Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Bunte Guttis statt Freibier für Bayern

| 156 Lesermeinungen

Früher, in der guten, alten Zeit, gewann man den Bayern der Legende zufolge mit Freibier und launigen Wünschdirwasreden Im Festzelt. Diese Legende scheint enorm hartknäckig zu sein, denn gerade wird lauthals mit grandiosen Versprechungen versucht, dem Bayern einzureden, dass all seine Probleme verschwinden und alle Träume in Erfullung gehen, wenn mit einem Modeminister namens Guttenberg jene gute, alte Zeit des Konservatismus wiederkommt.

Es ertönt, wie in Bayern üblich, zum Einzug der bayerische Defiliermarsch für Holzvorderhüttenbläser, gehacktes Brettl und die Posaunen des Jüngsten Gerichts, eingespielt von Marianne, Michael und ACDC

Das, Exzellenzen, Hochwürden, liebe Bayern, und auch Sie, die Mitleserinnen und Mitleser dieses Blogs aus dem Ausland, das ist Bayern: Auf den Jurahöhen stehen wir und blicken hinab ins Donaubecken, in dem sich unsere World Market Leader in der Global Champions League committen, weiter über die Hügel Holledau, von wo da Hopfn für unsa guts Bier herkommen tut nicht wahr, dahinter wieder die Munich Area, die gloabl mit den heissesten Wachstumsregionen konkurriert, wenn der TV-Konzern nicht gerade pleite oder die Landesbank kriminellen Kärntnern auf dem Leim geht, und gonz hindn san de Beag, die Kiah und ois wos ma sonst vo de voikstiamlichn Schloga kennt. Und noch weiter hinten ist der Papst, und der gehört uns auch.

Bild zu: Bunte Guttis statt Freibier für Bayern

Und weil dergleichen Weisheiten hierzulande gern wiederholt werden, und weil Medien Wiederholungen mögen, die sie von der elenden Pflicht der Differenzierung entbinden, sieht dieses wirklich schöne, reiche gesegnete Land in etwa so aus:

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Oder zumindest sollte es so aussehen: Knallschwarz mit höchstens ein paar roten Resten in München und Nürnberg. Was der Autonome in Berlin am 1. Mai für die Darstellung des Chaotentums ist, ist Bayern für die Sicherheit des Gegenteils. Solange es Bayern in dieser Knallschwärze gibt, muss man sich um die Bedeutung der Konservativen in Deutschland keine Sorgen machen. Bayern ist das, was man hierzulande als „gmahde Wiesn“, als gemähte Wiese bezeichnet: Etwas, um das man sich keine weiteren Gedanken machen muss. Ohne die stabilen Wahlergebnisse in Bayern und die Grundüberzeugungen seiner Bewohner wäre Deutschland zumeist wie ein grosses Nordrhein-Westfalen. Bayern ist die konservative Ordnungszelle und das Zünglein an der Waage, das den Ausschlag gibt. Auf Bayern ist Verlass.

Zumindest war es früher so. Heute gibt es zwar noch den von über 50-Jährigen ausgetragenen Wettkampf um das üppigste Grabgesteck und das laubreinste Grab an Allerheiligen, aber nur noch in wenigen Dörfern steht man in Clanstärke wirklich tagsüber an den Gräbern und besucht reihum die anderen Familien. Es gibt noch das Tanzverbot an diesen Tagen, aber am nächsten Morgen machen die Konditoren auf, und verkaufen dicke Sahneträume. Dann geht man gut angezogen durch den Park oder den See und selten in die Kirche, aber man redet nicht mehr vom Tod und der Vergänglichkeit des Lebens und den verstorbenen Leuten aus dem Viertel, sondern nur noch vom Absterben der Liebe bei den Nachbarskindern, ihrer Scheidung und möglichen Neukonstellationen. Alles hat sich verändert, auch die höchsten Feiertage in den finsteren Jahreszeiten.

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Und weil das alles zwar immer noch „konservativ“ ist, im Sinne von „nicht so fertig wie Berlin und nicht so beliebig wie das Frankfurter Westend“, aber nicht mehr im Sinne von „bankerlrutschend und verbohrt“, weil es nicht mehr nur die eine, allein selig machende Staatspartei gibt, sondern einige Alternativen, und deren grüne Vertreter sich ungemeinen Zuspruchs erfreuen, mag mancher, der nicht von hier kommt und niemanden kennt und den auch keiner kennen lernen will, vielleicht denken, das Konservative sei in der Krise. Und nicht nur in der nicht immer eleganten, aber durchaus bemühten Wandlung. In diesen Kreisen gilt weiterhin die seufzend akzeptierte Devise: „Es is, wias is“. Aussenrum rotieren Journalisten, deren Interesse kaum anders als die exotische Faszination ihrer Vorgänger im 19. Jahrhundert für die Hottentotten erscheint.

Und natürlich wissen diese Leute von Ausserhalb auch sofort, was die Menschen hier brauchen, damit doch wieder alles so bleibt, wie es ist, die Staatspartei gewählt wird und das Land der zuverlässige Partner wird, den man in Berlin so schätzt: Einen gewissen Modeminister namens zu Guttenberg als Parteichef, Ministerpräsident, Landesvater, einen Operettenbaron für den südlichen Operettenstaat, dem alle Herzen zufliegen, einen gewählten König, ein Blaublut für Weiss-Blau, einen feschen Mann mit einer feschen Frau an seiner Seite, dahinter dann bitte wieder de Beag, die Kiah und ois wos ma sonst vo de voikstiamlichn Schloga kennt. So kann man sich das in norddeutschen PR- und Werbe-Agenturen, bei Springer oder Spiegel durchaus vorstellen: Endlich Ruhe im konservativen Süden. Keine lästige Politik mit unübersichtlichem Klein-Klein mehr, sondern knackige Bilder für die Promiseite: „Bitte nicht lange fragen, liebe Bayern, jetzt zugreifen, das ist Euer Mann, weil es unser Mann ist.“ So einfach. Morgen München, übermorgen dann Berlin. Die Lösung aller Probleme der deutschen Konservativen. Schon bald wird man wieder vom natürlichen Führungsanspruch des Adels – hinter vorgehaltener Hand – dunkel flüstern dürfen.

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Hier in Bayern, inmitten der restkonservativen Restbevölkerung jedoch kommt man nicht um die Mühe herum, sich über das, was denn noch konservativ ist, das zu machen, was beim Schreiben einer schnellen, runden Story eher hinderlich ist: Gedanken. Wie etwa den, ob das Abfeiern so einer schnell hochgeschriebene Posterfigur nicht eher die Bankrotterklärung dieser konservativen Haltung wäre. Was ein Wertsystem noch wert ist, wenn es nicht mehr für sich selbst bestehen und sich entwickeln kann, sondern zur Absicherung einen Medienpopanz braucht, hinter dem man sich versammelt. Ein Anführer, der die Brüche und Konflikte im moralischen Gefüge mit dem von den Medien verordneten, nachdenkfreien Feschismus der ideologischen Indifferenz und mit Scharm zubetoniert: Der Zementsarg um den in Auflösung befindlichen, instabilen Kern, der dem System der Bundesrepublik um die Ohren zu fliegen droht. Die neue Tünche auf der brockelnden Fassade eines runtergekommenen Hauses, damit sich die Bewohner nicht mehr über den Schwamm im Dach und die Risse in den Mauern beschweren.

Nicht von ungefähr ähneln solche Gedankenspiele den alten Ritualen der konservativen Selbstversicherung, wo man in ein Bierzelt lud, allen alles versprach, die eigene Identität über alles stellte, und die letzten Differenzen mit Freibier wegrauschte. Nicht reden, nicht denken, trinken, johlen, gut finden. Das hat jahrzehntelang die konservativen Eliten an der Macht gehalten, und unter dem Baron würde, glaubt man seinen Förderern, diese Epoche des Wohlfühlens weitergehen können. Immer weiter, unter anderen, weniger ideoligisch verhafteten Voraussetzungen, die aus einem Wertekanon einen schicken, für heutige Medien kompatiblen Lifestyle machen. Sie wissen ja nicht um das Elend der Bauern, die in den letzten 50 Jahren von Entscheidern im Dorf zu Nebenerwerbslandwirten herabgestiegen sind, und deren Kinder das Land verkaufen werden. Sie schreiben nicht über die Mütter im Westviertel, die ihre Kinder auch am Wochenende in die Nachhilfe schicken müssen, weil sie sonst das achtstufige Gymnasium nicht durchstehen. Sie wissen nichts vom Bedeutungsverlust der Kirchen und der örtlichen Eliten, wenn die Globalisierung zuschlägt, oder auch nur ein Gast eines Discobesitzers mit guten Kontakten zur Stadtverwaltung. Und dass in der hiesigen Elite die Scheidung nicht so leicht genommen wird, wie in ihren gschlamperten Verhältnissen in Berlin und Hamburg – das wollen sie vermutlich gar nicht wissen.

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Sie wollen einen Baron. Vielleicht bekommen sie ihn, vielleicht schreiben sie ihn dann auch wieder runter, wenn er nicht den Erwartungen entspricht. Ungeachtet dessen werden sich hier die Risse weiter auftun zwischen den niedrigen Bauernhäusern und den Toskanabunkern im Neubaugebiet, zwischen den Betschwestern und den Alleinerziehenden, zwischen den Ökofundamentalisten und den Wirtschaftsfreunden, zwischen den Trachtlern und den Modetrachtlern, zwischen Stadt und Land, zwischen Alteingesessenen und Neuzuzüglern, und zwischen den Regierungsbezirken, und alle werden sie konservativ sein, auf die eine oder andere Art. Vielleicht hilft es ja, wenn der Baron dereinst den Nebel über Isar und Donau verboten haben wird, und das Bier per Dekret auf den Volksfesten höchsten 85 Pfennig kostet, aber bis dahin wird man kaum umhin kommen, sich mit ein paar Entwicklungen der konservativen Welt zu beschäftigen, die nicht wirklich zu einem Wohlfühlkonservativismus und den Anforderungen der Medien nach einfachen Lösungen passen.

Es folgt, wie in Bayern üblich, der Auszug mit Kriegervereinsfahnen und Brauereigäulen, tiefergelegten 5er-BMWs und Gensaatguttransportern, gefolgt vom Triumpfwagen der Medien mit Neuberliner Dackelbespannung, von dem aus Guttis in die staunende Menge geworfen werden. Humpda Humpda Tätärä.

 

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156 Lesermeinungen

  1. Einen besseren Beitrag als...
    Einen besseren Beitrag als diesen zum vernebelten Allerheiligenmorgen könnte ich mir nicht vorstellen – da kann ich nur gratulieren!

  2. Oh je, jetzt ist sie auch in...
    Oh je, jetzt ist sie auch in Bayern angekommen, die große Ratlosigkeit. Eigentlich gibt es im Weltganzen gesehen keinen Grund zur Klage, aber es ist eben da – dieses Völlegefühl, dieses Unwohlsein, diese Langeweile, diese Unschlüssigkeit. Der Herr Baron ist deshalb ein Hoffnungsträger, weil er den Eindruck vermittelt, er habe die Kraft, alles zu ändern, damit es so bleibt wie es ist. Einer, der nicht jammert, sondern gut gelaunt anpackt. Einer, der alle Gegensätze in sich vereint. Ein junger lebenserfahrener eleganter Bayer, der konservativ ist und daher den Mut zu Veränderungen aufbringt. Ein Mann mit Prinzipien, der flexibel entscheidet. Wenn er sein Meisterstück „Bundeswehrreform“ wirklich bewältigt, wird sich die Kanzlerin ärgern, ihn nicht zum Gesundheitsminister gemacht zu haben. Aber in einem Land, dessen liebster Sport ist, mit hoher Geschwindigkeit auf der Stelle zu treten, wird man auch KT noch klein kriegen. Das wäre ja gelacht.

  3. Bayern, Appenzellerland, die...
    Bayern, Appenzellerland, die Zentralschweiz – sogar Goethe fühlte sich wohl im „Ochsen“ („Schöne gemalte Scheibem im Wirtshaus“ schrieb er in seinem Tagesbuch) am Kolinplatz in Zug. DA – Sie leben (wie ich) in Allemania, wo die alten Römer nur eine Stippvisite machten.

  4. Das war ein schoener Teaser....
    Das war ein schoener Teaser. Um das Bild abzurunden sollten so schon Marianne und Michael aufgefuehrt werden, auch die ewigzuechtige Carolin, der unverwuestliche Bulle von Toelz, die ungemein jovialen Rosenheim Cops und das unerschuetterliche Koeniglich Bayerische Amtsgericht nicht unerwaehnt bleiben.

  5. Werter Don,
    hier im heute...

    Werter Don,
    hier im heute leider recht nebligen Baden, dem Ursprungsland von dem, was ich grünen Filz nennen würde (das steht Ihnen in Bayern erst noch bevor – nein, ich meine nicht dem Stoff aus dem man dort die Kopfbedeckungen macht) scheint mir der Herr Guttenberg immer ein wenig wie die bayrische Version von Christian Wulff – ähnlich schwiegermutterkompatibel, jedoch hochwertiger gestaltet (adlige Herkunft, Frau ohne Tatoo etc.). In etwa ein 5er BMW im Vergleich zu einem VW Passat…

  6. Danke für den nachdenklich...
    Danke für den nachdenklich machenden Beitrag. Er tut auch einem Protestanten gut, der gerade den offiziellen Festakt seiner Landeskirche zum Reformationstag überstanden hat.

  7. Der Tiger, gern geschehen -...
    Der Tiger, gern geschehen – hier kommt gerade die Sonne durch!
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    elbsegler, Politik ist ein ebenso langwieriges Geschäft, wie Journalismus eine kurzlebige Sache ist. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, wegen derer sich das Blatt wenden kann, egal ob man auf der Stelle rennt oder steht. Nur sehe ich nicht, wozu man dafür ein Idol – und dabei handelt es sich um das Medienprodukt Guttenberg – brauchen sollte.

  8. Jo, das hat mir gefallen.
    Mit...

    Jo, das hat mir gefallen.
    Mit allerherzlichsten Gruessen vom vernebelten Flachland.

  9. fionn, das hier bei uns war...
    fionn, das hier bei uns war gerade mal römischer Truppenaufmarschplatz. Der Irak des Imperiums, und jenseits des Limes lag der Iran.
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    Blog’n’Roll, tausche das wirklich hübsche Amtsgericht in dieser Reihe lieber gegen die Gebirgsjäger in Mittenwald aus. Die passen besser, weil kritikloser.

  10. Aus is, scho wieda oana dea wo...
    Aus is, scho wieda oana dea wo koa Ledahosn o hot, obas Messa ziagt gegn unsa zünftigs Landl, so a Varräda an dene heiligstn Gita de wo mia hom. So a Hammi, aso a Lackl a so a gscheada. Grod itza wo mia de Wiesn in Obapfaffnhofen untahoib da Kiachn zu Bauland gmocht ham fia bediaftiga fuffzg Aggademigafamuin vo Breissn, wo mia doch de Oarbatsblätz breitgestölt hom dodafia. Biesselt dea do in unsane Brotsuppn nei, wo des pfeilgrad unsane Sach is. Ja wo samma dann do hearin im weissblauen Landl? Dableckt uns zwegn unsane Bräuch. Des schtinkt grad zum Himmi. Himmsakranoamoi, kimmt denn do koana dea wo ihm des Mäu stopfa dat?
    Wos hotn dea gegn unsan Gutti? Dea schaugt doch sauba hea, scho wia dea mit Schwung ausm Heli schpringa duat in Afghan, des soi eahm a moi oana nomocha.
    Des is unsana neie, unvabrauchte gonsavative, aldernative Fierungskarniturr, unsa Supa Hoffnungsdräga. Ollawei hetztn kennans grod de Herrn Schournalistn, nix wia hetzn.
    Habts ihr no net mein funglnaglneien Odlwerfa mid Feanbedienung gsegn? Hundat Meta schafft dea mit Linggs. Des sog i da scho, wias hoit a so is, de Baywa gibt uns itza an Genbonus fia de PID bei dera Schweinderlzucht. Quasi braktisch automatisch. Passt scho. Seavus beianond! Zenzi, bring ma a Mass!

