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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
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Friss oder stirb umständehalber

29.03.2010, 21:58 Uhr  ·  Natürlich muss man sich keine Umstände machen, wie es so oft von Gästen in der Gegenwart gewünscht wird. Man kann die Gäste auch aus Plastik bewirten, oder gleich an den Sautrog führen, ganz wie es beliebt. Dabei jedoch verliert man Haltung und Klasse, Konvention und Selbstwertgefühl. Und lernt, dass Umstände nicht nur einen Sinn, sondern auch eine Berechtigung haben.

Von

Mach wegen mir bitte keine Umstände.

Sagen sie. Einfach so. Das soll nett klingen: Ach, ich bin doch nur ein Gast, ganz ohne Aufwand, ich komme und gehe, bloss kein grosser Auftritt. Immer schön bescheiden, kein Luxus, keine überbordenden Tafeln, keine grosse Auswahl an Käse und Marmelade, ein Stück Brot tut es auch, es muss gar nicht exklusiv sein. Keine Umstände. Das ist das Credo der modernen Gastlichkeit seitens der Gäste. Und es ist das, was unsereins ins Schleudern bringt, deren ganze Existenzberechtigung auf Umständen, namentlich besonderen Umständen basiert. Normal und ohne Umstände kann jeder Depp. Wir können nicht ohne.

Zumal der Empfang ja ohnehin ein Umstand ist, und zwar ein enormer Umstand. Jeder betretbare Raum muss in Ordnung gebracht werden, Kissen müssen geschüttelt und Wäschereste weggestopft werden, der Spiegel braucht eine Reinigung und die Fenster schreien nach einem Frühlingsputz. Hier ist noch eine Spinnwebe, dort muss der Staubsauger hin, und die Bücherstapel von letzten Museumsbesuch harren noch der Einordnung. Es ist, gerade wenn man als schlechterer Sohn aus besserem Hause einen dynamisch-flexiblen Umgang mit dem Begriff Sauberkeit ebenso pflegt, wie das letztminütliche Absperren der Abstellkammer, ein erheblicher Umstand, die Räumlichkeiten in den angemessen musealen Zustand zu versetzen. Barocke Gemälde dürfen noch herumstehen, aber alles, was an unmässige und schlampige Völlereien erinnert, muss weg.

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Durchgeschwitzt und gerade noch die Betten überzogen habend steht man dann da, all die Umstände der überall gültigen Reinlichkeit so lala, aber nicht nach Mütter oder gar der Putzperle Ideal erledigt habend, und dann kommt der Gast. Und wünscht keine Umstände. Nachdem der schlimmste Teil der Arbeit vollbracht ist, nachdem all das Unangenehme getan wurde, sollen nun keine Umstände mehr folgen.

Dabei sind alle weitergehenden Umstände im Kontext der besseren Gesellschaft eigentlich Arbeitserleichterungen. Umstände machen bedeutet zu wissen, was sich gehört. Umstände sind von nun an aufwandsneutral. Ob ich beste Pralinen beim ersten Haus am Platz reiche, oder Billigschokolade in die Schale fülle: Es macht keinen Mehraufwand. Ob ich das feine Porzellan nehme, das noch feinere Porzellan, mein museales Opaque de Sarreguemines, handbemaltes Geschirr von Paul Vogt oder aber mein billigstes Alltagsporzellan: Es ist der gleiche Aufwand beim Auftragen wie beim Abwaschen. Ob ich Silber nehme oder Edelstahlbesteck nehmen würde, wenn ich so etwas besässe – es ist egal. Ob ich die Betten mit dem wunderbaren Leinen meiner Urgrossmutter beziehe oder mit Kaufhausware – es spielt beim Waschen und Bügeln später keine Rolle, wie auch nicht bei meinen hilflosen Stopfversuchen. Was aber eine evident wichtige Rolle spielt, ist der Anspruch, mit dem ich mir Umstände mache: Ich erfülle die Konventionen. Ob der Gast am Ende Buttermesser und Käsemesser unterscheidet, ob der Vorlegegabeln benutzt, ist seine Sache, ich bin da absolut nicht so: Aber er soll ebenfalls die Möglichkeit haben, die Konventionen zu erfüllen. Denn es ist leicht, vorhandene Dinge nicht zu gebrauchen; unmöglich jedoch ist es, einen Gastgeber auf Versäumnisse hinzuweisen, wenn etwas fehlt.

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Umstände gehobener Art nämlich haben den unschätzbaren Vorteil, dass sie ein Niveau definieren, auf dem man sich und die Wertschätzung des Gastes präsentiert. Es gibt keine Zweifel und keine Unsicherheiten, es drückt alles aus und bedeutet am Ende doch nichts anderes, als dass man immer weiss, woran man gegenseitig ist. Lässt man aber die Umstände beiseite, stellt sich sofort eine so gut wie unlösbare Aufgabe: Was bietet man dem Gast statt dessen an? Wenn er das gehobene Niveau nicht möchte, was will er dann haben?

Hier nun beginnt die Unsicherheit, was den Gast überfordert, und was ihn beleidigt. Was Umstände sind, ist offensichtlich, aber was sind keine Umstände? Nur drei Sorten Käse statt derer fünf vom Markt, oder ist das immer noch zu viel? Ist es doch eher das Käsequartett aus dem Supermarkt, das er bevorzugt, und was wirklich keinerlei Umstände jenseits der Qual an der Kasse mit quengelndem Balg davor und Wodkafreunden dahinter bedeutet? Ist es in Ordnung, gutes Brot in einem Bastkorb zu servieren, oder sollte es nicht etwas Abgepacktes sein? Muss man auf Käsemesser verzichten, um nicht überkanditelt zu erscheinen? Ohne Umstände kann jedes einzelne Detail ein Problem werden, und obendrein ist es in guten Haushalten so gut wie unmöglich, zwischen den guten Umständen und dem normalen, bestossenen Alltagsgeschirr Zwischenstufen zu bilden, die in sich stimmig sind. Aber selbst, wenn es gelänge – wo ist die richtige Zwischenstufe, die den Gast nicht degradiert, und wie gewünscht nachlässig wirkt, ohne es letztendlich mit all den Fragen und Qualen für den Gastgeber zu sein?

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Im Kern wird Unmögliches verlangt; die bessere Gesellschaft soll ein Verhalten vortäuschen, das weder das Ihrige ist, noch es je sein wird. In jenem Moment, da man sich keine Umstände mehr zu machen vortäuscht, täuscht man die Möglichkeit eines sozialen Abstieges vor, man spielt eine Rolle, für die man weder gemacht und erfahren ist. Gleichzeitig aber unterstellt der Gast, dass man gar keine Umstände haben möchte, dass man eigentlich, uneingestanden gerne darauf verzichten würde, wenn es nicht die Konventionen gäbe; es ist eine Art der Nettigkeit, die man von einen schleimigen Bankster kennt, der die Sekretärin bei sich daheim auffordert, die Jacke abzulegen. Das ist kein freundlicher Akt.

Allenfalls vielleicht eine vorgeschobene Begründung, bei der Gegeneinladung nicht mit verhassten und fremden Zwängen, denen man sich nur ungern unterwirft, konfrontiert zu werden. Vielleicht bedeutet es gar nicht, dass man keine Lust auf Formen hat, sondern die Form gar nicht kennt. Vielleicht sind sie Freunde einer Zwanglosigkeit, deren Aufbürdung für den anderen nichts ist als ein Zwang, dem man sich unterwerfen muss: Der Zwang, sich nur ja nicht um andere zu bemühen. Man kann über barocke Silberschalen hinweg bestens amourös werden und aus dem venezianischen Glas Liebeselixiere trinken, man kann Messer in weicher Butter versenken und aus der Marmelade die Kirsche fischen, man kann es förmlich bleiben oder ausarten lassen, wenn es den Gästen gefällt, aber wenn keine Umstände gewünscht sind, warum, warum, fragt man sich bei der Suche nach dem billigen Geschirr in einer Kiste vom letzten Umzug, warum sollte Weitergehendes gewünscht sein.

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Aus dem Dilemma gibt es nur einen einzigen Ausweg, und der führt nicht über die Unterwerfung und Selbstaufgabe des Gastgebers. Natürlich macht man sich Umstände, gerade weil man es nicht tun soll; man kauft ja auch am Samstag neue Pralinen, wenn einem gesagt wird, dass die alten Pralinen noch bis Sonntag reichen. Man tut sich nicht den Aufwand an, einen Nichtaufwand vorzutäuschen und den Gast zu belügen, dass einem dieses Spiel behage, man zeigt, was man hat, man nimmt, was man findet, man serviert, was möglich ist, und stellt die alte Ordnung wieder her, deren Grundgesetz da lautet:

Friss oder stirb. Und: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt.

Der Gast hat dann immer noch die Möglichkeit, mit einem entzückten “Oh wie schön, aber das wäre doch wirklich nicht nötig gewesen”, den geordneten und gesichtswahrenden Rückzug anzutreten, und damit vorzugeben, dass er ja nur das Wohl des Gastgebers im Auge hatte, ihn aber keinesfalls bevormunden oder erniedrigen wollte. Oder er kann in Zukunft sein beleidigtes Geschau unter Menschen vorzuzeigen, die sich auch keine Umstände machen.

 
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Lesermeinungen zu diesem Artikel (147)
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Tja, und was ist, wenn der...

Tja, und was ist, wenn der Gast sagt: Mein Lieber, wie immer hast Du Dir viel Muehe gemacht. Ich weiss das sehr zu schaetzen. Aber bitte, bring mich nicht in Verlegenheit, denn Du weisst um meine bescheidene Art. Ich werde mir jetzt eine Semmel nehmen, ein kleines Stueck Butter-diesen Kaese kenne ich garnicht-auch davon ein Stueck, bitte. Ich war sehr lange mit dem Auto unterwegs. Nach einer so langen Fahrt trinke ich gerne etwas Isotonisches, Du weisst. Hast Du ein Bier im Haus? Bleib sitzen, ich weiss, wo ich es finden kann.

0 Justin Thynne 29.03.2010, 21:26 Uhr

Wie wahr, verehrter Don...

Wie wahr, verehrter Don Alphonso. Aber Gäste, die derartiges nicht schätzen werden eben auch nicht wieder eingeladen. Bisweilen verläßt man ja mal die vorgezeichneten Pfade und bei einem derartigen Ausflug, der eine junge, reizende und äußerst ehrgeizige junge Dame aus Kreisen, die meine Großmutter wohl als emporgekommen (Lehrerkind mit Beraterhintergrund) bezeichnet hätte, bis zu einem Frühstück in meiner Behausung verweilen ließ, entschied sich der weitere Verlauf etwaiger Frühstückverabredungen in dem Moment, als ich mit Tablett, Silberkannen und Frühstück auf entsprechenden Geschirr beladen am Ort des Geschehens meinen guten Willen zeigen wollte, da besagte promovierte Intelligenzbestie meinte, ach ein Müsli im Plastikbecher mit Löffel reiche doch und sich dann noch wunderte, warum der Geier auf der Schüssel eine Krone trage. Finis.

Ich würde gern mal wissen,...

Ich würde gern mal wissen, was sich in Ihrem limbischen Teil des GEHIRNS, etwa in Ihrer AMYGDALA tut. Lachen wäre adäquat. So, jetzt ein Stück Milka. Ich vermute, dass Ihresgleichen (Sie wohl weniger) desorientiert weiter so tut as ob...

0 dunnhaupt 29.03.2010, 21:37 Uhr

Früher hatten kleine Leute...

Früher hatten kleine Leute für solche raren Gelegenheiten eine "gute Stube", die sonst nie betreten wurde. Da war es leichter, die restliche Wohnung im normalen Chaos zu belassen. In der besseren Gesellschaft hingegen erwarten die Gäste, sämtliche Gesellschaftsräume zu betreten, was den Putzaufwand natürlich enorm erhöht. "Nur keine Umstände" ist also wohl die größte Lüge der besseren Gesellschaft.

0 donalphonso 29.03.2010, 21:38 Uhr

Nun, mein lieber Josef, ich...

Nun, mein lieber Josef, ich denke, diese Dinge sind bei mir vielleicht etwas beschädigt - schliesslich bin ich kein feiger Trottel aus dem Internet, der Angst hätte, sowas mit Namen zu kennzeichnen.

0 weis nicht VII 29.03.2010, 21:44 Uhr

Belgische Pralinen aus...

Belgische Pralinen aus zartdünner Vollmilchschokolade, auf die würde ich bestehen, aber so lange der Vorrat reicht. Nur keine Umstände im nächsten Jahr zu Ostern klappt es dann schon besssr. . Hm lecker wie immer, schließlich blühen bald die Pflaumen und mit Rezept ist auch erlaubt.

0 Foersterliesel 29.03.2010, 21:47 Uhr

naja, das ist wirklich...

naja, das ist wirklich schwierig! Es gibt Kinder (bürgerlicher Eltern) die gar keine Tassen mit Untertassen mehr kennen, sondern nur noch "Häferln" (mugs), so sehr hat sich der Aufwand beim Geschirr - trotz Geschirrspüler - eben reduziert. Kompliziertes Tischgerät und unbekannte Sitten wirken einschüchternd und mitunter demütigend. Und Gäste in unseren kleiner gewordenen Häusern und Wohnungen zu empfangen (früher gab es Gesellschaftsräume, Salon und Speisezimmer waren getrennt von den Privaträumen) bringt einem manche Leute einfach zu nahe an die Privatsphäre. Aber auch mit solchen die man in der Privatsphäre wünscht spießt sichs oft. Der kluge Gast sollte bei Ihnen genießen und loben was er da an Schönem und Besonderem geboten bekommt und keinesfalls meckern.

0 HansMeier555 29.03.2010, 21:47 Uhr

Fuer mich ungewohnt, dass auch...

Fuer mich ungewohnt, dass auch Maenner diese Einladungsparanoia entwickeln koennen. Irgendwie ist der Don ein Hermaphrodit.

Lieber Don, der...

Lieber Don, der Vorbereitungsstand - die Umstände - sind schon ganz schön, aber noch nicht ausreichend. Als Gast wahrhaft geschätzt würde ich mich doch erst fühlen, wenn sich der Gastgeber/die Gastgeberin auf ein Gespräch vorbereitet hätte, das er nur für mich bestimmt hat, dabei immer in leichter Aufregung bliebe aus Angst zu langweilen, nicht witzig zu sein. Und der ganze Aufwand muss außerdem noch mitkommunizieren, dass er wegen mir, dem Gast, gemacht wird, nicht aus Selbstgefälligkeit des Gastgebers, der seinen Perfektionismus mal wieder im Spiegel der Verblüffung seiner Gäste bestätigt haben will.

