriegt dann jeder (Amiland, UK, Ostasien). Nur die Deutschen glauben immer noch an ihre neuen Studiengänge, an Bologna, an Reglementierung. Das ist ja nu schiefgegangen. Ein 70er Gammelstudium oder ein 80er Partystudium ist OK – am Ende können die Langhaarigen zum Funk und die besseren Söhne zur FAZ. Aber die wissenschaftlichen Talente beißen (nach 300 S. Diss. etc.) ins Gras. Das wiederum spüren schon die Kids in der Schule: Bildung lohnt sich NICHT! Mitschwimmen viel eher. Und so geht es denn spiralförmig abwärts im Bildungsstandort D.

  183. Also, ich muss ganz ehrlich...
    Also, ich muss ganz ehrlich sagen, dass das einzige typische „bessere-Söhne-Auto“, das ich je in der FAZ-Garage sah, mein eigenes ist. Solange da nicht Boxster neben Z4 steht, würde ich nicht darauf wetten, dass es wirklich so ist.

  184. @Schluchtenossi
    Also...

    @Schluchtenossi
    Also Nobelpreis ist ja wohl nicht unbedingt ein Maßstab. Da gibt es Friedensnobelpreisträger, die in Afghanistan einen Krieg ausweiten wie seit Johnson 1968 keiner mehr, oder die im Libanon Begin-nen!

  185. @Libero: Da muss ich aber...
    @Libero: Da muss ich aber widersprechen. Natürlich lernt man am Anfang im Beruf noch ordentlich dazu, aber ohne das Studium könnte ich jetzt nicht den Job machen, den ich grade mache.

  186. @unellen. Ist zwar OT, aber...
    @unellen. Ist zwar OT, aber haben Sie nun den 500er gekauft??

  187. Hm, also wenn ich an meine...
    Hm, also wenn ich an meine Studentenzeit an einer badischen Technischen Hochschule zurückdenke, könnte der Kontrast zu dem, was hier die meisten schildern, größer nicht sein: Aussieben ist des Professoren liebstes Hobby, die Studenten haben keins oder nur wenig Zeit dafür.
    unellen,
    „@Zeitkommi: Noch ein Grund, warums bei uns länger dauert sind späte Einschulung, lange Schulzeiten und bei den Jungs der Wehrdienst.“
    nicht nur das, auch das Studium ist kürzer. Fachliche Defizite konnte ich dabei allerdings nicht feststellen. OK, in Deutschland ist man wohl gründlicher und lernt auch breiter, aber ist es das Wert?
    Libero,
    „In anderen Ländern wird das auch gerne akzeptiert, die Haupthürden liegen dort beim Eintritt in die Institution, den Abschluss kriegt dann jeder (Amiland, UK, Ostasien).“
    in der Tat, aber ist das erstrebenswert?

  188. @ unellen
    Tja, Sie hatten wohl...

    @ unellen
    Tja, Sie hatten wohl BWL(Grundlagen) in Ihrem Studium. Angebot und Nachfrage. Lächerliche Funktionen. Stimmt, das ist ja auch BWL für die „Erstwochler“. Es geht auch mit höherer Mathe. weiter, aber nur in Finanzierung, Controlling, OR, Marketing.
    Davon abgeshen, ob BWL tatsächlich ein Studium darstellt oder nicht: ich bin immer wieder erstaunt wie Menschen, die irgendeinen Abschluss in einem Allwetterfach, wie Ing., Jura, BWL, etc. denken, dass Sie gebildet sind. Nein! Studienrichtungen die tatsächlich zu Bildung führen, sind die humanistischen Fächer. Geschichte, Archäologie, Kunst, Literaturwissenschaften, Phil., usw. Ich zähle evtl. noch Medizin und einige Naturwissenschaften dazu. Alles andere, ja unellen, auch Ing. zur beruflichen Ausbildung. Sicherlich notwendig und wichtig für die Gesellschaft, aber eben nur eine Ausbildung.
    Die wirtscahftlichen Folgen für den Einzelnen sowie für die Volkswirtschaft stehen auf einem anderen Blatt. Auch ein Ing., BWL-er, etc. ist, auch wenn ein Q7-Monstrum in der Garage steht, nicht reich oder besser als ein Kunsthistoriker.
    Beste Grüße aus der Hauptstadt
    Alex

