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Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Wie man nach dem Schlafen bettet

| 167 Lesermeinungen

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die den Unterschied zwischen wohlerzogenen Kíndern anständiger Leute und Bratzen mit vorgetäuschter Haltung aufzeigen. Tischsitten kann man sich für den Job bei einer Bank antrainieren, Tanzen kann man lernen, Bilderklärungen bei Wikipedia nachlesen, Geburtstage bei Facebook nachschauen - aber das Glattstreichen der Betten ist etwas, das man instinktiv tun muss, oder bleiben lässt.

Mit einer merkwürdig wölfischen Heimlichkeit ging sie um die Ecke herum.
D. H. Lawrence, Die Frau, die davonritt

Man nennt es allgemein „die Neuzeit“ oder „die Moderne“ und versucht damit auszudrücken, dass die Epoche von 1900 bis zu unseren Tagen irgendwie eine Einheit wäre. Aber fassungslos und entsetzt stünde ein Kurgast der k.u.k. Monarchie in Meran heute vor dem Treiben auf der früher mondänen Kurpromenade von Meran. Nicht nur, dass sich die Menschen nicht drei bis fünf mal am Tag umziehen, keine Hüte mehr tragen und jede Menge nacktes Fleisch herzeigen. Auch die Umgangsformen, oder besser, die Umgangsunformen würden ihn erschüttert zurücklassen. Genauso wäre der heutige Tourist vollkommen und in jeder Hinsicht überfordert von den Regeln, Konventionen und Selbstverständlichkeiten der Kurgäste jener Tage.

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Das tut man nicht, würden die Blicke im Cafe sagen, wenn sich der Oberkörper beim Essen zum Tisch neigt. Das tut man nicht, würde man denken, wenn er sich ohne ein Wort des Bedauerns an anderen vorbeiquetscht. Das tut man nicht, hiesse es, würde er essen und gleichzeitig reden oder die Hand beim Gähnen nicht vorhalten. Man tut es eigentlich auch heute noch nicht, aber die Zahl derer, die noch so empfinden, ist verschwindend klein, und die Sportsandalenträger werden nicht mehr die Freundlichkeit haben, ihr Verhalten zu überdenken: Sie sind die Sieger der Gegenwart, und die Promenade von Meran ist ihr besetztes Territorium. Fehlt nur noch ein Google Streetview Opel und ein offenen Maules dönerkauernder Schnüffler am Steuer.

Allenfalls dünne Traditionsfasern, zarte Gespinste reichen von der Gegenwart zurück in jene Zeiten des Reisens, die mit der Veränderung des Aufenthaltsortes keinen grundlegenden Wechsel im Betragen mit sich brachte. Die Gesellschaften an den Kurorten rückten noch näher zusammen, waren noch mehr unter sich, sassen sich in den Cafes und Restaurants noch näher als daheim. Man konnte gar nicht anders. Man musste auf sich und sein Betragen achten. Man wollte keine falschen Eindrücke hinterlassen. Und manchmal gibt es auch heute im Urlaub noch gewisse Verhaltensweisen, die vielleicht unbemerkt bleiben, aber dennoch sagen: Man denke nichts Schlechtes.

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Natürlich wird heute keiner mehr verlangen, dass man am Tag fünf verschiedene Anzüge ausführt, und so ähnlich verhält es sich auch mit den Betten nach dem Aufstehen. Zimmermädchen – und die sind in dem Hotel, in dem ich verweile, tatsächlich noch vorhanden und nicht aus dem Ostblock stammende Saisonarbeiterinnen – werden sicher nicht sinnierend vor dem zerwühlten Bettzeug stehen und sich überlegen, wie es in diese Lage kam. Wer sich dort wie gewälzt hat, welche Nähe sich in den Falten der Laken ausdrückt, ob der Gast nach den Strapazen des Einkaufs schnell eingeschlafen ist, oder vielleicht die Grundlage zu einer guten Ehe, oder dem Brechen einer anderen Ehe gelegt wurde.

Schliesslich leben wir nicht mehr um 1900, als Hotels aufpassen mussten, dass sich keine unverheirateten Paare einschlichen und dem Haus Unehre machten. Auch gibt es keine Kurzeitungen mehr, die auf den Klatsch der Zimmermädchen als Informationsquelle angewiesen wären. Das Aufräumen des Bettes ist eine normale Dienstleistungstätigkeit, die schnell während des Frühstücks vollbracht wird, und die einzige Aufmerksamkeit gilt dem Geräusch des Schlüssels im Schloss, das von der Abwesenheit der Gäste kündet. Zumal: Auf dem laufenden Rechner fänden sich noch ganz andere Informationen, als sich im Kaffeesatz der Laken entdecken liessen.

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Und dennoch. Da ist etwas – die Erziehung, die Sitte, der Anstand – das es manchen unmöglich erscheinen lässt, das Zimmer einfach so hinter sich zu lassen. Wie bei der Steuerhinterziehung und dem Ehebruch treibt „etwas“ wohlanständige Menschen dazu, die Spuren aller nicht- und teilöffentlichen Handlungen zu verwischen, sie quasi ungeschehen zu machen. Man ahnt es in der Schweiz, wenn Deutsche nach dem Tanken keine Quittung haben wollen, man kennt es, wenn der brave Kombi vor dem Haus stehen bleiben darf, und der Ferrari in der Garage verschwindet, wenn man sich zufällig in einem sehr guten Restaurant ein paar Städte weiter trifft und erst dort in einer Weise bestellt wird, die man daheim eher ablehnen würde.

Und in diese Kategorie bürgerlichen Verhaltens, als kostengünstiger und immer möglicher Einstieg in das richtige Benehmen bei falschem, oder auch nur falsch interpretierbarem Verhalten, darf dann auch das Aufräumen des Bettes gelten. Es ist eine sinnfreie Tätigkeit, denn jedes Zimmermädchen, das auf sich hält, wird die künstlich geschaffene Ordnung wieder zerstören, alles wieder auseinandernehmen und neu – und vermutlich noch besser, gerader und glatter – zusammenfügen, sauber gestrichene Laken abziehen, zusammenknuddeln und der Wäsche zuführen. Wie so oft im bürgerlichen Dasein gilt eine Tätogkeit nicht dem. Was man ist, sondern dem, von dem man möchte, dass andere es so sehen. Und wenn es „nur“ das gelangweilte Zimmermädchen ist.

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Oder der  – Männer sind nun mal Männer – etwas legere Mitreisende, der an solchen Feinheiten erkennen kann, dass es die Richtige ist, falls er in Sachen der Reisenden und Bettglattstreichenden ernsthafte Absichten hat. Es gibt da im Übrigen schlimmere Martern aller Art; als ich klein war und mit einigen Familien der Stadt zum Skifahren fuhr, mussten wir Kinder und Männer leicht genervt eine halbe Stunde vor der Tür warten, bis die saubersten aller Mütter die an sich tadellosen Zimmer mit eigens eingepacktem Sagrotan nachgereinigt hatten. Das ist noch die ganz alte Art gewesen: Dem Zimmermädchen, den Männern und vor allem den gerne dreckigen und im weiteren Verlauf des Urlaubs auch blutigen Kindern – wozu Piste, wenn da ein Bergwald ist –  gleich zu Beginn zu zeigen, dass die Ansprüche des Gastes mindestens so hoch wie die des Hauses sind. Das glatte Bett ist da nur eine kleine Aufmerksamkeit, eine Feststellung, dass die Reisende nicht als etwas anderes gesehen werden möchte, als das, was sie ist.

Es ist nur ein Ritus, ein Akt der Selbstachtung, etwas, das man letztlich nicht für andere, sondern für sich selbst tut. So, wie man alleine nicht aus dem Topf isst, sondern das gute Porzellan nimmt, wie man versucht, andere mit seiner Existenz nicht zu belästigen oder zu nahe zu treten, wie man Distanzen wahrt, wo es nötig scheint, wie man etwas tut, weil es nach eigener Auffassung richtig und angemessen ist, und nicht nur opportun.

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Ob andere das goutieren? Für das Zimmermädchen gibt es vermutlich eine grosse Spanne zwischen dem verschmutzten Loch eines Eimersäufers, der Nachlässigkeit von einer bestimmten Sorte Pauschaltouristen, die den Dreck hinterlassen, weil sie für seine Beseitigung mitbezahlt haben, meinem privaten Silberkannen- und Reiseporzellanchaos (Mein KPM! Prego, Signiora, ich räume das schon beiseite) und der schlichten Sauberkeit, die nichts verrät und doch vieles sagt. Es ist nur eine Kleinigkeit, eine Minute vielleicht, nichts von Bedeutung. Aber durchaus mit Haltung.

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167 Lesermeinungen

  1. Ein Bett, das nur einer...
    Ein Bett, das nur einer nutzte, muss doch nicht spurenbereinigt werden.

  2. <p>Ohne hier in die...
    Ohne hier in die unschicklichen Details gehen zu wollen: Auch hier könnte die Ehehygieneindustrie aufblasbare Anlässe schaffen.

  3. Das Glattstreichen der...
    Das Glattstreichen der Bettdecken in höchsten Ehren! Doch zeigt uns die Wissenschaft, dass in einem ungemachten Bett – o Wunder – die Millionen Milben sich weniger gütlich tun. Lassen wir das Glattstreichen und halten wir uns die unerwünschten Bettnachbarn vom Leib.

  4. Das verstehe nicht ganz,...
    Das verstehe nicht ganz, werter Don. Seit wann sind denn Hotels Orte zur Wahrung der Privatsphäre ihrer Gäste?
    Man muss immer auf das Schlimmste gefasst sein. Deshalb lieber gleich ein eigenes Feriendomizil.

  5. "Kurzeitung"! Lieber Don, das...
    „Kurzeitung“! Lieber Don, das ist das Wort, das ich im Stillen als Genrebezeichnung für Ihren Blog suchte!

  6. Ich kann es garnicht wissen,...
    Ich kann es garnicht wissen, denn ich schlafe ja. Aber meine Mitschlaefer versichern mir glaubwuerdig, dass ich im Gegensatz zu meinem Wachleben ein sehr fleissiger Schlaefer sein soll: Lautstark und staendig in Bewegung sei ich, hielte Reden suche in den Laken Dinge, die ich nicht finden koenne.
    .
    Zerschlagen von der aufreibenden Traumarbeit versuche ich das
    Schlachtfeld aufzuraeumen, jedoch…
    …es sind meist franzoesische Hotelbetten in denen ich mich total verirrt wiederfinde. Hat man sich muehsam aus den Fesseln des Lakens befreit, die schwere Wolldecke wegkranen lassen, die Tagesdecke keuchend aufs Lager gestemmt, ist man kaum noch faehig sich zum Fruehstueck zu schleppen.
    .
    Hoeflichkeit und Anstand hin oder her; nach einem solchen Scharmuetzel
    fehlt einfach die Kraft, und die Uebersicht fuer einen wuerdigen Abgang.
    Verzweifelt und hilflos muss man diese Arbeit dem Zimmermaedchen
    ueberlassen.
    .
    (Die Trinkgeldfrage sollte man mal ernsthaft diskutieren)

  7. Werter Don,
    sehr schön. Das...

    Werter Don,
    sehr schön. Das kenne ich gut. Ich kämpfe jedes Mal vergeblich gegen den Drang das Hotelbett herzurichten. Die Erziehung trägt hier jedes Mal den Sieg davon (in anderen Bereichen hat durchaus die Sozialisation versagt).
    Das kann, glaube ich, nur verstehen, wer es in der Kindheit subtil aber nachhaltig vermittelt bekam.
    Und da stehe ich vor dem Hotelbett und denke „lass es, dass macht sowieso das Zimmermädchen“. Da erscheint vor meinem geistigen Auge die verblichene, gutbürgerliche Großmutter und zieht die Augenbrauen hoch. Und da hilft es alles nichts, das Bett wird gemacht.

  8. Menschen im Hotel. Ich glaube,...
    Menschen im Hotel. Ich glaube, so wie wir den richtigen Umgang mit Hauspersonal verlernt haben, können wir auch den Service guter Hotels nicht mehr richtig genießen. Wir schämen uns für die Tatsache, dass dort Menschen arbeiten, die uns dienen wollen (oder sollen). Also putzen wir schon mal das Bad und machen das Bett bevor das Zimmermädchen kommt. Selten trifft man noch den Service, dass abends die Bettdecke zurückgeschlagen wird. In einem Hotel wurde abends sogar der Schlafanzug kunstvoll auf dem Bett drapiert und einem eine gute Nacht gewünscht. Übrigens sollen alleinreisende Männer das Hotelzimmer durchweg in einem ordentlicheren Zustand hinterlassen als Frauen, wie man mir berichtete. Also, werter Don, vielleicht beschreiben Sie zum Teil ein „Männerproblem“.

  9. Ach je, wieviele Hotelgäste...
    Ach je, wieviele Hotelgäste machen ihr Bett, um sich kultivierter zu geben. Dumm nur, dass wir Zimmermädchen mit der Auflösung einer laienhaften und Ordnung vortäuschenden Scheinbettmache viel mehr Arbeit haben, als bliebe alles zauselig liegen. Schmeicheln tuts also nur dem Selbstgefühl des Gastes, mir und meinen Kolleginnen aber nicht.

  10. es ist ein leichtes um anstand...
    es ist ein leichtes um anstand zu apellieren in einer reichen, meranisch idyllischen welt, wo man nicht die s-bahn nach frankfurt nehmen muß. wo man sich nicht an einem ort befinden muß, an dem sich die leute schuhe ausziehen um ihre füße hochzulegen, an dem die fingernägel geschnitten werden und wo essen und trinken zur sauerei verkommt nur um dem pantheistisch versprütem graffiti alle ehre zu machen.
    man wahrt würde und anstand und versucht der agressiven stimmung zu entkommen.
    und doch: kann das ungemachte, scheinbar unanständige schön und überzeugend wirken:
    http://www.masters-of-photography.com/C/cunningham/cunningham_bed_full.html
    an dem ort sind zimmermädchen unerwünscht :)

  11. @windsbraut
    Ich wähle den...

