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Die Studienabbrecher und das Schicksal

09.11.2010, 19:33 Uhr  ·  Manche machen den Bachelor, andere kommen bis zum Master, viele sind dann arbeitslos und die, die das Studium geschmissen haben, sind dann schon gut in der Karriere vorangekommen: Ohne Abschluss! Was früher ein Skandal und Anlass zur Streichung aller Zuwendungen wäre, ist heute gar nicht mehr so schlimm. Das passiert in den besten Familien.

Von

Oho! Wir Doktoren wissen überhaupt alles!
Arthur Schnitzler, Das Vermächtnis

Als das Schicksal die M. plante, hatte es ein tolles Wochenende hinter sich. Vergnügt gab es der M. eine Schönheit zum Niederknien mit, einen mehr als nur interessant wirkenden Kontrast zwischen den dunklen Haaren des Südens und den stechend blaugrauen Augen der nordischen Meere, die elegante Figur einer spätarchaischen Kore und das einnehmende Betragen einer wirklich guten Tochter. Dann war Mittag. In der Schicksalskantine nahm das Schicksal 250 Gramm Trüffel mit sparsam darüber geriebenen Nudeln, und suchte danach in seiner Kartei der passenden Eltern der kommenden Nacht die besten Apotheker im besten Westviertel einer der besten Städte des Landes heraus. Dann tat es das, was alle Bekannten der M. später gern tun würden: Es kniete sich hin und himmelte die M. verzückt an. Selten war ein Wesen dem Schicksal so gut gelungen.

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Dann spielte es eine Runde Minesweeper, lud sich ein paar Pr0n0s für den Abend natürlich nur als Inspiration für Gestaltung herunter, und als der Sonderauftrag für eine grosse, aber billige Serie neuer, höchst belast- und biegbarer Pressesprecher vom Schicksalschef eintraf, fehlte ihm dummerweise noch die Zeit für einen kleinen Test. Sonst wäre dem Schicksal vielleicht aufgefallen, dass die zentrale Steuereinheit der M. allenfalls durchschnittlich war. Schon in der Schule brandeten deshalb Männer- und Bildungsfluten vergeblich an die M. heran – sie verstand es einfach nicht. Und als sie zum Studieren nach P. an der W. ging, wurde die Malaise erst richtig offenkundig.

 Die M. war einfach nicht dafür geschaffen, die Pharmazeutik wie ihr Vater und Grossvater zu verstehen. Zu hoch waren die Anforderungen, zu ungünstig die Zeiten, da es für einen Abschluss als Giftmischer nicht mehr reichte, aus einer Familie von Giftmischern zu kommen. Und so rasselte die M. ein ums andere Mal durch die Prüfungen, hatte auch lieber Lust, mit mir ab und an essen zu gehen, wo wir stundenlang über nichts plauderten. Dann wechselte sie auf Geheiss ihres Vaters den Studienort, kam auch nicht weiter, wechselte nochmal zu einem anderen Ort, wo ihr Vater wohl jemanden recht gut kannte. Dort bestand sie so lala die Prüfung, die es ihr erlaubte, die elterliche Apotheke zu übernehmen und alles, was über Empfehlungen zur Schönheitspflege hinausgeht, ihren Mitarbeiterinnen zu überlassen. Es läuft, so sagt sie, famos. Das Schicksal, so hört man, ist darüber sehr erleichtert und entwickelt heute Girlies und Bubis für die Berliner Kreativwirtschaft, wo man nicht viel falsch machen kann.

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Vor 25 Jahren wäre jeder andere Verlauf auch eine Tragödie gewesen. Firmen, Geschäfte und Arztpraxen lebten davon, dass die Kinder die Stellen der Eltern übernahmen. Und die Kinder wurden auch frühzeitig so erzogen, dass sie nach dem Abitur kaum einen anderen Wunsch kannten, als ihren Eltern nachzufolgen. Wer da eine abweichende Meinung hatte, dem wurde sie natürlich gelassen: “Du bist 18, volljährig, tu was Du willst und viel Glück bei der Suche einer selbstfinanzierten Wohnung”, lautete nicht selten die elterliche Hilfe bei der Entscheidungsfindung, zumindest in den konservativeren Ecken des besseren Viertels. Gerne wurde dabei auch auf Trottel aus der Nachbarschaft verwiesen, denen keine Steine in den Weg gelegt wurden, und die dann zu ihrer Überraschung entdeckten, dass die gewählte “Klassische Archäologie” eigentlich die eher ungeliebte Kunstgeschichte der griechischen Antike ist, während das Ausgraben, mit dem Jeep durch die Wüste rasen und Zeit zum feiern im Parkcafe haben bei einem Fach names “Vor- und Frühgeschichte” zu finden ist. Studienwechsel! Was für ein Skandal! Was für eine schöne Gelegenheit für Häme!

25 Jahre später, die geknechteten Kinder von damals haben ihre eigenen Kinder durch ebenjene Schulen geschleust, die sie selbst früher hassten, ist so ein Studienwechsel vollkommen normal. Kinder probieren eben rum, bis sie das richtige haben, einmal hat jeder frei, und die Sache mit dem lupenreinen Lebenslauf voller 1A-Praktika ist auch nicht so wichtig, wenn der Vater beruflich die richtigen Leute kennt. Letzthin hörte ich, dass die Kinder Besserverdienender an einer Eliteuni sogar in überfüllten Vorlesungen anderen, weniger Glücklichen Geld geben, damit sie ihnen Plätze freihalten. Wer mit dieser Haltung aufwächst, macht sich vermutlich keine besonderen Sorgen, irgendwann unten, allein und mittellos zu enden. Wenn es am ersten Ort nicht geht, geht man eben zu einem anderen Ort, und man kann es sich leisten, weil die Eltern für diese Zwecke auch stets genug zurückgelegt haben. Und von da aus ist es eigentlich nur noch ein kleiner Schritt zu einem Gedanken, der früher undenkbar gewesen wäre: Warum überhaupt dieses Studium?

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Warum die Plackerei in einem elenden Massenbetrieb, wo man nur noch eine Nummer unter vielen anderen ist? Warum etwas lernen, das man im Beruf nie braucht, warum eine Abschlussarbeit über, sagen wir mal “Kommerzielle Verwertung von social Networks in Zeiten der Wirtschaftskrise” schreiben und auf Englisch übersetzen lassen, wenn allen klar ist, dass diese Arbeit nie gelesen werden wird? Oder, anders gefragt: Wozu überhaupt diese knallenge, auf Streber ausgerichtete Halbwissensmaschine absolvieren, wenn es gar nicht sein muss? Und so kommt es zum neuen Skandal, zur Nachfolge der Studienwechsler: Zu Studienabbrechern im Westviertel. Und nicht alle kann man einfach so in die Berliner Kolonien abschieben und erzählen, der Sohn mache etwas mit Medien: Auch älteren Nachbarn verfügen heute über Internet und Google, ja gar über Facebook-Konten.

Nicht gerade hilfreich ist bei der Vermeidung solcher Skandale die weit verbreitete und gelebte Tendenz der Rebellion gegen das eigene Establishment, sich auf den Abbruch noch etwas einzubilden. So, wie manche Kinder von bildungsfernen Schichten stolz sind, sich auf dem zweiten Bildungsweg nach oben gekämpft zu haben, gibt es inzwischen auch die gegenteilige Haltung: Nämlich die, sich nicht auf die Privilegien der Eltern verlassen zu haben, auf ein schriftgenaues Befolgen aller Forschriften und präzises Sammeln aller Scheine in Rekordzeit zu verzichten und die Meinung vertreten, dass Bewerbungen ohnehin nichts bringen – irgendwann trifft man auf den richtigen Chef, macht es mit einem Handschlag aus und ignoriert seitdem auch das monatliche Gewinsel der Sachbearbeiter der Personalabteilung, doch bitte endlich das NDA unterschrieben zurück zu schicken. Mindestens genauso impertinent sind übrigens die Leute, die nach 10 Jahren einen mittelmässigen Magister zwangsgebaut haben und dann dreist vor Studenten der BWL erzählen, sie hätten als Kunstgeschichtler natürlich keine Ahnung von Wirtschaft, aber trotzdem sässen sie auf jenen Posten, unter denen sich der Nachwuchs eventuell, aber nur bei Wohlverhalten, sammeln dürfte – aber statt Musterschülern hätte man doch lieber Querdenker: Eine direkte Aufforderung an alle verwöhnten Kinder, das lahme Studium bleiben zu lassen und nach Karrieren ohne Abschluss zu schielen. Und bei “was mit Medien”-Jobs ist es ohnehin vollkommen egal, ob man als fertiger Sinologe oder Snowboardhalbprofi einsteigt.

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Und so wird man Zeuge ganz erstaunlicher Entwicklungen: Da sind tatsächlich welche, die ihren Weg jenseits der Universität selbst gehen. Vermutlich aber sind da mehr, die auf diesem Weg nicht zwingend voran kommen und dann nach einigen Pleiten doch wieder bei den Eltern nachfragen, ob sie mal beim Nachbarn nachfragen können, der ja Personalchef ist – auch das scheint möglich zu sein. Manche wie mein in solchen Dingen schon immer fortschrittlicher Bekannter H. werden nicht Zahnarzt, sonder Berufspartymacher, später Eventorganisator und am Ende Wahlkampfstratege für die Partei. Sie landen in irgendwelchen Vertriebsstrukturen recht weit oben, wo man es mit reichen Leuten zu tun hat, die man über das Ohr haut, wie man die eigenen Eltern beim Studium beschummelt hat. Sie sind auf all den merkwürdigen Posten mit englischen Namen, die so gar nichts mehr mit Berufen wie Arzt, Notar oder Mittelständler zu tun haben. Vielleicht, mag mir scheinen, ist der Massenbetrieb der Universitäten nicht wirklich geeignet, den Menschen jene Mengen an überzogenem Selbstwertgefühl, dreister Ignoranz der Risiken und Resten eines nur bei Bedarf zugeschalteten guten Benehmens mitzugeben, die man in der heutigen Berufswelt mindestens ebenso wie einen grandiosen Abschluss braucht.

Wieso jedoch das Schicksal die Produktionslinien so umgestellt hat – das weiss ich auch nicht. Vermutlich, wie überall, wegen Kosteneinsparungen und Synergieeffekten.

 
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Lesermeinungen zu diesem Artikel (168)
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Betr.: Blog v. 07-11-10...

Betr.: Blog v. 07-11-10 Werbung auf ihren Internetseiten Sehen Sie nach entweder auf der Seite von Computer-Bild.de oder direkt Mozilla Firefox.de unter den Add-one. Dort bekommen Sie für die jeweilige Version ihres Internetzugangs ein Programm das alle Werbung abschaltet. Sie brauchen diesen Add-one nur installieren es sind keine Einstellung nötig. mfg

0 BertholdIV 09.11.2010, 20:14 Uhr

@DA sehr schön, wie ein...

@DA sehr schön, wie ein Schlendern am Samstagnachmittag in sagen wir einer mittelgroßen Stadt in der Oberpfalz, wenn die Läden langsam zu machen und man sich an die Zeit erinnert als man in dieser Stadt aufs Gymnasium ging. Wehmut nach M.?

0 donalphonso 09.11.2010, 20:16 Uhr

Ich war heute in München an...

Ich war heute in München an der Uni und habe was vorgetragen - nein, keine Sehnsucht, keinen Funken. Ich glaube, ich wäre ein gar nicht so arg beliebter Lehrer. (Und das wollte ich sowieso nie: Irgendwo vorne stehen und gelangweilten Studis Pflichtvorträge halten).

0 Der Tiger 09.11.2010, 20:28 Uhr

Da kann ich nur trocken...

Da kann ich nur trocken hinzufügen: Ein sehr großer Vorteil meines plötzlich eingestellten Gehalts war, dass ich die Tigerbabys nicht verwöhnen konnte. Sie verstanden sofort, dass sie so schnell wie möglich durchstudieren und auf eigene Füße kommen mussten.

0 colorcraze 09.11.2010, 20:28 Uhr

@DA: ich soll das jetzt aber...

@DA: ich soll das jetzt aber nicht dermaßen als Selbstironie verstehen, daß der Vortrag sich über was mit Medien befaßte?

0 Don Ferrando 09.11.2010, 20:32 Uhr

War es nicht schon immer so,...

War es nicht schon immer so, daß sich in den Familien "Ausreißer" befanden? Bei den zu G. in Oberfranken ein Dirigent, bei der Familie M. an der Donau ein Kunstgeschichtler etc pp. Nun hat man eben auch Studienabbrecher, die dann dennoch am Tegernsee leben können!

0 Dr. Hoinz 09.11.2010, 20:36 Uhr

Herzlichen Dank für Ihre...

Herzlichen Dank für Ihre großartige Analyse. Eine weitere Ursache neben den multiplen Synergieeffekten könnte die immer früher einsetzende Förderung der Sozialkompetenz, Teamfähigkeit und anderer soft skills sein. Das Ergebnis sind dann Führungskräfte, die unaufhörlich "Dinge ANSTOSSEN", die dann von den Leuten "auf der Arbeitsebene" UMGESETZT werden. Die Ergebnisse werden dann EVALUIERT und über allem steht eine Compliance-Architektur. Wenn dieser Prozess erst GELEBT WIRD, ernährt sich das System dann von selbst und bietet auch für viele EMOTIONAL INTELLIGENTE Studienabbrecher ein unerschöpfliches Betätigungsfeld.

0 HansMeier555 09.11.2010, 20:48 Uhr

Was ist denn das für eine...

Was ist denn das für eine Behörde auf den Bildern? So ruhig und aufgeräumt. So sieht doch keine Uni aus. Eher das Landratsamt oder Landgericht.

0 colorcraze 09.11.2010, 20:57 Uhr

@Dr. Hoinz: so liegen die...

@Dr. Hoinz: so liegen die Karten. Eben drum kann es nicht verwundern, wenn sich so einige für Spaß haben, heiraten, Kinder kriegen entscheiden.

0 Unverlangt eingesandt 09.11.2010, 21:21 Uhr

Gebrochene Erwerbsbiographien...

Gebrochene Erwerbsbiographien oder so aehnlich umschreibt man es in der globalisierten Welt sehr gerne und alles geht sein' (sozialistichen) Gang in jenem Amt mit dem unaufgeregten Ambiente.

Sehr schön geschrieben, Don!...

Sehr schön geschrieben, Don! Ich komme immer mehr auf den Geschmack. Da ich mir heute auch noch parallel eine 'titanic' und den SPIEGEL reingezogen habe, kommt man langsam auf die Bandbreite dieser deutschen, insgesamt doch erstaunlich glücklichen Bevölkerung. Diese Deutschen stellen nichts in Frage, schon gar nicht sich selbst; sie plaudern bloß und ziehen aus der Plauderei ihre Schlußfolgerungen. Sie sind entspannt, wie man so schön sagt. Und diese Entspannung ist offenbar wohlweislich durch die Wahl eines geeigneten intellektuellen Referenzrahmens erreicht worden. So könnte ich zwar nicht leben, aber ich respektiere dies langsam immer mehr als Lebenshaltung. Man lernt ständig dazu....

0 HansMeier555 09.11.2010, 21:54 Uhr

Dr. Hoinz, . schon immer haben...

Dr. Hoinz, . schon immer haben Herren kommandiert und mussten die Knechte springen, schon lange bevor irgendwer anfing, Führungskräfte nach formalen Qualifikationen zu fragen. . Wenn wird das Bafög erstmal komplett abgeschafft und wirklich prohibitive Studiengebühren eingeführt haben werden, wird auch niemand mehr da sein, der sich noch über die mittelprächtigen Studienabschlüsse der Leistungsträger auf der Kommandoebene lustig machen könnte. . So, und jetzt wieder an die Arbeit. Hü!

Es geht auch anders. Es muss...

Es geht auch anders. Es muss ja nicht unbedingt Pharmazie sein, das ist naturwissenschaftlich und nicht jedem gegeben. Lassen wir das Kind doch Altertumskunde an einer dafuer bekannten suedwestdeutschen Universitaet studieren. Ein beliebtes Fach fuer heirats-und aufstiegswillige junge Damen. Es wird kein Zufall sein, dass sie Bekanntschaft macht mit einem nicht ganz attraktiven jungen Mann aus gutem Hause mit einem gut vernetzten C-4-Papa. Der junge Man ist brillanter als die Dame. Er ist gar so brillant, dass er zwei Promotionsarbeiten schreiben kann: seine und ihre. Eventuelle Auffaelligkeiten werden innerhalb des Netzwerkes verschleiert. Der junge Mann, wohl wissend um seine maessigen Chancen auf dem Heiratsmarkt, begehrt dieses huebsche weibliche Geschoepf gar sehr, und da sie ihre Moeglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt realistisch einzuschaetzen weiss, laesst sie sich nicht uebermaessig lang zur Heirat draengen. Herr Dr. und Frau Dr. -plus ein Prof. Dr. als Schwiegervater, Herz, was begehrst Du mehr? Nun muss Papi nur noch eine der raren Stellen in irgendeinem Museum finden (er ist Rotarier, das kann also garnicht schiefgehen), schon ist die heile Akedemikerwelt vollendet. Aber wehe, wehe, wehe/ wenn ich auf das Ende sehe. (Fortsetzung folgt. Eventuell.)

0 Frundsberg 09.11.2010, 22:31 Uhr

Früher hat man sich das...

Früher hat man sich das Officiers-Patent gekauft, heutzutage ist es das Honorarkonsulsbapperl "CC" an der fahrbaren P***verlängerung. Einige Studiosi der Zahnklempnerei haben die Prothetik allenfalls durch den von ihnen während des Studiums ... pardon, der Dauer ihrer Immatrikultion ... besoldeten Dentisten kennengelernt, spätere Staatsanwälte und Richter liessen sich während des Studiums durch die Klausuren schleppen, ihre Hausarbeit wurde vom Ghostwriter in NRW geschrieben; andere kaufen sich Adels"titel" und riskieren - oft als nescientes der Fußnote im Gotha als nichtadelige Namensträger - das Mitleid der Stagenos - die Liste ist Legion. Vanitas vanitatum et omnia vanitas. Von ehemaligen und lebenden Vertretern unserer polis mit dubiosen Doktortiteln ganz zu schweigen. Warum, Euer Liebden, sollten wir uns deshalb noch über Studienabbrecher mit anglizistischen Titulierungen mokieren ? Allenfalls, weil der nicht autorisierte Sansculotte in uns keine Ruhe gibt.

@Dr. Hoinz Full Ack. Die...

@Dr. Hoinz Full Ack. Die intelligenteren unter den Schaumschlägern genießen es sogar ein bisschen, wenn Leute auf der Arbeitsebene merken, dass sie verarscht werden, sich aber nicht dagegen wehren, weil ihre jämmerliche Existenz oder zumindest die minimale Chance zur Realisierung ihrer nicht minder jämmerlichen Ambitionen davon abhängen, dass sie mitspielen.

0 Folkher Braun 10.11.2010, 02:20 Uhr

Ja und, ich habe in meiner...

