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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Der Krieg um das Anstandsstück

| 153 Lesermeinungen

Nur Hougl, also unverschämte Menschen, wagen es, ungefragt am Tisch das letzte Stück zu nehmen, und erdreisten sich dabei, auch nicht die anderen zu fragen, ob es ihnen genehm sei. Die zugrunde liegenden Lebensregeln um das Anstandsstück, der Verzicht zugunsten anderer und die Zurückhaltung, sind heute obsolet geworden. Während die Hougl heute ihr mangelndes Benehmen nicht mehr in der Baracke, sondern vom TV lernen, muss man sich in besseren Kreisen mit ganz anderen Herausforderungen auseinandersetzen. Es ist eben alles nicht mehr so leicht wie früher.

Bessa an Mogn varengt, ois am Wirt wos gschenkt.
Bayerische Volksweisheit

Bei einem Beitrag, dem naturgemäss viele höfliche Lügen der besseren Gesellschaft innewohnen, kann es nicht ganz unrecht sein, zuerst einmal die Wahrheit zu berichten: Die Wahrheit nämlich, dass der besseren Gesellschaft die Vorstellung, aus Anstand Essen übrig und wegwerfen zu lassen, zutiefst zuwider ist. Die Wahrheit sieht so aus wie in den 70er Jahren, als die kleine, dumme Stadt an der Donau noch kleiner und dümmer war und so unerträglich, wie es die besseren Viertel von Berlin bis heute sind. Damals war man auch noch ärmer, der grosse Geldsegen hatte noch nicht eingesetzt, und nur die wenigsten konnten damals für ein Wochenende an den Gardasee oder für ein Abendessen nach Paris. Am Wochenende fuhren Reich und Arm gleichermassen in den Jura, und bei allen genoss ein bestimmtes Lokal im Schambachtal mit dem schönen, altdeutschen Namen „Die Linde“ grösste Popularität für die Qualität und die Menge des dortigen Essens.

Es war die Zeit, als die Sossen noch sahneschwer und die Seniorenportionen noch so unbekannt waren wie das wahre Ausmass der Hypo Alpe Adria-Verluste, man sass zusammen und schaufelte in sich hinein, was möglich war, und den Rest packten alle, ohne Unterschied von Rang und Ansehen, in Servietten und nahmen ihn mit. Ich glaube, das hatte mit den Kriegs- und Hungererfahrungen zu tun: Als ich mich zum Vegetarier wandelte, betonte meine Grossmutter protestierend,  dass es in meiner Familie immer Fleisch gegeben hätte, und ich nicht mit der Tradition brechen dürfte. Jeden Tag Fleisch zu haben war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch ein Zeichen von Luxus uns Überfluss. Ich glaube, die Menschen, die die schlechte Zeit von 1914 bis 1950 miterlebt hatten und wirklich wussten, was Hunger ist, konnten einfach nicht anders, als das Essen vor dem Müll zu bewahren.

Bild zu: Der Krieg um das Anstandsstück

Insofern gibt es das „Anstandsstück“ als realen, dem Wegwerfen überantworteten Überfluss nicht in jenen Kreisen, aus denen ich zu stammen das Vergnügen habe. Das „Anstandsstück“ ist kein realer Gegenstand, sondern nur eine Konvention, die so heisst, aber kein Wegwerfen zur Folge hat. Niemand würde ernsthaft ein auf dem Teller verbliebenes Stück Kuchen in den Müll befördern. Und eigentlich, selbst wenn es üblich ist, das letzte Stück nicht anzufassen, selbst wenn wir alle gelernt haben, dass es verboten ist, das zu tun – eigentlich ist die pure Existenz eines Anstandsstücks in unseren Zeiten auch ein leichter Vorwurf gegen den Gastgeber: Dass er sich offensichtlich nicht genug leisten konnte, um alle zu sättigen.

Kurz, die Anstandsstückerziehung besteht aus zwei Teilen, einem kurzen und einem langen Teil. Kurz: Stelle immer genug hin, damit keiner hungrig nach Hause gehen muss, und immer noch etwas übrig bleibt. Lang: Nimm immer nur das, was man Dir reicht, verlange nur auf Nachfrage mehr, beleidige den Gastgeber nicht durch unverschämtes Fordern. Wenn am Ende nur ein Stück für mehrere Gäste übrig ist, wehre Dich, es zu nehmen, und wenn Du es unbedingt willst, wehre Dich einfach weniger als die anderen. Verlange es nicht, lass es Dir sanft aufdrängen, opfere Dich, es zu essen. Entscheidend ist, dass man selbst nicht als gierig und der Gastgeber nicht als geizig erscheinen kann, und diese Balance zu wahren, ist hohe Kunst –

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auf die niemand wirklich niemand mehr Lust hat, entstammen diese Regeln doch einer Zeit, in der nicht überall Essen grenzenlos verfügbar und die Zubereitung erheblich zeitraubender war. Das Anstandsstück erlaubte es unter diesen Umständen Gästen zu sagen: Danke, es war mehr da, als ich essen konnte – auch wenn es gelogen war. Und den Gastgebern: Bitte, wir hätten noch sehr viel mehr auffahren können – auch wenn es genau so gelogen war. Als besserer Gastgeber vollzieht man heute dagegen in aller Regel den anstandsstückvermeidenden Vernichtungserstschlag: Mehr als drei Stück Sahnetorte überlebt auch die beste Erbtante nicht, also nimmt man vier Stück und belästigt noch drei Tage nach der Einladung alle Verwandten mit Bergen von im Kühlschrank vor sich hin rottenden Kalorienbomben. Auch wenn dieser Trick faul wie die Bilanz der Hypo Alpe Adria ist, so sieht es für den flüchtigen Besucher so proper und gesund wie 2007er Lehman Zertifikate aus.

Das rechte Mass sähe natürlich anders aus, aber wer schon einmal Mitglied einer schulischen AG Literatur war, die im Sommer von Familiengarten zu Familiengarten durchgereicht und zunehmend überfüllt wurde, weiss, dass alles davon profitieren: Die Konditoren und gern backenden Tanten, der untadelige Ruf der Gastgeber, die besuchenden Kinder, die Mütter, die endlich einmal das Service für 24 Personen auffahren können, und später einmal auch Ernährungsberater und Ärzte. Weil das jedoch so ist, kommt in aller Verschwendung das Anstandsstück, das man exterminiert zu haben glaubte, durch die Hintertür zurück:

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Als jenes einzige Anstandsstück, das Gäste nehmen, um den Gastgeber nicht zu enttäuschen. Seitdem selbst gestandene Mannbilder wie der Autor dieser Zeilen mit Kleidergrösse 50 gerne jammern, dass sie zu dick sind und nach jeder Torte auf den nächsten Berg rennen, gilt in den besseren Kreisen Fett als höchst unschick. Mögen alte Tanten noch Tortenberge auffahren, so bringen jüngere Mütter ihren Kindern nicht mehr bei, bis zum letzten Stück auf der Tafel zu essen und dann innezuhalten. Als richtige Lehre gilt: Ein Stück reicht. Mutter nimmt ja auch nicht mehr. Nicht mehr der Überfluss wird demonstriert, nicht mehr die finanzielle Leistungsfähigkeit und das Fett, das der finanziellen Sorglosigkeit entspricht, sondern die körperliche Fitness. Die Chinesen im globalen Wettbewerb sind ja auch so dürr. Da muss das Kind mithalten. Bessere Kinder können jede Nachhilfe und jeden leistungsfördernden Pillencocktail bekommen, um  das Abitur zu erreichen, aber eben nur ein Anstandsstück.

Ob das so viel ehrlicher ist, als die früheren Ansätze, möchte ich hier zu bezweifeln wagen. Was durch die neuen Anstandsstücke demonstriert wird, ist auch eine Form der Überlegenheit, bei der es nicht leicht fällt, den Gedanken an den Körperkult totalitärer Systeme beiseite zu schieben. Es ist sicher kein Zufall, dass die neuen Anstandsstücke der besseren Klassen zeitlich mit Radikalmethoden wie Fettabsaugen für jene zusammenfallen, die den Idealen nicht entsprechen. In Zeiten, in denen sich jeder alles leisten kann, entwickelt sich die Fähigkeit zur Entsagung zur unausgesprochenen gesellschaftlichen Forderung, die über den Tischen schwebt.

Bild zu: Der Krieg um das Anstandsstück

Und nicht immer verstanden wird. Der Krieg zwischen den Wegduckern nach dem ersten Stück und den Vernichtungsschlaganhängern, zwischen jungen Müttern und alten Tanten, wird mit äusserster Brutalität geführt. „Also ICH nehme jetzt jedenfalls noch ein Stück“ ist noch die kleinste Munition im Kampf um die Systemherrschaft, Drohungen wie „Was ihr jetzt nicht esst, müsst Ihr aber unbedingt mitnehmen, die Torte ist vom Wagner, solche schönen Stücke gibt es bei Euch doch gar nicht“ sind an der Tagesordnung, und mit einem „Aber natürlich will Theodor noch ein Stück, gell, hier nimm“ werden handstreichartig Fakten geschaffen. Noch.

Aber diese Generation, die Not noch kannte und Anstandsstücke als Kind wehmütig betrachtete, stirbt überzuckert aus, geht dahin durch Leberkrebs und Kunstfehler beim Faltenstraffen. Daheim erleben es Theodor und Ann-Marie ganz anders, frei von zwölflagigen Tegernseetorten und Blechen voller Zwetschgendatschi, nicht mal als Belohnung für den Chinesischkurs im Kindergarten. Nicht auszuschliessen jedoch ist, dass damit wieder ein Automatismus in die andere Richtung einsetzt, und sie zwischen ihrer Mütter Tradition und eigener Moderne neue Lügen erfinden werden, die Fitness nicht negiert und überbordende Tische trotzdem erlaubt. Schon immer hat es diese Klasse verstanden, sich Widersprechendes in sich zu vereinen, und wenn schon die Torte und das Anstandsstück keine Konstante im Leben der besseren Kreise mehr sind, so bleibt am Ende wenigstens die Doppelmoral erhalten. Hauptsache, man hat mehr als andere.

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153 Lesermeinungen

  1. "Bessa an Mogn varengt, ois am...
    „Bessa an Mogn varengt, ois am Wirt wos gschenkt.
    Bayerische Volksweisheit“
    Heute Mittag ging mir dieser Spruch in hessischer Mundart wegen eines nichtigen Anlasses durch den Kopf. Und den musste ich mir mühsam aus den hintersten Gehirnwindungen rauskratzen. Ging dann aber so schnell nicht verloren. Irgendwann dann doch. Und jetzt das.
    Bin ich spriritistisch veranlagt?

  2. Dieser Letztestueckkult...
    Dieser Letztestueckkult gehoerte auch zu meinem Erziehungsfundus. Das Schicksal fuehrte mich eine sehr lange Weile in Kreise, denen ein solches Ritual fremd war. Als ich wieder zurueckkehrte in die alten Verhaeltnisse, war ich doch sehr erstaunt, als der Kellner des Trabervereins einige gut erheltene Essensreste vor den Augen aller fuer die Frau Dr. jur. L. in eine Tuete packte.
    Da wurde mir klar, dass ich meine maessig gute Erziehung doch eintauschen konnte gegen keine Erziehung. Letztendlich blieb es bei einem Kompromiss.

  3. Chapeau!...
    Chapeau!

  4. Bei den Chinesen ist übrigens...
    Bei den Chinesen ist übrigens die Schale nackter Reis, die ganz zum Schluss kommt, das Anstandsstück. Diese bitte niemals, nie, unter keinen Umständen anfassen. Nicht einmal drauf gucken. Auch wenn es vorher nur Qualle, Schlange und Insekten gab. (Zeitwichtigste Regel beim Essen in China: Niemals fragen, was es ist. Dann schmeckt es meistens auch und man hat keinen Hunger auf nackten Reis)

  5. schusch, was soll ich da erst...
    schusch, was soll ich da erst sagen? Ich muss im Januar nach London! Das ist hart, da kann ich nicht mal ein Anstandsstück nehmen!
    .
    Und was den Spruch angeht: den hört man oft in der Weihnachtszeit.

  6. Hieronymus, bitte, gern...
    Hieronymus, bitte, gern geschehen.
    .
    Filou, wie man so schön sagt: Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Andererseits kann man versuchen, es richtiger zu machen, ich selbst gehöre da der Erstschlagsdoktrin an.

  7. In London gibt es zumindest...
    In London gibt es zumindest bessere, authentischere chinesische Küche als hierzulande. Muss ja nicht gleich Qualle sein.

  8. Ich bin dort 60 Stunden. Das...
    Ich bin dort 60 Stunden. Das halte ich ohne Essen aus, wenn ich vorher zu Wagner gehe.

  9. In den Jahren meiner...
    In den Jahren meiner erweiterten Menschwerdung (70er) war es ausgesprochen schwierig den rechten Ton, sowie das rechte Benehmen in jeder Art von Gesellschaft zu finden. Auch die Soehne und Toechter aus besseren Haeusern befleissigten sich einer Nonchalance, die erheiternd wie ermutigend war. Selbst die sehr schoene und gebildete Architektentochter liess zoegerlich ihr Lausanner Internatsbetragen fahren und nippte bei abendlichen Nachbesprechungen zart an einem Bierchen. Vom Umgang mit erotischen Herausforderungen moechte ich nichts berichten.
    Es war einfach schoen, den buergerlichen Zwaengen legitim zu entkommen. Leider formte sich aus der Freiheit kein neuer lebendiger und funktionierender Codex. Im Laufe der Jahre kehrte man jedenfalls zurueck zum Konservativen. Gottseidank nicht allzu konsequent.
    PS: Erwaehnenswert: Das Geschilderte zeichnet nicht die Studienzeit. Die hatten wir alle hinter uns. Die meisten waren bereits promoviert.