    @windsbraut
    Ich wähle den Mittelweg. Ich mache das Bett nur halb: Lockere das Kissen auf und lege die Bettdecke ordentlich aufgeschlagen aufs Bett. Auch irgendwie zwanghaft, aber ich fühle mich dabei wohler. Ganz möchte ich dem Zimmermädchen die Arbeit nicht wegnehmen. Das Problem wiederholt sich am Tisch. Es gibt auch da Menschen, die unbedingt der Bedienung die Teller abnehmen oder anreichen müssen. Was diese selten gut finden, weil sie ein eigenes System haben, einen Tisch zu decken oder abzuservieren, welches der Gast dann völlig durcheinanderbringt uns so mehr stört als hilft.

  12. Werter Don, die...
    Werter Don, die „Ehehygieneindustrie“ rahme ich mir ein.

  13. @elbsegler. es gibt bei...
    @elbsegler. es gibt bei Bourdieu („Die feinen Unterschiede“) einen wundervollen Abschnitt über Menschen, die Kellnern beihelfen wollen, sei es tatkräftig oder durch anheischige Rede und Gestik. Ich habe lange sehr lachen müssen/dürfen.

  14. Kultur ist, was uebrig bleibt,...
    Kultur ist, was uebrig bleibt, wenn man alleine ist.

  15. Das Bett im Hotel selber...
    Das Bett im Hotel selber machen? Sowas Verrücktes habe ich noch nie gehört. Ich räume im Bad höchstens ein paar Kosmetikartikel in den Beautycase zurück. Damit sie dort schneller fertig werden.
    Man hat in Hotels manchmal die Gelegenheit im Vorrübergehen in andere Zimmer hineinzuschauen, wenn die Zimmermädchen sie gerade aufschliessen, um dort aufzuräumen. Ich komme mir dann meistens sehr ordentlich vor im Vergleich.

  16. Nicht "machen". Gemachte...
    Nicht „machen“. Gemachte Betten sehen sicher nochmal anders aus, glatter, methodischer, nicht verknittert. In neutralen Zustand versetzt, würde ich sagen. Und dass leute in der Fremde Chaos verbreiten, das sie sich daheim verbitten würden, ist eine leider nicht seltene Beobachtung.
    .
    netbar, schön gesagt!

  17. Zwei Tage in Meran und schon...
    Zwei Tage in Meran und schon wieder voller Welt- und Mitmenschen-Ekel. Sie sollten auf eine Don Alphonso-Insel emigrieren!

  18. @elbsegler
    Völlig richtig....

    @elbsegler
    Völlig richtig. Ähnlich dumm wie geschirrzusammensteller im Gasthaus oder mit benutztem teller zum Buffet-Zurück-Geher. Alles m.E. Pseudohöflichkeiten

  19. Der Gärtner, so war das nicht...
    Der Gärtner, so war das nicht gedacht.
    .
    sterne, irgendwann werde ich es auch nochmal lesen müssen. Solange schreibe ich aber noch selbst.

  20. @netbar: in einem Hotel ist...
    @netbar: in einem Hotel ist man aber nicht alleine. Ich halte es eher wie Loreley, Kleinkram und Durcheinander zusammenräumen, so daß es nicht im Weg ist.

  21. Es gibt verschiedene...
    Es gibt verschiedene Möglichkeiten auf ein der Distinktion die Stimme verschlagendes Zimmer wie dieses zu reagieren: mit halb resignierter Stimme “ ahje, was soll´s, gibt sicher schlimmeres, yyyeis drauf!; oder: verblüfft konsternierter, doch entschiedener Abwehrmimik: “ kommt ja gar nicht in Frage, diese Schwindel erregende Knitterbettwäsche!, dann lieber die Bank im Kurpark.“. In Montpellier hab ich mal nach einer Nacht wieder ausgecheckt, das Hotel ging gar nicht, obwohl auf den ersten Blick alles nobel wirkte und OK schien, das Bett war jedoch die reinste Folterwippe, entsetzlich weich und mittig durchhängend, jede Bewegung wurde mit Geräuschen des Bettgestells quittiert, das Zimmer hatte eine derart indiskrete Akustik, welche mir die mit aller Vehemenz vollzogene Beischlaftheatralik der Gäste nebenan aufnötigte. Oropax, Schlaftablette?, gehörten nicht zum Zimmerservice.

  22. @elbsegler
    Gute Idee!...

    @elbsegler
    Gute Idee! Vielleicht sollte ich mich erst mal an Ihren „Mittelweg“ herantasten, um die Macht der Großmutter zu brechen.
    Den Drang, der Bedienung den Teller abzunehmen, habe ich jedoch nicht. In meiner Kindheit hieß es für uns „Stillgesessen und Hände weg“ bis alle heißen Sachen abgestellt waren. Begründet wurde es damit, dass beim Eigreifen unsererseits Verbrennungen 3.Grades und – schlimmer noch – der Bruch des guten Meißners drohte.
    Beim Meißner hat dann übrigens die Sozialisation versagt. Es hat zwar alle Turbulenzen überlebt und steht bei meinen Eltern in der Vitrine. Aber alle Versuche es bei Familienfeiern einzusetzen werden durch uns Kinder vehement boykottiert, nicht nur wegen des unentspannten Essens (man will ja nicht das antike Dekor zerstören) sondern auch wegen des drohenden Abwasches per manus.
    @sterne
    Ja, wunderbar! Sowieso ein ganz wunderbares Buch (Pierre Bourdieu: Die feinen Unterschied).

  23. ferry, da sind zwei Punkte zu...
    ferry, da sind zwei Punkte zu erwähnen.
    .
    1. sollten Sie mal versuchen, mit exakt 5 Stunden Vorlauf Anfang August ein Zimmer in Meran zu finden. Das ist eine lustige Aufgabe, wenn man mit überzogenen Ansprüchen rangeht.
    .
    2. und das bitte ich, mir einfach zu glauben, ist die Ausstattung vielleicht nicht kronleuchterbelüstert, aber die Gäste wissen dort schon, warum ist teilweise seit zig Jahren immer wieder kommen. Einfach, weil ein Hotel mehr sein kann als nur ein Bett in einem Zimmer zu einem Tarif. Aber dazu müsste ich mal was im Reiseteil schreiben.

  24. Je nun, wie man sich bettet,...
    Je nun, wie man sich bettet, ei so schlaeffet man, ohngeachtet der Sittlichkeyt & angelernter Tugenhafftigkeyt wie sie im Allgemeynen hier (im Blog) unter honneten Menschenkindern anzutreffen seynd ;-)
    Fuer andere gilt:
    Lutter contre „l’infâme“, c’est le mot de Voltaire ! Mais il ne lutte pas seulement contre le fanatisme, contre l’intolérance directement, Voltaire lutte en vérité contre la bêtise, l’incommensuarble bêtise, cette fragilté terrible au sein de l’homme, il lutte par la conscience nette et claire de la raison, la simple raison, le bon sens, la loi naturelle morale et de justice. Simple ça, donné à chacun, pas compliqué !

  25. Unsere Tochter war mit...
    Unsere Tochter war mit fast-beinahe-Schwiegersohn auf Pauschalurlaub in Ägypten. Bei Hinterlegung eines für deutsche Urlauber minimalen Trinkgeldes für den (immer) männlichen Zimmerservice gab es nicht nur ein vorzüglich hergerichtetes Bett sondern auch noch sehr witzig und raffiniert „angerichtete“ frische Handtücher.

  26. Der Name des Hotels fängt mit...
    Der Name des Hotels fängt mit „G“ an?

  27. ..und hört mit "arni" auf?...
    ..und hört mit „arni“ auf?

  28. Herr Großvater, Sie meinen...
    Herr Großvater, Sie meinen das im Pfarrgässle?

  29. Ich glaube der Name des Hotels...
    Ich glaube der Name des Hotels faengt mit „M“ an. Zu duenne Waende.

  30. Es ist ein deutscher Name,...
    Es ist ein deutscher Name, aber wenn ich ihn publik machen will, tue ich das in einem eigenen Beitrag.

  31. Und was die Wände angeht:...
    Und was die Wände angeht: Frühneuzeitlich. Gut einen halben Meter dick. Da muss man keine Angst wegen der Lautstärke von was auch immer haben.

  32. Stille Leserin, das geht in...
    Stille Leserin, das geht in Südtirol zum Glück einfach so, aber da ist auch alles in der Familie.
    .
    Candidatus Molitor univ. et semp. viv., es gäbe da auch Brecht, der weiter sagte: „Es deckt einen keiner da zu. Und wenn einer tritt, dann bin ich es, und wird wer getreten, bist Du’s.“

  33. Eure Anonymitäten, die...
    Eure Anonymitäten, die Beiträge wieder glänzend, fast wie in alten Zeiten!
    Aber warum zum Teufel fliegen Sie im nächsten Urlaub oder was auch immer nicht mit der nächsten Raumfähre auf den Mond. Mars wäre noch besser! Nur weit, weit weg!

  34. Ich bin für eine Wette:...
    Ich bin für eine Wette: jede(r) benenne seine Hotelvermutung. Wers trifft oder doch dem wahren Alphonsohotel am nächsten kommt, gewinnt. Do Alphonso, loben Sie eine Autographen als Preis aus?

  35. Ticino, nix gibt's! Ich bin...
    Ticino, nix gibt’s! Ich bin geizig, und Ratespiele erinnern mich zu gern an die Müllhalde der Süddeutschen Zeitung.
    .
    Rubeus, weil Ober/Mittelitalien nun mal das angenehmste aller Reiseziele ist, zusammen mit Südfrankreich und der Adriaküste bis Kroatien.

  36. Bester Don
    Wäre ich an Ihrer...

    Bester Don
    Wäre ich an Ihrer Stelle würde ich auch nicht zugeben, dass ich im Garni abgestiegen bin… [;-)]
    .
    PS: Wenn Sie denn wieder Pässe fahren – tun Sie’s vorsichtig (Sie wissen schon – die Bremsen!)

  37. Das ist die Kunst: Sich mit...
    Das ist die Kunst: Sich mit zwangloser Selbstverständlichkeit bedienen zu lassen.
    .
    Ohne daß es irgendwie arrogant, auftrumpfend oder den Dienstboten gegenüber herablassend wirkt. Ja, man hat natürlich dafür bezahlt, aber der eigentliche Grund dafür, dass man sich von anderen in den Mantel helfen, die Tür aufhalten, die Krümel zusammenfegen und den Mülleimer ausleeren lässt, liegt woanders: So ist es für alle Beteiligten am angenehmsten. So ist die Welt eingerichtet, und so funktioniert es reibungslos.
    .
    Don Giovianni hat sich vor Leporello doch auch nicht geniert.

  38. Den Leporello haette ich wegen...
    Den Leporello haette ich wegen Indiskretion gefeuert.

  39. Wenn wir mal die...
    Wenn wir mal die Nachrichtenlage des heutigen Tages bestaunen, so fällt doch auf, daß am 21.07.2010 das BVerfg wohl nicht nur die faktsiche Gleichbehandlung unverheirateter Väter was deren Nachwuchs betrifft beschlossen hat (was aber imho erst Rang eines Gesetzes erreicht, wenn es vom BMdJ im BGBL veröffentlicht wurde, § 31 BVerfGG iVm § 13 (14) iVm Art. 126 GG). Ein Sieg für die Biologie.
    Nein, im gleichen Atemzuge hat das BVerfG beschlossen das Erbrecht für homosexuelle Lebensgemeinschaften dem von Ehen anzugleichen. Das wäre jetzt keine sensation, wäre hierbei nicht folgender Satz geschrieben worden:
    Gleichgeschlechtliche „leben wie Ehegatten in einer auf Dauer angelegten, RECHTLICH VERFESTIGTEN Partnerschaft. “
    Und da haben wir schon den Punkt. Was nämlich unterscheidet die Scheinehe von der Ehe? Im Beitrag oben wird es angedeutet, es geht um nichts geringeres als die Gründung einer Familie bei der sich idealerweise Nachwuchs einstellen soll.
    Das darf geradzu als – wohlgemerkt umgangssprachlich (ich bin kein Fachanwalt für Familienrecht mit Diagnosekompetenz) – schizophren gelten.
    Ich kann nicht einerseits die „de facto“ Familie stärken um gelichzeitig auf eine Gleichrangigkeit einer „de jure“ Verbindung zu bestehen.
    Im Familienrecht gibt es im Abtammungsverfahren die sogenannte Highlander-Regel („Es kann nur einen geben“) .
    http://www.uni-siegen.de/fb5/rechtswissenschaften/froeschle/downloads/skripte/pdfs/famrii08.pdf
    Diese stellt kalr, daß Vater eines Kindes immer nur eine Person sein kann was, wenn wir uns das Sogerechtsurteil zu gemüte führen, eben bedeutet, daß ein ehelicher, also -de jure – Vater sich aus der erziehung eines Kindes dessen vater er nicht -de facto – ist herauszuhalten hat, es kann sogar ein Umgangsausschluß erfolgen (§1685 BGB, wenn ein solcher STIEFvater beispielsweise durch Beeinflussung der Mutter Umgang zu vereiteln versucht (§ 1684 (2) BGB)
    Insofern verstehe ich nicht, wie das BVerfG noch am selben Tag von irgendwelchen RECHTLICHen VERFESTIGungen sprechen kann. aber diese Sache mit der „sozifmiliären (Schein-)Vaterschaft“ habe ich chon nicht beim letzten Urteil des BVerfG aus 2003 nicht verstanden.
    Insofern (und zurück zum Thema): Familien (das ist das mit den Kindern) werden tatsächlich (zumindest meist) im Bett gegründet.

  40. werte windsbraut, ich kann´s...
    werte windsbraut, ich kann´s so nicht stehen lassen: wäre abwasch per manum nicht besser?
    – allerohnzielsetzlichst
    quod feci,
    Arne Saknussemm

  41. Der Bruch, mit dem die Moderne...
    Der Bruch, mit dem die Moderne anfängt, war übrigens nicht 1900, sondern – wahlweise – 1914 oder 1918. So viel Pedanterie muß sein.

