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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Unterbezahlung als gerechter Lohn für Banausen

| 160 Lesermeinungen

Angelina, Angelina, please bring down your Contertina
and play a welcome for me, when I be coming home from sea.
Harry Belafonte

Es ist noch nicht allzu lang her, da betrat man den Dom von Siena, fand hinter dem Eingang im Dunkeln einen hölzernen Kassenverschlag, und löste dort eine Karte. Heute muss man die Karten im Seitenschiff des “Neuen Doms“ kaufen, einer Bauruine des Mittelalters, schräg gegenüber am anderen Ende des Areals. Die Verkäufer sitzen hinter dicken Glasplatten. Vor dem Dom selbst sind Annäherungshindernisse. Und Wachleute mit Metalldetektoren prüfen, ob man Waffen dabei hat. Die Zeiten, da man einfach so in eine Kirche gehen kann, sind, sofern es sich um ein Meisterwerk des Christentums handelt, in Italien mittlerweile vorbei. Unachtsame Besucher sehen nur, dass die alten Holzverschläge entfernt wurden. Kundige erkennen ein ausgefeiltes Sicherheitskonzept, mit dem potenzielle Terroristen auf Abstand gehalten werden.

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Natürlich steigt in so einer Bigletteria auch die Anforderung an das Personal. Solche Posten in Holzverschlägen waren lange Zeit ein zwar nicht gut bezahlter, aber sicherer Beruf im italienischen System der staatlichen Patronage, der wenig verlangte und wenig Aufstiegschancen bot. Italien hat unendliche Mengen an Museen und Kulturgütern, und ebensolche Mengen an Personal, das Karten verkauft, mehr oder weniger aufpasst und das Wunder vollbringt, dass trotz meist vorsintflutlicher Sicherheitstechnik weitaus weniger passiert, als man annehmen möchte. Nur an den herausragenden Werken müssen Mitarbeiter aktiv Leistung bringen. Jetzt, in der Vorsaison, ist die Arbeit überschaubar. In der Saison ist das anders. Aber noch sind die Japaner im Büro und die Chinesen im Stau, die Amerikaner essen Fast Food, und die Deutschen bleiben mit schlechter Laune unter sich.

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Die Deutschen… ja, das ist so eine Sache mit denen. Ob sie in 20, 30 Jahren immer noch so gern nach Italien kommen werden? Auf der einen Seite ist da die Angst vor dem Terror in islamischen Ländern, die plötzlich Pools in Südtirol schöner als Buchten in der Türkei erscheinen lässt. In Kirchen werden in Europa keine Religionskriege zwischen den Konfessionen mehr ausgetragen. Und statt Körperverhüllung sieht man in San Vincenzo, wo ich gerade logiere, erwartbar erste Haut bei 27 Grad und blauem Himmel. Italien braucht keine Zonen für westlichen Lebensstil, es ist durch und durch westlich. Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob die Deutschen eine neue Italiensehnsucht entwickeln. Ich sehe zu viele mufflige deutsche Kinder, die lieber in ihre Mobiltelephone statt auf römische Ruinen starren. Jugendliche, die sich von dem angesprochen fühlen dürften, was ich jüngst auf einem Müllportal lesen musste: Vom Gefühl, ein “unterbezahlter Millenial“ zu sein. Tatsächlich wird so ein junger Mensch mit Geldsorgen – die Miete in Kreuzberg! Das neue iPhone! – dann lieber einen Pauschalurlaub dort buchen, wo es deutlich billiger und kulturell weniger bedeutend ist.

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So eine gewisse miesmuschelige Grundunzufriedenheit junger Menschen, die sich alle um besonders beliebte Jobs streiten und bereit sind, für miesen Lohn in einem windigen Verschlag am Rechner zu sitzen, mit einer stupiden Hilfsarbeit, die auch nicht fordernder als das Ticketabreissen ist, wie etwa das Erstellen eines Quiz oder eines Listicles – so eine Unzufriedenheit braucht das deutsche System. Diese Unzufriedenheit ist die beste Propaganda für unseren Leistung betonendes Mechanismus, verbunden mit der Erwartung, dass man irgendwann den Sprung zum gut bezahlten PR-Dienstleister schafft und dort vielleicht ein Viertel von dem bekommt, was der total unschicke Schulkamerad mit dem Maschinenbau- oder Informatikstudium ganz selbstverständlich erwarten kann. Die leicht depressive Grundunzufriedenheit, die junge Medienleute pesthauchen, macht das Dasein hässlich, sie ist so eine Art Ganzkörperverhüllung für die gute Laune, der Dünger für Privilegienforderung und ohne echte Leistungsfähigkeit – so hat gerade die Prantlhausener Zeitung einen feministischen Propagandaartikel beim Guardian abgeschrieben, und darin, welch Wunder, die Gender Pay Gap beklagt. Und die H&M-Jeans passt auch nicht, wie gemein. Das ist wichtig. Alte Trümmer sind egal.

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Ich kenne so eine vulgärdeutsche Lebenseinstellung weder aus meinem deutschen noch aus meinem italienischen Umfeld. Mein deutsches Umfeld spricht eher selten über Einkommen, weil das nur eine nette Komponente des Vermögens ist. Mein italienisches Umfeld arbeitet wirklich, reisst sich die Beine aus, eröffnet Bars, arbeitet nebenher noch auf dem Wochenmarkt und tut alles, um an Immobilienbesitz zu gelangen, sucht nach privater Sicherheit, konzentriert sich auf das Wesentliche, ohne zu klagen – dafür sind sie viel zu stolz. Kein Italiener – es handelt sich dabei nicht um Millenials, sondern um Menschen mit Ehre, Anstand und realistischer Einschätzung der Möglichkeiten – würde sich trotz der Wirtschaftskrise öffentlich als unterbezahlter Angehöriger einer Verlierergeneration bezeichnen und nach dem Staat und Quoten plärren. Sie arbeiten, was geht, und so lange, bis es eben für sie passt. Das ist auch nicht immer schön und gerecht, aber sie tun etwas, damit sich das ändert.

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Deshalb mag ich auch diese zufriedenen und bemühten Wärterinnen an den drittklassigen Denkmälern im Hinterland an der freien Luft. Es gibt dort zwei Arbeitsplätze und momentan vielleicht acht Touristen, die zu beaufsichtigen sind, und die Hälfte davon wäre aufgrund der Vergreisung körperlich nicht mehr in der Lage, Kulturgut nach draussen zu schleppen. Es reicht, die Stühle unter den Baum zu stellen, von dem aus das Areal zu überblicken ist, ein gutes Buch und eine Sonnenbrille dabei zu haben, und die Füsse auf das Mäuerchen davor zu legen. Das ist nicht gut bezahlt, macht aber erkennbar zufrieden und glücklich. Seit vielen Tagen scheint hier die Sonne. Im Osten geht sie über Siena auf, im Westen über dem Meer unter, dazwischen ist eine Art literarisches Picnic an einem der schönsten Plätze der Erde. Die Römer wussten schon, warum sie hier ihre luxuriösen Bauten errichtet haben. Marmorsäulen gleissen im Sonnenlicht, ein Lächeln umspielt die Lippen der Lesenden. Würde ich etwas fragen, bekäme ich eine freundliche, hilfreiche Antwort. Das Leben ist schön. Alle sind zufrieden. Im Schatten schläft eine dicke, schwarze Katze. Um uns herum versinkt die Welt im Chaos – hier steht sie still und bietet jedem, was er braucht.

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Ich erkläre etwas über die Konstruktion römischer Theater, über die Aufführungspraxis und die Akustik solcher Gebäude, und bin ganz erstaunt, dass ich die Raumabfolge der Thermen übersetzen und erklären kann. Man glaubt gar nicht, was sich alles an sinnlosen Informationen in der Gehirnmüllhalde, die während der Grand Tour aufgehäuft wurde, bestens erhalten hat. Am Geländer fühle ich, wie das Eisen nachgibt, weil es entlang der Wasserwege längst vom Rost zerfressen ist. Oben in den Mauern brechen Rosmarin und Currykraut den Stein, ein leichter Wind fächelt Luft vom Meer herüber. Seit den Tagen, da drüben an der Küste auf der Via Aurelia die Legionen nach Norden marschierten, um die Germanen vom Baum zu pflücken und ihnen die Vorteile der Reinlichkeit nahe zu bringen, ist die Führerschaft in Europa auch gen Norden gewandert, und hält sich in den Kreisen, die die Berliner Republik unter sich aufteilen wollen. Dort liegt die Macht, sofern die Niederländer nicht anders entscheiden. Hier unten ist aber immer noch die Grösse der Geschichte.

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Und die zufriedenen Wärterinnen hier unten und ihre männlichen Kollegen oben bei den etruskischen Tempeln. Man kann nicht alles haben, Kultur verträgt sich nun mal nicht gut mit dem Verlangen nach Aufstieg in einer von Leistung und Geld geprägten Gesellschaft. Man muss Kompromisse eingehen, und hier besteht dieser Kompromiss aus einem eher kleinen Verdienst, Blick über die schönste Landschaft der Welt, einem Buch und viel Sonne. Woanders wird dagegen strategisch geplant und intrigant gewühlt, um in einem engen Büro nach vorne zu kommen, und das ausgerechnet in Berufen wie meinem, die, bei Lichte betrachtet, in den letzten 20 Jahren schlimmer verrottet sind, als die Eisengeländer, die unsereins beim Betrachten der Ruinen vor dem Absturz bewahren sollen. “Unterbezahlt“ ist für die nächste Generation nicht mehr als der Einstieg in die Altersarmut. Die Wärter sitzen auf festem Grund, und die Mauer sieht solide aus. Sie und ich, wir sind, jeder auf seine Art und Weise, ganz oben in der Zivilisation angelangt, selten und wenigen ging es besser. Mag sein, dass sie mehr mit neuen Touristenströmen zu tun bekommen, wenn es andernorts noch schlechter geht, und irgendwann muss auch ich wieder nach Deutschland, um mein Rad und frische Kleidung zu holen und nach Siena umzuziehen. Aber in diesem Moment, an diesem Nachmittag, gehen einige Menschen in ihrer Arbeit zufrieden auf – sie, weil sie ein gutes Buch lesen, und ich, weil ich ihre lächelnde Zufriedenheit beschreiben und erklären darf.

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Es gibt tatsächlich noch ein Leben ohne Klage und Jammern, ohne immer neue Forderungen und Befürchtungen, dass es bald wieder knallen könnte, ein wenig vergessen und entkoppelt vom Strom der immer gleichen, immer gleich schlechten Nachrichten, die ihren sumpfigen Grund im Verlangen nach Mehr und nach Unterwerfung von anderen haben. Die Katze schnurrt, wenn man sie streichelt, und die Säulen, die die alte Gesellschaft stützten, künden von Lustspielen, in denen man noch herzlich über dreiste Aufschneider lachte, die nichts leisteten und dennoch mehr Geld verlangten. Buffone nennt sich so einer in der Commedia dell’Arte. Wirklich, wir sollten seine über H&M-Hosen jammernden Enkelinnen mehr verlachen. Und die Wärterin, die alle gewitzte Weisheit der Colombina in sich vereint, beim Verlassen des Theaters an einem der schönsten Plätze der Welt freundlich grüssen.

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160 Lesermeinungen

  1. Unterbezahlte Millenials gibt es doch nicht, wir haben doch Frau Nahles mit 20 semestern als vorbild
    werter DON, fahren sie von San Vincenzo nach Castagneto Carducci und dann hoch in die berge und wieder retour über Suvereto……..eine lohnende tour im frühling !

    in Donoratico ein abstecher in die Filippi-Bootswerft beim friedhof.

    und immer an die melodie der New Radicals denken, die passt herrlich zum text !

    Wake up kids……………
    We´ve got the dreamers disease………….YOU ONLY GET WHAT YOU GIVE.

    https://www.youtube.com/watch?v=DL7-CKirWZE

    • Da war ich die letzten Tage schon – zu Survereto folgt ein eigener Beitrag über die Lufttrovknung von Leichen.

  2. Richtig beschrieben
    Italia kann mit Stolz auf eine große Zukunft zurück blicken.
    Und wer dort in guter Beziehung zu einem „Santo in Cielo“ steht, der kann getrost entspannt auf staatliche Interventionen jeglicher Art husten.
    Die werden diskret unter der Hand in den höheren Heiligenkreisen abgemacht. Draghi providente……

  3. "Säulen, die die alte Gesellschaft stützten"
    Lieber Don Alphonso,

    wie schön Ihre Gedanken wieder sind. So kann man nur schreiben, wenn man auf der Sonnenseite des Lebens ruhen darf und der Leser, der auf der weniger lichten Seite von Arbeit zur Arbeit hastet wird, sofern ihm die Zeit bleibt, Ihre anerkennenden Worte sicher als Kompliment und Trost empfinden.

    Auch, wenn viele Säulen schon gefallen sind, geschliffen wurden, sehen wir sie als Stützen des eigenen Lebens, unserer Kultur, solange wir sie für uns bewahren können.

    An schlechten und trüben Tagen sind niedergestreckte Säulen auch nicht so schön und man möge hier nur an Ipsen und seine „Stützen der Gesellschaft“ denken. Konsul Karsten Bernicks Rolle spiegelt die andere Seite.

    Die wenigen, noch stehenden Säulen werden in diesen Tagen heftig attackiert und manche beginnen zu schwanken.

    Europa bekommt in diesen Tagen, was es auch in seiner Mehrheit will und ich denke da an Gottfried Benn und seine Rede auf „Rede auf Stefan George“:

    „…bekam Europa den neuen Schwung, aus ihnen entstand der neue menschliche Typ, der materialistisch organisierte Gebrauchstyp, der Montagetyp, optimistisch und flachschichtig, jeder Vorstellung einer menschlichen Schicksalhaftigkeit cynisch entwachsen, möglichst wenig Leid für den einzelnen und möglichst viel Behaglichkeit für alle, so hatte ja Comte das neue Zeitalter philosophisch begrüßt.“

    Und bei manchem Kommentar in Ihrem Blog glaube ich auch einen wehenden Schleier von Atavismus verspüren zu können.

    Die von Ihnen beschriebene Urlaubswelt ist schön und gut; da sieht man auch die um´s Überleben kämpfende Arbeitswelt mit einem romantischen Auge und so will ich Ihre Zeilen verstehen.

    In Nietzsches Zarathustra ist die Zeile zu finden, in der ich mich finden kann:

    „Also geht ein Leib durch die Geschichte, ein Werdender und ein Kämpfender“

    Seien Sie herzlich gegrüßt

    ObjectBe (objectbe.blogspot.com)

    • Rätsel
      „Und bei manchem Kommentar in Ihrem Blog glaube ich auch einen wehenden Schleier von Atavismus verspüren zu können.“

      Sollte das eine Metapher werden? Na ja, vielleicht auch nur ein verunglücktes Zitat, von „Ipsen“ oder so.

    • Sie nimmt sich halt die Ironie(=Wortspielerei) hier vor:
      Da werden denn auch schon mal fröhlich Säulen geschliffen…

    • Zickenkrieg oder was soll das?
      Jedem das Seine oder leben und leben lassen…

    • In unserm Puff kriegen auch unterbezahlte Subjournalist_Innen, was sie brauchen.

    • popular morality ?
      Lieber Don Alphonso,
      Werte Kommentierende,

      ein lieber Freund aus Genf rief mich heute Morgen an und meinte ich solle doch mal die Kommentare in Don Alphonsos Blog lesen.

      Gute Güte,….. bisher lag es jenseits all meiner Vorstellungen Erklärungen zu meinen Gedanken zu geben.

      Herr oder Frau „muscat“ schreibt:“auch nur ein verunglücktes Zitat, von „Ipsen“ oder so.“
      In meinem Beitrag habe ich Henrik Ipsen nicht zitiert und der Hinweis auf H.Ipsens Bühnenstück:“Stützen der Gesellschaft“ , welchem Don Alphonso wohl die Überschrift für seinen Blog entliehen hat, wie der Inhalt des Bühnenstückes von H.Ipsen in Zusammenhang mit Don Alphonsos hier vorgetragenen Gedanken, können wirklich nicht fehlinterpretiert werden.

      Weitgreifende Phantasien sind wunderschön, denn sie zeigen, daß man lebt. Doch es war keine Wortspielerei, keine Ironie und ich hoffe ich enttäusche niemanden, wenn ich hier gestehe, daß es nur eine Erinnerung war.

      Eine Erinnerung an einen Aufenthalt in Selimiye an der Türkischen Riviera mit einer reizenden Gesellschaft und dem beeindruckenden Säulenfeld des Apollon-Tempels im antiken Side. Ein Bild der durch ein Erdbeben gestürzten, geschliffenen Säulen, wie es gerade Europa durchzieht. (islamische Masseninvasion)

      Der Apollon-Tempel als Symbol unserer Kultur, die am Boden liegenden Säulen als Zeichen der leeren Gesichter, der abgearbeiteten Frauen, von Teilarbeitsstelle zu Teilarbeitsstelle hastend, dazwischen die Kinder betreuend, wie ich sie ständig sehe, beim Einkaufen in Ponte Tresa, in den Vororten von Mailand.

      Die Gegenwelt der von Don Alphonso, durch die rosarote Urlaubsweltbrille, beschriebenen „zufriedenen Wärterinnen“.

      In Ihrer / seiner Urlaubswelt sind solche Betrachtungen ja legitim, doch die Realität ist eine andere.

      Das ist so wie mit der Moral, die in manchen Kommentaren einzufließen scheinen.

      „Wer die Gemeinschaftsmoral auf seiner Seite behauptet, behauptet ein gewichtiges Argument: Daß ein moralischer Konsens existiert. Wer gegen einen solchen Konsens verstößt, wird mit Mißachtung gestraft.“

      Nein, dieser Satz ist nicht von mir erdacht, sondern von Luhmann.

      Unsereins hat viel mit Moral zu tun, ich kenne das und betrachte mich als gewarnt.

      In Begegnungen mit Frauen, die ebenfalls mit der Moral konfrontiert werden, verweise ich gerne auf die Formulierung von Ronald Dworkin:

      „Für die meisten Leute ist der Kern der Moral ein sexueller Kodex, und wenn die Ansichten, die der gewöhnliche Mensch über außereheliche Sexualbeziehungen, Ehebruch, Sadismus, Exhibitionismus und die anderen pornographischen Erzeugnisse hat, keine moralischen Positionen sind, kann man sich schwer überhaupt irgendwelche Meinungen, die er wahrscheinlich vertritt, vorstellen, die moralische Positionen wären.“

      Doch das gehört eigentlich nicht hierher, zu den frühlingshaften Urlaubsbetrachtungen Don Alphonsos, so durch die rosarote Brille.

      Mit freundlichem Gruß
      ObjectBe. (objectbe.blogspot.com)

    • Gemeint war wohl Henrik Ibsen
      Manchmal ist weniger mehr, auch bei Zitaten, sonst geht es schnell durcheinander. Jetzt noch Luhmann und Dworkin dazugerührt… Da darf man schon mal fragen, was sich die werte Kommentatorin dabei denkt.
      Aber lassen Sie sich um Gottes Willen von mir nicht bremsen…
      Ich kann ja immer noch scrollen.

    • @ObjectBe
      Muscat mokierte sich wohl über Ihre Schreibweise des Henrik Ibsen, den Sie mit p wie Paula schreiben. Der Ipsen mit p ist wieder ein anderer, nur das werden Sie besser als ich wissen ;-)

    • @ ObjectBe
      „Für die meisten Leute ist der Kern der Moral ein sexueller Kodex, und wenn die Ansichten, die der gewöhnliche Mensch über außereheliche Sexualbeziehungen, Ehebruch, Sadismus, Exhibitionismus und die anderen pornographischen Erzeugnisse hat, keine moralischen Positionen sind, kann man sich schwer überhaupt irgendwelche Meinungen, die er wahrscheinlich vertritt, vorstellen, die moralische Positionen wären.“

      Exhibitionismus ist eine laut ICD-10 (Klassifizierung der WHO) unter F65.2 spezifizierte psychosexuelle Störung. In Deutschland ist E. zudem ein Straftatbestand. Mit Pornographie hat dies also nichts zu tun. Doch weil die Störung sowohl bei Männern als auch Frauen vorkommt (bei Frauen seltener), gibt es die Theorie, laut welcher besonders Frauen diese Neigung im Bereich der Pornographie legal ausleben könnten.