  11. Chris, naja, also gegen ein...
    Chris, naja, also gegen ein Tattoo hätte ich weniger, als gegen eine Tätogkeit im Gossen-TV – das wäre nach meinen Vorstellungen ein Trennungsgrund, aber da zeigt sich dann auch, wo der Adel inzwischen angekommen ist. Generell glaube ich aber, dass man Schwiegersöhne für die Töchter will – alles andere ist eine andere Sache. Und die Grünen gehen halt den Weg allen Fleisches.
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    Ghostwriter, bitte, bei uns stehen die grossen Momente heute eigentlich erst noch bevor. Bayern ist da eben ein wenig eigen.

  12. Filou, hier an der Donau ist...
    Filou, hier an der Donau ist es auch flach, aber schin wieder fast sonnig! Nur am Tegernsee, wo ich eigentlich zwengs Föhn hinwollte, ist es schlecht.
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    Wimmarl, no sog nua grod wosd etzad im Inddanäd duasd wahn d Hea Pfarra do scho dGloggn leid. Schau dasd fiere gummst zum Friadhof, sunsd griagsd as Gred, und as Mei zareinssn kohst oh iwam Grob vun deine Leid ned woah.

  13. Don, nun ja - ganz ohne...
    Don, nun ja – ganz ohne Schwächen ist so ein 5er BMW halt auch nicht…
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    Aber stellen Sie sich nur mal vor, der Guttenberg würde Kanzler während der Wulff noch Präsident ist – Für das Fernsehen und die Qualitäts-Presse wäre das doch ein Traum und wir wären endlich eine ernstzunehmende Konkurrenz für Frankreich und Italien. Und als krönender Abschluss dann nach ein paar Jahren Rollentausch a la Russland.

  14. Schon wieder Konservativismus,...
    Schon wieder Konservativismus, o je.
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    Was aber sind Konservative, die ihre Wurzeln gekappt haben? Richtig, „Liberale“ — wie dieser charismatische Christoph Blocher.
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    Und was wollen die Liberalen?
    Richtig, sie wollen unser kommunistische Staatswesen abschaffen, uns allen die Freiheit schenken, den Feudalismus wiederherstellen.
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    Und was ist der Feudalismus? —
    Richtig, das ist die von Gott gewollte Gesellschaftsordnung, in der die Leistungsträger definitionsgemäß vom Steuernzahlen befreit sind. Weil es so fürs Allgemeinwohl am besten ist.

  15. Ganz ehrlich? ich glaube noch...
    Ganz ehrlich? ich glaube noch noicht mal, dass dieser Herr Ministerpräsident in Bayern wird. Die CDU wird eher auf v. d. Leyen zurückgreifen, als auf einen CSUler, also bräuchte er massiv Hilfe aus Bayern – aber da ist der Söder, und der will sicher auch noch was werden. 3 sind einer zu viel, und ich glaube nicht, dass die CSU wirklich allzu viel Lust auf so einen Fremdkörper an der Spitze hat, die würde mit Söder im täglichen Umgang weitaus besser können. Guttenberg müsste sich statt dessen entscheiden, ob er als Saubermann durchgreif, oder sein Image ramponiert. Mein bayerisches Gefühl sagt mir: Das wäre keine gute Sache. Bislang ist das, was wir sehen, die Liebe der Medien zu ihrer eigenen Erfindung – Parteien machen sich aber gerne ihre eigenen Illusionen.

  16. @ghostwriter – kann ich gut...
    @ghostwriter – kann ich gut verstehen, ich habe dem evangelischen Kirchenmanagement heute morgen schon folgendes gemailt:
    .
    Date: November 1, 2010 11:15:49 AM GMT+01:00
    To: leserbriefe@chrismon.de
    Subject: Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt, gibt ihm ein Gott zu sagen, was er leidet
    .
    Als ich heute morgen die FAZ in meinem Laden abholte, fiel chrismon heraus und ich bekam zu lesen:
    .
    Stell dir vor, du liegst im Koma.
    .
    Dürfte ich Sie bitten, sich vorzustellen, wie deprimierend so eine Titelzeile an einem grauen Novembertag klingt? Darin steckt kein Funke Hoffnung oder Humor. Wem kann das helfen und wer will so etwas freiwillig lesen?

  17. @Don Alphonso
    Die Politik hat...

    @Don Alphonso
    Die Politik hat immer „Idole“ gebraucht. Ob sie nun FJS oder Willy Brandt hießen oder Adenauer. Hitler war zunächst vor allem als Idol erfolgreich. Den Idolen fällt es nur immer schwerer Idol zu bleiben, weil die Zeiten schnelllebiger geworden sind. Und die Medien beschäftigen sich auch lieber mit Äußerlichkeiten als mit schwierigen Inhalten. Dünne Bretter sind eben schneller gebohrt. Und es kommt für einen erfolgreichen Journalisten heute wohl immer öfter nur noch auf die Zahl der Löcher und nicht mehr die Dicke der gebohrten Bretter an.

  18. Stell Dir vor, Du erwachst aus...
    Stell Dir vor, Du erwachst aus dem Koma.

  19. Er ist kein echter Bayer...
    Er ist kein echter Bayer nicht, er ist Oberfranke.
    Wird sowas wirklich Ministerpräsident? Von Bayern?
    Auch wenn ihnen ihr Konserventum im Quadrat um die Ohren fliegt?

  20. Und es regnet noch immer....
    Und es regnet noch immer.

  21. "Nicht reden, nicht denken,...
    „Nicht reden, nicht denken, trinken, johlen, gut finden. Das hat jahrzehntelang die konservativen Eliten an der Macht gehalten“
    .
    Sie täuschen sich!!
    Es war genau das Gegenteil: nachdenken, beobachten und vergleichen mit anderen Bundesländern. Und dann wusste man, was man nicht wollte und was wählte!

  22. Ich gebe zu, seit dem Tag, da...
    Ich gebe zu, seit dem Tag, da ich als Ehrengast neben Peter Gauweiler bei einer seiner gefürchteten Reden in einem Bierzelt bei Ottobrunn gesessen bin, bin ich etwas voreingenommen.
    .
    Aber wenn es so wäre, lieber Don Ferrando – warum wählen sie heute nicht mehr CSU?

  23. Fonsi@: Des wui i da fei scho...
    Fonsi@: Des wui i da fei scho schogn, zreiss dei Letschn net iaba andre Leit. Dass das woast: I hob ois beicht, i bi wieda weiss un unschuldi wia neiborrn, koana, aussam Himmivota, woas jo dass i no wos newa bei lafa hob (im Inddanäd do schaugts scho wuid her….mia gangast, he, he!).
    A Kranzal un´d Liachta hom a beim Großvota un´da Großmuada an´s Grob umibracht, dass das grad woasst ge! Do feit´s nix.

    Mariandal, geh drog´d Millibidschn fier´n Schlograhm eini, oba a wengal subito! Habedärä!

  24. Ob der Herr Baron tatsächlich...
    Ob der Herr Baron tatsächlich in Bayern was werden kann ist fraglich. Nach dem Abtritt Stoibers entstand ein Vakuum gefüllt von talentierten Brudermödern, denen aber das Talent abgeht sich in der Öffentlichkeit halbwegs vorzeigbar zu benehmen. Insofern wäre der Verteidigungsminister schon besser beraten dem heimatlichen Hauen und Stechen aus Berlin zuzuschauen. Ohnehin liegt sein medialer Reiz wohl darin, daß er aus der bayerischen CSU kommt, aber nicht so aussieht.

  25. @Don, 12h59
    .
    Nicht so fies....

    @Don, 12h59
    .
    Nicht so fies.

  26. Das ist wirklich nicht fies...
    Das ist wirklich nicht fies gemeint, sondern tatsächlich die Frage, um die es geht: Bayern geht es besser denn je, und trotzdem schickt man die CSU in die Wüste. Und man kann den Grünen hierzulande nur bedingt fähige Leute nachsagen.

  27. Man könnte in Anbetracht des...
    Man könnte in Anbetracht des Zustandes der CSU natürlich die Frage aufwerfen ob es Bayern momentan wegen oder trotz der Christsozialen so gut geht.

  28. Ok, dann bleibt nur folgender...
    Ok, dann bleibt nur folgender Schluss:
    Die CSU war einfach viel zu gut für Bayern. Und die Bayern sind es nicht mehr wert, von der CSU regiert zu werden. Jede schöne Zeit geht einmal zuende.
    .
    Willkommen in Pleitedeutschland!

  29. Wenn sich manche Bundesländer...
    Wenn sich manche Bundesländer seit Jahrzehnten kontinuierlich wirtschaftlich gut entwickeln, die Neuverschuldung vergleichsweise günstig ist und auch die Bildung im Vergleich gut ist, andere dagegen ihren Vorsprung verspielen, die Kassen ruinieren und auch die Schulen nicht konkurrenzfähig sind, dann muss da wohl mehr als nur der Zufall Regie führen. Ein Problem der CSU ist, dass die Leute schon gar nicht mehr merken, wie gut es ihnen im allgemeinen geht. Wahrscheinlich ist das auch das Problem innerhalb dieser Partei. Zu viele glauben irgendwann, dass sei alles ein Selbstläufer.Von selbst geht es aber nur bergab.

  30. Die "gmahte Wiesn" wurden...
    Die „gmahte Wiesn“ wurden nördlich der Donau bereits durch einige architektonische Kunswerke ersetzt. Da stehen nun nach einem freundlichen Hinweis, die neuen Stützen der Stadt. Wahre Kunstwerke von unvergleichbarem ästhetischen Wert.
    Der Nebel wird hingegen auf beiden Seiten des Ufers entwickelt, ist leich süßlich und erfreut sich weithin großer Beliebtheit. Der aus dem Süden lockt sogar Berliner an.
    Alles in allem wie in einem Emerging Market: fantastische Wachstumsraten, ein rauschendes Fest und … diese wunderbaren Aussichten!

  31. Wenn wir über Bayern...
    Wenn wir über Bayern sprechen, sprechen wir auch über Bayern München. Ein Paradefall! Letztes Jahr Seriensieger und zum Schluss (fast) unschlagbar. Jetzt, nach einer sehenswerten WM-Leistung vieler Bayern-Spieler, mit der selben Besetzung ins Mittelmaß gerutscht. Objektiv dürfte die Truppe nicht schlechter spielen als vor einem halben Jahr. Sportlicher Erfolg lässt sich wie auch politischer Erfolg nicht planen. Da sind unkalkulierbare Kräfte am Werk. Wenn das Mentale nicht stimmt, hilft auch das Körperliche nicht viel weiter. „Die wahren Abenteuer sind im Kopf und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo.“ Da muss ich dem Herrn Heller mal wieder recht geben. Da sind keine Abenteuer mehr im Kopf, sondern nur noch Besitzstandswahrung – und das ist zu wenig.

  32. hanMeier555@: Ihr...
    hanMeier555@: Ihr Kommentarausschnitt im letzten Blog:
    „Dass unsere Eliten heute von der sozialen und emotionalen Dynamik, die aus Musik und ihrer Aufführung heraus entstehen kann, aus den vielfältigen Möglichkeiten der Abschottung und der Einbeziehung keinen sinnvollen politischen Gebrauch zu machen wissen, lässt ihre Herrschaft als illegitim erscheinen.“
    Nicht nur erscheinen lässt, sondern es ist definitiv so. Deswegen auch allenthalben die zu beobachtenden Erosionserscheinungen im sog. politischen Raum, deren Wirkungen auch die, als konservativ angesehene, CSU ausgesetzt ist. (In zunehmenden Maße aber ähnlich ihrer Schwesterpartei, sich sozialdemokratisch paniert). Den Massen ist es zum grösseren Teil eher ein dumpfes Fühlen, als dass es sich in einem klaren Wollen manifestiert, ausser in Form der so apostrophierten Politikverdrossenheit, um aus dieser Stagnation herauszufinden. Zumindest sind wir insofern (noch) geschützt, dass keine echte Not zum Himmel schreit und sich kein Demagoge findet, der sich womöglich, wie gehabt, als vermeintlicher Soter aufspielen möchte. Die Grünen sind eher die unehrliche Interimslösung, weil sie von beidem etwas sein möchten….a greane Melange.

  33. Kann mich bitte jemand...
    Kann mich bitte jemand aufklären: Immer wenn es bergauf geht (nicht gefühlt, sondern kolportiert), ist die Regierung oder deren Vorvorgänger (Gas-Schröder) daran schuld, wenn es bergab geht (Bankenkrise…) immer die unvorhersehbaren wirtschaftlichen Verhältnisse. Ist das in Bayern (und beim FC Bayern) auch so?

  34. @steelydan
    Ja, genauso ist es....

    @steelydan
    Ja, genauso ist es. Es sei denn, man fragt die Opposition . Dann ist es immer umgekehrt. Also eigentlich immer übersichtlich. Jedenfalls sind immer die anderen schuld am Schlechten und Gutes gelingt ihnen immer nur aus Versehen oder durch Zufall.

  35. steelydan@: Na, da Singer...
    steelydan@: Na, da Singer Bubi, dea wo mei bolidischa Schpezi is, dea woas ois wos in Mingga umanandgehd, hot mia omoi gsogt, des is wiar in an kommunuziden Röhrl. Wos a domit gmoant hot woas i net. Da 1. FC Köln, de Rheinbreissn, de gscheadn, des is fallweis a echte Saubagasch, des konn i da fei scho sogn. De sand jo no unfaira ois wia mia dahoam, un mia sand scho echte Hund.

  36. Die Lösung des Rätsels...
    Die Lösung des Rätsels finden wir wie immer bei Elias Canettis „Masse und Macht“, diesmal im Abschnitt „Afrikanische Könige“.
    .
    In Afrika haben viele Stämme einen König, der nicht wirklich regiert oder Macht ausübt, sondern dessen einzige Funktion darin besteht, gut gefüttert und dadurch schön dick zu werden. Das gefällt den Göttern, und je dicker der König wird, umso größere Gnade von den Göttern hat der ganze Stamm zu erwarten. Wird der König krank, dann können auch äußere Katastrophen nicht ausbleiben: Feindliche Überfälle, Überschwemmungen, Hungersnöte.
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    In Bayern gibt es anstelle des Königs die CSU als Talisman.
    Und bisher hat es immer funktioniert. Die Bayern müssen schon sehr sehr waghalsig und vermssen sein, wenn sie dieses wunderbare Bündnis mit den Göttern jetzt grundlos, aus purem Jux und Dollerei, einseitig aufkündigen.

  37. Letzte Woche durch Zufall bei...
    Letzte Woche durch Zufall bei Plasberg hängengeblieben. PR-Schlauchboot Alexandra von Rehlingen (neben dem Talkgast-Darsteller Sky du Mont sitzend) vs. Jutta Ditfurth (früher: „von Ditfurth“). Nein, dazu fällt einem schlicht nichts mehr ein.
    Nur der Don, so scheint es, vermag aus diesem Elend um eine adelige, germanische Sehnsuchtsprojektionsfläche noch ein unterhaltsames Geschichtlein zu zaubern.

  38. Alexandra von Rehlingen, wer...
    Alexandra von Rehlingen, wer ist das?
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    Die Bayern sind halt ein anarchistisches Volk, in ihrem Inneren.

