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Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Die gescheiterte kulinarische Umerziehung der besseren Kreise

| 160 Lesermeinungen

Saufen wollen sie alle, aber sterben will keiner
Spruch in der fränkischen Gaststube “Weinfass“ in Bamberg

Ich koche gern. Ich gehe auch gern essen. Engländer reden aus Gewohnheit über das Wetter, und Bayern über Mahlzeiten. Ich kaufe fast nur auf dem Wochenmarkt ein und habe, wenn Gäste kommen, sieben oder mehr Käsesorten im Kühlschrank. Jede dritte Frage lautet “Darf ich Dir noch etwas anbieten“? Pralinen gibt es zwei Grössen: Halbe und ganze Pfunde. Manchmal könnte man glauben, ich sei ein Gargantua, aber das sieht nur so aus. In Wirklichkeit bin ich ein Kostverächter. Ich weiss nicht, was wirklich gut ist. Leute wie ich sind es, die der Sternegastronomie in Deutschland den Garaus machen. Wir könnten, wenn wir wollten, auch noch ganz anders. Für unsereins wurden Tempel geschaffen, in denen Restaurantkritiker oft vergebens laut vorbeten. Manche folgen diesen Rufen. Aber die meisten tun es nicht.

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Die Legenda Aurea der gehobenen Gastronomie geht so: Seit der Einführung des Guide Michelin wurden hierzulande 50 Jahre Aufbauarbeit geleistet. 50 Jahre wurde versucht, unsereins die Zivilisation zu bringen, die breiten Hintern der besseren Kreise auf geschmacklich internationales Niveau zu hieven. Küchenchefs, Hotelmanager und Kritiker haben alles gegeben, um den Dämon der gutbürgerlichen Küche mit den fetten Sossen und über den Tellerrand hängenden Wiener Schnitzeln auszutreiben. Dem Deutschen wurde ein Tor aufgestossen, er müsste auf Getreideschaum und marinierten Seezungen nur in das bessere Dasein hinein rutschen. Und dann, nachdem die Infrastruktur geschaffen wurde, ist es den Proleten egal, und sie sitzen den ganzen Sommer lieber im Biergarten. 50 Jahre vortrefflichstes Bemühen – einfach so ignoriert. Was für ein Verbrechen an Schaum und Marinade.

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Nun bin ich als vegetarisch lebender Alkoholverweigerer wirklich nicht geeignet, eine Weinkarte zu konsultieren und ordinäre Kuh von Kobe-Rind zu scheiden. Mit Besteck und Damasttischdecke wüsste ich umzugehen, aber bei Kaviar hebt es mich. Ich habe eine gute Erziehung genossen und verstehe mich darauf, richtig mit aufrechtem Oberkörper zu sitzen. Es ist mir keine Freude, Nahrungsaufnahme im Maultiefflug über dem Teller zu betrachten, aber was soll ich sagen: Es gibt am Tegernsee ein gefeiertes Restaurant, das traditionelle Küche verfeinert und kleine Portionen auf grossen Tellern geschickt anordnet. Auch dort habe ich mich gefragt, ob mir das Betragen der Gäste, den Nummernschilder der abgestellten Autos zufolge Münchner, nicht noch weniger als die Kreationen des Küchenchefs gefällt. Wie sie schon die Gabel halten, ach.

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50 Jahre klingt nach einer langen Zeit, aber gemessen an den Traditionen der alten Familien ist die Epoche der Luxusrestaurants – und des Kults, der darum gemacht wurde – nur eine kurze Phase mit vielen Moden. Der Biergarten, in dem ich meistens anzutreffen bin, existiert seit 1905, und seitdem gehen wir da hin. Er erfüllt alle Bedürfnisse, die man für zwei Mittagsstunden oder einen langen Abend haben kann, Wenn dort Ruhetag ist, gibt es auf dem Weg dorthin noch zwei andere Biergärten, ebenfalls mit einer Tradition bis in die Anfangszeiten des letzten Jahrhunderts. So war das eben früher: Die besseren Kreise trafen sich im Winter an reservierten Tischen in Brauereigaststätten, die es heute meist nicht mehr gibt, und Biergärten, die sich gehalten haben. Das ist, zusammen mit der inzwischen fast schon zum Schmähbegriff gewordenen gutbürgerlichen Küche, die echte Tradition. Die hochgelobte Sterneküche ist dagegen eine Parallelwelt, zu der man nicht mit dem Rad fahren könnte.

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Der Weg dorthin wäre auch nie so schön. Einer der Gründe, warum bei uns kaum jemand nach München fährt, um danach seinem Entzücken über bekannte Namen der Spitzengastronomie Ausdruck zu verleihen, ist die wenig erbauliche Anreise. Zum Biergarten fahre ich durch eine sehenswerte Altstadt und durchs Grüne. Kein Stau, keine Suche nach einem Parkplatz: Wenn man sich an solche Wege gewöhnt hat, müsste schon etwas Besonderes den Mehraufwand rechtfertigen.

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Für manche mag das Algenkrokant und Taubenbrust sein. Der eine mag rohes Kalbsherzbries, der andere die raue Herzlichkeit von Bedienungen im Dirndl. Weit ist der Weg vom einem zum anderen. Und mit japanischen Zutaten und dem dazu nötigen Wortschatz kratzt man sich bei uns am Schädel und fragt sich, warum man sich das alles antun sollte.

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Denn der Sommer war prächtig, der Himmel war blau, und man hat sich gut unterhalten, auch ohne verschiedene Pfeffersorten und Wassersommelier, der einem in Monte Carlo dann etwas ganz Besonderes anbietet: Wasser, aber aus dem Altmühltal in Bayern, also da von wo man herkommt. Wie die Spitzenköche ihre Krisen überwinden können, weiss ich auch nicht, vielleicht gibt es einfach kein Mittel, weil es jeder schon einmal versucht hat und wenige, zu wenige, dabei blieben. Es erscheint mir weder einladend noch gastlich, und sollte die Deutsche Bank wirklich Schieflage bekommen, setzt bei den entsprechenden Kreisen ohnehin wieder die Sparsamkeit ein. Biergarten geht immer, vorerst sogar für fast 10.000 bald entlassene Commerzbanker. Für gutbürgerliche Küche wird es reichen. Vielleicht ist alles, was darüber hinaus geht, so fragil und riskant wie ein toxisches Investmenvehikel, das nicht mehr in die veränderte Welt passt. Ich höre von Brautpaaren, die mit genau 120 Euro pro Person und Mahlzeit bei der Hochzeit rechnen: Allein schon das kleinliche Rechnen widerspricht dem Luxus, der an solchen Orten kultiviert werden soll.

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Grosszügigkeit geht anders und lautet herzlich “passd scho“. Vielleicht fehlt den Deutschen da auch etwas das Selbstbewusstsein der Franzosen und Italiener, die ihre Landpartien am Wochenende ganz selbstverständlich als kulinarisches Kulturgut hochhalten, und sich keinerlei Defizite ob deftiger Nahrung einreden lassen. Am Tegernsee gab es den Versuch, einen Biergarten de Luxe anzubieten, was dem Vernehmen nach eher weniger gut angekommen ist: Wenn schon bei den Vermögenden nicht die Bereitschaft da ist, sich den Anforderungen der gehobenen Küche anzupassen, und sie lieber unten am See Pommes im Strandbad essen, sollte man vielleicht überlegen, ob man nicht aus der Unart eine Tugend machen will, wie etwa neue Bescheidenheit und Egalitarismus. Das hilft vielleicht auch gegen Erbschaftsdebatten, in denen nur zu gern das unzutreffende Bild der reichen Prasser gezeichnet wird, während der Mittelstand laut Berichten der Prantlhausener Zeitung fast schon gezwungen ist, Container zu durchwühlen. Das wollen wir doch alle nicht.

biergl

Opfer müssen für den neuen Sozialismus gebracht werden, und ich glaube, ein paar teure Restaurants weniger tun uns als Klasse im Verteidigungskampf gegen die da unten, insgesamt gesehen, nicht sonderlich weh. Man kann, ich habe es diesen Sommer oft ausprobiert, darauf verzichten, und bekommt für das Essen, wenn man es geschickt ablichtet, mindestens so viele Ahs und Ohs wie Hefe-Champagner-Velouté, was immer das auch sein mag. Auch vom Unterklassenfeind! Wer Käsespätzle isst, muss vielleicht gar nicht in den neuen Gulag. Und der Umstand, dass die S-Klasse in der Garage bleibt, ist sicher auch deeskalierend, wenn demnächst wieder die altbekannte Frage auftaucht, wer in diesem unserem Staate den Wert unserer Anlagen zu retten hat. So ein vereinigender Moment kann der gesamtgesellschaftlichen Verständigung helfen.

biergi

Es wird Herbst, und Zeit, das Silber für den Winter zu putzen, wenn wir daheim bleiben und wieder mehr selbst kochen, und dann den Armen erklären, dass es ihnen besser ginge, würden sie auch, wie unsereins, öfters am Herd statt beim Fast Food zu stehen. Man sieht also: Soziale Trennung nach der sommerlichen Vereinigung muss nicht teuer sein, es geht auch nach Hausmacher Art, und niemand, der einem nicht auf französische Art etwas einreden wollte, was man eigentlich gar nicht will und braucht, kommt dabei zu Schaden.

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160 Lesermeinungen

  1. Titel eingeben
    Es gibt zwei Mitstreiter im Netz, die wie der Don denken und auch handeln: Abels Kolumne (er entdeckt gute Orte, Wanderwege & Gasthöfe) und die Website meines deutlich schreibenden Lieblingskochs Vincent Klink. Deren kritische & lobende (je nach Notwendigkeit) Texte sind zu empfehlen.

    • Und Vincent schreibt auch Tagebuch:
      „Vor einiger Zeit kreuzte bei uns ein feiner Araber auf, der Haushofmeister eines reichen Saudis. Er schaute sich das Restaurant an, weil sein Herr hier zu speisen gedenke. Unvermittelt nannte er auf Gutherrenart einige Auflagen. Die Karte dürfe kein Schweinefleisch benennen, der Scheich liebe Chickencurry und Pizza, das halbe Lokal hätte umgebaut werden müssen und es hätte nur noch gefehlt, dass unsere Serviceschönheiten sich mit einem Kopftuch hätten tarnen sollen.

      Wir haben Nein gesagt. Auch für viel Geld ändern wir nicht unsere Arbeitsweise und unsere zentraleuropäische Arbeitskultur.

      Der Gast ist König? Was macht man aber mit einem Gast der wirklich König ist und sich nicht so verhält? Da wünsche ich mir bei deutschen Kollegen und auch bei Geschäftsleuten in der Industrie mehr Mut, Haltung und weniger dem Umsatz geschuldeten Masochismus. Die Berufsfreude nimmt Schaden, wenn man von Gästen gerne das Geld nimmt, hinterher aber geneigt ist über sie herzuziehen. Langes Berufsglück als Koch erntet man, wenn der Stall sauber gehalten wird, und man sich Gäste erarbeitet, denen man bis ins hohe Alter mit Freuden dient.“

    • Die Scheichs am Tegernsee gehen in kliniken, die da angepasst sind, oder machen halt Picnics in den Parks. Oder geben sich in Discos von München als Italiener aus.

  2. Sind Rucksäcke
    in den Biergärten noch erlaubt? Im Mutterschiff wird über Material für Rohrbomben in Autos mit polnisch-afrikanischer Besatzung nahe Rosenheim berichtet. Zum Glück ist die Saison ja nun vorbei, oder?

    • @FE: Bingo!
      Schon in der 2. Lesermeinung die Kurve gekriegt von einer unschuldigen Diskussion über Lebensstile und Geschmäcker (de gustibus non est discutandum) zum politischen Dauerbrenner – Thema Nr. 1.

      Das muss man können!