Ja und, ich habe in meiner Diplomprüfung 1973 noch Vons und Zus erlebt, die haben nach der bloßen Lektüre der Aufgaben in der schriftlichen Prüfung das Heft zugemacht und sind nach Hause gegangen und waren kurze Zeit später Pressereferent in der in Deutschland ansässigen Bank, die auch eine Elektroabteilung und eine eigene Gewerkschaft unterhält (hielt). Der Don versteht nicht aufgrund seiner besitz- und leistungsbürgerlichen Herkunft, dass es schon in der vor-kapitalistischen Produktion es sogenannte "Sprechposten" gab. Also Arbeitsplätze, wo keine messbare Leistungen zu erbringen waren, sondern nur Plappern. Das hat im 16. Jahrhundert jemand moniert in irgendwelchen 95 Thesen, was aber nach 30 Jahren Glocke-Einschlagen im Jahrhundert darauf, sich als eine zweite Sprechposten-Fraktion herausbildete. Heute fährt die besoffen über rote Ampeln, was eine zu vernachlässigende Fehltat ist, wenn man sich die (Sprech-) Leistungen ihrer Vorgänger ansieht (z.B. Zeitschrift für evangelisches Kirchenrecht). Ich bin beruflich in der Hauptsache mit schweren Stahlteilen beschäftigt. Letztens bekam ich erklärt, dass so eine Konstruktion besonders "stylisch" sei. Wir kennen in der Branche normalerweise nur Bleche, Knotenbleche, geschweißte oder gewalzte Bleche, aber keine stylisch(e) Bleche. Ich nehme an, hier handelt es sich so um ein Konstrukt, was nach Abbruch von Studiengängen wie altgriechische Philosophie, deutsche Politikwissenschaft, amerikanischer Kommunikationswissenschaft etc . und Stranden als Hilfs-Praktikant in einer Eisenbieger-Bude als letzte Überhöhung des eigenen Verständnisses von der Welt über das profane Biegen von Eisen in die Öffentlichkeit "transportiert" wird. Eisen läuft ja nicht selber, das muss gefahren werden. Nach meiner Erfahrung entlarven diese Charaktere sich durch die Verhunzung der Sprache. Genau so, wie das Nachrichtenmagazin aus Hamburg vor 25 Jahren beschloss, "das hat keinen Sinn" durch "das macht ..." zu ersetzen, und jeder Sprachtrottel ist drauf eingestiegen, weil, das weist ja darauf hin, dass wir ja weltläufig inklisch können, muss man sich über die jüngsten Gewürge dieser - im Marxschen Sinne unproduktiven - Plappergesellschaft nicht zu wundern. Das Schöne ist nur: ihre Sprache verrät sie und sie merken es nicht. gruß fb

0 Il Signor Bruschino 10.11.2010, 07:34 Uhr

Vielleicht ist es Ausdruck...

Vielleicht ist es Ausdruck einer Gesellschaft, welche schon lange Bildung und Ausbildung nicht zu unterscheiden weiß und in der die Universitäten schon seit Jahrzehnten in der Hauptsache halbstudierte Proleten ausstoßen, daß es sich schlicht nicht mehr zu lohnen scheint, ein Studium ernst zu nehmen. Die Anzahl derer, die ihre Studien zur persönlichen und weniger finanziellen Bereicherung betreiben, dürfte gering sein und die Anzahl derer, die den Unterschied noch erkennen könnte schrumpft.

0 BertholdIV 10.11.2010, 08:19 Uhr

@filou apropos schreiben...

@filou apropos schreiben zweier promotionsarbeiten. besser ist noch der betreuer der dame bei ihrer promotionsarbeit (typischer oberassistentenjob) zu sein. nach bewertung der arbeit kann man dann die liaison auch öffentlich machen. solche fälle soll es gerüchteweise schon gegeben haben

0 donalphonso 10.11.2010, 08:45 Uhr

coloorcraze, es ist natürlich...

coloorcraze, es ist natürlich eine Ironie. Und zwar eine bittere. Aber mei, ich sage allen: Werdet Bäcker! Ihr habt nichts zu verlieren ausser einem Job, der Euch im Westviertel nichts bringt. . Der Tiger, ich fans Langzeitstudium ja eine feine Sache, ganz ehrlich. Und ich bin froh, zu den letzten zu gehören, die das noch tun konnten. Ich Fossil, ich.

0 donalphonso 10.11.2010, 08:49 Uhr

Don Ferrando, vielleicht ist...

Don Ferrando, vielleicht ist es die reduzierte, zeittypische Version des "schwarzen Schafes" - aber wäre es so, dann sind schwarze Schafe auch nicht mehr das, was sie einmal waren. . Dr. Hoinz, nicht zu vergessen, das Commitment, das alle dazu enabled, die nicht freigestellt werden und dann ein Vomitment übernehmen.

Es gibt heute ein Zuviel an...

Es gibt heute ein Zuviel an MBAs (Managing By walking Around) - there are too many chiefs/MBAs and not enough Indians (FacharbeiterInnen). In der Schweiz wird's zukünftig mehr Fachhochschulen geben.

0 donalphonso 10.11.2010, 08:52 Uhr

HansMeier555, in den...

HansMeier555, in den Hinterhöfen der LMU München. . yast2000, danke, ich persönlich schreibe das hier schon auch, um ein wenig den Druck aus den Erregungsmedien rauszunehmen, der gerade ziemlich gut fühlbar ist. Von Plaudereien finde ich ehrlich gesagt fast nichts, das meiste ist ZackZack und unter 3000 Zeichen.

0 gheluveld 10.11.2010, 09:02 Uhr

Ich wüsste gern, wie groß...

Ich wüsste gern, wie groß die Zahl der Nicht- Grundsicherungs-Abhängigen 28 bis 35 jährigen ist, die von Ihren akademischen Elteren aus Scham im Hause gehalten weden, damit ihr Name nicht auf dem Amt amtlich wird. In meiner Verwandschaft ist ein Fall , wo die Eltern die Villa verkaufen wollen, der 29 -jährige Sohn dort verbleiben soll, weil man ihn nicht aus dem Haus bekommt.

0 donalphonso 10.11.2010, 09:06 Uhr

Filou, nun, das ist zwar die...

Filou, nun, das ist zwar die traurige Realität im schöngeistigen Wissenschaftsbetrieb, aber eine Perspektive sind solche abgewetzten Museumsbüros auch nicht mehr, wenn man eine Stellung zu verteidigen hat. Allerdings hört man bisweilen, dass auch kleinere, hochgeistige Ecken in öffentlich-rechtlichen Sendern (Tonkunst, Wortspiel) mitunter ganz erstaunliche Karrieren zeitigen. . Frundsberg, nun, positiv ausgedrückt ist der Studienabbrecher die herausgestreckte Zunge gegen das - oft auch nicht bessere - Establichment. Während der New Economy gab es sogar ein paar, die erst zurückkamen, wenn sie den Sportwagen geleast und die Altbauwohnung gemietet hatten, um andere zu einem ähnlichen Weg zu bewegen. Es war nicht eben eine gute Idee, wie man gesehen hat. Und die aktuellen Studiengänge machen das Bleiben ja auch mit Druck "einfacher".

0 HansMeier555 10.11.2010, 09:16 Uhr

Statt MBA-Schmieden bräuchte...

Statt MBA-Schmieden bräuchte man zünftige Ritterakademien, wo man auch das Reiten mit Rüstung und Lanze lernt. Oder wie man einen Grizzlybären mit dem Dolch tötet. American Football sowieso. . Für mutige Entscheider. In der Chefetage brauchen ist kein Gelehrtenwissen, sondern sondern Charakter gefragt. . Für die fachliche Expertise gibt es Fachleute, welche zu produzieren die natürliche Aufgabe der Pfarrhäuser und Bildungsbürger sein sollte.

0 donalphonso 10.11.2010, 09:17 Uhr

Folkher Braun, das angenehme...

Folkher Braun, das angenehme ist doch, dass es Branchen gibt, die zwar Frühstücksdirektoren aufweisen - die eigentliche Arbeit wird dann von Fachkundigen übernommen. Ich kenne solche Fälle übrigens kaum von den Informatikern und Maschinenbaueren, die sind eher die ruhigen Durchmarschierer. chlimm wird es erst, wenn die Techniker ein Produkt haben und das Marketing dazu eine Anwendung erfindet. Und das ist dann auch der Grund, warum ich so gern marketingfreie, aber funktionale Dinge mag. Meine Mouligratin zum Beispiel. Alte Rennräder. Biedermeier. . Il Signor Bruschino, sicher ist das so. Und durch die neuen Studienordnungen noch mehr. Ich bin froh, während meiner Zeit rechts und links am Wegesrand grasen zu können. Das hat mich beruflich zwar nicht weitergebracht, aber man schätzt es, wenn ich hier und dort in Kirchen gehe und ohne etwas darüber zu wisse den Bau aus dem Stegreif erklären kann. Der Gehaltsscheck ist nun wirklich nicht das ganze Leben.

0 donalphonso 10.11.2010, 09:20 Uhr

fionn, ich möchte das hier...

fionn, ich möchte das hier keinesfalls auf die Fachhochschulen bezogen sehen, die sind wirklich noch anders, auch wenn ich aus Gründen der Gesichtswahrung Kinder dort nie hinschicken würde (zumal die ja auch in eine andere Stadt sollen). . gheluveld, nun, nicht gering, das Leben bei den Eltern hat eben Vorteile. Und die Zahl derer vergrössert sich stets mit den Scheidungen - das sollte man nicht vergessen.

0 Don Carlos 10.11.2010, 09:28 Uhr

faszinierenderweise und...

faszinierenderweise und völlig unerwartet (vorurteile), waren die interessantesten und attraktivsten studentinnen im studiengang mathematik zu finden. - mal ehrlich: arbeit dient doch heutzutage nicht mehr dazu, werte zu schaffen und seinen lebensunterhalt zu verdienen. arbeit ist beschäftigungstherapie, 'damit einem zuhause nicht die decke auf den kopf fällt' oder 'ich würde auch arbeiten, wenn ich kein geld dafür bekäme'. oder wie erklären sich jahrelange praktika für eine geringe 'aufwandsentschädigung' oder arbeitsverhältnisse, deren lohn man sich beim sozialamt abholen muß? - wenn menschen zur arbeit gehen, damit sie jemand beschäftigt und sie sich nicht zuhause ob des miserablen fernsehprogramms zu tode langweilen, dann bedeutet arbeit nichts anderes als eine vergnügungssteuerpflichtige freizeitbeschäftigung. und 'unternehmer' verkommen zu animateuren, die dem leben von menschen einen inhalt geben, die ohne diese 'arbeitstherapeuten' morgens den arsch nicht aus der koje bekämen. - weshalb sich auch niemand daran stört, daß so ein niedriglöhnerdompteur das entgelt für die leistungen seiner selbsthilfegruppe einstreicht, während deren lebensunterhalt sozusagen von der krankenkasse als unterhaltsbeihilfe gezahlt wird. denn vollbeschäftigung ist möglich. auch wenn es derzeit noch keine abnehmer für die in vollbeschäftigung erzeugten waren gibt. der neueste boom zur untertanenbeschäftigung scheint die suche nach rohstoffen zu sein. deutschland ist ein rohstoffreiches land, gold, kupfer, fluß- und schwerspat, öl - plötzlich alles da! denn in zeiten, da arbeit nur gegen entlohnung geleistet wurde, lohnten sich derartige unternehmungen nicht. als therapieeinrichtungen für arbeitsgeile sind sie jedoch unschlagbar. brot und arbeit! - nur die jugend hat's wieder nicht begriffen. sie denkt, sie könne sich ihre hobbies aussuchen, könnte auch ohne berufs- und studienabschluß gedankenlos einer inhaltsleeren tätigkeit nachgehen. leichtfertig und ohne gewissensbisse hartzvier einstreichen und den tag genießen, statt für dasselbe geld ihrer gesellschaftlichen verpflichtung nachzukommen, einen anderen schlaumeier mit kontakten zur politik durch einsatz ihrer zeit, kraft und gesundheit reich zu machen und sich dafür wie ihre eltern täglich in erinnerung rufen zu lassen, auf welcher niedrigen stufe des darwinismus sie stehen. - das leben ist kampf und arbeit muß scheiße sein. bei der vermittlung dieser grundlegenden werte unserer gesellschaft haben eltern und schulen versagt. die jugend genießt ihre freie zeit in armut, anstatt ihre wertlosigkeit durch unterwürfige bewerbungsschreiben an potentielle 'arbeitgeber' und stummes ertragen des schicksals als überflüssiges mitglied der gesellschaft in einer zeitvergeudungsmaßnahme zu akzeptieren und zu dokumentieren. hier besteht noch ein weites feld, das mit staatlich geförderten maßnahmen durch gute freunde der politik beackert werden könnte. - oh scheiße, ist der kommentar lang geworden...

Super, dann bin ich mit meinem...

Super, dann bin ich mit meinem Bäckersmann ja "fully hätscht"! . LaRou46, danke für den Hinweis. . Darf ich noch mal daran erinnern? Studere (lat.) = sich bemühen (zumindest dann, wenn´s drauf ankommt). Für Verlegenheitsstudenten natürlich ein hartes Brot; genauso wie Jobs, die man sich nicht selbst ausgesucht hat.

Sowas gibts im oeffentlichen...

Sowas gibts im oeffentlichen Dienst auch. Einer meiner Kollegen ist der Sohn eines Staatssekretaers i.R.. Faehigkeiten jenseits des Sozialen und der Kompetenzvortaeuschung hat er keine. Insbesondere im Bereich der Logik, und der Notwendigkeit, bei einer Ansammlung komplexer, und teilweiser widerspruechlicher Fakten die wichtigsten herauszufiltern und zu ordnen, liegen schwere Defizite vor. Also laesst er sich seine Fall-Loesungen in Kollegenkreis erarbeiten. (Sowas nennt man dann "Konsultation".) Aber es ist faszinierend (und sehr amuesant), zu sehen, wie ueberzeugend er anschliessend unser Denken als sein eigenes verkauft. Es liegt wirklich ein eigenes Talent darin! Wenn er jetzt auch noch unsere Erklaerungsversuche fruehr als im fuenften bis sechsten Anlauf kapieren wuerde und irgendwann von unseren Anstrengungen mal was haengenbliebe, waere ich schon sehr gluecklich.

HansMeier, Sie alter...

HansMeier, Sie alter Sarrazene, Sie!

0 donalphonso 10.11.2010, 09:40 Uhr

Stephen, und vermutlich kann...

Stephen, und vermutlich kann man diesen Erfahrungspantagruel auch nicht absägen, weil: Öffentlicher Dienst. . Don Carlos, lang, aber fein und sehr überlegenswert! Aber im Ernst, es ist ein Witz, wenn die einen durch Leistungsdruck die Nase aus dem Büro nicht herausbekommen, weil der Rechner immer neue Modelle zur Ertragsoptimierung aufzeigt, und die anderen mehr arbeiten müssen (35-Stunden-Woche war auch mal im Gespräch, und dritte eben alle viere von sich strecken.

Werter Don, durchaus treffend...

Werter Don, durchaus treffend beschrieben, wenngleich das Drama mit dem Hochschulabschluss im Allgemeinen nicht beendet ist. Im günstigsten Fall tritt das von Ihnen beschriebene Szenario ein - der Nachwuchs übernimmt das Geschäft der Eltern, drangsaliert die Mitarbeiter und treibt in den wirklich üblen Fällen am Ende das Geschäft in den Ruin. Im ungünstigen Fall (Eltern ohne eigenes Unternehmen oder dieses bereits an erstgeborenes Geschwister vergeben) wird ein Angestelltenjob übernommen wo man sich durch 'soft skills' mit 'failing upwards' nach oben arbeitet, wobei man mit den karriereorientierten 'overperformern' aus der Mittelschicht konkurriert, welche seit Kindesalter mit pharmazeutischer Unterstützung (Ritalin etc. - der Kreis zur Apothekerfamilie schließt sich) hierauf getrimmt wurden.

0 Observator 10.11.2010, 10:44 Uhr

Hübsch beschrieben, das...

Hübsch beschrieben, das Hadern mit der ungeliebten, doch als notwendig erachteten Universitätsbildung, werter Don! Ich habe nichts gegen Langzeitstudenten, wenn sie sich wirklich für ein Fach interessieren, selbst wenn das Interesse nur sporadisch aufleuchtet. Es gibt da eine Grenze zwischen solchen Langzeitstudenten und Studenten, die das Studentendasein selbst nach Jahrzehnten nicht aufgeben wollen, weil sie nicht dazu in der Lage sind, ihr Leben zu strukturieren, doch das sind seltene Fälle und letztendlich tatsächlich klinische Fälle. Studienabbrecher sind mir ebenfalls sympathisch, denn sie ziehen wenigstens die richtige Konsequenz. Wen ich hingegen nicht mag, das sind die Studiensimulanten, die Titelkäufer und Copy-and-paste-Jongleure. Die sind nur peinlich und da sie - zumindest die paar Vertreter und Vertreterinnen jener Spezies, die mir bislang unterkamen - tatsächlich aus den Westvierteln und nicht aus Proletarien stammen, sollten sie besser gleich nach dem Abitur auf ein Versorgungspöstchen weiterrücken. Doch dort könnten sie natürlich nicht ein Elite-Dasein simulieren, wenn ihnen der Nachweis "höherer" Bildung fehlte. VIelleicht ließe sich das Problem ja lösen, wenn offen zugegeben würde, dass Bildung in unserer Gesellschaft eben keine conditio sine qua non der Oberschichtzugehörigkeit darstellt. Ebensowenig wie Anstand, Würde und ähnliche petitessen.

Werter Don, was lesen sie...

Werter Don, was lesen sie denn? Ich nehme an an der LMU irgendwas im Bereich Germanistik? Sind sie öfter zu hören? Zum Studium muss gesagt werden, dass es sehr stark auf die Fächerwahl ankommt. Ich denke oben beschriebenes Phänomen findet sich stärker in geisteswissenschaftlichen Fächern. Ich glaube kaum, dass es vermehrt in Studiengängen wie Maschinenbau, Informatik, Mathematik usw. an besseren Unis zu finden ist. Dort hören die Personen eher auf, weil die geforderte Leistung nicht gebracht werden kann. Und diese Studenten sind pragmatischer, meistens wesentlich leistungsorientierter und haben einen anderen Hintergrund(Kein Westviertel, sonder welche die ins Westviertel wollen). Die Personen die aus monetären Interesse ein Zahnmedizinstudium aufnehmen weil der Vater eine Praxis besitzt in einem Viertel mit sehr viel Privatversicherten gibt es immer noch. Oben beschriebenes Phänomen findet man erstaunlich oft auch bei gewissen schlagenden Verbindungen, da wird dann von BWL zu Germanistik oder Geschichte gewechselt, weil die Sauferei und Fechterei nicht mehr genug Zeit zum Studium lässt, aber man sich selbst als Germanist erhofft durch die durch Saufen und Fechten gewonnen Verbindungen zu einem Posten zu kommen. Gewisse Fächer laden immer noch zum Bummelstudium ein, Bachelor hin oder her. Und dass vor kurzem in dieser Zeitung eine Frau die selbst auf Magister studiert hat eine Studie vorgelegt hat, dass heutige Studenten zuviel Zeit hat und dies versucht hat mit "leistungsverweigerungs Studiengängen" zu belegen, bzw. meint sich dazu eine Meinung bilden zu können ist sehr erschreckend. Ich weiß, alles sehr wirr und nicht wirklich zusammenpassend. Musste ich aber gerade einmal loswerden.

0 donalphonso 10.11.2010, 11:14 Uhr

Ich war als...