  39. Naja, so ist das eben in der...
    Naja, so ist das eben in der Gesellschaft des Spektakels:
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    „Dort personalisiert sich die Regierungsgewalt zu einem Pseudostar, hier lässt sich der Star des Konsums als Pseudogewalt über das Erleben durch Plebiszit akklamieren. Aber diese Aktivitäten des Stars sind ebensowenig verschiedenartig wie wirklich global.“
    .
    Immer wieder schön: Guy Debord. Hat das alles schon in den 60ern gesehen. Guttenbergs Angetraute allerdings scheint schon wieder auf dem absteigenden Ast, war wohl eher „Sternchen“. Warum war der Seehofer jetzt eigentlich keine Integrationsfigur?

  40. PR-Schlauchboot (mit Frisur,...
    PR-Schlauchboot (mit Frisur, im Gegensatz zu Jutta D.), sagte ich doch.
    Das reicht, um bei der Zuschauerumfrage auf 90% ‚pro Gutti‘ zu kommen. Aaaarghhh!

  41. @Don Alphonso, 01.11.2010...
    @Don Alphonso, 01.11.2010 15:14
    Mitglied einer neuen Gesellschaftsgruppe, die vorwiegend im Dumm-TV, der Knallpresse und leider auch bei den ÖR-Grundversorgern anzutreffen ist: die unbekannten Prominenten. Besondere Erscheinungsform: die „Charity-Lady“. Eine Frau, die mit viel Aufwand und noch mehr Kosten das Geld, das ihr Mann nimmermüde zusammenrafft wieder publikumswirksam verschenkt und dabei von Gleichgesinnten begleitet wird. Wichtige Grundregel: Niemals das Geld an den zurückschenken, dem man es zuvor abgenommen hat!

  42. @Elbsegler/Idole:
    .
    Diese...

    @Elbsegler/Idole:
    .
    Diese personalisierte Sichtweise auf Politik kommt zwar unserer repräsentativen Mediendemokratie sehr entgegen, ist aber keinesfalls Naturgesetz, und in Zeiten des Internets zunehmend obsolet. Das stammt noch aus Zeiten, denen Spiegel Online hinterhertrauert, wo man beim Parteitag die Dauer des Applauses maß. Aber was, wenn aus den Zuschauern Akteuere werden? Interessant wird es ja eigentlich immer dann, wenn sich kein „Anführer der Aufrührer“ finden lässt, und stattdessen eine Idee zum Idol wird, wie etwa 1789.

  43. Vielleicht sollte ich anstelle...
    Vielleicht sollte ich anstelle des nächsten Gemäldes doch mal so ein TV-Gerät erwerben. Muss ja ergötzlich sein, wenn ich das so lese.

  44. So ist das: gibt man hier...
    So ist das: gibt man hier einen Fernsehtip (siehe muscat 15:27), merkt es keiner.
    muscat, hab’s auch gesehen. Ueberfluessige Veranstaltung. Und auch die Jute Jutta war nur in der ersten halben Stunde richtig gut.
    Der ganze Hype hat auch etwas mit der desolaten Haltung des Staatsbuergers zu tun. Die stille Sehnsucht nach einem weisen absolutistischen Herrscher hat die Herde, welche sich Waehler nennt. Und da hat der Sarrazin recht: wir werden immer bloeder. Dafuer brauchen wir keine Immis, da sind wir autark.

  45. ...
    HansMeier555@:
    http://www.youtube.com/watch?v=0YCSspvnXhY
    …do kimmt koa Dschäss net mit. Mia sand Anarchen oba koane Anarchisten. Mia sand Kinitrei un zwegn dem wählen wir (itza pass obacht) eindeutig CSU. Mia lassn uns vo dene Gletznfigurn net omacha! Ja, wo samma dann?

  46. Don, da brauchts keinen...
    Don, da brauchts keinen Fernseher:
    http://www.amazon.de/Typhoon-TVT-600-DVB-T-TV-Stick-Windows/dp/B0037LCBBK/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1288622739&sr=8-2
    .
    Reicht voellig fuer Ihren Bedarf.

  47. Feingeist@:1789: Und dann...
    Feingeist@:1789: Und dann mittels geeigneter Maschine Feinschnitt gemacht wird? Das soziale Aggregat kann mit so etwas ziemlich geschwind bei der Hand sein. Wie sehen Sie so eine Aufforderung wie Nachstehende? „Der Intellektuelle kann sich in bestimmten Epochen nicht heraushalten.“
    http://www.der-deutsche-intellektuelle.de/

  48. @Plindos
    .
    Nachdem ich...

    @Plindos
    .
    Nachdem ich zunächst schon das schlimmste befürchtete, habe ich mir diese Seite (flüchtig) angesehen, und auch wenn mir da einige Namen fehlen, würde ich die grundsätzliche Annahme teilen, dass der Intellektuelle sich nicht heraushalten kann, in jeder Epoche. Damit meine ich auch gar nicht die üblichen berufsbetroffenen Allesunterzeichner mit SPD-Nähe. Seriösen und feinsinnigen Menschen liegt es ja meistens eher fern, sich zur Führerfigur küren, oder in Parteipolitik einspannen zu lassen. Das beste, was sie tun können, ist beratend zu begleiten, Wissen zur Verfügung zu stellen, Auswüchsen vorzubeugen, Minderheiten ggf. in Schutz zu nehmen, Distanz zu Populismus zu wahren, Komplexität als solche darstellen, und qua ihrer verliehenen Autorität ein Mindestmaß an Umgangsformen anzumahnen, das beispielsweise ein „Rübe ab“ sicher nicht beinhaltet. Aber Demokratie lebt nun einmal grundsätzlich von der Annahme, dass alle Menschen gleichermaßen befähigt und berechtigt sind, sich zu ihren Lebensumständen und diesbezüglichen Wünschen zu äußern, und in Hinblick auf Änderungen zu betätigen. Diese ganzen „Führerfiguren“ sind ja eher ein Restbestand anderer, älterer Politikmodelle, die von verschiedenen Arten der Unmündigkeit ausgehen, und die Meier/Canetti hier sehr richtig auf archaische Vorstellungen zurückführen. Auch repräsentative Demokratie, die zweifellos eine Art Zwischen– oder Mischzustand zwischen alt und neu darstellt, verlangt ja eigentlich nach Abgeordneten, die einerseits frei und ungebunden sind, andererseits transparent handeln und Rechenschaft ablegen, und die man abwählen kann. Heute aber entscheiden in Wirklichkeit Eperten, die man nicht wählen kann, die ihre Legitimation (bestenfalls) aus dem Wissenschaftsapparat beziehen.

  49. Was soll ich sagen? Schöner...
    Was soll ich sagen? Schöner Sonnenaufgang in Bayern. Hat der Rest der republik gar nicht mit gerechnet, dass tief im Süden auch noch passiert. Bayern muss die Kämpfe ausfechten, die die anderen schon hinter sich haben. Dann aber geht die Sonne auf.

  50. aus "Masse und Macht" passt...
    aus „Masse und Macht“ passt immer was;
    wurde aus Dipsy die Wimmerl-Dynastie? auch ergötzlich, Applaus!
    Auch bei uns suchen die Konservativen nach vorzeigbarem Weiblichen mit netten Manieren, tatsächlichen Verdiensten und intaktem Hausverstand, findens nicht bei den Wirtstöchtern, Großfleischhauerstöchtern und auch nicht bei den Schottergrubenbesitzerstöchtern. Wieso darf frau das böse RTL nicht für die gute Sache nutzen? ist das zu jesuitisch?

  51. @Feingeist
    Ich glaube, sie...

    @Feingeist
    Ich glaube, sie idealisieren hier die Idee als ausreichenden Antrieb. Natürlich braucht es auch Ideen, nur Pappkameraden als Idole reichen nicht. Aber auch 1789 hatte Menschen als Anführer. Ob mit oder ohne Internet wird es immer die Aufgabe einzelner Menschen bleiben, für Ideen zu begeistern. Vielleicht wird mit einer schleichenden Abkehr von der repräsentativen Demokratie „die Masse“ wieder wichtiger, aber auch die will von einzelnen gesteuert werden.

  52. "Wieso darf frau das böse RTL...
    „Wieso darf frau das böse RTL nicht für die gute Sache nutzen? ist das zu jesuitisch?“
    Foersterliesel, ganz einfach: es gibt Zeitungen und TV-Sender, die so weit unten agieren, dass man sich mit denen unter keinen Umstaenden abgeben darf. Niemals! Auch nicht fuer eine „gute Sache“. Es sind Denunziationsmedien, die jeden und alles verhackstuecken. Die kennen weder Freund noch Feind, die kennen nur Opfer.

  53. Aufklärung bringt dieser...
    Aufklärung bringt dieser Artikel:
    http://www.faz.net/IN/INtemplates/faznet/default.asp?tpl=common/zwischenseite.asp&dx2={C85CF123-7CD8-2B7B-D852-C2AE4D1D1C87}&rub={035D49F5-2EC3-47D5-A803-F3F19B49A0EA}

  54. lieber Filou,
    ich vertraue...

    lieber Filou,
    ich vertraue Ihrem Urteil (hab kein TV).

  55. elbsegler@: Das Problem der...
    elbsegler@: Das Problem der Führung, womöglich gar durch „den“ Intellektuellen haben wir vor allem 20. Jhdt. mit katastrophalen Folgen für die Masse, eigentlich Unbeteiligter, durchdekliniert. Die entspr. hist. Figuren sollen hier nicht noch einmal aufgeführt werden. Dieser Typ I. mutiert schnell zum Ideologen, zum Terroristen.

    Feingeist@: Erst einmal möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich Sie so massiv angegangen bin. Aber solange es nicht zu Diffamierungen führt, denke ich, ist es in Maßen erlaubt so zu agieren.

    Ihr Hinweis auf die grassierende Expertokratie, die dem Begriff innenwohnende scheinbare oder anscheinend Neutralität des bestellten Gutachters, hat ja mehrere Facetten. Vor allem die mit dem Epitheton (Plural: Epitheta, von gr.: τὸ ἐπίθετον) wissenschaftlich behangenen Gutachten. Damit ist kein Angriff auf die Wissenschaft selbst gemeint, sondern das Mißtrauen gegenüber dem Besteller und sein spez. Interesse zur Klärung oder Kaschierung eines Sachverhaltes oder eines beabsichtigten öffentlichen Projektes/Zieles. Wir leben immer noch in Zeit und Raum, ergo ist die jeweilige ins Auge gefaßte Teleologie (S. Aristoteles) einer wie auch immer gearteten Aktion von eminenter Bedeutung. Heute mehr denn je, Angesichts der in die Breite gewachsenen maßlosen Möglichkeiten technischer und anderer Art, die Umwelt des homo sapiens und seiner Mitgeschöpfe zu beeinflußen. Die Rückbezüglichkeit allen Tuns ist nicht mehr nur eine theoretische Frage sondern eine geschichtliche Tatsache.

    elbsegler@: Schön formuliert und wie kann so etwas „funktionieren“ ohne in den intendierten Widersprüchlichkeiten hängen zu bleiben?

    Foersterliesel@: Mache mir so Gedanken über Ihre Anfrage und stelle mir das so vor:
    Wimmerl = Bay. : Pickel, somit der Typ des manchmal unangenehmen gelegentl. Raunzers. Diese unverwüstliche Dynastie, dieses Gattungswesen ist durch ihr beharrliches Festhalten an sog. Sicherheiten und Selbstgenügsamkeit gekennzeichnet, sobald es aber zum eigenen Interesse passt dem Neuen gegenüber sehr aufgeschlossen (100 m Odlwerfer m. Fernsteuerung), kann unglaublich weitreichende Aktivität entwickeln. Beispiel der im Erdinger Moos gelegene Neubau des F.-J.-Str.-Flugplatz mitsamt eingebautem Jagerstüberl in Zirbelholz als Empfangssalon für Staatsgäste.

  56. feingeist,
    es geht immer nur...

    feingeist,
    es geht immer nur um posten. machmal auch nur um pöstchen.

  57. @Elbseegler
    .
    Ich sage nur,...

    @Elbseegler
    .
    Ich sage nur, dass ich (persönlich) diejenigen Aufruhre, Aufstände, Revolutionen und Umbrüche, die von Ideen und Paradigmenwechseln getragen sind, am interessantesten finde. In der Realität wird man immer eine Mischform finden, interessant ist dann das Verhältnis von Inhalt zu Personifizierung. Nehmen wir die zwei derzeit oft gemeinsam angeführten Beispiele für den derzeitigen Bürger-Unmut, der sich (der Presse zufolge) einerseits im Sarrazin-Kult, und andererseits in Stuttgart am Bahnhof äußern soll. Da haben wir zum einen den durchaus charismatischen preußischen SPD-Junker, der kein Blatt vor den Mund nehmen mag, vielerlei angebliche oder wirkliche Probleme identifiziert, und nach Ansicht seiner Jünger mundtot gemacht wird – hier sind ja allerlei diffuse Abneigungen und Sehnsüchte in dem Auftritt einer Person personifiziert, der man folgt (oder nicht). Die Kritik Sarrazins kurz und knackig abzuhandeln, ist dabei schwer möglich, es handelt sich ja um ein Konglomerat diverser Dinge, gemischt mit Haltungen wie einem allgemeinen Standesdünkel. Auf der anderen Seite haben wir die Stuttgarter, die ein gemeinsames Ziel verfolgen, aber doch, egal, warum sie im Einzelfall nun jeweils den Bahnhof ablehnen, gemeinsam einer alten Idee namens Demokratie anhängen, und diese empört einfordern, wo sie sie nicht für ausreichend gegeben halten. Auch da gibt es Anführer und Symbolfiguren, aber weder Palmer, noch Gandalf Stocker sind nun so mitreißend, dass man ihnen bedingungslos folgen wollte. Es sind eher Sprecher oder Initiatoren und Protagonisten einer Bewegung, die aber auch austauschbar wären. Was hier zählt und zusammenbringt, ist die gemeinsame Idee von Mitbestimmung. Werden solche kurzlebigen, auf- und abebbenden Bewegungen aber formalisiert und institutionalisiert, wie in dem schönen Beispiel der mexikanischen „Partei der institutionalisierten Revolution“ PRI, oder auch im Leninismus und den Politbüros und KPs des Ostblocks, kommt es zum Phänomen, das auch-einer als den Kampf um Pöstchen beschreibt. Aus diesem Grund entwickelten andere Umstürzler dann soetwas wie die Theorie der permanenten Revolution, oder die Grünen das Rotationsprinzip (das sie leider später wieder leichtfertig aufgaben). Und um nun zum Artikelthema zurückzukehren: Bei Guttenberg ist es doch eindeutig die Person, die Inszenierung, sind es die schönen Bilder und Assoziationen, die die Sehnsüchte wecken, denn für ein spezielles politisches Programm scheint er ja gar nicht zu stehen. Zumindest habe ich noch keines gelesen.

  58. Försterliesel, die Frauen...
    Försterliesel, die Frauen bringen es in der ÖVP immerhin weiter als etwa in der deutschen Sozialdemokratie, also scheint die Partei nicht so arg unglücklich zu sein mit den Damen aus der Provinzmittelschicht. Und die Schotter-Mizzi aka Abschiebe-Mizzi passt ja leider gut in die österreichische Politik, in der die FPÖ die anderen großen Parteien vor sich hertreibt.
    .
    http://www.profil.at/articles/1042/560/280314/innenansicht-innenministerin-maria-fekter-portraet

  59. Ich hab den Artikel jetzt noch...
    Ich hab den Artikel jetzt noch mal gelesen, und wieder frag ich mich, was denn mit dem letzten Hoffnungsträger Seehofer eigentlich nicht in Ordnung war. Und ich meine jetzt nicht seine ganzen Profilierungsversuche als CSU-Hansdampf in allen Gassen seit der BTW. Sondern ihn, damals, als neue Figur, mit Brüchen im Leben, Herkunft aus kleinen Verhältnissen und dem oberbayrischen Kernland, und einer alten Haltung, der die CSU aus religiösen und staatsparteilichen Gründen eigentlich ein Stückerl links von der CDU positionierte. Ich fand den mal weitaus sympathischer als Strauß, Streibl, Stoiber und was es da noch so alles gab, jedenfalls bevor er dann auf den Sarrazin-Bandwaggon aufsprang. Was ist da schiefgegangen? Woran fehlte es?

