Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Hassan will den Kalten Krieg zurück

| 65 Lesermeinungen

Eingesperrt, aber glücklich: Wer früher in den Westsektoren Berlins lebte, konnte gut auskommen. Heute wächst die Stadf mit den sozialen Problemen durch den Druck auf die normalen Menschen zusammen.

Take a lesson, from the ones who have been there
My brain is not damaged but in need of some repair
Kaiser Chiefs, Modern Way

Ich trage schwarzgrüne, massgeschneiderte Bergwanderbrogues aus Verona mit grober Sohle, ein bequemes Sacco aus Tuch von Roydale, und einen weiten, langen Ansitzmantel aus Münchner Loden. Ganz geschlossen, und mit hochgeklapptem Kragen sehe ich nach bayerischen Verhältnissen nicht aus wie jemand, mit dem man sich anlegen sollte, denn diese Lodenmäntel aus dem Jagd- und Joggerjagdunfallumfeld sprechen für einen laxen Umgang mit körperlicher Gewalt und wenig Neigung zur friedlichen Konfliktbereinigung. Ich bin eigentlich gar nicht so und am Schalter dann auch die Höflichkeit in Person, als ich mein Gepäck aufgebe. Denn ich habe die klare Luft über den vereisten Bergen verlassen und mich hinunter in die bleigraue Ebene begeben, die sich von München bis zur Küste erstreckt. Ich reise nach Berlin. Da wäre jede zuvorkommende Erscheinung fehl am Platze.

In Berlin angekommen – und nach einem letzten sehnsuchtsvollen Blick auf meine Berge über den Wolken, Berge, die ich jetzt eine Woche nicht mehr sehen werde, und Wolken, die ich von unten erschauen werde, denn in Berlin ist es immer grau, selbst wenn es sonnig zu sein scheint – in Berlin angekommen, nach einer ruppigen Landung in Tegel überlege ich mir kurz, ganz kurz, ob ich wie jeder Mensch in die öffentlichen Verkehrsmittel steigen soll. Aber dann fällt mir ein, dass der öffentliche Personennahverkehr in Berlin ja so eine Sache und keinesfalls unsere reizende Bayerische Oberlandbahn ist, und in Berlin vielleicht nicht jeder den gefährlichen Ausdruck eines Jägermantels erahnt. So ergattere ich lieber ein Taxi. Am Steuer sitzt Hassan und ich sage ihm, dass sich Berlin in den letzten sechs Jahren auf den ersten Blick nicht verändert hat. So lange war ich nicht mehr hier. Und ich kann nicht sagen, dass ich es vermisst hätte. Meine Erfahrungen, individuell gesehen, waren ja nicht schlecht, ich hatte einen Puffer an sozialen Kontakten, Geld und Ausweichmöglichkeiten um mich herum, und meistens bin ich dann auch immer recht spät wieder nach Berlin gefahren, wenn es sich ergab, nach Bayern zu reisen – trotzdem. Nicht mein Ding, diese Stadt.

Hassan sieht das ähnlich, denn er kennt die weitere Geschichte der Zeit, die ich nicht mehr erlebt habe. Hassan hat das Pech, dort zu wohnen, wo heute alle hin wollen: An der Grenze zwischen Neukölln und Kreuzberg. Dort ist er während des kalten Krieges in eine 90 Quadratmeter grosse Wohung gezogen, und langsam merkt er, wie man ihm diese Heimat nehmen will. Er zahlt jetzt 800 Euro warm, unter ihm wurde die gleiche Wohnung neu vermietet, für 1450. Kalt. Und sie war sofort weg. Beworben hatte sich das typische Publikum für diese Ecke, Leute mit Geld aus dem Westen, wie schon bei den anderen Wohnungen im Haus. Von den alten Bewohnern sind kaum noch welche da, Hassan ist inzwischen fast so etwas wie ein unerwünschter Fremdkörper. Man möchte, so erlebt er es, andere Mieter haben.

Dabei kann man sich über Hassen wirklich nicht beklagen. Seine E-Klasse ist so sauber, wie es meine Barchetta nur einmal war, nämlich am Tag der Auslieferung aus der Fabrik. Er fährt souverän durch das Gedrängel der Fahrzeuge im westlichen Wedding, ist auch so nett, einen kleinen Schlenker zu meiner alten Wohnung zu machen, und macht den Job richtig gut, diesen Job, den er eigentlich nicht machen will. Schliesslich ist die Tätigkeit als Taxifahrer nur das Ergebnis einer langen Entwicklung; da hinten, er weist nach Norden, war früher die Druckereifabrik, in der er einstmals Chef des Lagers war. Aber die wurde von einem Konkurrenten übernommen, und steht jetzt auf dem Balkan. Man hat ihm damals angeboten, doch mit auf den Balkan zu gehen. Allerdings nur für den ortsüblichen Lohn des Balkans, weg aus Berlin, in ein Hotel am Rande einer stalinistischen Stadt, um dort weiter das Lager zu leiten. Das hat er dann nicht gemacht.

Das war nicht die einzige Erfahrung. Er war vorher schon im Mittelstand, der hier durch die Berlinförderung gut existieren konnte. Dort gab es eine Maschine, die den ganzen Ablauf im Produktionsprozess steuerte. Drei Mann in der Firma bedienten sie, im Schichtbetrieb, 24 Stunden, rund um die Uhr, und Hassan war einer davon. Einmal, kurz vor Weihnachten, ist sein Nachfolger krank geworden, da hat er dann 16 Stunden durchgearbeitet. Und als auch der zweite Nachfolger nicht kam, wollte er eben die 24 Stunden voll machen. Aber dann kam der Chef, und hat ihm gesagt, dass er jetzt die Maschine übernimmt. Und Hassan sollte in die Kantine gehen und sich melden. Dort gab es dann für ihn zu essen, was er wollte. Hassan beeilte sich, ging zurück zum Chef, scheuchte den in sein Büro, und machte noch einmal drei Schichten. Dann erst kam ein Ersatzmann, Hassen ging er heim und schlief. Er bekam eine Woche Sonderurlaub und 500 DM. Das war 1989, das war ein guter Job und eine gute Zeit für ihn. Gerade war die Mauer gefallen, und der Kapitalismus nahm auch in Berlin West mit, was er konnte. Auch den Mittelständler. Und die nächste Maschine war dann eine, die sich selbst steuerte.

Der Kapitalismus brachte auch eine Sonderförderung Ost für Immobilien, und so lernte Hassan Mitte der 90er Jahre um, auf Elektriker und Maler. Das kann man immer brauchen. und das brauchte man auch, Hassan hatte viel zu tun bis etwa 2000, als die Begeisterung für die Altbauten des Ostens angesichts der New Economy Krise einen schweren Dämpfer erhielt. Dann machte er den Taxischein. Und jetzt, da es wieder losgeht mit den Berlinimmobilien, da entdeckt er, dass die Firmen keine Elektriker mehr brauchen, zumindest keine gelernten Spezialisten aus Berlin mehr. Die haben eigene Bautrupps, die alles aus einer Hand machen, so sagen sie es zumindest, und dahinter stehen Subunternehmer aus dem Osten, also all jene nach Deutschland verbrachten Allesmacher, die man in den nach dort verlagerten Fabriken nicht braucht. Denn eine Berlinimmobilie muss nur so lange schön aussehen und funktionieren, bis sie verkauft ist, und die Probleme teilen sich dann der Käufer aus Süddeutschland, der Mieter aus Süddeutschland und Hassan, dessen Leistung man nicht braucht, aber dessen Wohnung ein grossartiges Geschäft wäre, wenn er gehen würde. Aber das macht er nicht. Das ist seine Heimat, und da bleibt er. Bravo, sage ich. Nicht zum ersten Mal.

Dabei komme ich aus einer Region mit Vollbeschäftigung, wo man sich die Telefonnummern von sauber arbeitenden Elektrikern verschwiegen zuschiebt, und gute Maler bekommt man, wenn man sich ein paar Monate vorher auf die Warteliste setzen lässt. Draussen zieht Berlin vorbei, mit diesem schiefersilbernen Nachthimmel der Lichtverschmutzung, eine alte Frau tippelt über die Strasse, und auf den Trottoirs drängen sich die schreienden Horden der Freitagsbelustigung. Früher war das nicht so, meint Hassan, früher gab es halt den Kudamm, da war das Leben und woanders war Ruhe. Berlin war eigentlich eine schöne Stadt, gut, da war die Mauer, aber man hatte Arbeit und die Leute waren freundlicher. Diese ganze Aggressivität, der ganze Streit, das sind diejenigen, die arm sind, keine Arbeit haben und dann eben Probleme bereiten. Ich nicke und sage nichts über schlecht gelaunte freie Autor_Innen, die ihren Hass auf Twitter auskübeln, und die Atmosphäre der U-Bahn Berlin ins Netz tragen. Hassan hat schon recht. Dann sind wir beim Hotel, das den Besuchern einreden will, dass Berlin eine schicke Metropole der Künste ist, und ich bedanke mich für die Fahrt. Und das Gespräch.

In Palo Alto entwickelt Google selbstfahrende Autos, mit einem besonderen Blick auf die urbane Mobilität. Die Zukunft, an die man dort glaubt, denkt an kleine Elektrofahrzeuge, die sich selbst an das Ziel bringen, keinen Hassan brauchen, damit auch Gewicht und Kosten sparen, und natürlich die Städte entlasten. Sie werden kommen, Hassan ist dann vielleicht schon in Pension, und wird sich an seine Wohnung klammern, so lange es eben die Mietsteigerungen zulassen. Man wird sich in Tegel, dann sicher noch immer in Tegel, da habe ich üBERhaupt keine Zweifel, also in so ein Selbstfahrding setzen, und es wird in den Fenstern einen virtuellen Datenlayer haben, der Zusatzinformationen zur Stadt abspielt. Wo die Hohenzollern waren. Wo die Mauer stand. Wo die besten Bars sind. Was eben für die Menschen so wichtig ist. Relevant.

Mir persönlich hat die nackte, hässliche Wahrheit aber sehr gut gefallen, und weil Hassan zwar ein guter Geschichtenerzähler ist, aber keiner, der Zugang zu einer Zeitung hätte, habe ich es hier aufgeschrieben. Es ist trotz allem eine bessere Geschichte als die Kunstwerke im Hotel, der Blick auf den silbernen Himmel und das, was noch zu sagen wäre, das kommt auch noch.

HINWEIS:

Wer etwas zu diesem Beitrag ohne Systenabstürze sagen will, kann das auch gern im Kommentarblog machen

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65 Lesermeinungen

  1. Pension?
    Sind Berliner Taxifahrer Beamte?

    • Das sagt man bei uns in Bayern generell so.

    • Ganz wunderbar geschrieben
      Vielen Dank – ganz wunderbarer Text. Auf das Angekündigte sehr gespannt und mit qllerbesten Grüßen aus meiner heiß geliebten Heimatstadt Berlin
      (Las die Geschichte erst, ehe ich sie wirklich erleben konnte: „Woher kommst Du?“ „Aus Berlin.“ „Und vorher?“ „Bin hier geboren.“ „Was, sojemanden trifft man ja kaum noch!“ – 85 % Austausch in Prenzlauer Berg)

    • PS: Pension ist man auch hierzulande für Rentnerzeit üblich
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      Nun, ich denke, es wird ganz anders als alles, was man sonst so kennt, aber auf jeden Fall lesenswert.

  2. .
    Captain Alphonsos Reise ans Ende der Nacht. In das dunkle Herz der Finsternis.
    Ich sehe ihn vor mir. Wie er fassungslos über Fahrradtrümmer steigt, um Haltung bemüht, den obersten Knopf des Lodenmantels schließt und nur manchmal zittert seine Hand.
    Er hat eine Mission in diesem Wahnsinn aus Kot, Urin und Damenbinden. Er, der gebenedeite Verkünder der letzen Tage. Er, der Gesandte der Wiesenkräuter, des Huflattichs und des Enzians.
    Der Schritt ist unverzagt. In seinen Augen spiegeln sich die Lichter.

    • Tiefer als der Tag gedacht
      „Captain Alphonsos Reise ans Ende der Nacht. In das dunkle Herz der Finsternis.“

      Dabei muss man ja heute vorsichtig sein, wenn man dies rhetorisch noch ausbeuten will. Nicht jeder findet die Kombination aus anthrazitfarbenem Himmel, Licht und Geschwindigkeit gleich so abstoßend, dass er sich dabei sofort nach Kühen und Weiden sehnt. Im Gegenteil, man würde das Inferno lieber noch ein wenig intensivieren:

      http://redrabbit7.com/cityscape

      Wen wird Captain Alphonso in seiner Rüstung wohl am Ende seiner Reise treffen? Man hofft es könne ein traumatisierter Colonel sein, ein philosophierender Hyper-Vietcong, der ein Schreckensregime um sich herum errichtet hat ( ein Verleger am Abgrund vielleicht oder ein „New Economy“ Unternehmer … ? ), das ihm hilft dem Realen standzuhalten. Hassan, der nostalgische Taxifahrer, ist natürlich Charon, der Fährmann in die Unterwelt und der Text ahnt schon dessen Verschwinden voraus. Ohne Hassan keine Initiation mehr in die Hoffnungslosigkeit. Auf den Bildschirmen der selbstfahrenden Autos, im Leib des Google Körpers, passiert Berlin nur noch gefiltert durch den touristischen Blick oder gar nicht mehr und es gibt virtuelle Kühe, blauen Himmel, Berge und schöne Träume aus der Datenbank.

    • Titel eingeben
      Es gab en Geheimtreffen mit zwei anderen bekannten Systemkritikern, und wir haben aufgepasst, ob draussen keine Drohnen fliegen.

      Generell ist es ja so bei mir: Ich weiss, nach ein paar Tagen ist alles wieder gut. Aber es stimmt natürlich, das ist für mich feindliches Ausland.

  3. Die nackte, häßliche Wahrheit?
    Na, ich weiß nicht. So als Unterschichtenangehöriger erscheint mir Hassans Leben ganz OK. Ist vielleicht nicht das, was man in den versnobten -äh- verschneiten Bergen so gewohnt ist, aber es soll tatsächlich Leute geben, die sich nicht ins gemachte Nest setzen durften.
    Der Junge hat ein gutes Auskommen, wenn er sich eine Wohnung für 800 € leisten kann. Er mußte sich mehrmals umorientieren? Wie schrecklich…

    Ehrlich gesagt finde ich es sogar recht verwunderlich, daß soviele Leute ein Leben lang im gleichen Beruf verbleiben. Tagein, tagaus die gleiche Soße, 40 – 50 Jahre lang. Kann ich drauf verzichten.

    Aber immerhin, die Geschichte war recht nett geschrieben. So gefällt mir das Blog.

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      Gut, die nackte hässliche Wahrheit war eine Anspielung, die eigentlich gar nichts mit dem Text zu tun hat, und auch nicht verstanden werden muss.

      Ich denke einfach, dass es für solche Leute zukünftig sehr schwer werden wird, das Niveau zu halten. Es ist noch nicht schlecht. Aber es wird nicht besser.

    • Jesses, was für eine Arroganz aus Ihrem Text spricht, bossy bob
      Unterschichtenangehöriger…. meine Güte, denken Sie so kariert wie Sie schreiben oder tun Sie nur so?
      Sie sind wohl noch recht jung und werden vielleicht eines Tages froh sein, 40 – 50 Jahre, egal mit welcher Arbeit auch immer, hoffentlich halbwegs überstanden zu haben. Aber eigentlich wünsche ich Ihnen bei soviel Ignoranz etwas ganz anderes. Denn eigentlich kann ich auf Ihren Beitrag wunderbar verzichten, er ist nur dumm.

    • Titel eingeben
      Ob er sich die 800 leisten kann ist eine offene Frage. Er muss es wohl, ‚unter den Bruecken‘ ist immer kalt.

      Er hat sich umorientieren muessen und hat’s auch getan. Haetten das Leute die Karl oder Rudolf heissen auch geschafft? ‚Besitzstandssicherung‘ kann nicht in alle Sprachen uebersetzt werden.

    • jung?
      Der ist nicht jung der Oppa Don, der wohnt ja schon seit Jahren in einer Seniorenwohnanlage weit draussen an einem kalten See – und an Arbeit ist da auch nicht zu denken. Also regen Sie sich nicht auf …. und nehmen sie das geriatrische geblogge nicht so ernst.

    • Titel eingeben
      So wie ich das verstanden habe, hat er jetzt nicht etwa die Möglichkeit, sich zu vergrössern oder, wenn er umzieht, in diesem Umfeld zu bleiben. Dann ginge es halt raus in den Osten, wo es dann doch mehr Bereiche gibt, in die er jetzt schon ungern mit dem Taxi fährt. Übrigens sagten mir alle Taxifahrer, dass sie am Wochenende Fahrten in gewisse Gebiete nach Möglichkeit vermeiden. Gehe figurieren.

    • verbieten?
      bossy bob beschreibt sich selbst so. Darf er das nun auch nicht mehr, …Stichwort „Mohrenlampe“?

    • Bereiche, in die er ungern...
      Geht mir als (geborener!) Berliner ebenso.

    • Oh, eine echte Menschenkennerin...
      Bin gar nicht mehr so jung & habe schon mehrere Umorientierungen hinter mir. Sehe da wirklich nicht das Problem.
      Leider reicht mein extrem unterbelichteter Verstand nicht, um Ihr vor Verständnis & Mitgefühl nur so strotzendes Geschreibsel so richtig zu verstehen.
      Vielleicht könnten Sie mir mal erklären, was denn eine „karierte“ Schreibe ist. & wenn Sie schon dabei sind, wären ein paar genauere Verweise auf meine Ignoranz & Arroganz auch nicht zu verachten. An den ach-so-schrecklichen Umorientierungen kann’s ja eigentlich nicht gelegen haben, da ich diese zur Genüge kenne.

    • Womit Sie nicht ganz unrecht haben...
      In Deutschland ist mangelnde Flexibilität ja leider weit verbreitet. Viele Leute jammern dann lieber & suchen die Schuld für ihre „menschenunwürdige“ Lage (sprich z.B.: „keine 2. Urlaubsreise im Jahr“) auf andere, nicht zuletzt auf den Staat.

    • Apropos...
      Habe ich in meiner maßlosen Ignoranz vorhin doch glatt übersehen: Was genau wünschen Sie mir denn? Das wäre doch mal interessant.

    • Kleiner Tip...
      Was Sie anscheinend nicht verstehen ist, dass wir älter gewordenen (und auch viele jüngere) gelernt haben, dass man mit seiner Lebenszeit Besseres anfangen kann, als „sich umorientieren“.
      Und das immer wieder aufs neue, nur weil manche Kleingeistigen, bei denen es nicht halt weiter als nur bis zu Habgier und Konsum reicht, immer und überall ihre dreckigen kleinen Fingerchen reinstecken müssen um auch dort noch etwas abzuzocken?
      Und sich keiner mehr findet (oder noch keiner gefunden hat) der ihnen am besten gleich die ganze Hand abhackt?

    • Das nennt man ...
      …dumm gelaufen.
      Jetzt stehen die ganzen Umorientierer und Flexibilizisten in den Ecken rum und wundern
      sich, dass die Welt sich weitergedreht hat.

      Die Aktivisten sind an der Reihe.
      Alle müssen aktiviert werden auch die 90-jährige Oma im Pflegeheim.

  4. Don Alphonso will das Internet zurück
    Wir schreiben das Jahr 2043. Immer,wenn die Grosse Schwester ihm über den RFID-Chip die neuesten Nachrichten vor sein geistiges Auge projeziert, wird Don Alphonso ein bisschen wehmütig. Früher musste man noch ins Internet, die FAZ anklicken und die Nachrichten selber lesen. Im Internetteil der FAZ hatte Don Alphonso regelmässig Blogartikel geschrieben. Manchmal sogar welche voller Menschlichkeit und Mitgefühl.
    Aber Menschlichkeit und Mitgefühl gibt es nicht mehr. Das Internet auch nicht.
    Und erst recht keine Bäckereien.Traurig schliesst Don Alphonso seinen Ernährungsschlauch an den Lieferstutzen an, der irgendwo an der Wand zwischen den vielen Gemälden montiert ist.
    Er stellt den Regler auf „Torte“ und drückt auf „Start“ …..

    • Titel eingeben
      Doch, das wird es immer noch geben, wie es auch heute noch handgezogene Kerzen und Bücher auf Papier gibt. Für eine Oberschicht. Der Rest wird automatisch mit dem Minimum abgespeist, um ihn ruhig zu stellen. Man mache sich um mich keine Sorgen. Aber die anderen…

    • Schichtenmodell
      Auch Nebenschichten nutzen noch gedrucktes in Form von Buechern. So lange noch oeffentliche Bibliotheken existieren haelt sich der Schmerz in der Kasse in Grenzen. Kerzenverleih wird keine Zukunft haben.

    • Rec
      Schon, aber er weiß Haute Couture in Prêt-à-porter zu verwandeln.
      Denn das ist die Kunst; nicht anders herum.

  5. Ja, den "Schrippenkonservatismus" gibt es...
    … der öffentliche Dienst war ein großes Beschäftigungsprogramm für intensiv berlinernde Berliner, die an U-Bahnsteigen „ßurückbleim“ brüllten, Buslinien durch menschenleeres Gebiet fuhren und andere nützliche Dinge taten. Der Normalverdiener bekam seine „Zitterprämie“ genannte Subvention über die Gehaltsabrechnung und Firmen wurden zu paradiesischen Bedingungen angesiedelt.

    In verklärtem Andenken an dieser Zeit reden auch heute noch viele Berliner von den alten Bundesländern als „Westdeutschland“, was sich sogar bis hin nach Passau erstreckt, das sich in seiner geografischen Östlichkeit vor Berlin nicht zu verstecken braucht.

    Eine Weddinger Finanzbeamtin, die im Jahr 2000 hoffnungslos (wenn auch selbstverschuldet) den Durchblick in meinen kirchensteuerlichen Status verloren hatte, meinte, dass sei ja alles auch sehr kompliziert, weil ich ja zuvor (bis 1996) „in der Bundesrepublik“ gelebt hätte. Was mich zu der etwas entgeisterten Rückfrage brachte, wo denn ihrer Meinung nach Berlin selbst heute liege.

    Wenigstens der Begriff der „Zone“ für das umliegende Berlin ist in diesen Kreisen weitgehend aus der Mode gekommen. Immerhin etwas.

    Und erfreulich ist es, dass Berlin allmählich aus der Stagnation herausfindet, in die es nach Streichung all seiner Subventionen fiel, als die erwartete Rückkehr der nach 1945 geflüchteten Großunternehmen aber ausblieb.

    Es bewegt sich wieder etwas – was eben auch zu der gestiegenen Nachfrage am Wohnungsmarkt beiträgt.

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      Naja. das gleiche auf dem Wohnungsmarkt tat sich auch Mitte der 90er Jahre. Und wie man seit der Volkszählung weiss, sind Berlin ja auich viele Menschen abhanden gekommen. Für mich ist das immer noch teilweise Fassade und was wirklich dahinter ist, will gar keiner wissen.

    • Die gestiegen Nachfrage...
      —auf dem Berliner Wohnungsmarkt ist ein Mythos, der orts- und sachunkundigen Zahnärzten südlich der Mainline seit 1989 erfolgreich als Faktum verkauft wird. Tatsächlich betrug die Spannweite der Einwohnerzahlen Berlins in den vergangenen 25 Jahren gerade mal 100.000 EW (3% der Gesamtbevölkerung). Der Preisauftrieb am Berliner Immobilienmarkt resultiert vornehmlich aus Subventionen für Immobilienentwicklung (Altbauten in Styropor einpacken), EZB-Niedrigzins, Fluchtgeldern aus der Südschiene und Billigtourismus.

    • Titel eingeben
      Wenigstens der Begriff der „Zone“ für das umliegende Berlin ist in diesen Kreisen weitgehend aus der Mode gekommen. Immerhin etwas.

      Habe am Sonntag ein Gespräch mit Willy Brand gesehen, der ja sicher kein kalter Krieger war und das Worte Zone ganz selbstverständlich benutzte !

    • Häuserbau
      macht mich auch skeptisch – die Spanier haben das exuberant betrieben, nun stehen die Bauruinen leer in der Gegend rum. Berlin braucht nicht unbedingt mehr Häuser, sondern mehr Industrie. Aber woher die zu nehmen sein soll, weiß keiner.

    • Haushaltgröße
      Die gesteigerte Nachfrage nach Immobilien kommt zu einem gewissen Teil auch dadurch, dass anscheinend die Haushaltgrößen weiter schrumpfen. Und das hat z.T. sicher was mit der gesteigerten Mobilität zu tun – mir sind immer weniger Familien gegenwärtig, bei denen z.B. die Großeltern mit im Haushalt wohnen. In meiner Kindheit war das noch ganz normal. Aber jetzt bleiben die Großeltern eben oft in der alten Heimatstadt. Dazu kommt die erhebliche Zahl an Singlehaushalten.
      Insofern kann auch bei gleichbleibender Bevölkerungszahl eine erhöhte Nachfrage nach Wohnraum entstehen.

    • aber, aber....
      Solche Häuser werden nun mal nicht gebaut, weil jemand die Wohnungen möchte. Die werden ausschliesslich gebaut weil ganz bestimmte Leute daran Geld verdienen… Und das Bauen ersetzt in Spanien die nicht existente Industrie. So hat alles seine Ordnung.

    • Titel eingeben
      Sowas – man nannte das im 20. Jhdt. ABM (Arbeitsbeschaffungsmaßnahme) – wird in Berlin traditionell am Engelbecken durchgeführt. In den 1920ern ließ man es zuschaufeln, in den 30ern wieder auf, dann wohl nochmal zu und in den 90ern wieder auf.
      Mit dem Abriß der spanischen Häuser ist es schwieriger, aber vielleicht steigen die Bauunternehmen ja auf Sprengung um.

    • psst,
      Sie machen mit Ihrem Realismus sonst noch das letzte halbwegs funktionierende Geschäftsmodell in dieser Stadt kaputt.

  6. Titel eingeben
    Ja aber, Warum fährt Alfons nach Berlin?

    • warum er nach berlin fährt?
      hat er etwa immobilien in berlin, die er vermietet an schwaben und bayern? das wäre immerhin ein kontrast-programm, massives gesellschaftspolitisches engagement ?!, um dem massiven zuzug von pariser kommunisten einhalt zu gebieten, die sich das leben in der französischen metropole nicht mehr leisten können. :-)) gruß aus paris.

    • Ich war da beruflich: Dissidententreffen, Callgirls, Geschenke bringen, so Zeug.

    • jaja
      :-))

  7. Titel eingeben
    Diederich Heßling ist vor 60 Jahren nach Bayern umgezogen, brabbelt bierselig seine „mia san mia“ Hassparolen und lebt glücklich in seiner CSU Monarchie. Da lebt der Untertan, irgendwo in der Nähe von München, satt von seinen korrupten Geschäften, spottet über die Liberalen und die Sozialdemokraten.

  8. Ach ja
    Berlin ist der einzige Ort in Deutschland, der so etwas wie die Charakteristika einer Weltstadt aufweist. Das ist natürlich für manchen eine nicht zu bewältigende Herausforderung.

    Wir alten Mauerberliner haben diese Erfahrung schon vor 1989 gemacht, merkwürdigerweise im wesentlichen mit Menschen aus Bayern. Offenbar ist Provinzialität dort genetisch fest verdrahtet.

    • Weltstadt....?
      Welche Welt soll das sein?

    • Easy
      Na, anstatt Welt – weltstatt. Ist doch easy.
      Ist überall so, auch auf dem Land.
      Weltstatt ist überall. Man wähnt sich in der Welt und ist doch bloß in einer Stadt.
      Egal ob in einer Hauptsatdt, einer Oberstadt oder einer Unterstadt.

    • Und
      das mag nicht so schlimm sein wie meine hingerotzte Orthographie, führt aber schnurrstracks zu einem Gedanken des Walser Martin, der von Heimatverbundenheit als Synoym für Zurückgebliebenheit sprach. Ist das so? Und wenn ja, warum? Und wenn nein, warum nicht?

  9. Sie vermieten doch, geschätzter Don,
    …und der Hassan ist doch ein sorgfältiger, fleißiger Mensch und war bestimmt auch in seinen Handwerksberufen jemand, deren Adresse Sie nur unter der Hand weitergeben würden. Machen Sie ihm doch ein Angebot, nach Bayern zu kommen, vermitteln Sie ihm einen Arbeitsplatz und vermieten ihm eine Ihrer hübschen 90-qm-Wohnungen für 800,– €…retten Sie hn aus dem verkommenen Hauptstadtslum!

  10. ...undankbare Bagage...
    Endlich soviel Lebensraum im Osten,
    Und keiner geht hin.

  11. .
    daran sieht man, dass die précarité nun jedoch allerorten zu beobachten sein dürfte, in unterschiedlicher verteilung jedoch. man sieht daran auch, dass man individuell recht viel kraft benötigt und nicht nach links, nicht nach rechts schauen sollte, sich nicht ablenken lassen und aufmerksam sein sollte, sondern seinen eigenen weg gehen, fest an ihn glauben und flexible sein – und man spürt sogleich, dass genau diese worte hohn sein können und als hohn ankommen können.
    denn nicht jeder, der möchte, schafft es, und nicht jeder, der es nicht geschafft hat, hat dies etwa nicht doch gewollt und so gar nichts daran gesetzt.

    die schwierigkeiten eines m.e. zu grossen teils der sandwichgeneration, einen reissbrettähnlichen lebenslauf zu führen mit anständiger wohnung, ein paar urlaubsreisen, ordentlicher bekleidung und fahrbaren untersätzen und allen medizinischen notwendigkeiten, liegen auf der hand.

    was deren elterngeneration noch einigermassen vermochte, glückt nun in breiter zahl nicht mehr; selbstverständlich gibt es zahlreiche, die finanziell recht gut dastehen mit ihren berufen; der ruf, dass die anderen etwas vernünftiges hätten lernen sollen, verfängt jedoch nicht immer; und wer weiss schon was die zukunft bereithält: unwägbarkeiten eben. auch der hausherr schrieb bereits von altersgenossen aus gutem hause, die durchaus ihre eltern verwundern machen, weil sich nicht dieselben rosigen perspektiven wie einst bei ihnen ergeben, und ohne polster – über welches die eltern damals ebenso bereits verfügten – sähe es oft schwarz aus, weil auch logischerweise sich der ehrgeiz in andere gebiete als ausgerechnet in die lukrativsten diffundierte. und wer sollte denn auch sonst in manche, im guten sinne kreativen, aber brotloseren berufe gehen, wenn nicht diejenigen, die sich dies zutrauen dürfen, weil sie dann eben nicht nach kulturförderung rufen müssen, sondern bereits ihr wagnis gestützt auf eigenes privatisierten.

    wenn ich mir meine generation so ansehe, wird mir durchaus mehr als nur ein wenig bedenklich zumute, wohin dies noch führen sollte.

    nicht allein, dass die liebesbeziehungen oft nicht glücken oder rascher beendet werden, als man es eigentlich doch gerne hätte – allgemein gesprochen, nicht individuell bezogen auf diesen einen type -, auch die kinderlein mögen darob nicht kommen und auch die beruflichen wege oder die entlohnung folgen keinem höher weiter schneller, wovon, mit absicht polemisch und sehr verkürzt gesagt, die fröhlich vor sich hinkiffende generation der sexuellen befreiung im allgemeinen und als ganzes besehen noch ausgehen durfte. hinzu kommen noch die mageren zinsen. die altersvorsorge ist auch deshalb schwer, weil die banken ungeheuer schlau geworden sind, was die verklausulierungen anbelangt, so dass bei neuen verträgen oft recht wenig herauskommt als eine provision und im vorfeld einige toplöhne, die rasch in eine hübsche yacht gesteckt werden. schliesst man aber keinen vertrag, so zinst sich das angesparte herunter, um es noch nett zu formulieren: so mögen sich staaten entschulden.

    • ...
      Darf ich mir ein Kompliment erlauben, donna laura? Ich finde Sie entzückend, hinreißend.
      Wenn es denn jemals zu diesem Bier käme, dann am liebsten mit Ihnen.
      Bitte richten Sie dem großen Künstler von mir aus, er soll seine Unverschämtheiten im Zaum halten, wenn er wieder den Wunsch verspürt, das Wort an Sie zu richten. Das gehört sich nicht und war zudem unzutreffend.

      Dem beschwingten Fluß Ihres Kommentars entnehme ich, dass Sie über ein hohes Maß an Reflektionsvermögen, Güte und Herzlichkeit verfügen.
      Lassen Sie mich ein paar Punkte herausgreifen. Ungeachtet der Schwierigkeit eines Lebenslaufs, der immer ein schwieriger ist, läßt sich derzeit ein seltsame Form des Manierismus erkennen. Dergestalt, dass die Pose nicht mehr auf sich selbst verweist oder eine Logik ad absurdum führt. Schwere Säulen, die ein geringes Gewicht tragen; große Treppen, die in kleine Räume führen. Dererlei.
      Ein Manierismus, der sich nicht kennzeichnet, wie es früher, oben beschrieben, der Fall war.
      Nun, was will ich damit sagen. Ich sehe das als Indikator für die Ratlosigkeit einer Gesellschaft. Was nicht schlecht sein muss. Ideologiefreie Räume bieten ein hohes Maß an Entfaltungsmöglichkeit. Diese Räume nicht mit Ideologie zu füllen, darin besteht die Herausforderung. Wir sind nicht am Ende. Die Geschichte der Menschheit driftet ins Unendliche und, einen Film zu zitierend, dahinter, die Ewigkeit.
      Ich empfinde es außerordentlich erfrischend, mit Ihnen Konversation zu betreiben und möchte Sie einladen, doch öfters hier vorbeizusehen.

    • gesellschaft...
      „Nun, was will ich damit sagen. Ich sehe das als Indikator für die Ratlosigkeit einer Gesellschaft. Was nicht schlecht sein muss. Ideologiefreie Räume bieten ein hohes Maß an Entfaltungsmöglichkeit. Diese Räume nicht mit Ideologie zu füllen, darin besteht die Herausforderung.“

      oui.

    • .
      man dankt, man dankt sehr, es ist nur beinahe ein zuviel des kompliments.

      ceterum stellte sich noch nicht der eindruck, dass irgendwer meinereine zu hart angegangen wäre – ausser einem kleinen austeyler vielleicht, der dies nun gar noch bedauern mag, dabei traf die schimpferey nicht mea parvitas, sondern ungeziemenderweise ihre allernächste umgebung, aber mei, wer es braucht. wer weiss, woraus sich dies speisen mochte.

      zuweilen gehen meinungsäusserungen eben nicht, ohne etwas genauer zu werden, und so ideologiebefreit kann das ganze gar nicht sein, steckt doch durchaus ein gewisses weltbild dahinter, ein weltbild, welches gleichwohl sich kaum noch repräsentiert sehen mag; manches ist jedoch nur in ganz einfachen worten und unverstellt darzulegen – auch dies eine lehre aus zahlreichen schlachten im weissen salon, die es den vergangenheiten gab: bevor man sich um nichtigkeiten duelliert.
      zudem scheint es eine pest der zeit, dass die gefilden als rauer gelten, und so ist eine gewisse klarheit sicherlich wünschenswert, sollte man an sein ziel gelangen wollen.

      allerdings habe ich lange nicht mehr von den wallachen berichtet. dies dürfte bereits aufgefallen sein, nicht wahr.

    • ...
      Die Wallache betreffend, kommt mir ein Gedicht von Meret Oppenheim in Erinnerung. Diese Grande Dame des poetischen Surrealismus und Verfasserin avantgardistischer Lyrik ist äußerst lesenswert.
      Es war etwas zu viel – aber ich wollte mir Gehör verschaffen und da neigt man dazu, das Nuancierte außer acht zu lassen. Dies auch eine Pest der Zeit. Trotzdem ein Fauxpas, donna laura. Verzeihen Sie.
      Rote Salons, weiße Palais, das meditative Grau der großen Städte. Schön.

    • Titel eingeben
      Wat denn nu – lieber wieder alles wie zu Mauerzeiten? Korrupter Berliner Senat, plündernde Banker, Immobilität, Subventionskoma & schmuddeliges Kreuzberg im Westen ./. verrottete Innenstadt, Datschen-Eskapismus & graue Soße im Osten – zusammengehalten nur von der atmosphärischen Dunstglocke aus Braunkohle-Brand und Minol Benzin? Noch heute wäre das zu goutieren hätten nicht junge Leute 1967 gegen den Mief der fünfziger und sechziger Jahre protestiert oder – jenseits des sozialistischen Schutzwalls – das Regime schlicht abgeräumt. Es geht doch!
      Sich leidend hinter der prekarite (

  12. http://mondediplo.com/2013/12/02tafta
    Es geht ja leider um weitaus mehr als nur gentrifizierte, mehr oder weniger ‚weltstädtische‘ berliner Betonwüste, denn unter der Fassade herrscht Krieg. Was wir stattdessen zu sehen bekommen, ist Lokalkolorit, ‚Augsburger Puppenkiste‘ und ‚Weapons of mass delusion‘. Unser aller berliner Propagandahauptamt will davon natürlich nichts wissen, aber Ihr Taxifahrer wird sich noch wünschen, er wäre nie geboren. Nichts gegen kreative Schöpfungskraft, aber Dinge wie transatlantische Zölle z.B. lassen sich auch ganz ohne geheime, aber leider völlig hirnrissige Abkommen aus der Welt schaffen, d.h. Mauern sind also nicht ‚per se‘ von Übel. Wer keine Überzeugungen hat, steht da auf ziemlich verlorenem Posten.

  13. Ich hätte gerne ..
    .. die Aufnahme aus dem Flugzeug als Wallpaper.

    Ich mag Ihren Blog; sehr inspirierend für meine eigene Knipserei.

  14. Hassan will den kalten Krieg zurück?
    Wohl eher die SdG ihr Stützkorsett, dass sie davor bewahrte jeder Springer-Kampagne
    (Wulff) auf den Leim zu kriechen.
    Hauptsache ihre Vorurteile und Animositäten werden gekonnt bedient.

    Da wirft man doch gerne alle politischen Normen über Bord.
    Beklagt lieber deren Kosten ( in diesem Fall:Pensionsansprüche ), die man selbst verursacht hat.

    Mit was will man den ‚Pöbel‘ jetzt noch beeindrucken.
    Mit überlegenen Urteilsvermögen etwa?

    • Auch gut zu sehen
      Wie locker es Herr Putin schafft, dass sich das deutsche Politestablishment die Charakter-
      Masken vom Gesicht reißt.

      ‚Endlich frei!‘

  15. Mit viel G'fühl
    Danke, Alfonso! Wir stehen auf dem Weihnachtsmarkt in Bamberg. Die Erfahrungen gleichen denen Hassans in Berlin. Die Menschen bestaunen, begutachten die Ware. Meine Frau verkauft Schlitten. Das Label fotografieren die Kunden. Dann bestellen sie wohl im Internet. Jedenfalls kommen einige, die die Schnüre zu bestellen vergessen haben, um die Schlitten zu ziehen. Die kaufen sie dann in unserer Weihnachtsmarkthütte. Als Rentner ist mir das alles egal. Wer aber früher scharf auf seine jüngere Frau war, die dann eben auch noch mit 55 Jahren weiter arbeiten will, der muss zusehen, wie sie mit der Situation zu Recht kommt. Es erinnert an die Obstverkäuferin bei Andechs. Sie hatte immer preiswert ihre guten biologischen Äpfel von Andechs bezogen. Dann sah sie die Ware in großen Läden. Der Preis war weit unter dem, den sie anbieten konnte. Die alte Marktfrau sah, dass die Großgeschäfte die Ware unter ihrem Preis verkauften, den sie selbst noch bei den Andechsern zahlen musste. Es hat ihr keinen Spaß mehr gemacht. Uns macht der Weihnachtsmarkt nun auch keine Freude mehr. Doch wer dieser sich verbreitenden Traurigkeit, dieser wachsenden Verzweiflung zumindest Worte verleiht, wer die Gefühle von immer mehr Menschen zu beschreiben versteht, der ist für mich zumindest ein „Dichter-der-Wahrheit“. Danke Don Alfonso

    • Traurigkeit, Liebe
      „Ein Dichter der Wahrheit“. Genau genommen eigentlich ein Pleonasmus.
      .
      Es liegt mir schon seit längerem auf der Zunge und jetzt würde es passen. Vor sehr langer Zeit wurde ein Kind geboren. Es sprach mit den Traurigen. Das tut auch heute noch. Wenn man traurig ist, spricht es, wenn man das möchte, von der Liebe. Was für unerhörte Wörter. Liebe. Traurigkeit.
      Ich wünsche Euch allen eine fröhliche Weihnachtszeit, mehr „Zeit als Zoich“ (Danke, V.)
      und das Lächeln der Kinder!

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