0 herrsonichvorderstadtprolet 29.03.2010, 22:33 Uhr

Sehr geehrter Herr...

Sehr geehrter Herr Maier, wenn ihnen dieses gefühl unbekannt sit, haben sie die damen wohl zum ersten mal in die eigenen 4 wände eingeladen wenn sowieos nichts merh schief gehen konnte / die dame nichts merh aus der fassung brachte ... und denken sie mal an die schwiegermutter ... unabhängig vom geschlecht ists aber immer ein zeichen von benehmen, dem gast (so er sich denn rechtzeitig anmeldet ) zumindest eine gewisse grundordentlichkeit zu präsentieren. diese ist wie gesagt, für den etwas kritischeren blick der damen dann auszubauen.

0 Don Alfredo 30.03.2010, 01:00 Uhr

Gäste unserer Hacienda...

Gäste unserer Hacienda empfangen wir hier in Paraguay auf der Veranda. Ein Cigarro und eine kühle Cerveza machen keine Umstände. Sollte jedoch der Gast Umstände machen...nun, im nahen Rio leben muchos Cocodrilos.

0 Don Ferrando 30.03.2010, 03:32 Uhr

Wenn die Gäste schon "wegen...

Wenn die Gäste schon "wegen mir" statt des korrekten "meinetwegen" sagen, wie sollen sie dann erst das Käsemesser vom Buttermesser unterscheiden!

0 HansMeier555 30.03.2010, 04:52 Uhr

Der psychische Zustand meiner...

Der psychische Zustand meiner Mutter vor solchen Einladungen ist nichts, was ich anderen Kindern wuenschen wuerde. (Natürlich sagten ihr immer alle, sie solle keine Umstände machen, aber...). Um es kurz zu machen: Das sogenannte "Westviertel" hat sich in den letzten 100 Jahren einen enormen kulturellen Abstieg geleistet, der viel mit dem Verzicht auf qualifizierte Dienstboten zu tun hat. (Putzfrauen und Babysitter können ja kein Essen kochen oder eine Tafel decken...). Nur der Einsatz von hochkultivierten nichtberufstätigen Hausfrauen konnte die Folgen für einige Jahrzehnte abmildern. Aber über die heutigen Mütter wissen wir ja bescheid: Die kutschieren den ganzen Tag lang ihre Kinder vom Chinesisch- zum Ballettunterricht, weil Autofahren trotz allem einfacher ist als kochen. Und natürlich: Zuviel Kultur ist auch unhöflich, es wirkt ja direkt so, als wolle man seine kulturelle oder soziale Überlegenheit unterstreichen. Manche Leute nehmen das persönlich. So wie der durchschnittliche Süddeutsche, wenn so ein Nordleuchter "penetrant" hochdeutsch oder ein Engländer englische Worte perfekt ausspricht. Dieses arrogante Pack.

0 Rosinante 30.03.2010, 05:54 Uhr

Lieber Don Alphonso, Ihre...

Lieber Don Alphonso, Ihre Reflektionen über das Was, Wie und Warum einer stilvollen Bewirtung in der eigenen Häuslichkeit versucht die ritualisierte Lebensform einer aristokratischen und grossbürgerlichen Gastgeberschaft mit dem Single-Haushalt zu verbinden. Ein löblicher Versuch. Und, wenn Sie in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis ausreichend Menschen haben, die dies schätzen können, nur zu. Und es ist ja auch eine Freude, solche Gelegenheiten zur Benutzung von Dingen zu verwenden (Geschirr, Besteck), die den Alltag mehrheitlich unbeachtet verbringen. Aber entscheidend schein mir -und so war es wohl immer- dass der Gastgeber die Inszenierung seiner Repräsentation mit Lebendigkeit füllt. Denn innere Teilnahmslosigkeit, Phrasenhaftigkeit oder leere Höflichkeit lassen jede materielle Schönheit schal werden.des Garaus. Der geheime Rat meinte dazu, dass Grau alle Theorie, und Grün des Lebens goldener Baum sei. Übrigens danke, dass Sie mich mit den reflexiven Gastgeber-Arabesken aus der unpässlichen Situation der Politikkontroverse zum letzten Eintrag erlösten. . PS. Josef ist wirklich ein unangenehmer Pinscher.

0 Blackcowboy 30.03.2010, 06:08 Uhr

Wow traumhafte Bilder. Zudem...

Wow traumhafte Bilder. Zudem zeigt der Artikel doch wieder sehr schön, wie verlogen wir wirklich sind, denn natürlich wünschen sich die Meisten von uns genau das: Der Gastgeber soll sich Umstände machen, zeigt es doch seine Wertschätzung uns gegenüber. Also werter Do ganz umständlich gesagt: Weiter so ;-)

0 Blackjack 30.03.2010, 06:13 Uhr

@ HansMeier555: Nun so lange...

@ HansMeier555: Nun so lange Mann damit beide Seiten und jeweils das Beste in sich vereinigt ist das doch nur von Vorteil. So gesehen wäre die gewünschte und geforderte Frauenquote doch mal etwas Neues: Jeder Mann soll min 30% weibliche Entscheidungen treffen und nicht nur männlich agressiv auftreten. PS: Ich mag es wenn auch Männer gastliche Konventionen erfüllen können. Also Don nicht beirren lassen!

Gastfreundlichkeit gefällt...

Gastfreundlichkeit gefällt mir irgendwie besser als "Umstände".

0 Don Carlos 30.03.2010, 07:21 Uhr

also ich würde nervös...

also ich würde nervös werden, wenn jemand wegen meines besuches seine betten frisch bezogen hätte...

0 Not quite like Beethoven 30.03.2010, 07:22 Uhr

Wer sich nicht traut,...

Wer sich nicht traut, Umstände zu machen, weil er die wechselseitige Verpflichtung darin scheut, braucht doch gar nicht anzutreten. Meistens jedenfalls, finde ich.

Wehrter Don, ich hoffe doch...

Wehrter Don, ich hoffe doch sehr für Sie das Ihre Gäste es zu schätzen wissen was Sie da tun. Der Gedanke das Ihre Gäste die Mühe nicht zu schätzen wissen erheitert mich schon. Ich mag icht glauben das Sie solche Menschen bei sich empfangen. Herzlichst P.

0 Piccolino 30.03.2010, 07:39 Uhr

Ich kann Sie, werter Don, sehr...

Ich kann Sie, werter Don, sehr gut verstehen! Macht man sich die Umstände ja nicht, um zu zeigen was man hat. Es ist einfach eine Freude, das gute Geschirr herauszuholen, Speisen vorzubereiten, die für einen alleine vielleicht etwas zu aufwendig wären und seinen Gästen und sich selbst die gemeinsame Zeit zum Genuss zu machen. Da will man nicht hören, das wäre doch gar nicht nötig gewesen! Höchstens ein: Du bisch doch verruckt! (= Lechrainischer Ausdruck der Freude und Anerkennung über den betriebenen Aufwand.)

0 Reiterjunge 30.03.2010, 07:40 Uhr

Silberbesteck, Vorlegegabeln,...

Silberbesteck, Vorlegegabeln, Leinenbettwäsche, feines Porzellan, dies alles sind Dinge die ich durchaus zu würdigen weiß. Auch mit "kleinbürgerlichem" Familienhintergrund. Oder viellleicht gerade darum. . Jedoch, sind diese Attribute ehemaliger groß- oder bildungsbürgerlicher Lebensumstände im Grunde an die Existenz von Hauspersonal gebunden. Und auch dabei wurde lediglich versucht den Adel zu imitieren, was letztendlich kaum gelang. Nicht die Silberschale an sich ist repräsentativ, sondern der Umstand das es jemanden gibt in diesem Haushalt der sich um die Dinge in angemessener Weise zu kümmern hat. Es mag angehen wenn sich ein Familienpartner, also klassisch die "Hausfrau" den lieben langen Tag um diese Dinge kümmert, oder aber Sie, lieber Don der dafür noch die Zeit findet. Diese Lebensentwürfe sind inzwischen jedoch sehr selten geworden. . Mit kleinen Kindern und einem Lebenspartner der auch am Wochenende noch arbeitet ist das zeitlich überhaupt nicht zu leisten; diese Familienverhältnisse werden immer mehr zum Normalfall, auch bei den "Stützen". Selbst dann, wenn man es sich leisten kann diese Dinge anzuschaffen und auch eine Haushaltshilfe beschäftigen könnte; es ist nicht wirklich so wichtig diesen Aufwand zu treiben, jedenfalls mir nicht. . Wenn bei mir einmal Gäste empfangen werden kann ich es durchaus einschätzen welchen minimalen Aufwand ich treiben sollte damit sich meine Gäste und ich wohlfühlen. Es ist auch zu bedenken, daß die Menschen die mich besuchen wollen sich mit mir austauschen möchten; das können sie nicht, wenn ich immer nur zwischen Küche und Eßtisch hin und her wusele. Diejenigen die ich nicht einschätzen kann und auch diejenigen die einen zu hohen Aufwand erfordern kommen nicht herein. Da trifft man sich dann lieber auf neutralen Terrain. . Zum Beispiel beim Dorfstammtisch. Dorthin kommen auch Gäste, Nichtraucher und Abstinenzler. Hier trifft man Landwirte, Handwerker, Literatur- und Geschichtsstudenten, leitende Angestellte, Rentner, Arbeitslose und Kommunalpolitiker. Allerdings fast ausschließlich Herren, ohne das dies irgendwo festgelegt wäre. So ein Stammtisch erspart viele gegenseitige Hausbesuche und man trifft sich trotzdem. Der nächste Schritt ist der Ausbau zum klassischen "Club" mit Ledersesseln und Kamin. So wie jetzt schon zwei Mitglieder im monatlichen Wechsel den Dienst des "Wirtes" übernehmen, würde es dann zwei "Butler" geben. . Die Damen des Dorfes hatten auch einmal ihre eigene Organisationsform gefunden. Jedoch hat sich die Runde irgendwann irreparabel verkracht.

Und auch der Gast hat seine...

Und auch der Gast hat seine Pflicht zu erfüllen - unterhaltsam sein und etwas zu erzählen haben. Mein Lieblingsgast ist ein Richter, der gleichzeitig interessant und amüsant ist.

0 Kopfgeburt 30.03.2010, 07:55 Uhr

Hmm.... gutes Thema. Unter...

Hmm.... gutes Thema. Unter Umständen kann ja dieses "mach aber keine Umstände" ebenso bedeuten: 'Ich bin ja nur wegen dir hier.' So etwas könnte mir daher auch herausrutschen. Wobei ich es dann schon zu würdigen verstehe, wenn dann neben meinem Silberteller Buttermesser, Fischmesser, Käsemesser und Hackebeil (in geordneter Reihenfolge) liegen (und im Teller das selbstgebackene Brot...). Da fällt es mir dann sehr leicht auf das Plastikschalenmüesli zu verzichten ;-)

0 Chat Atkins 30.03.2010, 07:59 Uhr

'Kurzer Prozess' ist viel...

'Kurzer Prozess' ist viel wirkungsvoller als 'keine Umstände'.

0 specialmarke 30.03.2010, 08:12 Uhr

Aber Don, was soll man davon...

Aber Don, was soll man davon denken, wenn Sie für den Besuch Ihre "kalte Pracht" hervorräumen, aber selbst alltags von mittelprächtigem 30er-Jahre- Seriengeschirr (Arzberg) speisen. Umgekehrt wäre angemessen. Es erspart dem Besucher die Sorge, Ihr kostbares Porzellan zu zerbrechen und die Versuchung, Ihnen Ihr Buttermesser als Andenken zu stibizen.

0 Thomas W. 30.03.2010, 08:16 Uhr

Ich werde das Gefuehl nicht...

Ich werde das Gefuehl nicht los, dass hier der Sohn aus der besseren Gesellschaft ein Problem selbst erschafft. Wer nach der Aufforderung, sich keine Umstaende zu machen, versucht sich gesellschaftlich zu degradieren, hat schlicht nicht verstanden, worum es dem Gast geht. Ich erwarte in der Bude des Studenten, der das Emporkommen noch vor sich hat, keinen zu meinen Ehren extra herbeigeschafte exquisiten Rotwein. Umgekehrt mag sich die bessere Gesellschaft verkneifen wegen mir noch schnell zu IKEA zu schicken, um Blechbesteck zu erwerben. "Mach Dir keine Umstaende" heisst fuer mich, mach wie es Dir gefaellt - ich bin Dein Gast, meine einzige Erwartung ist, dass ich willkommen bin. Quasi ein "fuehl Dich ganz wie zu Hause", vom Gast an den Gastgeber.

Lieber Don, auch auf die...

Lieber Don, auch auf die Gefahr hin, wieder nur oberflächlich gelesen zu haben: Es scheint mit in der Tat nur eine Möglichkeit zu geben, und die ist, sich eben Umstände zu machen. Alles andere geht schlechterdings nicht. Man hofft dann, dass der Gast das zu würdigen weiss ( das tut er auch, sonst hätte man ihn nicht eingeladen, oder?). Waren Sie einmal Gast bei jemand, der sich sichtlich keine Umstände gemacht hatte? Na eben, dann lieber Umstände.

0 donalphonso 30.03.2010, 09:06 Uhr

Filou, die meisten Gäste...

Filou, die meisten Gäste kommen ungefähr zur Tortenzeit an. Und wer so argumentieren würde, nun, bedaure, Bier habe ich nicht. Ich lasse ja auch gerne Gäste in Ruhe, wenn sie wollen, aber irgendwann kommt der Moment des Essens, und dann ist es eben soweit, wie beschrieben. . Justin Thynne, ich habe ja eine ziemlich rigide Einladungspolitik: In der Stadt ist man eh mehr oder weniger unter sich, und Bekannte von fern wissen zumeist um meine Haltung zu diesen Dingen, und würden vermutlich gar nicht kommen, wollten sie es anders.

