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Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Je oller, je doller

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"Zu Recht vergessen" nannten moderen Kritikaster oft Musik vergangener Tage. Trotzdem hat sich die Alte Musik, die zuerst aus Archiven befreit und dann neu erfunden werden muss, einen Platz im Konzertbetrieb erkämpft, und bringt zu Hörnern und Geigel auch Dudelsäcke und Schalmeien mit.

Leeeeeporello! Pfrrrrhhja maijn Hörr! Was mampfst Du da?
Lorenzo da Ponte, Don Giovanni

Vorbemerkung: Auch vom Schicksal nur begrenzt vernachlässigte Italienexilierte müssen mitunter harte Entscheidungen treffen. Wie etwa diese: Gehe ich heute bei diesem Traumwetter noch einmal an den Gardasee an den Strand, bevor morgen die gewöhnlichen Münchner hier einfallen, oder schreibe ich an dieser Stelle wie üblich einen Beitrag über Themen, zu denen ich eigentlich mangels Wissen wenig sagen kann, was aber in den letzten Jahren auch keinen grundlegend gestört hat. Das Content Managment System ist immer hungrig und auf dem Weg an den See komme ich durch Vallegio, wo sie die grandiosen Vorspeisenteller machen – es kann nicht jeder Magen kann gestopft werden. Freundlicherweise jedoch hat sich die Dramaturgin Venezia Fröscher bereitgefunden, aus ihrem Erfahrungsschatz über die Musik aus der Zeit vor jener Epoche zu schreiben, die man gemeinhin als Klassik bezeichnet, womit alle zu ihrem Recht kommen – und ich zu meinem Vergnügen. Ich lausche den Wellen und Sie, liebe Leser, im virtuellen Theater der Alten Musik von Venezia:

Bild zu: Je oller, je doller

„Die Alte Musik ist die Leidenschaft meines Lebens“ – Dieses Bekenntnis des römischen Notensammlers Fortunato Santini könnte auch von mir stammen. Nur werde ich dafür meist verständnislos angesehen: Was hat eine junge Frau mit diesen eher ungewohnt klingenden Klamotten, lange vergessen und vergraben in Archiven und Schränken, zu schaffen? Altes und Altern ist in unserer Gesellschaft ja nicht zwangsläufig eine positive Errungenschaft. Viele beschenkt das Leben mit hoher Betagung, fast immer aber ereilen sie die Folgen der Falten und Gebrechen gegen einigen Widerstand. Wer ist schon freiwillig gerne alt? Die holde musica jedoch lässt sich völlig angstfrei zu den „Alten“ zählen: Konzertreihen, die sich Forum Alte Musik nennen, Regalreihen mit Tonträgern, die mit eben jener Musik bestückt sind, und Zeitschriften, die sich ohne Umschweife concerto – Das Magazin für Alte Musik nennen. Zu allem Unverständnis lässt sich Alte Musik auch noch bereitwillig mit dem Altersvergleich ein. Ihr Pendant auf der anderen Seite der Entwicklung, die Neue Musik, lässt sie erst so richtig alt dastehen.

Ich bin der Alte, sogar im Alter. (Jean Paul)

In der Bibel eines jeden Musikologen, dem Lexikon mit dem maschinengewehrartigen Kürzel MGG, steht es geschrieben: Alte Musik sei die Musik der Vergangenheit. Was aber ist die Vergangenheit und welches Alter hat dadurch die Alte Musik? Es verhält sich bei ihr wie bei Frauen jenseits einer gewissen Altersgrenze, die nicht weiter erklärt werden muss: Das wahre Alter wird geflissentlich verschwiegen, und anstandshalber fragt man auch erst gar nicht danach. Das führt zwangsläufig zu wilden Spekulationen. Die Alte Musik hat man behelfsmäßig bis zum Tod Johann Sebastian Bachs angesiedelt. Das wäre dann bis 1750; somit wäre sie knapp 250 Jahre alt. Wäre demnach aber die Musik eines Mozarts oder Beethovens unter Neuer Musik zu subsumieren? Wie lässt sich dann allerdings die Musik des 20. Jahrhunderts bezeichnen? „Antimusik“ käme vielen Musikhörern spontan über die Lippen, und das wäre noch die freundliche Version.

Bild zu: Je oller, je doller

Ganz andere Horizonte eröffnen sich, wenn man Alte Musik nicht nach ihrem Alter fragt, sondern nach ihrem Charakter, ihren Eigenheiten und Ansprüchen, wie auch alte Menschen mitunter spezielle Anforderungen haben. Sie wird auf historischen Instrumenten, alt oder im alten Stil rekonstruiert, gespielt; die sogenannte historische Aufführungspraxis hilft ihr dabei. Sie versucht, die notierte Alte Musik auf den Instrumenten der Zeit in Klang umzusetzen, und das möglichst nach den Intentionen des Komponisten und zu den damaligen klangästhetischen Bedingungen. Diese Praxis fordert dazu auf, Musik aus einer lange verschwundenen Vergangenheit in unserer so gänzlich anders gearteten Gegenwart zu musizieren und zu hören. Für einige Hörer ist dieser Anspruch nicht zeitgemäßer Ballast. Für viele Hörer allerdings bringt die dermaßen entstehende Spannung zwischen Vergangenheit und Gegenwart bereichernde Erfahrung.

Alt werden heißt, ein neues Geschäft zu beginnen. (Johann Wolfgang von Goethe)

Meine Erleuchtung kam bei Vivaldis Vier Jahreszeiten in einer Einspielung mit Fabio Biondi und Europa Galante. Aufgewachsen war ich mit eine jener LPs, auf denen Karlheinz Böhm Kinder in die Welt der klassischen Musik entführt. Auch er hatte mich gepackt und nahm mich auf jene Vivaldische Musikreise durch die Jahreszeiten mit. Dort bahnten sich quirlige Flüsse durch eine Frühlingslandschaft. Böhm berichtete vom klirrend-kalten Winter. Aber bei dem angeblich zu hörenden Sommerunwetter konnte ich ihm nicht folgen. Wo waren bloß Donnergrollen, Regengüsse und Blitze von denen er sprach? Ich hörte nur wild-spielende Streichinstrumente. 20 Jahre später trat dann – nun bereits auf einer CD gebannt – Biondi und Konsorten in mein Leben. Plötzlich hörte ich es, das Unwetter, das sich am Sommerhimmel zusammenbraut und sich mit Blitz und Donner  entlädt. Auf historischen Instrumenten klingt es schaurig-schön. Oder die unheimliche Komtur-Szene in Mozarts Don Giovanni. Mich lehren diese historischen Posaunen mit ihrer Naturton-Wildheit unter John Elliot Gardiner  weitaus mehr das Fürchten, als die warmen Töne moderner Posaunen eines Furtwängler-Orchesters. Ob die Interpretation der Musiker dabei deckungsgleich ist mit der Intention des Komponisten mag dahingestellt sein. Aber es ist ein Versuch. Ein Versuch, den Klangkosmos zu erweitern, Unerhörtes zu präsentieren. Die Alte Musik auf ihren historischen Instrumenten bereicherte mir die Gegenwart. Sie eröffnete mir neue, ungeahnte Klangwelten und trotz ihres fortgeschrittenen Alters war sie mir ganz modern.

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Aus Angst, ihre hegemoniale Stellung des Gebildet-Seins unterwandert zu sehen, trennte das Bildungsbürgertum kurzentschlossen das „Ernste“ vom „Unterhaltenden“. Fortan gab es die Einteilung in Popular- bzw. Unterhaltungsmusik und die Kunstmusik. Mit diesem Konstrukt fanden sich Gruppen zusammen. Der Abonnent und Kunstliebhaber freute sich, zur Gruppe mit dem Prädikat „anspruchsvoll“ zu gehören. Die Unterhaltungsmusikliebhaber schielten verachtend auf die Bildungsschnösel im Konzertsaal. Die Kluft zwischen U- und E-Musik wurde im 20. Jahrhundert größer. Je mehr das massenhafte Auftreten der ersteren das Bild von Musik in der Öffentlichkeit prägte, desto mehr beschwörten die Kritiker die hohe Tonkunst als einzig legitime Repräsentantin von Musik.

Unbesonnenheit ist dem blühenden Alter, Einsicht dem Greisenalter eigentümlich.“ (Cicero)

Beide Gruppen übersahen jedoch lange Zeit, dass dieses Konstrukt auf tönernen Füssen steht. Weder ist die „ernste“ Musik, nur weil sie sich selbst dafür hält, von Vermarktungszusammenhängen und kommerziellen Ansprüchen frei. Noch ist sie davor gefeit, auf ihren Unterhaltungswert hin gehört zu werden. Umgekehrt reduzierten sich die populären Musikformen zu keiner Zeit auf den Tanzsaal oder auf ein rein unterhaltsames Musizieren. Ästhetische Ansprüche sind auch hier zu finden. Sei es die Entwicklung des populären Liedes zu einer poetisch-musikalischen Ausdrucksform wie im modernen Chanson oder seien es die Improvisationspraktiken des Jazz.

Bild zu: Je oller, je doller

Die Alte Musik ist zwar nicht kulturkonservativ, sondern auf eine positive Art reaktionär. Sie macht gerade keinen Unterschied zwischen Kunst- und Gebrauchs- bzw. Popularmusik: Ob all die bekannten Kompositionen von Opern, Oratorien, Sinfonien und Kammermusik oder aber die folkloristische Musik – die historische Aufführungspraxis macht vor nichts halt. Sie nimmt alles mit, was ihr unter die notenlesenden Augen kommt. So gibt es Ensembles die sich auf die „ernste“ Musik, auf Opern und Oratorien verlegt haben. Aber es gibt auch die, die sich auf ihren historischen Instrumenten oder Nachbauten der folkloristischen Musik widmen. Und das ohne Ängste zur Unterhaltungsmusik gezählt zu werden: Ein Jordi Savall, ein Marco Beasley oder eine Christina Pluhar; auch ein Countertenor wie Andreas Scholl. Er, der sonst ausschließlich aus der „Kunstmusik“-Sparte zu uns singt, widmet sich englischen Volksweisen. Das Ergebnis: Erfrischend, alle Sinne ansprechend und sehr unterhaltsam bei höchstem Kunstanspruch.

Das Alter ist kein statisches Faktum; es ist Ende und Verlängerung eines Prozesses.“ (Simone de Beauvoir)

Im Rahmen der Alten Musik ist es gerade nicht „verrückt“, wenn La Folia, eine der ältesten Melodien, im neuen/alten Klanggewand musiziert wird. Die bekannteste Kunst-Version dieser Melodie begegnet uns mit den Variationen in Arcangelo Corellis Violin-Sonate. Bei einem Ensemble für Alte Musik, wie Christina Pluhars L’Arpeggiata, kommt einem eine besondere Version zu Ohren. Ohne Umschweife trifft hier „ernste“ Kunstmusik auf die vermeidlich unterhaltende Jazzmusik. Klarinettist Gianluigi Trovesi, der unüberhörbar im Jazz zu hause ist, gibt der Folia seine ganz eigene Note. Erinnert nicht diese Klarinette auch an die jüdische Klezmermusik? Oder die Bergamasque  Turlurù, ein Volkslied aus dem 16. Jahrhundert: Hier begegnen einem Improvisationselemente aus dem Jazz. Bei den Interpretationen italienischer Kanzonetten eines Marco Beasleys  kommt pure italienische Lebensfreude auf. Wen interessiert dabei noch, ob es sich nun um ernste oder populäre Musik handelt? Es ist mit der Alten Musik und ihren Spielarten, wie die Sopranistin Lucilla Galeazzi in ihrer Kanzone verkündet: „Voglio una casa … per farci musica matina e sera„. Von einem Haus, in dem von morgens bis abends Musik erklingt, träume auch ich.

 

 

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244 Lesermeinungen

  1. so so, das ist neu....
    so so, das ist neu.

  2. Wunderbarer Bericht!...
    Wunderbarer Bericht! Bewundernswerte Bildung!
    Ausserdem kann man sich da heraus eine Menge notieren,wenn man denn das
    Alte mag.Ich bin neugierig auf die ansonsten so vielen und auch kompetenten
    Kommentare,wer kann hier mithalten?

  3. Hm, Geigel?
    .
    Nicht zu...

    Hm, Geigel?
    .
    Nicht zu vergessen Viola da gamba („Kniegeige“).
    .
    Unser Haushalt ist der Hille Perl verbunden, die dieses Instrument zusammen mit ihrem Mann Lee Santana (Laute) spielt. Mein Mann durfte für deren neueste Platte „Loves Alchymϊe“ John Donne für die Vertonung übersetzen. (O.k. der ist nicht mehr ganz richtiges Mittelalter.)
    .
    Ich hoffe, das war jetzt nicht Schleichwerbung, kriege von Hille keinen Cent dafür. Es ist einfach nur tolle Musik. Bis ins echte Mittelalter habe ich es als tumber Unbildungsbürger noch nicht recht geschafft, werde mir Dons Charts mal genussvoll reinziehen.

  4. @tiberiat: Neu und so...
    @tiberiat: Neu und so hörenswert. Probieren Sie mal.

  5. Und auf welche Party passen...
    Und auf welche Party passen Ingeborgs?

  6. @handicap: Auch ich freue mich...
    @handicap: Auch ich freue mich auf einen regen Diskurs über das Alte und strahle ob Ihres Lobes mit der holden Sonne am Himmel um die Wette. Für alle, die heute nicht das warme Wetter irgendwo grillend unter freiem Himmel verbringen … Alte Musik ist Lebenselixier und hält den Geist jung. Ein jeder, der sich mit dieser Musik auseinandersetzt sieht sich mit der Frage konfrontiert: Wie ist der Notentext zu interpretieren? Der Alten Musik geht es, und das macht sie für mich so spannend, nicht nur um das bloße „Abspielen“ der Noten, sondern setzt sich mit dem Notentext, seiner Interpretation, der Komponistenintention und seiner Entstehungszeit auseinander. Zusätzlich fallen in den Musiziertopf: enorme Spielfreude und die Absicht, positive, unterhaltende und Freude bringende Energien beim Hören dieser Musik zu verbreiten. Das schreit förmlich nach Dialog!

  7. @Vroni: Jaaa - Viola da gamba!...
    @Vroni: Jaaa – Viola da gamba! Dann werden Sie auch sicherlich Jordi Savall mögen: http://www.youtube.com/watch?v=5Frq7rjEGzs
    Und auch ich mache damit keine Schleichwerbung. Im Gegenteil: Wir halten das Unbekannte gegenüber dem Mainstream hoch! Dieser Art der Musik und des Musizierens hängt ja leider nur ein verhältnismäßig kleiner Fankreis an.
    Das von Ihrem Mann übersetzte John Donne-Projekt mit Hille Perl klingt ganz großartig. Ich muss gestehen, ich kenne diese Aufnahme leider nicht. (@handicap: Trotz „bewundernswerter Bildung“ – Je mehr man weiß, weiß man, dass man nichts weiß).
    Kleiner Zusatz: Sogar im 20. Jahrhundert erkannten viele Komponisten den Wert der Violen-Familien-Instrumente: Hindemith komponierte für Viola d’amore, Mauricio Kagel schrieb 1965/66 Musik für Renaissance-Instrumente darunter u. a. eine Viola da braccio. Das Werk ist dem Andenken Claudio Monteverdis gewidmet. Doch Vorsicht! Wer hinter dieser Komposition Renaissance-Musik vermutet, wird im Konzertsaal bitter enttäuscht werden. Nur die Besetzung (u. a. Blockflöten, Laute, Theorbe, Zink) erinnert an das Musizieren der Renaissance. Kagel ist ununterbrochen auf der Suche nach radikal geänderten Spielweisen der historischen Instrumente. Der erzeugte Klang hat also mit Alte-Musik-Ensembles wenig gemein.

  8. Na, das nenne ich doch mal...
    Na, das nenne ich doch mal einen interessanten Beitrag! Über Sinn und Unsinn der historischen Aufführungspraxis finden in diversen Internetforen wahre Glaubenskriege statt. Darf oder soll man das Wohltemperierte Klavier nun auf einem Cembalo, einem Clavicord oder gar auf einem Steinway spielen? Das sind spannende Fragen und man kann allein schon aus dem Vergleich von – sagen wir – Angela Hewitt mit Pieter-Jan Belder eine Menge lernen. So unterschiedlich kann ein und dasselbe Stück klingen.
    Ich selber bin noch mit Böhm und Karl Richter aufgewachsen, da war die Goebel-Aufnahme der Brandenburgischen Konzerte ein ziemlicher Schock. Viele dieser historisch-informierten Aufnahmen kommen mir leider ein wenig verhetzt vor, das gilt für die Musica Antiqua Köln, aber auch zum Beispiel für manches von Gardiner (Bachkantaten).
    Wie auch immer, die Alte Musik ist eine tolle Sache; es gibt neben den üblichen Verdächtigen so unglaublich viel schöne Musik zu entdecken. Zum Beispiel die Gambenmusik von Marais, dann Charpentier, Purcell, Graupner…
    Besonders schwer hat es natürlich die „Ganz Alte Musik“, Bach und Telemann hören schon wenige, aber wer hört Dowland oder Byrd? Dabei gibt es auch so viel großartige Musik, von Dowland die Stücke für Laute zum Beispiel, von Byrd die Messen, aber auch die Cembalomusik.

  9. Die Angst des...
    Die Angst des Bildungsbürgertums ihre hegemoniale Stellung des Gebildet-Seins unterwandert zu sehen, trennten sie kurzentschlossen das „Ernste“ vom „Unterhaltenden“.
    .
    Bitte schreiben Sie langsam und im ganzen Satz. Dann ist es noch schöner.

  10. Werte Venezia,
    danke fuer den...

    Werte Venezia,
    danke fuer den interessanten Beitrag. Da Sie die Stichworte „Antimusik“ und Unterteilung in U- und E-Musik schon gegeben haben, moechte ich Sie fragen, ob Sie mir erlaeutern koennten, was zuerst da war: Eben jene Unterscheidung oder das Driften vieler moderner Komponisten in das, was viele vermutlich zu Recht als Antimusik bezeichnen wuerden? Was ich damit meine: Haben sich Komponisten erst getraut „Antimusik“ zu schreiben, nachdem sie davon befreit waren, ihrem Publikum auch aesthetisch gefallen zu muessen, weil die Leute ja auch kamen, nur um zu beweisen, wie Avantgarde sie sind, oder mussten die, die sich fuer Avantgarde hielten die Bezeichnung E-Musik einfuehren, um sich und ihren Status zu rechtfertigen (und die Existenz der „Antimusik“ in ihrem neuen Kanon als Distinktionsmerkmal). So manch aelterer Beitrag unseres Gastgebers laesst mich zweites vermuten.

  11. @E.R. Langen: Ihre Anmerkung...
    @E.R. Langen: Ihre Anmerkung nehme ich dankend zur Kenntnis und hebe mir eine Verbesserung dann für meinen dritten Blog-Beitrag auf …

  12. Aus meiner Sicht gibt es keine...
    Aus meiner Sicht gibt es keine U- oder E-Musik, sondern Musik, die gefällt oder nicht. So wie es keine anderen Kriterien bei Whiskey gibt als schmeckt oder schmeckt nicht. Und diese Einstellung führt zu Bach, Chopin, Rammstein, Muse oder Tullamore Dew, Connemara, Laphroig. Ohne sich an irgendwelche Vorurteile zu halten, lässt sich besser geniessen.

  13. @Venezia Fröscher
    Oh,da...

    @Venezia Fröscher
    Oh,da trifft man ja auf noch mehr Gebildete,super Kommentare.
    Ich persönlich kann da nicht mithalten,ich habe nur hören gelernt,freue mich
    deshalb über kompetente Infos.Ein Tipp für den 74.Geburtstag eines geliebten
    Menschen?

  14. Geehrter T.I.M.: Es ist...
    Geehrter T.I.M.: Es ist natürlich immer schwierig Erkenntnisse darüber zu gewinnen, was zuerst da war: Das Huhn oder das Ei! Zumal ich leider auch nicht in der Lage bin, einem Komponisten in das Gehirn zu schauen. Aber wenn ich davon ausgehe, dass sich die „Antimusik“ erst zu dem Zeitpunkt entwickelte (zu Beginn des 20. Jahrhunderts), als die Trennung zwischen U- und E-Musik in vollem Gange war, dann gehe ich davon aus, dass die Komponisten sich als Avantgarde verstanden und sich auch gegenüber dem Repertoire- und Abonentenrezeptionsverhalten der E-Musik abgrenzen wollten. D.h. sie verstanden sich quasi als „Revolte“ – wir machen alles anders – und damit dachten sie sich auch von der E-Musiksparte, die sich ja zu kommerzialisieren begann, bewußt abzugrenzen. Denn die Bezeichnung E-Musik subsumiert ja nicht nur die „Antimusik“ unter ihr Repertoire, sondern jegliche Kunstmusik, also auch die etwa von Monteverdi bis Wagner. So war der Wille der „Antimusik“ eine eigene Musiksparte in Abgrenzung zu allem, zu etablieren. Ich denke, das Problem an der „Antimusik“ ist, und daher auch dieser gewählte Ausdruck, dass viele der modernen Komponisten das Alleinstellungsmerkmal der Musik völlig verkannten: Musik transportiert Gefühle! Wenn Musik aber zu einem rein intellektuellen und mathematischen Konstrukt wird, dann fehlt ihr ein entscheidendes Kriterium. Diese fehlende Kriterium macht sie dann auch unter der E-Musiksparte eigentlich unhörbar, denn der „gemeine Musikhörer“ (und dazu zähle ich auch mich!) will nicht nur intellektuell Musik, sondern auch durch Musik angesprochen werden. Wie die alten Römer schon erkannten: delectare UND movere – also Musik soll nicht nur erziehen, sondern auch Emotionen hervorrufen. Meiner Meinung ist das der entscheidende Fehler, den die „Antimusik“ bis heute macht, das nicht wahrhaben zu wollen.

  15. Zum Einführungstext: Wie...
    Zum Einführungstext: Wie isses nur möchlich, dass man auf so hohem C ungestützt schreiben und noch dazu im Walde pfeifen kann?
    ..
    Hier, im 1. Link, ein seltenes und wunderbares Beispiel verschollen geglaubter historischer, instrumentaler Aufführungspraxis aus der Zeit von J.S.B……Schon damals, konnte man in diesen chaotischen Umbruchszeiten ihn beobachten, den Umstieg vom klimperigen Cembalo auf den modernen, uns bekannten Konzertflügel. Sehr ergötzlich und bahnbrechend! Unglaublich diese revolutionäre Raffinesse mit ihrem elaborierten hohen Ton, wegweisend ins 21. Jhdt…
    N. Harnoncourt dagegen im 2. Link: Viel zu hölzern, zu wenig alt & wenig werkgerecht, es mangelt der gewohnten eleganten Geschmeidigkeit, die uns so vertraut aus allen Kanälen umspült!
    http://www.youtube.com/watch?v=qGO0wbRdI4Y
    http://www.youtube.com/watch?v=VaEJVQ2w9fA

  16. Nichts ist so alt wie die Neue...
    Nichts ist so alt wie die Neue Musik von gestern

  17. @handicap & ego: Ob gebildet,...
    @handicap & ego: Ob gebildet, ob E-Musik oder nicht, es ist ganz gleich, denn eine Beurteilung über Musik kann ein jeder aussprechen, der hören kann. Interessant wird es dann, wenn man über das Gehörte spricht, denn Menschen hören unterschiedlich. Ich muss gestehen, dass ich manchmal die Leute bewundere, die ganz unvoreingenommen – ohne den Bildungsanspruch zu erheben – Musik einfach aus dem Gefühl heraus hören und danach beurteilen. Es gibt aber auch Momente, in denen ein wissensreicher „Unterbau“ dazu führt, Musik komplexer im Vergleich zu einem Liebhaber hören zu können und mehr Details wahrnehmen zu können.
    @handicap: Ein Geburtstagsgeschenk? Mag derjenige Musik? Oper? Alte Musik? Laie oder wissender Liebhaber oder gar Profi? Ein Hinweis und ich werfe mein Gehirn auf der Suche nach musikimmanenten Geburtstagsgeschenken an.

  18. Ingeborg schwingt gern ihr...
    Ingeborg schwingt gern ihr Bein,
    und fragt zu später Stunde, kann es das schon gewesen sein?
    .
    Der Ball ist zu Ende, das Herz jedoch noch immer allein,
    also schaut sie mal wieder hier bei Don Alphonso rein.
    .
    Der unterleibslose Don hat einst ihr einsames Herz gebrochen,
    drum ist sie noch immer bei gefühlten 100 Grad innerlich am Kochen.
    .
    Doch sei ihr gesagt, liebe Inge, bleib locker und cool!
    Nicht jeder, der Dich verschmäht, ist deswegen schwul.
    .
    Du magst Deinen Liebreiz zuweilen überschätzen,
    daher hüte Dich davor, hier ständig zu ätzen!

  19. @HansMeier555: Welch schönes...
    @HansMeier555: Welch schönes Bonmot, der Herr! Ich hätte hinzuzufügen: Ein Blick auf das Alte birgt Erkenntnisse für die Gegenwart.

  20. Wenn Musik IMMER mit Gefühlen...
    Wenn Musik IMMER mit Gefühlen zu tun hat, was ist dann die Kunst der Fuge? „Antimusik“? Und hat Alban Bergs Lyrische Suite etwa nichts mit Gefühlen zu tun?
    Und warum muss eigentlich immer alles leicht sein in der Musik? Ist es leicht, einen Marathon zu laufen? Trotzdem gibt es Tausende, die das machen und nach eigenem Bekunden Freude daran haben. Und Menschen wie mir macht es eben Freude zu verstehen, was eine Fuge ist. Je mehr ich über die Musik weiß, desto mehr höre ich auch und desto tiefer kann ich sie genießen.

  21. Zum Glück gibt es diese...
    Zum Glück gibt es diese Raubkopien bei youtube, sehr fein! Alte Musik am besten auf alten Instrumenten am originalen Ort. Nach Vivaldi und Mantua wäre doch ein Besuch bei Johann Sebastian Bach nicht weit. Gut restaurierte Orgeln warten auf gebildete Gäste. Silbermann, Thielemann, und als Superlativ in Schmalkalden die älteste Orgel Deutschlands. http://www.orgelsommer.de/die-orgeln.php

  22. Liebe Venezia ,
    danke für...

    Liebe Venezia ,
    danke für Ihre schöne Antwort.
    Den Savall höre ich mir an.
    .
    Die Hille („New Music from the Past“, welch eine Symmetrie zu Dons Eintrag) kokettiert auch mit temperamentvollen mexikanischen Klängen. Die Gambe goes Rhythm. Name: „Los Otros. Aguirre“. Hach.
    http://www.hillenet.net/cds/aguirre
    .
    Die Platte habe ich meinem Mann geschenkt. Ein Traum.
    Natürlich nur, damit ICH als Egoratte sie hören kann, bleibt alles im Haushalt, gn und Haus verliert nix. Mein Mann geht eher auf ganz Ernsthaftes, im Grunde gehört er ins 18. Jahrhundert. Er liest nur aus Not Science Fiction, weil er zurück zeitreisen will.

  23. Ist das schon Hölle oder noch...
    Ist das schon Hölle oder noch Fegefeuer: Das eigene Leben immerzu als Fernsehfilm zu erleben.

  24. @Barocke Hoererin: Es ist ja...
    @Barocke Hoererin: Es ist ja nicht gesagt, dass alle „Neue E-Musik“ unter dem zweifelhaften (und deswegen in Anfuehrungszeichen gesetzten) Begriff Antimusik fungieren muss. Gerade Berg hat in seinen Opern ja auf innovative Art und Weise ganz klar Gefuehle transportiert. Und auch wem Zwoelftonmusik um ihrer Theorie willen gefaellt, muss sich natuerlich dafuer nicht rechtfertigen. Problematisch wird es ja nur, wenn derjenige dann anderer Musik die E-rnsthaftigkeit oder den intellektuellen Gehalt abspricht.
    Und der Kontrapunkt „funktioniert“ beim Hoeren ja auch, wenn man nicht weiss, dass es sich um eine Fuge handelt, d.h. die Theorie ist zwar wichtig, aber man hoert trotzdem auf die Musik.
    @ego: Sehr richtig. Ich hab mich immer gefragt wieso die Schoene Muellerin grosse Kunst, Queen II aber bloss Pop sein soll.

  25. @Barocke Hörerin: Ist die...
    @Barocke Hörerin: Ist die „Kunst der Fuge“ nur analytisch hörbar? Auch ohne Wissen um die Raffinessen der Fugenkunst, ist diese Musik mit Genuss hörbar. Es ist meines Erachtens, wie Sie so anschaulich schreiben: auch im „Anspruchsvollem“ ist Genuss. Natürlich nur für den, der quasi in diesem Metier „trainiert“ ist. Aber es gibt anspruchsvolle Musik, die auch ohne Wissen, eben via die Emotion, für den Laien zu verstehen ist. Und da meine ich als „Trainierte“: Es bedarf keines Studiums, um Kunst zu verstehen. Leider ist das in unserer Gesellschaft die sich immer mehr verbreitende Meinung, die bewirkt, dass Klassische Musik immer weniger Anhänger findet. Nach dem Motto: Lieber nicht, das ist viel zu kompliziert, da muss ich erst ein Buch lesen, um das zu verstehen. Das wiederum führt zu sich permanent leerenden Konzert- und Theatersälen. (Abgesehen von den groß angekündigtes Klassikevents. Aber das ist ein anderer Diskurs und führt zu weit). Ich frage mich aber ständig, die immer wieder mit Klassikmuffeln konfrontiert wird, wie ich die Leute von dieser großartigen Musik überzeugen kann und ich denke, über die emotionale Schiene kann man auch völligen Klassiklaien diese Musik zu lieben lehren – ganz ohne Anstrengung (leider scheuen sich die meisten nun mal davor).
    Übrigens: Alban Berg ist, neben Strauss, einer der großartigen Komponisten, der einen guten Einstieg in die Beschäftigung mit „Antimusik“ bietet. Seine Lyrismen und kantablen Melodiebögen ermöglichen, neben aller Intellektualität, auch ein direkten Zugang zu seiner Musik – eben über die Emotion. Oder auch Strawinsky: diese expressionistische Aggressivität zu Beginn seines „Sacre du printemps“ im Vergleich zu der später folgenden hingebungsvollen Kantilene des Fagott. Keine Angst, dazu bedarf es auch nur ein offenes Ohr und Herz.

  26. Nur mit dem (gelegentlichen)...
    Nur mit dem (gelegentlichen) Blick auf das Alte läßt sich die Gegenwart ertragen. Wenngleich ich den Jazz davon ausnehme.

  27. Je oller, je doller … finde...
    Je oller, je doller … finde ich ein sehr gutes Thema. Je älter man wird, je mehr kann man sich leisten. Wenn man jung ist, muss man sich an die Konventionen halten, weil man den Eltern nicht Schande machen soll. Dann muss man sich an die Konventionen halten, weil man Karriere machen will und/oder soll, dann, weil man Kinder hat und die nicht unter der den unkonventionellen Ideen der Mutter leiden sollen…
    .
    Aber irgendwann ist man alt und kann sagen und machen was man will.
    .
    Und jetzt kann ich sagen, dass ich von Musik nichts verstehe, also zu diesem Blogbeitrag nichts beitragen kann. Trotzdem höre ich (alte) Musik, abends um angenehm einzuschlafen, und jeden Monat life in Den Haag das residentie orkest. Da beschäftige ich mich aber in erster Linie damit, dem Chefdirigent Neeme Järvi zuzuschauen, wie er in fabelhafter Weise das Orchester unter Kontrolle hat. Er ist sicherlich noch älter als ich… und oft denke ich, wenn ich seinen gezielten Bewegungen folge, ‘je oller je doller’

  28. Schön, Sie wieder zu lesen,...
    Schön, Sie wieder zu lesen, Venezia. Vor allem weil dieses Thema mir natürlich über die Maßen behagt. Freilich ist mir der Mantel meines Pseudonyms viel zu weit und mein Namenspatron würde erschröcklich verwundert sein wenn er wüßte, daß ich von Notenschrift nicht die geringste Ahnung habe. Denn ich bin einer von jenen, die nur nach Bauchgefühl hören. So gibt es bei mir die Unterscheidung zwischen U und E nicht, sondern nur: gefällt oder gefällt nicht. Wie ich auf die Alte Musik verfiel, wüßte ich gar nicht mehr genau zu sagen. Auf jeden Fall spielte das Jubiläumsjahr 1985 eine große Rolle (Bach/Händel/Schütz). Es führte dann das eine zum anderen und mittlerweile nimmt die Alte Musik 90 % meines Zeitbudgets ein. Ein wesentlicher Grund ist dabei die fast unbegrenzte Weite des Repertoires. Ständig findet man neues, neue Komponisten, neue Instrumente, neue Stücke. Es ist wie im Schlaraffenland. Ein anderer Grund ist, daß man eigentlich nie enttäuscht wird. Manchmal befremdet, aber nie enttäuscht. Eben läuft bei mir übrigens Hille Perl mit den Voix humaines von Marais. Ich muß sagen, daß ich zwischen solcher Musik und Alban Bergs Streichquartetten keinen großen Unterschied feststellen kann. Ich mag beide (und das Kronos Quartet sowieso). Jordi Savall ist auf jeden Fall über irgendwelche musikalische Grenzen erhaben und nimmt die guten Dinge, wo er sie findet. Meine stehende Empfehlung ist sein CD-Buch „La ruta de oriente“, eine musikalische Lebensbeschreibung des Jesuiten Francesco Xavier. Da dieser bis nach China und Japan kam kann man sich vorstellen, daß es musikalisch sehr abwechslungsreich zugeht. Aber es fügt sich in Assonanz und Dissonanz, es ist erstaunlich. Am Ende zählt eben doch nur, ob es gut oder schlecht gemacht ist.
    .
    Dank übrigens, Vroni, daß Sie mich nochmal auf Hille Perl gestupst haben. Als ich vorhin die Homepage anschaute, bekam ich endlich mit wer „Los Otros“ ist. Ich hatte die Platte zufällig in iTunes gefunden, wußte aber nicht, wer sich dahinter verbirgt.

  29. @staff aureus: Ich hörte...
    @staff aureus: Ich hörte diese Ungetüm an Orgel in der Frauenkirche mit Bach. Mir gefiel es überhaupt nicht, aber nebenan in der Hofkirche (eine Silbermann-Orgel, wenn ich mich recht erinnere) eine Orgel in historischem Gewand: ein klanglicher Traum!

  30. @Vroni: Sehr gern geschehen!...
    @Vroni: Sehr gern geschehen! Und ich werde mich mal auf die Spuren von Hille Perl begeben. Großartig, so lebt Alte Musik – durch den Dialog und den Austausch mit anderen „Infizierten“.

  31. Mit meiner Begeisterung für...
    Mit meiner Begeisterung für Neeme Järvi bin ich sogar schon in You Tube gelandete:
    http://www.youtube.com/watch?v=fvXJIjP_QOM
    in der sechsten Reihe ganz rechts außen.

  32. @Der Tiger: Je oller, je...
    @Der Tiger: Je oller, je doller – man muss nur aufpassen, dass man nicht irgendwann so oll ist, dass einem das dolle Musizieren in den Tod treibt. Bei ihrem Beispiel von Neeme Järvi fiel mir spontan die Ablebensgeschichte von Guiseppe Sinopoli: Während einer Aufführung von Aida, 2001, die er dirigierte, erlitt er plötzlich eine Herzattacke, brach zusammen und verstarb kurze Zeit danach. Obwohl ich sagen muss: Eigentlich ein schöner Tod – so ganz in Musik.

  33. @T.I.M. & Barocke Hoererin:...
    @T.I.M. & Barocke Hoererin: „Die Theorie ist zwar wichtig, aber man hoert trotzdem auf die Musik.“ Und je mehr die Musik Gefühle transportieren kann und dabei einen enormen Kunstanspruch im theoretischen Hinblick hat, desto wertvoller ist sie dann. Und dann gibt es eben auch keinen Unterschied mehr zwischen Kunst- und Popmusik (@ego): Es ist nur ein anderes Genre, aber mit „Anspruch“ hat das dann weniger zu tun. Die Popmusik und alle Gattungen und Stile, die unter diesem Begriff subsumiert werden, haben sich nur leider in den vergangenen Jahren selbst in eine Außenseiterposition katapultiert und sich anfällig für Kritik im Sinne von „nicht anspruchsvoll“ katapultiert. Das, was ich da aus dem Radio vernehme, hat zum großen Teil leider einfach KEINEN Wert: drei Akkorde, eine Melodie, die sich aus zwei Tönen zusammensetzt und ein Text, der nur Sinnfreiheit transportiert. Wo sind die guten Songschreiber geblieben? Ich bin in der Welt der Popmusik wenig zu hause, aber mir scheint, hier werden momentan ausschließlich popmusikalische Eintagsfliegen produziert ohne langfristigen Belang.

  34. Ich zähle Berg, Strauss oder...
    Ich zähle Berg, Strauss oder Stravinski nicht zur „Neuen Musik“, schließlich sind deren Musiken nun auch schon etwa 100 Jahre alt. Ich würde eher etwas keck bejaupten, von den genannten Namen wurde die sog. „Klassische Musik“ voll- oder beendet. Danach kam was ganz anderes.
    Ansonsten: Willkommen in der wunderbaren Welt der ALTEN MUSIK, die auch mich seit einigen Jahren beschäftigt und beglückt.

  35. @ Venezia Fröscher - In der...
    @ Venezia Fröscher – In der Mitte der Neunten von Beethoven zu sterben, stelle ich mir traumhaft vor. Sowieso ist sterben nur für die Überlebenden ein Problem, denn wo man selbst ist, ist der Tod nicht, und wo man ist, ist nicht der Tod.

  36. @Der Tiger: Ich kann Sie klar...
    @Der Tiger: Ich kann Sie klar erkennen ;-)
    Ist ihnen auch aufgefallen wie sparsam sein Dirigat ist? Er gibt nur die nötigsten Einsätze an die einzelnen Instrumentengruppen, aber ansonsten ist er sehr zurückhaltend in seinen Bewegungen. Keine Showeinlage, man muss ja nicht auch noch sehend hören. Dieses „weise“, sparsame Dirigat auch eine Alterserscheinung?
    Den Japanern ist Beethovens „Ode an die Freude“ übrigens das liebste klassische Musikstück aus Europa: http://www.youtube.com/watch?v=QKU7C2zjnmE&feature=related
    Bei der Erfindung der CD gab Beethovens 9. Sinfonie übrigens die Spielzeit vor. Es sollte einmal die 9. auf einen Tonträger passen – ohne die Scheibe umdrehen zu müssen …

  37. Der Tiger, das sind aber nicht...
    Der Tiger, das sind aber nicht Sie, die da in Sekunde 17 mit Blitz fotografiert, oder?

  38. @Jeeves: Sie haben ja...
    @Jeeves: Sie haben ja vollkommen recht: Terminologisch ist das nicht Neue Musik. Aber ich nutzte „Neu“ terminologisch als Abgrenzung zu jeglicher Musik, die noch in ihrem tonalen Gefüge auftritt. Viele Hörer haben bereits mit Atonalität oder Dodekaphonie so ihre Hörschwierigkeiten und nehmen diese Musik bereits als „Neu“ – in Abgrenzung zur „alten“ tonalen Musik – wahr.
    Aber bleiben wir beim Alten …

  39. @Der Tiger: Zum Problem wird...
    @Der Tiger: Zum Problem wird der eigene Tod wohl nur, wenn er schmerzhaft ist. Erscheint der Sensenmann also in der Neunten – erträglich, da haben Sie recht. Ereilt er einen mit viel Schmerz, Leid, hält einen hin, wohlmöglich auch noch ohne Musik – weitaus weniger erfreulich. Wobei mir, ehrlich gesagt, ein Barockwerk als eigenes Finale lieber wäre: so etwas tänzerisches, lachendes, swingendes: Rameau Ouvertüren etwa. Wenn es am schönsten ist, hört man auf.

  40. @T.I.M. Ich besitze keinen...
    @T.I.M. Ich besitze keinen Photoapparat. Wenn ich irgend etwas bildlich festhalten will, schleppe ich meinen Mac heran. Kommt aber selten vor. Es gibt viel mehr Menschen, die Bilder machen als solche, die sie sich nur anschauen.

  41. Das ist wunderbar, Don...
    Das ist wunderbar, Don Alphonso und alle, ich sende einen kleinen Gruß aus Spanien! Trotz der hiesigen Savalls muß ich aber, gerade an dieser Stelle!, doch noch ein paar Italiener ins Spiel bringen, namentlich ein vergleichsweise leises und unspektakuläres Ensemble alter Musik, „L’aura soave“ aus Cremona, die mir – gerade darum – recht ans Herz gewachsen sind.
    http://www.youtube.com/user/ensemblelaurasoave#p/u/17/3DThVLO292g

  42. Venecia Fröscher – Ich...
    Venecia Fröscher – Ich verstehe eigentlich nichts von (Musik) dirigieren. Als ich 18 war, habe ich die 9. von Karajan dirigiert gehört (und gesehen). Ich fand den Kerl einfach affig und die Musiker devot, hätte mir aber damals nicht getraut es zu sagen (siehe oben).
    .
    Als ich in Wien studierte, ging ich – weil man es so tat – sonntags zum Musikverein. Da dachte ich oft: die Musiker absolvierten ein Pflichtprogramm und es fehlte die persönliche Begeisterung…. unterhaltender war da schon Georg Kreisler mit seinem Triangel.

  43. Man kann die "alte Musik auf...
    Man kann die „alte Musik auf historischen Originalinstrumenten“ auch als Ausdruck der Retro-Bewegung auf der Ebene der Hochkultur begreifen. Dennoch ist mir diese Nische im Konzertbetrieb ohne Zweifel lieber als die zahllosen Klassik-Festival-Events des Mainstreams, der die E-Musik mit aller Macht in das U-Segment drängt.

  44. Geehrter Tiger, wie es der...
    Geehrter Tiger, wie es der Zufall will, habe ich mir vorhin, nachdem ich ihrem youtube-Link folge geleistet hatte, zahlreiche Videos mit Karajan angesehen. Ich wollte ihnen ursprünglich als Vergleich ein Video von Karajan und seiner Interpretation der 9. geschickt haben, sah dann aber davon ab. Wollte nicht zu garstig sein. Aber ich finde es wirklich erbaulich, dass ein Laie mir letztlich das Selbe bestätigt, was ich auch sehe: „einen affigen Kerl“ und das Fehlen „persönlicher Begeisterung“ bei den Musikern. Das stellt nicht Karajans Fähigkeiten in den Schatten. Er hat großes geleistet. Aber mein persönlicher Held ist er nie geworden, exakt aus den Gründen, die sie so treffend erkannt haben. Wahrscheinlich ging es letztlich vielen so, man traute sich nicht aus Angst und Beugung vor der allgemeinen Meinung, als Kulturbanause abgestempelt zu werden, hätte man Kritik geäußert. Das ist es, was letztlich jeden Hörer mitreißt und überzeugt – egal ob Profi oder Laie -, das ist der persönliche Einsatz und die Begeisterung der Musiker an der Musik und dem Musizieren. Der berühmte Funke muss überspringen und das findet man bei ganz vielen Alte-Musik-Ensembles besonders beglückend ausgeprägt.

  45. @Venezia: Vorsicht! Das...
    @Venezia: Vorsicht! Das Bloggen hat Suchtpotential. Schauen Sie nur den Don an. So wollen Sie doch nicht enden? Allein die Ernährungsproblematik….

  46. Der Tiger: wie wahr wie wahr!...
    Der Tiger: wie wahr wie wahr! Wech mitter Knipse. Man lasse den Augenblick…vergehen.

  47. @Dr. Hoinz: Ist die...
    @Dr. Hoinz: Ist die Retro-Bewegung nicht eher eine Modeerscheinung, die entstand, weil die Leute nicht kreativ genug waren und sind, um neues zu kreieren? Bei der Alten-Musik-Bewegung meine ich die gegenteilige Motivation zu finden: Als in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Karlsruhe erstmals Händel gespielt wurde bzw. ab den 60er Jahren eine Händel-Renaissance und damit Alte-Musik-Bewegung einsetzte, war es die Neugierde, Experimentierfreude und der Drang nach Andersartigkeit, der die Leute antrieb …

  48. @E.R. Langen: ... und die...
    @E.R. Langen: … und die zwischenmenschlichen Beziehungen – das ist mir bekannt. Aber ich habe zu meinem Gesundheitsglück ein privates Korrektiv, das einschreitet, sobald sich Anzeichen einer definitiven Sucht zeigen. Aber vielen Dank für Ihre Anteilnahme, mich nicht zur Abhängigen werden zu lassen.

  49. @E.R. Langen: Fesbug und Co...
    @E.R. Langen: Fesbug und Co verlangen nachgerade, dass jeder Dödel seine Existenz bis zum Stuhlgang dokumentiert. Wer noch auf sich hält, lebt im Verborgenen (E.P. Ikur). Bald wird nur der nicht gepostete Teil des Lebens noch Glück verheißen. Das Zukunftsmodell heißt grimaldeli, i.e. Leben jenseits der Blogs.

  50. @Der Tiger: Haette ich auch...
    @Der Tiger: Haette ich auch nicht erwartet, dass Sie das sind, das Blitzen kommt nur gerade aus der Ecke, in der Sie sitzen sollten (6. Reihe rechts). Keinen Fotoapparat (inkl. Handykamera) ist fast noch souveraener als keinen Fernseher zu haben (hab momentan auch keinen (also TV), das waere aber zugegebenermassen anders, wenn hier Champions League uebertragen wuerde).
    Affige Dirigenten gibt es zu Hauf, gerne auch unter den besonders guten (siehe z.B. Thielemann). Die auf Stuehlen sitzenden Orchestermusiker duerfen ja leider nicht aus ihrer Haut, sonst koennten alle froehlich gemeinsam hampeln. Ich wage mich bei den Dirigenten aber nicht zu beurteilen, was davon wirkliche Leidenschaft und was Show ist. Solange es gut klingt, soll es mir auch egal sein.

  51. "Es bedarf keines Studiums, um...
    „Es bedarf keines Studiums, um Kunst zu verstehen. Leider ist das in unserer Gesellschaft die sich immer mehr verbreitende Meinung, die bewirkt, dass Klassische Musik immer weniger Anhänger findet. Nach dem Motto: Lieber nicht, das ist viel zu kompliziert, da muss ich erst ein Buch lesen, um das zu verstehen. Das wiederum führt zu sich permanent leerenden Konzert- und Theatersälen. Ich frage mich aber ständig, die immer wieder mit Klassikmuffeln konfrontiert wird, wie ich die Leute von dieser großartigen Musik überzeugen kann und ich denke, über die emotionale Schiene kann man auch völligen Klassiklaien diese Musik zu lieben lehren…“
    @Venezia Fröscher: Sie sprechen mir aus der Seele! Als Kunsthistorikerin habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht. Niemand sollte sich von dem Klischee des Museums- oder Opernbesuchers abschrecken lassen, sondern wirklich für sich selbst entdecken können, ob er ein Kunstwerk oder Musikstück schön findet. Wer mag, kann sich dann ja immer noch Hintergrundwissen aneignen.
    Würde mich übrigens freuen, demnächst wieder von Ihnen zu lesen! Spannender Beitrag aus der wunderbaren Welt der Musik, merci!
    Oh, und mit Herrn Böhm bin ich auch aufgewachsen – die Tage unterhielt ich mich noch mit einem Freund über die Reihe „Wir entdecken Komponisten“. Die „Jahreszeiten“ begleiteten uns immer in den Sommerurlaub und verkürzten die Autofahrt… Dann aber als Kassette, versteht sich.

  52. @Venezia Fröscher: in DD war...
    @Venezia Fröscher: in DD war er aber nicht ansässig, der Bach. Entdecken Sie die versteckten Orgeln und die Reize der Provinz in Arnstadt, Gräfenhain, Bad Langensalza und den anderen Orten des Orgelsommers, s.o. (dem jungen Bach wird seine Heimat gegruselt haben, so daß er zu Fuß nach Lübbeck lief).

  53. In 300 Jahren werden Liebhaber...
    In 300 Jahren werden Liebhaber auch Stockhausen und Stromberger wiederentdecken und in den Museumsdepots zwischen Fettecken und Altpapierstapeln verzweifelt nach dem Elektroschrott suchen, den sie für die historische Aufführungspraxis brauchen.
    .
    Apropos: Die Aufnahmen von Furtwängler und Karajan jagen Kenner mono durch den Volksempfänger.

  54. @ Venezia Fröscher: Ihre...
    @ Venezia Fröscher: Ihre These vom anstrengungslosen Musikkonsum erinnert mich an ein Buch von Holger Noltze. Es heißt: Die Leichtigkeitslüge.
    https://www.amazon.de/Die-Leichtigkeitsl%C3%BCge-Musik-Medien-Komplexit%C3%A4t/dp/3896840797/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1317362254&sr=1-1

  55. @staff aureus: Ja, und in...
    @staff aureus: Ja, und in Lübeck sollte der Arme dann die Tochter des Kantors heiraten, um an die Stelle zu kommen, also lief er wieder retour … Übrigens wird man auch in zahlreichen kleinen Dörfchen der Eiffel fündig. Dort sind auch zauberhafte historische Orgeln zu entdecken. Ich begab mich mal auf Reisen dorthin.

  56. @Barocke Hörerin: Mir geht es...
    @Barocke Hörerin: Mir geht es nicht um eine „leichte“ Konsumhaltung gegenüber und Banalisierung von der klassischen Musik; keine Kulinarik im Konzertsaal. Da darf auch ruhig mal gedacht werden. Aber ich denke, es geht um die Attitüde, mit der viele klassische Musikkonsumenten und Macher die Musik an potentielle Publikumsnachfolger vermitteln wollen. Solange der Tenor herrscht: „die holde Kunst ist schwierig und bedarf einer speziellen Bildung“, werden sich viele Generationen dagegen sperren. Es geht z.B. um das spielerische Heranführen der Jugend an die Klassische Musik. Ihre Begeisterung, so ist meine Erfahrung, kann man eher wecken, wenn man ihnen über die Emotionalität, die die Musik beinhaltet, kommt und die Musik für sie somit fühlbar macht, als über intellektuelle Pflichten und Bildungsansprüche, auf die sie im Konzertsaal treffen.

  57. Zwei Herzen wohnen - ach - in...
    Zwei Herzen wohnen – ach – in meiner Brust! Das Cembalo – spielen über mehr als 25 Jahre hat meinen Anschlag auf dem Flügel doch hörbar versaut, wie ich bei Mozart, Beethoven oder Schumann leidvoll erfahren muss. Sicher bereichert die historische Aufführungspraxis (häufig „hist. AP“ abgekürzt) unser Hörerlebnis. Gerade aber der (auch oben) jetzt häufig gescholtene Karajan hat viel für Präzision und Korrektheit im Orchesterspiel getan. Ich habe (neben anderen Serien) seine Beethoven alle Neune sowohl in der alten Londoner Walter Legge Produktion mit dem Philharmonia, meist noch Mono (und Vinyl) als auch in der mittleren Gelbetikett mit den Berlinern aus der seinerzeit noch recht neuen Philharmonie. (Die späte Digitalaufnahme ist mir zu knallig auf Effekt getrimmt)
    .
    Hören Sie in der Philharmonia – Fünften (von 1955 wenn ich recht erinnere) mal in den Übergang vom 3. zum 4. Satz. Das ist nahe an Beethovens Metronom- Angaben, vor dieser Aufnahme hatte das noch nie einer so gemacht. Es ist auch präzise, weil über dem aufsteigenden Schrammeln der Geigen das Crescendo (wie in der Partitur nachzulesen, etwa die Gülke Kritisch revidierte Ausgabe) erst ganz zum Schluss kommt, bevor es in den triumphalen Bläsereinsatz des schweren Blechs zum 4. Satz kommt. Bei vielen anderen Dirigenten vorher und nachher wird zugelassen, dass die Geigen schon vorher vom pp ins p und mf gehen…., von der Pauke manchmal nicht zu schweigen.
    Auch die mittlere Gelbetikett – Aufnahme aus den frühen 70ern ist klangtechnisch sehr gutes Stereo und von der Klangästhetik deutlich besser als manche moderne Aufnahme. Die viel gerühmten Zürcher ( Zinman) und Bremer (Jäärvi usw) Aufnahmen sind demngegenüber rauh, erkennbar an der hist AP orientiert. Ob Beethoven aber wirklich so ein rauhes KLangbild wollte ( Trompeteneinsätze, Horneinsätze, z B III Eroica) wissen wir nicht. Demgegenüber ist Karajan fast vergleichbar schnell, deutlich schneller als in seiner Berliner Staatskapelle Aufnahme ( Reichsrundfunkband 1944) auf Furtwänglers Spuren), präzise (Intonationstrübungen im Orchester kommen nicht vor, für die Einsätze könnten sie die Tonspur auf ihrem Mac über eine Partitur legen und würden sehen – und hören – wie genau die Philharmoniker auf die eins kommen) aber es klingt besser.
    Das ist eine zumindest legitime Interpretation.
    In Konzerten live ist in jüngerer Zeit wieder Schludrigkeit zu hören, wackelnde Hörner und klappernde Tutti, das hat er schon in jungen Jahren als Orchestererzieher bekämpft, anders etwa als Furtwängler, der immer bereit war ein gewisses Maß an Impräzision hinzunehmen sofern ansonsten sein interpretatorischer Ansatz heraus kam. ( Nebenbei war Furtwängler als schlechter Auftakt – und Taktgeber bei den Musikern berüchtigt, bei solchen Dirigenten malen die Stimmführer Brillen an die kritischen Stellen in die Stimmen, d.h. Achtung hier genau Takt zählen und auf den Einsatz achten, zur Not selbst geben)

  58. Kein Witz:...
    Kein Witz: „Reichspfennigmeister Geizkofler aus Ludwigsburg“.

  59. Dafür muss man das Internet...
    Dafür muss man das Internet einfach mögen: In Youtube von Britten zu Nat King Cole springen. Oder von Henry Mancini zu Robert Palmer.
    Innerhalb von Sekunden, auch wenn man den Titel des Stücks nicht mehr genau weiß. Oder man bekommt Tipps von Leuten, die sich gut auskennen, in Blogs, for free. Ist doch toll. Vielen Dank dafür an den Hausherren und die Gastautorin.
    .
    Neulich auf einer Party hatte jemand eine Wurlitzer mit über 3.000 (U-Musik)-Titeln aufstellen und seine Gäste bis tief in die Nacht daran herumspielen lassen (was streckenweise nicht so eine gute Idee war, aber egal). So etwas bräuchte man für „alte Musik“, um mal einen besseren Überblick zu bekommen.

  60. Vielleicht kann ich ein...
    Vielleicht kann ich ein bescheidenes Beispiel beisteuern: Mondscheinsonate, 3. Satz, einmal von Emil Gilels gespielt, mein Stück aus der Kindheit, endlos gehört bis die Rillen der Schallplatte erodiert waren, und einmal von Daniel Barenboim. Letzteres empfang ich lange Zeit als staksig und hässlich im Vergleich zu Gilels wogender, geradezu verwischender Robustheit. In meinem Geist dazu stets das Bild aus dem Kleinen Hobbit, von Gilels´ endlosen wilden Wiederholungen des 3. Satzes begleitet: „Unter den überhängenden Felsen hatten sie Schutz für die Nacht gesucht, und er lag unter einer Decke und zitterte von Kopf bis Fuß. Wenn er in den Blitzschein hinauslugte, sah er jenseits des Tales die Bergriesen toben und mit Felsbrocken Ball spielen.“
    .
    Irgendwann, wahrscheinlich mit dem Alter, änderten sich die Geschmacksrezeptoren. Mir schmeckte plötzlich das verhasste Paprika, die Backofen-Pommes waren nur noch eklig, der Kleine Hobbit war nur noch ein Kindermärchen und Barenboims Version kam mir plötzlich klar wie Kristall mit bislang nicht wahrgenommenen Details vor. Seitdem frage ich mich, wie Beethoven selbst es gespielt haben mag und welche Intention, welcher Zeitgeist hinter dem Ausdruck gelegen haben mag. Selbst mit alten Instrumenten kann man allenfalls nur Annäherungen schaffen. Aber entscheidend ist und bleibt die eigene Gedankenwelt.

  61. muscat, dicke bretter kann man...
    muscat, dicke bretter kann man musikalisch nur bohren , wenns mit 5 Jahren los geht, jeden Tag Geige spielen und mit Druck von den Alten.

  62. Das Tonarchiv der...
    Das Tonarchiv der Symphonieorchester schreit nach einem Techno-DJ.
    .
    Großes Konzert für Maultrommel, Mundharmonika, PlayStation3 und Orchester.

  63. @gheluveld: Ich habe auch mit...
    @gheluveld: Ich habe auch mit fünf Jahren angefangen Geige zu spielen, allerdings ohne Druck von den Alten. Das Ergebnis: ich war nicht gut genug, um Geige zu studieren, was meinem Glück keinen Abbruch getan hat (vielleicht war es letztlich besser so). Bin aber mit Musikwissenschaft mehr als glücklich geworden! Es muss ja nicht gleich asiatischer Hochleistungsdrill sein, aber ohne Engagement geht es leider auch nicht. Unter Musikern heißt es: Üben hilft!

  64. @HansMeier555: Es existiert...
    @HansMeier555: Es existiert ein Stück von John Cage – „spectaculum“ – für Cembali, Filme, Dias , Tonbänder und PC …
    Stockhausen hat das Helikopter-Quartett komponiert: Da sitzen vier Streicher (2 Violinen, Viola, Cello) jeweils in einem Helikopter und fliegen über den Konzertsaal. Ihr Spiel wird in den Konzertsaal via Technik übertragen. Soweit ich informiert bin, wurde das kostspielige Werk bis dato zwei Mal gespielt: einmal zur Uraufführung, ein anderes Mal für Promotionszwecke von Red Bull.

  65. gheluveld, ja, wirklich...
    gheluveld, ja, wirklich schlimm, noch dazu hatten diese Kinder bei der Teilnahme an den Bundesjugendspielen in den meisten Fällen die Schmach einer „Siegerurkunde“ zu ertragen.

  66. muscat: siegerurkunde war...
    muscat: siegerurkunde war schon viel, es gab auch urkundenlos
    venezia fröscher: alle glücklichen menschen ähneln einander

  67. @ gheluveld – ‘dicke...
    @ gheluveld – ‘dicke bretter kann man musikalisch nur bohren , wenns mit 5 Jahren los geht’ würde ich verallgemeinern und behaupten, dicke Bretter kann man nur bohren, wenn man schon sehr früh damit anfängt.

  68. @muscat & gheluveld: Ja, und...
    @muscat & gheluveld: Ja, und scheinbar ähneln sich auch die Plagen der Schmach: auch ich gehörte, schmachgeplagt, zur Rubrik der Urkundenlosen. Bis ich erkannte, dass ich mit der „Ich-bin-aber-Musiker“-Masche weitaus besser fahren konnte, d.h. mich z.B. von der Pflicht mit Bällen Sport zu treiben oder Tennisschläger in die Hand zu nehmen grundsätzlich wegen Verletzungsgefahr und damit Unbrauchbarkeit für das Musizieren befreite.

  69. Sport bzw. Tanz war mir damals...
    Sport bzw. Tanz war mir damals lieber und Hobbies bekamen wir nur eines finanziert. Manchmal denke ich mir: hättest du dich mal besser für die Bassgitarre oder das Cello entschieden.
    Genießen lässt sich Musik freilich auch ohne eigene Ausbildung am Instrument oder der Stimme. Das ist doch die Hauptsache.

  70. der tiger,...
    der tiger, westviertelerziehung im guten sinn, da ist immer einer /eine , die hinter einem steht, hausaufgabenmäßig und beim geigespielen e.g,
    nicht zu streng, mit liebe, eben vom kind aus gedacht.

  71. Richtig so, muscat, Genuss ist...
    Richtig so, muscat, Genuss ist alles. Dazu kann einen auch keine noch so großartige Ausbildung bringen, entweder man ist genussfähig oder nicht. Ich genieße – also bin ich.

  72. @Venezia Fröscher - Cogito...
    @Venezia Fröscher – Cogito ergo sum – bei Ihrer Übersetzung würde sich Descartes im Grab umdrehen.

  73. Mit dem Kopf im Museum oder...
    Mit dem Kopf im Museum oder dem Körper im Grab? Gerade beim zerstückelten Descartes könnte man, wenn sich beides dreht, ja am Kopf beobachten, ob der Körper gerade wieder von Venezia in Rotation versetzt wird.

  74. Als kleines nachmittäglicher...
    Als kleines nachmittäglicher Genusshappen für meine werten Alte-Musik-begeisterten Leser: Wir sprachen schon einiges über Violen da gamba, Orgeln, Blechblasinstrumente – hier nun ein kleiner Hörgenuss von Seiten der Tasteninstrumente.
    I. Das Cembalo
    Adorno behauptete ja felsenfest, hätte Bach einen Steinway gekannt, dann hätte er für eben dieses „Geflügel“ (wie mein Musikprofessor zu sagen pflegte) komponiert, nicht für Cembalo. Er kannte wohl nicht die Schönheit des Cembalos, wenn jemand wie Andreas Staier es spielt: http://www.youtube.com/watch?v=UyUcDb651JE&feature=related
    II. Das Fortepiano
    Mein Favorit. Hören sie davon mal Mozart gespielt: http://www.youtube.com/watch?v=3gU0m2HSpjA oder http://www.youtube.com/watch?v=EgeTqDjuHNI
    Viel Vergnügen und einen genussreichen Nachmittag.

  75. Re Square pianos

    John Jacob...
    Re Square pianos
    John Jacob Astor (aus D-Walldorf) war ausgewandert nach London wo sein Bruder George Klavierbauer war. This piano looks just like the one I have – even the white enamel name-plaque is probably the same (with the words
    G. Astor, Cornhill, London on it). Square pianos are easy to play because all early music is uncomplicated – there was Chopin music before 1800 for example. Square pianos are even now not expensive.
    http://www.kbbantiquepianos.com/georgeastor.html

  76. @Venezia Fröscher: Vielen...
    @Venezia Fröscher: Vielen Dank für die Links! Und wie viele Haare Andreas Staier 1998 noch hatte!
    Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich die Cembali klingen können. Am Anfang klangen sie allerdings für mich alle gleich – nach Nähmaschine. Heute höre ich die Unterschiede schon sehr deutlich, vielleicht habe ich aber einfach auch nur bessere Lautsprecher.
    Staier hat auch die Goldbergvariationen aufgenommen. Da benutzt er allerdings ein Trum von einem Cembalo (mit 16 Fuß oder wie das heißt). Das Ding ist jedenfalls derart basstark, dass es schon fast des Guten zu viel ist.
    Mozart auf dem Fortepiano: Ich habe die Gesamtaufnahme der Klavierkonzerte mit Joss van Immerseel. Aber da finde ich den Klang des Fortepiano doch arg dünn und mickrig, es kann sich kaum gegen das Orchester durchsetzen. Das klingt bei den Freiburgern mit Staier schon besser.

  77. Sorry, my Post 15.36h...
    Sorry, my Post 15.36h
    Berichtigung:
    „…there was NO Chopin music before 1800 ……“

  78. Cara Venezia,
    .
    dieser Narr...

    Cara Venezia,
    .
    dieser Narr von John Cage heißt wohl nach dem Käfig, in den er gehört — meine Vorschläge aber waren völlig ernst gemeint.

  79. Eine Bekannte von mir möchte...
    Eine Bekannte von mir möchte mal spasseshalber einen „Abstraktmalkurs für Anfänger“ anbieten und schielt dabei auf Westviertler. Jetzt ist die Frage, wieviel man da als Kursgebühr pro Doppelstunde nehmen darf, ohne gleich als maßlos unverschämt zu gelten.
    Sie meint 250 Euro, aber ich halte das für zu niedrig, um seriös zu wirken, es müssten mindestens 380 sein. Was meinen Sie?

  80. Ich empfehle immer, wenn man...
    Ich empfehle immer, wenn man etwas macht, dann konsequent. Einfach so einen Kurs für abstraktes Malen anzubieten, ist kein überzeugendes Geschäftsmodell. Wie wäre es mit einem Kurs, in dem man lernt, sich seinen eigenen Jäger-Picasso oder «Rotes Bild mit Pferden» nach Heinrich Campendonk zu fälschen.
    http://www.faz.net/artikel/C30857/prozessauftakt-in-koeln-quartett-faelschte-kunst-im-grossen-stil-30495286.html
    .
    Der Preis im ‘Bereich des Üblichen’ läge da wohl erheblich über 380 Euro pro Doppelstunde.
    .
    Es sollen ja noch über Dutzend dieser Jägersammlung Fälschungen unbekannterweise geben. Mit dem do-it-yourself Geschäftsmodell ermalt man sich die Fälschung einer Fälschung…. Das wäre dann echte abstrakte Kunst.

  81. @HansMeier555: Oh, Sie stellen...
    @HansMeier555: Oh, Sie stellen Fragen!! Wäre es doch was Musikalisches, dann hätte ich ohne Umschweife eine Antwort parat …
    Als ich mal bei der VHS zum Thema Musikgeschichte unterrichtete, bekam ich die Hälfte von ihren Lohnvorstellungen. Sie haben natürlich vollkommen recht, wenn sie mit dem höheren Preis auch eine gewisse Seriosität „verkaufen“ wollen. Qualität hat ihren Preis. Nur leider ist meine Erfahrung aus der Kulturszene heraus, dass mittlerweile viele Menschen nicht mehr gewillt sind, dies anzuerkennen. Lidl-Mentalität ist mittlerweile nicht mehr nur auf das Lebensmittelsegment beschränkt und in Zeiten der Krise, so zumindest meine Erfahrungen aus der Theaterwelt, hält man sich bei teuren Kartenpreisen zurück. Viele investieren heute lieber in eine teure Karte für ein großes Star-Event-Veranstaltung, haben damit ihr Kulturportion für das Jahr erhalten und sparen dann lieber daran, regelmäßig das Opernhaus aufzusuchen. die kleinen Häuser leiden darunter, die großen Kulturinstitutionen merken davon wenig.
    Daher sollte man sicherlich mitbedenken: In welchem Umfeld, Stadt etc. findet der Kurs statt? Wie sieht es denn mit den Materialkosten aus; tragen die die Teilnehmer selbst? Ich bin ja kein Makreting-Experte, aber ich kann mir vorstellen, dass es hilfreich ist, zu eruieren, ob es bereits Interessenten auf solche einen Kurs gibt. Dann kann man ohne weiteres den Preis hochsetzen. Es wäre ja schade, wenn das schöne Projekt nur wegen einer „falschen“ Preispolitik nicht zustande kommt.

  82. @gabriele: Kulturausverkauf -...
    @gabriele: Kulturausverkauf – leider …
    http://www.youtube.com/watch?v=t95L3K3cJNA

  83. Ich würde Mozart mit W....
    Ich würde Mozart mit W. Gieseking empfehlen, der ist zur Zeit nicht mehr sehr in, obwohl EMI seine Mozart Aufnahmen ( Klaviersonaten, einen Teil der Konzerte) fast 30 Jahre nach seinem Tod immer noch im Katalog als lieferbar hatte. Auch sein Debussy und Ravel ist immer noch klangsinnlich und gut. Ein anderer sehr guter Pianist des 20.Jh hat von ihm gesagt: „der hat mehr Klangschattierungen als wir alle zusammen“. Dabei konnte er durchaus auch donnern und auch Bach (er hat noch viel Bach auf dem Flügel gespielt) analytisch spielen, nicht a la M Stadtfeld.
    Die Goldberg habe ich neben den Noten auch mit Staier, aber auch G Gould, M Stadtfeld und G Leonhard, aber auch mit einem jungen englischen Pianisten (eher lahm) und in einigen anderen Aufnahmen.
    Und jeder der bei Bach auf Klavier oder Cembalo mitreden will soll mir die Gigue aus der B Dur Partita vorspielen.

  84. Zum Thema alte Orgeln auf dem...
    Zum Thema alte Orgeln auf dem Lande hier was aus dem Westfälischen:
    http://www.ostoennen.de/kirche/orgel.htm – nicht sehr bekannt, aber dafür wirklich eine der ältesten Orgeln der Welt. Wer’s darauf versucht, weiß, dass es mit Recht heißt: die Orgel „schlagen“!

  85. 23 Links - neuer Rekord! Auch...
    23 Links – neuer Rekord! Auch wir gratulieren!

  86. Ohne hier jemanden düpieren...
    Ohne hier jemanden düpieren zu wollen,
    @hm555: Es gibt Tage, an denen lese ich hier nur für Ihre Kommentare.
    Meine Verehrung.

  87. @prince Matecki: eine ganz...
    @prince Matecki: eine ganz andere Richtung der Interpretation, aber interessant sind auch die Klavierkonzerte Mozarts mit Bobby McFerrin und Chic Corea: http://www.youtube.com/watch?v=QF1pD8vAGGs
    Hier wird die Kadenz in guter alter Manier tatsächlich improvisiert.

  88. @ Venezia Fischer:

    Zunächst...
    @ Venezia Fischer:
    Zunächst einmal eine Offenlegung: Ich bin Komponist zeitgenössischer Kunstmusik. Und unter diesem Vorzeichen hoffe ich auf Verständnis (und bestenfalls danach auf einen redlichen und angenehmen Diskurs), wenn ich hier sage, daß ich mich doch ziemlich vor den Kopf gestoßen fühle durch ein bestimmtes Seitenthema des ursprünglichen Beitrags und der nachfolgenden Diskussion: nämlich das allzu lässige, geringschätzende Abtun der Neuen Musik. Vor allem, daß sich der Begriff „Antimusik“ hartnäckig durch die Kommentare zieht, ohne daß sich jemand daran zu stören scheint, macht mich, offen gestanden, recht betrübt, denn immerhin ist da die Rede von dem, was ich und viele andere Künstlerinnen und Künstler mit aller Leidenschaft betreiben – es ist letztendlich unser Beruf im besten Sinne.
    Nun möchte ich hier gar nicht den Versuch beginnen, ausdrücklich für die Neue Musik zu werben – wer gerade nicht Willens ist, sich auf die beschwerliche Reise zur zeitgenössischen Kunstmusik einzulassen (und jeder Weg zu tieferem Verständnis einer Kulturleistung ist eine beschwerliche Reise), der wird sie sich kaum von mir aufzwingen, -bitten oder -schmeicheln lassen, egal, wie sehr ich selbst um den unzweifelhaft reichen Lohn einer solchen Reise weiß.
    Aber an einem Punkt stutze ich dann doch so sehr, daß ich folgende Frage loswerden muß: wo ist sie eigentlich, diese ganze Neue Musik, die lediglich (und wirklich ausschließlich oder wenigstens größtenteils) „zu einem rein intellektuellen und mathematischen Konstrukt wird“ und die deshalb (so lese ich es zwischen den Zeilen) es eigentlich nur zu sehr verdient hat, daß man sie als „unhörbar“ abwatscht? Sie, Frau Fischer, haben problemlos Ihre solide Kennerschaft auf dem Gebiet der Alten Musik unter Beweis gestellt. Aber ich will meinen, daß ihre geäußerte Meinung über die Neue Musik eine sehr viel größere intelektuelle Redlichkeit hätte, wenn Sie die angeführten Ressentiments auch konkret unterfüttern würden. Es müssen ja nicht gleich ausgewählte youtube-clips sein (obwohl youtube mittlerweile eine fantastische Möglichkeit ist, in den Reichtum der Neuen Musik einzutauchen), aber könnten Sie denn wirklich dezidiert (und fern des unverbindlichen Fallenlassens nur zu wohlverbreiteter Klischees) sagen, welche Werke und KomponistInnen es sind, die tatsächlich so völlig abgehoben und vom Allzumenschlichen losgelöst sind, wie Sie es andeuten (ob der Fokus auf den Gefühlsgehalt denn tatsächlich die einzig gültige Art und Weise ist, Kunst im Allgemeinen und Musik im Speziellen zu rezipieren, sei hier zunächst dahingestellt). Und damit wir uns recht verstehen: gelten lassen möchte ich hier zunächst lediglich anerkannte Meisterwerke, oder, um diesen etwas altmodischen Begriff zu vermeiden, zumindest unumstritten wichtige Werke und Künstler, denn man sollte bei der ganzen Diskussion um die Alte Musik ab und zu einmal daran denken, daß alte Kunst vor Jetzt-Kunst immer den Vorteil haben wird, daß die Geschichte verläßlich so ziemlich alles aussortiert hat, was vom Alten eher sub par war.
    Also noch einmal meine ganz nüchtern und ernst gemeinte Frage: an welche Musik denken Sie denn speziell, wenn Sie das wirklich scheußliche Wort „Antimusik“ benutzen. Ich wäre sehr überrascht, wenn man bei sorgfältiger und fairer Prüfung des zeitgenössischen „Kanons“ und auch seinem (sehr) weit gefassten Umfelds tatsächlich fündig würde, so man denn die hier durchscheinenden Kriterien anwenden würde.

  89. HansMeier555@Cage: Hihi. (Das...
    HansMeier555@Cage: Hihi. (Das Geklimper ist wirklich gottserbärmlich. Wer will drauf hereinfallen?)
    .
    wiwo: Ostönnen ist klasse. Zum Glück aber auch entlegen, das rettet in mancher Hinsicht. In meiner Jugend habe ich dort im Turm die Tauben gefangen, heute ist alles sehr kunsthistorisch-gepflegt…

  90. Herr Plötz, wwürden Sie den...
    Herr Plötz, wwürden Sie den Beweis antreten wollen? Wo?

  91. Ich möchte an der Stelle...
    Ich möchte an der Stelle vielleicht bemerken, dass es bei der FAZ auch Betrachtungen zur Neuen Musik gibt, und andererseits – mei, natürlich kann man das so und so sehen, aber es ist nun mal so, dass sich nicht jedem alles erschliesst. Ich habe auch meine liebe Not, dem ein oder anderen Gesualdo nahezubringen. In der Publikumsgunst gibt es nun mal einen Wettlauf, und ich wage zu sagen, dass die Idee, die Hörer bestenfalls zu fordern und schlimmstenfalls zu brüskieren, keine gute Idee ist. Natürlich verstehe ich es als Hörer (und Verantwortlicher dieses Blogs, das wenn dann der Alten Musik huldigt), dass man heute nicht mehr wie Frescobaldi komponieren kann, aber es muss gestattet sein, eigene Wege zu gehen, wenn andere nicht kommod erscheinen. Um bei Gesualdo zu bleiben: Man muss nicht nur wissenschaftlich erklären, sondern vor allem begeistern. Und das ist durchaus etwas, das man lernen kann. Vor ein paar Tagen war ein Kinderfest in Mantua, da spielten sie Tarantella: Das hat funktioniert, einfach so, auf der Strasse.

  92. P.S.: La ragazza detto...
    P.S.: La ragazza detto FRÖscher nicht Fischer.

  93. lieber don, fröscheln sie mal...
    lieber don, fröscheln sie mal wieder?

  94. Sehr feiner Beitrag! Da capo!...
    Sehr feiner Beitrag! Da capo!

  95. Es ist so, Herr Plötz, daß...
    Es ist so, Herr Plötz, daß ich maßlos neugierig und von theoretischen Erwägungen völlig unbelastet bin. Aus diesem Grund höre ich mir alles, wirklich alles an. 19. Jahrhundert finde ich meist langweilig, weil zu oft gespielt und abgenutzt. Der Neuen Musik kann ich, im Gegensatz zu Don Alphonso viel abgewinnen. Aber man wird als Hörer auch oft genug, nunja, veräppelt. Ein Beispiel für Antimusik? Bitte:
    http://www.youtube.com/watch?v=369JzPk0ACo
    Anhören auf eigene Gefahr. Ich kenne es übrigens aus der Kollektion „Ohm“ mit experimenteller elektronischer Musik. Ich habe ein einfaches Kriterium, wie weit Experimente gehen dürfen: wenn ein anderer Interpret außer dem Komponisten ein Stück reproduzieren kann, ohne es vorher schon einmal gehört zu haben. Das Kronos Quartet macht es vor. Wobei Bob Ostertag für mich schon grenzwertig ist. Übrigens gibt es ein schönes Album von Kronos mit dem Titel „Early Music“. Dort wird mühelos der Spagat zwischen 14. und 20. Jahrhundert geschafft. Avancierte Kompositions- und Interpretationstechnik muß kein Widerspruch zu „gutem Klang“ sein. Womit ich meine, daß es beim Zuhören nicht physisch schmerzen sollte.

  96. liebe Venezia,
    Ihren...

    liebe Venezia,
    Ihren interessanten, so liebevoll mit links gespickten Text (und die Kommentare)kann ich leider erst morgen abends so recht ausführlich genießen, und freu mich schon darauf! Danke für Ihre Sorgfalt! ( Die Hirsche röhren und wir sind fast immer draußen. )

  97. Bobby McFerrin habe ich...
    Bobby McFerrin habe ich während meiner Austauschzeit in den USA mal getroffen, der ist auch privat immer so und kann musikalisch immer alles wechseln, pfeifen, spielen, singen – whatever. Das kommt vielleicht von der Einstellung her Mozarts eigenem Musizierstil durchaus nahe. Auch einige der „klassischen“ Pianisten improvisieren übrigens Kadenzen bei Mozart, manchmal der alte Industriellen – Sproß (Badura-Skoda), und auch manche jüngere. Nur bei den beiden moll Konzerten nimmt man gern alte Kadenzen, u.a. Beethoven ( der die für den eigenen Gebrauch geschrieben hatte).
    Immerseel mit der „anima aeterna“ gefällt mir da nicht wirklich.
    Neben dem oben erwähnten Gieseking (vergleichen Sie mal seine version von Köchel 466 oder 491 mit Philharmonia und Karajan mit dem beiläufigen Spiel dass der hist AP erfahrene Bruno Weil mit dem NDR nur aus M Stadtfeld bekam)
    auch Brendel und Badura-Skoda, die habe ich zB auf dem Iphone fast komplett um Wartezeiten auf Flughäfen zu überbrücken. Dritte Sätze pfeife ich manchmal gnadenlos mit.
    Das gibt ein gutes Stichwort zur modernen oder zeitgenössischen Musik und Herrn Plötz oben. Ich bin ja nun auch noch nebenbei als Organist in unserer Gemeinde tätig, muss manchmal selbst improvisieren (ja meist lieber pseudobarocker Oragnistenzwirn, manchmal romantisch und sicher nicht künstlerisch hochwertig, aber dafür passend zu liturgischen Intonationen).
    Ich habe auch versucht bei der Litaratur das ein oder andere aus dem 20. Jh zu spielen, weniger Reger ( zu lang und wuchtig für den Gebrauch im Gottesdienst, wenige Choralvorspiele kann man da brauchen, seine großen Werke nur als Nachspiel) aber zum Beispiel Floor Peters.
    Trotzdem ist das alles wenig eingängig. Warum nimmt ein zeitenössischer Filmregisseur für einen (oft ironisch gebrochenen) Thriller Mozarts Rondo D Dur für Klavier und Orchester, ein Stück mit Ohrwurm – Qualität? Das Thema können sie sogar 6-Jährigen zu pfeifen beibringen. Warum schaffen es zeitgenössische Komponisten so selten so kenntlich und aneignungsfähig zu schreiben?
    ( Aneignung z B Händel Judah Maccabaeus See the conquering hero comes -> Tochter Zion -> ab in 250 Jahre Gesangbuch)
    Was mir vor etlichen Jahren als elektronische Musik imponiert hat war die am Moog- Syntheziser improvisierte Kadenz von Walter ( Wendy) Carlos zu Bach Brandenburg 3 (erste Fassung, die spätere 2. ist viel flacher). Das war modern und passte doch für jeden der die chromatische Fantasie und Fuge kennt.

  98. Weder beabsichtige ich hier,...
    Weder beabsichtige ich hier, die Neue Musik anzugreifen, noch redliche Komponisten, die sich einer Kunstgattung mit großem Elan, Engagement und Liebe verschrieben haben und großes leisten, zu demarkieren oder gar zu verletzen. Es ist ein großer Gewinn, dass wir nun einen Komponisten in unserer Blog-Runde haben, denn so können Sie uns allen, die wir in der Neuen Musik nicht unsere Heimat finden, mit Kenntnis bereichern. Vielleicht finden Sie Antworten auf meine/unsere Fragen.
    Grundlegend: Nach meinem Verständnis ist Musik eine Sprache, keine theoretische Angelegenheit. Eine Sprache, die einerseits durch intellektuelle Konstrukte funktioniert, andererseits aber Emotionen transportiert. Durch gerade diese letzte Eigenschaft gewinnt sie Universalität. Diese Universalität kann ich allerdings bei vielen Neuen Musik Werken nicht entdecken, da nach meinem Verständnis diese Musik ganz bewusst mit dem Transport von Gefühl gebrochen hat. Es scheint eher um die intellektuelle, theoretische Auseinandersetzung von Musik zu gehen. Das bewirkt natürlich, dass diese Musik für all diejenigen, die das theoretische Wissen nicht aufweisen bzw. die Musik als Sprache verstehen, nicht mehr unmittelbar verständlich ist. Neue Musik wird so zum geistigen Konstrukt und kreiert sich eine Nischenposition. Selbstverständlich kein negative Eigenschaft, man kann das nun als avantgardistisch betiteln. Daraus resultiert jedoch dann auch, dass man als solche verstanden wird und von der Norm kritisiert wird. Es ist doch evident, dass sich die Musik einem großen Kreis von Zuhörern durch die ihr immanente Eigenschaft entzieht, weil eben dieser Kreis der Rezipienten nur dann einen Zugang zur Musik findet, wenn sie auch einen emotionalen Aspekt, die Idee der universellen Sprache, in sich trägt. Natürlich kann man innerhalb des Neuen-Musik-Kreises sitzend, all diejenigen verteufeln, die nicht bereit sind, sich auf diese theoretische Reise einzulassen. Ich würde allerdings gern den Diskurs eröffnen, warum sich bis dato scheinbar nur ein geringer Kreis von Kennern für diesen Musikstil begeistern kann. Mit Aufkommen der Dodekaphonie gab es ja die These, es sein eine Frage der Hörgewohnheit. 100 Jahre später haben sich letztlich nur ein kleiner Rezipientenkreis „gewöhnt“.

  99. Geehrte Foersterliesel, schön...
    Geehrte Foersterliesel, schön und für mich sehr ehrenhaft, dass ich Sie wieder „infizieren“ konnte! Ich bin gerne morgen für sie da, um gemeinsam die Hirsche röhren zu lassen …

  100. @Venezia Fröscher

    Bitte...
    @Venezia Fröscher
    Bitte zunächst um Vergebung wegen der versehentlichen Namens- ähhh, nennen wir es mal Änderung. Das ist mir natürlich unangenehm und peinlich.
    @E.R. Langen
    Wie ich im zweiten Absatz nicht nur angedeutet habe: nein, würde ich (zumindest an dieser Stelle) nicht wollen. Aber ich habe ja auch nicht im Vorbeigehen einen ganzen Zweig des Musiklebens als mehr oder weniger unangenehme Zumutung dargestellt. Deswegen, das ist mir klar, ist jetzt natürlich niemand, der dem zustimmen würde, irgendwie in einer Bringschuld, genausowenig wie ich. In der Tat aber habe ich mich, wie eine Vielzahl der professionellen E-Musiker hierzulande, zunächst einmal mit der Alten Musik auseinandergesetzt, und ich würde mir nicht ohne weiteres erlauben, meinen Senf dazu abzugeben, wenn ich dieses vertiefte Wissen nicht hätte. Aus gutem Grund: denn über Sachen zu reden, von denen man eigentlich nicht viel versteht (schlimmer noch: eigentlich gar nichts verstehen will), zieht früher oder später jeden Diskurs ziemlich sicher nach unten.
    Was mich,
    @Don Alphonso
    zu meiner Ausgangsfrage zurückbringt, denn es geht mir überhaupt nicht darum, Alte und Neue Musik gegeneinander auszuspielen. Im Gegenteil genießt beispielsweise gerade Gesualdo bei den meisten zeitgenössischen Komponisten besonders hohe Wertschätzung, eben genau deshalb, weil seine Musik großen technischen Wagemut mit der direkten „Ansprache“ durch Kunst zu verbinden weiß. (Daß es durchaus auch andere Zugangswege zur Kunst gibt, wäre ein anderes Thema.) Was mir aber eben bei solchen locker in die Runde geworfenen Beispielen der Alten Meister, die „es noch richtig konnten“, sauer aufstößt, ist die mitschwingende Andeutung, daß es eben den „Neuen“ daran grundsätzlich fehlen würde. Und ich hätte sehr viel weniger Grund, mich an diesem sehr wackligen Argument zu stoßen, wenn denn irgendwo anschauliche Beispiele für diese These zu sehen wären – von dummen Vorurteilen abgesehen.
    Wenn ich es richtig verstehe, ist ja die Kultur der gepflegten Konverstaion gerade in diesem Blog öfter mal (wenn auch nicht sonderlich lebhaftes) Thema. Und halten Sie mich für … tja, was eigentlich … aber ich finde, daß die Plauderei über die Alte Musik Schaden nimmt, wenn sie sich solcher billiger Tricks bedient, wie sie mit ein größtenteils imaginären Negativbeispiel zu kontrastieren.

  101. Geehrter Herr Plötz, ihre...
    Geehrter Herr Plötz, ihre Kreativität bzgl. meines Namens sei Ihnen ohne Groll gern vergeben. Ich trage den Namen ja nun schon seit geraumer Zeit und weiß um die Schwierigkeiten damit. Mehr noch allerdings mit dem Vornamen: Verona, Valencia …
    Aber zurück zur Musik: Es geht hier sicherlich nicht um ein Ausspielen „alt“ gegen „neu“. Vielmehr um die Feststellung, dass im Alten noch vieles unmittelbar begreifbar ist, einen direkten Zugang zu dieser Musik ermöglicht, der im „Neuen“ selten anzutreffen ist. Das ich das „alte“ als Alt-Begeisterte in der Vordergrund rücke, müssen Sie mir bitte mit Nachsicht ob meiner Liebe, zubilligen. Indem man Farbe bekennt, zu einem Pol tendiert, kreiert man Diskurse und Dialoge, wie hier nun offensichtlich wird.

  102. Ich höre nur selten Neue...
    Ich höre nur selten Neue Musik und wenn, ist sie auch schon hundert Jahre alt. Wenn man aber die Zweite Wiener Schule zur Neuen Musik zählen will, weil sie nicht mehr tonal ist, so kann ich gerade dort und insbesondere bei Alban Berg nun wirklich nicht finden, dass sie keinen „Transport von Gefühl“ mehr beinhaltet. Während ich, wie ich weiter oben bereits schrieb, die Kunst der Fuge nicht gerade als emotional bezeichnen würde. Ich höre da eher verschiedene Abstufungen von Grau und weite, blaue Räume.
    Von der zeitgenössischen Musik kenne ich nur die beiden Violinkonzerte von Sofia Gubaidulina. Vor allem das zweite quillt nach meiner Erinnerung geradezu über von Gefühlen. Vielleicht sind diese Gefühle nicht immer angenehm und vielleicht ist DAS das eigentliche Problem. Diese Musik deshalb als „Antimusik“ zu bezeichnen, wäre trotzdem absurd und anmaßend.

  103. @Alexander Ploetz: Ich hab...
    @Alexander Ploetz: Ich hab zwar ihr G+-Profil gefunden, aber leider keine Ihrer Kompositionen. Auf ihrem G+-Profil weisen sie beispielsweise auf Cages 4’33 hin, das waere so ein Beispiel (oder diesen „so langsam wie moeglich“-Quatsch). Oder Charles Ives, wenn er versucht, alte Hoergewohnheiten aufzubrechen (z.B. http://www.youtube.com/watch?v=EXJPnUZhETg&feature=related) – mag interessant sein, beruehren tut es mich nicht, zumal wenn das Technische nicht Mittel zum Zweck, sondern der Zweck selbst zu sein scheint. Ich weiss nicht, ob „Antimusik“ dafuer die beste Bezeichnung ist, aber offenbar weiss man doch, was damit gemeint sein soll (aehnliches kann man uebrigens auch fuer diverse Varianten des Jazz behaupten, der ja gelegentlich verklaert wird [Man koennte es den Arte/3Sat-Effekt nennen {TV ist bloed, aber Arte/3Sat sind toll}]).
    Aber gleichsetzen will hier eh niemand Neue und „Anti-“ Musik. Letztere ist nur ein Teil dessen, was moderne Komponisten so geschaffen haben. Als Beispiel fuer einen modernen, experimentierfreudigen Komponisten, der vermutlich von den wenigsten als Antimuski eingestuft wuerde, koennte man zum Beispiel Thomas Ades nennen.

  104. Ich freue mich über diesen...
    Ich freue mich über diesen regen Austausch. Exakt dies wollte ich mit dieser anmaßenden Extrem-Formulierung bewirken. Und sehen Sie, es funktioniert. Wir befinden uns inmitten eines regen Diskurses über Alte und Neue Musik.

  105. Ich schließe mich T.I.M. an...
    Ich schließe mich T.I.M. an und nenne noch Philippe Boesmanns, den ich zu meinen verehrten Komponisten-Raritäten im 21. Jahrhundert zähle.

  106. Guten Morgen allerseits,
    ein...

    Guten Morgen allerseits,
    ein Beispiel zeitgenössischer, Emotionen transportierender Musik mit einer Qualität die z B Laienchören das Interpretieren durchaus erlaubt ist aus meiner Sicht Rutter Magnificat. Davon gibt es mehrere Einspielungen, englische Kathedralchöre (sowohl anglikanisch als auch katholisch) singen es an entsprechender Stelle in der Vesper.
    Überhaupt scheinen mir englische und amerikanische Komponisten unserer Tage unbefangener mit den Kompositionsmöglichkeiten umzugehen, Tonalität, starke Rythmusbetonung und Aufnahme älterer Formschemata inklusive.
    (Wie ja auch Brahms in der 4 Symphonie alte Modelle aufnahm und sie sich symphonisch anverwandelte, was einem gefallen kann auch wenn man die Partitur und die Konstruktion nicht kennt)

  107. O.T.: "Männersachen" - Es ist...
    O.T.: „Männersachen“ – Es ist ein Elend. Selbst die auf sich haltenden Herren Italiener glauben, dass Schuhe nicht zur Kleidung gehören. Alles top – aber dann schaut der Betrachter entsetzt auf die Füsse: Gehüllt in Ramsch.

  108. Einen schönen Guten...
    Einen schönen Guten Morgen,
    principe, wenn wir bei Neuer Musik an diesem Morgen bleiben, ist zu bemerken, dass sich natürlich hier verschiedenste Stile tummeln. Kompositionen, die tonale Bezüge, tradierte Formen vehement ausschließen, um das „Spektrum“ zu erweitern; auf der anderen Seite steht die Neo-Fraktion. Also all die, die in ihren Kompositionen Spolien des Alten verwenden. Der damit erzeugte Wiedererkennungseffekt lässt uns einen leichter eingängigen Zugang zu diesen Kompositionen finden.
    Vielleicht ist zu überlegen, ob der Zweite Weltkrieg in dieser Sache einen starken Einfluss auf die Neue Musik genommen hat. Nach diesem Einschnitt war für viele Komponisten der Rückgriff auf das „Alte“ nicht mehr möglich. Der Paradigmenwechsel somit unumstößlich. Könnte ihr Feststellung evtl. damit in Verbindung stehen, dass dieser Einschnitt in Amerika weniger stark wahrgenommen worden ist und somit dort der Rückgriff auf ältere Musikschemata leichter umsetzbar scheint?

  109. zu O.T.: Die Probleme der...
    zu O.T.: Die Probleme der italienischen Schuhbranche jenseits von Prada wären eine eigene Betrachtung wert. Das Problem ist, dass dem Italiener Italien nichts gilt und die grossen Marken samt und sonders nach dieser definition aus England stammen. Kurz, der Italiener ist nicht wirklich klug.

  110. ... ohne den Herren in ihr...
    … ohne den Herren in ihr „Männerthema“ eingreifen zu wollen, wäre meine Frage: Erst Ausverkauf der italienischen Kultur, dann der italienischen Schuhmarken … Löst sich Italien in ein kulturell-ästhetisches Niemandsland auf?

  111. In der Tat, wie einem in den...
    In der Tat, wie einem in den USA ja in mnacherlei Hinsicht, gerade auch politisch, eine primäre Naivität auffällt, die wir uns gründlich abgewöhnt haben. Was sicher auch regional unterschiedlich ist, der „sophisticated“ New Yorker wird das gar nicht so sehen und der Professor in Princeton mit europäischen oder inzwischen auch asiatischen Wurzeln ebenso wenig wie der ehemals Heidelberger Medizinstudent, der damals bei einem offiziellen Essen mein Tischnachbar war und der es gerade noch geschafft hatte. Angesichts seines Geburtsjahrgangs und meines Alters müsste man jetzt wohl den Kaddish oder das Kol Israel sagen….

  112. Naja, Kulturpolitik in Italien...
    Naja, Kulturpolitik in Italien ist ein ganz eigenes Thema. Auf der einen Seite verknöcherte Strukturen, auf der anderen Sparwillen, dazwichen Terfall. Ich schreibe gerade für Print eine Reportage rund um den Skandal der Baufirma Pizzarottim da sieht man recht schön, wie in Parma auch heiligste Kulturgüter Gegenstand übler Machenschaften werden.

  113. Vor einigen Tagen, während...
    Vor einigen Tagen, während einer musikwissenschaftlichen Tagung, unterhielt ich mich mit Wissenschaftlern aus Rom, die in der dortigen Kulturszene abreiten und zu hause sind. Nach ihrem Dafürhalten, und das fand ich ganz erstaunlich, sei von der kulturellen (Spar)wüste Italiens in Rom noch nichts zu bemerken. Die Kulturlandschaft blühe. Ein Bewohner der Region Parma allerdings wusste da andere Hiobsbotschaften zu berichten. Und der Kommentar Barenboims in der Scala war ebenfalls keine Ausnahme. Die Wiederholung in Rom mit Riccardo Muti: http://www.youtube.com/watch?v=G_gmtO6JnRs
    Nur Randerscheinungen oder beginnt man sich ernsthaft zu beschweren?

  114. Chopin on an...
    Chopin on an iPad
    http://www.faz.net/s/homepage.html

  115. VF 11:43: Genoß gewaltigen...
    VF 11:43: Genoß gewaltigen Pranzo, deshalb erst jetzt eine ächzende Antwort. Genauer, keine. Denn ich weiß es nicht. Wenn der Don sein Geld wert ist, wird er eines baldigen Tages der Frage nachgehen. Etwas genauer hoffentlich als sonst. Die Beobachtung ist: zu allen Zeiten kam den Schuhen die höchste Aufmerksamkeit zu. Am meisten auf gute Qualität aus waren die Jakobspilger des Hochmittelalters. Die Entwertung des Schuhwerks gehört ins 20. Jh. Sie geschah innerhalb einer Generation (der meines Großvaters). Ich weiß aber nicht, warum. Wohlstand und „Asien produziert billiger“ kommen zu schnell als Erklärung her. China griff ja nicht den edlen Schuhmacher an, sondern die Massenproduzenten in der Pfalz.
    .
    Ich vermute, dass nicht billige Schuhe der Grund waren fürs Verschwinden der Wertschätzung für Schuhe. Es war vermutlich irgendein anderes Produkt, das mehr Prestige oder Distinktion versprach, als hangenähtes Pferdeleder am Fuß es noch konnte. Der Tod des guten Schuhs war womöglich die Massenmotorisierung. Wenn mein Käfer oder besser mein Opel Kapitän dem Mädel imponiert, wozu dann noch vorzeigbare Schuhe? Anders formuliert: Gute Schuhe starben (fast) aus, weil sie die Lösung für ein Problem waren, dass es nicht mehr gab.
    .
    Genaueres weiß der Don. Schande, wenn er es für sich behält.

  116. Ach Herr Plötz in gewisser...
    Ach Herr Plötz in gewisser Weise kann man Ihrer Meinung folgen.
    Andererseits ist Ihre „Aufregung“ doch eher dem fachlich ge-, manchmal auch
    eher verbildeten Hörer zugänglich.
    Sie begeben sich mit Ihrer „Krittelei“ allmählich in die Postion des
    Lordsiegelbewahrers des „guten Geschmacks“.
    Ertragen Sie es doch einfach mit der Würde dessen, der seine Überlegenheit
    höchst befähigt hinter bescheidener List verbirgt, subtiles Lob, an seinem
    Ansinnen günstiger Stelle, einbringend.

  117. Lang Lang. The Flight of a...
    Lang Lang. The Flight of a Bumble Bee on an iPad.
    http://www.youtube.com/watch?v=HvplGbCBaLA

  118. @prince matecki
    Nichts gegen...

    @prince matecki
    Nichts gegen Rutter, das ist auch mitreißende Musik. Aber unter „Neue Musik“ würde ich das ungern subsumieren, dazu ist viel zu viel „Klassisches“ und „Jazziges“ in Harmonien bzw. Rythmen. Weit entfernt z.B. von Ligetis „Lux aeterna“, das revolutionär, atonal, zugleich aber ungemein zu Herzen gehend ist. Allerdings von einem Laienchor nicht singbar. Die beste Einspielung m.E. von Daniel Reuss mit der Capella Amsterdam – sehr rein, ohne Vibrato (und damit wieder nah bei historischer Aufführungspraxis der „Alten Musik“). Überirdisch. http://www.youtube.com/watch?v=-iVYu5lyX5M

  119. @Wivo
    Ich mache das halt als...

    @Wivo
    Ich mache das halt als ahnungsloser Laie nur an der Chronologie fest. Die anderen Kategorien sind so unspezifisch. Ist das eine dann E- und das andere U- Musik, und wo sind Hamronien erlaubt? Und Jazz- Rhythmen? Oder nur wenn man Komponist in USA ist? Und was ist dann „so oft ich meine Tobakspfeife“ aus dem Notenbuch für Anna Magdalena Bach? War das „nur“ U-Musik?
    Und sind die Variationen aus der Endfassung von Liszts Consolations „neue Musik“ mit ihrer mäandernden Tonalität ?
    Fragen eines musizierenden Offiziers, nicht ganz frei nach Bert Brecht.

  120. In einem Interview mit der...
    In einem Interview mit der Zeit (2007) trifft Ennio Morricones bzgl. unseres Diskurses (Musik als Emotionen transportierende und weckende Sprache) einen weiteren Nagel auf den Kopf: „Die Italiener (…) mögen zeitgenössische Musik gar nicht. (…) Sie ist den Leuten hier ziemlich egal. Ich bin davon überzeugt, dass man dem Publikum etwas anbieten muss, was es auch verstehen kann. Etwas, das die fundamentalen Musikerfahrungen der Leute respektiert, aber in einer zeitgenössischen Sprache kommuniziert wird. Musik ist doch Kommunikation! So lange man das nicht berücksichtigt, fürchte ich, dass zeitgenössische Musik nicht nur in Italien weiter enorme Akzeptanzprobleme haben wird.“

  121. Ich bin zu spaet wie immer....
    Ich bin zu spaet wie immer. Gerade vor zwei Stunden kam ich aus der Bretagne. Das Meer kam, das Meer ging, dann kam das Meer wieder zurueck, mehr kann man nicht wollen.
    Die letzten zwei Abende verbrachte ich mit Cavallis „La Calisto“ (René Jacobs). Ganz sicher sass auch eine Viola da Gamba im Orchester (Concerto Vocale). Dazu gab es den Versuch einen hausgekelterten Cidre zu verkosten. Gut gemeint ist das Gegenteil von gut: das Getraenk wurde mit Pinkelsteinen aromatisiert, im Abgang war es leicht kloig.
    Der Rotwein allerdings war gut: 5-Liter-Schlauch von SuperU, 15,95 Euro, Bordeaux Superiore. Nach Oeffnung garantiert 4 Wochen haltbar. Das waere aber nicht noetig gewesen. Man kennt sich ja schon laenger.
    Solchermassen gut versorgt kam mir beim Hoeren und Sehen nur kurz die Frage nach dem Unterschied von E- und U-Musik-und wurde verworfen. Selbst ewige-und sehr ernste-Wahrheiten koennen amusieren. So der Ratschlag Merkurs an den schwer verliebten Zeus, dass man sich einer sproeden Jungfrau (Calisto) nicht um Liebe flehend zu naehern habe, sondern nur mit List und Betrug mache man sich Maedchen gewogen. Ach Merkur, wem sagst du das? Seit vorgestern bin ich nun von meinem schlechten Gewissen befreit, denn es handelt sich um eine goettliche Erkenntnis.
    .
    Es gibt bei dieser Jacobs-Interpretation uebrigens zwei sehr huebsche Stellen, wo das Orchester gekonnt synkopisiert. Da schnippen die Finger, da wippt der Fuss, da wackelt der Hintern.
    .
    So, ich war nun elf Stunden im Sattel. Das Pferd lebt noch, nur der Reiter ist halbtot.
    .
    Guten Morgen allerseits!
    .
    PS. @princeMatecki, die weltlichen Kantaten von Bach sind ein grosses Vergnuegen.

  122. Filou, Sie wurden weiter oben...
    Filou, Sie wurden weiter oben schon für unersetzlich erklärt. Und ich habe eine gute Nachricht: Es wird hier einen Weinbeitrag geben!
    .
    Was Italien angeht: Rom hat klar eine Sonderstellung. Es ist ja auch nicht so, dass es in der Provinz gar nichts mehr gibt, aber man merkt schon, dass sich der Ausstellungsbetrieb an den Touristen orientiert, Da geht dann, alles in allem, wohl auch die Rechnung auf, denn diese Touristen kommen nicht gerade mit dem Rucksack. Beim Konzert- und Bühnenbetrieb ist es anders – man schaue nur mal nach Verona, das einen ganz hervorragenden Konzertbetrieb hat, oder Brescia, oder die Verdiaufführungen in Parma: Touristen gehen halt in die Arena. Folglich fällt in diesem Bereich ein gutes Argument für die Förderung weg bzw. es bleibt privaten Geldgebern überlassen, da etwas zu tun., Das klappt leidlich, wenn es nicht viel kostet oder genug Firmen vor Ort sind. Wenn nicht, dann nicht. Und gerade in mittleren Städten wie Parma ist es schwer, die Balance zu finden, weil das Publikum eher schrumpft.

  123. @Venezia Fröscher: Wenn man...
    @Venezia Fröscher: Wenn man „dem Publikum nur etwas anbieten darf, was es auch verstehen kann“, hätte sich Beethoven seine späten Streichquartette ja gleich sparen können. Die hat von seinen Zeitgenossen auch keiner verstanden, die Große Fuge gleich gar nicht. Selbst seine frühen Violinsonaten stießen bei den damaligen Rezensenten schon auf Befremden (ich habe eine solche Rezension mal gelesen, weiß aber leider die Quelle nicht mehr).

  124. Ich würde sagen, man darf...
    Ich würde sagen, man darf gerne etwas servieren, das das Publikum noch nicht kennt, und erst mal Gefallen daran finden muss – aber man muss auch sehen, dass dieses Gefallen sich dann irgendwann wirklich einstellen muss. Und nach einigen Jahrzehnten fruchtloser Bemühungen, dem Publikum zwangsweise Stockhausen einzubläuen, nehmen Teile des Publikums eben die Ausfahrt Richtung musikalischer Vorgeschichte. Die ist zwar auch anstrengend, aber erholsam und schmackhaft.

  125. Dass große Genies der bei...
    Dass große Genies der bei seinen Zeitgenossen auf Unverständnis gestoßen sind, ist ja in der Kulturgeschichte des öfteren vorgekommen. Zumeist erhielten sie aber postum, nachdem ihre Werk die Welt verändert hatten, Anerkennung und Akzeptanz. Spätestens 100 Jahre später gehörten sie zum Repertoire. Erstaunlich ist doch, dass – wie unser Don bemerkt – nach einigen Jahrzehnten fruchtloser Bemühungen das Publikum zumeist bei vielen Musikwerken (wir haben hier ja schon einige Ausnahmen genannt) des späten 20. und 21 Jahrhunderts das Weite sucht. Die Werke finden auch keine Aufnahme ins Repertoire (evtl. die erwähnten Ausnahmen). Dafür muss es doch einen Grund geben und ich mag ihn beim besten Willen nicht nur bei der Uninformiertheit des Publikums sehen oder darin, dass die Zeit noch nicht reif sei. Denn damit hatte ein Beethoven oder Mozart wohl auch zu kämpfen. Also liegt es vielleicht doch auch an der Musik (s. Morricone) und ihrer anders gearteten Kommunikationsform?

  126. Wenn wir hier schon über...
    Wenn wir hier schon über ‚alte Musik‘ schreiben, dann sollte auch die Klassische indische Musik einbezogen werden. Ich wurde seinerzeit durch die Beatles inspiriert, ein Konzert des Sitarspielers Ravi Shankar zu besuchen. Das war der Beginn einer wunderbaren Klangreise zu neuen Horizonten jenseits europäischer Hörgewohnheiten.Und doch kann die indische Musik unmittelbar berühren und gelungene Raga-Improvisationen auch den analytischen Verstand erfreuen. Bei Sonnenuntergang eine Abend-Raga zu hören, ist stets ein besonderes Erlebnis. Eine gute Beschreibung findet sich bei Wikipedia:
    .
    „Die klassische indische Musik ist modal und duldet im Grundsatz nur ein Melodieinstrument. Innerhalb eines von strengen überlieferten Regeln gesetzten Rahmens bietet sich ein breiter Raum für Interpretation. Im Solospiel arbeitet der Musiker einen musikalischen Gedanken auf dieser Grundlage aus und entwickelt diesen im zeitlichen Verlauf des Stückes aus dem Wechselverhältnis von Freiheit und Disziplin.

    So erlaubt eine Reihe von allgemeingültigen, sehr komplexen, über Jahrhunderte entwickelter Regeln den Musikern im (Kammer-)Ensemblespiel, die einander vorher noch nie gesehen haben, ein Konzert miteinander zu bestreiten: 80 bis 90 % eines Konzerts sind frei improvisiert und orientieren sich an diesen Grundprinzipien. Die wesentlichen Säulen einer Ragaperformance sind Ragaskalen und als mathematisches Zeitkorsett die Talas. …“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Indische_Musik

  127. @salonsurfer: "Alte Musik"...
    @salonsurfer: „Alte Musik“ heißt in dem hier geführten Diskurs europäische Musik. Aber natürlich ist die außereuropäische Musikkultur, wie die indische, immer eine Reise wert, da sehr aufschlussreich und bereichernd. Ein Blick auf andere Musikkulturen hilft manchmal seine eigene komplexer und differenzierter begreifen lernen.
    Ich hörte, dass in den indischen Ragaskalen festgelegte Pattern existieren, die nicht nach Tonarten oder harmonischen Richtlinien geordnet sind, sondern nach außermusikalischen Situationen: So gäbe es Ragaskala, die „Mädchen beim Sonnenaufgang am Fluss“ lauten.
    In Bezug auf unsere Diskussion bzgl. „Neue Musik“ ist eine Reise in die Ton- und Klangwelt der außereuropäischen Musik interessant: Hier gibt es nicht zwangsläufig das Konstrukt von Ganz- und Halbtönen, es existieren hier sogar Vierteltöne. Diese tauchen wiederum gelegentlich in der Neuen Musik auf: z.B. Alois Hába oder Ives (http://de.wikipedia.org/wiki/Viertelton-Musik). Ich bin in Köln mal einem Viertelton-Klavier begegnet: das setzt unser ganzes Hörempfinden von Halb- und Ganztönen völlig außer Kraft.

  128. @ Venezia Fröscher: @...
    @ Venezia Fröscher: @ Einverstanden, 100 Jahre sollten reichen. Deshalb gehört Bergs Violinkonzert inzwischen ja auch ebenso zum „Repertoire“ wie Schönbergs Überlebender aus Warschau. Obwohl gerade die Musik der Zweiten Wiener Schule seinerzeit sogar zu Handgreiflichkeiten beim Publikum geführt hat. Dass es für die Musik der Nachkriegszeit noch nicht gelungen ist, die Spreu vom Weizen zu trennen, finde ich vor diesem Hintergrund ganz natürlich. Zelter oder Hummel hört heute kaum noch jemand, zu ihrer Zeit waren sie erfolgreich und allgemein anerkannt. Vielleicht wird ja auch Stockhausen in einigen Jahrzehnten in der Versenkung verschwunden sein, ich kann das nicht beurteilen. Allerdings erscheint es mir extrem unwahrscheinlich, dass nicht auch aus der Neuen Musik der letzten Jahrzehnte einige Stücke sich irgendwann fest im Kanon etablieren werden.

  129. Als Nachtrag zum Thema Indien...
    Als Nachtrag zum Thema Indien und europäische Musik: die Oper Satyagraha von Philip Glass, die thematisch vage auf der Biographie Ghandis basiert. http://www.youtube.com/watch?v=pTFlB7Kq34A
    Hier trifft indische Thematik auf amerikanischen Minimalismus. Prädikat: empfehlenswert!

  130. Philipp Glass ist ohnehin ein...
    Philipp Glass ist ohnehin ein gutes Stichwort. Er macht ja gern Ton- und in größer besetzten Stücken Akkordrepetitionen. Johann Sebastian konnte das auch: „Erbarm dich mein O Herre Gott!“ BWV 721, wenn ein Choralvorspiel so zügig gespíelt werden soll dass die Melodie das Tempo hat welches man auch zur Begeleitung des Gemeindegesangs nehmen würde dann geht das flott zur Sache, die Nebenstimmen sind aber als konsequent durchgehaltene Akkordrepetition gestaltet….
    So kommen ziemlich alte und ziemlich neue Musik manchmal ziemlich nahe zusammen. Und ich könnte mir vorstellen dass der durchaus unter mein Verständnis von „sophisticated“ fallende Glass den Bach kennt / kannte.

  131. Also, ich weiß nicht recht....
    Also, ich weiß nicht recht.

  132. Einverständnis, geehrte...
    Einverständnis, geehrte Barocke Hörerin: Strawinsky „Sacre“ wäre sicherlich auch so ein Fall – seinerzeit ein Skandal, heute Repertoire. Geben wir der gegenwärtigen Musik also etwas Zeit und sprechen uns in 100 Jahren wieder. Man beurteilt mit jener modernistischen Attitüde, alles muss schnell zum Ergebnis kommen, wohl zu vorschnell über die zeitgenössische Musik. Geben wir ihr Zeit zur Entwicklung.
    Wobei man natürlich überlegen müsste, wer den Repertoire-Kanon aufstellt. Es gibt Komponisten, die sind zu recht vergessen, aber mir fällt da z.B Gretry ein, ein Zeitgenosse Mozarts. Zu seiner Zeit geehrt und geachtet, heute zu Unrecht vergessen. Oder Salieri, der als stigmatisierter Mozart-Mörder gering in den Opernhäusern geachtet wird. Die Auswahl bzw. der Kanon ist immer einem zeitlich bedingten Geschmack und (kulturpolitischer) Meinung untergeordnet.

  133. @ prince Matecki: von der...
    @ prince Matecki: von der wissentlichen Verbindung Glass/Bach gehe ich auch aus. Zumal beispielsweise John Adams, der andere Minimalist, in Harvard das „Bach Society Orchestra of Harvard University“ dirigiert hat – da schließt sich dann ein Kreis: Adams – Glass – Bach.

  134. Gewöhnungsbedürftig klingt...
    Gewöhnungsbedürftig klingt auch die EU-Musik, nachgerade kakophon.

  135. Die Nerven der Akteure sind...
    Die Nerven der Akteure sind gepannt wie Harfensaiten und obendrein schlecht gestimmt.

  136. Diabolus in musica europaeae....
    Diabolus in musica europaeae.

  137. Ja, die kennen nur die Europa...
    Ja, die kennen nur die Europa – Hymne aber nicht das Accompagnato davor:
    O Fro-o-o-oinde, nicht diese Töne, sondern a-a-angenehmere lasst uns anstimmen und fro-o-oide-e-nvollere….
    ;-)
    Passt irgendwie gut zum vielstimmigen Europa-Chor.

  138. Esoterische Praktiken würden...
    Esoterische Praktiken würden mir auch Spaß machen, aber auch da kann man sich ein lustigeres Feld suchen als einfach nur Geräusche, die sich auf andere Geräusche beziehen. Dann lieber Heidegger.

  139. Oder Elfenbeinschnitzereien...
    Oder Elfenbeinschnitzereien mit Bezug auf die Eschatologie.
    .
    http://mythen-renaissance.blogspot.com/2011/05/7-wunderbare-grunde-fur-einen-besuch-im.html

  140. Ja, ich weiss, sie haben die...
    Ja, ich weiss, sie haben die Autorenbilder auf der Übersichtsseite herausgenommen, und ja, es ist die beste Idee mindestens seit sich Karl-Gustav den angezündeten Knallfrosch in den Mund steckte. Aber es geht hier um das Aussehen und nicht um Sinn.

  141. Im Moment scheint es an...
    Im Moment scheint es an Komponisten zu fehlen, die unbefangen mit den Möglichkeiten umgehen können.

  142. Eschatologische Gedanken in...
    Eschatologische Gedanken in Neuer Musik: Carl Orff „De temporum fine comoedia“
    http://www.youtube.com/watch?v=0ANREFIX4y8 „Wo bleibt die Sonne? Sie kommt nicht mehr!“

  143. E.R. Binvonhier: Da sprechen...
    E.R. Binvonhier: Da sprechen Sie etwas an. Den Eindruck habe ich ebenfalls und war erstaunt, einem jungen Komponisten zu begegnen, der sich bei seinem Lehrern ob eines groben Fehlers entschuldigt: er hatte tonal komponiert.

  144. Zoing zoing. Pling....
    Zoing zoing. Pling. Knarz.
    Hört sich an wie ein Geräusch.

  145. Die Jazzer hatten ihre Free...
    Die Jazzer hatten ihre Free Jazz Phase in den sechziger und siebziger Jahren. Die radikale Vermeidung jeglicher Tonalität und Struktur war nur eine Episode und sie ist Vergangenheit.
    Aber dadurch ist der zeitgenössische Jazz jetzt befreit, sich sämtlicher Möglichkeiten zu bedienen uns aus allen Traditionen zu schöpfen.
    .
    Ich denke, die E-Musik ist hier noch zu ängstlich akademisch geprägt, man ist stark von den Subventionen der Rundfunkanstalten abhängig, die GEMA Strukturen tun ihr übriges, man muss keinen Erfolg beim Publikum haben, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein.
    Filmkomponisten arbeiten heute z.B. längst anders, sie müssen ohne Subventionen am Markt bestehen.

  146. Musik wird überschätzt....
    Musik wird überschätzt.

  147. heidegger!
    darauf durfte man...

    heidegger!
    darauf durfte man warten und darauf einen scapa, à votre santé, bester HM555.

  148. @waskostetdiewelt
    Tatsächlich...

    @waskostetdiewelt
    Tatsächlich habe ich ein wenig mit mir ringen müssen, ob es denn wirklich den emotionalen Aufwand wert ist, noch einen Kommentar dranzuhängen. Aber nachdem ich dann einmal darüber nachgedacht hatte, was denn noch übrig bleibt, wenn ich meine (zugegebenermaßen vorhandene) Gekränktheit als Vertreter meiner Berufsgruppe außen vor lasse, kann ich nur sagen: eine ganze Menge.
    .
    Deshalb @all:
    Das wird jetzt etwas länger, wer bereits weiß, daß es ihn/sie nicht interessiert, kann getrost ein paar Bildschirme runterscrollen.
    .
    .
    @Venezia Fröscher
    Nein, offen gestanden habe ich noch nicht das Gefühl, daß wir (ganz speziell: Sie und ich) uns in einem regen Diskurs über Alte und Neue Musik befinden, denn zumindest mein Thema ist bisher eher der Diskurs ÜBER den Diskurs über Alte und Neue Musik (I know, maybe a bit too meta…). Ich will daher auch versuchen, die folgenden Gedanken, wenn möglich, eher an der Alten als an der Neuen Musik aufzuhängen, denn ich will ja auch nicht das Thema des ursprünglichen Beitrags kapern. Andererseits wird sich hier ja mittlerweile auch vergnügt über Schuhe unterhalten, vielleicht bin ich also noch vergleichsweise gut auf Kurs.
    .
    Daß Sie lieber die Alte Musik, mit Ihren Worten, „in den Vordergrund stellen“, soll mich überhaupt nicht stören – warum auch, ich weiß ja selbst, was es dort alles an Wunderbarem gibt. Aber der Umkehrschluß funktioniert nicht: denn in Ihrem Beitrag stellen Sie die Neue Musik nicht einfach „in den Hintergrund“, sondern vielmehr in ein ganz schlechtes Licht. Und der einzige Grund (ganz ohne irgendeine gezielte böse Absicht dahinter), den ich dafür erkennen kann, ist, daß das Objekt im „Vordergrund“ dadurch besser aussieht; denn ansonsten gäbe es auf der Bühne dieses Beitrags gar keinen Grund (Hinter-, Vorder-, Ur-…) für das Auftreten der Neuen Musik überhaupt. (Womit ich übrigens ohne Probleme hätte leben können.)
    .
    Aber meine ursprüngliche Frage zielt ja auch nicht darauf ab, daß Sie mir bitte noch einmal etwas detaillierter darlegen, wie denn Ihre Meinung zur Neuen Musik aussieht. Das haben Sie mittlerweile getan, ich habe es mit Interesse gelesen und hoffe trotzdem, daß Sie es mir nicht übelnehmen, wenn ich anmerke, daß Sie mich da mit nichts konfrontiert haben, was ich nicht schon zur Genüge kenne, und daß ich vieles davon für unzulässig und unglücklich verkürzt halte; dazu etwas mehr weiter unten. Was mich aber eigentlich interessiert hätte – und darum geht es bei meiner Bitte, doch einmal ein paar konkrete (und möglichst begründete) Beispiele von solch „unhörbarer“ Musik anzuführen – ist, WIE Sie denn eigentlich zu dieser Meinung kommen, denn sieist , wie ich denke, nur dann haltbar, wenn man sich bei der Wahrnehmung von Neuer Musik lediglich auf das Wiederkäuen sattsam bekannter Klischees beschränkt. Das ist insbesondere deswegen interessant, da ja Ihr Beitrag bestens belegt, daß es Ihnen ganz bestimmt nicht am Vermögen mangelt, Kultur grundsätzlich differenziert und mit einem überdurchschnittlichen Engagement zu betrachten.
    .
    Wenn ich mir mal eine kurze Zwischenbilanz darüber erlaube, inwieweit meine Frage hier beantwortet wurde (worauf selbstverständlich kein Anspruch besteht), kann ich mir ein Lächeln nicht verkneifen. Nicht nur haben sich mittlerweile einige Kommentatoren gefunden, die gerne ein paar Positivbeispiele zur Neuen Musik beitragen wollten, nein, sogar die beiden Diskutanten, die bisher die wenigsten Hemmungen hatten, das Wort „Antimusik“ ohne größere Reflexion zu verwenden, nämlich Sie selbst und T.I.M., haben mittlerweile das Bekenntnis für nötig gehalten, daß es durchaus zeitgenössische Komponisten gäbe, die ihr Wohlwollen fänden. (Das kann mich natürlich zunächst einmal nur freuen.) Abgesehen von zwei kurzen Einlassungen von T.I.M., die ich hier zu vernachlässigen gedenke (der Beitrag zu Ives war eigentlich mehr ein „meh…“ als ein „SCHEUSSLICH!“, und zu dem, was an gleicher Stelle zu Cage geäußert wurde, fällt mir – bitte um Verzeihung – spontan nur der Begriff „pennälerhaft“ ein); abgesehen davon also hat bisher nur ein einziger Kommentator ein konkretes Negativbeispiel angeführt, und das war savall, der sich im gleichen Absatz als der Neuen Musik gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen zu erkennen gegeben hat (was mich in meiner Wahrnehmung bestätigt, daß man umso besser an etwas Kritik üben kann, je mehr man sich zunächst damit beschäftigt hat).
    Das soll jetzt übrigens kein auftrumpfender Beweis sein, daß die Neue Musik also ja wohl nicht „unhörbar“ ist, q.e.d., sondern lediglich ein Hinweis darauf, daß meine ursprüngliche Frage noch etwas mager mit Antworten bedacht ist.
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    Zwischenfrage @savall:
    Jetzt würde ich natürlich schon gern wissen, was genau Ihnen dieses arme kleine Stück elektronischer Musik getan hat. Oder sollte sich Ihre Kritik auf einen allgemeinen Scharlatanerie-Verdacht beschränken? – das fände ich aber ein wenig unfair gegenüber einer künstlerischen Arbeit, die in den 1970er Jahren zu den vielen Pionierleistungen gehörte, auf denen unser heutiger, viel zu selbstverständlicher Umgang mit elektronischer Manipulation von Musikaufnahmen aufbaut.
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    Und wo ich gerade eine Pause für Zwischenfragen einlege:
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    @T.I.M.
    – amüsierte Frage am Rande: welchen Unterschied für die laufende Diskussion würde es denn für Sie machen, wenn Sie Stücke von mir finden würden?
    – etwas weniger amüsierte Frage: hat sich Ihnen denn der Sinn, der Subtext, schlicht gesagt: der Witz meines Cage-Postings erschlossen (dazu braucht es eigentlich fast kein Hintergrundwissen), oder waren Sie’s zufrieden, sich mit einem reflexhaften „Na, da haben wir’s ja: schon wieder dieser Cage-Quatsch!“ zu begnügen?
    .
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    @Venezia Fröscher
    Weiter im Text; wollte ich nicht eigentlich über Alte Musik schreiben? Dazu mache ich am besten noch einen Umweg über die von Ihnen ins Spiel gebrachten Gedanken über „Universalität von Musik durch Emotionsgehalt“ und „Musik als Sprache“.
    .
    Daß Musik, wie Sie mehrfach schreiben, notwendigerweise Emotionen trägt (noch dazu allgemeingültige), ist in unserem Kulturkreis und darüber hinaus eine fast allgegenwärtige und sehr populäre Überzeugung. Es ist außerdem, so Sie mich fragen würden, eines der tragischsten und folgenreichsten Mißverständnisse der abendländischen Kulturgeschichte.
    .
    Zunächst einmal, aber ich bin mir eigentlich sicher, daß Sie das wissen, zählte die Musik lange Zeit (nicht zuletzt auch zu großen Teilen zu der Zeit, die für die Alte Musik relevant ist), gar nicht so sehr zu den Künsten als vielmehr… zu den Wissenschaften. Das hat, so vermute ich, dessen Spezialgebiet solche historischen Detailüberlegungen allerdings nicht sind, einmal damit zu tun, daß es, je weiter man in die Geschichte zurück geht, immer schwieriger war, Musik „fachgerecht“ zu betreiben – was heute in vielerlei Hinsicht per App konsumgerecht distributiert werden kann, war vor hunderten von Jahren einmal trockene Grundlagen-Forschung, und noch dazu sehr fruchtbare, man denke nur an die „verkopften“ Experimente der ars nova. Dann aber war Musik (zumindest die „offizielle“, eben die Kunstmusik) auch für sehr lange Zeit auf eine religiös-rituelle Funktion beschränkt, und nur in Abhängigkeit zur damals höchsten der Wissenschaften, der Theologie, zu denken. Mit der Vorstellung, daß Musik, Signora Venezia, Ihren persönlichen Genuß und auch noch die Erweckung allzu weltlicher Gefühle zum Zweck haben sollte und nicht etwa ausschließlich Ihr Näherkommen zu Gott, würden Sie bei den Komponisten der Noch Älteren Musik vermutlich auf, milde gesagt, Befremden stoßen.
    .
    Erst später, etwa in der Zeit, die für die meisten Alte-Musik-Freunde interessant wird (andererseits, wie will wissen, wer sich für was interessiert…), drängt die Emotion in die Kunstmusik – aber, und das halte ich für wichtig: als neuer Themenkreis beziehungsweise als eine neue Ausdrucksfacette unter anderen.
    .
    Ein Aha-Erlebnis in diesem Zusammenhang war für mich, als ich im Abschnitt „Vom guten Vortrage im Singen und Spielen überhaupt“ aus Johann Joachim Quantz‘ berühmter Flötenschule las. Dort ist (neben ausführlichen und doch wunderbar klaren Anmerkungen über, ja doch, die Verwandschaft von Musik und Sprache) die Rede davon, daß der Interpret eines Stückes, so er den einem Stück entsprechenden Affekt wirkungsvoll zur Geltung bringen will, sich zunächst selbst in diesen Affekt versetzen muss. Interessant daran finde ich die Implikation, daß der Affekt anscheinend nicht automatisch bereits im Stück „drin“ ist (dort müsste das Gefühl in der Alten Musik ja im Umkehrschluß Ihrer Klage, daß die zeitgenössischen Kompositionen eben kaum noch Gefühlsgehalt hätten, sein), sondern allenfalls angelegt. Überhaupt ist das gesamte System der musikalischen Affekten- und Figurenlehre in diesem Zusammenhang ziemlich faszinierend, denn: wenn es tatsächlich möglich wäre, Gefühle mehr oder weniger zielgenau in Musik einzuschreiben, warum sieht sich dann die musikalische Theorie und Praxis des Barock genötigt, ein solches umfangreiches und verzweigtes künstliches – um nicht zu sagen: viel zu gelehrtes – Kodierungssystem zu erschaffen, um die Leidenschaften der Hörer zu wecken? Dabei scheint es ja fast „eher um die intellektuelle, theoretische Auseinandersetzung von Musik zu gehen. Das bewirkt natürlich, dass diese Musik für all diejenigen, die das theoretische Wissen nicht aufweisen bzw. die Musik [nicht] *hustnachträglicheingefügthust* als Sprache verstehen, nicht mehr unmittelbar verständlich ist.“ [Do you see what I did there?]
    Und dann ist da natürlich noch die nicht ganz unbedeutende Tatsache, daß die Begriffe „Affekt“ und „Gefühl“ eben nicht einfach austauschbar sind.
    Und wenn Sie Alte Musik hören, um sich an den darin vermuteten Emotions-Einlagerungen schadlos zu halten… nun, daß sie Gefühle finden werden, wenn Sie dort danach suchen, soll mich nicht überraschen; daß es aber welche sein sollten, die von den jeweiligen Komponisten zu diesem Zweck dort fachgerecht hinterlegt wurden, das will ich ich eigentlich ausschließen. Denn selbst wenn so etwas, als „technischer Prozess“, überhaupt möglich wäre, bleibt immer noch das nicht unbeträchtliche Problem, daß sich – wie schrieben Sie weiter oben? – „pure italienische Lebensfreude“ doch beträchtlich voneinander unterscheiden wird, je nachdem, ob sich im siebzehnten oder zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts des Lebens gefreut wird.
    .
    Aber ich will „Universalität“ in der Kunst noch einmal von einem anderen Blickwinkel betrachten, nämlich anhand des hiesigen Blog-Hausherren, immerhin eine bekennende Kunst-Figur. Und wenn ich jetzt ein paar seiner Verlautbarungen, wie ich sie verstehe, paraphrasiere, dann hoffe ich, nicht zu sehr danebenzuliegen und damit seinen Groll zu wecken (ohhhhh, ihr macht euch keine Vorstellung davon, wie ich das hoffe…).
    Vor allem auf seinem Privat- und auf seinem Blog-Blog äußert sich Don Alphonso ja immer einmal wieder dazu, wie Schreiben im Internet funktionieren oder auch nicht funktionieren kann, wie er das Verhältnis von Autoren und Leserschaft sieht, er analysiert in unregelmäßigen Abständen, warum manche Angebote im Netz Erfolg haben oder aber eben vor die Wand fahren und ob beziehungsweise warum das gerechtfertigt ist. Was dabei imponiert, ist, daß er ganz offensichtlich auch praktisch umzusetzen bereit ist, was er postuliert, und er tut das, soweit man das sehen kann, mit einigem Erfolg – auch gerade, wenn man eben die Maßstäbe anlegt, die er selbst vorgibt. [Das hier wirklich prima passende Libretto-Zitat aus den „Meistersingern“ verkneife ich mir doch sicherheitshalber.] Man könnte es also so sehen, daß er in seiner Kunst ein solider Meister ist, der die Kniffe kennt, der weiß, was das Publikum von ihm erwartet und das auch gerne und reichhaltig austeilt, und dessen gut unterhaltenes und freudig wiederkehrendes Publikum ihm jedes Recht gibt, diese Rolle selbstbewusst auszufüllen. Außerdem hat er kein Problem damit, deutlich zu sagen, daß das, was er macht, schon etwas speziell ist, und daß er verstehen kann, daß es eben für manche Leute nichts ist, und die müssen es ja auch nicht lesen. Da hätten wir also folgendes Modell (und ich bitte, die Parallele zur Musik-Diskussion im Geiste selbst herzustellen): es gibt ein bestimmtes universales Bedürfnis, auch wenn es anscheinend nur in einem bestimmten Teil des Publikums vorhanden ist (na, hier wird’s ja schon wackelig), und ein Künstler kann mit genug Geschick und Neigung dieses universale Bedürfnis kunstfertig und recht genau befriedigen; sein und seines Publikums Lohn ist das Vergnügen, daß aus der Befriedigung dieses Bedürfnisses entspringt, und alle anderen, die dafür nicht empfänglich sind, werden davon eben nicht erreicht, was aber auch keine große Tragödie ist.
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    Da gibt’s jetzt nur ein Problem.
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    Mich.
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    Denn ich muß dann an dieser Stelle zugeben, daß die meisten Aspekte von Don Alphonsos Texten, auf die er, wie ich es herauslese, besonderen Wert legt, und auf die er es zurückführt, daß er ein treues und dankbares Publikum hat, mich sehr kalt lassen, um nicht zu sagen, eher langweilen. Torten, Silberkannen, Barchetta, Mille Miglia, Foodpr0n, das Schwelgen in der italienischen Lebensart, all das in dutzenden kleinen, immer wieder variierten Geschichten liebevoll gestaltet – das hat für mich die ersten zwanzig Male noch Charme, verliert danach aber bald deutlich an Reiz, zumal die Durchführung oft genug unangenehm nachlässig ist. An die immer mal wieder auftauchenden, wirklich (wirklich!) greulichen Versuche als Versdichter will ich gar nicht denken. Jedenfalls, dieses bestimmte, vielleicht unfassbare, aber wohl für viele Stammleser ganz klar vorhandene Bedürfnis, daß Don Alphonso mit seinen Texten zu befriedigen ansetzt – ich habe es einfach nicht, ich gehöre ganz klar nicht zur Zielgruppe. Und nach dem oben aufgestellten Modell müsste die Sache damit erledigt sein; wenn ich’s doof finde, muß ich’s ja nicht lesen.
    Warum bin ich also trotzdem hier und warum lese ich seit langer Zeit ungebrochen mit? Weil ich mein ganz eigenes Vergnügen aus manch anderen, meist eher untergeordneten Aspekten seines Schreibens ziehe. Weil ich aus den längeren und konzentrierteren Texten des Kunst- und Kulturhistorikers Don Alphonso fasziniert Dinge erfahre, die mir nie bewusst waren und die oftmals meine Perspektive auf bestimmte Themen komplett ändern (wohlgemerkt: wenn er sich die Mühe macht, darüber nicht nur viel, sondern auch konzentriert zu schreiben, anstatt in kurzen Brocken und mit großer, lässiger Geste). Weil er immer wieder Themen angeht, die man sonst nicht so leicht irgendwo behandelt findet (wobei ich die „Stützen“ selten dazu zählen kann, sie empfinde ich zumeist als ganz straightes Zielgruppenschreiben, das sich damit begnügt, einmal gesetzte Erwartungen verläßlich zu erfüllen). Weil die Art und Weise, wie er seine Vorstellung vom Konzept der Kunstfigur umsetzt, ganz erstaunlich und fesselnd und immer wieder überraschend ist. Weil immer mal wieder der viel diszipliniertere Autor von „Liquide“ durchscheint. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr fällt mir auf, daß ich Don Alphonso lese, wie ich Neue Musik höre: es ist (naturgemäß) eine Unmenge an völlig uninteressantem Quatsch dabei, ABER: wenn dann mal was kommt, was mein Interesse weckt, was tatsächlich einmal die bequem eingefahrenen Gleise verlässt, dann ist es nicht nur eine der sonst überall anzutreffenden souveränen Variationen über ein gegebenes Format X, sondern bestenfalls eine komplett neue Erfahrung, nach der manche Dinge nicht mehr sind, wie sie vorher waren.
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    Ach, was ich damit eigentlich sagen will? Sicher doch… sofort… nämlich: Es gibt nicht nur eine, universale Art, Musik wahrzunehmen, und wenn man das aber trotzdem unbedingt glauben will, dann werden einem die vielen anderen Arten vermutlich eher verschlossen bleiben. Und wenn Sie, Venezia, und ich (oder jemand drittes) jeweils Alte, Neue, irgendeine Musik hören, dann heißt das eventuell, daß wir das auf fundamental viel unterschiedlichere Weise tun, als es in der Binsenweisheit davon, daß jeder anders hört, gemeint ist.
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    [Rand-Anekdote zur Universalität:
    Mein Kollege und ehemaliger Lehrer Karsten Gundermann hat viel Zeit mit dem (vor-Ort)-Studium der chinesischen Musik zugebracht; er ist der erste Europäer, der eine (übrigens sehr erfolgreiche) Peking-Oper geschrieben hat. Er erzählte mir davon, wie es bei seinen Bühnenproben in China einmal eine Situation gab, in der es dem Publikum dramaturgisch zu vermitteln galt, daß ein Arzt aufträte, um zu helfen. Sein Vorschlag (gegründet auf eben ein genau solches trügerisches Gefühl von universaler Verständlichkeit), dem Darsteller einfach einen langen weißen Medizinerkittel überzuziehen, wurde von seinen chinesischen Theaterkollegen ganz entschieden abgewehrt; in China, so berichtete er mir, bedeutet das Auftauchen einer ganz in Weiß gewandeten Figur – zumindest in der Tradition der Peking-Oper -, daß der Tod die Bühne betritt.]
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    Wenn Sie meiner bisherigen Argumentation eventuell soweit mit folgen möchten, daß man festhalten könnte, daß ein Universalitäts-Anspruch der „Musik als solcher“ zumindest fragwürdig ist, bleibt zunächst die Frache nach Musik als Sprache [sorry for that]. Und wenn es eben in diesem Sinne vielleicht doch keine universale Sprache gibt, dann fällt mir zuerst die Frage ein, ob Sie, begegneten Sie anderen Menschen, die eine ihnen nicht vertraute Sprache sprächen, denn wirklich automatisch davon ausgehen würden, daß wohl diese Sprache nichts taugt. Mehr noch, würden Sie so bequem sein wollen, sich einzureden, daß das was diese fremdsprachige Gruppe zu sagen hat, wahrscheinlich grundsätzlich weniger des Zuhörens wert ist als etwas, daß Sie mit weit weniger Problemen zu verstehen in der Lage sind? [Da sehe ich ein Gegenargument kommen, nämlich, daß, wer denn überhaupt verstanden werden will, sich ja wohl bemühen könnte, sich den jeweiligen Zuhörern gegenüber auch verständlich auszudrücken. Das ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, und in der Musik würde das für mich heißen, daß man Stücke jeder Stilistik und Tradition entweder eben so lala zur Aufführung bringen kann, oder aber eben DEUTLICH. Und wie ich beim Nachlesen vorhin feststellen durfte, ist der alte Quantz da ganz meiner Meinung. Was aber die Sprache selbst angeht, so sollte man sich bewusst machen, daß es durchaus bestimmte Dinge gibt, die sich so nur in einer bestimmten Sprache sagen lassen, und dies gilt, will ich meinen, in der Musik um ein Vielfaches mehr als in der Linguistik (obwohl ich zugegebenermaßen von letzterer nicht allzuviel weiß). Das heißt dann zum Beispiel, daß der Palestrina-Stil mit in diesem Fall wortwörtlich lehrbuchhafter Perfektion genau all das beinhaltet, was zu seiner Entstehung geführt hat, nämlich vor allem einen ganz bestimmten religiös-spirituell begründeten musikalischen Anspruch, der mit einigen speziellen klanglichen Assoziationen und Techniken verbunden ist, daß aber darüberhinaus eben kaum etwas anderes darin Platz findet. Und das ist überhaupt nicht negativ zu sehen, es liegt in der Natur der Sache. Es heißt aber auch, daß man von Palestrinas Messen wenig beeindruckt sein würde, würde man von ihnen erwarten, daß sie beispielsweise die ganz anders geartete Klangschönheit einer hochbarocken Messe entfalten müssten.]
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    Ein anderes Beispiel: gerade die Wiener Klassik hat einen ganz entschiedenen, über die Barock- und frühere Musik noch hinausgehenden musikalischen „Sprach“-Aspekt, noch besser geeignet ist Harnoncourts Begriff der „Klangrede“, und gemeint ist damit, daß die musikalische Sprache für sich selbst funktioniert und nicht in andere geistige Behelfs-Konstruktionen „übersetzt“ werden braucht oder auch nur kann. Und ich denke, daß ich mich nicht zu weit aus dem Fenster hänge, wenn ich behaupte, daß das Publikum, daß sich lediglich bequem auf diese Musik zurückzieht mit der Begründung, daß es durch sie emotional angesprochen wird, größtenteils diese eigentliche, vielmehr intellektuelle als emotionale Kommunikationsschicht gar nicht aufnimmt, teils aus (verzeihlicher) mangelnder Kenntnis, vor allem aber, weil die Einstellung, man müsse sich jetzt zunächst grundsätzlich einmal von der Musik in Gefühlswallungen versetzen lassen, die meisten anderen Möglichkeiten von Musikwahrnehmung und -rezeption verläßlich blockiert.
    Wenn ich mich selbst befrage, kann ich zu Protokoll geben, daß das Vergnügen, daß ich beim Hören von Mozarts Werken habe, ein vollständig intellektuelles ist. Die einzige Emotion, die dabei im Spiel ist, ist tatsächlich die Freude ÜBER dieses intellektuelle Vergnügen, und die ist dann auch sehr umfassend. Es gibt allerding eine große Ausnahme – man lese noch einmal das Motto des ursprünglichen Beitrags (wäre es nicht toll, wenn mir an dieser Stelle der große abschließende Bogen… naja, mal schauen…) – aber natürlich: Mozarts Opern.
    .
    Auf der Opernbühne ist die Musik selbstverständlich (komisches Wort, das…) oft vollkommen durchsetzt mit Gefühlen. Man sollte aber, denke ich, so ehrlich sein, sich einzugestehen, daß die ihren Ursprung in der dramatischen Spannung haben und in der Musik lediglich verstärkenden Widerhall finden (wobei man im gleichen Atemzug erwähnen sollte, daß der emotionale Widerhall, den Musik erzeugen kann, eben nur durch Musik möglich ist – aber auf ganz verschiedene Weisen und durch viele Arten von Musik und nicht nur durch einige wenige bestimmte). Sonst verpasst man in all der Konzentration auf etwaige Gefühlsgehalte der Musik nämlich nur zu leicht, was Musik zu einer Oper rein musikalisch hinzuzufügen vermag.
    Wenn Sie, Signora Venezia, aber von der liebgewonnen Vorstellung, daß Musik Träger universaler Gefühle ist, nicht ohne weiteres lassen wollen, dann muß ich jetzt eine Nachricht überbringen, die Sie hoffentlich nicht zu sehr schockiert.
    Hier kommt sie also, die große ironische Volte, auf die ich hinarbeite! (Liest eigentlich noch jemand mit?)
    Wissen Sie nämlich, wer, ausgehend von dieser überwältigenden Kraft, die die Opernmusik entfalten kann, der Welt diesen furchtbar unpraktischen und hinderlichen Bären aufgebunden hat, den Gedanken, daß nämlich Gefühle bereits in der Musik selbst stecken würden und das aktive Zutun der Zuhörer deshalb eigentlich nicht mehr vonnöten, wenn nicht sogar störend sei, und wer das so gut getan hat, daß man sich noch weit über einhundert Jahre später die Erkenntnis hart erarbeiten muss, daß es zu dieser Musikrezeption vielleicht doch auch ebenso lohnende Alternativen gibt? Das war, aber ja doch, leider, der (von mir als Künstler hochverehrte) Wilhelm Richard Wagner – der nach Einschätzung der meisten Musikästhetik-Geschichtsschreibungen erste dezidiert moderne Komponist, damit auch der erste Neutöner im heutigen Sinne und derjenige, dem wir sowieso jede Menge Probleme zu verdanken haben [Aufrichtige Hinweis an alle nachfolgenden Kommentatoren: man kann Godwins Gesetz länger trotzen, als man denkt].
    Trösten wir uns also für jetzt erst einmal beide damit, daß wir zumindest wissen, daß unser beider jeweiligen Probleme mit der Musikästhetik der/des Anderen überraschenderweise den gleichen Ursprung haben.
    .
    .
    Für alle, die bis hierher gelesen haben (ja, wirklich?! ECHT? Wow. Ich hätt’s wahrscheinlich übersprungen… Find ich aber prima! Besten Dank.), gibt’s hier zur Belohnung die Mitteilung, daß ich ein paar Stichpunkte zu anderen Aspekten, die ich eigentlich noch näher ausführen wollte, erst mal wieder in die digitale Schublade verschwinden lasse. Ja klar, irgendwie ist das auch für mich eine Erleichterung… Is‘ auch schon spät, nicht?
    .
    Wobei, @Venezia Fröscher nochmal:
    Diese praktischerweise so interpretationsoffene Anekdote von dem jungen Komponisten und seinem Lehrer – Sie könnten nicht eventuell auch berichten, was denn der Lehrer auf die verschämte Entschuldigung erwidert hat? Das fände ich dann nämlich viel aussagekräftiger für unseren regen Diskurs über Alte und Neue Musik.
    .
    Ach ja, und noch kurz @apreslude:
    Wo Sie gerade auf die beneidenswert sicheren Finanzaussichten meiner Zunft hinweisen – wer in diesen Honigtopf mal einen neidischen Blick werfen möchte, der wird gerade bei meinem Kollegen Moritz Eggert fündig, der sich im übrigen auch viel kürzer zu fassen weiß als ich.

  149. @ Alexander Plötz, vielen ...
    @ Alexander Plötz, vielen Dank , daß Sie das alles einmal kurz und
    prägnant zusammengefasst haben . Mir wäre das nie gelungen .

  150. Sehen Sie, genau das meine...
    Sehen Sie, genau das meine ich.
    200 Jahre bürgerliche Kulturverwaltung und ihre Folgen.
    .
    Wir brauchen den Feudalismus wie die Luft zum Atmen.

  151. @donna laura
    .
    Heidegger auf...

    @donna laura
    .
    Heidegger auf Jiddisch — ein lustiger Spaß für die ganze Familie an verregneten Sommernachmittagen, aber das war es dann auch.
    Dann lieber gleich übergehen zur generativen Grammatik, ultrahochkonzentriert.
    .
    Je minimalistischer die Kunst, umso länger der Beipackzettel.
    Das Lamento des Komponisten über die Nicht-Versteher schreit selber schon wieder nach einer Vertonung. Was hätte Rossini da für eine Arie draus gemacht.

  152. --- Natürlich mit kratzigen...
    — Natürlich mit kratzigen Hörbeispielen, die auch gesungen werden, erst vom Komponisten selbst, dann vom Chor, etc. und es bis zum Leitmotiv bringen.
    .
    So eine Art Kampf zwischen Alter und Neuer Musik, inszeniert als klassische Komödie im Stil von Molière mit einer Musik wie im 18./19. Jahrhundert.
    Moses und Aron wenn sie so wollen, nur halt nicht so bedeutungsschwer, aber dafür zum Mitsingen.

  153. Sie glauben ja gar nicht, was...
    Sie glauben ja gar nicht, was die generative Grammatik einem für intellektuelles Vergnügen bereiten kann, an ungarischen Deklinationsbeispielen. Es gibt Leute, die sich für dieses Hobby begeistern und das ganze Wochenende hindurch den Klang verschiedener ungarischer Sätze ausprobieren, von denen sie zwar nicht den Sinn kennen, aber wissen, dass sie grammatisch korrekt sind.
    Das gibt es dann auch auf CD, wenn Sie Interesse haben, kann ich Ihnen eine Kontaktadresse zuschicke.

  154. „Wie fang ich nach der Regel...
    „Wie fang ich nach der Regel an? – Ihr stellt sie selbst und folgt ihr dann.“
    Das Zitat muß man nicht auslassen, Herr Plötz. Ich halte es im Gegenteil für einen Kernsatz. Als naiver Laie beschreibt es mir den Umgang mit allem neuen und ungewohnten. Ich bin wie gesagt neugierig und ertrage vieles. Allerdings habe ich eine Ideologie-Allergie und bin schmerzempfindlich. Ein ästhetisches Konzept der willentlichen Schmerzzufügung mag seine Berechtigung haben. Für mich gehört es aber in die Strafkolonie. Mein Beispiel mit Charles Dodge sollte pars pro toto stehen. Ich hätte auch John Cage nehmen können:
    http://www.youtube.com/watch?v=T6pgklMAgIA
    Auf den erwähnten „Ohm“-CDs sind ausreichend Beispiele für Geräuscherzeugung, die ich schlicht für unerträglich halte. Ich meine, daß solche Experimente in die Garage oder Keller gehören und nicht in die Öffentlichkeit. Zumindest sollten sich Komponisten solcher Musik nicht über mangelnde Akzeptanz beschweren.
    Was die Frage der inhärenten Emotionalität von Musik betrifft, so muß ich Ihnen widersprechen. Denn genau danach wähle ich Musik aus. Nun ist an meiner Person nichts gelegen. Aber als ein durchschnittlicher, in Theorie unbewanderter Hörer kann ich vielleicht auch pars pro toto stehen. Nun stelle ich also empirisch fest, daß jegliche Musik Emotion transportiert und ich sie deshalb hören will. Welche Tricks der Komponist bei der Niederschrift verwendete und ob sich der Interpret erst selbst emotional in diese Stimmung versetzen mußte ist mir zunächst völlig gleichgültig. Aber sehr auffallend ist mir, daß selbst mathematisch fundierte Musik aus dem Mittelalter schlechthin angenehmer ist als solche der Gegenwart. Kennen Sie zufällig die DVD „Dein Kuss von göttlicher Natur“ des Hilliard-Ensembles? Dort geht es um die Entstehung der Polyphonie aus dem Geist von Mathematik und Architektur. Sehr aufregend und interessant gemacht. Ich habe den Diskussionen der Wissenschaftler mit heißen Ohren zugeschaut. Aber das alles ist völlig gleichgültig, wenn ich „Viderunt omnes“ höre. Es klingt angenehm, eben „gute“ Musik. Stockhausens „Gesang der Jünglinge“ hingegen weckt bloß negative Emotionen. Vielleicht war das seine Absicht, aber ich muß dann passen. Immerhin gibt es noch Arvo Pärt. Damit habe ich nun gar kein Problem. Neu und trotzdem angenehm. (Mir ist klar, daß „angenehm“ keine ästhetische Kategorie ist, über die man vernünftig diskutieren kann. Es steht hier bloß als Platzhalter für bessere Begriffe, die mir nicht zur Verfügung stehen.)

  155. „Wie fang ich nach der Regel...
    „Wie fang ich nach der Regel an? – Ihr stellt sie selbst und folgt ihr dann.“
    Das Zitat muß man nicht auslassen, Herr Plötz. Ich halte es im Gegenteil für einen Kernsatz. Als naiver Laie beschreibt es mir den Umgang mit allem neuen und ungewohnten. Ich bin wie gesagt neugierig und ertrage vieles. Allerdings habe ich eine Ideologie-Allergie und bin schmerzempfindlich. Ein ästhetisches Konzept der willentlichen Schmerzzufügung mag seine Berechtigung haben. Für mich gehört es aber in die Strafkolonie. Mein Beispiel mit Charles Dodge sollte pars pro toto stehen. Ich hätte auch John Cage nehmen können:
    http://www.youtube.com/watch?v=T6pgklMAgIA
    Auf den erwähnten „Ohm“-CDs sind ausreichend Beispiele für Geräuscherzeugung, die ich schlicht für unerträglich halte. Ich meine, daß solche Experimente in die Garage oder Keller gehören und nicht in die Öffentlichkeit. Zumindest sollten sich Komponisten solcher Musik nicht über mangelnde Akzeptanz beschweren.
    Was die Frage der inhärenten Emotionalität von Musik betrifft, so muß ich Ihnen widersprechen. Denn genau danach wähle ich Musik aus. Nun ist an meiner Person nichts gelegen. Aber als ein durchschnittlicher, in Theorie unbewanderter Hörer kann ich vielleicht auch pars pro toto stehen. Nun stelle ich also empirisch fest, daß jegliche Musik Emotion transportiert und ich sie deshalb hören will. Welche Tricks der Komponist bei der Niederschrift verwendete und ob sich der Interpret erst selbst emotional in diese Stimmung versetzen mußte ist mir zunächst völlig gleichgültig. Aber sehr auffallend ist mir, daß selbst mathematisch fundierte Musik aus dem Mittelalter schlechthin angenehmer ist als solche der Gegenwart. Kennen Sie zufällig die DVD „Dein Kuss von göttlicher Natur“ des Hilliard-Ensembles? Dort geht es um die Entstehung der Polyphonie bei Perotin aus dem Geist von Mathematik und Architektur. Sehr aufregend und interessant gemacht. Ich habe den Diskussionen der Wissenschaftler mit heißen Ohren zugeschaut. Aber das alles ist völlig gleichgültig, wenn ich „Viderunt omnes“ höre. Es klingt angenehm, eben „gute“ Musik. Stockhausens „Gesang der Jünglinge“ hingegen weckt bloß negative Emotionen. Vielleicht war das seine Absicht, aber ich muß dann passen. Immerhin gibt es noch Arvo Pärt. Damit habe ich nun gar kein Problem. Neu und trotzdem angenehm. (Mir ist klar, daß „angenehm“ keine ästhetische Kategorie ist, über die man vernünftig diskutieren kann. Es steht hier bloß als Platzhalter für bessere Begriffe, die mir nicht zur Verfügung stehen.)

  156. @Trias
    Puh, da fällt mir...

    @Trias
    Puh, da fällt mir jetzt ein Stein vom Herzen… Hatte ich dann also recht mit meiner Ahnung, daß es ich die Gunst der Leserschaft leichter erringen kann, wenn ich den Text nochmal sorgfältig auf aphoristische Kürze zurechtstutze.

  157. offtopic, wenn ich eine...
    offtopic, wenn ich eine Anmerkung zur neuen Blogübersicht hier machen darf als Ex-Werbefachfrau:
    .
    So, jetzt sehe ich endlich, was die FAZ (BETA!) geändert hat.
    Dem Argument, dass es jetzt ganz schlecht ist, dass die Köpfe weg sind, weil Bloggen persönlich ist, werden die Online-Blattmacher und Screengrafiker sicherlich entgegnen, dass man die Dachmarke FAZ stärken will und nicht die einzelnen Blogger-„Produktmarken“.
    .
    Ob diese Dachmarkenentscheidung richtig war, weiß man wie bei allem erst in der Zukunft. Aus Bloggersicht ist es sicher eine sehr unpersönliiche Entscheidung. In der Tat reden Blogleser, auch nicht die einer Zeitung, nicht mit der Grafik einer Säule.
    .
    Diese Erkenntnis, dass Bloggen etwas Persönliches ist von Menschen zu Menschen, sollte Blogger, die nicht ein einem herrschaftlichen Blogsystem eingebunden sind, sondern frei im Web bloggen, eigentlich dazu animieren, ihre Person, ihren Kopf bevorzugt in ihren Blogheader zu tun. Oder ähnliches. Tun sie aber oft nicht. Es tun vorsichtig geschätzt im deutschen www. nur ca. 10 %.
    .
    (Wir, mein Mann und ich tun das bisher auch nicht in unserem Blog. Wir haben 2 Hirschen drin mit Geweih. In Bayern ist das Ironie („Ich Hirsch!“). Wir denken darüber nach, ob wir nicht unsere Hirschgesichter unter die 2 prächtigen Geweihe montieren. :-) )
    .

  158. HM555, ich muss Sie...
    HM555, ich muss Sie enttäuschen, das z.Zt.die Komponisten keinen guten
    Stand haben, hat wenig mit ‚bürgerlicher‘ Kulturverwaltung zu tun, sondern mit
    der Zeit.
    Es ist nicht zu jeder Zeit alles möglich und das ist gut so.

  159. Tut mir leid wegen der...
    Tut mir leid wegen der Schriftgrösse der Kommentare, ich hoffe, das ändert sich noch und ja, das ist eine Zumutung, aber so ist das halt, wenn Leute entscheiden, ohne mit denen zu sprechen, die sich dann damit auseinandersetzen müssen.

  160. Was soll das für eine...
    Was soll das für eine Dachmarke sein, die dem Leser Bildchen wie von der CD-Rom „Die 5000 besten Webclips“ vorsetzt? Computer-Bild?

  161. @ Alexander Plötz: Verzeihen...
    @ Alexander Plötz: Verzeihen Sie, aber wenn Sie hier Äußerungen anderer als „pennälerhaft“ kritisieren, so kann ich Ihnen die Bemerkung nicht ersparen, dass Ihre zahlreichen englischen Einsprengsel eben diesen Eindruck machen.
    @ Savall: Schmerzempfindlich bin ich auch, von einer Musik, die „willentliche Schmerzzufügung“ im Sinn hat, würde ich ebenfalls nichts halten. Wohl aber von einer Musik die es vermag, Schmerz auszudrücken, weil eben Schmerz ein Teil des Lebens ist und damit auch ein Teil der Kunst; auch Gesualdo zum Beispiel kann mit seiner wild wuchernden Chromatik für mein Gefühl manchmal die Schmerzgrenze durchaus streifen. Eine Musik, die NUR schön ist, gleitet schnell ins Kitschige ab und wer will schon immer nur Grießbrei essen? Wobei vielleicht zu fragen wäre, ob die Neue Musik nicht umgekehrt allzu viel Angst vor der Schönheit hat. Mir gefällt jedenfalls am besten solche Musik, die Spannungen, auch Härten beinhaltet, diese aber auch immer wieder auflöst.
    Was Arvo Pärt angeht, den finde ich stinklangwelig. Da höre ich doch lieber gleich das Original, als Gregorianik.
    PS. Wer hat denn hier die winzige Schrift verbrochen?

  162. Was Savall da letztens sagte,...
    Was Savall da letztens sagte, kann ich etwas gewoehnlicher zusammenfassen:
    Ich bin der Liebhabe der schoenen Musica, nicht ihr Gynaekologe.
    .
    Zum Redsign: Schriftart uns Schriftgroesse sind eine Zumutung.

  163. Ich hatte schon befürchtet,...
    Ich hatte schon befürchtet, Barocke Hörerin, daß meine Äußerungen mißverständlich sein könnten. Es liegt wohl an der Unzulänglichkeit meiner Ausdrucksmittel und da geht es mir wie manchmal der Neuen Musik. Natürlich darf Musik „hart“ sein, mitunter brutal. Die Totenklage in Pendereckis „Utrenja“ ist eben eine Klage, da darf auch geschrieen werden. Ich bin nur dann allergisch, wenn geschrieen wird, um meine bürgerlichen Hörgewohnheiten aufzubrechen. Dabei bin ich nicht mal Bürger, zumindest keine Stütze der Gesellschaft.
    (P.S. Bei mir sieht die Schrift wie immer aus. Firefox 7)

  164. Austauschbare Clip-Bildchen...
    Austauschbare Clip-Bildchen (neben Mini-Typo) sind auf alle Fälle großer Mist.
    .
    Man könnte doch das Konterfei-Foddo des Don z. B. in einen Dom-Wasserspeier oder in eine Gips- Büste verwandeln. Im Sinne der Säule und der Stützen. Lösung: Dazu braucht es lediglich den Photoshopfilter „Marmorizer“ und das Foddo.
    (Superseriös im hölzern-steifen FAZ-Sinn ist diese Idee sicher nicht, aber des Gfries wär wieder drin :-) )

  165. Noch was zur Dachmarke: Sie...
    Noch was zur Dachmarke: Sie wollten keine Photos mehr. Macht nichts. habe ich halt ein Portait von mir aus dem Jahr 1825 eingeschickt. Wer Bilder will, kann Bilder haben.

  166. VIELLEICHT LESEN SICH UNSERE...
    VIELLEICHT LESEN SICH UNSERE KOMMENTARE KÜNFTIG BESSER IN DIESER SCHREIBWEISE…

  167. GUTE IDEE ABER VIELLEICHT...
    GUTE IDEE ABER VIELLEICHT SOLLTEN SICH ANDERE MAL ÜBERLEGEN WAS SIE ANRICHTEN BEVOR SIE DEN SCHALTER UMLEGEN:
    :
    ICH BEVORZUGE DA KLAR ÖL UND GLEICH NOCH EIN PORTRAIT BEI DEM ICH NOCH ETWAS HINZUFRESSEN DARF
    :
    http://rebellmarkt.blogger.de/static/antville/rebellmarkt/images/24de3.jpg

  168. Ich hab das mit dem Schreien...
    Ich hab das mit dem Schreien nicht so wörtlich gemeint. Nehmen Sie doch Rücksicht auf meine bürgerlichen Hörgewohnheiten, ich bitt.

  169. ECHT CREEPY........
    ECHT CREEPY…..

  170. DAS PORTRAIT? DAMALS WAR ICH...
    DAS PORTRAIT? DAMALS WAR ICH NOCH ETWAS JÜNGER UND BESSER GENÄHRT UND ASS AUCH NOCH VIEL FLEISCH: JA 1825, DAS WAREN NOCH ZEITEN!

  171. specialmarke...
    specialmarke

  172. @Barocke Hörerin:
    Mit...

    @Barocke Hörerin:
    Mit „pennälerhaft“ war nicht so sehr der Schreibstil gemeint, als vielmehr der Gesamteindruck, und der erinnerte mich am ehesten an ein grob über den Schulhof gebrülltes „Ey Leude, schaut euch mal den Scheiß an! Weißte Bescheid.“
    Was die (drei, glaube ich) englischen Einsprengsel angeht – ja, mit dem Risiko, daß bestimmte stilistische Detail-Entscheidungen nicht gleich als solche erkannt werden, muß man als Autor leben, und es ist sicherlich nicht grundsätzlich die Schuld der Leserschaft, wenn das passiert. Da nützt es mir jetzt nichts, wenn ich beteuere, daß ich diese Sprachschnipsel nicht nur aus einer Laune heraus, sondern ganz bewusst eingebaut habe. Und wenn ich jetzt noch ausführlich erklären würde, warum – na, das wäre wohl ein ziemlich jämmerlicher Moment. Aber als Ergänzung zu meinen obigen Ausführungen über Sprache und „Übersetzung“ als ästhetisches Modell: mindestens eine dieser englischen Phrasen würde, wenn ich sie eben nicht auf Englisch bringen würde, komplett ihre im hiesigen Kontext gemeinte Bedeutung verlieren.

  173. @Alexander Ploetz: Es ehrt...
    @Alexander Ploetz: Es ehrt Sie, Ihre Ansichten uns in dieser epischen Breite dargelegt zu haben. Was mir nicht ganz klar ist, ist die Stossrichtung Ihrer persoenlich gehaltenen Angriffe.
    .
    Selbstverstaendlich habe ich den Witz in Ihrem Cage-Posting verstanden (Ich habe sogar gelacht!) – aber ob mit oder ohne Tonspur, nach wohl fast jeder Definition von Musik gehoert 4’33 zweifellos zu den Stuecken, denen der Ausdruck Antimusik sogar ohne Anfuehrungszeichen (die ich ansonsten recht konsequent gesetzt habe) angehangen werden kann. Und auch den Terminus „so-langsam-wie-moeglich Quatsch“, den ich gewaehlt habe, um Organ²/ASLSP, wie es fuer die naechsten Dekaden in Halberstadt aufgefuehrt werden soll, zu beschreiben, halte ich fuer nicht besonders pennaelerhaft (wie billig!). Vielmehr handelt es sich bei der Auffuehrung doch ganz offensichtlich um irgend etwas, das sich eher als „Aktionskunst“ denn als Musik bezeichnen liesse.
    .
    Was genau meinen Sie mit „meh…“, ich komm wirklich nicht drauf? Zuerst wollten Sie konkrete Beispiele, und dann kommt nur sowas. Ganz offensichtlich haben zu allen Zeiten Komponisten die Grenzen der „Hoeraesthetik“ verschoben (ob es nun wohltemperierte Tonleitern, der Anfang der Eroica, oder diverse Akkorde bei Wagner und Strauss waren). Ich habe nur bei Ives den Eindruck, dass es ihm darum ging (im verlinkten Beispiel), dem Hoerer die Beschraenktheit der eigenen Hoergewohnheiten vor Ohren zu fuehren.
    .
    Wagner als ersten modernen Komponisten zu bezeichenen, ist nachvollziehbar, Ihre Aussagen zu seinem Rezeptionsverstaendnis eher weniger. Haben nicht all die Vertreter absoluter Musik (auch wenn die vor Wagner kaum jemand so genannt hat) genau das propagiert, dass die Musik auch alleine „funktioniert“?
    .
    Und abschliessend noch zu Ihrer Frage, welchen Unterschied es machte, wuerde ich Ihre Kompositionen kennen:
    Prinzipiell natuerlich keine fuer die Debatte. Aber ist die Tatsache, dass sich jemand fuer Ihr Schaffen interessiert, tatsaechlich so aussergewoehnlich, dass Sie lieber patzig als mit brauchbaren Hinweisen (links?) antworten?

  174. Gibt es...
    Gibt es Platzprobleme?
    E.R.Binvonhier

  175. Ja, ich meinte das Bild. Aber...
    Ja, ich meinte das Bild. Aber es passt irgnedwie auf bizarre weise zum Titel. Das Design sieht aus als hätte man bei der nytimes geklaut, man muss von Zeit zu Zeit wohl sowas machen, anders lässt sich kaum rechtfertigen, dass man sich eine Designer /Internet Staffage hält. Und ganz wichtig die Herrausgeber springen einen förmlich an……
    Es hätte auch noch schlimmer kommen können, mit Frakturschrift oder so …

  176. ???...
    ???

  177. <p>Ich sag nur: Hochgotische...
    Ich sag nur: Hochgotische Bastarda mit Ligaturen und so.

  178. DA - bisch immer no da? Ich...
    DA – bisch immer no da? Ich bin total desorientiert.
    fionn

  179. Zurueck zum Thema: Kennt einer...
    Zurueck zum Thema: Kennt einer Michel Pignolet de Montéclair?
    .
    (Gugeln und Wikiien ist feige)

  180. Das kommt vom Anal...
    Das kommt vom Anal Phabetismus.

  181. Nee, aber nicht mit Google...
    Nee, aber nicht mit Google Chrome.

  182. @Filou - Namedropping?...
    @Filou – Namedropping?

  183. Nu hört mal auf zu jammern....
    Nu hört mal auf zu jammern. Gibt immer noch Firefox: Eigene Fonts definieren, Minimalgröße definieren, den Rest mit STRG+ auf die gewünschte Größe bringen, und die Dieseiner haben ausgespielt.
    Hauptsache, Texte und Kommentaren bewahren alte Klasse.

  184. Das ist wie die Erwartung,...
    Das ist wie die Erwartung, Leute würen in ihren Telefonen SIM-Karten austauschen. Es ist doch vollkommen klar, dass mit derartigen Lesehürden einfach viele Leute die Lust verlieren.

  185. Layout wird überschätzt, es...
    Layout wird überschätzt, es zählen einzig die Inhalte.

  186. Sprich, da bewahrt gar nichts...
    Sprich, da bewahrt gar nichts seine alte Klasse. ich habe auch keine Lust, Tete zu schreiben, die wegen so einer Sache nicht gscheid rezipiert werden können.

  187. OK, dann schreiben wir ab...
    OK, dann schreiben wir ab jetzt eben Protestmails (in 8 Punkt Schrift)

  188. E-Musik muss keine Emotionen...
    E-Musik muss keine Emotionen wecken, das gilt so ähnlich auch für andere Genres, wie z.B. für den garantiert unerotischen E-Porno.

  189. Oh, das Ganze mit einem...
    Oh, das Ganze mit einem anderen Browser angeschaut, bei dem Minimalfontgröße nicht definiert war… Äh geht’s noch?

  190. @Der Tiger, Sie koennen's...
    @Der Tiger, Sie koennen’s nicht lassen, was? Der „Jephté“ steht bei mir im Regal, oft und gern gehoert. Eigentlich wollte ich dem deutsch-italienischen Getue einen kleinen Dreh geben.
    Uebrigens: Mitten in Beethovens 9ter zu sterben halte ich fuer eine geschmacklose Kitschidee. Dann lieber bei einem alkoholbedingten Schwaecheanfall mitten in Beethovens 9ter der Sitznachbarin ins Dekolletée k……
    In der Freude schoenster Goetterfurunkeln funkelt Ihr
    Filou

  191. Ich war bislang eine stille...
    Ich war bislang eine stille Leserin und Genießerin dieses Blogs bei der FAZ. Aber diese visuelle Überarbeitung gefällt mir überhaupt nicht. Die Kommentare sind viel zu klein geraten, ich mußte mir erklären lassen, wie ich diese größer einstellen kann, was jedoch auch dazu führt, daß alles andere auch größer wird. Das ist nicht gut gelöst.

  192. Werden uns halt dran gewöhnen...
    Werden uns halt dran gewöhnen müssen, auch mal das Kleingedruckte zu lesen. Trotz allem spannender als die AGB.

  193. Design muß nicht gut...
    Design muß nicht gut aussehen.

  194. Schönheit ist kein Kriterium....
    Schönheit ist kein Kriterium. Und Größe? Donna Laura, was meinen Sie?

  195. Werben Sie einen neuen...
    Werben Sie einen neuen Abonnenten und erhalten Sie umsonst die kultige Lupe mit dem FAZ-Logo.

  196. @E.R.Binvonhier
    .
    Mit der...

    @E.R.Binvonhier
    .
    Mit der Zeit, sagen Sie? Hat die sich seit Bachs Zeiten verändert? Dauert eine Minute heutzutage nicht mehr 60 Sekunden?

  197. Die Rache der Relevanzen....
    Die Rache der Relevanzen.

  198. Was für Wanzen?...
    Was für Wanzen?

  199. @Filou – was Sie mit ‘Sie...
    @Filou – was Sie mit ‘Sie können es nicht lassen’ meinen, versteh ich nicht.
    .
    @Don – Darf ich Ihnen ausnahmsweise etwas empfehlen? … nämlich Geduld mit den s/w Leuten zu haben. Als ich noch Jobs hatte, die normale Leute als Job bezeichnen würden, habe ich einmal einen akzeptiert, bei dem ein Finanzsystem zum Jahresende aus rechtlichen Gründen auf ein völlig neues “off-the-Shelf” adaptiertes umgestellt werden musste. Mein kleiner Bruder, der eine Firma hat, die für solche Aufgaben Personal vermittelt, sagte mir, ‘dass schaffst du nie. Das braucht 5 Jahre und kostete 20 Mille. ‘ Das Projekt, dass ich übernommen hatte, hatte aber nicht nur nur 9 Monate (nachdem es einige Jahre schief gelaufen war) sondern auch nur 3 Mille. Am Ende des Jahres haben wir umgestellt – gegen den Widerstand aller möglicher Leute. Monatelang haben die Leute gemeckert – aber nach einem Jahr hat das System funktioniert und war akzeptiert.
    .
    Was ich Ihnen zu erklären versuche, man kann nicht alles antizipieren. Das kommt einfach zu teuer. Eine Umstellung dieser Art setzt die Zusammenarbeit aller Teilnehmer voraus.
    .
    Ich persönlich lese den Blog lieber mit Lupe, als das ich wollte, dass die FAZ im Journalismus sparen muss, damit wir hier auf Anhieb das perfekte Schriftbild haben.

  200. Don Alphonso, dieses Bild ......
    Don Alphonso, dieses Bild … sehr unheimlich. War das ein Urahn? … und sowas gerade in dem Moment, in dem ich jeglichen Varianten von Glauben an ein Leben nach dem Tod, selbst den an eine Wiedergeburt, abgelegt habe.
    Ach, und apropos „18:21 … Es ist doch vollkommen klar, dass mit derartigen Lesehürden einfach viele Leute die Lust verlieren.“: Im Firefox nur viermal auf Apfel+ gedrückt reicht für beste Lesbarkeit.

  201. @Venezia Fröscher: Ich habe...
    @Venezia Fröscher: Ich habe Ihre Gastbeiträge jetzt beide Male mit viel Freude und hohem Interesse gelesen. Ebenso die Kommentare. Das kann gerne immer mal wieder so weitergehen. Selbst in 3 Punkt. Drück ich halt noch ein paarmal öfter Apfel+.

  202. @Alexander Plötz
    Ich sprach...

    @Alexander Plötz
    Ich sprach mitnichten von den „beneidenswert sicheren Finanzaussichten ihrer Zunft“, ich weiß wie mühsam das Leben von und für die Musik sein kann.
    .
    Nach meiner Erfahrung gilt folgendes: Kunst und Musik werden in verschiedenen Hierarchi- und Niveaustufen kategorisiert. In der Musik stellen „Kuschelrock 24“ und „lustige Musikanten“ sozusagen die unterste Stufe dar. Die Spitze bildet die „Neue Musik“. Höher im Niveau bedeutet weniger tauglich für den Massengeschmack, also steigt der Förderungsbedarf von Institutionen, die einen kulturellen Auftrag haben (Rundfunkanstalten, Stiftungen, Wettbewerbe Festivals etc.).
    .
    Wenn der Kreis klein und elitär ist, weil hier kein größeres Publikum existiert, ist die Gefahr der Inzucht und der Cliquenbildung sehr groß. Erschwerend kommt hinzu, dass Qualität gerade in diesem Bereich nur schwer objektivierbar ist, weil nur wenige Meinungsführer die Diskussion bestimmen. In diesem Umfeld werden Aufträge nicht nur nach rein künstlerischen Kriterien vergeben. Ich war selbst Mitglied in einem dieser Gremien, die Aufträge zu vergeben hatten. Meiner Meinung nach ist „der erste Preis immer der schwerste“, d.h. wer einmal im System ist, hat sein Auskommen und die vielen anderen stehen vor der Tür.
    .
    Die heute immer noch übliche Trennung zwischen E- und U-Musik (und F-Musik) in der Honorierung ist teilweise hanebüchen. Sie kennen doch sicherlich den Witz von den drei Musikern, die sich gegenseitig erzählen, was sie mit ihrer letzten Gage gemacht haben: Der Klassiker: „Ich habe endlich meine Villa in der Toskana bezahlt“. Der Rock-Gitarrist: „Ich konnte mir endlich eine Harley leisten“. Der avantgardistische Jazzmusiker: „Ich habe mir einen Pullover gekauft“. Die beiden anderen: „Und der Rest?“ – „Den hat freundlicherweise meine Mutter dazugegeben.“

  203. Elsa, es gibt ein paar...
    Elsa, es gibt ein paar Mutmassungen, wer das letztlich sein könnte, aber der Restaurator hat keine Belege gefunden. Ich war jedenfalls wie vom Donner gerührt, als ich es bekam. Das war in einer Winternacht, der Postbote kam sehr spät in der Finsternis, und dann das.
    .
    Inzwischen wohnen wir aber gut zusammen und verstehen uns prächtig.

  204. @Plötz: Ich danke Ihnen für...
    @Plötz: Ich danke Ihnen für Ihren erhellenden und umfangreichen Beitrag, der eine interessante Perspektive für unsere vielfältige Diskussion in diesem Blog zur Verfügung gestellt hat und für die Leser sicherlich bereichernde Erkenntnisse eröffnet. Ich denke aber, dass wir fundamental unterschiedlicher Meinung sind – wie meinerseits oben angeführt – was Rezeption, Aufgabe und Wesen von Musik betrifft, aufgrund derer wir wohl auch zu keinem einigenden Ergebnis kommen werden. Die daraus resultierende Länge der Diskussion zwischen ausschließlich zwei Dialogpartnern halte ich für dieses Medium, als Salon des anregenden Meinungsaustausches vieler, für wenig zuträglich.

  205. Was für eine schöne...
    Was für eine schöne Spukgeschichte.

  206. welch böse überraschung...
    welch böse überraschung heute abend. natürlich kann ich mir am bildschirm die größe nochmal einstellen, aber was soll der quatsch, die schriftgröße des blogbeitrags ist doch der maßsstab, der kommentar soll als solcher meinetwegen in der schriftgröße oder art ablesbar bleiben. aber ihn zum kleingedruckten zu degradieren ist eine zumutung. die diskussion ist gerade bei D. A. das halbe vergnügen. bin echt sauer, wenn dies neue layout ein fortschritt sein soll. und dann das neue gesicht der blogübersichtseite mit diesen misslungenen verwaschenen schnipselbildchen, ohne autorenportraits. was solle denn das? der faz meine misbilligung.
    @ venezia fröscher: meinen uneingeschränkten beifall für text und musikanregungen.

  207. @Elsa: Ihr Wunsch in des Don...
    @Elsa: Ihr Wunsch in des Don Alphonsos Ohr und der Vorhang zu einem weiteren Blog-Festspiel mit neuem Lesefutter und vielfältigen Kommentaren fleißiger Leser hebt sich gerne wieder, allerdings wohl nur in 3 Punkt. Danke!

  208. Ich kann das nur bedauern,...
    Ich kann das nur bedauern, gemeldet habe ich es b ereits heute Mittag und Antwort habe ich auch keine bekommen. Auf der einen Seite ist so ein Relaunch natürlich Stress, aber auf der anderen Seite sollte es nachher besser sein und nicht vollkommen unlesbar. Besonders nicht bei dem Anspruch, den die FAZ hat.

  209. Mir gefällts.
    (E.R. Langen)...

    Mir gefällts.
    (E.R. Langen)

  210. So zeigt die FAZ uns eben die...
    So zeigt die FAZ uns eben die überaus GROßE Bedeutung, die sie den Blog-Kommentaren zumisst.

  211. @Venezia Fröscher
    Besten Dank...

    @Venezia Fröscher
    Besten Dank für Ihre anregende Antwort. Ich hoffe doch sehr auf weitere Beiträge von Ihnen zur Musik – eines des schönsten und anregendsten Themen überhaupt! Nur das Lesen der Kommentare fällt mir jetzt nicht mehr so leicht.
    .
    Der Beitrag von Alexander Plötz war optisch der Härtetest: er ist mit dieser neuen Schrift nahezu unlesbar auf meinem Monitor mit 1024 x 768 Pixel, mir schmerzen jetzt die Augen!

  212. HM555, wollen Sie bestreiten,...
    HM555, wollen Sie bestreiten, dass Künstler und Wissenschaftler auch in
    feudalen Zeiten Gönner benötigten, die auch nicht immer selbstlos waren.
    .
    Es wird immer mehr Nachfrage nach Gönnern als Angebot gegeben haben. Die Geschichte von
    den brotlosen Künsten ist doch keine neue. Wie viele Brotlose mögen es zu Bach-Zeiten gewesen sein.
    .
    Die bürgerliche Kulturverwaltung und Vermittlung hat doch erst dazu geführt,
    dass Sie und ich auch fern der Höfe daran teilhaben können und das Gönnerangebot erweitert.
    Zumindest ich schätze das nicht gering.

  213. Es ist offensichtlich so, dass...
    Es ist offensichtlich so, dass das Blog-CMS vom Gesamt-CMS quasi entmündigt wird. Sprich, das Blog-CMS spuckt das gleiche aus wie bisher (und das sieht man beispielsweise beim Schreiben des Kommentars, wenn die Schrift noch Arial in der richtigen Grösse ist, das macht das Blog-CMS), aber bei der Darstellung werden Schriftgrösse und Font neu und falsch formatiert, weil das Gesamt-CMS zwischen Blog-CMS und Besucher steht. Was einiges über die Qualität der vorhergehenden Tests aussagt.

  214. @Don Alphonso
    04. Oktober...

    @Don Alphonso
    04. Oktober 2011, 00:15
    VIELEICHT STECKT EIN „SPONSORING“ DIESER FIRMA DAHINTER:
    http://www.seniorenland.com/gesundheit/sehen-sehschwaechen/lupen/lupe-flipfocus-25-fache-vergroesserung.html?af=100050

  215. ansonsten bin ich sprachlos...
    ansonsten bin ich sprachlos und grüße Herrn Pötzl herzlich ,
    falls er dies noch lesen kann.

  216. Den neuen Netzauftritt FAZ...
    Den neuen Netzauftritt FAZ finde ich spontan etwas fad, musste dann aber doch
    über die Überschrift ‚Rösler empfiehlt Schäuble Insolvenz‘ lachen.

  217. E.R.Binvonhier
    .
    Das ist ja...

    E.R.Binvonhier
    .
    Das ist ja das Problem, dass es zuviele Gönner gibt, und dann auch noch die falschen: Bürgerliche Langweilerkuratorien, deren eigentliches Vergnügen nicht die Kunst ist, sondern das Geldverteilen. Wenn die sich das von ihnen beförderte Zeug komplett anhören und ansehen müssten, dann wäre die Lage nicht ganz so katastrophal.
    .
    Feudale Herren brauchten das ja auch zur Selbstdarstellung. Die hätten nie einen Komponisten gefördert, bei dem man das Publikum auf den Sitzen festschnallen muß, damit es nicht in der Pause wegläuft. Denn mit so jemandem hätten sie sich ja auch selber blamiert.

  218. Das Bürgertum ist gut darin,...
    Das Bürgertum ist gut darin, kulturelles Erbe der feuladen Epoche zu verwalten und zu konservieren, darum ja auch „Konservatorium“.
    Selber Kultur hervorbringen kann es nicht.

  219. (Ausser eben unter adliger...
    (Ausser eben unter adliger Herrschaft und Anleitung, dann schon. Aber im eigenen bürgerlichen Staat wird es sofort steril wie Wolfgang Koeppen.)

  220. Korrektion – Nach etwas...
    Korrektion – Nach etwas Nachdenken fiel mir ein, dass ich gestern (21:06) etwas Falsches geschrieben habe. Der Preis war 8 Mille und nicht 3. Ich hatte vergessen, dass es sich um verschieden Währungen gehandelt hatte (DM versus die ESA/EU intern benutzten Accounting Units). Außerdem habe ich nach verhandelt. Um Entschuldigung bittet
    Der Tiger

  221. Vielleicht hilft es, wenn Sie...
    Vielleicht hilft es, wenn Sie das neue Legaus, allen emotionalen Reaktionsbedürfnissen zum Trotz, einfach als eine rein intellektuelle Herausforderung begreifen.

  222. Das ist eben keine U, sondern...
    Das ist eben keine U, sondern ein E-Design. Da müssen Sie sich schon ein wenig drauf einlassen.

  223. Strg + drücken, für...
    Strg + drücken, für bequemeres Lesen.
    .
    Etwas weniger bunt scheint alles geworden zu sein. Komisch, ich meine mich zu erinnern dass die FAZ vor einigen Jahren ihr Papier zeitgemäßer und auf etwas mehr Bunt umgestellt hatte. Man muss das hier wohl als reformatorische Gegenbewegung verstehen. Wieder etwas mehr alte Musik, sozusagen.

  224. bester HM555,
    pardon, dass...

    bester HM555,
    pardon, dass man erst jetzt dazukommt, zu antworten, doch war meine wenigkeit anderweitig beschäftigt:
    ich musste erst nachschlagen, was generative grammatik bedeutet, dann aber hat es es mich gefesselt und ich verbrachte dank ihres vorzüglichen hinweises einen fröhlichen nachmittag, wofür ich ihnen sehr herzlich danke.
    lieber HansMeier, sind sie vom fach?
    .
    ah ja, und grösse ist immer wichtig. charakterlich natürlich, aber nicht nur, was dachten denn sie…

  225. Morgen, Minibloggers!
    Von...

    Morgen, Minibloggers!
    Von heute an – KISS!
    (Keep It Short & Simple)

  226. @Tiger
    Korrektur ist korrekt....

    @Tiger
    Korrektur ist korrekt.

  227. HM555:
    "Je minimalistischer...

    HM555:
    „Je minimalistischer die Kunst, umso länger der Beipackzettel.
    Das Lamento des Komponisten über die Nicht-Versteher schreit selber schon wieder nach einer Vertonung. Was hätte Rossini da für eine Arie draus gemacht.“
    Bin selbst in Sachen Musik seit 40 Jahren tätig. Und DAS sag ich seit Jahrzehnten: je langweiliger die Musik, desto länger die Erklärungen.

  228. lieber, geschätzter...
    lieber, geschätzter gastgeber, liebe Elsa,
    sie werden lachen, denn mir ist dies dereinst ähnlich wie dem don ergangen. man schreitet durch ein museum mit historischen exponaten. entgegen kommen einem menschen, die einem recht ungeniert und einigermassen unverwandt ins antlitz blicken, geradezu forschend, derart, dass ich bereits heimlich ein kosmetikspiegelchen zückte, um nach der nudel à la loriot zu suchen. da war freilich nichts.
    .
    weitergehendes rätselraten, bis ich vor einem prominent ausgestellten exponat mich befand. die ähnlichkeit ist frappierend.
    .
    im übrigen sagen mir zuweilen gebildete damen ähnlichkeiten mit der *raschelknisperpiepunleserlichkleinwerdend* auf den kopf zu.
    nur wäre das abbild zu erwerben doch leider ein wenig unerschwinglich.
    .
    nun denn, so unter uns wiedergängern.
    .
    .
    die schriftgrösse lässt sich in der tat ganz einfach einstellen, dies ist zwar unbequem, aber die änderung der schriftart stört die lesegewohnheit eher. das übrige faz-design ist jedoch so hässlich nicht, das muss man zugeben.

  229. Venezia F.: "Dass große...
    Venezia F.: „Dass große Genies der bei seinen Zeitgenossen auf Unverständnis gestoßen sind, ist ja in der Kulturgeschichte des öfteren vorgekommen. Zumeist erhielten sie aber postum, nachdem ihre Werk die Welt verändert hatten, Anerkennung und Akzeptanz. “
    Oft? Ist das tatsächlich so? Ich kenn‘ solch‘ Argument eigentlich nur von (meist nur ihre Idole kopierenden) Anfängern, die vergebens versucht haben, von mir einen Plattenvertrag zu bekommen. Prompt und meist wurde der Name „Mozart“ dazu genannt, und das war nun wirklich der unpassendste Vergleich.

  230. jetzt darf gelacht werden -...
    jetzt darf gelacht werden – die faz-artikel sehen aus wie bei fefe. das ist doch mal minimalismus.

  231. Die Körper der Heiligen mit...
    Die Körper der Heiligen mit Pfand belegen: Wenn Italien nicht zahlt, kommt Sankt Markus nach Paderborn und Petrus nach Frankfurt, das Turiner Schweisstuch nach Leverkusen.

  232. @holofernes: Mich verbeugend...
    @holofernes: Mich verbeugend danke ich für den Applaus.

  233. HM555: "Das ist ja das...
    HM555: „Das ist ja das Problem, dass es zuviele Gönner gibt, und dann auch noch die falschen: Bürgerliche Langweilerkuratorien, deren eigentliches Vergnügen nicht die Kunst ist, sondern das Geldverteilen. …“
    *
    Bürgerkultur erscheint nur dann und wann.
    Wer’s nie erfasste, muss nicht drum scheren!
    Nur. Wer noch nicht mal so was kann,
    soll sich gefälligst nicht vermehren!
    *
    Wer will schon sein wie Gottfried Herder?
    Jetzt steht doch Reichtum für den Ruhm!
    Ja. So geistlos werden sie zum Mörder!
    Man unterscheidet Klein- und Großwürgertum.

  234. @Jeeves
    Ich erinnere mich an...

    @Jeeves
    Ich erinnere mich an die Vertonung und Aufführung der „Allgemeinen Beförderungsbedingungen“ der lokalen Verkehrsbetriebe, für Tenor und Kammerorchester.
    Aber da war ich noch ein Kind und es gab auch noch den öffentlich zelebrierten Feudalismus der kommunalen Fürsten im Ruhrgebiet.

  235. Sie sagen, Donna Laura, die...
    Sie sagen, Donna Laura, die generative Grammatik habe Sie gefesselt? So wären Sie selbst der neuen E-Musik nicht weggelaufen.

  236. Am Ende werden sie Helge...
    Am Ende werden sie Helge Schneider engagieren müssen, aber vorher darf sich der Asmussen noch ausprobieren. Schade nur, dass noch niemand ein passendes Liedchen dazu geschrieben hat.

  237. @apreslude
    ...von Loriot?...

    @apreslude
    …von Loriot?

  238. Der Eurokrach als Volksmusik...
    Der Eurokrach als Volksmusik zum Mitsingen…

  239. @Venezia Fröscher
    Wenn ich...

    @Venezia Fröscher
    Wenn ich das – nach Ihrer freundlichen Einladung zuvor (ohne die ich mir diese längeren Ausführungen auch gar nicht erlaubt hätte) – nun als Wiederausladung verstehen soll, soll mich das nicht stören. Aber als eine ziemlich abrupte 180-Grad-Wende fiele es mir schon auf.
    Daß ich oft Sie persönlich angesprochen habe, war eigentlich mehr eine von verschiedenen Strategien, das an sich trockene Thema etwas lesefreundlicher zu gestalten (*hat da etwa grad‘ jemand „Kürzen!“ gerufen?!?*). Und daß bereits mehrere Andere ein paar Punkte daraus aufgegriffen haben, nehme ich als Zeichen, daß diese Absicht nicht völlig unbemerkt geblieben ist.
    .
    .
    @T.I.M.
    Ich möchte herzlich vorschlagen, daß wir noch einmal anfangen (wenn vielleicht nicht gleich von ganz vorne) und uns einfach den Luxus erlauben, davon auszugehen, wir hätten uns gegenseitig gründlich mißverstanden. Das ist ja bei den speziellen Beschränkungen der Kommunikation hier auch nicht ganz vermeidbar.
    Wie ich das „pennälerhaft“ gemeint habe, steht weiter oben, und sollten Sie noch weiterhin gekränkt sein, kann ich nur sagen, daß ein persönlicher Angriff nicht in meiner Absicht lag – wie auch?, ich kenne Sie ja gar nicht.
    .
    Was „meh“ bedeutet, können Sie am einfachsten hier erfahren: http://www.urbandictionary.com/define.php?term=meh . Daß ich mir erlaubt hatte, Ihren Hinweis auf Ives „nicht zu zählen“, lag also daran, daß ich ja ausdrücklich nach Werken gefragt hatte, die angeblich so furchtbar sind, daß sie offensichtlich dringenden Anlaß zu sittlicher Empörung geben, und da ist savall mit seinem Bericht von „körperlichen Schmerzen“ (auf den man gesondert eingehen müsste) einfach viel näher dran.
    .
    Problematisch finde ich an dem oft bemühten Kompromißmodell mit den „Grenzen der Hörästhetik“, daß es zwangsläufig hinausläuft auf ein ziemlich willkürliches (und im Laufe der Geschichte dann erstaunlicherweise doch immer wieder verschobenes) „dieses und jenes ist ja noch okay, aber irgendwo ist dann mal Schluß!“ – Tja, wo denn?
    .
    „Die Grenzen der Hörästhetik zu verschieben“ war aber eigentlich, wenn ich mir die abendländische Musikgeschichte betrachte, zu keiner Zeit wirklich ein Ziel der Musikschaffenden, auch wenn es zu allen Zeiten immer mal wieder in Manifesten und ähnlichem von den Komponisten behauptet wurde; aber man soll ja nun auch wirklich nicht alles glauben, was Künstler so an Selbsterklärungen äußern. Diese Grenzverschiebung ist aber, und das finde ich viel interessanter, unabhängig von den Absichten der Komponisten anscheinend immer eine fundamentale Notwendigkeit gewesen: jedesmal, wenn die Musikästhetik wieder eine neue Kurve geschlagen hat. Und damit meine ich nicht, daß man den Leuten das Zeug eben so lange vorsetzt, bis sie’s fressen. Die dahintersteckenden Zusammenhänge will ich jetzt hier gar nicht angehen, nur so viel: in einem Erklärungsmodell, das Musik und ihre Produktionsumstände lediglich als ein Zusammenspiel von Nachfrage und Angebot, von Bedürfnis und dessen Befriedigung sieht, haben diese komplexen (und sehr realen) Veränderungen natürlich keinen rechten Platz.
    .
    Das mit der absoluten Musik ist ja genau mein Punkt. Vor Wagner (das nur als wirklich grobe zeitliche Markierung) war Musik zunächst erst einmal vor allem Musik, und sie KONNTE emotionale Aspekte haben: in der Oper selbstverständlich, in der geistlichen Musik in schon sehr abgesteckten Grenzen, und in der Instrumentalmusik kommt man wohl wirklich nicht darum herum, sich strikt auf den Begriff des Affekts zu beschränken. Erst Wagner setzt ganz konsequent auf das Konzept, daß „die Musik“ und „das Gefühl“ grundsätzlich eine unauflösliche Einheit bilden (das ist, vielleicht stimmen Sie mir da zu, der Kerngedanke des Wagnerischen „Erinnerungsmotivs“). Und für Wagners Opern funktioniert das phänomenal und ist seitdem auch nicht übertroffen worden. [Die meisten seiner reinen Instrumentalstücke, die er meist genauso zu schreiben versucht hat, sind – wenig überraschend – deshalb auch heute praktisch irrelevant, denn ohne die „künstliche“ Zufuhr von Emotionalität aus dem Drama funktioniert sein System ganz jämmerlich. Mein Klavierlehrer, der auch als Konzertpianist gut beschäftigt war, hatte wochenlang die fis-moll-Fantasie auf seinem Flügel liegen; als ich ihn dann mal fragte, was er denn bittesehr damit treibt, wurde mir erklärt, daß er sich die Herausforderung gestellt hatte, kraft aller seiner Interpretenkunst ein konsistentes Stück Musik daraus zu formen. Ich erinnere das vielleicht falsch, aber ich glaube, er hat irgendwann aufgegeben.]
    Das Dilemma, das ich zu beschreiben versucht habe, ist, daß dieses Konzept bald darauf quasi stillschweigend zum fast einzigen anerkannten Standard wurde – nicht die Kompositionsweise, sondern die Rezeptionsweise, die für diese eine Art von Musik geeignet, um nicht zu sagen notwendig (siehe oben) ist.
    Für die (sich selbst so bezeichnenden) fortschrittlichen Komponisten in Frankreich, wo die Wagner-Manie um die vorletzte Jahrhundertwende verspätet, aber dafür mit umso größerer Wucht eintrat, wurde das beispielsweise zu einem echten Problem, und man kann beobachten, wie sie dagegen regelrecht ankämpfen. Zwei meiner Lieblingsstrategien stammen von Erik Satie (und könnten wohl auch nur von ihm stammen): da schreibt er einmal in seine klanglich der Publikumsverprellung absolut unverdächtigen Klavierstücke dutzende immer seltsamer und widersinniger werdende „espressive“ Spielanweisungen (die im Übrigen niemand im Publikum mitbekommt). Und dann gibt es seine „Klavierstücke mit Stories“, in denen er das Prinzip der „Nicht-Absoluten“ Musik parodistisch weit über die Lächerlichkeit hinausführt, indem er kleine, selbstausgedachte Geschichten bis ins wirklich letzte dämliche Detail musikalisch ausdeutet. Was dabei musikalisch herauskam, war nach der damaligen „Hörästhetik“ kompletter Nonsens, und wer versucht, mit dieser Musik in Gefühlen zu schwelgen, tappt in eine Falle, denn alle Gefühle darin sind Parodien.
    Aber ja, das ist der gleiche Satie, den die meisten heute (wenn überhaupt) nur im kitschig pervertierten Kontext seiner „soooo schönen“ Gymnopedies kennen.
    .
    Ihre Interessensbekundung an Stücken von mir war vielleicht etwas unglücklich formuliert (und ebenso unglücklich von mir falsch eingeordnet worden). Daß man „mich“ als Komponisten im Netz nicht finden wird (außer im Kontext von einigen Konzertveranstaltungen), ist eine ziemlich bewusste Entscheidung. Wenn Ihre Neugier aber noch ungebrochen sein sollte, lässt sich da sicherlich was einrichten. Wenn Sie’s mittlerweile nicht mehr interessiert, müssen Sie sich um mein Ego aber auch keine Sorgen machen.
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    @HansMeier555
    So sehr Sie meiner Meinung nach zu gleichen Teilen falsch und richtig liegen mit Ihrer Einschätzung der heutigen Verteilungsmechanismen, so wohl auch mit Ihrer Vorstellung des adligen Mäzenatentums. Vor ein paar Monaten hatte ich das mäßige Vergnügen, an der Herausgabe von zwei barocken Huldigungskantaten (Libretto: die Fürstprinzessin persönlich) mitzuwirken. Der Repräsentationsbedarf war immerhin so groß, daß die Vertonung für den gleichen Anlass gleich zweimal in Auftrag gegeben wurde: einmal an den Hofkapellmeister (einer der größeren Namen der Zeit, der seinen Posten ohne Zweifel verdientermaßen hatte; was aber trotzdem nicht heißt, daß damals nur die Talentiertesten nach oben kamen), und dann an einen sich hauptsächlich als Theatercembalisten betätigenden musicus. Und dessen abgeliefertes Werk beschreibt man am besten als – ja, wie bleibe ich jetzt höflich gegenüber dem verstorbenen Kollegen…?
    Trotzdem bin ich mir ziemlich sicher, daß es bei Hofe keine ernstzunehmende Debatte darüber gegeben hat, ob das denn der versammelten Gesellschaft zuzumuten sei. War ja immerhin von offizieller Seite bestellt (Gesangssolistin: die Fürstprinzessin persönlich).
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    Und andersrum ist’s auch nicht so einfach. Die späten Streichquartette Beethovens, die die barocke Hörerin schon ansprach (die erwähnte Kritik liest sich übrigens so: „Aber den Sinn des fugirten Finale wagt Ref. nicht zu deuten: für ihn war es unverständlich, wie Chinesisch. Wenn die Instrumente in den Regionen des Süd- und Nordpols mit ungeheuern Schwierigkeiten zu kämpfen haben, wenn jedes derselben anders figurirt und sie sich per transitum irregularem unter einer Unzahl von Dissonanzen durchkreuzen, wenn die Spieler, gegen sich selbst misstrauisch, wohl auch nicht ganz rein greifen, freylich, dann ist die babylonische Verwirrung fertig; dann giebt es ein Concert, woran sich allenfalls die Marokkaner ergötzen können.“), diese dem damaligen Publikum größtenteils nicht zumutbaren Quartette sind unter anderem einem Baron, einem Fürsten und auch dem Kardinal-Erzherzog gewidmet. Und ein solcher Mächtiger, wenn er denn eben nicht überdurchschnittlich musikalisch gebildet gewesen sein sollte (wie es im Gegensatz zur heutigen Zeit ansonsten durchaus damals nicht unüblich war), wird sich dann auch gesagt haben: „Ich versteh‘ zwar nicht, was es soll, aber man sagt mir, es ist *verächtlichräusper* Kh-hunssst.“ – War ja immerhin Lachenmann ähh Stockhausen quatsch Schönberg Unsinn Wagner jahabsdochgleich BEETHOVEN!
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    .
    @salonsurfer
    Als ich’s reingeklickt hab, sah ich es auch nur noch ein einziges Mal kurz in der alten Gestaltung. Ich konnte ja nicht ahnen, was daraus am nächsten Morgen geworden sein sollte.
    Mit 290prozentigem Zoom geht’s jetzt einigermaßen passabel.

  240. Was mich vielmehr verstimmt...
    Was mich vielmehr verstimmt als das neue Layout – gibt es denn hier wirklich keine Möglichkeit für ein verläßliches html-markup?

  241. @Jeeves: Tragisch-komisch, was...
    @Jeeves: Tragisch-komisch, was Sie da über den Versuch junger Künstler, einen Plattenvertrag zu erhalten, berichten. Lassen sie mich in der Erinnerung wühlen, wer neben Mozart für die jungen Künstler und ihren Plattenvertrag noch erhalten kann. Gesualdo: Seine der Zeit vorauseilenden Kompositionen waren zu seinen Lebzeiten völlig unverstanden. Als er dann auch noch seine Frau und deren Liebhaber erdolchte, war es definitiv mit seiner Anerkennung als Komponist beendet: Man erklärte ihn für verrückt. Erst die Komponisten im 21. Jahrhundert rehabilitierten ihn.
    Clara Schumann: Sie war als Pianistin bekannt, ihre Kompositionen aber erst für die Nachwelt von Belang.
    Ethel Smyth, englische Komponistin, kämpfte zunächst auch um Beachtung ihrer Werke. Eine Autobiographie machte sie berühmter, als ihr Kompositionen es je vermochten.
    George Bizet, jung verstorben (wie Mozart), seine heute so berühmte „Carmen“ hatte bei der Uraufführung 1875 wenig Erfolg.
    César Franck, zwar gerühmter Lehrer (u.a. von Debussy) am Pariser Konservatorium, aber seine Kompositionen wurden zu Lebzeiten (besonders außerhalb Frankreichs) wenig geachtet.
    Und der umgekehrte – wohl noch häufigere – Fall, zu Lebzeiten berühmt, danach der Vergessenheit einheimgefallen, ist für die jungen Künstler in Ihrem Umfeld ja wenig von Belang …

  242. Stellen Sie sich vor sie...
    Stellen Sie sich vor sie besuchen eines Morgens faz.net, um zu sehen, was es neues in der Welt gibt und ob der Don mal wieder was interessantes geschrieben hat. Und nach einer Schrecksekunde haben Sie den starken Eindruck, sie würden noch Schlafen und Sie hätten gerade einen schlimmen Traum, in welchem die Zeit die FAZ gekauft hat.
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    Dann merken Sie, dass es anscheinend nur das Äußere ist und sind erleichtert, hoffen aber immer noch irgendwie, dass Sie bald aufwachen…
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    Ernsthaft – ich wäre ja generell für ein frei anpassbares Layout wie zum Beispiel bei Fefe – mit CSS grundsätzlich kein Problem. Dann könnte man die Stützen beispielsweise auch im Spiegel-Online Design lesen…
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    Venezia Fröscher, bitte verzeihen Sie, dass ich hier ausschließlich themenfremd kommentiere – die Musik war noch nie sonderlich mein Thema, dennoch fand ich Ihren Text nett zu lesen.

  243. @Chris: Die Themen - Musik und...
    @Chris: Die Themen – Musik und Layout – lassen sich ja weitestgehend über die ästhetische Komponente miteinander verbinden – passt doch. Kann es ja verstehen, dass man hier zeitweilig völlig auf musikfremde Gedanken kommt. Musik geht weniger über die Augen und da dieses Blog mehr dazu bei trägt, dass meine Leser hier Augen-, denn Ohrenschmerzen (trotz der „Antimusik“-Debatte) bekommen, ist ihr Einwand nachvollziehbar.
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    Fleißige Kommentatoren, ich kann Ihnen nur meinen Respekt aussprechen, dass Sie alle trotz Mikro-Schrift derartig emsig durchhalten, mit Kommentaren, Meinungen, Gedanken, nicht sparen und dieses Blog dadurch so lebendig halten.

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