      Junge, genderfeministisch affine Frauen, die in ihren shitstorms (oder wie man die auch gerade nennen mag), sich über Sexismus im Alltag beschweren, kriegen da manchmal etwas durcheinander, wenn sie über ihre Erfahrungen schreiben. So wird in dem Zusammenhang auch oft über Fälle von Exhibitionismus beschwert, obwohl das mit Sexismus nicht das Geringste zu tun hat.

      Auch wird Sadismus zu den psychischen Störungen gezählt, klassifiziert unter ICD-10 unter F65.5 als Sexual sadism disorder.

      Man kann darüber streiten, eine Meinung dazu habe ich nicht. Wer unter seiner Neigung leidet, wie Menschen unter den unterschiedlichsten Krankheiten leiden, so ist es für den Betroffenen eine Erkrankung, zumal wenn das so dermaßen ausartet, dass es für ihn selbst oder seinem Partner gegenüber gefährlich wird.

      Theoretisch sucht ein Fall F65.5 einen Partner oder Partnerin, deren „Störung“ den Gegenpol darstellt: Sexual masochism disorder, welche in der gleichen Gruppe F65.5 mit geführt wird. Die Konstellation kennen Sie, soweit ich es hier aus den Posts herauslese, aus Ihrem Beschäftigungsfeld. Ob etwas dran ist, können Sie besser beurteilen. Ich schreibe ohne jede Absicht moralischer Bewertung.

      Weil ich auch Psychologie studiert habe und mich dafür interessiere, kenne ich den ICD-10. Ich würde aber keinem Menschen, der mit seiner Neigung lebt, unterstellen, dass er krank sei. Das ist allein seine Privatangelegenheit.

      Btw. Ibsen, nicht Ipsen.

    • Liebe Renate Simon, kein Zickenkrieg, sondern einfach nur das,
      wofür dieses Weblogbuch einst geschaffen worden ist, was aber von den meisten, die seither hier aufgeschlagen sind, mitnichtenundoderauchohneneffen nicht verstanden wurde: Ironien, Spielereien, spielendes Fechten mit Wörtern also – man kann das, was man hier liest, einszueins nehmen, es kann aber auch das Gegenteil oder etwas ganz anderes bedeuten, Fröhlichkeit mit tief hinabgezogenen Mundwinkeln beispielsweise.

      Wenn’s um“‚“sbumsrumms geht, so verkneifen wir uns mittlerweile trotz Reelaatiivschaarm den Begriff Deppenapostrophschreiberin (= bender or prophetic happiness) und dass Säulen und andere Bauwerke immer geschleift wurden und noch werden, werden wahrscheinlich sogar fast alle der diversen, im Netz zu findenden Henrik I“p“sens nicht wissen, breitgrins…

      Drüben ging das zeitweise sogar noch schaumkronenhöherwellig zu – so manches interessante und auch hierundandernorts brauchbare Fundstück harrt dort der Wiederentdeckung durch Webarchäologen:

      https://stuetzendergesellschaft.wordpress.com/2013/11/12/bindungsangst-und-der-sex-auf-dem-liegenden-kaktus/#comment-16808

    • Liebe Frauke Amgelin,
      das frühere Salongeplänkel habe ich manchmal gelesen, mich aber dort rausgehalten. Zum einen fehlt mir dafür die Bildung, zum anderen wohl auch etwas die Leichtigkeit des Seins. Ich bin immer sehr direkt, was im Salon, so wie ich die Kommentare auffasste, wohl aus dem üblichen Rahmen gefallen wäre. Nicht, dass ich Ironie nicht zu schätzen wüsste, ich neige allerdings selbst eher zum Sarkasmus.

      Hier hatte ich nun den Eindruck, dass ein leichtes Mobbing aufkommt, was mir nicht behagt. Ich bin in meinem Leben sicher auch gemobbt worden, meine Arbeitsauffassung gab dazu genug Anlass, habe das dank meiner autistischen Ader aber nie wirklich wahrgenommen. Bei anderen ertrage ich es nur schwer, hatte schon immer einen Hang, andere irgendwie Beeinträchtigte (womit ich jetzt nicht die Ipsen-Zitiererin meine :) zu stützen. Aber das wäre schon wieder ein ganz anderes Thema.

    • @Renate Simon
      Teuerste, Sie geruhen ein leichtes Mobbing zu beklagen.

      Dann haben Sie nicht wirklich mitgelesen. Es gab Kommentatoren, die
      sich wegen fehlendem Gift im Tee, enttäuscht zurückgezogen
      haben.
      Dieser Salon ist nichts für zarte Seelen.

    • I think we both know she's not my niece.
      Oh, der Klassenkampf erreicht die Stützen. Die Kurtisane wird zu vorlaut, meint den ihr zugewiesenen Platz nicht mehr halten zu müssen, betritt den Bibliothek und den Salon. Impossible. Die Peitsche oder gar der Scheiterhaufen sind nun unvermeidlich.

      Whatever, da hier nun auch meine Luhmann Bibliothek be- bzw. getreten wurde, eine kleine Einführung in die Unterscheidung, die, allein vom Wesen, diesen Stützen nicht zugänglich, da maximal direkt:

      Man kann auch im Jahre 2016 nicht zugleich Dienstleisterin und Herrin sein.
      Ebenso sind öffentlicher maximaler Austausch von Körperflüssigkeiten und gesellschaftlicher Status sich widersprechende Zustände.
      D.h. auch in der aktuellen modernen Gesellschaft bleibt das Individuum in Rollen (d.h. Familie, Horde, Clan, Klasse) eingebunden. Die strukturelle Kopplung an Systemen ist noch weit entfernt.
      Folglich sollte man es vermeiden, eine Bibliothek mit öffentlich ausgehangenen Körperschmuck an unsittlichen Stellen zu betreten. Man möchte beim Akt der körperlichen Liebe ja auch nicht ein Rielke Gedicht vorgetragen bekommen. Beides lässt sich nicht zugelich im Sinn vernünftig einordnen, führt zu Irritationen und folglich zu Unsinn. Was wiederum nach Auflösung schreit. Die sich hier jetzt gerade ihren Weg gebahnt hat.

      Es bleibt die Tragik des Einzelnen, dass auch die Gleichzeitigkeit von Attraktivität, Bildung und Geld nicht den Zutritt zur Klasse ermöglichen.
      Das die Klasse erst Zutritt gewährt, wenn man Schönheit, Geld und Bildung verhüllt. Denn wahrer Reichtum, wahre Schönheit und Bildung müssen versteckt werden. Genau daran erkennt man sie: Dass sie nicht gezeigt werden.

    • Teuerste E.R.Binvonhier
      Ich habe nicht behauptet, mitgelesen zu haben, reingeschaut, hin und wieder Kommentare gelesen und mich zurückgezogen ;-) Nicht wegen des Gifts im Tee, ich hätte nur nicht wechseln können.

    • Titel eingeben
      @object.be und Tamarisque

      ich stoße mich etwas an den angeführten Diagnosen – die Sie, Tamarisque sich scheinbar auch nicht zu eigen machen. Die Psycholeute sehe ich als Herdentiere ohne Kritikfähigkeit.
      In aktuellen Diagnosevorlagen ist schon auffällig, wer länger als zwei Wochen nach dem Tod eines geliebten Menschen noch tief trauert.

      Muscat und Goodnight sei gesagt daß jeder Mensch an der Wahlurne und in der Kirche von gleichem Wert und gleicher Würde ist. Wollte ich eine Hübschlerin als Schwiegertochter? Nein. Würde ich eine Tochter verstoßen? auch nein.
      Die Object.be ist eine Kunstfigur wie Porcamadonna. Ich gehe davon aus, der Dame in einem Cafe unbefangen begegnen zu können, sie kennen zu lernen und als Bekannte zu schätzen.
      Was sie für ihren Lebensunterhalt tut? Maschmeyer irgendwer?
      Ich würde jederzeit mit Frau Be Kaffee trinken.
      Wen der Don hier einlädt und zuläßt ist mir willkommen. Ob Meier555, TDV oder Sylter. Bei 57 und Schrotsäge greift er schon ein.

      Wollen Sie einem kleinen alten Honigbären Freude machen? Machen Sie sich lustig über Draghi, Merkel, Altmeier, Maas, Schwesig, Jäger, Hoecke und die Herzogin von Oldenburg.

      Schönes Wochenende

    • wacker, lieber melursus
      aber die Herzogin von Oldenburg bitte auch in Ruh lassen, denn ohne sie hätts bei den letzten Wahlen nicht mal eine Struktur gegeben um Unzufriedenheit auszudrücken…

  4. Oh, Du Fröhliche...
    Unser dritter Fluchtmonat aus DSchland hier in der entspannten Rentnerruhe von Oliveri lässt mich über Don Alphonsos so selige Zeilen lächeln. Napoleon schon schimpfte über DSchland, ein halbes Jahr kalt und drei Monate Regen. Der Winter in Sizilien anders!

    Lässig bewegt unserer werter Blogger seine Gedanken durch Zeit und Raum, von Heiko Maas und einem üblen Intriganten, der ihn bei seinem Arbeitgeber anschwärzt, um seine verlinkte Karte
    https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=z12D0zt-V4iI.kXGfjpzjOS1Q
    aus dem Netz zu nehmen, der Don Alphonso gar als „Nazi“ beschimpft, der doch nichts anderes ist als kultivierte Höflichkeit und Heiterkeit. Dann beschreibt der Meister einen Zahlen-Zausel der üblichen Sorte wie er gekonnt titelte: „Aus Statistiken Lügen pressen.“

    Wer so lebt, dem kann keiner. Zwischen der ehrwürdigen Mönchsklause am Tegernsee und dem frühlingsfrohen Sienna pendelt, entspannen sich die Sinne und die unerträgliche Leitigkeit des Seins trägt unseren Autor zu immer neuen Höhen. Zwischerdurch ein kleiner Tritt auf Mitbewerber um die öffentliche Aufmerksamkeit, die üblen Burschen im Stil von Ulfkotte, Stürzenberger – und von Pirincci schweigt des Sängers Höflichkeit.

    Dass Gewalttätigkeit sich steigert im Land, gerade in DSchland, dass die ihrer Sicherheit verlustigten Mitte sich in die eine oder andere Richtung radikalisiert, dieses Gift des Zeitgeistes hat es immer gegeben. Doch es gibt Orte und Menschen, die leben auf der Insel der Seligen. Es sei ihnen vergönnt. Unterhalten sie uns in unsere kleinlichen Sorgen um Künftiges, dann freuen sich immer wieder viele und neue Leser über eine neue Arbeit von Don Alphonso.

    Allerdings eines sei bedacht: Ein Mann wie Heike Maas erreicht Millionen im Tagestag, aber die Verbreitung von Don Alphonso Blog ist auch nicht schlecht.

    • Sizilienfahrer,
      seien Sie sich am Tage der Geschlechtsumwandlung dieses saarländischen blanc-bec gewiss, dass „Mitstreiter um die öffentliche Aufmerksamkeit“ wie Ulfkotte evtl. dagegen anschreiben, dass der parlamentarische Schlafwagen in Berlin Ihnen zukünftige Sizilienreisen -und uns die Provence oder Subiaco vermasseln könnte. Auch wenn wir „so gut wie raus“ sind. Ein paar Jährchen dürften es noch sein, oder?

  5. Es hat sich nichts geändert.
    Auch wenn es damals noch keine Wischbrettchen gab, das olle Gerümpel war mir im jugendlichen Alter sowas von schnurzpiepegal („Habt Ihr ’45 noch nicht genug Trümmer in (Namen einer beliebigen deutschen Feuersturmstadt einsetzen!) gehabt?“).

    Naja. Heute „begeistere“ ich Touristen, die die Bucht von Salerno (bis dahin http://www.campaniameteo.it/streaming.php?id=862 werden Sie ja wohl dieses Mal nicht kommen) dort, wo die rote Sonne bei Capri im Meer versinkt (http://datab.us/09KWMUOyP6E), heimsuchen wollen, damit, dass sie präzise dort Urlaub machen möchten, wo 1943 die seinerzeitige Operation Avalanche blutig ablief – Spuren von damals tauchen am Strand im Wortsinne immer mal wieder auf…

    NS:

    „Angelina, Angelina, please bring down your Contertina
    and play a welcome for me, when I be coming home from sea.“???

    Das richtige Eingangszitat gibt’s hier:

    http://www.coolplay.tk/watch/Q6yZ5giXiKY

    • Sie verzeihe mir die harsche Nachfrage,
      aber wie SIE Touristen im Golf von Salerno mit diesen ollen Operation A. -Kamellen und Hinweisen auf das zertrümmerte Dresden für Italien begeistern wollen sollten Sie vielleicht noch einmal erläutern.
      .
      À props Trümmer. Mir ist da angesichts daniederliegender Säulenresten ein Ausspruch in badischem Dialekt aus dem Forum Romanum in Erinnerung. Der gute Mann mußte aus dem Abriss-oder Steinbruchgewerbe stammen, denn er meinte: „Die hädde mer glei kloo.“ was so viel bedeutete, dass ihm das Zerschottern keinen größeren Aufwand bereiten würde. Daheim. Im Kraischgau oder so.
      .
      Davon mußte ich mich erst einmal zur Landsleute-Frustabarbeitung fußläufig zwei römische Meilen weiter im Caffè Greco bei zwei Grappe und viel Espresso erholen-zum Ausgleich zum Steinbrecher unter Luigi di Baviera, Thorvaldsen, Corot und den Nazarenern. Billig war das nicht, die Rechnung hebe ich auf.

    • Kann es sein
      dass die Italiener deswegen ein sonnigeres Gemüt haben, weil sie sich
      weniger mit Landsleute-Frustabbau beschäftigen.

      Damals im Forum Romanum können Sie nicht der einzige Zuhörer
      gewesen sein. Diese Geschichte hat einen langen Bart.

    • Aber gerne doch, Déjà de lautre côté de lhypocrisie
      Feuersturmstädte erwähnte ich seinerzeit zur Kulturabwehr (die Kulturvölker waren eh immer untergegangen, wir sollten’s also einfach mal ohne Kultur probieren) in jugendlichen Alter – lang, lang ist’s her.

      Heute „begeistere“ ich mit Anführungszeichen (anführen ist auch ein schön doppeldeutiges Wort für das hiesige Ironiewebloggefilde), tue eigentlich also genau das Gegenteil, die Hotellerie ist nicht sonderlich angetan davon. Habe einen angeblichen Zeitgeschichtler dort kennen gelernt, dem bloß „Salerno ’43“ ein Begriff war, der aber nicht wusste, wo die Landung am 9. September tatsächlich stattfand, nämlich präzise dort, wo er gerade sein heißes Sandbad nahm…

  6. Inhalte
    Die meisten Italiener leben in funktionierenden Gemeinschaften, die man nicht so einfach wegen des Geldes verlaesst. Ich kenne viele kultivierte Roemer, die in London oder New York viel mehr Geld verdienen koennten, aber ihren Lebensstil und ihren Freundeskreis einfach nicht aufgeben wollen und deshalb ein Leben in relativer Armut gewaehlt haben.

    In Deutschland ist eine solche Verwurzelung verschrien, denn das ist ja schliesslich provinziell – oder sogar braun. Deshalb sind die „ich mach was mit Medien“ Leute ja auch so frustriert, weil sie keine „Heimat“ haben und auch nicht den beruflichen und finanziellen Erfolg den sie sich erhoffen und von dem sie meinen, dass er ihnen zusteht. Und am Ende ist natuerlich der boese, boese Kapitalismus an allem Schuld.

    Man kann zumindest in der angelsaechsischen Welt mit Kultur und Medien sehr viel Geld verdienen, aber dafuer muss man dann auch richtig gut sein. Wer z.B. regelmaessig den New Yorker liest, weiss wie Qualitaetspresse aussehen kann und das Journalisten Superstars seien koennen. Auch als Kunstgeschichtsprofessor an einer Elite-Uni kann man extrem gut verdienen. Aber das erfordert eben harte Arbeit und eine intellektuelle Ernsthaftigkeit die man in der neuen deutschen Medienlandschaft und auch zunehmend in den Geisteswissenschaften nicht mehr finden kann. Die deutschen Medien- und Kulturschaffenden halten sich fuer weltgewandt, sind aber zutiefst provinziell – ohne ihre eigene Provinz zu kennen. Und das macht sie so banal, ignorabel und arm.

  7. Arbeiten wie diese Italienerin und leben wie Gott in Frankreich, was will man mehr?
    Daß es da an Unzufriedenheit mangelt, wundert mich nicht. La dolce vita ist aber auch in Deutschland auf dem Vormarsch, oder? Manche begnügen sich dazu mit endlosem Behördenmarathon, andere verlangen Freizeitgestaltung am Arbeitsplatz und wieder andere haben sich längst den kleinen diebischen Bergvölkern angenähert, frei nach Matthaeus 6:26.

    Sonne, Berge, Wasser, Wein, Weib und Gesang nicht erst im Greisenalter, davon träumen immer mehr Menschen. Manchen reicht(e) dazu ein Buch, manchen ein Tablet etc. und manche haben es eben lieber in Natura. Manche sind dem Sinn des Lebens eben näher als andere.

    Was das stolze und arbeitsame italienische Umfeld – mit Ehre, Anstand und realistischer Einschätzung der Möglichkeiten – betrifft, welches nicht nach Staat und Quoten plärrt, so mußte ich an der Stelle doch etwas stutzen. War da nicht kürzlich noch ein Bericht über für Kohorten von Arbeitskollegen die Stempeluhren bedienende Italiener zu sehen? Das, ein Medienmogul und anderes erinnerte mich irgendwie an griechische Verhältnisse. Kein Wunder, daß da kaum einer plärrt, jedenfalls nicht wirklich. Selbstverständlich will ich das nicht verallgemeinern, gibt es doch auch zwischen Nord- und Süditalien durchaus signifikante Unterschiede.

    Nur, was hat das mit Stolz zu tun? Stolz worauf, ars vivendi? Wenn die Kunst darin besteht, mit wenig zufrieden zu sein, dann wird das andere, die dadurch mehr haben, sicherlich besonders freuen. Carpe diem kann eben vieles bedeuten. Am Ende aber muß wohl jeder die eigenen Prioritäten setzen, damit er stolz auf sich selbst sein kann. Auch wenn andere das ganz anders sehen. Wer weiß schon, wie zufrieden die Mürrischen wirklich sind?

    Letztlich hoffe ich aber, daß Italien so bleibt wie es ist, denn so langsam weiß man ja nicht mehr, mit oder ohne Ukraine, wo man sein Gnadenbrot noch in Ruhe und Zufriedenheit genießen kann. Na ja, zumindest wenn man die unschönen Aspekte der Geschichte angesichts ihrer baulichen Hinterlassenschaften unterdrücken kann, weil man immer noch kein Fan der Sklaverei ist. Na ja, das mit der Zufriedenheit, nicht mit der Selbstzufriedenheit, das muß ich noch üben.

  8. Dolce Vita
    Das Heitere, warme alles einhüllende Luft, das Spiel der Farben im Licht, die Welt der schönen Künste, das Meer und seine Weite, das Hupen der Vespa im Gewühl enger Gassen, dieses Duftgemisch aus Espresso ,Gewürzen und Blumen. Kein verbissener Kampf, eher sanfte heitere Versöhnlichkeit…ein schöner Artikel und inspirierender Reisebericht. Hier ist es nun schon Abend, aber ich werde mir diesen Film nun ansehen, als Sophia Loren noch die Schönheitskönigin von Neapel war…..

    Schönen Urlaub Ihnen noch

    • "sanfte heitere Versöhnlichkeit" ?
      Mein Weib und ich hatten letztes Jahr ein Ferienhaus in den Euganeischen Hügeln gemietet, um von dort aus per mitgeführtem Rad die Innenstädte zu befahren. Wir kamen so nach Ferrara, Este, Padua, Modena usw. Wunderschön wie eh und je, diese Städte. Früher war ich beruflich oft im oberen Italien, nach 15 Jahren Enthaltsamkeit fiel mir auf:

      Die haben sich vollkommen verändert. Automobilisti verweigern jeden Wettstreit, sie halten sich beharrlich ans Tempolimit. Einst geschätzte Restaurants führen den üblichen mediterranen Eurofood. Empathie, Spontanität schienen mir weitgehend verloren, kühles Business allerorten. Auf den Märkten kaum mehr regionales Flair, dasselbe Personal und Angebot wie in Duisburg. Mir kam es vor, als hätte man das Land sterilisiert.

      Sie scheinen andere Erfahrungen zu haben.