      Mich interessieren aber mehr die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Zwetschendatschi (Bild Nr.2?) und (z.B. schlesischem) Plaumenkuchen. Man muss sich doch auch einmal entspannen können!
      Übrigens existieren die vielgelobte italienische und weniger populäre französische Küche in ihren jeweiligen Heimatländern doch auch als dort bodenständige und oft sehr gute Varianten. Erst die snobistisch aufgemotzte Präsentation macht sie etwas fragwürdig. Allerdings ist zuzugestehen, dass die traditionelle französische Küche oft sehr aufwenig ist, was Zutaten und Arbeitsgänge angeht. Mit unseren deutschen Zungen sind wir manchmal nicht imstande, die feinen Unterschiede zu schmecken und zu würdigen.

      Bleiben wir lieber beim Essen – Guten Appetit!

    • Tut mir leid -
      das war meinerseits in der Tat ein reflexhafter Beitrag, der im kulinarischen Kontext wirklich fehl am Platze ist. Vielleicht kann ich Sie mit Gedanken an ein sehr leckeres bodenständiges Gericht versöhnen, nämlich „Carpaccio von der gekochten Kartoffel an Fleischmus im Darmsäckchen“?

  3. Tja, da mach ich mir doch erstmal Zweitubendreifachkonzentriertestomatenmark auf,
    rühre deren Inhalt in Fünfhundertgrammschichtkäse ein (es reicht, wenn’s grobmarmoriertaussieht) und drücke Sovielespätzle in den Entstandenenbrei, wie sich unter dessen Oberfläche quetschen lassen. Das Gemenge bleibt ungekocht einen Halbentag stehen, dann kann es – nein, nicht gegabelt wegen Fehlhaltung! – geesslöffelt werden…

    • Titel eingeben
      Und dies kalte Zeugs schmeckt?
      Oder soll das abschrecken?
      .

    • Lieber Klaus, das ist hier doch eine Ironie(=Wortspiel)veranstaltung, die sowieso nicht jedem
      schmeckt, denn auf Geschmack kommt’s eh nicht an.

      Andere ziehen die Großepolitikdergüterslohermarionettenspieler durch den Kakao, ich bleibe halt mal am Thema – spielerisch, versteht sich ( http://blogs.faz.net/stuetzen/2016/09/14/6877-6877/#comment-135256 ) – und habe gleich noch was Zeitnahangebrachtes für Sie im Köcher:

      Für den bevorstehenden Feiertag nehmen Sie eine Rechteckigeauflaufform zur Hand und belegen das Mittleredrittel mit einem etwa 1 kg Durchhinzugeknetetesdreifachkonzentriertestomatenmarkintensiverrotgefärbteteewurststreifen von Rand zu Rand der Form so, dass aus den beiden anderen Dritteln nichts daran vorbeilaufen kann – gewissermaßen als Sperrmauer. Das Ersteäußeredrittel füllen Sie sodann mit Übermäßigdurchlakritzenachgeschwärztempflaumenmus. In das Zweiteundletzteäußeredrittel lassen Sie mit Flüssigemknoblauchextraktversetztenhonig fließen. Bei Bedarf kann die Oberfläche durch Feinetilsiterkäsekrümel in Ährenkranzhammerundzirkelundodergummiadlerumrissen verziert werden. Blüh im Glanze…na, Sie wissen schon…

  4. Statt Sternegastronomie
    Gibt es heute Fitnessteller. Vom Regen in die Traufe?

  5. Herzallerliebst, ...
    … diese dezenten Seitenhiebe auf die sich anbahnende Bankenkrise. Herr Renzi würde sich sicherlich freuen, wenn es dazu käme, und Mutti dann die DB retten müsste. Er hätte damit Carte Blanche für all seine Bankenprobleme.

    Warten wir also mal ab, was über das lange Wochenende da so passiert und ob am Dienstag die Banken wieder öffnen. Über solche Zeitfenster hinweg wurden in der Vergangenheit gerne schonmal vollendete Tatsachen geschaffen.

    Notiz: Gleich lieber nochmal rasch zum Geldautomaten…

  6. Sommerfrische zu Ende?
    Biergärten geschlossen, Alpenradtouren passé, werter Don schreibt Beitrag zum Ende seiner Sommerfrische 2016…?

    Sommerfrische hat sich übrigens meines Wissens wie die Landpartie auch in Frankreich gehalten (Stichwort Paris au mois d´août).

  7. Falsche Betrachtung
    Lieber Don,
    Ihre Blogbeiträge schätze ich fast immer sehr, aber hier muss ich doch Einspruch erheben. Die Essenszubereitung und das Essen selbst weisen in unserer modernen Gesellschaft eine große Spannbreite auf; sie reicht von der Produktion von essbarem Abfall und dem entsprechenden Umfeld des Verzehrs bis zur Kunst des Kochens und dem dazu gehörigen Umfeld. Sie, Don, bewegen sich in thematisch Ihrem Beitrag zwar am oberen Ende der Skala, aber die Sterneküche ist Kunst mit Nahrungsmitteln, während die von Ihnen so gelobte Gastronomie im Biergarten ist es nicht. Und (moderne) Kunst wird nun mal nicht von jedem goutiert. Will sagen: Ich gehe nicht in ein Sternerestaurant, weil ich Hunger habe, sondern weil ich mich kulinarisch überraschen und begeistern lassen möchte.

    • Keine feine Art
      Dem muss ich beipflichten. Meine Besuche in Sternerestaurants lassen sich wegen Kosten zählen, sind aber unvergessen.
      Don betreibt hier Volkserziehung bei höheren Geldkasten.

  8. Jetzt hat's mich beim Lesen aber arg gerissen
    Käse im Kühlschrank… Die feinsten Käse haben die feinsten Düfte und man mag Gäste nicht gleich beim Betreten der Wohnung damit empfangen, ich lagere dann aus in die Loggia.

    Ansonsten fürchte ich, haben wir Deutschen wenig Ess-Kultur. Es ist ein Graus im Lokal zu sitzen und anderen beim Essen zuzuschauen. Da wird auf dem Tisch mit den Armen fast bis zur Achsel gelümmelt, das Essen vom Teller direkt ins knapp darüber hängende Maul geschaufelt, es wird geschmatzt, mit offenem Mund wenig gekaut, das Hantieren mit Besteck scheint eine Herausforderung, man sieht hochgestellte Messer und fragt sich, essen die zuhause auch so oder schlimmer.

    Zu beobachten leider bei sehr und weniger jung, die Alten schauen irritiert und verlegen zur Seite.

    Die Lokalitäten sind egal, die immer schlimmer werdenden Tischmanieren sind überall zu beobachten. Der Eindruck wird abgerundet, beobachtet man Leute beim Gang zur Toilette und Rückkehr. In der Eile ist Händewaschen nicht drin, es ist einfach nur barbarisch. Man wünscht sich dann doch ganz allgemein die Erziehung aus früheren Tagen oder der wirklich besseren Kreise.

    Statt des seltsamen Sexualkundeunterrichts wäre Hauswirtschaft und Kochen in den Schulen angesagt, denn kochen können heutzutage nur noch wenige der Jüngeren.
    Man sieht’s an den Einkäufen dieser Leute, alle möglichen Fertiggerichte, aber selten einzelne Zutaten für eine Mahlzeit. Da wäre Aufklärung nötig, denn was machen die mal mit dem empfohlenen Vorrat an Lebensmitteln für Notfälle…

    und jetzt will die Seite partout meinen Kommentar nicht, ich zu schnell, ja und, solange es nicht beim Essen ist…

    • Kleine Ergänzung
      Frau Simon,

      Fertiggerichte an einer Kochinsel aufgewärmt

    • Das ist die heutige Idiotie, Herr Dippel
      da werden Küchen für viele zigtausend Euro gekauft, aber nicht benutzt. Wohl auch aus Angst, das teure Stück könnte dreckig werden, man hat was zum Vorzeigen, das reicht manchem.

      Das Mutterschiff zeigt manchmal neue Trends, kochen kann man darin wohl nicht, sie sehen m.E. nicht einmal gut aus. Offene Küchen…
      In meiner Wohnung war die Tür zwischen Küche und Wohnzimmer ausgehängt, stand im Keller und war das erste Teil, das in die Wohnung einzog. Der Mann der Wohnungsbaugesellschaft schaute mich blöd an, weil ich drauf bestand. Dabei habe ich auch noch eine Balkontür in der Küche, sehr praktisch, die eine zu, die andere auf.

      Ich lobe mir die gute alte Wohnküche, hatte selbst eine in der vorigen Wohnung, nur leider sieht der Wohnungsbau so etwas nicht mehr vor.
      Und dann das Elend Mikrowelle, ich hatte mich vom polnischen Bekannten von wegen praktisch usw. beschwatzen lassen und so ein Teil gekauft, um dann ratlos davor zu stehen, was macht man bloß damit. Hunde zum Drintrocknen habe ich nicht, also habe ich sie verschenkt.

      Ich koche gern, ist zwar manchmal für mich allein doch einiger Aufwand, aber da ich gern und mit Freude esse, bleibt mir nichts anderes übrig. Auswärts essen macht mir allein kein Vergnügen und zweitens ist es mir auch zu teuer. Eine Portion Spaghetti in Parmesansoße kostet hier locker um die 20 Euro. Für das Geld kann ich mir einige Portionen selber zubereiten, geht auch ohne halben Laib Käse.

      Biergärten gibt es in Düsseldorf nicht, die Brauereikneipen sind nicht so meins, die hier bei mir im Dorf bietet ungenießbaren Mittagstisch, aber das Ding ist immer voll. Manchem reicht da wohl auch das Alt, um satt zu werden. Aber ich trinke kein Bier, also selber in meiner gebraucht gekauften Küche kochen.

    • Mikrowelle
      Werte Frau Simon, eine Mikrowelle ist genauso ambivalent wie fast alle Technik. Die allermeisten verwenden sie zum Auftauen oder Aufwärmen, aber es gibt Dinge, die man tatsächlich und sehr gut damit kochen kann. Gemüse z.B. kann man darin mit ganz wenig Wasser garen, was zu sehr guten Ergebnissen führt. Ganz frugal: man nimmt einen (nicht zu großen) Blumenkohl und schneidet den Strunk so heraus, daß der Kopf nicht auseinanderfällt. Dann wäscht man ihn gründlich, trocknet ihn aber nur außen ein wenig ab. Danach setzt man ihn auf eine Haushaltsfolie (Klarsichtfolie) und bestreut ihn mit etwas Salz und Zucker. Nun wird er in die Folie eingewickelt und dann noch in eine zweite und dritte Lage. So kommt er in die Mikrowelle, je nach Größe 8 – 10 Minuten bei voller Leistung. Das Restwasser vom Waschen sorgt dafür, daß man praktisch im Dampf gart – es kann ja nicht hinaus.
      Literaturtipp: „Mikrowellenkochkurs für Füchse“, von Heinz Maier-Leibnitz und Traude Cless-Bernert (beides Physiker…) Serie Piper 1287, 1986/1990 (antiquarisch).

  9. Hunger ist der beste Koch
    Mit meinem Fahradclub sind wir noch preisbewusster. Wir steigen in einem (Garten)restaurant ab, um ein oder zwei koopje koffie zu trinken und das Butterbrot dazu bringen wir mit. Gegen Ende des Ausflugs denke ich ans Abendessen und wie ich es zubereiten werde. Wenn ich es dann gekocht habe, schmeckt es meinem Mann und mir immer besonders gut.
    .
    Die **** Sterne sind für Leute, die sich kaum bewegen. Die kennen keinen Hunger und müssen sich von dekorativen und vermusten Kunstwerken animieren lassen.