  10. Werter Don,

    das...
    Werter Don,
    das Anstandsstück gab es auch in meiner frühen Sozialisierung, allerdings nur aus Erzählungen. Übrig gelassen hat man auf dem Teller nie etwas, das gehörte sich nicht. „Da waren die Augen wohl größer als der Magen“ vorwurfsvoll vorgetragen gehörte zu den schlimmsten Sätzen meiner Grossmutter – da war schlechtes Gewissen meinerseits garantiert. Diese ehrenwerte Person hat sich auch im Restaurant die guten Reste einpacken lassen, Essen hatte einen hohen Stellenwert, auch durch den Krieg bedingt, obwohl meine Großeltern nie Not leiden mußten. Könnte an meinem Großvater gelegen haben, von dem ich nie erfahren habe, was er denn so im WK 2 getrieben hat. Naja, ich lasse auch nie was auf dem Teller zurück – habe aber 14 Kilo abgenommen, um wieder in Größe 48 zu passen, da ist der Widerspruch..
    Ziemliches Gefasel, mein Kommentar, sehen Sie es mir nach – ich habe gerade im Oliveto in Bonn ein Lammcarree mit Rosmarinkartoffeln gegessen – ohne was auf dem Teller zurückzulassen….
    Gruss aus dem Norden,
    Moritz

  11. Auch ich bin mit...
    Auch ich bin mit „Anstandsstück“ erzogen worden und auch damit, kein Essen wegzuwerfen. Heutzutage ist das allerdings ein schwieriges Unterfangen, das ich auch bereits in der Familie mit Frau und Mutter diskutiert habe: Essen ist im Übermaß jederzeit verfügbar. Meine Kinder bekommen eine Menge an Süßigkeiten geschenkt, damit könnte ich schon fast Container füllen. Was bleibt einem übrig? Aufessen ist unmöglich also muß man den inneren Schweinehund überwinden und tatsächlich – kaum zu fassen – Nahrungsmittel in den Abfalleimer werfen. Ich erschaudere regelrecht beim Verfassen dieser Zeilen.
    .
    Anstandsstück hin oder her – ich selbst habe eine abgewandelte Sichtweise mit Nahrungsmitteln im speziell umzugehen: Respekt. Man muß sich kein uraltes Brot herunterwürgen. Aber man sollte doch versuchen nur so viel anzuhäufen, wie man vernünftigerweise auch essen kann und das versuche auch ich an meine Kinder weiterzugeben.
    .
    Zu Don Alphonsos Reise nach Londinum fällt mir natürlich wieder ein Zitat aus „Asterix bei den Briten“ ein. Obelix zum Wildschwein in Pfefferminzsauce in der Gastwirtschaft „Zum lachenden Wildschwein“: „Und das soll das lachende Wildschwein sein?“

  12. Moritz, im Restaurant macht...
    Moritz, im Restaurant macht man sowas auch nicht! Bonn ist nicht Norden, Bonn liegt suedlich von Nova Roma, auch Koeln genannt. Ist also mehr Neapel. Nur die Mafia ist nicht dort. Die ist in Koeln.

  13. Schweizerische Tastatur?...
    Schweizerische Tastatur? Sosse…sass?
    Wäre es möglich, das noch zu korrigieren?
    Herzliche Grüße und Dank!

  14. Ich habe lange für die...
    Ich habe lange für die Schweizer gearbeitet, und es ist mittlerweile eine Autoreneigenheit.

  15. Lieber Don,
    gibt es in Ihren...

    Lieber Don,
    gibt es in Ihren Kreisen auch diese netten Zeitgenossen (meistens verwandt), die einen im Restaurant immer fragen, ob sie nicht einen Teil vom Fleisch abhaben wollen (nur mal wissen, wie es schmeckt)?
    Übriglassen geht gar nicht – Sie beleidigen die Kochkünste Ihrer Gastgeberin.
    Zeigt mir die Schwiegermutter oder Tante, der nicht das Herz schmilzt, wenn der junge Mann alles ratzekahl aufißt.
    .
    Diese Anekdote aus der Nachkriegszeit. Eine Familie kommt unerwartet zu Besuch, einem Kind rollt der Ball unters Sofa und dort findet es den von den Gastgebern gerade noch rechtzeitig versteckten Kuchen…
    .
    In großen Familien wußte jedes Kind, welches der Geschwister schon zum zweiten Mal ein Stück Kuchen genommen hatte und wer vermutlich kein drittes kriegen würde.
    .
    Bei Leuten die Sie gar nicht leiden können: Gehen Sie vorher was essen und erst dann zu denen. Dort nehmen sie dann immer nur einen winzigen Bissen. Sorgen Sie dafür, daß alle den unagerührten Essenberg auf Ihrem Teller gut sehen können.
    .
    Inzwischen habe ich keine Probleme mehr, Essensreste wegzuwerfen. Das moralische Gebot, alles aufzuessen, war so etwas wie eine Mitleidsgeste gegenüber den anonymen Hungernden, von denen einem gesagt wurde, daß sie in der Ferne irgendwo existierten. Als ob das einen Unterschied machen würde.
    .
    „Schwer und voller Behagen liegt er da, der am meisten fressen kann, der Meistesser. Es gibt Gruppen, von Menschen, die in einem solchen Meistesser ihren Häuptling sehen. Sein immer gestillter Appetit erscheint ihnen als eine Gewähr dafür, daß sie selber nie lange Hunger leiden werden. Sie verlassen sich auf seinen gefüllten Bauch, als hätte er ihn für sie alle mtgefüllt. Der Zusammenhang von Verdauung und Macht tritt hier klar zutage.“
    (Canetti, Masse und Macht).

  16. Werter Don,
    .
    Anstand ist das,...

    Werter Don,
    .
    Anstand ist das, was man immer von Anderen fordert
    und bei sich selbst als gegeben voraussetzt.
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    Menschen, die Anstand haben, lassen das Anstandsstück auf dem „großen Teller“ zurück – denjenigen, die immer ein Stück auf ihrem Teller übrig lassen müssen, fehlt Anstand, sie haben sich übernommen ( oder produzieren sich ).
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    Gruß Hanskarl

  17. Wertester Don,
    Also diese...

    Wertester Don,
    Also diese Schalen der wohl verspeisten Zitrusfrucht achtlos auf blank poliertem Holz direkt neben Büchern liegen zu lassen. Wo Sie für Trauben so schöne Behältnisse haben – aber das wird wohl die Vereinigung des sich Widersprechenden sein. Sie dürfen das.
    Und Bon Voyage mit gut gefülltem Bauch.

  18. Werter Don, ich glaube, bei...
    Werter Don, ich glaube, bei Ihren Beobachtungen handelt es sich nicht um eine Klassen-, sondern um eine Generationenfrage. Bei meinen Großeltern war es nicht anders. Während ich, so rein klassenmäßig, ein undefinierbares Etwas bin, das aus purem Trotz gewisse proletarische Verhaltensweisen und Ideologien kultiviert, waren meine Großeltern ohne jeden Interpretationsspielraum zweifelsfrei Proletarier. Und doch ging es bei ihnen genau wie beschrieben zu.
    Und selbst heute, trotz Schlankheitswahn und Fitnessstudio, wirkt das Anstandsstück nach: Wenn wir uns Donnerstags, nach unserer Lektüregruppe, in der Kneipe noch das eine oder ander alkoholische Getränk zu Gemüte führen und jemand Salzstengel oder Erdnüsse auf den Tisch stellt, dann fühlt sich derjenige, der die letzte Salzstange oder Erdnuß tatsächlich nimmt bemüßigt, ein neues Päckchen zu ordern, ein Ritual, das mich immer wieder auf’s neue amüsiert, das ich aber auch nie zu durchbrechen wagen würde.

  19. Ts, ts, HansMaier555, neulich...
    Ts, ts, HansMaier555, neulich Nietzsche, jetzt Canetti – und das wollen Sie alles aus Disneys Lustigen Taschenbüchern haben?

  20. Filou, ich denke, wenn man die...
    Filou, ich denke, wenn man die Regeln kennt und gelernt hat, dann stören sie einen auch nicht weiter. Ich kann nicht sagen, dass ich deshalb beeinträchtigt wäre.
    .
    Lieber Moritz, wie es mir mitgeteilt wurde, und wie ich es erlebte, gab es da wohl eine durchlaufende Tradition, zumal nicht jede Hausfrau dem Erstvernichtungsschlag den Vorzug gab. Ab und an konnte man das tatsächlich noch anwenden. Zuviel auf den Teller tun wäre eine ganz eigene Betrachtung – wenn ich das nächste mal in einem Hotel mit Buffet bin.

  21. mawu, ich denke, diese...
    mawu, ich denke, diese Wegwerferei hat auch viel mit den teilweise unguten Mengen zu tun, in denen man Nahrungsmittel bekommt. Deshalb kaufe ich ja auch auf dem markt win, wo man sich die Dinge nach Bedarf und nicht nach Packung heraussuchen kann. Am Ende ist das vielleicht nicht mal erheblich teurer als in den Supermärkten.
    .
    HansMeier555 – probieren kann passieren. Und zu Leuten, die ich nicht mag, gehe ich einfach nicht essen. Ich war zu lange in der New Economy zugange, als dass mich so etwas noch reizen würde – und meine Zeit ist mir dafür einfach zu kostbar.

  22. Hanskarl, mit Anstandsstück...
    Hanskarl, mit Anstandsstück ist tatsächlich das gemeint, was man nicht nimmt. Das andere hat mit Anstand nichts zu tun. Verfressen sein ist gesellschaftlich in Grenzen akzeptabel, aber Unmässigkeit – und nichts anderes ist das Aufhäufen und liegen lassen – ist es sicher nicht.
    .
    Lieber Schluchten-Ossi, keine Sorge, das wurde nur für das Bild so drapiert, nachdem sich zeigte, wie wenig gut das in der Alaabasterschale auf einem Bild aussieht.

  23. ...kommt u.a. auch auf die...
    …kommt u.a. auch auf die alabasterschale drauf an wie gut was aussieht….
    …aber im allgemeinen ziemt es sich natuerlich nicht auf das „anstandsstueck“ zuzugreifen, wie gross die not auch sein mag. — jemand anderes hat dieses stueck mehr verdient, denn dessen not ist groesser.

  24. Ein sehr schöner Beitrag....
    Ein sehr schöner Beitrag.
    SIe hätten allerdings auch in Punkto Fleisch auf Ihre Großmutter, die bekanntlich immer recht hattte, hören sollen.

  25. Welch schöne Bilder, es ist...
    Welch schöne Bilder, es ist eine Lust sie zu betrachten und etwas zu verweilen.
    Mercie

  26. Vielen Dank für diesen gerade...
    Vielen Dank für diesen gerade in die Weihnachtszeit so passenden Beitrag.
    Vielleicht ist es tatsächlich verlogen, auf das letzte Stück zu verzichten, obwohl man gern noch eins essen täte, vielleicht ist es verlogen, noch eins anzubieten, in der Hoffnung, dass es niemand nimmt, sonst würde es so aussehen, als wenn man sich nicht mehr hätte leisten können. Vielleicht ist es auch verlogen, auf ein zweites Stück zu verzichten, weil man in Gedanken die Kalorien zählt und feststellt, dass man für die nächsten zwei Wochen nur noch Wasser und Brot sonst essen dürfte.
    Bei einer Einladung in Beit Jala bei palistinensischen Christen Mitte der 90iger Jahre erlebte ich aber, was es wirklich bedeutet, einen Anstandshappen oder ein Anstandsstück übrigzulassen. Nur als ich den überbordenden rieisgen Teller nicht mehr ansah (konnte ich auch nicht, mir war fast schlecht), wurde akzeptiert, dass ich wirklich satt war.
    Bei uns mag es heute Verlogenheit sein, und vielleicht war es auch früher Verlogenheit, aber es gibt sie auch noch, die Gastfreundschaft, die wirklich wünscht, dass der Gast satt (pappsatt) und zufrieden ist. Nicht aus Hintergedanken, sondern weil es dazu gehört, dazu ein guter und freigiebiger Gastgeber zu sein und dann wünsch ich mir, dass ich ein angenehmer, unaufdringlicher Gast bin, der nicht mehr Arbeit macht, als der Gastgeber bereit ist, in meinen Aufenthalt auch wirklich zu investieren, weil er es möchte und nicht weil er es muss.
    Übrigens die Fotos sind wieder eine Augenweide lieber Don.

  27. @Don
    Alleinstehende haben es...

    @Don
    Alleinstehende haben es leichter mit dem Nichtkommen. Hören Sie mal, Weihnachten!
    @Alter Bolschewik
    Nietzsche hab ich wohl nicht zitiert, und der Canetti ist im Grunde auch ein lustiges Taschenbuch. Ich könnte mir dazu gut einen Animationsfilm vorstellen.
    .
    Ansonsten erinnere ich mich intensiv an die Mickymausgeschichte, wo sich Daisy von Donald ein Törtchen aus Holz anfertigen ließ, weil sie es satt hatte, daß beim Damen-Kaffeekränzchen immer eines übrigblieb. Sie können sich schon denken, wie das ausging..
    Aus genau dieser Geschichte kenne ich den hier beschriebenen Diskurs. Natürlich sind auch die 30 Prozent später hinzugekommenen Ergänzungen und Verfeinerungen nicht zu verachten, aber die Archetypen sind alle aus Entenhausen.

  28. Das gleiche Phänomen erlebt...
    Das gleiche Phänomen erlebt man in Grossbritannien. Zusammen mit dem A-stück wird „a thousand pounds“ angeboten – mit den Wörten „Whoever takes this last piece gets a thousand pounds too“. Es gibt auch diese peinliche Situation wenn der Regel „FHB“ automatisch funktioniert. In English: if an unexpected guest arrives and the family is eating a meal, and there isn’t enough for the extra person, then the custom FHB ( Family Hold Back) operates
    – the family members know that they have to say „Oh, just a little for me, thank you“.
    Ich nehem an, FHB existiert auch in Deutschland?
    Uebrigens, „die bessere Gesellschaft“ eine komplizierte Sache in GB mit
    den middle class, upper middle class, and the lower/middle and upper classes of the nobility/aristocracy. Welcher Gesellschaftkategorie gehört Don Alfonso?
    En passant, darf ich mich als Fan von K.T. zu Guttenberg outen – ein grossartiger Kerl. Und seine wunderschöne Frau ist Ur-Ur-Enkelin von Bismarck?!!!!!