    • Ich bin dauernd dort, vielleicht fallen mir deshlab die Veränderungen nicht so auf. Bei den Restaurants kommt es immer auf den Einzelfall an, und schon vor 20 Jahren gab es welche, in denen Pakistanis kochten. Markt – da kenne ich nur den von Mantua gut, der ist prima mit Erzeugern der Region. Aber grössere Städte verändern sich natürlich schneller.

      Aber gestern, mitten im Touristendorf – ein sagenhaft gutes Restaurant, nur 200 Meter von der Amüsiermeile.

    • "...als Sophia Loren noch die Schönheitskönigin von Neapel war….."
      Ja, das war sie, selbst in Kittelschürze und Pantoffeln eine Königin. Sie musste nicht mal einen Hosenanzug und die Elektron-Halskette anlegen.

  9. Famiglia
    Italien ist auch das Land, in dem die Familien nicht überwiegend zu Singlehaushalten zerbröselt und Frauen und Männer gegen einander aufgebracht werden, um noch das letzte Fitzelchen an Bindungen zu zerstören. Weil, Bindungen sind doch irgendwie Familie und Familie gilt als im Keim braun, als Urzelle des Faschismus. Also weg damit. Um die daraus resultierenden emotionalen Verwahrlosungen und Irrungen kümmern sich nördlich der Alpen Heerscharen von Psychologen und Apothekern. In Italien dagegen wohnen Sohnemann und Tochter auch mal bis 40 bei der Mamma und im Umkreis des übrigen Anhangs, bestehend aus Nonnas, Tanten, Onkeln, Vettern etc.
    Das sieht und hört sich in der Praxis keineswegs an wie in einem dieser Werbefilme für Pasta, unter schattigen Olivenbäumen, an langen, weiß gedeckten Tischen, sondern eher wie in einem in Brand geratenen Krähennest – aber es ist famiglia und die hält Leib und Seele zusammen, während die Regierungen, Wirtschaftskrisen und Währungen kommen und gehen wie Ebbe und Flut. Nun gut, das wärmere Klima mag den Italienern das Leben und ihre Auffassung davon erleichtern, aber lieber dolce far niente als 50% Abiturienten, die massenhaft völlig nutzloses Zeug studieren und daraus den Anspruch auf eine gut bezahlte Anstellung ableiten.

  10. Ich trage lieber eine schicke italienische Sonnenbrille...
    …zu meinen High Heels und ärgere mit wallendem Haar, arschbetonter Jeans und Glitzergürtel die Gendertröten in ihrer politisch korrekten Stoffeligen – Altweiber – Uniform! Hahaha! Das gelingt besonders gut, wenn auch in Deutschland die ersten Frühlingstweets echter wie schräger Vögel losgehen und die Sonne auf mein noch lange nicht ergrautes Haupt scheint. Deutsche Männer mögen das, und das regt die Gendertröten auf!
    *zungerausstreck*
    *laszivamespressonipp*

    • Gendertröte?
      Ich bin wahrscheinlich das, was Sie eine Gendertröte nennen. Aber ich trage keine Uniform und ich habe auch nichts dagegen, dass Sie sich figurbetont kleiden und die Haare nicht so kurz tragen wie ich. Mir gefällt die Haltung von Frau Simon (siehe oben): Leben und leben lassen.
      Falls Sie für die Organisation des Dirndl-Tages noch Impulse brauchen: Kommen Sie mal nach Graz zum Aufsteirern (http://www.aufsteirern.at/aufsteirern/home).

  11. ...und ich sage: EINEN DIRNDLTAG IN DEUTSCHLAND ORGANISIEREN! Jetzt!
    …damit don wieder nach deutschland kommt. Hahahahhaha!

    • So toll finde ich die auch nicht. Torten locken mich eher.

    • Torten locken mich eher
      Ich habe lange kein tolles Essen mehr bei Ihnen gesehen, lese nur davon und Torte hat’s bei mir auch nicht… Ich backe mir jetzt einen französischen Apfelkuchen.

    • Genau, Dirndl-Event in der Hauptstadt der Berliner Republik
      Das wär sicher was für den Don. Diendl-IiiiiiiIvent an der Spree und/oder am Prenzlauer Berg. Freikarten für alle grünen Power-Frauen (um es mal feinfühlig zu auszudrücken). Und um gleich zwei „herauszugreifen“ (man verzeihe mir den Terminus):
      die Dame mit den heraustretenden Augäpfeln und das yyyyyyyy Entlein. Ich würde beide mit Freikarten bedenken. Equal rights.

      Und das mir keiner mit #Aufschrei Brüderle oder so kommt. Brüderle war das Opfer!

      mit Freudigen Grüßen

      Don Magnifico

      @Don Alphonso

      Herlicher Text. Mille Grazie! Einen schönen Urlaub noch in Bella Italia.

    • Sie werden lachen, eine immens reiche Grosstante machte ihr Vermögen, indem sie in einer pseudobayerischen Bierhalle in Hamburg im Dirndl arbeitete, dort einen nichtsnutzigen Fabrikantensohn kennenlernte, den heiratete und dann tatkräftig Senfmilliomärin wurde.

    • @D.A.
      Eine schöne Geschichte!

  12. I said to a German woman...
    …who was dithering at the ice-cream parlour at wheather to order one or two scoops: Take three, sister. You need to indulge, then you will be nice to your fellows and as a general rule, you will have better sex.
    Everyone gasped out loud, the Italian ice-cream man roared with laughter and the German woman gaped.
    I just said: I tried it out, it works. And then – she did it! Yeah!!! These people nead foreign input!

  13. Ah, endlich Italien!
    Danke Don!
    Freute mich über italienischen Foodporn.

  14. Europas Vielfalt
    Nun ja, Kultur mag es da unten mehr geben, und die Historie reicht natürlich weiter zurück als nördlich der Alpen und erst recht als nördlich des Mains. Aber war da nicht jemand, der sich irritiert zeigte darüber, daß gewisse Erdbebenschäden immer noch nicht beseitigt sind und der anscheinend von der Barchetta in einen SLK umgestiegen ist. Die Alfetta und der Alfasud waren sicher Autodesign erster Klasse, unter heiterer südlicher Sonne entworfen, aber wann habe ich letztes Mal einen Vertreter dieser Baureihen gesehen? /8er haben zwar einen etwas herben Scharm, aber ich sehe sie fast täglich! Irgendwie muß man sich entscheiden, wobei die Aussicht auf gleichzeitig schlechtes Wetter und Konsumprodukte minderer Qualität unbefriedigend ist.
    LG Kalchas

    • Kommerz statt Kunst
      Ach – auch wenn es die großen Würfe naturgemäß nicht ständig gibt, haben die Italiener dennoch immer noch ein leichteres Händchen. Selbst banale Details wie die Heckklappe eines Ducato sind einfach eleganter als die bräsigen Teutonenschachteln. (Leider folgt daraus nicht, daß dann alles gelungen wäre…)
      Aber ich fürchte, die Globalisierung bedroht auch hier: wenn ein Produkt möglichst vielen auf der ganzen Welt gefallen muß, gewichtet mit den präsumptiven Verkaufszahlen, dann kommt statt eleganter Extravaganz halt eher noch eine fette Chromleiste dran.

  15. Es ist... kompliziert
    Oh je, wo soll ich nur anfangen.

    Allein der Generation halber darf ich mich vermutlich zu den „unterbezahlten Millennials“ (furchtbares Wort, nebenbei) zählen, und ich habe mich auch in der Charakterisierung wiedererkennen können, wie so einige Menschen in meinem Bekanntenkreis. Ein einzelner Grund reicht nicht für die miese Grundstimmung, es sind derer im Gegenteil viele. An vielen haben die Millennials selbst schuld, aber nicht an allen.

    Das fing schon in der Schule an – zu meiner eigenen Abiturzeit im vergangenen Jahrzehnt war es sehr interessant zu sehen, welcher Mitschüler welches Studium beginnen wollte. Auf die Idee, eine Ausbildung anzufangen, kam so gut wie niemand. Ausbildung, das war etwas für Haupt- oder Realschüler, nicht für Absolventen eines Gymnasiums. Keiner hatte den Weitblick, zu sehen, dass man nach wenigen Jahren im Berufsleben als ausgebildete Fachkraft ganz gut hätte verdienen können, sogar in einem Alter, in dem die heute „unterbezahlten Millennials“ sich am Kopf kratzten mit der Frage, ob man mit dem frisch erworbenen Studienabschluss denn jetzt eigentlich im Jobleben etwas anfangen konnte. Meine Mitschüler kamen dennoch in der Regel glimpflich davon – wir waren ja in Bayern, das Abitur konnte einem Vergleich mit anderen Bundesländern standhalten und die Eltern waren vernünftig genug, ihren Rackern wenigstens vernünftige Werdegänge wie BWL, Maschinenbau, Physik, Informatik, BWL oder manchmal auch BWL nahezulegen. Heute fahren sie nicht schlecht damit, mit einem BMW unter dem Hintern geht das ja auch ganz gut.

    Aber nein, es musste ja was Geisteswissenschaftliches sein, Mathe war ja noch nie so der Fall, und Handwerk kommt schließlich nicht in Frage weil fehlendes Talent und Abitur und so. Das Klischee namens „was mit Medien“ hat hier seinen Ursprung – was sonst bliebe denn auch noch übrig?

    Somit wird mit lauter Gleichgesinnten studiert, nicht selten nach dem Abi in Australien gewesen, idealerweise ausgemustert, alle aus mindestens mittelschichtlichem Hause und politisch latent links verortet; letzteres vermutlich ein Erbe der beinahe prähistorischen Anti-Kohl-Haltung des Elternhauses. In einem solchen Milieu bleibt nicht viel Raum für andere Gedankengänge als jene der großen Masse, noch dazu im Räderwerk des Bachelor-Master-Systems, das mir zumindest ob des Alters noch erspart blieb.

    Mit der Zeit reift die Erkenntnis, Praktika sind zwar zahlreich, aber wenig zielführend, zu viel Konkurrenz, mickrige Bezahlung. Dennoch, für den Traumjob soll keine Mühe zuwenig sein, Lektor im Verlag wär doch was, oder Journalist bei der SZ! Ein Gefühl der Hilflosigkeit macht sich breit, echte Jobs sind rar und Volontariate bei Online-Medium oder Verlag offenbar gehaltstechnisch wenig ertragreich.

    Schließlich das 25. Lebensjahr, ein Studienabschluss in der Hand und immer noch weder Job noch Geld, während einstmals uncoole Nerds und Mitschüler im dicken Benz durch die Lande brausen und sich vom Gehalt als IT-Experte sogar in der Münchner Innenstadt locker drei Zimmer mit Aussicht auf die Frauenkirche leisten können. Schon ist es wieder da, das Gefühl des Nichts-Könnens. So lang studiert und es hat nichts gebracht außer einer „Anstellung“ als freier Journalist bei einem Onlinemedium in der Nische oder als „Social-Media-Experte“ (ein Begriff, den der britisch-amerikanische Comedian John Oliver nebenbei nicht zu Unrecht als ‚devoid of any meaning‘ charakterisiert hat.)

    Mein persönlicher Moment des Erwachens war dereinst eine Informationsveranstaltung großer Münchner Verlage. Carl Hanser, Piper, Langenscheidt, alle waren sie da. Jeder präsentierte sich als *die* Macht am Verlagshimmel, groß und vermögend, aber Volontären mehr als 1000 Euro brutto im Monat zahlen war leider trotzdem nicht drin. Nie werde ich den indignierten Blick der Verlagsvertreter vergessen, als einer der zahlreich erschienenen Bauern aus der Gosse, pardon, dem Publikum, zu fragen wagte, wie man mit einem solchen Gehalt in München überleben sollte. Man könne sich ja Geld von Verwandten leihen, oder zwei, drei Nebenjobs annehmen, lautete die Antwort. Das war der Augenblick, in dem ich gegangen bin. Aber anhand der Blicke des Publikums konnte ich sehen, dass für jeden, der die 1000 Euro ablehnte, sich fünfzig andere um die Stelle geprügelt hätten, sogar für die Hälfte, wahrscheinlich gar für umsonst. Wie eine Meute von hungernden Hunden, denen jemand gönnerhaft einen Knochen hinwarf.

    Ja, die Zeiten sind hart. Ja, ein Vollzeitjob für 1000 Euro bei abgeschlossenem Studium ist Ausbeutung. Aber solche Verhältnisse sind auch möglich, weil man zu spät wirklich über die Zukunft nachgedacht hat, zu wenig wusste über die Verhältnisse da draußen, jenseits von Schule und Uni, und schließlich glaubte, es gäbe keine Alternative mehr als den unterbezahlten Job als Texter, Schreiber, Facebook-„Experte“. Es gibt immer Alternativen. Es gab sie immer. Aber die Millennials wissen das nicht, deshalb wursteln sie vor sich hin, ohne Blick in die Zukunft, ohne eine Ahnung, wie es ihnen in zehn, zwanzig Jahren besser gehen könnte, und wie sie dahin gelangen könnten. Das Jammern ist ein Versuch, der Tretmühle zu entkommen – ich konnte mir nicht selbst helfen, deswegen müssen mir jetzt andere helfen.

    • "ein Vollzeitjob für 1000 Euro bei abgeschlossenem Studium ist Ausbeutung"
      Nun, so mancher Absolvent einer Fach- Hochschule scheint mir mit 1.000 Euro schon deutlich überbezahlt zu sein. Nicht persönlich gemeint.

    • @Ein Millennial - Zu wenig über die Zukunft nachgedacht,
      das dürfte das Dilemma sein. Ich war noch 13, als ich im Februar 1960 das vierte Zeugnis in Folge mit 2 Fünfen in Mathe/Algebra bekam, mir ausrechnete, das nächste dürfte evtl. 3 Fünfen und ich eine Ehrenrunde haben. Dem Klassenlehrer mitgeteilt, ich höre auf. Wissen deine Eltern das? Ja. Die hatten zwar keine Ahnung, sagten aber auch nichts, als ich nach Hause kam, nie wieder Schule. Was willst du denn jetzt machen, nicht ins Büro, Tierpflegerin. Der nächste Zoo war in Hannover, man musste 16 sein, war also nichts. Arbeitsamt, Bewerbungen und noch immer keine Ahnung, was ich werden wollte. Dann erinnerte sich mein Vater an eine Anzeige unseres Anwalts, der einen Lehrling suchte. Anwalt? Hörte sich gut an, also hin, der Anwalt hatte schon ein Lehrmädchen, aber sein Assessor auf dem Weg in die Selbständigkeit noch nicht. So kam ich in die Lehre als Anwalts- und Notariatsgehilfin und es hat Freude gemacht.

      40 DM im ersten Jahr, davon gingen 3 Monate lang 30 DM für Steno- und Schreibmaschinenkurse weg. Aber immerhin, ich hatte 10 DM für mich, Wahnsinn. 60/80 DM 2. Und 3. Lehrjahr. Nach der Lehre 250 brutto/220 netto, wovon meine Mutter eiskalt die Hälfte abkassierte. Dann vier Jahre bei der Stadtverwaltung/Kämmerei, immerhin zahlten die 387,20, unterste Stufe BAT10, bis ich mir den Haushaltsplan genauer ansah und meckerte. Daraufhin wurden wir Mädels wie die Männer nach BAT7 eingestuft. Ich habe ständig überall nach Arbeit gefragt, wurde wie ein Fabelwesen angesehen, der Personalchef hat bei meiner Kündigung geweint.
      Viereinhalb Jahre in einer Druckerei, dort zu meiner eigentlichen Arbeit das Korrektorat ein- und durchgeführt (die Druckerei hat das heute noch) und meinen späteren Mann kennengelernt. Der war Prokurist in einer kleinen Düsseldorfer Werbeagentur und im April 72 fing ich in der Agentur an. Dort war ich Kontaktsekretärin, hatte keine Ahnung, was man als solche eigentlich macht, gefragt. Nägel lackieren… Hä?

      Aber ich doch nicht, ich wollte arbeiten. Ich war 33 Jahre in der Werbung, habe es geschafft, einen großen Kunden 27 Jahre lang zu betreuen, die Etats wurden im Laufe der Jahre durch Hinzunahme anderer Agenturen zwar weniger, aber immerhin betreute ich den ersten und auch größten Etat über drei versch. kleine Agenturen bis zum Schluss meiner Berufstätigkeit, in der ich jede rumliegende Verantwortung übernahm und quasi „Mädchen für alles und für keine Arbeit zu schade“ war.

      Telefonistin, Sekretärin, Kontakterin, Produktionerin, Abrechnung, Mediavertretung, zur Not auch Vertretung im Atelier des AD und als Arschkarte 6 Jahre Geschäftsführerin. Bis sich meine Chefs insolvent rechneten, ich mich dann selbständig machte, der Kunde unterdessen Bayer hieß, es zwar eine Ehre war, für den zu arbeiten, aber Geld war nicht mehr zu verdienen. Das war’s dann und ich mit 59 Jahren zu alt für den Arbeitsmarkt.

      Ein ähnlicher Werdegang müsste auch heute noch mit etwas gutem Willen, wirklich etwas zu tun, drin sein. Der Spaß kommt mit der Freud‘.
      Ich habe nichts bereut und wundere mich über junge Leute, die mit 25 noch nicht wissen, was sie eigentlich machen sollen.

    • @ an den Millennial. Heine und die Heinis ...
      „Hätt’ er gelernt was Rechtes, müsst er nicht schreiben Bücher.“

      So sprach einst Heines Onkel.
      (Unnötig zu erwähnen, dass Heine tatsächlich eine Lehre in einem Bankhaus hatte absolvieren müssen, nur dichtete er halt lieber. Und dass die Atmosphäre bei Heines Onkel erdrückend gewesen sei.)

      Diese ganz tollen, immer noch lukrativen Ausbildungen:
      Es kann halt nicht jeder Mathe, da scheiden schon einige Fächer aus.
      Nein, ich will das Schreiberlingsheer nicht entschuldigen.

      BWL – meine das Marketing-BWL – ist schon längers ziemlich überlaufen. Da gewinnt man ebenfalls keinen Blumentopf mehr. Trostlose Situation. Bei einer Banklehre wäre ich mittlerweile ebenfalls vorsichtig in der Aussage ;-)

      Es bleibt immer noch das Handwerk. (Nicht in allen Gebieten golden, Gebäudereiniger schwierig.)

      Wer zwei linke Hände hat wie manche unserer lieben Weltverbesserer, der fliegt halt schon im ersten Lehrjahr raus.

      Die Erziehung ists (oft)

      Da rächt es sich vielleicht, dass der mittelständische Herr Papa für jeden Pipifax (Schalter hinmachen, Syphon reparieren, eine Tapete kleistern) immer stolz hat Handwerker kommen lassen („wir können es uns leisten!“). Wie sollen Sohnemann und Töchterlein das je können, wenn sie es nicht vom Erzeuger oder der Erzeugerin beigebracht bekommen und manchmal auch müssen. Die Rache der guten Geburt ,-)

      Auf frag.mutti.de ist das ganze studentische Elend versammelt.

      Viele der verwöhnten Dahinsurfenden wissen nicht, was eine Lüsterklemme ist, kaum einer kann einen Syphon reparieren. Vom Kochen, das nicht Aufwärmen bedeutet, red‘ ich mal gar nicht. Vielleicht kann man ihnen behutsam erklären, dass das Weltverbessern im Grunde damit anfängt, seine eigene kleine Welt ohne große fremde Hilfe in Ordnung zu halten.
      ;-)

    • Jetzt haben Sie es aber spannend gemacht
      Offen und ehrlich und nachfühlbar beschrieben/geschrieben. Danke. Aber wie ging es (vorerst) weiter? Ich bin neugierig geworden und Ihre Andeutung am Ende ist (mir) zu knapp.

      Gruß

      Don Magnifico

    • @Don Magnifico - meinten Sie ggf. mich mit Ihrer Frage?
      dann will ich das vorläufige Ende noch kurz ausführen.

      Ich hatte nach Erhalt der Kündigung im Dez. 2001 schon halbwegs entschieden, nachdem das Arbeitsamt mir, 56 Jahre alt, auf neue Arbeit keine Hoffnung machte, mit 60 in die vorgezogene Altersrente mit 18% Abschlag p.a. zu gehen. Die nun möglichen Bocksprünge sind entsprechend, zumal ich in diesem Leben nie gespart habe.
      Ich wollte nie nicht in die Rente, arbeiten bis ich tot umfalle, meine Jungs (Kollegen) mich raustragen, aber das war wohl nix :)

      Nun höre ich TDV schon wieder lästern, aber jeder lebt sein Leben und ich würde es grad nochmal so machen.