    • Titel eingeben
      Ist bei mir ähnlich. Wenn ich auf Tour bin ist immer das Picknick mit dabei. Es gibt nichts schöneres als den besten Platz in der Natur, um sich über die mitgebrachten Schätze herzumachen . Ich liebe es aber auch, mich auf den diversen Märkten an den Ständen über die lokalen Köstlichkeiten zu informieren und bin da gerne experimentierfreudig. Üblicherweise wird man in den Sternelokalen ob der saloppen Kleidung nicht so ganz ernst genommen.

  10. 'Glücklich gewürgte Taube ' (Originalzitat aus einer Speiskart' im Salzburgischen)
    gleich bei uns ums Eck….

    Der Spitzengastronomie-Larifari überlebt sich meist schon mit der Gründung, weil die G’stopftn (Besserverdiener) einfach nicht und nicht bereit sind, für ein ‚Nixal in an goidnan Bixal‘ Herrn Draghis Scheinwährung in Regimentsstärke abzudrücken.

    Lieber Biergarten und Küche wias ghead (comme elle faut, la cuisine), passd schoo !

    Affentheater ist für Affen , ob Festspiele, bei denen Klassiker huchilein, so hübsch verhunzt werden, Politik Marke Selbstzerfleischung, oder eben “’Spitzengastronomie“‘ , wo man die Teilnehmer nachher beim Würschtlstand trifft, weil alle mit der Molekularkiste nicht satt geworden sind .
    Biergarten- passd schoo ! Gmiadli, zinfti, bodenständi, wias ghead , ohne Trara und Chichi, guad einfoo !
    Und im Winter die Stubn, dunkelholzgetäfelt, aber leider Nichtraucher,eini ind Jackn, ausse aus da Jackn, irgendwann bleibt ma dahaam ( a la maison)…..
    spätestens, wenn das “Geld“ den Weg der frühen Zwanziger des 20ten Jahrhunderts gegangen ist, mille Grazie, Signor Draghi, der Euro ist so hart wie die Mark ,aber leider NUR so hart verdient…
    Der schöne Schein einer Küche, die Niederknieen befiehlt, wo man gut satt werden möchte, ist ein kurzlebiger, iwahapts bei uns in Bayan !

    Das zieht in Dietls diversen Münchner G’schichten et al. , aber im wirklichen Leben eben nur für Neureichs aus dem preissischn Auslond .

    Ned amoi mea d’Wiesn wird angenommen, so man nicht japanischer Provenienz ist.
    Wenn ‚Willkommen‘ eine Leibesvisitation ist, bleibt man im heimischen Biergarten, und gut iss !
    Für die, die sich auskennen :
    Enka Manna kennts fei söwa safa !

  11. Die Edelkalorienjongleure haben doch nur bewirkt,
    dass affektierte Leute überkandideltes Designfutter kriegen. Denen (meist Parvenüs) gönne ich das. Mir allerdings fehlt der Zwiebelrostbraten. Der ist ausgestorben. Das was unter diesem Namen angeboten wird, sind heute Steaks, leider. Dann lieber Kässpätzle.

    • Zwiebelrostbraten
      In München stets auf der Speisekarte im Öeins, Herzogstraße.
      Sehr empfehlenswert!

  12. Sterne-Küche vs. Bodenständigkeit?
    Das Eine schließt das Andere ja nicht unbedingt aus. Es gibt sehr viele gute Beispiele für eine gehobene Gastronomie (Sterne-Küche), welche ohne übertriebenes „Brimborium“ auskommt und eher Bodenständig auftritt. Gerade in Deutschland ist in den letzten Jahren das Niveau und die Vielfalt der Restaurants (nicht nur in der Sterne-Küche) doch eher gestiegen (auch wenn viele Betriebe sicherlich mit mangelnder Nachfrage zu kämpfen haben). Grundsätzlich ist die Bereitschaft in Deutschland etwas mehr Geld für Lebensmittel/Essen von guter Qualität auszugeben, doch noch eher gering ausgeprägt (wenn man das mal so pauschal formulieren darf). Zudem kommt schnell der Vorwurf der „Dekadenz“ ins Spiel. Meiner Meinung nach vollkommen zu unrecht.

    Den Begriff der „Umerziehung“ (auch wenn er sicherlich überspitzt gemeint ist) empfinde ich in diesem Zusammenhang wirklich als „starken Tobak“. Meiner Meinung nach hat es eher einen aufklärerischen Wert.

    • Das ist das, was ich empfinde, wenn Leute versuchen, sich mit so etwas gross zu tun. Solange Gastrokritiker ein grösseres Maul als Kunsthistoriker haben, läuft etwas falsch.

    • Kriterien
      @ Don Alphonso sagt:
      1. Oktober 2016 um 00:09 Uhr

      Es gibt nun einmal gutes und schlechtes Essen. Um dieses objektiv beschreiben zu können, benötigen sie eine Begrifflichkeit und Kriterien (Texturen, Aromen etc.). Diese sollten aber sicherlich nicht übertrieben werden und verständlich formuliert sein. Das heißt ja nicht, dass mir alles „gute Essen“ schmecken muss. Der subjektive, persönliche Geschmack spielt natürlich auch eine Rolle.

  13. Titel eingeben
    Ich finde bezeichnend, dass viele Spitzenköche privat dann doch eher der traditionellen Küche zugewandt sind.
    Selbst Currywurst mit Pommes sind keine Seltenheit. Das macht doch Hoffnung!
    Denn dann geht es nunmehr um diejenigen Zeitgenossen, die nicht Essen gehen, um zu essen, sondern einzig, um ihren Status zu zelebrieren. Was ich für sehr blödsinnig halte. Naja.

    Übrigens wäre doch folgendes Experiment doch ganz nett:
    Anstatt sich in immer exotischeren (und teureren!) Zutaten zu verlieren, könnte die Spitzengastronomie doch einmal her gehen und folgendes tun:
    Sich ein Schwein/Rind/Schaf aus der Region kaufen.
    Es schlachten.
    Und erst dann wieder ein Tier kaufen, wenn man das alte vollständig verwertet hat.

    Auf diese Art und Weise wäre nicht nur dem bioökoregionalen Zeitgeist entsprochen, es würde auch verstärkt zu Gerichten führen, die von der traditionellen Küche gar nicht so weit weg sind. Mahlzeit!

    • Sie müssen - wie ich - Süddeutscher sein
      „Und erst dann wieder ein Tier kaufen, wenn man das alte vollständig verwertet hat.“

      Wenn sie das nördlich des Mains versuchen, dazu müssen Sie eben auch Saures Lüngerl / Kutteln / Hirnsuppe anbieten, dann werden Sie aber des Völkermords durch Aushungern überführt und wahrscheinlich zu lebenslang Currywurst verurteilt …

    • Kutteln und andere Innereien...
      @Werner Albrecht

      sind schon sehr speziell. Außer mit Leber könnten Sie mir damit keine Freude machen, allerdings habe ich in Düsseldorf noch keine vernünftige Currywurst bekommen. Die können nicht einmal eine gute Bratwurst, wie ich sie von daheim in Ostwestfalen kenne. Vom Rost, hier kommen die Dinger aus der Fettpfanne.

    • Hirnsuppe
      Gebratenes Hirn habe ich mal probiert.Mein Mann mochte Voressen, wie man hier zu Kutteln sagt, ich nicht. Sie seien gut, wenn’s gut gemacht ist.
      Gerne habe ich saure (Hirsch)Leber zubereitet und gegessen.Sie ist die feinste.
      Lunge und Nieren sind nicht meine Sache. Ochsenmaulsalat schon gelegentlich.

      Bei der Gelegenheit möchte ich sagen, dass ich natürlich weiß, wie man Rettich schreibt. Habe es an anderer Stelle mit „g“ eingestellt…

  14. Mahlzeit
    Es tut wohl, auch mal etwas über das Essen zu lesen (die Verbindung zum Politischen versuche ich bis zum Schluss zu vermeiden). Ich bin Omnivore, aber nur in geringen Maßen sehr anspruchsvoll Carnivore. Ich stamme aus Thüringen, koche selber gern und liebe die alten Rezepte meiner Großmutter, die mich kochen lehrte (das ging im Alter von 5 Jahren los). Meine Großeltern waren Bauern, die Rezepte sind saisonal (je nach Erntegemüse), frisch und – Überraschung – sehr fleischarm. An sechs von sieben Tagen in der Woche koche ich selbst. Meist für mehrere Personen. Magerquark oder Margarine beispielsweise wurde bei uns als „Ersatzessen“ der Weltkriegszeit deklariert und auch die Tatsache, dass es einem heute als cholesterinarm oder vitaminangereichert und als „gesund“ präsentiert wird, änderte nichts an der Verachtung solcher industriell verfertigter Lebensmittel in unserer Küche. Verpönt wie falscher Kaffee zu DDR-Zeiten.
    Einzig und allein das Fleisch, das traditionell meist mehrere Stunden durchgeschmort wurde, bevor der zähe alte Ochse essbar war, habe ich in meiner Kindheit verschmäht. Erst seit ich die kurzgebratenen zarten Filetstücke der eigens für den Verzehr gezüchteten Rinder in der modernen Küche für mich entdeckt habe, esse ich überhaupt Fleisch. Aber selten.
    Was ich aber immer schon aß, ist die (echte) Thüringer Bratwurst. Das ist wohl angeboren. Vor einigen Jahren arbeitete ich am Bundestag in Berlin, es gab einen kleinen Abendempfang in der Thüringer Landesvertretung in Berlin, eine überflüssige Institution. Während noch endlos gelobhudelt wurde, roch man ihn bereits, den originalen Bratwurstrostgeruch, wie er durch das Haus zog – und nach drei Monaten ohne Pause im trostlosen Berlin erwachte mehr als Hunger, es war Sehnsucht nach einem Senfschnuller mit Brötchen. Als das Buffett schließlich eröffnet wurde, wurde uns „Variation von der Bratwurst“ präsentiert: Im Crêpe gerollt mit asiatischem Sauerkraut, an Kaviar, am Spießchen… Es war eine schreckliche Enttäuschung, mehr möchte ich dazu nicht sagen.
    Ich weiß auch nicht, woher der Trend stammt, althergebrachte kulinarische Traditionen zu verschandeln oder ausmerzen zu wollen. Wer würde in Italien sardonische Mettwurst auf Kaviar betten? Wer würde in Frankreich den Coq au vin durch die Molekularküche zerren?
    Im Luxushotel, in dem ein Freund arbeitet, macht das Sternerestaurant übrigens nur Verluste, das deftige Restaurant wirft satte Gewinne ab.

    Wann kommt die Einladung an den Tegernsee? Käsespätzleesser aller Länder vereinigt euch!

    • Neben der Thüringer Bratwurst
      Foxy Lady,

      hätten Sie gerne auch Rostbrätl erwähnen dürfen, wenn es mir als Rheinländer erlaubt ist, sie da zu ermuntern :)

  15. In Travemünde neulich las man es noch genauso,
    aber nur unter/bei den Einheimischen dort; „Zum Glück“ denkt sich auch da die +/-70-jährige Multiimmobilienbesitzerin vom norddeutsch-alten Geld „erkennt mich ja kaum einer, wenn ich mit meinem alten Badeanzug und eingewickelt in das 30-jährige Badetuch meiner großen Liebe und in meinen bequemen alten Sandalen um die Mittagszeit mal eben zwei Stunden inkognito an den Strand husche, unser Reetdachhaus – die Vermietung ist nun einmal anderswo – liegt ja wunderbaresweise etwas zurück in der zweiten Linie, wo es nicht jeder immer gleich sehen muß“ – die Zugereisten etwas weiter am Timmerndorfer Strand dagegen hatten erkennbar echte Probleme für ihre neuen Porsche Cayman-Cabriolets hochpräsentable Plätze auch für die neuen Alufelgen vor den aus den Gazetten bekannten Nobelfressbuden zu bekommen – und sahen wohl vor allem darob so unglücklich aus?