  189. @calimero

    "Selbst unter...
    @calimero
    „Selbst unter Franz-Josef S. war Bayern wahrscheinlich weit mehr ein FREI-Staat, als es Bruder-Johannes Land jemals gewesen ist.“
    Mit Sicherheit – nein.
    Allerdings: etwa mit dem 14. Lebensjahr entscheidet sich für den jugendlichen Bayern , ob er Teil der CSU-Sphäre wird oder nicht.
    Wenn er sich dafür entscheidet, wird er mit der Gabe gesegnet, den Weisswurscht – Äquator zu erkennen, er wird lebenslang FC-Bayern Fan mit eingebauter Beckenbauer-Verehrung, träumt vom BMW – Fahren und bejubelt mediokre Politikdarsteller, die ausserhalb von Bierzelten überfordert wirken.
    Allerdings gibts für diese Leute einen Weg von der CSU weg.
    Wer sich gegen die CSU-Sphäre entscheidet, wird mit fröhlichen und erfrischenden Hass auf alles Schwarze belohnt, der lebenslang immun macht gegen jegliche Anfechtungen von christsozialer Seite.
    So war es zumindest bisher, aber mit dem galoppierenden Bedeutungsschwund der CSU geht natürlich auch diese wunderbare, weil einfache und klare Haltung dahin.

  190. Radal, ich wollte schon...
    Radal, ich wollte schon jubelnd zustimmen, aber „Medizin und einige Naturwissenschaften“ … nein, das war vielleicht früher mal, aber ich kenne (ich weiß, nicht repräsentativ) sehr viele aus eben diesen Bereichen, und die sind … gut ausgebildet (meistens), aber nicht gebildet. Es sind alles nette Menschen, respektable Bürger … und spießige Kleinbürger! Wie alle BWL-ler, die ich kenne, übrigens auch. BWL ist kein Studium, sondern die Seuche unserer Zeit, mit bestenfalls Jahrmarktniveau … wo sonst wird der Blick in eine Glaskugel mit Experten-Prognosen gleich gesetzt?

  191. "Promotion damals - heute."...
    „Promotion damals – heute.“ Stichwort Umfang. Eine zB. juristische Dissertation noch zu Weimarer Zeiten durfte sehr schmal sein (vgl.bar mit heutigen Einleitungen) und war doch zulassungsfähig. Denn die Publikation war nur der äussere Beweis einer Qualifikation des Kandidaten, von der sich der Doktorvater im Laufe des noch relativ persönlichen Studiums hatte hinreichend überzeugen können.
    „Karriereaussichten“
    @Rebound hat Recht: Wo die Angst ist, da geht’s lang.
    @HansMeier555 – Mehr desgleichen! Kleine Kostprobe wie zB. Würzburger Jura-Professoren Erstsemester motivieren: „Meine Damen, meine Herren, schauen Sie um, nach links, nach rechts. Ihren Nachbarn werden Sie am Ende des Studiums nicht mehr sehen. 2/3 von Ihnen kommen hier nicht durch. Also strengen Sie sich an.“

  192. Es ist letzten Endes nur die...
    Es ist letzten Endes nur die Dekadenz jeder verfallenden Gesellschaft, lieber Don. Als das untergehende Rom von den Barbaren bedroht wurde, hatte sich der Hofstaat längst nach Konstantinopel abgesetzt. Wer jetzt den Ton angab, war die reichgewordene Schickeria, die lustig weiter feierte, bis es schließlich ernst genug aussah, dass sie sich vorsichtshalber per Schiff nach Karthago absetzten. Ein junger einheimischer Student beobachtete die Landung der geflüchteten römischen Spaßgesellschaft am Hafen von Karthago und berichtet uns, ihre erste Frage sei gewesen: „Was gibt’s heute Abend im Theater?“ — Der junge intellektuelle Nordafrikaner hatte übrigens später noch eine große Karriere und wurde kanonisiert unter dem Namen St. Augustinus. Von den Mitgliedern der Spaßgesellschaft hat man jedoch nie wieder gehört.