    • @Renate
      Da gibts nichts zu lästern. Unsere Generation ist mit der Illlusion der Kontinuität aufegwachsen und es war eine schöne Illusion. Wie ich gerade beim Besuch meines Sohnes inkl Enkel bestätigt fand, hat seine Generation die Illusion nicht mehr und wird denn auch nicht enttäuscht.
      Das freut mich, denn ich habe sie ja auch spätestens mit 30 abgelegt und nur Tag für Tag gelebt. Es ist ein alter religiöser Trick. Wer der Existenz vertraut, um den kümmert die sich schon. Ein Mangel an Ehrgeiz ist da recht hilfreich. Wer der Angst den Vorzug gibt, bleibt im Hamsterrad stecken.

      „Nur, weil man im Leben keinen Erfolg hat, braucht man sich noch lange nicht für einen Idealisten zu halten.“
      Henry Miller

      Ich hoffe für Sie, Sie geniessen ihre Tage?

    • @Renate
      Jetzt ist es mir weggeflutscht….. dabei gabs da ja noch:

      „Ich habe nichts bereut und wundere mich über junge Leute, die mit 25 noch nicht wissen, was sie eigentlich machen sollen.“

      Mich kann man mich fast 70 noch fragen und die Antwort wäre noch die Gleiche… „Darüber mache ich mir Gedanken, wenn ich mal erwachsen bin…“
      Jetzt wohne ich in München, in Koh Samui, und in meinem Haus in Tokyo. So ein Leben als Total Versager kann ganz nett sein….

    • Tyler, erwachsen werde ich in diesem Leben wohl auch nicht mehr
      und das ist das eigentlich Schöne an unserer Generation. Wir haben nur noch wenig (oder wie Sie keine) Illusionen, ein paar hebe ich mir noch auf, man weiß ja nie und irgendwem etwas beweisen müssen wir schon lang nicht mehr. Nicht mal mehr uns selbst. Das macht einen im Alter doch heiter und gelassen und hin und wieder fürchterlich albern, so dass ich oft genug meine, doch erst 25 zu sein und nicht in drei Wochen die 70 voll zu haben.

      Mit der heutigen Jugend tu ich mich etwas schwer, gut, ich habe auch nicht gezielt gewusst, was ich werden will, alles ergab sich irgendwie, ohne je ein Zeugnis vorzeigen zu müssen (wird an meinen blauen Augen gelegen haben ;-). Ich hatte Ehrgeiz, wenn auch nicht in der Schule und die Konditionierung durch meinen Vater.

      Der religiöse Trick war mir fremd, hätte ich ihn gehabt, wer weiß. Allerdings hatte ich nie Angst, nicht vor Gott und der Welt und schon gar nicht vor meinen Chefs, wäre ja noch schöner gewesen :) Ich konnte immer mit dem Bewusstsein arbeiten, die brauchen dich, nicht umgekehrt, zuletzt bestätigte mich mein Kunde in der Auffassung. Das hat sich wohl geändert oder änderte sich nur das Bewusstsein?
      Das wäre eine Frage, die wir mal erörtern könnten.

      Ich höre von einem Bekannten, die 24jährige Tochter studiert irgendwas, interessiert sich nicht für Politik und Weltgeschehen, nicht für eine vernünftige Wohnung, Autos wollen die Jungen eh kaum mehr, man lässt sich ziel- und interesselos treiben und verplempert die Zeit. Das finde ich sehr schade, diese Jahre bringt einem nichts wieder zurück und das mag man später bedauern.

      Wir waren in dem Alter politisch interessiert, womöglich engagiert, ich gebe allerdings zu, dass es Jüngeren durch die elend langen Kohljahre und nun schon wieder ewig Merkel ziemlich vermiest wird, man kennt ja nichts anderes. Wir hatten es da wohl doch besser, so oder so.

      Und ja, ich genieße meine Tage, heute scheint die Sonne, ich werde mich gleich raussetzen und lesen, Kohlmeises die Laune vermiesen, die sich noch immer überlegen, ob sie hier brüten wollen oder nicht, mich anmeckern werden, weil ich mich nicht vertreiben lasse, ich wohne schließlich hier und zahl die Miete, mir ein Stück Apfelkuchen schmecken und den Herrgott einen guten Mann sein lassen.

    • Interessant, Danke!
      Ist doch mal nett, auch was Persönlicheres der Damen und Herren Kommentatoren erhaschen zu können. Das gibt eine ganz andere Duftnote als bei tagesschau (Prolls), SPON (Selbstgefälligkeit bis zum Erbrechen), ach, nein, die meisten Medien offerieren ja nur beschränkte Kommentare oder gleich gar keine.

      Beim Mutterschiff gibt es vereinzelt Kommentarmöglichkeiten zu den Langweilerartikeln, wie z.B. ‚Streuselkuchen mit oder ohne Sahne?‘, ‚Die Grünen als Volkspartei‘, ‚Der Unterschied zwischen Peter and Sigmar Gabriel‘.

      Und hier kommen echte Menschen zum Vorschein. Dürfte KGE et al gar nicht gefallen. Denn für die sollen Menschen nicht Individuen sein, sondern funktionierende Roboter die sich weigern unter Glühlampenlicht zu arbeiten und alle Bäume fällen, so sich dort stattdessen ein sogenanntes Flüchtlingsheim erbauen lässt.
      Und der, sollte jemand wagen einem sogenannten Flüchtling kriminelles Tun nachzusagen, sofort mit blecherner Stimme ruft: „Einzelfall, bedauerlicher Einzelfall, du Nazi!“

    • @Renate
      Renate, auch wenn sich die Homöopathie Verächter jetzt auf den Schlips getreten Fühlen… Stiere, wie wir beide, haben im Leben nun mal die Hauptaufgabe eben dieses zu geniessen… bis zum Schluss… ohne schlechtes Gewissen.
      Gönnen sie sich einen schönen Geburtstag.

      PS: Wenn sie einfach mal prinzipiell davon ausgehen, dass es in der Regel immer nur das Bewusstsein ist, das sich ändern, dann liegen sie zumeist richtig

      Gönnen sie sich einen schönen Geburtstag.
      Als Geschenk probieren sie mal was gegen diese Fremdheit: „Der religiöse Trick war mir fremd!“ Sie werden es lohnt sich, wetten?

      https://www.youtube.com/watch?v=6D7rWLzloOI&list=PL63EF22F08C767412

  16. Ein Prosit der Gemütlichkeit
    Und sie sind sicher, dass das noch sehr lange so weitergeht? Ich meine Länder, in denen die eine Hälfte beim Staat arbeitet, und davon ein großer Teil so, in der Sonne Buch lesend.
    Ich verurteile diese Art von Arbeit auf keinen Fall, Ihre Schilderung macht diesen Bücherwurm sehr neidisch. Es ist bloß einfach ökonomisch überhaupt nicht lebensfähig. Und wenn dieser Lebenswelt der finanzielle Stecker gezogen, dann will ich sehen, wieviel Grazie und tiefenzufriedene Bescheidenheit übrig bleibt.

    • Es gibt dazu keine Alternative. Ich las hier einen Beitrag, die Italiener würden die Flüchtlinge nicht integrieren – wie soll das gehen bei 20 Prozent Jugendarbeitslosigkeit? So läuft es eben immer weiter. Es ist ein Elend. Aber es hat schöne Seiten.

    • 20% Jugendarbeitslosigkeit
      Liegt darin nicht die Erklärung? Wir können vom hohen Ross soviel spotten über Milennials mit Bachelor in Brotloser Kunst, die sich in Projektarbeit und Praktika abstrampeln. Aber sie strampeln und kämpfen für eine Chance und nach ein paar Jahren sind die meisten angekommen. Viele dieser Milennials machen dann die gleiche Erfahrung wie Leute vor ihnen: man kann sich durch Beharrlichkeit auch Chancen erzwingen.

      Daneben lege ich eine Kultur, in der es die Alternativen sinecure beim Staat oder Jugendarbeitslosigkeit bis ins hohe Alter, aber im kuscheligen Mief der Familie gibt.

      Ich halte Fatalismus nicht für eine moralisch höherwertige Einstellung und ich habe Zweifel, ob die Zufriedenheit ewig hält.

    • Ich sehe kein Strampeln, ich sehe nur Mimimi von verwöhnten Akademikerbratzen, die ihr Schicksal für das Schlimmste halten.

    • @ D. A.
      „Verwöhnt“ ist m. E. nicht das Problem, oder – ggf. eine Facette davon. Was hat der Kaspar Hauser davon, wenn man ihn fett füttert?
      https://de.wikipedia.org/wiki/Als_wir_Waisen_waren

  17. Geschichte
    Geschichte hat man, hat jeder. Leider hat Deutschland halt nur jene unsäglichen 12 Jahre. Nichts worauf man stolz sein könnte, nichts woraus sich so etwas wie Lebensart ableiten ließe. Das macht unzufriedene Gesichter, besonders bei denen, die von Mami immer gesagt bekamen sie könnten „alles sein“.

    Die Welt ist ungerecht. Deutschland hat die hohen Ideale, die man notfalls mit Gesetzes- und Vertragsbrüchen umsetzt; Italien hat die hohen Temperaturen, und die Menschen die das Leben zu nehmen wissen.

    Die Lektüre war ein Genuß, lieber Don. Ich weiß es zu schätzen, daß Sie Ihr Dolce Farniente dafür unterbrochen haben.

    Buone Vacanze!

    • Das hängt halt in Deutschland vom Ort ab. Bei uns daheim ist die Tradition sehr stark, woanders hat man sie abgelehnt, und das rächt sich jetzt. Dann noch Berlin, die Leute dort, und die preussische Geschichte – die Regierung hätte in Bonn bleiben sollen. Das wäre schön geworden.

    • Die Bonner Republik hatte zwar auch ihre Schattenseiten,
      aber es freut mich doch sehr, daß auch andere ihr nachtrauern. Die Zeiten der Streusandbüchse waren und sind aber dennoch Geschichte, oder?

    • Bon Bonn
      Sehr geehrter Don,

      lassen Sie mich bitte einen Böhmermann „pullen“: Hinisichtlich Bon und Berlin: ich sehe nur Mimimi von verwöhnten …bratzen, die ihr Schicksal für das Schlimmste halten“.

      Schöne Beobachtung, von fefe verlinkt: http://www.tagesspiegel.de/politik/erdogan-boehmermann-und-die-satire-der-beste-witz-das-sind-wir-selbst/13418440.html

      Erstens kams so (und die meisten Berliner hätten es ganz gut auch Bonn bleiben können – wir Ureinwohner haben uns nicht darum gerissen), und zweitens isses, wie wir hier sagen, eben so.

      Wir ärgern uns hier eher über desolate Situationen an Schulen, wo sich keiner für absurde hygienische Zustände interessiert. Der Hausmeister darf und will nicht, und die Eltern wollen einen Reinigungskraft bezahlen und dürfen nicht. Und es fehlen nun überall Schulplätze. Die wunderbar vorhandene Struktur (aber Vorsicht: Auch hier gilt „Autobahn“ – so a la wir nutzen zu gern die von der DDR geschaffene Kinderbetreuungsmöglichkeiten, die immer noch Welten besser ist, als man es woanders hat) gegen alle Warnungen, aus Sparwahn zerschlagen. Damals sagte man: Es wäre nachgewiesen, dass nicht genügend Kinder kämen (wir reden hier von Prenzlauer Berg/Pankow), nun erklärt man, dass die Schulräume nicht reichten, aber Neubau ginge auch nicht, denn es wäre nachgewiesen, dass nicht genug Kinder kämen…

      Es sind die absurden Verhältnisse, und nicht eine irgendwie besondere Jugend (die schon immer schlecht war).

      Haben Sie eine richtige Grande Toure erhalten? Beneidenswert, denn die kann ich leider nur per Wiki-Travels unternehmen, wobei diese Zeitreisen umfasst. Zum Römischen Reich gibt es sehr viele gute Artikel und man kommt kaum aus dem Staunen. Und würde gern, allein die Finanzen… (meine Frau war in ihrer Jugend oft in Italien, schwärmt und wir wollen seit Jahren…).

      Generation 1000 Euro: Das erste Mal las man davon in Zusammenhang mit der Bekundung eines großen französischen Automobilherstellers, sich zukünftig vor allem auf das Carsharing zu stürzen. Die Generation 1k € würde nicht mehr genug verdienen, um sich Autos leisten zu können. Aber da auch hier in Berlin immer mehr Stellenangebote auftauchen, die meist nur grotig bezahlt sind, kommt vielleicht doch bald Zug in die Sache und es kommen Zeiten, wo sich wieder mehr Chancen für Junge eröffnen. So, wie vor 50 – 40 Jahren, als noch jeder halbwegs Talentierte halbwegs interessante und lukrative Stellen fand (und das war in Ost und West sehr ähnlich, wie sich überall an Hand der Erzählungen der Eltern erfahren lässt – ein Onkel: „Wir arbeiteten in der großen Stadt, was unsere Eltern nie gekonnt hätten. Wir hatten Stellen, die unsere Eltern nicht hätten haben können. Wir verdienten Geld, das unsere Eltern nicht verdienen konnten. Wir mussten uns im Gegensatz zu Euch nie verteidigen.

      Haben Sie noch eine schöne Reise! Voller Vorfreude auf die weiteren Berichte und mit vielen freundlichen Grüßen aus der ewigen Hauptstadt (Kaiserreich usw.) – azur

      PS: siehe auch „Berliner Zeit“ in: https://de.wikipedia.org/wiki/Ortszeit
      Auf das meiste haben die meisten keinen Einfluss. Kenne zwar welche, welche die Hauptstadtfrage mit entscheiden durften, aber die allermeisten die ich kenne, haben es hingenommen, wie es von anderen entschieden wurde. Aber das sagen wir nicht Mimimi, sondern nehmens mannhaft. Und nun schicken wir den Böhmermann wieder zum Lachen in den Keller (steht der eigentlich auch für so etwas wie eine Generation?).

  18. Signor Trek
    Nach Suvereto? Wirklich? Via Castagneto? Dann vielleicht noch hoch

    nach Monterotondo? Ohja. Sagen Sie Bescheid, ich pack das TREK ein

    und fahr runter – mich zieht es sowieso da runter. Treffen bei Zi Martino

    Ecke Castagneto-Lamentano, er fährt Rad, seine Söhne auch. Danke für

    den Text. Besser geht`s nicht.

    • Gern geschehen. Ich mache das vielleicht als Training für die L’Eroica in der letzten Aprilwoche.

    • ZI Martino
      ist ein guter treffpunkt, der hat nur nicht immer offen………..hoch nach Sasseta und dann weiter in die hügel mit den wärmekraftwerken…………..in Sasseta dann auch in das restaurant zum heiligen wildschwein (so habe ich es getauft), da kocht noch der chef, sehr abgelegen und ohne pakistanis (gegen die ich nichts habe, aber die sollen in sepp blatters pizzeria in zollikon kochen).
      nirgends wird wohl das tier so verehrt wie hier, ein stilechtes lokal.

      retour dann noch in bolgheri vorbei und durch die weinberge

    • Leute, hört auf!!!
      Habe den Text und die Kommentare vergnügt gelesen. Aber jetzt kommt ein wenig Neid auf….. :-)

  19. Auf nach Italien!
    Leid tun einem dort weniger die genießerisch im Schatten der antiken Säulen bei Minimallohn schöngeistige Literatur lesenden Wärterinnen, denen sei es gegönnt, sondern die wirklich zahllosen und herrenlos an den antiken Denkmälern und Ruinenstädten – etwa Pompeji – verlaust herumstreunenden Hunde und Köter auf der Suche nach einem barmherzigen Herrchen, vor denen man dann hartherzig die zu Mitleid neigenden Kinder aus dem unterkühlten deutschen Norden nicht nur wegen Ansteckungsgefahr zurückhalten muss … Dieses Problem – egal wie – kriegen die mit „mit wenig Zufriedenem“ und „carpe diem“ frönenden Italiener offenkundig überhaupt nicht in den Griff, im Gegenteil, sie ignorieren es in ihrem mit „unendlichen Mengen an Museen und Kulturgütern“ und ihrem „ebensolche Mengen an Personal“ ausmachenden Land einfach. Zustände halt, wie im „Alten Rom“.

    • Ich stand vorgestern vor einer Madonna eines Ducio-Schülers, 1326, in einem einfachen Rahmen an einem Haken an der Wand, in einer Dorfkirche, und zwischen mir und dem Auto war nur auf der Piazza ein alter Mann mit Stock.

      Italien hat einfach Unmengen. Und Pompeji liegt leider bei Neapel.

    • "Zustände halt, wie im „Alten Rom“....
      nur dass die heutigen Römer dazu keine Sklaven mehr benötigen sondern eher auf ihre Jugendlichen, die nicht Agnelli oder Antinori heißen und auf Migranten-und Migrantinnen zurückgreifen, wie Don das ja schon anhand der Fazzoletto-Commercianti unter zugigen Arkaden geschildert hatte. Wer sehen kann, der sehe morgens und abends den Anmarsch und Auszug der Tagelöhner an der südlichen Ausfallstraße Roms verso Anzio.
      .
      Dass der von mir aus dem FAZ-Forum ehemals geschätzte H.P.L. (und anderer) nun auch hier erscheint zeigt die ganze Misere berlinhöriger Jungjournalisten bei ihrem selektierenden, bestimmt nicht befriedigenden Auftrag, nur nicht allzu viel Frust frei in den Äther zu lassen.
      .
      Natürlich hat ER recht, mit den Hunden und dem allgemeinen Verhältnis unserer mediterranen Freunde zu Tieren. Das zeitweilig deutsche Verhältnis zu Menschen sollten wir bei dem schönen Grundthema hier aber weglassen. Auch nicht alle Deutschen sind lieb zu Tieren. Ich erinnere mich mit Grausen an einige Wochen Aufenthalt während meiner mil. Dienstzeit auf Sardinien als dort die damals langhaarigen, mit einer Art Zwiebelsack auf dem Kopf versehenen dienstverpflichteten Prolls die zahlreichen bedauernswerten Wesen mit Sprühdosen in den Farben der Kanzlerinnen-Kette in running flaggs verwandelten. Besonders vor Länderspielen.
      .
      Dagegen, gerade kürzlich im Kleinasiatischen erlebt, eine Horde von Busfahrern die sich glucksend wie Truthähne daran erfreuten als ein der Teppichvorführung entronnener Deutscher oder Däne einem Hund sorgfältig das entzündete sabbernde Auge reinigte.

    • Köter und Pompej
      Die armen, brutal vernachlässigten Hunde und Katzen!
      Die werden noch in zweitausend Jahren da sein.
      Ganz anders als die tierärztlich höchstversorgten
      Fifikackis in transalpinum.
      Zwegns Evolution nemmlich.

  20. Zufriedenheit. Kuldur ey!
    Schön, dass der Don entspannt und zufrieden ist.

    Deutsche Medienheinis, zu denen man selbst gehört – vormals bekannt als Journalisten – mit italienischen Kartenknipsern zu vergleichen, ist mal ein richtig hübscher und unterhaltsamer Kategoriefehler. Kann unter der lieblichen Sonne und den linden Frühlingslüften passieren, kommt vor.

    Wie sieht es denn aus mit den italienischen Journalisten? Wie geht’s denen denn so? Sind die alle so entspannt, zumindest entspannter als die unentspannten, dauerintrickanten, dauernörgelnden deutschen? Die müssen nicht kämpfen (nach dem Motto aller umkämpften Berufe „viele fühlen sich berufen, einige sind angezählt“)?

    Da wäre ich doch sehr erstaunt, dass diese im Beruf, wenn sie an ihre Zukunftchancen denken, lebensfreudiger, entspannter und weniger selbstmitleidig wären.

    Aber ich kann mich täuschen. Kann leider keinen italienischen Twitter lesen, wo die sich bei billigem Barolo und billigen Tüten-Barilla-Pasta tummeln täten, sich gegenseitig im Natternschwarm der Berlusconi-Lügenpresserei bezichtigen und woran man das sehen könnte, dass die banausig und hinterkünftig twittern. Nennt man das dann Twittoria?