  29. Lieber Don Alphonso, zwei...
    Lieber Don Alphonso, zwei Dinge wurden von Ihnen angesprochen, Einkaufen auf dem Markt und Buffets.
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    Ich hasse Buffets, ich finde sie geradezu widerlich. Dabei meine ich nicht Frühstücksbuffets, es passt irgendwie zum Frühstücken, sich das eine oder andere Croissant zu nehmen oder etwas Müsli zusammenzustellen oder ein Ei genau nach Gusto zu kochen. Zudem hat es den Vorteil, daß man nicht andauernd auf die meist entprechend schlechte Bedienung warten muß, auch ein Anfechtungspunkt meinerseits, speziell beim Bezahlen. Nein, ich meine diese Buffets für Mittag- oder Abendessen. Bei denen man sich aus Trögen bedient, schlimmer als in der Mensa. Und bei diesen Presseveranstaltungen, bei denen sich dann haufenweise niveaulose Russen wie die Heuschrecken darüber hermachen.
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    Ich hatte übrigens mal das zweifelhafte Vergnügen, ein paar Nächte in diesem A-Rosa in Kitzbühel zu verbringen. Das hat zwar 5 Sterne, aber die berechnen sich wohl aus der Menge an Schaltern in den Zimmern und der Größe des Fernsehers oder so – niveaulose Architektur, ergebnisloser „Jawoll!“-Service und die Krönung: zum Abendessen darf man sich dann am Buffet bedienen. Dort gibt es bspw. so Leckereien wie auf Schieferplatten präsentierter Schnittkäse aus Holland – als Käseauswahl. Später erfuhr ich dann, daß es sich um eine Art Investmentgesellschaft handelt, bei der man Anteile erwerben kann und dort dann irgendwie billiger wohnt. Dann hat mich nichts mehr gewundert, das ist wirklich nur für die größten aller Deppen…
    http://resort.a-rosa.de/
    .
    So, nun zum Markt: in München bekommt man leider immer relativ große Portionen oder Stücke, nach dem Motto „Darf’s a bisserl mehr sein?“. Wenn man eine gewisse Auswahl haben möchte, hat man tendenziell immer viel zu viel. Am Wiener Naschmarkt fiel mir auf, daß die Portionen wesentlich kleiner bemessen wurden. Mir scheint es da einen Zusammenhang zwischen der Portionsgröße und der Zahlungskraft der Kundschaft zu geben.
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    Ach ja, und das Anstandsstück ist sicherlich auch dazu da, die anderen Gäste nicht zu düpieren und ihnen das letzte Stück vor der Nase wegzuschnappen. Man kann das schon essen, fragt aber vorher, ob es nicht jemand anders möchte.
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    @fionn – FHB, wie lustig. Ich kenne das als FHZ: „Familie hält zurück“.

  30. Entgrenzt im Krieg
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    Die...

    Entgrenzt im Krieg
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    Die Iraner nennen das „Taroff“, und es ist das Spiel das verhindern soll, dass man sein „Gesicht verliert“. Das wird dort so ernst betrieben, dass es dann, wenn unbedingt der Gast doch das „letzte Stück“ nehmen soll, es mit der Bitte kommt: „Aber ohne Taroff – bitte“, worauf dann aber der Gebetene antworten könnte: „Ich mache keinen Taroff“, und es geht so weiter…
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    Was sagt uns das? Dass der Orient bei uns noch nicht all zu lange begraben ist, also in „tieferen Schichten“ (Der gordische Knoten, Ernst Jünger) zu suchen wäre und somit keine geografische sondern eine historische Grenze markiert. Der Orient ist einfach die ältere Schicht, nicht die im Osten liegende, nicht die, die uns das „Morgenland“ begrenzt.
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    Und es ist durchaus möglich, dass es unsere Kriegsgenerationen gewesen sind, die diese Grenze überschritten haben, im Massensterben, im Massenmorden, im maschinell betriebenen Töten, im Kannibalismus, im Angesicht der Barbarei nicht enden wollender Gewalttaten und Blutströme.
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    Und das wäre sicherlich auch eine interessante These im Bezug auf den von uns doch so verinnerlichten „Abstand“ zum „vormodernen Orient“, der Rechtmäßigkeit unserer aufgeklärten Welt.
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    Auch hier könnte uns Singer eine Hilfe anbieten. So ist ihm der Unterschied zwischen Krieg im Orient und Okzident der, dass, wenn in einem orientalischen Gemetzel der König fällt, der Krieg zu Ende ist, nämlich dessen Zweck damit auch, während es im Okzident heißt: der König ist Tot, es lebe der König – und das Gemetzel geht weiter.
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    Hier wird eine wichtige Grenze überschritten, die sog. vormoderne Kulturen immer beachteten und die ihnen womöglich auch ein so langes Überleben sicherten, da ein sinnloses, nämlich endloses, Massenmorden unmöglich wurde.
    Der Krieg war niemals Selbstzweck sondern zu Ehren des Königs, zu dessen Ruhm und nur durch diesen zum Ruhm der Krieger veranstaltet. Ohne einen König war ein Krieg ein reines Räubergemetzel, ein schandhaftes Verbrechen.
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    Die beiden – modernen – Weltkriege besiegelten endgültig die Grenze zwischen Orient und Okzident, sie markieren eine historische Schranke, die seitdem nicht mehr hintergehbar ist, auch nicht mehr für den „Orient“, womit dieser eigentlich gestorben wäre, begraben.
    Sind sie doch nicht nur der zweifelhafte Grund unseres erreichten Abstandes zum Orient, ob dessen falschen Stolzes bzgl. dessen erreichten Schamlosigkeit, sondern auch das Kainsmal in einer ansonsten Gesichtslosigkeit, abstraktes Mal in einer abstrakt gewordenen Wirklichkeit. Grenzenlos sind wir, entgrenzt das Böse, wie natürlich auch das „Gute“. Das Gute erhält seinen Sinn nicht mehr im Verhältnis zum Bösen, sondern als „anstatt des Bösen“.
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    Das „Böse“ und das „Gute“ sind somit getrennt. Nur so kann es zu solchen Kriegen kommen, wie den US-amerikanischen „Krieg gegen das Böse“.
    Im Orient ist das Böse mit dem Guten immer vereint und sich darin wechselseitig begrenzend.
    Wenn im Orient das Böse entgrenzt wird, dann ist das immer ein Beleg für den Sieg der Moderne. Und das wäre identisch mit grenzenlosem Gesichtsverlust, der nicht mehr zu heilen geht, der nur mit Blut gewaschen, nämlich in einem revolutionären Aufstand bereinigt werden kann.
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    Im Orient führt der Gesichtsverlust also womöglich zum Krieg, und ein solcher würde ihn beenden, im Okzident wäre die nackte Not, der Hunger vielleicht, ein ausreichender Grund, und ein jener wäre ohne ein Ende denkbar.

  31. Uns hat man gelehrt:
    Hunger...

    Uns hat man gelehrt:
    Hunger hat nur die Kanalie,
    Nur der Pöbel frisst sich satt
    Wahrer Adel halt auf Taille
    Insofern er eine hat.

  32. Der Tiger
    Wunderbar, diesen...

    Der Tiger
    Wunderbar, diesen Spruch höre ich auch immer von meiner Großmutter (96). Sie würde nie das Anstandsstück nehmen. Und stets nimmt sie auch nur das kleinste Stück.

  33. Don, wirklich zu schade, dass...
    Don, wirklich zu schade, dass Sie kein Fleisch essen. Die Gans im weltbesten Gänse-Lokal am Sonntag war so vorzüglich, dass wir, wie jedes Jahr, uns einen übriggebliebenes Beinchen derselbigen in Alufolie haben mitgeben lassen. Gibt es dann für die vor 1945 geborenen Mitglieder der Familie am nächsten Tag kalt aus dem Kühlschrank zum Frühstück. Das wäre dann allerdings auch nichts für mich.
    .
    Gut gefallen hat mir Ihre Beschreibung der Eltern mit den chinesisch lernenden Kindergarten-Kindern. Müssen die Leute eigentlich jeden Sch… mitmachen?
    .
    „Hauptsache, man hat mehr als andere“. Dem ist nichts weiter hinzuzufügen. Leider.

  34. Und das zum Frühstück......
    Und das zum Frühstück… Einmal mehr lieben Dank! Die entsprechenden Diskussionen in der nahrungsseeligen Weihnachtszeit sind vorprogrammiert, und dieser Text wird sicher nicht nur mir als Geheimwaffe dienen.

  35. Hi Tigger 08.27h

    "die...
    Hi Tigger 08.27h
    „die Kanalie?“ meinen Sie „la canaille“? (der Pöbel)
    da „canaille“ reimt sich mit „taille“.
    Cordialement
    fionn

  36. "Kein Sonntag ohne Fleisch"...
    „Kein Sonntag ohne Fleisch“ war der KPI der Nachkriegshausfrau.
    .
    Gruss
    PP

  37. @Devin,
    Gesichtsverlust als...

    @Devin,
    Gesichtsverlust als Kriegsgrund im Orient, wann, wo, wenn die Ueberlegung nicht nur eine gedankliche Spielerei ist? Der psychologische Ausgleichsmechanismus bei Gesichtsverlust ist ja die Scham: man verbirgt sein Gesicht, zieht sich zurueck, versteckt sich usw. Das aber waere die individuelle Ebene, in Gesellschaften, die bis heute staerker kollektiv ausgerichtet sind als der Westen. Mit anderen Worten, ich verstehe es nicht.

  38. Das dritte Bild erinnert ein...
    Das dritte Bild erinnert ein bißchen an die übersichtlich angeordneten Portionen in besonders teuren Gasthäusern, da bekommt man gleich nur das Anstandsstück… Die Wirte schlagen zurück!

  39. Der Wunsch, als Gastegeber...
    Der Wunsch, als Gastegeber nicht geizig zu wirken, ist wohl in vielen Kulturen gleich. In Japan wird der kalte Sake folgendermassen eingeschenkt: Das Sakeglas steht in einer kleinen, rotlackiereten Holzkiste. Der Gastgeber schenkt ein, bis gut 1/3 des Sakes über den Glasrand in der Holzkiste gelandet ist. Nur um nicht den Vorwurf zu bekommen, das Glas sei nicht randvoll eingeschenkt.
    Was das wegschmeissen von Essen anbelagt, ist wohl hier bei uns eine grosse Schranke gefallen: Die XXXXL Restaurants. Die Ausgeburt an Ekel. Schnitzel so groß wir Tageszeitungen, Burger mit 2kg Fleisch. Nur damit 3/4 im Anschluss in den Müll wandert. Wozu?
    Gruß aus dem verschneiten Dresden

  40. Oha, stimmt, hier gibt es...
    Oha, stimmt, hier gibt es keine Mailadresse. Wer mich erreichen will, kann das unter donalphonso ät gmail dot com tun.
    .
    Lieber alter Bolschewik, nach meinem Erleben in, ähm, Geschäftskreisen, gilt das heute nun schon längst nicht mehr. Ich denke auch, dass es stets eine Möglichkeit war, sich abzugrenzen oder eine zivilisatorische Kruste zu behaupten. Heute jedoch ist das wirklich anders. Wer einmal ein Buffet der New Economy erlebt hat, der ahnt, wovon ich rede. Und dort hat niemand schlechtere Manieren als die Journalisten, und die wiederum behaupten, der Welt etwas erklären zu können – da darf man sich einfach nicht wundern, wenn alles vor die Hunde geht. Dass manche Kreise in der Lage sind, diesem Trend zu widerstehen, erachte ich als hochanständig. Aber das ist ein sterbendes Generationenphänomen.

  41. Das schließe ich ich gerne...
    Das schließe ich ich gerne Hieronymus an: Chapeau!
    P.S. Wozu gehört eigentlich der „Zitronenfuß“ auf dem letzten Bild, der für sich genommen bereits ein gelungenes Silleben darstellte ?

  42. Ralf, ja, schreckliches Zeug,...
    Ralf, ja, schreckliches Zeug, aber in München erfreut sich auch ein Lokal grosser beliebtheit, das „Soda“ heisst. Soda! Warum nicht gleich „Zum kotzbrechsüchtigen Hungerhaken“?
    .
    Tarrian, dieser japanische Brauch ist von wahrer Grösse (und hilft Alkohol vernichten, ohne betrunken zu werden). Ich finde ja, man sollte jeden Alkohol verschütten.
    .
    Was diese „Stopf Dich übervoll“-Restaurants angeht: Ein Aufruf an das darwinsche Unterbewusstsein. Ein Vergnügen für leute, die auch 30 Kilometer mit dem Auto fahren, nur weil dort ein Kilo Hack 5 Cent billiger ist. Das gefühl, etwas geschenkt zu bekommen, einen Reibach zu machen, es sich leisten zu können. Traurig.

  43. Herrlich! :) da kommen ne...
    Herrlich! :) da kommen ne Menge Erinnerungen, beim Thema „Anstandsstück“! Kann mir das Schmunzeln mal wieder nicht verkneifen.

  44. P. Seudonym, es gibt in...
    P. Seudonym, es gibt in Italien die sogenannte Keramik von Capodimonte, benannt nach einem Ort in der Nähe von Neapel, in dem seit der Renaissance Plastiken aus Ton hergestellt werden (irrigerweise als Porzellan bezeichnet, es ist aber niedriger gebrannte Keramik). Man hat dort schon sehr früh Früchte nachgeformt, die als Tischzier bei Banketten verwendet wurden: Granatapfelbäume, Fruchtschalen, und eben auch solche Zitronenständer. Mitunter auch ganze Schlossgärten in Miniatur.
    .
    Peter Practice, ja, das war damals wohl so. Mein Grossvater war leidenschaftlicher Jäger, da wusste man gar nicht, wohin mit dem Zeug.

  45. Manni1000, in der klassischen...
    Manni1000, in der klassischen Variante wird es nach meinen Erfahrungen dann irgendeinem Kind aufgedrängt, das noch keinen Begriff von Peinlichkeit hat, und deshalb die Pein der Erwachsenen aufnehmen kann. Zu irgendwas müssen die Kinder ja gut sein.
    .
    Don Ferrando, gern geschehen – aber wenn ich so wie mein Grossvater geworden wäre, würde ich keine Kommentare beantworten, sondern Wldschweine schiessen. Und da hätte niemand etwas davon, am allerwenigsten die Wildschweine.