0 donalphonso 30.03.2010, 09:14 Uhr

dunnhaupt, sagen wir mal so:...

dunnhaupt, sagen wir mal so: Ich habe da eine ab und an schlechte Stube, die ich im Notfall schnell so fluten kann, dass die restlichen Stuben gut sind. Sitzbezüge habe ich allerdings nicht; bei mir darf man sehen, dass darin gewohnt wird. . Foersterliesel, in der Tat, Mugs sind eine Pest sondergleichen. Aber die Untertasse stirbt fraglos aus. Zudem stimmt es - ich kenne überraschend viele Leute in meinem Alter, Singles zumeist, die wirklich, durch Städte beengt, in eher kleinen Räumen wohnen, und entsprechend wenig Platz haben, gerade in München. Hier bei mir gibt es dagegen den unschätzbaren Luxus einer Gästewohnung mit allem, was dazu gehört. Da kann man schon etwas anders agieren.

0 donalphonso 30.03.2010, 09:18 Uhr

HansMeier555, nun, ich habe ja...

HansMeier555, nun, ich habe ja keine Frau, die solche Phobien haben könnte, also muss ich das selbst tun. . Liebe Helene, oh, bedaure, ich bin natürlich ein enorm spiessiger und reaktionärer Langweiler, wie auch viele meiner Gäste aus meiner heimatstadt, die das gar nicht anders wollen, und die zufrieden sind, wenn ich Berlin sage und sie mit Abscheu nicken können. Generell denke ich, dass sich Gespräche nicht planen lassen; Sie sehen das ja bei der ausufernden Diskussion in diesem Blog.

O Don Alphonso - mindestens...

O Don Alphonso - mindestens zweimal pro Woche mache ich Umstände; und wenn ICH wohin komme, können dort ruhig Umstände gemacht werden. Das Bettbeziehen schenke ich mir jedoch, weil ich doch zum ESSEN gebeten habe...

"... besagte promovierte...

"... besagte promovierte Intelligenzbestie meinte, ach ein Müsli im Plastikbecher mit Löffel reiche doch ..." Danke, Sir Justin, hier weisen Sie auf ein bedeutendes Phänomen unserer Gesellschaft hingewiesen. Ich erinnere mich daran (pardon für diese Steigerung Ihrer Schilderung in Abseitige), wie esmich schockierte, als auf einer Tagung ein weltweit bekannter und im Dienst der Bundeszentrale schreibender deutscher Kulturhistoriker sich nach Benutzung der Toilette diese verliess, ohne nach Erledigung sich dem Waschbecken genähert zu haben. Ich gehörte nicht zuu den Prominenten, die dem Herrn Kulturentschlüsseler die Hand hätten schütteln müssen. Haben Sie, Sir Justin, Frau Dr. des. unmittelbar hinauskomplimentiert? Falls ich einmal einem Ihrer Anverwandten begegnen sollte, verraten Sie mir, bitte, in welchem Fach die Dame promoviert hat? Ja, die Damen an hiesigen Universitäten lernen höchstens zu Hause, dass eine Frau sich - koste es, was es wolle- weigern muss, eine benutzte Kaffeetasse abzuwaschen, da sie dieser Gang erniedrigen und in die Nähe hergebrachter Rollenbilder bringen würde. Man überlasse dies der Sekretärin, die sei ja dafür da. Don Alphonso, Ihnen vielen Dank für die wunderschönen Photos und wie immer erhellenden Erläuterungen.

0 kittykoma 30.03.2010, 09:35 Uhr

meine großmutter, die auf...

meine großmutter, die auf ihre höhere-töchter-ausbildung großen wert legte, hat mir den bescheidenheitsterror, den die kleinbürgerlichen familienteile in mich pflanzen wollten, regelrecht ausgetrieben. wenn ich anfing, mich nach tantenart zu reden: "das ist doch zu viel für mich!" "nur keine umstände!" "das wäre doch nicht nötig gewesen!", bat sie mich freundlich, aber bestimmt, die klappe zu halten und dieses alberne theater zu lassen. sie mache sich umstände, so viel sie wolle und nähme im gegenzug ohne geziere das ihr angebotene entgegen. das halte ich nun auch so. oft zur irritation der mitmenschen, deren angebote eher symbolischer natur waren (also auch ziererei).

MUGS - Es gibt sehr schöne...

MUGS - Es gibt sehr schöne davon, von der schottischen Marke dunoon, u.a. in Berliner Teeläden am Kurfürstendamm oder zuletzt im Museumsshop der Stuttgarter Präraffaeliten-Ausstellung zu finden. Sie gehören schön in eine nach britischem Vorbild eingerichtete Küche; vielleicht scheint es Ihnen weniger anstössig, sie dem schnellen Frühstück oder einer kurzen Teepause vorzubehalten.

...

http://www.youtube.com/watch?v=Na__qFt2bg4

erschrocken über die...

erschrocken über die übersehenen Fehler, hier eine veränderte Version nmeines Beitrags: "... besagte promovierte Intelligenzbestie meinte, ach ein Müsli im Plastikbecher mit Löffel reiche doch ..." Danke, Sir Justin, hier haben Sie auf ein bedeutendes Phänomen unserer Gesellschaft hingewiesen. Ich erinnere mich daran (pardon für diese Steigerung Ihrer Schilderung in Abseitige), wie es mich schockierte, als auf einer Tagung ein weltweit bekannter und im Dienst der Bundeszentrale schreibender deutscher Kulturhistoriker die Toilette nach deren Benutzung verliess, ohne sich dem Waschbecken genähert zu haben. Ich gehörte glücklicherweise nicht zu den prominenten Tagungsteilnehmern, die dem Kulturentschlüsseler die Hand hätten schütteln müssen. Haben Sie, Sir Justin, Frau Dr. des. nach ihren unqualifizierten und unsensiblen Bemerkungen unmittelbar hinauskomplimentiert? (Sicher, nur eine Dame mit mehr Feingefühl kommt als Mutter zu zeugender Kinder in Frage, ich hoffe, Sie haben dies zur gegebenen Zeit berücksichtigt. Vielleicht ist noch eine passende Tochter bei Bismarcks oder Nassau-Weilburg zu haben?) Falls ich einmal einem Ihrer Anverwandten begegnen sollte, verraten Sie mir, bitte, in welchem Fach die Dame promoviert hat (um mich gegebenenfalls rechtzeitig im Gothaer zu informieren) ? Ja, die Damen an hiesigen Universitäten lernen höchstens zu Hause, dass eine Frau sich - koste es, was es wolle- weigern müsse, eine benutzte Kaffeetasse abzuwaschen, da sie dieser Gang erniedrigen und in die Nähe hergebrachter Rollenbilder bringen würde. Man überlasse dies der Sekretärin, die sei ja dafür da. Don Alphonso, Ihnen vielen Dank für die wunderschönen Photos und wie immer erhellenden Erläuterungen. NB.: Die Plastiktüte sollte man entfernen, bevor man das Konfekt auf einer Silberschale serviert.

0 hugoservatius 30.03.2010, 10:43 Uhr

Sehr geehrter Herr...

Sehr geehrter Herr Alphons, Ihr Problem kenne ich. Hatte auch lange keine Haushälterin. Dachte immer, die würde Fettflecken in Zeitschriften, Eselsohren in Bücher und Sprünge in das Geschirr machen, alle schief stellen und ansonsten hätte sie auch keinen Sinn für meine Lebensumstände. Habe mich dann von der etwas kleinbürgerlichen Vorstellung, wenn Gäste kämen, müsse ich alles perfekt säubern und herrichten, zügig verabschiedet. Entweder kamen die Gäste wirklich wegen meiner Person und ggf. wegen der anständigen Weine, Filets und Zigarren, oder sie haben nicht gesehen, daß das Linoleum 'mal wieder gebohnert, die Fenster 'mal wieder geputzt und die Regale 'mal wieder entstaubt werden mußten. Doch ich kann Ihnen versichern, daß Leben bekommt eine andere Qualität, wenn eine Haushälterin ihr Handwerk versteht. Seither ist es bei mir nicht nur aufgeräumt (das war es eigentlich immer, ich bin allergisch gegen Unordnung), sondern absolut sauber, das Silber ist geputzt, die Handtücher sind gebügelt, die Weingläser vom letzten Gelage von Hand gespült und poliert und die Terrassen sind gekehrt. Und das Alles nicht nur wenn Besuch kommt. Eine bürgerliche Lebensart ohne entsprechende Hilfe zu praktizieren, macht wenig Spaß. Beste Grüße aus der Hauptstadt des Prekariats, dem monströsen Moloch Berlin in die heile Welt süddeutscher Befindlichkeit, Ihr hs.

0 Foersterliesel 30.03.2010, 10:44 Uhr

verehrter Don, Gästewohnung,...

verehrter Don, Gästewohnung, Gästerad und Gästerodel - Sie sind eben wirklich ein umsichtiger, liebevoller Gastgeber, Umheger und Umsorger! Ich glaube auch Ihre Mieter haben großes Glück mit Ihnen. lieber SOLAND33, die nach Geschlechtern getrennten Toiletten bewahren uns Frauen davor mitzukriegen, wie viele Kerle sich nicht die Pfoten waschen; Ihr Hieb gegen die Emanzipation gefällt mir aber gar nicht. Selbstverständlich sind mugs für Kinder so praktisch wie der Schieber beim Kinderbesteck und ich verwende selber welche von Denby (die sind schwer und stabil). Aus der einfachen Tasse hat man immer schon in der Küche getrunken (man kann sich an ihr die Hände wärmen, wenn man von draußen, von einer Arbeit oder Beschäftigung im Freien, kommt), auch bei uns, aber eben nur in der Küche. Die Tasse mit der Untertasse wird verschwinden wie der Genetiv.

0 Schweineschnitzel 30.03.2010, 10:48 Uhr

Was für ein kitschiges,...

Was für ein kitschiges, langweiliges und schlecht gemachtes Video. Hartz IV Empfänger gehen entweder zur Tafel, um ihre 300-400 Euro im Monat für Alkohol, Zigaretten, Anziehsachen und Reperaturen o. ä. auszugeben, oder sie kaufen eben im Discounter Billig-Essen. Auch die absturzgefährdete untere und mittlere Mittelschicht spart häufig beim Essen, bzw. muss dort einfach sparen. 12 Euro für ein Stück Schweinefleisch. Naiv. Ist nur etwas für verbeamtete Ökos und Grossbürger. Nicht, dass ich ein Fan von Massentierhaltung, Antibiotika und Stresshormonen wäre, aber der Ansatz dieses Edel-Ökos ist doch etwas verblasen und realitätsfern. Aber eigentlich wollte ich gar nicht vom Thema abkommen, sondern mich am Silberbesteck erfreuen. . Ich liebe es, Gastgeber für gute Freunde zu sein, ihnen auch mal bewusst etwas anzubieten, was sie im Zweifel noch nicht kennen oder sich selbst (aus Sparsamkeit) eher nicht kaufen würden. Und natürlich gebe ich meinen Gästen mehr, als mir selbst im Alltag. Und ich freue mich über die Umstände, natürlich nicht 2x die Woche, aber 1x im Monat. Ich genieße das.

0 Müller 3 30.03.2010, 11:05 Uhr

HansMeier555, der Don A. hat...

HansMeier555, der Don A. hat möglicherweise weibliche Vorfahren. Das erklärte einiges.

0 Müller 3 30.03.2010, 11:08 Uhr

Foersterliesel, die nach...

Foersterliesel, die nach Geschlechtern getrennten Toiletten existieren deshalb, weil Männer den Verschmutzungsgrad von Frauentoiletten nicht ertragen. Selbst einige Frauen, die ich kenne, sind regelmäßig entsetzt. "So daneben zielt kein Stehpinkler", sagen die. Und dann die Graffitis, unterste Sohle. Höre ich.

0 Müller 3 30.03.2010, 11:11 Uhr

Rosinante, alle Josefe sind...

Rosinante, alle Josefe sind Pinscher.

...

http://www.youtube.com/watch?v=avzfhTThwUY

Ich hatte natürlich sofort...

Ich hatte natürlich sofort spontane Assoziationen zu dem von mir hoch geschätzten und gern zitierten Film „Vatel“ von Roland Joffé. Ein wahrer Lehrfilm für die Kunst, unter strikter Wahrung der besten Formen brutale Interessenpolitik zu betreiben. Für alle, die den Film nicht kennen: Ludwig XIV. lädt sich bei seinem in Ungnade gefallenen General, dem Prinzen Condé, zu einem einfachen, schlichten, ländlichen Besuch ein. In seinem Ankündigungsschreiben bestand der König darauf, sich keine Umstände zu machen. Der Besuch hat den Zweck, den Prinzen zu ruinieren. Man hatte noch einige Rechnungen aus den Zeiten der Fronde offen. Die nun einsetzende Prachtentfaltung (auf Pump finanziert) hat nun das Ziel, dem König zu zeigen, daß man doch noch nicht so schwach auf der Brust ist, wie der Versailler Hofstaat dachte. Zum anderen will man den König zu einem Krieg mit Holland überreden, auf daß Condé finanziell saniert werde und die Lieferanten bezahlt werden können. Man sieht also, daß „Umstände“ ganz verschiedenen Umständen entspringen können. Nun würde ich bei Don Alphonso bestenfalls durch den Dienstboteneingang eingelassen und in der Küche abgefüttert werden. Ich gebe aber bereitwillig zu, daß ich von der oben abgebildeten Tischdekoration mit Silber und unverständlichen Handwerkszeugen nur eingeschüchtert wäre. Ich müßte es vermutlich bei trocken Brot bewenden lassen. Also behaupte ich, daß die wahre Höflichkeit darin bestünde, sich dem Gast anzubequemen. Es sei denn, man will ihn auf Distanz halten, was ja auch ein berechtigter Zweck sein kann. Mir jedenfalls wäre der Kaffeepott bei der Köchin und ein Stück Zwetschgendatschi auf der Faust lieber. Das muß an meinen Lausitzer Bauern-Vorfahren liegen. Die unterschieden Gastwirtschaften in zwei Kategorien. Erstens: da kannste gehen, da kannste dich gemietlich fieln. Zweitens: da kannste nicht gehen, da mußte mit Messer und Gabel essen. Andererseits wäre ich Ihnen dankbar, Don Alphonso, wenn Chantilly mal auf Ihrer Reiseroute läge. Man gewinnt ja gern Einblicke.

Zu dem Kommentar ueber das...

Zu dem Kommentar ueber das frisch bezogene Bett: ¨Honi soit qui mal y pense" - Ein Hundsfot der Schlechtes dabei denkt! Die Einladung war ja nicht um Schul- oder Semesterarbeiten zu erledigen. Wenn sie noch merken dass der Besuch etwas besonderes traegt oder ein schoenes Parfuem benutzt hat, dann ist doch die Einladung gelungen. Es zeigt doch Lebensart und Kultur sein Bestes zu diesen Gelegenheiten zu zeigen. Wir machen das zu nicht oft genug, wir leben doch nur einmal.