Ich war als Demotivationssprecher bei den Masterstudenten Journalistik.

0 donalphonso 10.11.2010, 11:16 Uhr

(Das sind die hochmotivierten...

(Das sind die hochmotivierten Leute, die später mal mit dem Karriereturbo in Redaktionen einlaufen, deren Fussböden leider aus Löchern und flüssigem Beton bestehen)

Andererseits: wie gerne haette...

Andererseits: wie gerne haette ich in aller Ruhe vor mich hin studiert; ein wenig Philosophie hier, ein bisschen Musikgeschichte da, mal schauen, was Jura fuer mich haette bedeuten koennen, um dann nach vier durchbummelten Semestern das Fach meiner echten Zuneigung und Liebe zu finden. Dies alles in einem Freundeskreis, der sich engagiert dem Banalen wie dem Wissenserwerb gleichermassen hingegeben haette. Ach, waere das schoen gewesen! Die normative Kraft des Faktischen jedoch, bestehend aus Geldknappheit, verinnender Jugend, schiefen Blicken und dem Schreien der Welt nach Leistung, Leistung, Leistung- egale welche, Hauptsache vorzeigbare (!) Leistung, verdarb einem die produktivste Zeit des Lebens. Man hat sich arrangiert. Es geht auch so. Werde ich jemals wiedergeboren, was verhuetet werden sollte, moechte ich ein Langzeitstudent werden, einer, der gelassen der hetzenden Welt zuschaut, seine Buechlein liest, seine Maedchen kuesst, nach Paris und Rom reist und spaeter als Professor seinen Studenten die rechte Lebensart beibringt. Hae? Ja, ich weiss, das hat es nie, oder selten, gegeben. Aber waere es nicht ein Ziel, fuer das zu kaempfen sich lohnte? Also, auf die Barrikaden! Gegen das verdummende Leistungsprinzip. Erwerbt Wissen ohne Zwaenge! Seid fleissig, weil es Freude macht-und nicht weil man es sein MUSS!

0 Der Tiger 10.11.2010, 12:27 Uhr

Don, ich bin auch ein Fan von...

Don, ich bin auch ein Fan von langem Studium. Aber es ist nicht so, dass das Studium aufhört, wenn man die Universität abgeschlossen hat. Ich habe einen Doktor in Kartographie mit Mathematik als Nebenfach, und so viel Philosophie, wie man sich nur wünschen kann. Auf der Basis von Kartographie und Mathematik fing ich an zu programmieren. Das musste ich aber erst in langen Nächten lernen. Als der Hacker ein erfolgreicher Hacker war, wurden ihr immer größere Softwareprojekte anvertraut. Große Softwareprojekte zu organisieren, sind aber auch eine Kunst für sich, und wenn man nicht rechtzeitig die Methode studiert, fällt man in die Falle des Mythical Man-Month (Fred Brooks). . Wenn die Ingenieure (oder die Marketingfritzen) Fehler gemacht hatten, musste ich nachverhandeln, und dann beschlossen die Chefs irgendwann einmal, lassen wir die Frau doch gleich zu anfangs die Verträge verhandeln. Der größte Vertrag, den ich verhandelt habe, war über 800 Millionen Euro in 125 Unterverträgen – dazu muss man nicht nur verhandeln können, sondern auch ausreichend Vertragsrecht kennen = lernen. . Der letzte Chef meinte, er brauche einen Internen Auditor der Mut hat und versteht, Fehler in der Vertragsvergabe ans Lichts zu ziehen. Er war allerdings auch gescheit genug, mich erst einmal auf einen teueren Kurs zu schicken. Das Handbuch dazu war die langweiligste Lektüre, die ich mir je zugemutet habe. Und da war ich schon über fünfzig. . Seitdem habe ich keinen Chef mehr, und arbeite auf eigene Faust und Verantwortung an meinem Rechtsfall – was de facto ein sehr kompliziertes Zusatzstudium in europäischem Recht ist.

kaktus, ihre hohe Meinung von...

kaktus, ihre hohe Meinung von den Studenten der MINT-Fächer (wie das heutzutage gerne genannt wird) kann ich nicht teilen. Unternehmersöhne, die Maschinenbau studieren gibt es auch und Leistungsorientierung ist eigentlich eine hübsche Umschreibung für Fachidiotentum. Zu meiner Zeit im Maschinenbau wurde man oft ziemlich schräg angeschaut, wenn man eine Vorlesung besuchte, zu deren Besuch man nicht durch die Prüfungsordnung gezwungen war - heute hat der Bachelor-Student dafür gar keine Gelegenheit mehr...

Lieber Don, der...

Lieber Don, der Erfahrungspantagruel versucht seit langem, auf einen Posten in Bruessel weggelobt zu werden, wo er eine Art gehobener Brieftraeger fuer Politikentwuerfe waere. Das wird wahrscheinlich auch irgendwann klappen. Unsere besten Wuensche begleiten ihn.

0 Maximilian zu Geistreich 10.11.2010, 14:16 Uhr

Nirgendwo können sich...

Nirgendwo können sich Studienabbrecher so gut zurückziehen wie in den ländlichen Dörfern und ihren Seen, so auch dem Tegernsee, in Berlin hingegen muss man sich behaupten. Die sog. "Versager" müssen dann zurück in ihre Provinzen, halten aber von dort zumindest noch via Internet und mittels Techniken Kontakt zur Welt, die wiederum grossteils Studienabbrecher entwickelt haben.

0 colorcraze 10.11.2010, 14:39 Uhr

@DA: Demotivation, soso... hat...

@DA: Demotivation, soso... hat das beim Master denn noch einen Sinn? Ich meine, wenn man schon nach dem Bachelor nicht gemerkt hat, daß man damit seinen Lebensunterhalt nicht verdienen kann... das zweigliedrige Studium sollte ja gewissermaßen by design für eine Denkpause sorgen. Wiewohl es mich nicht wundert, daß diese dann nicht wahrgenommen wird: einfach mangels Alternativen, die Studienabbrecher wohl meist (ich schließe mal von denen, die ich kennengelernt habe) irgendwann sehen.

0 colorcraze 10.11.2010, 14:51 Uhr

@Stephen: tja, wenn Ihr...

@Stephen: tja, wenn Ihr "Pantagruel" nach dem 2. statt nach dem 6. mal verstehen würde, hätten Sie richtig Glück mit ihm. Die Chefs, die sich weigern, zu cheffen und stattdessen gern teilzeit ein bißchen Angestelltenarbeit machen, wachsen sich nämlich in größeren Abteilungen zu einer echte Plage aus. Auch nicht das, was man will und braucht.

"Die Jurend, wie gaaastich is...

"Die Jurend, wie gaaastich is die Jurend!" (Chor der Rentnerkommentatoren unter der Leitung von Hans Meier-Uralt)

0 specialmarke 10.11.2010, 15:10 Uhr

Also, ich erinnere mich noch...

Also, ich erinnere mich noch sehr gerne an die Zeiten in Berlin mitte der 70er Jahre, als es an der FU rund 800 Hauptfachstudenten im Fach Ethnologie gab und 2 000 Studierende im Nebenfach. Das Institut bestand aus einer kleineren, etwas heruntergekommenen Dahlemer Villa, hatte zwei Professoren, eine Sekretärin und eine Bibliothekarin. Ich verfügte bereits über eine Berufsausbildung und erfolgreiche Berufspraxis, hatte alllerdings ein großes Bedürfnis herauszufinden, "was die Welt im Innersten zusammenhält". Es wurde ein sehr anregendes Jahrzehnt für mich, das auch genügend Raum ließ, das andere Geschlecht kennenzulernen, mich mit dem Bau historischer Instrumente zu beschäftigen, Freud zu lesen, sehr viele Filme zu sehen, Bibliotheken und Museen zu durchstöbern, meine physischen Grenzen auf Touren durch die Alpen zu erproben...Gelebt habe ich von BaföG, von der wöchentlichen Reinigung einer Kohlenhandlung, einem Job als Schreibkraft in einem wissenschaftlichen Projekt, wo man händeringend jemanden suchte, der auch Fremdwörter richtig schreiben kann und weiß, um was es geht... Die beiden Wissenschaftler hatten allerdings dann regelmäßig Diktierblockaden...Später wurde ich in Teilzeit oder projektgebunden wieder in meinem alten Beruf tätig; der Studentenstatus mit billiger Krankenversicherung und Monatskarte für die Berliner U-bahn war gewissermaßen mein Hartz IV. Der Studienabbruch ergab sich notwendigerweise aus der Gründung einer Familie mit Rückzug aufs Land (bayrisches Zonenrandgebiet). Dadurch wurde zwangsläufig auch eine neue Berufskarriere notwendig, die weder mit meinem ersten Beruf, noch meinem Studium inhaltlich zu tun hatte. - Aber mein abgebrochenes Studium möchte ich bei allem Unernst in der Durchführung trotzdem nicht missen...

0 gheluveld 10.11.2010, 15:25 Uhr

ad specialmarke: SInd sie...

ad specialmarke: SInd sie jetzt eigentlich Akademiker?

0 HansMeier555 10.11.2010, 15:26 Uhr

Früher konnte man in so...

Früher konnte man in so Fällen noch zum Militär gehen, und oder in die Kolonien.

Interessant - ich hatte eine...

Interessant - ich hatte eine Freundin (Amerikanerin) die vor einem Jahr in die USA (East Coast nordlich von New York) zurückgerufen wurde (ihr Mann hatte keine Arbeitsbeweilligung, er durfte nur als "House Husband" in der Schweiz weilen...). Sie hat mir per email erzählt, wie unerträglich die Prahlerei der Eltern in den USA sei - jedes Kind sei ein Genie, JEDES Kind muss preisgekrönt werden...

0 HansMeier555 10.11.2010, 15:29 Uhr

@specialmarke Amselweg, oder...

@specialmarke Amselweg, oder Drosselweg?

0 staff.aureus 10.11.2010, 15:31 Uhr

Wenn Mittwochnachmittags die...

Wenn Mittwochnachmittags die Arztpraxen geschlossen sind, und Zeit zum Lesen bleibt, finden sich gelegentlich Textschnipsel, die in die Plauderei eingeflochten werden können, speziell, wenn sie so gut passen wie an diesem Orte hier. Zitat:"Die ersten Pressefotografen standen mit ihren sperrigen Kameras meistens im Weg, und man merkte an ihren Umgangsformen, daß sie einer anderen Gesellschaftsschicht angehörten als die Abgelichteten und die Journalisten. (Q18) Das änderte sich gegen Ende der zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts mit der Einführung einer "handlicheren" Technik. 1924 wurde die ERMANOX-Kamera auf dem Markt eingeführt, eine Kleinkamera, die auch Innenaufnahmen ermöglichte. (A10) Eine neue Art von Foto grafen trat auf, die von GISÈLE FREUND wie folgt beschrieben wird: "Es sind Gentlemen, die sich weder in ihrer Erziehung noch in der Art, sich zu kleiden und sich zu benehmen, von jenen unterscheiden, die sie photographieren. Wenn Photos an einem Opernabend gemacht werden, auf einem Presseball oder irgendeiner Veranstaltung, wo Frackzwang besteht, erscheinen sie auch im Frack. Sie verfügen über Manieren, sprechen Sprachen und unterscheiden sich nicht mehr von den übrigen Gästen. Der Photograph gehört nicht länger der Klasse subalterner Angestellten an. Er stammt aus der bürgerlichen Gesellschaft oder aus der Aristokratie, die ihren Besitz und ihre politische Stellung verloren hat, jedoch ihren sozialen Status bewahrt." (Q19) Der Bildjournalismus erlebte in Deutschland eine Blütezeit und strahlte Impulse in die ganze Welt aus." http://ralf-hecht.de/weimar/kap2.html . Frage an Don Alphonso: wie waren denn die zukünftigen Journalisten gekleidet ? Nach Berliner Art, oder nach Schwabinger ?

Ha, fionn (16:27), da muessten...

Ha, fionn (16:27), da muessten Sie erst mal meine Freunde in Israel hoeren: kaum aus Mutters Schoss geholt, schon ist ein Einstein in der Hand der Hebamme.

0 staff aureus 10.11.2010, 15:51 Uhr

polemischer Nachtrag: Döner...

polemischer Nachtrag: Döner sind nicht per se schändlich, sondern fleischgewordenes Symbol der Freiheit, im "Vorposten Berlin". Es hätte nach 1945 auch anders ablaufen können, dann gäbe es heute in Charlottenburger Strassenküchen nur Bliny und Soljanka.

0 donalphonso 10.11.2010, 16:06 Uhr

So oder so unverdaulich. Der...

So oder so unverdaulich. Der Geschmack der Freiheit ist auch nicht mehr das, was er einmal war. . Wenn man eine Krawatte trägt, ist man auch in normalen Redaktionen eine komische Ausnahmeerscheinung. Wenn das oben nicht anders praktiziert wird, warum sollte man sich darunter, wenn man nicht muss, Mühe geben?

0 donalphonso 10.11.2010, 16:10 Uhr

fionn, hier ist es zum Glück...

fionn, hier ist es zum Glück üblich, dioe Leistungen der eigenen Kinder eher kleinzureden. Zumal, wenn es Berufe sind, die nicht ganz den Dünkeln entsprechen. Die FAZ mag eine bekannte Zeitung sein, aber in unserem Westviertel ist die Bedeutung als Arbeitgeber eher begrenzt, wie auch der Ruf. . specialmarke, pah, mich hat nach meinem Studium niemand mehr danach gefragt, ich hätte es mir genauso gut sparen können, von der persönlichen Lust auf Bildung einmal abgesehen - und dem Effekt, dass ich mir vorgenommen habe, amüsanter als Wissenschaftler zu schreiben.

0 donalphonso 10.11.2010, 16:20 Uhr

Stephen, ich verstehe, dann...

Stephen, ich verstehe, dann bekommt er ja ein Amt, das seinen Qualifikationen entspricht. Und manchmal denke ich, eine lahme EU ist besser als eine schnelle EU. . colorcraze, ach ja, wie soll ich sagen: Man muss sie nicht gleich ganz deprimieren. Nachdem es der Masterstudiengang ist, kennen sie sich ja schon etwas aus, und wer weiss, ob sie es nicht auch schon unter der Oberfläche verestanden haben. Sie haben es sicher auch nicht leicht.

0 Der Tiger 10.11.2010, 16:22 Uhr

@Stephen – Sie täuschen...

@Stephen – Sie täuschen sich, meiner Erfahrung nach denkt ein Erfahrungspandagruel wie Caesar: lieber erster in einem kleinen Kaff als zweiter in Brüssel.

0 DeaconBlue 10.11.2010, 16:45 Uhr

Da es schon mehrfach meine...

Da es schon mehrfach meine Aufgabe war div. Master, Dipl.-Ing., und sogar schon einen Dr. auf dem Weg von H4 zu einem existenssichernden Beschäftigungsverhältnis zu begleiten, kann ich zumindest schonmal sagen, das auch ein Abschluss unter den 10 besten auf einer angesehenen Provinzuni, inklusive einiger Kontakte zu sogenannten Entscheidern nicht vor H4 schützt. Und das sie am Ende alle unterkommen. Sogar nach 20 Sem. Philosophie.

Echnaton übrigens fuhr mit...

Echnaton übrigens fuhr mit seinem Rennrad gern den Achetatoner Südhang herab.

0 HansMeier555 10.11.2010, 17:21 Uhr

Ignatius J. Reilly, der...

Ignatius J. Reilly, der genialste Bummelstudent aller Zeiten.

0 HansMeier555 10.11.2010, 17:23 Uhr

@DeaconBlue ... wenn Sie mir...

@DeaconBlue ... wenn Sie mir jetzt noch Ihre Telefonnumer sagen...

0 auch-einer 10.11.2010, 18:03 Uhr

fionn10. November 2010,...

fionn10. November 2010, 16:27 "... jedes Kind sei ein Genie, JEDES Kind muss preisgekrönt werden..." . das ist nicht das problem, das ist die lösung.

0 GlicklicherweisenichtRicke 10.11.2010, 18:11 Uhr

Ihr freut euch schon wieder...

Ihr freut euch schon wieder alle zu früh. Vor dem 9. März 2011 läuft hier gar nichts. Das ist eine Vorabinfo. Und zwar aus der einfachen Erfahrung heraus daß Frankfurter Richter anscheinend mehr Fastenzeitanbruch durchfeiern als dringlichen Amtsgeschäften nachzugehen. Hiebei erzeugen sie willentlich und trotz mehrfachem Hinweis Schäden die NICHT WIEDERGUTZUMACHEN SIND. Az 3Zs 1795/08 Generalstaatsanwalt beim OLG!

0 colorcraze 10.11.2010, 18:13 Uhr

@Don Carlos: ich kann Ihrer...

@Don Carlos: ich kann Ihrer Beschreibung einen realistischen Zug nicht ganz absprechen. Vor Jahren faßte das jemand in die Worte "ihr tut so, als würdet ihr uns bezahlen, und wir tun so, als würden wir arbeiten".

0 Gottfried S. 10.11.2010, 18:17 Uhr

Die Sklaven haben Tyrannen...

Die Sklaven haben Tyrannen gemacht, der Blödsinn und der Eigennutz haben die Privilegien erschaffen, und Schwachheit und Leidenschaft verewigen beides. Sobald die Könige den Mut haben werden, sich zur allgemeinen Gerechtigkeit zu erheben, werden sie ihre eigene Sicherheit gründen und das Glück ihrer Völker durch Freiheit notwendig machen. Aber dazu gehört mehr als Schlachten gewinnen. Bis dahin wird und muß es jedem rechtschaffenen Manne von Sinn und Entschlossenheit erlaubt sein, zu glauben und zu sagen, daß alter Sauerteig alter Sauerteig sei. Man findet es vielleicht sonderbar, daß ein Mann, der zwei Mal gegen die Freiheit zu Felde zog, einen solchen Ton führt. Die Enträtselung wäre nicht schwer. Das Schicksal hat mich gestoßen. Ich bin nicht hartnäckig genug, meine eigene Meinung stürmisch gegen Millionen durchsetzen zu wollen: aber ich habe Selbstständigkeit genug, sie vor Millionen und ihren Ersten und Letzten nicht zu verleugnen.

0 HansMeier555 10.11.2010, 18:52 Uhr

"Ziehe Dame von H-4 nach C-4."...

"Ziehe Dame von H-4 nach C-4."

0 colorcraze 10.11.2010, 18:57 Uhr

@staff.aureus: Interessant,...

@staff.aureus: Interessant, das wußte ich nicht, daß sich die Photographen seinerzeit derart veränderten. Vielleicht leben wir in den goldenen Zeiten des Internets, denn nachfolgenden Generationen wird es möglicherweise an Zeit, Lust und Kenntnissen mangeln, langwierige Wikipediaeinträge oder kulturhistorische Plauderbeiträge zu verfassen. @Folkher Braun: naja, "stylish" ist eher (Jugend-)Ästhetik. Oder, wie der Klempner zum Lehrbuben sagte, der einen Eisenhaken kürzen und ein Stück quer schweißen sollte: "aber mach es so, daß es ein Bild hat.".

Ein paar der Stützen der...

Ein paar der Stützen der Gesellschaft haben offenbar Probleme, die mir (Volksschule) völlig unbekannt und sogar neu sind. Deshalb: interessant. Wie so oft hier.

0 gheluveld 10.11.2010, 20:13 Uhr

@ deaconblue krass cool, das...

@ deaconblue krass cool, das Sie das jetzt mit ohne ß schreiben

0 bettelbaron 10.11.2010, 20:32 Uhr

Weil dieses Blog von den...

Weil dieses Blog von den Restbeständen der Bürgerlichkeit und der bürgerlichen Ideologie in den Nebenstraßen der Westviertel handelt: Bildung und Leistung bildeten die Wesenskerne des historischen Bürgertums, denn nur dort konnte man den Adel mit seiner stilisierten Bildungsferne überholen. Anstatt Kavalierstour und Universitäts"besuch", Studierstube und formalisierte Examina. Dem Adel beließ man die Repräsentation und ein gutes Stück Macht, die Arbeit erledigten Bürgerliche. . Wenn nun die oben beschriebenen Tendenzen zutreffen, dann bedeutet dies doch nur, daß in bestimmten Kreisen formalisierte (und tendenziell gleichmacherische) Bildung keinen Wert an sich mehr darstellt. Andererseits gibt es auch dafür historische Vorbilder: den galanten Kavalleristen, den hemdsärmeligen Selfmademan, den genialen Bastler oder eben das schwarze Schaf in der dritten Generation. . Daß Leistungsorientierung und ein über die schlichte Ausbildung hinausgehender universaler Bildungsbegriff in den Westvierteln dahinschwindet, muß einen nicht unbedingt überraschen. Eine naheliegende Erklärung wäre, daß der breite Bildungsbegriff tatsächlich historischer Natur ist und nicht für die Ewigkeit, sondern bestenfalls für einen Zeitraum von hundert Jahren wirkmächtig gedacht war. Immerhin könnte man dann noch erhobenen Hauptes darauf verweisen, daß die Halbwertszeit anderer vermeintlich säkularer Kulturbewegungen deutlich kürzer ausfällt. Die zweite Erklärung, mit Verlaub Herr DA, zweifelt die Vorstellung an, daß die Westviertel in kleinen dummen Städten, die Wäschereibetreiber und Kaffeehändler, jemals die Träger des universalen Bildungsgedanken gewesen seien. . Vielleicht suchen sie also die letzten Überlebenden des bildungsbürgerlichen Projektes auch nur am falschen Ort. Zumindest in einem B.A./M.A. Studiengang Journalistik vermute ich sie nicht. Eher in privaten Kaminzimmern und Hausbibliotheken – und auch eher, nochmals mit Verlaub, jenseits des gegenwartsfixierten Bayerntums. . Kleine persönliche Note: nach 25-jährigem Festhalten an bildungsbürgerlichen Standards, das meine Nischenexistenz mir gestattete, habe ich kapituliert – ich habe den Ehrgeiz verloren, anderen etwas zu lehren, das über die standardisierte Idiotie hinausgeht. Wer will der kann, aber es wird nicht mehr eingefordert. Es gilt auch hier, entweder man reitet auf der Welle oder man wird von Ihr weggespült. Ansonsten hilft nur der Rettungsring der großzügigen staatlichen Alimentierung (wenn diesem Staat die überkommene Bildungsideologie noch etwas wert ist). Aber dagegen sind Sie ja auch. . Bleibt also nur noch die tägliche Herausforderung, den bedrohlich auflodernden eigenen Zynismus in Menschenfreude zu überführen.

0 maximpouska 10.11.2010, 20:45 Uhr

hallo ist das aufgefallen...

hallo ist das aufgefallen ? # Don Alphonso 10. November 2010, 10:20 ... auch wenn ich aus Gründen der Gesichtswahrung Kinder dort nie hinschicken würde (zumal die ja auch in eine andere Stadt sollen). # also - seit wann denkt Don Alphonso an Kinder - etwa seine eigenen???? das ist aber eine entwicklung, die zu beobachten ist.

Arroganz und Überheblichkeit...

Arroganz und Überheblichkeit an allen Fronten...Meine verbitterten Greise- "Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen."

0 Konfuzius sagt 11.11.2010, 03:15 Uhr

Wer mit der Zeit geht, kann...

Wer mit der Zeit geht, kann gleich gehen. Am besten ist es, der Zeit voraus zu sein. Dann kann man sich auch mal Zeit nehmen.

0 HansMeier555 11.11.2010, 06:23 Uhr

Dass man, wenn man aus guter...

Dass man, wenn man aus guter Familie kommt, auch mit einem verbummelten oder abgebrochenen Studium noch was werden kann, das war doch wohl immer die Regel. . Pikant wird das doch erst vor dem Hintergrund des allgemeinen Leistungswahns, der Jagd nach den 25 Praktika, dem kürzestmöglichen Studium und nach den "Beststudenten", etc. Und der ständigen Warnung vor Langzeitstudenten, welche ja -- genau wie Kopftuchmädchen oder Sozialhilfeempfänger -- als Grundübel der Nation hingestellt wurden. . Gemeint waren damit aber immer nur "die" und doch nicht "wir".

0 Ephemeride 11.11.2010, 08:10 Uhr

Wie sangen einst die Element...

Wie sangen einst die Element of Crime-Jungs: '...ein Grafikdesigner an der Bar übt das Bezahlen mit richtigem Geld...' . An der Schule in meiner kleinen dummen Stadt am T. gab es einst einen Abiturverweigerer und Schulabbrecher, welcher gern als jünglingshafter Stutzer mit elfenbeingekröntem Stock herumwandelte, nichts konnte, nichts hinkriegte, viel 'netzwerkte' und mit diesen Fähigkeiten ausgestattet zum persönlchen Adjutanten einer unserer Bundespräsidenten wurde.

@ Don Alphonso: Danke fuer...

@ Don Alphonso: Danke fuer diesen wunderschoenen Text! . Sozio- kulturhistorisch vielleicht von Interesse: In Oxford gab es bis wohl Mitte des 20. Jahrhunderts die Moeglichkeit, als "gentleman" zu studieren, mit eigener Lounge und Verpflegung und auesserst geringem Nachweis von intellektuellem Interesse. Weitgehend getrennt von solchen Studenten, die wirklich lernen wollten, bekam man dann nach geraumer Zeit auch seinen Bachelor Titel, und hatte zusaetzlich natuerlich Zeit gehabt, sich auch mit den Klassengenossen bekannt zu machen, die auf die andere boarding school gegangen waren. . Uebrigens: auch heute noch wandelt sich der Bachelor (Oxon) automatisch in einen Master (Oxon), wenn nur genuegend jahre (vier, glaube ich mich zu erinnern) vergangen sind. . Und man hat dann einen Abschluss von eine Universitaet, die laut THES Bestenliste immer in den Top 10- weltweit- rangiert. Deutschlands beste derzeit irgendwo in den 50er Raengen... . Wen es interessiert: http://www.timeshighereducation.co.uk/world-university-rankings/2010-2011/top-200.html

0 HansMeier555 11.11.2010, 08:53 Uhr

@Ephemeride: - Weizsäcker,...

@Ephemeride: - Weizsäcker, stimmt's?

Werter Don, bis vor kurzem...

Werter Don, bis vor kurzem stand bei dem Fahrradladen in der Nymphenburgerstraße noch ein Giant Cadex mit Alu Muffen rum, komplett mit fast neuer Dura Ace Gruppe. Vllt wäre das ja interessant für sie und die nächste Italienrundfahrt oder ist dort Carbon verpönt? Ich hättte gleich zugeschlagen wäre der Rahmen nicht zu klein für mich. Es wäre aber denke ich ein durchaus schönes Stück für eine Sammlung. Zum Thema: Im allgemeinen fängt es ja nicht beim Studium an. Es gibt ja durchaus viele Schüler mit eher befriedigenden Leistungen bei denen man starke Zweifel haben darf ob sie das Abitur ("gut") bestehen. Diese kann man dann gegen einen kleinen Obulus "outsourcen" lassen in englische Internate, wo es mehr oder weniger sicher gestellt ist, dass der Spross eine Hochschulzugangsberechtigung erhält. Gruß vom Kaktus

0 Bildungsideal 11.11.2010, 10:17 Uhr

Bachelor und Master sind für...

Bachelor und Master sind für Menschen mit einem Rest an Bildungsanspruch vollkommen ungeeignet. Da die verschulten Modulstrukturen lediglich eine Abiverlängerung darstellen, könnten die Sprösslingen auch gleich bei selbigem einige Runden auf erlesenen Schulen ehrenhalber drehen und dann durch das Leben etwa im elterlichen Betrieb reifen, anstatt in 12 Jahren +3 +2 zum therapiebedürften und gesamtsystemerkenntnisarmen Scheinakademiker erklärt zu werden.

0 Oberlehrer 11.11.2010, 11:25 Uhr

Ich beobachte, dass...

Ich beobachte, dass allmählich auch bei der Eltern- und Großelterngeneration die Erkenntnis einsetzt, dass bestimmte Lebensabläufe heute nicht mehr so wie früher funktionieren. Die Regel "intensiv studieren, hart arbeiten, richtig gut werden - und dadurch Erfolg haben" gilt in vielen Bereichen eben nicht mehr - übrigens auch verstärkt im kaufmännischen Sektor, wie mir leidvoll berichtet wurde. Vor diesem Hintergrund wirkt dann ein Studienabbruch weniger dramatisch...

0 Don Ferrando 11.11.2010, 11:53 Uhr

@Bildungsareal: Da habe Sie...

@Bildungsareal: Da habe Sie sicher nicht ganz unrecht. Allerdings war es doch auch vor "Bologna" so, daß das blinde Durchpauken des Fachcurrículums in vielen Fächern auch nur Ausbildung und wenig Bildung bedeutete. Genauso wird es auch weiterhin für einen B.A. Studenten möglich sein, sich weitere Bildung anzueignen, wenn er dies möchte. Statt Fernsehen Oper und Theater, statt Chillen ein Seminarbesuch!

0 Don Carlos 11.11.2010, 12:18 Uhr

boah, Bildungsideal, wenn ich...

boah, Bildungsideal, wenn ich schon 'verschult' höre...! struktur, methodik, didaktik, planmäßiges hinarbeiten auf einen abschluß innerhalb einer vorgegebenen zeit sind ja wirklich ganz üble zwänge, die man unbedingt vermeiden muß. - bei fast jedem irgendwie gearteten projekt besteht der witz neben der funktion und der einhaltung des kostenrahmens hauptsächlich in der einhaltung des vorgegebenen zeitrahmens. nur beim studium soll der zukünftige absolvent troubadourhaft und von seinem persönlichen bildungsinteresse geleitet wirrsten pfaden dessen folgen, was man in deutschland hochschul-/universitätsausbildung nennt. entweder, der student findet seinen weg oder er ist 'unbrauchbar'. - und genau darin liegt der grund für diesen angeblichen 'fachkräftemangel' bei gleichzeitig hohen zahlen 'geringqualifizierter' oder 'ungeeigneter'. die absolventen dieses wirren bildungssystems sind zu nicht mehr in der lage als einer diffusen vorstellung der vor ihnen liegenden und zu absolvierenden aufgaben. einzig klares wissen besteht in der notwendigkeit einer oder mehrerer fachkräfte, an die das jeweilige problem delegiert werden kann. - zur anleitung und ertüchtigung nicht optimal paßfähiger mitarbeiter fehlen dann jedoch die fähigkeiten und - als einzige von der bildungseinrichtung übernommene lebenshaltung, denn diese hat schließlich nur einen bildungs- und keinen erziehungsauftrag - überhaupt das interesse. wer nicht paßt, wird ausgetauscht. und wenn der pool deutscher gehirne und hände erschöpft ist, wird er von der politik mit ausländischen aufgefüllt, sodaß man weiterhin nur die passenden herausgrabbeln muß und der rest wie bisher, von der allgemeinheit bezahlt, geparkt wird. - der ausdruck dieser gleichgültigen und zynischen haltung findet sich dann in den aufgeblähten, überdimensionierten, designlastigen, technisch überladenen und störanfälligen schöpfungen dieser hochqualifizierten. alles fernab von kunst. die größe wird als luxus verkauft, obwohl sie nur von der angst zeugt, nicht alles notwendige auf sparsamstem raum unterzubekommen. die mehrfachen sicherheitsfaktoren als verkaufsargument, die jedoch nur das mißtrauen gegenüber den eigenen festigkeitsberechnungen beruhigen sollen. diese makellosen oberflächen, die für kurze zeit qualität heucheln und doch nur die vergänglichkeit allen seins verdecken sollen - zumindest, bis das nachfolgeprodukt den glauben an die unvergänglichkeit übernimmt. - das unbehagen darüber äußert sich in der flucht in antiquitäten. bei deren erhaltung wird die sorgfalt aufgewandt, die bei der heranbildung von neuen schöpfern handwerklich und geistig ähnlicher leistungen vernachlässigt wird. man nimmt vorhandenes altes, weil neues abstoßend wirkt, statt herauszufordern.

0 HansMeier555 11.11.2010, 12:21 Uhr

Mir wäre ein verschultes...

Mir wäre ein verschultes Studium am liebesten gewesen. Eines, wo man vorher genau erfragen kann, was in der Klausur oder mündlichen Prüfung drankommt und was nicht. Da kann man sich punktgenau vorbereiten und ohne grosse Mühe eine gute Note erreichen. . Stattdessen musste ich mich mit Hausarbeiten herumquälen, bei denen ich nicht wusste, was eigentlich verlangt war. Selber Forschen ging ja nicht wirklich (in zwei Wochen Semesterferien, bitte schön), den Forschungsstand aus der Fachliteratur einfach abpinseln war auch irgendwie peinlich. . Und das Selberdenken habe ich so oder so nicht gelernt.

0 donna laura 11.11.2010, 13:23 Uhr

nachtrag 7.11., 18:24u: cher...

nachtrag 7.11., 18:24u: cher Filou, das war aber ein nettes kompliment – merci beaucoup! . habe nun, ach! ist es nicht einerlei, was man studiert, wenn man davon nicht leben muss – hier hätte niemand studieren müssen, um das zu tun, womit man kröten züchtet. wer beim studium an die hand genommen werden möchte, sollte es mal an einer amerikanischen uni versuchen; die tradition ist eine andere, und m.e. geht es dann ziemlich zügig zur sache: kommt die inspiration nicht von innen, so kommt die motivation von aussen in form eines freundlich-beharrlichen profs, der auch gut geratet werden möchte und wirklich vernünftige ratschläge erteilt; deppenhafte kommilitonen gibt es überall, davor sei gewarnt. die dt. uni i.a. erscheint mir nach bologna etwas entsaftet, und ich durfte mich glücklich schätzen, als langhaarige studentin ein wenig mehr zeit gehabt zu haben als die heutigen armen studenten - die gnade der früheren geburt… . achja, kommt nicht folgendes in der diskussion deutlich zu kurz: http://www.shortnews.de/id/416314/Intelligenz-und-Schoenheit-haengen-zusammen. ich wäre sehr beleidigt gewesen, wenn mir jemand meine arbeiten hätte schreiben wollen, firmiere ich doch nicht unter wert! . lieber Don Alphonso / 10.11.,17.10 u: dann hätte das westviertel eben den rrheinischen merrkurr abonnieren sollen... . sie weilten in münchen? wie amüsant, am selben habe ich die jugendstilausstellung in der villa stuck besucht, ausgiebig rörstrand-vasen bewundert und später dann im ‚‚club‘ m.‘ einen zombie bestellt… wie passend zum inhalt des beitrags, die untoten kehren wieder und erschrecken die kinder.

0 donalphonso 11.11.2010, 13:30 Uhr

donna laura, ich habe sogar...

donna laura, ich habe sogar vor ein paar Jahren ein paar Beiträge für die geschrieben, aber ich glaube, um etwas zu kaufen, muss man es wirklich wollen - und den RM habe ich einfach nicht gemocht. Zu wenig Feuer. Zu viel Bräsigkeit. . Don Ferrande und andere, ich war vorgestern nach der Uni noch in einem Antiquariat hinter dem Hauptgebäude. Zu meinen Studienzeiten konnte man darin kaum stehen, so voll war das mit Studenten. Vorgestern waren nur alte Männer drin. Ich glaube schon, dass das etwas zu bedeuten hat.

0 Henriette 11.11.2010, 13:31 Uhr

@Don Ferrando Leider nicht...

@Don Ferrando Leider nicht ganz, vor Bologna konnten Inhalte flexibler und bewusst gewählt werden, bereits ab den ersten Semestern etwa durch Seminare und Schwerpunkte, noch intensiviert ab dem fünften Semester. Es gab früher keine multiplechoice-Fragen, wo eh fast jeder besteht, die Studienzeiten konnten flexibel arrangiert werden, etwa für Auslandsaufenthalte, längere Praktika, Auszeiten etc., es war noch Zeit für kritisches Denken und Diskurse im Studium, das was Studieren ausmacht, und es bestand keine einheitliche "Modulpresse", durch die jeder junge Kopf nun musste. Die Modularisierten sind heute keine Studenten mehr, sondern gewöhnliche Auszubildende, die schematische Grundfertigkeiten technokratisch verabreicht bekommen, wobei diese in Betrieben wenigstens noch ein Handwerk erlernen.

Don Carlos, dann gehören Unis...

Don Carlos, dann gehören Unis also abgeschafft?

0 donna laura 11.11.2010, 13:37 Uhr

bester don, waren sie im...

bester don, waren sie im basis?!?

Liebe/r Bildungsideal, wie...

Liebe/r Bildungsideal, wie sagt der Volksmund? Wenn dir das Leben Zitronen gibt, dann mach daraus Limonade... Halt, ich muss mich korrigieren, es war sicherlich einer dieser richtungsweisenden, nichtssagenden Filme aus dem Lande jenseits des Atlantiks, welches dank globaler Medien unsere Leitkultur mitprägt (An dieser Stelle sollte ich irgendwie Sarrazin einfließen lassen, das erscheint mir doch recht hip). Aber ich sollte zurück zum Thema kommen. Der Bologna-Prozess ist beschlossene Sache und scheint unaufhaltsam. Sollte er dennoch irgendwann wieder abgewandt werden, existiert doch mittlerweile eine Generation an (jungen) Erwachsenen, welche unter "verschulten Modulstrukturen" es zu einem Abschluss gebracht hat. Nun stellt sich die Frage, was wäre die Alternative gewesen? Eine Flucht ins Ausland? Verweigerung? Besinnung auf die proletarischen Wurzeln und das Erlernen eines handfesten Berufes? Übrigens kann im Rahmen dieser Strukturen durchaus auch jenes "echte Studieren" vollzogen werden, von welchem die mittlerweile leicht angegrauten Generationen Sonntagnachmittäglich schwärmen, jene, die dazu beigetragen haben, dass der heutige Ruf der Studenten, sagen wir einmal, negativ geprägt wurde. Es erfordert lediglich Organisationstalent und fast so etwas wie Mut. Auffälligerweise schreien immer die am lautesten, die am wenigsten "drinstecken". Fazit ist jedoch: Die meisten, welche "gesamtsystemerkenntnisarme Scheinakademiker" werden, hätte auch mit einem Magister, Diplom oder Staatsexamen ein ähnliches Schicksal ereilt.

0 Henriette 11.11.2010, 14:32 Uhr

@Menja Alle...

@Menja Alle Bologna-stützenden Regierungen habe nicht offen mit den Bürgern kommuniziert, weil es um die Durchsetzung scheinbar übergeordneter Interessen ging. Dass es diese tatsächlich garnicht gibt, sieht man an den mahnenden Aussagen von Wissenschaftlern, Studenten, Politikern und der Wirtschaft. Keinem ist mit Modulköpfen gedient, die weder das nötige Grundwissen für Innovationen, nach einem Bachelor, oder die Kreativität dazu, aufgrund der verschulten und uneigenverantwortlichen Strukturen, haben. Dafür sind die Betroffenen auch insofern verantwortlich, als sie sich nicht lautstark und konstant äußern. Denn Frau Schavan-Sinn sitzt das Thema einfach aus, inhaltlich hat sie ohnehin nichts beizutragen, ihr Auftrag ist ein anderer. Ehemals mit Magister, Diplom oder Examen weltweit an der Spitze mit seinen Abschlüssen stehend, ist Deutschland innerhalb kürzester Zeit in der Bedeutungslosigkeit versunken. Keiner interessiert sich mehr für unsere Ingenieurbachelor, das Diplom gereichte jedoch nicht nur national zur Ehre und war grundlegend für deutsche Innovationen, sondern verschaffte international Respekt. Von der mangelnden Erlernung wesentlicher Charaktereigenschaften im Studium für den Beruf und die Gesamtgesellschaft durch eigenverantwortliches Arbeiten wie Humanität und Ethos im Umgang miteinander und Geschäftspartnern reden man oftmals garnicht erst, müsste es aber. Denn das sind die unreifen Charaktere, die später einmal verantwortungsvolle Positionen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft einnehmen sollen, mangels geeigneter Bildung ist das jedoch inzwischen nicht zu hoffen.

0 colorcraze 11.11.2010, 14:42 Uhr

@Don Carlos: Ihren Sarkasmus...

@Don Carlos: Ihren Sarkasmus gegenüber dem Bildungssystem teile ich weitgehend.

0 HansMeier555 11.11.2010, 15:02 Uhr

Charakter und Denken kann man...

Charakter und Denken kann man nicht "lernen", schon gar nicht auf einer Uni. Dass die deutschen Abschlüsse international geachtet wären, kann man vielleicht an den Stellenbesetzungen im angelsächsischen Raum ablesen (wo viele Deutsche ihr Auskommen finden), aber keineswegs an irgendeinem Uni-Ranking. Deutsche Hochschulen wurden in den 80er und 90er Jahren nie anders als versifft, verschlafen und mittelmässig wahrgenommen, als "Wärmestube" für künftige Arbeitslose. . Jetzt aber, nach Bologna, haben doch alle das, was sie wollten: Kurze, straffe Studiengänge, wers nicht bringt fliegt raus und der Steuerzahler kann sich sicher sein, eine langhaarigen Faulenzerklugschwätzer miternähren zu müssen. . Warum sind sie jetzt nicht endlich zufrieden?

0 BertholdIV 11.11.2010, 15:10 Uhr

@DA bekommt das Thema bitte...

@DA bekommt das Thema bitte noch mal Asyl? http://www.swr.de/blog/terrorismus/?p=2367#more-2367

Noch ein M.: Metzgerstochter...

Noch ein M.: Metzgerstochter aus dem Raum Erding. Trainee bei einer damals großen Bank in München, die jetzt im Süden beheimatet ist) und dann so der weitere Abstieg, der dann doch ein Aufstieg wurde durch Eingreifen des Papas... Ergo: Der richtige Vater ist wichtiger als das richtige Studium

0 Don Carlos 11.11.2010, 15:26 Uhr

muscat, warum so radikal?...

muscat, warum so radikal? verbesserungswürdig würde ausreichen. wie vermittelt ein derartig ineffizientes, uneffektives und planloses system wie eine deutsche hochschule anhand seines eigenen beispiels zukünftigen führungskräften effizientes, effektives und planvolles handeln? man erspart zwar studienbewerbern die formale ablehnung ihrer bewerbung, mutet ihnen aber bedenkenlos zu, vorlesungen in völlig überfüllten hörsälen auf dem fußboden sitzend zu verfolgen. mal abgesehen davon, ob eine derartige überfüllung vom sicherheitsaspekt her zulässig ist - welche form von kultur, welcher respekt gegenüber jungen menschen wird hier gezeigt? da es sich um hochschulen handelt, kann eine gewisse kultur vorausgesetzt werden, ebenso das wissen um eine effiziente und effektive wissensvermittlung innerhalb eines gegebenen zeitrahmens. daß es nicht so gemacht wird, scheint also politisch gewollt zu sein. das ganze wird als 'freiheit' gepriesen. in wahrheit ist es gleichgültigkeit.

0 Ephemeride 11.11.2010, 15:42 Uhr

@HansMeier555: Weizsäcker......

@HansMeier555: Weizsäcker... stimmt! . Und noch ein Wort zu den Hochschulen: Zumindest durfte man lange Zeit feststellen, dass Städte, in denen Universitäten ansässig sind, ein wesentlich größeres Flair boten als vergleichbare universitätslose Siedlungen. Wo wäre Göttingen oder Marburg oder Tübingen ohne Uni? Richtig, genau da, wo heutzutage beispielsweise Wolfenbüttel sich befindet: Im Niemandsland. Keiner kennt's und noch die schönste Architektur könnte darüber hinweg täuschen, dass das Wichtigste - die Lebendigkeit, die Kreativität, der Hunger, die Veränderung - fehlt.

Doch, Don Carlos, es wird so...

Doch, Don Carlos, es wird so gemacht (allerdings nicht an öffentlichen Hochschulen). Und man lässt es sich gut bezahlen - von seinen künftigen Führungskräften resp. deren Eltern. Tolle Alternative. Und so freiheitlich...

0 Ephemeride 11.11.2010, 16:01 Uhr

@Henriette: Alles richtig!...

@Henriette: Alles richtig! Dieses glattgeschliffene Nichts, was aus unseren einst so bedeutungsvollen Studienabschlüssen geworden ist und sich sogar noch im Titel an die ewige Anglizismenwurstelei gehangen hat (Bäschteler, Master), ist beschämend und ein freiwilliger Akt der Unterwerfung unter der Fuchtel der Mittelmäßigkeit! Aber am Schlimmsten sind die so genannten Elite-Einrichtungen, in denen nichts als Dünkel gelehrt und gebleut wird. Heraus kommen weltweit verwurzelte Lackaffen, die nirgendwo, nicht einmal in einer Sprache verortet sind und daher sich für nichts verantwortlich fühlen. Sie sind nirgendwo zu Hause, weil alles ja ganz prima global ist. Geht es hier schief, geht man halt nach Brasilien. Oder nach Kenia. Oder nach Kalifornien. Egalegalegal. Ihr Esparanto ist Geld und Effizienz, ihr Credo Macht. . Und noch ein Wort zum elitären Internationalsein: Schon zu meinen Zeiten ist mir der erzwungene Wissenschafts-Tourismus mächtig gegen den Strich gegangen. Es hieß, man müsse im Ausland promovieren, müsse woanders postdoktorieren, müsse semesterweise an anderen Hochschulen auf anderen Kontinenten lernen und lehren, um es zu etwas zu bringen, um etwas darzustellen. Doch schaut man sich einmal die Reihe beispielsweise der Physiknobelpreisträger an, so findet man nur bei wenigen diese Biographien. Vielleicht ist ein ruhiges Beharren, ein Beheimatet-Sein manchmal ja sogar fruchtbarer, nutzbringender als ein Tanz auf allen Hochzeiten.

Aussage einer Studentin 1974,...

Aussage einer Studentin 1974, zwei Kinder, verheiratet: "Es ist mir egal, was ich studiere. Ich brauche die Scheine."

achja, das ist auch so ein...

achja, das ist auch so ein (ernstes) thema. da freut es mich, dass sie sich diesem so gewohnt "locker" annehmen Don Alphonso. (ich habe ja nur an einer FH (immerhin, hochschule für angewandte wissenschaften) studiert. das war wirklich "zackig" und von denen, die mit mir anfingen, durften dann ca. 9% diplom machen. ich war richtig froh, als ich nach diesem studium arbeiten "durfte.") das mit diesem in dld. eingeführten angelsächsischen ba-/ma-system habe ich sowieso nicht verstanden. unterdessen haben ja 9 dt. hochschulen wieder den dipl.ing. eingeführt. (wollte schon eine wette mit mir abschliessen, wie lange es denn dauern würde, bis der wiederkäme) ansonsten, könnte es sein, dass es weiterhin "die klugen sind, die sich mit selbstzweifeln plagen" ? und was ich kürzlich erst wieder/gelesen habe : sog. kognitive dissonanz, tatsächlich wurde die auch "erforscht", sog. Dunning-Kruger-Effekt (der engl. wiki-eintrag dazu ist m.E. eine gute zusammenfassung, auch wenn ich wiki an sich nicht so mag) und : sog. geistesbildung geht für mich nicht ohne sog. herzensbildung. auch da bin ich gerne sog. altmodisch-menschlich, im lat. sinne von studere. (halt auch ü40)

"Und das Selberdenken habe ich...

"Und das Selberdenken habe ich so oder so nicht gelernt." HansMeier555, das merkt man aber kaum.

0 donna laura 11.11.2010, 17:04 Uhr

oder wie an der innenseite...

oder wie an der innenseite einer reich verzierten toilettentür einer grossen universität mit *hüstel* naturwissenschaftszweig zu lesen war: ich studiere doch nicht medizin - ich werde arzt!

0 hansgeier333 11.11.2010, 18:53 Uhr

Liebste Ephemeride, es ist...

Liebste Ephemeride, es ist nicht nett von Ihnen, so über den Lebenslauf des von uns so angebeteten Don herzuziehen. Weltweit verwurzelter Lackaffe, das ist doch ein starkes Stück!

0 perfekt!57 11.11.2010, 19:07 Uhr

Gut beobachtet, und wir...

Gut beobachtet, und wir fühlen uns auch gut unterhalten. . Wo es herkommt? Evtl. ganz einfach auch vom Vorhandensein von normaler Arbeit abgehoben um den Globus wabernden Millionen-Milliarden Dollar und Euro, "Kapitalwolken", die an der ein- oder anderen Stelle nach unten Protuberanzen ausbilden, die eben von genau so Bevorzugten eben leichter be- und ergriffen werden können (und eben gefühlt auch müssen, um Stand und Selbstanspruch eben doch noch zu genügen), als von solchen aus anderen Vierteln und/oder mit eindeutig ausgeprägteren Begabungen. . Und selbstverständlich straft man auch solche ggfls. mit Verachtung und/oder ausgesuchter Höflichkeit: Wer auf der Uni eben jeden Tag genau richtig war und daher ohne es selbst recht zu merken und fast noch wie nebenbei leicht und freudig und gerne innerhalb der Regelstudienzeit abschloß, wenn auch nicht ganz ohne eigene Anstrengung, hat solcherart Kompensation - und um die handelt es sich zweifelsohne - eben nicht nötig. . Und die Kompensierenden bleiben im Zweifelsfalle genau so. Auch daher passen sie nicht: . Man möchte schließlich - und zwar genau ohne darüber erst lange nachdenken resp. innehalten zu müssen im lebhaften und angeregten Gespräch - selbst verständlich gerne auch unter zu Hilfenahme von Differentialgleichungsbetrachtungen "wenn hier rauf - dann da runter" argumentieren können - und wünscht/braucht Gesprächspartner, die schmunzelnd bis selbstiroisch und spielerisch oder spaßhaft darauf eingehen "genau, weil nämlich ..." . . Und wer aus Geld und Posten besteht und dazu noch wie allseitig mit Camouflage imprägniert wirkt, ist da nun mal eher nix, um nicht zu sagen hohl. . Schönes Beispiel, welches ich in eigenen Worten immer wieder gerne verwende, sind der/die Erfinder des MOOG-Synthiziers - wohl allesamt US-Ostküsten-Universitätswissenschaftler ursprünglich. Und als ihre Erfindung Produkt wurde haben sie ca. 4-8 Wochen selber so Dinger zusammengelötet, Kisten mit Holzwolle und Stücklisten gemacht und dann alles verkauft, die ganze Firma nebst "Geschäftsidee" an so "Businessdeppen" - und sind wieder zurück an die Uni, intelligent faulenzen, das Hirn treiben lassen, hin zu schärferem Denken ggfls. auch oder gedankenverloren Studentinnen betrachten, etc.. (Okay, etwas übertreiben, für Mister Moog im Speziellen wurden Produktion und Umsatz und Bankrotte und Neueigentümer lange Zeit leider eben doch mit Schicksal, aber ...) . http://www.youtube.com/watch?v=0z0cbMkOvY0 . http://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Moog

0 Don Carlos 11.11.2010, 19:15 Uhr

muscat, da haben wir's doch -...

muscat, da haben wir's doch - zukünftige führungskräfte, die für eine an sich erwartbare unentgeltliche leistung etwas zahlen und sich darauf noch etwas einbilden. da kann nichts entstehen, was über den gegenwärtigen kenntnisstand hinausgeht.

0 perfekt!57 11.11.2010, 19:54 Uhr

Und außerdem ist alles ganz...

Und außerdem ist alles ganz anders und eben doch und Schicksal und überhaupt (jede Frau weiß, was ich meine). Zum Beispiel hier: . "Wulff ging in Großburgwedel zur Schule und lebte ... die meiste Zeit dort. Sie studierte von 1993 bis 1998 Medienmanagement (Angewandte Medienwissenschaften) und Medienrecht am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. . Zwischen 1998 und 2000 arbeitete sie für die Internetagentur Online Relations. . Von 2000 bis 2009 war sie Pressereferentin der Continental AG. Danach war sie halbtags als Pressereferentin bei der Firmenzentrale der Rossmann GmbH in Großburgwedel tätig. ... Sie brachte einen 2003 geborenen Sohn in die Ehe mit ... " . http://de.wikipedia.org/wiki/Bettina_Wulff - Es muss also nicht so sein, wie Dr. Don schreibt, sondern kann auch ganz anders sein, eben so wie bei Frau Bettina Wulff. . "Sie waren da, und sie haben sich getroffen: Michelle Obama und Bettina Wulff" - Wie gut, dass das richtige Leben eben doch noch so schöne Geschichten schreibt. http://www.faz.net/s/RubCD175863466D41BB9A6A93D460B81174/Doc~E27F02CC28BB246C3BD511AA142424DEF~ATpl~Ecommon~Scontent.html (Das mit dem Krankenhaus in Landstuhl hätten ich und viele andere auch der FAZ na klar schon vorher sagen können, man kennt das schließlich aus eigenem Erleben mit der notwendigen Einladung und Dauer-Begleitung usw. . Und die Amerikaner sind nett.) . (Am Rande: Die FAZ könnte evtl. überhaupt mal eine Reportage von dort machen: Interessant ist evtl. auch, dass das eigentliche Krankenhausgebäude, in dem dann eben erst die Verwundeten usw. liegen, im Abstand von ca. 12-15 Metern vom Gebäude nochmals durch einen wirklichen hohen Drahtzaun mit S-Drahtrollen drauf und kontrolliertem Zugang etc. zusätzlich gesichert ist. Selbstverständlich sind Verwundete besonders arm dran und schützenswert; man hat aber auch den Eindruck, dass dies mit der möglichen Macht von Fernsehbildern geschuldet sein könnte: Wenn 100 oder 30 Meter vorm Krankenhaus (so ein Gelände an sich ist so groß wie überall) jemand Opfer eines terroristischen Angriffs würde, wäre das evtl. weniger schlimm, als wenn der Terrorist bis direkt an das Bett einer hilflosen Person käme, daher. Schlimmm also, das die heutige Welt zu so Maßnahmen zwingt. Und ja: Wir haben persönlich schon direkt an genanntem inneren Zaun gestanden, wissen, wie es da aussieht.)

Der Widerpart des Querdenkers...

Der Widerpart des Querdenkers ist der Laengsdenker.

0 colorcraze 11.11.2010, 20:33 Uhr

@Filou: Sind die Längsdenker...

@Filou: Sind die Längsdenker die, deren Leben auf Schienen verläuft oder nochmal andere? @perfekt: naja, Kasernengelände halt. Mußte wegen der Erwähnung von Stacheldraht aber gerade an den sonderbar ans Mäuerchen drapierten Natodraht am Märkischen Museum denken, bei dem ich mich immer wieder frage, von was der wohl übriggeblieben ist. Er kommt mir immer wie ein 80er-Jahre-Denkmal vor.

0 Dr. Hoinz 11.11.2010, 20:57 Uhr

Die Modularisierung im...

Die Modularisierung im Bolognese-Prozess ist ausschließlich auf die permanente Anwendung von Office-Programmen zurückzuführen. Damit kann man diese wunderschönen Textkästchen-Kaskaden erstellen, während man früher auf den Schreibmachinen den Lehrplan lediglich mit schlichten Gliederungen ordnen konnte.

0 specialmarke 11.11.2010, 21:18 Uhr

Stimmen aus der Provinz......

Stimmen aus der Provinz...

0 Köstlich 11.11.2010, 23:09 Uhr

Es ist nicht wichtig in was,...

Es ist nicht wichtig in was, sondern dass mit Diplom / Doktor abgeschlossen wurde. Durchhaltewillen beweisen, grosse, oft sinnlose Informationsmengen ordnen und abstrakt denken ist wichtig. Zum "Wissen sammeln" dienen Schule und Lehre. Im Studium kann es dann getrost wieder vergessen oder versoffen werden, weil es nur für die wichtig ist, die nicht (fertig) studieren. . Studium abgebrochen + niemals Leere = Taugenichts im elterlichen Betrieb

Habe leider nur ouerlesen ...

Habe leider nur ouerlesen können aber die Top 200 Unis erscheinen mir doch recht dubios, und ich wundere mich , daß bis jetzt noch kein Sturm entstanden ist, und einige Teilnehmer hier richtig sauer wurden. Unter den ersten 50 sind die meisten aus den U.S.A. was ist denn mit der ETH Zürich oder der RWTH Aachen, alles nur ldioten die dem MIT oder den vollgekifften Californiern nicht das Wasser reichen können ? Die Ingenieure in München und Berlin und in Clausthal-Zellerfeld haben auch meinen größten Respekt. lch bin ja nur einfacher Naturwissen- schaftler aus deutschen Landen, aber ich empfinde es trotzdem als Un- verschämtheit wenn die arrogante Times meint die Weisheit mit Löffeln gegessen zu haben. (absolut vergessen, Zitat Asterix: die spinnen die Römer). mfG T.

0 Schluchten-Ossi 12.11.2010, 06:26 Uhr

Lieber Trias, die ETH Zürich...

Lieber Trias, die ETH Zürich ist auf Platz 15 auf Mondry´s list.

0 HansMeier555 12.11.2010, 07:12 Uhr

@Trias Diese Uni-Rankings sind...

@Trias Diese Uni-Rankings sind nichts als korrupte Schleichwerbung und werden von Leuten zusammengestellt, deren akademische Karriere im Redaktionsteil (Auto-Reise-Kleinanzeigen) einer Fernsehzeitschrift ihren Höhepunkt erreicht.

0 donalphonso 12.11.2010, 07:21 Uhr

Im Nachhecheln der Unirankings...

Im Nachhecheln der Unirankings würde ich auch eine der überzogenen Reaktionen auf den Leistungsdruck sehen wollen, die bei anderen weiderum einen Abstossungsreflex auslosen. Besonders schlimm fand ich dabei übrigens die Wieselartigkeit gewisser Wasmitmedien-Unis in Ostdeutschland und der diversen, peinlichen Privatuniversuche. Auf dem Reissbrett macht man keine Elite.

0 BertholdIV 12.11.2010, 07:37 Uhr

@DA richtig, aber der...

@DA richtig, aber der Protagonist war doch das CHE. So hat also Liz Mohn eines Tages beschlossen, die Hochschullandschaft in Europa umzugestalten, passend zu RTL II und alle (?) Prof's, Politiker ... sind Ihr gefolgt. Das ist aber nicht das einzige. bei nature z.B. (diesmal Holzbrinck) geschieht ähnliches incl. des Streits mit den Bibliotheken der Unis http://www.zugang-zum-wissen.de/journal/archives/158-Universitaet-von-Californien-gegen-400-Prozent-Preissteigerung-von-Nature.html

Hut ab: Die Deutschen und die...

Hut ab: Die Deutschen und die Schweizer haben die Lehre nie abgeschafft. Es ist besser eine Lehre zu absolvieren als eine 3.Klasse Uni zu besuchen, m.M.n.

0 donalphonso 12.11.2010, 08:02 Uhr

Ein wenig Erdung kann nicht...

Ein wenig Erdung kann nicht schaden. Vielen Journalisten würde ich sowieso raten wollen, sich mit den beruflichen Perspektiven der Bäckereihandwerks zu beschäftigen, solange sie sich damit nur nicht in meiner Nähe ansiedeln. . BertholdIV, naja, man sag halt eine Chance, das System zum Gunsten aller umzumodeln, und ich sehe auch nicht, dass Bildung die Studis im Schnitt jetzt so wahnsinnig interessiert - da sitzen wirklich genug Leute drin, deren Interesse StudiVZ und nachher viel Geld in kurzer Zeit ist.

@ Trias, HansMeier555, Don...

@ Trias, HansMeier555, Don Alphonso: Habe mich vor Jahren wissenschaftlich beschaeftigt mit einer anderen Form des rankings, dem meist faelschlich verwendeten "impact factor". Aus Interesse dann auch mit dem umstrittenen THES ranking- wer deren Eingangsseite zum ranking durchliest, findet ja schon die Erklaerung, dass dieses mal "alles Neu" ist (und daher eigentlich auch ueberhaupt nicht vergleichbar mit frueher, aber das sagen sie nicht...) . Letztlich sagen alle die Uni rankings ja gar nichts ueber die Befaehigung eines Bewerbers aus. Man kann sogar oft ungekehrt argumentieren: wenn z. B. ein deutscher Arzt (dessen Abschlussnoten alle auf einer bundesweiten Pruefung beruhen) von einer "schlechten" Uni kommt und dann die gleiche Note hat wie einer von einer "guten", dann ist ja vielleicht dieser individuelle Arzt besser als der zweite- hat er doch dann wohl relativ mehr Eigenleistung erbringen muessen? . Aber das alles zaehlt in der Realitaet nur wenig- weil die Entscheidungstraeger sich den Anschein geben wollen, Entscheidungen auf quantitive Objektivitaet zu stuetzen. . Beispiel: Ich hatte eine Mastersstudentin, die weit besser als ihre Jahrgangskollegen war. Und das, obwohl sie fast jedes Jahr ein Kind bekam, eines nur eine Woche vor den jahresabschlusspruefungen. Dann kam die politische (stark von Forderungen aus der Wirtschaft beeinflusste) Forderung, den masters- Studiengang in einen Doktorandenkurs umzuwandeln- aber von ~ 20 Studenten mit Stipendium nur drei zuzulassen zum neuen Kurs. Meine Studentin wurde abgelehnt- weil sie bei ihrem bachelor fuenf Jahre zuvor nur mittelmaessig abgeschnitten hatte. Ich bin deswegen zum ganz grossen Boss und Geldverwalter gegangen, um zu erklaeren, dass diese Frau wirklich alles, aber auch alles mitbringt, was man sich als Doktorvater nur wuenschen kann. Die Antwort: "Wenn ich fuenf Kandidaten habe, vier haben AAAAA, eine hat BBAAA, dann faellt es mir schon schwer zu entscheiden, wen von den vier AAAAA Studenten ich nicht nehme. Wenn ich dann erklaeren muesste, dass ich zwei AAAAA Studenten durchfallen lasse, aber dafuer eine BBAAA Studentin bevorzuge, dann wuesste ich nicht, wie ich das machen sollte. Mir ist klar, dass Deine Empfehlung wahrscheinlich fuer eine bessere Auswahl sorgt- aber alle betroffenen werden leichter eine Entscheidung akzeptieren, die den Anschein hat, auf Objektivitaet zu beruhen". . Und diese begruendung, so leid es mir fuer meine Studentin tat, kann ich verstehen. Nicht gutheissen, aber verstehen. . Und im Grossen, und international geht es genauso weiter mit den unirankings wie mit diesen Noten. Oder, um mehr im deutschen Raum zu bleiben, dem numerus clausus.

0 Brian Brain 12.11.2010, 08:36 Uhr

Bologna hat eine...

Bologna hat eine Primitivierung der Uni in kurzer Zeit erreicht, auch im Umgang miteinander. Es ist heute schon peinlich beim Verlassen einer Uni gesehen zu werden, denn die Älteren denken sich, schau mal, da kommen wissenschaftsferne hirnmodularisierte Bolognese, lass uns schnell weitergehen. Der kultivierte Denkende und facebook-Negator wird von manipulierbaren grossfressigen Partypeople und Fashionhäschen an den vormaligen Bildungseinrichtungen verdrängt. Die Uni wurde zur Hauptschule für ADS-Verhaltensauffällige.

0 HansMeier555 12.11.2010, 09:12 Uhr

Mir scheint, dieser...

Mir scheint, dieser Ranking-Wahn wurde von der Politik und Einflussgruppen künstlich angeschoben. . Es musste eine Hierarchisierung her, um nach angelsächsischem Vorbild einen Prestigefetisch zu schaffen, den man dann an die vermögenden Schichten für hartes Geld verkaufen kann. . Hier wie dort gilt die Faustregel: Je weiter jemand selbst von der Wissenschaft entfernt ist, umso grösseren Wert legt er auf den Prestigefetisch. . Den Idealzustand stellt man sich so vor, dass wissenschaftliche Qualität und Leistung jederzeit so eindeutig ablesbar sein sollen wie im Sport über die aktuelle Tabelle der Fussball-Bundesliga. . Wie der Fussballrummel ja überhaupt immer mehr in die Rolle der Leit-Soap der politischen und sonstigen Öffentlichkeit rückt.

0 HansMeier555 12.11.2010, 09:44 Uhr

Wobei ich die Verschulung des...

Wobei ich die Verschulung des Studiums keineswegs nur negativ sehe. Es war m.E. wirklich nicht einzusehen, weshalb alle, alle Ärzte, Anwälte, Ingenieure so ausgebildet werden sollten, als strebten sie eine akademische Karriere an. . Für die Kids ist es sehr beruhigend zu wissen, was von ihnen eigentlich erwartet wird: Dass sie schnell fertig werden und ihre Prüfungen geschafft haben. Und vorher zu wissen, was in der Prüfung "dran kommt" und was "wir nicht wissen müssen". Das ist nur fair. Und wenn jemand vier Jahre lang durch ständige Prüfungen und Klausuren auf Trab gehalten wird, dann wird schon was Sinnvolles hängenbleiben, sag ich mal. . Und all das "Eigentliche", das in Deutschland ja immer heilig gehalten wird, also die "wahre Bildung" (die mehr ist als die Summe des Faktenwissens), das ominöse Selberdenken, die Charakterbildung, etc. pp., das alles verdankte wohl auch früher nie jemand einem Uni-Curriculum. . Das Selberdenken entstand schon immer jenseits der Universitätsseminare. Man muss nicht Literatur studieren, um Literaturkenner zu sein. Es kann genügen, wenn man hungrig liest.

0 Don Driver 12.11.2010, 11:27 Uhr

Mes amis, früher gabs ja mal...

Mes amis, früher gabs ja mal die "Bestenauslese", d.h. nur wer mit "summa" promovierte, durfte als Assitent weitermachen bis zur Habil. Dann kam die Juniorprofessur als Rohrkrepierer. Die meisten Juniorproffs haben sich dann doch wieder habilitiert. Gleichzeitig existiert der Titel international nicht, wird also auch nicht anerkannt. Es herrscht also das reine Chaos in Sachen Abschlüsse, und das bei Bolognese-Studenten UND Hochschullehrern. Und das eben auch international. Der angelsächsische Ränkingwahn ist bekannt, dessen Kriterien ändern sich allerdings auch umgehend (UK: von RAE zu REF), vom "impact factor" ganz zu schweigen. So zirkuliert ein Wissenschaftlicher, sofern er sich dummerweise überhaupt noch auf die Wissenschaft eingelassen hat, wie ein Scheidungskind von Leistungsträgern zwischen deutschen Großstädten. Die dümmste aller Fragen: "Wo sind und wie kriegen=kaufen wir die klugen Köpfe?" Die Frage, die keiner mehr stellt: "Wie wird man klug?" Und wie sollen Professoren mit Zeitvertrag das Minimum an Autorität erwerben und ausstrahlen, das sie zur "Elitebildung" brauchen? Gestern sah ich im TV einen schönen Beitrag der (jetzt wieder mutigen) Neoliberalen. Tenor: Auch Bildung und Gesundheit brauchen den freien Markt, sonst fahren wir alle Trabi (der war dann auch im Bild). Und genauso wirds weitergehen. Die reale Geldelite macht bei diesem Weg eine schlechte Figur und denkt nur an die Versorgung ihrer eigenen Kinder. Letztlich beruhen alle Karrieren - auch in der Wissenschaft - auf Beziehungen, nicht auf (kaum zu erbringender) Leistung, sondern auf Anpassungsleistung.

0 HansMeier555 12.11.2010, 13:46 Uhr

@Don Driver Mit andern Worten:...

@Don Driver Mit andern Worten: Man hat die Benotung davon abhängig gemacht, wen man behalten wollte, und nach aussen hin so getan, als sei die Wirkung die Ursache. . Wobei man mit "magna" sich dann einen anderen Habilvater suchen konnte. . Was die community angeht, so sind Fragen nach der Note absolut unüblich. Kein Dr. muss ausserhalb eines Bewerbungsgespräches je damit rechnen, direkt nach der Note gefragt zu werden. . Ausserdem gibt es die Praxis, schon magna mit "Eins" zu bewerten. Dann kann der Dr. des seinen Eltern gegenüber so tun, als hätte er die Bestnote erhalten, ohne sie anlügen zu müssen. "Für meine Arbeit hab ich eine Eins bekommen!". . Des Lobes Summa aber heißt "Null". Mag, wer will, das auf sich beziehen. Ein Nullsummenspiel ist es so oder so. . Mein ewiger Vorschlag in puncto Promotion wäre ja, dass nicht nur die Arbeit selbst, sondern auch die Gutachtergutachten als Anlage stets mit dazu publiziert werden müssen. In der Rechtschreibung des Originals. Dass könnte zur Transparenz beitragen.

0 Bolognaabschaffung 12.11.2010, 13:55 Uhr

@ Don Driver Absolut korrekt...

@ Don Driver Absolut korrekt und dabei verkennen eben jene kurzsichtigen enthemmten Marktprotegés, dass das nunmehr am Marktprinzip anstatt am Bildungsideal ausgerichtete Hochschulsystem negative Konsequenzen für alle Beteiligten hervorbringt, nicht zuletzt die Wirtschaft, aber insbesondere die Gesamtgesellschaft. Gab es früher noch gemeinsame AGs und Seminare, wo mein freiwillig in Gruppen arbeitete, wechselseitig in Vorlesungen ging und bereitwillig Mitschriften austauschte, fängt die Ellenbogengesellschaft heute schon auf diesem Niveau an. Jeder behält alles in erster Linie für sich, versucht sich vermeintliche Vorteile zu verschaffen um nach den drei Jahren, durch welche Mittel auch immer, vielleicht die Chancen auf einen Modul-Masterplatz zu erhalten. Das merkt man deutlich schon am Wandel des Sozialverhaltens der G12-Abiabsolventen, egoman, selbstverliebt aber intellekt- und moralarm. Die Vielzahl stöckelnder und selbstverwirklichungssüchtiger Ballerinas und machohafter präsenter Prolljünglinge die man heute in Bibliotheken vorfindet, lässt eher an einen Dorfrummel als an eine Bildungseinrichtung erinnern. Das Ersehnen von kurzfristigen adhoc-Ergebnissen, wie mikrowellenartig erhitztes Viertelwissen in Modulprüfungen um danach bulimiehaft diese Wissensbrocken wieder zu erbrechen damit Platz für die Inhalation des nächsten Moduls in den kleinen Köpfchen geschaffen wird, ist so sinnlos, wie die Hoffnung, dass diese Menschen irgendwann einmal nach solch einem Verfahren verantwortungsvollen besonnen Mehrwert für die Gesamtgesellschaft bieten. Die Resultate bemerkt man ebenfalls bereits bei Erstsemestern, die sich heute nicht mehr ehrenamtlich engagieren, etwa bei den vielen kreativen Uni-Projekten und so fürs Leben lernen, sondern nur noch egomanes kreischendes Modulpunktesammeln im Kopf haben und die geistige Verkümmerung des G12-Abis durch die Uni festigen, Verhaltensauffälligkeiten ausprägen und dann hernach im Leben ihre Umwelt mit den eigenen Unzulänglichkeiten terrorisieren, ob in Beruf oder Privatleben. Bologna ist wahrhaft ein primitives ein schändliches Tun, innerhalb kürzester Zeit wurde das deutsche Bildungssystem abgeschafft und damit der wichtigste Standortfaktor.

@HansMeier555: Klug und...

@HansMeier555: Klug und g'scheit und gut informiert, was Sie hier schreiben. Es ist in der Tat so, daß das "summa cum laude" den Notenwert 0 (null) hat, während ... "magna cium laude" --> 1 "cum laude" --> 2 "satis bene" --> 3 "rite" --> 4 "non sufficit" --> 5 entsprechen. Anzumerken ist, daß bei den Juristen die härtesten Maßstäbe angelegt werden, sofern nicht (wie öfter geschehen) Geld, Geschlechtsteile oder universitär gut vernetzte Ghostwriter-Agenturen für wohlwollende Akzeptanz auch minderwertiger Leistungen aufgeboten werden. Die BWL-, VWL-, MBA-Sippschaft hat es da viel leichter, da in diesen selbstreferentiellen Kreisen sinnfreies Blah-Blah ebenso genügt wie bei den Soziologen und Politologen, Sozialpädagogen und Journalisten .. und da wären noch weitere redundante Fächer aufzuzählen.

0 colorcraze 12.11.2010, 14:53 Uhr

@Bolognaabschaffung: "bei den...

@Bolognaabschaffung: "bei den vielen kreativen Uni-Projekten". Sehen Sie, schon ins Fettnäpfchen gehüpft. "Kreativ". Das ist für die nächsten 30 Jahre durch. Denn es geht eben weniger um Selbstverwirklichung (die 70er und 80er sind vorbei), als ums Umkurven der Hürden und Fettnäpfchen, um schnellstmöglich einen Job abzugreifen, weil es morgen vielleicht keine Jobs mehr gibt und man bis dahin ein bißchen Geld zurückgelegt haben sollte.

0 donna laura 12.11.2010, 15:16 Uhr

lieber Mondry, meine larve sah...

lieber Mondry, meine larve sah ich bereits rutschen - die ersten 3 zeilen d. 4. abs. von heute morgen beschreiben recht gut meine wenigkeit; doch als ich 'bachelor' las, war ich ganz furchtbar erleichtert: die maske sitzt. . das bittere an dem von ihnen geschilderten fall ist die strenge auslese ohne einzelfallprüfung. dadurch verstärkt sich der eindruck, dass es auf die persönlichkeit und auf die persönlichen qualitäten des einzelnen überhaupt nicht ankommt: man ist bei bürokratisch organisierten institutionen eine nummer von anfang an. nicht mehr, nicht weniger. dies in tateinheit mit der ominös und in medien regelmässig beschworenen globalisierung sowie nomadisierung (ohne die interessante frage, ob faktisch oder normativ und für welche personnenkreise geltend) ergibt eine unbehagliche gemengelage. . übrigens finde ich das von ihnen angeführte ranking recht amüsant, doch nichtvielsagend; meinen studienort habe ich dort lesen dürfen (vor der lse, auf der ich beinahe gelandet wäre) - und ich habe weniger ihn, sondern meine profs geschätzt, die mit meinen überaus genauen fragen geduldig waren; die faulen seufzend, weswegen ich dann nur einmal frug; doch sowie das leuchten der leidenschaft in den gesichtern brannte, war es um den inhalt der reststunde oft geschehen, aber die anschliessende diskussion hat doch spass gemacht. neulich landete ich spasseshalber in einem bachelorkurs: alle leisteten ihren friedrichwilhelm auf der anwesenheitsliste, und niemand meldete sich auf die offensichtlichsten fragen. da m u s s t e ich meinem alten prof aus der patsche zu helfen - furchtbar! furchtbar peinlich das. so vergehen wertvolle minuten. können sie nicht einmal selbst antworten? wie anonym will man denn noch sein? . liebe Bolognaabschaffung, volle zustimmung, da sich ihre analyse leider mit meinen eindrücken deckt. in amerika war ich einmal sehr erschrocken, als ich zu studienzeiten meinen wagen versichern wollte und so einen anzugtragenden rüpel von der post vor mir hatte, der gönnerhaft ganz einen auf yuppie machte und mir stolz wie eine tüte mücken berichtete, er habe den bachelor (und er ist seit abschluss wohl nicht klüger geworden*)). in d hätte für ihn eine ausbildung vollauf genügt, und zu vorbolognazeiten hätte man ihm dies wohl auch geraten. in der neulich besuchten veranstaltung habe ich noch mehr von der sorte breitbeinig und dösig sitzen sehen, garniert mit augenscheinlich unreifen, die wie zehnklässlerinnen mit ihren rosafarbenen mäppchen oder den locken spielen. arrgh. *) immerhin darf man jetzt behaupten, dass der kuriose begriff des akademikers nurmehr für internetpartnerschaftsbörsen geeignet ist; früher war es schon nicht doll, sogar lehrer durften sich so schimpfen, aber künftig! puh. . der beitrag wurde länger als gewollt. pardon!

0 HansMeier555 12.11.2010, 15:24 Uhr

@Bolognaabschaffung . Tut mir...

@Bolognaabschaffung . Tut mir leid, aber ich muss widersprechen. . Dem Mantra zum Trotz wird in D nicht zuwenig, sondern immer noch viel zu viel studiert. Länder wie CH, Ö oder Luxemburg, denen man die Kultur auch nicht ganz und gar absprechen kann, geben relativ sehr wenig für Universitäten aus und sind immer sehr gut damit gefahren. Das geht schon in Bayern los. Wozu denn überhaupt Abitur? Die grösste Hochschuldichte gibt es in Berlin. . Unsere Gymnasiallehrer haben uns auch erzählt, D's herausragender Wohlstand beruhe auf dem 13. Schuljahr! Also, ich weiss was wir im 13. Schuljahr gemacht haben, nämlich nur noch Party. Dieselben Lehrer haben es doch gar nicht mehr mitgekriegt, ob jemand ihren Ethikkurs besuchte oder zu Hause blieb oder für DPD Pakete ausfuhr. Wieso es unmöglich sein soll, den Stoff von 13 Jahren in 12 zu bewältigen, wird mir nie jemand erklären können. Die ganze Mittelstufe hindurch habe ich (ausser vor Klasenarbeiten) nie länger als eine Stunde Hausaufgaben gemacht, und meine Kameraden noch viel weniger (wozu auch, sie durften in der kleinen Pause alles von mir abschreiben). . Wenn es von den GEW-Funktionären abhängen würde, gäbe es Abitur nicht nach 12 oder 13, sondern erst nach 15 oder 16 Jahren. Oder nach 20. Oder wozu überhaupt eine Grenze setzen. . Und schauen Sie zurück auf unsere jetzigen Funktionsträger. Das sind allesamt Leute, die in den linkspermissiven 70er und 80er Jahren studiert haben. Und es sind dieselben, die uns in den letzten Jahren fit gemacht haben für neuerliche Kriegseinsätze und die Finanzkrise. Und jetzt auch die Bolognareform durchgezogen haben. . Woher eigentlich nehmen die Erwachsenen das Recht, ausgerechnet von den 18jährigen zu verlangen, dass wie Philosophen "alles in Frage stellen", "gegen Ungerechtigkeiten protestieren" und überhaupt "idealistisch sein" sollen? Warum tun sie das alles einfach nicht selber? Oder ist man dafür mit 60 zu alt? . Früher war man aus Konformismus links, heute passt man sich eben an den neoliberalen Mainstream an. So groß ist der Unterschied auch wieder nicht. . Diese Bolognareform ist wenigstens ehrlich. Sie macht den jungen Leuten klar, was von ihnen verlangt wird und was nicht. Und dass sie, wenn sie sich der ominösen Selberdenkerei hingeben wollen, dies gerne dürfen, aber bitte nur in ihrer Freizeit, auf eigene Kosten und eigenes Risiko. . Und das war (1) letztlich schon immer so und wird (2) am Ende niemanden davon abhalten, der solches vorhatte.

0 Maximilian 12.11.2010, 15:53 Uhr

Also wir mussten in der 13....

Also wir mussten in der 13. schon noch etwas für das Abi leisten, was uns freilich ob des Engagements der Lehrer und deren verfügbarer Zeit hierzu auch Spaß gemacht hat. Von Rentnern zu verlangen für die Bildungschancen der Jugend zu demonstrieren ist dann doch etwas vermessen. Zugleich wäre es wohl nötig, da der Reformwahnsinn zu einer Problemdesensibilisierung bei den Betroffenen jungen Menschen geführt hat, die Hirnwäsche auf der Suche nach irgend einem beliebigen Job funktioniert. Durch den verschulten Bolognaschwachsinn wird jegliche Kreativität schon im Keim erstickt. Und Kreativität brauchen wir mehr denn je, denn ohne Kreativität keine Innovation, und ohne Innovation kein Wirtschaftswunderland Deutschland mehr, vielmehr die endgültige Besiegelung des Abendlandunterganges.

0 donna laura 12.11.2010, 16:09 Uhr

ihr vorletzter absatz, lieber...

ihr vorletzter absatz, lieber geschätzter HansMeier555, entbehrt nicht einer gewissen schlüssigkeit, doch, mit verlaub, steht das pferd unter dem sattel verkehrtherum. . denn, schauen sie, wie man mit menschen umgeht, so wird die gesellschaft. es ist nicht so, dass man mit studenten so umspringt, wie die gesellschaft ist - dies würde ich als faule ausrede, die man stets anführen könnte, bezeichnen. gesellschaft konstituiert sich in der gegenwart: gerade - eben - jetzt. gestaltungsspielraum gibt es immer, direkt in der nachbarschaft und weit darüber hinaus; wenn dies genug beherzigt würde- ach, was rede ich. die, die es betrifft, die lesen das hier eh nicht mehr. . ceterum: meist wird nicht mit dem hintern aus lauter böswilligkeit eingerissen, was man mit seinen händen nicht mehr aufbauen kann, sondern eher durch einfalt und trägheit. wer weiss, was man sich gedacht hat, als man den klangvollen namen bologna zu desavouieren bereit war.

0 colorcraze 12.11.2010, 16:15 Uhr

@donna laura: es ist halt mit...

@donna laura: es ist halt mit den Unis halt dasselbe wie mit den Bewerbungen bei Konzernen. Wenn 2 Nasen Massenbewerbungen bewältigen sollen, geht das nur noch mit formalen Regeln, wenn man den 2 Nasen nicht schlichtes Auswürfeln zugesteht (und das tut man nicht, denn schließlich soll ein Rest von Legitimitätsschein gewahrt werden).

0 Don Driver 12.11.2010, 16:46 Uhr

@ 555 "Diese Bolognesereform...

@ 555 "Diese Bolognesereform ist wenigstens ehrlich. Sie macht den jungen Leuten klar, was von ihnen verlangt wird und was nicht. Und dass sie, wenn sie sich der ominösen Selberdenkerei hingeben wollen, dies gerne dürfen, aber bitte nur in ihrer Freizeit, auf eigene Kosten und eigenes Risiko." Ja, sicher kommt der Feudalismus wieder, und alle müssen auf dem Feld rumhacken. Ist Gottes Wille, deswegen habe ich mich ja auch jetzt selbst geadelt ("Don" gilt doch wohl?) Ich halte Ihre Ausführungen für pauschal und unpräzise, würde Ihnen dafür keinen Schein geben. Die Einkommens- und Vermögensstatistiken liegen auf dem Tisch, sie sind eindeutig. Wenige besitzen und verdienen viel - und plündern noch den Staat mit ihren Banken, der dann leider nichts mehr für die Bildung tun kann. Das Risiko ist genauso verteilt, nur andersrum. Das Risiko trägt, wer arbeitet und Ideen entwickelt. Die Bank trägt keines. Die Sklavenarbeit, die wir brauchen, die können wir auch anderswo (Nordkorea, China) billig einkaufen. Bringt uns das was? Ich möchte betonen, daß das Problem eines der Balance ist: zwischen Anforderung und Kreativität. Wie jeder Arzt ein Physikum macht und ein Jurist sein Staatsexamen, so machen die Brüder in den Humanities ihre Sprachkurse. Die Ergebnisse sind messbar und (ergo) satisfaktionsfähig. Was darüber hinaus geht, ist noch viel wichtiger, allerdings setzt sich da Qualität nicht über die Punktzahl durch, sondern nur über viel Einsatz + viel Glück. Klar braucht man die richtige Professeuse, den richtigen Senior, und nicht alle Lehrstühle können ein Projekt oder eine Personalie gutheißen. Wenn dann aber die Finanzierung komplett wegbricht, wie jetzt, dann nützt alles nix. M.a.W.: Sie haben schon Recht in puncto klare Ansage an Undergraduates, aber auch an Schüler (verpflichtende Kindergärten gibts ja nicht). Aber es muss umgekehrt auch klar sein, was der bekommt, der seine Hausaufgaben regelmäßig macht. Mein bester Lehrer sagte: Spitzenleistung resultiert aus regelmäßigem Mittelmaß. Und genau das ist der Punkt. Das krankhafte Gesuche nach "Exzellenz" begreift selbige nicht mehr als Resultat eines Lern- und Übungsprozesses, sondern als Substanz. Dümmer gehts nicht mehr. Feudales Denken?

0 HansMeier555 12.11.2010, 17:05 Uhr

Die Kreativität der...

Die Kreativität der Wissenschaftler in Ehren, aber ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Produktivität sehe ich nicht. Schon gar nicht der Geisteswissenschaftler. . Das Beispiel Schweiz habe ich schon genannt. Die Schweiz ist die wohlhabendste und produktivste Region in Europa. Ihre Bevölkerung hat sicher einen hohen Bildungsstand, aber was die Geisteswissenschaften betrifft, ist sie eher akademische Provinz, die von deutschen Gastarbeitern bewirtschaftet wird. . Man muss sich eines klar vor Augen halten: Die Geisteswissenschaften insgesamt sind gesellschaftlicher Luxus. Eine Ökonomische Rechtfertigung haben sie definitiv nicht. Man könnte ohne weiteres 90 Prozent aller geisteswissenschaftlicher Lehrstühle mit allen Stellen einfach streichen, ohne dass die deutsche Wirtschaft davon irgendeinen Nachteil hätte. Wer das nicht wahrhaben will, lügt sich in die Tasche. . Wer aber die Geisteswissenschaften aber trotzdem beibehalten möchte, hat vermutlich andere Gründe und sollte zu diesen auch stehen.

Exempel:...

Exempel: Astronomie=Physik+Chemie+Mathematik+Kreativitaet+(Faecher die mir gerade nicht einfallen). Alles Kokolores?

Exempel 2:...

Exempel 2: Archaeologie=Geodaesie+Geisteswissenschaft+Physik+Chemie+Spaten/Pinsel. Auch Kokolores?

0 HansMeier555 12.11.2010, 17:27 Uhr

@Don Driver . Feudales Denken,...

@Don Driver . Feudales Denken, selbstverständlich. Wie Sie sicher wissen, sind Oxford und Cambridge feudale Institutionen. Und genau dort wollen wir doch auch hin, oder nicht?

0 erich kartmann 12.11.2010, 17:35 Uhr

Die Geisteswissenschaftler...

Die Geisteswissenschaftler erinnern mich gelegentlich an diese Figur bei 'Warten auf Godot'. Denke Schwein! Dann geht's los. Besonders schön: bald soll eine Verfassungsrichterin berufen werden (natürlich mit einer pc-konformen sexuellen Ausrichtung) die das Eigentumsrecht für überbewertet hält. So etwas kann man sich nicht ausdenken. Wenigstens ist das gender-gerecht.

0 Don Driver 12.11.2010, 17:38 Uhr

Monsieur, was Sie...

Monsieur, was Sie "wirtschaftliche Produktivität" nennen, nannten die Genossen in der Zone "Produktivkräfte". Da sehe ich keinen Unterschied. Es muss und darf eben nicht jede wissenschaftliche, kreative oder künstlerische Tätigkeit einen Zweck erfüllen oder einen Profit abwerfen. Ich erinnere an die Megasubventionen, die nicht für die Unis fließen, sondern für Banken/Automobil/Rüstung. Die Frage, was wir "brauchen", haben wir schon gelegentlich erörtert. Wäre Wissenschaft so überflüssig, wie Sie meinen, hätte sie sich nicht ausdifferenziert. Wir brauchen nicht mehr Produktivität, mehr TV, mehr billige Ernährung, sondern mehr Zeit und mehr Qualität. Wir müssen unsere eigenen Standards setzen im globalen Wettbewerb. Da fällt mir ein: ich habe selbst viele chinesische Studenten, die hier das Bildungssystem subventionieren. Glauben Sie, ich hätte irgendeinen Zugang zu denen ohne halbwegs diskutablen geisteswissenschaftlichen Hintergrund? Und glauben Sie nicht, daß genau das den Chinesen fehlt? Die schreiben keine (guten) Hausarbeiten, weil sie nur lernen, sich anzupassen, und eben nicht diskutieren. Und lernen nur Englisch, wenn überhaupt. Das ist Plagiarismus auf allen Ebenen - sicher sehr "produktiv". Luxus sind nicht ein paar arme Schlucker am Lehrstuhl, Luxus sind "Rettungspakete für notleidende Banken". Die Feudalherren von einst investierten noch großzügig in hiesige Handwerkskunst, Musik, Architektur. Alles noch erhalten und zugänglich für Touristen aus Fernost. Lassen Sie sich mal vom Don durch Neuschwanstein führen! Bien cordialement

Selbst einer, der Mediävistik...

Selbst einer, der Mediävistik (ziemliches Orchideenfach) studierte, landete als nuetzliches Glied der Gesellschaft hier.

0 Gedanken zur Existenz 12.11.2010, 17:43 Uhr

Man solle sich schon auch in...

Man solle sich schon auch in Zukunft in Deutschland Gedanken etwa über die Mittelverwendung und ihre Folgen mit Hilfe von Geisteswissenschaftlern machen. So können Innovationen gesamtgesellschaftlich schädlich oder nutzbringend sein, trotz Gewinnertrags. Auch ist die Philosophie in säkularen Staaten die Disziplin, die in politischen Diskussionen die hemmungslosesten Politiker zumindest noch im Ansatz im Zaum hält, sonst wären unsere Kinder schon heute ausgemustert, weil es die genmanipulierten Klone weit besser können und unkritisch verwert- und benutzbar sind.

Geisteswissenschaften sind die...

Geisteswissenschaften sind die Strebewerke einer Kathedrale-auch der haesslichen.

0 HansMeier555 12.11.2010, 18:08 Uhr

@Don Driver . Neuschwanstein,...

@Don Driver . Neuschwanstein, nun ja. Das ist mir schon zu nahe an Hollywood und ein bißchen zu Chinakompatibel. . Aber ich stimme ihnen zu, dass man die verbleibenden 10 Prozent der geisteswissenschaftlichen Lehrstühle etwas stilvoller austatten könnte. Der jeweilige Professor wird geadelt (wenn er es nicht schon ist), damit sich in seiner Gesellschaft niemand unwohl fühlen muss; der Pedell erhält ein schicke Livree, und die Konferenzteilnehmer erhalten ordentlichen Champagner beim Stehbuffet.

0 staff aureus 12.11.2010, 18:29 Uhr

"Akademiker", "Student",...

"Akademiker", "Student", "Professor": alles eine Frage der Definition. Die Titel in Österreich sind bekannt, also gönne man den Schullehrern dort die anspruchsvolle Anrede. Ein Hausmeister darf sich ja auch "Facility Manager" nennen, wenn er mag (oder, psst, den Adelsgrad "Don" annehmen). Mein Grundwortschatz English kannte noch den Begriff "pupil", meinen Kindern bringt man nun bei, daß sie im Angelsächsischen schon in Klasse 5 "students" sind. Bestätigt wird dieser Sprachgebrauch von wikipedia ( http://en.wikipedia.org/wiki/Student ), dort liest man, daß in Kanada die Kinder ab der 5.Klasse "Akademiker" sind, schliesslich besuchen sie eine "academy school". Wenn wundert es da, daß angeblich Deutschland im internationalen Vergleich zurück liegt, zuwenig Universitätsabschlüsse erreicht werden, usw usw (GEW und die Lehrerfraktion des Bundestages können das Klagelied ergänzen). . Deutschland bietet gute Bildung durch Berufsausbildung an, daher kann @donna laura schreiben, "in d hätte für ihn eine ausbildung vollauf genügt". Die Ausbildung der mittleren Berufsebene findet im Allgemeinen in Berufsfachschulen statt, man denke an die Gesundheitsberufe MTA und PTA, an Physiotherapeuten und Krankenschwestern. . Bei unseren europäischen Nachbarn sind das traditionell als Universitätsausbildung gewertete Bildungsgänge, heutzutage mit dem Abschluß Bacchelor. Von mir aus. . Deutschland leistet sich den Luxus, für diese staatlich (!) geprüften Berufe eine Schulausbildung zu fordern, gleichzeitig wird staatlich beschlossen, Bachelor/Master-Systeme einzuführen, ohne die rechtlichen Forderungen für Berufe mit Staatsexamina an dieses neue Format anzupassen. Wenn man den Rechtspfleger zum Bachelor-Juristen, die MTA zur Bachelor-Medizinerin erklärt hätte, würde Deutschland der europäischen Linie entsprechen. Stattdessen werden nun Studiengänge angeboten für fertig ausgebildete Assistenzberufe, um zusätzlich einen Bacchelor, oder nachfolgend einen Master abzuleisten. Ergebnis: Ausbildungszeiten verdreifachen sich, staatliche Universitäten bieten Bacchelor-Ausbildungsgänge an, die vom Staat nicht für Assistenzberufe akzeptiert werden. Aber so ist es nunmal, wenn die Zuständigkeit für Berufsausbildungen über verschiedene Bundesministerien verteilt sind. Da macht jeder sein Ding, und nix Gescheites kommt heraus. Können wir uns das leisten ?

0 perfekt!57 12.11.2010, 18:46 Uhr

Dr. Don ist und bleibt auf der...

Dr. Don ist und bleibt auf der Höhe der Zeit - als da wäre "Wärmedämmung für Ministerien oder die Monologe eines Autistenclubs" . Ohne weiteren Kommentar: . "Der öffentliche Argwohn wacht darüber, dass Arroganz und Gier, die immer virulenten Hauptmächte der Gemeinheit, in der res publica niemals die Oberhand gewinnen. ..." . "Typischerweise wäre auch diese durch das erneute Miteinander von Brot und Spielen charakterisiert oder, um zeitgemäß zu reden, durch eine Synergie von Sozialstaat und Sensationsindustrie. Es lässt sich nicht leugnen, dass die Vorboten solcher Doppelwirtschaft allgegenwärtig sind. Lesen wir nicht seit geraumer Weile die Zeichen, die für die Rückentwicklung des öffentlichen Lebens auf Administration und Entertainment sprechen - Wärmedämmung für Ministerien und Casting-Shows für Ambitionen? ..." . "Das römische Brot-und-Spiele-System war ja nicht weniger gewesen als die erste Ausgestaltung dessen, was man seit dem 20. Jahrhundert als "Massenkultur" bezeichnet. Es symbolisierte die Wende von der gravitätischen Senatorenrepublik zum postrepublikanischen Theaterstaat mit einem kaiserlichen Mimen im Zentrum. Dieser Übergang war unausweichlich geworden, seit das römische Imperium nach seiner Konversion zur caesarischen Monarchie mehr und mehr auf die Eliminierung von Senat und Volk aus der Regelung der öffentlichen Angelegenheiten zusteuerte. In dieser Sicht war die römische Dekadenz nichts anderes als die Kehrseite der politischen Bürgerausschaltung: Während die Reichsverwaltung sich zunehmend in Formalien verstrickte, setzte sich auf der Seite der Unterhaltung - namentlich in den Arenen rund um das Mittelmeer und bei den Festen der metropolitanen Oberschicht - der Trend zur Verrohung und Enthemmung durch." . "Man könnte aus diesen Beobachtungen den vorschnellen Schluss ziehen, die postdemokratischen Tendenzen hätten sich in der Dämmerung der zweiten republikanischen Ära, die wir die politische Moderne nannten, bereits auf ganzer Linie durchgesetzt. Dann bliebe uns, den Bewohnern der zweiten res publica amissa (des preisgegebenen Gemeinwesens) erneut nichts übrig als das Warten auf die Caesaren - und auf deren billige Ausgaben, die Populisten, sofern Populismus heute den Beweis liefert, dass Caesarismus auch mit Komparsen funktioniert. Also hätte Oswald Spengler mit seiner gefährlichen Suggestion recht behalten, man müsse Dekadenztheoretiker sein, um als Zeitdiagnostiker auf der Höhe der Phänomene zu stehen? ..." . "In der repräsentativen Demokratie werden Bürger in erster Linie als Lieferanten von Legitimität für Regierungen gebraucht. Deswegen werden sie in weitmaschigen Abständen zur Ausübung ihres Wahlrechts eingeladen. In der Zwischenzeit können sie sich vor allem durch Passivität nützlich machen. Ihre vornehmste Aufgabe besteht darin, durch Schweigen Systemvertrauen auszudrücken. . Begnügen wir uns, um höflich zu sein, mit der Feststellung, dass solches Vertrauen zu einer knappen Ressource geworden ist. Sogar Berliner Hofpolitologen sprechen von der manifesten Entfremdung zwischen der politischen Klasse und der Bevölkerung. Noch scheuen die Experten vor der harten Diagnose zurück, wonach die Politik der nützlichen Entpolitisierung des Volks vor dem Scheitern steht. . Den Römern der Caesarenzeit gelang ihr Entpolitisierungskunststück, weil die kaiserzeitlichen Eliten lange Zeit den Ansprüchen ihrer Bürgerwelt halbwegs brauchbare Ersatzangebote machten ..." http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,727904,00.html

0 perfekt!57 12.11.2010, 18:50 Uhr

"Bürgerausschaltung als Beruf...

"Bürgerausschaltung als Beruf - das ist gelegentlich noch härter als das übliche Bohren von harten Brettern. Auf breiter Front sieht man dieselben Bunkerreflexe gegen die Störung der Routinen, dasselbe Unbehagen an der Wortergreifung der Unberufenen, dieselbe Verwechslung von Verstopfung mit Charakterfestigkeit. Über so viel eingehauste Dumpfheit kann nur eine genauere Analyse des politischen Systems und seiner Paradoxien hinausführen: Den Caesaren gelang es noch scheinbar spielend, Bürgerausschaltung und Bürgerbefriedung miteinander zu verbinden. Die moderne repräsentative Demokratie ist dazu in der Regel außerstande. Daher stehen den Modernen nur zwei Auswege offen, von denen einer ökonomisch ruinös, der andere psychopolitisch unberechenbar ist: die Bürgerausschaltung durch Stillhalteprämien und die Bürgerlähmung durch Resignation. . Bürgerausschaltung mittels Resignation ist ein Spiel mit dem Feuer, da sie jederzeit in ihr Gegenteil, die offene Empörung und den manifesten Bürgerzorn umschlagen kann. Hat der Zorn erst einmal sein Thema gefunden, lässt er sich nicht mehr leicht davon ablenken. Für die politische Klasse kommt hinzu, dass die moderne Bürgerausschaltung sich als "Einbeziehung" des Bürgers präsentieren will. Dessen Entpolitisierung muss mit so viel restlicher Politisierung verbunden bleiben, wie zur Selbstreproduktion des politischen Apparats nötig ist. . In keiner Hinsicht sind die Bürger unserer Hemisphäre so ausgeschaltet wie in ihrer Eigenschaft als Steuerzahler. Es ist dem modernen Staat gelungen, seinen Angehörigen im Moment ihrer materiellsten Zuwendung zum Gemeinwesen, im Augenblick ihres Einzahlens in die gemeinsame Kasse, die passivste Rolle aufzudrängen, die er zu vergeben hat: Statt die Geberqualität der Zahlenden hervorzuheben und den Gabe-Charakter von Steuern respektvoll zu betonen, belasten die modernen Fiskalstaaten ihre Steuerzahler mit der entwürdigenden Fiktion, sie hätten bei der öffentlichen Kasse massive Schulden, so hohe Schulden, dass sie dieselben nur in lebenslangen Raten tilgen können. Sie bilden ab sofort eine Kollektivschuldgruppe, die morgen und bis zu ihrem letzten Atemzug für das bezahlen wird, was die Bürgerausschalter von heute ihr aufbürden. Man sage nicht, die heutige Politik habe keine Visionen mehr. Noch gibt es eine Utopie für unser Gemeinwesen: Wenn das Glück auf unserer Seite ist und alle alles tun, was in ihrer Macht steht, gelingt am Ende sogar das Unmögliche, die Staatsbankrottvermeidung. Sie ist von nun an der rote Stern am Abendhimmel der Demokratie." ebenda

0 HansMeier555 12.11.2010, 18:54 Uhr

Das stelle ich mir lustig vor:...

Das stelle ich mir lustig vor: Eine Volksabstimmung über die Frage: Sollen wir 2/3 der geisteswissenschaftlichen Lehrstühle schliessen, Ja oder Nein? . Natürlich mit entsprechender Kampagne. Die Boulevardmedien wie BILD sind alle für ein klares JA, in fairen und ausgewogenen Qualitätsmedien wie FAZ und ZEIT dagegen kommen Gegner und Befürworter in gleichem Umfang zu Wort.

0 perfekt!57 12.11.2010, 19:00 Uhr

"Die meisten heutigen Staaten...

"Die meisten heutigen Staaten spekulieren, durch keine Krise belehrt, auf die Passivität der Bürger. Westliche Regierungen wetten darauf, dass ihre Bürger weiter in die Unterhaltung ausweichen werden; die östlichen wetten auf die unverwüstliche Wirksamkeit offener Repression. Die Zukunft wird bestimmt sein vom Wettbewerb zwischen dem euro-amerikanischen und dem chinesischen Modus der Bürgerausschaltung." Wie wahr! Und Ende.

0 HansMeier555 12.11.2010, 19:08 Uhr

Es gibt aber auch noch den...

Es gibt aber auch noch den feudalen Modus der Bürgerausschaltung. Und das war mit Abstand der kultivierteste und humanste. Daran sollten wir uns orientieren.

0 colorcraze 12.11.2010, 19:45 Uhr

@staff aureus: ja, die...

@staff aureus: ja, die Pflegeberufe sind in anderen Ländern akademisiert. Sonderlich toll - im Sinne des Zugangs - finde ich das nicht, denn es ist schon ein Unterschied, ob man eine Ausbildungsvergütung bekommt oder ein Studium finanzieren muß (was in D ja allenfalls mit Bafög möglich ist [und das am besten in Berlin, weils dort schön billig ist], wenn die Eltern nicht gerade den dicken Geldbeutel haben).

0 colorcraze 12.11.2010, 20:41 Uhr

@HansMeier: ach, Berlusconi...

@HansMeier: ach, Berlusconi hatte sich doch wohl die Medici und wie sie alle hießen zum Vorbild genommen, so im Zuge einer Signoria nicht nur über eine Stadt, sondern über das ganze Land. Es sieht allmählich so aus, als ginge es zuende mit ihm. Und kein wirklicher Nachfolger in Sicht.

0 donna laura 12.11.2010, 20:48 Uhr

aber sicher, bester...

aber sicher, bester HansMeier555, und bitte auch gleich abstimmen lassen, ob man die freiwerdenden forschungsgelder für die x-te variante eines hitzebeständigen kunststoffs, der laut abstractentwurf dereinst die atmosphäre des jupiters überstünde, aufwenden sollte. sicher wahnsinnig nützlich. und nicht vergessen: noch eine müllhalde für all das nicht benötige kulturzeugs aus dem kulturbeutel, inkl. den dazugehörigen kulturmenschen, die natürlich kein kulturschwein braucht. . mal ehrlich, und obwohl damit gegen eigene berufliche interessen verstossend, frage ich dies: wenn sie an die renaissance denken: denken sie an brücken - oder denken sie an bronzino? . spott beiseite: die provokation funktioniert nicht wirklich, weil die meisten aus den humanities dies schon mal gehört haben, meistens von einem dipl-ing., der dreissig berufsjahre die politur einer spezialschraube überwacht hat, in den letzten jahren vor der pension sogar in leitender stellung. . denn das schöne in der heutigen wirtschaftsverfassung ist, dass man alles mögliche zu geld machen und ergo den kreislauf in bewegung halten kann: http://www.pieromanzoni.org/EN/index_en.htm

0 Don Driver 12.11.2010, 20:49 Uhr

Die schönste...

Die schönste "Bürgerausschaltung" ist immer noch die Verbeamtung. Und wer hier so lauthals die Abschaffung allen Geistes fordert, ohne dass er selbst rüber nach China ginge, hat sich während der F.D.P.-Regierungsdekaden sicher mit vielen ohnehin arbeitslosen=überflüssigen Geistern angelegt, aber NIE mit den Berufsbeamten. Warum so zögerlich, 555? Sind die Beamten vielleicht doch Ihre Lieblingsspezies? Als Goethe vom feudalen Kurfürsten verbeamtet wurde, hielt er ja fortan auch die Klappe und büxte nur mal heimlich gen Italien aus. Vielleicht darf ich einen Deal unter Gentlemen vorschlagen: Alle "Geister-Lehrstühle" weg (nicht mit 10%-Hintertür), aber dafür auch alle Beamten und Soffin-Verwalter. Warten wir mal ganz unbürokratisch, was dann passiert!

0 Dr. Hoinz 12.11.2010, 20:53 Uhr

Ich komme jeden Tag auf dem...

Ich komme jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit an einer Universität vorbei. Da blockieren Hunderte von Studierenden mit ihren Autos die Straßen. Jeden Tag frage ich mich aufs Neue: Was sollen die alle in zwei oder drei Jahren machen? An den Fenstern des Studentenwohnheims hängen keine Parolen oder rauchende Gestalten, sondern die gleiche Standard-Weihnachtsbeleutung von IKEA/ALDI wie in den Küchenfenstern der benachbarten Einfamilienhäuser. Kürzlich erfuhr ich dann von einer Delegation dieser Uni, die an einer Partner-Uni in China(!) der Frage nachging, welche alternativen Organisationsformen man für eine Volkswirtschaft modellieren könnte.

0 HansMeier555 12.11.2010, 21:07 Uhr

Nihil melior succedit. . Im...

Nihil melior succedit. . Im Römischen Reich gab es auch keine Universitäten.

0 colorcraze 12.11.2010, 21:11 Uhr

@BertholdIV (Ihr Nebenthema):...

@BertholdIV (Ihr Nebenthema): danke für den Link. Aber mehr als das Beispiel mit dem Polizisten Kurras, der auch von der Stasi Geld bekam, fällt mir im Moment nicht ein um zu illustrieren, daß ich "die Lage" in den 70ern für "immer noch very complicated" halte. Vermutlich wird es auch da noch ein paar Überrschungen geben. - Ganz interessant*) fand ich das hier: http://www.sueddeutsche.de/politik/protest-kulturen-ich-ziehe-den-betrug-der-waehler-vor-1.1022814 Leider recht wenig zu D, wohl weil ein Widerpart fehlte - nationalen Vorlieben kommt man nie nur von innen auf die Schliche, rein von außen auch nicht. Man braucht beide Augen und muß ein wenig schief gucken, daß man das Relief sieht. *) auch hier wieder im Sinne von "explodiert akut nicht, muß man momentan nicht hektisch eine Baustelle einrichten, sollte man aber als längerfristige Dynamik oder Struktur im Auge behalten"

0 HansMeier555 13.11.2010, 06:07 Uhr

@Don Driver Den feudalen...

@Don Driver Den feudalen Nichtstaat stelle ich mir so ähnlich vor wie einen italienisch-britischen Fussball-Erstligisten. Dort gibt es auch Schwärme von Höflingen. Die obersten von ihnen heissen Günstlinge und dürfen quasi alles. Verbeamtung auf Lebenszeit gibt es nicht, alle bleiben immer Abhängig von der Gnade ihres Herrn.

0 auch-einer 13.11.2010, 08:14 Uhr

hans meier, . was soll das,...

hans meier, . was soll das, ein feudalimus ohne universitäten. des isch nix, wie die sagen, die alles können, ausser hochdeutsch. denn, ein bischen bildung ziert den ganzen menschen. . also, entweder frühfeudal, das heisst, straff kirchlich, möglichst in klöstern. wer etwas lernen will, oder im fall der minderen klosterangehörigen, versorgt sein will, verzichtet dafür auf ehe und kindersegen. dass, wer wider den kirchlichen stachel löckt, sich damit für eine karriere als vagant entschieden hat, trägt nur zur sabiöität der verhältnisse bei. nota hierzu bene: die universität bologna war die erste weltliche gründung, eine privatuniversität für diejenigen, deren eltern bereit waren, in ihren aufstieg (der doctor beider rechte stand dem adligen gleich) zu investieren. . oder spätfeudal, das heisst straff landesherrlich, in universitäten. ein tummelplatz des adligen nachwuchses, das gewöhnliche volk kann seine dienende tätigkeit als dozent, repetent, bettelstudent, pedel, stiefelschmierer undsoeiterundsofort versilbern und darf sich noch freundlich für allerhand sog ulk bedanken. wie bei oppermann, hundert jahre, im projekt gutenberg.de, hinsichtlich göttingischer verhältnisse am ende des alten reichs nachzulesen. nota hierzu bene: in der württembergischen variante des landexamens mit dem ziel, als ein stiftler einmal eine pfarrstelle einzunehmen. die intensiv betriebene altphilologie einmal wegen der exegese, aber auch, um praktisches denken im keim zu ersticken, auch nicht ohne auswirkung auf die literatur und die philosophie der neueren zeiten - das waren die abbrecher, die keine pfarrstelle als belohnung für reichlich dargebrachten gehorsam wollten. . für brot und spiele hat der feudalherr das militär, gerne als kavallerie.

0 BertholdIV 13.11.2010, 08:36 Uhr

@colorcraze "immer noch very...

@colorcraze "immer noch very complicated" Wie immer(?) sind die Italiener da etwas mutiger. Man sehe sich nur den prozess mit andreotti an. lit: http://www.php.isn.ethz.ch/collections/coll_gladio/endorsements.cfm?navinfo=15301

0 HansMeier555 13.11.2010, 08:53 Uhr

Ja, eher spätfeudal. Das...

Ja, eher spätfeudal. Das gefällt mir besser. . Und gebe mir keiner zu bedenken, das Niveau müsse leiden. Ach wer das beurteilen könnte! . Ich möchte kein "Niveau", ich will, dass sich die Gelehrten gegenseitig wie Gladiatoren befehden, ihre Thesen und Bücher erst rhetorisch, dann im grossen Autodafé vernichten, ich will Wissenschaft alsSpektakel mit Fanclubs und Sprechgesängen. . Anschliessend Buffet! . http://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Paul_von_Gundling

0 colorcraze 13.11.2010, 09:49 Uhr

@BertholdIV: In Italien hatte...

@BertholdIV: In Italien hatte es ja wohl auch die stärksten Auswirkungen. Sie hatten eine starke KP, die eben in hohem Maße durch die Amerikaner (qua NATO) von der Macht ferngehalten wurde. Auch mit Terrorismus und dergl.

0 BertholdIV 13.11.2010, 14:33 Uhr

@colorcraze ja vielleicht,...

@colorcraze ja vielleicht, vielleicht haben in der BRD die Linken auch früher klein bei gegeben

0 colorcraze 13.11.2010, 20:03 Uhr

@BertholdIV: naja, das...

@BertholdIV: naja, das spezielle an der BRD war, daß es eine DDR gab. Und ein West-Berlin. Dadurch gab es D "in three flavors", örtlich getrennt. Und anders als in Vietnam war der Vereinigungsdrang nicht so groß, daß er die machtpolitischen Trennungen überrannte. Die DDR hätte, à la Prager Frühling und da wirtschaftlich nicht attraktiv, vielleicht mal militärisch expandieren können bei ausreichender Rückendeckung aus Osten (das taten die Vietcong ja auch). Was sie davon abgehalten hat, war wohl West-Berlin, der Pfahl im Fleische ("in jeder Himmelsrichtung ist Osten"). Zunächst durch eigensinnige Militanz, unterstützt durch den langen Arm (Luftbrücke) aus Westen, dann durch die ganzen importierten individualistischen Friedensspinner (Fluchtburg der Kriegsdienstverweigerer, Weltverbesserer und sonstiger "Freaks"), die mit ihrer schier genetischen Abneigung gegen jegliche Organisation und Institution die DDR vollkommen von innen zersetzt hätten, hätte man sie eingemeindet. - Ach so, ja, Griechenland und die Türkei dürften auch Länder gewesen sein, in denen Gladio etc. schwer aktiv waren; gerade Griechenland hat bis heute viele radikale politische Untergrundsplittergrüppchen, wie neulich wieder am Bombenpostversand zu merken. Das ist ein sehr zerrissenes Land, das wohl erst 30 Jahre nach D in der Nachkriegszeit angekommen ist, sozusagen.

0 Roy Yellow 14.11.2010, 15:05 Uhr

Liebe arbeite ich mit einem...

Liebe arbeite ich mit einem Diplomanten/ Staatsexaminierten zusammen, als mit zehn bolognesen Modulköpfen.

Auch hier ist der Blick des...

Auch hier ist der Blick des Westviertels auf die Wirklichkeit anders, gemaess dem Motto "ueber Jobs redet man nicht, die hat man". Ein Freund hat eine KFZ Werkstaff im Osten. Weniger Steuern waeren fuer ihn eine erhebliche Erleichterung sein Geschaeft mit etwas mehr Toleranz ueber dem Existenzminimum fuehren zu koennen. In strukturreichen Regionen geht es darum, die Gewinne zu verstecken, anderswo um's Ueberleben. Aber auch Kleinbetrieben koennte diese Variabilitaet nuetzen in der Konkurrenz gegen Billiglohnlaender, die ihre Waehrung und Steuern niedrig halten. Eine variable Einkommenssteuer koennte den Ausverkauf einer Firma durch Heuschrecken verhindern. Den grossen Firmen gibt heutzutage jede Region Zuschuesse und Steuererleichterungen als Anreiz den neuen Standort in eigenem Gebiet zu eroeffnen, warum sollen es die Kleinen schlechter haben. Hier in den USA diskutiert man (nicht der Heiland, sicherlich) ernsthaft eine Reduzierung oder Abschaffung der Gewerbesteuer als Weg die Jobs zurueckzuholen. In einigen Bundessstaaten gibt es keine Lohnsteuern, dafuer saftige Grundstueckssteuern, da der Reichtum einen besseren Masstab fuer gerechte Besteuerung ergibt. Das macht vor allem Sinn in Staaten mit einem gewissen Anteil informaler Wirtschaft, wie z.B. Texas oder New Hampshire. Beide sind predominant rural. Wenn dann im Winter der Schnee die Landschaft begraben hat, erwarten die Kommunen auch weniger Hilfe von ausserhalb, sondern es wird davon ausgegangen, dass die meisten Truckbesitzer Schneepflugvorsatze haben und frueh um 5 Uhr die Strassen raeumen. Wie auch in der Schweiz man in den Bergen sich nicht auf Hilfe von aussen verlaesst. Das ist schon in Ordnung so und um Milton Friedman sprechen zu lassen: “Is it really true that political self-interest is nobler somehow than economic self-interest? You know I think you are taking a lot of things for granted. And just tell me where in the world you find these angels that are going to organize society for us?”

0 BertholdIV 18.11.2010, 22:10 Uhr

@colorcraze Falls Sie im...

@colorcraze Falls Sie im Jänner/Januar in Fra sind: http://www.fat-web.de/?p=2513 Auch ein Blick ins Karikaturmueseum lohnt - direkt hinterm Dom und der Schirn

0 BertholdIV 18.11.2010, 22:11 Uhr

der link...

der link dazu http://www.fat-web.de/?p=2513

0 colorcraze 19.11.2010, 22:52 Uhr

@BertholdIV: danke für den...

@BertholdIV: danke für den Tip, der Anreißer ("Test") für das Theaterstück macht mir den Eindruck, daß ein Besuch der Vorstellung wirklich lohnend wäre.

ist eine Kunstfigur, die seinem Verfasser nicht vollkommen unähnlich ist.