  46. Nicht mehr zu gewinnende...
    Nicht mehr zu gewinnende Kriege
    .
    @G. Schoenbauer: Das „gesellschaftliche“ und das „individuelle“ beim Gesichtsverlust sind nicht wirklich zu trennen. „Ehrverlust“ ist sowohl gesellschaftlicher als auch individueller Provenienz. „Scham“ mag den individuellen Bereich markieren, „Ehre“ hat gesellschaftliche Bedeutung.
    .
    Wie so schön in dem Gedicht von „Tiger“ präsentierten Gedicht (von wem ist das eigentlich?), ist der „geadelt“, der Ehre hat, der nicht nur den Hunger befriedigt/der ja auch in aller Regel keinen Hunger hat/braucht um Nahrung aufzunehmen (in diesem Sinne ist „Adel“ durchlässig, nicht unbedingt an die Klasse/den Stand gebunden, aber sehr wohl an eine Erziehung, die womöglich gar nicht die eigenen Klassenbedürfnisse reflektiert).
    .
    Und wie im Krieg geht es darum „Sieger“ zu sein. „Taroff“ ist die alltägliche, die individuell erscheinende, Form eines gesellschaftlichen Spiels, das eigentlich sowenig Spiel ist wie individuell-privat, sondern „Krieg“, nämlich aller gegen alle. Allerdings, der, der sich geschlagen gibt, muss das Gesicht bewahren, dafür ist das Taroff geschaffen (auch um die gesellschaftliche Relevanz zu schützen, Zerstörungen der Gesellschaft zu vermeiden).
    Man lässt sich ein gutes Stück entweder solange aufschwätzen, bis der Aufschwätzende einem geradezu auf Knien darum bittet, das hebt den eigenen Status, oder man lehnt höflich (hin und wieder auch beleidigt, letzteres wenn der Aufschwätzende die Form, den Stil, nicht gewahrt hat, also den Status verletzt hat) ab.
    .
    Es gibt bzgl. solcher „Spiele“ viele Witze, die das auch kompensieren, was im realen Spiel nicht erlaubt ist – Ehrverletzung, Statusbegrenzung, Beleidigung. So macht man Witze über Leute, die unter Zuhilfenahme der Taroffspielregeln ihre „Nahrungsreste“ loswerden, bzw. über die Leute, die solches erfuhren, als „Gäste“ (auch antisemitisch konnotiert, wie sich denken lässt, Stichwort: „der geizige Jude“).
    Die Übertragung solcher „Kriegsspiele“ des Alltags auf die Kriege der Nationen ist daher nicht nur von metaphorischer Natur, denn ich sehe da einen Paradigmenwechsel im „gesellschaftlichen Spiel“, welches sich an „Regeln“ zu halten sucht, die Entgrenzung zu vermeiden helfen, dann beim Übergang in die Moderne, dann deutlich erkennbar auch in den Kriegen der Moderne.
    .
    Natürlich verwende ich das Wort „Krieg“ auch im semantischen Wortspiel. Es geht ja schließlich auch um „den Krieg um das Anstandsstück“. Aber in diesem Spiel liegt wie gesagt ein ganzer Ernst. Das „Gesicht zu wahren“ ist in modernen Kriegen – gleich ob in zivilen oder in militärischen – so wenig möglich, wie die Beendigung eines Krieges, dem nicht die völlige Erschöpfung auf womöglich beiden Seiten, zu Grunde liegt. Der 30-jährige Krieg, wäre da ein wunderbares Beispiel für. – Und der Ehekrieg für sein ziviles Gegenüber. Vielleicht finden wir hier die wahren „Etikettenbrüche“, und damit die Gründe für nicht mehr zu gewinnende Kriege (vgl. Hegemonie oder Demokratie, http://blog.herold-binsack.eu/?p=604).

  47. Herr Alphons,
    wären Sie nach...

    Herr Alphons,
    wären Sie nach Ihrem Großvater gekommen, hätten Sie zumindest in Ihrem geliebten Berlin Karreiere gemacht. Ich zitiere:
    .
    „Abgeordnetenhaus BERLIN
    15. Wahlperiode
    Drucksache 15/13 755
    .
    Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Kleine Anfrage wie folgt:
    .
    Frage 1: Für wie bedrohlich hält der Senat von Berlin die Wildschweinplage für die Bevölkerung, insbesondere in Wannsee?
    .
    Antwort zu 1.: Nach Einschätzung der Berliner Forsten stellen die Wildschweine grundsätzlich keine Bedrohung für die Berliner Bevölkerung dar, auch nicht in Wannsee. Der Senat teilt diese Auffassung.
    .
    Frage 2: Was gedenkt der Senat zu unternehmen, um die Bürger in Wannsee und auch deren Eigentum vor den Angriffen der Wildschweine zu schützen?
    .
    Antwort zu 2.: Um eine nachhaltige Reduzierung der Wildschweinpopulation zu erreichen, werden auf den gesamten Flächen Berlins zusätzlich zu der Jagdausübung durch die Forstbediensteten Jagdausübungsberechtigte und Inhaberinnen und Inhaber der Genehmigung zur beschränkten Jagdausübung eingesetzt. Darüber hinaus wird die Bevölkerung durch Broschüren, Vorträge und ein eigens hierfür eingerichtetes Info-Telefon informiert. Zudem wird die Jagdstrecke (Abschuss von Wild) im Jagdbeirat für alle Jagdbezirke (Wald und landwirtschaftlich genutzte Flächen) jährlich entsprechend dem Gesamtbestand neu eingeschätzt und festgelegt.
    Senatsverwaltung für Stadtentwicklung „

  48. Mir fällt noch eine extreme...
    Mir fällt noch eine extreme Variante ein.
    „Möchte jemand (etwa) noch ein Stück. Also ich für meinen Teil nicht, vielen Dank.“
    Dieser Satz sollte vom Hausherrn gesprochen werden.
    Der Dank richtet sich dabei an die holde Hausfrau und das „etwa“ darf natürlich nicht ausgesprochen werden, sondern muss im Ton mitschwingen.
    So hebt man jede Tafel schnell und zügig auf.
    Selbst erlebt.

  49. Monsieur Don, ihretwegen bin...
    Monsieur Don, ihretwegen bin ich gestern noch schnell 13 Runden ums Stadion gelaufen. Aber außen rum. Ist das anständig?
    Ich pflege Kindern gegenüber vor dem Essen zu behaupten, ich hätte alle Süßigkeiten schon „angefasst“. Wie Karlsson vom Dach. So kommt am Ende doch alles weg, denn dann müssen alle anfassen=zugreifen=einverleiben. Aber ist DAS anständig? Was ist der Trick bei der Kunst des dezenten Zugriffs? Geben Sie doch einen weihnachtlichen Tipp!

  50. Ist es nicht auch gutes...
    Ist es nicht auch gutes Benehmen, seine Fresssucht im Griff zu haben?
    Unser Auge nicht mit menschlichen Körpern zu beleidigen, die diesen Namen schon fast nicht mehr verdienen.
    Wenn wir einladen, dann kann es ja wohl nicht darum gehen, die Gäste satt zu machen- in Deutschland???
    Wir sind doch alle satt. Zufrieden nicht immer. Weil der Genuß fehlt.
    Mehr Genuß und weniger Menge, das ist schöner und gesünder.
    Warum ist in allen Kulturen der Verzicht und die Askese ein hohes Gut? Eben.

  51. Frau Waldwuff,
    nehmen Sie aus...

    Frau Waldwuff,
    nehmen Sie aus diesem gastlichen Hause künftige Einladungen an?
    Mich fror beim Lesen Ihres Berichtes; sparen sollte woanders beginnen.

  52. @ fionn
    Sie haben recht!...

    @ fionn
    Sie haben recht! Rechtschreibung war allerdings noch nie meine Stärke. Schon als Volksschüler habe ich mich mit der Ausrede verteidigt: ‚Wenn ich mal groß bin, hab ich sowieso eine Sekretärin.‘ Heute sag ich zu meinen Kindern: ‚Mistakes make you human.‘

  53. Cher Don, da haben sie ja mal...
    Cher Don, da haben sie ja mal wieder eine madeleine gebacken, die längst Vergangenes aufweckt!
    Da stehen sie in der Erinnerung wieder auf, all die hungerzeiterfahrenen Nachkriegstanten. Und das Kind, eingeschüchtert von ihrem aggressiven Unverständnis, dass es Speisen geben könnte, die es nicht einmal in den Mund nehmen mag, verstaut das ungeliebte Essen in der Backe. Ich habe so manches größere Familenfest am Rande des Erbrechens zugebracht.
    Je vertrauter die Beziehung zu den Tischgenossen, desto weniger fühlt man sich verpflichtet, mehr auf den Tisch zu stellen, als vernünftigerweise gegessen werden kann.Wer zur Familie gehört, bekommt nicht eine ganze Gänsebrust.
    Bei gemischten Gesellschaften sicherheitshalber die Erstschlagsvariante. Aber wenn im Laufe der Mahlzeit man vertrauter miteinander wird, der Koch und Gastgeber ausführlich gepriesen, dann geschieht es schon, dass jemand mehr als die einzige Anstandsportion zu sich nimmt. Unvergessen der kochende Gastgeber, der in diesem Moment auf das Lob seiner Gäste mit längeren Ausführungen darüber antwortete, welche Pasteten, Ragouts, Pots au feu er aus den Resten zu machen gedenke.
    So fanden alle auf den Weg der enthaltsamen Tugend zurück.

  54. Das Anstandsstück habe ich...
    Das Anstandsstück habe ich natürlich als Kind auch gelernt, das auf dem Tablett, der Servvierschüssel usw. Dagegen sollte dass auf dem eigenen Teller, egal ob selbst aufgelgt oder damals durchweg durch Mutter/ Tante /Oma aufgehäuft stets aufgegessen werden – andernfalls für Tage kein Sonnenschein und damit kein Toben draußen drohte. Trotz der schlichten Verhältnisse in den 50ern gehörte aber aufgrund unserer grandseigneuralen Traditionen immer dazu, eine Portion mehr für den „unerwarteten Besucher“ in petto zu haben. Der kardinale Begriff drängt sich mit auch deswegen auf, weil mir das – ich war kaum alt genug Mutter beim Kochen zuzusehen – religiös erklärt wurde. Erwähnte ich schon dass wir stramm[m] katholisch sind? So habe ich in den 50ern, damals kam das noch vor dass reisende Handwerksgesellen, Scherenschleifer, Bettler klingelten, erlebt, daß mit dieser Portion jemand (in der Küche) gesättigt wurde. Nicht ohne den pädagogischen Hinweis meiner Mutter, solchen Leuten nie Geld zu geben, dies würde ohne Umschweife in Schnaps oder Wermut umgesetzt. Dagegen sei naturale Verköstigung unter dem Aspekt „Was ihr dem geringsten meiner Brüder…“ Pflicht. Noch heute, wenn ich selbst koche, mache ich etwas mehr Kartoffeln, Reis, Nudeln, Gemüse als ich für mich brauche.
    .
    Was Wir-Gruppe beim Essen bewirkt erlebte ich an Bord, ich hatte meinen 33. Geburtstag in See auf einem Versorger bei einem Geschwader. Schon morgens hatte mir der Smut einen großen Kranz Salzgebäck mit der Zahl der Jahre im Lorbeer auf den Frühstückstisch in der Messe platziert. Nachmittags sollte es dann Kaffee und Kuchen geben. Für die Besatzung hatte die Kombüse Blechkuchen gebacken, in der O-Messe sollte es Sahnetorte geben. Da kündigte der Geschwaderkommandeur eine Kommandantenbesprechung auf unserem Versorger in See für den Nachmittag über Sprechfunk an. Kaum hatte der Signäler auf der Brücke das unheilvolle Signal für den Kommandanten laut wiederholt, als dieser ans Telefon spritzte, dem Backschafter in der O-Messe folgende Weisung gebend: „Ede, räum den Geburtstagskuchen vom Doktor weg, der Kommandeur und die anderen Kommandanten fallen bei uns ein, für die ist das zu schade!“ (Er duzte die Backschafter grundsätzlich). Dies wurde von den Backschaftern aufs genaueste befolgt. Die Besprechung fand in unterkühlter Atmosphäre ein baldiges Ende, zumal bei den längsseits gegangenen Booten außen bei auffrischendem Wind die ersten Trossen brachen.
    Nachdem der letzte von Bord war, wurde auf dem (solide im Wasser liegenden )Versorger natürlich wieder „aufgebackt“ und der Geburtstagskuchen vertilgt. Das Anstandstück bekam selbstverständlich anschließend der Backschafter.

  55. In diesem Zusammenhang sollte...
    In diesem Zusammenhang sollte vielleicht auch an den berühmten schwäbischen Konjunktiv III erinnert werden: Het no ebber was wella? (Hätte noch jemand etwas gewollt?) – nachdem man sich das Anstandsstück gekrallt hat. Diese Strategie wird natürlich nur von den protestantischen Unterländern verwendet, wir katholischen Oberschwaben würden so etwas nie und nimmer machen.

  56. Sehr gerne wende ich bei...
    Sehr gerne wende ich bei Tortengespraechen das Thema auf Einsamkeit an sich-und im speziellen auf das letzte Stueck, geht es doch nicht an, etwas, das sich so hingebungsvoll in Schoenheit und Opferbereitschaft anbietet zu schmaehen. Das waere doch eine grosse Suende, nicht wahr gnaedige Frau?

  57. Filou, das hängt davon ab,...
    Filou, das hängt davon ab, was man von der gnädigen Frau möchte – soll es in Richtung romantischer Zweisamkeit gehen, würde ich raten, ihr die Torte zu überlassen.
    .
    Alter Bolschewik, nun ja, Protestanten, das ist eh so ein Thema, gerade beim Essen, egal ob es nun um das kalorienzählen geht, die billigen Zutaten oder eben um das Zulangen, wenn man damit daheim am Essen sparen kann. Und Schwaben, nun, also.

  58. Bei eine Horde von Kindern,...
    Bei eine Horde von Kindern, die wie Seumes Indianer „Europens übertünchte Höflichkeit nicht kannten“, kann der Schuss jedoch auch mal nach hinten losgehen. Als meine Oma einst verkündete: „Kinder, esst nur tüchtig, es ist noch massenhaft draußen“, folgten wir ihrem Rat aufs Wort und vertilgten alles. Da aber nichts mehr draußen war, musste sie erst wieder Nachschub holen lassen.

  59. Der Naschhafte nimmt was er...
    Der Naschhafte nimmt was er kriegen kann. Wenn’s sein muss, auch die Torte.

  60. BlackJack66, gern...
    BlackJack66, gern geschehen.
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    Frau Waldwuff, besuchen Sie Bayern! Meine Grossmutter fühlte in ihrer Wohnung an den Balken, wenn ich die Treppe hinaufstieg, und lauerte mir stets mit Süssigkeiten an der Tür aus. „Iss, Kind, iss“ ist eine der prägenden Erfahrungen aus dieser Ecke, und natürlich ist der Gast erst gesättift, wenn es wirklich nicht mehr geht. Ausserdem bin ich der Meinung, etwas falscdh zu machen, wenn meine Gäste hier ohne Übergewicht abreisen. Sonst lohnt sich ja Bayern gar nicht! Hungern kann man auch in Berlin, Bochum und Kiel.

  61. @Alphonso: ich weiss ja nicht,...
    @Alphonso: ich weiss ja nicht, welche Protestanten Sie kennen. Aber in meiner Familie (evangelisch seit dem 16. Jhd) ist der Tisch nicht nur prächtig gedeckt, sondern auch die Speisen stets üppig!

  62. Das, mein leiber Filou, ist...
    Das, mein leiber Filou, ist dann aber nur der Trostpreis.
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    dunnhaupt, das hätte in meiner Familie nicht passieren können! Apfelstrudel bis zur Kapitulation, und mehr als 10.000 Kalorien gehen auch in den besten Bayern am Tag nicht rein.

  63. Und oft das bessere Angebot....
    Und oft das bessere Angebot.

  64. Der neuste Schrei unter den...
    Der neuste Schrei unter den neureichen, magersüchtig wirkenden Victoria B.s dieser Welt: Vor Puplikum soviel in sich rein zu schaufeln wie es eben geht. Erstaunte Blicke und (falls jemand so wenig Anstand besitzt) Kommentare werden mit:“Ich esse immer soviel!“ abgewehrt.

  65. Don Ferrando, die meisten, die...
    Don Ferrando, die meisten, die nach dem dritten Stück Wagnertorte nicht mehr können, kommen aus dem Norden. Vielleicht, weil man das dort einfach nicht gewohnt – und obendrein zufällig protestantisch – ist.
    .
    HansMeier555, Weihnachten ist für einen Gottlosen wie mich ohnehin kein Thema.

  66. @Don
    Machen Sie doch mal einen...

    @Don
    Machen Sie doch mal einen Blog über Protestanten.
    Das wäre sicher amüsant.

  67. Aus dem Land des entgültigen...
    Aus dem Land des entgültigen kulturellen Ruins kommt ja zum Themenbereich „letztes Stück“ und insbesondere “ Besser den Magen verrenkt als dem Wirt was geschenkt“ ein ganz anderer Ansatz, der reizvoll mit dem hier vorgestellten kontrastiert: http://www.newscientist.com/article/mg20427381.500-the-perfect-way-to-slice-a-pizza.html
    .
    Da möcht man dann schon lieber die ganze (Mafia-)Torte selber haben und dann gern das letzte Stück übrig lassen…

  68. oh ja, oh ja, schwieriges...
    oh ja, oh ja, schwieriges Thema… mein Mann und ich waren letztens bei einem befreundeten Paar übers Wochenende zu Besuch, und sind Zeuge eines handfesten Streis zwischen den Beiden geworden, weil der Gastgeber beim Frühstück das letzte Brötchen aus dem Korb nahm und der Meinung seiner Gattin nach nicht oft genug und ausdrücklich nachgefragt hat, ob jemand von „den Gästen“ noch Hunger habe (ich finde ja, einmal fragen reicht).
    Ähnlichen Unmut habe ich mal bei einem Familienbesuch mit einem Verflossenen provoziert, weil ich das familieneigene Kuchenritual gesprengt habe. Das ging nämlich so: Beim Konditor wurden Torten- und Kuchenstücke verschiedener Sorten erstanden, für jeden Anwesenden zwei Stück. Das erste Stück durfte noch jeder frei wählen, beim zweiten Stück musste man sich jedoch ausführlich bei allen erkundigen, ob man dieses bestimmte Stück (in meinen Fall das letzte Stück vom gedeckten Apfelkuchen) nehmen könne. Ich habe den unverzeihlichen Fehler begangen, nur einmal in die Runde zu fragen, das Ritual schreib jedoch mindestens dreimal nachfragen vor. Außerdem war ich im Nachteil, da mir die Vorliebe des Vaters meines Verflossenen für gedeckten Apfelkuchen nicht bekannt war. So gesehen kein Wunder, dass die Beziehung von Anfang an unter schlechtem Stern stand…

  69. wunderschöne Bilder...
    wunderschöne Bilder

  70. Tigger @15.15h

    Eigtentlich...
    Tigger @15.15h
    Eigtentlich wollte ich keine Besserwisserin sein… Ich hasse „Know-alls“.
    Besten Dank für Ihr „réponse“. Bin keine Französin doch cette langue gefällt mir.

  71. Schönes Thema, Don.

    @unellen...
    Schönes Thema, Don.
    @unellen Mehr als einmal fragen, finde ich schon aufdringlich.
    Meine Mutter war froh, wenn ich als Kind bei Leuten ausserhalb der Familie überhaupt was gegessen habe.

  72. Es hat eine Weile gedauert,...
    Es hat eine Weile gedauert, aber die Diskussion ist endlich beim „Kosaken-Zipfel“ angelangt (Unellen?). Komisch, vor allem konfessions-spezifische Spitzen des doch eher um Konfekt(ion) bemühten Don bringen das Spiel hier ins Rollen.
    @ HansMeier555: Haben Sie sich mit Peter Richter abgesprochen oder was hat den Mann dazu verleitet, in seinem aktuellen „Richterspruch“ Herrn Sloterdijk IHRE Thesen über heilsame Refeudalisierung in den Mund zu legen?

  73. Ebensowichtig ist die Frage,...
    Ebensowichtig ist die Frage, wann mit dem Essen angefangen werden darf. Eigentlich versteht es sich ja von selbst: Erst wenn alle am Tisch sitzen und fertig ausgeteilt ist.
    Allein die Realität sieht anders aus.

  74. Ich erinnere mich an eine...
    Ich erinnere mich an eine unbehagliche Kaffee- und Mineral- und- sonst- gar- nix
    Garteneinladung bei einer Dame, die einen Wirtschaftsanwalt geheiratet hatte und an ihrem Mineralwasser nippend (er war noch in seiner Innenstadtkanzlei) sagte „ich will ihn auf jeden Fall behalten“. Wir verabschiedeten uns recht bald unter Vorwänden und gingen zum nahen Dommayer. Er richtete ihr dann später eine Abschreibe-Kinderboutique in der Stadt ein, in der sie schwarzgeblümte Smokkleidchen anbot und mit der sie zweckerfüllend in Konkurs ging.

  75. Wann darf mit dem Essen...
    Wann darf mit dem Essen angefangen werden? Bon, en France, wo man sich zu Recht etwas auf die convivialite und das gemeinsame Tafeln als Gebrauchskultur einbildet, geht es bei Tisch – auch in besseren Kreisen – wild durcheinander. Jeder beginnt seinen Teller, sobald ihm aufgetan wird, worüber sich auch niemand aufregt. A la bonne franquette!, voila.
    Andere Frage, von Relevanz bei Großfamilien-Weihnachts-Tafelschlachten: Gemeinhin ist/war es üblich, dem Ehrengast an der Tete als erstem aufzutun; diese Tradition rührt m.E. aus Zeiten her, bei denen das Mahl aufgehoben war, wenn der Ranghöchste am Tisch das Essen einstellte (weshalb die übrigen sich arg beeilen mussten). Heute geht der Comment dahin, gemeinsam mit dem Essen zu beginnen. Sollte man vor dem Hintergrund nicht dem Ehrengast als letztem am Tisch auftun, sodass er nach Möglichkeit auch noch eine (anständig) warme Speise bekommt?

  76. @jean-jacques
    Nichts ist so...

    @jean-jacques
    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.

  77. @jean-jacques
    Ach, das ist...

    @jean-jacques
    Ach, das ist dort allgemein so üblich? Ich fand es immer sehr unangenehm, wenn mir als Gast zugeredet wurde, ich solle doch anfangen, während andere (zumal die Kinder) noch nichts hatten und die Hausfrau zwischen Herd und Tisch hin- und herhuschte.
    Das ist ja auch das ungemütliche an den Buffets, diese Herumlauferei.
    .
    Umgekehrt würden die Franzosen die Warterei womöglich als steifen Zwang empfinden?

  78. Die Werbeforschung (ja, die...
    Die Werbeforschung (ja, die macht auch was Sinnvolles) hat herausgefunden, daß die „Sünde“ in Frankreich völlig in Ordnung geht, kulinarisch und auch sonst. Nur im (protestantischen?) D. bekommt jeder das schlechte Gewissen eingeredet. Übrigens ist statistisch erwiesen, daß in der TV-Werbung nur geschlemmt wird. Eine visuelle Prägung? Darf beim Essen in Frankreich der Fernseher laufen? Zumindest Werbung?

  79. Meine Schwester hatte als...
    Meine Schwester hatte als kleines (und irgendwie immer hungriges) Kind ihre ganz eigene Methode gefunden, das Problem des Anstandsstücks zu umgehen: Sie nahm sich das letzte Stück Kuchen und fragte, nachdem sie schon die Hälfte gegessen hatte: „Wollte das noch jemand?“

  80. "Französische Tischsitten" -...
    „Französische Tischsitten“ – meine Erfahrungen speisen sich aus zwei getrennten Kreisen. Und in beiden wurden die Tischmanieren m.E. sehr liberal gehandhabt. Der eine rund um zwei Großfamilien: recht traditionsbewusst. Der andere aus dem Umkreis der kirchlichen „Benevoles“ – Freiwillige mit teils ausgesprochen ‚ordentlichem‘ Hintergrund, die trotz ihres offensichtlichen Gemeinsinns sich nicht daran störten, dass jedermann so aß und zulangte, wie man hierzulande allenfalls (pädagogisch verunglückten) „Einzelkindern“ das nachsagen würde. Immerhin lautet der gängige (und daher wohl als erforderlich empfundene) Kommentar, bevor die Schlacht losgeht: „On commence! Et tout le monde – a la bonne franquette!“ – Also etwa: ‚Schlagt doch bitte zu und keine falsche Bescheidenheit.‘ – Es sei hinzugefügt, dass in Frankreich das Gefühl für „so etwas tut man nicht“ – ganz allgemein gesprochen – sehr viel sicherer sitzt und verbreiteter ist, als hierzulande. Es würde daher auch wohl fast jeder wissen, wo die „franquette“ (frank und frei) aufhört, „bonne“ zu sein. Diesseits des Rheines hingegen, bedarf jede Form von „Ordnung“ erstens tiefschürfender philosophischer Begründung und wird zweitens, aufgrund bekannter Vorkommnisse des 20. Jhd., allenfalls steifhüftig gelebt. Wenn, dann eben sehr „comme il faut“. Ah!, Frankreich, du hast es besser.
    @ Grimaldeli: Wollen Sie, von Ihrer süd-französischen Warte aus, nicht freundlicherweise uns aufklären?

  81. Ein Schweizer Gatsgeber zu...
    Ein Schweizer Gatsgeber zu seinem Gast: Nehmen sie sich doch ruhig noch ein drittes Stueck Kaese, bei uns wird nicht gezaehlt.

  82. Die Wahrheit ist: ich lasse...
    Die Wahrheit ist: ich lasse mir heute noch in einem Wirtshaus, wenn es geschmeckt hat, aber zu viel war, einpacken. Denn die Portionen sind in meinen Augen in der Regel überdimensioniert.
    Die Wahrheit ist aber auch: ich hasse es, bei einer Einladung privater Natur mehrmals hintereinander einen vollgepackten Teller hingestellt zu bekommen (besonders wenn ich Teile darauf nicht besonders mag oder nicht besonders vertrage) und dann habe ich auch schon ganz unanständig etwas auf dem Teller zurückgelassen. Was peinlich für beide Seiten ist und die Versicherung, dass das Essen vorzüglich war nicht besonders glaubwürdig macht.
    Es ist nicht immer einfach, den Anstand zu wahren.

  83. Frau B., nun ja, das vermeidet...
    Frau B., nun ja, das vermeidet man am besten, indem man schlechte Köche meidet. Klingt banal, ist nicht leicht zu machen, aber im richtigen Moment Nein sagen kann auch nicht schaden. ich hatte so einen Moment auf einem Schloss fern aller Zivilisation, wo es nur etwas gab, was ich auf den Tod nicht leiden kann (Ich muss die Geschichte malk aufschreiben, New Exonomy wie sie wirkliuch war). Allerdings nahm der Gastgeber das lässig zur Kenntnis; nur eine Pizza konnte er mir nicht im Tal bestellen, der letzte Lieferant war von der Strasse abgekommen und im Schnee liegen geblieben. Irre Geschichte aus einer irren Zeit.
    .
    Wolff, das glaube ich Schweizern nicht – und nachdem ich schon mal von einem Schweizer Käse in der Schweiz Lebensmittelvergiftung bekam, würde ich auch davon abraten.

  84. Wenn wir "zu Tisch gehen" (so...
    Wenn wir „zu Tisch gehen“ (so der Sprachgebrauch hier) dann wird wenn irgend möglich in der Kantine darauf geachtet dass wir erst mit dem Essen anfangen wenn alle aus den Schlangen an der Kasse am gemeinsamen Tisch angekommen sind. Nur wenn die Verzögerung in einem Bereich so groß ist dass ernsthaft um die Restwärme gefürchtet werden muss wird es hingenommen dass man bereits anfängt auch wenn noch nicht alle da sind.
    An Bord war es früher morgens und meist auch abends so dass „running table“ gegessen wurde, mittags aber auf den „Dickschiffen“ ( Zerstörer, Fregatten, Tender, Versorger) doch auch den gemeinsamen Mittagstisch der Offiziere geachtet wurde. Der Kommandant wünschte „Guten Appetit“ (einige die ich erlebt habe spezifisch „Gesegnete Mahlzeit“) und los ging es. Ganz zu Anfang meiner Laufbahn habe ich da auch erlebt dass mit leerem Teller des Kommandeurs bzw Kommandanten und seitlich gelegten Messer und Gabel gnadenlos abgeräumt wurde – wer sich verplaudert hatte blieb hungrig. Andererseits galt es als ungehobelt, nicht zu plaudern. Oder wie ein Kommandeur eines Mittags dann bemerkte : „Meine Herren, was herrscht hier heute aber für eine gefräßige Stille“.

  85. Herrscht gefräßige...
    Herrscht gefräßige Stille?
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    Dann nehmen Sie sich bitte noch ein Stück und kauen Sie gründlich, während ich Ihnen vorlese, wie es bei Canetti weitergeht:
    .
    „Es ist vielleicht nützlich, einen Blick auf die Essenden zu werfen, gleichgültig, wie hoch oder tief sie im Range stehen. … Man gibt sich Mühe, gerecht zu sein, und keinen zu übervorteilen. Am stärksten ist der Zusammenhang, der zwischen den Essenden entsteht, wenn sie von EINEM Tier genießen, einem Leib, den sie auch lebend als Einheit gekannt haben, oder von einem einzigen Laib Brot. Aber die leichte Feierlichkeit in ihrer Haltung ist damit allein nicht erklärt: ihre Achtung bedeutet auch, daß sie EINANDER nicht essen werden. (…)
    .
    Am innigsten ist das Leben der Familie dort, wo man am häufigsten zusammen ißt. (…)
    .
    Vielleicht ist hier die Gelegenheit, etwas über das Kern- und Herzstück der Familie zu sagen: die MUTTER. Mutter ist jene, die ihren Leib zu essen gibt. Sie hat das Kind in sich genährt und bietet ihm dann ihre Milch. Diese Tendenz setzt sich in abgemilderter Form während vieler Jahre fort… Ihre Leidenschaft ist, zu essen zu geben; zu sehen, daß es ißt; zu sehen, daß das Essen bei ihm zu etwas wird. Ihr Gebaren wirkt selbstlos. … In Wirklichkeit aber hat sich ihr Magen verdoppelt, und sie behält über beide die Kontrolle. … Es gibt keine intensivere Form von Macht. (…)
    .
    Starr und hart wird die Familie dort, wo sie andere von ihrem Essen ausschließt; die, für die man zu sorgen hat, sind ein natürlicher Vorwand zur Ausschließung anderer. Die Hohlheit dieses Vorwands wird an Familien ersichtlich, di keine Kinder haben und doch nicht die leisesten Anstalten treffen, ihre Essen mit anderen zu teilen: Die Familie zu zweit ist das verächtlichste Gebilde, das die Menschheit hervorgebracht hat. Aber auch wo Kinder vorhanden sind, spürt man oft, wie sehr sie zum bloßen Aushängeschild der nacktesten Selbstsucht dienen. „Für seine Kinder“ spart man und läßt andere hungern. In Wirklichkeit hat man aber dadurch alles, solange man lebt, für sich.“
    .
    Möchten Sie noch mehr davon? Es ist genug da.

  86. I say old chap, that's a jolly...
    I say old chap, that’s a jolly clever piece of writing my dear Don Alphonso. I’m impressed.
    May I call you Don, in the event that I should catch up[ with you in the British Isles? One never knows who one meets among the A-list luminati.
    Cheers

  87. art-buyer
    Mir fehlt in dieser...

    art-buyer
    Mir fehlt in dieser Abhandlung das „invertierte Anstandstück“ – das nicht zuviel, sondern das genau um ein Stück zuwenig da sein.
    Ist es schon jemanden aufgefallen: Die Firma Bahlsen bestückt die Produktpackung von „Messino“ mit 11 (in Worten: elf) Keksen. Eine Primzahl unterhalb des Dutzend. Es ensteht quasi ein invertiertes Anstandsstück. 11 Kekse lassen sich nur auf eine Person oder 11 Personen auf natürliche Weise und ohne Bruch aufteilen. Die Situation, welche daraus entsteht, und ich behaupte: Von Bahlsen durchaus gerne gewünscht ist: Eine weitere Packung muss geöffnet werden, denn das übrig bleiben von 2 Stück (3 Personen *3) oder von 3 Stück (4 Personen *2) ist immer wieder ein unschöner Umstand.
    In Osteuropa soll ja angeblich immer wieder eine neue Wodka-Flasche aufgemacht werden, wenn es nicht für alle reicht – und natürliche eine immger größere – um den Gästen Respekt zu zollen (empirisch nicht nachgewiesen).

  88. Lieber Devin08,
    thanks fuer...

    Lieber Devin08,
    thanks fuer die Erlaeuterung. Keine Frage, der Esstisch ist kein Hort der Anarchie: Regeln der Hospitalitaet, der Senioritaet, der Statuszuweisung u. der schlichten Machtverteilung im Hause wollen beruecksichtigt sein, von bestimmten Speisenfolgen, den Gebrauch von Messer und Gabel, des sog. Settings usw. einmal abgesehen.
    Ob es je zu einem Duell gekommen ist, weil sich ein Tischgenosse an derartigen Regeln versuendigte, sich jemand gar das Anstandsstueck unter den Nagel gerissen hat, weiss ich nicht, wage ich aber zu bezweifeln. Sicher gab und gibt es Sanktionen fuer solche eklatanten Verstoesse, ob aber die Kriegsmetapher sehr gluecklich gewaehlt ist, um diese einigermassen sinnadaequat zu fassen, wage ich aber doch zu bezweifeln. Dasselbe gilt m.E. auch fuer die Uebertragung dieses Gedankens auf die nationale Ebene und die Ueberlegungen zu Unterschieden zwischen „Okzident“ und „Orient“. Soweit ich das selber in Japan und China mitbekommen habe, wo es das Anstandstueck auch gibt, riskiert man wenig, wenn man sich als Gast an dieser Seite der Etikette versuendigt, schlimmstenfalls, und das auch nur in seltenen Ausnahmefaellen, wird man beim naechsten Mal nicht mehr eingeladen, den Ausschluss also, und familienintern wird man darauf hingewiesen, wie es sich gehoert und richtig zu machen ist, was ich eher mit dem Begriff „Erziehung“ in Verbindung bringen wuerde als mit dem des Krieges, ob diese nun die eigenen Klassenbedürfnisse reflektiert oder nicht.
    Ist aber ein schwieriges Thema und zumindest von mir nicht auf die Schnelle abzuhandeln.

  89. man könnte dazu auch bei...
    man könnte dazu auch bei Norbert Elias nachsehen (bei mir schon für den Umzug fest verpackt)

  90. Anstandsrest -- ein sehr...
    Anstandsrest — ein sehr zweideutiges Kompositum.

  91. Die Vorurteile gegenüber...
    Die Vorurteile gegenüber „protestantischem Essen“ scheinen ja ein bisser überzuborden…, dabei sind die orthodoxen davon (die Lutheraner) zu denen ich mich bewußt zähle, mehr katholisch als weidhin angenommen.
    In den Generationen meiner Vorfahren spielte Essen eine durchaus große Rolle in der Form, das daran niemals gespart wurde; trotzdem aber der Respekt davor weitergegeben wurde. Diese Haltung überdauerte sogar diejenigen, die an der Mangelgesellschaft der DDR (ich auch) teilnahmen, für die anderen war die leerrequirierte Garage dann mit Care- Packeten äußerst gut gefüllt. Für protestantisch verbreitete Sektiererei war kein Platz, dies war wohl eher eine Option der Calvinisten und der Reformierten, da gibt es dann wirklich wahrzunehmende Unterschiede der Haltung, aber nichts ist ja so schön wie Vorurteile…

  92. Funzen, ich erkläre mir das...
    Funzen, ich erkläre mir das so, dass leute, die in Bayern „normal“ aussehen, in Berlin und anderen eher protestantisch geprägten Regionen durchaus „fett“ wirken. Umgekehrt erkenne ich hier Elitessen aus dem Norden sofort: Unsere Mädchen sind nicht so dürr. Nie.
    .
    art-buyer, von so einem invertierten Anstandsstück wird in der Tante Jolesch von Friedrich Torberg berichtet – dort solll eine gewisse Dame den besten aller Strudel gebacken, aber nie das Rezept verraten haben. Als sie starb, setzte die familie die Lieblingsnichte an ihr Totenbett, um das Geheimnis aus ihr herauszuholen. Sie habe immer etwas zu wenig gemacht, sagte die Dame, und starb. So ein Schmarrn, sagte meine Grosstante, wenn ich ihr die Geschichte erzählte. Strudel ist dann am besten, wenn einem speiübel davon ist. und nie früher.

  93. Egon, well, I guess you'll...
    Egon, well, I guess you’ll feel my appearence by the pricking of your thumbs.
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    HansMeier555, ich muss ganz ehrlich sagen, dass mich Canetti – Lektüre eines damals 15-Jährigen – erst etwas verwirrt und dann in seiner Überheblichkeit – er habe Brecht dies und Kraus jenes gesagt, was sie dann geschreben hätten – zunehmend befremdet hat. Ein elender Wichtigtuer, ein D-Promi seiner Zeit noch hinter Misia Sert, und man würde sich wünschen, dass Claire Goll ihn auf 40 Seiten auseinander genommen hätte, dieses Borderline-Bürschlein. Das jedoch ist nur meine Privatmeinung.

  94. prince Matecki, dazu kann ich...
    prince Matecki, dazu kann ich nur den Besuch der Osram-werke in München empfehlen – dort nämlich geht es auch in der kantine so zu. Und alle sitzen im gleichen Raum. Feine Sache.
    .
    jean-jacques, es gibt da eine nette Beschreibung des „Hinkenden Teufels“ bei Alain Rene Lesage, auf dessen mantel sich formvollendete Franzosen abgebildet finden, aber auch schnupftabakverschmierte Deutsche. Wage zu behaupten, dass mir Deutsche mit eingebläuten Sitten lieber sind als Deutsche ohne Gefühl für das rechte Mass, die sie wären, würde man nicht bläuen.

  95. Ariadne, Ihre kleine Schwester...
    Ariadne, Ihre kleine Schwester war ein ungezogenes Gör – vermutlich sprach sie das auch noch im Kauen.
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    Driver, man fragt sich natürlich, ob der Erlaubnis einer Sünde dann wirklich auch eine Sünde folgt – da habe ich, offen gesagt, bei unseren lieben Nachbarn mehr als nur leichte Zweifel. Man ist am Ende vielleicht toleranter.

  96. Wolff @17.41h
    That's a nice...

    Wolff @17.41h
    That’s a nice joke. Here’s another one.
    An Englishman, a Frenchman, an Italian and a Swiss-German go for a picnic. The Englishman brings some Stilton cheese, the Frenchman brings wine, the Italian brings Parma ham and the Swiss-German brings his brother.

  97. in welchem sketch von karl...
    in welchem sketch von karl valentin eigentlich fragt liesel karstadt karl valentin:
    ja, lehrt einem das nicht der anstand?
    worauf karl valentin antwortet: hab keinen.

  98. @Don Alphons: ich befürchte,...
    @Don Alphons: ich befürchte, die Osramwerke wurde vergangenes Jahr abgerissen. Wenn Sie das nächste mal vom See nach München kommen, blicken Sie nach dem McGraw Graben mal nach rechts. Da stehen keine Osram Werke mehr!
    .
    Was das Beginnen mit dem Mahl betrifft; ich lernte, daß man erst anfängt, wenn die Dame des Hauses aufgetan hat.

  99. "Fettnäpfchen" besonderer Art...
    „Fettnäpfchen“ besonderer Art entstehen bei grenzüberschreitender Gast- und Tischfreundschaft. In „Lauras Blog“ erzählt eine junge Deutsche über ihr neues Leben mit der Familie ihres Mannes, eines Palästinensers und praktizierenden Muslim. Unter dem Stichwort „Nahost-Diät“ berichtet sie auch darüber, dass in Palästina Muslime unter Berufung auf den Propheten auf ihrem Teller (also dem eigenen, nicht dem großen in der Mitte) immer ein paar Bissen übrig lassen. Der Prophet habe sich niemals satt-essen wollen, so Laura (ihr heutiger Name ist Lamees). Auch sonst zu Tischsitten sehr interessant (zur obigen Frage ab Minute 2:30).
    http://www.youtube.com/watch?v=eJ3bQJvn1Jk
    @ Don Alphonso: „Eingebläute Sitten“ – auch die kleinen Franzosen werden erzogen. „Einbläuen“ wird outre-Rhin durchaus noch wörtlich genommen (zuletzt jedoch regierungsamtlich kritisch beleuchtet). Die Großmutter eines Freundes bot mir einmal den Ehrenplatz neben sich an am Mittagstisch mit den Worten: „Assieds-toi, comme ca, tu seras a ma claque.“ (Wendung hoffentlich richtig wiedergegeben). „A la claque“ – das hieß natürlich, in Reichweite der liebevoll-ermahnenden rechten Hand zu sitzen. War nicht nötig… ich habe alles aufgegessen (von dem sehr feinen Essen), auch beim mehrfachen Anbieten. Und natürlich war Madame la grandmere sehr angetan von dem artigen jungen Mann…

  100. Ich meinte die heutige...
    Ich meinte die heutige Osram-Galerie (verdammt, ich verblöde im Dorf)

  101. Und _wie_ sie die...
    Und _wie_ sie die Widersprüche vereinen – wenn ich mein Geld in die Uni-Mensa trage und dort beiläufig die sanitären Einrichtungen inspiziere, vergeht nicht ein Besuch, ohne dass hinter einem der Nachbartürchen mehr oder weniger diskret das Geld auf, äh, falsche Weise zum, äh, Fenster rausgeworfen wird. Im ersten Semester habe ich noch unsicher gefragt „Hallo? Ist alles in Ordnung?“ …

  102. @Don
    Canetti hat mich als...

    @Don
    Canetti hat mich als Person kaum interessiert. Größenwahnsinnig war er, na und. Karl May fand ich viel schlimmer, obwohl einem dessen Egomanie auch heute wieder in halbautobiographischen Werken mancher Nachwuchsautoren begegnen kann.
    Canettis zitiertem Buch verdanke ich wichtige Einsichten, wenn auch nicht ganz so viele wie den „Lustigen Taschenbüchern“. Genug starke Bilder für einen sehenswerten Zeichentrickfilm enthält jedenfalls auch.
    .
    Schön, daß sich Katholiken und Protestanten mal wieder richtig schön zoffen! Mir ist jede Konfession recht, Hauptsache nicht ökumenisch. Und ein Streit um die Eucharistie könnte angesichts des Themas auch nicht wirklich als Abschweifung gelten.
    .
    Ist noch ein Schluck Tee in der Kanne?

  103. @Don Ferrando
    Schrecklich sind...

    @Don Ferrando
    Schrecklich sind die Damen, die sich hinsetzen, die Gabel in die Hand nehmen für den ersten Bissen und dann — plötzlich wieder aufstehen, weil sie natürlich noch irgendeinen Streukäse oder so holen müssen, ohne den der Genuß ja nicht perfekt wäre…

  104. Ich gehöre eigentlich gar...
    Ich gehöre eigentlich gar nicht hierher, guten Abend, aber auf dem Blog, auf welchem ich sonst beheimatet bin, ist es gerade sehr still. Ich möchte kurz sagen, Die Blendung… ich denke fast, es könnte Ihnen doch ein wenig gefallen, Don Alphonso. Man sollte überhaupt vorsichtig sein mit Kerzen in der Bibliothek. Dagegen sind liebevoll drapierte Mandarinenschalen nichts. Nun gehe ich wieder hinüber. Sie machen wirklich sehr schöne Fotos!

  105. @mawu: Buffetessen - ganz...
    @mawu: Buffetessen – ganz furchtbar.
    Noch nicht mal beim Frühstück – dann lieber auf dem Zimmer frühstücken.
    Das Buffetlunch und -dinner ist für mich der Kommunikationskiller schlechthin. Mancher hält es für kommunikationsfördernd – ich nicht!
    PS: Habe gelesen in der Spiegel !Kantine! kann elektronisch bestellt werden – man kriegts gebracht – da würde ich sogar gerne eine Kantine besuchen.

  106. @Foersterliesel,
    Elias ist...

    @Foersterliesel,
    Elias ist sicher Pflicht und eine saubere Lektuere, denken Sie aber bitte auch an Roland Girtler, einen Landsmann von Ihnen, wenn Sie aus Habsburger Landen stammen sein sollten. Er hat nicht nur ueber Wilderer und den Strassenstrich schoene Buecher geschrieben, sondern auch ueber „Die feinen Leute“. Von der vornehmen Art, durchs Leben zu gehen“.

  107. Es ist ein Dilemma.
    Einerseits...

    Es ist ein Dilemma.
    Einerseits aufzuessen (schönes Wetter, etc.) und andererseits nicht gefrässig zu wirken.
    Genötigt wurde ich auch immer noch etwas zu essen von meinen Großmüttern (meist vor dem Essen).
    Meine Grandmère erklärte mir auch, dass ich vor dem Ausgehen zu essen habe, um dort nicht Unmengen in mich hineinzustopfen.
    Die merkwürdige Logik die dahinter steckt, verstehe wer will. Aber ich esse tatsächlich meist noch eine Kleinigkeit, bevor ich zu Einladungen gehe. Denn (selbst erlebt) auch wenn man zu 19:00 Uhr eingeladen wird, bedeutet das nicht zwingend, dass es etwas zu essen gibt. Das war meine einzige Feier, bei der ich einmal eher gegangen bin, weil ich Hunger hatte.

  108. @ D.A. Da haben Sie nicht...
    @ D.A. Da haben Sie nicht Unrecht. Mein Schwesterchen wurde häufiger des Esszimmers verwiesen, das war bei unseren Eltern die gängige Methode, um schlechtes Benehmen bei Tisch zu bestrafen.
    Allerdings funktioniert die Variante, sich das letzte Stück zu nehmen und danach zu fragen, ob es noch jemand wollte auch nur, solange man etwa 5 Jahre alt ist und alle anderen am Tisch mit großen unschuldigen Kinderaugen anblickt.

  109. Im adligen Milieu gab es...
    Im adligen Milieu gab es früher auch offene Tafeln und Kostgängertum. Das war akzeptiert, aber machte eben auch die Abhängigkeiten deutlich.
    In dem paradoxen Gebot: Aufessen, aber niemals gierig wirken offenbart sich auch das verkrampft-verklemmte bürgerliche Streben nach „Gleichheit“.
    .
    Von da aus bis zur heißen Schlacht am kalten Bufffet, dem Krieg aller gegen alle, ist es nur noch ein Schritt.

  110. sagenhaft! (@ Don Ferrando)...
    sagenhaft! (@ Don Ferrando)

  111. @ Felix Herzbach: welchen...
    @ Felix Herzbach: welchen meiner nutzlosen postings meinten Sie?

  112. HansMeier555, aber gerade bei...
    HansMeier555, aber gerade bei jenen, die zu adligen Tafeln zugelassen wurden, wurde extreme beachtung der Zeremonien und Regeln verlangt. Sprich, die Regeln der Gleichheit ersetzten nur die Regeln der Ungleichheit.
    .
    Ariadne, ich weiss schon, warum ich keine Kinder will. Ausserdem bin ich gegen Kinderaugen bestenfalls unbeeindruckt und schlimmstenfalls allergisch eingestellt. Ist Ihre Schwester eine schöne, junge Frau geworden? Dann kann sie das vielleicht noch immer machen.

  113. HansMeier555, aber gerade bei...
    HansMeier555, aber gerade bei jenen, die zu adligen Tafeln zugelassen wurden, wurde extreme beachtung der Zeremonien und Regeln verlangt. Sprich, die Regeln der Gleichheit ersetzten nur die Regeln der Ungleichheit.
    .
    Ariadne, ich weiss schon, warum ich keine Kinder will. Ausserdem bin ich gegen Kinderaugen bestenfalls unbeeindruckt und schlimmstenfalls allergisch eingestellt. Ist Ihre Schwester eine schöne, junge Frau geworden? Dann kann sie das vielleicht noch immer machen.

  114. Frau Waldwuff, der Rat einer...
    Frau Waldwuff, der Rat einer guten Freundin in der Hinsicht, die auf ihre Figur achtet: Unmittelbar vor dem Essen in das Puderzimmer entfleuchen und ein grosses Glas Wasser trinken. Das häkt schlank und ist unmenschlicher als die Oma-Variante.
    .
    Dulcinea, danke für das Lob, hier kann natürlich jeder kommen und bleiben , wie er will – und dass die Beiträge auch andernorts um so seltener kommentiert werden, je schöner sie sind, ist leider eine unumstössliche Tatsache des Geschäfts.
    .
    Ich hatte in einem dreiwöchgen Gardaseeurlaub ohne Wind auch die Blendung dabei, wie etliches andere, weil man mir sagte, das müsste man gelesen haben. Canetti war damals ein Star unter den Kindern meines Viertels, vergleichbar mit Hesse – und mit beiden konnte ich einfach nichts anfangen, und kann es bis heute nicht.

  115. Lieber Herr (?)...
    Lieber Herr (?) Schoenbauer,
    danke für die Einführung Roland Girtlers hier im Forum! Das Wildern wurde in der Nachkriegszeit bis zu einem gewissen Grad toleriert, um die Bevölkerung nicht aufzubringen, auch das Wildern von Murmeltieren und Dachsen für die Volksmedizin (deren Fett wurde zu Salben verarbeitet, die heute noch auf ländlichen Märkten erhältlich sind).

  116. jean-jacques, der Klaps, das...
    jean-jacques, der Klaps, das mag durchaus sein, aber das vorwurfsvolle „und die Mutter blicket stumm um den ganzen Tisch herum“-Regiment, das haben dann doch die Deutschen erfunden, das extrem Steife, das Ungalante – ein Freund, der einmal 6 Wochen von seinen Eltern (sie haben ein Geschäft für Tisch-, Wohn- und Gartenkultur) nach Franjreich geschickt wurde und dort in einem besseren Restaurant in Grasse lernen sollte, wie Stil funktioniert, kam mit etlichen Verhaltensweisen heim, die gleichermassen elegant und verschroben wirkten. Das passte nicht zu den deutschen Tischsitten und ihrem extrem engen Regelwerk. Und – gibt es ein Land, das mehr Benimmschulen als Deutschland hat?

  117. @ D.A. Ist sie. Aber...
    @ D.A. Ist sie. Aber mittlerweile achtet sie auch auf ihre Linie und nimmt sich ohnehin nicht mehr das letzte Stück.

  118. Das, liebe Ariadne, ist das...
    Das, liebe Ariadne, ist das Elend unserer lustfeindlichen Tage.

  119. @ Ariane
    Meine Tochter wollte...

    @ Ariane
    Meine Tochter wollte ich auch Ariane nennen, habe aber nur einen Sohn bekommen. Dessen Tischsitten zu Hause sind nonchalant, aber auswärts passabel. Als Werbeonkel darf ich anmerken, daß der Einfluß der Barbie-Puppen phänomenal ist auf Eßverhalten und Selbstbild. Die MitschülerInnen meines Sohnes haben sich mal alle wie ihre Puppen gestylt und alle zusammen den Barbie-Song geträllert für eine Schulaufführung. Himmlisch! M.E. sind die schlankesten die sog. „Lernmädchen“, die ihre Primär- und Sekundärtexte wirklich lesen. Also am Ende die JuristInnen und ÄrztInnen. Warum? Weil sie ihre Texte verschlingen (wie ein Wörterbuch) und daher nicht mehr verg-essen können/dürfen – das Papier ist ja weg. Und essen müssen sie auch nichts mehr. Die alten Bücher des Don sind auch sicher kaum gesundheitsschädlich vom Material her (ohne Blei und Plastikeinband, Leder ist Eiweiß). Heute dagegen sind schon die Wörterbücher digital. Die Kids lernen/lesen/verschlingen keine Texte und „dicke Schinken“ mehr, nur noch bunte Bilder. Also werden sie selber dick, denn das Auge ißt mit. Es gibt für das Werbefernsehen sogar „Food-Stylisten“, die das Fertigzeug mit Chemie zum Dampfen bringen. Setzt die Kids auf visuelle Diät! Schaltet das Radio in der Küche ein und laßt sie selber kochen! Mit Kochbuch! Dieser Anblick wäre ein Genuß.

  120. Wenn der Hunger unbändig ist,...
    Wenn der Hunger unbändig ist, so ist auch auch mehr als unhöflich dort zu stehen mit laut knurrendem Magen (peinlich!).
    Bzgl. dieser Wassertrinkerei, ja den Trick kenn ich, allerdings löffel ich meist eine Schüssel mit Gemüsebrühe vorher, nahrhaft und aufgrund des Salzgehaltes bindet diese auch ein wenig das Wasser im Körper. Denn das Problem dieser jungen Damen mit knabenhafter Figur und der ständigen Wasserflasche in der Hand, ist doch auch ihre ständige Suche, nach dem Puderraum (der manchmal tatsächlich nur zum Pudern geeignet ist).

  121. Lustigerweise wirkten die...
    Lustigerweise wirkten die ehrlichen Regeln adliger Ungleichheit häufig weitaus weniger exklusiv als die heuchlerischen Regeln bürgerlicher Pseudogleichheit.
    Die Beherrschung der Regeln ist ein geringer Preis für täglich freie Kost auf hohem Niveau.
    .
    Wer sich füttern läßt, bekennt sich zu seiner sozialen Inferiorität. Andererseits kann sich die Dominanz auch darin äußern, von den Abhängigen eine Art Tribut einzufordern. „Was haben Sie da etwas schönes auf dem Teller, darf ich mal probieren….“ Wenn ich Raddatz richtig verstanden habe, dann behauptet er so etwas über einen seligen Spiegel-Herausgeber.
    .
    Die „Blendung“ fand ich auch vollkommen unlesbar, aber „Masse und Macht“ ersetzt ein Studium politischer Anthropologie. Gucken Sie mal kurz rein über die Feiertage, es liest sich flüssiger als jeder Comic-Strip. Manches wirkt inzwischen vielleicht abgegriffen, aber das Buch geht auch schon auf die 50 zu.
    Daß Kafka oder Kraus einige seiner Gedanken aufgegriffen haben könnten, erscheint mir keineswegs abwegig. Auch große Geister brauchen Anregung von anderen. Wenn letztere sich damit dick machen, dann ist das zwar ungezogen aber doch nur menschlich.
    .
    Mit Weihnachten haben Sie nichts am Hut? Aber Vanillekipferln werden Sie sich doch wohl gönnen.

  122. Für Leute wie mich ist die...
    Für Leute wie mich ist die Frage viel wichtiger, wer am Tisch wieviel reden und wer wem das Wort abschneiden darf.

  123. Diese...
    Diese Wasserflaschenträger/innen sind doch gestört. Verboten gehört das.
    Genauso wie Size 0 bei Jeans. Das sind Kinderhosen.
    Don (Herr), lass Abend werden…

  124. Kafka soll was von Canetti...
    Kafka soll was von Canetti aufgegriffen haben? Wie soll das gegangen sein?

  125. Ich schrieb über Brecht und...
    Ich schrieb über Brecht und Kraus, man kann das ja bei „Die Fackel im Ohr“ nachlesen. Bei Brecht stellt er in den Raum, er könnte den Vorschlag zum Namen „Dreigroschenoper“ gemacht haben, wenn ich mich nach einem viertel Jahrhundert noch recht erinnere.

  126. Überhaupt Memoiren....
    Überhaupt Memoiren.
    Politiker, Diplomaten und natürlich die Schriftsteller und deren Witwen.
    Es ist wirklich schade, daß heutige Manager und CouponschneiderInnen so selten Memoiren schreiben. Könnten Sie, lieber Don, das nicht mal hier und dort ein Berufstöchterlein dazu überreden? Es kommt ja nicht nur auf die literarische Qualität an, mehr auf das Sittenbild „Westviertel“. Ja, ein gewisser Mangel an Ambition und Talent wäre sogar durchaus erwünscht, dann kommt es treuherziger und glaubwürdiger.

  127. Naja, so ist das halt, wenn...
    Naja, so ist das halt, wenn einer die anderen überlebt, er kann dann viel behaupten. Eine schöne Stimme hatte Canetti aber.
    Brecht hat sich den Namen Dreigroschenoper wahrscheinlich von einer seiner Freundinnen sagen lassen.