  60. Ansonsten noch ein Hinweis auf...
    Ansonsten noch ein Hinweis auf dies, weils grad so schön passt:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Ehernes_Gesetz_der_Oligarchie

  61. Ja wos isn nacha des? An...
    Ja wos isn nacha des? An Ährenmo wiar i oana bi, oafach oschoassn. A so a Hirni, a so a Gfraß. Des is a typischa Blindgänga, der wo nie nix goarbat, dea wo koan Hof un nixi and Füaß hot. Da Gankerl soin hoin, den Bazi, den varrecktn. Do hert si doh ois auf. Mia san mia. Weils eh wahrrr is! Dea zu Guttenberg braucht koa Programm net, dea is fier ois guat, so wia dea ausschaugt, des is unsa Mo vo Zuggunfd. Sakradinoamoi!

  62. Die Bilder! Geil!! - Und die...
    Die Bilder! Geil!! – Und die Kommentare recht amüsant. – Nein, also einen Oberfranken als Bayernchef kann ich mir nicht vorstellen, da ist das bayrische Stammeswesen vor. Es mag angekränkelt sein von der allgemeinen Schaumbläserei (wozu kurzlebige Medienhypes genauso gehören wie immer wieder zusammenkrachende Spekulationen und utopistische intellektuelle Anwandlungen), aber daß der Machtverlust schon derartige Ausmaße angenommen hat, daß einer aus der Bundespolitik in die Landespolitik übernommen wird – nein. Das käme einer wirklichen Revolution gleich.

  63. colorcraze, im Gegensatz zum...
    colorcraze, im Gegensatz zum echten Franken Beckstein ist zu Gutenberg schwerer zu verorten, daran also sollte es nicht scheitern. Und der Weg nach Bayern, den haben auch Strauss und Seehofer genommen.
    .
    Wimmerl d. Ä., jo mei, koan Reschbegd meah, de jungan Leid. Bei de Minisdrandn vom Minstapforra heds dös ned gem.

  64. Der Baron, die Hohe Schule...
    Der Baron, die Hohe Schule angemessenen Benehmens, der Adel ueberhaupt; ich haette da eine Empfehlung, besonders fuer die Juengeren (gibts die hier?) unter den KommentatorInnen:
    Heute 23:15, SWR, „Adel verpflichtet“, mit dem unvergleichlichen Sir (sic!) Alec Guiness. Bestes englisches Erzaehlkino. Es geht darum, wie man auf’s Eleganteste in der Erbfolge sich nach oben mordet.
    .
    (Jammer, Don Alphonso, dass Ihnen so etwas Schoenes entgehen muss.)

  65. Haette es beinahe...
    Haette es beinahe vergessen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Adel_verpflichtet_(Film)
    (Nein, kein Dank. das macht mich so verlegen)

  66. @DA: Sie meinen also, daß...
    @DA: Sie meinen also, daß Bayern eine langjährige Guttenbergzeit bevorsteht? Ich weiß nicht. Ich halte das für recht wolkig.

  67. Wer sagt eigentlich, dass die...
    Wer sagt eigentlich, dass die CSU nach der nächsten Wahl noch einen Partner findet? Die FDP hat in Bayern keine Substanz, und die anderen könnten sich zusammenraufen (zumal bayerische SPD, bayerische Grüne und die Freien Wähler zusammen ja auch wieder eine CSU wären).

  68. wo man das heutige schwärmen...
    wo man das heutige schwärmen im familiären umkreis vernehmen durfte: der gutttenperg sei so klug, sin fru h o c h intelligent – und bildschön dazu.
    oje.
    .
    cher Filou, es gibt sie, die jüngeren. man sollte nicht von sich auf die anderen schliessen, mein freund, und überhaupt: der mann i.a. ab 40 neigt – m.e. völlig unbegründet, eher nur kokettierend – zum jammern (natürlich habe dies ausschliesslich sachliche gründe und sei kein jammern) und sich beklagen, dass er matschig werde; aber wem erzähle ich das, lieber gastgeber, die biblische zahl bleibt ein leitmotif…
    .
    in der regel bin ich undankbare ‚vor adel verpflichtet‘ mit bestem gewissen selig eingeschlafen, so wie die hochtoupierten und deren herren in der oper nach likör und torte. ich habe es noch nie geschafft, dieses hochgelobte meisterwerk in gänze zu bewundern, und ich fürchte, es wird heute nicht anders ein, den anstrengenden genteilern sowie whisky, ale und der frühen aufstehstunde sei dank.
    .
    insofern – schaffen sie sich, lieber don, ruhig das küchenradio an. wenn das unsrige den weg alles irdischen gehen sollte, so bearbeite ich jetzt schon gary nach kräften, wird kein neues angeschafft werden, denn spannende geschichten gibt es anderswo. staatlich initiierte verlautbarungen kann man auch von woanders beziehen.
    .
    die csu dürfte in einer echten krise sein (was nichts neues ist), mit einem relativ unsympathischen, doch aber zeit-typischen und wendigen mp an der spitze, dem es dummerweise nicht gelang, sein privatvergnügen geheim zu halten.
    mir sind noch ein bis vier ähnlich prominente politiker persönlich bekannt, die nichts anderes treiben, doch bislang weniger auffielen, aber auch keine lautereren motive verfolgten.
    .
    und:
    man muss dem herrgott für alles danken – auch für ober-, mittel- und unterfranken.
    .
    lieber don, meinen sie, ‚die anderen‘ haben den impetus zum zusammenraufen? nach so vielen jahren in der opposition neigt man zu absoluten setzungen, und sieht viel weniger das segenbringende potenzial des geheiligten kompromisses.
    interessant finde ich, dass hinsichtlich s21 die grünen nicht mit der spd für einen parlamentarischen UA stimmten.
    alors…
    honi soit qui mal y pense.

  69. Der zu Guttenberg in...
    Der zu Guttenberg in Siegerpose in New York oder mit Tom Cruise Brille in Afganistan. Kanzler, noeh – er verliert sich leicht im Unwesentlichen. Bayernfuerst – oder doch eher ein Scharping ?

  70. Also zu Guttenberg.
    .
    Er war...

    Also zu Guttenberg.
    .
    Er war gegen die Opel-Rettung.
    Er hat der Abschaffung der Wehrpflicht durchgesetzt.
    .
    Damit hat er schon zwei Mal Selbständigkeit gezeigt. Er hat früh eine eigene Position bezogen, wo andere sich geduckt und gewartet hätten, was Mutti tun wird.
    .
    Er hat auch schon schwere Fehler gemacht (Kundus-Affäre), aber solche Fehler überlebt zu haben nützt der Karriere. (Auch hierzu Canetti: Je häufiger jemand Lebensgefahr überlebt hat, um so höher sein Charisma).
    .
    Gegenüber seinen Stammesbrüdern hat der den Vorteil, dass er sein Bayerntum an- und ausknipsen kann. Seine Herkunft befreit ihm vom Zwang, regionale Verwurzelung unter Beweis stellen zu müssen. So kann er in Berlin als hochdeutsch eloquierender Weltmann auftreten.
    .
    Ich denke, er wird es sein.
    .
    Wie er es anstellen wird, Mutti den Dolch in den Rücken zu stecken? Wird er dabei elegant aussehen wie Alec Guiness?
    Wir dürfen gespannt sein.

  71. Was ich an Merkels stelle tun...
    Was ich an Merkels stelle tun würde?
    .
    Ihm eine süße Praktikantin unterjubeln, die vielleicht erst in zwei Wochen 18 wird.

  72. Re zu Guttenberg. Er ist ohne...
    Re zu Guttenberg. Er ist ohne Zweifel ein „sharp dresser“ d.h. immer modisch gekleidet – schauen Sie mal die Jacken (figurbetonte) genau an. Wie heisst sein Schneider?

  73. @feingeist, 1.11.10 18:48...
    @feingeist, 1.11.10 18:48 Uhr
    Ich gebe Ihnen in weiten Teilen recht. Es sind immer auch Ideen, die die Menschen bewegen. Sarrazin sollte man nicht überbewerten. Er hat eine Diskussion wiederbelebt, die etwas lustlos seit Jahren vor sich hin dümpelte. Eine politische Bewegung will er nicht anführen und das Thema taugt auch nicht dazu. Stuttgart ist auch ein besonderer Fall. Hier gibt es viele Gruppen mit mehreren Protagonisten, die nur das Dagegensein eint und ein diffuses Gefühl, was Demokratie sein sollte aber nicht ist. Es gibt aber hier geschickte Strippenzieher, die ganz bewußt das Licht der Öffentlichkeit scheuen, gerade weil der Eindruck erhalten bleiben soll, hier wäre eine Volksbewegung entstanden, die ohne Führung auskommt. Herr Palmer und Herr Stocker mögen keine Lichtgestalten sein. Nun kann Herr Palmer seine bezahlte Elternzeit als OB ja auch ganz kinderfreundlich in den Schlichtungssitzungen verbringen, ohne sich um stinkende Windeln kümmern zu müssen. Aber er sitzt dort und verhandelt, weil er sich durch geschicktes Taktieren in diese Position manövriert hat. Demokratisch nicht legitimiert ist er letztlich das, was er zu bekämpfen vorgibt: Ein Lobbyist.

  74. @elbsegler
    Wer sind denn die...

    @elbsegler
    Wer sind denn die „geschickten Strippenzieher“ im Hintergrund?
    .
    1983 in Mutlangen war es Mielkes Stasi, welche die schwäbische Pfarrhausjugend erfolgreich zu mobilisieren wusste. Das war damals schon offensichtlich und heute kann Ihnen das Hubertus Knabe anhand von Archivdokumenten lückenlos beweisen.
    .
    Aber wer ist es heute? Bin Laden? Fidel Castro? Ahmadinedschad? Und wieso spielt die Gitarrenmusik dabei so eine untergeordnete Rolle? Was zum Teufel ist da los?

  75. @HansMeier555
    ich glaube...

    @HansMeier555
    ich glaube nicht, dass er allen Ernstes gegen die Opel rettung gewesen ist. Das war nur fake. Der Grund ist, dass mit einer Opelinsolvenz der PSVaG in Köln (pensionsrückstellungen einige Milliarden EUR bei Opel) gezwungen gewesen wäre ca. 4-5 MRd bei seinen Mitgliedern einzusammeln (per Einmalbeitragsversicherung an ein Konsortium unter Führung der Allianz). Bei der AEG Insolvenz in 1982 hat das schon mal gewaltig geknirscht.
    http://www.psvag.de/
    8,2 Promille Beitragsatz schon jetzt

  76. man beachte das...
    man beachte das beitragsvolumen in 2009 und das ohne opel:
    http://www.psvag.de/pdf/entwicklung.pdf

  77. Guttenberg goes Hollywood...
    Guttenberg goes Hollywood

  78. @HansMeier555
    aber dann bitte...

    @HansMeier555
    aber dann bitte auch nicht vergessen:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Operation_Gladio
    Mich würde aber mehr interessieren, warum die RKK gestern diesen Apologiefilm PiuXII in der ARD lancieren konnte, warum die FAZ drauf anspringt und warum jetzt auf einmal „das Amt“ die Shoa durchgeführt hat und nicht die SS, SD …
    Der westfälische Friede von 1648 war offensichtlich doch nicht so haltbar

  79. Aus guter feudaler Sicht ist...
    Aus guter feudaler Sicht ist jede politische Organisationsform illegitim, die nicht bereits seit alters her als privilegierte Korporation existiert.
    .
    Die Namen dafür heissen Zusammenrottung, Aufruhr oder Verschwörung — so was darf und muss unnachgiebig unterbunden werden.
    .
    Ansonsten dürfen sich die Untertanen gerne mit Bitten und Beschwerden an ihren Herrn wenden — aber bitte schön einzeln, und zwar so, dass jeder nur von seinen eigenen, persönlichen Problemen spricht und nicht von denen anderer Leute, die ihn nichts angehen.

  80. @Bert-IV
    Aber so ist es in...

    @Bert-IV
    Aber so ist es in Erinnerung geblieben, und das allein zählt.
    .
    Hören Sie das Kaminfeuer knistern? Einen Wein?

  81. @HansMeier555
    "Aber so ist es...

    @HansMeier555
    „Aber so ist es in Erinnerung geblieben, und das allein zählt. “
    Ja. Ein Standhafter Adeliger.. Ansonsten wir haben jetzt 12 jahre Protestanten als Kanzler, da wird es Zeit für einen Katholiken
    Was trinken wir denn:
    Vor zwei Wochen, war ich in Kronberg. Da gab es zum Abendessen Riesling vom Weingut PRINZ VON HESSEN / Johannisberg im Rheingau
    Nicht schlecht das Getränk – Meine Herren

  82. Riesling? Gerne. Ich leide an...
    Riesling? Gerne. Ich leide an einem Bordeauxline-Syndrom. Da will ich weg von.

  83. lieber Plindos.
    jaja, das...

    lieber Plindos.
    jaja, das Konservative ist facettenreich!

  84. Bordeauxline-Syndrom ist...
    Bordeauxline-Syndrom ist super!

  85. @filou
    BTW: super Begriff: Es...

    @filou
    BTW: super Begriff: Es gab aber auch noch einen premier cru aus dem burgund (cot d’or) aber mir hat der riesling besser geschmeckt.

  86. Jahrelang glaubte ich, die...
    Jahrelang glaubte ich, die Konservativen stünden für Werte, jetzt scheint Ihnen Style zu genügen. Das hat geradezu etwas Unterschichtiges. Lässt man dieses Menetekel beiseite, stellt sich mir die Frage, wie der schwarze Baron eigentlich an die Macht kommen könnte (ob er es denn bereits selbst will, scheint ja niemanden zu interessieren). Per Dreidecker im Tiefflug auf das Kanzleramt? Es bräuchte doch nicht nur Feuer- sondern auch Netzwerker. Wer in Merkels Umgebung würde denn den Jason oder die Jasonine geben (die Guillotine ist ja in Verruf geraten)?

  87. Des öfteren erfreuen mich die...
    Des öfteren erfreuen mich die Geschichten des bayrischen Dons, der über den Tellerrand (den westlichen versteht sich) blickt und ich lese sie mit viel Vergnügen -dafür recht herzlich danke- und ich bestaune die vielen Antworten und die Zeit, die hier investiert wird -auch hierfür danke-,
    aber wenn beim bayrischen HOffnungsträger, der hessische Schuss extra, der durch seine Adern quillt, derart vernachlässigt wird, kränkt das meine Landesseele und ich muss auch mal antworten.
    Wer in Guttenberg nur bayrisches Bier vermutet, springt zu kurz, vielmehr prikelt hier Rheingauer Riesling, den sein Opa vor Jahren an der Uni Mainz begeistert beschwor und den damaligen, protestbewährten Studenten nahelegte. Übrigens war der Großvater eins jener gelungenen „hessisch- multikulti“ Vorzeigeexemplare. Er kam mit einer Staatsbürgerschaft nach Deutschland, die nach dem eisernen Vorfahren der hübschen Gattin des bayrischen HOffnungsträgers „keinen Knochen eines märkischen Junkers Wert sind“.
    Dass die Eltern ein g’schlampertes Verhältnis sind, spricht für Guttenbergs Integration in allen Bevölkerungsschichten, auch wenn die Mutter sich später mit jenen Weinproduzenten verbandelte, die Thomas Mann im „Hochstabler“ aufleben ließ. (Ribbentrop schenk ich mir). Denn der Opa an der Mainzer Uni legte Wert darauf, dass man ursprünglich nur den Wein versektete, der so schlecht war, dass man ihn nicht in den Keller legte.