0 Der Tiger 30.03.2010, 11:49 Uhr

Lieber Don! Über eine...

Lieber Don! Über eine Karikatur meiner selbst habe ich selten so gelacht. Zum kommenden Wochenende hat sich mein Neffe mit zwei Freunden angesagt, und dann auch noch meine Tochter. Folglich beschäftige ich mich seit Tagen damit, dass Haus (viel zu groß für ein alterndes Ehepaar) aufzuräumen; nicht im Sinne meiner Tanten, sondern so wie ich denke, dass es sein sollte, wenn ich nicht so viele andere Interessen hätte. Das Silber ist schon geputzt, die richtige Schokolade wird in der passenden Schale liegen, es wird vom weißen Tischtuch gegessen, wo die Rotweinflasche auf einem antiken Silbertellerchen aus dem Familienerbe stehen muss usw. usw. Warum? Erstens macht es mir selbst großen Spaß, und zweitens möchte ich, dass sich meine nächste Generation über den Unterschied zwischen Alttag und besondere Gelegenheit freuen lernt.

Schweineschnitzel ... könnten...

Schweineschnitzel ... könnten von mir aus 50 € das Kilo kosten. Wäre immer noch kein Grund, sie zu kaufen oder gar zu essen. Mit 500 DM kam ich im Studium für Essen und sonstige Lebenshaltung gut aus - weitestgehend ohne Fleisch, Schampus und weiße Trüffeln. . Foersterliesel, solange der Genitiv überlebt...

Gesagt wird: "Mach dir keine...

Gesagt wird: "Mach dir keine Umstände." Nicht gesagt wird: "Weil ich sonst das Gefühl nicht los werde, es würde mich zu etwas verpflichten." Das ist ein bißchen wie "Du sollst mir doch nichts schenken." Ansonsten erlebe ich es aber eher wie eine Grußformel, deren wörtlicher Inhalt ja in aller Regel auch gelogen ist, aber es gehört sich so ("wie gehts?..."). Also auf "Mach dir keine Umstände" ist zu antworten: "Alles bestens, ich mache mir keine Umstände." Oder aber "Ich will aber mir Umstände machen", dann aber wieder das Problem mit dem verpflichtet Fühlen...

0 donalphonso 30.03.2010, 11:59 Uhr

Don Alfredo, so ist es...

Don Alfredo, so ist es recht! Don Ferrando, a boarischa Gost kun nia ned "meinetwegen" sogn. Wossoindössei, meinetwegen. Kemma ned.

0 Foersterliesel 30.03.2010, 12:03 Uhr

lieber Savall, "Mir jedenfalls...

lieber Savall, "Mir jedenfalls wäre der Kaffeepott bei der Köchin und ein Stück Zwetschgendatschi auf der Faust lieber" - damit sind Sie nicht allein, reimte doch schon Wilhelm Busch in der Frommen Helene : "Doch jeder Jüngling hat wohl mal 'n Hang fürs Küchenpersonal" - was sich eben nicht nur mit Verfügbarkeit und Wehrlosigkeit sondern auch mit Wärme, Gemütlichkeit und Zwanglosigkeit erklärt.

0 donalphonso 30.03.2010, 12:05 Uhr

HansMeier555, aus Erzählungen...

HansMeier555, aus Erzählungen weiss ich, dass die Panik auch mit Personal keinesfalls kleiner war - vielmehr war die Angst noch grösser, weil man damit etwas aus der Hand gibt und nie wissen kann, ob das Personal es so gut macht, wie es nötig ist. Gerade für Controlfreaks wie süddeutsche Mütter ein Horror! . Rosinante, natürlich bin ich nur ein spätes Zerfallsprodukt einer längst vergangenen Epoche, aber ich denke, dass ich die Umstände bei aller Höflichkeit mit Leben füllen kann und werde. Man kann über alte Pracht hinweg durchaus modern und amüsant reden, man kann es nicht nur als kalten Prunk, sondern auch als heisse Lust auffassen, man kann die Tische unzüchtig decken, bis sie sich biegen, und Besucherinnen wünschen, gedec äh.

0 donalphonso 30.03.2010, 12:07 Uhr

Blackcowboy, einfach von...

Blackcowboy, einfach von meinem Singlefrühstückstisch genommen. Denn vor allem mache ich mir Umstände wegen mir selbst! . muscat, ich würde es so sehen, dass sich Gastfreundlichkeit in Umständen manifestiert.

0 donalphonso 30.03.2010, 12:11 Uhr

Don Carlos, ich nun habe eine...

Don Carlos, ich nun habe eine Frau Mama, die, wenn Gäste vor meiner Tür stehen und nicht wissen, ob sie mich jetzt schon wecken dürfen, diese nach einer Vorstellung bei der Hand nimmt, mein Schlafzimmer betritt und mich rausschmeisst, weil man Gäste nicht warten lässt. Insofern ist überall frische Bettwäsche sehr angemessen. . Not quite like Beethoven, normalerweise, oder besser früher war das ja auch alles kein Problem. Es gibt aber tatsächlich im Moment so eine Tendenz zur Verflachung der Sitten: Es reicht den Gästen ein Stück Torte, es muss nicht mehr Silber sein, und Geliebte behaupten, sie kämen mit weniger als 6 Pralinen durch die Nacht!

0 donalphonso 30.03.2010, 12:14 Uhr

Paulchen, die meisten Gäste...

Paulchen, die meisten Gäste von ausserhalb lieben das, auch wenn sie es sonst vielleicht nicht immer so haben. Gerade weil es eben anders ist. . Piccolino, in Bayern ist man auch zufrieden, wenn ein anerkennendes "Sauba!" über die Lippen kommt. Manche überschätzen aber auch den doch geringen Aufwand, der mit besserem Decken verbunden ist. Es ist alles so einfach. Nicht der Rede wert.

0 donalphonso 30.03.2010, 12:20 Uhr

Reiterjunge, das ist alles...

Reiterjunge, das ist alles eine Frage der Arbeitsökonimie. Ich kann auch nicht grenzenlos Silber horten, aber ich nehme mir eben ab und an die Zeit, es zu putzen. Und ich habe eine Küche, in der man zumindest einen Gast gemütlich zwischenparken kann, weil sie eine Art Galerie ist. Es ist also alles nicht so schwierig, das geht alles ineinander über. Es ist nicht mehr der alte Stil, das ist richtig. Aber der neue Stil ist auch nicht schlecht. . fionn, richtige Langeweiler haben auf so etwas wie mich vermutlich gar keine Lust, ich bin viel zu stressig. Zumal ich in der Küche Opernarien intoniere!

0 donalphonso 30.03.2010, 12:27 Uhr

Kopfgeburt, ich kann es auch...

Kopfgeburt, ich kann es auch als Höflichkeitsfloskel problemlos hinnehmen. Schwierig wird es erst, wenn es dann tatsächlich und vehement abgelehnt wird. . specialmarke, das Arzberg habe ich realiter nie benutzt, das war nur hier für das Blog abgebildet - mein normales Essgeschirr ist von Hutschenreuther mit Goldrand, wie sich das gehört.

0 donalphonso 30.03.2010, 12:31 Uhr

Thomas W., es ist das Privileg...

Thomas W., es ist das Privileg der besseren Kreise, sich die Probleme selbst zu machen, anstatt sie von anderen gemacht zu bekommen. Ich bin verunsichert, weil ich nicht weiss, wieviel ich auftragen kann. Andere wissen nicht, wie sie das Frühstück bezahlen sollen. Beide haben Probleme. Meine jedoch sind die besseren Probleme. . yaq12, natürlich habe ich es auch anders erlebt, aber mir ist das im Innersten vollkommen egal. Schliesslich bin ich von niemandem abhängig, und es gibt wahrhaft Schlimmeres. Aber nur, weil es mir bei anderen nichts ausmacht, muss ich noch lange nicht selbst so sein.

Im Leben käme ich nicht auf...

Im Leben käme ich nicht auf die Idee, einem Gastgeber die Weisung zu erteilen, keine Umstände wegen meines Besuchs zu machen! Denn mit dieser Weisung machte ich ja allzu deutlich meine Einstellung klar, dass die Umstände, die er sich nicht machen sollen, eigentlich aber selbstverständlich wären. Damit unterstelle ich meinem Besuch eine Wichtigkeit, die er für den Gastgeber vielleicht gar nicht hat. Wie anmaßend!

Wer ein Geschenk zurückweist,...

Wer ein Geschenk zurückweist, das von Herzen kommt, der weist auch das Herz des Schenkenden zurück. So einfach ist das zu wissen, so schwer zu unterscheiden: was ist Angeberei, was kommt von Herzen?

0 Rosinante 30.03.2010, 13:34 Uhr

Werter Don, die Sache mit dem...

Werter Don, die Sache mit dem Zerfallsprodukt nehmen Sie bitte sofort zurück. Es ist im Gegenteil löblich und verdienstvoll, wenn Sie solche einladungsbegleitenden Massnahmen ergreifen. Das hat Stil und ist vorbildlich. Aber, da dies früher von mehreren Angestellten -mitunter unter Anleitung eines Haushofmeisters- erledigt wurde, ist der individuale Energieaufwand beträchtlich. Dies und nur dies meinte ich. Und Der Tiger ist eben ein Tiger. Ausnahmen bestätigen die Regel.

0 Not quite like Beethoven 30.03.2010, 13:36 Uhr

Don, re. "Verflachung der...

Don, re. "Verflachung der Sitten". Vom Kulturpessimismus mal abgesehen, was ich daran schlimm finde ist, dass damit auch Möglichkeiten verloren gehen, es sich gutgehen zu lassen. Lebenskunst sozusagen, zu wissen, wie man gutes Leben machen kann, (wenn man denn die Möglichkeit hat). Dann beschränkt sich die Einladung (und vor allem die Vorbereitung) zur Party auf ein: Komm vorbei. Und dementsprechend werden die dann meistens.

Monsieur Savall, wenn Sie...

Monsieur Savall, wenn Sie demnaechst wieder hier vorbeikommen sollten, wuerden Sie sich fuer drei Saetze die Zeit nehmen, den mir reatselhaften Hinweis auf Chantilly erlaeutern zu wollen? Falls dieses Thema jemals auf tmeinen zahreichen Schulen behandelt wurde, muss ich wohl wieder abwesend gewesen sein; entweder Karzer oder Sonderschicht in der sozialistischen Produktion.

0 donna laura 30.03.2010, 14:00 Uhr

bescheidenheit ist eine zier,...

bescheidenheit ist eine zier, doch weiter komm' ich ohne ihr. . geschätzter don, sie gfallen mir immer besser und wären sicher ein guter gast! . ich finde das auch immer ganz furchtbar, wenn der gast die eigenen mühen, die man l i e b e n d gerne macht, mit einen falsch intonierten handstreich-ausruf vom tisch fegt und somit ein ungalantes, verbales häufchen auf einen der silberteller setzt. so einen gast habe ich in der allerallernächsten verwandschaft - die sagt das sogar, wenn ich mir wirklich gar keine mühe gebe. ich traue mich schon nicht mehr zu sagen, dass ich für sie tatsächlich nichts mehr tue (ausladen geht aber nicht). ich serviere jedoch nicht unter dem tisch, das wären umstände. . @ Foersterliesl/"genießen und loben" ist das richtige motto für einen gast! "(früher gab es Gesellschaftsräume, Salon und Speisezimmer waren getrennt von den Privaträumen)" - haben wir heute noch. plus schliessanlage, dass niemand in die 'private parts of the house' gelangt (so las ich einmal kurioserweise in einem französischen immobilienannocenblatt für die höhere gesellschaft), und so können sie schlendern, soweit sie kommen. . ich entstamme einem elternhaus, in dem zuweilen 5 gesellschaften die woche gegeben wurden; so bin ich es gewohnt, und es fehlt mir etwas, wenn ich nicht einladen kann. vielleicht daher die vielen kinderchen ... . vor allem wenn übernachtungsgäste kommen, blühe ich auf, und halte mich an den russischen teil meiner verwandschaft: zarteste croissants, eier in allen viskositäten, selbstgekaufte marmeladen, honig von bienen, die ich kennen dürfte, wildschinken (dto.), käse von unseren bauern ... eingeflogene pralinen und obst in den gästezimmern. das silber in deren räumlichkeiten zwar antik, aber nur plated, wenn etwas herunterfällt und zerbeult, ist das nicht so schlimm. und nur ungeliebtes meissen, einer ungeliebten grosstante entspringend. . ich habe natürlich prompt den zwanglosesten aller mir bekannten jungen herren geheiratet, der seine ... äh ... burg vor meinem ersten besuch einer tagelangen generalüberholung unterzog, was unbemerkt blieb. da john wayne schon immer von royal kopenhagen zu speisen pflegt (der goldene löffel, neben dem der colt liegt), aber schon auf ordnung vor meiner ankunft in seinem leben keinen besonderen wert legte. der ganze freundeskreis lacht noch heute darüber. . silberwaren bedeuten bei steter inbetriebnahme keine arbeit, reines spülen reicht völlig aus. silber in den schrank zu sperren und nur zu besonderen gelegenheiten herauszuholen, das bedeutet arbeit und verzweiflung vor weihnachten. wenn man dereinst im kalten grab liegt, wird man sich nicht sagen, oh, hätte ich doch bloss weniger das silber benutzt.

0 Ephemeride 30.03.2010, 14:20 Uhr

..."wegen mir".... . Uiui, da...

..."wegen mir".... . Uiui, da schlägt das Dativherz in höchsten Tönen. "Wegen dem da muss'te Dir doch keine Umstände machen!" Ach Don, säuselt ein "meinetwegen" nicht viel netter, viel luftiger, viel richtiger?

0 HansMeier555 30.03.2010, 14:30 Uhr

Lieber Justin, Ihre Reaktion...