  193. dunnhaupt, man sehe mir das...
    dunnhaupt, man sehe mir das nach, aber gerade jener Herr wäre mit dem Vergessen ganz gut bedient gewesen. Abgesehen davon schreibt er in seiner eigenen Vita ja auch, dass er es in seiner Jugend hat reichlich krachen lassen. Was danach kam, war für die Menschheit nicht gerade ein Gewinn, und mir ist unsere Klassengesellschaft unendlich viel lieber als die Durchsetzung einer Civitas Dei mit jenen Mitteln, die Augustinus zu Lebzeiten beim Kampf gegen Manichäer und Pelagianer befürwortet hat. Überhaupt, der Gottesstaat, ich mein, alles ist besser als DAS.

  194. interessant wäre es auch zu...
    interessant wäre es auch zu erfahren ob dieser beitrag auch von der heutigen gioventù gelesen wird. ich für meinen teil gehöre zu dieser. finanziell abgesichert bin ich auch, eingeschrieben in einen bachelorstudiengang, allerdings naturwissenschaftlich.
    heutzutage erscheint das alles leider noch viel trister, man hat auf der einen seite die bwler mit berufserfahrung und auslandssemester, studierende an einer privaten hochschule, welche kürzlich ihren namen anglifizierte. in sozialen netzwerken wird mitgeteilt, dass man jetzt träger des sterns an der uniform sei (soviel zum erstarkendem elitären bewusstsein in der bundeswehr).
    andere hören „turn on the bright lights“ von interpol (übrigens eine empfehlung an alle die es nicht kennen), lesen gogol und fragen nach dem sinn des ganzen.
    man flüchtet sich in seinen freundeskreis und die ablenkung im rausch, das feiernde dominiert, nicht weil man es so will sondern weil die alternativen schlicht fehlen; nein, leistung im studium ist keine, sie zeigt keinen ausweg auf, dann doch lieber die ablenkung.
    gibt es in deutschland noch einen dialog mit der jugend? wird sie überhaupt noch gefragt?
    über unsere köpfe hinweg wird die bologna-reform entschieden, protest wird von der mehrheit der studentenschaft ignoriert oder gar abgelehnt, keiner interessiert sich mehr für die allgemeinheit, hauptsache schnell fertig werden, karriere machen, andere übertrumpfen.
    das schlimme daran ist, dass man sich selbst dabei ertappt zu sagen früher war alles besser, mehr freiheit, mehr hedonismus, mehr ernsthaftigkeit.