  128. foersterliesel,
    .
    Dachsfett s....

    foersterliesel,
    .
    Dachsfett s. Adeps Bd. I. pag, 247
    .
    Adeps, auch Axungia, Schmalz, nennt man alle animalische Fette, die bei gewöhnlicher Temoeratus Salbenkonsistenz besitzen und bei einem der Temperatur des menschlichen Körpers nahekommensden Wärmegrade in ffüsigen Zustand übergehen. In älterer zeit, wo die animalischen Mittel in höherem Ansehen standen, enthielten die Apotheken eine grosse Menge solcher Fette, denen die abergläubische Medizin , wie es z. T. jetzt noch das Volk tut, ganz besondere Heilkräfte zuschrieb. So das als internes Mittel als Spezifikum gegen die Schwindsucht gehaltene Hundefett ( Axungia canis), das Fuchsfett (Axungia vulpis), das Dachsfett (Axungia Taxi) das Bärenfett (Axungia ursi), das als vortreffliches Maturans gepriesene Hasenfett ((Axungia leperis s. leporina), das als Kammfett bezeichnete Fett vom Hals der Pferde (Axungia colli equii, das Murmeltierfett (Axungia muris alpini), das Seehundsfett (Axungia Phocae), das Gänseschmalz (Axungia anseris s. anserinea), das Entenschmalz (Axungia anatis), auch das Vipernfett (Adeps viperina), dem neuerdings in Nordamerika auch das zu hohem Preise bezahlten Klapperschlangenfett sich anreiht. Auch Menschenfett – nicht das von den Pariser Totengräbern vertriebene Fett- oder Leichenwachs der Kirchhöfe, sondern wirklicher adeps hominis von gewaltsam getöteten Menschen – figuriert in alten Arzneibüchern. Mit Ausnahme des noch in Spanien als Grasa s. Enjundia de gallina offizinellen Hühnerfetts sind alle vorgenannten Fettarten aus den Pharmakopöen verschwunden und jetzt durch das Schweineschmalz ersetzt….
    .
    Aus: Real-Enzyklopädie der gesamten Pharmazie, 2. A.. Berlin, Wien, Urban & Schwarzenberg, 1904

  129. "Benimm" - Werter Don, über...
    „Benimm“ – Werter Don, über Benimmschulen weiß ich überhaupt nichts. Könnte mir allerdings vorstellen, dass die Engländer auf dem Gebiet nicht schlecht sind. Klassensignale funktionieren dort wohl ganz gut – zB. hat Lady Thatcher ihre Aussprache trainiert zugunsten ihrer politischen Ambitionen. – Dass Tischsitten in Deutschland engherzig interpretiert werden, halte ich für gut möglich (habe leider immer noch nicht das Sittengemälde „Das weiße Band“ angesehen). Als kürzlich DIE ZEIT ihrer „Gräfin“ zum 100. Geburtstag eine Sonderbeilage widmete, konnte sich eine Autorin den respektvoll-amüsierten Hinweis nicht verkneifen, Frau Dönhoff habe in der ihr eigenen Art den Spargel mit Genuß und zwar mit den Fingern (auf die ‚alte Art‘ eben) vertilgt (ob ihre Kinderstube das dem Töchterchen erlaubt hätte, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis). – Nachtrag: Capodimonte – das wäre doch auch noch ein lohnendes Ziel für die Tour mit der Begleiterin?!? Napoli… heute mit einem sehr schönen Beitrag zur Wiederbesinnung auf den Barock im Feuilleton der von Ihnen mit Hingabe geschmähten Süddeutschen vertreten… nur mal so! FINIS.

  130. HansMeier555: Überhaupt...
    HansMeier555: Überhaupt Memoiren.
    .
    Lest mal wieder die Memoiren des Karl Heinrich Ritters von Lang.
    .
    Karl Heinrich Ritter von Lang? Wer ihn nicht kennt, googeln hilft.
    Die Memoiren sind eien unschätzbare Primärquelle, eine anständige UB ist hier hilfreich, im Antiquariat sind die Memoiren gelegentlich zu finden, im Buchhandel gibt es eine Neuauflage.
    .
    Was habe ich seinerzeit danach gesucht, sogar eine Anzeige ins Börsenblatt setzen lassen. Damals besorgte das der Buchhändler des Vertrauens, heute ist das alles viel einfacher. Hier:
    http://www.archive.org, und dort unter „texts“ nach „ritter von lang“ suchen.
    .
    Ach so, und Riesbeck, Briefe eines reisenden Franzosen, die gibts schon länger auch bei Projekt-Gutenberg-De (beim Internetaufritt eines Hamburger Nachrichtenmagazins, Sie wissen schon). Es gibt ja noch mehr auf der Welt als Memoiren. Und wer dann schon bei Projekt-Gutenberg-De ist, kann dort auch gleich Heinrich Oppermanns Hundert Jahre lesen, schon Arno Schmidt war seinerzeit davon schwer begeistert.

  131. "Ausserdem bin ich gegen...
    „Ausserdem bin ich gegen Kinderaugen bestenfalls unbeeindruckt und schlimmstenfalls allergisch eingestellt.“ – Also seien Sie doch nicht so garstig Don Alphonso, das ist ja schon fast unglaubwürdig. Sehen Sie sich doch mal Ihre Barchetta an, die schaut doch auch irgendwie so unschuldig…
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/4a/Fiat_Barchetta_black_v.jpg

  132. @Nikolaus Marggraf,
    danke für...

    @Nikolaus Marggraf,
    danke für die Hinweise! Hoffentlich schreibt auch heute jemand an so etwas, der sozial weiter oben angesiedelt ist als Florian Illies.
    .
    In manchen Ländern macht man sich (angeblich, weiß ich nur vom Hörensagen) unmöglich, wenn man nach dem Aufstehen die Serviette zusammenfaltet und den Stuhl zurück unter die Tischplatte schiebt. Die Selbstverständlichkeit des Sichbedienenlassens, das ist es wohl, was uns deutschen Kleinbürgern am schwersten anzugewöhnen ist. Ich meine, so daß es nonchalant wirkt und keineswegs auftrumpfend oder großkotzig.

  133. OK, sobald ein Kind 9 Liter...
    OK, sobald ein Kind 9 Liter Bleifrei auf 100 Kilometer säuft und dann immer noch so dreinschaut, bin ich bereit, zu reden.

  134. (Und der Herzlosigkeitspreis...
    (Und der Herzlosigkeitspreis 2009 geht an…)

  135. Nun ja, ich erinnere mich noch...
    Nun ja, ich erinnere mich noch gut daran, zwischen den Sitzen zu stehen und meinem Vater zuzurufen „Papa! Fahr Zweihundert!“. Und so rufen meine Töchter heute von hinten „Papa! Schläft der da vorne???“ und jauchzen wenn es quer um die Kurve geht…
    .
    Das sind dann die lustigen Momente. Wenn es hingegen um Tischmanieren geht, wird’s ziemlich anstrengend und man könnte aus der Haut fahren…

  136. Oh hoeret, ihr Ritter vom...
    Oh hoeret, ihr Ritter vom Blauen Kreuz, der bayrische Kofferschinder moechte einen Saeufer als Kind.

  137. Petrolhead nennt man solche...
    Petrolhead nennt man solche Kinder auf der Insel. Aber lieber wäre mir natürlich gar keines, und den Sprit saufen weiter der Sunbeam und die Barchetta.

  138. Lieber Don:
    Als Mann hat man...

    Lieber Don:
    Als Mann hat man das gar nicht immer so unter Kontrolle. 2010 wird ein guter Jahrgang.

  139. Um das Niveau endgueltig auf...
    Um das Niveau endgueltig auf die Strasse zu bringen, hier:
    http://www.youtube.com/watch?v=NAiXRKQffQ0
    .

  140. Da friert eher die Hölle zu....
    Da friert eher die Hölle zu.

  141. Dann friert sie halt zu, auch...
    Dann friert sie halt zu, auch das kommt vor.

  142. Was diese ... Thatcher...
    Was diese … Thatcher genommen hat, um unter Konservativen voranzukommen, nennt man „locution lessons“. Klassengerechte Ausssprache, gibt es immer noch. Gehört zum britischen Klassensystem. Findet man über Kleinanzeigen. Was bei dieser … Thacher – auch auf diesem Gebiet – misslungen ist: sie hat übertrieben, hat also entweder zuviel bezahlt oder zu eifrig gelernt, mit der Folge, dass sie nicht wie obere Mittelklasse sprach, was das Ziel war (ist), sondern wie Oberklasse. (Dowager, eine Art Fürsten-Witwe.) Das aber verzeihen diese Leute da drüben noch weniger als die zu niedere Aussprache, die abtrainiert hatte werden sollen. Ja, im Alter hat sie sogar einmal „We“ gesagt statts „I“: „We are grandmother“, wie die Königin.
    Deutsche können das alles nicht verstehen; hier sind Sprache, Aussprache, „Akzent“ und so weiter vor allem geographisch definiert, nicht vor allem sozial. Für alles, was Klasse, vor allem Scheinklasse, betrifft, ist die Insel nicht nur sprachwissenschaftlich ein kostbares anthropologisches Gut;man kann „Die Entstehung der Arten“ nachvollziehen. Alle Geheimnisse aber wird man nie begreifen, vor allem nicht als Ausländer. Die netten Romane von Fellowes können allerdings einiges beitragen. (Das war der Drehbuchschreiber von „Gosford Park“. Der Erfolg hat ihn zum Buchschreiber gemacht, und man kann beim Lesen vor Behagen schnurren. Er gehört dazu, hat eine Geborene geheiratet, Enkelin Kitcheners (formidable Person!), und schreibt mit bösartigem, grausamem Vergnügen über seinesgleichen.) Julian Fellowes.

  143. Was heisst hier, verehrter...
    Was heisst hier, verehrter Herr Meier, 2010 wird ein guter Jahrgang? Dazu bedarf es eines demuetigen Winzers im Berge des Herrn, beseelt vom Willen, reiche Lese einzubringen, zu keltern, auf Flaschen zu fuellen. Nicht zu vergessen den Korken, der hilft, das Produkt lang haltbar zu machen.
    Ach, und welche Arbeit macht es, aus einem guten Wein einen edlen, witzigen und allweil geliebten Champagner zu kreieren?
    Was ist das Pflanzen eines Weinstockes gegen die Pflege einer Kultur.

  144. @B.A.H.,
    so wie ich Thatcher...

    @B.A.H.,
    so wie ich Thatcher einschaetze, hat sie zuviel gelernt; waren ihre Eltern nicht Lehrer?
    Dass Deutsche die geograph. Definition der engl. Sprache nicht verstehen koennten, glaube ich uebrigens nicht. Ist ja zunaechst nicht mehr als eine Frage des Dialekts, dass man in der Gegend X anders spricht als in der Gegend Y, und wenn sich nun in bestimmten Gegenden die Textil- und Schwerindustrie wie der Bergbau konzentrieren wie in Grossbritannien, ein Gutteil der Industriearbeiterschaft demgemaess in diesen Regionen wohnt und praktisch alle Gewerkschaftsfuehrer aus ihnen stammen, sollte man sich nicht wundern, wenn sich diese Dialekte klassenkaempferisch gefaerbt anhoeren. Wenn Leute wie Scargill oder Tony Benn einst zu besonders starken Worten neigten (auch zum Moralisieren, nebenbei gesagt), wuerde ich das auch auf dem Hintergrund der strukturellen Schwaeche der dortigen Gewerkschaftsbewegung sehen, die ich an ihrer grossen Zahl (auch in ein und demselben Unternehmen), ihrer berufsbezogenen Organisation und der Dezentralisierung der Tarifverhandlungen festmachen wuerde – fuer eine zu allem entschlossene Premierministerin im Grunde ein leichtes, diesen unions in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und in Staatsbetrieben wie British Steel und British Coal das Wasser abzugraben.
    Das aber nur als Ergaenzung.
    Gruss
    G.S.

  145. Nun ja, werter B.A.H., das mit...
    Nun ja, werter B.A.H., das mit den „elocution lessions“ ist so eine Sache und manchmal notwending fuer Leute deren Herkunft aus den „weniger gehobenen Klassen“ durch ihren Akzent bemerkbar ist. Und nicht alle Zuhoerer sind davon begeistert.
    Inzwischen hat sich eine Art ‚Mid-Atlantic“ Akzent etabliert den man unter den TV und Radio Ansagern findet und deren „neutrale“ Ausdrucksweise auf beiden Seiten des Atlantiks annehmbar ist…. obwohl man immer noch die Frage hoert ob man denn tatsaechlich English in Nord-Amerika spricht. Auch manche Amerikaner wundern sich ueber „the Queen’s English“ das in dem UK floriert.
    „Sounds familiar“, sagen die Weisen auf der oestlichen Seite, wenn sie „American English“ hoeren, „but is it English?“
    Egal, at least we can read each others newspapers and seem to understand what’s being written.
    Und was das „Royal We“ betrifft, man findet dieses Syndrom manchmal unter den „chattering classes“ also Journalisten und Pundits die ihre tiefschuerenden Kommentare mit „we“ etwas Wichtigkeit beibringen wollen.
    It’s an old habit, that seems to take for ever to disappear; and still lingers in these, ach so egalitaeren Zeiten.
    Forgive the Denglish, folks, but we scribes have difficulties to hit the right „tone“ when pontificating in English as well as in the language of the Germans.
    Pax vobiscum

  146. Genau, verehrter Egon,...
    Genau, verehrter Egon, „elocution lessons“ sind das, nicht „locution lessons“. War mir sicher. habe gegoogelt u. auch etwas gefunden, was durchaus sehenswert ist:
    http://video.google.com/videoplay?docid=1804248834566272262&ei=4h4sS5y9J4WSwgOp7cGXBQ&q=locution+lessons#

  147. @HansMeier555;
    Natürlich...

    @HansMeier555;
    Natürlich faltet man die Serviette nach Gebrauch nicht mehr!

  148. Auch manche Blogautoren (hier...
    Auch manche Blogautoren (hier in der FAZ) lieben das „wir“, wenn sie sich selber meinen. Das hat dann so was von Verlautbarung, den Militaristen gefällt’s.
    .
    @Filou
    Der Herr wird uns geben, er wird es nehmen, und wieder von neuem geben.
    Nächstes Jahr in Meran?

  149. @HansMeier: Bordeaux?...
    @HansMeier: Bordeaux?

  150. Es herrscht Klassenkampf in GB...
    Es herrscht Klassenkampf in GB – und die „upper class“ hat Angst.
    Sie fühlen sich besonders unsicher z.B. im Zug oder in der U-Bahn, deswegen wenn nötig sprechen sie die Sprache der „plebs“ (Proletariat).
    Z.B. ‚Oo’s ‚e?“ = Who is he? Wassat? = What’s that? Gimme = Give me.
    Eff off = F**k off. Sogar Harry Windsor (der königliche Enkel) spricht gern „prole-English“ hin und wieder – er macht das zum Spass – so wird in den britischen Medien berichtet.

  151. @fionn
    Da können wir ja alle...

    @fionn
    Da können wir ja alle froh sein, dass der nicht in London lebt. Dort könnte sich das so anhören:
    Dat y‘ posh ragtop parked uot front?

  152. Döner geht nicht, und...
    Döner geht nicht, und Torten… erst ab 18 !
    .
    http://suche.chip.de/
    „Zu Ihrer Suchanfrage „Ti*tten“ wurden keine Ergebnisse gefunden. Wir haben Ihre Anfrage geändert in „Torten“.“

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