Lieber Justin, Ihre Reaktion war vorschnell, womöglich auch durch einen Anflug von Beleidigung ("ich geb' mir solche Mühe, und dann...") bedingt. . Gerade das ist es doch, womit perfekte Hausfrauen und Mütter den Nachwuchs in ferne Gefilde verscheuchen: Dass sie die ihnen schuldige Anerkennung mit aller Gewalt jugendlichen Söhnen abpressen wollen, die in ihrem Alter einfach mal andere Leidenschaften haben als eine perfekt gedeckte Kaffeetafel. Daraus entsteht dann, gewiß auch bei Töchern, die Allergie gegenüber Tischdecken und Untertassen, die uns dann wieder beim Besuch woanders so unangenehm aufstößt. . Wenn man sich Umstände macht wie ein Buddhist, d.h., weil es einem selber guttut und voranbringt auf dem Pfad zur vollkommenen Harmonie, dann ist es wunderbar. Wenn man aber von seinen Gästen dafür eben doch irgendwas zurückhaben will, Anerkennung, Bewunderung, Liebe, tiefes Beindrucktsein, laute Komplimente, dann sollte man sich vielleicht doch lieber einen Porsche kaufen. Das wirkt todsicher, auch bei denen, die man nie nach Hause einladen würde.

Werter Don Alphonso, so ganz...

Werter Don Alphonso, so ganz verstehe ich zumindest die Auswahl des Porzelans und des Bestecks nicht so ganz: Weder das Silberbesteck, noch das Meissen (sofern nicht Zwiebelmuster oder Weinlaub) gehen in die Spülmaschine. Insofern macht es doch Umstände, das Meissen (stellvertretend für alle Auf-Dekor gemalten bzw. mit Goldrand verzierten Geschirre) herauszuräumen und zum Tee zu präsentieren. Aber- und da gebe ich Ihnen wieder völlig recht- das ist ja das Schöne an solchen Gelegenheiten- die subtile Präsentation dieser vom Mob unerkannten Pretiosen.

Seit gegrüßt Don...

Seit gegrüßt Don Alphonso, ich kann es natürlich auch nicht allgemeinverbindlich sagen, aber wenn ich sage : "mach keine Umstände" bedeutet es nur: lass und zusammen sein und nicht herumschauen was ist oder nicht ist ... und dann mach jede Menge Umstände, damit es uns beiden gut geht. Also ist es ein Hinweis auf die Konzentration der Umstände auf die personenbezogenen Annehmlichkeiten, wie z.B Essen, Trinken, Musik und Wahl des Aufenthaltortes. Keine Umstände ? dann geh ich in ein Fastfood ... da werden sicher keine gemacht.

Zahlender Gast bin ich gerne...

Zahlender Gast bin ich gerne hier: http://www.ristorantearche.com/

donna laura, Sie verfügen...

donna laura, Sie verfügen über Bienenschinken? Da läuft einem aber das Wasser im Munde zusammen!

0 donna laura 30.03.2010, 15:14 Uhr

@ Gourmet, neinneinnein, da...

@ Gourmet, neinneinnein, da muss ich sie enttäuschen - und tadeln zugleich: da haben sie wohl zu hastig gelesen, nicht wahr? aber pfauenzungen in aspik, schwiegermutterhirn mit wasabischnecken oder die bei obelix so beliebte wurstpellenmarmelade, die könnte ich ihnen bieten, werter Gourmet.

0 Der Tiger 30.03.2010, 15:48 Uhr

@Donna Laura (16:00): Es...

@Donna Laura (16:00): Es entspricht nicht meiner Erfahrung, dass Silber, wenn es täglich benutzt wird, nicht geputzt werden braucht. Es mag snobisch klingen, aber wir benutzen nur Silber (Sterling und 800). Es muss regelmäßig poliert werden. Darüber hinaus auch alles, was zur Dekoration herumsteht. Und da ich schon snobisch bin, mein altes Familiensilber, welches nach dem Krieg vor den Russen im Garten von Dahlem verbuddelt wurde, ruht eingepackt in Spezialfilztüten im Schrank. Auf diese Weise aufgehoben, läuft es nicht an und erspart mir den von Ihnen erwähnten Weihnachtsstress.

0 Don Ferrando 30.03.2010, 15:50 Uhr

DA, 14:07"Denn vor allem mache...

DA, 14:07"Denn vor allem mache ich mir Umstände wegen mir selbst!" . Das ist der entscheidende Punkt. Wenn man selbstverständlich seiner selbst wegen auch als Single täglich den Tisch ordentlich deckt mit Tischdecke, Geschirr, Silber und Stoffserviette, sind es gar keine Umstände, wenn es auch für die Gäste so geschieht. Leider wissen das immer weniger der Gäste!

0 Foersterliesel 30.03.2010, 16:00 Uhr

liebe Donna Laura, dieses...

liebe Donna Laura, dieses "private parts" ist wirklich amüsant und Schwiegermutterhirn würde so manche gern servieren; übrigens auch Schwägerinnenfilet (angeheiratete Verwandte wären auch mal ein Thema...) und mit dem silver plated für die Gästezimmer handeln Sie äußerst klug! Metallene Hohlkörper sind eben sehr empfindlich und meine Abneigung gegen die Verwendung älterer silberner Teekannen rührt daher, daß diese oft schon Grobes erlitten haben und dann an den kritischen Stellen (übrigens die gleichen wie bei den guten englischen Gießkannen, leider!), nämlich dort wo Tülle und Henkel in den Korpus übergehen, gerne Risse bilden... Als ich bei, naja, dort wo man die Taufgeschenke kauft, eine Kanne genauer auf solide, solchen Schäden vorbeugende, Innenverarbeitung besehen wollte, wurde ich beinahe hinausgescheucht; werden Silberkannen denn nur mehr für die Vitrine erzeugt ? Aber die Dänen sind solide, auch da haben Sie recht/bzw. gut gewählt.

donna, ich lese: "honig von...

donna, ich lese: "honig von bienen, die ich kennen dürfte, wildschinken (dto.)" - klares Angebot, meine ich.

donna, schwiegermutterhirn mit...

donna, schwiegermutterhirn mit wasabischnecken? Brr, Wasabi! Zudem: ich mag vor allem Essig nicht, wenn er zu sehr perlt. Aber salzige Liebesperlen gehen durch. Derzeit halte ich es aber eher wie Majestix in der Tour de France.

0 Der Tiger 30.03.2010, 16:17 Uhr

@ Ottoe Man kann auch altes...

@ Ottoe Man kann auch altes Porzellan mit Goldrand in die Spülmaschine tun. Nach der Weihnachtsgans werden bei uns die Reste abgespült. Dann kriegt das ‘E.A. Schumann Hoflieferant’ Geschirr (vorsichtig eingestapelt) seinen eigenen Waschgang auf höchster Wärmestufe und ohne Spülmittel. Danach ist es mindestens so sauber wie von den Dienstmädchen in Darlem per Hand gewaschen, denn die Maschine kriegt den Dreck besser aus der Verzierung raus als man es mit der Hand ohne viel herumzureiben kann.

0 donalphonso 30.03.2010, 16:22 Uhr

Um das mit dem Goldrand zu...

Um das mit dem Goldrand zu erklären: Ich habe keine Spülmaschine, ich mache das vorsichtig von Hand.

0 Marco Vogt 30.03.2010, 16:26 Uhr

Ich halte es immer direkt:...

Ich halte es immer direkt: Ich erwarte, dass sich jemand Umstände macht, wenn ich zu Besuch komme und ich mache selber auch Umstände, wenn ich Besuch erwarte. Keine Umstände habe ich tagtäglich. Warum sollte ich darauf verzichten, wenn ich zu Besuch bin oder umgekehrt? Es gehört dazu und was wäre unsere Gesellschaft, wenn sich jeder nur bei Besuch auf dem Sofa wie Al Bundy lümmeln würde. Das wären dann in der Tat keine Umstände. Doch das will weder ich sehen, noch werde ich das jemanden zu muten.

Geschätzter DA, zwei Fragen...

Geschätzter DA, zwei Fragen habe ich an Sie: 1) Was halten Sie von Robbe & Berking? 2) Was halten Sie von einem Gästebuch? Viele Grüße!

Chantilly, Filou, ist das...

Chantilly, Filou, ist das Schloß, in dem die ominöse Begegnung zwischen Ludwig XIV. und Condé stattfand. Das Schloß ist heute noch wunderbar erhalten und hat eine phänomenale Bibliothek, gespickt mit unzähligen Erstausgaben aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Der Prinz und seine Nachkommenschaft waren eifrige Büchersammler. Ich vermute jedoch, daß sie wenig davon gelesen haben. Es gehörte einfach zu dem Gesamtkonzept ästhetischer Überwältigung, die der Sonnenkönig zur Disziplinierung seines aufmüpfigen Adels so gekonnt einsetzte und infolgedessen eifrig kopiert wurde. Ein Abendbrottisch, wie der hier vorgestellte, hätte auf mich eine ähnliche Wirkung. Dabei würde ich den disziplinierenden Charakter eines solchen Ambientes durchaus nicht geringschätzen. In Angesicht eines solchen Käsetellers verbietet sich ein Gesprächsthema wie Guido Westerwelle ganz von allein. Ein begrüßenswerter Gedanke. Ceterum censeo hätte ich eben gern, daß Don Alphonso mit der geschätzten Reisegefährtin Chantilly, so es am Wege liegt, einmal aufsucht und uns einen ebenso unterhaltsamen wie belehrenden und auf jeden Fall reich illustrierten Bericht liefert. Denn Chantilly liegt abseits der Touristenpfade und ist mir als bekennendem Autoverweigerer nahezu unerreichbar.

0 donna laura 30.03.2010, 16:47 Uhr

@ Gourmet:...

@ Gourmet: grammatikstreitereien finde ich hier äusserst blödsinnig, ausserdem kann ich sie nicht verlieren sehen. . @ Der Tiger: pardon, vielleicht bin ich etwas toleranter als sie, was patina und patschehändchen anbelangt. immerhin: das silber strahlt, ich kann feiern und muss nicht putzen. . @ Foersterliesl: es sind irgendwie immer die angeheirateten, da gebe ich ihnen recht. ich fürchte nur, unser lieber gastgeber muss bei diesem thema passen, da eine holde gattin fehlanzeige ist (ja, ich weiss, lieber don: und bleiben wird). ich hätte noch hartgesottene schwagerbällchen mit backpfeifen und maulschellen im repertoire. aber die niedere politik gibt auch leckere gerichte her: arxxxgeigenrisotto mit bürgermeisterstreifen.

0 HansMeier555 30.03.2010, 16:48 Uhr

".... aus Erzählungen weiss...

".... aus Erzählungen weiss ich, dass die Panik auch mit Personal keinesfalls kleiner war - vielmehr war die Angst noch grösser, ...." . Da haben Sie natürlich auch wieder recht. Aber es gab ja auch den Typ von gnädiger Frau, die eifnach ihre "Perle" machen ließ. Und die wiederum konnte sich dann selber ein bißchen als Hausfrau fühlen und verwirklichen. Schlimm dran waren die Töchter, die aus ihrem Elternhaus so ein Leben gewohnt waren und dann nach dem Krieg begreifen mussten, daß es in ihrem Leben keine "Perle" mehr geben würde. Und die Ehemänner und Schwiegermütter wollten ja weiterhin bedient werden. . Seit wann gibt es das überhaupt, daß Studenten Zimmer mieten, wo Wäsche und Verköstigung nicht mit im Preis inbegriffen sind? Kein Wunder, daß die 68 wie blöd randaliert haben.

0 Justin Thynne 30.03.2010, 17:24 Uhr

Lieber HansMeier555, wegen...

Lieber HansMeier555, wegen des Porsches war die junge reizende und äußerst ehrgeizige Dame - die, das trage ich für Soland33 nach, Dr. jur. ist - vermutlich zum Frühstück geblieben. Beleidigung, das ginge zu weit, verletzte Eitelkeit, das trifft es vermutlich genau. Vor allem wegen des Geiers.

0 NurMensch 30.03.2010, 17:43 Uhr

Mag mir bitte jemand...

Mag mir bitte jemand bestätigen, daß die Kommentare hier nur gutgemachte Satire ist? ^^

0 Kopfgeburt 30.03.2010, 18:24 Uhr

Na ja: Erinnert sich noch...

Na ja: Erinnert sich noch jemand an das alte Höflichkeitsspiel der Tanten und Mütter? Das beruht auf Gegenseitigkeit und spielt sich ungefähr so ab: (Vor der Begegnung) Besuch: "Aber mach auf keinen Fall irgendwelche Umstände!" Gastgeber: "Dein Besuch macht mir doch keine Umstände!" (Beim Eintreffen und Geleit zum Esstisch) B: "Du hast Dich doch aber nicht in Arbeit gestürzt wegen mir, oder? Das wäre wirklich nicht nötig gewesen!" G: "Ach, wo denkst Du hin! War doch alles schon da. Ich musste ja nur noch die Tarte machen." (Besucher lässt sich wohlig nieder und geniesst "die ganzen Umstände") B: "Das nächste Mal machen wir es aber bei uns. Dann hast Du nicht mehr die ganze Mühe!" G (leicht errötend): "Ach, das war doch nichts! Das mache ich doch gerne." . Wunderbarer Dialog zweier Parteien (Genitiv!), die sich gegenseitig im Wert zu unterbieten sucht. Doch beide wissen, was sie aneinander haben (kein Plastikbechermüesli!). . Ein Spruch meiner Grossmama selig (von ihr schon nicht ganz ernst gemeint) ist mir noch geblieben. Der Gast berichtet zu Hause: "Das Essen war gut - aber das Nötigen hätte besser sein können!" . Tja, mit dem Wandel der Zeiten ändern sich auch die Kommunikationsmittel und -wege. Hauptsache, Respekt und Wertschätzung bleiben. Dafür breche ich gerne eine Lanze. Danke, verehrtester D.A.

@Nur Mensch, hier laesst...

@Nur Mensch, hier laesst gewissermassen jeder mal eben die kleine Sau raus. Nur eben auf gehobenem Niveau. Dafuer haben hier viele sehr hart und zaeh gekaempft/ kommentiert.

0 prince Matecki 30.03.2010, 18:44 Uhr

Verehrter Don, Ihr Kommentar...

Verehrter Don, Ihr Kommentar ist ja fast schon mehr als prélude à l´après-midi d´un faune Umstände müssen gemacht werden, schon der "alte Fritz" fand dass man gerade in schlechten Zeiten mehr Essen mit vielen Gästen geben solle, dabei sollten mehr "vivats" und Trinksprüche ausgebracht werden! Ergo wird der gemeine Mann denken dass unsere Sache gut steht, ergo wird unsere Sache auch gut gehen!

die eingeheirateten haben noch...

die eingeheirateten haben noch nach jahrzehnten nicht verstanden, warum teilen der familie die gesichtszüge kurzfristig entgleisten, wenn versehentlich silber und "cromargan" gemeinsam aufgelegt wurden (bei der reinen existenz des unedlen besteckes handelte es sich um ein missverständnis). diesen subtilen schmerz kann man niemandem erklären. wunderbar die beobachtung aus dem augenwinkel, als beim kindergeburtstag (wird heute bevorzugt mit papptellern und plastikbechern ausgestattet) eine erstmals geladene begleit-mutter tief seufzte: endlich wieder silber!!