    • Journalismus in Italien ist ein ganz eigenes Thema, aber mir geht es da wirklich speziel über das Medienprekariat, das seinen feministischen Spin irgenwo bei einer Propagandaseite im Netz abschreibt und vor allem mit leeren Pizzakartons schläft.Bloss kein eigener Gedanke, immer das bringen, was Buzzfeed und Jezebel schon vorgekaut haben, stramm linksbizarr und stets nach Bevorzugung plärrend, und die eigenen Beleidigtheiten in den Mittelpunkt stellend. Siehe Beiträge a la „Hass im Netz – wieso sind alle so gemein zu mir, wenn ich sie als Nazis bezeichne?“

    • das ist enttäuschend
      …“ Bloss kein eigener Gedanke, immer das bringen, was Buzzfeed und Jezebel schon vorgekaut haben,…“

      Und das lohnt sich nicht, dieses total an den Mainstream angepasste
      Verhalten?

    • Kaffee
      Zitat:
      Siehe Beiträge a la „Hass im Netz – wieso sind alle so gemein zu mir, wenn ich sie als Nazis bezeichne?
      Zitat Ende.

      Vielen Dank für diesen Spruch!
      Ich habe mir grade meinen Morgenkaffee über das T-Shirt und dem Tisch verteilt. ;)

  21. Wieder was gelernt…
    Wieder was gelernt…

    Es ist also angenehmer in Italien reich zu sein als in Deutschland?
    Natürlich verstehe ich, dass man als Erbe nicht sonderlich oft das Bedürfnis versteht, über einen Zusammenhang zwischen Gerechtigkeit im Allgemeinen, ökonomischen Zwängen und der Vermögenssteuer nachzudenken, aber so mancher der Verspotteten würde tatsächlich lieber anderes machen was aber wegen gewisser Zwänge der realen Welt nun mal nicht möglich ist.

    Ich weiss nicht warum, aber mir will einfach diese Idee nicht aus dem Kopf gehen, dass man mit dem eingesammelten Steuergeld vielleicht dafür sorgen könnte, dass ALLEN Bürgern eines reichen Landes ein gewisses Mass an Lebensqualität zusteht. Warum man ausgerechnet bei denen, die fast nichts haben, diesbezüglich auf Eigenverantwortung besteht, während man bei vermögenden Erben schon mal gern darüber hinwegsieht, dass die es ja nicht gerade in „Eigen“verantwortung erworben haben…?

    • Die Frage ist da, wie man „Reich“ definiert. In Italien sind meistens die Familien reich und weniger Einzelpersonen. Die haben dann auch einen enormen Einfluss, vor allem deshalb, weil ihnen viele verpflichtet sind. In Deutschland ist das schon deutlich anders, da ist Reichtum und Einfluss mehr getrennt. Allerdings ist der Reichtum in Italien sehr bedroht von der Globalisierung.

    • Nicht missverstehen
      Ich hab nichts gegen Reichtum, auch nicht gegen den anderer Leute….

      Ich will lediglich ein Mindestmass an Lebensqualität auch für die ganz unten…. und ganz normale Steuersätze die ganz oben. So wie es bei den Kommunisten Adenauer Ludwig Ehrhardt oder auch Ronald Reagan mal war.

  22. Pingback: Berliner Medienprekariat: Unterbezahlung als gerec... - mediareloaded

  23. Siena - Zeit zum Nachdenken und zum Geniessen
    Siena ist ein Gesamtkunstwerk; ein gut vorbereiteter Besuch mit Musse ist ein Geschenk an sich selbst.

    Es gibt so viele gute Reisefuehrer und Berichte, weswegen ich nur zwei meiner Lieblingserinnerungen erwaehnen moechte.

    Die „Allegorie des Guten (und Schlechten) Regierens“ im Rathaus, heute so gueltig wie damals, ein beeindruckendes Bild. Moeglicherweise ein Zugang ueber die Kunst, um die Objekte unseres sonstigen Gedankenaustausches an diesem Platz zum Nachdenken zu bringen .

    Der unvollendete Domausbau und die erhaltene mittelalterliche Stadt und Sozialstruktur mit den Contraden erinnert an den tiefen Fall einer damals fuehrenden Weltstadt durch ein (neusprech) „black swan“-Ereignis – den schwarzen Tod (Entschuldigung, ich konnte dem billigen Wortspiel nicht widerstehen).

    VANITAS! VANITAS!

    Neben all der Schoenheit regt der Siena-Besuch mE also auch zum existentialistischen Reflektieren an. Dazu findet man sehr viele einladende Ecken und Plaetze. Ich sass gerne am Marktplatz und im kleinen Garten des Palazzo Ravizza.

    Ich wuensche weiter eine erfuellende Fruehjahrsreise durch die Toskana.

    • Die Kontraden und ihre Geschichte erklären sehr schön, warum eine Europapolitik mit 28 Twilnehmerstaaten und eine mächtoge Oligarchenkommission nicht funktionieren werden. In Siena hat Florenz übernommen. Bei uns wird es?

    • Zum einlesen
      Zu den Contraden gibt es eine ziemlich amüsante Mischung aus Krimi und Gruselgeschichte: „Der Palio der toten Reiter“ von Fruttero & Lucentini – als Einführung gut geeignet, und für die Kenner eventuell noch ein paar Anspielungen…

    • @DA - wer wird Europa uebernehmen
      Nach den Ereignissen, die in den kommenden 5 Jahren Europa (EU, EURO) zerbrechen lassen, oder zumindest weiter extrem schwaechen werden, tippe ich auf eine wirtschaftliche Uebernahme durch China und die USA.

      Die Aufteilung der Welt unter den verbleibenden 2 hegemonialen Wirtschaftskraeften vollzieht sich seit einiger Zeit. Europa ist bereits stark geschwaecht.

      Nach der naechsten Weltwirtschaftskrise (innerhalb der naechsten 2 Jahre) wird Europa endgueltig den Anschluss verlieren… mit den entsprechenden poltitischen, wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen.

      Es ist dabei wichtig, als „sehendes“ Individuum sich bei der Gestaltung Deutschlands und Europas weiter zu engagieren – aber eben auch den Raum fuer Entspannung, Ruhe und Genuss zu schaffen – sonst wird es wohl unertraeglich.

      Italienreise im Fruehjahr: sehr gute Wahl!

  24. Endlich, Don-und danke.
    (fast) alle Bilder mit sofortigem Wiedererkennungswert, Cattedrale di Santa Maria Assunta, Dom zu Siena, dessen zahnlückige Reliquie von Santa Chiara nach 30 Jahren noch kalte Schauer erzeugt. Die Theaterthermen von Volterra und Chiesa San Giusto in Volterra. Das weckt Erinnerungen an Zelturlaub gleich bei Le Balze, damals, als man noch ganz bescheiden Jetta 1 fuhr.
    .
    Ob sie in 20, 30 Jahren immer noch so gern nach Italien kommen werden? Das hängt m.E. evtl. davon ab, ob wir weiterhin und längerfristig den parlamentarischen Schlafsaal an der Spree im Dösemodus belassen. Leider muß ich das sagen, denn ein Italienurlaub ist ja auch immer vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Umstände zu sehen. Aber eines ist mir völlig wurscht-und zwar ob die dicken smartphonewischenden Kinder dereinst lustlos pommes-und pizzaauflagenverstreuend durch Lucca, Livorno, Asciano oder Poggibonsi schlufen und ihre dämlichen Bemerkungen machen werden, die ihre Buffone-Eltern mit allerlei Fake-Markenzeichen vom Vietnamesen aus Tschechien-und bemüht bildungsfern, richtig erkannt, heute schon loslassen. Den Italienern wäre zu wünschen dass nicht.
    .
    Übrigens, mit den Insassen der Kassenhäuschen denkt die italienische Arbeitsverwaltung an Studenten und Studentinnen sowie Leute die mehrere Arbeitsstellen benötigen um über die Runden zu kommen. Daher auch auf den Autostrade noch richtige Menschen in den Raubritterstationen, so mit „buon giorno, grazie und arriverderci“. Denn nicht jeder in Italien verdient dort so gut wie die Camionisti welche, heftig retardierend und angsteinflößend, die Viale XX Settembre in Carrara herabdonnern und sich unten beim Wirt im Marmorlager jeden Mittag Lardo di Colonnata an Meloneals Vorspeise leisten können.
    .
    Ein letzter Satz noch, verehrter Don, den niederländischen Entscheidungen am 6. April messen Sie eine völlig unangemessene Bedeutung zu. Sie werden sehen.
    .
    Ich hol´mir jetzt für den Nachmittag Goethes Italienreise und einen Seume-Reisen-Bildband in schwarz-weiß aus dem Bücherregal-und hoffe ihrerseits auf weitere erkennungsdienstlich zu behandelnde Photographien aus dem Land, wo die Zitronen blühn…und die Maultiere im Nebel ihren Weg suchen.

    • Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Den Bildungsreisenden in jungen Jahren gibt es kaum mehr. Dafür sorgen schon die Lockangebote an den Urlubsorten, etwa Gardaland.

      Ich finde die diversen hilfreichen Hände auch prima, aber sie werden mehr und mehr verdrängt: In den Museen durch Kameras und in den Läden durch Bezahlcomputer. Das ist sehr bitter.

    • Niederlande VORN
      unsere freunde in oranje fahren zwar selten zur WM, sind aber sonst ganz schlau:

      ich messe den entscheidungen des volkes um ex-fussballkönig Johann Cruyff grösste bedeutung bei, ebenso tut dies ja auch frau Harms von der verbotspartei „Die Grünen“, sie fordert wie ich das verbot solcher abstimmungen.

      wo kommen wir da hin, wenn jeder niederläner oder belgier oder, stellen wir uns das vor, jeder grieche seine meinung an der urne abgeben könnte.

    • Ich komme gerade aus Holland zurück - und hab die Infrastruktur
      bewundert, schlaglochfreie Straßen, fast allüberall Prosperität, Wohlstand, Sauberkeit und Chick – und freundliche, zufrieden wirkende Menschen. Dazu dann die Bilder von Jheronimus in S’Hertogenbosch – mit all den Verrückten aus der Zeit um 1500 – die heute genau so Platz haben auf der Welt. Und eine Stadt, der es gelingt, den lang Verstorbenen all überall in Bildern und Skulpturen wieder lebendig werden zu lassen.
      Mein Eindruck nach der Reise: D scheint abgehängt und verludert. Wenig zu sehen, was zielführend wäre und Fortschritt bedeutet, ein drehen im eigenen klein-klein – mit dem falschen Selbstbild, dass wir doch noch irgendwie und bei irgendwas Spitzenreiter wären und deshalb so weiter machen könnten, wie bisher. Nix geht vorwärts – man bleibt im Kleinmaschigen hängen und verstrickt sich in Blödheiten – andere Länder müssen uns ins off stellen, um uns nicht ganz den Geiern zum Fraß zu überlassen.
      Ich glaube, nicht wirklich viele der hier ab September eingereisten sind ins schöne Nachbarland weiter gezogen.

    • „D scheint abgehängt und verludert.“

      Das hängt ganz von der Region ab. Mir als Bayern kam Holland schon etwas patiniert vor, und Belgien ähnlich schlimm wie NRW.

  25. Some guys...
    Ich war vor vielen Jahren zum ersten Mal in Siena, arm wie eine Kirchenmaus (finanzierte mein Studium durch Hilfsjobs), als es noch nicht mal die Busparkplätze am oberen damaligen Ortsende gab. Ich wohnte in einer kleinen Pension in einem Durchgangszimmer, aber es reichte für den Kaffee bei Nannini und das beste Vitello meines Lebens in einem Tschocherl, Eintrittsgebühren gab es so gut wie nicht. Es war nicht die Welt z.B. der Berensons aber ich war nicht weniger glücklich als heute, da ich das alles auch erster Klasse absolvieren könnte. Und ich bin überzeugt bzw. ich weiß, es gibt auch heute noch viele junge Leute, die die Dinge so sehen. „Some guys have all the fun/some guys have all the pain/some guys get all the breaks/some guys do nothing but complain“

    • Nun, es gab frühber eine Generation Interrail – macht das noch jemand? Ich muss ehrlich sagen, dass ich schon ganz gern ordentlich untergebracht bin, aber es müsste nicht das 170-Euro-Zimmer sein, in dem ich gerade bin, eine Pension würde mir wirklich auch genügen. Deshalb freue ich mich auch schon auf meine erheblich schlichteren, zweiten Aufenthalt, der wird dann wieder jung.

      Ich bin schon der Meinung, dass die Italiener es von den Lebenden nehmen sollten, denn anders kann man das alles nicht erhalten. Ich habe heute Bauschäden im Museum von Montalcino gesehen – schrecklich. Banale Dinge wie undichte Dachfenster, aber mit üblen Folgen.
      ?

  26. Alles wahr
    wahr ist aber auch: Nicht nur die Generation H&M ist mürrisch, man schaue sich die Gesichter hinter den Windschutzscheiben in D an. Der Italiener an und für sich ist sonnig, freundlich und unterhält sich über Tomaten, der Deutsche über Preise und Schnäppchen. Wahr ist schließlich auch, dass es in Siena verteufelt heiß sein kann, und dass in Deutschland die Pensionäre und Rentner die Zukunft der geschmähten Generation verspeisen, das Land zugepflastert haben, Merkel und SPD wählen und besseren Jungen die Stellen versperrt haben. Alles im Namen des sozialen Fortschritts.

    • "besseren Jungen die Stellen versperrt haben"
      …das sehe ich doch sehr als dahin gestellt. Schaun Sie sich doch mal um, bei Kienbaum oder Berger – da sind doch all die Jungs und ein paar Mädels – direkt aus der Uni in die Etagen der AGs und inzwischen auch der Politik. Die mal schnell unnachgefragt die selben Fehler (oder noch blödere) noch mal machen, das Gleiche versuchen, was die Alten schon als Missgriff längst enttarnt hatten
      Und von Rentnern zu reden, die die Zukunft der „geschmähten Generation“ verspeisen ist auch recht plakativ. Das war das Versprechen fürs krumm legen gegen sich selbst, das mehr und mehr nicht eingehalten wird und werden kann.
      Versuchen Sie mal, die einen nicht gegen die anderen auszuspielen – viele haben ihr Päckchen zu tragen, bei uns und anderswo. Ich glaube, es geht nicht um jung gegen alt – sondern um ein besseres Miteinander aller.
      Und wenn es schon gegeneinander gehen soll, dann doch eher um die, die drin sind im System und noch mehr wollen und um die anderen, die von den Trögen auf die verschiedensten Arten fern gehalten werden…

      Was werden erst die „besseren Jungs“ machen die neu eingereist sind, wenn sie das spitz kriegen?

    • Es fehlt oft einfach die Reife. Etwas, das ich dauernd zu ignorieren versuche, ist eine dieser sich selbst zur Hochpotenziellen machenden Figuren, die jedes dreiviertel Jahr woanders nicht voran kommt. Würde sie bereit sein, sich mal ein paar Jahre in eine Struktur einzufügen und zu lernen… aber nein, bossy sein ist heute Pflicht und nun sitzt sie also als Freiberuflerin in einem Mietbüro und lernt natürlich nichts. Was soll man da sagen?

    • Verspeisen
      „…in Deutschland die Pensionäre und Rentner die Zukunft der geschmähten Generation verspeisen, … “

      Kommt darauf an.
      Nicht wenige dieser Pensionäre geben gern ab an ihre Kinder und v. a. Enkel, eben diese Generation, die keine Stellen findet.
      Als so egoistisch würde ich sie nicht darstellen.

      Aber es stimmt: Wer von den Kindern, Enkeln will auf Dauer massig zugesteckt kriegen von Oma oder Opa. Sie wollen lieber auf eigenen Beinen stehen. Hat auch mit Menschenwürde zu tun.

      In Italien leben viele Junge noch daheim, weil es immer weniger Stellen gibt. Kann mir nicht vorstellen, dass das ohne Spannungen abgeht – auch in einem Land in dem la familia ganz vorne steht.

    • Ich habe heute eine italienische Familienfeier miterlebt, die von 42 vorbestellten Plätzen auf 70 anwuchs – da dröhnte der Saal.

  27. "Unterbezahlung als gerechter Lohn für Banausen"
    Die Banausen ließen mir denn doch keine Ruhe, aber meine humanistisch geprägte Erziehung liegt eben doch schon so lange zurück und brach, daß ich nicht umhin kam, nochmals nachzulesen.

    Und dann wußte ich auch wieder, warum mir der Titel so seltsam vorkam. Denn all die hochgelobten ItalienerInnen waren ja Banaus/inn/en. Daß deren Unterbezahlung so lobend Erwähnung fand, gar als gerecht empfunden wurde, hatte die in meinem Unterbewußtsein tief verankerte Abneigung gegen die Aristrokratie doch noch wachgerüttelt, den Widerspruch entdeckt.

    • Banause, der: der am Ofen Arbeitende (Wikip.)
      @ Otto Meier
      Dank Ihnen hab‘ ich doch einmal nachgeschaut, woher das Wort Banause überhaupt kommt, mit dem wir hier so rumwerfen. Und da hamwers wieder: Es ist der für Lohngeld körperlich Arbeitende.

      Ich kann nicht behaupten, dass ich dafür wäre, dass körperlich Arbeitende unterbezahlt werden. Ganz und gar nicht!

      Und diese Berlin-Twitteria, nach Don’scher Diktion ‚verwöhnte Akademikerbratzn‘, die rumjammern, sind dann ganz und gar keine Banausen. Sie arbeiten nicht (Schreiben kann, muss nicht Arbeit sein), und am Ofen überhaupt nicht. Man kann nicht einmal mit Sicherheit sagen, dass sie Kunstbanausen seien (der heutzutage am geläufigsten verwendete Banausenbegriff), denn einige studierten ja -öhm – Kunst und geistige Fächer.

      In einer Gazette nebenan las ich gerade, dass zwei Drittel in Deutschland krank zur Arbeit gingen. Die haben schlicht Angst, den Job zu verlieren. Es gibt gute Jobs ja nicht mehr so am rumliegen. Mit Angst lässt sich schlecht fröhlich sein. Das ist aber wieder ein anderes Thema. Anscheinend soll es hier tatsächlich nur um diese Sorte verwöhnte Minderheit gehen, wo auch immer die steckt. Hier in meinem Zimmer isse nicht, sogar meine Kater arbeiten (schleif grade ein Sideboard-Bein ab, öle es neu ein und decke es dann mit einer Sisalmatte ab; die Kater hatten Geschmack an dem eingeölten Holz gefunden. Vielleicht wäre Resopal besser gewesen oder die heute modernen kalten aalglatten Glasfiber-Kunststoff-Schleiflack-Mimese-Oberflächen, da rutscht sogar die eifrigste Katzenkralle ab ;-) )

    • Bei Don Alphonso bin ich mir nie so sicher,
      wieviel Ironie, Zynismus, Sarkasmus etc. seine Texte beinhalten. Wer Brecht schätzt, ist eben zu allem fähig.

      Als Banausen wurden die bezeichnet, die ihren Lebensunterhalt durch eine Erwerbstätigkeit bestreiten mußten. Auch das Kunsthandwerk usw. fiel darunter. Die Fabel vom Kopf und Magen, oder waren es die Glieder, fällt mir dabei wieder ein. Die Geringschätzung der Menschen, die nicht durch nackte Gewalt zu Wohlstand gekommen waren. Die „Eliten“ jener Zeit unterscheiden sich denn auch kaum von den heutigen, nur die Methoden sind subtiler geworden – überwiegend.

  28. Entspannte Gelassenheit unter südlichem Sonnenhimmel
    Endlich mal ein unverfänglicher Blog! Es gilt nur die geisteswissenschaftlich evozierte Akademikerschwemme zu geißeln, und schon könnten ungenutzte Talente im heimischen Nordeuropa sich zufrieden auf Stühlen mit Buch in der Sonne räkeln, gäbe es denn diese Sonne, bzw. die unermessliche Vielfalt „alter Trümmer“, dann wäre vielleicht auch in unseren Breitengraden alles gut.

    Es sollte halt nicht mehr jeder Abitur machen, und wer etwas studieren will, was Vergnügen oder nur geistige Früchte bereitet, ist schließlich selber schuld.

    Ich vermeine einen gewissen Grundtenor im Text zu vernehmen, der reduziert zusammengefasst lauten könnte:“Wer Arbeit finden will, der findet auch Arbeit!“
    Zudem wird auf die mentale Einstellung verwiesen, die sich durch starke Metaphern dem geneigten Leser andient. Aber es ist eben nicht einfach nur ein „irgendwas mit Medien“, was sich im Lebensweg manchmal als die falsche Option entpuppt.

    Es ist ein ganz schön hohes, stark verallgemeinerndes Roß, von dem der Autor wissend herabblickt.
    Mit einem geschlossenen konservativen Weltbild mag die Welt in Ordnung sein, wenn „per ordre de mufti“ neue Gesellschafts- und Lebensmodelle en passent für untauglich qualifiziert erklärt werden. Das kann man als Erbe und gut bezahlter Jobinhaber bei einer angesehenen Onlineausgabe einer renomierten deutschen Tageszeitung durchaus so sehen, nur ist es eben nicht die ganze Wahrheit.

    Auch das Handwerk und die MINT-Fächer produzieren arme Teufel, die eben auch durchaus ohne bezahlte Arbeit dastehen, und die noch nicht einmal einen ein-Euro-Job erhalten, egal wie sehr sie sich anstrengen.

    Aus einem persönlichen Gespräch mit einem Arbeitsvermittler einer privaten Arbeitsagentur, die für die öffentlichen Arbeitsagentur arbeitet, weis ich, dass es in Deutschland jede Art von Arbeitssuchenden gibt: Da ist der Maschinenbau-Ingenieur mit Doktortitel, der ehemalige Chefarzt einer großen Klinik, Analfabeten in Mengen und natürlich unangepasste und aussortierte jeden Berufes in großen Mengen, oder…, oder…, oder… .

    Der Vermittler hätte mir aus JEDEM Beruf mindestens fünf Arbeitswillige unter 50 Jahren sofort vermitteln könnnen. Es liegt also nicht an den Geisteswissenschaften oder dem Willen, sich diesen zu widmen, sondern schlicht und einfach an dem doch eher raren Angebot an bezahlter Arbeit.
    Circa 150 000 offenen Stellen stehen etwa 3 000 000 offizielle Arbeitssuchende gegenüber, da sind die arbeitswilligen Immigranten und die sich in „Maßnahmen“ befindenden Arbeitslosen und die sog. „Aufstocker“ noch gar nicht mit eingerechnet.
    In dieser digitalen, durchtechnisierten Gesellschaft werden einfach große Teile der arbeitsfähigen Bevölkerung nicht mehr gebraucht, so einfach ist das.
    Und das ist auch gut für das „System“, so können die Löhne niedrig gehalten werden. Die Angst vor Arbeitsplatzverlust ist heute die größte Angst in der Bevölkerung, noch vor allen anderen Ängsten.

    Ihr Text verhöhnt Menschen, die trotz guter Ausbildung oft jahre-, wenn nicht jahrzehntelang versuchen, irgendeine Arbeit zu finden.

    Ich wünsche Ihnen diese Situation nicht, ganz einfach weil Sie diese harte, manchmal erbarmungslose, andere Seite nicht kennen, und in Ihrem relativem Luxus auf Ihrem hohem Roß ganz gut leben können, und ich es Ihnen von ganzem Herzen gönne.
    Und ich empfehle Ihnen, danken Sie alle dem Herrgott auf Knien dafür, dass Sie diese andere Seite nicht aus persönlicher Erfahrung kennen!

    Ich wünsche Ihnen weiterhin noch eine schöne Zeit in Italien.

    • Wo Sie Recht haben
      haben Sie Recht. 150000 versus (offizielle) 3 Millionen. Und in einigen Jahren, wenn „beim Daimler am Band“ nur noch vollautomatisch gebastelt wird?
      Bei Fujitsu kapierten die selbstreproduzierenden Automaten die Konsequenz des Turingtests schon vor 25 Jahren. Da gibt es für viele Berufsgruppen viel Raum für die von Ihnen beschriebenen persönlichen Erfahrungen.

    • Regel und Ausnahme
      Ich kenne das Problem auch (früher gab es dazu den Witz: Was sagt ein arbeitsloser promovierter Biologe zu einem, der Arbeit hat? ‚Einmal Pommes mit Mayo, bitte!‘) und bin persönlich ziemlich weit von dem weg, was ich studiert habe. Aber es ist immer noch ein Unterschied, ob man sich sozusagen „sehenden Auges“ in ein Haifischbecken stürzt oder ob man beim Surfen Pech hat.
      Wenn man keine klare Vorstellung davon hat, was man tun möchte und es dann ausgerechnet in einem Metier probiert, in dem sich schon massenweise ähnliche Tagträumer tummeln, dann sind die Aussichten auf einen Job halt von vorneherein bescheiden. Eine digitale, durchtechnisierte Gesellschaft braucht aber zumindest ein paar Leute, die die digitale Technik beherrschen – als Entwickler. Da kann es dann natürlich auch passieren, daß der altgediente COBOL-Programmierer rausfliegt und durch einen halbgaren Absolventen ersetzt wird, der nur noch Module zusammenklicken kann. Aber es ist sicher seltener.
      Das Handwerk und sogar die Discounter machen mittlerweile große Plakatwerbung für ihre Lehrstellen. Dazu muß man allerdings bereit sein, sich auch mal die Finger dreckig zu machen und sich sagen zu lassen, was man machen kann und was nicht.

    • - ja
      Ich habe kürzlich eine lakonische Beschreibung des Lebensgefühls in der BRD aus den frühen 50er Jahren gelesen, das einen jungen Mann zum Auswandern bewogen hat. Da war von Angst vor der Zukunft die Rede und von demonstrativ zur Schau gestelltem Selbstbewusstsein, gepaart mit Gemeinheit. Parallel habe ich die vom Schriftsteller so nebenbei angerissenen Daten mal überprüft … stimmte alles …. Wenn man Menschen aus Prinzip unter Druck und in Konkurrenz setzt, kommt womöglich genau so was dabei heraus. Dann zieht die „Gemeinheit“ ein und die kulturelle Grundlage wird geschleift – in einer Gemeinschaft wären ja auch materiell schlechte Zeiten leichter zu ertragen. Leider gibt´s da eben soziale Codes, sonst steht man draußen – der Don kennt sich damit aus. Ist es in seinen Kreisen die Kenntnis bestimmter Kunstwerke, so ist es in den Kreisen, in denen sich andere nunmal bewegen und klarkommen müssen, eben das smartphone; traurig genug. Aber ich habe mir das ja nicht ausgedacht, das waren wiederum Menschen, die damit Geld verdienen, um sich Kunstwerke leisten und selber zu den richtigen Kreisen gehören zu können.

      Auch wäre es interessant mal zu sehen, wie es die Italiener eigentlich geschafft haben, sich ihre Ehre, ihren Anstand und den Optimismus zu bewahren, dass sie die einmal erworbene Immobilie auch tatsächlich zu ihrem Lebensunterhalt beiträgt, statt dagegengerechnet zu werden, wie die weiland das bißchen angstgesteuerte Riesterei gegen Hartz IV. Sind das bessere Menschen? Vielleicht hatten die Italiener auch seit Einführung des Euros eine richtig gute Zeit, von deren Optimismus sie innerlich noch zehren können? Die aktive Erinnerung an gute Zeiten! Die heutigen deutschen Eltern kleiner Kinder haben die ja vielleicht nicht; die Entwicklung des Medianvermögens der Privathaushalte scheint das anzudeuten.

      Und womöglich hängt das Sinken der Moral in Deutschland, das der Don beobachtet hat, wenn auch nicht direkt mit der Entwicklung des Privatvermögens, so doch mit den Begleitumständen von dessen Abwärtstrend zusammen. – Aber das ist wohl eher nicht Dons Aufgabe, darauf hinzuweisen.

    • @Knut Gnadenbrotler
      Ich bin ziemlich sicher, dass es dem Autor nicht darum geht, Menschen zu verhöhnen. Mir scheint, er schätzt eine seltene Fähigkeit mancher Menschen, nämlich den Platz, an den das Leben sie – warum und wie auch immer – gestellt hat, mit Anstand, Würde und Menschlichkeit auszufüllen. Ob das eine allzu idealisierende Sichtweise ist? Darüber erlaube ich mir im Moment kein Urteil.

    • ...
      M.E. hat sich das Verhältnis von Stellenangebot und Nachfrage in den
      letzten 30 Jahren nicht verschlechtert. Was sich verschlechtert hat
      ist die mediale Verarbeitung: der Beste ist der Feind des Guten.
      Jeder muss „Karriere“ machen und der Zwang zur Selbstvermarktung.

      Da bleibt oft nur noch Facebook und Twitter.

    • @Binvonhier
      Ich muss ihnen widersprechen, in den 70ern und 80ern habe ich mir vielen anderen in billigen asiatischen Ländern vom Eingemachten gelebt, und wenn das zu Neige ging, flog man nach DE oder woanders hin, es gab kein Problem mit billigem Wohnen und man konnte zwischen jeder Menge Jobs wählen. Das Leben war einfach, schön und man hatte ein gutes Mass an Freiheit.
      Wenn es damals Hunderttausende gegeben hätte, die einen Vollzeit Job haben und davon nicht leben können, wie diese widerwärtigen Politiker das heute eingerichtet haben, ich glaube, die RAF hätte nicht nur aus ein paar Dutzend Leuten bestanden.

      Wenn ich mir anschaue was die Leute heute in DE alles mit sich machen lassen und wen sie wählen, anstatt Widerstand zu leisten, dann kann man natürlich nur mehr sagen: Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.

      Ein wenig zwiespältig finde ich halt, wenn Erben von weniger Beglückten in diesem Zusammenhang von „Eigenverantwortung“ predigen…

    • @TDV - "victim blaming"?
      Sie kommen oefter auf das Thema, dass die wahlberechtigten Deutschen selbst an den von ihnen gewaehlten Regierungen und daraus folgenden Verhaeltnissen Schuld sind.

      Rein faktisch ist das natuerlich korrekt. Aber es ist eine Diskussion noetig (naechster Blog?), warum ‚die Kaelber ihre Schlaechter selber waehlen‘.

      Das Zusammenspiel der Akteure in einer Demokratie ist gestoert durch die wahrgenommene Gleichschaltung von Parlamentsparteien und Medien.

      Der kritische oeffentliche Diskurs, der zur Meinungsbildung noetig ist, findet nicht (zu wenig) statt. Die Waehler verstehen immer weniger die Konsequenzen ihrer Wahl, zumindest mittel- landfristig; ‚Alternativlosidkeit‘ wird ihnen eingetrichtert.

      Die Medien und die ausserparlamentarische Opposition waeren z.Zt. die einzigen Moeglichkeiten, dass zu aendern.

      Warum die deutschen Medien, im europaeischen und internationalen Vergleich, als wohlwollendes Sprachrohr der Regierung wahrgenommen werden, ist schon oft untersucht wurden. Ich befuerchte jedoch, dass es eben eine Tatsache ist und nicht nur eine Wahrnehmung.

      Die heutige APO ist rechtslastig dominiert, teilweise rechtradikal. Die AfD wird von APO zu PO – wohin das fuehrt, bleibt abzuwarten. Die AfD, in ihrer jetzigen Form, ist rechtspopulistisch. Ob sie sich zu einer (rechts-) konservativen demokratischen Partei reinigen kann, wird sich in naher Zukunft zeigen.

      Den deutschen Waehler sehe ich als das Opfer, das es zu verteidigen gilt. Die gegenwaeertigen Parteien in den Parlamenten verfolgen „Brot und Spiele“ und „Opium fuers Volk“ -strategien. Das der/die KaiserIn keine Kleider hat, muss allen klar gemacht werden.

      Die Geschichte Roms und Italiens bis in die Neuzeit kann Anregungen liefern…

    • @Hagen
      “Rein faktisch ist das natuerlich korrekt. Aber es ist eine Diskussion noetig (naechster Blog?), warum ‚die Kaelber ihre Schlaechter selber waehlen‘.”

      Nein, keine Diskussion, nur ehrliches, mutiges Denken, also ein Denken bei dem das Ergebnis eben nicht schon von vorne herein feststeht!

      „Das Zusammenspiel der Akteure in einer Demokratie ist gestoert durch die wahrgenommene Gleichschaltung von Parlamentsparteien und Medien.“

      Ich glaube das ist richtig, auch Wahlergebnisse sind natürlich Konsequenz der Meinungsmache und Manipulation der Medien, was dann wiederum hilft die bestehenden Machtverhältnisse nochmals zu zementieren. Man hat jetzt fünf Einheitsparteien und hält dies für Demokratie… Schauen sie mal nach was Colin Crouch zur Post-Demokratie sagt, der beantwortet ihre Fragen dazu:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Colin_Crouch

      Nur, warum gibt es eine Minderheit die sich nur äusserst selten manipulieren lässt, und nichts einfach nachplappert was sie vorgesetzt bekommt?
      Man nennt den Unterschied zur Masse „Selber-Denken“, und das tut (und kann) nun mal nur eine Minderheit. Die Bell Curve zeigt ja unmissverständlich, dass die Meinung der Masse niemals anders als mittelmässig sein kann. Daher sind Diskussionen auch fruchtlos.

      „Der kritische oeffentliche Diskurs, der zur Meinungsbildung noetig ist, findet nicht (zu wenig) statt. Die Waehler verstehen immer weniger die Konsequenzen ihrer Wahl, zumindest mittel- langfristig; ‚Alternativlosigkeit‘ wird ihnen eingetrichtert.Die Medien und die ausserparlamentarische Opposition waeren z.Zt. die einzigen Moeglichkeiten, dass zu aendern.Warum die deutschen Medien, im europaeischen und internationalen Vergleich, als wohlwollendes Sprachrohr der Regierung wahrgenommen werden, ist schon oft untersucht wurden. Ich befuerchte jedoch, dass es eben eine Tatsache ist und nicht nur eine Wahrnehmung.“

      Sie befürchten zu Recht, denn es ist Tatsache. Aber Sie weigern sich nach wie vor das eigentliche Problem auszusprechen. Problem ist nicht dass „die Obrigkeit“ dies tut. Das Problem ist, dass man ein Volk vor sich hat, mit dem man dies problemlos tun kann ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Klartext: Der Urnenpöbel wird IMMER ein grosser blöder Haufen sein, der wählt was entweder Seinesgleichen ist, oder das er dafür hält. Seit 30 Jahren, den Primitivling, den rechten Spiesser, aus Oggersheim… den linken Spiesser, den Emporkömmling aus Hannover… und die Ossie Tussie, die ausser Opportunismus keine Fähigkeiten zu haben scheint.
      Es ist der Masse der politisch korrekt sein wollenden Gut-Menschen nicht möglich, diese banalen Wahrheiten zu akzeptiern. Genau wie Sie das ja auch tun: „Den deutschen Waehler sehe ich als das Opfer…“

      Mein Gott, wirklich?

      “Dass der/die KaiserIn keine Kleider hat, muss allen klar gemacht werden.“

      Naja, dann machen sie mal….

      “Die Geschichte Roms und Italiens bis in die Neuzeit kann Anregungen liefern…“

      Da sie es wohl überlesen haben, die Geschichte Roms zeigt, dass auch Imperien und Kulturen spurlos verschwinden.
      In der Realität nennt man das übrigens Evolution oder Darwinismus. Die am besten Angepassten sind erfolgreich. Nicht die Reichsten, Mächtigsten, Kultiviertesten, Gebildetsten, Weisesten….

      Ich habe da kein Problem damit.
      Wotan, „Ihr Gegenspieler“ in der Götterdämmerung, übrigens auch nicht. ;-)

  29. Pizzakartonbillonetzfeminismus
    Bin nicht regelmäßig hier, aber es fällt schon auf, dass es in jedem Blogbeitrag (oder in den Kommentarantworten) seitens des Don eine Geißelung gewisser Jezebel-abschreibender, mit Pizzakartons schlafender (?) Billonetzfeministinnen gibt. Ist da irgendwo ein Alt-Trauma, was ich nicht zuordnen kann? Gehören Pizzen auch gar nicht in Kartone? Würde ein nicht-abschreibender Edelfeminismus, der hochklassigere Bettgenossen hat, überhaupt wahrgenommen? Ich hab schon nette Dinge auf Jezebel gelesen. Z.B. Hasspost von „Männern“, denen Frauen chronisch ihr Naturrecht auf Geschlechtsverkehr vorenthalten, und die deshalb zwar (noch) nicht auf die „shooting spree“ gehen, aber jammern wie Akadenmikerbratzen, die glauben, dass ihnen was „zustünde“.

    • HOCHKLASSIGE BETTGENOSSEN
      dieses revenanthafte als höchste steigerung des deja-vu dürfen wir DON als einem der letzten romantiker – oder DEM letzten romantiker – in der zeitung aus frankfurt doch zugestehen: vielleicht war es ein erlebnis der besonderen art, das DON mit dieser form der nachträglichkeit – so nennt es Siggi – nun final bewältigt, denn der anspruch, dass edelfeminisms auf hochklassige bettgenossen treffen soll ist ein grosses wort: der hochklassige bettgenosse weilt stattdessen vielleicht lieber im Da Hugo in Castagneto Carducci bei einem Villa Argentiera und verzichtet auf das naturrecht für geschlechtsverkehr dankend !

    • Man nennt so etwas einen „Running Gag“. Gag wie Witz und nicht wie Knebel. Wir sind ja nicht zwecks absonderlicher Praktiken hier.

  30. La vita è bella
    Lieber Don Alphonso, herzlichen Dank, dass wir an Ihrer Reise teilhaben dürfen!
    Die Fotos sind sehr schön.

    Das Geschriebene schafft Bilder in meinem Kopf, nicht nur über die Lebensfreude und den Genuss der einfachen schönen Dinge: in der Sonne sitzen und lesen, sondern auch über die Kulisse, so wie auch ich sie aus Italien kenne, mit allgegenwärtigen Kulturschätzen, die dank der Schaffenskraft der Menschen das Gefühl vom Dasein als Bindeglied der Unendlichkeit verleiht. Ein Privileg der Länder, welche die Wiege der europäischen Kultur bilden. Dass sie im globalen Wettbewerb um die „Standortvorteile“ die vordersten Ränge nicht belegen, werden sie unbeschadet überleben.

    Apropos Kirchen. Meine finnische Familie hat uns mal am Polarkreis besucht. So habe ich denen auch die Hansestadt Lübeck gezeigt, wo wir die im 13. – 14. Jh. gebaute Marienkirche besichtigt haben. Natürlich kostete der Eintritt bereits in den 90er Jahren Geld, was damals sonst noch unüblich war. Wir haben miterlebt, wie der Eintrittsgeldeintreiber der Kirche eine Riesenszene machte und böse schimpfte, als eine schwedische Reisegruppe nicht zahlen wollte. Die Schweden sind not amused von dannen gezogen…

    Bei der katholischen Kirche hat mich bisher beeindruckt, dass die Kirchen, wie ich meinte, Tag und Nacht den Gläubigen offen zugänglich sind. Das ist also doch ein Irrtum. Das, und die wunderschönen Riten wären für mich ein Argument für die Katholiken. Die protestantisch lutherische Kirche ist nüchtern, der Gottesdienst spricht weder Emotionen noch religiöse Spiritualität an. Im kargen farblosen Ambiente eine mehr oder weniger trockene, oft eher rationale, wenig Trost und Empathie spendende Predigt vermag das Gemüt nicht zu heben, wie die festlichen Gewänder, der Weihrauch und die lateinische Liturgie der katholischen Messe. Doch als agnostische Karteileiche der evangelischen Kirche fehlt mir der Glaube…

    • liebe/r
      „Das, und die wunderschönen Riten wären für mich ein Argument für die Katholiken… Doch als agnostische Karteileiche der evangelischen Kirche fehlt mir der Glaube“

      in meiner Auseinandersetzung, meinem Ringen mit meinen Glaubenszweifeln habe ich wirklich profitiert beim Lesen von „Salz der Erde“ und „Gott und die Welt“ (Interviewbuch Seewald u Ratzinger), hat nichts von sturer Dogmatik, wunderschön auch formuliert.

      Herzliche Grüße

  31. "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen."
    Ich habe einmal das obige Zitat bei Google eingegeben, da ich mir nicht mehr sicher war, wer diesen Satz denn nun von sich gegeben hat. Ich hatte Lenin in Erinnerung und den Roman „Zement“ von Gladkow. Unter http://de.wikimannia.org/Wer_nicht_arbeitet,_soll_auch_nicht_essen findet sich eine interessante Aufstellung, wer das Zitat verwendet hat. Es soll nach wikimannia aus dem NT stammen, was ich leider nicht überprüfen kann, da ich nur den Tanakh zur Hand habe. Aber wer nickt nicht, der diesen Satz liest?

    Ich erspare mir hier den Hinweis auf Draghi und auf seine Idee des Helikopter-Geldes. Auch erspare ich mir den Hinweis auf die letzte Ausgabe der Fernsehsendung „Die Anstalt“ vom 05.04.2016, denn da wird sicher irgendwo einer finden, der mir Sozialneid und/oder Kommunismus vorwerfen will.

    Es ist mir so etwas von egal, wie viel einer verdient. Wenn er mehr hat als ich, schön für sie oder ihn.
    Womit ich Probleme habe: Wenn die Arbeitsagentur einem einen Job im außereuropäischen Ausland (chinesische Megapole) anbietet, ein Ein-Jahres-Vertrag, ohne Kranken- oder sonst irgendeine Sozialversicherung, für umgerechnet 550 Euro im Monat. Wenn alte Menschen, die unter ganz anderen Bedinungen in das Arbeits- und Berufsleben gestartet sind, einem erzählen, wie man es heute machen soll. Wenn Menschen in politischer Verantwortung, die gar nicht wissen, was sie da tun und auch gar nicht davon betroffen sind, Gesetzte ändern und scheinbar der Überzeugung sind, dass danach alles weiter so bleibt, wie es ist. (Sie scheinen das zu denken, weil sie sonst nicht Jahre später das Gleiche noch einmal fordern würden. Aus ihrem Umfeld scheinen sie das nicht mitzukriegen, wie sehr sich die Arbeitswelt verändert.) Wenn Dinge beschlossen werden, die dazu führen, dass es gar keine Rolle spielt, ob man den Job nun kann oder nicht, weil andere Dinge wichtiger sind (Herkunft, Geschlecht, Parteibuch etc.).
    Und ich habe auch ein Problem damit, wenn ein Mensch einem anderen Menschen seinen Beruf/Job madig machen will. Es gibt Menschen, die wirklich das machen, was sie machen, weil sie es machen möchten, weil das ihr Ding ist. Wie viele Menschen quälen sich durch ein Arbeitsleben, weil eben der christliche Grundsatz gilt: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“? Wie viel macht man dadurch kaputt? Nicht nur bei dem Menschen, der einen Job macht, den er gar nicht will, sondern auch in der Profession, der er gezwungenermaßen nachgeht. Wie viele Berufe verkommen, weil da eben nicht die Leute sitzen, die da wirklich hingehören? (Von den Verwüstungen, die durch den Menschenschlag Mehdorn-Manager angerichtet wurden, will ich an dieser Stelle schweigen.)

    Anekdote für die sogenannten ‚Gendertröten‘: Ich saß einmal im akademischen Bereich einer Auswahlkommission gegenüber, die nur aus Frauen bestand und die mir klipp und klar sagte, dass sie einen Quotenmann suchte.

    Und zum Schluss gefragt: Warum soll Kartenabreißer oder Putzfrau oder Geisteswissenschaftler kein ehrbarer Beruf sein? Man sollte schließlich auch nicht vergessen, wer nach obiger christlicher Maxime handelt, darf dann auch kein Problem damit haben, wenn jemand als Folterknecht arbeitet. Was ist denn der Unterschied bspw. zwischen einem Investmentbanker und einem Bomberpiloten? Job ist Job, oder nicht?

    • hinter jedem Manager/Politiker steht ein Berater!
      Grundlagen ungefähr so: Abitur, Studium, Praktikum, Berater.
      Die Mittelständler lassen die zumeist nicht rein, die werden aber dann von den Banken gegängelt, damit auch da nichts mehr geht.

    • BOMBER vs. INVESTMENTBANKER
      mein werter freund, die unterschiede sind immens:
      der I-banker arbeitet mit „weapons of mass destruction“ (sagte Warren Buffet) der bomberpilot mit massenvernichtungswaffen. kapiert !?

      beiden gemeinsam ist oft der fallschirm, nur der vom I-banker ist vergoldet !

    • nur mal so... Jeffrey...
      Im grossen und ganzen richtig… nur wenn die Leut es halt mit sich machen lassen? Und dann auch noch (freiwillig) die Leute wählen, die das als Regierende so einrichten?

      Was das Zitat angeht, so habe ich erst vor ein paar Tagen miztbekommen, das Original laute: „Wer nicht arbeiten WILL, der soll auch nicht essen.“

      Ihres kommt wohl aus einer neo-liberalen Bibel.

      Und JEDER sollte sich die Anstalt angucken, unbedingt, hervorrende Unterhaltung diesmal…

      https://www.youtube.com/watch?v=h1_aKmg-_3g&nohtml5=False

    • Helikoptergeld
      „Ich erspare mir hier den Hinweis auf Draghi und auf seine Idee des Helikopter-Geldes.“

      In einem medienkritischen Blog sei die Bemerkung erlaubt, dass das Helikoptergeld nicht Draghis Idee ist, sondern Draghi von einem Journalisten dazu befragt wurde und antwortete, dass es eine interessante von Akademikern diskutierte Idee sei. In der EZB habe man darüber aber nicht gesprochen. Das erledigten dann die Medien für ihn, d.h. sie veranstalteten eine öffentliche Debatte.

      Zentralbankastrologie ist ein Zeichen der Zeit. Draghis oder Yellens Andeutungen bewegen regelmäßig die Kurse, entfachen Monate lang Euphorie oder drücken die Stimmung. Von Draghi wird erwartet, dass er Regen machen kann. Die Erwartungen, die heute auf Politikern lasten, dürften viel geringer sein.

  32. "Da nulla si scava nulla."...
    …übersetzt: „Aus nichts schafft man nichts.“

    Dieses schöne italienische Sprichwort fiel mir nach dem Lesen Ihres gelungenen Textes ein. Milosz Matuschek beschreibt in der nzz unter
    dem Titel „Generation FAKE“ die Mädels und Jungens der Generation Y,
    die sich heute vermehrt in der Medienwelt „herumtreiben“ oder vom
    täglichen „posten“ getrieben werden.
    Unter http://www.nzz.ch/meinung/glanzlichter können interessierte Foristen diesen interessanten Artikel nachlesen.

    „Irgendwas mit Medien“ ist ja die häufigste Antwort, der heutigen, digitalvernetzten Generation, auf die Frage nach ihrem Berufsziel.
    Das folgende Zitat von Pablo Picasso trifft dann den Kern:
    „Unter den Menschen(JournalistenINNEN) gibt es viel mehr Kopien als
    Originale.“ Aktuell sage ich als „MISTER SPOTT“ zu den jungen Leuten in meinem näheren Umfeld etwas abgewandelt: „The Generation COPY and SPACE has no FACE“.

    Da macht es mir doch immer Vergnügen, dem Text eines ORIGINALS, wie dem DON, hier zu folgen. Ciao, werter DON und eine schöne Frühlingszeit in der Toskana.

    • Danke.

      Man muss natürlich sehen, dass man zu einem Werk wie meinem nicht nur einen schlechten Charakter, sondern auch viel Zeit braucht, und besser kein Interesse an echter Arbeit mitbringen sollte. Nur so werden Texte leicht. Bei den anderen fühle man den Zwang zu liefern. Ganz grässlich ist das. Ich hatte heute übrigens Trüffel in Castelnuovo del Abbate,

  33. Haha
    Als Misantrop mag ich den Don auch deshalb so sehr, weil er diesen Job bei der FAZ finanziell gar nicht nötig hat. Deshalb soll er das auch machen. Er nimmt damit jemandem aus dem faulen Prekariat einen guten Schreiberjob weg. So ein Milennial-Horst würde da eh nur wieder das Ewiggleiche schreiben wie all die anderen „Journalisten“.

    Wahrscheinlich ist das ein Grund warum Don soviel Hass seitens der Blogger und Irgendwas-mit-Medien-Fraktion auf sich zieht.

    • Das liegt sicher auch an meiner Art.

      Aber es stimmt natürlich, die FAZ hat es mit vielen versucht und geblieben bin eigentlich nur ich. Das macht nicht eben Freunde, zumal es ein nangenehmer Job ist. Aber andere hätten das genauso gut machen können und haben es einfach nicht gekonnt.

  34. Unterbezahlte Banausen-Jobs
    All den schönen „Reformen“, welche uns die marktradikale Wirtschaftsordnung beschert hat, wurden dem Volk vorher durch die Medien schmackhaft gemacht. Ein Beispiel: Bevor das Volk ihr Geld mit vollen Händen in die Aktien der Telekom und der aufstrebenden IT-Unternehmen investierte, wurden Börsenspekulationen durch zahlreiche Medien-Berichte und TV-Sendungen als das ultimative Tool der sicheren Selbstbereicherung angepriesen. Die Deutschen seien Börsen-Muffel, hieß es, das solle sich ändern. Ich erinnere mich an die Partys, in welchen in den 90er Jahren zwei Gesprächsthemen dominierten: Golf und Aktien. Jeder, der etwas von sich hielt kaufte Aktien. Geschäftlich bisher völlig unbeleckte Bekannte und Freunde schienen ungeahnte Fähigkeiten zu entwickeln, konnten vermeintlich traumhafte Aktiengewinne erzielen. Die Börse wurde jeden Tag hektisch beobachtet, es wurde jeden Tag verkauft und gekauft. Es herrschte ein Hype, der uns misstrauisch machte. Wir hatten fast acht Jahre in Hongkong gelebt und dort einen Crash miterlebt. Es kam, wie es kommen sollte: Die meisten haben ihr Geld verloren.

    Genauso wurde das mit den Jobs gemacht, auch in den 90ern. Während die Deutschen nur wenige Jahre vorher noch davon entsetzt waren, dass die Amerikaner zwei oder drei Jobs brauchten, um zu überleben, wurde genau jenes Lebensmodell bei den jungen Menschen schmackhaft gemacht: in TV Serien und in Hollywood Filmen (Jennifer Lopez war der Superstar in diesem Genre). Die Idee, die an die ahnungslosen Jugendlichen verkauft wurde, war etwa: Du musst klein anfangen. Du musst mehrere Praktika machen. Es ist schick, mit zwei Jobs zu jonglieren. Damit zeigst du, dass du fleißig bist. So wirst du irgendwann ganz groß rauskommen! Es gibt keinen anderen Weg zu dem ganz großen Erfolg!
    Parallel dazu wurde die Elterngeneration manipuliert zu glauben, dass sie nur eines tun müsste, damit in absehbarer Zeit der große Wohlstand einbricht: den Gürtel enger schnallen. Wenn es boomt, damit die Unternehmen finanziell vorsorgen können und in einer Krise sowieso. So warten nun alle beide an den großen Durchbruch…

    Unsere jüngere Tochter ist Psychologin aus dem letzten Diplom-Jahrgang. Ihr Studium dauerte länger, weil sie sich mit Kunstgeschichte beschäftigte, Psychologie des Managements studierte und erst später herausfand, dass sie doch lieber Menschen helfen will und ihre Fächer entsprechend ändern musste. Nun hat sie ihren ersten richtigen Job. Nach nur ein paar Wochen hörte sie von den Kollegen, dass es dort einen unglaublichen Wechsel gäbe. Der Umgang mit psychisch gestörten Kindern und Jugendlichen (Autismus, Asperger Syndrom, schwere Persönlichkeitsstörung) oder mit Erwachsenen mit den unterschiedlichsten Störungen einschl. Psychosen ist anstrengend und besitzt keinen Glamourfaktor. Das schätzen die jungen Bachelor-Absolventen offenbar völlig falsch ein, so die Einschätzung der Kollegen.
    Der Job ist gut bezahlt, aber es ist eine „richtige“ Arbeit für diejenigen, die den Beruf seriös ausüben wollen. Zum Glück fühlt sich meine Tochter dort wohl und blüht mit ihrer Beschäftigung förmlich auf.

    • Ich habe ja schon bei derTelekom gesagt, man sollte auf Altbaugold setzen. Das haben jetzt auch viele begriffen, und noch mehr werden auch hier reinfallen. Es gibt immer solche. Man kann es nicht ändern.

  35. Suprematie der Depriverneiner
    Selbstverständlich gibt es in Deutschland auch noch Freiräume die sich mit einer speziellen Willkommensaura vorstellen, welche noch nicht vom Belagerungszustand ganzer Guckhorden verschattet werden.
    Das sind jedoch eher Oasen, Refugien. Sobald diese mit einer gewissen Begeisterung gegenüber durchschnittlicher Hedonisten herausgestellt werden, ist es aus mit der Fröhlichkeit.

    August von Platens regennasse Italienreisenotitzen auf der Yacht von Blohm & Voß designd by
    Zaha Hadid:
    [»Wir machen Sklavenarbeit, werden unterdrückt. Gut ist nicht gut genug. Man muß kämpfen, wenn man etwas erreichen möchte.«
    Karl Lagerfeld: »Eine starke Frau, weil sie keine Konzessionen macht.«]

    …, ist zwar unwahrscheinlich aber nicht ganz auszuschließen.
    https://www.youtube.com/watch?v=NhL3ch6tovk
    http://www.goethezeitportal.de/wissen/projektepool/goethe-italien/italienlyrik/karl-august-georg-maximilian-graf-von-platen-hallermuende.html

  36. djangohatnemonatskarte, 8. April 2016 um 08:53 Uhr
    Silenzio, per favore. Castagneto C., muss nicht jeder wissen. Nicht immer offen-eine italienische Besenwirtschaft quasi, aber gediegener, nennt sich auch Ristorante. Zu den nach faulen Eiern stinkenden Geothermie (Larderello) ist´s aber mit dem Fahrrad noch einige durchgeschwitzte Tricots weit durch die Colline Metallífere. Kurios, 4 km östlich von Terme die Bagnolo gibt es einen Póggio Mutti (808 m). Hatte mir damals, als das Unglück noch weit, nichts dabei gedacht.

  37. an (Frau) Gast
    …wir zwei sollten einfach zu Frau Simon vorbeigehen und mit ihr französische Apfeltorte essen. Ich backe auch noch eine Prinzregententorte. Von der schicken wir Don dann ein Bild ;-P

  38. Renate Simon:
    So you are not from the Hunsruck then? I thought you might be a relative to the extended Simon family from Schabbach, Hunsruck. :-)

    • Lady Catherine, nein, ich komme nicht aus Schabbach
      und nenne den Hunsrück nicht meine Heimat ;-)
      Ursprünglich komme ich aus Ostwestfalen und lebe seit 1972 in Düsseldorf (grauenhaftes Nest).

      @Fräulein G´wandl
      Der französische Apfelkuchen ist längst fertig und angeschnitten, die Äpfel könnten trotz kurzem Kochen in Weißweiß und einem Schuss Brandy ebbes mehr Geschmack haben, morgen durchgezogen schmeckt’s besser.

    • ... zu Traenen geruehrt !
      Thanks for mentioning Schabbach Lady Catherine. Years ago I saw a TV Series „Heimat“ and to this day, I am hit with a touch of Heimweh when I think of the Hunsrueck and those faszinating people that were so well portrayed. I had the good furtune to travel through that region some years ago and to this day say …. Gruess mir die Heimat. Cheers.

  39. I don´t think...
    …sitting around reading a book between selling entrance passes outside, say, the stuttgart kunstmuseum on the chilly / often rainy königsstrasse would seem like an attractive job to anybody (that´s precisely why people do „irgendwas mit medien“ . or gender studies *lol* )

    • Nein, die erwarten natürlich etwas anderes. Aber die Märkte sind nun mal klein und was man so hört, ist das Dasein als Genderexpertin nicht wirklich ein Garant für ein gutes Leben. Da geht es meinen Studienkollegen aus der Kunstgeschichte erheblich besser.

  40. Wir sind alle Individuen!
    ICH NICHT! Das ungemütliche an der aktuellen Situation ist die ziemlich klebrige Ahnung, dass wir es uns auf einem ziemlich blubbernden Vulkan eigentlich recht bequem gemacht haben.

    Seit 2008 erwartet man den Untergang unserer Witrschaftsordnung, aber noch sind die Aldis voll mit Sonderangeboten und die dicken SUVs haben legal käufliche V8 Dieselmotoren und Antiquitäten sind günstig.

    War der revolutionäre Impuls von 68 zu mehr Freiheit von Hierarchien und Konventionen eine Emanzipation von den Sachzwängen der Vergangenheit, so ist der reaktionäre Impuls von heute ein Ausdruck, dass die überkommene Mutti-Weltordnung, inkl. Haartz IV etc, irgendwie doch ein (EU-weiter?) Schutzwall von den Forderungen nach absoluter Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit für die ganze Welt bildete.

    Da hat die gute Mutti eindeutig zu viele Gäste eingeladen, deshalb wählt man AfD.

    Der Rückgriff auf religiöse Autoritäten ist in vielen Ländern deshalb so ein unvermeidlicher Notbehelf im Kampf um gleiche Rechte, weil die Legitimation eines Kampfes für soziale und wirtschaftliche Gleichheit gegenüber dem korporierten globalen Kapitalismus und seinen assoziierten Oligarchen als aussichtslos angesehen wird, ohne göttlichen Beistand.

    Als Individuum hat man keine Chance; darum der Rückgriff auf Lebensregeln der Vorväter.

    Diese Einsicht, dass eine aufgeklärte Weltsicht in weiten Teilen der Welt nur Wut und Verzweiflung hervorbringen würde, muss auch bei uns sacken.

    Wie wir dann pragmatische Kompromisse gestalten können – ich hoffe, es wird nicht nach einer grossen kriegerischen Umwälzung sein.
    Aber wir sollten uns über jeden netten Tag mit freundlichen Begegnungen freuen!

    • Die Balkankriege waren halt ein Vorgeschmack, und wer glaubte, das beträfe uns nicht, sieht sich nun getäuscht.

      Di gute Nachricht ist: Lavaströme wälzen manches nieder und anderes nicht. Es kommt darauf an, auf der richtigen Seite zu leben.

    • ...blubbernder Vulkan...
      Immer diese großen Bilder und Begriffe! Abgehoben wie in den meisten Religionen, die den „Menschen“ für eine ganz besondere Schöpfung eines Gottes halten. Von wegen Vulkan – es scheint sich bei ruhigem Licht betrachtet wohl eher um ein Sch***h**s zu handeln, dessen Balken schon immer brüchig waren.

  41. Boccaccios toskanisches Memento Mori
    Weiter oben hat ein Forist den schwarzen Tod angesprochen. Der hat 1348 in der Gegend sehr gewütet, in der der Hausherr derzeit einen schönen Urlaub verbringt. Bei dem Gedanken an Florenz, Siena und Umgebung fällt mir deshalb unweigerlich das Decamerone von Boccaccio ein. Die sehr lesenswerte Einleitung zum Decamerone ist ein unglaublich eindringlicher, historisch äußerst wertvoller und seltener Augenzeugenbericht darüber, was die Pest mit dem Zusammenleben der Menschen gemacht hat. Ich möchte hier ihn allen ausdrücklich ans Herz legen, kann man googeln. Natürlich auch das ganze Buch! Man kann es halt nicht am Stück lesen. Es sind nachdenkliche (die letzte Geschichte mit Hiob-Motiv), auch derbe und sehr lustige Schwänke darin enthalten, die Kleriker kommen nicht immer gut weg (sinngemäß heißt es, die wären ganz in Ordnung, Achtung O-Ton: „wenn sie nicht etwas böckig röchen“). Klar, der Klerus hatte ja auch dem Schwarzen Tod rein gar nichts entgegenzuhalten, was auch, heute wissen wir es besser. Aber damals war das in den Augen der Menschen kein göttlicher Wille mehr, was da passiert ist, das war nur noch Willkür. Da ist etwas mit den Menschen passiert und ihrem bisherigen Verständnis von Religion, das schon 1348 etwas anfing zu bröckeln.
    Boccacio, zur Rede gestellt, woher er diese ganzen unfeinen Geschichten habe, erklärte frech, er habe auch nur aufgeschrieben, was er gehört habe! Erinnert uns dieser ganz alter Trick nicht an etwas?

    Jetzt ein Sprung in die Neuzeit und zum Thema Urlaub mit den Bratzen, kleine und große. Aus eigener und nicht repäsentativer Erfahrung kann ich sagen, dass Kinder sehr wissbegierig und neugierig sind und gern interessante Sachen angucken, daran haben sie Spaß. Das Zeitfenster, in dem das so ist, geht ungefähr bis zum 11./12. Lebensjahr. Dann setzt das genetische Programm ein, und die Kinder machen immer mehr zu, leider. Die ersten Botenstoffe treiben ihr Unwesen. Statussymbole wie diese unsäglichen Wischdinger, die ihnen wertvolle Lebenszeit rauben, werden jetzt interessant, Natur und Kultur sind es weniger. Das macht einen schon etwas traurig. Aber ob es uns Eltern gefällt oder nicht, wir könnten uns genauso gut übers Wetter aufregen. Deshalb kann man nur allen Kinderbesitzern raten: Nützt die Zeit bis dahin! Wenn das Fundament für solche Interessen gelegt ist, kommen diese bestimmt wieder. Wenn gar keines da ist, wirds ungleich schwieriger.

    Einen Urlaub in Bayern kann ich zur Grundsteinlegung des Fundaments wärmstens empfehlen (ich habe da keine Aktien drin). Die Bayern sind ausgesprochen gastfreundlich und unkompliziert, es ist einfach stressfreier Urlaub ohne Nepp. Viel schöne Natur und viel zum Angucken, z.B. am Chiemsee die tollen kleinen Museen, kaum jemand kennt die. Es ist ein Erlebnis, nach einer Wanderung, oben in den Bergen in einer Alpe und ganz weit weg von allem, in traumschöner Umgebung ein frischgebackenes Brot zu essen. Vergisst man nie mehr!

    Ich fürchte aber dennoch, mit alten Ruinen oder auch historisch anspruchsvollen Ausstellungen, wie es sie in Dons Heimatstadt an der Donau regelmäßig gibt, kommt man beim Nachwuchs nur weit, wenn dafür auch tatsächlich Interesse besteht. Versuchen würde ich es in jedem Fall, erzwingen aber nicht, sondern lieber beiläufig dranbleiben.

    Grüße an alle und bitte den Boccaccio nicht vergessen zu lesen.
    Stoned Again

  42. Mutti liegt mit Deutschland über (Kardinals-)kreuz
    Unsere eigene Kultur ist ja haram, also jetzt mal ein Blick ins chinesische Tierkreishoroskop. Immer schön über den Tellerrand schauen (ich sitz auf dem Gipfel der Freiheit, der Unabhängigkeit nämlich, und genieß den geistigen Panoramablick.)
    Deutschland kann sich nicht noch mehr Wahlen im Hahnenjahr leisten. Mit 1933 hat das dabei nicht einmal was zu tun. Die BRD ist ja erst 1948 im Jahr der Ratte gegründet worden. Aber Hahn und Ratte vertragen sich nicht. Und nun ist Frau Merkel vom Sternzeichen auch noch ein Pferd! Fehlt noch irgendwo ein Haseaspekt und das Kardinalskreuz ist perfekt. (was hat erdogan für ein sternzeichen?)
    Frau Merkel könnte sich vergaloppieren.
    DIE LÖSUNG HEISST NEUWAHLEN – jetzt!!!

  43. I am not on anybody´s effing side.
    I can gloatingly boast of having a free mind. the intellectual condition of living a free mind is independence. it´s like a hilly mountain top – rather lonely at times (sometimes pope francis comes by and winks at me though, and i´ve seen my kindred spirit, don alphonso there too, eating layer cakes).
    but i much prefer the panoramic view of the WOMAN ON TOP to the incipid, noisy and unnerving buzzfeed of the bee swarm most people blend in with, just for the sake of the honey they might or not be allotted to… if they behave conformly.
    so, anyway. i will watch everything from above.

  44. Eristvondort fragte am 8. April 2016 um 13:00 Uhr
    „Kann es sein (hier käme Komma)
    dass die Italiener deswegen ein sonnigeres Gemüt haben, weil sie sich
    weniger mit Landsleute-Frustabbau beschäftigen.
    Damals im Forum Romanum können Sie nicht der einzige Zuhörer
    gewesen sein. Diese Geschichte hat einen langen Bart.“
    .
    Alora, der badische Herr mit der seltsamen Hose und den grünen Krokodilsgummigaloschen und den Zerstörungsphantasien schienen mir doch recht authentisch und ein Einzelfall zu sein, im Gegensatz zu den Bodybuildern in den Imitationen römischer Legionäre in Brustpanzer und mit Spada aus Plastik zwischen Kolosseums und Porta Traiana. Photographiert habe ich ihn nicht, das schien mir nicht angemessen..
    .
    Zurück zur Eingangsfrage. So ganz tiefenentspannt bezüglich der eigenen Situation, auch wenn da die Famiglia so einiges kompensiert, scheint mir die das in Italien doch nicht zu sein. In Montecatini Terme konnte ich aus dem Hotelzimmer beobachten wie eine Mutter die etwa 15 jährige Tochter dem Fahrer eines Kleinlasters in die Kabine übereignete. Nach etwa 10 Minuten konnte sie das g´wandelrichtende
    Mädchen wieder in Empfang nehmen. Auch eine Art der Jugendarbeitslosigkeit entgegen zu treten, so wie sich in ein Kassenhäuschen zu setzen. Ich gehe davon aus, dass Chauffeur und die junge Dame nicht die weitere Fahrtroute besprochen haben.

  45. der BLOG als BILDUNGSROMAN
    so dankbar bin ich den grazilen und anmutigen schreiberinnen auf diesem blog, lerne ich doch endlich die unterschiede zwischen iBsen und iPsen und weiss nun genau, was F65.5 ist, das hielt ich bisher eher für eine reifengrösse die von der norm abweicht.

    zu ibsen gibt es in basel wohl sehr aktuell sehr gute aufführungen

    und Salerno 1943 ist auch sehr lehrreich und bildet mich weiter, verwechsle ich das doch immer wieder mit Servola und den resten österreichischer wittgensteinscher industriehochkultur grad gegebenüber dem schloss, auf dem Rilke, der „immer irgendswas im leben mit medien“ meist finanziell erfolglos machte seinen obsessionen nachging, wir müssten nun mal klären, ob die im ICD-10 erfasst sind und wie wir das entwicklungspsychologisch mit der affäre zu dem etwas älteren kindermädchen in Linz in einklang bringen können.

    wohldenn, viel spass beim blick in in Dantes vorhölle, EU subventioniert, Rilke hätte dies sicher inspiriert.

    https://www.youtube.com/watch?v=WywzVop98aY

    • Ich mach das Maß meiner Güte dann mal voll, lieber django...
      „Salerno 1943“ begann am 9. September hier:

      http://www.history.army.mil/books/wwii/salerno/map03.jpg

      (R.CAPODIFIUME im Süden heißt korrekt Salso)

      Zum Thema Dante gibt’s da, wenn’s Ihnen am Strand denn doch mal zu langweilig geworden sein sollte, was regional Angepasstes nicht allzuweit weg:

      COME ARRIVARE ALLE GROTTE DI CASTELCIVITA

      PER CHI PERCORRE LA S.S.18:
      (Paestum – Vallo della Lucania) seguire le indicazioni per Capaccio – Paestum, quindi Roccadaspide, Grotte di Castelcivita

      (aus http://www.tappetovolante.org/dante/prenota.php )

      NS:
      Die Amerikaner hatten seinerzeit übrigens ein hübsches Geschenk in den Tornistern, woran nicht nur diese Gegend bis heute zu knabbern hat…

    • Rilkes älteres Kindermädchen - paßt scho
      und braucht mit keinem Internationalen Diagnose Codex pathologisiert zu werden; denn das war so üblich bei Söhnen aus besserem Haus. Stubenmädl, mademoiselle/Fräulein der kleinen Schwester, Hauslehrer und Instruktoren, Mutter eines Gymnasialkollegen, Frau des militärischen Vorgesetzten (der junge Trotta im Radetzkymarsch, Doderers Gymnasiasten…) übernahmen die Initiative zur Initiation.

    • sie würden sich wundern, wie banal das heute alles ist. Schule, Tanzpartner, Uni.

  46. Dank für die Antwort
    @Renate Simon

    Oh das tut mir Leid. Ich habe gar nicht bemerkt, daß das selbstverständlich auch auf Sie zutreffen könnte.

    Ich meinte:

    @Ein Millennial

    und sein etwas abruptes Ende:

    „…ich konnte mir nicht selbst helfen, deswegen müssen mir jetzt andere helfen.“

    Aber dennoch vielen Dank für Ihre nette und unumwundene Antwort.
    Sie haben schon „Ihre Frau“ im Leben gestanden!

    Gruß

    Don Magnifico

    • Das muss Ihnen nicht leidtun, Don Magnifico
      ich hab mir halt den Puschen angezogen, der da rumstand. Danke für Ihr Kompliment, das Sie auch gern mit „Ihren Mann“ hätten bringen können, da mir Genderkram gänzlich am Achtersteven vorbeigeht.

    • Keine Sorge, werter Don Magnifico...
      … mir geht es gut :) Danke dennoch für die Anteilnahme! Eventuell hätte ich diesen letzten Satz aber dann doch besser in Anführungszeichen schreiben sollen – er sollte die Motivation der jungen, unterbezahlten Irgendwas-mit-Medien-Menschen beschreiben. Mit mir selbst hat diese Aussage glücklicherweise nichts (mehr) zu tun.

      Ich habe es über Umwege in eine Branche geschafft, in der verdächtig viele Altersgenossen mit ähnlichem Werdegang angekommen sind, und die, sagen wir, „Medien-nah“ ist. (D.A. mag sie nicht besonders gern, und ich kann verstehen, weshalb.) Auch hier kann man sich zwar vortrefflich ausbeuten lassen, wenn man nicht aufpasst, aber ich habe glücklicherweise ein Unternehmen erwischt, in dem es besser zugeht. Das Gehalt ist in Ordnung, Arbeitszeiten insgesamt im Rahmen, und man hat kleine Spielräume zur Zukunftsplanung. So gesehen würde ich fast von einem „Happy End“ sprechen wollen, aber ich habe hoffentlich noch einige Jahrzehnte vor mir, um mein Leben weiter zu gestalten.

  47. Barbaren am Werk
    Seit geraumer Zeit herrscht hier in Don Alphonsos Blog eine wachsende Unruhe darüber, dass Barbaren den hochkultivierten Salon erobern könnten. Denen wird unterstellt, dass sie Ironie und Satire ohne Emoticon nicht erkennen können. Verstehe ich vollkommen. Solche Ignoranten gibt es in reichlicher Anzahl bei SPON. Ich natürlich nicht.

    Die Idioten sind grundsätzlich immer die anderen. Dank einem heutigen Post habe ich nun verstanden, dass auch ich mit der in intellektuellen Verbalgirlanden geschmückten Häme gegen die „Eindringlinge“ gemeint sein könnte, als eine von denjenigen, welche sich hier breit machen und den Blog intellektuell „kontaminieren“ könnten.

    Aber don’t worry. Solche Sorgen sind verständlich und wachsen mit dem steigenden Alter. Dazu gäbe es bestimmt auch ein ICD-10 Syndrom, aber ich bin zu faul zum Suchen.

    • Tja, ganz genau so isses:
      http://blogs.faz.net/stuetzen/2013/09/25/wir-sind-1-und-sagen-danke-3947/#comment-99827

      (Sowas in der Art gab’s schon öfters, aber ich bin – Ostern ist dieses Jahr schon gewesen – auch zu faul…)

    • liebe Tamarisque
      bitte bleiben Sie hier, ich lese Sie gern!
      Aber bleiben Sie dem ICD gegenüber etwas skeptisch.
      .
      Und zu dem Herrn, der (wenn ich mich recht erinnere) mit der Klasse
      der feinen Leute argumentierte: die gibt’s ja gar nimmer.

    • Keine Angst....
      Lassen sie sich von sowas nicht beeindrucken…

      „Dank einem heutigen Post habe ich nun verstanden, dass auch ich mit der in intellektuellen Verbalgirlanden geschmückten Häme gegen die „Eindringlinge“ gemeint sein könnte, als eine von denjenigen, welche sich hier breit machen und den Blog intellektuell „kontaminieren“ könnten.“

      Man gerät schnell in eine Art Zwangslage wenn man glaubt man müsse stets richtig stellen, was andere in einen hineininterpretieren. Es gibt diejenigen, die „wissen“ und diejenigen nur meinen und dann fragen. Ob man Lust auf eine Erwiderung hat oder nicht, ganz poltisch unkorrekt die eigenenSubjektitvität entscheiden zu lassen ist immer richtig.

      Aber auch sie werden zugeben müssen, dass ab und zu so ein Kommentar dahergschwimmen kommt der schon fast nach BILD schmeckt, den sollte man dann nicht füttern. Es gibt soviel besseres zu tun, zB:

      http://www.zeit.de/campus/2016/02/slavoj-zizek-krise-terrorismus-europa

      Am besten finde ich immer noch Leute die nicht meiner Meinung sind aber trotzdem bedenkenswertes von sich geben. Ganz wie der Blog selber hier….

  48. Psycholeute und Kunstfiguren
    @ melursus
    9. April 2016 um 11:40 Uhr
    „ich stoße mich etwas an den angeführten Diagnosen – die Sie, Tamarisque sich scheinbar auch nicht zu eigen machen. Die Psycholeute sehe ich als Her-dentiere ohne Kritikfähigkeit.
    In aktuellen Diagnosevorlagen ist schon auffällig, wer länger als zwei Wochen nach dem Tod eines geliebten Menschen noch tief trauert.“

    Es gibt nicht so etwas wie „die Psycholeute“. In jedem Fachbereich gibt es die Kritikunfähigen/Kritikunwilligen: das angepasste, funktionierende Mittelmaß.

    Die Zunft bastelt halt an immer abenteuerlicheren Diagnosen. Die geschäftstüchtige Psycho-Branche und die Psycho-Pharmaindustrie wollen expandieren. Die Impulse kommen aus den USA, erreichen Deutschland in nur wenigen Jahren und werden meistens dankbar angenommen.
    Etliche neue Diagnosen werden von seriösen Wissenschaftlern nicht anerkannt.

    „Die Object.be ist eine Kunstfigur wie Porcamadonna. Ich gehe davon aus, der Dame in einem Cafe unbefangen begegnen zu können, sie kennen zu lernen und als Bekannte zu schätzen.
    Was sie für ihren Lebensunterhalt tut? Maschmeyer irgendwer?
    Ich würde jederzeit mit Frau Be Kaffee trinken.
    Wen der Don hier einlädt und zuläßt ist mir willkommen. Ob Meier555, TDV oder Sylter. Bei 57 und Schrotsäge greift er schon ein.“

    Was wollen Sie mir damit mitteilen?
    Ich finde die Posts von Obejct.Be meistens interessant und schön, eine Bereicherung, ihre Meinung hätte mich interessiert. Grenzbereiche bzw. fließende Übergänge zwischen Normalität und vermeintlicher „Störung“ interessieren mich.
    Ob Obejct.Be eine „Kunstfigur“ ist, ist mir einerlei. Im virtuellen Bereich ist jeder Diskutant theoretisch eine Kunstfigur, weil man von ihm im realen Leben nichts weiß.

    „Wollen Sie einem kleinen alten Honigbären Freude machen? Machen Sie sich lustig über Draghi, Merkel, Altmeier, Maas, Schwesig, Jäger, Hoecke und die Herzogin von Oldenburg.“

    Sorry, kein Bedarf. Habe mich im SPON Forum 10 Jahre lang mit politischer Kritik ausgiebig ausgetobt, bis irgendwann fast alles zensiert wurde. Das reicht mir. Die daraus gewonnene Erkenntnis: Keine von Ihnen genannten Personen hat meine an Kritik vergeudete Zeit und Energie verdient.

    P.S. Falls Sie mit Ihrem letzten Absatz ausdrücken wollten, was ich nicht hoffe, dass ich mich über Object.Be lustig mache, dann haben Sie mich gründlich missverstanden.

    • Titel eingeben
      @Tamarisque ich danke Ihnen für die freundliche Antwort. Ihnen habe ich nicht unterstellen wollen, sich zu belustigen und zu überheben. Frau Be und ihre etwas aggressive Selbstdarstellung hier und im Netz braucht mein Eintreten nicht.

      Ich träume von einer breiten Allianz der Individualisten gegen Totalitäre und Statisten.
      Eine Allianz von Agnostikern, Juden, Christen, Libertins, Gamern gegen die Gleichmacher, Rundmacher, Einstieler. Dafür ist Jede/r hier wertvoll.

  49. @TDV, Tamarisque, Förterliesel:
    den ausführungen von tdv und försterliesel habe ich nichts hinzuzufügen, liebe tamarisque, so wie ihnen geht es mir im analogen leben dauernd! und ich antworte mit nietzsche: was uns nicht umbringt, macht uns hart… (wobei ich da auch differenziere. als eher zierliches fräulein schätze ich zum beispiel obstschnaps sehr, aber den kippe ich in die apfelstrudelfülle, anstatt ihn zu trinken. ;-)

  50. @Tyler
    Danke für die guten Wünsche, die ich hiermit erwidere. Stiere wie wir… merkwürdig ist, dass sich selbst im virtuellen Leben eine Affinität zueinander einstellt. Ich habe viel mit Stiermännern gearbeitet, mein Druckereichef ließ es sich nie nehmen, neue Kunden in unser Büro zu führen und uns mit „meine Stiere“ vorzustellen. Wir waren zu viert, 3 Männer und ich und hatten bestes Einvernehmen, wohl auch, weil ich nie das Frauchen war.

    Im richtigen Leben traf ich immer auf die gleichen Sternzeichen, kannte viele FischInnen… sehr hilfsbedürftig wirkend könnende Frauen mit einem Rückgrat aus rostfreiem Edelstahl. Während ich eher der praktisch veranlagte, frei von rostfreiem Edelstahl, Typ bin und mich irgendwann von diesen Damen fernhielt. Man lässt sich eine Weile verkaspern, ich vielleicht aufgrund reichlicher Naivität etwas länger, aber irgendwann reicht’s sogar mir.

    Wie auch immer, haben auch Sie einen schönen Geburtstag, runden Sie in diesem Jahr? Ich werde sinnigerweise am Tag der Arbeit ins 8. Lebensjahrzehnt mit sehr gemischten Gefühlen treten, bin ich wirklich schon so alt, wie sich das anhört? Wer hätte sich das je gedacht…

  51. @ Försterliesel, Fräulein G’wandl, TDV
    Herzlichen Dank für Ihre lieben Worte, die mich sehr aufgebaut haben!

    Tja, so leicht gebe ich nicht auf. Inzwischen bin ich Don Alphonsos Fan und lese auch die Posts der Mitschreiber mit großem Vergnügen.
    Daher, zu meinem Blog-„Bildungsroman“: Fortsetzung folgt!

  52. @TDV
    Dank für den Link. Ein gutes Interview.
    Žižek plädiert für Engagement der Bürger. Das bringt gar nichts. Bei TTIP gab es drei Millionen Unterschriften in Petitionen – die Politiker reagieren durch ein gelangweiltes Achselzucken. In den Medien war die Riesendemo in Berlin einer Randmeldung wert. Gegen die Aktivisten wird in den Medien Häme gegossen, das Engagement der Lächerlichkeit preisgegeben. Beispiel Campact, die füh-renden Anti-TTIP Aktivisten, die als „„Empörungsmaschine“ (Cicero), „Alle-sind-dagegen-AG“ (Wirtschaftswoche), „Pegida von links“ (Zeit Online) beschimpft werden.
    Es ist den wirtschaftskonform angepassten Medien gelungen, das Image des gesellschaftlichen Engagements in den Dreck zu ziehen. Der Bürger hat sich manipulieren lassen, sich in eine Lage drängen lassen, in welcher er gar keine Macht mehr hat, weder durch Wahlen noch durch Großkundgebungen. In Deutschland gibt es keine einzige wählbare Partei mehr…
    Es bringt tatsächlich gar nichts, sich die Finger wund zu schreiben oder sich gar noch aufzuregen…

    • Das kann einen wirklich schon frustrieren
      Europa scheitert am Nationalismus, die Bürger an den Parteien. Demokratie täte Not. Was gäbe ich für ein imperatives Mandat.

      Stattdessen gibt es sinnlose Bundeswehreinsätze, die Kapitulation der Politik vor dem Kapital, einen Kuhhandel mit der Türkei etc. pp.

      Die Freiheit, nicht nur die der Meinung und die der Kunst, wird einer Scheinsicherheit und höheren, dem Proletariat nicht vermittelbaren Zielen geopfert.

      Einziger Lichtblick sind der Rest des investigativen Journalismus sowie einige Whistleblower, die zumindest oberflächlich für etwas mehr Transparenz sorgen, auch wenn der Erfolg zweifelhaft bleibt. Abgeschaltete Kommentarfunktionen und nicht immer nachvollziehbare Zensur trüben den längst getrübten Blick auf die Medien aber immer wieder, vom unabhängigen ÖR mal ganz zu schweigen.

      Dem, der zwar interessiert aber letztlich machtlos dem Treiben folgt, bleibt nur, sich campact, avaaz, gez-boykott und anderen anzuschließen und solche Blogs zum Frustabbau zu nutzen. Und so gesehen bringt es doch noch etwas, „sich die Finger wund zu schreiben“.

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