    Aber deren Businesses folgen unbemerkterweise heute wohl den bekannten Militärstrategien für „Attacke“, und können mangels Bildung & Selbstaufklärung evtl. auch in der Freizeit nicht abgelegt werden? Denn „schnell ran, schnell rein, schnell wieder raus“, so geht Attacke. Und was man noch so an Schnelligkeiten eben NICHT braucht.

    Und danke für den wunderbaren Text einmal mehr.

  16. "Opfer müssen für den neuen Sozialismus gebracht werden" - Der ist wirklich gut.
    Der ganze Absatz von Unterklassefeinden bis Anlagerettung, wirklich gut. Was ich nicht verstanden habe, ist der vereinigende Moment. Gut nachvollziehen kann ich dagegen die Abneigung von Wassersommelier bis hin zur Molekularen Küche. Paul Bocuse erhielt für seine Kochkunst übrigens das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Ein wahrhaft vereinigender Moment im Sinne der Völkerverständigung über das Kochen.

    Ach ja, der vereinigende Moment. Die Rettung der Deutschen Bank durch Steuergelder ist selbstverständlich alternativlos, da es sich ja um eine systemrelevante Bank handelt. Das vereinigt schon, wenn auch unfreiwillig und nicht wirklich vereinend. Das ähnelt eher einer Zwangsheirat. Ein vereinigender Moment wäre es, wenn nicht nur private Verluste, sondern auch private Gewinne sozialisiert würden. Eine läppische Erbschaftssteuer, so wie jetzt im Bundestag durchgewunken, reicht da jedoch bei weitem nicht aus.

    Es heißt ja, viele Köche verdürben den Brei. Die Realität zeigt jedoch, daß dazu auch eine Köchin bzw. ein Koch völlig ausreicht. Das Kochen ist eben nicht jedem gegeben und Kochkunst hat wenig mit Kochtechnik oder Kochexperimenten gemein. Mit guter Hausmannskost ist man auch ohne internationale Küche bestens, wenn nicht sogar besser, bedient. Bei uns in der Provinz hört sich das dann so an: Wat de Buer nich kennt, dat frett he nich. Und Bauern sind mitunter ja auch ganz schlaue Menschen, obwohl den dümmsten Bauern ja nachgesagt wird, sie ernteten die dicksten Kartoffeln. Na ja, bei CETA und TTIP denke ich da eher an Motten, die ins Licht fliegen und dort verbrennen.

    Vielleicht zum Schluß noch „leben und leben lassen“? Würde das mehr beherzigt, würden die Unterklassefeinde in einer innigen Vereinigung gut verköstigt, dann würde das der Gourmet-Gastronomie zwar auch nicht unbedingt helfen, am Ende aber alle satt und friedlich stimmen.

  17. Biergoadn mid di Kiarchn glei danebn. Daumen hoch, aber beide.
    Dachte schon der Don macht hier den (sensiblen) Dolasse, der auf hinterfotzigdenunziante studentische Zurufe den universitären Kantinen noch hinterfotzige Gerichte promotionskreiert. Und das nur weil jetzt nicht in jeder Uni-Kantine eine Außenstelle eines US-amerikanische Speisebreibräters oder ein Pasta-Atelier installiert ist.
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    Aber der wirkliche Mehrwert dieses schönen Beitrages wird erzeugt durch das Fehlen jeglicher Netzgeschichten.
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    Und ich muß sagen, auch mich „hebt es“ mich seit dem auf vielen Speisekarten die Präposition „mit“ durch „an“ ersetzt wurde. Also irgend ein „Wachtelbrüstchen AN weiß-der-Herrgott-was-für Schäumchen.“ Und dann hebt es mich ein weiteres Mal nach dem Lesen der Menükarte wenn ich meinen Compatriotes am Nebentisch zuschaue, wie sie das Menü mit dem „an“ nur mit der Gabel als einzigem Schanzzeug vom Teller stochern um mit der freien Hand ihre Verbindung mit der Restweltnabelschnur aufrecht erhalten. Kein Blick mehr für die schönen Kastanienbäume oder den oder die Gegenüber. Oder im Schreyegg in Stegen am Ammersee einfach mal übers Geländer zu „die Fisch und die Schwäne“ im See oder die Alpenkette im Süden.
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    Übrigens, einige Fotos erinnern mich stark an den Metzgerwirt zu Hurlach, dort bei Castrum Landispurga, zwischen Altbayern und Schwaben, den zu erreichen es nur eines winzigen Schlenkerers weg von der Via Claudia Augusta (heute schnöde B 17 genannt).
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    „….der einem nicht auf französische Art etwas einreden wollte…“ Ach glauben Sie mir Don, die Franzosen sind längst wieder zu sich gekommen. Fahren Sie mal nach Mittel-und Südbaden.
    Entre temps, les Français au week-end mangent en Allemagne. Fahren Sie mal sonntags Richtung Hornisgrinde, Seebach, Ottenhöfen, Kappelrodeck-oder an den Kaiserstuhl-oder Staufen im Breisgau. Überall Franzosen und Schweizer, schon der Preise wegen und ohne Schnickschnack. Man kommt aus dem Aargau, die Franzosen von Metz, Nancy oder Plombières. Während , man verzeihe mir, der gefühlte Emporkömmling aus Kallsruh oder Bade-Bade sein Geld nach Illhäusern oder nach Lembach (-les-Maginot) ins Cheval Blanc trägt.
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    Schönes Wochenende allerseits.

  18. Nahrungsaufnahme
    „…Nahrungsaufnahme im Maultiefflug…“

    Sehr schön formuliert.
    Leider bescherte mir das ungebetenes Kopfkino, schuld sind Sie- mir geht der ehemalige Mitbewohner welcher mit gefülltem Mund in netter Runde gern präsentierte was noch kurz zuvor auf dem Teller lag nun nicht mehr aus dem Kopf.

  19. Alphorismen
    Manchmal bin ich auch nur hier für die Aphorismen und Maximen, die einst im blau-weißen Büchlein stehen werden:

    „Wer Käsespätzle isst, muss vielleicht gar nicht in den neuen Gulag.“

    Richtig, aber befindet er sich dann nicht schon im selbstgewählten Verdauungs-GULAG? Als Liebhaber edlen Tabaks sehe ich die Volks-Bröselzigarette von Winston Smith vor meinem inneren Auge. Und außen den realen Volkserziehungs-Horror der Zigaretten-Wand im Kiosk. Das traumatisiert sogar nichtrauchende Kassiererinnen.

  20. > Sonntag 19.09.2016 Saisonende
    Ja mei, selber schuld. Bei diesem herrlichen Spätsommer… :-)

  21. Das Schild :D
    1989 ist die neue „gute alte Zeit“. Quasi das letzte Jahrtausend.

  22. Regionales...
    Da spielen aber auch noch lokale Vorgaben eine Rolle: ich kenne Südbaden, das Rheinland und Oberbayern ein wenig und das sind drei verschiedene Typen. Im Rheinland ist es gar nicht so einfach, überhaupt etwas Gutes zu bekommen, da ist ein „gehobenes“ Restaurant oft schon aus schierer Verzweiflung notwendig, wenn man gut essen will. Einrichtungen mit dem Namen Biergarten gibt es auch, aber das hat sehr wenig mit dem Original zu tun – Tische, Bänke und gelbes kohlensäurehaltiges Getränk reichen halt nicht aus, auch wenn es bei passendem Wetter und Begleitung natürlich auch ganz nett ist. Der Begriff des „Weißwurstäquators“ als kulinarische Trennlinie ist auch in Bezug auf Qualität des „normalen“ Essens durchaus zutreffend…
    In Südbaden dagegen gibt es, behaupte ich (oder gab zumindest), in jeder beliebigen Dorfgaststätte Gutes zu Essen und manche Köche, die dort Sterne bekommen haben, bieten immer noch im Wesentliche lokale Küche an. Die entsprechenden Lokale sind oft unprätentiös und man ist auch als Vertreter der normalen Gesellschaft nach einem Menü nicht gleich bankrott. Es ist halt ein wenig so wie in Frankreich, wo auch normale Leute öfter mal in ein Restaurant gehen. Biergärten im bayrischen Sinn gibt es kaum, wohl aber Terassen etc als Anhang einer normalen Wirtschaft.
    In Oberbayern ist das „normale“ Essen ebenfalls hervorragend, aber etwas „rustikaler“ und so fühlten sich die angehenden Sterneköche wohl eher bemüßigt, sich davon mehr oder weniger deutlich abzuheben. Nun mag man in „besseren Kreisen“ wohl schon mal zu gratiniertem Algenschaum greifen, wenn jemand zusieht, aber eigentlich möchte man doch lieber etwas Anständiges essen (vgl. „Drei Männer im Schnee“). Und Hugo Sprizz ist zwar cool, löscht aber nicht den Durst. Und dann ist ja auch, wie gesagt, das normale Essen auch sehr gut gemacht – man muß ja nicht ins Donisl oder Hofbräuhaus gehen.

    • Folgen Sie einfach
      dem Rat anderer Rheinländer, denn Ihr Urteil ist mehr als absurd.

      Entschuldigen Sie bitte.

    • Warum so empfindlich?
      Ich gebe ja zu, daß ich voreingenommen bin als gebürtiger Badener, und ich habe auch nur knapp 30 Jahre im Rheinland gelebt, da kann ich schon das eine oder andere Schmankerl übersehen haben.
      Man kann sich natürlich auch im Rheinland gut ernähren – aber hier ging es ja eher um Gastwirtschaften und da ist es nun wirklich nicht so dolle. Die Ausnahmen kennt man dann mit der Zeit und ignoriert den Rest.

  23. Saufen wollen sie alle, aber sterben will keiner
    Alles andere kann die Saison aber nicht beenden, das haben Sie ja klargestellt. Nicht, wenn die kulinarischen Vorlieben der anderen Seite zwischen Hannibal Lecter und Störtebeker changieren. Ist schon klar, muss man nur umsetzen.

  24. Vegetarisch...
    Mal eine persönliche Frage an Sie, sehr geehrter Don Alphonso.
    Vegetarisch… Heißt das in Ihrem Fall, dass Sie lediglich keine toten Tiere (Säugetiere, Fische, Vögel etc.) verspeisen oder auch keine tierischen Produkte wie Eier, Milchprodukte und Honig?
    Im letzteren Fall hätten Sie aber Probleme, denn Kuchen und Torten sind
    nix ohne Eier, Butter und Sahne.
    Mit freundlichen Grüßen
    Doris Oltramari

  25. Zu den Exerzitien, zu den Exerzitien !!!
    Werter Don!

    Das sind die richtigen Exerzitien! Diese Exerzitien kann ich nur empfehlen. An diesen Orten kommen mir immer wieder intensiven Besinnungen und kommt es zu sehr interessanten Begegnung mit Gott und meinen Mitmenschen. Man erkennt sofort welches Geschenk uns mit dem Leben an sich, und einem Biergarten im Besonderen gemacht wurde.

    Mein sehr geschätzter Kollege „Prälat Hinter“ zeigte bereits in einer seiner „Bullen-Folgen“, was ein wahrer barock-katholischer Geistlicher -unter „Exerzitien“ versteht; gel?!

    Ja…, es sind/waren die katholischen Länder, die die Kochkünste zum Höhepunkt führten/führten!

    Deshalb: auf zu den Exerzitien!

  26. Und ich dachte erst, dass es um Bestrebungen der jüngeren Zeit ging
    Stichwort Veggie-Day.

    Naja. Aber das richtete sich auch an die ungebildete Masse.

    Schöner Artikel, vielen Dank dafür. Die echte Westviertel-Perspektive tut einfach gut.