  195. @Radal: Ich habe nichts...
    @Radal: Ich habe nichts dagegen, wenn man in einer Grundlagen BWL-Vorlesung das Prinzip von Angebot und Nachfrage lehrt. Aber Studenten eine Aufgabe rechnen zu lassen, in der eine Angebot- und Nachfragefunktion von Benzin linear ist – das ist Quatsch. x und y rechnen kann jeder Achtklässer, ich hätte mir in der Vorlesung was Angebot und Nachfrage angeht eher Themen wie das Giffen-Paradoxon, den Snobeffekt, Effekte durch Monopole oder Überangebot, etc. gewünscht. Aber die habe ich mir dann schließlich selber angelesen…
    Was das angeht:
    „Nein! Studienrichtungen die tatsächlich zu Bildung führen, sind die humanistischen Fächer. Geschichte, Archäologie, Kunst, Literaturwissenschaften, Phil., usw. Ich zähle evtl. noch Medizin und einige Naturwissenschaften dazu. Alles andere, ja unellen, auch Ing. zur beruflichen Ausbildung. Sicherlich notwendig und wichtig für die Gesellschaft, aber eben nur eine Ausbildung.“
    Tja, das kommt darauf an was man alles unter Bildung versteht. Ich persönlich zähle dazu auch Dinge wie chemische Grundkenntnisse, das Prinzip der Differential- und Integralrechnung, das Begreifen von Begriffen wie Stoffkonzentration und Grenzwert, die Grundzüge der Relativitätstheorie… da sehen dann viele Menschen, die die von Ihnen beschriebenen Sachen studiert haben plötzlich ziemlich alt aus und sind zusätzlich vielleicht ideale Opfer von Leuten, die Unsinn für viel Geld verkaufen (siehe auch hier: http://faz-community.faz.net/blogs/ding/archive/2009/11/06/die-schuessel-und-das-pendel-im-esoterikladen.aspx)
    Andererseits muss ich Ihnen aber auch ehrlich sagen, dass ich mich immer für die Ingenieure fremdschäme, die fast schon stolz darauf sind nie ein Buch gelesen zu haben (Lehrbücher ausgeschlossen), die das mit dem Zollstöck geöffnete Bier aus der Flasche trinken und KollegInnen für versnobt halten, die während der Arbeit klassische Musik hören…
    @acs: Welch wahres Wort. Unsere Generation darf sich so oft anhören, dass sie desinteressiert sei – aber wenn mal Leute aus berechtigen Gründen protestieren wird es einfach ignoriert. Klar, Bologna ist ganz toll und es ist auch ok, wenn Unis die Studiengebühren zur Begleichung der Heizkosten verwenden…
    Sie brauchen übrigens nicht deprimiert zu sein, die Berufsaussichten (auch für Geisteswissenschaftler) sind nicht soo trist wie man manchmal als Student im Weltschmerz so denkt ;-) Einfach positiv denken, sich klarmachen dass die BWL-er mit Berufserfahrung und Auslandssemester auch nur mit Wasser kochen und nicht erst nach der Abgabe der Abschlussarbeit anfangen, Bewerbungen zu schreiben, dann klappt das schon. Immer dran denken: Akademiker haben verglichen mit anderen Gruppen immer noch das geringste Risiko der Arbeitslosigkeit (deswegen auch bitte nicht aus lauter Dankbarkeit, einen Job bekommen zu haben zum Dumpinglohn arbeiten und die Preise auf dem Arbeitsmarkt kaputtmachen ;-)).

  196. christina,

    so ist es:...
    christina,
    so ist es: http://www.phdcomics.com/comics/archive.php?comicid=1038

  197. @unellen:

    "Andererseits muss...
    @unellen:
    „Andererseits muss ich Ihnen aber auch ehrlich sagen, dass ich mich immer für die Ingenieure fremdschäme, die fast schon stolz darauf sind nie ein Buch gelesen zu haben (Lehrbücher ausgeschlossen), die das mit dem Zollstöck geöffnete Bier aus der Flasche trinken und KollegInnen für versnobt halten, die während der Arbeit klassische Musik hören…“
    Hört man oft auch bei Naturwissenschaftlern.
    @christina: Bin mir nicht sicher, was genau sie unter „spießiger Kleinbürger“ verstehen, aber der oben genannte Link von mir ist fast schon eine Beleidigung für Spießer. ;-)

  198. danke, scientist! Habe gerade...
    danke, scientist! Habe gerade sehr gelacht. :-))
    Unter spießige Kleinbürger verstehe ich, sehr vereinfacht ausgedrückt: mittelmäßige Ambitionen und Karriere, alles soll sicher und planbar sein, bis hin zum genau terminierten Kaiserschnitt, Heirat, Kinder, Hausbau, Langeweile, Scheidung, …
    .
    @Unellen, ja, das gehört meiner Meinung nach auch zur Bildung dazu.

  199. @unellen. x und y ist auch...
    @unellen. x und y ist auch nicht jedem geläufig. Auch ich musste diese BWL/VWL-für Nicht-WiWis über mich ergehen lassen und es war erschreckend, wie viele Studenten mit simpler 8. Klasse-Mathematik nichts anfangen konnten. Die kamen vermutlich aus Bundesländern, in denen man Mathematik abwählen konnte…
    Was die Juristerei betrifft, da kommt man mit Auswendiglernen nicht weit. Dass Juristen etwas auswendig lernen, ist ein weit verbreitetes Missverständnis, das überlassen wir den Wirtschaftswissenschaftlern und den eigenen 4-6 Punkte-Kandidaten (= gerade so bestanden). Es geht vielmehr darum, die juristische denkweise und Arbeitstechnik zu verstehen, um auch mit unbekannten Vorschriften und Rechtsproblemen fertig zu werden. Ich habe festgestellt, dass dies gerade Mathematikern und Informatikern sehr leicht fällt, während WiWis damit in der Regel überfordert waren, bei den Geisteswissenschaften war das Ergebnis sehr gemischt, ganz finster war es dagegen bei Verkehrswirtschaftlern, Geodäten und Lehramt Ethik + irgendwas…

  200. @ariadne: Tja, Studenten,...
    @ariadne: Tja, Studenten, denen „x und y“ nicht geläufig sind haben meiner bescheidenen Meinung nach an der Uni auch nichts zu suchen…
    Was das auswendig lernen angeht: Deshalb schrieb ich ja: „nach dem was ich gehört habe und aus meinen Jura- und BWL-Vorlesungen kenne (bleibt uns Ingenieuren nicht erspart, was ja auch sinnvoll ist) kann man sich da mit Einpauken und Auswendiglernen noch besser retten als bei anderen Studiengängen.“
    Damit habe ich ja nicht behauptet, Juristen würden nur auswendig lernen, aber Sie schrieben ja selbst:
    „das überlassen wir den Wirtschaftswissenschaftlern und den eigenen 4-6 Punkte-Kandidaten (= gerade so bestanden)“
    Was ja nur das untermauert, was ich zuvor schrieb.
    Ich will ja auch nicht zu sehr darauf rumreiten, aber man kanns drehen wie man will: für eine Mathe- oder Physikklausur kann man soviel auswendig lernen, wie man will, das wird einem absolut nicht helfen (diejenigen, die bei diesen Prüfungen die meisten Bücher mitgeschleppt haben waren immer die, die durchgefallen sind…)
    „Es geht vielmehr darum, die juristische denkweise und Arbeitstechnik zu verstehen, um auch mit unbekannten Vorschriften und Rechtsproblemen fertig zu werden.“
    Da bin ich völlig d’accord, in meinem „Rechtskundeunterricht“ gings auch primär darum (daher mein Beispiel mit dem Abfall als bewegliche Sache).

    ich verstehe irgendwie eh nicht, warum Mathe so einen schlechten Ruf hat…

  201. @Unellen:

    Ja, ich stimme...
    @Unellen:
    Ja, ich stimme Ihnen zu, dass Bildung mehr ist, als nur sein Studienfach zu beherrschen. Leider hört man immer wieder, gerade von Studenten aus den Natur-/Ingenieurwissenschaften, es komme doch sowieso nur darauf an, dass man sein Spezialgebiet beherrsche, Noten (und Inhalte) in anderen Fächern sind egal, vom Abitur zu schweigen.
    Dementsprechend sind dann auch die „Konversationen“ am Mensatisch (egal ob nun Studenten oder Doktoranden). Wirklich schade…
    Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass ein/e natur-/ingenieurwiss. Studium/Promotion wenig Zeit für andere Aktivitäten lässt, so dass es nicht verwundert, dass viele zu Fachidioten werden.
    @Christina: Vor diesem Hintergrund lässt sich vielleicht auch leichter nachvollziehen, warum einige zu Spießern werden: Ein jahrelanges kräftezehrendes Studium, eventuell sogar eine noch aufwendigere Promotion und mit Ende Zwanzig/Anfang Dreißig sehnt man sich nach Sicherheit und Ruhe.

  202. Unellen,

    "Einfach positiv...
    Unellen,
    „Einfach positiv denken, sich klarmachen dass die BWL-er mit Berufserfahrung und Auslandssemester auch nur mit Wasser kochen“
    Berufserfahrung und Auslandssemester würden auch Studenten anderer Fachrichtungen gut tun. Die Uni allein bereitet nicht ausreichend auf das Berufsleben vor, obwohl man das gerade in Deutschland nach wie vor glaubt.