  42. Man soll´s einfach nicht...
    Man soll´s einfach nicht glauben, worüber die Intelligentia sich so den lieben langen Tag und in der dunklen Nacht so ihre Gedancken (schwyzerdütsch, kehlig artikuliert) macht. Das Aufstehen fällt auch sooooo schwer des Morgens in aller Früh. Wer denkt da schon an´s Bettenmachen?
    http://www.hna.de/nachrichten/kultur/kultur-lokal/leben-ungemachtes-bett-875098.html
    Schwarzmaler@:
    Die Moderne hat doch überhaupts noch gar nicht angefangen, das Bruchband kann getrost wieder unters Bett geschoben werden. Jeder Blick auf die 1. Seite einer x-beliebigen Zeitung sowie im Teil für Vermischtes bestätigt, dass wir immer noch in vormodernen, barbarischen Zeiten leben.

  43. Don Alphonso@:Euer Exzellenz...
    Don Alphonso@:Euer Exzellenz haben den weiland noch, in Bad Pyrmont z. Zeyten Fredreric le Grande, in Karlsbad dito Herrn J.W.v.G, schon sintemalen existierenden, den per Krankenkassa-Aerztlichen Belegschein for hoehere Beamte etc. vorgesehenen, naehmlich den ohnvermeidlichen Kurschatten vergessen.

  44. Nö, das war schon um 1900....
    Nö, das war schon um 1900. Telefon, elektrisches Licht, Automobil, Frauenwahlrecht, Nacktbaden. Gab es alles schon lange vor 1914. Und sogar Flugzeuge!

  45. Werter Don,
    in einem Punkt...

    Werter Don,
    in einem Punkt uneinig, „Sie sind die Sieger der Gegenwart“, das glaube ich so nicht. Sie existieren auch, aber Sieger sind sie nicht. Als jemand der weit über 150 Nächte im Jahr im Hotel verbringt kann ich nur zustimmen, ich räume auch immer das Bett wenigstens einigermaßen ordentlich zusammen und räume auch meine Badutensilien in den Kulturbeutel, ich finde das gehört sich auch einfach so. Was ich wegräume könnte aber durchaus dem Blick des Zimmermädchens standhalten, in meinem Alter (Ende Dreißg beschränkt es sich auf „Foodporn“ – habe mir die „Beef“ gekauft. Sicher habe ich dafür bezahlt, dass jemand hinter mir herräumt, aber ich freue mich auch wenn ich bei den Menschen, mit denen ich beruflich zu tun habe, ein bißchen Interesse / Respekt für meine geleistete Arbeit entdecke. Ich sage altmodischerweise auch zu jedem, den ich morgens im Hotelflur treffe guten Morgen, ansonsten sagt von den Angestellten natürlich jeder guten Morgen, bei den Gästen geht die Quote gegen null.
    Ich frage mich dann immer, ob all diese Wichtigtuer in Berufen arbeiten, in denen sie mit Menschen zu tun haben, und wie man mit so einem Auftreten erfolgreich sein kann. Wenn ich höflich bin, fühle ich mich gegenüber unhöflichen Zeitgenossen dann doch als Sieger..
    Schöne Grüße aus dem Norden,
    Moritz

  46. Ach Moritz,
    diese Leute wollen...

    Ach Moritz,
    diese Leute wollen sich vielleicht gar nicht wichtig machen, sondern einfach nur den Moment genießen, wo sie mit niemandem reden und niemanden grüssen müssen.
    Den ganzen Tag über müssen sie sich darstellen, müssen Freundlichkeit heucheln, da dürfen sie doch wenigstens morgens auf dem Weg vom Hotelzimmer zum Frühstücksraum so tun, als wären sie bei sich zu Hause.
    Manchmal will man einfach ein wenig Dösen, Grübeln, sich gehen lassen, die Zeitung lesen, und dann kommt dann so ein dummer Bekannter, der sich zu einem setzt und mit dem man dann die ganze Zeit dumme Konversation machen muss…

  47. Avaritia ist keine Zeit,
    doch...

    Avaritia ist keine Zeit,
    doch – weiter kommt der Don mit ihr.

  48. Moritz, HansMeier555, sobald...
    Moritz, HansMeier555, sobald man oder frau ihre Wohnung oder ihr Haus verlassen, sind diese Teil des öffentlichen Raums. Und wenn ein Hotelgast einen Gruss des Personals, das ihm oder ihr nichts angetan hat, nicht erwiedert oder dieses in der exponierten Situation des Tagesbeginns ignoriert, ist dies m.E. unhöflich. Ruhe, werter HansMeier, hin oder her. Moritz, da bin ich ganz Ihrer Meinung.

  49. In den Gaengen der Hotels...
    In den Gaengen der Hotels begegne ich meistens nur den Zimmermaiden mit ihrem Waegelchen. Selbstverstaendlich entbietet man denen einen Gruss. Halte ich mich laenger in einem Hotel auf, merke ich mir die entsprechende Dame und ubergebe ihr in der Mitte meiner Aufenhaltszeit einen kleinen Umschlag mit Trinkgeld. Seul pour vous, madame! Das Hinterlassen von Trinkgeld auf dem Nachttisch scheint mir zu unsicher, da ich die Verteilungsregeln fuer Trinkgelder in Massenhotels (die ich bevorzuge) nicht kenne.

  50. Korrektur: Streiche...
    Korrektur: Streiche Massenhotels, setze Kettenhotels. Ist genauer.

  51. Très chic ihre Reisetasche...
    Très chic ihre Reisetasche aber aufs Bett, ob gemacht oder nicht, das gehört sich?

  52. Urban myth vermutlich, aber...
    Urban myth vermutlich, aber sicherheitshalber gehoert die Zahnbuerste doch immer sichtgeschuetzt weggeraeumt.
    .
    Als echter Morgenmuffel ziehe ich das Fruehstueck im Zimmer vor, da muss ich dann maximal einmal gruessen.
    .
    Die beste Ehefrau von allen zieht leider, so vorhanden, die Auswahl am Buffet vor. Und gepflegte Konversation. Am Morgen. Da mache ich denn auf Bertie Wooster- wette mit mir selber, wie lange einsilbige Antworten gutgehen, bevor die Scheidung angedroht wird.
    Und, oh ja, traeume von Jeeves…

  53. @saknussemm
    Sie haben...

    @saknussemm
    Sie haben natürlich recht. Es muss „per manum“ heißen.

  54. Die Auswahl eines Hotels, bei...
    Die Auswahl eines Hotels, bei einem ersten Aufenthalt, ist wirklich nicht einfach. Meine Empfehlung wäre Corinthia Budapest. Alles war bestens dort.
    Dagegen mehr als enttäuschend eine noble Herberge am Genfer See, dort trafen alle hier besprochenen Alpträume zu.
    Zu empfehlen: das Windsor in Nizza. Vorfreude auf das kleine Flaubert in Trouville.
    Zum angemessenen Verhalten wurde vieles gesagt, für mich halte ich es eher wie Sie, werter Herr Alphonso.

  55. Die Sache mit dem Frühstück,...
    Die Sache mit dem Frühstück, ja. Man sollte dabei vielleicht einfach im Auge behalten, daß es grob 2 Sorten Menschen gibt: die Frühaufsteher und die Spätaufsteher.
    Ich gehöre zu letzteren; zu freundlichem Grüßen der Leute, die mir beim Frühstück über den Weg laufen, ob Personal oder bereits bekannte Gäste, bin ich in der Lage, aber die Aufnahme einer Konversation beim Hotelfrühstück grenzt an Folter. Ich brauche am Morgen meine Ruhe, ich muß dabei langsam „hochfahren“. Wenn ich dabei gestört werde durch allzu zudringliche Kontaktaufnahme, fällt es mir schwer, nach dem Frühstück dann wie üblich auf volle Aufmerksamkeit und Wachheit zu schalten. Die erwähnten stummen Zeitungsleser etc. erkläre ich mir ebenso, daß es sich um Spätaufsteher handelt, die ihr ruhiges Morgenritual brauchen. Wenn sie nicht gleich auf dem Zimmer frühstücken, um von vornherein jeglichen Gemeinschaftszumutungen zu entgehen.
    Frühaufstehern ist dieses Verhalten meist unverständlich, da sie am Morgen gleich voll aufdrehen und loslegen wollen, vor allem, wenn sie nie eine Zeitlang mit einem Spätaufsteher zusammengelebt haben und ihnen dies einfach unbekannt ist. Sie sind dafür am Abend, wenn der Spätaufsteher noch in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen, meist nicht mehr aufnahmefähig, sondern nur noch in der Lage, zu babbeln.
    Nicht daß das die einzigen Gründe für die unterschiedlichen Verhaltensweisen wären, aber es sind welche, die sich nur äußerst schwer überformen lassen.

  56. Zurück zum Beitragsthema!
    Ich...

    Zurück zum Beitragsthema!
    Ich glaube, es gibt da noch einen fernen Wiederhall von Hausfrauenehre und Dienstmädchenstolz. Ganz früher reisten vornehme Herrschaften ja nie allein, sondern nahmen ihr Dienstpersonal mit in die Sommerfrische und in die Hotels. Und das führte dann ganz naturgemäß zu verbissenen Kämpfen um Revier und Deutungshoheit: Wie macht man das Bett „richtig“? Wie faltet man das da richtig zusammen? Wie sauber ist „sauber“? Selbstverständlich warf die mitfahrende Perle ihre ganze Persönlichkeit in die Waagschale, um ihre geliebte Herrschaft vor den Praktiken des arroganten, geldgierigen und liederlichen Hotelpersonals zu beschützen.

  57. @Filou: wenns denn immer die...
    @Filou: wenns denn immer die gleichen sind, die das Zimmer machen. Pech ist, wenn man nach 3 Tagen Trinkgeld gibt und ab dem 4. Tag jemand anders zuständig ist.

  58. Aha, Sie auch in Meran. Wie...
    Aha, Sie auch in Meran. Wie wir. Mehrmals in den letzten zwei Wochen. Stimmt, die letzten Tage war’s da voll, weil bei dem Sauwetter alle Touristen aus den Pensionen der Dorftälern nach Meran strömten. Unter den Lauben wird man nicht so nass.
    Sagen Sie, waren Sie das (der silberne Flitzer sah so aus), der am 31 Juli – oder war’s der 1. August? – in St. Leonhard die Jaufenstrasse Richtung Jaufenpass mit ’nem Affenzahn hochpreschte und auch noch’n anderen Wagen überholte obwohl’s dort zu Recht verboten ist?

  59. Nein, ich kam und ging über...
    Nein, ich kam und ging über die Schweiz und den Ofenpass und Flüelapass. Bei den sonstigen Orten wie Glurns, Castelbell und Naturns hatte ich ja den Eindruck, dass die Touristen dort blieben, so voll war es.

  60. HansMeier555, das mag sicher...
    HansMeier555, das mag sicher auch eine Rolle spielen, diese Revkierkämpfe um Sauberkeit, um den anderen zu zeigen, dass sie dreckiger sind. So wie beim Porzellan, nur andersrum. Aber: Auch als Herrschaft konnte man sich kaum gehen und Zeug herumliegen lassen. Und damals gab es noch weitaus mehr für Hausmädchen als heute zu tun, man denke nur an das Waschen, das Zubereiten von Speisen, ja gar das Rupfen von Vögeln und andere Tätigkeiten – die Grundsauberkeit war auch damals die Aufgabe jedes Einzelnen.

  61. @colorcraze, ja, so wird's...
    @colorcraze, ja, so wird’s schwierig, aber ich bin selten laenger als drei Tage in einem Hotel. Dann reicht’s mir. Ich lege allerdings am Abreisetag fuer alle Faelle eine Kleinigkeit aufs Kissen.
    Langschlaefer: ich bin einer. Das ist das widerliche an Hotels, dass es Fruehstueck nur bis 10 oder halb 11 gibt. Meist ist dann das Buffet leergefressen. Das ist zum Heulen. Auch dass es beinahe keine Pafferzimmer mehr gibt ist sehr sehr schlimm.
    Was ich an Hotels morgens auch hasse, sind Menschen die penetrant frisch geduscht riechen, und Leute, die gut gelaunt die Fahrstuhlmusik mitsummen, und Gaeste, die die Kabine in der verkehrten Fahrtrichtung betreten (wie lang muss ich mir diese Fressen angucken?), und pakistanische Portiers, mit akzentvollem Franzoesisch (Franzoesisch und ich, das ist eine unerfuellte Liebe) und cockney-gefaerbtem Englisch…
    …auch die goldene Morgensonne hasse ich. Morgens bin ich Misanthrop. Nur eine Katze, die ignorant meinen Weg kreuzt, kann mich freundlich stimmen. Kurzfristig.
    (Gibt es hier eine Foerster, der mir die klaeffende Toele schiesst? Natuerlich nicht! Mieses Hotel ist das!)
    .
    Und im naechsten Hotel haben sie den Fernseher ganz oben an die Zimmerecke geschraubt. Meine Rache aber heisst: Schweizer Messer mit Kreuzschlitz-Schraubendreher. Euch werd‘ ich’s zeigen. Ha!

  62. Neuer Beruf: Hotelfoerster....
    Neuer Beruf: Hotelfoerster.

  63. Stimmt, diese...
    Stimmt, diese Morgennichtmuffel sind wirklich ein Problem. Wie die einen anschauen, wenn man um 9.45 angetrabt kommt. Dabei ist man doch in Urlaub.

  64. @Filou: ich leide mit Ihnen,...
    @Filou: ich leide mit Ihnen, wenn auch üblicherweise etwas früher. Vor ca. 6 Wochen hatten es mein Mann und ich mal gut verraten mit dem Frühstück, die Massen trudelten erst ein, als wir schon den Kaffee und die ersten Brötchen am Tisch hatten, und mußten zum Teil anstehen. – Frisch geduscht ist in Ordnung, nur frisch parfümiert ist so richtig grauslig, aber das zu jedem Essen und eigentlich fast überall außer bei einer Tanzveranstaltung.

  65. Don, im Urlaub werden Sie mich...
    Don, im Urlaub werden Sie mich niemals, ich betone „niemals“, um 9.45 Uhr antreffen. Ab 13 Uhr werden Sie einem gut gekleideten, von einer charmanten Dame begleiteten, in sich ruhenden heiteren Menschen begegnen, dem man den Hass auf Gott, die Welt und andere Unannehmlichkeiten nicht ansehen kann.

  66. Nun ja, wie man am Zeitpunkt...
    Nun ja, wie man am Zeitpunkt der letzten Veröffentlichungen sieht, muss ich hier ja auch mal das CMS und die Leser füttern, das passt nicht zum späten Vormittag. Ausserdem doadelt es in Meran nach 22 Uhr.

  67. Doadeln? CMS? Nix vastaehn....
    Doadeln? CMS? Nix vastaehn. Bin vom Mond, nee noch weiter: Betageuze.

  68. Doadeln, bayerisch für toteln...
    Doadeln, bayerisch für toteln bedeutet: Da ist nichts los, da ist alles tot. Und CMS ist das Content Management System, das hiesige.

  69. Und ich dachte immer, Ihre...
    Und ich dachte immer, Ihre Gaeste verstehen sich auch so ganz gut miteinander.
    Zumindest die usual supects.

  70. Manchmal ist bayerisch nicht...
    Manchmal ist bayerisch nicht ganz so einfach.

  71. Gibt es auch "döadeln"?...
    Gibt es auch „döadeln“?

  72. Meinen Sie "doädeln"?...
    Meinen Sie „doädeln“?

  73. @DA: Soso, in Meran machen sie...
    @DA: Soso, in Meran machen sie noch alle ihr Sach und bewirten nicht bis morgens früh die Touristen. Wahrscheinlich gibt es auch feste Essenszeiten mit Pausen zwischendrin, oder?

  74. Meran, Meran. Das gleiche...
    Meran, Meran. Das gleiche Meran, wo 1981 die Schachweltmeisterschaft stattfand?

  75. @Filou: verstehen tue ich ...
    @Filou: verstehen tue ich Sie ja ganz gut , aber manchmal braucht
    man einfach Glück und Zufall bei der Hotelwahl, wie es mir ´mal in
    der Oberpfalz beschieden wurde. Schöner Gasthof mit eigener Brauerei
    (beruhigt außerordentlich!) seit 1428 im Geschäft . Und das Frühstück
    giebt es bis die Weißwurstzeit selbst von nördlich lebenden Menschen
    akzeptiert wird, und niemand quasselt niemanden an (beim Frühstück).
    Halbe Strecke auf A 3 von Nürnberg nach Regensburg. mfG, T.

  76. "..doädel di doädel di...
    „..doädel di doädel di du!“
    (Abschlussträller Jodeldiplom. Da hat man was fuer später.)

  77. seine eigene bettwäsche coram...
    seine eigene bettwäsche coram publico? macht man so was?

  78. Filou, oh jaa! Hotelförster...
    Filou, oh jaa! Hotelförster mit Fridolin dem Flurdackel.
    http://www.youtube.com/watch?v=OIZDe-wkvcc&feature=related
    .
    Mit dem Urlaub ist es ja immer so eine Sache, wenn man nicht bedenkt, daß einem der Alltag mit unziemlicher Tristesse entgegen schlagen kann.
    Hotelgäste in Scharen mit durchweg langweiligsten Gesichtern, von denen man beim Schlendern durch die Ortschaft keinen einzigen wahrgenommen hatte.
    Wenn selbst die ohnehin zu einem Kompromiß abgerungenen Teebeutel beginnen an der Stimmung zu zerren, weil sogar auch noch das entsprechende Schälchen fehlt, ist es Zeit ein Glas Alk zu probieren, um sich alsbald vom Mysterium des Hotelbettes rufen zu lassen, in dem man dann vor sich her deklamieren kann: ich halte das aus, ja ich halte es nicht aus!, doch doch ich halte es aus… wo ist eigentlich mein iPod abgeblieben?
    http://www.youtube.com/watch?v=y1BrBc8hs94

  79. Toller Blog! (Wenngleich ich...
    Toller Blog! (Wenngleich ich noch nicht genau weiß, was das eigentlich ist und wie man so etwas macht. Könnte aus Sicht Nigeria – wo ich dienstlich lebe, zuvor Kenia – einiges zu „Menschen in Hotels“ beitragen. (Jaja, ich weiß: Nigeria ist kein Reiseland. Aber eine Reise wert. Jedenfalls zur Zurechtrückung.) – Treffen sich die Don-Alonso-Mitblogger eigentlich irgendwann irgendwo? Vielleicht zum Lakenglätten?

  80. Trias, nett! Aber fuer ein...
    Trias, nett! Aber fuer ein ungestoertes Fruehstueck werde ich nicht dorthin fahren.
    ferry, ich war mal fuer eine Nacht in Fuessen am Forggensee. Als Kind war ich auch schon mal dort. Damals regnete es und die Mauer wurde errichtet. In meiner Verzweiflung versuchte ich den See zu durchschwimmen. Ein Jugendbegleiterin rettete mich (wir wurden spaeter (mehr) als gute Freunde). Beim zweiten Besuch-wer wuerde es erraten-regnete es immer noch. Im Restaurant des Hotels setzte sich die Betruebnis gaestemaessig fort. Ich versuchte mich, gegen den Widerstand von Madame, vom Handwerksmeister im Bayernkostuem und anderen braven Menschen mit Alkohol zu emanzipieren. Es war furchtbar. Furchtbar ist noch geschmeichelt. Das Essen war fett. Ich kotzte es auf den Hof-und bin bis heute noch stolz darauf.
    Oh grausames Schicksal, dass dich zwingt Urlaub in Bayern zu machen. Oder im Schwarzwald. Oder in Thueringen. Sylt. Ruegen. Norderney. Alles erlitten. Kurz. Lehrreich-und seitdem bin ich ein vaterlandsloser Geselle.
    Stocknaegel. Ruhebaenke. Heimatabende. Rucksaecke.
    Gruen, gruen, gruen. Was soll ich damit? Ich bin keine Kuh!

  81. sangura, in Abwandlung von...
    sangura, in Abwandlung von Fallada: Jeder wuehlt fuer sich allein.

  82. Dieses Jahr habe ich erstmalig...
    Dieses Jahr habe ich erstmalig in meinem Leben den Ofenpass und den Fluelipass benutzt, als ich von Berlin kommend mit einem 24 Jahre alten VW-Camper nach Dubrovnik gefahren bin. Viel interessanter als ein Hotelbett wäre doch die Frage, wie oft man seinen Bus komplett aufräumen und bei 40 Grad Außentemperatur sein Bett neu beziehen sollte. Und weswegen ich diese Geschichte überhaupt erzähle: Aus dem Fluelihospiz gab es laut Schiefertafel „Durchgehend warme Küche“. Ist das jetzt üblich, überall seine Mahlzeiten im Laufschritt einzunehmen?

  83. @sungura: 3, 4 Nasen kennen...
    @sungura: 3, 4 Nasen kennen sich wohl tatsächlich von Angesicht zu Angesicht, aber die allermeisten kennen nur die gegenseitigen Kommentare, würde ich mal schätzen. Auf der Straße würde man sich keinesfalls erkennen. – Nigeria: endlich mal jemand aus einer spannenden Gegend, von der man kaum was weiß. Lagos wird ja von den Stadtplanern sehr gelobt, weil die Leute dort es ohne administrative Hilfe wohl recht gut geschafft haben, ihre Stadt selbst zu organisieren. Wohnen Sie in einer Stadt oder auf dem Land?

    @Trias: oh ja, die Teebeutel. Und das Zusatzleiden durch fehlende Ablage. Warum können nicht alle zu Klemmsiebzangen und kleinen Gläsern dazu übergehen? – Positiv aufgefallen ist mir der Wasserkocher im Zimmer in Mailand und auf Rügen. Das darf sich gern noch weiter ausbreiten, ich fand das in Australien sehr angenehm.

    @Filou: oh, in der Stadt sind auch ein Haufen Touristen. Heute etwas weniger als am Wochenende, aber vielleicht war heut auch Wechseltag.

  84. @Filou. Das wäre von ...
    @Filou. Das wäre von Holland aus auch etwas übertrieben um ein haus-
    gemachtes Bier zu trinken, der Calvados zu Hause schmeckt mir übrigens
    auch sehr gut
    @Sungura: schöner Beitrag, warum melden Sie sich nicht öfter?
    @Colorcraze 08.19.10 h 00:15
    habe ich nicht verstanden. ich schreibe nie über Teebeutel.
    Aber vielleicht können Sie mich aufklären. mfG T.

  85. @Filou 23:22 h
    die ...

    @Filou 23:22 h
    die private Brauerei ist es wert, nicht das Frühstück. mfG T.

  86. Reiseporzellan? - werter Don,...
    Reiseporzellan? – werter Don, wie darf ich das verstehen?
    Sie reisen mit einem Schrankkoffer, darin in bester Ordnung nicht nur Kleider, sondern u.a. auch Porzellan und Silberkanne(n)? – So einer, wie wir ihn aus der Werbung einse französischen Luxuskofferherstellers kennen (die Damen tragen immer sein Monogramm auf überteuerten Handtaschen herum, deren Haut man für Plastik halten könnte)?
    Auch mit dem beruflich bedingten Privileg viel reisen zu müssen und daher eine um 20 kg erhöhte Gepäckfreigrenze zu haben, als der Flugpassagier, der von hinten bei der Landung klatscht, mir wäre der Aufwand für soviel Stiel zu hoch. Hier und da muß man sein Gepäck doch tatsächlich selber tragen. Und wie verhält es sich mit dem Reinigen des edlen Geschirrs? Gegen ein Trinkgeld in der Gastro- Spülmaschine vielleicht? Naja- KPM ist für seine erlesene Weißware bekannt, mit dem Dekor würde da wohl nicht allzuviel passieren…
    Aber wenn Sie es schon selbst beiseite räumen, werden Sie es ja auch selbst versorgen wollen.
    Dann lieber in einem schönen Haus verweilen, in dem Reiseporzellan schon alleine deshalb überflüssig ist, weil das Geschirr des Hauses doch auch sehr schön ist.

  87. @filou, @colorcraze &...
    @filou, @colorcraze & @trias
    Danke für freundliche Aufnahme in Don Alphonsos Blog. Lebe in Megacity Lagos (18 Mio Ew.) selbst. Genuine – d.h. ohne potemkinschen Fußball-Hype – „boomtown“, viel besser als ihr Ruf; mit engagiertem & couragiertem Gouverneur. Sehenswertes ZDF-Feature „Lagos – Das tägliche Wunder“. Hotels? Sehr teuer, aber nicht wirklich internationale Spitzenklasse. – Außerhalb der großen Städte? Sicherheitshalber selbstzerwühlten Schlafsack bereithalten :-)
    Sonderproblem: was mache man mit dem Bett im eigenen Hotelzimmer, wenn man aus bestimmten Gründen gar nicht darin genächtigt hat? „Gesichtswahrend“ zerwühlen oder unberührt belassen?
    S.

  88. @Filou, Ihr amüsanten...
    @Filou, Ihr amüsanten Kommentare veranlassen mich nun doch noch meinen Senf dem frühmorgendlichen Misantrophen beizugeben. Köstlich auch die ignorante Katze. Ja, ja, ich wollte meinen Frust auch schon in einem eigens angelegten Hotelblog verkünden, denn man kann es nur noch als Zumutung der Moderne (dort legt D.A. gerne und richtigerweise ab) beschreiben, was einem da aufgeladen wird. In Meran sind sicher die Kur- und Hotelgäste nicht mehr die von früher, aber die altehrwürdigen Hotels und deren Räumlichkeiten, Portiers und Pagen sicher auch nicht. Die Frühstückdarbietung ein stetes Ärgernis, nachdem man sich in der Nachtruhe belästigt fühlte durch das die dünnen Wände durchbohrende Schnarchende eines Nachbarn, früh herumirrende Kinder, deren Eltern sich auch mal was gönnen wollen – denn diese Zumutungen machen, so könnte man dem Glauben anheim fallen, auch vor sternengekrönten Häusern nicht halt. Erst am jüngsten Wochennende wurde meine nötige Nacht- und vor allem Morgenruhe zur Tagesplanung durch elektronischen Türschliesserfirlefanz unnötig drangsaliert in einem sonst mondänen Hotel und entsprechendem Meerblick-Ambiente. Heutige Architekten denken in alten Räumlichkeiten eben nicht mehr wie früher- und die Rezeptionisten auch nicht. Im Grunde geht einem Hotelaufenthalt eine sorgfältige Überlegung voraus, wo man einen wieder aus Nachlässigkeit und mangelndem Respekt dem Reisendem gegenüber hinsteckt. Zunächst versuchen Sie es am Fahrstuhl, Treppenhaus, über der Garageneinfahrt oder einfach dort, wo die meisten Störfaktoren lauern. Motto: Die schlechtesten Zimmer zuerst. Ein Übriges erfährt man dann beim Essen fassen. Mehr ist es zuweilen nicht.

  89. Selten so viel Freude beim...
    Selten so viel Freude beim Lesen einer Kommentarfunktion gehabt.
    Auch die kleinen Fragen haben Platz – so auch die nach einem Obolus für die quasi im Akkord wirbelnden Zimmermädchen und Roomboys. Ein kleiner Zettel aus dem aufliegenden Block mit einem ‚Danke‘ der Landessprache zzgl. etwas Metall oder Papier – das ist eine schöne Geste. Ist es nicht?
    Hier zeigt sich mehr Respekt für geleistete Wohlfühldienste denn in einer Übersprunghandlung, die sich im Korrigieren des Lakens erschöpft.

  90. Grippal infiziert, das...
    Grippal infiziert, das ohnehin, aber es geht natürlich auch mit persönlicher Ansprache, gerade, wenn das Hotel noch familiär ist.
    .
    nico, bevor es anderweitig eng wurde, gab es hier mal so eine Seitzenkategorie in Planung, mit der Idee zu schauen, was aus den alten Grand Hotels wurde. Aber es gibt ja leider genug „Restaurierungen“, die einem jeden Spass vermiesen.

  91. Auch ich gehöre zu der...
    Auch ich gehöre zu der Fraktion, die das Zimmer einschliesslich Bett ordentlich verlässt. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass es diejenigen, die das Zimmer saubermachen, hilft, wenn das Zimmer nicht in einem völligen Chaos ist. Denn man darf eines nicht vergessen: selbst in Hotels der absoluten Spitzenklasse hat der Room Service sehr enge Zeitvorgaben. Und wenn man dann in ein Zimmer reinkommt, in dem es aussieht, als ob die Bombe eingeschlagen hätte, dann wird es echt eng.
    Für mich ist die Haltung, auch das Bett in einem ordentlichen Zustand zu hinterlassen und z.B. das Bad nicht unter Wasser zu setzen, einfach eine Frage des Respektes gegenüber den Mitarbeitern des Room Services!
    Und bei Abreise einen Trinkgeld im Zimmer zurückzulassen, ist immer eine nette Geste!

  92. sungura, das ist mir mal...
    sungura, das ist mir mal passiert, weil ich die Nacht – aus respektablen, durchgearbeiteten Gründen übrigens – im Zimmer einer Kollegin verbracht habe. Da habe ich dann durchaus pro forma gewühlt.
    .
    Weltenbummler, ich bin teeinsüchtig und brauche meinen eigenen Tee, wenn es nicht gerade schnelle 2-Tagesreisen sind. Ausserdem habe ich ein Faible für Torten. Und das auch zu Zeiten, da die Konditoreien geschlossen haben. Was also liegt näher, sich vor fast jeder Reise eine Reisekanne und ein wenig Geschirr zu beschaffen, Tortengabeln und Wasserkocher einzupacken und das dann zu nutzen?
    .
    http://rebellmarkt.blogger.de/static/antville/rebellmarkt/images/16sep1.jpg

  93. Balzac, stimmt, das mit den...
    Balzac, stimmt, das mit den Zeitvorgaben ist auch ein wichtiges Argument. Eigentlich reicht es ja, den Koffer zu schliessen und den Schrank zu bestücken – dazu zwingt einen ja angemessene Kleidung, nur wer T-Shirts trägt, muss nicht auf Falten achten.

  94. Tja, das (Hotel-)Frühstück...
    Tja, das (Hotel-)Frühstück findet nun einmal (wie der Name schon sagt) früh statt.
    .
    Ich muss zugeben, dass ich eher zu der Sorte Mensch gehöre, die, wenn einmal auf die Füsse gekommen, schon voll auf Touren sind. Das mag einigen Langschläfern jetzt vielleicht in die falsche Hirnwindung kommen, aber ich halte mich dann auch jeweils zurück (es reicht ja mit einem freundlichen Blick respektive einem gemurmelten „Gummogn“).
    .
    A propos Hotelerfahrung in Meran: Meine Liebste und ich sind vor ein paar Jahren an einem hübschen Ort da abgestiegen (und ich werde mich hüten zu sagen: wo). Hohe Decken (zT mit Stuck), angenehm unnötig grosse Zimmer, unaufdringlich viel Platz zum Frühstücken (kann sich jedeR nach seinem/ihrem Gusto in die eigene Ecke verkriechen…), zurückhaltendes aber aufmerksames Personal…. und das Ganze hat noch ein Gusto der Vormoderne (wenn man denn der Beginn der Moderne um 1900 einsetzt).
    .
    …und es war der Zufall, der uns diesen Glücksgriff bescherte….

  95. Ich mag Hotels eigentlich...
    Ich mag Hotels eigentlich nicht. Auch wegen des Frühstücksbufetts. Ich mag nämlich auch keine Buffetts. Erst recht nicht zu Mittag. Die Opulenz manches Frühstücksbuffetts überspielt nur die unangenehme Tatsache, dass man nicht bedient wird, sondern sich seinen Kram selber zusammensuchen mus. Da ich auch ein Morgenmuffel bin, ist das dann morgens in einem fremden Hotel immer eine Qual, sich durch das Buffett suchen zu müssen, bis ich das Futter zusammen habe. Ein weitere Nachteil des Bufetts ist die Lauferei. ich zäähle nicht zu den Jäger und Sammler-Typen, die das halbe Buffett auf ihren Teler laden und dann zum Tisch schleppen. Also bleibt nur, mehrfach aufzustehen und nachzuholen. Das ist für einen Morgenmuffel besonders lästig. Bei mehrtägigen Aufenthalten spielt sich dan eine gewisse Suchroutine ein, die das Aufwachen erleichtert. Es bleibt aber dann immer das Problem, dass die Brötchensorte, die ich nehmen wollte, gerade vom Vorgänger abgeräumt wurde. Was nun? Warten bis Nachschub kommt? Lautstark selbst Nachschub anfordern? Was anders nehmen? Drei Fragen zuviel, wenn das Gehirn erst langsam hochfährt. Aber bei aller Morgenmuffelei: Es gibt keine Grund, deshalb unhöflich zu sein. Wer für ein „Gummogn“ noch zu müde ist, kann wenigsten die Mundwinkel etwas anheben und ein freundliches Nicken andeuten. Es sind auch nicht die Morgenmuffel, die unfreundlich sind. Wer im Halbschlaf über den Gang schlurft, hat schon meine Absolution. Nein, es sind diese frühfitten „Fahren Sie mich irgendwohin, ich werde überall gebraucht“-Typen, die mit geschäftigen Blick, nach Möglichkeit lautstark telefonierend, über den Gang stürmen, die es grundsätzlich für unter ihrer Würde halten, andere Menschen zu grüßen. das Wichtigste im Hotel ist, das freundliche Abstandhalten. Das ist auch nicht nur eine Frage des Raumes, sondern des Verhaltens. Wobei wir wieder beim Thema Höflichkeit und Rücksichtnahme wären.

  96. Ich bin beim lesen fast...
    Ich bin beim lesen fast eingeschlafen…

  97. Zimmermädchen - und die sind...
    Zimmermädchen – und die sind in dem Hotel, in dem ich verweile, tatsächlich noch vorhanden und nicht aus dem Ostblock stammende Saisonarbeiterinnen –
    HAHAHA ab hier war mir klar dass der gesamte beitrag nur müll ist und ich wurde nicht enttäuscht

  98. Herbert, gute...
    Herbert, gute Nacht.
    .
    elpiedro, kennen Sie eigentlich schon die tieferen Mysterien der Majuskeln und der Interrpunktion?

  99. Das Bett und das Zimmer nicht...
    Das Bett und das Zimmer nicht ganz so unordentlich zu hinterlassen, hat etwas mit Respekt zu tun.
    .
    Aber manche mit akademischem Grad oder sonstigen gefühlten Höherstellungsmerkmalen scheinen diesen nicht gegenüber anderen aufbringen zu wollen.

  100. A propos Hotelausstattung:...
    A propos Hotelausstattung: Mitte 2002 empfahl mir mein Referatsleiter anläßlich einer bevorstehenden Dienstreise nach Kabul, unbedingt einen Gummistöpsel für’s Waschbecken mitzunehmen. Obwohl ich selbst zu Hause eher auf fließendes Wasser stehe, nahm ich den Rat des erfahrenen älteren Kollegen an, vergaß aber glücklicherweise (!) auch Schlafsack und Taschenlampe nicht. Diese Utensilien brauchte ich nämlich tatsächlich dringend; den Stöpsel nicht, weil es kein Wasser gab, schon gar kein kein fließendes. Zimmerservice gab es in dem teilweise zerschossenen Hotel nahe des Kabuler Zoos übrigens auch nicht; schon gar keine Zimmermädchen. Die Männer, die so taten, als seien sie Hotelbedienstete, standen wohl auf der Gehaltsliste anderer Services.
    Zurück zum Stöpsel: den habe ich noch nie gebraucht, aber ich bringe es nicht fertig, ihn aus dem Kulturbeutel zu entfernen.
    S.

  101. Ich mache immer mein Bett im...
    Ich mache immer mein Bett im Hotel und hebe die Handtücher vom Boden auf.

  102. Lieber Don Alphonso,

    könnte...
    Lieber Don Alphonso,
    könnte es sein, dass Sie davon ablenken wollen, dass Sie nur die ganze Nacht gelesen haben, in einem, das kann ich von hier schlecht erkennen, in einem Liebesroman, wo, wenn ich vermuten darf, von gebrochenen Zimmermädchenherzen die Rede ist? Und dass sie dann reinen Herzens den Kurort verlassen, dass Sie sich noch einmal umwenden, als die Ihnen zugeordnete Zimmerdame das Bett glattstreicht, alles ungebrochen, außer vielleicht der Rücken des Buches vom zu schnellen Umblättern. Der aufwühlendste Roman kann so manche wilde Nacht vortäuschen. Ersetzten kann er sie nicht. Aber wer würde sich schon mit Ersatz zufrieden geben wollen? Und während Sie abfahren aus Meran, stelle ich mir vor, dass Sie ein wenig traurig sind, weil das Zimmermädchen doch sicher hübsch war, eine hübsche Osteuropäerin – wo ich übrigens auch herkomme, allerdings, Grüße an elpiedro, haben wir da keine Zimmer, wir schlafen unter freiem Himmel – die Ihnen alle Knochen im Leib gebrochen hätte, wären Sie so dreist gewesen, mehr zu wollen, als ihr beim Bettenmachen über die Schulter zu schauen.
    Ich sitze in der Bibliothek ( http://www.grimm-zentrum.hu-berlin.de/ )und surfe im Netz, statt zu arbeiten. Verdammt!
    Herzlich
    Aléa Torik

  103. <p>Bedaure, ich habe nur meine...
    Bedaure, ich habe nur meine neuen Schuhe eingefettet, und bin dann todmüde ins Bett gefallen. Reisen und Sex passt weniger gut zusammen, als man glauben möchte.
    .
    sungura, das sind so die Gründe, warum ich mir sage: Europa reicht als Reiseregion vollkommen aus. Ich war natürlich auch mal in so einem 3.-Welt-Land mit Nahrungsmittelkrise, aber weder Los Angeles noch San Francisco haben mir besonders gefallen

  104. Nicht nur, daß die Eltern...
    Nicht nur, daß die Eltern darauf achteten, ein ordentliches Zimmer zu hinterlassen, nein, man war auch angehalten, dem Zimmermädchen bei der Begrüßung zuvor zu kommen (deren Leben ist schon beschwerlich genug, was durch einen miesepetrigen Gast nicht gerade erleichtert wird).

  105. Bezug auf Waschbeckenstoepsel:...
    Bezug auf Waschbeckenstoepsel: Noch immer, aus alter Erfahrung, fuehren wir ein Picknick-Koefferchen mit uns. Darin befindet sich neben Besteck,Tellern, Brot und Wein auch ein Satz Haushaltskerzen. Nicht wegen eventueller Stromstoerungen, sondern wegen der Haesslichkeit mancher Zimmer, die nur durch den sanften Schein der Wachslichter ertraeglich gemacht werden koennen.
    (Das letzte mal gebraucht in Trois-Rivieres, franz. Canadien. Das Fruehstueck allerdings war erstaunlich gut. Wenn ich noch die Fotos finde, lade ich sie heute Abend hoch. Wir lachen noch heute Treanen, wenn wir daran denken.)

  106. Nur zu! Ich schau mal, ob ich...
    Nur zu! Ich schau mal, ob ich noch Bilder aus den USA finde.
    .
    patentante, gerade das ist eine wichtige und richtige Haltung: Nichts Schlimmeres, als sich eine Überlegenheit einzubilden, die man nicht hat.

  107. "So sind die Körper gegangen....
    „So sind die Körper gegangen. In der verlassenen Wohnung
    Ist alles posthume Ordnung, von den Spiegeln bereinigt
    Bis zu den Flecken im Bad. Unten am Wannengrund
    Klebt ein einzelnes Haar, das Relikt einer Tierart,
    Die nach der Paarung sich wäscht und die Spuren verwischt….“ (D.G.),
    …es ist doch eine Kunst, Spuren zu hinterlassen, die die Phantasie der Zimmermädchen am Morgen zu einem Abenteuer oder einer Tragödie zusammensetzen kann.

  108. Helene, hoppla - heute mal mit...
    Helene, hoppla – heute mal mit Quellenangabe?
    Oder doch Durs himself unter Angabe eines Pseudonyms?
    (Ma waas es net, ma munkelts nur.)

  109. @Helene
    Wir sollten uns nicht...

    @Helene
    Wir sollten uns nicht zu wichtig nehmen. Ich befürchte, dass Zimmermädchen vor lauter Schufterei weder Zeit noch Lust verspüren, ihre Phantasie an das nächtliche Treiben der Gäste zu verschwenden. So romantisch geht es hinter den Kulissen des Hotelbetriebs nicht zu.

  110. @Trias: oh je, ich habe Sie...
    @Trias: oh je, ich habe Sie mit ferry vertauscht. Entschuldigung :-(

    @elbsegler: Jetzt haben Sie mich zum Lachen gebracht mit der Beschreibung der morgendlichen Schnitzeljagd im hilflosen Halbtran, denn sehr ähnlich geht es mir auch.
    Ich neige zu 2-3 Tellern beim Buffetfrühstück, und versuche dabei jeweils alles nötige inkl. Getränken (Tee! Schokolade! Saft!) in ebensovielen Gängen heranzutragen, was mir jedoch nicht immer gelingt. Anstrengend finde ich, wenn es am ersten Tag, also wenn ich noch nicht weiß, wo was steht, so richtig rappelvoll ist.
    Ob Sitzenge aushaltbar ist, hängt völlig vom Verhalten der Menschen ab. Wenn sie freundlich grüßen und dann in Ruhe ihr Sach machen, ist es kein Problem, nur die Aufgedrehten, unentschlossen-verpeilten Diskutierer und Zappeligen sind gräßlich.

    @Kopfgeburt: ich bedanke mich ausdrücklich für Ihre Rücksichtnahme. Für seinen Schlafrhythmus kann ja keiner was, aber man muß halt miteinander auskommen. Und dafür müssen die Späten halt am Morgen wenigstens grüßen und die Frühen ihren Tatendrang etwas für sich behalten.

    @nico: Hm, naja, wenn man erst spät am Tag der Übernachtung als neuer Lückenspringer auftaucht, muß man sich halt erst durch die noch freien Zimmer „hocharbeiten“. Aber im allgemeinen kriegen die Hotels die Belegung schon zur Zufriedenheit gebacken. Noch ein Zimmer ans Haus anhexen kann man von ihnen halt nicht verlangen.

    @sungura: oioi, Kabul… ja, da hätte ich spontan auch Schlafsack und Plastikfolie mitgenommen, wohingegen Stöpsel – man weiß ja nicht, was die für Formen und Größen haben, das gleiche wie bei Elektrosteckern: voraussichtlich unnütz, wenn man das nicht sicher in Erfahrung bringen kann. Dann lieber Schweizer Taschenmesser und etwas Draht und notfalls was schnitzen. – Oh, Lagos hat 18 Mio.! Das ist sehr groß. Gibt es da auch einen Vertikalbereich wie in Sao Paulo, mit Autos unten und Hubschraubern oben? Daß der Bürgermeister was taugt, ist erfreulich zu hören. Was gibt es denn in Lagos für Hotelsorten?

    @DA: In San Francisco gibts wenigstens Chinesen, das heißt, dort bekommt man noch eßbares Essen. Anderswo im Land stößt man womöglich auf ungekochten Brokkoli.

  111. @patentante: Zimmermädchen...
    @patentante: Zimmermädchen und Kellner anmeckern geht garnicht. Soviel Höflichkeit muß sein. Man sollte seine Wünsche klar und freundlich äußern. Auch Beschwerden kann man in einer Form vorbringen, die nicht den Sack schlägt statt den Esel.

  112. Es soll ja Leute geben, die im...
    Es soll ja Leute geben, die im Hotel gerne Urlaub machen. An ihrem normalen Wohnort. Weil es ihnen dort besser gefällt als zu Hause.

  113. Der äußere Eindruck ist eine...
    Der äußere Eindruck ist eine Sache. Mich stört der Anblick eines ungemachten Bettes einfach. Von einem Freund, der vor Studienbeginn eine Fachlehre in einem der besseren Hotels Deutschlands absolviert hat, habe ich zusätzlich das Verhalten übernommen, mein Bett vor der Abreise selbst abzuziehen und die Müllbeutel schon einmal verknotet in Reichweite zu verstauen, da die Vorgabezeiten der Reinigungskräfte je Zimmer wohl selbst in Spitzenhäusern so eng getaktet sind, dass sie faktisch nicht eingehalten werden können. Trinkgeld gibt es natürlich weiterhin.

  114. @colorcraze, sicher auch was...
    @colorcraze, sicher auch was dran, aber manche Zimmer sollten einfach nicht angeboten werden. Oder nur mit Hinweis auf Störfaktoren, das aber geschieht doch nie. Eher wird gesagt: da sind sie wohl etwas zu empfindlich. Der schlechten Auslastung wegen werden Hotels zunehmend übers Internet mit wellness-weekends o. ä. vertrieben. Etwa so wie all-inklusive. Preisbewußter Schnäppchen- und Porsche fahrender-Pöbel dringt dann ein und gibt sich dann stilvoll im Parken vor der Eingangstür.

  115. Oh, das wurde bereits weiter...
    Oh, das wurde bereits weiter oben angesprochen. Mea culpa!

  116. Redundanz und Bestätigung...
    Redundanz und Bestätigung sind im Journalismus immer gut.

  117. @HansMeier555
    Ich kenne...

    @HansMeier555
    Ich kenne jemanden, der sich immer mal wieder für eine Nacht in ein örtliches Hotel einquartiert, wenn ihm die Familie zu sehr auf den Nerv geht, um am nächsten Morgen gut gelaunt und gefrühstückt wieder bei den Lieben zu erscheinen.
    @mmmb 19. August 2010, 14:38
    Man kann es auch übertreiben mit den Mitwirkungspflichten. Dann kann man auch gleich noch auf der mitgebrachten Luftmatratze im Schlafsack übernachten oder gleich im Auto und nur das Zimmer bezahlen.

  118. Wenn ich es mir so recht...
    Wenn ich es mir so recht überlege, geht es ja gar nicht so sehr um d i e Überlegenheit, als vielmehr um kleinmachende Arroganz und Überheblichkeit, mit der nicht selten eben jene „Wissende“ Klasse wie,- äh, ja, äh- zum Beispiel Philosophie//Kunst//professoren mit ihren Hofschranzen, die während eines Kongresses etwa, gemeinsam in einem Hotel absteigen, nachgerade hausieren gehen. Dieser dünkelhafte Habitus, welcher mit feinnuancierten Bemerkungen und Gesten, dem Hotelpersonal Geringschätzung spüren läßt, weil er es ausnahmslos und durch die Bank für törichtdumm hält. Zugegeben, viele Hotels haben da was verinnerlicht, von sich aus kultiviert, wo man gar nicht anders kann als den ganzen Laden lächerlich zu finden.

  119. Muscat, Sie wissen: die...
    Muscat, Sie wissen: die Helene-Plagiate sind schon alle identifiziert und Durs war nicht dabei, die Schuhe waren eine Nummer zu groß.

  120. @ferry
    Diese Arroganz ...

    @ferry
    Diese Arroganz entspringt nur allzu oft dem Wissen um die eigene Unzulänglichkeit. Sie ist nur ein Korsett für die jämmerliche Persönlichkeit.

  121. Elbsegler, vielleicht haben...
    Elbsegler, vielleicht haben Sie recht. Aber ich finde die Vorstellung einer Lebensgeschichte, die sich nur aus verwischten Spuren und falschen Fährten zusammensetzen lässt und bei denen die Zimmermädchen zu den Hauptzeugen dieser Existenz „auf der Flucht“ werden, höchst faszinierend (auch wenn es das unendlich oft in der Literatur schon gibt). Irgendwie sehe ich den Don selber als einen solchen Fährtenleger und Spurenverwischer. Dieser Blog ist also wieder einmal in höchsten Maße autoreflexiv.

  122. HansMeier, ich konnte neulich...
    HansMeier, ich konnte neulich die Frage nicht beantworten, wie die Zimmer im örtlichen Hotel seien. „Aber sie sind doch verheiratet“ hieß es dann…

  123. Die Strasse wurde zu Zeiten...
    Die Strasse wurde zu Zeiten von Louis XIV gebaut, stand im Reisefuehrer, und auf dem Weg muessen wir unbedingt von Montreal nach Quebec fahren, sagt Madame, die Kopilotin. Soll sehr huebsch sein. Huebsch! Huebsch lang dauerte die Rush-Hour hinter Montreal. Dann wurde es dunkel. Dann landet man uebermuedet in einem Motel/Hotel in Trois-Rivieres:
    http://www.fotos-hochladen.net/troisrivwtj5h80k.jpg
    .
    Nachtraeglich betrachtet war es dann doch nicht so uebel. Naja, ’n bisschen…
    …Licht aus! Kerzen an! Musik aus dem Notebook.

  124. Was aber machen die Günter...
    Was aber machen die Günter Netzers dieser Welt mit ihren Hotelbetten?
    Die Frage, ob er zu hause denn bei der Hausarbeit hülfe. Die Antwort: “ das würde ich keinem antun“.

  125. @colorcraze u.a.:...
    @colorcraze u.a.: „internationale“ Hotels in Lagos. Mir fallen Sheraton, Protea, Sofitel und Radisson ein. Das (nur) angeblich beste, Eko (alter Yoruba-Name für die Gegend, wo heute Lagos ist) war früher ein Meridien Hotel. Meine Empfehlung ist das „Oriental“, ein hongkong-chinesisches Hotel mit großen Zimmern und Panoramafenstern, die auf den Five Cowrie Creek (zwischen Victoria Island und Lagos/Ikoyi Island) gehen. Ein chinesisches und ein japanisches Restaurant, mit einem Salon zwischen beiden, so daß man aus beiden bestellen kann. (Für Büffet-Feinde: kein Büffet!)
    In die Vertikale ist man in Lagos noch nicht gegangen; dafür umgeht die 12 km lange „3rd Mainland Bridge“ über der Lagune die dichtbesiedelten Stadtteile von Lagos-Mainland „weiträumig“. Der Gouverneur hat jetzt die Idee, den täglich zweimaligen mehrstündigen Verkehrsinfarkt durch eine große Flotte von mittelgroßen Schnellfähren zu bekämpfen, die zwischen den Inseln der Lagunenstadt und ihrem Festlandteil verkehren. )
    Von meinem privaten Arbeitszimmer habe ich einen traumhaften Blick auf die Hafeneinfahrt von Lagos Apapa und Tin Can Island sowie auf die immer dicht mit ankernden Schiffen besetzte Reede.
    Ich hoffe, Don Alphonso rügt meinen Beitrag jetzt nicht mit „Thema verfehlt“; aber ich wollte Ihre Fragen beantworten.
    Habe übrigens im Internet ein Foto von besagtem Hotel in Kabul gefunden; es stammt von 2003, aber 2002 sah es genau so dort aus: http://www.aisk.org/photos/van/107_0739.jpg
    Jetzt fällt mir aber doch noch etwas zu Hotelbettwäsche ein: Ende der Neunziger – ich war auf Posten in Kairo, war ich mit meiner lieben Freundin A. per Auto den Nil entlang unterwegs Richtung Luxor, leider ohne Bettwäsche. In totaler Verkennung der Entfernung waren wir gezwungen, in Assiut – wo Muslime und Christen ein besonders „intimfeindliches“ Verhältnis pflegen – Station zu machen, in einem Hotel neben dem Bahnhof. Ich glaube, dessen Bettwäsche war noch nie glatt und/oder weiß gewesen. A. und ich schauten uns verzweifelt an und beschlossen, sie wenigstens „mechanisch“ zu „reinigen“, durch Ausschlagen über dem Innenhof. Gesagt, getan. Ein Hotelangestellter erschien, sah uns erstaunt an, kapierte aber irgendwie, was wir dort machten, und sprach: „Everything is very clean in this hotel.“ Worauf ich, soweit ich mich erinnere, meinte, so etwas mache man in Deutschland immer. Das beruhigte ihn. Wenn ich, heute noch, A. zum Lachen bringen möchte, sage ich das einfach auf. „Geholt“, hautmäßig, haben wir uns nichts. Ach ja, ich sollte noch die verdammte Lokomotive im Bahnhof erwähnen, deren Glocke die ganze Nacht bimmelte und erst aufhörte, als wir aufstehen mußten.
    A propos A.: haben Sie schon mal in einem Sahara-Anrainerstaat während der kühleren Jahreszeit mangels Münzen für den Boiler-Automaten kalt geduscht? A. und ich haben genau das getan, in der „Marhala“ von Kairuan / Tunesien. (Das war vor Ägypten.) Und uns eingebildet, daß es weniger kalt ist, wenn man zu zweit unter der kalten Dusche leidet.
    S.

  126. @mmmb: wenn Sie sich als...
    @mmmb: wenn Sie sich als Reinigungskraft bewerben wollen, sollten Sie dies am Empfang tun, nicht auf dem Zimmer.
    @Filou: uuuuh die Hotelbilder, oh je. Wenn die nicht wären, wärs ganz heimelig.

  127. @Helene
    Dass wir selbst...

    @Helene
    Dass wir selbst solchen Phantasien nachhängen liegt wohl an der besonderen Atmosphäre, die ein gutes Hotel auszeichnet. Es ist eine Bühne für viele Laiendarsteller, darunter Hochbegabte aber eben auch Knallchargen. Eine Seifenoper in Echtzeit. Das Personal hat aber keine Antenne mehr für diese Schwingungen. Alles, was unsere Phantasie anregen mag, ist nichts als (grauer) Alltag. Da bleibt keine Zeit, darüber nachzudenken, weshalb ein Bett Im Doppelzimmer unbenutzt blieb.

  128. Im Hotel sehen wir das Elend...
    Im Hotel sehen wir das Elend des Bürgertums wie im Tautropfen gespiegelt.
    .
    Vornehme Leute wohnen entweder bei sich zu Hause oder bei anderen vornehmen Leuten zu Gast.

  129. Hotel ist was für Parvenüs,...
    Hotel ist was für Parvenüs, die wissen, dass sie keine Chance haben, den einheimischen Eliten vorgestellt zu werden.

  130. HansMeier, dass wir mal einer...
    HansMeier, dass wir mal einer Meinung sind…

  131. Und darum wohnt Hans Meier im...
    Und darum wohnt Hans Meier im Zelt.

  132. Es kommt nicht drauf an, wo,...
    Es kommt nicht drauf an, wo, sondern bei wem.

  133. Wer bei einer anderen Familie...
    Wer bei einer anderen Familie zu Gast ist hat natürlich viele Vorteile, dem sei nicht widersprochen.
    .
    Hingegen bietet das Hotel (und meinetwegen auch das Zelt) die Möglichkeit der Distanz. Hinweg von allen persönlichen Verpflichtungen (ausser vielleicht dem Schreiben der Ansichtskarte an die Tanten).
    Es kann nun durchaus sein, dass man fälschlicherweise das „Hinweg aller Verpflichtungen“ zugleich auch als „Hinweg aller Höflichkeit und Anständigkeit“ hinein in die Anonymität versteht….

  134. @HansMeier555
    Nun ja, mit dem...

    @HansMeier555
    Nun ja, mit dem bei anderen Familien zu Gast sein ist es auch nicht ganz so einfach, wenn man nicht den Gästebereich im Westflügel bewohnen darf. Denn Gäste und Fische haben bekanntlich eines gemeinsam: nach spätestens drei Tagen müssen sie weg sein. Auch das wieder eine Frage der Höflichkeit des Gastes. Hotels dürfen da auch gerne als Ersatzquartier dienen.

  135. HansMeier555, 19. August 2010,...
    HansMeier555, 19. August 2010, 16:48
    Ich stelle mir gerade die ersten englischen Touristen in der Schweiz des 18. Jh. vor, wie sie in den Grandhotels sitzen und danach schmachten, den „örtlichen Eliten“ vorgestellt zu werden. Lieber HansMeier, jetzt gehen Ihnen aber die Gäule durch!

  136. Dass Gaeste nach drei Tagen...
    Dass Gaeste nach drei Tagen weg sein müssen, ist kleinbürgerlicher Unfug. Der grand seigneur stellt seinen Gästen ein Wohnung und Personal zur Verfügung und freut sich den ganzen Sommer lang über die Gesellschaft. Er ist traurig, wenn sie wieder wegfahren.
    .
    Lieber Elbsegler,auch englische Aristokraten hätten sich bei Schweizer Patriziern im 18. Jahrhundert besser aufgehoben gefühlt als im Hotel.
    (Obwohl ja in jeder Schweizer Postkneipe besser gekocht wurde als auf englischen Schlössern.)
    Was die Kuhdörfer mit Höhenlage betrifft, so konnten die „ersten Touristen“ dort naturgemäß noch keine Grand Hotels antreffen. Die ersten Engländer wollten ja voller Sportsgeist gerade hinaus in die Wildnis und lebten dort naturgemäß bei den Einheimischen, wo denn sonst?
    .
    Auch gekrönte Häupter haben gerne in Zelten gewohnt, wenn es die Jagd oder der Krieg erforderten — Vergnügungen, für die man eine Einladung brauchte.
    .
    Diese Grand Hotels waren schon immer Imitationen. Plüschige Puppenhäuser, wo die Bürgerlein im falschen Glanz der billigen Vergoldungen sich mal ein bisschen Herrschaft aufspielen durften. So ähnlich wie auf den Atlantikdampfern. Aber wo fahren die hin? Eben.
    .
    Das war die Belle Epoque. Heute kriegen die Enkel der Bürgerlein nicht mal mehr so was auf die Reihe.

  137. Ich bin im Urlaub daheim, habe...
    Ich bin im Urlaub daheim, habe genüsslich mitgelesen wie hier auf Vickie Baums Spuren gewandelt wird. ich beseitige gröbste Unordnung wenn es sie denn gibt, und in der Tat habe ich auch schon mal „pro forma“ gewühlt wenn ich realiter anderweitig…. (usw., der Gentleman genießt und schweigt).
    Aber sonst geniere ich mich nicht vor Personal. Mutter meinte nur Streit der Herrschaft untereinander gehöre sich nicht vor Personal („pas avant le personel“ oder so), ansonsten mache jeder seine Aufgabe professionell. Ich bin morgens meist schnell und früh wach, wünsche einen fröhlichen „Guten Morgen“, suche nach einer Zeitung um kluge Köpfe dahinter zu verstecken und nach den schönen Sachen auf dem Büffet. Allerdings schätze ich die wenigen Grand- Hotels in denen zum Frühstück am Tisch noch das gewünschte Sortiment serviert wird (oh ja das gibt es).
    Und ein anderer Tip von Madame Mère war dass nichts so lohnt wie am ersten Abend gegebene gute Trinkgelder.
    Und falls es jemals vorkommen sollte dass man mit einer Dame im Bett inkommodiert wird, am besten freundlich gelassen das Personal zum Komplizien machen, das Trinkgeld aufstocken und durch Auftreten und Miene bekunden dass es ganz toll ist! Und dann die Dame sicher heraus eskortieren, oder zum Frühstück!

  138. Lieber Hans Meier,
    da fehlt...

    Lieber Hans Meier,
    da fehlt mir natürlich als Kleinbürger der große Überblick. So sei es denn. Das ganze Bürgerleben war eine Imitation des Adels und der der Arbeiter imitierte den Bürger, so gut er konnte. Und heute ist alles unterste Schublade.

  139. @elbsegler
    Sie haben es...

    @elbsegler
    Sie haben es erfaßt.

  140. Werter Don,
    das verstehe ich...

    Werter Don,
    das verstehe ich sehr gut. Die Leidenschaft des Teetrinkens teile ich, und habe sie während verschiedener Studien- und Projektaufendhalte in Japan, China und Indien kultivieren können.
    Dort, wie auch in vielen anderen Ländern Asiens steht eigentlich in jedem halbwegs akzeptablen Hotelzimmer ein Wasserkocher, meist gibt es auch noch sehr trinkbaren Tee dazu. In Russland wurde das heiße Wasser stets vom Etagenservice gereicht.
    Man muß den Wasserkocher also nicht immer dabei haben.
    In Europa hingegen gibt es Gegenden, in denen die Unterschiede nicht verstanden werden (warhrsecheinlich werden dort Tees nur bei Krankheit getrunken). Schwarzer Tee ist eben schwarzer Tee. Eben keine bessere Gesellschaft. Insofern eigenen Tee mitzunehmen ist natürlich ein Lösungsansatz.

  141. @HansMeier/elbsegler: Ja ja....
    @HansMeier/elbsegler: Ja ja. http://www.couchsurfing.org/
    @sungura: Lagune! Fähren! Das klingt ja sehr sehenswert. Ich glaub, ich notiere Lagos mal auf dem „Geheimtip“-Zettel (da steht bis jetzt Albanien). – Das Hotel Kabul erinnert mich mit Fensterschnitt und Vordach enorm an ein Gebäude in Ost-Berlin, an dem ich oft vorbeilaufe. Wurde der Mittelteil zur Russenzeit oder davor von der DDR errichtet?

  142. @colorcraze
    Lagos erträgt man...

    @colorcraze
    Lagos erträgt man mit Fassung oder man haßt es. Ich gewinne ihm positive Seiten ab. Ich war damals viel zu aufgeregt in Kabul, um mich Fragen der Baugeschichte des Hotels zu widmen, obwohl ich so etwas sonst als Architektensohn gewohnheitsmäßig tue. Inzwischen ist das „Hotel Kabul“ als „Hotel Kabul Serena“ das erste Haus am Platze, aber noch wiedererkennbar.
    Nach Albanien zieht es mich irgendwie auch. Als „Quartaner“ (wissen Sie, was das ist?), hatte ich einen KOSMOS Elektronik-Baukasten „Radiomann“, mit dem man ein Dioden- und ein Transistorradio bauen konnte. Mit beiden konnte ich leider lediglich „Radio Tirana“ empfangen. Dies fiel meinen Eltern dadurch auf, daß ich ständig eine Melodie summte, die sie als die der „Internationale“ identifizierten, und daß ich meinen Vater fragte, was eigentlich eine „Renegaten-Clique“ und ob Tirana in China sei.
    Ich will nicht ausschließen, daß unser/e Mitblogger/in Aléa Torik aus Albanien stammt; oder aus dem anderen europäischen Exoten, Moldau. Da war ich auch schon, jedenfalls in Chisinau.
    Jaja, Don Alphonso, ich verfehle das Thema schon wieder und das schon seit vielen Zeilen, aber an das Hotel in Chisinau erinnere ich mich beim besten Willen nicht; aber ich habe weder vorher noch nachher so viele so hinreißend schöne Frauen gesehen wie in Chisinau. (Und die schönste ist I.)
    S.

  143. Es schickt sich m.E. durchaus...
    Es schickt sich m.E. durchaus ein Trinkgeld zu hinterlassen, wenn das Zimmer stets ordentlich ist. Ich interessiere mich dann auch nicht dafür wer der Nutzniesser ist. Es ist schliesslich nur ein Trinkgeld und keine Erbschaft.

  144. War jemand schon mal in...
    War jemand schon mal in Curitibà?

  145. @sungura: Hahaha! Ja,...
    @sungura: Hahaha! Ja, Quartanerin war ich auch mal, und den Baukasten „Radiomann“ sah ich mal bei einem Bekannten, und ich habe mit Vaters ausrangiertem Werkstattradio auch ab und an mal Radio Tirana gehört… mir war klar, daß das in Albanien liegt (Geografie war immer meins, die Quarta hatte ich schon hinter mir) und im tiefsten Ostblock, die brachten auch immer so Erntemeldungen. Man konnte allein mit der Erwähnung „Radio Tirana“ damals Lehrer erschrecken, es waren die 70er, und allerlei Sozialisten-Maoisten-Sektiererei im Schwange. Ich war sehr erstaunt über das gute Deutsch der Sprecherin, die muß zur Sprachausbildung gewiß in der DDR gewesen sein. – Ach ja, ein Biologielehrer, den ich mal kurz hatte, war aus Afghanistan zurückgekehrt und hatte schwere Malaria.

  146. Pattie Smith schwaermte 1974...
    Pattie Smith schwaermte 1974 von Radio Kabul. Das fand ich inspirierend. Habe dann eine Tonmontage gemacht, die es sogar in eine Ausstellung schaffte. Aber diese Geschichte darf ich nicht erzaehlen. Rumpelstilzchens Geheimnis.
    (Geht zum Backen zurueck in den Wald. Oder doch lieber Brauen?)

  147. @colorcraze: Geografie habe...
    @colorcraze: Geografie habe ich später studiert …. Und Anglistik. Bin aber zum Glück (für Schüler) nicht Lehrer geworden. – Das präzise „Verlautbarungsdeutsch“ der Sprecher von Radio Tirana damals hatte etwas Unwirkliches, fast Außerirdisches; nur noch übertroffen von einem Sender, auf dem stundenlang Zahlenkolonnen verlautbart wurden. Heute morgen kam mir plötzlich der „Jingle“, früher sagte man wahrscheinlich „Erkennungsmelodie“ der abendlichen halbstündigen „Sendung in deutscher Sprache“ von Radio Tirana vor mein inneres Ohr, nach so vielen Jahren. Unglaublich. – Mein Geschichtsunterricht damals hatte zwar intensiv den Nationalsozialismus zum Gegenstand, immerhin, damit hörte es dann auf. Auf die Frage eines Mitschülers, was denn Kommunismus sei, gab der Lehrer zurück, unvergeßlich: „Marx, Engels, Lenin, Rosa Luxemburg und so weiter.“ Mehr nicht. Unter „und so weiter“ fielen anscheinend Mao Tse-Tung, Tschu En-Lai, Lin Piao und Enver Hodscha, die sich damals lt. Radio Tirana so gut verstanden. Kommunismus kam dann in Religion dran: gewissermaßen Zölibat, Histomat, Diamat (und so weiter).
    Malaria kann man sich auch in Kabul einfangen (Anopheles-Mücken am Kabul-Fluß). In nicht-klimatisierten Hotels sind Moskitonetze über dem Bett unerläßlich. Und was dann das Bettenmachen in einem solchen Hotel betrifft: ein heruntergelassenes Mückennetz behindert den Zugang zum Bett derart, daß ich in solchen Fällen ein auch nur rudimentäres Bettzeugaufräumen gar nicht erst in Erwägung ziehe.

  148. @Filou: 74 war mir Pattie...
    @Filou: 74 war mir Pattie Smith noch unbekannt, das änderte sich erst 4, 5 Jahre später, als die Ramones fetzten, Iggy Pop seine Lust for Life besang und David Bowie Major Tom im All verlor. Und noch einer lief mir übern Weg, der in Afghanistan gewesen war, und für die dichten Hanfsträucher dort schwärmte.
    Rumpelstilzchen lebt im Bush of Ghosts, wie?

  149. @colorcraze, in der Zeit war...
    @colorcraze, in der Zeit war ich mit letzter Kraft bei Peter Gabriel und Roxy Music angelangt. Danach wurde es Alte Musik. Mehr und mehr. Meine Pop-Vinyls (mit Ausnahme der Erstausgaben) verschenkte ich einem Freund. Kann auch nicht verwundern bei einem, der die Beatles bereits Mitte der 60er extrem oed fand. Und da war ich in der Pubertaet!
    Ich kannte auch einen, der in Afghanistan war. Er kam von daher zurueck und trug ein Kinnbaertchen, war sehr stolz darauf, dass er am Hindukusch war und beanspruchte den gesamten Bierhimmel ueber dem Bohemien-Stammtisch. Er behauptete Schauspieler zu sein, schwadronierte viel ueber Sprachkultur, wurde zum Probesprechen eingeladen-und ich arme Sau musste ihm beibringen, dass das Ergebnis verheerend ausgefallen war. Er kotzte nach einem Trostbesaeufnis in den Futternapf meines Katers und verschwand von meinem Horizont. Mein Kater war sowieso ein toller Psychologe; alle Leute mit schweren Charakterfehlern ging er fauchend mit allen Krallen an die Beine. Auch meine Mutter schonte er nicht. Auf den Jungen war verlass. Prima Typ. Ein echter Kumpel.

  150. @sungura: Ich erinnere mich...
    @sungura: Ich erinnere mich nur noch an die klare Stimme der Sprecherin, aber jetzt wo Sies sagen, ja, eine Erkennungsmelodie hatten die auch, es war sowas alt-ruhiges, meine ich, wie Südwestfunk noch in den 1960ern gehabt hatte in der Art. Unwirklich fand ich es auch, das machte seinen enormen Reiz aus. Kurzwelle war schon faszinierend. Ich glaub den Zahlenleser hab ich auch mal gehört und mich gefragt, welcher Geheimdienst da wohl dahintersteckt. – Mit der Malaria in Kabul rühren Sie jetzt die Erinnerung an meinen Biologielehrer auf, denn solches wie Sie berichtete der auch.

  151. @Filou: ah, dann sind Sie also...
    @Filou: ah, dann sind Sie also etwa ein Jahrzehnt älter als ich. Ich lebe seit etwa 10 Jahren musiklos, an alte Musik habe ich mich noch wenig rangetastet, ich will bis in 20 Jahren jedenfalls die hier vorhandenen Möglichkeiten peu à peu nutzen; ob ich nochmal ins Konzerthaus (der Schinkelbau am Gendarmenmarkt) gehe, weiß ich nicht, die Akustik ist doch sehr schlecht, aber in die Philharmonie gerne wieder, das ist ein gelungener Bau.

  152. @colorcraze, die Liebe zu...
    @colorcraze, die Liebe zu einer bestimmten Musikrichtung hat (vermutlich) etwas mit der inneren Melodie der Seele zu tun. Ich lebte als Kind im schoeneren Teil von Halle. Dort, wo die Porphyrfelsen den Flusslauf bestimmten, wo die Baeume ihre Aeste weit ueber die Nebenarme haengen liessen, einer Altstadt, die, je mehr sie verfiel, im roetlichen Licht des chemieverseuchten Himmels Melancholie hervorrief. So schwingt man sich in den Kindertagen ein in eine Welt die nicht real ist, weil es ihr nicht erlaubt ist, wieder das zu sein, was sie mal war. Man war das Kind einer Kulturlandschaft. Ganz unbewusst gehoerte man dazu. Niemals Hoelderlin, nicht ganz Heine, manchmal (mit Widerwillen) Stifter.

  153. @Filou: klingt nach einem...
    @Filou: klingt nach einem etwas melancholischen Umfeld. Meins war auch sehr schön, der Hochrhein, in dem man baden konnte, in der Kindheit noch die handtuchbreiten Felder, die man vom Berg aus sah – und ab den 70ern Flurbereinigung, große Felder, Bauerndörfer mit Postkutschenstraßen wurden zu Lehrerdomizilen, die alte Bauernlandschaft mit den Streuobstwiesen wurde zur Monokultur, und schließlich wurde ein AKW gebaut. Die letzten Kriegsschüsse in den Häusern waren spätestens 75 verschwunden, immerhin gab es die Brunnen weiterhin. In den 60ern die Süditaliener, seit den 70ern die Türken, die in den Fabriken arbeiteten. Die italienische Eisdiele, in der ich mir jeden Samstag nach der Schule ein Eis gönnte. – Ach so, die dicken Überlandkabel für den Strom waren schon vor mir da, in der Gegend fing das an mit der Stromerzeugung.

  154. colorcraze (bevor meine alte...
    colorcraze (bevor meine alte Katze mich wieder anschreit), hier unten am Niederrhein komme ich fast taeglich an einem Haus vorbei, an dem die Einschuesse noch zu sehen sind. Die ganze Westfassade voller Loecher. Was fuer ein Widerstandsnest war da wohl drin? Ich wuerde so gerne wissen, was damals, als die Briten aus Westen kamen, los war. Wahrscheinlich sind die Zeitzeugen tot oder Gaga. Schade eigentlich.
    Kurz nach er Wende besuchte ich einen Grenzort, in dessen nahegelegener Waldlichtung wir damals von der GrePo festgenommen wurden. Das war ein organisierter Treck von 50 Personen, angefuehrt von einem bezahlten Schlepper.
    .
    Was hab‘ ich damals mit den Alteingesessenen gesoffen, um denen die Geschichten aus der Nase zu popeln: null Ergebnis, die schwiegen wie Tote. Damals sass denen das Regime noch in den Knochen. Wuerde ich heute nochmal fragen? Hat wahrscheinlich keinen Zweck. Da gehen so schoene Details zum Teufel.

  155. @colorcraze: nein, nein, die...
    @colorcraze: nein, nein, die Melodie war nicht so etwas Alt-ruhiges; es waren Fanfaren, und meine Mutter meinte, sie erinnere sie an die Erkennungsmelodie der „Sondermeldungen“. (Wurde da nicht Liszt mißbraucht?) Wie gesagt: ich habe die Melodie wieder „drauf“; aber jetzt ist Enver Hodscha nicht mehr da.

  156. @sungura, es war Franz Liszt,...
    @sungura, es war Franz Liszt, Les Preludes, hier, ab 8:50 Min.:
    http://www.youtube.com/watch?v=BRa36DV6zJ8&p=58EA2C1F0E88DDDA&playnext=1&index=22
    .
    Die Kurzwelle hatte etwas fasinierendes in den Jahren, da Fernsehen nur aus maximal 3 Programmen bestand. Dieses knatternde Durcheinander, Rias Berlin mit der Hitparade (meistens gestoert vom Stoersender Halle-Petersberg), Radio Moskau, auf Mittelwelle der Deutsche Soldatensender 904 (ein DDR-Produkt in Richtung Bundeswehr), nebenbei die Luft-und Schiffahrtskommunikation (meist nicht verstaendlich, da in Single-Side-Band gesendet)-ein schoener naechtlicher Spielsplatz fuer kleine Jungen. Daher wird wohl auch die poetische Affirmation von Pattie Smith gekommen sein: Aus dem Gewirr unverstaendlicher Stimmen hebt sich ein ganz fernes mysthische Land hevor.

  157. @filou. Muß doch noch was zu...
    @filou. Muß doch noch was zu Komplex „Radio Tirana“ sagen. Im Anleitungsheft zum Kosmos-Baukasten „Radiomann“ war zu lesen, man könne mit den beiden zusammenzubauenden Radios (Dioden- und Transistorempfänger) mindestens „den Ortssender“ auf Mittelwelle empfangen. Ich konnte jedoch ausschließlich Radio Tirana empfangen, obwohl sogar in Sichtweite zweier Radio-Sendeanlagen. Aber weder der WDR noch die Sender der belgischen und niederländischen Nachbarn, auch nicht „Radio Luxemburg“ noch die „Europawelle Saar“ fanden den Weg in mein Antennenkabel. Immerhin habe ich Radio Tirana nicht für den Ortssender oder gar das „Lokalradio“ (von einem internetgestützten Nachschlagewerk verbreiteter „false friend“) gehalten.
    Zum Kurzwellenempfang habe ich erst im Verlauf meines Berufslebens gefunden und mir vor ein paar Jahren sogar einen alteren, aber gut erhaltenen Grundig Satellit zugelegt.

  158. @sungura, das ist der Witz...
    @sungura, das ist der Witz solcher Baukaesten; da muessen Vaeter mithelfen. Ist aber egal. Der Grundig ist prima. Falls Sie aber aufruesten wollen, kann ich Ihnen dies empfehlen:
    http://www.winradio.com/home/g31ddc.htm
    .
    Vor 12 jahren kaufte ich den Vorgaenger (noch als Einsteckmodul), man konnte damit die schlaflosen Naechte abenteuernd muehelos ausfuellen.
    .
    Den Kosmos kaufte ich irgendwann mal fuer meinen Sohn. Nur um seine Interessen zu testen. Es kam natuerlich alles, ganz, ganz anders.
    .
    Wie die nigerianischen Behoerden auf die Einfuhr eines derartigen Geraetes reagieren werden, muessen Sie selber ‚rausfinden. Vermutlich aber wird irgendein findiger Kaufmann sowas im Regal haben. Stichwort: HAM-Radio.
    .
    Aber Satellit bleibt gut. Braun hatte auch etwas sehr schoenes. Ist aber lange her.

  159. @Filou: hm, einfach so einem...
    @Filou: hm, einfach so einem Fremden sagen die nichts. Da muß man schon an einen Stammtisch geraten, wo welche gerade darüber sprechen. Das sind dann aber nicht unbedingt die, die damals besonders aktiv waren.
    @sungura: soso, extra basteln und dann kommt nur Radio Tirana.. auf Mittelwelle waren die (Ich erinnere mich da nicht mehr genau)? Meine Eltern hörten auf Mittelwelle Südwestfunk, und die Nachbarn Ländler von Radio Beromünster. Das famose Werkstattradio geriet mir erst später in die Hände, es war von ITT und hatte eine Art verschiebbare Lupe zum Sendereinstellen, die Handhabung war vorbildlich gelöst. Haben Sie je rausgefunden, was die Zahlenleser (es waren mehrere, meine ich) waren?

  160. @filou&colorcraze: das wird ja...
    @filou&colorcraze: das wird ja inzwischen ein sub-blog. Habe mir gerade den Tatort „reingezogen“. Bin sehr froh, daß Lena Odenthal nicht Ernsthaftes zugestoßen ist. Derzeit bin ich ja nicht im tatortlosen Nigeria, sondern urlaubshalber zu Hause, in der „Stadt Karls des Großen“. War heute tagsüber unterwegs auf „marchés aux puces“ und „brocantes“ zwischen dieser und Lüttich.
    Mit der Einfuhr solcher Geräte nach Nigeria hätte ich aus bestimmten Grunden keine Schwierigkeiten, weil …; aber das ahnen Sie doch schon, oder?
    Tja, Radio Tirana muß damals eine dauerhaft stabile Mittelwellen-Überreichweite gehabt haben, oder die KOSMOS-Schwingspule zu viele Wicklungen, so daß Kurzwelle herauskam.
    Meine Mutter hörte „damals“ Radio Luxemburg; woanders hörte man auch Radio Hilversum. Nach meiner Radiomann-Phase fand ich irgendwo ein tolles Radio, welches defekt und nur WDR-Programme drauf hatte. Meine Vorliebe für alte und klasische Musik verdanke ich ausschließlich WDR 3. Dieses Radio, ein veritables Möbelstück hatte eine tolle Einstellhilfe, ein grünes „magisches Auge“.
    Wenn ich bei mir in Lagos Gäste habe, die zunächst die herrliche Aussicht auf die Hafeneinfahrt genießen und deren Blick dann auf meinen empfangsgünstig aufgestellten Grundig Satellit fällt, kommt es nicht selten vor, daß ich gefragt werde, ob ich damit auch diese Zahlenkolonnen empfangen kann, die offensichtlich die meisten Menschen aus meiner Altersgruppe bei ihrer Rundfunk-Sozialisation irgendwann abgehört haben.
    Was der Sinn dieser Zahlenlesungen war habe ich nicht herausbekommen, mich aber auch nie darum gekümmert. Ich vermute, daß damit „Schläfer“ irgendwelche Anweisungen übermittelt bekamen. Leute, die es wissen könnten, haben mir gesagt, daß ich damit nicht völlig falsch gelegen hätte.

  161. sungura, so war es auch mit...
    sungura, so war es auch mit den Zahlenkolonnen. Nicht nur Schlaefer wurden damit geweckt, sonden auch direkte Aktionen eingeleitet. Schoene Zeiten waren das im Kalten Krieg; Verfolgungswahn ueberall. Je duemmer der Sicherheitsbeauftragte, wie bei meiner Bundeswehr, um so groesser die Paranoia. Ich hatte mir mal die Lottzahlen auf einem Streichholzbriefchen notiert, liess diese, nicht ganz aus Versehen, im Stab auf dem Tisch des Feldwebels liegen-und bekam subtilen Aerger.
    Wenn Sie aber heute noch danach gefragt werden…? Nanu?
    .
    Betrifft Link: Ich bin schon lange nicht mehr á jour, aber es scheint bei KW-Sendungen technische Veraenderungen zu geben, die das WIN muehelos bewaeltigen kann.
    .
    Link: http://www.dradio.de/
    (Rechts unten „Live Stream“)
    Falls Sie in Lagos Internet haben, ist das eine gute Verbindung in die Heimat. Aber Sie haben es schon gewusst, gell!

  162. @sungura, Filou: soso, es gibt...
    @sungura, Filou: soso, es gibt eine richtige „Generation Zahlenkolonnenhörer“. Na, daß da jeder drauf zu sprechen kommt, wenn er so ein altes Radio sieht, ist doch klar. Da fängt ja sofort die „weißt Du noch..?“-Phase an. Aber daß Sie sich so bedeckt halten, _wer_ denn da las, enttäuscht meine Neugier jetzt doch ein bißchen arg (ich meine, das ist 40 Jahre her, das ist doch wohl declassified), denn _daß_ es sich um derlei Nachrichtenübermittlung handelte, war mir auch damals schon klar, als ich es hörte.

  163. @colorcraze, neenee, die...
    @colorcraze, neenee, die Zahlenkolonnen waren noch nach dem 11. November zu hoeren. Mir erzaehlte man, die waeren richtig hektisch geworden. Denen ging die Muffe 1:1000. Ausserdem ist’s gerade mal 20 Jahre her.

  164. @Filou: die gibts tatsächlich...
    @Filou: die gibts tatsächlich immer noch? Der Stimme bzw. dem Akzent nach war mindestens 1 ein amerikanischer Kanal, bei den anderen bin ich mir nicht sicher. Irgendwer babbelte auch auf russisch (mutmaßlich). Wie 20 Jahre? Ich hab die Zahlen so nach 1975 gehört.

  165. @colorcraze, nach dem was ich...
    @colorcraze, nach dem was ich weiss, waren es Sendungen mit codierten Nachrichten. Diese Veranstaltungen fanden en suite statt. Zu verschiedenen Sendezeiten. Einer dieser Sender stand auf DDR-Gebiet und arbeitete bis kurz nach dem Fall der Mauer. Man gab sich, nach meinen Informationen noch verdammt viel Muehe, um die Damen und Herren „Kundschafter des Friedens“ in Sicherheit zu bringen, irgendwie. Meistens aber um denen Hilfe zur Tarnexistenz im neuen Deutschland zu geben. Mehr weiss ich auch nicht.
    Dass dies nicht nur in deutscher Sprache stattfand, ergibt sich aus dem Gedanken der Internationalitaet des Klassenkampfes.

  166. @Filou: nun ja, die Damen und...
    @Filou: nun ja, die Damen und Herren „DDR-Kundschafter“ in der BRD dürften wohl recht einzigartig in der Geschichte dastehen: plötzlich starb der Auftraggeber ab, und der vormalige Tarnjob wurde das normale Leben.

  167. @colorcraze, vermutlich fand...
    @colorcraze, vermutlich fand man spaeter doch den Weg zur Linken und den zu verteilenden Brotkoerben. Mancher ehemalige IM mit SPD-Karriere hat es geschafft. Den anderen wird es auch gelungen sein.

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