  27. Vor lauter Begeisterung über die Biergartenfotos vergessen....
    Bezug zu nehmen auf: „Essen, wenn man es geschickt ablichtet….“
    .
    Hui-und darauf eine Magenspiegelung mit Nachaußen-Übertragung auf Großleinwand. Kartoffelsalat mit Ochsenmaulsalat oben drauf. Als Getränk Johannisbeersaft, glei a Holbede. Kartoffelsalat mit Mayonnaise. Dafür hätte es früher in Bayern (auch in Württemberg), abgesehen mal von Bundeswehrstandorten (wg. Ruhrgebiet+alles geogr. darüber) den sofortigen Entzug der Schankerlaubnis gegeben, vermute ich mal. Und ich stelle mir das Gesicht des originären Friburgers vor wenn ihm „Schiefele“ (ähäm: Schäufele) mit Mayonnaise-Kartoffelsalat vorgesetzt würde.
    .
    Wie sagte einst der alte hosenträgertragende Kommissar Marek aus Wien zu diesem nasalquäkenden Häberle-Typen mit dem Zuhälterbärtchen bei seinem dienstlichen Ausflug nach Schtuegard, als dieser ihm „Mauldasche….oder vielleicht a Flädlessubb“ anbot: „Naaaa, dös klingt ned guud.“
    .
    Und da wunderte ich mich schon über die beiden Bocksbeutel unter dem Sinnspruch und frage mich schon, ja will er denn das kulinarische Frankenland ostwärts der Linie-Nürnberg-Fürth-Forchheim bis zum einstigen sozialistischen Schutzwall nicht erwähnen? Er erwähnte sie, diese segensreiche Landschaft voller Klias un Grusdn-Schweinsbroodn mid vül Soosn, Schäufala mid Graud…. am kulinarischen Himmel, auch dort weiß-blau. Eine Region, welche mein einst architekturstudierender Sohn (Kallsruh beim Lederer) und sein Kommilitone aus eben jener Gegend, nämlich Coburch, nicht ruhen mögen zu rühmen. Dabei hat jedes Dorf seine eigene Brauerei, wenn nicht zwei.

    • DdH, kennen Sie zufällig den Ochsen in Haslach?
      Meine Schwiegermutter hatte sich im dortigen Altenwohnstift eingemietet, noch ehe es fertiggestellt war und wir nächtigten dann immer im Ochsen bei der Familie Thoma. Eine Küche zum Niederknien, damals erst beim Senior, Frau Thoma machte die Spätzle und wunderbare Salate, er war der Herrscher über Töpfe und Pfannen. Wenn es nach ihrer Meinung zu voll wurde, schloss sie einfach die Tür ab.
      Nach dem frühen Tod des Seniors führt der Sohn das Haus weiter und auch sein Essen ist hervorragend.

  28. Am "lecker" erkennt man sie...
    …die Zuagroasten, auf dem Land wie in der Stadt übrigens auch. Zum Glück verirren sich die wenigsten davon in die „Wirtschaft“, weil zu ordinär. Klappt anscheinend nicht so mit der Integration ;-)

    Auch ich erinnere mich gerne an die Zeit, als der ganze Familienclan am Sonntag um 12h geschlossen in die Wirtschaft einrückte. Und sei es nur um den vorangegangenen Kirchenbesuch nebenan zu simulieren.

    Anstatt 5580 restlicher Zeichen über Menschen vom selbsterklärten Typ „Macher“ (die wahrscheinlich schon wegen der Haare auf den Zähnen mancher Biergartenbedienung sich nicht reinen Herzens in selbigen trauen ), ein herzliches Danke für den schönen Text und ich freue mich gleich doppelt drauf, die Silbergabel in den selbstgemachten Datschi zu jagen!

  29. Titel eingeben
    Die Bratenwirtschaften der Fränkischen Schweiz, die selbstverständlich auch schon lange eine vegetarische Karte haben, angesteuert mit dem Radl auf den zahllosen Fahrradpisten sind immer einen Versuch wert.

  30. Verwirrt
    Jetzt bin ich verwirrt: Essen und Speisen sind Kultur. Wie ist das jetzt in Bayern? So oder so?

  31. eine Art nursery food
    also Sachen die man schon seit langem kennt und immer wieder so, genau so bitte, essen möchte. Auch im gleichen Ambiente, bitte. Angesichts der unaufhörlichen Gastro-Fluktuation so unmöglich wie zweimal im selben Fluß baden.

  32. Pomp and Circumstance
    Lieber Don Alphonso, sehr sympathisch, Ihr heutiger Blog, herzlichen Dank. Ja, der Kult, der da getrieben wird, das ist es. Was ich eben auch nicht mag, sind die prätentiösen Rituale, die mit dem Besuch verknüpft sind. Wenn ich Essen gehe, will ich nicht taxiert werden, welchen „Marktwert“ ich besitze, sondern das Essen genießen. Auf die Show drumherum kann ich verzichten. Das liegt auch daran, dass wir so lange in Hong Kong lebten, wo jeder Gast in den exklusivsten Restaurants der besten Hotels der Welt gleich behandelt wird, mit zu-vorkommender Höflichkeit, als sei jeder der wichtigste Gast ever. Das ist ganz natürlich und hat nichts Gekünsteltes an sich. Das können die Deutschen nicht, und auch nicht die Finnen, weil sie sich so furchtbar wichtig nehmen. So hat man hier in manchen Schickimicki-Lokalen das Gefühl, sich als Gast zunächst quasi als „würdig“ erweisen zu müssen, man muss sich „hochessen“, also regelmäßig massenhaft Geld ausgeben und sich ein gewisses Getue aneignen, bis man „angekommen“ ist. Mir ist das zu dumm, und wenn ich so etwas beobachte, bekomme ich keine Lust, jenes Restaurant noch einmal zu besuchen. Ich bin froh, wenn ich da raus bin. Ich mag Menschen, die low-key sind, die es nicht nötig haben, den teuersten Champagner zu bestellen, nur um als Mitglied der menschlichen Rasse angenommen zu werden. In den traditionsreichen Häusern ist das auch hier natürlich nicht so.

    Am Wenigsten reizen mich die Dinner-Shows, die mit irgendwelchen schrillen Programmen verbunden sind. Die finde ich ähnlich unappetitlich wie Musicals.

    Ja, hier am Nordpol gibt es auch diese zwei Welten: Diejenigen, die sich beweisen wollen, und diejenigen, die in ihren versteckten Villen leben, und wenn sie mit ihren Hunden an den Elbhängen spazieren gehen, so sehen manche so unauffällig und bescheiden aus, dass man sie nach den Pöseldorf-Eppendorf-Kriterien für das Dienstpersonal halten würde. In jener Gegend gibt es gemütliche Cafés und eine Teestube, in welchen selbst gebacken wird. Das Ambiente ist ge-pflegt, aber bodenständig ländlich. Das gefällt mir.

    Btw. in der Vox Kochsendung, die ich dann anschaue, wenn die Teilnehmer mit Messer und Gabel umgehen können, nahm neulich ein Sternekoch aus Tegernsee teil und kochte in seinem Privathaus für die anderen Teilnehmer der Sendung. Er wird wohl der von Don Alphonso genannte Koch gewesen sein:
    https://tegernseerstimme.de/gmunder-sternekoch-undercover/222202.html

    • Wenn ich den Eindruck habe, dass ich mich Dienstboten würdig erweisen soll, bin ich weg. Auch ein Koch ist nur ein Dienstbote. Alles andere, was Menschen glauben, ist absurd.

  33. Die raue Herzlichkeit von Bedienungen im Dirndl
    Lieber Don Alphonso,

    für jemanden, der von sich selber sagt, er wisse nicht was wirklich gut ist und dem aus welchen Gründen auch immer, seien es ein persönlicher Glaube oder eine bedauernswerte körperliche Unverträglichkeit, jegliche Empfindung für gute Weine oder andere edle Verfeinerungen von Alkohol, wie Fleischprodukte nicht möglich ist, wie auch der Sternegastronomie nur die kalte Schulter zeigt, haben Sie sich ja auf die richtige Seite geschlagen.

    So wird sicher kein nennenswerter Widerspruch zu erwarten sein, wenn man Ihre Gedanken zusammenfaßte und zu der Feststellung käme: Bayern begreift sich als etwas Grossartig-Gewordenes und weniger als etwas Werdendes.

    In diesen, auch in Bayern, bewegten Zeiten mit einem schwächelndem und wankenden Landesfürsten, fernab der kampfbewährten Standhaftigkeit eines FJS, werden die Biergärten in Bayern mit der rauen Herzlichkeit der Bedienungen im Dirndl, wie Sie es so schön beschreiben, die letzten Bastionen einer Bayerischen Hochkultur sein.

    Nachdem jenes, was sich so Kanzlerin nennen darf, in Unkenntnis, der alten Volksweisheit : „Wer sich alle Türen offen hält, wird sein Leben auf dem Flur verbringen.“ Millionen eingeladen hat, um mit diesen auf Handyphotos zu posieren und die Republik zu verändern, sind die bayerischen Biergärten ja eine Art gated community für die schützenswerten Traditionen.

    In jenen, meist durch dichtes Buschwerk umschlossenen, gourmetfreien Räumen dominiert auch die Sprache der edlen Wilden, die autark, einfach und bescheiden, gesund, kampfbereit und frei, dank tugendhafter Naturnähe den Lastern der neuen Islamzeit fern bleiben.

    Während die deutsche Regierung für die Islamischen versucht das sogn. Konzept der „Leichten Sprache“ möglichst schnell umzusetzen und Behörden mittlerweile verpflichtet sind, ihre Verlautbarungen in Leichter Sprache zu veröffentlichen, hatten die einheimischen Dauergäste in den Biergärten ja schon immer ihre etwas wortkarge, reduzierte Sprache, fernab der kultivierten, deutschen Hochsprache.

    Und im Gegensatz zu der neuen „Leichten Sprache“, die eigens für geistig Behinderte und sprachunkundige Islamische entwickelte wurde, kamen die Bayern ja bisher ohne nennenswerte Probleme in ihrer reduzierten Sprache mit ihren Obrigen in den Behörden zurecht.

    In den Wirtsgärten- und Stuben des Bayerischen mit ihrer gut bürgerlichen Küche, wo man sich bei „japanischen Zutaten und dem dazu nötigen Wortschatz“ am Schädel kratzen würde, wie Sie sagen, ist unsere Hochsprache deplaziert wie die Nouvelle Cuisine.

    Ich kann ja gut verstehen, daß die hochgelobte Sterneküche für Sie dagegen wie eine Parallelwelt erscheinen muß, zu der man nicht mit dem Rad fahren kann.

    Doch denke ich, daß diese ebenso ihre Berechtigung hat für all jene Menschen, die sich zivilisatorisch etwas weiter entwickelt haben, oder es noch wollen.

    Bei Ihrer Glorifizierung der bescheidenen, wie stabilisierenden Einfältigkeit sollten wir doch auch ein wenig darauf achten, daß sich nicht ein Bild von Bayern ergibt, so wie es der Münchner Lion Feuchtwanger in seinem Roman „Erfolg“ beschrieb:

    „Material über die Sitten und Gebräuche der altbayrischen Menschen(…) findet sich in einer Zeitung, die damals in einem altbayrischen Ort namens Miesbach erschien; dem ‚Miesbacher Anzeiger‘. Diese Zeitung ist in zwei Exemplaren erhalten, das eine befindet sich im Britischen Museum, das andere im Institut zur Erforschung primitiver Kulturformen in Brüssel.“

    Seien Sie herzlich gegrüßt
    ObjectBe ( objectbe.blogspot.com )

  34. Trigger word(s)
    Ich verstehe es nicht so ganz. Oder ich verstehe es doch. Was man erlebt, hört, sieht, fühlt, versucht man mit dem zu verbinden, was man an Wissen hat, was man kennt (oder zu kennen meint), um es sich verstehbar zu machen, um es in Sinnzusammenhänge einordnen zu können. Und schaut man sich den Referenzrahmen an, auf den sich Menschen in Deutschland beziehen (können) und der ihnen eben tagtäglich in den Medien immer und immer in Erinnerung gebracht und unter die Nase gerieben wird, bleibt es in Deutschland scheinbar eben nicht aus, dass entweder die sogenannte „Nazikeule“ geschwungen wird oder alles gleich „links“ (stalinistisch, kommunistisch, sozialistisch, DDR 2.0) ist. Schaut man sich die deutsche Geschichte an und schaut man sich das an, was öffentlichkeitswirksam erinnert wird, bleibt einem ja auch kaum etwas anderes übrig. Wer weiß denn heute noch, was es vor 1914 in Deutschland alles gab? Dass das Wissen dazu nicht existiert, lässt sich allein dadurch belegen, dass in einem Artikel auf FAZ.net Donald Trump mit Kaiser Wilhelm II. verglichen wurde. Ich frage mich, womit die FAZ Trump verglichen hätte, würde sie in der Mongolei erscheinen. Mit Dschingis Khan? Vielleicht. Wer weiß.

    Um aber endlich den Bogen zu schlagen: Warum ist es in dem aktuellen Text der Stützen der Gesellschaft nötig ist, am Ende eines eigentlichen gelungenen Beitrages wieder mit der ‚Moralkeule Gulag‘ zu kommen. Was soll das hier? Schon das beständige Herumreiten auf der DDR im aktuellen Deus ex Machina Text („Google, Youtube und Schwesig: Mit Grundrechtablehnung an die Schulen“) ist nicht erhellend.

    Warum meine ich dieser Meinung bin? Ich halte das, vereinfacht gesagt, für ungenau, wenn nicht gar Quatsch. Das ist wie mit der Aussage „Die SPD ist links.“ Oder wie mit der Aussage, dass all die Menschen, die seit September 2015 nach Deutschland kommen, „Flüchtlinge“ seien.

    Es ist ja witzig, wenn der Don schreibt, dass die BRD von der DDR übernommen wurde. Und ja, ich bin eigentlich seiner Ansicht – wie ich auch sonst dem Don in vielen Dingen nur zustimmen. Aber einfach davon abgesehen, dass Vieles, das jetzt von Don oder vielen Foristen als sozialistisch/kommunistisch/DDR 2.0 bezeichnet wird, im ReSoz – genauer: in der DDR so nicht möglich gewesen wäre (Totalüberwachung dank Internet wie im Falle der NSA) oder es einfach nicht gab (wie z.B. die Antifa-Rabauken, die wären rigoros eingesackt worden, oder diese Anti-Deutschen – alles westdeutsche Entwicklungen).
    Und man schaue sich es doch bitte an: Political Correctness kommt aus den USA. Google kommt aus den USA. Fast Food kommt aus den USA. Das sind alles keine kommunistische Erfindungen. Das hat alles der US-amerikanische marktwirtschaftliche Kapitalismus hervorgebracht. Oh, mögen jetzt einige vielleicht denken, Anti-Amerikanismus. Dabei geht es mir an dieser Stelle gar nicht. Mir geht es hier und jetzt nicht darum, es zu bewerten. Es geht mir darum, darauf hinzuweisen, dass vieles, was da momentan als „DDR 2.0“ verdammt wird, in etwa so viel mit der DDR zu tun hat, wie die HARTZ-IV-SPD mit Sozialismus. Wie gesagt: Political Correctness is made in the USA. Google is made in the USA. The hamburger is made in the USA. Nun könnte man eben mit FOX News und der Tea Party zusammen aufheulen und sagen, dass das alles nur eine Verschwörung der „liberals“ sind, bei denen es sich um eine 5. Kolonne Moskaus handelt.

    Man könnte es aber auch so sehen: Der real existierende Kapitalismus ist ein marktwirtschaftlicher. Womit sich Gewinn machen lässt, das versucht er an den Mann oder die Frau zu bringen. Wenn sich mit Che Guevara Gewinn machen lässt, verkauft er eben Che Guevara. Wenn sich die Mode wechselt, verkauft er halt Pokemon. Es geht da doch nicht um Inhalt, sondern einfach um Gewinn. Inhalte sind dem Kapitalismus egal, einfach deswegen, weil er alles zu einer Ware macht. Das zieht allem den (ideologischen, wirklichkeitsverändernwollenden) Zahn. Es geht, sozialdarwinistisch, um „the survival of the fittest“. Hatespeech-mäßig gesagt: Der Kapitalismus ist eine Hure.

    Lange Rede kurzer Sinn: Bitte genauer sein in der Analyse. Google mit der DDR zu vergleichen oder die HARTZ-IV-SPD in die Nähe von Sozialismus zu bringen, führt nicht weit. Schlagwörter und Kampfbegriffe aus vergangenen Zeit auf neue Phänome anzuwenden, verstellt die Sicht auf die neuen Phänome. Sie bringen die Gefahr einer Verkürzung des Denkens mit sich – vulgo: lösen beim Leser einen Beißreflex aus im Sinne von „Ja, mei, die Schwesig, dieses kommunistische Zonen-Heidi-Klum-Luder.“.

    Aber nehmen wir einmal an, Google wäre sozialistisch/kommunistisch/DDR 2.0: Wieso sind die dann noch nicht auf den Trichter gekommen, den „linken“ Gutmenschen in Deutschland TTIP/CETA/TiSA als sozialistische Errungenschaft zu verkaufen? Neoliberalismus ist Kommunismus, TTIP das neue Kommunistische Manifest. Hillary Clinton ist Che Guevara, wenn nicht gleich Mielke.

    • Umerziehung
      ist das Thema, nichts anderes und da sind Sie genau folgerichtig beim Gulag.

    • Titel eingeben
      Bin nicht aus der DDR, …und geben Ihnen absolut Recht.
      .
      Der Don überzieht manchmal & gerne (auch in Sachen „Berlin“ … das ist ja auch amüsanter zu lesen); womöglich glaubt er, man verstünde es sonst nicht?

  35. Alles ist politisch
    Essen ist politisch. Die Zeit hatte im letzten Jahr sogar einen Artikel darüber, dass unsere Toiletten nicht offen für die Gewohnheiten anderer Kulturen seien. Essen Sie also bitte weiter nach dem schönen Ruf Patrick Henrys „Give me liberty, or give me death!“. Ich mache es ebenso.

  36. Käsespätzle!!
    Wunderbar, köstlich, her damit…

    • Die sind echt famos.


    • Ich kann ja verstehen, daß es einen danach gelüstet, wenn man mit dem Rad über den Paß gefahren ist. Aber als jemand, der sein Leben vor allem im Sitzen verbringt, fürchtet man sich vor diesen Wackersteinen im Bauch, die man dadurch ansetzt.

  37. Ach, gibt es denn nur...
    … überkandidelte Sterneküche und gutbürgerliches Fettgetriefe? In meinem (Wein-)Ort gibt es eine ganze Reihe gut besuchter „gutbürgerlicher“ Bier/Weingärten, deren einfallslose Speisekarten einen sicheren Rückschluss auf ihre Kochkünste erlauben. Da kocht man lieber selbst. Als Vegetarier kommen Sie da auch nicht weit. Und dann fährt man gen Westen und ist nach ein paar Stunden in einem Land, in dem auch das simpelste Restaurant ein Niveau hat, dass es eine Freude ist, zu Preisen, die vielleicht höher, aber letztlich günstiger sind. Man sieht, es geht auch anders. Auf Blattgold auf dem Dessert kann man gerne verzichten, aber doch nicht auf Champagner und Foie Gras – wie traurig wäre sonst die Welt.

    • Als Vegetarier kann ich darauf natürlich verzichten. Aber Foie Gras – niemals.

    • Voll in die Falle gelaufen,
      der Henry K. Das wird nur schwer wieder auszubügeln sein, sollte das bei der Gegenbewegung publik werden. Man bedenke, den armen Viechern wird mit einer Art Tankpistole eine Druckbetankung verabreicht.

      http://www.spiegel.de/panorama/foie-gras-entzweit-frankreich-streit-ueber-stopfleber
      .
      Mit dem Zweiten (Analyseblick) sieht man besser. Ach, Kässpätzle sollen das sein, mit dem Ochsenmaulsalat darüber. Hatte leider von hier aus keine Einsicht in die Menükarte des nach der Kate der Torfstecher benannten Biergartens.
      .
      Und ich dachte zuerst an den Kartoffelsalat nach Art wie man ihn in Gelsenkirchen und Umgebung zu reichen beliebt. Kässpätzle, nahrhaft aber ungeeignet für die mit dem Radl über den Donaudamm anreisende Leute wie Don, die da anschließend keinen Williams Christ darüber gießen mögen.
      .
      @ Tamariske, ach ja das Teehaus, Witthues, oben im Hirschpark. So viele schöne Erinnerungen. Die perfekte Antipode zu Biergärten.

    • gänsestopfleber
      Alle, die sich an dieser Barbarei, direkt oder indirekt, beteiligen sollten zur Rechenschaft gezogen werden.

      http://www.peta.de/foie-gras-delikatesse-der-verzweiflung


    • @Déjà
      Nicht so schön gelegen, aber auch gut, eine Teestube mit herrlichem selbstgebackenen Kuchen, Scones, selbstgekochten Marmeladen und vegetarischen Gerichten:
      http://www.blankenese.de/essen_und_trinken/luehmanns.html

    • Teestuben sind was Feines
      Greetsiel, Keitum, Ostfriesentee mit Kluntjes, frisch gebackene Waffeln, ach da kommen Erinnerungen und kein Waffeleisen im Haus.

  38. Umerziehung,
    ob kulinarische oder andere, ist eh nicht für die besseren Kreise gedacht.

  39. Hundedecke von Dom Perignon
    Zum Thema Schickimicki am Tegernsee: In Abwinkl konnte ich im Restaurant leicht belustigt erleben, wie einer Münchnerin für Ihren Hund eine Hundedecke von Dom Perignon gegeben wurde – von der „Champagner-Badewanne“ ganz zu schweigen.

  40. Ähm ...
    Versteh das ja alles.

    Darf ich das Befürworten der bodenständigen Küche von in dicker Käse-Montage ertränkten Schupfnudeln (oder was alles beim Bier immer so mit reinrutscht; mir ist jetzt schlecht) dann doch etwas differenzieren?

    Es ist Nahrungsaufnahme zur Ausfettung des Magens, damit der Alk nicht so schnell reinböngt. Man kann auch Motorenöl nehmen.

    Was voll o. k. ist und im Biergarten taugt.

    Wenn ich Sternekoch wäre, würde mir aufgrund dieses Umstands sofort ein neues Geschäftsmodell einfallen … (sofern die These des Autors verifiziert werden kann):

    Teller mit richtig was drauf!
    Und noch teuerer.
    Ganz alte Ölschinken in Essig & Öl an die Wand.

    Damit der Blender-Parvenue passen muss, denn er hat weder Ahnung vom Fressen noch von alter Kunst.

    Jetzt muss das Zeug nur noch drüber hinaus hängen (next Step, voll brutaler Milestone). Das wird der Burner.

    Warum Sterneküche sonst noch so in der Krise ist, ja mei. Da gibt es viele Blogs drüber und viele Faktoren. Dass nix über dem Teller hängt, haben wir ja schon erwähnt. (Grober Makel sakra)

    Abstumpfung der Geschmacksnerven des Konsumenten ist das nächste Debakel (ist so, gibt es viele Studien und Klagen drüber).

    Der Umstand auch als nächstes, dass man als Spitzenkoch (der, dem de Schuppen selbst gehört) selten am Essen selbst verdient.