  203. lieber d.a., da es eher...
    lieber d.a., da es eher unwahrscheinlich ist, daß ich jemals in den genuß kommen sollte sie in echt zu erleben (oder?), so gebe ich mich mit der von ihnen konstruierten idyllischen dezentheitsillusion vollkommen zufrieden :)
    leider muß ich aber einen wichtigen einspruch erheben: ich blogge selbst ab & zu & das der leserzahl nach zu urteilen nicht ohne erfolg, deshalb kann ich getrost behaupten, daß es blogger gibt, die in echt sehr wohl das dezentsein beherrschen können.

  204. @Unellen und...
    @Unellen und christina:
    „Andererseits muss ich Ihnen aber auch ehrlich sagen, dass ich mich immer für die Ingenieure fremdschäme, die fast schon stolz darauf sind nie ein Buch gelesen zu haben (Lehrbücher ausgeschlossen), die das mit dem Zollstöck geöffnete Bier aus der Flasche trinken und KollegInnen für versnobt halten, die während der Arbeit klassische Musik hören…“
    Hach, an unserem Mittagstisch (alles hochqualifizierte Doktoranden) dominieren Gespräche über irgendwelche Sendungen aus dem Privatfernsehen, Klatschgeschichten über Prominente, werden schlechte Witze über Frauen, Behinderte usw. gerissen; ansonsten scheint die wichtigste Freizeitbeschäftigung zu sein, sich einen hinter die Binde zu kippen. Zeitung liest eigentlich niemand, politische Diskussionen anzustoßen, ist hoffnungslos.
    Highlight eines Arbeitstages ist, wenn es etwas zu essen gibt, z. B. Kuchen: http://en.wikipedia.org/wiki/Piled_Higher_and_Deeper
    Dabei sind es im Grunde genommen „nette Menschen“. Ich hoffe, es wird im Berufsleben auch nicht so. Schließlich verbringt man mit seinen Kollegen doch die meiste Zeit seines Lebens, so ist es zumindest im Moment.

  205. @unellen:
    Möglicherweise gibt...

    @unellen:
    Möglicherweise gibt es einfach nicht genug fähige Mathematiklehrer. Diesbezüglich hatte ich in der letzten Jahrgangsstufe leider auch Pech und habe deswegen abgewählt. Vorher: Keine oder wenig Probleme mit dem Fach, obwohl ich grundsätzlich nur geringes Interesse an Mathematik hatte (es gibt doch noch so viele andere schöne Fächer!). Hinterher bzw. aktuell: Erst recht keine Probleme. Denn rechnen, das kann ich immer noch ganz prima.
    .
    So, nun isses für meinen Geschmack aber auch gut mit der elendigen Naturwissenschaftler vs. Geisteswissenschaftler- wer-hat-am-meisten-drauf-Debatte…

  206. @scientist: machen Sie sich...
    @scientist: machen Sie sich keine Hoffnungen. Meine medizinernden Bekannten sind in ihrer Freizeit auch nur Saeufer und Plattkoeppe. Meine archaeologischen Bekannten haben wenigstens noch ein interessantes Privatleben. Gut fuer Klatsch. Aber nur die aus gutem Hause. Die Aufsteiger von weiter unten sind so Karriereversessen, die koennen noch mal saufen-von anderen interessanten Suenden garnicht zu reden.

  207. Na also, geht doch....
    Na also, geht doch.

  208. Geschätzter Don...
    Geschätzter Don Ferrnado,
    Sie werden doch einen Freidensnobelpreis nicht mit einem der Wissenschaft zugehörigen Preis vergleichen wollen.
    Was den kommenden Friedensnobelpreisträger angeht, bin ich ganz bei Ihnen.
    Die Nordvietnamesen haben damals abgelehnt, vielleicht bekommen wir von dem alten Bolschewiken oder Devin08 (nächstes Jahr 09?) was zu hören.
    Sonst gebe ich Filou recht . Medizin ist ein Lehrberuf, ein Handwerk (selber sagt man dann Kunst dazu), das derzeit industrialisiert wird. Als Protagonist muß man da die von Filou angegeben Fähigkeiten wohl in gewissem Maß mitbringen – ausgenommen die hübschen schönen Damen wie mawu´s Gattin – ein paar Stützen braucht es auch in einer solchen Gesellschaft.