" Ergo wird der gemeine Mann...

" Ergo wird der gemeine Mann denken dass unsere Sache gut steht, ergo wird unsere Sache auch gut gehen!" .. tja, das waren noch Zeiten, da war der "gemeine Mann" wenigsten im Hinterkopf der Mächtigen present. Heute ist man weiter; er wird nicht mehr gebraucht.

Manchmal, lieber Savall, ist...

Manchmal, lieber Savall, ist dieser Blog besonders (!) erkenntnisreich. In diesem Fall habe ich Ihnen zu danken. Chantilly liegt ca. 70 km vor Versailles. Also 1 Std. Fahrzeit. Versailles ist unser Standort wenn wir Paris besuchen. Ab dort nehmen wir immer die Oertlichen Verkehrsmittel in die Stadt. Ch. liegt gewissermassen am Weg. Vielen Dank, dass Sie mir halfen einige Bildungssplitter zusammen zu kehren. Jetzt bin ich wieder im Bilde. Halbwegs. Was Chantilly betrifft, denke ich, dass ich bei passender Gelegenheit gerne auf Sie zurueckkommen moechte. Sofern es Ihnen genehm ist. Vielen Dank nochmals.

Ich bin nun wieder zurück von...

Ich bin nun wieder zurück von Kitzbühel und habe ein herrliches Wochenende hinter mir. Der perfekte Gastgeber ist österreichischer Aristokrat mit feinem Charakter und ein sehr guter und langjähriger Freund meinerseits. Sein Haus inmitten der Stadt ist phantastisch; Antiquitäten, Familienportraits, Silber, ein wenig "old school" und unglaublich gemütlich. Am Samstag dann Ausschlafen, ein wenig Sulz-Skifahren, einen Obi g'spritzt und Kaiserschmarrn auf der Hütt'n mit sagenhaftem Ausblick. Etwas Sauna vor dem Abendessen, dann alles wieder von vorne. So stellt man sich das vor.

0 HansMeier555 30.03.2010, 20:12 Uhr

Alte Familienweisheit:...

Alte Familienweisheit: Weihnachten ist dann erst schoen, wenn die Hausfrau mit einem Nervenzusammenbruch flach unter dem Christbaum liegt. . Es gibt ja Laender in Europa, wo die Kinder vom dritten Lebensjahr an eingebläut kriegen, daß man angebotene Speisen immer erst zweimal ablehnen muß, bevor man beim dritten Mal zugreifen darf. Wenn so erzogene Menschen nach D-land kommen, dann lernen sie schon, was "Hunger" ist.

Damit will princeMatecki (30....

Damit will princeMatecki (30. März 2010, 20:44) doch wohl nicht andeuten, dass je mehr Don Alphonso seine Tafel ueberlaedt, die Zeiten um so schlechter sind?

0 HenryPetersen 30.03.2010, 20:47 Uhr

Don, you are the best. Ich...

Don, you are the best. Ich befürchte, dass Ihre Gäste die Insignien Ihrer Power nicht erkennen, Silberkännchen und ähnliches sind schwer zu bewerten. Redekorieren Sie doch mal, so etwas mit alten Mikroskopen von Zeiss und Leitz, besondern ein Ortholux macht etwas her, auch alte Landkarten von Samuel Dunn und Vischer beindrucken, ebenfalls Funkgeräte, alte Cameras von der IIIf bis zur D4 und natürlich gebrauchsfertige Langwaffen. Geeignet plaziert können Sie mit diesen Zeichen ständischer Würde auf viele Dinge des Westviertelbürgertum verzichten.

0 Der Tiger 30.03.2010, 20:54 Uhr

@Don (18:22) Ich gebe ja zu,...

@Don (18:22) Ich gebe ja zu, edles Geschirr mit der Hand vorsichtig zu waschen, ist das Beste. Aber wenn man vor der Entscheidung steht, Humor zu behalten oder sich als Familiendienstmädchen zu verdingen (Jugendliche sind sehr schwer für Aufräumarbeiten zu begeistern), ist der Spülmaschinenkompromiss ein brauchbarer Ausweg. @Savall Betreffend Chantilly, kann ich Sie nur unterstützen. Das wäre ein fabelhaftes Thema für Don und seine hochgeschätzte Reisebegleiterin. Don, was denken Sie? … oder sollen wir Frau Diener fragen? @Donna laure (18:47) Angelaufenes Silber ist nicht Patina, und mit Patschhändchen hat mein Anspruch auf gepflegtes Tafelsilber eigentlich nichts zu tun. Sind Sie sich sicher, dass das, was bei Ihnen glänzt, wirklich Silber ist? @NurMensch Warum wollen Sie eine Bestätigung? Gewissheit in der Satire ist so langweilig wie in der Liebe. Die Spannung liegt in der Ungewissheit. @Hansmeier555 Das mit der Familienweisheit galt auch in der Familie meiner Eltern. Was mich selbst betrifft, habe ich mir oft überlegt, ob so ein nationale Supermanager wie Herr Ackermann ein bürgerlichen Weihnachtsfest mit aufgeregten Kindern, faulen und selbstherrlichen Brüdern, Ganszubereitung in der ungewohnten Küche der dementen Mutter usw usw neben ihrem anspruchvollen Beruf meistern könnten.

0 Wiesbadener 30.03.2010, 21:00 Uhr

Don Alphonso, Scarmorza zum...

Don Alphonso, Scarmorza zum Abschluss anzubieten ist gemein. Mit hauchdünnen Filetscheiben vom Rind oder Kalb und ein wenig Käutern überbacken ist er eine Hauptspeise. Man kann das Fleisch auch durch Kürbis oder Artischocken ersetzen. Beides natürlich blanchiert und hauchdünn aufgeschnitten. Dazu eine Mischung aus Zitrone, Olivenöl, Knoblauch (wenig und gedünstet), glatter Petersilie, Pfeffer und Salz. Ein Genuss ohne Reue.

HansMeier555 @...

HansMeier555 @ 21.12h Weihnachten ohne Nervenzusammenbruch. Die Truthenne in den Ofen um 08.30h schieben. Lunch prompt um 13.00h bei uns mit Plumpudding (hausgemacht schon in November - das Rezept von Constance Spry) und Christmas crackers (Knallbonbons?) ... "Same procedure as every year".

0 Justin Thynne 30.03.2010, 21:06 Uhr

@SOLAND33: Nachdem ich in...

@SOLAND33: Nachdem ich in einem vorherigen Beitrag bereits das Fach der vortrefflichen Frau Doktor geoffenbart habe, sollte ich vielleicht auch noch erwähnen, dass sie (vor dem finalen Abgang) ihr Bircher-Müsli in einer Bowl von Wedgewood auf einem vernünftigen Teller mit Silberlöffel bekommen hat. Da vielen dann auch die weiteren fatalen Worte: Du willst mich wohl beeindrucken? Nein, meine Beste, ich mache das bei jeder anderen auch.

0 HansMeier555 30.03.2010, 21:31 Uhr

@fionn Ohne...

@fionn Ohne Nervenzusammenbruch ist es aber trotz Schnee kein echtes Weihnachten. Wenn sich die Hausfrau entspannt fuehlt, dann heisst das, dass sie sich nicht richtig ins Zeug gelegt hat und folglich ein schlechtes Gewissen haben muss, das sich nur Anzettelung neuer Komplikationen beruhigen laesst: "Ich glaube, dieses Tischtuch passt doch nicht, hol mir das andere..."-- "Der X mag doch diese Sosse nicht so arg, glaube ich (will sagen: er hat vor drei Jahren kein zweites Mal verlangt), dann muss ich jetzt unbedingt noch eine andere machen, dafuer brauche ich folgende Zutat, sei so gut und fahr mir jetzt schnell vor Ladenschluss noch mal in die Stadt und..." Es geht ja eben gerade nicht einfach nur darum, dass jeder was gutes zu Essen kriegt und alle sich wohl fuehlen. Obwohl selbst dann englische Kueche kaum die beste Wahl waere.

0 Josef Pintschèr 30.03.2010, 21:47 Uhr

Mon coeur, tres fatigant....

Mon coeur, tres fatigant.

0 donna laura 30.03.2010, 22:21 Uhr

@ Der Tiger: nur kein neid....

@ Der Tiger: nur kein neid. wenn ich an den vorigen blogbeitrag + seine ausflüge in richtung china denke: sie haben ihren namen trefflich gewählt, trefflicher, als sie wohl vermuten. aber ich werde hier nicht mit marzipantorte um mich werfen. sei's drum: bei mir glänzt alles. soll ich ihnen die punzierungen übermitteln? nicht doch! es wird doch nicht ihr ernst sein, dass wir uns jetzt im sch(w)äbischen-hausfrauen-klein-klein verlieren. das wäre nicht sehr sdg, sondern spiessig. sie klingen leider nicht sehr glücklich und entspannt, wenn ich ihre kommentare lese: schade, ich wünschte ihnen besseres, aber ja. . HansMeier555 + fionn: noch geht es ohne nervenzusammenbruch: man feiert eben bei den altvorderen, solange die noch da sind und können: dann haben sie das problem, und sie haben es sehr gerne. als (schwieger)tochter steuert man ein händchen bei, aber mehr besser auch nicht. die altvorderen halten uns bei unserem nachwuchs, der wirklich sehr artig ist, für ausgezeichnete vollzeitdompteure. wie ich vor langer zeit schon sagte: es hat auch vorteile, viele kinder zu haben. die rücksicht und das verständnis, das einem entgegengebracht wird, ist riesengross. sehr entspannend. aber, lieber HansMeier555, der tipp mit der englischen küche hat etwas, so etwas schraubt erwartungen nach unten. . wobei die feier bei den altvorderen auch nachteile hat: ich registriere mit beunruhigung, dass die weihnachtsbäume immer schiefer, die schleifen immer nachlässiger, die rehbraten immer weniger pointiert im geschmack werden. vielleicht liegt es am astigmatismus? wo sie wohl die ostereier vergraben werden? ob sie das noch wissen werden?

liebe donna laura, ich habe...

liebe donna laura, ich habe hier noch keinen Kommentar gelesen, der auf mich glücklich und entspannt gewirkt hat. Das ist der Reiz.

0 Don Alfredo 31.03.2010, 00:01 Uhr

¡Caramba! Es erstaunt mich,...

¡Caramba! Es erstaunt mich, zu lesen, dass in Deutschland die Klassengrenzen zunehmend ins Fließen geraten. Die Herrschaft übernimmt die Aufgaben der Dienerschaft. Sehr demokratisch, aber wenig fein. Mir fehlen eigene Erfahrungen aus den letzten 20 Jahren fast vollständig, da ich auf Geschäftsreisen nach Deutschland nur noch in Hotels logierte, aber bis in die 80er Jahre war ich noch häufiger als privater Gast in Deutschland, da war das noch anders, die bessere Gesellschaft beschäftigte Personal, das die Mühen der Führung eines Haushalts übernahm. Was ist die Ursache für die dramatische Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse? An mangelnder Solvenz sollte es doch nicht liegen, Deutschland ist nach wie vor ein äußerst wohlhabendes Land. In den USA, in GB und auch in España beobachte ich in den besseren Haushalten durchaus noch Dienstpersonal. Warum also nicht mehr in Deutschland? Wo bleibt den deutschen Eliten noch Raum für Grandeza? Woher nimmt man die Zeit für die Jagd, das Spiel, die Politik, wenn man sich um die Haushaltsführung selber kümmern muss? In Paraguay ist Dienstpersonal immer noch eine Selbstverständlichkeit, zur Führung einer Hacienda oder Estancia sogar unabdingbar. Ein jeder kennt seinen Platz und seine Rolle in dem Spiel. Gesellschaftliches Miteinander wird dadurch sehr viel einfacher, unverkrampfter und, ich glaube auch, angenehmer. Egalitarismus erreicht das genaue Gegenteil und ich zweifel sehr an der Dauerhaftigkeit des deutschen Experiments, von dessen Ausgang ich sicher in nicht allzu ferner Zukunft in der F.A.Z. lesen kann. Die ökonomischen Verwerfungen der ersten Welt werden das Ihre dazu beitragen.

0 Justin Thynne 31.03.2010, 01:22 Uhr

@- Don Alfredo: Sie sprechen...

@- Don Alfredo: Sie sprechen damit das Kernproblem der besseren Kreise an. Wer ist den heute noch bereit, einen Dienst in einem Haushalt zu versehen. Wir haben es den eigenen Landsleuten abgewöhnt und ihnen stattdessen suggeriert, dass der Staat ihnen diese Mühsal abnehmen wird. Nicht einmal Hartz IV hat diesen Mißstand beseitigen können, da es offenkundig vor allem von den egalitären - und meist aus kleinen Verhältnissen stammenden - Politikern als ein Rückfall in reaktionär-paternalistische Zeiten angesehen wird. Aber auch der in anderen Ländern übliche Ausweg - ich leben teilweise in London und kenne daher das äußerst rührige Dienstpersonal mit Migrationshintergrund - scheint den deutschen Haushalten nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Stattdessen wird kräftig selbst gebügelt, geschrubbt, geputzt - und dies leider nicht nur wie beim verehrten Don Alphonso aus Freunde - sondern sehr häufig aus einer Art gesllschaftlichen Notlage heraus. Ich liebe es, meine Schuhe zu putzen und mein Tweed auszubürsten, aber die Fenster,.... Und so reduzieren einige ihre Wohnungs- oder Häusergröße (...wir schaffen das nicht mehr ..) oder ihre Gesellschaftliches Leben (.. nur keinen Aufwand..) und tragen auf diese Weise auch dazu bei, dass die (groß-)bürgerliche Lebensweise die Freude für die happy few dieses blogs bleiben wird.

0 Foersterliesel 31.03.2010, 06:14 Uhr

Geputztes Silber ist sehr...

Geputztes Silber ist sehr bürgerlich, ebenso wie matching china. Ich erinnere mich an ein scheußliches Riesentrumm (es gibt nämlich auch häßliches Silber) unklarer Funktion, das die Hunde immer gerne ableckten, großartiger Instinkt: ein paar Silberionen auf der Zunge können nur gesund sein.

Justin Thynne, hier machen...

Justin Thynne, hier machen wahrscheinlich weniger Großbürger mit, als wir alle denken. . Minna, diese Art von Kommentaren gibt es schon - wenn auch nur in kleiner Anzahl.

@ Justin Thynne 02.22h Putzen...

@ Justin Thynne 02.22h Putzen muss gelernt werden. Ein pensioniertes Ehepaar (er war Butler, sie Haushälterin/Köchin) hat meinen Eltern - die damals in Berkshire wohnten - einige Tipps gegeben. Das Paar kam gelegentlich für einen Tag zu uns, um z.B. die Silberwaren zu polieren ("immer mit dem Daumen polieren, nur mit dem Daumen" war sein Tipp...) usw. Er redete seine Frau immer mit "Mrs Saunders" an, sie ihn immer mit "Saunders".

@ Don Alfredo 2 01.01h Hay...

@ Don Alfredo 2 01.01h Hay bastante matrimonios, chicas y chicos espanoles aqui en Suiza que quieren trabajar como "Dienstpersonal" - pero quando "la senora" entiende un poco el idioma espanola (como yo), es mas facil. Hay tres anos, yo tuve une chica de Barcelona, ella trabaja ahora en una tienda.

wie dem auch sei, nichts hat...

wie dem auch sei, nichts hat mir in dieser hinsicht mehr imponiert, als ein frühstück mit ausgewähltem französischen rohmilchkäse und einer flasche besten bourgogne in der kargen, vorwiegend mit ikea-möbeln ausgestatteten wohnung eines meiner tüchtigen studenten, der sich mit dieser freundlichen aufmerksamkeit an den rand seiner existenzfähigkeit bis zur nächsten bafög-zahlung gebracht haben dürfte

Als dann eine Freundin...

Als dann eine Freundin letzthin meinte, man könne sich auf dem Sofa in meinem kleinen Chippendale-Inferno ja doch gar nicht lümmeln verwies ich sie nach dem nächsten schwedischen Möbelhaus, in welchem sie entsprechende Sitzqual erstehen kann. Es ist heute bei vielen Menschen aus tausenderlei Gründen schlicht nicht mehr opportun sich zu "benehmen", also sich eines gewissen Stils zu befleißigen und das auch zu genießen. Auch die Selbstverständlichkeit, Gästen mit Freude aufzutischen, und zwar mit Freude und "Aufwand", ganz gleich welcher Mühen es im Vorfeld bedarf scheint bei vielen Menschen, gleich welcher Herkunft, inzwischen leider obsolet. Ein Bekannter meinte letzthin mir sagen zu müssen, ein so " mit altem Plunder ausstaffierter" Salon wie der meine verlange ja quasi ständig nach Präsentation. Derlei Unverständnis für die Kunst der Bewirtung und des guten Gesprächs in stilvollem und liebevoll gepflegtem Rahmen zeigt leider, wie sehr das belanglose Mittelmaß inzwischen zur Norm geworden ist. Wo bleibt denn da noch die Lebenskunst? Und: Gutes Porzellan und die Spülmaschine vertragen sich ebensowenig wie unbenutztes Silber und Gejammer über Angelaufenes.

Ivana M. 10.33h Re Die...

Ivana M. 10.33h Re Die hässigen gereizten Bemerkungen die Ihnen wehgetan haben. Es handelt sich nur um Minderwertigkeitskomplexe resp. Neid pur, m.M.n. Nil nisi bonum - gilt auch für die Lebenden? Yes/No?

@Justin Thynne: Da wundert man...

@Justin Thynne: Da wundert man sich schon arg, warum besagte promovierte Dame sich nicht einfach über die Aufmerksamkeit freuen konnte. Sowieso meiner Meinung nach die einzig richtige Reaktion des Gastes, der sieht dass man sich seinetwegen Umstände gemacht hat. Bei meiner Schwiegermutter und mir ist es jedenfalls so, dass ausdauernde und ernst gemeinte Lobbekundungen zu den eigens zu unserem Besuch zubereiteten Speisen wahres Öl im manchmal schwergängigen Getriebe unserer Schwiegermutter/Schwiegertocher-Beziehung sind. ... In den Tiefen meines Herzens sehne ich mich ja auch nach Silberbesteck, Goldrandgeschirr, einer Haushälterin (und den Zeiten, als Hauskleider noch Stil hatten). Leider fehlen mir dazu Mittel, Zeit und der entsprechende Hintergrund. Wenigstens kann ich Dons Blog lesen, seufzen, mich dran erfreuen und dann wieder an die Arbeit gehen.

0 donalphonso 31.03.2010, 12:10 Uhr

Liebe unellen, da kann ich...

Liebe unellen, da kann ich gerne auch in Zukunft weiterhin aushelfen.

0 HansMeier555 31.03.2010, 12:12 Uhr

Sie alle. Sie sollten ihren...

Sie alle. Sie sollten ihren Salon à la L-15 ausstatten und dann die Jugend zum Maskenball einladen. Degen und Korsetts zum Umbinden gibt es an der Garderobe. Die Mode des 18. müsste doch gerade für die jungen Mädels eine Offenbarung sein, so bekommt die Hungerei wenigstens einen Sinn.

0 HansMeier555 31.03.2010, 12:16 Uhr

Ich meine, statt über die...

Ich meine, statt über die "undankbaren Gäste" zu müffeln, müsste man ihnen halt ein Programm bieten, dass den Sinn des Ganzen Aufwands verständlich macht. Zum Ambiente gehört eine Gesellschaft, die seiner würdig ist, und die steht nicht einfach so im Telefonbuch: Man muss sie sich heranzüchten, heranerziehen, und dafür braucht man gaaanz viel Geduld. Wer seine jünste Eroberung nach der ersten patzigen Bemerkung (die doch nur eine nur allzuleicht verständliche Unsicherheit verrät) gleich unsouverän davonjagt, der darf dann halt alleine den Kronleuchterglanz durch die patinierten venezianischen Spiegel betrachten.

0 patentante 31.03.2010, 12:41 Uhr

Mit dem Personal ist es aber...

Mit dem Personal ist es aber auch so eine Sache. Wir Deutschen sind es doch auch gar nicht mehr gewohnt, bedient zu werden und wie man sich in Anwesendheit von Personal benimmt. Allenfalls die Putzfrau darf noch den Staubwedel schwingen, aber ein Mädchen, das bei Zeiten den Frühstückstisch deckt und den Herrn des Hauses wohlmöglich noch im Morgenmantel sieht, ist doch unvorstellbar. Und auch das Personal weiß häufig nicht mehr, wie es sich benehmen soll. Im Restaurant, wo man noch einigermaßen bedient wird, ist nicht mehr der Gast König, sondern der Kellner ist die Hauptperson. Wie häufig bekommt man ein Vorsicht! zu hören, weil ein Ober sich nicht Rücksicht üben kann. Nicht der Gast muß vorsichtig sein, sondern das Personal, das mit einem Tablett oder Tellern den Weg kreuzt. Ein freundliches Entschuldigung, dürfte ich...! wäre hier sehr viel angemessener. Im übrigen sollte doch "das sich Umstände machen" eher den eigenen Anspruch auf Gastfreundlichkeit befriedigen, als daß dieses den Gast in seiner Einfachheit überfordern könnte.

0 Foersterliesel 31.03.2010, 13:17 Uhr

lieber Justin...

lieber Justin Thynne, vielleicht haben Sie die Juristin doch zu schnell und unüberlegt abserviert? Hätten Sie mit etwas Geduld ihr Vergnügen an Wedgewood geweckt, ihr die Geier erklärt und sie mit Ihrem gewiß großen Namen und einem Siegelring geschmückt, so hätten Sie jetzt eine Juristin für viele Lebenslagen, die der Familienanwalt oft nicht so gut bewältigt. Eine meiner Freundinnen hat so eine Schwägerin (nun , man liebt sich nicht, aber das ist das Schwägerinnenproblem, macht aber nix, denn alle benehmen sich tadellos, inzwischen auch die Juristin) die der ganzen Familie großartige und gefinkelte Verträge aushandelt. lieber Tiger, schön, daß Sie Ihr Familiensilber wieder ausgraben konnten! Meine Eltern konnten es nicht und als Flüchtling und armer Verwandter bekommt man ausgemustertes Silber (mit Beulen, unvollständige Garnituren, Schüsseln deren Glaseinlagen kaputtgegangen sind, einzelne Kerzenleuchter u.ä.) geschenkt, das meine Mutter ungeputzt und ungenutzt wortlos wegpackte. Einiges habe ich verschenkt, eine Schüssel dient mir als vide poche, kleinere für die Seife. Der Hund hat eine silberne Wasserschüssel (mit Geiern) die ich öfter mal mit bio-Waschmittel und einem weichen Schwamm säubere. Das gute Wiener Leitungswasser trinke ich alternierend aus einem silbernen und einem kupfernen Becher und am liebsten mag ich Wiener Silber, von dem kaum noch was existiert, da fast alles in Notzeiten eingeschmolzen wurde. Geflochtene oder durchbrochene Körbchen, guillochierte Kännchen etc. sind mir ein Greuel. Es gibt häßliches Silber.

0 HansMeier555 31.03.2010, 13:36 Uhr

und beim Tischdecken bitte den...

und beim Tischdecken bitte den Spucknapf aus Platin nicht vergessen.

0 Justin Thynne 31.03.2010, 15:47 Uhr

@ fionn 09:30: Ich besuchte...

@ fionn 09:30: Ich besuchte mal in London einen Vorbereitungskurs für angehende Gentlemen, die einen Gentlemen´s Gentlemen anstellen wollten (oder nur neugierig auf die Anforderungen des Butlers an die Herrschaft waren). Wundervoll. Der größte Teil der Besucher war - ebenso wie ich - damals natürlich überhaupt nicht in der Lage, einen solchen Diamanten der Haushaltführung zu entlohnen. Dafür haben wir aber in mehrern Tagen gelernt, was nützlich ist. Wie "Spencer" den Koffer packt, Zeitungen gebügelt und Jackets gefaltet werden und natürlich Silber geputzt wird. Ich bin aber nicht sicher ob "Spencer" jemals ein Buffet tolleriert hätte.

0 Don Ferrando 31.03.2010, 16:14 Uhr

Liebe unellen, das mit dem...

Liebe unellen, das mit dem Silberbesteck ist gar nicht so schwer. Ich habe meinem Patenkimnd ab Geburt immer ein Besteckteil geschenkt und ein anderer Pate auch. Da war dann bis zum Abitur schon ein Grundstock gelegt. . Machen Sie sich einfach selbst zum Paten und Ihren Mann gleich dazu. Im Nu haben Sie wenigsten schon für sich und ihn einen Satz komplett!

0 Der Tiger 31.03.2010, 16:40 Uhr

@unellen Und was Geschirr mit...

@unellen Und was Geschirr mit Goldrand betrifft, versuchen sie mal Wohltätigkeitsbasare, Flohmärkte und Second Hand Läden. Wenn man die Sache unkonventionell angeht und nicht darauf besteht, dass alles vom selben Typ ist, kann man sich so ein sehr persönliches Sortiment zusammensuchen - und jeder Erwerb kommt mit einer kleinen Geschichte wo man es sich wie erworben hat. (Übrigens habe ich meinen ersten Satz Silberbesteck beim Pfandleiher gekauft und nur den damals sehr niedrigen Silberwert bezahlt)

0 HansMeier555 31.03.2010, 16:53 Uhr

Liebes...

Liebes Foersterliesl, vielleicht verraten Sie uns die Adresse? Oder sind Sie da selbst am 10. November 89 hingeduest und haben nachts die boehmische Heimaterde durchgebuddelt?

Foersterliesel 14.17h Ein...

Foersterliesel 14.17h Ein Schüssel muss als vide poche dienen - ach, zu Schade. Sie haben sicher bessere Zeiten erlebt. Où sont les neiges d'antan? Hier: http://www.christies.com/LotFinder/lot_details.aspx?intObjectID=4969579 @ Justin Thynne. Sie war bei dem ex-Top-Butler Ivor Spencer, nehme ich an. Doch, imo, muss ein angehender (would-be) Butler auch eine 3-jährige Lehre durchmachen, zunächst als Footman (nach dem Motto: "Zunächst dienen, erst später verdienen"). Do you have a tantalus? With a key?

An alle: Vorsicht! Morgen...

An alle: Vorsicht! Morgen ist der 1. April!

0 donalphonso 31.03.2010, 17:45 Uhr

Dann schreibe ich, dass ich...

Dann schreibe ich, dass ich eine Festanstellung als Web2.0-Evangelist suche, und Billigdöner esse.

0 HansMeier555 31.03.2010, 18:02 Uhr

Schreiben Sie lieber, daß Sie...

Schreiben Sie lieber, daß Sie sich vorgenommen haben, einen Monat lang ohne die Wörter "Döner", "Gosse", "Twitter"; "Berlin" auszukommen.

0 Foersterliesel 31.03.2010, 18:36 Uhr

oh, Fionn, wie lieb, daß Sie...

oh, Fionn, wie lieb, daß Sie sich die Mühe gemacht haben das herauszusuchen! Ja, Jugendstilglas ist fürchterlich überteuert! Ähnliches (in blau) gibts im shop des NY MOMA. Das ist mein vide poches im Bad. lieber Hans Meier, Böhmen ist durchgebuddelt und ausgeraubt bis auf den letzten Kirchenleuchter.

0 Justin Thynne 31.03.2010, 18:42 Uhr

@ fionn 14:17: certainly, but...

@ fionn 14:17: certainly, but only a small one with six carafes, made for or bought by a Thomas Smythe in 1826. But I always leave it locked to prevent any casualties. Übigens gab es in den großen Häusern die Abfolge Footman, Under Butler, Butler. Und es war tatsächlich bei Ivor Spencer, der auch ein wunderbarer Toastmaster ist. Irgendwann hat er übrigens einen MBE und leider ist er - glaube ich - im letzten Jahr verstorben. www.ivorspencer.com

0 Justin Thynne 31.03.2010, 18:44 Uhr

Liebe Foersterliesel, ich habe...

Liebe Foersterliesel, ich habe die junge Dame nicht ganz aus den Augen verloren und bin froh, dass sie ihren Ehevertrag mit einem anderen Herrn gleichen Hintergrundes geschlossen hat. Und für die Verträge, da haben wir einen fuenfundsiebzigjaehrigen Anwalt alter Schule, dem wir gerne vertrauen.

