Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Das Museum für gnadenlose soziale Unterschiede

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Weisst du, auf dieser Welt gibt es zwei Sorten Menschen, mein Freund: Solche mit geladenen Waffen und solche, die graben. Du gräbst.
Der Blonde aus „Zwei glorreiche Halunken“

Franz hat ein Problem mit Sissi, und Sissi findet es nicht lustig, dass Franz sie im Palast anschreit. Unflätig, sehr unflätig, denn Sissi hat ihn angerempelt und da ist Franz das Handy aus der Hand gerutscht, und auf den Marmorfussboden gefallen. Da interessiert sich Franz natürlich nicht mehr für die architektonische Schönheit von Schloss Schönbrunn, sondern nur noch dafür, Sissi als ein mangelintelligentes Borstenvieh zu bezeichnen. Sissi will das aber nicht sein und so drängelt sich das plumpe Mädchen durch viele andere Fränze mit k.u.k.-Uniformen und viele andere Sissis mit Sissi-Traumhochzeitskleidern zur Lehrerin und petzt ihr, was der Franz über sie gesagt hat. Ich bin kein besonders ausgeprägter Kinderfreund, aber selten fand ich sie so störend wie in Form jener österreichischen Schulklasse, die da in Franz-Uniformen und Sissi-Ballkleidern stupide, grölend und dumm durch die Hallen von Schönbrunn marodierte.

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Das hier ist der Blick hinüber nach San Gimignano an der Strasse von Siena nach Volterra in der Toskana, und sollten Sie gerade in den anständigen Bundesländern wie Bayern leben, in denen die Schulferien jetzt erst beginnen, und darüber nachdenken, Volterra mit Ihren Kindern zu besuchen – tun Sie es nicht. Fahren Sie lieber nach San Gimignano, da können Ihre Kinder Amerikaner und Japaner terrorisieren, und ausserdem gibt es da auch einen Berg, auf den man laufen kann, und danach sind sie platt, genervt, und wollen nur noch ans Meer und zur Pizza. Bis dahin ist San Gimignano mit seinen Türmen ein Abenteuerspielplatz, da können die Stammhalter dann Game of Thrones spielen oder was sie sich sonst hinter Ihrem Rücken so runterladen. Prinzipiell ist es Kindern ja egal, ob sie etwas als Franz, Sissi, Attila oder Godzilla kaputt machen. Hauptsache, es gibt jemanden, der sie nicht aufhält, gewähren lässt und dabei insgeheim an den Konzepten der Museumspädagogik verzweifelt. Denn die erstaunliche Idee, dass man desinteressierten und zerstörungswütigen Impulskontrollversagern die Geschichte ihres glatten Gegenteils, des Menschen, nahebringen muss, ist schuld an all den Sissis und Franzens und was da unter dem Glauben an die Bildung sonst noch Kulturgüter gefährdet.

Nun habe ich selbst ein passendes historisches Fach studiert und weiss natürlich, wie es so weit kommen konnte: Studenten gibt es viele, aber Stellen nur wenige und so beklagte man es, dass doch die Kleinen, die Nachkommenden, die Zukunft – und nicht etwa die Typen, die in dreissig Jahren ignorant und dröge genau so weit wie wir hinter den Möglichkeiten bleiben werden – frühzeitig aus der Geschichte lernen sollten. Damit begründete man eine ganze Industrie: Talentlose Kunsthochschulfreunde malten Kindermalbücher, Kollegen brachen der Forschung das Genick herunter bis zum Vorschulanspruch, es gibt spezielle Führungen und Verkleidungen und überhaupt alles, was so einen Orchideenfachstudent_Innen bis zur passenden Zahnarztverheiratung oder Verbeamtung in Lohn und Brot hält. Im Ergebnis meide ich seitdem Wien, was ohnehin keine schlechte Sache ist, weil es in Österreich liegt. Volterra dagegen liegt auf einem kurvengespickten Berg, der nachgerade die Garantie für halbverdaute, im Strahl verteilte Eisreste auf Ihren schönen, neuen Leasingautositzen ist. Er eigentliche Grund jedoch, warum San Gimignano für Kinder reicht, ist das hier:

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Das ist das berühmte, unter meinen Studienkollegen weltberühmte Museum Guarnacci in Volterra. Berühmt ist es, weil der ansonsten nicht sonderlich bedeutende Prälat Mario Guarnacci im Jahre 1761 dieses Museum mit all dem, was er über die Jahre dem Boden um Volterra entrissen hatte, eröffnen liess. 1761 gab es noch keine Museumsdidaktik, und Kinder pflegte man artgerecht je nach Stellung im Stall bei den Schweinen oder im Burggraben zu halten, und Ludwig XIV. hat das auch nicht geschadet – aber eben nicht im Museum. Dazu kam, dass Altertumskunde in jener Zeit noch aus wahren Plünderungsorgien durch etruskische Gräberfeldern bestand: Plana oder Stratigraphien, wie wir sie heute kennen, spielten damals keine Rolle. Man musste einfach nur zugreifen und Guarnacci nahm, was er kriegen konnte. Während wir heute genau überlegen, zu welcher Zeitstufe welches Rasiermesser und welche Navicellafibel wohl gehören mag, ging es damals vor allem um die Anhäufung von möglichst üppigen Sammlungen.

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Wir reden hier schliesslich über das sinnenfrohe Rokoko, und was dem Fürsten seine Mätressen, waren dem Kanoniker seine etruskischen Altertümer, die er dicht an dicht und ohne Rücksicht auf Fundzusammenhänge präsentierte. Das Museum selbst richtete sich nicht an den ahnungslosen Pöbel, sondern an interessierte und gebildete Menschen auf der Grand Tour durch Europa – sonst komte sich niemand so eine Reise durch Europa leisten. Die Besucher brachten ein gerüttelt Mass an Bildung für das Altertum mit, was um so leichter war, als es damals unsere hirnbelastende Moderne noch nicht gab. Was antik war, hatte in sich einen hohen Wert, und man musste es gesehen haben, um nachher bei Hofe brillieren zu können. Für diesen Zweck und mit dieser Vorbildung reicht das Museum Guarnacci vollkommen aus: Es ist zwar ein entsetzliches Durcheinander, aber mehr wusste man damals nicht und war schon vom Geiste der Antike erfüllt, wenn man drittklassige kampanische Grabwegwerfkeramik sah – so, wie manche heute verliebt auf ihre iWatch schauen.

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Kurz, das Museum ist in sich auch schon wieder ein Museum für die Geschichte des Museums. Es kommt mit zwei Bedeutungsebenen daher: Einmal als Forschungsstand zu einer Zeit, in der man Aderlass für Medizin und öffentliche Selbstgeisselung für gottgefällig hielt. Der Wunsch nach Wissen und die Habgier bilden die kulturelle Begründung dieses eigentlich schrecklichen, ignoranten und rücksichtslosen Museums, das keine Bildungseinrichtung ist, sondern Bildung voraussetzt. Und dann kommen als zweite Ebene noch die Funde der Etrusker, Römer, Villanova-Menschen und was sich sonst noch existierte, in riesigen Mengen und allenfalls rudimentär geordnet. Dieses Funde stellen enorme Ansprüche, ohne sie sonderlich durch Erleuchtung zu belohnen. Fassungslos und frei von jeder Erkenntnis stolpern normale Menschen hindurch, verstehen nicht, kennen keine Bezüge und sind restlos überfordert. Kurz: Es ist göttlich. Kein Museum ist mir bekannt, wo man sein Herrschaftswissen der Antike so gnadenlos gegenüber den Sterblichen ausspielen kann, die hier töricht mit der gelösten Eintrittskarte die Erwartung verknüpfen, irgendwer würde ihnen jetzt schon erklären, was sie hier sehen. Da muss es doch sicher auch eine Videoinstallation geben, oder?

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Gibt es nicht. Es gibt auch keine Ledersofas, die Räume sind klein, stickig, finster und alles ist genau so, wie es der englische Adlige erlebte, wenn er, vom verdorbenen Essen frisch verwurmt, aus der Kutsche kroch und sich sagte, das müsste er jetzt einfach sehen, denn dafür hat er die betrügerischen Schankwirte in Bayern, die liebeskunstsinnigen Dirnen in Florenz und die dreisten Kutscher in den Niederlanden überlebt: Nur um hier all die Altertümer zu sehen, aus jener Epoche, als Rom sich anschickte, Italien zu erobern und zur Weltmacht zu werden. Mit seinen Augen betrachtet ist das Museum gross und mit seiner Fülle an Schätzen überwältigend. Und freundlicherweise hat man es auch genau in diesem Zustande belassen, und nicht versucht, es allen und jedem recht zu machen. Eine gewisse aristokratische Haltung hilft hier wahrlich durch die abgeschabten Räume, wo in der Finsternis schon damals massengefertigte Graburnen auf einen herabschauen. Das Museum ist gelebtes Klassenbewusstsein und spuckt alle wieder fast so ungebildet aus, wie sie es betreten haben. Die getippten, nichtssagenden Beschreibungen sind ein Hohn auf die egalitäre Gesellschaft und den Glauben, dass es reicht, wenn man es allen gleich einfach macht.

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Natürlich erlebt man so eine Missachtung für das Publikum auch in der modernen E-Musik, am Volkstheater, in der Genderforschung und bei jedem Ringelpitz-Oberauer Lyrikseminar mit anschliessender Annegret-Fleischhuber-Flaxenberg-Preisverleihung. Diese Verachtung jedoch ist neu, nur akademisch begründet und bezieht ihre schale Legitimation von brotlosen Wissenschaften, die in hundert Jahren oder auch nur Tagen längst wieder vergessen sind. Guarnaccis Museum ist begründet auf ein Patriarchat, das arme Schlucker mit Schaufeln auf Felder schickte, damit sie das Grosse un Erhabene finden, von dem sie nichts verstehen. Gender kann man mit NRW-Abitur studieren, aber einen Palazzo stiften, ihn voller Gerümpel stellen und dann britische Adlige zur Verehrung zwingen: Das geht nur mit der Klassengesellschaft.

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Und harter Ausgrenzung von allen, die hier nur stören würden. In Schlösser kann man sich einfühlen und davon träumen, Franz oder Sissi zu sein. Dieses Museum jedoch ist abweisend, verachtend und rücksichtslos in einer Art, die wir in Europa so gern menschenfreundlich übertünchen, und Kinder darin spielen lassen, um zu zeigen, wie weit wir als vorläufiger Höhepunkt der Menschheitsgeschichte seit dem Feudalismus gekommen sind. Insofern ist das Museum ein gelungener Urlaub für Menschen, die noch an das Gute glauben, solange sie es selbst haben, und nicht die anderen.

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57 Lesermeinungen

  1. San Gimignano
    eine gute idee, die ungezogenen kinder dahin zu schicken, warum wird der ort mitsamt den teueren, aber mässigen restaurants nicht gleich nach florida oder osaka verlegt……..aber trotzdem wohl gut so, dann kommen die As und die Js schon nicht nach gaienhofen oder gar nach konstanz, von anderen orten, an denen ich nicht belästigt werden will ganz zu schweigen.
    aber lieber Don, woran liegt es: dieses italien hat einen blühenden tourismus, gespeist aus zahlungskräftigsten kunden, einen hochstehenden maschinenbau und eine einzigartige modeindustrie mit den schönsten namen der luxusbranche.
    hat das land eine sklerose gespeist durch was oder landet alles in einer halb-bis hochkriminellen schattenwirtschaft oder in den tresoren von UBS und CS in chiasso, lugano oder locarno ?

    • Schattenwirtschaft hat jedes Land – in Italien kommt halt noch die unfähige Verwaltung dazu, und daran hängt leider sehr vieles.

    • Der Deutsche braucht und pflegt einfach sein Feindbild "Schweiz"
      „oder landet alles in einer halb-bis hochkriminellen schattenwirtschaft oder in den tresoren von UBS und CS in chiasso, lugano oder locarno ?“

      Diese Aussage, diesen Unsinn muß man erst einmal ertragen.

      Sie sollten statt zum Ballermann auf Mallorca einmal im Urlaub im Tessin machen.

      Wir leben nun schon 10 Jahre, wenige Kilometer vom Grenzübergang Ponte Trema auf der Schweizer Seite.

      Sie kommen heute nicht einmal mit einem Kilo Tomaten, die sie auf der italienischen Seite von Ponte Tresa, auf dem Gemüsemarkt gekauft haben, wieder zurück ins Tessin, ohne eine peinliche, nahezu entwürdigende Grenzkontrolle.

      Die Italiener haben schon vor Jahren ihr Geld abgezogen, seitdem die Schweiz ihre sogen. Weißgeldstrategie verfolgt um nur ja nicht auf einer von der EU erfundenen „grauen- oder schwarzen Liste“ zu stehen.

      Man (auch nicht deutsch sprechender Italiener) kann heute sogn. Schwarzgeld leichter in der BRD anlegen als in der Schweiz!

      Tessiner Banken haben schließen müssen und Personal entlassen. Das Tessin ist u.a. dadurch der Bayerische Wald der Schweiz geworden.

      Aber pflegen Sie ruhig weiter ihre Klischees, wenn Sie das brauchen.

      Mit freundlichem Gruß
      B.Klingenberger

    • Bei der Verlegung von San Gimignano nach Florida
      müssten dann aber die freskierten SM-Szenen ausgesprochen grob verpixelt werden, damit in den USA Personen unter 21 Jahren sich das noch angucken dürfen – wenn ihrethalben nicht ohnehin nur noch Las Vegas als Standort übrig bleibt.

  2. Gleichheit
    Die Wettbewerbsgesellschaft hat eben ein grundsätzliches Problem, denn um konkurrieren zu können, muß sich der Mensch gleich (ähnlich) verhalten, wie alle anderen. Eine Vielfalt durch Wettbewerb ist reines Wunschdenken eines Glaubenskriegers.
    Am einfachsten ist noch immer das Bild vom Freund und Feind, das den Tag strukturiert.
    Es ist immer eine Frage, in welchem Zusammenhang der Begriff Gleichheit verwendet wird.

    • Gleichheit vor eem Gesetz hinde ich richtig, vor dem Staat auch, aber in der Gesellschaft? Wie soll das gehen? Die Gleichheit aller Tutsi vor den Hutu, die Gleichheit von Pol Pot? Und wenn ich sehe, wer da in diesem Land agiert, möge man mich zufrieden lassen.

    • @ don alphonso
      §1 AGG: Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

      Kernaussage: Es gibt keine Gleichheit vor dem Gesetz mehr! Denn der Umkehrschluss ergibt, dass man aus jedem anderen Grunde diskriminieren darf. Zwar ist das GG (allgemeines Benachteiligungsverbot) ranghöher. Aber da sich das AGG auf europäische Normen stützt, ist nur der diesbezüglichen Normverstoß auch entsprechend bewehrt (Rechtsweg zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte steht offen). Hier greift ein Paradox: Wenn ich eine Supranationale Instanz einführe, die nur für eine bestimmte Sorte Verstöße zuständig sein soll, verderbe ich gleichzeitig die Moral der nationalen Instanzen, was alle anderen Verstöße angeht. Was nicht zwingend sanktioniert werden muss, wird auch nicht sanktioniert; dafür sorgt schon die Behördenträgheit. Und wenn es einen Europäischen Menschengerichtshof gibt, wird das BVerfG mit heller Freude die Verantwortung über die Wahrung des Gleichheitsgrundsatzes nach Strasburg abgeben.

      Für den unter europäischem Diskriminierungsverdacht Stehenden gilt währenddessen gar kein Recht mehr; es reicht nämlich ein (belegtes) Indiz, damit er schuldig gesprochen wird (vgl. § 22 AGG). Stellt ein (potentieller) einheimischer Arbeitgeber beispielsweise fest, dass ein Bewerber aus einem anderen Land stammt, muss der einheimische Arbeitgeber demnach im Streitfall BEWEISEN, dass diese Feststellung nicht zur behaupteten Benachteiligung des Bewerbers führte. Das ist kein Recht, sondern ein in Blei gegossenes Vorurteil (bei Verdacht schuldig!) zuungunsten desjenigen, der in der Position ist, rein theoretisch diskriminieren zu können und dessen für ihn Agierender (Personalchef) nicht über jeden Verdacht erhaben ist: Mag der Agierende nun einheimisch, männlich, oder jemand sein, der einem bestimmten Glauben/einer bestimmten Weltanschauung anhängt, der seinerseits keine Behinderung zu beklagen hat, relativ gesehen jünger/älter ist, oder bloß derjenige, der seine sexuelle Disposition nicht zum Problem/besonderem Kennzeichen erklärt.

      Schmerzt Ihnen der Kopf?! Mir auch …

    • Gleichmacherei
      Es gibt kein eindeutiges Gesetz, vor dem alle gleich sein könnten, das gibt Sprache gar nicht her. Der Staat ist der einzelne Mensch zugleich auch selbst.
      Der Grund, weshalb Isaiah Berlins positive und negative Freiheit, sich selbst als schwachsinnige Aussage enttarnt.

      Damit stellst Du den Menschen, der wirklich ist, in einen Zusammenhang, der soziokulturell konstruiert ist und der nicht existiert.

      Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit ist ein Euphemismus für die Wettbewerbsgesellschaft, die damit das Unrecht schönredet, denn es hatten ja angeblich ALLE die gleichen Startchancen. Unschwer zu erkennen, daß dies eine faustdicke Lüge ist.

      Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit ist die Ausrede, die RECHTfertigungsstrategie für die Ungerechtigkeit des Ergebnisses eines Wettbewerbes:

      Es ist übliche Leergut-Behauptung jedes Wirtschaftsliberalen in der SPD…

    • @ idahoe
      Selbstverständlich gibt es das Gesetz, vor dem alle gleich sein sollen. Der Satz – nachzulesen in Art. 3 des GG – besagt, dass dieselben Gesetze für alle gelten, es sei denn, das Gesetz macht einen Unterschied. Es privilegiert an manchen Stellen beispielsweise Bürger vor Menschen. So, wie das ein Nationalstaat eben macht.

    • Gleichberechtigung?
      @auch egal
      Spätestens, wenn ein Gesetz durchgesetzt werden soll, ist klar, daß es welche geben muß, die mehr Rechte haben. Das war es dann schon mit der Gleichberechtigung bzw. vor dem Gesetz seien alle gleich.

      Was mich viel mehr stört, ist die Tatsache, daß durch die Vernunft ein höheres Wesen geschaffen wird, dem sich alle unterzuordnen haben. Vernunft ist ein Konzept des Übermenschlichen, die Perversion des Menschen in Glaubenswelten.

      Oder mit den Worten aus Orwells Farm der Tiere
      Nur Schweine sind gleicher.

      Wissen ist Macht, Glauben ist Herrschaft. Ein Wissender kann nicht herrschen, ein Herrscher kann nichts wissen.
      Franz Maria Arwee

    • @ Idahoe
      Nein, das ist Unfug. Der Richter ist ein Dritter. Aber dessen private Angelegenheiten stehen im Streitfalle auch wieder zur Disposition – anderer Richter …

      Das Ideal kann keine Gesellschaft umsetzen, das ist auch gar keine vernünftige Zielstellung. Man muss respektieren, was die Menschen an Voraussetzungen mitbringen und versuchen, das Zusammenleben ohne größere Kollateralschäden, als notwendig zu organisieren. Die Aufgabe ist schon groß genug! Aber an der Gleichheit vor dem Gesetz zu nörgeln, weil es angeblich nicht durchhaltbar sei, ist grober Unfug. Dann können Sie auch das Tötungsverbot in die Tonne treten – weil es ja nicht auszuschließen ist, dass … usw. usf.

    • Wenn sich das Problem zur Lösung erklärt...
      @auch egal
      Der Richter ist ein Mensch, genau wie jeder andere auch oder GLAUBEN Sie ernsthaft er wäre ein höheres Wesen, das die Wahrheit kennt und für Gerechtigkeit steht?

      Recht bedingt Unrecht, diese einfache Konsequenz scheint SIE zu überfordern?

      Recht ist das von Ihnen selbst bestrittene IDEAL, ansonsten wäre es nicht gesetzt. Recht ist nichts anderes und war es auch niemals.

      Sie erkennen nicht einmal Ihren eigenen Widerspruch…soviel zum Unfug.

  3. Titel eingeben
    Mein ganzes langes Leben hat mich Kunstgeschichte, gar die alten Römer, noch ältere Griechen und uralte Ägypter nie interessiert. Erst, seitdem ich den Don lese (udn in der Folge auch ähnliches), wünsche ich manchmal: hätte ich damals die Möglichkeit gehabt, zu studieren, es hätte wohl Kulturgeschichte sein mögen.
    Will sagen: mir gefällt der Ausflug hier oben wieder. Danke.

  4. Daher...
    bedaure ich, dass Dahlem aufgelöst wird und ins Humboldtforum soll. Dahlem ist (war) ein echtes Museum, eines der besten weltweit, dessen Stücke (Völkerkunde) aber bald entweder gar nicht mehr zu sehen sein werden oder der Kinderbespaßung zum Opfer fallen. Ein Kulturverlust wie kein zweiter, aber für Berlin zu erwarten und fast schon wieder passend.

    • Vermutlich gibt es dann auch politisch korrekte Betafelung mit dem Flehen um Vergebung für kolonialrassismus.

  5. "Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah"
    „Willst du immer weiter schweifen?
    Sieh, das Gute liegt so nah.
    Lerne nur das Glück ergreifen,
    Denn das Glück ist immer da.“

    Ich habe manche Reise durch das vielgeliebte Bayernland in Erinnerung und manchen Besuch in den obligatorisch gewordenen Heimatmuseen, welche jenem vom Autoren beschrieben um nichts nachstehen.

    Amüsant scheint mir heute schon die Vorstellung wie diese in vielleicht 100 Jahren mit neuen Exponaten ergänzt werden, wenn man dann bei Ausgrabungen auf die Reste der refugee camps stößt, die in einem Anfall von Sozialromantik aus dem Boden gestampft wurden.

    Doch das liegt noch in ferner Zukunft.

    Aber es mag ja auch finanziell unabhängige Privatleute geben, die sich in ihrer wohlhabenden Umgebung eine Art Privatmuseum mit einem Kuddelmuddel aus „Kunst“ schaffen um ihresgleichen zu beeindrucken.

    Das ist doch das schöne an diesem Land. „Jeder soll nach seiner Façon selig werden.“

    Mit freundlichem Gruß
    B.Klingenberger

    • Das ist natürlich richtig – Heimatforscher betrachten die Scholle als Nabel der Welt und der Rest muss das einfach auch so sehen. Am schlimmsten sind da wohl die Museen der Vertriebenen, gänzlich unbeleckt vom Ende des Kalten Krieges. Aber das hier hat eben Grandezza-

    • Heimatforscher ...
      haben dann also eine falsche Vorstellung vom Nabel der Welt? Welche hat denn der Don Alphonso? Dürfen andere die ihre Vorstellung behalten und aktiv schützen? Dürfen sie, mit anderen worten: ein Zuhause haben und das werter schätzen als anderes – oder ist das nun verboten? Wo verläuft denn eigentlich die Grenze oder sind bereits alle Grenzen abgeschafft? Wer hat das beschlossen? Im GG kann man sie noch erkennen …

  6. Großartig,
    was Sie schreiben und zeigen, verehrter Don. Wenn Sie solche Museen lieben, sollten Sie bei Ihrer nächsten Griechenlandreise unbedingt die vielen archäologischen Museen in den Dörfern und Kleinststädten besuchen. Die sind genauso museumspädagogikfrei, deutlich kleiner und jünger, dafür aber mit echt griechischer Kunst und Kunsthandwerk gefüllt und nicht mit griechisch-etrurisch-böhmischer Epigonentum.

    Gestatten Sie mir eine Nachfrage: Liegt diesem Museum wirklich eine aristokratische Haltung zugrunde? Nicht vielmehr eine bildungsbürgerliche? Wer hätte sich in diesem Museum eher blamiert: der Schuhmachersohn Johann Joachim Winckelmann, der vermutlich beste Antikenkenner seiner Zeit, der Begründer der Archäologie und Kunstgeschichte oder der adelige Geck, der seine Zeit bei Jagd und Gelagen vertrödelt hatte, während Winckelmann in der Studierstube saß? Jenes Gesellschaftsmodell, das gnadenlos Bildung voraussetzte, war im Vergleich zur Aristokratie – deren Blütezeit 1761 auch schon lange vorbei war – durchaus EGALITÄR, weil ja anders als die adelige Geburt jedem Bauernsohn die Studierstube grundsätzlich einmal offenstand – vorausgesetzt, der zuständige Dorfpfarrer erkannte das Talent des Jungen.

    • Nun, es gibt ja auch andere Sammlungen dieser Zeit, und da gibt es schon Unterschiede zwischen dem Habitus der jeweiligen Sammler. Nur gehörte es damals einfach auch dazu, so etwas zu tun – Fabrizio del Dongo etwa lässt ja auch mit mässigem Interesse in der „Karthause von Parma“ graben. Dieser Herr hier war ein standesbewusster „Nerd“, würde man heute sagen.

  7. Vielen Dank für den Tipp
    Merke ich mir für den nächsten Italientrip. Hoffentlich reicht mein Latinum und das Medizinstudium aus…

  8. Museumsgenüsse für Insider
    Nun verraten Sie doch nicht an die misera plebs der FAZ-Leser wo die wirklich klugen Köpfe hingehen sollen.
    Wobei mir das um diese Jahreszeit etwas zu heiß ist, da lob ich mir Seewind und Ostsee. Aber im Oktober können wir gern da unten erst etwas zur Kulturfolge anhand von Grabbeigaben fachsimpeln und anschließend üppig essen gehen, wobei es bei mir schon auch Fisch und Fleisch sein darf.
    Und nach dem Espresso auch noch ein Grappa, damit es wohl bekommt.

    Ein vergleichbares Erlebnis hatte ich vor vielen Jahren, als es im hillige Kölle noch das Schnütgen Museum gab, dortselbst eine Sonderausstellung zu Andachtsbüchern des Mittelalters, die ich mangels weiterer Didaktik in der Ausstellung meinem Vater vor den Vitrinen in der Entwicklung vom Psalter zum Stundenbuch und der Verfeinerung der Buch-/ Miniaturmalerei bis zu den Limburgs und Simon Bening erklärte, u.a. mit den Feinheiten der Hintergründe und der beginnenden Perspektive oder von der Ranke um den Schriftblock zur Drolerie. Zunächst von den anderen Besuchern skeptisch beäugt, wurde die Gruppe die uns hinter her schlich, immer größer…..
    Paps quittierte es mit einem Grinsen, der Einladung zum Essen in einem guten Restaurant und der Bemerkung, da wisse er warum er in meine solide Halbbildung investiert habe. Wobei ich das nun gerade nicht studiert habe, aber wildern in der Uni-Bib und Gespräche mit anderen Studis die nicht Humanmedizin studieren machen ja nicht dümmer.

    • Moment – die FAZ ist die Zeitung der gehobenen Stände und deren Mitglieder dürfen natürlich wissen, wo der wahre Kenner seine Bildung beweist. I Oktober bin ich zur L eroica wieder dort und stehe dann auch zur Verfügung.

    • -
      Das hillije (sic!) Kölle, lieber prince Matecki. (Sie wissen schon: Rheinisches metaphysisches Wesen mit einem Buchstaben: J)

      Studenten, die sich mit Buchmalerei auskannten und darüber gerne gesprochen haben, kannte ich zu meiner Studentenzeit leider keine, aber das mag auch eine Generationenfrage sein. Stattdessen habe ich Germanistinnen mit Magisterabschluss (na gut, es war nur eine) getroffen, die zwar Thomas Mann nie gelesen hatten, dafür aber ein zeitgeistiges Jugendbuch für Literatur hielten. (Und ich Narr dachte, es sei ein guter Aufhänger, eine Germanistin danach zu fragen, ob sie für irgend eine Fähigkeit, die der Teufel ihr geben könne, bereit wäre, auf die Liebe zu verzichten.)

  9. Titel eingeben
    Man darf aber auch nicht den „Vernaccia di San Gimignano“ vergessen, dem man nach so viel unerfreulichen Gedanken durchaus etwas Zeit widmen sollte, um dem Glauben an das Gute etwas nachzuhelfen, aber Sie sind ja leider dem Wein abhold.

  10. Casole
    Ist das der Blick auf S.Gimignano von Casole aus? Ein väterlicher Freund hat dort seine letzten Jahre verbracht. Von seinem Haus gab es einen ähnlichen Blick. Er hat immer gesagt: Am schönsten ist S.Gimignano von hier aus…

  11. Titel eingeben
    Lassen Sie mich raten, das erste Foto müsste kurz vor Castel San Gimignano sein. Dieses Jahr hab ich leider kein Foto aus der Toskana [seufz]

    In Volterra ist neben der Innenstadt und dem römischen Theater auch noch die Balze und die Badia Camaldolese sowie der Park am/um die Fortezza Medicea einen Besuch wert – auch weil diese meist frei von Touristen sind (na gut, der Park ist schon eher belebt). Ja, und es ist durchaus etwas leichtere Kost.

    Gleichwohl darf der Hinweis erlaubt sein, dass Guarnacci nicht unbedingt einen raffinierten klassistischen Plan verfolgte. Bei aller Liebe die ich Volterra entgegen bringe, es ist nun mal seit langem eine im Vergleich zu Florenz, Siena, Pisa provinzielle, kleine Stadt, ein bisschen Salz (Saline.d.V), sonst Landwirtschaft, Festung. Bis vor ein paar Jahren die Vampirbücher kamen, auch eher gedeckter Tourismus. All in all kein Vergleich mehr zu den etruskischen Zeiten.
    In einfacheren Worten: da hat eine schlichte Seele zusammengerafft, was geht, und in Glaskästen ausgestellt.

    Zur Einstimmung: „Sandra“ von Visconti aus 1965 mit einer, nun, schauspielerisch hervorgehoben leidenden Claudia Cardinale, böse Menschen würden sagen: sie war da nonstop kuh-äugig schmachtend.
    Ansehbar in ganzer Länge bei Youtube.
    Die Handlung sei gnädig verschwiegen, die Aufnahmen aus dem Volterra der 60er, auch aus der großartigen Villa Pallagione, sind schöne Zeitdokumente. Allein schon die Szene am Anfang mit der Fahrt im offenen Cabrio, ich meine es ist ein BMW 507, sie mit Kopftuch, beide mit Sonnebrille, hach. DabrauchenskeinebeschuhtenAsiatinnenmehr.

    San Gimignano ist nach meiner Erinnerung nicht lediglich voll mit Touristen und deren Kindern, sondern die Straßen drumherum und vermehrt auch die Stadt werden mit komisch bunt gekleideten Radrennfahrern bevölkert, die angesichts der Kombi von historisierendem Pflasterstein und Klickpedalschuhen bei ihrem Aufenthalt dort nicht immer souverän aussehen. Und auf den kurvigen Straßen gerne für Stau sorgen.

  12. Nostalgie!
    In die Reihe der bereits angesprochenen Heimatmuseen mit ähnlichem Duktus wäre auch einzuordnen (gewesen) das Fürstlich Fürstenbergische Museum in Donaueschingen. Nebst stattlichen Muschelsammlungen (wohl der jüngeren Fürsten) gab es auch ausführliche Reiseausstattungen inklusive der für eine winterliche Rußlandreise erforderlichen Schlitten – und einem dazu passenden ausgestopften aufgerichteten Braunbären! Eine Etage höher wurde es etwas lichter, dort hingen unter anderem echte (!) Holbeins.
    Allerdings sind die wohl wie auch die im FF Archiv verwahrten Nibelungenhandschriften alle in „Koks“ umgesetzt worden, zusammen mit der Brauerei, einstmals „Tafelgetränk Seiner Majestät“ und Pflichtausstattung in jedem Speisewagen.

  13. Plana und Schichten
    Don Alphonso, Sie trauen sich, heute noch das Wort „Plana“ zu verwenden? Da können Sie aber von Glück reden, daß man Sie überhaupt noch in (klassisch-)archäologische Museen hineinläßt!

  14. Lektüre
    Ich rate als Lektüre zu George Dennis: Cities und seine Cemeteries of Etruria, 1848, deutsche Erstausgabe 1852, Nachdruck 1973 „Die Städte und Begräbnisplätze Etruriens“ ISBN 3-5340-5678-7.

    Die Vita des Autors in engl.: Dennis E. Rhodes: „Dennis of Etruria“ 1973 ISBN 0-9008-2109-4

    In Italienisch und englisch : Etruria svelata. I disegni di Samuel James Ainsley nel British Museum. Etruria Unveiled. The Drawings of Samuel James Ainsley in the British Museum. ISBN 13: 9788871760018 mit Reproduktionen, die sein Freund Samuel auf der Reise der Beiden gemacht hat.

    Immerhin erstaunlich, dass ich her was schreiben kann, wo ich bei der FAZ eigentlich gesperrt bin wegen politisch unerwünschter Beiträge.

  15. feindbild schweiz
    @b.klingenberger
    das tessin ist wirklich zu bedauern, es wird zeit, dass wir noch eine zweite oder dritte gotthardröhre bauen, damit auch dieser landstrich der welt nicht wie der bayrische wald verarmt. ein kanton, der auf jeden reform-und änderungswunsch mit der drohung des anschlusses an italien reagiert könnte ja mal seine evtl. etwas verfilzten strukturen flexibilisieren. und einem überbesetzten banken- und finanzdienstleisterstandort wie dem südtessin tut eine bereinigung auch mal gut. nennt mann sektoralen strukturwandel und hat jeder maschinenbaustandort in württemberg längst hinter sich.

    zudem habe ich nicht von schwarzgeld gesprochen, für jeden italiener war besonders zu lira-zeiten und auch noch zu euro-zeiten die anlage in schweizer franken als weissgeld immer lohnend, die währungsgewinne kamen ja wie von selbst, z.b. mitte januar 2015 um 10 uhr morgens.

    wenn es dem tessin so schlecht gehen sollte, warum sind denn dann die preise in lugano so hoch, für alles und nichts, angefangen bei immobilien und endend bei einer pizza mit hotelübernachtung ?

    und warum tun sie dann nichts für den standort und kaufen tomaten in ponte tresa ein ? so schön ponte trese auch ist, aber in agno gleich um die ecke gibt es coop.

    • "Warum gleich in die Luft gehen,...."
      Das Thema war ursprünglich: „Das Museum für gnadenlose soziale Unterschiede“.
      Und um wenigstens der Form halber dabei zu bleiben, diese Überschrift,gehörte zur HB Zigarette. Das HB Männchen hat ja zwischenzeitlich auch seinen Weg ins Museum, wenn auch nur ins Deutsche Verpackungsmuseum, gefunden.
      Doch dieses „Warum gleich in die Luft gehen,….“ des HB Männchens stand auch für die Überbrückung der sozialen Unterschiede bei einer Zigarette.

      Werter „djangohatnemonatskarte“, der Autor möge diese Stellungnahme hoffentlich gestatten, lassen Sie uns bei einer gedanklichen Zigarette, so quasi als Friedenspfeife der sozialen Überbrückung einige Ihrer Gedanken noch einmal betrachten:

      Sie sagen:
      „ein kanton, der auf jeden reform-und änderungswunsch mit der drohung des anschlusses an italien reagiert …….“

      Es ist schwer verständlich wie Sie darauf kommen. Im Tessin gibt es die Lega di Ticinese, welche gegenwärtig auch regiert und sich für eine größere Eigenständigkeit des Tessins einsetzt.
      Das größte „Feindbild der großen Mehrheit der Tessiner Bevölkerung ist „der Italiener“, der ihm seinen Arbeitsplatz wegnimmt und auf der Fahrt zu seinem Tessiner Arbeitsplatz den Tessinern die Straßen verstopft.
      Am 09.Februar 2014 gab es in der Schweiz eine Volksabstimmung, deren Grundlage die Ausländerinitiative war. Das Ergebnis ist bekannt. Im Tessin stimmten über 60% dafür. Die Ursache war, wie Sie in der internationalen Presse nachlesen können: Die Italiener !

      Ich will Sie nun wirklich nicht bitten dem Leserkreis zu erklären wie Sie zu dieser, oben zitierten, wunderlichen Einstellung kommen, daß das Tessin damit drohe sich Italien anschließen zu wollen.

      Wie sollte ich Ihnen im Hinblick auf den, wie Sie sagen: „überbesetzten banken- und finanzdienstleisterstandort“ und die in Ihren Augen notwendige „Bereinigung“ widersprechen?
      Da haben Sie offensichtlich den besseren Überblick und die zur Beurteilung notwendigen, fachlichen Kenntnisse. Was an Währungsgewinnen verwerflich sein soll weiß ich nicht, da hat ja jeder, auch jedes Land, so seine eigenen Methoden.

      Und auf Ihre Frage, weshalb die Preise im Tessin und im Speziellen, wie Sie meinen in Lugano so hoch seien – sie sind nicht höher als an anderen Orten in der Schweiz – kann ich Ihnen sicher auch keine für Sie befriedigende Antwort geben. Wie Sie aus den Medien sicher auch schon erfahren haben, fahren viele Schweizer aus den Grenzregionen zum Einkaufen nach Deutschland, aber auch, wie hier, nach Italien und die Italiener tanken nun halt mal in der Schweiz. Wenn ich hier leben will muß ich das akzeptieren, was jedoch nichts an meiner Behauptung vom wirtschaftlichen Niedergang des Tessins ändert.

      Zum Ende kommt noch Ihre etwas heitere Frage mit abschließend deutscher Bewertung:

      „warum tun sie dann nichts für den standort und kaufen tomaten in ponte tresa ein ? so schön ponte tresa auch ist, aber in agno gleich um die ecke gibt es coop.“

      Verehrter „djangohatnemonatskarte“ ich bin Deutscher Staatsbürger mit C-Bewilligung als Gast in der Schweiz und zahle meine Steuern hier; und frische Tomaten vom Gemüsemarkt auf der italienischen Seite von Ponte Tresa schmecken nun einmal besser als jene vom COOP in Agno, wo die Ware wohl eher für den deutschen Besucher des gegenüberliegenden Campingplatzes gedacht ist.

      Abgesehen davon erschiene es mir auch etwas abartig mir, aus dem Irgendwo sagen lassen zu müssen, wo ich mein Gemüse kaufen soll!

      Sind Sie tatsächlich der Ansicht ich müßte mehr für das Tessin tun als jeder Tessiner, nur weil ich öffentlich meine Eindrücke aus meiner gegenwärtigen Lebensumgebung wiedergebe?

      Abschließend danke ich Herrn R. Meyer sehr für die nicht selbstverständliche Gelegenheit einer Erwiderung zu den Ausführungen von „djangohatnemonatskarte“.

      Mit freundlichem Gruß
      B.Klingenberger

  16. Heimsuchung
    Lieber Don,
    noch in den 90zigern des letzten Jahrtausend besuchte ich Volterra, die Luftige und andere wunderschöne Orte der Toskana sowie Italiens allgemein mehrmals im Jahr. Man traf auf die eine oder andere Reisegruppe mit erhobenen Schirm, hatte aber die Möglichkeit, diesen mehr oder weniger geschickt auszuweichen. Kinder waren i.d.R. nicht dabei aber, vielfach das sogenannte Bildungsbürgertum. Ich fand es damals schon störend. Letztes Jahr wollten meine Frau und ich anläßlich der Fußball WM (in der Hoffnung auf weniger Präsenz) die schönen Erlebnisse zurück holen. Das war leider ein großer Irrtum. Neben den Bildungsbürgern trafen wir auf Herrscharen von chinesischen und japanischen Reisegruppen. Italiener, nicht alle leben von der Tourismusindustrie, müssen schon sehr tolerant sein – ich bin es ganz offensichtlich nicht.

  17. Hochschüler ohne nennenswerte Kenntnisse
    Hier könnte Theweleit noch was abschauen für eine Psychoanalyse des Herrenmenschen. Aber halt! Keine Schnellschüsse, ihr Honks.

  18. Kosenamen
    „Mangelintelligentes Borstenvieh“, das werd‘ ich mir gerne merken. Vor Allem, wenn meine Älteste – in Ermangelung der Kenntnisse sinnvoller Alternativverwünschungen – ihre halslosen Mitschülerinnen mal wieder als „fette F -t- en“ tituliert.
    Was die Intelligenz von Zahnmedizinern betrifft, nun ja, gerne lässt man sich während des Studiums die lästige Prothetik von einem gebührenpflichtigen Zahntechniker abnehmen.
    So wollen wir nicht dem seligen Pfäfflein die Aushebung des etruskischen und römischen Zivilisationsmülls ankreiden: die Hinterlassenschaften unserer ‚Zivilisation‘ werden zukünftigen Generationen weit weniger der Würdigung von Ausstellungen wert sein.

  19. Wie die Tiere
    „All animals are equal, but some are more equal than others.“
    (Animal Farm)

  20. Leider ...
    …,Sir, schmerzt mich dieser Artikel nur.
    Die gebildeten Stände der FAZ-Leserschaft bedürfen nicht einer solchen Eskapade der Archäologie, wenn sie sich nicht deklassieren wollen.
    Wenn nur die Klassengesellschaft diese Reflexionen und Abläufe bewirken kann, dann ist es eben die menschliche Gesellschaft schlechthin.
    Man stelle sich nur einmal vor, wie eine wackere Lehrerin ihre aufgeweckten Rangen für Archäologie, Kunst und Historie aus der Gegenwart für das Gewesene animieren, begeistern will. Wenn das schon für die Nachkommen der FAZ-Ästheten problematisch ist, wie schwer mag es erst Pädagogen aus den unanständigen Bundesländern fallen.
    Mit fielen Grüßen,
    Bernard del Monaco

  21. Titel eingeben
    „Seit über 250 Jahren wendet sich das Museum Guarnacci in Volterra allein an die gebildeten Stände“
    .
    So’n Pech aber auch, da hat eine Einrichtung von ca 1789 an teif und fest geschlafen.
    .
    Ist denen und dir Don nicht aufgefallen, das es seit mahr als einem Jahrhundert diese „Stände“ nicht mehr gibt und sich die letzten paar Besucher so ab 1918 mit einem gefälschtem Stan(m)d-baum reingeschmuggelt haben?
    .
    „Gott grüss die Kunst!“ wie man als alter zünftiger Handwerksbursche (na Don welches Handwerk?) so zu sagen pflegt
    Sikasuu
    .
    Ps. Solltest auch auf den Trailer achten;-))

    • Ironie?
      „…das es seit mahr als einem Jahrhundert diese „Stände“ nicht mehr gibt…“

      Ich hoffe für sie, dass sie das ironisch meinen?

  22. Titel eingeben
    Was haben Sie gegen Kinder, werter Don? Selbst welche zu haben ändert die Perspektive. Wenn mir grölende Kinderhorden begegnen, befällt mich das seltsam befriedigende Gefühl: Sind nicht meine. ICH bin dafür jetzt nicht zuständig. Bringt eine Zufriedenheit, die sich Kinderlosen kaum vermitteln läßt. Gibt soweit ich weiß auch noch kein Wort dafür. Wenn Ihnen eins einfällt: gerne. Ich komme gerade nicht so zum Worte prägen.

    Und was die kunstsinnigen Bildungsbürger hier gegen japanische Touristen haben, weiß ich auch nicht. Erweitern Sie Ihr Wissen über diese Kultur, es sollte Ihnen nicht allzu schwer fallen. Immer nur die alten Römer, wird doch auch langweilig.

    Im übrigen ist Bildung ganz nett, solange man sie nicht zu ernst nimmt. Für die geistige Reifung eines Menschen aber weitgehend ungeeignet oder sogar hinderlich.

    • ?????
      „Selbst (Kinder) zu haben ändert die Perspektive.“

      Das bestreitet keiner, ob die Perspektive allerdings dadurch eine bessere geworden ist oder nicht, das ist die Frage. Und warum ausgerechnt die Perspektive der Kinder Besitzer, die an ihrer Realität ja nichts mehr ändern können, bei dieser Frage die objektivere Antwort geben, scheint doch sehr fraglich. Angesichts des menschlichen Lieblingssportes, alles eigentlich Unangenehme, aber nicht mehr zu Ändernde irgendwie wegzurationalisieren….

      Einer unserer Nachbarn hat sein Haus weiter oben an unserem Berg verkauft. Leider an ein Paar mit drei Kindern…

      Wenn der Wind richtig steht, bzw. falsch, dann kann man dem fünfjährigen beim Blockflöten Üben des eingestrichenen c auch schon mal Nachmittags über längere Zeiträume zuhören, und dazwischen zu jeder beliebigen Stunde dem Kleinsten, beim Zahnen.

      Man ist versucht sich zum christlichen Glauben zu bekehren um Gott dafür danken zu können, dass es drei Grundstücke weit weg ist. Oder man könnte Buddhist werden und darüber meditieren was das recht junge Paar wohl im letzten Leben verbrochen haben mag um so bestraft zu werden.
      Oder, wie sie es nennen zu solcher Perspektive gezwungen zu sein, denn nicht vergessen, solange sie noch klein sind, das sind die guten Jahre…

  23. Kulturhistorisches slow food erst im Studium generale?
    Tja, den Kinderlosen steht nicht immer die Welt des Wissens und dr Weisheit offen, die eigenen Sprösslinge verstehen es ganz gut, intellektuelle Ballon-Flüge der Eltern wieder auf den Boden des Verstehens zu bringen. Museumspädagogisches fast food für Kinder ist übrigens kein Hinderungsgrund, später an der Hochschule vom Baum der Erkenntnis zu naschen.

  24. Das Museum für modernes Plastik
    Mein Freund Herbert sieht im Überdruss der jungen Generation an schlecht und unsauber gefertigten Steinmännchen eine Marktlücke, welche er durch Einrichtung eines Museums mit 3000 Gartenzwergen und 250000 Überraschungseierfiguren zu scfhliessen gedenkt.

  25. Titel eingeben
    Bester darkmark. Unterschätzen Sie die Touristen aus Japan nicht. Ich habe in der Reichshauptstadt 1974 mal einen kennengelernt. Wir standen mit 10 Nasen vor einer Sammlung Dokumente im – alten – Reichstag und ich erklärte meinen Kumpels, dass ich die Anordnung von Wilhelm 1 nicht lesen könne. Daraufhin las uns ein Japaner im besten Deutsch die in Sütterlin geschriebenen Texte vor. Den guten Mann habe ich Monate später in Münster wiedergetroffen. Er promovierte über die Trockenlegung der Moore in Nord-West-Deutschland durch die Niederländer. Wo ich noch einen Koreaner kenne, der seine Doktorarbeit über Baudelaire absolviert hat, seitdem habe ich vor Menschen aus Asien, die wissenschaftlich arbeiten, großen Respekt. Das sind andere Hausnummern als unsere Vroni, Silvana, Chazzi und Schavi.

  26. Titel eingeben
    „Fassungslos und frei von jeder Erkenntnis stolpern normale Menschen hindurch, verstehen nicht, kennen keine Bezüge und sind restlos überfordert. Kurz: Es ist göttlich.“

    Das erinnert an die Szene, in der Hannibal Lecter sich im Museum an der Ignoranz der einfachen Menschen weidet …

  27. Kritik
    Dieses Museum scheint mir ein gelungener Urlaub für Menschen zu sein, die noch an das Gute in sich selbst glauben, an klassenbedingtes Bildungsbürgertum und noch schönere Ideen zum Beispiel, an die Verächtlichkeit neugieriger und lebendig-quirliger Kinder, welche – ganz selbstveständlich – die Kreise solch überhohen Kulturbewahrers nicht stören sollen.

    Solange sie genug an sich selbst haben, und an den anderen, die gerade noch den eigenen Ansprüchen genügen…

    Oh, und fast erwischt man sich hier mit der Frage, wie Don sich selbst beurteilen würde, wenn er sich höchstselbst, nur eben als hoffentlich sehr munterer 8-Jähriger, in einem Museum betrachten würde. Obwohl man das Ergebnis schon ahnt, die Frage ist hier wirklich nicht entscheidend – es stellen sich hier ganz andere Fragen.

    (ganz im Ernst: habe noch nie einen so derbe misslungenen und vor Selbstzufriedenheit geradezu platzenden Text von Don gelesen – und ob damit die gewünschte Provokation gelungen sein mag: selbst das ist bei besten Willen kaum vorstellbar, weil solche Texte in den „…dieser Schnösel!…“-Seufzern seiner Leser untergeht. Die übrigen mögen innerlich jubeln, weil – obgleich sie selbst gemeint waren – sie davon ausgehen, dass der böse Spott nur auf die bösen anderen gemünzt war)

    • Mich amüsiert die im Artikel ausgedrückte Arroganz, die man ganz nebenbei auch
      spiegelverkehrt und damit gegen den Autoren gerichtet lesen kann.

      Diese Arroganz amüsiert mich deshalb, weil es heutzutage höchst selten geworden ist, kenntnislosen Hochchulabgängern bei ihrem geistlosen Schmarrn zu jedem Thema kräftig in die Parade zu fahren – völlig egal, ob es sich dabei um Homöopathie, Psychonalyse, Chemtrails oder die These handelt, Physik sei nur ein westlich patriarchalisches Konstrukt.

      Deshalb plädiere ich für: Mehr davon!

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Natürlich. Mein Bedürfnis nach noch mehr Kindsvolk von 4-99 in den Museen ist gleich Null.

  28. gnadenlos
    Jene Schätze in Berlin-Dahlem – (ich halte ja vieles für Raubgut)
    sind aber dort gut durchdacht und sinnvoll
    in kleinen verschieden Einheiten untergebracht,
    daher auch für Laien gut studierbar und verdaubar.
    .
    Die sollen nun alle, in diesen Hoch-Bunker in Mitte
    (genannt „Schloß“) oder auf die Gefangenen – sprich:
    Museums-Insel verbracht werden.
    Wozu?
    > Als gut organisierte Touristen-Bespielung!
    .
    Dahinter steckt die ökomische, logistische Entscheidung:
    >Müde Businsassen lassen sich gruppenweise
    prima durchschleusen.
    Vgl. Kaube heute in Faz: „Im Durchschnitt, weiß die Statistik,
    halten sich jene Touristen, die nicht Strände frequentieren,
    kaum länger als zwei Tage an einem Reiseziel auf.“
    .
    Liebe Leute aufgepasst!
    Diese frivole Monika-Grütters-Entscheidung –
    auf den freien Platz vor dem Berliner Kulturforum
    die „Galerie der Moderne“ hin zu pflanzen –
    dient auch dazu,
    der dann unsichtbar gewordenen Gemäldegalerie
    irgendwann
    die „alten Meister“ zu entreißen und diese auch
    auf „die Insel“ zu verbannen.
    .
    Diese „staatstragenden“ Figuren haben keinen Blick für den Wert
    von dezentralen kleinen Leuchttürmen in der Stadt.
    Auch nicht von der „Aura“ eines Bildes,
    die nicht nur durch die Reproduzierbarkeit,
    sondern auch durch diese gruseligen
    Massenbesichtigungen verloren geht.

  29. Italien und Schweiz, die kleinen Unterschiede machens halt aus ....
    Vor wenigen Tagen durch Italien und die Schweiz gefahren, fiel mir der folgende Unterschied auf:
    .
    Der Italiener hat alle 500 m ein Hinweisschild „controllo elettronico della velocitá“ aufgestellt, auf jeder Strasse, vom Dorfgässchen bis zur autostrada. Da wäre ich gern der Schilderfabrikant! Blos Radarfallen finden sich kaum (mehr). Die wenigen, die vorhanden sind, sind defekt oder demoliert. Daher rast der Italiener wieder ungehemmt über seine stradas. Das war bei Ersteinführung der Kontrollen noch anders und ich glaubte den einzigartigen „italian way of drive“ bereits ausgestorben …. die Zeit und schlechte Wartung heilt in bella Italia doch alle Wunden der Bürokratie.
    .
    In der Schweiz finden sich kaum Hinweisschilder, dafür aber um so mehr Blitzgeräte – dort rast auch der Italiener eher selten herum. Ganz verkneifen kann er es sich das elegant waghalsige „sorpasso“ natürlich auch dort nicht.

  30. "zu einer Zeit, in der man Aderlass für Medizin ...
    … und öffentliche Selbstgeisselung für gottgefällig hielt …
    .
    ?
    Also, mein Hausarzt empfiehlt Aderlass
    in Form von Blutspende.
    Bei einigen Krankheiten sollte es hilfreich sein.
    .
    Halslose Ungeheuer.
    Die Taylor in
    Die Katze auf dem heißen Blechdach.
    .
    „Warum nennst du die Kinder meines Bruders
    halslose Ungeheuer?“ –
    .
    „Das kann ich dir sagen,
    weil sie keine Hälse haben.
    Na zumindest sind keine zu sehen.

  31. etwas erstaunt
    ob des unsozial-demokratischen Tons , Bildung ist schließlich für alle, so wie alles für alle sei, nicht wahr, und da Bildung nicht immer Spaß macht, müssen die Kinder bespaßt werden und die AbsolventInnen der schönen Fächer brauchen doch auch einen Job…Museumspädagogik.

    Ob das mit dem sozialen cross dressing klappt? Ich hab noch nie einen Buben getroffen der Prinz sein wollte (Ritter schon).

  32. etwas OT
    Na klasse, der FAZ-Artikel von Frankenberger, wo das Putin-Gesicht aus Patronenhülsen komponiert wurde, der kann nicht kommentiert werden. Ich würde gern mal den Herrn Frankenberger kommentieren. Mir ist es aber schon bei Herrn Hank bei seiner dümmlichen Artikelserie über rings und lechts nicht gelungen. Bin ich hier unerwünscht? Ich bitte unterthänigst um Nachricht, werte Redaktion. Gerne auch direkt an edit

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