  88. Ich habe mich mit dem Thema...
    Ich habe mich mit dem Thema Guttenberg überhaupt nicht befasst, vor allem, da in letzter Zeit meine Aufmerksamkeit anderorts fast vollständig absorbiert wird. Die Causa „Guttenberg der Retter der Nation“ ist mir also entgangen.
    Aber wenn er klug ist, gut angezogen und sich auch noch manierlich zu benehmen weiß, liegt das ja wirklich beachtlich über dem deutschen Politikerdurchschnitt. Wohlmöglich ist er auch noch mehrerer Fremdsprachen mächtig?
    *
    Ich gebe zu, nachdem ich heute Morgen in der Hamburger S-Bahn wieder mit zwei mittelalten Herren konfrontiert wurde, die zwar gute gekleidet (Business), jedoch nicht mit dem Gebrauch eines Taschentuchs vertraut waren, bin ich für den Charme eines wohlerzogene Herrn anfällig.
    Meine erste Assoziation zum Namen Guttenberg ist übrigens nicht Karl-Theodor sondern der Johannes, der sich nur mit einem ‚t‘ schreibt und deshalb ist eine positive Konnotation schon vorprogrammiert, quasi ein Pawlow’scher Reflexe.
    *
    @Observator
    Die Strippenzieherfrage hat ja auch schon HansMeier555 aufgeworfen. Elbsegler hat da vielleicht interessante Informationen. Und ein L.H. Oswald findet sich immer, das ist nur eine Frage des Preises.

  89. @Berthold IV
    Das Amt war...

    @Berthold IV
    Das Amt war preussisch-protestantisch dominiert, die SS dagegen strikt ökumenisch ausgerichtet, grossdeutsch.
    Erinnern Sie sich an die Waldheimaffäre?
    Ich jedenfalls weiss noch genau, wer damals (d.h. 1986ff) besonders intensiv auf den Verstrickungen des Weizsäckerpapas herumgeritten hat: Die Nationalzeitung von Herrn Dr. Gerhard Frey (München).

  90. @HansMeier555 02. November...
    @HansMeier555 02. November 2010, 09:55
    Die empörten Großmütter, die man immer im Fernsehen bewundern darf, und der Herr Sittler sind es sicher nicht. Sondern die Grünen und der BUND. Kampagnenfähig ist die Truppe, das muss man ihnen lassen. Arbeiten Sie sich durch die Internetseiten, stoßen sie immer wieder auf die gleichen Namen, die unter verschiedenen Auftritten unterschiedliche Motive ansprechen.

  91. oh scheiße... wenn jetzt...
    oh scheiße… wenn jetzt schon hochdeutsch, eine eigene meinung, ein guter schneider/friseur und eine attraktive olle als ausreichende merkmale akzeptiert werden, die zur kanzlerschaft befähigen… spengler hatte ja wenigstens den untergang des abendlandes für die zeit um 2100 vorausgesagt und das immerhin mit vorherigen erscheinungen wie einer zweiten religiosität und des cäsarismus. aber so wird es mit unserer zivilisation gewordenen kultur wohl bedeutend unspektakulärer, dafür jedoch umso schneller zu ende gehen. es wird halt ein allmähliches ermatten, in dem alles nur noch gleichgültig erscheint. die krise von 2008 verdeutlichte nur die wirtschaftliche seite einer totalen scheinrealität, in der riesige geldmengen ohne dahinterstehende real nutzbare werte getauscht werden, arbeit bis zur völligen erschöpfung nur noch zur selbstvergewisserung dient, weil wirklich jedes vom einzelnen mental und physisch notwendige wie verarbeitbare bedürfnis in sehr wenigen arbeitsstunden von einer industrieell hochentwickelten gesellschaft in einer flut von zivilisationsmüll erstickt werden könnte, die einen wohlstand verdeckt, der ausreichen würde, jeden mit oder gegen seinen willen in echter kultur zu ersäufen, jedoch aufgrund der ‚unausweichlichen marktrealitäten‘ weitgehend nur eine farbliche, klangliche und bewegliche untermalung des allgemein vorherrschenden stumpfsinns bieten kann, der hier für eine hochentwickelte gesellschaft gehalten wird, in der aus dieser übersättigung heraus keine politischen visionen entstehen können, weil es in allem nur noch einen wunsch nach mehr geben kann, weil alle innerhalb dieser kultur erkennbaren ziele bereits erreicht und in weiten teilen in ihrer entwicklungsfähigkeit ausgereizt worden sind und in der selbst der letzte, noch einen rest von hoffnung und selbstachtung aufrecht erhaltende mythos abhanden gekommen ist, daß das auswärtige amt während des dritten reiches keine ahnung von der judenvernichtung hatte.

  92. @windsbraut
    Ich muss Sie...

    @windsbraut
    Ich muss Sie enttäuschen. Mit der Aufdeckung der großen Weltverschwörung kann ich leider nicht dienen. das ist ein ganz normales Machtspielchen zwischen den etablierten Parteien. Die Kapagne gegen Stuttgart 21 hat meiner Meinung nach zwei Zielrichtungen. Einmal wittern die Grünen hier die reelle Chance, die SPD in BW überrunden, eventuell sogar die CDU. Endlich gibt es in diesem Land, das im Grunde wohlregiert und prosperierend ist, ein emotional hochgeputschtes Thema mit dem man nicht nur Wähler zu gewinnen hofft, sondern auch noch ehemalige CDU und FDP Wähler zumindest von der erneuten Wahl dieser Parteien abhalten kann. Aber auch im internen Machtkampf der Grünen spielt Stuttgart 21 eine wichtige Rolle für die Linken, die Annäherung an die CDU zu stoppen. Wer die Vita des Herrn Stocker liest, kann sich vorstellen, das der Mann Magenkrämpfe bekommt, wenn er an eine CDU/Grünen-Koalition denkt. Herr Palmer fährt eine Retourkutsche wegen der verlorenen OB-Wahl und will sich fürs nächste Mal empfehlen. Neben den Organisationsprofis im Hintergrund dürfen dann Laiendarsteller und echte Schauspieler für Abwechslung und Lokalkolorit sorgen. Herr Stocker, Herr Bautz, Her Wallmeyer sind Berufsprotestierer, die erfolgreich einen neuen Wirtschaftszweig aufgebaut haben, der ständig neue Produkte entwicklen und vermarkten muss. Die Leute beherrschen ihr Handwerk. Was dann nach der Wahl kommt? Selbst die Grünen versprechen für diesen Fall nicht hoch und heilig den Stopp des Projektes. Wie war es in Hamburg? da war der Kampf gegen das Kohlekraftwerk Moorburg ein Schlüsselthema des Wahlkampfs der GAL. Kaum war Frau Hajduk Umweltsenatorin herrschte der teuflische Sachzwang und sie genehmigte den Bau.

  93. Hat noch niemand Vronis...
    Hat noch niemand Vronis passende Wortschöpfung „Konserventum“ bemerkt, gar kommentiert? Na dann eben ich: Konserventum. Wunderbar! Danke.

  94. @elbsegler
    Das begreife ich...

    @elbsegler
    Das begreife ich nicht.
    Was sollte traditionelle CDU-FDP-Wähler davon abhalten, das Projekt S-21 zu unterstützen? Das sind doch vernünftige Bürger.

  95. Don Carlos, ein anstrengender...
    Don Carlos, ein anstrengender Schachtelsatz am Schluss, jedoch scheint er mir viel Wahres zu enthalten. Was aber bitte wird (2100 oder wann auch immer) an die Stelle von Scheinfreiheit und Scheinindividualismus treten? Ich komm nicht drauf… wir hatten doch alles schon.

  96. cher Filou,...
    cher Filou, bordeauxlinesyndrom – herrlich! merci beaucoup! [W]
    .
    das unterschichtige, lieber Observator, scheint sich wie ein aluschlammteppich unter den füssen auszubreiten, wenn man nicht aufpasst. dies hat sicher etwas mit der medialen vermittlung zu tun. man könnte sich davon auch distanzieren, gleichwohl:
    die sehnsucht zielt neben einfachheit und übersichtlichkeit auf mehr pracht, glamour und, ja, adel, eben zunächst das, was man entbehrt, s. knallpresse.
    ceterum censeo, dass der michel i.a. – ohne jemanden mit der aufzählung der beispiele zu nahetreten zu wollen – neben arbeit und handyvertrag genug damit beschäftigt ist, seine gartenzwerge, seine golfschläger oder seine biopaprika abzustauben und sich nicht so sehr um details der politik kümmert, es sei denn, sie beträfen ihn selbst, u n d er merkt es.
    selbst denken, freier wille – bah…
    .
    das auffällige beim hochschreiben von g. ist, dass seine defizite (beinahe deifizite geschrieben, zifixnomoi) nicht ins feld geführt werden, doch schliesslich kann man nicht das pulver jetzt schon verschiessen, das man noch für künftige abschussmanöver benötigen wird. eine sprengfalle ziert bereits seinen weg, und das nicht zu knapp.
    er weiss es, alle wissen es, und das macht ihn handzahm und erpressbar, aber noch dreht ihm in der öffentlichkeit niemand einen strick, wobei ich vermute, dass angelas fixe truppe sicher bereits daran arbeitet.
    .
    wenn g. im volk der beliebteste politiker sei, so kann sich die zunft der journalisten auf die schulter klopfen.
    .
    das marketing macht es. wenn ich an die zeiten zurückdenke, als man sich über merrkels erscheinungsbild prächtig amüsierte…
    http://funfire.de/lustige/bilder-434-keine-macht-den-drogen.html
    .
    zu lachanfällen trägt le baron jedenfalls nicht bei. das bisschen alberne rockmusik macht das von windsbraut angeführte positive erscheinungsbild gerade im kontext seiner konkurrenten, äh – freunde und kollegen, derzeit nicht wett. er ist nicht auf die politik angewiesen, nein, sie scheint ihm viel zu geben.
    .
    letztlich ist oberfläche nicht alles, aber es geht auch ohne sie, q.e.d..
    das weiss der, der so gerne der künftige gewählte könig von deutschland wäre, auch.
    .
    dem konservativen kommt sicher entgegen, dass er ein mann ist, was die verhältnisse wieder vom kopf auf die füsse stellte, und er ist straight, ergebnis dito.
    (für HansMeier555: und er ist mit dem feudalsystem vertraut)
    äusserlich alles wieder plain vanilla.

  97. HansMeier555@:Stuart Mill...
    HansMeier555@:Stuart Mill hatte sich in seinen Essais zur Ökonomie etc. eingehend mit der Frage der Aristokratie auseinander gesetzt. Schlüssiges kann ich da so weiteres nicht entdecken. Sie wären wohl gern ein Clubmitglied (von Geburt oder durch Meriten, oder einpfach so?), Bingo?

    Foersterliesel@:Es kömmt auf das Etikett der Konservendose an ;-).

    @@:
    Was kann der Siegismund dafür, das er so schön ist?

    Don Carlos@: Im räsonieren sind Sie wirklich vortrefflich. Nu, und wie weiter?

  98. @HansMeier55502. November...
    @HansMeier55502. November 2010, 12:26
    „@Berthold IV
    Das Amt war preussisch-protestantisch dominiert, die SS dagegen strikt ökumenisch ausgerichtet, grossdeutsch.
    Erinnern Sie sich an die Waldheimaffäre?
    Ich jedenfalls weiss noch genau, wer damals (d.h. 1986ff) besonders intensiv auf den Verstrickungen des Weizsäckerpapas herumgeritten hat: Die Nationalzeitung von Herrn Dr. Gerhard Frey (München). “
    Sehr sehr gut Ihre Analyse: Mir schwant da ähnliches, offensichtlcih soll die beteiligung/Mittäterschaft des auswärtigen Amts erweitert werden nach dem Motto, dass die Shoa deren erfindung war. BTW: Ich sehe das auch einen religionsstellvertreterkrieg. Man will im Vatican auf Teufel komm raus Pius XII heilig sprechen (JPII geht ja offensichtlich gar nicht mehr). mal sehen wer dieses rennen gewinnt. Ganz nebenbei zerstört man noch manch anderes..

  99. @HansMeier555 2.11.10 13:31...
    @HansMeier555 2.11.10 13:31 Uhr
    Ja, was sollte vernünftige Bürger davon abhalten, das Projekt Stuttgart 21 zu unterstützen? Dann sind wohl nur die unvernünftigen dagegen.

  100. Die Unvernünftigen aber...
    Die Unvernünftigen aber hätte ich nicht bei CDU-FDP vermutet. Helf mir einer.

  101. "... und in der selbst der...
    „… und in der selbst der letzte, noch einen rest von hoffnung und selbstachtung aufrecht erhaltende mythos abhanden gekommen ist, daß das auswärtige amt während des dritten reiches keine ahnung von der judenvernichtung hatte.“
    Dieser Mythos war schon lange abhanden gekommen. Aber wer ist „das Auswärtige Amt“? Es ist doch eine müßige Frage, ob nun in diesem Amt jeder alles gewußt hat, manche mehr und andere gar nichts. „Das Amt“ hat gar nichts gewußt. Es waren immer einzelne Menschen. Die Untersuchung der Historikerkommission bestätigt, was andere Historiker bereits früher erarbeitet hatten. Das ist gut und wichtig. Was wusste die „deutsche Reichsbahn“ alles über die Judenvernichtung? Vielleicht noch mehr als „das Amt“. Es bleibt nüchtern festzustellen, dass auch im „AA“ Feiglinge und Karrieristen saßen, die nach dem Krieg ihre Karriere retten wollten und von nichts gewußt bzw. das Schlimmste verhütet haben wollen. Vielleicht waren diese Leute noch willfähriger als die echten Widerständler, denn den Mitläufern fehlt immer das Rückgrat und das gemeinsame Streben, alles zu vertuschen, verbindet zusätzlich.

  102. muscat, jedenfalls hatten wir...
    muscat, jedenfalls hatten wir alles, was unsere kultur denkbar sein läßt. eine ahnung, wie diese neue kultur aussehen könnte, worauf sie basiert und wie sie sich entwickelt, läßt die kulturelle determiniertheit unseres denkens nicht zu. spengler sprach von einem russischen zeitalter, weil er diese kultur als einzige identifizieren konnte, die in ihrer frühphase stecken und abendländisch beeinflußt geblieben ist – bitte jetzt russische mentalität, politik, wirtschaft und folklore nicht mit kultur im spenglerschen sinne verwechseln. ein interessanter aspekt dabei ist, daß laut spengler die authentische russische seele geld ablehnt und das abendländische denken in geld verachtet (auch dabei ist der heutige reichtum russischer oligarchen nur dem abendländischen einfluß geschuldet). wenn man unter diesem gesichtspunkt die inhaltsleere der abendländischen finanzwirtschaft betrachtet, die lediglich mit zahlen abseits realer werte operiert und die damit ihre legitimation lediglich deshalb behält, weil niemandem eine andere konstruktion zum austausch von waren und leistungen einfällt, die mittlerweile unhinterfragt zum einzigen erkennbaren lebensinhalt der angehörigen unserer kultur geworden sind, scheint dieser gedanke spenglers gar nicht so abwegig, daß es jenseits der uns vertrauten vorgänge andere formen des lebens und umgangs miteinander geben könnte, die nicht komplett unter dem begriff ‚wirtschaftsbeziehungen‘ zusammengefaßt werden könnten, selbst wenn es sich dabei um ursprünglich einmal nicht wirtschaftlich motivierte unternehmungen wie familie, kunst oder forscherdrang handelte.