    Mag sein diffiziles Essen noch so in kulinarischen Gipfeln herumsternderln wie es mag: Es liegt zuviel Arbeitszeit drauf. Welche kaum vernünftig rationalisiert und verrechnet werden kann. Außer mit überidentifizierten Jungköchen, die schlechte Bezahlung und Arbeit > 16 Stunden/d als Folklore empfinden. Davon gibt es aber immer weniger dumme.

    Geschäftsmodell, das nie ausstirbt:
    Man verdient im Sternekoch-Mileu fast immer nur an den Getränken richtig, sonst geht man pleite. Alter Hut. (Das ist im Biergarten ebenso, wer hätte das gedacht.)

    Welchen alten Hut man am Preis der Weinflaschen erkennt, der einen schwindlig werden lässt. Der turmhohe Preis des edlen Besäufnisses ist das tragende Geschäftsmodell. Geht nicht anders.

    Das Schlimmste, was einem Spitzenkoch passieren kann, ist ein abstinenter Asam-Teetrinker unter seinen Gästen.

    • Deshalb gehe ich da erst gar nicht hin.

      Und fettarme Küche ist wie Sex mit einer Magersüchtigen.

    • Und fettarme Küche ist wie Sex mit einer Magersüchtigen
      ich hatte oft die Vermutung es handelt sich bei Magersucht um eine Sexvermeidungsstrategie. Ob nun bewußt oder unbewußt. Wie viele Magersüchtige Männer, Frauen und Jugendliche/Jugendlichinnen Opfer sexualisierter Gewalt waren oder Zeugen derselben wurden kann ich natürlich nicht sagen. ggf könnte sich eine Studie lohnen.

      Es ist schon Schade wenn man körperliche Genüsse nicht ausstehen kann weil man schlechte Erfahrungen gemacht hat.

      PS ich habe als Krpfl i.d. Psych einige Drogenabhängige kennengelernt die auch üble Erfahrungen als Kinder gemacht haben. Man könnte sagen: Es gibt Menschen die als 9, 10 jährige oder noch früher ihren Körper für Geschenke hergegeben haben/mussten.

      _Man könnte noch erwähnen das man sich mit Recht sehr über Pädosexuelle aufregt sich aber zT aber kaum um die spätere Behandlung der Opfer bemüht. Versuchen sie mal als Drogenabhängige oder ehem. D. einen Therapieplatz zu bekommen. Die Damen und Herren Psychotherapeuten nehmen lieber Selbstzahler.

      und die Damen in der Bundesregierung und in ihrem Umfeld kümmern sich eher um ihre Kinderka…..


  41. Mehrsterneküche ist eine Stadtsache und gedeiht nur bei Flughafenanbindung. Das ist nichts, das regulär-alltäglich werden kann, das ist was für besondere Anlässe.
    Die „gängigen, althergebrachten Wirtschaften“ sind ein anderes Segment, die aber auch relativ selten geworden sind, weil die Landstädtchen mit ihren Honoratioren und Familienfesten inzwischen zu Angestelltenvororten geworden sind.

  42. Titel eingeben
    wie immer schön geschrieben, aber: in Bamberg wüßte ich bessere Lokalitäten, auch für Vegetarier wie Sie;-)

  43. Interessante Auswahl an Biergärten...
    Mit der Antoniusschwaige und dem Mooshäusl aus Ingolstadt wurden aber gerade zwei Vertreter ausgewählt, die kulinarisch in den letzten Jahren dank Betreiberwechsel gut zugelegt haben.
    Besonders ersteres würde ich nicht als 08/15-Biergarten bezeichnen, da man dort neben der klassischen Küche auch durchaus was ausgefalleneres für den Gaumen bekommt :-)

    • Nein, natürlich ist die Schwaige nicht durchschnittlich. aber ein Teil der Familie wohnt direkt nebenan. Das Mosshäusl ist halt auf eine nette Art sehr bodenständig geblieben.

  44. Ja ja das Besteck zu halten ist eine Kunst
    Genau Don Alphonso, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr. Sehr genau beobachtet, wie zwar mit vollem Geldbeutel aber schlechten Umgangsformen am Tisch gegessen wird.
    Und – auch die Erfahrung selber zu kochen, saisonal ist sehr sehr preiswert. Es wäre darüber nachzudenken, das Fach Hauswirtschaft stärker oder überhaupt wieder im Schulbetrieb einzuführen. Erschreckend die Defizite die sich in Bezug auf Ernährung, Kochen und Haushaltsführung auftun.

    Ein Hoch auf die gutbürgerliche Küche ohne Fertigsaucen, ohne Geschmacksverstärker, doch kleiner als über den Tellerrand hängend darf das Schnitzel schon sein, wenn es von einer guten Bauernsau stammt.

  45. Titel eingeben
    Also ich bin ja überzeugter Gourmand und nehme von der Hausbrauerei bis zum Sternetempel gerne alles mit. Hauptsache heiß und viel. Von einer Krise der Sternerestaurants habe ich bislang nichts mitbekommen, die sind voll, auch unter der Woche. Tatsächlich ist im Nachbarhaus ein 1-Sterne-Restaurant, ca 5-7 Tische drinnen und bei gutem Wetter nochmal drei oder vier draußen. Da sind jeden Abend 3-5 Tische besetzt, am Wochenende mehr. Das sind alles Leute aus der Nachbarschaft, so gut wie Null Spesenritter, der Optik nach zu urteilen. Aber das beste ist: 4-500 Meter weiter, auf der anderen Seite vom Park, ist ein Brauhaus inklusive riesiger Terrasse. Das ist genauso voll. So die Vorteile der Großstadt, da ist genug Platz für alles.

    • Wir haben sowas halt nicht in der Nähe.

      Allerdings haben wir am Tegernsee so einige Tempel, bei denen es nicht rund läuft bzw. gelaufen ist – was ich übrigens auch verstehen kann, wenn ich an die Speisen denke.

  46. Der Autor ist ein Essbanause
    Mehr gibt es nicht zu sagen.
    Gruß

  47. Zum Ähndl am Muranauer Moos
    kann man mit dem Rad fahren, die Aussicht aufs Moos genießen, die Preise sind biergartenüblich, die durchgehend bayerischen Speisen haben aber Sterneniveau und sind entsprechend verfeinert. Es gibt also, wie bei Stoibers Laptop und Lederhose im Oberland auch eine Verbindung von Sterneküche und Biergartenkultur. Das ist für Bier trinkende Freunde von Gaumenfreuden und Hobbyradler eine Herzensfreude.

  48. Da hamse recht
    Ich muß zugestehen, daß einige „Kreationen“ der kreativen Küche ganz raffiniert und lustig sind und sogar ab und an besonders gut schmecken. Aber selbst bei uns laufen diverse Biergärten (Alter Krug, Eierschale, Luise) am besten, so richtig mit Wiener Schnitzel, Pizza und anderem Deftigen. Auch mein „führender Club“ am Gendarmenmarkt hat die Currywurst und ein rustikales Frühstück (nett arrangiert in der Etagere) im Programm. Den geschäumten Kram gibt’s unten für die Touristen und sophisticateten Neuberliner.

    P.S.: Den Wassersommelier, wie ich den hasse.

    • Ich finde es einfach befremdlich, anderen zu erklären, was ihnen schmecken sollte. Besonders, wenn es mit hochgschissnen Worten garniert ist.

    • There's no business like show business
      In der gehobenen Gastronomie ist halt wie in der gehobenen Bekleidungsindustrie die Idee eingezogen, eine Story zu liefern. Das Äquivalent zum wortreich beschwatzten Ochsenbäckchen ist der gestreifter Leinenlappen als Homage an einen frühen Sommermorgen am Strand der Cote d’Azur.

  49. Entlassungsgrund
    Lieber Don,

    so sehr ich mit Ihnen übereinstimme, habe ich doch Befürchtungen wegen Ihres Arbeitsplatzes.
    Auch die gesegnete FAZ hat nichts dringenderes zu tun, als über die von Ihnen trefflich beschriebene Küche ausführlich zu berichten. Jedes Mal, wenn einer der hochgelobten Köche Pleite machte, aber irgendwo wieder aufmacht, wird er gefeiert.
    Sie verschwinden still, ohne FAZ-Artikel, aber tauchen wundersam „mit neuem Konzept“ wieder auf.
    Dann gibt es als kreative Neuigkeit Spatzenhirn „an“ Schneckenei, worüber wie über ein göttliches Wunder berichtet wird.
    Und, nicht zu vergessen, die kulinarische Zurückgebliebenheit der Deutschen gegeißelt wird.
    Was nun? Ich glaube, wir lassen den alten Gasthof hochleben!

    • Um mich brauchen Sie sich keine Sorgen machen. Wenn andere sowas hoch schreiben, ist es Ülualismus. Sie müssen das ja nicht essen.

  50. Rennräder, Biergärten, Brauereigaststätten
    Auch wenn der Autor augenscheinlich vieles richtig verstanden hat (Fahrräder, Biergärten, Brauereigaststätten), sind Leute, die sich tatsächlich an „reservierten“ Tischen in Brauereigaststätten und Biergärten treffen müssen, keinesfalls „bessere Kreise“, sondern letztlich ziemlich arme Schweine – Bürgerlichkeit hin, Bürgerlichkeit her.

    Auch die Gastronomie muss sich nicht wirklich verstecken, d.h. es gibt mitunter auch in der nominell gehobenen Gastronomie Enttäuschungen und wirklich sensationelle Gasthöfe. Wirklich enttäuscht wurde ich in meinem Brauereigasthof, den es übrigens seit 1422 gibt, nur einmal: Den Wirsing zu grüner Pampe zu pürieren, ist und bleibt eine Todsünde, sogar wenn sie ggf. „Tradition“ hat.


    • Hahaha, eine antike Zubereitungsart von Anfang des 20. Jhdts, als Wirsing noch im Freiland wuchs und so lange dort blieb bis er gebraucht wurde, und entsprechend wohl „etwas holzig“ war…
      anders kann ichs mir nicht erklären. Ich fand es bereits als größeres Kind so um 1970 seltsam, das Matschgemüse.

  51. Sonderweg
    Hat nicht zuletzt die volksgemeinschaftliche Propagierung von Haxen-und Eintopfgerichten Deutschland auf den fatalen Sonderweg geführt und ist nicht jeder Besuch eines Gourmettempels Teil eines zähen,beharrlichen Kampfes um eine bessere,multikulturelle,antifaschistische Zukunft?

    • @Brumaire - 30. September 2016 um 23:37 Uhr
      „Hat nicht zuletzt die volksgemeinschaftliche Propagierung von Haxen-und Eintopfgerichten Deutschland auf den fatalen Sonderweg geführt“

      Alle Achtung, Respekt, hier hat aber die Gehirnwäsche volle Arbeit geleistet. Da denkt einer, wenn er seinen Löffel in einen Teller mit Eintopf senkt, ob er nicht doch ein Nazi ist?

      Ein echter Brüller.

  52. Angst
    Lieber Don,
    immer häufiger habe ich beim Lesen Ihrer Kolumne das Gefühl, mich umweht ein Hauch der Angst vor dem Unbekannten, dem Fremden. Finden Sie es nicht spannend, Dinge auszuprobieren, Menschen kennenzulernen, die es vor 50 Jahren noch nicht im hochgelobten, kruzifixverhangenen Bayernland gab?
    Ein Gruss aus der angstfreien Zone.

    • Ach was. Ich bin gerade im Ausland.

    • Wurzeln
      Das Eine ist die Freude am Neuen und Ungewohnten, das andere sind die Wurzeln. Beides ist notwendig, aber in welchem Maß es gerade notwendig ist, kann sich im Laufe eines Menschenlebens mehrmals ändern.