  209. zum artikel (in unkenntnis der...
    zum artikel (in unkenntnis der kommentare): das feiern war der 80er jugend wohl erlaubt. mehr als das. es wurde von unseren eltern in geradezu sentimentaler ruehrung begletet. – niemand, der sie mehr als ‚kapitalisten‘ beschimpfte wie die aelteren geschwister. niemand, der damit drohte, das erbe dem vietkong zu uebereignen. niemand, der eklig lange haare trug oder drogenkonsum ideologisch verherrlichte. – stattdessen schlossen wir nahtlos an an laengst vergessene traditionen: im smoking im brunnen baden. – HERRLICH! – ganz der vater, der gross- und urgrossvater!… – wer haette das gedacht, oder jemals zu hoffen gewagt… – erleichtert waren sie, unsere eltern – geliebt haben sie uns dafuer.
    auch haben wir den leistungshedonismus der nachfolgenden jahrgaengen erst moeglich gemacht. nicht durch tun, sondern massgeblich durch unterlassen. das, meine damen und herren, mache man uns erstmal nach.
    jede party – auch heute noch – dreifach verdient!

  210. dass wir die 60er und 70er...
    dass wir die 60er und 70er durch unsere liebe – und unser gutes auge – fuer cashmere, cabrios und custom-made der geschichtsschreibung und nostalgie uebereignet haben, das ist unser groesster verdienst. – einer der groessten wohlmoeglich generell in der kultur des 20. jahrhunderts.

  211. und noch etwas zu 'yello' und...
    und noch etwas zu ‚yello‘ und nicht eingeloesten versprechen:
    die welt fuer uns war bei allem auch zu pathetisch, zu gross, zu schoen, als dass wir sie selbst haetten in die hand nehmen wollen. wir ergaben uns trunken der illusion. das war genug. es war weit mehr als nur genug. es war das sehen, erkennen und ergeben, was ansich schon eine leistung war. – einige wenige waren auch in all dem zauber schon ‚macher‘ und andere hasten erst spaeter und leicht verkatert juengeren pragmatikern nach. mit dem vorteil wohl, dass diese welt uns keine ganz fremde ist, im gegenteil, sie kommt aus uns.

  212. Früh, wenn die Hähne...
    Früh, wenn die Hähne krähn,
    Eh die Sternlein verschwinden,
    Muß ich am Herde stehn,
    Muß Feuer zünden.
    .
    Schön ist der Flammen Schein,
    Es springen die Funken;
    Ich schaue so drein,
    In Leid versunken.
    .
    Plötzlich, da kommt es mir,
    Treuloser Knabe,
    Daß ich die Nacht von dir
    Geträumet habe.
    .
    Träne auf Träne dann
    Stürzet hernieder;
    So kommt der Tag heran —
    O ging er wieder!

  213. Herr Meier,
    Sie sind ein...

    Herr Meier,
    Sie sind ein frecher Ursupator!
    .
    Bedauere, aber hier muß ein anderes Gedicht hin.

  214. Aninka tanzte
    Vor uns im...

    Aninka tanzte
    Vor uns im Grase
    Die raschen Weisen.
    Wie schön war sie!
    .
    Mit den gesenkten,
    Bescheidnen Augen
    Das stille Mädchen –
    Mich macht es toll!
    .
    Da sprang ein Knöpfchen
    Ihr von der Jacke,
    Ein goldnes Knöpfchen,
    Ich fing es auf —
    .
    Und dachte Wunder
    Was mir’s bedeute,
    Doch hämisch lächelt‘
    Jegór dazu,
    .
    Als wollt er sagen:
    Mein ist das Jäckchen
    Und was es decket,
    Mein ist das Mädchen,
    Und dein — der Knopf!

Kommentare sind deaktiviert.