  103. @elbsegler
    "Was wusste die...

    @elbsegler
    „Was wusste die „deutsche Reichsbahn“ alles über die Judenvernichtung? Vielleicht noch mehr als „das Amt“.“
    richtig. Ist damit die Reichsbahn so schuldig wie die SS? Ich halte insbesondere den Kommentar in der FAS (das Lob für Joschka Fischer sollte schon stutzig machen in der FAZ) für einen zimlichen „Schmarrn“.
    Nun ja, jetzt geht es zur Sache:
    „Adenauer hingegen, das weiß ich von jemandem, der ihm sehr nahestand, hat sich ungeheuer über den „Stellvertreter“ gefreut, konnte es nur nicht öffentlich sagen. Und zwar weil Pius XII als Päpstlicher Nuntius Eugenio Pacelli Adenauer verraten hat, indem er mit Hitler das Konkordat abschloss. Denn durch das Konkordat konnte es Hitler wagen, die letzte demokratische Partei, das Zentrum, aufzulösen. Also Adenauers Partei, die Partei des deutschen Katholizismus. Das hat Adenauer Pius nie verziehen.“
    aus:
    http://www.welt.de/channels-extern/ipad/kultur_ipad/article10673401/Der-Papst-verschwieg-die-Juden.html

  104. @HansMeier555
    11 8 33 - Da...

    @HansMeier555
    11 8 33 – Da werden Sie geholfen!

  105. Don Carlos@: Mit Spengler ist...
    Don Carlos@: Mit Spengler ist kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Seine Analyse war ja in vielem durchaus stimmig, nur sitzen wir jetzt mitten drinnen in der Malaise.
    Spengler ist m. E. mit lauter Kulturvergleichen vor der eigentlichen Gedankenarbeit,
    nämlich dem der Lösung der angeschnittenen Probleme stecken geblieben, 1917 war es ausserdem zu spät.
    Wenn Sie andere Lebensbereiche jenseits der alles durchdingenden Ökonomie aktivieren wollen, dann können Sie höchstens in eine Sphäre als Oberbegriff kommen, die Ihre, als Unternehmungen bezeichneten, drei Bereiche umfasst. Die diese sogar früher einmal, in der Vorantike, wirklich vollkommen umfassten. Das wäre, was aber nur Hohngelächter erntete, falls dieser Weg beschritten würde, nämlich das Heilige, das Sakrale. Wie sollte so etwas gelingen, wie sollte so ein eventueller Rückweg begangen werden, im Zeitalter des Zynismus, des Nihilismus, der totalen Monetarisierung und Durchtechnisierung (Prothesenhaftigkeit) aller Lebensbereiche? Wer das versucht, wird als Verein der Komiker, der Lächerlichen, der sektiererischen Lebensreformer da stehen. Faktisch ist es ein circulos vitiosus. Ausserdem wäre es doch interessant in dem Zusammenhang eine umfassende Bestandsaufnahme der Patho- und Ätiologie der Macht zu beginnen, jenseits von Analysen à la Elias Canetti, Vilfredo Pareto, O. Spengler oder Karl Marx u. F. Engels und deren Epigonen etc. welche nie auf des Pudels Kern, nämlich den der Heilung kamen. Allenfalls das chirurgische Messer in Form von Revolutionen, Terrorismus sowie allerlei anderen plumpen Werkzeugen anpriesen.

  106. Ein "alter" Zopf:
    Pappos, der...

    Ein „alter“ Zopf:
    Pappos, der als „letzter produktiver Mathematiker der Antike“ bezeichnet wird, lebte Anfang des 4. Jh. n. Chr. in Alexandria.
    Er hatte eine ganz „simple“ Methode kreiert, die nur noch einmal hiermit in Erinnerung gerufen werden soll:
    1. Betrachte das Problem als gelöst
    2. Suche den Lösungsweg durch Rückwärtsschreiten (Analyse)
    3. Der Beweis erfolgt durch Vorwärtsschreiten (Synthese)
    Der wesentliche Aspekt scheint mir zu sein, dass wir in unsrer heutigen Kultur geneigt sind, dem ersten Schritt zu wenig Bedeutung und zu wenig Vertrauen schenken.

  107. Die Reichsbahn sah sich halt...
    Die Reichsbahn sah sich halt nie so als Elite, ihre leitenden Beamten nicht als das Salz der Nation.

  108. Das heilt sich alles wieder...
    Das heilt sich alles wieder von selbst.
    Und ich weiss auch schon wie…

  109. @elbsegler: Ihre Beschreibung...
    @elbsegler: Ihre Beschreibung von S21 finde ich sehr treffend. Und ansonsten frage ich mich auch, wer denn einen Mythos vom „sauberen AA“ in der heutigen Zeit noch gepflegt haben soll. Ich habe kein anderes Ergebnis erwartet – was soll denn sonst rauskommen. Dinge geschehen doch nicht von selbst, also muß ja auch wer dran beteiligt gewesen sein. 45 ist jetzt 55 Jahre her, meine Güte, da sollten Historiker so langsam mal drandürfen.
    @BertholdIV: das ist eine interessante Idee, daß da konfessionelle Kämpfe drunterstecken. Aber ich glaube, die sind durch alles andere (auch wenn „der Osten“ nicht so sehr viele Einwohner hat, die sind zu 90% konfessionslos) so eingematscht und eingeklemmt, daß sich da nicht viel entfalten wird.
    @donna laura: ich halte die Guttenbergitis für einen Medienartefakt. Nach Merkel kommt erstmal was anderes als CDU, und in Bayern werden sie ihm trotz Kini-Light-Begeisterung das Abknipsenkönnen des Bayrischen durchaus noch übelnehmen.

  110. Das Problem mit dem Zuwarten...
    Das Problem mit dem Zuwarten nach Merkel ist der Umstand, dass jeder irgendwann zu alt für die Rolle als Schwiegersohn wird.

  111. Nochmal zum Amt:
    .
    Das war ja...

    Nochmal zum Amt:
    .
    Das war ja die konservative Position der ersten 40 Nachkriegsjahrzehnte: Die SS war kriminell, der Rest war anständig. In der SS gab es richtige, echte, fanatische Nazis, alle anderen handelten nur unter Befehlsnotstand, unter beständigem inneren Widerstreben.
    .
    Und wer war die SS? Das waren asoziale, kranke Sadisten, von der guten Gesellschaft so weit entfernt wie Ernst Röhm vom englischen Königshaus.
    .
    Die Funktionsträger bei der Wehrmacht, der Wissenschaft, in der Justiz und eben auch beim AA, das waren noble feine Herren und Patrioten. Sie hätten ja so gerne Widerstand geleistet, aber sie konnten nicht, weil sie doch unmöglich ihren Treueeid brechen konnten.
    .
    Das war zwar alles gelogen, doch diente diese Lüge dem Allgemeinwohl. Weil letzlich jede Gemeinschaft und jede soziale Identität auf einem Gebäude von Lügen beruht und die Verkündung der Wahrheit nirgendwo anders als im Bürgerkrieg enden kann.
    .
    Der Erinnerung an den simplen Umstand, dass mindestens 70 Prozent der Bevölkerung und 90 Prozent der Funktionseliten das NS-REgime zumindest zeitweilig mit Begeisterung unterstützt haben, hätte die Errichtung unserer herrlichen Nachkriegsdemokratie nicht eben erleichtert.
    .
    Die Kunst des richtigen Lügens — im richtigen Mass, im richtigen Tonfall, mit dem richtigen edlen Zweck — das war genau das, was die Unionsparteien von Anfang an viel besser beherrscht haben als die Sozis, und darauf beruhte letztlich ihre 50jährige Hegemonie.

  112. Der Guttenberg hat noch locker...
    Der Guttenberg hat noch locker 10 Jahre in Reserve. Oder 15.

  113. Herr Meier, ich ziehe den Hut...
    Herr Meier, ich ziehe den Hut vor Ihnen.

  114. @HansMeier (zum "Amt"): da...
    @HansMeier (zum „Amt“): da stimme ich Ihnen völlig zu. Anders wäre da keine Ruhe reingekommen. Deswegen war ja auch eine gewiefte Fuchsnatur wie Adenauer der Mann der Stunde. Aber inzwischen, je, sollte man etwas Wahrheit doch verkraften können.

  115. @colorcraze
    oh! interesant...

    @colorcraze
    oh! interesant klingt irgendwie..
    Aber: Ich denke, dass es die Protagonisten der Streitereien nicht wirklich stört, wie hoch der Anteil der Nicht-Kirchenmitglieder im Osten ist. Die denken da in anderen Zeiträumen und Größenordnungen…

  116. Applaus für...
    Applaus für Bordeauxline-Syndrom. Konservismus und Plindos Konservenetiketten!
    liebe Inge,
    (Beitrag von gestern)
    auch die ÖVP hat nach aristokratischem Dekor geschielt (ein Frauenstaatssekretariat war neu zu besetzen, da die bisherige Inhaberin die Opposition im Wiener Gemeinderat anführen soll, wie hochtrabend formuliert wurde. Ein lieber Freund von mir nennt die Wiener ÖVP stets die Partei der Fußpfleger, also der kleinen Gewerbetreibenden, da Großbürgertum in Wien auch rot wählt). Aristokratisch hätte bedeutet: nicht überaufgebrezelt, manierlich, streng gegen sich selbst und nicht in erster Linie gegen andere, mit
    sinnvoller Unterstützung für andere befaßt statt mit shopping und socializing. Bei all der Beratschung des Aristokratischen werden Bescheidenheit und Asketismus immer vergessen.
    Ob die Frauen in politischen Ämtern ein gutes Zeichen sind, weiß ich nicht so recht. Vielleicht ist es einfach nur ein Zeichen fürs Absinken der Wertschätzug und Bedeutung des Politikers: Frauen tuns auch, so wie bei den Lehrerinnen und den Richterinnen und die hochdotierten Wirtschafts-und Aufsichtsratsposten kriegen immer noch die Männer.
    lieber Hans Meier555,
    also bei uns fanden Funktionseliten der Nazis auch bei den Roten Unterschlupf.
    Der Psychiater Gross wurde erst sehr sehr spät verurteilt und erst Caspar Einem hat die diesbezügliche Geschichte des BSA historisch aufarbeiten lassen.

  117. @HansMeier555
    Sehr gut. Sie...

    @HansMeier555
    Sehr gut. Sie kennen die Untersuchungen zu Korrelation der Konfessionszugehörigkeit und dem Wahlverhalten von sagen wir 1932 bis heute.
    Meine Thesen:
    1) da ist bestenfalls Waffenstillstand zwischen der RKK und den Lutheranern. Die Frage ist, wer zieht die Muslime auf seine Seite
    2) Die Weimarer Republik wurde zweifach gemeuchelt. von den protestantischen Großgrundbesitzern im Osten (s. S. Haffner) und von Rom, die – s. Kandidaten Marx zur RP-Wahl, Konkordat, „Stutzen des Zentrums“ ein katholisches Deutschland oder „keines“ wollten.

  118. Die NSDAP war gelebte...
    Die NSDAP war gelebte Ökumene.
    Die CDU hatte das Glück, daran dann nahtlos anknüpfen zu können.
    .
    So ähnlich wie Hitler und Petain die heimlichen Väter der deutsch-französischen Freundschaft sind… (schusch, das hat jetzt keiner gehört).

  119. Ah, Hans Fallada, "Bauern,...
    Ah, Hans Fallada, „Bauern, Bonzen, Bomben“?

  120. Ich habe mal an alle...
    Ich habe mal an alle Kommentatoren eine Frage – Wer von allen Politikern egal von welcher Partei ist denn überhaupt für die Stelle als Bundeskanzler geeignet? Auch wenn ich mich jetzt unbeliebt mache aber bitte keine Frau.
    mfg

  121. colorcraze@: Nehmen Sie es mir...
    colorcraze@: Nehmen Sie es mir bitte nicht übel, aber es sind genau 65 Jahre seit 1945 verflossen. Nicht 55 Jahre. Wäre an sich nicht weiter wichtig, leitet aber über zum nächsten Satz, der gefüllt ist mit Binsenwahrheiten.
    Im Übrigen werden hier und in den Medien (die mal wieder) Schlachten geschlagen, die längst verloren und jeweilig längstens gewonnen wurden. Das ist mittlerweile was für Historiker. Das Gerede von Scham und Betroffenheit macht sich allemal gut.
    Die meisten Täter und auch die Täterinnen sind tot, im Altenheim oder Gaga, die Ermordeten haben schäbige Betonkuben in Berlin zur Erinnerung & als sog. Mahnung für die Lebenden bekommen, das ist alles, bis auf die Zahlungen an den Staat Israel und an einige überlebende Roma, ehem. KZ-Gefangenen und sog. Fremdarbeiter, die letztlich allesamt Sklaven waren. Damit wird nichts entschuldigt und beschönigt. Die Schuld ist unaustilgbar. Das AA selber wird von anderen Menschen, mit anderer Denk-u. Gefühlswelt bevölkert, als es die der damaligen Akteure war.
    Eine Wiederholung solch eines Verbrechens seitens unserer Nation ist nicht in Sicht.
    Das ist doch der banale Stand der Dinge.

  122. Larou46, das ist jetzt ein...
    Larou46, das ist jetzt ein wenig wie die Frage, welche Wange man als nächstes hinhalten will – ich persönlich finde weder den Gabriel noch den Seehofer so schlecht, wie gern getan wird. Und alles ist mir lieber als Leute wie Palin, Wilders und Strasche.

  123. Plindos, es gibt bei spengler...
    Plindos, es gibt bei spengler keine lösung im sinne von beseitigung eines problems. es gibt keine kausalitäten wie bei kant. es gibt nur schicksal. allerdings bestehen varianzen, wie sich das schicksal erfüllt. jeder kultur wohnt die möglichkeit inne, zu entstehen, zu werden und zu vergehen. doch es ist nicht gesetzmäßig, daß der funke zum entstehen einer kultur ausreicht, diese auch wirklich aufleben zu lassen. und es steht nicht fest, daß diese junge kultur sich durchsetzen kann, neben anderen besteht oder überhaupt überlebt. weil das alles schicksalsabhängig ist. es ist abhängig vom in-form-sein der kultur. dieses in-form-sein ist rassisch determiniert, wobei sich die rasse aus dem lebensraum der gesellschaft bestimmt, die sich sogar beim wechsel des lebensraumes verändert (natürliche einflüsse wirken sich auf die physische wie psychische konstitution aus – siehe auch vitruv). neben der rasse bestimmen auch die entscheidungen einer gesellschaft und von herausragenden einzelnen darüber, wie sich ihr schicksal erfüllt. die demokratie als diktatur des geldes ist schicksalhaft und unausweichlich, ihre form kann jedoch frei gestaltet werden und zwar dadurch, daß jedem zwar ein rassisches moment innewohnt, das seine möglichkeiten grundsätzlich festlegt, jedoch auch ein frei schweifendes moment, daß ihm die wahl einer daseinsform in den grenzen seiner rasse ermöglicht. innerhalb dieser grenzen ist es dem einzelnen möglich, schicksal zu sein oder schicksal zu erleiden, subjekt oder objekt der geschichte zu sein und damit das ergebnis der gesetzmäßigen kulturellen entwicklung zwar nicht abwenden oder ändern zu können, wohl aber den verlauf. und dazu fordert spengler auf: daß jeder das bestmögliche tut, was sein standort in der gesellschaft sowie seine persönlichen anlagen zulassen, um zur erfüllung des schicksals seiner kultur beizutragen.

  124. LaRou46@: Im Zweifelsfalle...
    LaRou46@: Im Zweifelsfalle Sie. Im Ernst, ist es wirklich eine anstehende Kandidatenkür die uns so nachdenklich stimmt? Was wir hier diskutieren, unter versch. Vorzeichen scheint mir ein anderer Ansatz zu sein.
    Wir können uns ja auch mal den Schönsten, Besten, Entscheidungsstärksten, Moralischsten, eine Person (egal ob fem. o. masc.) mit noch mehr solcher Super-Vorzüge ausgestattet, ausmalen.
    Wär doch was oder wie oder was?

  125. Zumindest sollten Sie...
    Zumindest sollten Sie andeuten, was Sie mit „Rasse“ definieren, da sonst grandiose Mißverständnisse auftreten könnten.

  126. Die Amerikaner wählen heute...
    Die Amerikaner wählen heute einen lustigen Sejm!

  127. Don Carlos@: Spengler benutzt...
    Don Carlos@: Spengler benutzt das aufgeladene Wort zwar, aber unter anderen Gesichtspunkten. Aber die Nazis hatten um ihre allzu fragwürdigen Wortkonstrukte herum, besonders an dem Wort „Rasse“ die helle Freude, weil die Schurken keine hatten.

  128. sie sagen es, lieber,...
    sie sagen es, lieber, geschätzter don/21.02 u, „Leute wie Palin, Wilders und Strasche [sic!]“ gibt es hier nicht.
    .
    doch die beiden weiteren von ihnen angeführten – angesichts des vergleichs/der kontextualisierung stehen sie deutlich besser da, das ist keine frage.
    aber was, lieber Don Alphonso, macht sie hinsichtlich ihrer aussage, diese seien nicht so schlecht, so sicher?
    .
    et pardon: es geht nicht darum, ob man jemanden für nicht so schlecht hält, sondern ob man ihn als geeignet betrachtet, das eigene interesse in der politik angemessen zu vertreten.

  129. Und was Wilders in Holland...
    Und was Wilders in Holland betrifft, so erledigt sich dieser Fall von selber. Das war hier immer so. Fuer Extremismus sind die Hollaender einfach zu faul. Auch Extremismus erfordert Aufwand. Emotionalen Aufwand. Dafuer muesste hier viel passieren.

  130. Einfach unglaublich, das...
    Einfach unglaublich, das Phänomen Gutti. Ein Beweis für die Unvorherhsehbarkeit der Strömungen im pluralistisch globalisierten Post-Nachkriegsdeutschland.

  131. @Plindos: oh je, Kalender, ich...
    @Plindos: oh je, Kalender, ich lebe momentan hinter der Zeit… ansonsten: eben, inzwischen ist es mehr eine Sache für die Historiker. Man weiß, daß es schlimm war, aber hoffentlich wird sich sowas nicht wiederholen, denn daß derart viel aufeinanderkommt (Krieg verloren, wackliges neues politisches System mit Dreiviertelbürgerkrieg, brachiale Wirtschaftskrise), kommt zum Glück nicht so oft vor.
    @LaRou: derzeit streckt keiner den Kopf raus, wohlweislich, denn es wäre noch zu früh und der Kopf wäre lediglich ab.

  132. weiss auch nicht, was am...
    weiss auch nicht, was am Phänomen Gutti unglaublich sein soll.
    Was ist denn schon so besonders daran, wenn einer adlig ist? Früher gab es überhaupt nur solche in der Politik.
    Und sonst? Er ist bestimmt nicht dümmer oder unfähiger als seine Kollegen im Schnitt.

  133. Zerfallserscheinungen machen...
    Zerfallserscheinungen machen sich bemerkbar in den USA. Unvermeidlich, m.M.n., da historisch bedingt ( z.B. The Rise and Fall of the Roman Empire).

  134. @Berthold IV
    "Die Reichsbahn"...

    @Berthold IV
    „Die Reichsbahn“ und „die SS“ waren gleich schuldig. Nämlich gar nicht. Diese plakativen Verallgemeinerungen sind doch auch Teil des Vernebelungssystems. Schuldig können sich nur Individuen machen. Sicherlich ist die wahrscheinlichkeit, dass sich ein Angehöriger der SS in der NS-Zeit schuldig gemacht hat, höher als ein Beamter der Reichsbahn. Klar ist aber auch, dass es Mitarbeiter der Reichsbahn gegeben hat, die viel Schuld auf sich geladen haben und Mitglieder der Waffen-SS, die wie Soldaten der Wehrmacht gekämpft haben und keine besondere Schuld auf sich geladen haben. Aber das stricknmuster ist auch 1989 mit Erfolg engewendet worden. Die SED-Bonzen haben schnell die Stasi zum Sündenbock erklärt – dort waren die Verbecher in der Partei waren die Guten. Herr Modrow vernascht seine Pension als Bundestags- und Europaabgeordneter und der kleine Stasimitarbeiter bekommt nie wieder eine Stelle im öffentlichen Dienst. Herr Gysi hat stets nur das Schlimmste verhüten wollen. Dabei war die Stasi, trotz Ihres Namens „Schild und Schwert der Partei“. Die Stasi war Befehlsempfänger.
    .
    @HansMeier555
    „Die SS war gelebte Ökumene.“
    Dieser Satz ist zynischer Unfug. Ziel der NS-Ideologie war die Auslöschung jeder Religion in Deutschland. Dass in der SS Menschen christlicher Herkunft Dienst taten, hat mit Ökumene nun gar nichts zu tun.
    „Die CDU hatte das Glück, daran dann nahtlos anknüpfen zu können.“ Dieser Satz ist so infam, dass ich nicht mehr darüber schmunzeln kann. Diese überhebliche und selbstgefällige Art der Geschichtsbetrachtung ist auch nicht witzig. Es war kein „Glück“, sondern das Programm derer, die aus den Fehlern der Vergangenheit lernen wollten; die erkannt hatten, dass die Zeit konfessionell gebundener Parteien wie des Zentrums vorbei sind. Die Gründung der CDU als überkonfessionelle christliche Partei war kein Zufall, hatte keine Zwangsläufigkeit, sondern brauchte die Kraft und den Einsatz von Männern und Frauen, die ein anderes Deutschland wollten. Wir, die wir die „Gnade der späten Geburt“ erfahren durften, können stolz und dankbar dafür sein, dass nach 1945 die Kraft vorhanden war, ein neues besseres Deutschland zu begründen. Den Menschen, die diese Kraft aufbrachten, bin ich dankbar. Es hätte auch anders kommen können. Der Ausbruch des kalten Kriegs hätte auch von autoritären Kräften genutzt werden können, an die Macht zu kommen. Hätte sich eine starke rechtsgerichtete autoritäre Kraft herausgebildet, so wäre sie von den Westalliierten wohl eher akzeptiert worden als ein auch denkbares sozialistisch dominiertes Westdeutschland. Es ist zu einfach, einen zurückgelegten Weg zu betrachten und wegen der Existenz dieses Weges zu glauben, ein anderer wäre nicht möglich gewesen.

  135. Lieber Elbsegler,
    .
    Die...

    Lieber Elbsegler,
    .
    Die Position, dass Schuld „immer individuell“ sei, widerspricht einer gesunden feudalen Denkweise fundamental.
    So was würde ich nur bei Leuten gelten lassen, die dann auch so konsequent wären, jegliche Art von Verdiensten immer nur Individuen zuzuschreiben und niemals irgendeiner Familie, einer Firma, einer Partei oder sonst einer Institution. –Keine soziale Elite hat jemals so gedacht oder gehandelt.
    .
    Aber das wäre eine zutiefst antichristliche und anti-abendländische Denkweise! Und auch asozial im ursprünglichen Wortsinn, denn jede Gemeinschaft oder gesellschaft oder soziale Ordnung beruht nun einmal auf der Annahme, dass die Menschen keine voneinander unabhängigen Individuen sind, sondern gemeinsam denken, planen und handeln, dass ihre Leistungen immer auch Gemeinschaftsleistungen sind. Dass sich Eltern und Kinder gegenseitig in ihren ERfolgen sonnen und sich auch gegenseitig zuschreiben dürfen. Und dass sie sich gegenseitig kontrollieren.
    .
    Nur für die Nazigesinnung, den Nazihabitus, Naziverhalten und Naziverbrechen soll das alles nicht gelten?
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    Das Axiom der Individualschuld taugt allenfalls fürs Strafrecht und sonst nirgendwo. Dass sich die Konservativen nach 45 alle vehement darauf berufen haben, lässt sich nur aus der konkreten Situation heraus verstehen. Man hatte ihnen Achselstücke abgerissen und im Internierungslager blieb ihnen ja nix andres übrig: „Democracy, democracy…“.
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    Das Strafrecht allein aber kann eine soziale Ordnung niemals herstellen. Diese beruht daneben (auch über die FAmilie hinaus) immer auch auf zahllosen feinen Mechanismen der gegenseitigen Beeinflussung, der Unterstützung und auch des sozialen Ausschlusses.
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    Die konservative „gute Gesellschaft“, die u.a. auch die CDU gegründet hat und deren Niedergang der Don hier in seinen Beiträgen beklagt, hat von solchen Mechanismen stets ausgiebigen Gebrauch gemacht. Meine Großmuhme erzählte mir, dass es für sie als junges Mädchen vollkommen undenkbar gewesen wäre, jemanden zu heiraten, dessen Name auf „-ski“ endet. (Katholisches NW-Deutschland, aufstrebende Mittelschicht). So eine Haltung kann man aber eben nicht nur Individuen zuschreiben. Meine Großmuhme hatte diese Haltung von ihrer Umgebung aufgesogen, und dieselbe Umgebung hätte gegen eine Heirat mit einem schneidigen SS-Mann )“von soundso“) höchstwahrscheinlich nichts einzuwenden gehabt.
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    Folglich steht die gute Gesellschaft (und zwar als Kollektiv!) auch in der Pflicht, von ihrer sozialen Macht nur einen moralischen, und bitte keinen krass amoralischen Gebrauch zu machen.
    Keine deutsche Elite der vorangegangenen 1000 seit Karl dem Grossen hätte dies je bestritten.
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    Aber 1933 haben die konservativen Eliten (nicht nur die Nazis, nein nein) als fester Block mit beiden Händen für das Ermächtigungsgesetz gestimmt. Die feinen hochgebildeten alten adligen Herren im AA haben selbst gegenüber den Gossennazis von der SA niemals diejenige Verächtlichkeit und Geringsschätzung an den Tag gelegt, die sie gegenüber einem Gewerkschaftsfunktionär, einem Juden oder einer kommunistischen Arbeiterin alle mal übrig hatten.
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    Und in Bezug auf machtausübende Korporationen und Institutionen ist der Individualansatz gleich doppelt unangebracht.
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    Oder wie würden Sie reagieren, wenn Ihnen der Leiter einer Bankfiliale erklären würde: „Tut mir leid, ich kann Ihnen jetzt auch nicht sagen, wo Ihre gestern eingezahlten 20.000 Euro geblieben sind. Im Ganzen ist unsere Filiale eine seriöse Einrichtung. Aber für einzelne Diebstähle einzelner individueller Angestellter kann ich keinerlei Verantwortung übernehmen. Der Mensch ist schlecht und ich kann das Diebsgesindel ja nicht aus der Welt zaubern. Ich selber bin immer ganz ehrlich und das Gegenteil müssten Sie mir erst einmal beweisen.“

  136. Plindos, normalerweise genügt...
    Plindos, normalerweise genügt es, etwas nicht zu kommentieren, wenn man keinen weiteren gedankenaustausch wünscht. dieses ständige abheben auf den nationalsozialismus hat einerseits etwas belehrend sadistisches wie genüßlich masochistisches. wobei eine neigung der anderen jeweils innewohnt (kollusionsprinzip).

    das kollusionsprinzip strikt angewandt, würde es diese ständige selbstkasteiung und demutshaltung vielleicht nur als maske und gleichzeitig zügel der ins unterbewußtsein verdrängten macht- und gewaltgelüste entlarven, die nicht zugelassen werden dürfen, aber dennoch tief verborgen wirken. es vergeht doch kaum ein tag, an dem nicht im fernsehen der führer spricht, wo nicht paraden und aufmärsche gezeigt werden, wo nicht die aussicht vom berghof zu genießen ist, wo nicht deutsche panzer mit fanfarenuntermalung und begeisterter wochenschau-berichterstattung feindliche stellungen überrennen oder tausende schiffstonnen per torpedo zum meeresgrund geschickt werden. von einschlägiger literatur ganz zu schweigen. zwar fehlt dann kein korrigierender kommentar, der die ablehnung des gezeigten dokumentiert, aber irgendwie scheint da so eine gewisse unterdrückte faszination fühlbar, wenn immer wieder neue dokumente gesucht und aufgespürt werden (‚jetzt erstmals bisher ungesehene aufnahmen, sogar in farbe!‘).

    die chance auf neurosefreiheit scheint bei der jungen generation zu bestehen, die heute von fast allen seiten als desinteressiert und ungebildet bezeichnet wird, deren ‚makel‘ jedoch mehr darin zu bestehen scheint, völlig im hier und jetzt zu leben, wozu sie allerdings auch (noch) keine alternative hat. ihr fehlt völlig der bezug zu themen wie diktaturen, drittes reich, ddr. sie sehen keinen grund zur auseinandersetzung mit dingen, die sie nicht kennengelernt und noch weniger verbrochen haben. zwei nach absoluter sicherheit und absicherung strebende generationen haben ihnen völlige unsicherheit und ungewißheit für ihre zukunft hinterlassen, was durch die elterngeneration der heutigen jugend kaum abgemildert wird, weil diese zu schwach ist, ein eigenes profil durchzusetzen. immerhin hat die heutige jugend dadurch die chance auf wirkliche innere freiheit, allerdings auch auf nicht viel mehr, denn diese freiheit wird auch hauptsächlich in der totalen unabhängigkeit von jeglichem besitz bestehen.

  137. Don Carlos, tja, die "Jugend...
    Don Carlos, tja, die „Jugend ohne Besitz“ statt „Jugend ohne Gott“:
    http://www.youtube.com/watch?v=GUcXI2BIUOQ&feature=related
    Ist auch nicht wirklich etwas neues. Zumindest aber eine durchweg romantische Vorstellung.

  138. Feschisten???? Eine geniale...
    Feschisten???? Eine geniale und sehr eloquente Wortschöpfung, ich musste sie glatt zweimal lesen, weil ich sie so schön fand.

  139. In Österreich kennt man das...
    In Österreich kennt man das schon länger: Ein Politiker, der mehr an seinem feschen Auftreten denn an seinen Inhalten gemessen wird. So jemand wie der Karl-Heinz Grasser.

  140. Don Carlos@: Die Deutschen...
    Don Carlos@: Die Deutschen waren in der überwiegenden Mehrzahl durch alle Schichten hidurch, konkret vom einfachen Arbeiter bis zum hochadligen Prinzen, in
    die Machinationen des Faschismus verstrickt. Selbst C. Sch. Graf v. Stauffenberg, der der Konservativen Revolution nahe stand, konnte sich vom sog. „Faszinosum“ nicht zu Zeiten ganz freimachen, welches die Faschisten zu inszenieren verstanden. Um so mehr ehrt ihn seine Haltung, die bis zum Attentat auf A. H. führte. In meiner Familie bejahten wohl wohl so ziemlich alle Individuen aus den Generationen, die einsichtig und wahlfähig sein konnten, das Regime. Einige waren Mitglieder des Stahlhelms, einige sogar zuerst in der KPD, Großvater und Vater waren bei der Reichswehr, danach in der Wehrmacht als Berufssoldaten. Von der Teilnahme an den Verbrechen ist aus ihren Erzählungen nichts bekannt.
    Mögliche Anklagen wegen ihrer Haltung zu den Nazis im Nahherein deswegen würden in das Leere führen, das soll keine billige Exculpation sein. Die nachfolgenden Generationen können nichts dafür, dass sie in die Erb- und Nachfolge dieser verpatzten Geschichte geraten sind. Das Erbe ausschlagen zu wollen geht ja wohl auch nicht. Da schliesse mich HansMeier555 an.
    Die mögliche begangene Schuld, die angehäuft wurde, können/konnten die Einzelnen der Vorfahren nur vor einem höheren Richter rechtfertigen. Der Prozess gegenn dem Ukrainer Demjanjuk zeigt deutlch, dass ab einem gewissen Alter das Verfahren nur noch Symbolcharakter haben kann. Der Mann mag all die grauenhaften Taten begangen haben die man im zur Last legt, der wahre Sühneprozess findet woanders statt, er selbst ist vermutlich kaum noch zur Schuldeinsicht fähig.
    Das Kollusionsprinzip in cumulo auf die Beteiligten der Zeit anzuwenden ist verführ-erisch, war aber m. E. nur partiell im juristischen Sinne in den div. Strafprozessen möglich und anwendbar, nicht aber im philosophischen Sinne. Ihren letzten Satz finde ich großartig.

  141. ja, muscat, armut ist irre...
    ja, muscat, armut ist irre romantisch…

  142. @D.A. (01. November 2010,...
    @D.A. (01. November 2010, 12:59) Ich habe Herrn Gauweilers Reden im Bundesverfassungsgericht persönlich erlebt, bei der Anhörung zum Lissabon Vertrag. Rednerisch war er gut, aber Gewaltenteilung verstand er nur al seine zwischen Parliament und Executive. Die Reaktion des Herrn Vorsitzenden Voßkuhle war sehr einleuchtend zweideutig – aber Herr Gauweiler guckte nur verblüfft.

  143. Don Carlos, das meinte ich...
    Don Carlos, das meinte ich nicht. „Ohne Besitz“ ist nicht (immer) gleichbedeutend mit „arm“. Zum Beispiel dann, wenn alle ohne Besitz sind – eben eine romantische Utopie.

  144. @HansMeier555
    Lieber...

    @HansMeier555
    Lieber HansMeier, ich pflege keine gesunde feudale Denkweise. Sie vermischen hier nach Lust und Laune die Maßstäbe. Schuld ist etwas persönliches. Schuld ist nie abstrakt. „Die Gesellschaft“ kann weder im moralischen noch juristischen Sinn schuldig werden oder sein. Sie kann allerdings die Rahmenbedingungen dafür schaffen oder vermeiden. Aber das ist ein anderer Ansatz. Die „gute Gesellschaft“ ist doch nur ein Begriff für etwas im Grunde nicht erklärliches. Wie nämlich das Denken und Handeln von Einzelnen eine Vielzahl von Menschen wiederum in ihrem Denken und Handeln beeinflussen kann. Es gibt kein Kollektiv, das für irgendetwas in der Pflicht steht. Wir sind doch noch nicht einmal in der Lage zu definieren, was die „gute Gesellschaft“ eigentlich sein soll, geschweige denn, wer zu ihren Mitgliedern zählt. Es gibt auch keine machtausübenden Korporationen. Es gibt Individuen, die über solche Korporationen Macht ausüben. Sonst müsste man sich die Mitglieder dieser Korporationen wegdenken können und die Macht bliebe immer noch da. Das wollen Sie wohl nicht behaupten. Mit solchen Begriffen lassen sich wunderbar Diskussionen führen, aber keine Politik gestalten. Aufstieg und Fall des Nationalsozialismus in Deutschland folgten natürlich den selben Mechanismen, wie andere politische Phänomene auch. Die Heiratswünsche Ihrer verehrten Großmuhme in allen Ehren, aber CDU-spezifisch sind die wohl nicht. Das ist Quark. Ich weiß auch nicht, was die feinen hochgebildeten Herrn im AA über die Gossennazis gedacht haben. Woher Sie Ihre Kenntnisse haben weiß ich nicht. Sicherlich hat so mancher die Macht und Durchsetzungskraft dieser Leute bewundert. Der Nationalismus war auch Teil der Reaktionären Rechten. Da gab es Schnittmengen. Die von Ihnen beschriebenen feinen Herren des Adels haben aber sicherlich mit Hochmut auf diese Partei mit ihren Goldfasanen herabgeblickt und sie schon allein wegen ihrer kleinbürgerlichen Herkunft geringgeschätzt. Das Großbürgertum und die Unternehmerschaft glaubte, Hitler und Konsorten an der Leine laufen lassen zu können, so lange es nützlich erschien. Als man merkte, dass man sich verrechnet hatte, paßte man sich an, um im Geschäft zu bleiben. Wenn es so etwas gibt, wie die Moral einer Gesellschaft, so setzt sie sich immer aus den Moralitäten aller Individuen zusammen.
    Zu Ihrem Beispiel mit der Bank. Das geht nach hinten los. Auch „die Bank“ haftet nicht abstrakt. Wenn den seit Jahren unbescholtenen Kassierer der Hafer sticht und er Ihre 20.000 € nebst dem restlichen Tresorinhalt einpackt und auf die Caiman-Inseln umzieht, haftet dafür nicht die Bank. Wenn sich der Autoschlosser Ihr Portemonnaie einsteckt, das Sie im Wagen vergessen hatten, als sie ihn zur Reparatur gaben, haftet nicht der Werkstattinhaber. Es sei denn, er wusste dass sich sein Schlosser regelmäßig in Kundenautos bedient.

  145. "gesunde feudale...
    „gesunde feudale Denkweise“
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    Wo bin ich hier hingeraten?
    Seit wann ist eine „feudale Denkweise“ gesund?

  146. "In Österreich kennt man das...
    „In Österreich kennt man das schon länger: Ein Politiker, der mehr an seinem feschen Auftreten denn an seinen Inhalten gemessen wird. So jemand wie der Karl-Heinz Grasser.“
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    Don, dazu fällt mir so jemand wie Obama ein. Komisch?
    Fescher Kerl, fesches Eheweib. Da treten Inhalte immer nach hinten. Und jetzt das Debakel.
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    Lob auf die Hässlichkeit: Wir sollten wieder hübsch hässliche Staatslenker haben.

  147. Lieber elbsegler,
    .
    "Es gibt...

    Lieber elbsegler,
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    „Es gibt kein Kollektiv, das für irgendetwas in der Pflicht steht“.
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    Das erinnert mich jetzt wirklich an Maggie Thatcher: „Es gibt keine Gesellschaft.“
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    Aber sie fügte hinzu: „Aber es gibt Familien“. Sehen Sie?! Die immerhin gibt es. Es gibt Nazieltern und Nazikinder — und das weiss, wie man sieht, ja auch Ihre CDU.
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    Abgeesehen davon gibt es auch noch juristische Personen, darunter auch Gesellschaften, z.B. Kapitalgesellschaften, von denen sich manche ihre Haftung eigens beschränken lassen (GmbH). Und natürlich ist auch so ein Auswärtiges Amt oder so eine politische Partei eine juristische Person.
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    Ausserdem gibt es auch noch den Paragraphen 129a.
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    Aber worauf ich hinauswollte, ist eben, dass soziale Ordnungen eben nicht einfach mit der Summe der gegenseitigen rechtlichen Verpflichtungen identisch sind.
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    Sie dürfen alles das nicht so eng juristisch sehen. Im Falle mit dem Bankangestellten ist es gar nicht ausschlaggebend, wie das Gericht, das diesen Fall untersuchen wird, am Ende entscheidet und wer haftbar gemacht wird und ob und von wem der Kunde sein Geld zurückbekommt.
    .
    Worauf es zunächst ankommt, ist die Reaktion des Filialleiters: Der darf sich in so einem Fall nicht anders als bestürzt und schockiert zeigen. Er muss darauf bestehen, dass er in seiner Filiale so etwas niemals vorkommen durfte und zeigen, dass er SOFORT ALLES tun wird, um dafür zu sorgen, das der Schuldige möglichst bald gefunden wird. Denn natürlich steht die Bank gegenüber dem Kunden in der Pflicht. Wenn nicht mit seinem Geld, dann mit ihrem guten Ruf. Keinesfalls kann der Filialleiter so tun, als hätte er damit nichts zu tun, als ginge ihn das alles nichts an, wenn seine Angstellten die Kunden bestehlen. Ansonsten würde ihn jeder vernünftige Mensch notwendigerweise der Mitwisserei und der Mittäterschaft verdächtigen. Denn es gibt ja zwischenmenschliche und geschäftliche Beziehungen diesseits des Anwaltsschriftsatzes. — Ich denke, Sie können das alles so weit nachvollziehen?
    .
    Und wenn ich als AA-Angestellter merke, was meine Vorgesetzten oder Untergebenen so treiben, und trotzdem im Dienst bliebe, statt zu kündigen, dann bin ich eben mitschuld. In den Prozessen gegen die Mitglieder des Politbüros des ZK der SED wurde auch juristisch genau so argumentiert: Wer diesem Gremium einen Tag lang angehörte und an diesem Tag nicht sofort gegen den Schiessbefehl an der Mauer protestierte, nicht sofort Initiative ergriff, diesen Schiessbefehl aufheben zu lassen, der war, jawohl: An der Erschiessung der Flüchtlinge auch persönlich mitschuldig und konnte verurteilt werden.

  148. liebe Vroni, feudale denkweise...
    liebe Vroni, feudale denkweise war wirklich manchmal ziemlich ungesund, nicht nur, aber auch für den adel – der bekam furchtbare halsschmerzen, aber nur ganz kurz.
    ça allait!
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    wenn optisch benachteiligte politiker das desiderat sind, kann man alles beim alten belassen. die ansprechenderen sind dann lediglich dazu da, den kontrast zu markieren.

  149. @HansMeier555
    Sie reden im...

    @HansMeier555
    Sie reden im Kreis herum. Natürlich gibt es eine „Gesellschaft“. Natürlich kann ich dieser Gesellschaft eine Verantwortung zuweisen. Aber das ist doch nur ein Bild. Eine Klammer. Verantwortlich ist, wie der von Ihnen beschriebene AA-Angestellte oder das Politbüromitglied, das Individuum. Es kann sich eben nicht damit herausreden, „die Gesellschaft“ sei schuld gewesen, oder die „SS“. Sie wollen hier einen Gegensatz konstruieren, der so gar nicht besteht. Im Übrigen ist es nicht „meine“ CDU. Und Nazieltern und Nazikinder finden sich auch in anderen Parteien. Deshalb ist die individuelle Verantwortung entscheidend. Ein System kann ich auslöschen. Die Menschen, die ihm gedient haben, bleiben. Sie können nur individuell beurteilt werden. Sippenhaft wollen wir nicht mehr.

  150. "Die Gründung der CDU als...
    „Die Gründung der CDU als überkonfessionelle christliche Partei…“
    Elbsegler, Sie stimmen mich nachdenklich – das C muss natürlich weg, denn das ist nicht nur für Muslime unwählbar. Hat Aygül Özkan schon Vorschläge zur Namensänderung gemacht?

  151. nee, muscat, so weit reicht...
    nee, muscat, so weit reicht meine sozialromantik nicht. experimente wie ‚totale besitzlosigkeit‘ würden ja allein an der begrenztheit sämtlicher ressourcen, hauptsächlich der ressource zeit scheitern. ohne zeitbegrenzung würden sich für jeden fast alle probleme irgendwann einmal lösen. aber auch die begrenztheit aller anderen ressourcen macht eine aufteilung auf alle unmöglich. beispiel tegernsee: wenn jetzt alle den aussagen des don vertrauen und deshalb dort in bester lage wohnen wollten (schauder), wäre die dort eventuell rudimentär vorhandene ahnung von idylle ziemlich schnell dahin. problematischer und moralisch zu bewerten ist vielmehr die erlangung von besitz. was aber von ‚revolutionären‘ gern ausgeblendet wird, die ja selbst nur nach besitz streben.

  152. Zur Ätiologie der...
    Zur Ätiologie der (korrumpierten) Macht (zumal wenn man bedenkt, dass dieser genialistische Strauchdieb Hitler hereditär Syphilissymptome aufwies, die in der Schlußphase seines Daseins Parkinson auslöste, dieser Hinweis mag dahingehend genügen, dass Krankheiten oft/ meistens symbolhafter Ausdruck von geistig-seelischen Abläufen sind, die sich in der Krankheit materialisieren):
    Wer den Wind sät, wird den Sturm ernten. Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden. Gewalt, erzeugt Gegengewalt, also auch Angst, die Gegenangst, die als Ausdrucksweise in Form von Symbolik erkennbar wird. Die Wirkung der Polarität -Formuliert vor 2000 Jahren durch den großen Heiler aus Nazareth- ist ein Naturgesetz welches nicht umgangen werden kann. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Deshalb führt der Kampf gegen eine Krankheit immer zu einem Rückkopplungs-effekt; sie wird im Laufe der Zeit immer schlimmer; sie bildet wie bei der Hydra neue Köpfe. Und deshalb hat die Schulmedizin noch nie eine chronische Krankheit geheilt, weil dieses wegen dem Naturgesetz der Gegenreaktion nicht möglich ist, eine Krankheit durch Bekämpfen zu heilen (der komplette, politisch gewollte Wahnsinn der Pharmaindustie). In Bezug auf Politik ist somit, unter diesem Gesichtspunkt, ein noch viel grösserer Verantwortungsrahmen abgesteckt, als gemeinhin angenommen wird. Wird aber vom Bürger nicht gesehen oder nicht eingesehen.

    Lieber Herr HansMeier555@: Mit Ihrer Feudalismusthese zielen Sie m. E. zu kurz, diese Phase ist unwiderruflich vorbei, wobei ich durchaus Ihrer Intention zu folgen vermag. Sie bekommen die Gesellschaft so nicht mehr in Ihrer postulierten Form eingehegt, das kann man ggf. temporär mit Terror(hier griffe der § 129a, s. Baader-Meinhof-Komplex, RAF) , Betrug und List erreichen, aber nicht mehr auf Dauer. Hier nur der hist. Hinweis, dass es im Übrigen sog. Adels-republiken gab, die aber auch nur für begrenze Zeitabschnitte existierten. Es wird immer wieder zu einer balance of power kommen (müssen).

  153. @V
    Sehen Sie es mit dem C...

    @V
    Sehen Sie es mit dem C nicht so eng. Es ist ein Stück Geschichte.

  154. liebe Leute,
    bitte den...

    liebe Leute,
    bitte den Karl-Heinz Grasser nicht mit Guttenberg und Obama vergleichen, wie kommen die denn dazu! KHG ist die pure hohle Äußerlichkeit, ein BWL-Abfallprodukt
    und vom Gerichtsnotorischen wollen wir gar nicht reden…

  155. Lieber HansMeier555,

    das...
    Lieber HansMeier555,
    das Unglaubliche im Phänomen Gutti liegt nicht im Trivial-Aristokratischen, sondern vielmehr in der Unvorhergesehenheit der medial-reflexiven Bedeutungsüberhöhung dieser Persönlichkeit. Wie wenig Substantielles und wie viele Banalitäten konnte hier genügen, um einen derartigen Star hervorzubringen („Gutti goes Hollywood“) – bis hin zur aktuellen Titanic-Titelseite?
    Das Geheimnis liegt vermutlich in der einzigartigen Kombination von einprägsamen Attributen, die jeweils isoliert betrachtet unverfänglich sind (26 Vornamen, Gel-Frisur, AC/DC, CSU). Das Aristokratische reiht sich in diese Kette der Belanglosigkeiten ebenso ein wie die Sachbücher seiner Gemahlin. Mangels innerem Zusammenhang kann diese Kette eine ganze Weile mit relativ geringem Aufwand fortgesetzt werden, während etwa bei Sarrazin das Pulver schon verschossen ist. Demgegenüber beweist übrigens Kachelmann mit dem selbst verkündeten Ende seiner TV-Präsenz erstaunliche Freiheitsspielräume.

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