0 HansMeier555 31.03.2010, 19:00 Uhr

Liebes Foersterliesl, das ist...

Liebes Foersterliesl, das ist schade, wollte mich grad auf den Weg machen. Aber es gibt ja noch die Insel.

@Tiger und Don Ferrando: Die...

@Tiger und Don Ferrando: Die Ratschläge sind ja wirklich nett gemeint, aber zwei Vollzeit arbeitende Menschen wie mein Mann und ich (und wenns denn bei 40 Stunden in der Woche bliebe wäre es schön), die schon genervt genug davon sind die Wohnung selber putzen zu müssen und selber kochen zu müssen wollen das bischen Freizeit nicht noch mit Handabwaschen von Silber und Goldrandgeschirr verbringen. Mir ist es (im Moment) wichtiger, jeden Tag eine Stunde zu musizieren, ab und zu Sport zu treiben und abends ein gutes Buch lesen zu können als auch noch das Geschirr selber zu spülen... Das mit dem Silber und dem Goldrandgeschirr muss warten bis wir entweder reich genug für Personal oder Teilzeitarbeit sind.

0 Der Tiger 31.03.2010, 19:51 Uhr

Don: ...Und nach Lourdes...

Don: ...Und nach Lourdes pilgern? Santiago de Compostella wäre vielleicht noch besser, das hat eine längere Geschichte.

Freheit=Verzicht...

Freheit=Verzicht

Achso, man kann es auch besser...

Achso, man kann es auch besser sagen: Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit.

0 donalphonso 31.03.2010, 21:19 Uhr

Filou, das wäre ein schönes...

Filou, das wäre ein schönes Motto für den kommenden Beitrag. da geht es nämlich um Leute, die einfach nur kassieren wollen, und auf Notwendiglkeiten verzichten.

Ja, und diese Leute sind das...

Ja, und diese Leute sind das Opfer ihrer Begierden. Aber selbst bei Frauen soll man es nicht uebertreiben.

0 Don Alfredo 01.04.2010, 00:14 Uhr

@ Justin Thynne 03:22 h Eine...

@ Justin Thynne 03:22 h Eine bedenkliche Entwicklung. Wird sie nicht gestoppt und zum Positiven gewendet, werden die Eliten das Land früher oder später verlassen. @ fionn 10:20 h No hay olla tan fea que no encuentre su cobertera. Duele, pero encontra otra persona. Chicas como ella hay de sobra. ¿No cierto?

0 Der Tiger 01.04.2010, 02:13 Uhr

Filou: Bei Männern auch...

Filou: Bei Männern auch nicht!

0 clea walford 01.04.2010, 08:23 Uhr

um nochmal auf die Umstände...

um nochmal auf die Umstände zu kommen (also ca. 300 Kommentare weiter oben), so finde ich ein gezieltes understatement bei Besuchern auch ganz gut. Beispielsweise, kann man 2 Käse auftischen und wenn der Gast dann da ist, nebenbei bemerken, dass man noch 5 weitere Käsesorten im Kühlschrank hat, die man dann schnell dazuholt. Wichtig ist nur, alles so gut vorbereitet zu haben, dass der Gast nicht ständig allein am Tisch sitzt, während man selbst immer wieder losrennt und emsig in der Küche herumpütschert (was mir häufig passiert)

Jeder so, wie er kann. D....

Jeder so, wie er kann. D. Afonso, sie können das anscheinend ganz gut, das Bewirten. Ich wäre als Gast aus ganz gewöhnlichen Kreisen vielleicht ein bisschen unsicher über die rechte Etikette mit all dem Besteck, aber man kann ja fragen. Dafür muß bei Ihnen aber auch ganz sicher niemand, der zu Besuch kommt, die Schuhe ausziehen, wie das hier in Berlin-Mitte (ok, nicken Sie ruhig vielsagend mit dem Kopf) in meinen "modernen" alternativ-angehauchten Neo-Spießer-Kreisen so Unsitte ist. Insofern darf es dann doch lieber etwas großzügiger sein, und sollte mir mal ein "keine Umstände bitte" rausrutschen, dann ist das nur ein sich für Höflichkeit haltender Rest von anerzogener falscher Bescheidenheit und überhaupt nicht als Aufforderung gemeint ;)

Ms. Walford, Käse frisch aus...

Ms. Walford, Käse frisch aus dem Kühlschrank? Danke, aber das ist wirklich nicht nötig!

0 clea walford 02.04.2010, 12:44 Uhr

Mr. Louis XV, pardon! Da muss...

Mr. Louis XV, pardon! Da muss ich ihnen vollkommen recht geben.

0 Gastgeberin 13.04.2010, 04:09 Uhr

Justin Thynne: Wenn Ihr...

Justin Thynne: Wenn Ihr Kommentar keine Satire ist, dann ist er sehr unhoeflich von Ihnen, diese Geschichte zu erzaehlen und Ihre innere Einstellung ist einfacher gestrickt als ein Plastikbecher mit Muesli. Die echte Anmut fehlt Ihnen, das koennen Sie auch nicht mit einem Silbertablett oder Porsche kaschieren. Abgesehen davon, fuer mich ist die groesste Beleidigung das Fehlen von Intelligenz, und Maennlichkeit, sogenannte "balls". Dann findet sich alles weitere.

0 JorgeLoma 28.04.2010, 08:37 Uhr

Dieser Blog ist einer der...

Dieser Blog ist einer der amüsantesten außer des Dons vorigen! Gelegentlich halte ich ein Anekdötlein aus grauer Vorzeit und eines aus der Jetztzeit zum "besten": Hier der Besuch der alten Patentante: Meiner Mutter peinsame Appellhofvisitation von Kopf bis Fuß: "Scheitel? Krawatte? Fingernägel? Schuhe?" Die Patentante klingelt; ich - lange ihrer hinter der Haustür harrend - lasse mir eine Anstandsminute Zeit: Diener! Die Rechte! Handkusshauch! Hackenzusammenschlagen!"Guten Tag, liebe Tante A"! - In der "guten S-tube". Tantchen: "Nun, mein Lieber, welche Fortschritte macht dein Klavierspiel?" Ich: "Danke, liebe Tante, es geht"! Geduldig erträgt sie mein "Elisen"-Geholper. Dann: "Aber nicht doch so, mein Lieber" und rauscht fladrougig zu und in den Tasten und summt schon ein wenig zittrig, doch festen Anschlags: "dadadadadaa, dadadadaa,dadadadaa". - "Ja, liebe Tante"! Sie streckt mir das eiskalte Handchen entgegen. Ich: Diener! Die Rechte! Handkusshauch! Hacken...! 5 Reichs(!)mark: "Für deine Sparkasse"! Ich: sie immer mit dankbaren Hundeaugen anblickend rückwärtsstolpernd zur Tür hinaus. Sie: "Der Junge muss aber noch viiiel s-tudieren". Dann - meine Beobachtung durchs Schlüsselloch - reicht sich Tante A. mit der Linken die Sammeltasse vor das gespitzte Mündchen, den Henkel zwischen Daumen und Mittelfinger, mit abgespreiztem kleinen Finger, flötend: "Ach, wie aromadisch!" der Blümchenkaffee, wie die Leipzigerinnen sagen, wenn man das Blümchen auf dem Tassengrund erkannte. Wie sie das Kuchengäbelchen handhabte? > Bei meiner Oma in der .... Stadt südlich Regensburgs: Hafen/ Häferl mit am Milli/Müichkoffee und am Zopf neibrockt am 3mFamilientisch in der Wohnkuchel, Blick durch den Christusdorn bis zu den Domkirchtürmen. Oma war die frauliche Wärme in persona. Sie wäre so gern Lehrerin geworden- sie kannte die ganze "Glocke" auswendig, schwäbelnd wie der Dichter. Heute, mittwochvormittags beim jour fixe im Garten: Cafe au lait, Zopf, austra- lische Butter, Oaxaca-Käse und Dickinsons Mermelada de Naranja auf Terrakotta vom Markt, dann ein + Cigaretito und allerlei Geplauder, bei Vermögen im Stil des Don. Mein Freund aus Birno bei Dräsen war und ist eine schweykscheExistenz. Vor dem Jahre 0 tat er Strammdienst incl.Stechschritt an der Neuen Wache. Zufällig habe ich ein Foto aus dieserZeit. > U

0 JorgeLoma 28.04.2010, 15:48 Uhr

(Nach Beseitigung eines...

(Nach Beseitigung eines Virus) Dieser Freund versah seinen Dienst uf Sägssch (dunkelschwarzer Witz um die Ecke), erkennbar, wenn man ihn und das Foto in längeren Augenschein nimmt. Wie bei Freunden selbstverständlich ohne lange Verständigung greifen alle Handreichungen zahnradartig Hand in Hand, und man verschleudert keine kostbare Zeit durch unnütze Komplimenterln. So plaudern wir dahin, wies gerade kommt und geht. Trifft unvorhergesehen noch ein weiterer Gast ein, schnurrt alles ohne Aufhebens so wie bisher heiter weiter. > Den gelegentlichen Abendessen eignet keinerlei Zeremoniosität. Ob Meissen (metaphorisch) oder Marktterrakotta - man kennt seine Gäste und sie uns. Alle arbeiten in verantwortlichen Positionen - auch meist sonnabends. Der Servicio kennt seine pappenheimerischen "Gringos". Gespeis und -tränk sind detailliert abgesprochen, und es wird mit 2-3 Kellnern und -schirr und -gläser je nach Art der abgestimmten Gäste diniert oder -speist oder -gessen, je nach Landesküchen auch gemischt und -plauder. Mit Abräumen hat man nichts am Hut, und die Küche sieht am Ende aus wie geleckt. Mir fällt auf, dass im Blog (fast) nie über das Ambiente: Beleuchtung, Musik etc. gesprochen wird. Wie halten Sies damit? Bach oder Beatles? Mozart oder Mariachis? Gelegentlich greift aber auch einer der Gäste zur Gitarre und zupft uns eine Tafelmusik. > Mit gewissen Sorten Leute (wie auch hier gehabt) mögen wir nicht verkehren und das Haus teilen, auch nicht pflichtgemäß. Wir haben schon geerbt. Nun denn!

0 JorgeLoma 05.05.2010, 06:00 Uhr

@Justin Thynne,...

@Justin Thynne, 31.04.2010 Tja, wer Deutscher/e will sich noch als Hauspersonal "verdingen"? Aber wir haben doch unsere "Dinge" aus den Gebieten im Osten: Polinnen etc., Asiatinnen etc. Die müssten froh sein, dass sie überhaupt Kultur lernen! Eine OStDir berichtete mir eines Tages, dass sie ihre Aushilfe dabei "erwischte", dass Besagte Chopins Preludes konzertreif vor sich hinspielte. Trotz alledem bleibt immer noch die Frage: "Aber: Sind die auch ehrlich? > Hier im Entwicklungsland Wilder Westen vertraue ich meinen beiden Muchachas problemlos mein Haus mit vielen schönen Dingen an. Allerdings werden sie auch von Mund zu Mund weiterempfohlen. Man verhindert evtl. Diebstähle, indem man sie anständig bezahlt, einen immer mal entstehenden kleinen Schaden nicht abrechnet, sie nicht unbedingt duzt und ihnen ihre Frühstückspause einräumt. Ihnen überhaupt zuhört. Señora Rocio trällert von morgens bis abends. Als sie dabei einen schweren Unfall hatte und für ein par Tage ins Krankenhaus musste, schmuggelte ich sie in meine private Krankenversicherung. Señora Rebeca zerschmiss eine wunderschoene Vase, ein Erbstueck. Ni modo! Hier überlässt man einem Muchacho auch seinen Einkaufswagen. Er wird ihn unbestohlen zum Auto bringen. Aus der Gegend von Worms kenne ich eine demente alte Dame, die ihren beiden Polen ihre Kostbarkeiten, die museumswert sind, anvertraut - seit Jahren. > Dienstmädchen - auch aus den weiten Steppen Asiens, die gleich hinter der Elbe sich erstrecken - versuchte eine Dame früherer guter Gesellschaft, indem sie ein Goldmarkstück "versehentlich" irgendwo vergaß. Landpomeranzen fielen nur einmal darauf herein. In Indien weist ein cook-bearer ein Empfehlungsschreiben/ Zeugnis vor. Da gibt es auch einige "soziale" Leistungen wie ein servants quarter, Dienstkleidung, eine Pritsche und einen Kerosinkocher. Meinem Mohammed gab ich meine Lebensmittelmarken. Er hatte auch seine Freistunden, was ihm aber nicht gut bekam, weil er dergleichen nicht gewohnt war und mir das als Schwäche anrechnete. Leider musste ich ihm am 1.Mai (!) kündigen. Er hatte für die anderen bearers oben auf dem Dach eine Spielhölle eingerichtet. Schade! Und ohne Zeugnis? Hätte ich seine Cleverness nicht aus Ironie "belohnen" müssen? > Merke: Auch dergleichen Dienstpersonal, Scheuerfrauen, Fu'bodenkosme-tikerinnen, Aushilfen, Perlen, Bonnen etc. haben ihren - vielleicht auch nicht unseren oder den von Frau Doktor - Codex moralis. Aber immer? Geld kann auch ehrlich machen. > Nachsatz: Ueber mannigfaltigste Essmanieren in aller Welt: Gibt es dazu nichts zu berichten? Das waere doch mal einen Reisefuehrer wert! Was mache ich als Europaeerlein, wenn mein Gastgeber waehrend der Mahlzeit genuesslich schmatzt und danach wohlig ruelpst oder etwa die linke Hand unterm Tisch "schamhaft"versteckt oder sich die Raschogullos mit zierlichem Schwung in den Mund winkt? Eine echte Dame aus (vielleicht) hoeherer Provenienz nippt ihren Bluemchenmuckefuck abgespreizten kleinen Fingers und gespitzter Lippen, nachdem sie hineingehaucht hatte, - auch meine reale Kunstfigur, Frau Prof.Dr. oder Frau Geheimraetin von und zu mit Gattentitel (gern auch auf Grabsteinen auf Gottesaeckern). > Yum heiteren Abschluss: "Hier ruht da Pater Beni./ Bsessen hat er weni:/ An Masskrug und a Kruzifix/ - sonst nix." (Salzburg).

ist eine Kunstfigur, die seinem Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist.