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Wiedersehen mit dem Westviertel

15.04.2010, 15:49 Uhr  ·  Irgendwann hört man auf, die eigenen Bücher zu zählen. Es spielt keine Rolle mehr. Was aber sehr wohl eine Rolle, eine schlimme Rolle spielt, ist der Verlust eines Buches in diesen Bücherbergen, das einem einst alles, jede Hoffnung und auch das Leben gab. Deshalb habe ich einen eigenen Platz für diese paar wenigen Bücher, die mir wirklich alles bedeuten. Und am liebsten ist mir vielleicht brideshead revisited von Evelyn Waugh.

Von

I warned you expressly and in great detail about the Flyte family. Charm is the great English blight. It does not exist outside these damp islands. It spots and kills anything it touches. It kills love, it kills art; I greatly fear, my dear Charles, it has killed you.
Anthony Blanche in Brideshead revisited von Evelyn Waugh

Die Sache mit der Landpartie imponierte uns mit am meisten.

Es gab damals, Ende der 80er Jahre am Gymnasium der kleinen, dummen Stadt an der Donau unter den Kindern der gebildeten Schichten ein paar Buchmoden: Gabriel Garcia Marquez, Cocteau, auch Brecht und Oscar Wilde. Es gab – das war allerdings schon gegenüber dem Direktor im Unterricht schwer durchzusetzen, weil von einem Schwulen geschrieben und Schülerselbstmord behandelnd – die Falschmünzer von Andre Gide. Und es gab “Brideshead revisited” von Evelyn Waugh. Es war, als hätte jemand die verdreckten Fenster aufgestossen, und uns das Licht, die Sonne und das Leben gezeigt. Es war das letzte Schuljahr, die Zukunft lag irgendwie vor und die Irrationalitäten des Westviertels hinter uns, und hier nun bekamen wir ein Buch über unsere Kreise in die Hand, wie es weiter gehen sollte, konnte, vielleicht würde, ein irisierender, verstörender und sehr schöner Reigen an Leben, das Machbare und das Schlimme all dessen, was nach der Jugend kommen wird.

Evelyn Waugh hat Brideshead während des zweiten Weltkrieges während eines Aufenthalts im Lazarett geschrieben, und führte später mit entschuldigend die Opulenz des satten Lebens auf den Umstand zurück, dass es zu dieser Zeit nur karge Rationen gab. Ungeachtet dessen waren wir fasziniert vom ausgelassenen Leben des Erzählers Charles Ryder in Oxford, von seinem liebenswerten und gleichzeitig fragilen Freund Sebastian Flyte und ihrem Gegenstück, dem unmöglichen und schillernden Anthony Blanche, und so fingen wir an, kleine Fragmente in unser Leben zu übernehmen. Die vielleicht schönste Stelle ist eine Ausfahrt mit den Erdbeeren, die Sebastian Flyte von seiner Mutter aus deren Schloss geschickt bekommt. Es ist alles so friedlich, so amüsant, so frei und geistreich. So in etwa wollten wir auch sein. Ein klein wenig.

Bild zu: Wiedersehen mit dem Westviertel

Wer das Buch kennt, weiss, dass die Früchte vergiftet sind. Vergiftet mit dem Schicksal der Familie von Sebastian, Angehörige des englischen Adels, die sich in ihrer Gegenwart der 20er Jahre nicht zurecht finden. Die Verhältnisse sind reich, mitunter sehr charmant, aber auch falsch und zerrüttet: Der Vater, Marquess of Marchmain, ist seiner bigotten Frau entflohen und lebt mit seiner Geliebten in Venedig. Die Geschwister von Sebastian sind, vorsichtig gesagt, schwierig: Der Erbe des Titels ist ein verhätscheltes Söhnchen, und seine Schwestern schlagen über die Stränge. Julia, die später die grosse und gescheiterte Liebe des Erzählers werden wird, lässt sich ohne viel Nachdenken mit einem ungebildeten Ekel ein, während ihre Schwester Cordelia zur Frömmlerin wird. Die Personen kommen im Verlauf der Geschichte immer wieder in unterschiedlichen Konstellationen zusammen, bis sie sich selbst und die anderen verloren haben. Über die 20 Jahre der Erzählung hinweg stirbt die bessere, englische Gesellschaft einen quälenden, langsamen Tod.

Dieser Tod jedoch ist grandios und voller Witz und Charme beschrieben, wie es Waugh stets meisterhaft beherrschte, all das Bittere und sogar das Schlimmste, das Herabsinken der liebenswerten Symbolfigur Sebastian zum kaputten Alkoholiker ist darin sanft eingebettet, so sanft, dass man es trotzdem geniessen kann, wenn man 18 ist, das Leben noch keine echten Sorgen bereit gehalten hat, und die einzige echte Frage, die man sich stellen muss, sich um den Studienort für irgendein sinnloses, aber amüsantes und mit Nachtleben verknüpfbares Fach dreht, oder auch zwei, oder auch drei, es eilte ja nicht, und solange fuhren wir hinaus in die Wälder um das Westviertel, kleideten uns hübsch ländlich, nahmen Erdbeeren, Wachteleier, Baguette und Champagner mit, und nannten unsere Teddybären Aloysius. Wir hatten unsere Leitbilder gefunden.

Bild zu: Wiedersehen mit dem Westviertel

Leider fand bei der Gelegenheit auch deren Schicksal uns, nicht einsehend, dass es mit den guten Seiten der besseren Kinder genug sei. Mit aller Macht legte sich die Welt in die Lebenswege, und es dauerte nicht lang, da lebte der erste Sebastian Flyte mehr nach, als uns lieb sein konnte: Alle Gaben und Vorzüge der Familie konnten das Mädchen, das er sich erwählt hatte, nicht an seiner Seite halten, und weil er bis dahin immer alles von seinen Eltern bekommen hatten, mussten sie nun dafür büssen, dass sie ihm die Eine nicht geben konnten. Er begann zu trinken, wurde rabiat, rannte nach dem zweiten Tag aus der Kaserne weg, wo er seinen Wehrdienst hätte ableisten sollen, und wurde in die Psychiatrie gesteckt, damit es nicht auf Fahnenflucht hinauslief.

Man sagt, die schlimmste Zeit mit Kindern sei die Pubertät, aber damals waren wir noch folgsam und angepasst. Die grossen Brüche im Lebensweg kamen nach dem Abitur und den Möglichkeiten, die man erhielt. Da war der Junge, der mit Freunden auf einer winterlichen Party war, und sich in deren Auto auf dem Heimweg übergab. Sie warfen ihn vor dem Haus seiner Eltern aus dem Wagen, wo er hinter einem Wagen stürzte und erfror, einfach so. Mein Freund schaffte es mit vielen Rückschlägen wieder aus der Psychiatrie heraus, begann sein vorgesehenes Medizinstudium, fand eine neue Freundin aus besserem Hause, die eines Nachts absichtlich ihren Wagen in den Strassengraben steuerte. Die Apothekerstöchter, die allen gefallen hätten, heirateten scheinbar biedere Männer aus nicht passenden Schichten, die sich danach als rabiat und brutal erwiesen. Wir waren jung, schön, reich, und zu oft auf Beerdigungen, oder auf Intensivstationen, und wussten nicht, ob unsere Freunde die Nacht mit der Dosis überleben würden. Man kann es nicht erklären, warum Menschen, mit allen, wirklich allen Möglichkeiten dieser Erde ausgestattet, Angehörige einer winzig kleinen Schicht auf diesem Planeten des Elends und der Armut, einfach auf ein Baugerüst steigen und herunterspringen. Es ist so. Und es war damals auf eine perverse Art schick, so wie 10 Jahre später schlitzen in Mode kam.

Bild zu: Wiedersehen mit dem Westviertel

Es war nicht so, dass man eine Seite umgeblättert hat, und das nächste, dort beschriebene Unheil brach herein. Das Schöne an Brideshead revisited ist seine Rahmenhandlung, in der deutlich wird, dass Charles Ryder davongekommen ist, sicher mit Verletzungen und sehr viel Trauer, aber er hat es überstanden. Das Buch erzählte uns in diesen schwarzen Tagen zwischen dem Abitur und dem alle Bindungen aufbrechenden Studienalltag nicht nur vom Niedergang unserer eigenen, heilen Welt, sondern vor allem, wie man es das verarbeitet, was man nicht versteht und auch nicht verstehen kann, weil es die ersten 18 Jahre des Lebens mit aller Kraft von einem fern gehalten wurde. Die resignierende Erkenntnis, dass einem vielleicht später jedes Glück versagt bleibt, und alle fest gefügten Strukturen brechen werden, weil die Zeiten sich ändern und die Optionen andere Wege erlauben; die Einsicht, dass es keine Sicherheit in dieser sehr anderen Welt geben wird; das alles mag vielleicht banal erscheinen, aber es ist ein wichtiger Schritt auf einem Lebensweg, dessen Gewissheiten sich damals sehr schnell in einem dunklen Nebel verloren. 

Das Buch verzichtet darauf, tiefergreifende Erklärungen für das selbstzerstörende Verhalten der Protagonisten zu liefern. Sie sind durch ihre Herkunft definiert, sie können nicht anders, sie machen Fehler, werden dafür in einer sehr katholischen Manier bestraft, und richten sich selbst, jeder auf seine eigene, individuelle Art zugrunde. Das Buch verkündet sehr lakonisch das “Tu, der Du eintrittst, alle Hoffnung ab”, das über dem Höllentor stehen soll, und hält sich nicht mit den Fragen, den immer wiederkehrenden Fragen nach dem Warum auf. Man konnte sich in jenen Tagen nur an dieser Frage, dem ewigen und nicht beantwortbaren Warum aufhängen, es perpetuieren und daran selbst zugrunde gehen. Die Figur des Charles Ryder aber zeigte, wie man über diese Frage resignierend hinweg kommen konnte, ohne daran innerlich zu zerbrechen.

Bild zu: Wiedersehen mit dem Westviertel

Irgendwann hörte das alles auf. Manche waren tot, manche hatten es nicht einmal in Briefen erklärt, aber für die Überlebenden kamen andere Orte und andere Menschen, die von diesen Tagen, den Ruhigstellern und den Telefonen am Stationstor nichts wussten, und bei denen man neu anfangen konnte. Irgendwann konnte man auch wieder in Urlaub fahren, einfach so über die Berge mit den Rennrädern und Brettern, ohne jemanden neben sich zu haben, der aus einer Station ausgebüchst war und einem keine andere Wahl liess, man musste niemandem mehr die Rasiermesser wegnehmen und alle Medikamente verräumen. Die Freundschaften sind erst später daran zerbrochen, man hatte zusammen zu viel erlebt und gesehen, man wurde zu einem Teil der Erinnerung an Zeiten, von denen sie nichts mehr wissen wollten.

Aber auch damit lernt man umzugehen, wenn man die Erinnerungen von Charles Ryder an Brideshead gelesen hat. Fast 70 Jahre ist dieses Buch nun alt, das den Untergang der britischen Oberschicht beschreibt, aber es half in den Westvierteln der frühen 90er Jahren immer noch, weil es ein universelles Buch nicht über seine Zeit, sondern über jede Klassengesellschaft ist, die sich im Umbruch befindet. Es ist, im Gegensatz zu den Eltern, mit diesen Erlebnissen nicht überfordert. Jeder in dieser Schicht sollte es mit 18 Jahren gelesen haben.

Wenn es wider Erwarten doch gut geht, lernt man allenfalls Picnics schätzen, und nennt seinen Teddy Aloysius. Es könnte schlimmer kommen.

 

Veröffentlicht unter: Elite, Tradition, Aufzucht, Reichtum, Erben, Tod, UK

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (245)
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0 Franz von Hahn 15.04.2010, 16:36 Uhr

Landleben ist nach meinem...

Landleben ist nach meinem Empfinden schonmal ein gutes Gegenmittel gegen einige Verirrungen. Die Erfriergefahr ist zwar größer, da die Heimwege länger und leerer sind, aber vieles andere unangenhme bleibt dem Sprößling erspart. Mit den Jahren kristalisiert sich dennoch die Erkenntnis heraus, dass erstaunlich viele auf der Strecke bleiben und das Mäßigung und solides Verharren zwar nicht sonderlich spannend sind, man aber alles andere auch irgendwann bereut...

0 HansMeier555 15.04.2010, 16:38 Uhr

Mir hat auch mal ein Mensch...

Mir hat auch mal ein Mensch unter 40 erzählt, dass von seinen Klassenkameraden nur noch die Hälfte am Leben sei. Aber der kommt aus St. Petersburg, und dort nicht aus dem Westviertel. . http://www.youtube.com/watch?v=8dYod_mqn44&feature=related . Vor einigen Monaten hatten Sie einen Beitrag mit der Bemerkung geschlossen, Ihre Generation seien glimpflich davongekommen. Keine tödliche Drogensucht, keine Selbstmord mit 28. Jetzt hört sich das irgendwie anders an.

0 donalphonso 15.04.2010, 16:43 Uhr

Bitte, Stephen, gern...

Bitte, Stephen, gern geschehen. . Franz von Hahn, das wäre so eine Streitfrage; ich höre jedenfalls auch aus festen Systemen wenig feste Geschichten.

0 donalphonso 15.04.2010, 16:49 Uhr

HansMeier555, es gab ein paar...

HansMeier555, es gab ein paar düstere Monate zwischen Abitur und Studienbeginn. In meinem diekten Umfeld ging das alles einigermassen glimpflich aus, aber je weiter man wegging, desto mehr passierte. Zwei Jahre nach meiner Zwischenzeit gab es an einer bestimmten Schule eine ganze Abfolge von Selbstmorden. Und bei ein paar Fällen steht man davor und weiss einfach nicht, wie es kommen konnte. . Drogensucht hatten wir einfach nicht, das war in bayern nicht möglich. Aber wie gesagt, es gab diese holprigen Monate.

0 HansMeier555 15.04.2010, 17:01 Uhr

"Drogensucht hatten wir...

"Drogensucht hatten wir einfach nicht, das war in bayern nicht möglich." . Doch. Mit Hilfe der Apothekerstöchter. [...]

0 sehrvorstadtprolet 15.04.2010, 17:04 Uhr

@ F. von Hahn Die illusionen...

@ F. von Hahn Die illusionen vom heile Welt-Landleben muss ich ihnen leider nehmen. stamme aus einer sehr ländlichen, sehr konservativen und noch katholischeren Gegend. Hier holt eine größere Volkspartei auf den Dörfern noch über 90% und muss dafür nichtmal steuernd eingreifen. . Größere Städte lassen sich mit den Auto nicht unter einer Stunde erreichen, man ist also im Zentrum von nirgendwo. nur kleine dumme städte, die gibt es auch hier, mit apothekertöchtern und fabrikbesitzerkindern. . Das hält die Jugend (ebenfalls bevorzugt die mit 17 und mehr Lenzen) nicht davon ab sich ähnlich selbstzerstörerisch zu verhalten. die Tristesse wird in der überwiegenden Zahl der Fälle im Alkohol ertränkt. In der folge leidet entweder die Leber, der baum vor den man fährt oder der Lack des Autos vor das man stolpert. . Wer es sportlich mag, schlägt sich (egal wie gut erzogen man am sonntag in der kirche erscheinen mag) und wenn man älter wird, kann man immer noch frau und kinder hauen . die progressiveren der sprößlinge, lehnen den alkohol zwar überwiegend ab, aber es gibt ja noch andere Wege sich mit dem Label "Substanzmissbrauch" zu schmücken. Bekommen kann man alles, bezahlen konnte man das meiste.. . Ritzen ist ürbigens auch schon wieder außer Mode, heute kotzt auch der behütete junge Herr, was das Mittagessen hergeben hat. Im Kreise von gleichgesinnten Speist er heute schon wieder deutlich besser, tuschelt man. Manchmal hört man seine Knochen klappern wenn er Freigang hat ... . Insgesamt dürfte die Ausfallrate aber nicht höher als 20% sein. gut, über vieles redet man auch nicht ...

0 BertholdIV 15.04.2010, 17:09 Uhr

Ich hatte damals eine...

Ich hatte damals eine Verfilmung in der ARD gesehen. Ist das nicht das Buch bei dem alles einer römisch katholischen Sicht (katholisch hier nicht im Sinn allumfassend sondern katholisch wie es sich in Regensburg der 80er darstellte mit einem GV Morgenschweiss und einem Pfarrer Rudolf Graber) untergeordnet wird. Ich glaube nicht, dass man davon abstrahieren kann auch in diesem Buch. Aber wahrscheinlich ist das die Diverenz des zwangsrekatholisierten Oberpfälzers zum immer katholisch gebliebenen Ingolstädter, die das Buch als übles Machwerk oder als wertvolles literarisches Werk erscheinen lässt

Man, hab ich ein unnormales...

Man, hab ich ein unnormales Umfeld. Nur ein Selbstmord, ein tödlicher Autounfall (auf dem Rückweg aus Holland, was da wohl im Spiel war) und ein Drogenwrack (wahrscheinlich inzwischen tot). Und der Rest ist mehr oder weniger normal geblieben. Vielleicht nützt es, wenn man ins Fußballstadion geht und sich dort die anschaut, die den Abstieg hinter sich haben. Das schreckt ab. Oder reicht der Mangel an Geld an sich schon aus, um "normal" zu werden?

Leider sind zwei Generationen...

Leider sind zwei Generationen der Oberschicht (Grossbritanniens sowie Deutschlands) während WW1 (1914-1918) und WW2 (1939-1945) gefallen. Die Ueberlebenden blieben lebenslang traumatisiert.

egghat, fruehzeitig von der...

egghat, fruehzeitig von der platten Realitaet verpruegelt werden hilft auch.

0 Foersterliesel 15.04.2010, 17:33 Uhr

Oh ja, obwohl ich älter als...

Oh ja, obwohl ich älter als Don Alphonso bin, auch damals gabs schon Verlorengehen. Bluter bekamen Blutkonserven und starben an damals noch unerkannten Krankheiten, die junge, so glückliche, Ehefrau des einen starb ebenso schrecklich wie er. Post partum Psychosen mit Selbstmorden, Jahre auf der Couch, die geerbte Häuser kosteten und doch nur in die Psychiatrie führten. Unpassende Ehen, aus denen manche spät und andre nie herausfanden. Herumprobieren bis Mitte dreissig, als dann alle netten Männer unter Dach und Fach waren und nur noch die ganz Schwierigen und jene, die kein coming out wagten, übrig geblieben waren. Familie fliehen, Erbe ausschlagen und unfähig sein sich woanders ranzuschmeissen, denn Ranschmeissen ist ohne Stallgeruch doppelt wichtig, und dann durch den sozialen Rost fallen, ohne geübte Ellenbogen. Drogen gabs aber auch noch nicht.

fionn, und die Unterschicht...

fionn, und die Unterschicht ist unbeschaedigt geblieben.

0 BertholdIV 15.04.2010, 17:38 Uhr

Bei denen die von meiner...

Bei denen die von meiner Abiturklasse aus einem der ältesten Gymnasien Deutschlands in der Hauptstadt einer ehemals bedeutenden Region (zur Zeit unter bayerischer Verwaltung) nicht mehr leben frage ich mich, ob Sie nicht mit etwas weniger "deplazierten" Lehrern oder wenn es Sie nicht gerade zum Studium nach Regensburg verschlagen hätte, es doch "geschafft" hätten: Das kann ich fragen, wenn ich sie wieder treffe. Fazit in Bayern in den 80ern im Raum Bistum Regensburg jung zus ein und nicht wenigstens sehr reich oder sehr schwarz oder durch glückliche Wendungen "vertrieben" zu werden, in diesem Fall besser nicht geboren? Ich weiss es nicht. Wenn ich mir die Suizidraten in meiner alten Gemeinde ansehe, glaube ich auch, dass es heute nur langsam besser wird.

Hier bahnt sich ein riesiges,...

Hier bahnt sich ein riesiges, kollektives, Bad voll larmoyanten Selbstmitleids an, der Stützen und all derer, die es gern wären. My dear, da haben Sie aber den Wasserhahn aufgedreht.

Elitesse, abwarten....

Elitesse, abwarten.

0 HansMeier555 15.04.2010, 18:18 Uhr

"... es gab ein paar düstere...

"... es gab ein paar düstere Monate zwischen Abitur und Studienbeginn." . Auch das erklärt wenig. Was soll denn das für eine "Realität" gewesen sein, die der 19 bis 20jährige jeunesse argentée in den Partymonaten zwischen Mai (mündliche Prüfung) bis Juli (Einberufung) resp. Oktober (Semesterbeginn) wie Schnee aufs Haupt gefallen sein soll? . Ich z.B arbeitete damals spasseshalber erstmals in einer richtigen Fabrik. Das war für mich schon "augmented reality" der unangenehmeren Sorte, aber kein Grund zum Selbstmord. . Traurigeres und Übleres als mit 16-17 habe ich auch später nie mehr erlebt.

0 donalphonso 15.04.2010, 18:22 Uhr

HansMeier555, was den handel...

HansMeier555, was den handel mit Drogen angeht: Da kannten Sie unsere besseren Töchter nicht. Beim 18. Geburtstag von I.D. passten die Eltern auf, dass nie mehr als 1/3 Sekt im Orangensaft war. . Elitesse, ich hätte ja auch noch andere Körpersäfte zum stimulieren, Blut, Schweiss, Galle und dann noch jene von Videoseiten wohlbekannte weisse Flüssigkeit - womit kann ich ersatzweise dienen?

0 donalphonso 15.04.2010, 18:25 Uhr

sehrvorstadtprolet, das mit...

sehrvorstadtprolet, das mit der betrunkenen Raserei ist allerdings sehr richtig. Für Jugendliche ist das Dorf eher nicht so toll - sas merkte man bei uns auch auf dem Rennrad, in B. bewarfen sie einen oft mit Steinen, in jenen Tagen. . BertholdIV, so kann man das sicher nicht sagen; hätte ich später die Analysen nicht gelesen, hätte ich es nicht gemerkt. Und zu den Ultrakatholiken kommt in dem Buch ja auch keine Gnade. Ich bin übrigens auch Agnostiker, wenn auch ein bayerisch-barocker.

0 HansMeier555 15.04.2010, 18:29 Uhr

Ich bin selber eine...

Ich bin selber eine Apothekerstochter und am meisten gesoffen haben wir immer auf Familienfesten ("70. Geburtstag von Onkel Willi"). Klassenkameraden waren da aber keine dabei. . Heute wird mir von jungen Erwachsenen zugetragen, daß sie fluchtartig das Weite suchen, wenn sie hören, daß am anderen Ende der Partyzone irgendwo grade ein Joint gedreht wurde.

Derlei Details wollen wir den...

Derlei Details wollen wir den lieben Lesern doch ersparen, das machen wir entre nous.

0 steelydan 15.04.2010, 18:38 Uhr

@elitesse Gnädigste, das ist...

@elitesse Gnädigste, das ist ein Fall für den plumber respektive den Wasser-Dienstleister: Der Don hat keinen Hahn aufgedreht, sondern ein verkalktes Rohr ist gebrochen. Gut, dass er so viele Kannen hat, um den Schaden zu begrenzen.

Werter Don, vielen Dank für...

Werter Don, vielen Dank für diesen Artikel, dieses Phänomen hat mich auch immer verwundert, ich war in jungen Jahren auf diversen Beerdigungen von völlig sinnlos gestorbenen Freunden und Freundinnen, insbesondere die Selbstmorde waren damals wirklich sehr verstörend. Gestern hat man mit dem Freund zusammen noch zusammen gesoffen und bessere Töchter verführt, am nächsten Tag kommt der Anruf, immer verbunden mit der Frage: Du kanntest ihn doch, hast du nichts gemerkt? - Nein, habe ich nicht, wahrscheinlich wollte man damals auch nichts merken, weil einem immer bewußt war, dass vielleicht auch im eigenen Leben irgendetwas fehlt. Bei uns waren es aber auch nur legale Drogen, Alkohol in Massen, aber nichts Illegales, Haschisch war für Hippies und für Kokain waren wir zu feige. Einen bleibenden Eindruck hat dies aber doch hinterlassen.... Schönen Gruß aus dem Norden, Moritz

0 HansMeier555 15.04.2010, 18:41 Uhr

(Das war ein erfundener Witz.)...

(Das war ein erfundener Witz.)

0 Don Ferrando 15.04.2010, 18:41 Uhr

"Drogensucht hatten wir...

"Drogensucht hatten wir einfach nicht, das war in Bayern nicht möglich." . Drogenkonsum allerdings schon sehr; und zwar bis ins letzte Kaff. auf dem Schulkloo! Jedenfalls in den siebzigern!

0 donalphonso 15.04.2010, 18:55 Uhr

Das wäre bei uns nicht...

Das wäre bei uns nicht gegangen. Wie gesagt; schon die Lektüre von Gide musste abgenickt werden! . Moritz, bitte, Alkohol reicht ja auch schon aus, wenn man nur genug trinkt. Besonders mit der Bundeswehr setzte da ein schlechter Trend ein, aber auch davor war es nicht immer koscher. Allerdings hätte damals keiner ein paar Flaschen Wodka besorgt, wie man das wohl heute beim "Vorglühen" macht. Auch eine Art Selbstmord auf Raten.

zum Lockermachen,.ich...

zum Lockermachen,.ich probiers´s mal mit Keruac, ..dann vielleicht noch H. Miller,.. Bukowsky, Borroughs.....vor e.a. Poe, damit der Stil geschliffen wird,..für Deutsch in der Schule ..und /aber ,..wie willst du das alles nachleben Mann?..Da kannst Du Dich erschiessen!!> so jetzt wieder ordentlich;... kurzum("..daraus folgend" geht auch?!) , es kam bei uns einfach zu heftig und das war die Chance in dieser Kleinstadt im Rheinland mit der recht hohen Kriminalitätsrate, wie man sich erzählte. So etwas merkte man! Aber vielleicht, Herr Alfonso, wollten Sie etwas sagen über den Umgang miteinander; er sollte sensibler werden und dass es nicht so toll ist, wenn einer beim Klassentreffen fehlt>zunächst ´mal egal wer; 2. Kapitel:....und was für ein Erstaunen stellt sich ein für den Fortgezogenen, wenn er erfährt, wer alles "gehen durfte/musste"..mit 15, oder 20 oder 30 lebensjahren..und erst die Gründe und Ursachen! Türen gehen auf und Türen schliessen sich. Wo man selbst steht, ist oftmals nicht sicher. 3. Kapitel: Ich habe letztlich ein schönes Buch über eine ornitologische Expedition in Sibierien zur Zeit Gorbatschows gelesen, von einer Finnin geschrieben und unbedingt empfehlenswert in Handlung und Wort. Aber mit dem Nachleben wird´s da auch problematisch.. >selbst schreiben,,..machen!? Ja..aber nicht alles!

Was dem Einen der Werther, ist...

Was dem Einen der Werther, ist dem Anderen Brideshead revisited.

0 HansMeier555 15.04.2010, 19:36 Uhr

Auf meinem Gymnasium gab es...

Auf meinem Gymnasium gab es eine Ethiklehrerin, die fuhr mit ihrem Kurs in die nächstgelegene Großstadt, wo die Eleven in der Fußgängerzone die Passanten anbetteln und hinterher über diese Erfahrung schreiben sollten. . Gott was war ich froh, bei einem anderen Lehrer gelandet zu sein (einem promovierten Kant-Experten).

Ein schöner Artikel, der...

Ein schöner Artikel, der nebenbei Lust auf Analoglesen macht. Also, ich wage mal eine These: Seit den achziger Jahren hat sich die suizidträchtige Adoleszenz um 10 Jahre verschoben. Während Ihre Bekannten etwa mit 20 das Baugerüst erklammen, verabschieden sich in meinem Umfeld jetzt einige ca. 30-jährige. Wobei sich diese aber, genau betrachtet, aber seit mehr als 10 Jahren selbstmörderisch verhalten. Vielleicht gibt es hier im Norden auch nur mehr Toleranz für unerfreuliche Lebensweisen, wärend sich die jungen Bayern früher entscheiden müssen, "vernünftig" zu leben oder dieses konsequent zu beenden. Wer weiß...

0 Rosinante 15.04.2010, 19:44 Uhr

Verehrter Don Alponso, Sie...

Verehrter Don Alponso, Sie meinen es mit diesem Eintrag sicher gut, und Sie haben ja auch -wie Sie einmal mitteilten- eine diesbezügliche Auflage von Herrn Schirrmacher, aber Sie üben damit auf alle ernsthaften Kommentatoren einen sanften Zwang zur Erinnerung an eine spätpubertäre Sinnsuche und Freizeitgestaltung aus. Mich macht das Thema depressiv und ich erkläre forfait. . Nein, HansMeier555, unser Gastgeber gehörte in seiner Stadt zweifellos nicht zur jeunesse argentée. Auch die Apothekerstöchter nicht, wenn diese hübsch waren. Und was meinen Sie mit diesem soziologischen Zwitter? Etwa jene, die von ihren Eltern zum Abitur "nur" einen VW-Käfer geschenkt bekamen?

Ich hab'da mal 'ne Frage: Hat...

Ich hab'da mal 'ne Frage: Hat hier keiner elterliche Zuneigung erfahren, keine froehliche Solidaritaet unter gepressten Schuelern, womoeglich diese selbst geuebt-und sich dankbare FreundInnen gemacht?

0 Don Ferrando 15.04.2010, 20:23 Uhr

Don Alphonso, schon wieder mag...

Don Alphonso, schon wieder mag ich gar nicht glauben, dass wir im selbern Bayern zur Schule gingen und nur 70km auseinander; Sie sogar sieben Lebensjahre später und dennoch scheinbar 20 Jahre früher!.

0 HansMeier555 15.04.2010, 20:25 Uhr

Liebe Rosinante, "Goldene...

Liebe Rosinante, "Goldene Jugend" schien mir trotz allem zu hochgegriffen für eine dumme Kleinstadt in der Provinz -- selbst wenn sie sich den Goldenen Schuß gibt.

0 Don Ferrando 15.04.2010, 20:28 Uhr

zitat DA:" Ich bin übrigens...

zitat DA:" Ich bin übrigens auch Agnostiker," . Dennoch fällt in vielen Ihrer Blog Beiträge auf, wie sehr Sie im Katholizismus sozialisiert wurden und wieviel davon Ihnen anhaftet, wenn nicht gar in Ihnen steckt. Aber vileicht empfinde ich, aus einem niederländisch-reformiert geprägten Umfeld stammend, dies besonders stark!

@HansMeiner555: Sie schreiben:...

@HansMeiner555: Sie schreiben: "Auch das erklärt wenig. Was soll denn das für eine "Realität" gewesen sein, die der 19 bis 20jährige jeunesse argentée in den Partymonaten zwischen Mai (mündliche Prüfung) bis Juli (Einberufung) resp. Oktober (Semesterbeginn) wie Schnee aufs Haupt gefallen sein soll?" . Tja, schwer zu beschreiben. Ich selber hatte in den Monaten zwischen Abitur und Grundwehrdienst (trotz eines schönen Urlaubs und viel Freizeit) eine, nun ja, durchwachsene Zeit. So weit wie bei einem Freund, der am Tag 2 seines Zivildienstes total am Rad drehte und erst mal in der Geschlossenen landete, ging es bei mir nicht. Aber ich weiß von einigen, die an diese Übergangsphase auch keine allzu guten Erinnerungen haben. . Ich denke im Übrigen nicht, dass das ein spezifisches Oberschichtsproblem ist. Aber junge Frauen betrifft es anscheinend nicht im dem Ausmaß, mir wäre jedenfalls kein einziger Fall bekannt.

BRD so um 1980 war sowas von...

BRD so um 1980 war sowas von toll. Das gab's nur einmal, das kommt nie wieder. Clever und Smart und MAD.

HansMeier555 (18:38), Sie...

HansMeier555 (18:38), Sie schreiben ja seltsame Sachen. Meine Gattin kommt aus St. Petersburg/Russland und hat solch' Geschichten noch nie erzählt oder auch nur gehört. Sie hat noch immer Kontakt zu einigen aus ihrer Schule, sogar zu einer Lehrerin und hat keinerlei Nachricht, das 50% der Mitschüler tot sei. Seltsame Geschichte. Ihr "Mensch unter 40" kommt womöglich aus dem USA-Staat Florida und dem dortigen St. Petersburg?

Alles schöne...

Alles schöne Heulsusengeschichten. Wann outet sich endlich der erste, der auf einem - allein der Oberschicht vorbehaltenen - internatsähnichen Institut reformpädagogisch genotzüchtigt wurde?

0 donalphonso 15.04.2010, 21:02 Uhr

Also, ich habe da immer nur...

Also, ich habe da immer nur dunkle Sternchen gezüchtigt.

0 Cornelius 15.04.2010, 21:06 Uhr

Für mich einer der besten und...

Für mich einer der besten und zugleich wichtigsten Beiträge, weil er tief greift, wertvoll ist und bewegt. Meiner bescheidenen Ansicht nach, fehlt(e) es der Jugend, aber nicht nur der, an lebendigen, nachahmungswürdigen Vorbildern. Große Defizite der Eltern, im Familienleben, zu wenig Liebe und Menschlichkeit, Wertevermittlung, Nähe, auch geistige, lassen junge Menschen orientierungslos werden und zu Dummheiten verleiten. Die Frage nach dem Sinn des Lebens gehört zur vorpubertären Aufklärung aller Menschen, vor allem der heranwachsenden Jugend. Mir völlig unbegreiflich, warum einige Philosophen dieser Frage ausweichen bzw. unfähig sind, darauf eine allgemein verbindliche Antwort zu finden.

Vielleicht entfiel in dieser...

Vielleicht entfiel in dieser Zeit das stützende Korsett der Regeln und Beschränkungen. In Bayern, wo man sein Abi nicht mal eben zwischendurch geschenkt bekommt, sondern über Jahre hinweg sein Leben darauf fokussieren muss, stelle ich mir den plötzlichen Druckabfall danach besonders intensiv vor. Umso mehr für höhere Söhnchen und Töchter, die vor Veränderungen bisher beschützt wurden. Sogar vor solchen, die ein unverdünntes Sektglas anrichten kann.

0 sehrvorderstadtprolet 15.04.2010, 21:12 Uhr

@ filou (22:03) . na...

@ filou (22:03) . na vieleicht ist man ja noch lebendig und schreibfähig, weil die positiven Erlebnisse überwogen haben.... So wie sich das hier im überwiegenden Teil liest, wird hier ja auch nur das wiedergegeben, worüber man nicht redet, was aber doch irgendwie jeder weiß. . @ HansMeier . Die meisten der Fälle haben sich im vorfeld schon langsam (2 jahre) angekündigt. Ex post is sowas nat immer einfach festzustellen, da kann man seine persönliche Küchenspychologie voll von der Leine lassen, aber der Kristallisations scheint immer das abi gewesen zu sein. entweder kurz vorher oder knapp danach. (ob das abi nu ursächlich ist ... anderes thema) . . ihre ablehnende Haltung zur Fabrikarbeit kann ich so nicht nachvollziehen. im Vergleich zum vorhergehenden Wehrdienst waren die 6 Monate Praktikum in der Produktion eine geradezu segensreiche Erfahrung. Würde ich so nicht missen wollen. Immer wenn ich hier Bücher für meine Orchideenfächer wälze sehne ich mich zurück in Gestank und Lärm. . @ DonAlphonso . ja unsere große vaterländische Armee ist auch so ein Thema, aber bestimmt kein schönes. Liegt u.a. auch am Alkohol aber bestimmt nicht nur. . Von fliegendem Geröll bin ich auf dem Lande trotz Rennrad zwar verschont geblieben, aber wer nicht musste ging auch nicht raus aufs dorf. Die Chancen standen nicht schlecht sich doch noch einen einzufangen, wenn man zu lange an einem Ort verweilte. Da hat sich in den letzten Jahren wenig getan (wie auch in den Jahrzehnten und Jahrhunderten zuvor munkelt der Historiker) ...

@Cornelius Haben Sie eine...

@Cornelius Haben Sie eine Antwort? Ich finde, den Sinn muss jeder für sich selbst suchen. Wem das zu anstrengend ist, möge ohne glücklich werden.

...und dunkle Sternchen...

...und dunkle Sternchen züchtigen;-)

Werter Don, auch ich habe...

Werter Don, auch ich habe damals, in meiner Jugend, "Brideshead revisited" gelesen. Der Roman blieb mir als Erzählung von Unfähigen, Versagern und Verlierern im Gedächtnis. Wir wollten aber in meiner Clique von Siegern hören und davon wie man Spiele gewinnt - gerade weil wir die Zeit "... zwischen dem Abitur und dem alle Bindungen aufbrechenden Studienalltag ..." positiv empfanden, als eine Zeit der Verheissungen. . "In meinen Kreisen setzte man Kleinkinder zuweilen in Ställchen, um sie zu schützen - beließ sie aber nicht bis zum Erwachsenenalter darin." Dies habe ich Ihnen in anderem Zusammenhang am 07. Dezember 2009, 16:13 geschrieben. . In dieser Verhaltensweise, nicht nur der "besseren Kreise" mag die Ursache für die von Ihnen indirekt beschriebene Lebensangst Ihrer Zeitgenossen begründet gewesen sein. . Ich schrieb Ihnen damals auch, "wer die Mitte bestimmen will, muss die Ränder des Weges kennen" - d. h. es muß ihm ermöglicht werden sie kennen zu lernen. . Die Unfähigkeit weiter Teile der besseren Kreise Status, Vermögen und Reputation ( für ihre Sprößlinge ) zu erhalten scheint mir eine Gerechtigkeit dieser Welt zu sein. . Gruß Hanskarl

0 donalphonso 15.04.2010, 21:45 Uhr

Hanskarl, es ist ja nicht...

Hanskarl, es ist ja nicht so, dass wir verzärtelt und verhuscht aufgewachsen wären, aber vor der sanften Melancholie des Buches konnte man schlecht die Augen verschliessen. In dem war etwas, das auch in uns war. Trotzden wollten wir gerne auch so etwas haben und damit rasen:
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.
Und was kommen sollte, konnten wir nicht wissen. Aber trotzdem wurde aus den meisten etwas Gutes.
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sehrvorderstadtprolet, da hat man eben die Dorfjugend am Maibaum, die sich am Wochenende langweilt, und dann ist so ein Radler ein lustiges Opfer. Was man halt tut, wenn man solnst nichts tun kann.

0 donalphonso 15.04.2010, 21:57 Uhr

JvdP, der nachlassende...

JvdP, der nachlassende Leistungsdruck war sicher auch ein Thema, aber schon bald kam ja das Studium, und auch da erwartete man vieles. Vielleicht war es einfach nur die schnelle Chance, dem Ganzen zu entgehen. . Cornelius, danke, aber gerade die Eltern waren da durchaus dahinter, dass aus den Kindern was wird, und das durchaus mitg gelebtem Vorbild. Es wurde halt auf der anderen Seite nicht geschätzt.

Cornelius, HansKarl, so wie...

Cornelius, HansKarl, so wie ich das hier begreife, muessen sich diese Kinder der besseren Kreise gegenseitig das Leben zur Hoelle gemacht haben. Ich las die Alphonsosche Beschreibung mit ziemlicher Fassungslosigkeit. In den vier Welten (DDR, BRD, Bundeswehr, NL)+Studium, ist mir Vergleichbares nicht begegnet. Na, vielleicht hatten ich und einige Freunde einfach nur die Chuzpe voraussehbaren Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Das nimmt natuerlich nicht den Prae und-Postpurtaeren Bloedsinn weg. Ueber meinen WELTSCHMERZ kann ich nicht reden, ohne mir vor lauter Lachen noch ein Glaeschen Apfelsaft zu genehmigen. Meine Herren, zum Lobe einer abgeflachtereen Weltsicht, einen Salamander! Prosit! . Silentium! Ich gedenke in Stille eines alten Freundes, der wegen mangelnder elterlicher Liebe und eines unfaehigen Gymnasiums, welches die Brillianz seiner Intelligenz als Stoerung des Unterrichtsbetriebes begriff, viel zu frueh letal abging. Sowas muss man sich zum Wohle der eigenen Kinder merken.

Werter Don, entschuldigen Sie...

Werter Don, entschuldigen Sie bitte, ich habe nur meinen Eindruck Ihres Textes wiederzugegeben versucht. . Ich erinnere mich an eine ähnliche Geschichte, wie Sie sie erzählen. Wir brachten unseren trunkenen Freund ( selbst trunken ), ebenfalls im Winter, zu Fuß nachhause und legten ihn vor die Tür der elterlichen Villa. Dann klingelten wir. Nachdem keine Reaktion zu bemerken war, läuteten wir die Eltern von der nächsten Telefonzelle aus raus. Ergebnis: wir erhielten Anzeigen wegen ... ( ? ), die unsere Eltern gerade noch abbiegen konnten. . Die von Ihnen geschilderte Jugend nannten wir später abschätzig JULUs ( jung und lebensuntüchtig ) - dies war wohl ein wenig vermessen, doch zuweilen trafen wir ins Schwarze. . Gruß Hanskarl

0 Cornelius 15.04.2010, 22:20 Uhr

@ JvdP, 15. April 2010,...

@ JvdP, 15. April 2010, 23:21 . Ja, ich habe eine Antwort darauf gefunden. Wollte auch schon länger etwas darüber schreiben, aber um meine Gedanken ordnen und zu Papier bringen zu können, fehlt(e) mir bisher die Muse. Habe einfach zu viele Baustellen am laufen. Nur soviel: Gerade weil einige Menschen nicht in der Lage dazu sind, ihren persönlichen Lebenssinn zu erkennen, ihren "roten Faden" zu finden, und dann irgendwann auf dem Baugerüst oder an einer ICE-Strecke stehen, sollte es im Vorfeld gut ausformulierte Angebote geben. Vielleicht am WE, muss jetzt leider in die Federn. Kurz Nächtle ...

Lieber Don, selberkochen (wozu...

Lieber Don, selberkochen (wozu gibts chemiekästen;-) botanisieren gehn. engelstrompete, bilsenkraut, tollkirsche, auf jeder kuhweide steht der spitzkegelige kahlkopf rum - schnüffeln. es muß nicht immer kokain sein..... (der taaaaaaag an dem conny kraaaaamer staaaaaarb und alle glocken heulten)

0 Cornelius 15.04.2010, 22:36 Uhr

Zu diesem Thema, lieber Don,...

Zu diesem Thema, lieber Don, empfehle ich den wunderbaren Film (DVD) von Michael Haneke: "Das weisse Band". In der Dorfgemeinschaft dachten auch einige Eltern, dass sie ihren Kindern ein gelebtes Vorbild sind. Jetzt bin ich aber weg ...

Don Ferrando 22:33 Ihre...

Don Ferrando 22:33 Ihre Beobachtung finde ich bemerkenswert, obwohl sie mich nicht überrascht. Sieben Jahre können ein Schnitt sein, da passen auch Richtungsänderungen hinein. Es gab diese Veränderungen nicht nur von den Adenauer-Jahren zu den 68er.

0 steelydan 16.04.2010, 00:00 Uhr

Wohl gar nicht so einfach für...

Wohl gar nicht so einfach für den geneigten geborenen Oberschichtler, die Sinnlosigkeit seines Daseins vor dem Stahlbad der Schule der Nation einzusehen. Nicht jeder Jammerlappen durfte in der Uffzkantine dienen. Gut, dass es nachher in der studentischen Verbindung weiterging, das Raufen und Saufen. Ob der Don deswegen einen Dreitagebart trägt, um manchen Schmiß zu verdecken?

...was sind das für...

...was sind das für Gegenstände - in dem Suppenteller?

Der Hang zum Selbstmord ist...

Der Hang zum Selbstmord ist ansteckend, haben Wissenschaftler erforscht. Einige der wenigen Regeln an die sich die Medium freiwillig halten, ist nicht ueber Selbstmorde zu berichten, um Nachahmer zu vermeiden. Vor wenigen Jahren gab eine eine schlimme Serie von Selbstmorden von Teenagern in Wales. Aehnliches habe ich aus South Boston gehoert. In dem kleinen ostdeutschen Dorf in dem ich aufwuchs, haben sich innerhalb weniger Monate mehrere das Leben genommen, groessenteils aus derselben Familie. Weiterhin vereinzelte Taten, von gebildeten Personen die keine Alternative zum Leben in der Enge des Dorfes sahen. Es ist gefaehrlich auf dem Land, die Suizidrate ist allgemein hoeher als in der Stadt.

0 Rosinante 16.04.2010, 04:32 Uhr

Lieber HansMeier555, m.M....

Lieber HansMeier555, m.M. nach ist die Jeunesse d'Orée ein Begriff der Klatsch-Soziologie und geographieabhängig. Selbstredend ist Ingolstadt nicht London. Hier gibt es die Royals, wo die Kids von Charles und Di die Girls enthousiamieren und in Sachen Goldene Jugend den Ton angeben. . Gleichzeitig zeigt dieses Beispiel, wie die dialektisch-materialistische Kulturindustrie funktioniert, und wie sehr die westeuropäische Gegenwart von Ihrem Ideal des politischen Katholizismus entfernt ist. Denn der Kontrapunkt zur Hysterie um die Junggesellen aus königlichem Haus sind etwa die Sängerin Amy Winehouse oder die bildende Künstlerin Tracy Emin. Wobei Letztere aus einem geistig-ästhetischen Biotop wie Berlin (und der Jungfrau Hegemann) alimentiert werden. Da sei Brideshead revisited vor. Ihr Rosinante

0 ErnstWilhelm 16.04.2010, 05:24 Uhr

"Drogensucht hatten wir...

"Drogensucht hatten wir einfach nicht, das war in bayern nicht möglich." . Lieber Don, ich war Ende der achtziger Jahre einige Male fuer laengere Zeit in Regensburg. Cannabis, LSD und irgendwelche Pillen in Massen. Wobei ich persoenlich ueber Cannabis nie hinauskam. Also nicht Landesgrenzen sondern Klassengrenzen? Eine Bekannte von damals hat sich dann Anfang der neunziger Jahre mit einer Ueberdosis von dieser Welt verabschiedet. Und was ist mit Hans Soellner? Der kam mir damals so vor wie das kiffende Idol der bayerischen Jugend. Wieder Klassengrenzen?

..(>malena))..connie cramer ;...

..(>malena))..connie cramer ; Dass habe ich mir auch überlegt, wie jedoch will man das Thema angehen ohne klischeehaft zu wirken, aufgesetzt, zu wissenschaftlich oder oberflächlich. Bei Problemen, die mir vom Sachverhalt her schwer lösbar schienen, bin ich mal sprachwissenschaftlich vorgegangen(Hobby) und habe eine Wort/Instrumentaltanalyse/Überprüfung vorgenommen. In diesem Falle hier erinnerte ich mich am Rande an den Begriff: "false Friends",; d.h. man unterliegt einer Täuschung, weil´s halt so ähnlich klingt o. morphologisch dasselbe zu sein scheint. Das Resultat ist am Ende ganz unromantisch sinnverkehrt, sinnlos und/oder falsch. Aus irgendeinem Lebensgrund wurden Drogen , Tod oder andere, nicht ganz selbstverständliche Inhalte irrtümlicherweise in den Vordergrund gerückt und schon steht man vorm lieben Gott> und das Ganze viel zu früh. Ich hoffe und glaube , es gibt einen Weg an der Gefühlsduselei vorbei um Schicksale und Lebenswege zu verstehen und verständlich zu schildern. An Schlagertexten fällt mir aber jetzt auch nichts ein!

Brideshead scheint für eine...

Brideshead scheint für eine Menge Westviertel-Leute zur self fulfilling prophecy geworden zu sein. Da kann man ja fast froh sein, wenn man es nicht gelesen hat! . Hanskarl (23.39 Uhr), so ähnlich habe ich es damals auch wahrgenommen.

"No Future" ist somit keine...

"No Future" ist somit keine Erfindung der Sex Pistols respektive Malcom McLarens?

0 donalphonso 16.04.2010, 06:24 Uhr

muscat, immerhin ist es noch...

muscat, immerhin ist es noch Brideshead - bei anderen hätte es Emile Zolas Germinal sein können. . ErnstWilhelm, stimmt, über Regensburg hörte man so einiges. Aber für Drogen hätte man erst mal sowas wie eine Infrastruktur gebraucht - und wie soll man die bekommen, wenn alle im gleichen Viertel unter Sozialkontrolle stehen und die Schule noch so streng ist, dass es schon für kleine Vergehen einen Verweis setzt? Das einzige, was ich mitbekommen habe, waren im Skiurlaub Exzesse mit Strohrum.

Auch das teuerste Silber kann...

Auch das teuerste Silber kann die intellektuelle oder soziale Leere der Kinder der so genannten besseren Gesellschaft nicht verbergen, man erinnere sich an den wunderbaren Einfall des Prinzen Harry, sich in einer Nazi-Uniform zu verkleiden. William the Concurrer und Alter der "Unschuld" hin oder her - für mich wäre dies ein zureichender Grund gewesen, ihn und seine Nachkommen für alle Zeit von der Thronfolge auszuschliessen - im 17. und 18. Jahrhundert genügte es, mit dem Katholizismus zu sympathisieren. Dieser Beitrag erinnert mich, allein abgesehen von einer etwas exquisiteren Lektüre, an die Generation Golf. Von den Mittelschichtkindern des Schlages von Illies unterscheidet sich diese Jeunesse dorée nicht wesentlich - auch Illies hatte angesichts von Bürgerrechtsbewegung undRevolution in Leipzig und andernorts, von politischem Engagement jeglicher Couleur oder kanonischer Literatur nur zynische Kommentare übrig... Illies' Begeisterung entflammte sich dann über Preußen (einfach lachhaft - jemand, der nicht einmal Polnisch spricht!), Harry Graf Kessler oder den Grafen Keyserling, deren Epoche wie Wesen ihm zutiefst fremd sein muss. Allerdings schafft man es mit soviel Prominenz und so wenig Substanz bis in das Feuilleton der Zeit. Mir ist der Gedanke an eine solche sorglose, egoistische und weltvergessene Jugend unerträglich, und der Humor macht es auch nicht besser.

Keine Selbstmorde. Keine...

Keine Selbstmorde. Keine Drogentoten, nicht mal Abhängigkeit. Gerade zuende gehende Jugend, allerdings in Nordwestdeutschland und sicher nicht in der Oberschicht. Vielleicht doch in den richtigen Schornstein gefallen? Ach ja, ihr habts schon schwer, ihr Apothekertöchter....

0 donalphonso 16.04.2010, 06:36 Uhr

TDTF, nein, der Unterschied...

TDTF, nein, der Unterschied ist ja, dass die meisten, eigentlich alle unbedingt eine Zukunft haben wollten. Nur ahnte man auch, dass es so nicht ganz kommen würde. . SOLAND33, es wäre vielleicht etwas viel verlangt, wenn man von denen, die halt so waren, wie es ihre Eltern erwarteten, fordern würde, dass sie sich dafür schämen. Es war halt so, es gab eine bestimmte Wahrnehmung der Realität und bestimmte Folgen daraus. Daran war - besonders in jenen Tagen - nichts Gutes, es war halt so.

0 donalphonso 16.04.2010, 06:38 Uhr

HALer, das Problem ist, dass...

HALer, das Problem ist, dass man so etwas in einer kleinen Stadt nicht geheim halten kann. Dazu ist das Getratsche zu gross. Das dauert 24 Stunden, und alle wissen es. . minna, das sind Wachteleier.

Don Gio... äh Alphonso,...

Don Gio... äh Alphonso, wirklich, über Regensburg hörte man so einiges. Das, was man in den letzten Tagen hört, soll sich auch gelegentlich in den besseren Vierteln zutragen, die ja häufig ihren Nachwuchs den Händen der Geistlichkeit anvertrauen ... ohne offenbar bisher zu ahnen, wie das gemeint war. Möglicherweise lernt man in ihrer Obhut etwas über die Geschichte der Heiligen oder gewöhnt sich an die Zumutungen von Kardinälen, die uns heute mit Anekdötchen über den Schiffbruch des Paulus vor Malta benebeln wollen ... ich bin überzeugt, dass sich die heilige Kirche auch demnächst für den Einsatz harter Drogen aussprechen wird, falls diese dabei hülfen, von den Exzessen ihrer Irdigkeit abzulenken. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass bei bestimmten von Gott auerwählten Führungspersönlichkeiten die Hitlerjugend ein bestimmtes Menschenbild geprägt hat sowie gewisse Verdrängungsmechanismen, die sehr hartnäckig sind und sich offenbar ohne größere Probleme in dasjenige der sogeannnten heiligen Kirche einfügen lässt. Da ja die Befreiung von den Tabus und die Schwulen an alledem schuld sind - auch nicht neu, übrigens - sollten wir uns wieder neuen Wundern berichten lassen und Kaczynski schnell noch heilig sprechen... ohne Risiko, denn non licet bovi gilt ja schon seit jeher nicht für Prominente der Couleur der Becker und Beckenbauer.

0 donalphonso 16.04.2010, 06:42 Uhr

RefJur, gerade das ist doch...

RefJur, gerade das ist doch das Unfassbare: Eigentlich wirklich alle Möglichkeiten zu haben, und keinen Sinn im Leben zu sehen. Bei mir war das im Übrigen ganz anders, ich wollte unbedingt leben, so viel und so gut wie möglich. . steelydan, ich war untauglich. Allerdings waren die Berichte aus dem Bund nicht so, dass ich mir dort als Freund von Voltaire und Tucjolsky viele Gedanken über meine Tauglichkeit gemacht hätte. Die meisten fingen dort mit dem Rauchen und Trinken erst so richtig an - Rauchen, weil man damit Rauchpausen bekam. Nicht meine Welt

Eine Frage sei erlaubt:...

Eine Frage sei erlaubt: Könnten Sie mir, bitte, verraten, wie man diese englischen Zuckerstreuer in einer Weise benutzt, dass der Zucker in der Tasse landet und nicht auf dem Tisch? Danke im voraus, Sie ersparen mir künftig den noch häufigeren Wechsel der Tischdecke und somit der Umwelt ein wenig Abwasser.

0 donalphonso 16.04.2010, 06:50 Uhr

Lieber Hanskarl, natürlich...

Lieber Hanskarl, natürlich ist man nach so einer Jugend nicht eben bereit für die Realität. Ich sagte in der Schule einmal, ich wisse gar nicht, wie die Menschen das in einem Wohnblock aushalten könnten. Und dergleichen mehr. weil ich einfach keine Erfahrung damit hatte. Haus ist Haus und keine Doppelhaushälfte. Alles unter 120 m² waren Hundehütten. So wird man da eben. Und es ist noch nicht mal böse gemeint. Nur verständnislos. . Liebe Malena, mag sein, aber dazu müsste man es wissen und der Sozialkontrolle entgehen. Einmal, im Skiurlaub, ging unter vollkommen harmlosen Bedingungen ein Bett zu Bruch. Die Versicherung des Vaters der Tochter, Besitzer der grössten Reinigungsfirma am Ort, übernahm das. Aber danach gab es bei allen, die dabei waren, Inquisition. Drogen, Prostitution und Glücksspiel waren so verboten, dass sie nicht mal explizit verboten waren.

0 donalphonso 16.04.2010, 06:57 Uhr

SOLAND33, die Bestürzung...

SOLAND33, die Bestürzung über das, was in der Kirc he passiert... ein Bekannter meiner Eltern ist hierzulande ein recht bekannter Aktivist der Kirche von Unten und an sich recht gut mit den Problemen vertraut. Selbst der ist fassungslos, wenn es um die Fälle aus Regensburg und Ettal geht. Da hat man wohl sehr abgeschottet agieren können. Bei den Streuern handelt es sich um Salz und Pfeffer - ich würde einfach grosse Teller nehmen, das erhöht die Trefferwahrscheinlichkeit. . Filou, es ist nachgewiesen, dass im Krieg die Neigung zum Selbstmord drastisch zurückgeht, undd je weniger Anlass man zum Nachdenken hat, desto weniger dumme Gedanken kommen einem. Trotzdem wäre ein Mittelweg mit dem besten aus beiden Welten ideal.

0 Reiterjunge 16.04.2010, 06:58 Uhr

Vor solchen Anfechtungen...

Vor solchen Anfechtungen während der Pubertät besteht ein gewisser Schutz, solange man der jüngste in seiner Schulklasse ist: Von den jungen Damen wird man nicht wahrgenommen, und die in der Hackordnung oben stehenden Halbstarken (die schon ein oder zweimal sitzengeblieben sind) grenzen sich in ihren selbstzerstörerischen, spannenden Aktivitäten weitgehend von dem Milchbubi ab. Alkohol schmeckt einfach noch nicht. Die Eltern kommen auch einfach nicht auf die Idee dem Jungen ein Moped oder gar ein Auto zu schenken. Das muß selbst verdient und repariert werden, daß fährt man dann nicht in den Strassengraben. Der jeglicher Anbiederung müde gewordene Junge zieht sich in die Stadtbücherei oder in die Natur zurück und trifft dort endlich Gleichgesinnte. Es bleibt das nagende Gefühl etwas verpasst zu haben.

0 donalphonso 16.04.2010, 07:06 Uhr

cornelius, man kann jetzt...

cornelius, man kann jetzt unseren Eltern beim besten Willen nicht nachsagen, dass sie schlechte Vorbilder waren. es gab ein paar strenge Ausnahmen, es war nicht allzu liberal, aber die Anforderungen waren mässig und die Lebensbedingungen so gut wie nur irgend möglich. Ich kann darüber beim besten Willen nichts Schlechtes sagen. . Reiterjunge, ist bes aber auch nicht so, dass gerade die Sensiblen für solche Probleme anfällig sind? Wenn ich die Klasse des besagten Freundes durchgehe, waren da auch viele derbe und robuste Gesellen, die alle bestens durch das Leben kamen. Die schweren Gedanken haben sich dann eher jene getan, die zuviel gelesen haben, was mir ja auch alles andere als fremd war, bis zu jenem Tag, da ich mir ein Rennrad kaufte und jene körperliche Stärke erwarb, die man in dieser Stadt und ihrem Umland definitiv brauchte.

@Don Alphonso Dieser...

@Don Alphonso Dieser angebliche Widerspruch ist mir bewusst, der Beitrag sollte jetzt auch nicht so sozialneidisch klingen wie das vielleicht wirkte. Und wenn ich an die Juristenkinder, an die Medizinerkinder aus dem Dorf (einem Kurbad- das macht es jetzt nicht besser) meiner früheren Jugend denke, die tatsächlich Selbstmordversuche hinter sich haben, dann muss ich zwangslaufig an deren Elternhäuser denken. Und dies zieht sich durch alle Schichten- kaputte Elternhäuser, schwierige Orientierungszeit im Leben, manche bleiben auf der Strecke. Um dann doch wieder in Sozialneid zu verfallen, ziehe ich den alten Schumpeter aus dem Zusammenhang und zitiere ihn falsch: Wirkt hier etwa die Kraft der Schöpferische Zerstörung? Neue Oberschichten braucht das Land...

0 Reiterjunge 16.04.2010, 07:44 Uhr

Don, natürlich birgt die...

Don, natürlich birgt die Opferrolle andere Gefahren, besonders wenn man sensibel ist. Der Junge war zum Glück nicht übermäßig sensibel. Das fand sogar einmal seinen Niederschlag in den Bemerkungen eines Zeugnisses: "......versucht auch in aussichtslosen Situationen seinen Standpunkt mit körperlichem Einsatz durchzusetzen". Danach sah ich zwar ziemlich übel aus, die drei älteren Rabauken ließen mich in Zukunft jedoch einigermaßen in Ruhe. Der Menschenauflauf auf dem Schulhof war ihnen im nachhinein wohl doch zu peinlich. Nach der Schule galt es natürlich schnell zu sein, oder sich nicht in den falschen Schulbus zu setzen.

0 Kopfgeburt 16.04.2010, 07:47 Uhr

Interessantes...

Interessantes Stimmungsbild! . Schlussendlich sind es - so denke ich - mehrere Bedingungen, die aufeinander treffen: - Wandel der Zeit - Umbruchstimmung in der Gesellschaft, Makro- und Mikroströmungen (Es gibt ja diese extremen Berichte von Inuitstämmen, bei denen Jugendliche ganz massiv und ohne Vorzeichen.... aber es muss ja nicht gleich sooo deutlich umbrüchig sein) - Zeit zum Nachdenken - innere Veranlagung (wer gierig nach Leben ist, dem kommt ja sowas nie in den Sinn!) . Es gibt sicherlich noch mehr als bloss diese obigen Anzeichen..... . Ich erinnere mich, ich hatte mal so eine deprimierende Hermann Hesse-Phase . Und ja: Nach Abschluss der Mittelschule war ich auch ziemlich ahnungslos, was das "wirkliche Leben" anbelangt. Aber mit einer gesunden Portion Neugier (und etwas Demut) habe ich dann schnell gelernt.... !

0 Kopfgeburt 16.04.2010, 07:52 Uhr

Don Alphonso 09:06 "ist bes...

Don Alphonso 09:06 "ist bes aber auch nicht so, dass gerade die Sensiblen für solche Probleme anfällig sind?" . Mir kommt da gerade die ganze Flaneur- und Dekadenzliteratur in den Sinn, welche auf ihre Weise Ihre Aussage unterstützt . Diskutieren könnte man natürlich auch noch über die Wechselwirkung zwischen Literatur und Lebensgefühl. Natürlich gibt man da auch seinem Affinitätsgefühl nach. Aber bloss das ist vielleicht zu kurz gegriffen....

0 Reiterjunge 16.04.2010, 08:04 Uhr

Ich fühle mich an Thomas...

Ich fühle mich an Thomas Manns Buddenbrooks erinnert. Niedergang einer großbürgerlichen Familie.

Unklar ist mir eigentlich nur...

Unklar ist mir eigentlich nur noch die Herkunft von Kurt. Meine Vermutung liegt nach wie vor bei Berlin. Nun, eine kleine Korrektur muss aber auch noch sein. Sebastian und Charles fuhren nicht mit Champagner hinaus aufs Land; es war irgendein Sauternes. Vielleicht ein Fargues? Ich muss da noch einmal lesen. Charles hatte nur die Angwohnheit auf 5 ein Glas Champagner zu trinken. Wobei es gewichtige Unterschiede zwischen den sich Übergebenden gibt. Sebastian schenkte noch Blumen; heute rennt man einfach davon. Sebastian ist ohnehin mein Freund. Er hat extra eine Bürste für Aloysius gekauft. Sowas hat mein Aloysius (er heisst freilich nicht so, ist auch kein Teddybär) nicht; ich will ihn auch nicht schlagen. Ich fürchte allerdings, dieses Buch hat bei meiner Mutter bleibende Spuren hinterlassen. Sie kauft für meinen Aloysius Dinge, auf die ich nicht einmal im Traum kommen würde.

Ich fühle mich eher an das...

Ich fühle mich eher an das Kuckucksnest erinnert. Wohin man schaut, nur Beknackte (Wachteleier).

wirklich seltsam, was man da...

wirklich seltsam, was man da liest .... wir haben ja auch ende der 80er abi gemacht, aber die Monate bis zum Studium waren höchstens deshalb dunkel, weil man nach Parties und Feten den hellen Tag zum ausschlafen brauchte. Und ansonsten gilt auch hier der Rat des D.A. zu Lebensertüchtigung: Man gehe die 3 Monate arbeiten; man hat was zu tun, lernt fleissige Leute kennen, und es gibt das erste eigene Geld. Das ist cool, gerade wenn Papa Kohle hat. Ach ja, Wether, Hesse, Brideshead ... ja, das Zeug mussten wir auch alles lesen, ist ja Kanon und sprachlich wertvoll ... aber die dramatis personae galten bei uns bestenfalls als Weicheier, den suizidalen Quatsch in deren Köpfen hat doch keiner verstanden. Mit 18 lag das Leben vor uns, nicht hinter uns. Wir leben auch noch alle, meine Abi-Klasse plus die Parallelklassen (auch wenn das 25jährige Abitreffen erschütterndes offenbarte [Kahlköpfigkeit, Wohlstandsbäuche, die eine oder andere Scheidung, aber das wars im wesentlichen]). Woran es wohl gelegen hat?

0 Pérégrinateur 16.04.2010, 08:47 Uhr

Die geschilderten frühen...

Die geschilderten frühen Abgänge könnten der nur vom Maxwellschwanz der Gruppe zu zahlende hohe Preis für jugendliche Helden sein. Heldentum - also Balancieren auf dem Brückengeländer, wilde Diskoheimfahrten im Suff, auf dem Steilhang das Vergissmeinnicht für die Freundin holen, die ganze juvenile vita pericolosa - ist der ältere, ehrlichere, im Grunde weniger schäbige Weg zur Prominenz im erweiterten eigenen Milieu. Denn mancher findet ja auch wagnisärmere: vom Papa ein verruchtes Buch schreiben lassen und so mit dem heute achtunggebietenden "Ich bin ja sowas von kaputt!" bei der Zuschauerschaft die Maulsperre auslösen. Vermutlich sollte man nicht zu psychologisierend deuten und nur den Effekt auf großem Maßstab betrachten, nämlich den auf die Fortpflanzungschancen. Gelingt es in solcher Epatierungstaktik vielleicht, mit höherer Rate eigene Gameten an den Mann oder - häufiger - an die Frau zu bringen? In der Literatur gibt es öfters Schilderungen, wie etwa mit einem "Ich ziehe jetzt in den Krieg und komme vielleicht nie wieder..." die nötige Erweichung für eine Abschiedsnacht zu erreichen ist. (Das Rezept kann man ja wiederholt anwenden.) Eine gewisse Beimischung von Heldengenen zum allgemeinen Genpool könnte jedenfalls evolutionär stabil sein. Was tut's der Natur, wenn dann vielleicht 50% oder - wohl der häufigere Fall - 5% der Helden ein schnelles Ende finden? Wichtig ist allein die erhöhte mittlere Fortpflanzungschance. Gegenüber der Konkurrenz, gegenüber der eigenen kreuzbraven Das-weiche-Wasser-bricht-den-Stein-Taktik. Die notwendige Bedingung auf der anderen Seite ist natürlich die Beeindruckbarkeit. Dass es davon in der Tat genug gibt, ist wohl schlecht abzustreiten. Die Erklärung dafür findet man in den mehr oder weniger paradox anmutenden Merkwürdigkeiten der sexuellen Zuchtwahl: Man bekommt für die eigenen Sprösslinge von der anderen Seite invasive Heldengene zu den eigenen hinzu. Zugegeben, kein menschlich sonderlich anrührender Erklärungsversuch; aber vielleicht stimmt er ja? Der Haupteinwand ist vermutlich: "Warum ist gerade die Jugend so wild"?

Dipsy macht mir Spass....

Dipsy macht mir Spass.

0 Maximilian Steinbeis 16.04.2010, 09:06 Uhr

"Drogensucht hatten wir...

"Drogensucht hatten wir einfach nicht, das war in bayern nicht möglich." In meinem Dorf im Inntal gab es, kurz nachdem ich Anfang der 90er von dort weggegangen bin, eine Reihe von Herointoten. Vor allem Mädchen, was ich hörte, solche mit dicken blonden Zöpfen, die daheim den Kuhstall ausmisten mussten. Soll damit zusammenhängen, dass Heroin über die Salzburger und die Inntalautobahn aus Südosteuropa ins Land kam, Rosenheim war der Umschlagplatz und das Zeug in der Gegend billig.

0 Justin Thynne 16.04.2010, 09:07 Uhr

Verehrter Don Alphonso, im...

Verehrter Don Alphonso, im Alter Ihnen vermutlich nahestehend, hatte ich das Buch ebenso mit Verzückung gelesen, wie wenig später die wunderbare (und in nichts mit der vor kurzem im Kino vorgelegten Neuverfilmung) Serie im englischen Fernsehen gesehen, und die kleine Tür in der Mauer aufgeschlossen in eine verzauberte Welt. Die rituelle Aufnahme von Flyte´schen Gewohnheiten war damals wohl in England wie in Deutschland eine kleine Geste des Trotzes und der Ablehnung gegen wie 70er Jahre Westvierte mit Ihren Walmdachhäusen und Rollrasen. Endlich konnte man wieder zugeben in einem Haus (with origins) aus dem 13. Jahrhundetr zu wohnen und nicht genug Geld zum Heizen der 40 Zimmer zu haben. Und konnte den Typen im Natoparka und Arrafat-Tuch die gepflegte Dezenz von Tweed und klassischer Bekleidung in der Schattierung breige (brwon-khaki) entgegenhalten. Die religiöse Dimension der Handlung ist aber ebenfalls bemerkenswert, zumal das Buch des Konvertiten Evelyn Waugh sogar auf den vatikanischen Index gelangte, obwohl es eigentlich in der Treppenszene mit Julia Flyte/Mottram den Genius des Verzichtes über die Sehnsucht religiös fundiert. Die Verlängerung der Kindheit - und das dabei bestehenden Suchtpotentials nach Liebe, Drogen und Alkohol - war reizvoll, durch Aloysius und durch die nanny und die Nursery. Als ich dann wenige Jahre später - der Familientradition folgend - in Oxford studierte, öffnete sich diese Tür, aber die Welt der achtziger hatte sich bereits stark verändert und Oxford war nicht mehr eine Welt in Aquatinta - und der Schock, dass die Welt nun anders war als in den Hineingeträumten Zwanzigern war heilsam, weil - um es mit Charles Ryder zu sagen - man in einer Welt von drei Dimensionen und fünf Sinne das Suchtpotential der Nursery überleben kann. Aber die stille und heimliche Sehnsucht nach der geöffneten Tür und der world of aquatinata lebt nach und daher lese ich das Buch immer mal wieder jedes Jahr und schaue mit die mittlerweile als DVD- erhältliche Serie stets in einerm Durchgang an einem Wochenende an - um die Schönheit der Welt immer im Zusammenhang mit den in ihr liegenden nahenden Untergang zu sehen. Haben Sie vielen Dank, dass Brideshead in der Wahrnehmung der Stützen der Gesellschaft einen Raum erhält. (Noch im Jahr 2003 hatte sich in Deutschland niemand mit Ausnahme der FAZ an das Jubeljahr dieses wunderbaren Autors erinnert).

Pérégrinateur, warum...

Pérégrinateur, warum einfache Erklärungen, wenn es auch umständlich geht und einem Aufmerksamkeit verschafft? Die Jugend ist wild, weil sie weiß, dass sie es später nicht mehr sein darf/kann/will. Oder: Hormone. Noch banaler.

muscat, der Hinweis auf die...

muscat, der Hinweis auf die Zuchtauswahl hat ganz gewaltig was fuer sich. Ich kenne einige sehr ehrliche Frauen, die das nach laengerem Nachdenken (man verraet ungern das eigen Geschlecht) zugeben.

. "man in einer Welt von drei...

. "man in einer Welt von drei Dimensionen und fünf Sinne das Suchtpotential der Nursery überlebenkann." Justin Thynne, herzlichen Dank für dieses schöne Zitat .

0 Kopfgeburt 16.04.2010, 09:47 Uhr

Pérégrinateur, muscat und...

Pérégrinateur, muscat und filou: Ja, zugegeben: Das ist sicher ein Faktor. Aber da es offensichtlich gewaltige Unterschiede (regional, zeitlich) gibt bei der Anzahl der jugendlichen Selbstmorde, kann man es doch nicht darauf reduzieren...!

...noch ein Zitat: . Die...

...noch ein Zitat: . Die Ungeduld verlangt das Unmögliche, nämlich die Erreichung des Ziels ohne die Mittel. . GWFH

Kopfgeburt, gewisse...

Kopfgeburt, gewisse Erfahrungen koennen sehr nachhaltig sein. Je nach spaeterem Bewusstseinsstand und einer hinzukommenden kleinen Krise kann es dann soweit sein. Bis dahin hatte man sich durchlaviert, ein wenig Selbstbetrug veruebt, sich alles Moegliche eingebildet, wurde selten korrigiert (schon deshalb, weil man der Debatten mit diesem manipulatorischen Rechthaber Leid war)-dann pasiert es.

"Die Torheit begleitet uns in...

"Die Torheit begleitet uns in allen Lebensperioden. Wenn einer weise scheint, liegt es daran, dass seine Torheiten seinem Alter und seinen Kräften angemessen sind." Francois de la Rochefoucauld

0 FHausmann 16.04.2010, 10:54 Uhr

Die Gründe für einen Suizid...

Die Gründe für einen Suizid sind meist ebenso banal wie schwerwiegend. Schwerwiegend, weil der Entschluss zum Suizid ein gewisses Gewicht verlangt, um tatsächlich ausgeführt zu werden. Banal, weil das Selbsttötungsargument so einfach zu repitieren sein muss, dass rettender Widerspruch im Sinne eines dialektischen "Für und Wider" für die betroffene Person unmöglich scheint. Jeder Selbstmord ist ein Drama, und die Tatsache, dass die sogenannte "bessere Gesellschaft" hier keine Ausnahme darstellt ist ein Beleg dafür, dass diesem Kreis die intimsten Gemeinheiten des Lebens keineswegs fremd sind.

0 windsbraut 16.04.2010, 11:11 Uhr

@Kopfgeburt, 16. April 2010,...

@Kopfgeburt, 16. April 2010, 09:47 „Schlussendlich sind es - so denke ich - mehrere Bedingungen, die aufeinander treffen ….“ Da stimme ich Ihnen zu. Das erklärt vielleicht auch, warum mir (und auch Filou 16. April 2010, 00:08) diese Dinge während meiner Jugend in der DDR so nicht begegnet sind. Zeit zum Nachdenken: Hatten wir nicht. Nicht nur, dass man generell versuchte die Leute vom Selber denken abzuhalten, der Der Übergang Schule – Ausbildung/ Studium war straff organisiert und mehrere Monate Freizeit waren einfach nicht vorgesehen. Möglichkeiten: Gab es nicht, da der weitere Verlauf des Lebens weder von den Zensuren noch vom Vermögen der Eltern abhing, sondern von deren und der eigenen konformen Einstellung zum System. Und selbst dann waren sie nich so doll. Umbruchstimmung: War Mitte der 80er in dem Kaff, in dem ich damals lebte, noch nicht zu verspüren. Drogen: Nur Alkohol. Und da auch keiner von uns ein Auto hatte, war die Letalitätsrate niedrig, denn bis zur Leberzirrhose braucht es ein paar Jahre, in denen man sich vielleicht eines besseren besinnt. Das Buch habe ich damals gelesen und durchaus mit Interesse und Amüsement. Allerdings mit demselben ethnologischen Interesse mit dem ich auch über das Leben der Amazonasindianer las: Fremde Völker mit interessanten Riten und seltsamen Gebräuchen.

0 MarkusvonBentheim-Burg 16.04.2010, 11:28 Uhr

Werter Don, das war ja mal...

Werter Don, das war ja mal dunkel. Du meine Güte. Da ich zwei bis drei Schichten über Ihnen groß geworden bin, fehlen mir allerdings die Toten. Uns wurden nie Drogen angeboten und auch sonst haben alle meines Jahrgangs überlebt. Die Jahrgänge meiner Schulen und meiner Studien waren auch nicht besonders groß. Alles privat. Existenzängste hatten einige von uns aber ebenso und doch wieder anders ausgeprägt wie Sie es oben beschrieben haben. Das lag zum großen Teil daran, dass diese nicht aus Millionärs-sondern aus Milliardärshaushalten kamen und die meisten von uns schon mit 18 ihre eigenen Häuser, Wohnungen, Firmenanteile und ähnliches hatten und danach einfach nicht wussten, worauf man noch hin leben sollte. Ein Leben ohne materielle Wünsche und einer Abgeklärtheit, die man keinem erzählten dürfte.... Das spannendste ist es, diese Menschen alle paar Jahre wieder zu erleben. Man sieht die eigenen Alterungsspuren nicht, will sie nicht wahr haben, die anderen halten einem den Spiegel vor. Waas? So alt, sehe ICH doch nie aus. Geheimratsecken, Falten... Eine weitere Parallele ist, dass viele über Schichtgrenzen hinaus geheiratet hatten, von den Familien verstoßen wurden, wieder geschieden wurden und passend zur Lebenssituation wieder heirateten, aber den Kontakt zur Familie nach wie vor abgebrochen ließen. Beste Grüße MvB-B

Über Brideshead habe ich auch...

Über Brideshead habe ich auch mal was gebloggt: Man will eigentlich nicht glauben, dass Waugh zum Zeitpunkt als er das schrieb schon konvertierter Katholik war, so wie er schildert, was diese Religion den Mitgliedern der Familie Marchmain auferlegt. Aber dann eigentlich doch. Denn gegen Ende wird es fast zu versöhnlich, wenn Ryder begreift, dass auch Scheitern Teil eines grossen Ganzen sein kann. Waugh meint, dass das Leben des Einzelnen nicht auf Dauer glanzvoll und grossartig bleiben kann, ohne eine spirituelle Haltung und das Leiden auch dazugehört. http://loreley.twoday.net/stories/3711293/ Selbstmorde gab es in meinem Umfeld keine. Aber wenn ich all die Leute zählen müsste, die bei Auto- und Motorradunfällen oder durch Drogen zu Tode kamen, bräuchte ich fast 10 Finger. Ich selbst erinnere mich noch an eine waghalsige nächtliche Fahrt im Nebel. Oder eine andere, nur zum Spass auf einem Forstweg auf einen Berg. Nachts natürlich. Das war alles relativ normal und meistens ging es ja gut. Einer kletterte mal nur zum Spass auf einen Kirchturm, nur um oben auf das Kreuz eine Colaflasche draufzustecken. Der Turm war zum Teil eingerüstet, aber es war noch ein gutes Stück Freeclimbing. Alkohol spielte allerdings kaum eine Rolle, der war verpönt. Betrunken hätte er das vielleicht auch nicht geschafft. Junge Leute sind oft etwas verrückt. Vielleicht die Hormone. Ich glaube, es ist eine Leistung 30 zu werden. Es gibt auch viele Krankheiten, die bis dahin zum Ausbruch kommen. Schizophrenie etwa. Eine Klassenkameradin hat ihren Grossvater erstochen. Sie dachte er sei der Teufel.

. ego, darüber müßte man...

. ego, darüber müßte man noch reden; ICH bin torheitsfrei...

Kennste einen...

Kennste einen "coming-of-age"-Roman, kennste alle! . Mehr als Literatur hat mich eigentlich immer noch Musik bewegt, die ich auch nach Jahrzehnten ganz bestimmten Momenten und Erlebnissen zuordne. Aber wenn ich recht erinnere, hatten wir das an anderer Stelle schon mal. . http://www.youtube.com/watch?v=dl6yilkU1LI

0 donalphonso 16.04.2010, 12:17 Uhr

loreley, so eine...

loreley, so eine Fensterlaktion, aber eben an einem eingerüsteten Hochhaus und nicht an einer Hütte, habe ich auch mal erlebt - kein Spass. Wie schon gesagt, ich tue mich mit dem katholischen Einfluss auch sehr schwer; was immer dieser Gott sein soll, es war kein gnädiger Gott. Ich würde es so sehen, dass Waugh sich einfach nicht in irgendwelche Richtungen pressen lässt, selbst wenn man es heute mit "konservativ und exzentrisch" versucht. Er ist ein Solitär. . minna, das sagen die meisten von sich, solange sie den Nachweis vertuschen können. Nennen wir es das Mixaparadox.

Schöner Beitrag. Wie lange...

Schöner Beitrag. Wie lange wir wohl warten müssen, bis Frl. H. das ganze zu "Alphonso Roadkill" verwurstet hat?

0 donalphonso 16.04.2010, 12:21 Uhr

E.R.nest, bei aktuell Platz...

E.R.nest, bei aktuell Platz 327 in Amazon Bücher glaube ich nicht, dass die Leute hinter der Erfindung H., wer auch immer sie sein mögen, so schnell nochmal was über diese Larve versuchen. . muscat, das besondere an Brideshead ist es ja, dass das Erwachsenwerden gerade nicht in ein paar Wochen oder Monaten beschrieben wird, sondern über fast 20 Jahre hinweg - und damit bleibt das Buch auch weiter ein treuer Begleiter, etwa bei Scheidungen und Affairen riskanter Natur.

0 donalphonso 16.04.2010, 12:29 Uhr

Reiterjunge, bei uns war das...

Reiterjunge, bei uns war das kleine Problem, dass die Schläger, echte Rex-Mottram-Typen, auch aus meinem Viertel kamen. Das waren regelmässig Hetzfahrten bis zu mir nach Hause, denn ich der Schule wäre das nicht gegangen. irgendwann kaufte ich mir das erste richtige Rennrad, von da an war dann Ruhe - ich war zu schnell und bald auch stark genug, mich zu wehren. (Man ahnt es vielleicht - ich war als Kind sehr scheu, zurückhaltend und bücherfixiert, und es dauerte, bis ich begriff, dass ich noch andere Qualitäten brauche. Von den Schlägern ist einer tot und der andere hat die falsche Frau geheiratet) Kopfgeburt, Hesse ist zwar für viele auch so ein Verführer, hat bei mir aber nie auch nur ansatzweise gewirkt. Das Problem an den fraglos wichtigen Umbrüchen ist, dass man sie erst im Rückblick erkennen kann. Damals wurde die kleine Welt des Westviertels der reaktionären Stadt vom Zeitgeist gefressen. Und obwohl es in diesem Viertel keine Scheidungen gab und die Eltern Ideale vorlebten, wurden die meisten Kinder in der Hinsicht bestenfalls mittelgut, aber auch sehr oft Versager, im weiteren Verlauf.

0 donalphonso 16.04.2010, 12:41 Uhr

Dipsy, ich muss gestehen, den...

Dipsy, ich muss gestehen, den beitrag geschrieben zu haben, ohne vorher nochmal einen Blick in das Buch zu werfen; vielleicht auch aus der Angst, der Erinnerung daran etwas wegzunehmen. Ich finde an einem Teddybär nichts fragwürdiges und habe in jeder Wohnung und jedem Wagen einen Aloysius - und kann im Übrigen bestätigen, dass er keine schlechten Angewohnheiten von italienischen Bären übernommen hat. . Sebastian. Es passiert nicht oft, dass man das Schicksal einer Romanfigur so bedauert, wie das eines realen Menschen. Da hat Waugh etwas Grosses geleistet, man vergleiche ihn nur mit dem ähnlich sinnlosen, aber dagegen vollkommen flachen und hohlen Basil Seal.

0 Foersterliesel 16.04.2010, 12:50 Uhr

und die Unterschicht? so viel...

und die Unterschicht? so viel Bekanntschaften gab es da nicht, aber von denen leben noch alle, manche schlecht ernährten Kinder wuchsen sich zu sehr hübschen jungen Menschen aus, manche der Mädchen heirateten ganz gut und auch die Ehen gingen ganz gut. Aus Knaben die aus winzigen Bauernwirtschaften kamen, wurden konservative Provinzhonoratioren. Alle bemühen sich um weiteren Aufstieg ihrer Kinder und vermelden deren Erfolge sehr stolz. Pech hatten jene Mädchen, die zu früh schwanger wurden und heiraten mußten: Alkohol, Gewalt, Scheidungen, Alleinerzieherin, kein Geld, keine Unterstützung, kein eigener Beruf, soziale Marginalisierung. - Und zu den Mädchen aus wohlhabenden Familien fällt mir noch ein: die schönsten (nicht im Sinne von modischer Attraktivität, also der Typ der grade in ist, oder das gelungene Stylen zu diesem Typ, das gelingt auch bei mittelmäßigen) haben überhaupt nicht geheiratet.

Werter Don, ...hab ich je...

Werter Don, ...hab ich je behauptet weise zu sein?

Der katholische Gott ist...

Der katholische Gott ist eigentlich schon ein gnädiger Gott. Es wird einem praktisch alles verziehen, wenn man es ernsthaft bereut und Buße tut. Von Waugh wollte ich eigentlich nochmal was lesen.

Ach Don Alphonso, man kann...

Ach Don Alphonso, man kann sich den Geschichten von meinem lieben Sebastian immer wieder hingeben. Je älter ich dabei werde (ich bin noch nicht wirklich alt, ich fürchte fast, Sie könnten –zumindest theoretisch- mein Vater sein), desto häufiger lache ich über mich selbst. Man erkennt sich (natürlich reichlich verklärt und verzogen) häufig selbst wieder. Nicht, dass ich auf dem Wege des Alkoholimus wäre; aber die unbeschwerte Lebensart von Sebastian (solange er noch in Oxford ist) trifft wohl auf jeden Studenten zu. Ich kann mich nicht erinnern, dass da irgendwann mal etwas vom Besuch einer Vorlesung gelesen zu haben :-)). Unzählige Blumen, die Reduktion darauf, der mit den Puffbrauseflaschen zu sein. Ich mag meinen Aloysius auch sehr. Zumal ich ohne ihn nicht einschlafen kann. Er ist so eine Art zweites Ich. Verantwortlich für alles, was ich nicht gewesen sein will. Jedenfalls kann er sehr gut im Kreditkarten umgehen. Er hat auch schon ein Auto zu Schrott gefahren (da war er wirklich hinter dem Lenkrad). Der eigentliche Held scheint mir aber der Vater von Charles zu sein. Der liest doch den ganzen Tag nur und läuft dann in einem roten Hausanzug umher.

0 Justin Thynne 16.04.2010, 13:39 Uhr

@ Dipsy: Edward Ryder ist...

@ Dipsy: Edward Ryder ist zumindest eine der skurilsten Gestalten. Das Duell mit Jorkins "about your national game... Cricket" ist almost genius. Und auch die Geschichte über Cousin Melchior in queer street - doppelbödig bis zu Infamie. Kein Wunder das Laurence Lord Olivier (der den byronesken Marquess deratellte) bei der Serienverfilmung seinem brillianten, ewigen Widersacher Sir John Gielgud um diese Rolle beneidet hatte.

0 Reiterjunge 16.04.2010, 13:42 Uhr

@loreley, der evangelische...

@loreley, der evangelische Gott verzeiht besonders dann gerne wenn man es nicht wieder tut. Aber ansonsten auch irgendwie. Hoffe ich.

Lieber Dipsy - "unbeschwerte...

Lieber Dipsy - "unbeschwerte Lebensart" und "jeder Student"? Verallgemeinern Sie mal bloß nicht - zum Beispiel ich wollte bloß ganz schnell weg wie Bernd das Brot. Hab mich seit Abschluss nicht ein einziges Mal nach der Alma Mater umgedreht.

0 Kopfgeburt 16.04.2010, 14:36 Uhr

E.R.Nest 14:17: Das verrate...

E.R.Nest 14:17: Das verrate ich nicht! ... Ups!

0 Kopfgeburt 16.04.2010, 14:41 Uhr

Lorerley, wie wär's mit...

Lorerley, wie wär's mit "Decline and Fall" In meiner Erinnerung eine wunderbar leichte Skizze. Man könnte es als kleiner Cousin von Brideshead bezeichnen (aber mit weniger Katholizismus drin).

Auch hier ist der...

Auch hier ist der Ost-West-Vergleich interessant, weil er irgendwie im Verschiedenen Dasselbe zeigt: Sie "im Westen" hatten Evelyn Waugh, bei uns im Osten war das Plenzdorf mit den "Neuen Leiden des jungen W." und - weil das bei Plenzdorf vorkam - das Buch von dem kürzlich verstorbenen Salinger "Der Fänger im Roggen". Auch das gab es bloß "unter der Hand", aber die Bücher hatten Kultstatus. Und bei Plenzdorf nimmt sich der 17-jährige Held, der von zu Hause in eine Gartenlaubensiedlung abhaut, am Ende auch das Leben (bzw. weil es Selbstmord in der DDR nicht geben durfte, kommt er bei elektrischen Bastelein mit einem alten Radio ums Leben, aber die Anspielung auf Goethes "Werther" zeigt ganz deutlich, dass das ein Selbstmord sein soll). Das zeigt doch offenbar, dass die Gefährdungen der Adoleszenz staaten- und schichtenübergreifend überall gleich sind.

...und ich habe keinen...

...und ich habe keinen Zweifel, daß Herrn Mixas "Torheit" dem Alter entspricht.

Das Problem, Don Alphonso, ist...

Das Problem, Don Alphonso, ist dass Kinder dieser Schicht, die Sie hier so treffend als Klasse beschreiben, sich aufgrund ihrer Erziehung und ihrer Herkunft oft für etwas besseres halten und sich nicht vorstellen können, dass normale Probleme Menschen wie Sie treffen könnten.. Aber dafür ist ja meines Erachtens die Literatur da, um die paar verlorenen Seelen vor der immer wiederkehrenden Tragödie des Lebens zu erretten.. Das Proletariat hingegen erlebt dies hautnah.. Das macht Gossenkinder auch resistenter und oft durchsetzungsfähiger. Deswegen gibt es ja auch immer den Wechsel, deswegen gibt es den Untergang verschiedener Eliten. Der eine geht, der andere kommt.. Genauso wie in dem Buch, dass Sie beschrieben, dass ich nicht kenne, aber alsbald lesen möchte.. Die Aristokratie geht unter, das gehobenen und überhebliche Bürgertum, (Er)Finder der neuen, braven Welt kommt. Da diese gerne sich mit dem Schmuck der alten Herrscher schmücken, fällt dieser Wechsel manchmal gar nicht auf.. *Ich lese meinen Kommentar und stelle fest, wie auch ich verallgemeinere.. Werde mal lieber Evelyn Waughn lesen, "Decline and Fall" vielleicht, scheint mir kürzer..

0 Reiterjunge 16.04.2010, 16:01 Uhr

@Charly, "Die neuen Leiden des...

@Charly, "Die neuen Leiden des jungen W." gehörte zum Bücherkanon meiner Realschulklasse in Hessen (Westen). Ich glaube ich habe ihn sogar noch.

0 HansMeier555 16.04.2010, 16:02 Uhr

Vor den Vätern sterben die...

Vor den Vätern sterben die Söhne

0 HansMeier555 16.04.2010, 16:20 Uhr

Wen die Götter lieben Der...

Wen die Götter lieben Der stirbt in Hollywood

Reiterjunge, da finde ich ja...

Reiterjunge, da finde ich ja sogar Samuel Beckett noch spannender. Das durften wir uns auch reinziehen. . Ein paar Highlights gab es dennoch. Shakespeare. Oscar Wilde.

0 BertholdIV 16.04.2010, 17:06 Uhr

@loreley der katholische Gott,...

@loreley der katholische Gott, das klingt ja fast wie Don Alphonsos bekenntnis Agnostiker zu sein. Mir erscheint alle zwei drei Bloggartikel - dieser Artikel auch wieder - eine Abarbeitung DA an seiner Jugend im Konglomerat Jesuiten-CSU-Ingolstadt. Dem ist nichts entgegen zu halten aber ein gutes Buch wie Brox kirchengeschichte des Altertums oder Kurt Flasch über Augustinus und man wäre weiter, oder wenn es ein Jesuit sein soll: Klaus Schatz. Kirchengeschichte der Neuzeit II. Ein Freund von mir Gymnasiallehrer für Deutsch und katholische Religion hat mir mal in einem Bekehrungsversuch das Buch reinhold Schneider: Winter in Wien geschenkt. Das wäre noch etwas mehr vorkonziliar erbaulicher

0 ErnstWilhelm 16.04.2010, 17:10 Uhr

"Those whom the gods love die...

"Those whom the gods love die young." So heisst es doch. . Und noch eine Beobachtung. Die Art von Schichtung und offenbar totaler Abgrenzung, von der der Don so gern berichtet gab es in meiner Jugend vor 20 bis 25 Jahren im suedoestlichen Niedersachsen eigentlich nicht. Wahrscheinlich war die Oberschicht zahlenmaessig einfach zu klein. Und so wurden zur Poolparty bei der Fabrikantentochter eben einfach alle eingeladen. Der Sohn des Versicherungsvertreters uebergab sich dann vor dem Pfoertnerhaeusschen, ich landete im Pool, die Fabrikantentochter wurde per Trichter abgefuellt und die in der Tat haessliche Tochter der Putzfrau versuchte potentielle Paarungspartner ins Gebuesch zu zerren. . Nun denn, ich sehe schon ich werde nostalgisch. Da ich nun seit 15 Jahren kaum noch in Deutschland wohne, erlaube ich mir eine Frage. Wie sieht es eigentlich bei der heutigen Abiturientengeneration aus?

0 HansMeier555 16.04.2010, 17:26 Uhr

Die Sinnkrise der Goldjugend...

Die Sinnkrise der Goldjugend ist zugleich das beste Argument gegen Existenzgeld.

0 auch einer 16.04.2010, 17:29 Uhr

charly, evelyn waugh war im...

charly, evelyn waugh war im westen nicht unbedingt die gängige abiturienten-lektüre. . überhaupt, habe ich damals - 1973 in einer kleinen, aber dermassen dummen stadt in baden-württemberg - viel literarisches gelesen? ich glaube nicht. mir fällt keine literarische lesefrucht ein, die mich zu schulzeiten so tief beeindruckt hätte, dass ich sie heute als den urgrund meines lesens nennen könnte . inmmerhin hatte es der deutschunterricht nicht geschafft eine gewisse neugier abzutöten, aber der gab ich später nach, die nachtprogramme arno schmidts las ich nicht während der schulzeit. . für mich fand zu der zeit das leben ausserhalb der schule statt, vielleicht habe ich auf die weise auch etwas gelernt - oder auch nicht, auf jeden fall aber spass gehabt. damals war die brd ein so wohlhabender staat, dass sie auszeiten vom unmittebaren verwertungsinteresse gewähren konnte. . bitte beachten, dass don alphonso eine zeitlich, örtlich und herkunftsmässig sehr eng begrenze gruppe beschreibt, die wahrscheinlich nicht einmal für den abiturjahrgang seiner stadt repräsentativ war, allerdings war zu der zeit schon klar erkennbar, dass es mit dem versprechen sozialen aufstiegs (das vollabitur ist die eintrittskarte zur universität, ansonsten ist der abiturient, wenn er kein fachabitur gemacht hat, für alle praktischen dienge des lebens unbrauchbar, soll das auch sein) nicht mehr weit her war, eine erkenntnis, die anfang der siebziger erst ganz zart und behutsam keimte. , die zukunft der höheren beschulung wird klar auf ddr 2.0 herauslaufen, rasche, straffe vermittlung abfragbaren faktenwissens im inmittelbaren verwertungsinteresse, das ganze gekoppelt an wohlverhalten und fügsamkeit, was hätte strauss (für die akademische jugend im westen war der nicht der dicke onkel mit den fetten krediten sondern der unverbesserliche antidemokrat der spiegel-affäre) für solche akademiker gegeben, während margot honecker in chile aus dem gekicher nicht mehr heraukommt.

0 HansMeier555 16.04.2010, 17:31 Uhr

Winter in Wien . Fand ich...

Winter in Wien . Fand ich fade. IAEO statt AEIOU, das war's auch schon.

0 donalphonso 16.04.2010, 17:48 Uhr

auch-einer, auch darüber...

auch-einer, auch darüber müsste man mal schreiben: Die Kinder der Reichen konnten irgendwas studieren und später mal die Berufe der Eltern übernehmen, oder was machen, zozu sie Lust hatten, ein paar Ärmere mussten in Rekordzeit studieren, und die anderen gingen in einer Lehre oder wurden Lehrerin. Wir hatten damals Diskussionen über die Beschränkung des Bafög, und da gab es auch konservative Schüler, die es akzeptierten, nicht zu studieren, während die Kinder der Reichen, zumeist eher links eingestellt, dagegen waren. Und das gerade in bayern, wo die Trennung ohnehin schon sehr scharf ausfällt. Stadt und Umland waren in etwa gleich gross, aber es gab bei 6 Klassen nur eine mit Jungs vom Land.

0 Rosinante 16.04.2010, 17:53 Uhr

HansMeier555 19:26, q.e.d.....

HansMeier555 19:26, q.e.d..

0 auch einer 16.04.2010, 17:54 Uhr

hans meier, heisst das nicht,...

hans meier, heisst das nicht, das kiind mit dem bade auszuschütten? so, dass es sich im sande verläuft, versteht sich. . ja, ich weiss, die befürworter dieser frührente sind, na ja, bestenfalls sonderbar, meistens nicht einmal das, aber immer wie die moskitos, klein, laut und lästig. aber sei es drum. schauen wir einmal, wie sich die weitere kassenlage auf den vollzug des sozialstaatsgebots auswirken wird. viellicht verkauft man uns nächstens, von allerchristlich-liberalst wegen, gemeinschaftsunterkunft mit gemeinschaftsverpflegung und gleichartiger kleidung als den neuen weg zur freisetzung kreativer schübe, stösse, hiebe. oder arbeitsdienst statt thelema.

0 donalphonso 16.04.2010, 18:00 Uhr

Angesichts des Umstandes, dass...

Angesichts des Umstandes, dass heute jemand in der gedruckten FAZ eine Menge Blödsinn über Blogs und Blogleser auskübelte, mit dem Höhepunkt, dass man im Internet nicht lese, sondern nur scrolle, möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bei den Lesern und Diskursteilnehmern für die Aufmerksamkeir hier bedanken.

0 donalphonso 16.04.2010, 18:08 Uhr

Pérégrinateur, ich denke,...

Pérégrinateur, ich denke, Mut und Gefahr waren da weniger dabei; eher Ödnis, Lähmung, und ein gewisser Zeitgeist, der alle irgendwie ansteckte. DEer junge Mann, den sie betrunken aus dem Wagen zerrten, war ausgesprochen lebensbejahend, und in jener erwähnten Urlaubsfahrt mit dem ausgebüchsten Freund, die oben erwähnt wird, fuhr ich mit dem Rad den Monte baldo runter, während er missmutig auf einer Wiese lag und keine Möglichkeit hatte, seine Ex per Handy zu stalken. . Maximilian Steinbeis, ich kann mich erinnern, wie ich mal mit zwei Freunden am Abend in einem Dorf nahe der Stadt im Auto sass, nur um in eine Kasette reinzuhören. Keiner rauchte, aber nach ein paar Minuten kam die Zivilstreife und hat uns untersucht, mit allen Schikanen. Und da hat es auch nicht geholfen, dass einer der Filius vom Bürgermeister war. Bei uns in der Schule wurden sogar Gummibälle und Jojo beschlagnahmt.

0 donalphonso 16.04.2010, 18:15 Uhr

Justin Thynne, wenn es um TV...

Justin Thynne, wenn es um TV geht - da war schon bei den Eltern und Grosseltern wohl eher "Der Doktor und das liebe Vieh" stilbildend. Brideshead hat das dann noch mot Rollenmodellen für die hedonistische Jugend erweitert, aber 68, das het bei uns in der Stadt mit dem hohen CSU-Anteil nie wirklich stattgefunden. Insofern war das alles eher unideologisch, mehr oder weniger, wenn man davon absieht, dass die heimatliche Reaktion natürlich dermassen freie Gedankenwelten auch nicht wirklich schätzte. . Evelyn Waugh ist generell ein in Deutschland zu wenig beachteter Autor, würde ich sagen. Und über Tod in Hollywood und Schwarzes Unheil immer noch sehr aktuell. . ego, danke für das Zitat

0 HansMeier555 16.04.2010, 18:23 Uhr

Lieber Don, und das waren die...

Lieber Don, und das waren die 80er Jahre? Ich komme ja auch aus einem südlich der Mainlinie gelegenen, immer und ewig von der C-Partei regierten Kleinstädtchen, das schon 100 Jahre nix als Wohlstand gekannt hat. Trotzdem war das Diskurshäubchen eindeutig linksliberal definiert. 1983 wurden die Friedens-Demos vom Lehrkörper direkt auf dem Schulhof organisiert, die Hofpause extra verlängert. Das fanden alle normal, und keiner von den Eltern machte dem Direktor Ärger (wg. Verletzung des Gebotes der weltanschaulichen Neutralität oder so). Die Ethiklehrerin, die ihre Schüler in die Fuzo schickte, um Passanten anzubetteln, habe ich ja schon erwähnt.

0 donalphonso 16.04.2010, 18:31 Uhr

FHausmann, die besseren Kreise...

FHausmann, die besseren Kreise sind insofern etwas gefeiht dagegen, als man Mittel und Wege hat, das Wissen um solche Vorfälle einigermassen zu begrenzen oder auch ganz verschwinden zu lassen. Wirft der selbstmord doch auch eine menge sehr unangenehmer, aber nicht immer gerechter Fragen auf. . windsbraut, ich gebe zu, dass Brideshead weltenfern der Lebensrealität im Osten warm angefangen bei der Offenheit und Verletzlichkeit seiner doch überempfindsamen Charaktere bishin zur Abwesenheit irgendwelcher echten, materiellen Nöte.

0 Justin Thynne 16.04.2010, 18:36 Uhr

Werter Don Alphonso, seien Sie...

Werter Don Alphonso, seien Sie dankbar für Ihre Aufzucht in der kleinen, netten Stadt. Ich bin in der britischen Hauptstadt und der grossen, verdreckten freien und Hansestadt aufgewachsen, da ließen sich die geschilderten 68er nicht vermeiden, selbst nicht in den feinen westlichen Stadtteilen beider Orte. Der Doktor und das liebe Vieh, das sahen meine Eltern gern, meiner Granny war das aber zu middle class. Aber ideolgisch war unserer Seite eh nichts, sondern eher heiter und unernst. Ich schätze sehr REMOTE PEOPLE (in Deutsch in der ANDEREN Bibliothek unter Befremdliche Völker, Seltsame Sitten in einer wunderbar gebundenen grünen Ausgabe erschienen) über seine Teilnahme an der Krönung Haile Sellasis. Der Text dürfte dem Prinzen Wossen Asserate wenig gefallen, da auf wunderbare Weise dargestelt wurde, wie sich dessen Familie zur Dynastie emporgeschwindelt hat. Von wegen Queen of Sheeba. Dies diente auch als Vorlage zum Roman Dunkles Unheil, in der der arme Bill, William Lord Deedes, ein wenig schmeichelndes und etwas ungerechtes Portrait erhielt. Eine besondere Herausforderung ist aber GILBERT PINFOLD`s Höllenfahrt. Ein alkoholisches Dellirium, das ich einmal krank im Bett liegend las, und danach glaubte, ich hätte mehrere Bouteillen Burgunder geleert. Extremer kann eine Kreuzfahrt aus dem Blickwinkel eines Trinkers nicht dargestellt werde.

0 HansMeier555 16.04.2010, 18:37 Uhr

Haha! In der DDR gab es doch...

Haha! In der DDR gab es doch auch keine materiellen Nöte (nur Versorgungsengpässe). Jeder hatte einen Job und konnte Miete, Strom, Heizung und Lebensmittel bezahlen. Und das ist gar nicht mal so wenig, wenn man es bedenkt.

0 donalphonso 16.04.2010, 18:38 Uhr

Hansmeier555, da war keine...

Hansmeier555, da war keine Linke. Die paar links angehauchten Lehrer waren Aussenseiter, und die bayerischen Lehrpläne sorgten für den Rest. Das ar ja noch alles unter FJ Strauss. . Dipsy, eigentlich war Vetter Jasper für mich eine wirklich bestimmende Figur: So wollte ich nie werden. Man muss sich das beste rauspicken, nehme ich an: Die Erkenntnis des alten Charles, die Leichtigkeit des jungen Sebastian, den Wohnsitz der Marchmains und das Lotterleben seines Vaters, und die Reisen von Anthony Blanche, aber ohne Mutter und Pekinesen und Chauffeure.

0 Justin Thynne 16.04.2010, 18:45 Uhr

... und vor allem ohne Boy...

... und vor allem ohne Boy Mulcaster, Mr. Samgrass und Rex Mottram. Aber mit Hayter, Plender und Wilcox - und natürlich Nanny Hawkins.

0 HansMeier555 16.04.2010, 18:53 Uhr

Lieber Klaus, (15. April 2010,...

Lieber Klaus, (15. April 2010, 22:55) . So wurde mir das tatsächlich erzählt. Mengenangaben wie "die Hälfte" waren hoffentlich krass übertrieben, aber auch 20 Prozent wären ja schon schockierend viel. . Nach der Erzählung meines Informanten ging es dabei v.a. um Alkohol, Drogen, unbehandelten Krankheiten und nicht zuletzt auch um Kriminalität. Er selbst überlebte einen Mordanschlag nur knapp, der eigentlich seinem (kriminellen) Halbbruder gegolten hatte, für den er ja nichts kann.

Bei mir, 77ger Abbi in...

Bei mir, 77ger Abbi in "besserem" Charlottenburger Gymnasium (Sport/Naturwissenschaften), viel und ausgiebig Party mit Kindern reicher Leute in deren Villen mit Swimmngpool, "Atom Heart Mother" säuselte über den Wassern, Kiff, Alk, Pilze, Härteres nicht, Autos wurden auch ein paar zu Klump gefahren, z.B. der alte blaue "Bullenbus" auf dem Weg nach Amsterdam.... Soweit ich mich erinnere haben die reichen Kinder Mutters Zweit-BMW bekommen.... nachhaltig beeindruckende Lektüre:Satre, Les Jeux sont faits; Baldwin, Giovannis Room; Stendhal, Kartause; richtig verstörend war der Fersehfilm "Welt am Draht" mit K. Löwitsch in der Hauptrolle, Regie: Fassbinder. Das hat wirklich reingehauen. Da war diese Möglichkeit, alles was noch kommt könnte auch der reinste Schwindel sein. Aber keine Suizide in meinem Jahrgang an meinem Gymnasium. Beim 20jährigen Abbitreffen auch vereinzelt erschreckende innere Häßlichkeit. Man hatte es von denen aber auch erwartet, dass sie so werden würden.

0 HansMeier555 16.04.2010, 18:57 Uhr

@Don Wie sich das anhört:...

@Don Wie sich das anhört: "Unter Strauss". . Bei unseren Lehrern gehörte es zum guten Ton, über den als reaktionär verschrieenen Kultusminister Witze zu machen, seine Kompetenz zu bezweifeln und die GEW zu loben. . Die "Westviertelkids" (nun ja, haha) hatten auf ihrer alternativen Ledertasche Aufkleber wie "Unsere Birne ist eine Pflaume" und gaben damit an, daß sie die taz lase.

@BertholdIV Ich wollte Don nur...

@BertholdIV Ich wollte Don nur was über den katholischen Gott sagen. Ich selbst bin nicht religiös.

Ja es gibt leider immer noch...

Ja es gibt leider immer noch mehr Selbstmörder als Verkehrs- und Drogentote zusammengezählt. In Memorium derer, welche uns bestenfalls daran erinnerten, das Leben als begrenzt und kostbar zu betrachten und die Kurve wieder ins Blickfeld rückten...

0 Foersterliesel 16.04.2010, 19:35 Uhr

lieber Justin Thynne, ja,...

lieber Justin Thynne, ja, Dynastiegeschichten sind lustig, außer jener der Salomonischen Dynastie auch die der Obrenovic und der Montenegriner (Schwiegervater Europas).

0 JorgeLoma 16.04.2010, 19:54 Uhr

Habe ich überhaupt...

Habe ich überhaupt gelebt? Weder lasen wir in der Schule - generationenbedingt? - die Ihnen geläufigen Titel, noch gab es in meiner Nachkriegsgeneration diese Selbstmordepidemien. Von meiner Abiturklasse leben noch alle, außer ein paar, deren Exitus krankheits- bedingt war. Mein Elternhaus war knapp unter der highest society einer konservativen Groß- stadt. Sie legten auch keinen Wert darauf. Als sie eines Tages von einem Dinner mit goldenen Löffeln bei dem Bruder (Verlagsdirektor) eines berühmten deutschen Künstlers zurückkehrten, winkten sie bloß mit der Hand ab. Wenig später erschlug der Sohn dieser Familie seine Mutter. Erschütternd! Der Sohn eines hart arbeitenden Kollegenehepaars - berühmte Leute - wurde auf einem Kleinstadtbahnhof tot aufgefunden. Ihn hatte das Personal "erzogen". Ich wuchs auf in - wie mein Vater ironisch bemerkte - einer "Nissenhütte". Die Kollegen fragten ihn besorgt, warum er nicht statt eines Admirals einen Mercedes fahre, keinen swimming pool bei seinem Bungelow hätte. Er winkte ab. Er liebte seinen "Bauerngarten". Unser erstes Auto war ein Opel-Rekord und der erste Fernseher ein Grundig s/w, Modell 1955, angeschafft 5 Jahre nach Rückkehr meines Vaters aus sibirischer Gefangenschaft (4 Jahre). Den Abtanzball in einem international bekannten Nobelhotel absolvierte ich in einem umgearbeiteten Anzug meines Vaters. Ich wuchs mit meiner Bibliothek, mit meinen Theater-, Opern- und Musikhallen- abonnements und in den Museen auf, erwarb ein leeres Radiochassis und passte meinen Philippsplattenspieler ein nach Öffnen mit einer Laubsäge (!). Das Geld dafür hatte ich bei einer jedem bekannten Firma verdient: Lohn: 10 DM pro Tag. Ich war endlich die kratzenden Plastikopfhörer los, angeschlossen an einen Detektor. Ja, Detektor! Meine Schallplatten kaufte ich bei einer holländischen Billig-Firma von meinen 15 DM Taschengeld, die ich mir mit Rasenmähen und Laubharken verdiente. Zum Abitur gab es einen Onyxring, nicht etwa einmal einen Käfer, auch nicht zum Dr. Diese in kleinen Dingen großzügige Erziehung flankierten die heute so oft im Verschiss stehenden Jesuiten mit Bemerkungen wie: "Wir wissen, dass du deine Nächte mit Lesen und Musik verbringst. Dennoch geht es nicht an, dass du in der Schulmesse schnarchst"! Nach einem meiner manchmal ziemlich üblen Streiche meldete ich mich als Schuldiger. Frage des Direktors Pater Becker: "Salzsäure?" Ich: "Falsch gefragt - Schwefelsäure". Er: "Wollen Sie nicht unserem Orden beitreten"? Ich: "Nee, die Mädchen!" Er grinsend: "Na, dann viel Spaß"! In dieser Atmosphäre konnte es weder Missbrauch, Misshandlungen noch falsche Erwartungen geben. Nach dem Abi (Februar) gings sofort ins Studium (Mai). Die erste Chemie-Vorlesung bei Prof.Remy begann gemäß meiner Vorliebe zur Literatur: "Kennen Sie Goethes "Wahlverwandtschaften"? Dann folgte ein faszinierendes "Zauber"stückchen. Nicht, dass mein Leben in allem so zauberhaft gewesen wäre. Während aber meine Freunde und Bekannten nichts so sehr herbeisehnten wie ihre endliche Pensionierung bereite ich meinen Studenten, die ja meine Enkel sein könnten, allerlei Spaß mit der "irritierenden" Frage, wie denn vor vielen Jahrhunderten ein doppelt Inzestuierter Papst werden konnte oder: Wie denn die Ehebrecher Tristan und Isolde den gehörnten Marke so intelligent und langwährend an der Nase herumführen konnten. Mein Arbeitstag am PC währt immer noch 10-12 Stunden. Habe ich gelebt? Ich lebe!

Manchmal lege ich das Buch...

Manchmal lege ich das Buch nach "Et in Acadia ego" einfach wieder weg, weil ich die Unschuld dieser Zeit, ihre Schönheit, die Lust am Entdecken so genieße, daß ich vom Rest erstmal nichts wissen will. Und gehts nicht auch ein wenig um Kunst? Charles fängt doch erst mit Sebastian richtig zu leben an, und entdeckt eigentlich erst auch durch ihn die Kunst. Oder seine Liebe zu ihr. Vielleicht betrachtet er ja sogar Sebastian als Kunstwerk, als ein Produkt einer dem Untergang geweihten Lebensform. (Dabei fällt mir auch gleich ein, daß die Kirche über Jahrhunderte der Kunstmäzen per se war, in Malerei und Architektur.) Es steckt eben so unendlich viel in diesem Buch! Außerdem habe ich habe eine Schwäche für Anthony Blanche, denn er wählt seine Worte stets so schön. Und er ist so herrlich dekadent. Fast schon bösartig.

0 Justin Thynne 16.04.2010, 20:05 Uhr

Liebe Foersterliesel, dazu...

Liebe Foersterliesel, dazu gibt es eine ganz nette Sekundärquelle für die Nachttischlektüre, Ghislaine de Diesbach´s DIE GEHEIMNISSE DES GOTHA. Über die Heiratspolitik europäischer Fürstenhäuser, wobei die balkaneischen, orientalischen und afrikanischen natürlich noch viel mehr Glanz und Totschlag bieten.

0 HansMeier555 16.04.2010, 20:23 Uhr

Die Wittelsbacher hatten es...

Die Wittelsbacher hatten es aber auch 1886 noch drauf.

Chemieprofessoren scheinen...

Chemieprofessoren scheinen eine besondere Spezies zu sein. Unserer pflegte bei seinem letzten Vortrag vor den Ferien reinen Alkohol in Reagenzroehrchen zu kredenzen, um nach dem zweiten Glas den Damen zu erklaeren, wie man unauffaelig den Ehemann um die Ecke bringt. Die Hoehrer beiderlei Geschlechtes folgten seinen Ausfuehrungen sehr aufmerksam. Man weiss ja nie... Sehr schoen waren auch seine Geschichten vom U-Bootkrieg. Seine Klausuren benotete er schwachen Studenten mit der Weisheit eines erfahrenen Mannes, naemlich gnaedig. Dafuer danke ich ihm post mortem noch heute.

0 Justin Thynne 16.04.2010, 20:34 Uhr

Liebe Sylvia, Evelyn Waugh...

Liebe Sylvia, Evelyn Waugh schrieb das Buch 1943/44 u.a. in einem Krankenlager und glaubte, dass die arkadische Welt durch den WK II zugrundegegangen sei. Durch die Einquartierungen, die Bombardierungen wurde der sich schon als Folge des WK I einstellende Verfall manifestiert und der Untergang dieser Lebensform schien besiegelt. Schönheit und Kunst, Flyte´scher Charme und das Manifest des Barock (in Brideshead und Venedig) sind Charles Ryder´s Bekehrungserlebnisse zu einer Lebensform, für die Sebastian nur einer von mehreren Adepten ist und die so ganz anders ist, als die englisch-gotische Upper Middleclass aus der er selbst entstammt. Aber es ist trotzdem eine zutiefst englische Lebensform, selbst in ihren italienisierten Ausprägungen. Selbst in dem eigentlich zutiefst englischen Lord Marchmain, der sich so gern über alle Engländer mokiert. Allerdings scheint mit die Person von Anthony Blanche ausserhalb des Arkadien-Kapitals weniger schön, da die juvenil-leichte Dekadenz, die in Oxford bei dem zitieren von WASTE LAND und dem Dinner in Thame so schön wirkt, endet leider später in wenig angenehmer Vulgariät - auch deswegen kann ich Ihre Freude vor allem am Ersten Buch so gut verstehen.

Eine grotesk-schoene Abfolge...

Eine grotesk-schoene Abfolge der Kommentare von Filou zu Justin Thynne.

0 Foersterliesel 16.04.2010, 20:54 Uhr

lieber Justin Thynne, oh,...

lieber Justin Thynne, oh, danke! - Als ich neulich nach Etti Plesch suchte (sie besaß einen berühmten Derbysieger) fand ich dieses nette gossip-blog, es geht nicht um Esoterisches! http://theesotericcuriosa.blogspot.com/2010/01/seed-sisters-their-french-roots-mapie.html

0 donalphonso 16.04.2010, 20:56 Uhr

Zerlina, Klassentreffejn...

Zerlina, Klassentreffejn wären noch mal ein ganz eigenes Übel. ich weiss schon, warum ich da nicht hingehe. . JorgeLoma, die Frage des Buches ist es sicher auch, ob es eteas bringt, sich diese Frage zu stellen. Ich lese es so, dass sie in einem sehr schönen Fatalismus verneint wird. Ob eine harte, eine härtere Erziehung etwas bringt? es gibt solche Fälle und solche, und man muss seine Kinder nicht in den Tod treiben, damit sie nie gelebt haben werden. Auch die Schlussfolgerungen sind unterschiedlich; denke ich an die Zeit zurück, überkommt mich der Wunsch nach sorgenlosem Hedonismus, die Welt darf dann ohne mich auskommen, und ein wenig möchte ich das Leben führen, das den anderen verwehrt wurde. (Don Alphonso, so wie er hier schreibt, hat übrigens weniger den Charakter seines konfliktscheuen Autors als vielmehr den des geistreichen Jungen, der damals vor der Tür seiner Eltern erfroren ist)

0 donalphonso 16.04.2010, 21:13 Uhr

sylvia, natürlich würde man...

sylvia, natürlich würde man sich wünschen, dass es immer so weiter geht, aber das Schlimme kommt ja auch nur sehr, sehr langsam, also liest man doch weiter, was nicht immer der Stimmung, aber durchaus der Erkenntnis hilft. Ich hoffe daraus zu lernen, wie ich mich möglichst im ersten Kapitel halte, und bislang ist mir das in einer Basil-Seal-Seichtigkeit auch gelungen. Übrigens traf ich gestern den Bürgermeister, und er trug einen Green Bowler Hat. . N°5, wenn es nur so leicht wäre, danach das Leben wieder zu geniessen.

0 staph.aureus 16.04.2010, 22:29 Uhr

HansMeier555: "Wen die Götter...

HansMeier555: "Wen die Götter lieben, Der stirbt in Hollywood". Oder weiter westlich, im westlichsten aller Westviertel für die Stützen der Gesellschaft, häufig passend -siehe oben, gerne auch ganz oben- : Alcatraz. . Bei dem schönen Gerede über Schulen und Ausbildung fällt heute der Lebenslauf eines jungen Mannes namens Fabrice auf, den sein Weg immer weiter westlich führte: Lycée Henri IV, Centrale Paris, Stanford University. "Fabrice is a fitting "prison bitch" name", schreibt ein Kommentator. . Westviertel, auf Wiedersehen ? Vielleicht hat man ihn bald an den Wachteleiern, mit toast. Was gibt´s denn für Anlagebetrug ab 1 Mrd. aufwärts ? (pessimistisch zu befürchten: einen CEO-Posten, denn "Importantly, this is NOT a criminal indictment. It is a civil lawsuit." Frei übersetzt: Es geht um nichts wesentliches, nur um Geld.)

0 Justin Thynne 16.04.2010, 22:29 Uhr

Liebe Foersterliesel, indirekt...

Liebe Foersterliesel, indirekt kann man auch eine Verbindung von Etti Plesch zu Evelyn Waugh herleiten. Etti verlor zwei ihrer sechs Ehemänner an die Schriftstellerin Louise de Vilmorin, die wiederum über seine enge Freundin Nancy Mitford auch mit Evelyn Waugh bekannt war, über die er aber ebenso wie Nancy nicht unkritisch urteilte: "An egocentric maniac with the eyes of a witch. She is the Spirit of France. How I hate the French" und ihr in seinen Tagebüchern am 08.08.1946 eine wundebar-bösartige Eintragung widmete. Wäre sie ihm sympathischer gewesen, hätte sie sich wunderbar als Romangestalt im Umfeld von Lady Metroland geeignet. (wie ich gerade feststelle, führt der Link - ganz herzlichen Dank - auch zu Louise de Vilmorin)

0 HenryPetersen 16.04.2010, 23:30 Uhr

Mein Gott, die hier genannten...

Mein Gott, die hier genannten Probleme sind ziemlich wirklichkeitsfremd. Mary Wesley in The Camomile Lawn beschreibt die bessere englische Gesellschaft als wesentlich widerstandsfaehiger. Ich muss @JorgeLoma zustimmen, in meinem langen Leben habe ich von solchen Problemen kaum gehoert, liegt wahrscheinlich daran, dass die US society nicht so verwoehnt ist wie die deutsche. Don, Hunter Thompson sollte Ihnen eine story wert sein, er schreibt einfach genial, letztlich hat er sich mit einer 357er das Leben genommen. Ubrigens, Don, fuer meine Unterstuetzung brauchen Sie sich nicht zu bedanken, you are the best. Mit Ihrem Colnago moechte ich allerdings nicht tauschen, mein 35 Jahre altes Cinelli mit kompletter Campi Ausstattung sieht einfach schneller und eleganter aus.

0 JorgeLoma 17.04.2010, 03:35 Uhr

Quasi in einem "Paradies"...

Quasi in einem "Paradies" aufgewachsen zu sein, bedeutet nicht Risikoscheu, vielmehr AUCH die Gewissheit, auf Grund dieser in der Jugend erfahrenen Gewissheit, dass es die "kleinen" Schätze sind, die ein gewisses Aufgehobensein fördern, wenn nicht auch - ich sage mal - garantieren. Mit Kumpel H.L. hätte ich fast die Kirchenruine nebenan zum Einsturz gebracht mit Schwarzpulver etc. Wir entkamen mit knapper Not. Eines Morgens klaffte auf dem Grundstück gegenüber unserem damaligen Haus in R. ein 10 m tiefer Bombentrichter. Von dem 50 m weiter gelegenen Haus gab es nur noch den Keller und einen Schutthaufen. Wieviele Tote in meinem Alter? War es, Don Alphonso, der oberbayerische Mutteranteil, der selbst eine BDM-Göre abhandelte mit dem im Norden sicher unverstehbaren "Saudeandl dreckats"? und: "Zuerst mal geht meine Tochter in die Schule, dann nach Hause, dann macht sie ihre Schularbeiten, und wenn dann noch "a Zeit" ist, dann darf sie zu euch. Ist es das nicht, was "unser Führer" will"? Als meine Großmutter nach Verlust 3er Söhne das Mutterkreuz in Jold verliehen bekommen sollte, schickte sie den Überbringer dahin, wohin er gehörte. Oder waren es etwa die stille Liebenswürdigkeit und der wissenschaftliche Fleiß meines Vaters, der vor uns niemals bejammerte, dass er seine Sammlungen, seinen geliebten Bechstein und einen Sohn im WK II verloren hatte? Nach 2 Jahren Dozentur in einer Stadt in Asien, einer Strafstation für deutsche Diplomaten, lebe ich seit 20 Jahren in einer Metropole, die Beamte nur mit Sicherheitszuschlägen betreten: Quasi-Festungen mit mucho Wachpersonal. Ich sagte schon gestern, dass ich mich nicht immer auf mein "naives Gott- vertrauen" verlassen konnte und reichlich "gepatzt" habe im Stil meiner Mutter (s.o.). P.S.: Noch ein Anekdötlein aus der Mauerzeit. Als mir ein GrePo unterstellte, einen Klavierauszug aus dem Jahre 1890 als Kulturgut aus der "Hauptstadt der DDR" schmuggeln zu wollen und mich in eine Garage wies, trug ich ihm mit Stütze, also Intensität, aus dem Klavierauszug vor - raten Sie, was? - aus der Rolle des Verdischen Großinquisitors. Es donnerte ganz schön. Sie ersehen aus all meinen Ausführungen, dass solche Nutzlosigkeiten wie Künste etc. etwas gelegentliches Nützliches folgen kann. Mein bester Kumpel hier ist für die nächsten 3 Generationen exkommuniziert, weil er eines Tages mit seinem Revolver auf einen Kruzifixus schoss. Salud! Is dat nu Westviertel oder wat?

0 bloggoergosum 17.04.2010, 08:19 Uhr

...wenn sich in der...

...wenn sich in der nord-bajuwarischen Provinz eine Apothekerstochter (medizinstudierend) mit 19 (in ihrem Mageninhalt gefundenen) Schlaftabletten, im 'zarten' Alter von 30 Jahren umbringt, dann kann man davon ausgehen, dass sie weiss was sie tat. -- Anderen "Schuetzen" wuensche ich eine ebensolche Treffsicherheit. :~(

0 Franz von Hahn 17.04.2010, 08:32 Uhr

Naja, man schreibt halt aus...

Naja, man schreibt halt aus der Perspektive desjenigen, dessen direktes Umfeld komplett zu den 80% Überlebern (physisch und sozial) gehört. Drogen-geographisch (nicht all zu weit von der holländischen Grenze) liegt hier auch so einiges im Argen...

auch einer (16. April 2010,...

auch einer (16. April 2010, 19:29), ja natuerlich, die Nachtprogramme! Wie konnte ich sie vergessen? Uebrigens das einzige von Arno Schmidt, das ich unangestrengt ueberstand.

0 HansMeier555 17.04.2010, 09:15 Uhr

Solang sie sich nicht vor den...

Solang sie sich nicht vor den Zug werfen und dadurch auch noch anderen Leuten Gewalt antun, v.a. dem Zugführer. . Da ist es doch besser, sich in der Fachbereichsbibliothek Pharmazie was zur Botanik zu klauen und ganz entspannt einen längeren Waldspaziergang zu machen.

0 auch-einer 17.04.2010, 10:39 Uhr

filou, der einstieg war für...

filou, der einstieg war für mich "leviathan" und "schwarze spiegel", ich bin dann nicht bis zum spätwerk gekommen. damals war ich beim bund, so dass hier ein gewisser biografischer bezug bestand. damals hatte ich nicht den faust in der kampftasche, aber doch eine französichen ausgabe der miserables im spind.

..ich finde das Colnago ganz...

..ich finde das Colnago ganz hübsch! Ein altes italienisches hab´ich selbst; man sollte sie so nicht vergleichen. Es ist, wie wenn ich eine teure Hüftjeans mit leichtem Schlag neben, na sagen wir die Hose eines ehemals modischen Anzuges halte. Es beisst sich. Zum Verjüngen des Colnago empfehle ich, wenn überaupt weniger auffällige Felgen/ggf. in schwarz. ..Es wirkt damit zierlicher .....

Auch erwaehnenswert: die...

Auch erwaehnenswert: die Gruppe aus der (unteren) besseren Gesellschaft, die sich zwar nicht zugrunde gerichtet hat, aber aufgrund ihrer besseren Jugend zu frueh zu viel gesehen und (zu leicht) gehabt hat. Paarmal business class mit 17 kann da reichen. Dann Versagen vor oder zumindest nur Leistungsmittelfeld bei einer der wenigen eher demokratischeren Wettbewerbe (Gymnasium, Uni), dann Intervention der Eltern (Privatschule, gekauftes Auslandsjahr), dann Berufsweg oder sonstige Schein-Selbstverwirklichung in einer Richtung, mit der man sich selbst nicht ewig beluegen kann (in meinem Bekanntenkreis gerne: zweitklassige Uni-Laufbahn oder halt doch die kleine Firma uebernehmen). Im Resultat dann halt das Unglueck auf Nebenkriegsschauplaetzen suchen, meist mit einer halben Generation Verzoegerung.

0 HansMeier555 17.04.2010, 12:12 Uhr

Hätte nicht auch ein...

Hätte nicht auch ein Kuckucksei mit aufs Bild gemußt?

Lieber JorgeLoma, "mucho...

Lieber JorgeLoma, "mucho Wachpersonal" - wo? Südamerika? Erzählen Sie. "Drei Generationen exkommuniziert" - das halte ich für ne Art der Metapher, da ja doch nur derjenige-welche geext werden kann, die Sprösslinge keinesfalls, oder?

0 cleawalford 17.04.2010, 13:06 Uhr

Betr.: "Klassentreffejn wären...

Betr.: "Klassentreffejn wären noch mal ein ganz eigenes Übel. ich weiss schon, warum ich da nicht hingehe." Don Alphonso Doch, bitte unbedingt hingehen und uns danach minutiös alles berichten!!!

Einmal im M-Magazin (der...

Einmal im M-Magazin (der Migros/CH) erschien ein Homestory "A Day in the Life of a Butler" oder sowas... dazu ein Bild, darauf ein (Schweizer?) Chauffeur der sich um das Tea-Ritual im Salon kummerte (er war offenbar ein "Chauffeur cum Butler"). Doch er hatte immer noch seine Mütze an (ausgerechnet im Haus!!!) und trug Lederhandschuhe. War er tatsachlich "Chauffeur cum Butler cum Gardener"?

0 auch-einer 17.04.2010, 18:46 Uhr

auch-einer, auch darüber...

auch-einer, auch darüber müsste man mal schreiben: Die Kinder der Reichen konnten irgendwas studieren und später mal die Berufe der Eltern übernehmen, oder was machen, zozu sie Lust hatten, ein paar Ärmere mussten in Rekordzeit studieren, und die anderen gingen in einer Lehre oder wurden Lehrerin. . don, die kinder der reichen hatten es, zumindest nach der meinung, teilweise auch erfahrung der weniger reichen, besser; wie das schon brecht wusste. von daher ist auch die überrraschung verständlich, die aus einigen antworten auf den ausgangstext anklingt. . anfang der siebziger war die erste, damals als krise empfundene rezession der ende sechziger überwunden, als nächstes stand die energiekrise an, von der aber der abiturjahrgang 1973 im augenblick der attestierten reife noch nichts wusste. im rückblick war auch das harmlos, gemessen an der ddr, die damals ihre energiewirtschaft, soweit noch nicht erfolgt, ziemlich brutal auf braunkohle umstellte, umwelztschutz war sowieso kein thema, dies nur als hinweis, was alles machbar war und möglicherweise wieder machbar sein wird. . zu der zeit hatte der hauptschüler noch möglichkeiten. nicht nur die lehre im handwerk, kfz-mechaniker und frisöse, was damals die top-berufe für hauptschüler waren. ich bilde mir ein, dass klassenkameraden den weg von der hauptschule über die einzelhandelslehre zum geschäftsführer eines einkaufzentrums gingen. gute leistung, aber dazu sucht man heute abiturienten, die über die berufsakademie einen dualen abschluss machen. azubis suchen die heute auch noch, vielleicht sind die scankräfte auf 400,00 eur-basis schon zu teuer. . die hauptschüler, die es bis in die metallindustrie brachten - da. wo ich herkomme, ist sie nicht ohne bedeutung, ein automobilzulieferer, ein motorenhersteller, noch ein zulieferer, im nachbarort ein flugzeugentwickler, rüstungsindustrie eben, die kenner wissen schon - nun, vergleichsweise war das seinerzeit nicht eben schlecht. ich glaube nicht, dass da heute noch ein hauptschüler chancen hat, auch wenn schoin der grossvater beim alten... . die mittelschüler, die es bis in die metallindustrie brachten, als kaufmännische angestellte, einer erzählte mir von sieben hierarchieebenen dort, die hatten es besser als die im öffentlichen dienst und dabei war auch der im vergleich so schlecht nicht. . oder anders, die zukunft lag damals als breite landschaft vor einem, dass sich das einmal ändern würde war damals so nicht vorgesehen. von daher war es sechs, sieben jahre später nicht mehr so toll. . und, wie gesagt, für diejenigen, die damals über ihr abi das ticket zum studium erworben haben, das unmittelbare verwertungsinteresse lag erst einmal in weiter ferne. die vor denen hatten es noch besser, aber das ist lange her. . das alles ist heute anders. ach so, das studium fürs lehramt an der ph war so anstrengend nicht, allerdings war auch damals schon absehbar, dass das ende der fahnenstange erreicht oder in zukunft weniger plandstellen zur verfügung stehen würden. wobei, auch in den achtziger jahren wurde an den phs im ba,-wü. hinterland studert, ich nehme an, sehr lustig, geniesse den krieg, der friede wird furchtbar werden, hiess es so anfang 1945. . inzwischen sollen sogar wieder lehrer eingestellt werden, man glaubt es kaum.

auch einer, haha fuer die...

auch einer, haha fuer die franzoesische Ausgabe der Miserables hat mein franzoesisch nicht gereicht, aber ich liess gerne demonstrativ den zweisprachig gedruckten Villon auf meinem Bundesschreibtisch liegen. Als Distinktionsmerkmal fuer Feldwebel und Lockmittel fuer eine Angestellte (hat geklappt, grosser Neid im Bullenkloster, daraus resultierend die eine oder andere Diszi). Schoen war die Zeit? Nee, war sie nicht richtig-aber voller Leben. An Schmidt kam ich erst viel spaeter. Bis auf Zettels Traum steht alles im Regal. Zettels Traum ist teuer, und ich bin nicht bibliophil.

0 G. Schoenbauer 17.04.2010, 20:45 Uhr

Lieber auch-einer, . sicher,...

Lieber auch-einer, . sicher, die berufl. Einmuendung von Absolventen hat sich in den verschiedenen Wirtschaftskrisen verschlechtert, und wenn Planstellen auf lange Sicht besetzt waren, sahen die Chancen fuer den Nachwuchs oft auch nicht rosig aus (Schweinezyklus). . Sie vergessen aber die Bildungspolitik. Mitte der 1960er Jahre wurde von Georg Picht die Bildungskatastrophe ausgerufen, der eine allgemeine Stimmung in Worte fasste. Wieviele Universitaten wurden damals neu gegruendet? Waren 15? Oder 20? Die Angebotsseite auf dem Arbeitsmarkt fuer Akademiker wurden dadurch kareftig durcheinandergewirbelt. . Und das nicht nur in der alten BRD. Die schwindsuechtigen Brideshead-Verhaeltnisse in Oxford u. Cambridge, denen Justin Thynne nachzutrauern scheint ... Einen ersten Schlag erhielten sie durch die Oeffnungspolitik der Labour Party in den 60er Jahren, und einen zweiten durch Thatchers Bildungspolitiker, die das Gewicht auf oekonomische Effizienz und Effektivitaet, sachlich auf Naturwissenschaften legten. Ein wichtiger Hebel war und ist die staatl. Forschungsfoerderung, die damals massiv ausgeweitet wurde. Wer zahlt, schafft an, und die Personalpolitik tat ein uebriges. MfG G.S.

0 Justin Thynne 18.04.2010, 05:25 Uhr

@G.Schoenbauer. Zum Glück...

@G.Schoenbauer. Zum Glück gibt es noch Colleges, die ohne staatliche EInflußnahme akademsche Excellenz produzieren und trotzdem nicht auf High Table und den zeremoniellen Rahmen verzichten. Oxford and the other place sind nach wie vor mit weitem Abstand die führenden Universitäten, denen Labour und Maggie nicht wirklich etwas anhaben konnten. Und es ist der erhebliche Vorteil von Oxbridge, nicht wie in Deutschland aus jedem Absolventen einen Wissenschaftler zu machen sondern Persönlichkeiten, (früher hätte man gesagt Gentlemen und auch Ladies), die in jeder Disziplin execellent sein können. Schwindsuechten Verhältnissen nachzutrauen macht keinen Sinn, aber die Oxford und Cambridge sind und waren immer äußerst vitale Orte. Und Dekadenz ist nicht mit Schwindsucht gleichzusetzen.

0 JorgeLoma 18.04.2010, 06:28 Uhr

@Jugendliche und...

@Jugendliche und abenteuerlustige Malena, gern beantwortet der im Folgenden knöterige JorgeLoma Ihre Frage und stellt gleich eine rhetorische Gegenfrage: "Sind Sie blond (gern auch H2O2), jung (), schlank (mit Ansätzen zur Mutter), bringen Sie Ihre goldene bis diamantene Kreditkarte (gern von UBS etc.) mit"?, dann sind Sie hier hochwillkommen! 1000 rehbraun-schmachtende "Mi amor"-Augen und Schmachter werden Sie umschmeicheln, solange Sie "Si" sagen. Muchachas knicksen, Muchachos dienern. Besitos (Busserlchen) von morgens bis abends. Nie sind Sie mal allein! Großfamilie, Kindergewusel (möglichst príncipes = Söhne. princesas = Mädchen: in dieser Wertreihenfolge), Fernseher und Celular noch aufm Klo, kein Schritt ohne Limousine, endlose Kaffee-(gern auch Tequila-)Runden mit Cremetorten jeden Sonntagnachmittag mit "Ur-Ahne, Ahne, Mutter und Kind" oder gern jeden Tag mit Ihren Freundinnen, nachdem Sie Ihr Eigentum in einem standesgemäßes Colechio abgeliefert haben ... Sie blondes Aushängeschmuckstück bleiben immer die Gringa exotica. Man ist hier (gelinde gesprochen) sehr heimatbewusst und Sie, weil nicht ... Blutes, nicht würdig. Zudem: Sind Sie Akademikerin ("Frauen, die Latein und Mathe können, heiratet man nicht."), etwa kritisch? Sozial? Pinche-Gringa! Deutsche sind darüber hinaus kalt, was immer das heißt. Des- und dieserhalb: Hören Sie nochmal Leporellos Register-Arie! Sprechen Sie Spanisch? Nein? Schon verloren. Ach, hätte ich fast vergessen: Als vermutliche Bayerin skilaufen Sie gern. Hier dicken Sie im Club alemán unmerklich vor sich hin, lassen sich als Dame des hiesigen Westviertels alsbald liften usw. , werden Mitglied einer esoterischen Sekte ... Aber das kennen Sie ja alles aus den Westviertel-Schmonzes-Gazzetten oder doch eher nicht (s.o.)! Sie verstehen: Westviertel = Westviertel. In Ihrem Land setzen Sie sich auf Ihr Rennrad, huschen sogar als Frau mal hier-, mal dorthin, schwimmen ohne über den Tegernsee, trecken durch Australien, tun, wozu Sie gerade Lust und Laune haben - hier: Ihr/ ein (über)sorglicher Caballero ist allgegenwärtig um Sie, Sie "schwache" Frau. Der Verkehr macht Sie auf die Dauer müd oder rebellisch (s.o) oder krank nach Deutschland. Ist Ihre golden Creditcard dann wer weiß wo, dann - Pfüat di Gott scheene Gegend! Gerade erlebt, wie auch 80% aller einstigen Romantikerinnen mit Deutschland-Frust. Wie gesagt: Westviertel hier, Westviertel da, tralalalera tralala. > Warum ich es hier schon 20 Jahre "aushalte" (unzutreffendes Verb)? 1. Ich arbeite an einer bedingt internationalen Institution - ein Privileg: Ein Maestro ist Respektperson. 2. Ich bin ein (Macho-)Mann: muy bien! 3. Ich sage immer: "Si" und denke Pendejo, was mir an sich nicht liegt. 4. Hier in meiner Bibliothek geht es mir wie Hieronymus im Gehäus. 5. Mein Häuschen liegt in einer Cerrada hinter schützenden Mauern und "mucho" Wachtpersonal: nicht unbedingt immer erfreulich! 6. Stört mich der fröhliche Raketenlärm (tags, nachts, zu jedem Namens- und Geburtstag ganzjährig), flüchte ich zu den Cucarachas, Moskitos und Skorpionen aufs Land,und weil ich eben Gringo bin und deshalb notgedrungen auch reich, zahle ich das Doppelte, wenn ich es mir humorig gefallen lasse. Und die deutsche Gemeinde hierzuland? Die alte Regel heißt: "Gott schütze mich vor Sturm und Wind und den Deutschen, die im Ausland sind" , inklusive deutsche Diplomaten a !a Pofalla, St. Oiber, unserm Bundeskaschperl, auch unserm Denglischman aus BW pp. > Für die Exkommunikationsstory verbürge ich mich ausdrücklich. > Frage meinerseits: Vielleicht ist alles gerade andersherum? Und ich habe das "Wahre, Gute, Schöne" (wie herum auch immer) im hiesigen homo sapiens noch nicht entdeckt? Man wird hier geschwätzig. !Muchisimas gracias por su patiencia!

0 auch-einer 18.04.2010, 06:41 Uhr

g schoenbauer, Wieviele...

g schoenbauer, Wieviele Universitaten wurden damals neu gegruendet? . eben, nicht nur konstanz und mannheim (rudolf wildenmann, rektor der letzteren, über seinen kultusminister: konstanz ist die geliebte, sie bekam die perlenkette, mannheim die hausfrau, der man das haushaltsgeld kürzte) und das ganz notorische bochum (wir haben hier eine selbstmorquote, fast wie in bochum), vor allem wurden die ganzen fachhochschulen in der zeit buchstäblich aus dem boden gestampft. . die sozialdemokratisierung der lebensverhältnisse, oder die entwicklung des sozialsiaatsprinzipz hin zum vorsorgenden staat, schon ab der grossen koalition, brachte eien erhebliche ausweitung des öffentlichen dienstens mit sich. trotzdem sagte bundeslanzler schmidt, fünf prozent inflation seien ihm lieber als fürnf prozent arbeitslose. . das wäre übrigens auch eine gesonderte überlegung wert: inwieweit ging es den achtundsechzigern um veränderung, inwieweit einfach darum, möglichst bald auf einem stuhl zu sitzen zu kommen, auf dem schon einer sass, wie man beim doppelkopf sagt: gegen die alten. . für mich war etwa der abiturjahrgang 1970 der letzte, der sich beruhigt zurücklehnen konnte und egal wie, egal was, die posten waren sicher. schon mitte der siebziger war das nicht mehr so. der boom in den achtzigern lief auf pump, was dann kam, erst recht. . inzwischen haben die anderen kräftig aufgeholt, programmieren können sie in indien schon gut, daten erfassen erst recht, wenn die jetzt noch content in deutscher sprache zusammenklopfen können, kann die deutsche jouhurnaille, verzeihung, die personifizierten garanten unserer preessefreiheit und -vielfalt, auf rischka- und pedicabfahrer umschulen. mal sehen, wenn sich neven-dumont ans einer vietnamesischen zeitung beteiligt, um diesen prozess zu beschleunigen, ja, wenns doch der reduzierung von treibhausgasen dient.

Als Oscar Wilde Liebhaberin,...

Als Oscar Wilde Liebhaberin, habe ich auch mal versucht Brideshead zu lesen; es blieb bei dem Versuch, und nach den Kommentaren hier im Block verstehe ich, warum das Buch eines Konvertiten auf dem Index landete.

Werter G.Schoenbauer, Sie...

Werter G.Schoenbauer, Sie erinnern an Margret Thatcher. Mir ist die Parole, daß es sowas wie Gesell- schaft nicht gibt, in Erinnerung. Für mich ein im Kern rätselhafter Ausspruch und wozu sollte er dienen? Sollte damit gesagt werden - der Mensch ist kein soziales Wesen? Sollte mithilfe dieser Parole der Mensch als soziales Wesen abgeschafft werden? Welchem neuen Ideal sollte er weichen?

Nachtrag ...oder sollte nur...

Nachtrag ...oder sollte nur das Wort social aus dem Sprachgebrauch verschwinden, um dann als Sozialdarwinismus fröhliche Urständ zu feiern?

0 HansMeier555 18.04.2010, 09:28 Uhr

Liebe Minna, Maggie wollte...

Liebe Minna, Maggie wollte damit sagen: Es SOLL keine Gesellschaft geben, und folglich auch keine soziale Verantwortung und Verpflichtungen. Es gibt nur bilaterale Tauschbeziehungen (kommerzielle Verträge) und das reicht auch, damit kann man alles regeln. Daher müssen wir alles privatisieren, von der Eisenbahn über die Sozialversicherung bis hin zu den Sicherheitskräften. . Das alles hatte schon Hannah Arendt ca. 30 Jahre vor Thatcher richtig beschrieben, als sie sagte, Thomas Hobbes sei "der einzige Philosoph, auf den die Bourgeoisie sich je hätte berufen dürfen". Von ihm, Hobbes, stammt die nihilistische Weltanschauung, die sich das Bürgertum dann zueigen gemacht hat. . Hobbes' pessimistisches Menschenbild ("Krieg aller gegen alle" als "Naturzustand") entspringt keiner Einsicht, sondern einem Wunsch: Der Mensch er SOLL so sein, denn genau dann passt er zu denjenigen Zuständen, auf die das Bürgertum immerzu hinarbeitet. . Hannah Arendt wußte natürlich noch nichts von unseren heutigen Neoliberalen oder "Neokonservativen". Umso bemerkenswerter ihre Einsicht: "Was der Bourgeoisie in neuerer Zeit die nihilistischen Weltanschauungen aller Sorten auch intellektuell so verführerisch hat erscheinen lassen, ist eine prinzipielle Verwandtschaft, die sehr viel älter ist als das Erscheinen jenes Intellektuellengesindels, das sie dann verbreitet hat." . Alle Zitate aus: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Abschnitt "Imperialismus", darin die Kapitel: "Die politische Weltanschauung der Bourgeisie", und "Das Bündnis zwischen Kapital und Mob". . Sehr zu empfehlen!

0 Teutobrecht 18.04.2010, 09:49 Uhr

@Justin Thynne. . also das...

@Justin Thynne. . also das "schwindsuechtig" nehme ich zurueck. Dass Oxford u. Cambridge nach wie vor die mit Abstand fuehrenden Universitaeten Grossbritanniens und wahrscheinlich auch Europas sind, habe ich nicht bestritten. Und meine Behauptung einer nachhaltigen Umwaelzung der Verhaeltnisse durch Labour u. Thatcher stuetzt sich vor allem auf die (exzellente) Studie von Joseph A. Soares, "The Decline of Privilege. The Modernization of Oxford University" aus dem Jahr 1999. Diese Behauptung wuerde ich also beibehalten. . Dass an den beiden Universitaeten Persönlichkeiten aus den Examina gehen, "die in jeder Disziplin exzellent sein können", wie Sie schreiben, scheint mir hingegen ein Geruecht zu sein, das sich kaum bewahrheiten duerfte. Spezialisierung ist angesagt, auch u. gerade in Oxford oder Cambridge. . Den "Luxus" solch generalisierender Persoenlichkeitsbildung (mit hohem Freizeitanteil) leisten sich heutzutage nur noch japanische Universitaeten; die Spezialisierung folgt dann "on the job". . MfG G. Schoenbauer

0 Teutobrecht 18.04.2010, 10:23 Uhr

@minna, . ... also dass das...

@minna, . ... also dass das Abstrraktionsvermoegen dieser "eisernen Lady" dasjenige meines Hundes uebersteigt, wage ich schon deshalb zu bezweifeln, weil es sich dabei um ein ausgesprochen intelligentes Tier handelt. . Aber Spass beiseite. Sie war wohl von dem individualistischen Credo "Jeder ist seines Glueckes Schmied" und dessen wirtschaftswissenschaftlicher Verwurstung durchdrungen, und "Gesellschaft" war immer auch ein zentraler Kampfbegriff der Gegenseite: Gewerkschaften, Labour Party ..., der Seite, die in ihrer Wahrnehmung immer nur Forderungen stellte. . Witzig ist ja, dass diese Frau, die die Existenz der Gesellschaft verneinte, Gesellschaftsgeschichte geschrieben hat. MfG G. S.

0 HansMeier555 18.04.2010, 11:04 Uhr

Apropos Literatur . Da dieser...

Apropos Literatur . Da dieser Beitrag hier mit seinen Kommentatoren anderswo schon als "Neue Literaturkritik" bzw. als "Literatur AG" verkauft wird, möchte ich in die Runde gleich mal die Frage stellen: Hat irgendjemand die "Galsworthy Saga" gelesen (ich glaube von Frederick Forsyte oder so)? Ich kann mich nur noch dunkel erinnern, daß ich das Teil jahrelang im Bücherschrank meines Onkels gesehen habe, aber dann schon überblättern des Inhaltsverzeichnisses eingschlafen bin.

0 auch-einer 18.04.2010, 11:17 Uhr

hans meier Hobbes'...

hans meier Hobbes' pessimistisches Menschenbild ("Krieg aller gegen alle" als "Naturzustand") entspringt keiner Einsicht, sondern einem Wunsch: Der Mensch er SOLL so sein, denn genau dann passt er zu denjenigen Zuständen, auf die das Bürgertum immerzu hinarbeitet. . und ich dachte immer, hobbes beschreibt den bürgerkrieg als gesellschaftliche option deswegen so präzise, weil er das zu seiner zeit realität und erfahrung war. deshalb fordert er auch einen staat (er nennt ihn, wohl wissend, was er da fordert, leviathan), der stärker ist als jede bürgerkriegsfähige partei, sei es ein clan oder eine kirche. für bürgerliche freiheiten blieb da wenig platz, weshalb das eher zur argumentativen munitionierung von selbstherrschern verwendbar ist. . hier liegt übrigens ein problem, wenn der feudalismus wieder in seine alten rechte gesetzt werden soll: einen allgemeinen landfrieden konnte der nie so richtig durchsetzen.

HansMeier555, Hannah Arendt...

HansMeier555, Hannah Arendt mag ich. Für Ihre Erinnerung und die Zitate Gruß - und wenn es gestattet ist - Kuß . Teutobrecht, Für Ihre Ausführungen, meinen Dank, fühle mich wieder etwas "aufgeräumter". MfG

love .rain on me.....>the...

love .rain on me.....>the who..aus Quadrophenia selbstmord..artiges überfahren der klippe mit einem Scooter als abschliessende scenische Einblendung ..yeah!..:roger daltry. Also zuguterletzt, nach dem lesen einiger Kommentare stellt sich doch ein wenig resignierte Erschöpfung ein (o. umgekehrt)..Bildung Karriere ,Gesellschaft,..und wieder von vorn>ich konnt´s lesen, weil ich gerade an einer leichten Grippe leide und nicht Rennrad fahren kann. Am gestrigen Nachmittag hatte ich noch eine Diskussion über Beethovens 32 te Klaviersonate mit einem `Klavierpapst`; es ging um Klangbilder und auch Umfeldwissen; wie sich später allerdings herausstellte, hatte ich in den Detailfragen Recht!..ein Wunder! (Aber)..meine musikalische Ausbildung (eher autodid.).. ist lausig. ..der weitere Abend verlief dennoch ruhig und ich brachte mich nicht um>.vom Gefühl/Erfolg überwältigt.. In der Sonate, um zum Schluss zu kommen>Excursion?, geht es auch darum, dass der Meister die Tür zu einer neuen Epoche aufstösst> das hört auch ein Depp!..- um mal grass zu werden. Zwei Epochen geben sich die Hand und ich stellte mir die Frage , ob Zawinul`s Boogie Woogie-Walz auf diese Beethoven-sonate zurückzuführen sei?.. Ja..zwei ganz fremde Epochen geben sich da die Hand!

anfügend zu roger daltrey .ob...

anfügend zu roger daltrey .ob liebe regiert, regnet, durativ o. normale 3te Person verwendet wird, so erinnere ich mich!!..war gar nicht so klar; man darf so singen!....vielleicht weiss jemand , ob the who dieses Buch auch gelesen haben.?

0 Justin Thynne 18.04.2010, 14:11 Uhr

@- HansMeier555 (18. April...

@- HansMeier555 (18. April 2010, 13:04): "Neue Literaturkritik" ist natürlich recht spassig. Aber da ich in Oford Literatur und Neue Geschichte studiert habe, mag das bisweilen bei meinen Beiträgen durchscheinen. Frederic Forsythe und John Galsworthy bringen Sie sicherlich ganz bewußt durcheinander. Dazu sind Ihre übrigen Beiträge doch meist profunde. Die Chronik der Familie Forsythe (bestehend im übrigen aus drei großen Bänden mit mehreren Büchern) verfolgt die Geschichte der äußert umfangreichen Familie der middle-middle und upper-middle class über die 1880er bis in die Zwanziger Jahre und ist unbedingt lesenswert. Bringen Sie viel Zeit mit und kaufen Sie sich eine Ausgabe mit Stammbaum, sonst wird es ein noch unübersichtlicheres Unterfangen als Krieg und Frieden. 1932 erhielt John Galsworthy, für den die Forsythe Saga das Hauptwerk darstellen dürfte, den Literaturnobelpreis - den Evelyn Waugh zu meinem Kummer nicht erhielt. Danken wir Don Alphonso, das er in diesem blog-Beitrag ein Buch und einen Autor zum Gegenstand macht, das viele heimliche Anhänger und wenig öffentlichen Ruhm hat.

0 Justin Thynne 18.04.2010, 14:18 Uhr

@-HansMeier555: die Bände...

@-HansMeier555: die Bände (man bezeichnet dergleichen wohl als Trilogie)heißen übrigens: 1. The Forsyte Saga 2. A Modern Comedy 3. End Of The Chapter Band 3 beschäftigt sich mit der Familie Cherrell, einer Genty-Familie, durch die die Forsythes den in England möglichen Sprung von der Upper Middle Class in die Upper Class schafft, deren Distinktion nicht mehr durch Geld (Forsythes) sondern durch pedigree und coat of arms bestimmt werden.

0 Justin Thynne 18.04.2010, 14:30 Uhr

@-Teutobrecht: Vielen Dank...

@-Teutobrecht: Vielen Dank für Ihre Klarstellung zur Schwindsucht. Magaret Thatcher hat natürlich im Innersten nie die Existenz von Gesellschaftsschichten verneint, sondern nur die Üerlegenheit der britischen upper class - leider erfolgreich in frage gestellt -. Früher wurde ihre Partei im hintergrund von den Percys, Fitzherbert, Devonshires und Cavendishs beeinflusst und ohne Derby ging gar nichts. Aber an die Stelle der grand amateurs traten mit Thatcher die Politprofis und das Geld. Geld war für Thatcher das neue Distinktionsmerkmal, das ihr aus ihrer shopkeeper Familie als einzige Größe bekannt war. Aber die Frage darf gestellt werden, sind wir (ich beziehe dies jetzt auf England) nicht mit den grand amateurs besser gefahren als mit all diesen Politprofis?

Estimado JorgeLoma, halte den...

Estimado JorgeLoma, halte den südamerikanischen Kontinent für eine gemäßigte Zone und bin schon seit Jahren "hier" - leider ohne scorpions, das entsprechend bundesrepublikanische Salär und von Geburt an so blond wie der Jorge Löw aus dem Bundesfußballclub ;-) Und wo genau halten SIE sich auf? Mexiko? Venezuela? Kolumbien? Ecuador? Saludos von weiter südlich.

0 Gräflein 18.04.2010, 16:08 Uhr

Mal ne Frage, lieber Don -...

Mal ne Frage, lieber Don - wann widmen Sie sich eigentlich "uns"? Das gehobene Bürgertum ist doch nun wirklich hinreichend abgehandelt worden (wenngleich Sie den echten Großbürgen in Hamburg oder München ja schreibend aus dem Weg gehen; immer nur Ingolstadt ist langsam etwas mühsam). Mit freundlichen Grüßen aus Frankfurt (!) Nitz

Lieber JorgeLomas, meine...

Lieber JorgeLomas, meine Neugier ist befriedigt - danke! Also: Lehrer an der Deutschen Schule Mexiko - Lomas Verde. Ja, ich hab die gated communities gesehn - durchaus deprimierend. Halte die 3-Generationen-Exkommunikation allerdings nach wie vor für eine Übertreibung - geht doch gar nicht! Selbst am Canisius zu Berlin nicht ;-)

0 HansMeier555 18.04.2010, 16:24 Uhr

Lieber auch-einer . Man sich...

Lieber auch-einer . Man sich auch auf Hobbes Menschenbild berufen, und eine gegenteilige Schlußfolgerung ziehen: Daß jeder bei sich zu Hause ein Waffenarsenal horten sollte (siehe USA). . Und was den Bürgerkrieg betrifft, so heißt er heute "internationaler Terrorismus", und die Schlußfolgerung heißt, daß der "freie Westen", geführt von der USA darum das Recht hat, die Rolle des Leviathans zu spielen.

0 auch-einer 18.04.2010, 16:43 Uhr

Hat irgendjemand die...

Hat irgendjemand die "Galsworthy Saga" gelesen (ich glaube von Frederick Forsyte oder so)? . es gab da mal eine forsyte saga im fernsehen, so als serie. ob das was damit zu tun hat? . never sell consols, sagte soames forsyte, von beruf anwalt und auch sonst ein grosses ekel. consols waren britische staatanleihen, die, das ist ihre besonderheit, nie getilgt wurden, also immer weiter verzinst wurden und das bis heute; damit finanzierte die krone die napoleonischen kriege. für vermögende leute aus den western quarters war es einfach undenkbar, solche papiere, wenn man sie einmal hatte, zu verkaufen und geldverlegenheit gehörte nicht zu ihren alltagserfahrungen. . wer sich auf englisch langweilen lassen will (der autor bekam den nobelpreis) the literary network oder fullbooks(.)com bieten diese möglichkeit und noch mehr (beide pages habe ich heute gefunden, danke, hans meier).

auch-einer18:43 ...bitte, die...

auch-einer18:43 ...bitte, die Störung zu verzeihen - consols?- wie Sie es beschreiben, ist das doch eine Klasse Idee. ...und bei uns träumt man von Null-Schulden - aus Trotz?

0 colorcraze 18.04.2010, 18:13 Uhr

Ach, diese mürbe...

Ach, diese mürbe Depressivität und Verlusttrauer, wie bricht sie wieder mal durch.. dazu mag ich mich nicht äußern, es geht mir damit ehrlich gesagt ähnlich wie mit den Krankheiten meiner Großeltern: es ging mir auf den Wecker. Und ich habe deshalb beschlossen, meine Jämmerlichkeiten wenns irgend geht für mich zu behalten. Denn, wie es schon in 1001 Nacht heißt, bei dem Menschen, der eines Tages plötzlich in der Großstadt Kahira (Kairo) aufwacht: "Niemand interessiert sich für deine Geschichte als Pantoffelheld!".- Ansonsten: doch, Klassentreffen so nach 20, 30 Jahren sind schon interessant. Früher wär ich da ja auch nicht hingegangen, aber nachdem ich die Leute ein Vierteljahrhundert nicht mehr gesehen und auch nichts mehr von ihnen gehört hatte, war ich denn doch mal neugierig. Selbstmordrate macht etwa 5% aus, Frühinvalidität durch Krankheiten oder Rumkrebsen vielleicht 10%, weitere ca.20% sind so in ihren Lokal- und Familienbezügen involviert, daß sie nicht kamen, ca. 30% sind zufrieden, manche sehr und haben es recht weit geschafft, davon haben 5% eine ausgesprochen glückliche Ausstrahlung, etwa 20% hat es in entferntere Gegenden und Gebiete geschafft, die Hälfte davon könnte man als "angekommen" bezeichnen (leitende Position, Familie), die Hälfte nicht. Die, die ich zur Schulzeit furchtbar fand, fand ich immer noch furchtbar; ein paar wollten das große Leben vorführen, fanden aber wenig Gehör und wurden eher gedämpft, für ein paar war die Zwischenzeit zwischen Abitur und Festanstellung tatsächlich so bemerkenswert, daß sie sich noch oft, gern und wortreich daran erinnern (für mich war das eine ziemlich belanglose Zeit, ich war da eher im Aufbruch und interessierte mich nicht mehr für das, was demnächst hinter mir liegen würde); ein paar sind ziemlich getrieben, sei es durch 3 Scheidungen und 5 Kinder von 3 Frauen, sei es durch die Suche nach einer Dauerstelle als Prof, naja. Aber alles in allem war es eine sehr offene Atmosphäre, die allerwenigsten versuchten sich herauszustellen oder Lebenslügen aufzubauen, die meisten freuten sich, einmal ihre ganz persönliche bisherige Lebensgeschichte erzählen zu können.

0 HansMeier555 18.04.2010, 18:35 Uhr

Apropos Vulkan: . Das ist die...

Apropos Vulkan: . Das ist die Rache der Raucher!

0 auch-einer 18.04.2010, 18:43 Uhr

hans meier, sehr richtig,...

hans meier, sehr richtig, das: . Man sich auch auf Hobbes Menschenbild berufen, und eine gegenteilige Schlußfolgerung ziehen: Daß jeder bei sich zu Hause ein Waffenarsenal horten sollte (siehe USA). . man sollte einem schützeverein beitreten, und das recht bald, wenn man in diese richtung befürchtungen hat. übrigens kursieren da, wo ich wohne, erzählungen über den tag der offenen tür auf dem flugplatz altenburg 1989: es seien da (es war ein flugplatz der roten armee) in den waffenkammern die sturmgewehre, maxhinenpistolen und pistolen in haufen gelegen und jeder, der damals dort westmark hatte, konnte sich für spätere gelegenheiten eindecken. gekauft hat, von denen, die das erzählten, keiner. . Und was den Bürgerkrieg betrifft, so heißt er heute "internationaler Terrorismus", und die Schlußfolgerung heißt, daß der "freie Westen", geführt von der USA darum das Recht hat, die Rolle des Leviathans zu spielen. . mt dem recht ist es so eine sache, aber etliche sind den usa recht dankbar, dass sie die kastanien aus dem feuer holen. aber nicht alle sagen das so direkt, man ist mehr im stillen dankbar. siehe unsere grünen, die neuen bürger, deren programmatische ausrichtung mit dem satz: wasch mir den pelz, aber mach mich nicht nass! ausführlichst umschrieben ist. . übrigens denke ich, dass in zukunft, gerade in der reichshauptstadt, emeuten in zukunft nicht ausgeschlossen sind. nein, nicht die fischweiber aus der sechsten etage des kadewe, die frau dr. hosenanzug durch die stadt und zur weiteren behandlung führen, das täten die nie, wo doch der herr gemahl und professor immer so freundlich grüsst. aber, sagen wir einmal, ein paar vermummte, die ein paar scheiben einschlagen, worauf ein paar dem don bekannte freunde des billigdöners und eine masse rentner die gelegenheit zum kostenfeien einkauf nutzen....

0 auch-einer 18.04.2010, 18:58 Uhr

minna, - consols?- wie Sie es...

minna, - consols?- wie Sie es beschreiben, ist das doch eine Klasse Idee. . ja aber freilich, heute ist man schon weiter, die anleihen werden zwar getilgt, aber durch neue anleihen, die schuld wird also umgewälzt und wächst dabei noch. . schuldenfreiheit ist nicht machbar. auch nicht wirklich zu wünschen. . ein gewisses augenmass sollte aber schon beachtet werden, im bundeshaushalt 2010 (hier: http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_4314/DE/Wirtschaft__und__Verwaltung/Finanz__und__Wirtschaftspolitik/20100326-Bundesrat-billigt-Bundeshaushalt-2010.html?__nnn=true) sind für den posten haushalt und soziales mrd eur 143,2, für den posten bundesschuld mrd eur 38,9 eingestellt - verteidigung mrd eur 31,1, verkehr, bau, stadtentwicklung mrd eur 23,3 bei gesamtausgaben von mrd eur 319,5 eingestellt.

@ Justin Thynne. Was hat...

@ Justin Thynne. Was hat President Mitterand einmal über Margaret Thatcher gesagt? "She has the eyes of Caligula and the mouth of Marilyn Monroe"... Jedenfalls, Frau Thatcher pflegte ein freundschaftliches Verhältnis zu den Top-Managers in GB: Einmal im Monat lud sie diese Herren zum Tee (um 18.00h) in Number 10 Downing Street ein, et voilà, damals lief die britische Wirtschaft wie eine Schweizer Uhr - tipp-topp, zuverlässig. Sobald Frau Thatcher Downing Street verlassen musste, ging es bergab mit ICI, GEC, Wimpey und andere Grossunternehmen in GB.

auch-einer, . was glauben Sie...

auch-einer, . was glauben Sie wie es um mein Augenmaß bestellt wäre, ginge von der Bundesschuld 0,1% in meine Tasche und wie sehr ich an Umwälzung und Wachstum interessiert wäre, wäre ich dazu noch eine Bank. . Und nun zur Frage, wer sitzt am längeren Hebel?

0 HansMeier555 18.04.2010, 19:41 Uhr

Lieber auch-einer, um nochmal...

Lieber auch-einer, um nochmal auf das Thema des Beitrags zurückzukommen: Die upper class der USA leistet niemals Wehrdienst. Das machen die armen Jungs aus dem Ghetto bzw. aus den Wohnwagensiedlungen Oklahomas. Und die beraten zwar niemanden in Sachen "Neue Medien" und fordern auch kein Existenzgeld, aber bei den Hausdurchsuchungen im Irak plündern sie natürlich, was das Zeug hält (Dollarscheine, Handys, Schmuck, etc.). Wobei man sich natürlich fragen kann, wieviel Mitleid die Westviertelbewohner von Bagdad, Fallujah und Najaf verdient haben.

Apropos Vulkan. Zitat: "Ist...

Apropos Vulkan. Zitat: "Ist das totale Flugverbot möglicherweise übertrieben, so eine Art Schweinegrippenkampagne im aerodynamischen Bereich?"' . Leider nicht von mir.

Naja, J.F. Kennedy leistete...

Naja, J.F. Kennedy leistete sehr wohl seinen Beitrag. Und so mancher andere der Oberschicht (John Kerry) auch. Selbst in Vietnam.

@ lieber Colorcraze Das mit...

@ lieber Colorcraze Das mit der müden Depressivität und Verlusttrauer kann man so sehen. Also weg mit dem, was hinter uns liegt? . In früheren Zeiten galt das trauernde Innehalten als edle Melancholie, der man sich durchaus als feinsinniger Mensch 3 Tage lang hingeben durfte, ohne gleich zum Arzt verschleppt zu werden. Sie war keineswegs so verpönt wie heute, wo wir zu jeder Stunde fröhlich zu sein haben. Was in meinen Augen gerade die Seelenpest unserer Zeit ausmacht: nicht trauern und nirgend seufzen zu dürfen. . Gerade die Trauer nicht zulassen macht dann wirklich depressiv. Was das betrifft, betrachte ich den Hausherrn sogar als recht gesund: Er verarbeitet, er zieht die Bilanz der mittleren Jahre. Und sogar mit finanziellem Ausgleich und literarischem Gewinn. Als Salongastgeber. Das muss man erst mal hinkriegen. . Der braucht keine Couch. Wir liegen eher auf seiner.

0 JorgeLoma 19.04.2010, 00:56 Uhr

Liebe Malena, es schmeichelt...

Liebe Malena, es schmeichelt mir, dass Sie sich mit Ihrer Recherche soviel Mühe gegeben haben. Allerdings müssen Sie mich mit wem immer verwechseln. Als anciano invalido kann ich gar nicht an einer Schule unterrichten. Belassen wirs bei meinem Pseudonym! Wie bei dem der anderen Foristen auch. Ich fühle mich dann ungebundener. Es amüsiert mich köstlich, wie Sie indirekt auf Büsche klopfen. Auf die blondinezza meines Vornamensvetters habe ich nie geachtet, werde es aber in DW-TV tun. Salär? Dann werden Sie den südlicheren ( huhu!) Kontinent ja leider bald verlassen müssen. Schad drum! > Ich kenne natürlich auch die vielen positiven Seiten dieses Landes: fleissige und intelligente, pünktliche und engagierte Studenten (!), glückliche Deutsche, echte Caballeros, beeindruckende Landschaften, comidas ricisimas, hilfreiche Nachbarn, romantische fiestas und noch viel mehr. Die hiesigen Westviertler lassen wir außen vor. Sie haben wie ich hier offensichtlich viel Glück "dort". Felcidades!

0 Folkher Braun 19.04.2010, 01:40 Uhr

Moin, als bisher stiller...

Moin, als bisher stiller Mitleser, dem einige Betrachtungen von D.A. bis heute nur entfernt erklärlich sind - bin halt anders aufgewachsen - , kann ich zum Thema Suizid der nachwachsenden Bourgeoisie etwas beitragen. Zu den technischen Daten: ich bin Jahrgang 51, aufgewachsen ab 56 im westlichen Westfalen, ab 69 Studium in Berlin und danach wieder ab 74 Ostgrenze höchstens Gütersloh. Bezüglich der Mortalitätsarten: bei uns hatten die Buben des "Westviertels" ab dem 16. Lebensjahr das motorisierte Zweirad Kreidler Florett. Damit flogen zwei im Innenbereich der Kreisstadt Coesfeld offenbar mit Höchstgeschwindigkeit 100 km/h vor a) eine Trafohaus b) eine Eiche. In beiden Fällen hat die Feuerwehr die Reste mit dem Spachtel zusammengesammelt. Oder Simca mit zwei Tanzschulschülern (männlich) um den Baum gewickelt. Dann hatten wir die Drogenphase, bedingt durch die einfache Logistik zu den Niederlanden. Das war aber wirtschaftlich nicht so erfolgreich, weil die Materialien vor Ort massiv gestreckt wurden, vor allem mit Maggi-Brühwürfeln, weil das Zeug kaum zu unterscheiden war. Ab 69 lerne ich zunächst als Malocher in einer Auto-Ersatzteilbude Berlin kennen, und zwar in der Weise, dass bei Arbeitsbeginn erst eine Pulle Bier und ein Wodka eingefahren wurde. Das war mir als Landei völlig unbekannt, denn wir waren alle ab 14 irgendwo in der Textilproduktion zugange und mechanische Stofflegemaschinen konnte man blau nun mal nicht bedienen. Aus diese Episode habe ich gelernt, dass der Slang der Berliner die Folge eines kollektiven Kieferschadens ist: sie bekommen die Schnauze einfach nicht zu und plärren ständig, wie großartig sie sind. Um dabei zu vergessen, dass sie seit der Luftbrücke ein endloses Subventionspack darstellen (mit dem Wechsel von Bonn nach Berlin: reloaded). Um auf die Suizidrate zurückzukommen: während meines Studiums dort wurde Kreuzberg zunächst von Junkies besiedelt, bis diese von den anatolischen Arbeitern verdrängt wurden, die ja zwei Jahrzehnte lang die Berliner Subventionswirtschaft am Leben hielten, weil die Kieferschaden-Einwohner sich für die einfachen Arbeiten zu schade waren. Der abgebrochene Student in Kreuzberg brachte sich irgendwann um oder wie von der bekannten "Christiane" berichtet, kleine Schulmädchen (seinerzeit noch ohne Sarrazin-Kopftuch) zum Dope. In der Zwischenzeit erlebte ich, wie an der FU-Berlin nach Willys Spruch "mehr Demokratie wagen" immer mehr Bürgertöchter und -söhne sich in der Politikwissenschaft einschrieben und entsetzt feststellen mussten, dass Pol.Wiss. derzeit wesentlich aus Marx, Engels, Stalin, und Mao bestand. Das veranlasste sie, zügig in andere Fächer zu wechseln. Suizide hatten wir in der Zeit nicht. Die Hürden, ein Examen in Pol. Wiss. zu erlangen, waren so niedrig, dass Abiturienten gleich hätten zur Diplomarbeit antreten können. Ab 1976 arbeitete ich als Fernfahrer, über zehn Jahre im sogenannten "Berlin-Transit". Wir fuhren also der Kieferschaden-Bevölkerung ihre Fress- und Arbeitsklamotten rein und nur ganz wenig heraus, weil, die produzierten damals schon nichts. Zwei DDR-Kontrollen rein, dito raus, haben einige Kollegen auf den sogenannten Transitstrecken auf den letzten Kilometern ihr Leben gelassen. Darunter auch ein promovierter Soziologe. Wir Politikwissenschaftler sind, glaube ich, alle durchgekommen. Um sich heute umzubringen, empfehle ich diverse Kurierdienste, Zeitung von Neu-Isenburg nach Berlin soll sich besonders gut eignen. Ob sich ´ne Apothekerstochter noch vor den Wagen wirft oder sonstwo ´runterfällt. Ist eh wurscht.

Moinsen @ Folkher...

Moinsen @ Folkher Braun, makaber das (mit den Baumwicklungen und dem Abspachteln). . Und Sie kennen dann sicher das, was man in Franken über Berliner sagte (in Franken machten sie zu Zeiten des Eingesperrtseins gerne Urlaub, später kauften sie günstigste Bauernhöfe dort wo heute Guttenberg-Country ist, in Oberfranken): . Was ist der Unterschied zwischen einem Storch und einem Berliner? Keiner. Kleiner Schädel, große Klappe und der Drang nach Süden.

lieber Jorgelomas, verlassen?...

lieber Jorgelomas, verlassen? hihi, ich denk nicht dran ;-) wieso denn auch? Salär? uns reichts ;-) DW? Ja, gibts die immer noch? Fragen über Fragen....

0 colorcraze 19.04.2010, 12:09 Uhr

@Vroni: ich bin bestimmt die...

@Vroni: ich bin bestimmt die letzte, die das Trauern verbieten wollte, ob sich oder anderen. Es gibt Trauerfälle. Wenn daraus allerdings eine nichtendenwollende Depressivität wird, wirds ungesund. Ein gewisses Maß an Unbehagen am Leben und an der Zivilisation muß man einfach aushalten. Und in der Mitte des Lebens muß man sich damit abfinden, daß sich irgendwelche Blütenträume nicht verwirklichen lassen, und einen gangbaren Weg finden, der zu beschreiten ist. Und man muß sich auch damit trösten können, daß wenigstens ein Teil dessen richtig war, was man getan hat, wenn auch nicht vielleicht gerade der, von dem man es anfangs dachte. Es gibt zwar Leute, deren Leben wie auf Schienen verläuft und die nie von irgendwelchen Selbstzweifeln geplagt werden oder wurden, aber davon dürfte es wohl nicht so sehr viele geben.

0 Cornelius 19.04.2010, 16:10 Uhr

@ Folkher Braun, 19. April...

@ Folkher Braun, 19. April 2010, 03:40 . Lieber Herr Braun, Sie sind Politikwissenschaftler? Habe ich das richtig herausgelesen?

0 Chat Atkins 19.04.2010, 16:16 Uhr

Auch ich habe damals früh...

Auch ich habe damals früh Selbstmord begangen.

0 auch-einer 19.04.2010, 16:20 Uhr

moin, folkher braun, . Um auf...

moin, folkher braun, . Um auf die Suizidrate zurückzukommen: während meines Studiums dort wurde Kreuzberg zunächst von Junkies besiedelt, . da waren welche, die anfang der siebziger aus der kleinen und dummen stadt am südlichen zipfele des oberen schwabens nach berlin zogen, weil da das heroin so viel billiger war. das war noch vor den schwäbelnden hausbesetzern. . die szene, da wo ich herkomme, traf sich damals u. a. auf einem kleinem park, der früher ein friedhof war. sich auf einem alten grab sitzend einen schuss zu setzen, nicht ohne ironie und für den, ders mag, sicher etwas feines.

0 Folkher Braun 19.04.2010, 18:44 Uhr

@Cornelius: Das mit dem Dipl....

@Cornelius: Das mit dem Dipl. Pol. habe ich schriftlich. Später kam dann noch etwas Seriöses hinzu, Industriemeister Fachrichtung Kraftverkehr. Brachte in den letzten 25 Jahren einfach mehr in die Kasse wie die 1/3 BAT IIa meiner forschenden Kumpels. gruß fb

0 JorgeLoma 19.04.2010, 19:48 Uhr

@Liebe Malena, der Sphinx...

@Liebe Malena, der Sphinx bittet die Sphinx um pocita Geduld. En un ratito continuemos. verdad? Die bräsige DW profiliert sich immerhin durch tägliches Soccern (Knips!), Autosalonieren und Rennwagisieren (Knaps!), einst: Vatikanisieren (Knups!), Wirtschaftseuphorisieren: Exportweltmeister, 3maligisieren vielster Meldungen (Knipsknapsknups!!!): Ich meine den Kniaoupf! Der größte Witz - horribile dictu - ist das auf Lateinamerika zugeschnittenste Programm: für Donalphonsofrankfurterbahnhofsprol. Ja, die Einschaltquote ist "des TVs liebstes Kind." Aber im Ernst: Es gibt doch sonntags so einige sehenswerte Kulinaristik, freitags auswahlweise Disputationen mit Journalisten und auch dann und wann "e weng" solide Wissenschaft etc. Teilprofessionelle Kritik: der Wiki-Quassel-BILD-Didaktismus, der mich zum xtenmal mitten im 2. Satz des "Gentilhomme" darüber belehrt, dass M. in S. in Ö. in E. geboren ist. Arrogante fossile Bildungsbürgerwestviertlertümelei, ich! Mire: Da lob ich mir doch das alternative Westviertel, das im Meer des Aktionismus stillschweigt, wobei auch ich wohlgemerkt: ironisch angemerkt Todsünden begehe und Geysire und ....isch (unaussprechlich) Grob- und Feinstaub entlassen muss, jedoch - ehrlich! - nicht - wertherisch - an die aktuelle Augsburgische Konfession vom Untergang des Abendlands durch 1968er etc. glauben kann. Dieser dortige Wilhelminismus reizt mich zu dem mich bayerischbarock anmutenden Wort eines Berliners (!) namens Max Liebermann - doch wohl kein Storch? - : "Ick kann jar nich so ville ..." (1933). ¡Perdón! > Da habe ich mich mal wieder von Pontius zu Pilatus geschwätzt: west(wald)-viertlerisch-nostalgisierend. Ich halte es dennoch letztlich mit colorcrazes ultima ratio mit Ausnahme des letzten (ironischen?) Halbsatzes. > Wat fürn Jlück, Vroni, dass wir von "Bamberg bis zum Grabfeldgau" außer Herrn Streicher noch den Lichtenfelser Einstein sowie Banz und gegenüber und "ein feste Burg ist unser" Co... und Pommersfelden und DürerSachsSchedelParler und das Reichsparteitagsgelände und Fränkisch-Sibirien und Zirndorfer und Rauchbier (hmmm!) ham. Cave Prolostviertleros mit Storchenmigrationsvordergrund: Kleinhirn und Großklappe! Ja, als noch die Mauer ... > Summa summarum: "Bayern/ Berlin wird halt von (den oktroyierten) Ober-/Mittel-/Unter-Franken (samt Hochadel) regiert..." (Reichskrone). > Die störr/chischen Zollern wanderten aus Nünnbäsch, wo sie wie Friedrich der Eiserne das Zwingburgenbauen erlernt hatten, um den aufmüpfigen Spree-Hanseaten die fränkischen Mores zu lehren, nach Cölln aus. Ansbach (ofr.? Helfen Sie meines Geistes Schwachheit auf!) war des Friedrich II. Schwesters Sanssouci-Exil. Und des welschsprechenden Königs Portrait mag aber auch in Ihrer Ur-Großeltern Wohnzimmer gehangen haben (von wegen Österreichs). Westviertel bleibt Westviertel. Erlángt? Fei? > Querida Malena, habe ich Sie jetzt sträflich vernachlässigt? Submissest: ¡Disculpe!

0 JorgeLoma 19.04.2010, 21:32 Uhr

Werter Don Alphonso, der...

Werter Don Alphonso, der tiefschwarze (Trauer-)Ton des Auf- und Niedergangs der (ver)letzten und aktu-/intellektuellen Generationen und ihr "Warten auf ihren Godot" als "Fußgänger der (stickigen) Luft" der allenthalbenen Westviertel in Süd und Nord und hier hat so manchen (s.o.) in die Ostviertel hinaus-/hineinvertrieben. Die sozialdarwinistischen Bisswunden der letzten 100 Jahre ... Fühlte/ wusste sich niemand durch durch die Woyzeck/ Wozzeck, Fallada, Döblin, Joyce, Benn, all die Manns, Celan, Remarque, Schnitzler, Krauss, Wedekind, Toller, Grosz, der Haifisch mit den Zähnen etc. etc. etc. darauf vorbereitet? > "Die Zeit, sie ist ein sonderbar Ding," trauert die Marschallin (nicht nur ihretwegen), als sie ihr Westviertel ostviertlerisch-lerchenauisch-aktuell im Walzer(!)takt zusammenbrechend erkennt. Die Westviertler "saßen und tranken am Teetisch und sprachen von Liebe viel?", die ästhetischen Herren und "die Damen von zartem Gefühl"? Und präsentierte man nicht "gütig die Tasse dem Herrn Baron" von Knigge? (frei zitiert). Worüber der sein Land Liebende in seiner Pariser Matratzengruft (immer wieder falsch zitiert) trauerte, durchlebte auch der Herr K. Die mahagoniestylische P(r)ostmoderne? "Auf nach Mahagonny"! > Eine Lösung? "Es muss, muss, muss!" Brecht), bevor es (wieder?) zur gewaltsamen "Publikumsbeschimpfung" (Handke) kommt derer, die "droben im Licht wandeln" und wir "von Klippe zu Klippe ... hinab" (freies Zitat). P.S. Solange ich WOviertler bin und mit Grusche sympathisiere, halte ichs jetzt und hier (viveversa) mit Ihnen, falls ich Sie richtig verstehe, tiefschwarz-eulespie-geloid und schweyksch - bis nach dem Krieg um 6.

0 JorgeLoma 19.04.2010, 22:01 Uhr

@ an alle Zeitigen, den...

@ an alle Zeitigen, den "Zeit"-Artikel vom 25.März 2010, S.23, gelesen? Welche Tragödie im ...Kampf der beiden Weltbilder und noch einiger dazu ... Wer kann da überleben, wenn er nicht Schildkröte (Panzer) oder Strauß (den Vogel) mimt? Oder den Walther auf dem Stein auf der Vogelweide?

0 JorgeLoma 19.04.2010, 22:07 Uhr

Werter Don Alphonso, der...

Werter Don Alphonso, der tiefschwarze (Trauer-)Ton des Auf- und Niedergangs der (ver)letzten und aktu-/intellektuellen Generationen und ihr "Warten auf ihren Godot" als "Fußgänger der (stickigen) Luft" der allenthalbenen Westviertel in Süd und Nord und hier hat so manchen (s.o.) in die Ostviertel hinaus-/hineinvertrieben. Die sozialdarwinistischen Bisswunden der letzten 100 Jahre ... Fühlte/ wusste sich niemand durch durch die Woyzeck/ Wozzeck, Fallada, Döblin, Joyce, Benn, all die Manns, Celan, Remarque, Schnitzler, Krauss, Wedekind, Toller, Grosz, der Haifisch mit den Zähnen etc. etc. etc. darauf vorbereitet? > "Die Zeit, sie ist ein sonderbar Ding," trauert die Marschallin (nicht nur ihretwegen), als sie ihr Westviertel ostviertlerisch-lerchenauisch-aktuell im Walzer(!)takt zusammenbrechend erkennt. Die Westviertler "saßen und tranken am Teetisch und sprachen von Liebe viel?", die ästhetischen Herren und "die Damen von zartem Gefühl"? Und präsentierte man nicht "gütig die Tasse dem Herrn Baron" von Knigge? (frei zitiert). Worüber der sein Land Liebende in seiner Pariser Matratzengruft (immer wieder falsch zitiert) trauerte, durchlebte auch der Herr K. Die mahagoniestylische P(r)ostmoderne? "Auf nach Mahagonny"! > Eine Lösung? "Es muss, muss, muss!" Brecht), bevor es (wieder?) zur gewaltsamen "Publikumsbeschimpfung" (Handke) kommt derer, die "droben im Licht wandeln" und wir "von Klippe zu Klippe ... hinab" (freies Zitat). P.S. Solange ich WOviertler bin und mit Grusche sympathisiere, halte ichs jetzt und hier (viveversa) mit Ihnen, falls ich Sie richtig verstehe, tiefschwarz-eulespie-geloid und schweyksch - bis nach dem Krieg um 6.

0 JorgeLoma 20.04.2010, 03:49 Uhr

@Vroni sorry: Kurfürst...

@Vroni sorry: Kurfürst Friedrich II. Eisenzahn (reg.1440-1470)

Letztens in einem Wiener...

Letztens in einem Wiener Kaffeehaus sitzend und Zeitunglesend sinnierte ich darüber nach, wie unglaublich schade es wäre, wenn es keine gedruckten Zeitungen mehr gäbe. Nun sprach ich dieses Wochenende bei einer Geburtstagsfeier mit einer Dame, die im Verlagswesen tätig ist. Und zwar für einen Verlag, der Sonntagsausgaben von Tageszeitungen mit seinen Produkten in Buch- und Heftform weiter aufmöbelt, als zusätzliche Dreingabe gewissermassen. So weit ist es nun also in der Verzweiflung schon gekommen. Der Spielraum nach unten scheint aufgebraucht, ab dann kommt nur noch das Sterben. . Mir ist das Verlagswesen zwar nicht gänzlich fremd, jedoch bin ich kein Experte auf diesem Gebiet. Aber Leser. Und als solcher machte ich ihr folgenden Vorschlag: Preis rauf, auf 4,50 oder 8,90 für eine Ausgabe. Mindestens. Wochenendausgabe dick und noch teurer, Werktagsausgaben dünn. Keine flache Tagesberichterstattung, kein Nachschreiben von Presseinfos, das besorgen schon andere im Internet oder die eigene Onlineausgabe für ein paar Werbeeinnahmen - sondern hochwertiger Jounalismus, gut recherchiert, Hintergrundinformationen u. dgl. Lustigerweise war die Dame einigermaßen erstaunt über mein Konzept, das in ähnlicher Weise wohl auch der bekannte Zeitungsdesigner XY seit einer Weile propagiert. Aber auch als Leser macht man sich Gedanken, und daher lese ich auch gerne dieses Blog. Lieber übrigens, als auch die FAZ am Sonntag, mit der ich trotz Münchenausgabe nie richtig warm werden konnte. . Und dazu Musik: François Couturier "Un jour si blanc". Piano solo. Avantgarde. Wahnsinn. Auf ECM Records erschienen. Das könnte übrigens auch Ihnen gut gefallen, Don Alphonso.

0 Cornelius 20.04.2010, 08:36 Uhr

@ Folkher Braun, 19. April...

@ Folkher Braun, 19. April 2010, 20:44 . „Später kam dann noch etwas Seriöses hinzu …“ Würden Sie meine Vermutungen bestätigen, dass die Politologen der letzten 30 Jahre - bis in die Gegenwart - ihren Beruf ohne Berufung ausführen? Wertlose Faselei um des reinen Broterwerbs willen … Helfen die genannten und ihre forschenden Kumpels (sic) nicht eher den Regierenden, als den regierten, ihre Macht zu zementieren? Liest man deswegen so wenig über die haushohen Schwächen der Demokratie und ihrer zwangsläufig drohenden Zersetzung? . Was halten Sie von einem Numerus Clausus für Parteien und Politiker?

0 Folkher Braun 20.04.2010, 21:50 Uhr

@Cornelius, nun, ein...

@Cornelius, nun, ein Politologe weiß von allen Dingen etwas aber nix Genaues. Aus Gründen des Eigenmarketings muss er irgendetwas "anproblematisieren". Die Beisitzerin in meiner Diplomprüfung hatte höchstpersönlich einen Bruch zwischen den Marxschen Früh- und Spätschriften herausgefunden. In meiner Prüfung hat sie den mir erklärt. Vorteil: ich brauchte nichts sagen. Kürzlich wollte die gute Frau Bundespräsidentin werden... Sie redet heute noch so wie damals - 1973. Berliner Politologen haben seinerzeit in unzähligen Studentenparteien versucht, das Kieferschaden-Proletariat zu "agitieren". Wenn sie dann "Ho-Chi-Minh" rufend durch die Straßen liefen, brauchte es keine Polizei, sondern die Liter Urin, die freundliche Anwohner auf die Studentenparteiler aus den Häusern abkippten, um den Politologen begreiflich zu machen: wir sind beim Kieferschaden unerwünscht. Für mich sind diese Zeiten die Erfahrungsbasis der Leute, die dann strickender, singender und plappernderweise Öko wurden. Im Hegelschen Sinne gesprochen: Der von Proletariat mißachtete Geist kam zu sich selbst, indem er sich nur noch mit Seinesgleichen beschäftigte. Nur so kann ich es mir erklären, dass die "Sozialreformen" von SPD und Grünen keine wissenschaftlich fundierte Entgegnung erfuhr - und das bis rein in den DGB. Einzelheiten würden hier zu weit führen. In diesem Blog will ich ja im Grunde nur mitlesen, weil mir die Lebenswelt des Don Alphonso wirklich fremd ist, und alles das interessiert mich halt. gruß fb

0 JorgeLoma 21.04.2010, 06:08 Uhr

@Folkher KennSe den: Diepgen?...

@Folkher KennSe den: Diepgen? Aha!

0 Folkher Braun 21.04.2010, 23:15 Uhr

Nee, der ist Jurist, genau so...

Nee, der ist Jurist, genau so wie sein Kollege Lewan...hassenichgesehen, der die Bank versenkt hat. Wowie ist, wenn ich mich nicht irre, Dipl. Pol., Verdi-Bsirske ist einer und: Arnulf Baring. Den habe ich 1969 im H1 des OSI noch gehört, als er über das "bipartisanship" des US-Präsidenten - auf emmericcän inklisch - fabulierte. Heute nennt er sich Historiker. Gesine ist klar, die hatten wir schon. Den einzig seriösen Politikwissenschaftler, den ich damals kennengelernt habe, war Ossip K. Flechtheim. Mit dem haben wir Studies schon 1972 über die Computerisierung des Lebenswandels diskutiert unter dem Gesichtspunkt, was passiert, wenn alle so ein Teil zuhause haben. War damals überlegt worden im "Zentrum Berlin für Zukunftsforschungen" unter seiner Mitwirkung. Solche Größen haben wir heute in der Pol. Wiss. nicht mehr. Behaupte ich mal. gruß fb

0 JorgeLoma 22.04.2010, 14:22 Uhr

@Folkher Braun, ich nehme mal...

@Folkher Braun, ich nehme mal an, dass ein ordentliches Studium rer.pol. nur hinderlich sein kann, ähnlich jur., (s. die berliner Strategen) ähnlich phil. Hätte der Großkanzler so weitergemacht wie in seiner berühmt-berüchtigten gesperrten Dr.-Arbeit, dann wäre er wohl ... Jaja! Vermutlich hängen die sich selbst irgendwann an einem Strick auf, dessen sie sich niemals bewusst geworden sind, bevor sie ihn knüpften. Ich amüsiere mich immer wieder köstlich über die "Spieljungen" und Heiligkeitsgesichter - und diejenigen Blindkörper, die d Blendkörper wählen. Wies Gscherr, so der Herr.

0 Cornelius 22.04.2010, 14:34 Uhr

@ Folkher Braun, 20. April...

@ Folkher Braun, 20. April 2010, 23:50 . „Ein Politologe weiß von allen Dingen etwas aber nix Genaues. Aus Gründen des Eigenmarketings muss er irgendetwas "anproblematisieren". Sehen Sie , lieber Herr Braun, da kann ich ja bei meinen Vorurteilen bleiben. Ginge es nach mir, würde ich das Fach Politikwissenschaften abschaffen, diese unproduktiven, Steuer fressenden „Läden“ schließen und ab mit diesen Schwätzern in die Produktion oder zum Spargel stechen (Erntehelfer). Was haben uns die Politologen in den letzten Jahrzehnten genutzt, vor allem in der Krise? Sitzen viele von denen nicht in irgendwelchen – von der Politik finanzierten – parteinahen Stiftungen und Sinnlos-Wirtschaftsinstituten? . Die Bevölkerung interessiert sich wohl kaum für den Bruch zwischen den Marxschen Früh- und Spätschriften, schon eher für faire Löhne, Lebensqualität, sozialen Frieden und sichere Renten. Wenn Berliner Politologen seinerzeit „in unzähligen Studentenparteien“ vergeblich versucht haben, das Kieferschaden-Proletariat (sic) zu "agitieren", dann liegt ihr Scheitern gewiss auch an der eigenen Unfähigkeit, die neuen Konzepte verständlich zu erklären.

0 Folkher Braun 23.04.2010, 01:44 Uhr

@auch-einer: Da kann ich...

@auch-einer: Da kann ich nicht mitreden, denn ich war entweder in der Ihnestraße studieren oder Geld verdienen bei der Reichsbahn im Ausbesserungswerk Grunewald. Ich kenne Berlin im Grunde mehr von den S-Bahn und Gütergleis-Strecken her. Weil: war die meiste Zeit in der M(eisterei) 13 Holzarbeiten, anders gesagt Bäume und Sträucher schneiden für die Signalsicht der Zugführer. @Cornelius: Wieso Vorurteil? - Sie haben eine sichere Erkenntnis. Sehen Sie mal die Internetseiten des Otto-Suhr-Instituts und fragen Sie sich, ob das, was die da forschen, irgendeiner brauchen könnte. Zu 95 % ist das alles (frei nach Joan Robinson): Hegelian stuff and nonsense. Ich suche dringend jemand, der herausfindet, warum die BASt-Untersuchung über Roadtrains ausgerechnet die Lastverhältnisse von fünfachsigen 44 t- Lastzügen nicht untersucht, die im Auftrag der Bahn unterwegs sind. Ist wohl so: Öko-Bahn ist gut, Lastwagen ohne Bahn böse. Das ist halt unser Niveau. gruß fb

0 JorgeLoma 23.04.2010, 05:32 Uhr

@Cornelius, über die...

@Cornelius, über die "Verwendbarkeit" des "Bruchs ..." für das praktische Leben - faire Löhne etc. - lässt sich trefflich streiten. Das Kieferschaden-Proletariat würde höchstwahrscheinlich Marx mit Marxismus verwechseln. Und hieß der Trierer nicht evtl. Murx, ohne seiner Philosophie zu nahe zu treten. Zu Spargelstechern taugt ein Politologe auch nicht - Kurzsichtigkeit auch im übertragenen Sinn, also zum P(r)olitiker. Diese Spezies aber gehört wohl nicht in diesen Blog? > @Folkher Braun und Cornelius: Erinnern Sie sich der seligen Zeiten als die Putzfrau zur "Fußbodenkosmetikerin" wurde. Diese Ironie wurde übertroffen, als die Dentisten zu Zahnärzten, Kindergärtnerinnen zur Erzieherinnen wurden, in der universitär-immanenten Hackordnung der Titel Discountprofessor entstand, PHs zu Unis, jedes Fach auch eine "Didaktik" entwickelte, das Abitur solange aufgeweicht wurde, bis die Studentenstatistik stimmte, neuerdings die Quantität statt der Qualität der wissenschaftlichen Arbeiten bestimmend ist für die Qualifikation. (Jaja, ich weiß, früher war es der Dr.Greif(swald) bzw. Dr.Graz, bei Herrn Adenauer der KV, in der DDBRD die Partei. Das gabs noch was ...). Langer Rede kurzer Sinn: Im Sinne dieser sozialen Meliorisationen entstanden wohl auch die politischen Wissenschaften.Politik ist aber doch ein "Hand"werk, sagen wir mal mit "political correctness". Auf dem Pressesektor gebar sich der BILD, der Morgenpestpaparazzo, im FS die Talgschau, der politische Wissen-schaftler privat im Pool, die hirnrissigen Boulevardzeitungsinterwiefs, das Lachhafteste: Politiker(nicht nur die)-Dr.-Arbeitenpasticcios der Geistwriter am Laufband, abgesegnet von Spektabilitäten, Ordinarien gegen Honorärchen. Sollte man die Liste der prekären Prekariate im Westvierteltaschenformat noch weiter verlängern?: "Oh, alte und neue B/Purschenherrlichkeit!" Heute sind es auch die bologneser BAler, die die größten Schwierigkeiten nach wohlgemerkt 6 (?) Semestern haben, eine Abschlussarbeit zu verfassen. So jedenfalls ein tränenreicher Report sogar in der ZEIT. P.S. Fast hätte ich die Kunsthistortikerinnen, Innenarchitektinnen, Deseinerinnen und so und so weiter aus uncorrectness unterschlagen - auch die in den Hüpe-Vierteln. Die sind - wie wir seit langem wissen - at home in Süd und Nord und Ost und West, at home auch an gewissen Binnenteichen und Toscanafraktionsidyllen. Ich jedenfalls wohne ganz "unspektakulär" in meinem Trullo, frühstücke gelegentlich mit Silvio gleich um die Ecke von Castel del Monte. Das/ Der ist mein fachsimpler Politikwissenschaftsp(b)ro(t)f(r)esse/or. Hüpegeilin, wa?

0 JorgeLoma 23.04.2010, 05:47 Uhr

Bei Kieferschäden denke ich...

Bei Kieferschäden denke ich auch an die BW-Copy Ihres A.B., einen ehemaligen Bundespräsidenten und einen ganz jungen Außenminister, nach dessen nächsten Fopass die Westviertlermeute hechelt.Es wird dann wieder satürisch zugehen. Entschuldigen Sie bitte meine Trullofroschperspektive. Was würden die Blogosophen machen, hätten wir weder West- noch Ostviertele. Pro(l)st!

0 Cornelius 23.04.2010, 19:49 Uhr

@ JorgeLoma . Treffer: Politik...

@ JorgeLoma . Treffer: Politik ist ein Handwerk, und was für eins, ein Handwerk der Königsklasse. Und wer sich darin versucht, sollte schon über herausragende Talente verfügen, die ich Silvio schlicht abspreche. Der hat zwar die Mittel, furiose Wahlkämpfe zu veranstalten, aber nicht die Gabe, den Ehrgeiz und die Einstellung, Italien in ein Musterland westlicher Demokratien zu verwandeln. Diese Vorlage wird wohl irgendwann aus D kommen. Made in Germany …

@Cornelius, ob diese Vorlage...

@Cornelius, ob diese Vorlage aus Deutschland kommen wird, ist die Frage. Den Tiefstpunkt deutscher Kanzlerschaft erlebten wir, gemaessigt Berlusconisch, mit Herrn S. aus Hannover. Der Mann wollte Kanzler werden, wurde es, und freute sich jahrelang so toll darueber, dass er darueber das Arbeiten vergass.

0 Cornelius 24.04.2010, 09:35 Uhr

Filou, Schröder ist einer der...

Filou, Schröder ist einer der Hohlköpfe, die irgendwann vor einem stringenten Ablassgericht stehen werden, um für ihre Dummheiten zu bezahlen.

Cornelius, dann moechte ich...

Cornelius, dann moechte ich beide sehen; das Bubenpaerchen Schroeder-Fischer. Ueber F. wird viel zu wenig geredet. Kein Wunder, denn die bundesweite Sympathie, die F. genoss, muss uns auf ewig peinlich sein. AH und die Nazis waren fuer Deutschland eine Tragoedie. Gut hegelianisch folgte die Wiederholung der Geschichte als Farce. Fuer dieses dumme Theaterstueck bezahlten wir gottseidank nur viel Geld und nicht mit Leichenbergen. Mir kommt der Verdacht, dass die Verdummung eines Volkes nicht mehr ueber ein Reichpropaganda-Ministerium erfolgte, sondern schleichend ueber Lehrer und evangelischen Glaubenspopulismus unter die Leute gebracht wurde. . Das grosse Getue um Mixa-gehn's- die katholische Kirche war immer schon eine Reibungsflaeche fuer Gratismutige. Den Damen und Herren Evangelen sollte man mal mit dem gleichen Laerm an die Baeffchen gehen. Tut man aber nicht. Wieso bloss?

0 colorcraze 24.04.2010, 21:51 Uhr

@Folkher Braun: 1972 schon...

@Folkher Braun: 1972 schon darüber zu reden, wie es sein wird, wenn jeder einen Computer hat, war aber echt weitsichtig. Erinnern Sie sich evt. noch (ok, schwer, weil die Erinnerung ja von den tatsächlichen Entwicklungen überformt wird), an was man da so dachte? - Ich selbst hörte während des Studiums von der Entwicklung von Telefonen, die man mit sich herumtragen kann. Mir war zumindest eins sofort klar: das ist ein Massenmarkt, denn das kauft (fast) jeder. Nix mehr öffentliche Fernsprechzelle, Eigentelefonzwang.

0 colorcraze 24.04.2010, 22:02 Uhr

@Jorge Loma: nein, der letzte...

@Jorge Loma: nein, der letzte Halbsatz war unironisch, aber ich zähle vielleicht auch anders als Sie. Ich ließ die Leute, mit denen ich beim Klassentreffen gesprochen hatte, Revue passieren; weder die ganz Häuslichen noch die Getriebenen noch die nach ganz auswärts Gegangenen zähle ich dazu. Mir stehen nur 2, 3 vor Augen (von vielleicht 12), bei denen ich mich beherrschen mußte, weil ich dachte "deren Leben verläuft wie auf Schienen". Die sahen auch gegenüber der Schulzeit unverändert aus.

0 Folkher Braun 24.04.2010, 23:08 Uhr

@colorcraze: der Professor...

@colorcraze: der Professor Flechtheim war halt ein - im guten Sinne - Intelligenzbolzen. Der hat einfach nur extrapoliert, was wäre, wenn die großen Kisten mit den Stanzkarten (wie damals in den "Universitätsrechenzentren") ganz kleine autonome Einheiten wären. Er rechnete damals, die "Vernetzung" der Alt-Bundesrepublik würde 40 Milliarden Deutschmarks kosten. Also: zu Rechnerleistungen von Annodunnemal. Wir als Studenten konnten uns nur schwer vorstellen, was er im Prinzip durchgedacht hatte: die Abschaffung der Bibliothek und der allgemeine Zugriff auf Wissen mittels Maschinen. F. hat mich glücklicherweise davon abgehalten zu promovieren. Ich hatte gewisse Merkwürdigkeiten bei der SPD-Konferenz von Wennigsen vom Dezember 1945 festgestellt. Er hat mir empfohlen, darüber nichts zu sagen, weil, das Thema würde mich zwingen, das zu tun, was er in den 30ern auch musste, nämlich auswandern. Das war mir ein deutlicher Hinweis darauf, was Politikwissenschaft in Deutschland darf und was nicht. Ist Schnee von Gestern. Nach Kurt Schumacher werden Straßen und Plätze benannt. Alles easy. gruß fb

0 JorgeLoma 25.04.2010, 07:58 Uhr

@colorcraze ebenfalls!Zum xten...

@colorcraze ebenfalls!Zum xten Abiturjubiläum bin ich gar nicht erst angereist. Ich hatte vorher die 11 Autobiographien gelesen, und wegen eines Ex-Klassenkameraden konnte ich nicht meine Studenten vernachlässigen. Die bekommen von mir bei Gelegenheit den Quellenwert der Autobiographie erklärt. > Bis 1968 konnte ich das Gemeinschaftsaufundnieder etc. auf Kommando einigermaßen ertragen, auch anderes, weil ich dort auch echte Freunde hatte. Sehr viel später versuchte ich es noch einmal - Pleite. Also unkomminationsfähig, unsoziabel? Ein Unwort meiner Jugend lautete: "Anpassen! Anpassen"! Wäre ich dieser Phrase unreflektiert gefolgt, wäre manches Hübsche, vor allem für meine Leser und Hörer, nicht entstanden. Also doch für die "langen Ohren" selbstprostituiert? Nö! > Ich korrigiere meine Antwort auf Ihren letzten Halbsatz und stimme Ihnen zu, dass ja.

0 JorgeLoma 25.04.2010, 08:03 Uhr

@Folkher Braun Ihr...

@Folkher Braun Ihr unterdrücktes Promotionsthema (Wennigsen, 1945) würde wohl manchen brennend interessieren. Wie wärs mit ein paar Sätzen?

0 Cornelius 25.04.2010, 09:44 Uhr

JorgeLoma, mich auch. Obwohl...

JorgeLoma, mich auch. Obwohl ich vermute, dass es um ehemalige NSDAP-Kader gehen könnte, die sich - in anderen Gewändern und selbst gefälschter Vita - für einen Neuanfang empfohlen haben, und damit auch durchgekommen sind.

0 colorcraze 25.04.2010, 22:23 Uhr

@Folkher Braun/Jorge Loma: hm,...

@Folkher Braun/Jorge Loma: hm, Sie scheinen so etwa 10 Jahre älter zu sein als ich. Andere Rahmenbedingungen für Biographien. ÖD war noch eine Option. - Der Herr Flechtheim muß ein interessanter Mensch gewesen sein, bei dem man so einiges erfahren konnte.

0 JorgeLoma 25.04.2010, 22:53 Uhr

@ Cornelius Sie sagens!...

@ Cornelius Sie sagens! Allerdings darf ich auch zu bedenken geben, dass die SPD keine Ausnahme bildete. Nota bene den Häuptling Silberzunge und jenen Adenauer-Botschafter, den auch der damalige Kremlchef akzeptierte. "Les extremes se touchent", was zum Weiterdenken einlädt.

0 JorgeLoma 25.04.2010, 23:15 Uhr

@colorcraze Flechtheim ein...

@colorcraze Flechtheim ein Geschasster, aber doch auch trotz allem und anderer ein Rückkehrer! @Folkher Braun, erzählen Sie für colorcraze! Einer meiner Kollegen hier (aus Boston) erzählte, dass seine ge- schasste Familie nach 2 Generationen noch immer sich ver- abschiedete: "Sei gesund!" Ich übernahm seinen Gruß. Wenn ich ihm seine Familiendokumente aus dem Sütterlin transkribierte, weinte er, obwohl niemand aus seiner Familie Holocaustopfer war. Seine Lieblingsopern waren neben dem Don Giovanni und Cosi übrigens die Meistersinger und Parzival (!).

0 Folkher Braun 26.04.2010, 00:28 Uhr

Also: ich bitte um Nachsicht,...

Also: ich bitte um Nachsicht, dass ich nach gut 38 Jahren, wo ich mich mit der Sache beschäftigt habe, nicht mehr alles auf die Reihe bekomme. Ich habe neben meiner sehr zeitraubenden Beschäftigung mit dem "Kapital" (also MEW-Komplett-Besitzer) auch deutschen Geschichte beackert. Und zwar vor allem die seit Mai 45. Das kam so: Mein Vater, Jahrgang 1920, hatte fünf Jahre "Unternehmen Barbarossa" und fünf Jahre Kriegsgefangenschaft hinter dem Ural absolviert. Der gute Mann hatte folglich über 1945 bis 50 in Deutschland keine Ahnung. Seine Vorstellungen von 1914-18 lasse ich mal weg. Wir hatten uns regelmäßig in der Wolle. Ich habe also als Student mir alles zusammengesucht, was ich über diesen Zeitraum bekommen konnte. Unter anderem das Buch von Albrecht Kaden: Einheit oder Freiheit. Es beschreibt die Entwicklung, wie ein Kreisvorsitzender der SPD, Dr. Kurt Schumacher, auf der Konferenz von Wennigsen (im damaligen Kloster) sich von allen SPD-Fürsten der Westzonen, die ihm die britische Besatzungsmacht hingefahren hatte, zum SPD-Vorsitzenden der Westzonen gekürt wurde. Als das fertig war, konnten die Mitglieder des Londoner Exil-Ausschusses der SPD anreisen, und Dr. S. hat ihnen erklärt, dass er jetzt im Westen das Sagen hätte. Damit war die einzige in Deutschland funktionierende Partei in zwei Teile gespalten: der alte Vorstand im Osten und Dr. S. im Westen. Es gab also keine politische Klammer mehr. Die Frage ist: hätte sich die KPD in der Ostzone die Ostzonen-SPD einsacken können, wenn die organisatorisch noch mit den stärkeren Westzonen eine Einheit gebildet hätte? Wäre mit einer gesamtdeutsch funktionierenden SPD eine geteilte Währungsreform machbar gewesen? Warum heißt das Buch Einheit ODER Freiheit? Hätte die bleibende Einheit der SPD nicht die Freiheit auch für die Ostzone bedeutet?. Stalin hatte bekanntlich an seiner Zone kein größeres Interesse als die Reparationsleistungen und der weitere Gang war ihm wurscht, solange die Germanen ihm versprechen, ihn nicht wieder anzugreifen ( bei 20 Millionen getöteter Landesbewohner wohl ein verständliches Interesse). Dr. S. hat auf den folgenden SPD-Parteitagen seine Theorie des "ökonomischen Magnetismus" entwickelt, also die wirtschaftliche Überlegenheit der Westzonen werde die Ostzone zur Aufgabe zwingen. Was dann bekanntlich noch 44 Jahre dauerte. Könnte es sein, dass die Teilung der SPD 1945 die Voraussetzung der Teilung Deutschlands war? Professor F. hat, wie erwähnt, mir davon abgeraten, das näher zu untersuchen. gruß fb

0 JorgeLoma 26.04.2010, 03:54 Uhr

@Folkher Braun Sehr herzlichen...

@Folkher Braun Sehr herzlichen Dank für Ihre Antwort!

0 colorcraze 26.04.2010, 08:58 Uhr

@Folkher Braun: ah, danke für...

@Folkher Braun: ah, danke für Ihre Antwort. Die Sie bewegende Frage würde ich einfach mal mit einem schlichten "ja" beantworten; die Konferenzen von Jalta und Potsdam haben schließlich auch über 40 Jahre praktisch nachgewirkt. "Ökonomischer Magnetismus" ist kein ganz schlechtes Kriterium. Die Rheinschiene war über Jahrhunderte das Rückgrat Europas; das hat man durch die deutsche Teilung quasi in seiner Funktionstüchtigkeit gerettet. Unklar ist mir der ganze Ostflügel, das weite Land bis zu den Pripjet-Sümpfen und der Balkan, diese offene Wunde. Also die Baustellen seit 1989. Im Norden ist gewissermaßen das Gebiet der Hanse wieder beieinander, und Hamburg spielt seine Rolle darin. Aber je südlichöstlicher, desto mehr Baustelle.

ist eine Kunstfigur, die seinem Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist.