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Stützen der Gesellschaft

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Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Flaschensammeln als neuer Generationenvertrag der Modernisierungsgewinner

| 65 Lesermeinungen

Vorwärts immer, rückwärts nimmer
Erich Honecker

Diskriminieren will gelernt sein. Bei uns daheim zum Beispiel diskriminierte man früher, indem man sagte, jemand käme aus der Schleifmühl. Die Schleifmühl ist jener Teil der Stadt, der unterhalb des Donauhochufers liegt und mit der Schutter einen Bach besass, der die besagte Schleifmühle antrieb. Donau und Schutter traten immer wieder über die Ufer, weshalb dann die Schleifmühlbewohner schwimmen mussten, während die feinen Herrschaften – vulgo meine Familie – weiter oben trockenen Fusses blieben. Immerhin war das Viertel danach einmal ordentlich desinfiziert. Heute sind die kleinen Handwerkerhäuser dort unten teuer und begehrt, und den schlechten Ruf der Schleifmühl kennen nur noch die Alten. Auch andere Worte versteht man kaum mehr; Barackler nennt man die Bewohner, die östlich der Stadt lebten, weil dort tatsächlich einmal Baracken standen. Heute sind dort bundesweit beachtete Beispiele für soziales Wohnen. Südlich der Donau lebten nur Donaumoosbauern – heute durch die Baugrundstücke schwerreiche Latifundienbesitzer. Es ist gar nicht so leicht, Leute in einer Region zu diskriminieren, in der es aufwärts geht. Auch der böhmische Flüchtling gilt heute als weiterer Stamm des Bayerntums und ist längst genetisch eingesippt. Ich habe das Diskriminieren von der Pike auf gelernt, aber es die goldenen Zeiten des Ausgrenzens sind vorbei, selbst im Donaumoos.

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Natürlich halte ich andere auch weiterhin für Gschwerrl und Grattler und bin deshalb auch stets begeistert, wenn kundige Schwoikepf aus Fakültät und Wissenschaft neue Kategorien der Ablehnung mit der nötigen Verachtung einführen. Gerade jetzt hat in den Medien ein Wort Konjunktur, das auf den erste Blick durchaus geeignet scheint, Verbaldejurien wie „Watschngsicht“ und „greisliche Schäwahn“ so zu ergänzen, dass es auch den gebildeten Ständen fern der schönen, blauen Donau und der sumpfigen Schutter behagen mag. Das Wort lautet

Modernisierungsverlierer.

Man findet es zu allen Anlässen, da sich Leute auf den Weg in eine bessere Zukunft machen. Sie stossen dabei auf Kritik, Unverständnis und Ablehnung, ja die anderen erdreisten sich sogar, das Alleinseligmachende des Kommenden anzuzweifeln und auf ihrem demokratischen Recht bestehen, auch ein Wort mitzureden. Ohne dass sie überhaupt verstehen, wie toll die Modernisierung ist. Sie haben Angst, dadurch etwas zu verlieren: Ihre alten Gewissheiten, die nur Vorurteile sind, ihre überkommenen, barbarischen Bräuche, die keinesfalls eine Tradition darstellen, ihre Denkfaulheit, ihr Unwissen und damit – denn wer braucht in der Zukunft solche begrenzten Leute – auch Sicherheit, Vermögen und Bindungen. Das Wort „Modernisierungsverlierer“ macht also den Aussprechenden nicht nur modern und zukunftstauglich, es enthält auch eine Unterjochung des Betroffenen. Und eine Drohung.

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So weit, so phantastisch, aber ich kann natürlich auch erzählen, dass ich tatsächlich solche Schicksale aus erster Hand kenne. Anfang der 90er Jahre gab es noch ABM-Massnahmen in Bayern, und in der Folge bekamen wir akademischen Jungarchäologen es mit Grabungshelfern zu tun, die auf die eine oder andere Art aus dem geregelten Berufsleben gefallen waren. Oft spielte Alkohol eine Rolle, weil manche weinerlichen Firmen ihre Leute nach 7 Halben nicht mehr für trittsicher auf dem Gerüst hielten. Manchmal waren es auch die Veränderung der Landwirtschaft, die weniger Leute brauchte und ältere Beschäftigte aussonderte. Es waren Menschen dabei, die etwas schräge Ansichten hatten, ein harter Kiffer und einige, die noch ein paar Jahre bis zur Verrentung hatten und sie hier überbrückten. Die Grabung lag im Landkreis Eichstätt. Alle hatten ein Auto und eine Immobilie. Reich war keiner, aber selbst der Kiffer hatte seine Finanzen unter Kontrolle und besserte sie durch bemalte Eier auch ordentlich auf. Es waren fraglos Modernisierungsverlierer, aber lustig war es trotzdem und manchmal gab es im Bauwagen Quetschnmusik. Die Leitkultur war eher traditionell, aber es waren schon auch nette Leute. Da kann man nichts sagen.

Gesagt hätten sie aber durchaus etwas, wenn man ihnen mit jener modernen Zukunft gekommen wäre, die heute den Stempel des Modernisierungsverlierers grosszügig verteilt. Der Verlierer soll Angst haben vor dem bedingungslosen Grundeinkommen, das wir brauchen, weil Vollbeschäftigung eine Illusion ist – besonders bei den Kulturschaffenden in Berlin, nur nicht da, wo ich wohne, denn dort gibt es wieder diese illusorische Vollbeschäftigung. Er soll Angst haben vor den starken Frauen, die sich aufmachen, die Welt feministisch umzugestalten. Er soll Angst vor Diversity im Beruf haben, weil er dann mit seinen Vorurteilen isoliert zurückbleibt. Er soll die Sexualkunde in Baden-Württemberg fürchten, den Veggie Day und natürlich den Flüchtling aus Afrika, der unseren Fachkräftemangel und das Geburtendesaster behebt. Er hat Angst um seine verbliebene Rolle im untergehenden Patriarchat und schlägt dann wütend um sich, sei er als Neonazi tituliert, als Sexist, als Klassist oder als Professor für Biologie. Es ist ein Wort, und es ist so allgemein, dass es für alles passt.

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Ich habe damit zwei Probleme: Zum einen mochte ich meine echten Modernisierungsverlierer. Das waren eigentlich samt und sonders Leute, die sich auf der Grabung bei Wind und Wetter wirklich Mühe gaben. Es war eine Notgrabung, und als einmal ein Stück am Montag vom Bagger abgeräumt werden sollten, standen sie alle am Samstag da und blieben, bis in der Nacht zum Montag alles abgearbeitet war. Danach gab es Quetschnmusik und Blechkuchen und Spezi im Bauwagen. Natürlich kann man auch grundlos Leute diskriminieren, das ist keine Frage; allein, diese Menschen wurden gegen ihre Willen in einen Kampf gegen die Modernisierung geworfen, haben verloren, das Beste daraus gemacht und geschaut, wie es weiter geht – der harte Kiffer hat später sogar ein Grabungsunternehmen gegründet, hat jetzt eine Gartengestaltungsfirma und ist Nichtraucher.

Das andere ist der ausgesprochen tückische Charakter speziell dieser Ladung, die der Beleidigende und Diskriminierende anderen draufbrennen will. Sehen Sie, wenn ich Grattler sage, ist das nicht nett, aber die ganze Stadt weiss, dass ich dergleichen nicht bin. Ich habe, das gebe ich ehrlich zu, nichts zu meinem sozialen Vorsprung getan: Ich verdanke das meinen besser gestellten Vorfahren, und so eine Beleidigung lebt ja auch ein wenig von der triefenden Arroganz und Dreistigkeit. Modernisierungsverlierer jedoch ist brandgefährlich: Wer das Wort verwendet, sagt auch, dass er weiss, wo es lang geht. Und dass er nicht zu diesen Verlierern zu gehören gedenkt. Sondern zu den Gewinnern. Ich missbrauche mit „Schleifmühl“ mit gutem Gewissen die Geschichte, aber all die Kollegen der Medienschleifmühlen, die dieses fragliche Wort sagen: Sie müssen erst den Beweis antreten, dass ihre Moderne nicht nur kommt und besser ist, sondern auch sie selbst zu Gewinnern macht. Eine von denen, die das seit etlichen Jahren betreibt, sucht gerade den Klagen zufolge vergeblich eine Wohnung.

Im Billigslum Berlin.

Mit einem einzigen Zimmer.

Zur Miete.

Nicht als Dritt- oder Hauptwohnsitz, sondern wirklich als einzige Wohnung. Sonst hat sie keine Bleibe. Nichts.

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Und das ist beileibe kein Einzelschicksal. Ich sehe bei Instagram das Wohnungselend, in dem die Gewinnerinnen vegetieren, und während ich selbstverständlich meine eigenen Gemälde ablichte, suchen die für ihre Beiträge Bilder von erträglichen, ihnen finanziell weltenfernen Wohnumfeldern bei Agenturen aus. Sie fahren nach Berlin, um sich Mietwohnungen – 2 Zimmer für 2 Leute – selbst anzuschauen, statt einen Makler zu beauftragen, ihnen die passenden Villen vorzustellen. Pseudowissenschaften wie Gender und Handauflegen können nicht wirklich profitabel sein. Ich lese, dass sie noch 40 Euro auf dem Konto haben und noch eine Fahrkarte für 40 Euro kaufen müssen – 7 Tage vor Monatsende. Sie machen Lesungen über Zwangsräumungen. Sie betrachten die Pfandflaschen als eiserne Reserve. Sie schreiben entwürdigende Bettelanträge bei Staat und Stiftungen. Eigentlich würde ich von Modernisierungsgewinnern erwarten, dass sie wie unsereins dem Staat etwas anschaffen und sich so bereichern können, dass sie am Ende eine Stiftung für ihr Erbe brauchen. Ich weiss, wie Modernisierungsverlierer in ABM-Massnahmen aussehen und verstehe einfach nicht, wieso dann Modernisierungsgewinner genau so aussehen. Abzüglich Auto, vollem Tank und damals noch sicherer Rente, wo heute angesichts von Flaschensammeln als neuem Generationenvertrag die sichere Altersarmut kommt. Früher waren die Verlierer immerhin noch Rollermechaniker, Eierbemaler, Gärtner und Freizeitmaurer – die Gewinner sind Autor, Kolumnistin, Kurator, Blogredakteurin, Social Media Berater und auch sonst vom Leben krass überfordert.

Ich bin beim Beleidigen wie alle in meiner Sippe nicht sonderlich wählerisch und Hauptsache, es sitzt. Aber der Modernisierungsverlierer sitzt nicht, er ist ein Rohrkrepierer, wenn man selbst nichts an neuen Siegen und Erfolgen vorzuweisen hat. Solange wir noch in einer Oligarchie leben und ich selbst entscheide, wer von denen bei mir das Bad putzen dürfte auch üppige Vorschüsse die beleidigende Aktivistin nicht vom Zwang befreien, bald wieder ihre alten Billigklamotten auf dem Kleiderkreisel zu offerieren, bleibe ich also lieber bei bewährten Schimpfworten, die nicht Fragen nach dem eigenen Versagen aufwerfen. Denn man sieht immer wieder, wie schnell man mit so einer Haltung in den Medien vorgeführt wird.

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65 Lesermeinungen

  1. ABM-Massnahmen?
    Also entweder AB-Maßnahmen oder einfach ABM!

  2. Da bin ich froh...
    …dass der Don in die Abgründe steigt und nach dem Auftauchen wieder berichtet.

    Ende der 90er hatte ich selbst so ein bisserl das Gefühl, so ein „M.“ zu werden – vorher hatte ich nebenher mit Beratung und Handfestem zum WWW gut verdient – aber mit der Professionalisierung musste ich wieder das tun, was ich gelernt hatte. Tja. Für mich ist es auskömmlich.

    Aber für meine Kinder denke ich schon mal daran, dass sie hoffentlich was Anständiges machen, vielleicht mit Handwerk oder so. Die ganze Moderne läuft inzwischen zu schnell – es ist keine Entwicklung mehr, es ist eine Flucht – vielleicht nach vorne, aber auf jeden Fall ohne viel Struktur, Sinn und Verstand.

    Ob „M.“ tatsächlich von den Soziologen bestimmt werden, oder doch eher zählt, was übrig bleibt?

    Wenn eine Mauer gesetzt wird, eine Hecke gepflanzt wird oder ein Schrank gebaut wird – das hat im Schnitt deutlich mehr Bestand als irgendwelche tausendfach und zudem flach geäußerte Gedanken.

    • Modernisierer sind die, die einen Platz ganz vorne wollen und zumeist einen schnellen Platz unter der erde bekommen. Es gibt nur sehr wenige Umwälzungen, die zugunsten der Avantgarde ausgingen – und wenn doch, dann waren schnell andere da, die es ihnen streitig machten.

    • Lieber Don,
      Die Revolution frisst halt ihre Kinder. Das Ganze hat mittlerweile so eine Eigendynamik, daß die Avantgarde der Modernisierer schon reaktionärer ist als alle, die sie anfangs so bezeichnet hat.
      Der Kampf in den eigenen Reihen tobt, die Kampfbegriffe kennen Sie wohl selbst. Ich verfolge das teils amüsiert, teils fassungslos auf Twitter.

    • Titel eingeben
      Yep, schöne Show, nicht? Ich bin dem Don wirklich dankbar – das ist soviel besser als die alten Nachmittagsfreakshows auf RTL II. Und ohne seine Artikel würde ich diese wunderbarenWelt nicht einmal kennen!

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Der Unterschied ist halt, dass es – siehe BaWü – tatsächlich ins Leben hineinspielen kann. Generell sehe ich, dass solche Leute natürlich ihre Standpunkte in die Debatte eingringen sollen und müssen. Aber as geht schief, wenn die andere Seite von Anfang an als Verlierer dargestellt wird. Wenn die Gewinner dann noch aussehen, als seien sie frisch aus dem Karton auf einer Parkbank gekrochen, gibt es halt den Ponader-Sandalen-Effekt: Keine Chance auf Mehrheiten.

  3. ÜBERHOLEN OHNE EINZUHOLEN
    ist nicht von mir, sodern vom grossen W.Ulbricht (Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten) und einem vorgänger des von DON zitierten E.Honeker…………….

    die wahren moderniesierungsverlierer sind doch die opfer der endlosen und flächendeckenden rot-grünen oder roten erziehungsexperiemente am lebenden gesamtobjekt und da ist als erstbestes beispiel gerade mal das gesamtprojekt BREMEN (werder bremen mal ausgenommen) zu betrachten mit einer desaströsen bilanz im übertragenen wie im wortsinne. nun ja, um den zustand dort zu ertragen muss mann wohl zum kiffer werden und die neue landesregierung erkennt dies auch einsichtig an und tritt für straffreiheit ein, als erste äusserung im amt. das war meines erachtens nach wichtig genug und ist doch zentral für des regierungsprogramm, das leid der sturmflutartigen modernisierungsüberflutung durch permanente benebelung ertragen zu helfen. oder als programm zur ausrottung der eigenen bevölkerung, so gab ja auch der weisse mann den rothäuten den alkohol !

    das beispiel BREMEN kann auf die schul- und kulturpolitik mit all ihren einlagen und slapsticks übertragen werden, das kind und der heranwachsende als experimentierfeld ( weil noch wehrlos ) für theoretisch und empirisch bisher schwach unterlegte modernisierungsexperimente ohne haftung für spätere schäden und unter feigem ausschluss des rechtsweges wie zum beispiel die frühsexualkunde mit diversity-monopol und focus auf andersartigkeit als einseitigkeit im rot-grünen modellversuch in bawü bei flüchtlingsexport nach brandenburg.

    in hessen war das einfacher: da war der modernisierungsverlierer der schulhausmeister. nach jeder wahl mit regierungswechsel musste der die schulbeginns-und pausenglockenuhren neu programmieren

    • Gesamtschule. Obwohl ich die Form ces Gymnasiums, die ich erlebt habe, niemandem wünsche, so höre ich och auch nur wenig gutes über die Gesamtschulpolitik.

      Nur so kann man es sich auch wohl erklären, warum eine Aktivistin aus NRW mit ihrer Diss dem Vernehmen nach in Berlin scheitert. In Berlin.

  4. Flaschendrehen
    Es bleibt abzuwarten, ob es zwischen dem 200 qm-Grundstückchen im ehemaligen Überschwemmungsbereich und der 1-Zimmer-Wohnung im Reichshauptstadtslum nicht Alternativen gibt.
    Allerdings werden all die Modernisierungsverweigerer und Bedenkenträger, die auf Grund eines – gelegentlich Scientology-basierten – Beurteilungs- und Leistungssystems das consilium abeundi erhalten haben, auch nicht den Zeiten nachtrauern, in denen gutmütig-rauhe Vorgesetzte sie als „MOZ“ (= Mitarbeiter ohne Zukunft) oder „EDEKA- (= Ende der Karriere)-Männer/Frauen vor versammelter Vertriebsrunde zusammen gepöbelt haben.
    „Grattler“ ist vielleicht auch nicht schön, aber im Ergebnis kommt’s ja doch immer wieder auf das Gleiche hinaus. Mal verliert man, mal gewinnen die Anderen. Das ist doch das Schöne und Verlässliche in unserer Welt.

    • Natürlich war die Vergangenheut nur für jene besser, die das Personal schlagen durften, aber wie es der Zufall will, geht es hier um ebenjene und angeblich war es auch nicht schmerzhafter als anderswo.

  5. .
    ach, nur worte sind es, leider derer nicht wenige, geäussert in borkenkäfergleicher gefangenschaft zwischen den sogenannten modernisierungsverlierern und den erben.

    die erben könnte man ja wenigstens von teilen ihren schweren schicksals, unter dem sie einer medial reüssierenden, leicht überfütterten – leider auch: – autorin so sehr litten, befreien, die modernisierungsverlierer jedoch müsste man erst nach kräften zusätzlich demotivieren. den ersteren gönnt man nicht das frühstückliche croissant zum wahlweise meer- oder seeblick (je nachdem, wo man sich gerade seine tage zuzubringen gezwungen sieht), und den nächsten missgönnt man die gelassenheit des tätigen seins, das in all seiner unbekümmertheit doch recht viel vom kohlschen und zugleich vom eher südländischen durchwursteln aufweist, was nun an sich nicht unbedingt schlecht sein muss.

    nebenbei gesprochen, lieber don, scheint es nun rezent nicht ganz so unauffällig, dass bedauerlicherweise der http://www.eiblichkeit wohl ihre holdigkeit abhanden gekommen sein muss, oder handelt es sich lediglich um jene, welche?

    und sagen sie, auf welche anpflanzungen hat sich der kiffer nochmal spezialisiert?

    • er ist jetzt wirklich todesseriös und verurteilt das, was er früher tat. Seine Frau hat ihn auf Linie gebracht, habe ich den Eindruck.

      Ich habe auch den eindruck, dass in dem schimpfwort eine gewisse Missgunst herrscht, die so gar nicht zur angemessenen Grandezza einer Beleidigung passen mag.

    • .
      wie gesagt, es ist nur ein wort – das ziemlich genau die verortung des sprechers bzw. der der sprecherin anzeigt, so auch dies beim gegenpol, den ich andeutete. irgendwo dazwischen wird herumgehangen.
      dummerweise geht die ablehnung in mehr als eine richtung, aber das mag auch der zeit verschuldet sein, denn schliesslich hat ja fast immer nur der- oder diejenige, der oder die spricht, den inbesitz der richtigen wahrheit® inne – geht doch nichts über eine gelungene profilierung durch herabsetzung anderer -, dies aber trifft leider auf einen sehr hohen prozentsatz der geräuschverlautbarungen zu, wobei ich sehr gerne zumindest in diesem fall unrecht hätte, nicht so ganz aber daran glauben kann.

      natürlich waren früher auch die schimpfwörter besser. aber so ist das nun mal mit der guten alten zeit, in der nicht alles schlecht war.

  6. It's easy enough to preach morality on a full belly.
    Geehrter Don,

    Sie sind einer der Guten. So wie der Sascha und der Till und der junge Augstein. Immer auf der richtigen Seite des Lebens, also im moralischen Sinne oder so. Im Finanziellen sowieso. Und vielleicht korreliert das eine ja mit dem anderen, d.h. als guter Mensch wird man auch wohlhabend…oder vielleicht ist es auch andersherum: Wenn man genügend Kohle hat, dann möchte man mit Konflikten und Kampf und Hass und dem ganzen Gedöns nix mehr zu tun haben. Also all dem, was man durchmacht, um mal eines Tages auch wohlhabend zu sein. Nun gut, dass hat in Ihrem Falle vielleicht Ihr Vater für Sie erledigt, wie bei dem Augstein auch. Also all die Arbeit und Vergehen und so. Beim Till war ja nie Arbeit notwendig, da reichte einfach ausziehen und blöd in die Karma schauen. Whatever, was ich eigentlich sagen will: Ich gönne Ihnen und all den anderen Leitartiklern den Luxus, sich nicht mehr bzw. noch nie mit all dieses existenziellen Kämpfen beschäftigen zu müssen bzw. gemusst zu haben oder so. Aber bevor Sie der Bevölkerung etwas über Moral erzählen wollen, sollten Sie bitte doch zunächst ein bisschen in der Historie Ihrer Familie und ganz allgemein bezüglich der Lebensverhältnisse der Mehrheit dieser unserer Bevölkerung recherchieren. Das würde eine gute Erziehung eigentlich einfordern, bevor man mit der moralischen Keule schwingt.
    Vielen Dank!

    • Ich bin einfach ein etwas unmoralischer, aber dafür wenigstens ehrlicher, schechterer Sohn aus besserem Hause, der beim Schreiben möglichst wenig, wenn überhaupt, denkt.

    • MEIN FREUND DER PLAN (W.Ulbricht)
      ……….und solange die monstranz mit der hl. reliquien in der barocken basilika unversehrt und sicher aufgehoben ist und keiner sie vor den unverbindlichen durch mitnehmen schützen muss und die modernisierer am nordhang erfrieren………wer will den hochbegabten erben die gene nehmen………….?

    • Titel eingeben
      Wenn der Don Moral predigt, ist der Teufel ein Heiliger. Er macht sich völlig zu rcht über die lustig, die weder etwas zu gewinnen, noch etwas zu verlieren haben. Weshalb sie die Zukunft nur als Hoffnung für sich selber begreifen können. Und alle, die etwas zu verlieren haben oder das auch nur meinen, von ziemlich weit oben herab als „Modernisierungsverlierer“ glauben schubladisieren zu dürfen.

      Ich glaube ja, den Don macht das hier und da wütend, mich macht es wahlweise traurig oder es amüsiert mich. So kleine Geister mit einer so engen, moralinsauren Weltsicht und ganz, ganz viel twitter. Die auch noch der Wahnvorstellung anhängen, sie seien die Zukunft, als „Role Models“ dieser Zukunft sogar dazu berufen, andere als „Verlierer“ bemitleiden zu dürfen.

      Sie habe keine Vergangenheit. Deshalb auch keine Zukunft.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Ordinary people under extraordinary pressure.What the hell do you expect?
      jesus maria, natürlich kann man sich darüber lustig machen, natürlich sind das alles Verlierer, die nicht begreifen und gerade deshalb wild um sich schlagen. Aber sie sind da, sie schlagen und werden damit die Geschichte bestimmen, denn es sind mehr, viel mehr als Don und Sie und er und ich. Und die Frage die sich für ein intelligentes Wesen dann stellt, die ist: Warum sind die so. Weil jeder der in ihrer Lage wäre genauso um sich schlagen würde. So wie unsere Väter und Großväter. Wenn man jetzt in Ex-Ostdeutschland völlig Besitzlose zwischen Besitzlosen ansiedelt, dann ist es unangebracht sich über die daraus entstehenden Verteilungskämpfe zu echauffieren. Das hier ist kein Versagen der Unterschicht sondern das der Politik und Elite. Wer dem Deutsche jahrzehntelang Einkommensverluste zumutet und viele auf HIV Niveau runterbricht und dann nebenbei die Griechen und jetzt auch den Balkan und Afrika und Syrien mit den gleichen HIV Sätzen durchfüttert, der sollte sich nicht wundern, was er damit sät.
      Moral ist hier, wie eigentlich immer, der falsche Ansatz, vielmehr wäre das Einfordern intelligenter Politik angebracht. Nur dazu müsste man natürlich erst einmal nachdenken und zudem könnte man in diesem Falle natürlich nicht als guter Mensch hier und dort in Erscheinung treten. Man könnte nicht das Elend anderer dazu nutzen seine moralische Reputation zu polieren. Man müsste selber mal in die Grauzonen der realen Welt vordringen. Und schmutzig werden.

    • Ordinary people under no pressure, compared to their ancestors.
      Wo ist denn da der – auch noch „ausserordentliche“ – Druck, bei den noch oder gerade fertigen Studenten/innen? Ausser dem, den sie sich selber machen?

      Wenn man – als angeblich intelligenter Mensch – seine eigenen moralischen Ansprüche so hoch legt, dass man automatisch immer unter der Messlatte herläuft, und dann auch noch jeden, der diesen Pappkameraden nicht unterschreibt, als „Modernisierungsverlierer“ verachtet: Dann ist man schlicht dumm. Was ein Vorrecht der Jugend ist, mangels Erfahrung, allerdings darf man sich dann über das vorhersehbare Echo nicht beschweren.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  7. Wir stehen am Abgrund-daher müssen wir jetzt einen Schritt nach vorn machen
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  8. Wir stehen am Abgrund - wenn wir nicht jetzt einen Schritt nach vorn machen, dann
    kommen wir irgendwie nicht weiter. Und das wollen wir doch – um jeden Preis. Unsere Gesellschaft ist bei all ihrer tagtäglich sich verdickenden Fassade eine Ellbogen- und Wolfsgesellschaft. Und es setzen oft genau die die Ellbogen besonders hart ein, die es anderen zum Vorwurf machen. Man wertet die Ächtung physischer Aggression, so unbedeutend letztere auch sein mag, als Fortschritt und schafft ständig neue Schlupflöcher für gesellschaftlich akzeptabel erscheinende, beispielsweise verbale Aggression. Ist eine Feminazi-Kampfemanze, die sagt, sie wolle kein Stück vom Kuchen, sondern die ganze Bäckerei (ungedenk der Tatsache, dass diese viel zu viele Kalorien hat und dass kein Mensch, und vor allem kein Mann, sie mögen kann) eine Modernisierungsgewinnerin nur weil sie ein paar gleichermaßen lautstarke Leidensgenossinnen um sich schart? Ist jemand, der sich dagegen wehrt, dass man den Eiffelturm, den Louvre, Notre Dame, Sacre Coeur, den Kölner Dom, das Freiburger Münster etc. einebnet um stattdessen dort Plattenbauten zu errichten ein Modernisierungsverlierer? Ist ein pickliger 17-jähriger, der sich über die alten Säcke lustig macht, die nicht mal mit den neuesten Handygimmicks umzugehen wissen, und der mit 30 Diabetes, Übergewicht und Arthrose hat (weil er körperliche Bewegung nur noch von Youtube kennt) ein Modernisierungsgewinner? Ist einer, der in ein Labyrinth hineinläuft und sich die Zeit nimmt, einen Faden abzurollen um auch wieder herauszufinden ein Modernisierungsverlierer? Oder einer, der darauf hinweist, dass der Verdrängungswettbewerb (gemeint ist nicht der in der Wirtschaft, sondern in allen Lebensbereichen stattfindende), irgendwann auch den Arsch derer fordern wird, die ihn heute idealisieren und allen anderen als das Nonplusultra der Moderne verkaufen wollen? Ist einer, der den Weg des geringsten Widerstands geht, der immer lieber dünne Bretter bohrt, weil er das andere für zu umständlich hält, ein Modernisierungsgewinner? Fragen über Fragen..

  9. Augstein
    Also, was den seligen Herrn Augstein betroffen hat, de mortuis sempre bene und so weiter. Er mochte einen guten Tropfen und war sicherlich im Austeilen auch nicht schlecht.
    Die aktuelle ‚journalistische‘ Affäre wäre, bei einem etwas besseren kollektiven Gedächtnis, sehr schnell beendet gewesen.

    • De mortuis nil nisi bene
      Soviel Zeit muß sein. Und ich kann trotz gescheiterten Latinums auch mal Punkten ;)

  10. Inside every rebel, there is a dictator trying to get out
    Und so brodelt es auch wieder im Gemüt der nächsten, selbsternannten, Gewinnergeneration der Moderne. Ihre Herkunft ist jedoch entlarvend. Verzogene Kinder einer Konsumgesellschaft, in der wirklich Entbehrung undenkbar war und ist. Ich frage mich, wo eigentlich die ganzen antikapitalistischen Vorurteile und Reflexe herkommen?

    • Lovely...
      Sehen Sie, solche Klischees die einem ins geschlossene Weltbild passen, sind ein grosser Teil des Problems das das Blog anspricht…

  11. Grüße
    Lieber Don,

    ich genieße Ihre Artikel, und auch wenn es normalerweise keine Kommentare von mir gibt, bin ich gerne dabei, still sozusagen!

    Vielen Dank.

  12. Titel eingeben
    Trivial ist, wenn dieses Land sich nicht stetig modernisiert, werden wir wieder Volkstänze erlernen müssen um die Touristen zu amüsieren. Nur ist natürlich nicht ein jeder, der als Modernisierer daherkommt, und sei er noch so regierungsnah, auch wirklich ein Segensbringer.
    Modernisierung ist als Begriff so gehaltsleer, daß man immer erst hinterher weiß, ob’s eine war oder nicht. Sowas taugt überhaupt nicht als Argument in der Debatte, ob denn etwas getan werden soll oder nicht.
    Lassen wir dieses Wörtchen also still im Orkus verschwinden und zeigen jedem, der’s benutz die Augenbraue.

    • wir werden es sicher schaffen
      uns solange weiter zu modernisieren, bis wir allein in dieser
      Welt sind, weil keiner mehr mitspielt.

  13. Warum auch nicht? Das alles.
    Solange die Durchschnittsbürger, und das sind wesentlich mehr als viele so (von sich!) glauben, sich gegenseitig ausdauernd bepöbeln, solange ist für die wirklichen und realen Gewinner noch alles in Ordnung.

    Völlig anstrengunslos lassen sich jederzeit Menschen finden, denen man sich überlegen fühlen kann. So mancher verspürt dann auch noch das Bedürfnis, diesen das mitzuteilen. Scheint eine Art lifestyle zu sein.

  14. Don,
    too many words.

  15. Die Modernitätstheorie
    Wenn A einen Filter B entwickelt, der C vor obigem Artikel des D bewahrt, dann sind A und C Modernisierungsgewinner, D wird Modernisierungsverlierer.

    Es gilt: A –> B = +C(mod) + A(mod) –> -D(mod)

    • Das Problem ist – ich schreibe gar nicht für A und C. Es macht überhaupt keinen Sinn, da ernsthaft Debatten zu führen, denn in deren Theorie kann es gar nicht anders sein: Der Modernisierungsverlierer hat angst und wehrt sich deshalb gegen sie. Das entbindet sie von jeder Pflicht, sich mit Argumenten auseinander zu setzen oder andere Sichtweisen zu prüfen. Das ist dann auch der Grund, warum Gender Studies aus der Kritik den Schluss ableiten, dass sie richtig liegen. Die Angst der Verlierer beweist es ja. Solche Beiträge wie der hier ändern überhaupt nichts. Aber mir machen sie Spass und anderen vielleicht auch.

      Allerdings: Das Gute an solchen Leuten ist, dass mir die Lust fehlt, mich selbst irgendwie als gut und richtig hinzustellen.

    • passt scho
      das beste wird sowieso immer gelöscht

  16. Existenzsorgen Folge des auf zu-großen-Fuße-lebens
    Berlin ist, verglichen mit dem bayerischen Oberland, vieleicht ein „Billigslum“, aber selbst wer sich Berlin nicht leisten kann oder will kann auch woanders hinziehen, z.B. in die Uckermark. Dort gibt es großen Leerstand, eine gute Auswahl und niedrige Mieten. Mit 100 000€ Vorschuss kann eins sich dort ein Haus kaufen. Leider gibt es dort weniger lokale Arbeitsplätze, aber die Arbeitsplätze der „Aktivisten“ sind doch meist mobil, weil ans Internet gebunden, z.B. als Redakteurin bei netz-gegen-nazis oder als Beraterin für Social Media.

    Nein ausgeschlossen. Denn eins muss schon in Berlin leben, um Teil zu sein der „digitalen Boheme“. Der Besuch des Maxim Gorki Theater, das Teilnehmen an Lageso Demonstrationen, die (intime) Nähe zu Abgeordneten; all dies würde entfallen.

    Wenn ich mich heute am Tegernsee einmieten würde, wäre ich in 3 Monaten pleite. Zu wissen, welchen Lebensstil eins sich leisten kann, bewahrt einen vor im Artikel genannten Situationen.

    Zumal die „Aktivisten“, wenn sie denn Vollzeit arbeiten würden, z.B. als ungelernte Hilfskräfte in einer Fabrik, sich auch Berlin leisten könnten.

    • Amüsanterweise ist der Tegernsee in allen Belangen billiger als München und Frankfurt und in etwa so teuer wie meine Heimatstadt an der Donau. Ich bin ja ab und zu in München und fassungslos, welche Preise da für welchen Service verlangt werden. solche Lokale wären hier nach ein paar Wochen pleite.

      Langfristig wäre so ein Hau in der Uckermark nicht schlecht, denn in 20 Jahren werden die „Kreativen“ aus Berlin verdrängt sein. Nicht wegen des der Massen des Zuzugs, sondern weil die Zuziehenden dann einfach grössere Wohnungen nehmen. Aber dass eine Wohnung in den angesagten Vierteln sein muss, versteht sich momentan noch von selbst bei denen. Ich fürcht, die werden sich wundern.

    • Titel eingeben
      Welche „Fabrik“? Fabriken gab’s in Berlin in den zwanziger/dreißiger Jahren. Und dann ein wenig in den Fifties. Aber heute?

    • Audi? eindeutig eine Fabrik-

    • uckermark
      den grün angestrichenen und sonstigen modischen fehlen einfach die kreativen ideen: geh aus und gründe landkommunen ! baue gemüse an !
      lebe wie einst am Monte Veritas ! vermische dich mit der urbevölkerung!
      lebe den traum der 2000 watt-gesellschaft !

      nein, diese nagelprobe wird nicht gemacht, sie nehmen dann in ballungsgebieten den werktätigen den wohnraum weg.

    • Die komen ja oft genug aus der Pampa und wollen keinesfalls zurück.

    • Titel eingeben
      Die Uckermark ist sehr schön, und grad wer gern Rad fährt, kann seine Freude haben.

      Tegernsee & Co. scheint mir von den Immobilien her sehr gesundes Münchener Niveau zu haben, bietet aber vom Wohnwert her sehr viel für die Leute, die gerne draußen sind und keinen Wert auf die Verdichtung der Stadt legen, sowie noch mobil sind – ein oder zwei Autos sind Pflicht, wenn man als Familie dort lebt und nicht als eremitisierender Radlsanierer. Das Kennzeichen MB ist auch nicht schlecht, besser als ein STA am Roadster.
      Die BOB ermöglicht einen unkomplizierten Zugang zur Stadt und ihren Gewerbegebieten – andere kommen von Augsburg, Nürnberg. Wer die Möglichkeit hat, ab und an Home Office zu machen, lebt im Winter allerdings entspannter.

      Am WE bin ich übrigens durch Zorneding & Umgebung geradelt – sehr idyllisch, und wer im Osten der Stadt arbeitet, hat nicht mehr Weg als einer aus Gmund. Stellenweise allerdings so idyllisch, dass kaum Netz da war, was auch nichts gutes für die Festnetz-Internetverbindungen erwarten lässt.

    • Ja, ich würde, wenn ich normal leben müsste, auch weg vom See und ettwas ins Hinterland gehen. Piesenkam, Schaftlach, die Ecke.

  17. ...was zu bedenken ist.
    Wie schon Karl Marx sinngemäß schrieb: Alles was der Mensch tut, muss durch seinen Kopf durch und welche Gestalt es darin annimmt, hängt wesentlich von seiner Umwelt ab. Die Umwelt in den ostelbischen Kolonien dürfte sich sehr von der am Tegernsee unterscheiden.

    • Das ist richtig, aber so richtig spassig ist das Leben da drüben trotzdem nicht, wenn man sich von Nichtjob zu Nichtjob hangelt. Es ist absehbar, dass bald noch eine Dame, die netzweit bekannt ist, es bei der Jobsuche nicht ganz so einfach haben wird, und auch da will ich dann nichts von Siegen hören.

  18. Moderne
    Der eigentliche Witz ist ja, dass da einer noch an Modernisierung glaubt.
    .
    Anosnsten wirkt das auf mich wie wenn Leute die Dividende einer Revolution einkassieren wollen, die sie noch gar nicht gemacht haben.

  19. OT
    Überschrift auf FAZ.Net:

    Gabriel kritisiert ungerechte Verteilung der Flüchtlinge in der EU.

    Ach nee, erst‘ Refugees welcome‘ als deutsches Staatsziel ausrufen
    und dann wenn’s brenzlig wird, EU-Solidarität einklagen.

    Mein Mitleid mit den Akteuren, den deutschen wie den skandinavischen
    hält sich in Grenzen.

  20. Oberschichten-Ding
    Meist meine ich, die Anspielungen und Erzählungen der „Stützen“ zu verstehen: sei es wegen des mehr oder weniger gemeinsamen ethnischen Hintergrunds oder der Sozialisation im prosperierenden Fettbayern. Aber bei diesem Artikel bin ich auch nach zweimaligen Lesen immer noch ratlos. Das hiesige Prekariat vergangener Zeiten wird nostalgisch gestreichelt, es ist eine Beziehung fast auf Augenhöhe, die der Don hier zulässt. Was eine kumpelhafte Bauwagen-Atmo und der Ur-Respekt des Heranwachsenden vor einem gelebten Leben nicht alles vermögen, besonders in der weichzeichnerisch verklärten Rückschau. Das gegenwärtige Prekariat wird aber wieder, wie üblich, messerscharf abgeurteilt. Verachtung für die Minderleister, -haber und -nachlassempfänger ist in beiden Beschreibungen zu spüren. Das muss irgendsoein Oberschichten-Ding sein, über Generationen gewachsen. Ich verstehs nicht, aber vielleicht geht bei diesem Beitrag wirklich nur um: „Ich bin beim Beleidigen wie alle in meiner Sippe nicht sonderlich wählerisch und Hauptsache, es sitzt.“

    • Ich sage es mal so: Bei uns haben die Leute die Arbeit genommen, die ihnen zugeteilt wurde. Grabungshelfer wird man nicht aus Neigung. Jetzt sehe ich aber eine Aufschrei-Initiatorin, die sich im Netz wie Sau benimmt und jammert, dass sie keinen hochbezahlten Job bekommt, obwohl sie jeerzeit zur Flüchtligshilfe gehen und dort mit ihrem Studium was anfangen könnte. will sie aber nicht, Sie will für ihr mieses Verhalten bezahlt werden. Das ist der Unterschied.

    • nee, Frankie B.,
      nicht Verachtung für die Minderleister. Sondern Verachtung für die, die nicht wissen, wer sie sind und wo sie sich sozial einzuordnen haben. Verachtung also für die „Lakaien und Speichellecker“ (so ätzte Radio Tirana früher auf Langwelle gegen die poststalinistische DDR; nicht, dass Don noch denkt, er hätte die saftigsten Beschimpfungen für sich gepachtet!), das ist nichts Neues unter der Sonne. Dass unser soziales Gefüge mit der Abschaffung der Stände ohnehin arg durcheinandergeraten ist (ich höre meinen Vater zorneswild zu DDR-Zeiten irgendeinen Parteiidioten zitieren: „… die Intelligenz ist der Hilfsarbeiter der Arbeiterklasse !!“ und danach auch nichts, hm, „Gemeinschaftsstiftendes“ mehr nachkam … Geld hat, für sich betrachtet, noch keine ordnungsstiftende Funktion, das setzt nur in Konkurrenz … das ist dann eben das nächste Problem. Ich weiß auch nicht, wie man es löst. Don auch nicht. Aber wenigstens … tun wir auch nicht so. Das wäre so ungefähr der Punkt.

  21. Titel eingeben
    Tscha.

    Früher hatte die eine Seite ihr von Gott abgeleitetes Standesbewusstsein.

    Die andere Seite hatte immerhin noch das von Marx/Engels/Lenin abgeleitete Klassenbewusstsein als Ersatz.

    Beide hatten sie demgemäß eine Vorstellung von … von … genau: Ehre, die sie also davon abhielt, ihresgleichen blindlings zu schmähen!

    Die Möchtegerns und die Modernisierungsgewinner haben sich aber auf die Fahnen geschrieben, das ehrliche Konzept der Ehre modern zu überwinden.

    Und was ist mit Don Alphonso? Wovon leitet er sein (Selbst) Bewusstsein ab? Na, das ist wohl so, wie er schreibt: vom Geld der Eltern! Kann aber Geld ein Bewusstsein von Ehre generieren? Wo unflätig viel Geldhaben was modernes ist? Na, bekanntlich kann dabei nichts Ehrliches rauskommen…

    Genau DAS aber meint der Don und verhält sich entsprechend: Nun schwingt sich in den Sattel, wacker die Ehre der Besitzlosen gegen die Schmähungen anderer Besitzloser verteidigen (womöglich hat er als Kind in DDR-Ferien-Programm geguckt, während seine Eltern mit ihrem Geld beschäftigt waren?)

    Natürlich geht das Spiel nicht auf: Die Modernisierungs“verlierer“, die er da aufzählte (beispielsweise der Kiffer) vermeiden es ja gerade so lange wie möglich, ihr Bewusstsein über den Kontostand zu definieren – soviel steht mal fest! Die hatten was Besseres; Quetschmusik und ehrliches (nicht vom Scheck der Eltern abhängiges) Interesse an archäologischen Grabungen.

    Wen genau schmerzt hier also der kleine Zeh? Den Möchtegerns tatsächlich (schlimm, wenn man kein Zuhause hat, nirgendwo, da ist ja nachvollziehbarer Weise kein Platz für Selbstbewusstsein, denken Sie an die Maslow´sche Bedürfnispyramide!) während die Modernisierungsgewinner in zweiter Generation schon mal ordentlich Vorschuss auf den Phantomschmerz zukünftig entgangener Modernisierungsgewinne nehmen. – Nee, kein Mitleid, Don Alphonso, nirgends.

  22. Hintergrundgeschichte
    Don, ich kann diese Leute auch nicht leiden, aber Sie, Sie scheinen die ja wirklich aus ganzem Herzen zu hassen! Meine Neugierde ist geweckt und ich bitte Sie, berichten Sie mehr von den Personen selber, von den persönlichen Begegnungen, die muss es ja gegeben haben oder gründet sich ihre Aversion lediglich auf das, was diese Leute im Internet publizieren?

    • Mein, ich hasse die nicht, ich wollte nur den einen Begriff da hinterfragen. Ansonsten war ich seit Jahren nicht mehr in Berlin.

    • Hass wird
      inflationär unterstellt, Herr Kohl, offenbar von Menschen, deren Gefühle nur noch von Extremen erreicht werden. Saftigen Widerwillen beim Lesen von Texten zu empfinden – das Vergnügen bleibt Ihnen offenbar versagt. Tut mir leid für Sie.

  23. Hierarchisches Leistungsdenken/handeln erzeugt vermeintliche Gewinner und Verlierer...
    Inhuman-hierarchisches Grenzdenken, statt humanes Freidenk/handel-tum.
    Be- und Aus- und Ein-grenzungshierarchie = Parallel-Hierarchie-Gesellschaften in Übermaß-Gesetz-Regel-Zwangleben, statt humanes Symbioseleben =
    hierarchiefreie, zwanglose Parallelgesellschaften mit
    Symbiosecharakter und Not wendenden statt Not bringenden (Hierarchie-)Gesetzen, (Hierarchie-)Regeln.
    Keine Gewinner, keine Verlierer…
    humanes miteinander-nebeneinander-Leben…
    anstatt inhumanes untereinander-übereinander-Leben.
    The change is gonna come…soon…oder Don?

  24. Titel eingeben
    Lieber Don,
    dein Blick von oben auf das Proletariat ist bezugslos und leider auch sinnlos.
    Es ist schon lange nicht mehr so
    das nur das Mid-Management
    sich täglich im Hamsterrad abstrampelt.
    Auch beim “ normalen “ MA
    geht es richtig zur Sache.
    Da wird jede Woche eine andere Sau durchs Dorf gejagt.

  25. Endlager Berlin
    Ich denke mal, die ‚Wohnungssuchende‘ ist eine erste Genderkrähe, die schwirren Flugs auf die Müllkippe Berlin zieht. Hier endlagert traditionell das nationale und internationale Gschwerrl. ‚Je mehr Mist, desto wärmer der Haufen‘ heisst die rotgrüne Heizung für die kalten Tage. Reich-Ranicki liefert das Klingelschild:

    Der Weg, der von der Avantgarde zur Arrièregarde führt, ist in der Regel kurz… [Je] greller und lauter, extremer und extravaganter… umso schneller veraltet…

    • Naja, manche kommen dann schon beim Staat oder bei einem Abgeordneten unter. aber das ost die Ausnahme.

  26. Netzweit bekannt
    Das kann auch Fluch sein.

  27. .
    Ich dachte, mit der Münklerwatch-Affäre, bei der linksradikale Studenten zwar ihren Prof. an den Internetpranger zu stellen versuchten, aber lieber anonym blieben, um sich mit ihren Angriff den bürgerlichen Lebenslauf nicht zu versauen, hätte sich das alles schon entkoppelt. Da wurde von den Akteuren verinnerlicht, dass der Geist zwar willig, das Fleisch aber schwach ist, vor allem wenn man das Fleich von der Geldseite her betrachtet. Die Beleidigung oder Entehrung muss einseitig und auf die Lebenden beschränkt bleiben, auf jene die ein Gesicht und einen Namen haben, die anderen bleiben Geister. Im Augenblick sind das wohl die Modernisierungsgewinner, da sie alle Optionen halten. Ist das nicht etwas, was die Moderne ausmacht, diese explosive Vermehrung von Optionen, im Gegensatz zum sozialen Schicksal? Andererseits stimmt es natürlich, dass wer gestern noch Gewinner war, morgen schon Verlierer sein kann und seine Option verliert. Ich würde deshalb zur Bescheidenheit raten.

  28. falscher Altruismus als Antrieb
    Schön Herr Alphonso

    Doch diesmal war ich früher dran. Und ich begab mich auch in größere Gefahr. Aber sie ahnten es eh schon, weil sie sonst nicht ein solches Thema wählten – die Dinge ziehen ihre Kreise und irgendwann sind auch sie dran es zu bedenken. (und niederzuschreiben)

    Der Vorwurf des Modernisierungsverlierers als anderes Wort für Verweigerer geht im umgekehrten Sinn auch damit anzusprechen, wenn ich eben jene Populierer dieses Fortschrittes, für den sie schwärmen, hinterfrage, ob sie denn vom selben Fortschritt auch wirklich profitieren würden.

    Da werden die dann stumm.

    Ein sicheres Zeichen dafür, dass sie nicht wissen, was sie tun.

    Mich beschäftigt auch der Druck, der diese Leute antreibt, die für eine derart ungewisse Zukunft für andere werben, als wäre aller Profit daraus ihr eigener. Und da stoße ich auf Herarchien und deren Endpunkte, die offenbar unter Druck stehen, weil auch sie eine Zukunft fürchten. Und vielleicht Druck machten, eine bestimmte Zukunft wahrwerden zu lassen. Sie, Herr Alphonso, stünden da plötzlich mit in der Reihe der besagten Herarchien. Auch wenn sie da noch so Cool abwiegelten, es ginge ihnen gut – seit „Generationen“ schon.

    Sie sind doch auch (fast) Aristokrat?

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