  53. Esskultur
    Obwohl fast Vegetarierin, liebe ich als Thüringerin (die echte) Bratwurst. Als ich vor einigen Jahren einige Zeit im Bundestag arbeitete und die Skepsis gegen die Stadt sich in Überdruß wandelte, gab es einen Abendempfang in der Thüringischen Landesvertretung Berlin. Btw eine absolut überflüssige Einrichtung, aber die Sehnsucht trieb mich hin. Während noch geredet wurde, zog bereits der Rostgeruch durch die Halle. Dann aber die Enttäuschung: Wursthappen an Kaviar, Wursthäcksel mit asiatischem Sauerkraut im Crêpe gerollt, Wurstschnitze mit Algensalat… Statt Senfschnuller nur Wurstschande. Wer wollte das essen?
    Im Luxushotel meines Wohnortes gibt es ein Sternerestaurant, das wirtschaftlich nur überlebt, weil ein im gleichen Haus befindliches „gutbürgerliches“ Restaurant genug Umsatz für zwei erwirtschaftet. Aber Sterneküche ist doch wichtig fürs Prestige…
    Ich selber koche gern und täglich, am liebsten Omas bäuerliche Rezepte, bei der ich ab fünf das Kochen lernte. Die Mahlzeiten sind simpel, am Saisongemüse orientiert, – Überraschung – meist fleischarm bis fleischfrei und einfach lecker. Fettarme oder cholesterinfreie Produkte oder Margarine wurden nicht wie heute als gesund gelabelt, sondern schlicht als minderwertige, industrieverfertigte Lebensmittel aus der Küche verbannt. An der „modernen“ Küche genieße ich jedoch ab und an das zarte, kurzgebratene Fleisch und ziehe es den traditionellen Schmorgerichten vor (meist war der alte Ochse zäh). Bis auf das Fleisch bin ich aber ganz bei Ihnen.

    Spätzleesser aller Länder vereinigt euch!

  54. Deutsche lernen's nimmer
    Essen als Hochkultur werden die Deutschen größtenteils nimmer verinnerlichen. Seit dem Trauma und Regress des 30jährigen Krieges geht es nur noch ums Fressen, das 20. Jhd. hat das seine dazu getan. Ich sehe da auch keinen Gegensatz zu einer hochwertigen bürgerlichen Küche, aber leider strotzt ja selbst Bayern inzwischen von Systemgastronomie im Traditionsgewand. Natürlich gibt es Ausnahmen, sonst läse ja keiner den Klink o.ä. und besser als vor 40 Jahren is(s)t es schon.

  55. Alles hat seine Zeit
    Warum das eine tun und das andere lassen? Genießen kann man im Biergarten ebenso wie in der Sterneküche. Gut zu essen in Gesellschaft netter Menschen ist etwas vom Schönsten was ich mir vorstellen kann. Und manchmal darf es dann auch etwas Besonderes, Kreatives sein. Problematisch wird es wenn die Atmosphäre so gestaltet wird, dass der Genuss der Speisen und Getränke zum goldenen Kalb wird (Wassersommelier zum Beispiel). Das ist aber ganz sicher die unrühmliche und (wirtschaftlich) erfolglose Ausnahme und nicht die Regel.

  56. Handwerk - Kunsthandwerk
    Lieber DA,

    Ich lese Ihre Beiträge schon seit längerem mit großem Vergnügen. Aber irgendwie ist die heutige Geschichte für mich ein bisserl „unrund“.
    Das „hochgschissene“ für das neureiche Proletenvolk braucht wirklich keiner, das stimmt schon.
    Aber ich glaub‘, man darf nicht vergessen, dass es sowohl in der „einfachen“ wie auch in der gehobenen Küche Kunsthandwerker gibt, die, wenn sie wirklich gut sind, Gerichte und Geschmackskombinationen schaffen können die man bis jetzt halt so noch nicht gekannt hat. Das ist doch legitim und wünschenswert.
    Eines meiner interessanteren Erlebnisse war für mich kurz nach dem Erhalt des Führerscheins die Rückreise nach Wien nach einem geschäftlichen und kulinarischen Aufenthaltes in Frankreich mit meinem Vater. Ich durfte dazumals den fünfsechziger fahren (sie sehen, ich bin schon etwas älter) – und hatte bereits auf der Höhe Frankfurt Hunger, wollte irgendwo stehenbleiben und etwas essen (Die Frankfurter mögen mir vergeben). „Nein, gegessen wird erst in Bayern“. Und wo? – Als wir in Bayern waren. „Irgendwo – fahr runter von der Autobahn und ins nächste Dorf, in ein Wirtshaus das nett aussieht“ Und so war es, es war keine Offenbarung, aber gutes, solides Handwerk.
    Es stimmt übrigends nicht, dass Sie nicht mit dem Fahrrad zur „Sterneküche“ fahren könnten – Fredy Giradet hätte Sie vermutlich eingeladen – denn die wirklich guten, interessanten Köche sind die herzlichsten Menschen, wenn sie sehen, dass man sich über ihr Kunsthandwerk freut und in der Lage ist es schätzen zu können. Das ist nicht in erster Linie eine Frage des Vermögens sondern eine Frage des Verständnisses für die Qualität und des Respektes für die Produkte und das Können der Köche.
    Bedauerlich ist es, dass offensichtlich viele dieser „Sternehäuser“ meinen, sie müssten mit Glitzer und Gigi dem Neureichen Prolo das Geld aus der Tasche ziehen. Die haben dann halt bald weder die einen noch die Anderen…

    • Als halbverhungerter Radler beim Sternekoch
      „Fredy Girardet hätte Sie vermutlich eingeladen“

      Das hätte er gewiss. Vor Jahren verirrte ich mich mit ein paar radelnden Kumpeln in der Genfersee-Region auf der Suche nach einer Wirtschaft. Als overdressed hätte man uns aufgrund der Spuren, die Regen und schmutzige Nebenstraßen hinterlassen hatten, nicht bezeichnet. Da tauchte auf einmal dieser schöne Gasthof auf.
      Während wir uns auf dem Vorplatz noch beratschlagten, erschien der Koch unter der Tür und fragte, ob wir essen möchten. Und ob wir das wollten! Keiner von uns erkannte den freundlichen Herrn. Wir hielten ihn einfach für einen geschäftstüchtigen Gastwirt, dem jeder Gast willkommen war. Er wies uns einen Tisch nahe der Küche zu, sonst vermutlich dem Personal vorbehalten, was uns mit Blick auf die Einrichtung und die weiter weg sitzenden Gäste nur recht war.

      Mit einer Karte hielt sich Girardet gar nicht erst auf und fragte: „Steak, gratin, légumes?“ War auch recht. Noch beim Essen begannen wir darüber zu grübeln, was die hervorragend schmeckende Mahlzeit in diesem exklusiven Ambiente wohl kosten würde. Heimlich zählten wir unter dem Tisch unser bisschen Barschaft zusammen. Nach dem üppigen Nachtisch erschien der Hausherr erneut, erkundigte sich, ob es geschmeckt habe, nach dem weiteren Tourverlauf und fragte schließlich: „Vingt francs, chacun, ça ira?“

      Ging natürlich. Klar, dass uns da einer großzügig entgegen gekommen war.

      Wieder zuhause schrieb ich eine Dankeskarte und erst da, beim Recherchieren der Adresse ging mir ein Licht auf.
      Der immer wieder geplante Besuch im offiziellen Lokal kam leider nie zustande. Vermutlich hätte man mich bei einer Bestellung von „Steak, gratin, légumes“ ohnehin gleich rausgeschmissen.

  57. Titel eingeben
    Weiß-blaues Lenkerband, sehr schönes Detail. Und dann diese Fotos vom leckeren Essen. Sind die Kilos nach der Radtour wieder drauf ? ;)

    • Diabolische Details - wer achtet schon darauf?
      Zumal sie oft mehr Rätsel aufgeben als Hinweise:
      im Falle des Weiß-Blau-Syndroms des Autors (man erinnere letzte Artikel mit Elogien von Zünftigkeit, Brauchtumspflege und allerlei anderem folkloristisch-zwiespältigem Kulturstolz) der zur persona DA gehörige Umstand, nicht wirklich ein nach weiß-blauen Maßstäben *gestandenes Mannsbild* (so mit -außer Haus- noch Hof+Famlie; und koa Haxn mag er net..) zu sein (dabei dem Spross aus besseren Kreisen zugestanden: der Ludwg -Kinni- war auch Bayer – und den einen royalen Hagestolz zu nennen wäre eher ungewohnt).
      Der Kulturstolz wäre auch kaum mehr zu halten, nähme man etwa ein Detail aus Bild Nr. 6 (aufgestellte Schiefertafel: *Dämmer-Shop-pen*) zum Anlass, über unheilige Koinzidenzen zwischen Pisafizierung und Freud’schen Fehlleistungen zu räsonnieren -oder über entsprechende Systemfehler im Management auch bajuwarischer Gastrobutzen.

      Und so sehr der Unmut über Münchner Parvenu(e)s und shicaria (mitsamt halbseidener Willkommenskultur) nachvollziehbar ist: nicht zuletzt die konzernstandörtlich-urbane Welt(handels)offenheit (Beine breit fürs BSP/Export-Gold) sorgt für Propperität des *Umlandes*: wer das Eine nicht will, übe auch beim Anderen: schlicht Verzicht. Sagt ein -obzwar katholisch beherzter, doch grämelnder- Protestant im heute regengrauen Preussen; und -ceterum censeo- alternativ meine ich noch immer, die Absorption der Zuwanderung in den real existernden Kapitalismus am passendsten dadurch zu bewerkstelligen, dass die etwa letztjährig spätsommereinreisende Jungmännerschar -*Flülis in Shorts*- + zu erwartender Nachzug von hiesigen Konzernen (nicht etwa vom *deutschen Kapital*, das dort nur minderheitlich engagiert ist) adoptiert wird: sollen die Besteller der *Fachkräfte* doch das wild Gelieferte selbst auf 4.0 *veredeln*, statt in gehoben-mittelständscher Westviertel-Manier nun geschmäcklerisch-kulinarischen Firlefanz aufzuführen.

  58. Der Trend zum Mastochsen
    „Die gescheiterte kulinarische Umerziehung der besseren Kreise“

    Ein interessantes Kapitel. Die gescheiterte Umerziehung wird auf den Speisekarten, auf den Tischen und Tellern bayerischer Biergärten unmittelbar erkennbar, am ehesten aber am Publikum, dessen Neigung zur Obesitas nicht zu übersehen ist: Stiernacken, Wampen, Hinterteile, die an jene von Brauereipferden erinnern, von Dirndlnähten nur knapp gebändigte wogende Fettmassen, Reiterhosen, Krautstampfer – kurz, quellendes Fleisch überall, oft in zweiter, dritter Generation angezüchtet, vererbt und weiter gemästet, weil schon lange mehr keine Not, kein Krieg der Generationen übergreifenden Völlerei eine Pause verordnet haben – und schon gar nicht die kruden, sinnenfernen Erkenntnisse und Empfehlungen der Ernährungswissenschaft.

    Die erwiesenen Vorteile der mediterranen und asiatischen Küche?
    Geschenkt! Mir san mir, und wir mögen’s deftig.

    Schäuble, der Schwabe, muss die Bilder bayerischer Biergärten und ihrer Besucher vor Augen gehabt haben, als er seine Ideen einer Zuchtverbesserung mittels Immigration von Schweinefleischverweigerern in Umlauf brachte. Derartige Eingriffe in die Genetik werden in Bayern wenig geschätzt. Ein fesches Brautpaar sollte schon an die 200 kg auf die Waage bringen, um etwas zu gelten. 10 oder 20 Jahre nach der Hochzeit dürfen es dann auch ein paar gut sichtbare Pfunde mehr sein, die vom Parkplatz oder von der Seilbahnstation watschelnd Richtung Biergarten und auf dessen erstaunlich filigrane Stühle bewegt werden. Mehr wie 100m Distanz sollten es aber nicht sein, sonst bleiben die Gäste weg. Wallfahrten (Oskar Panizza!) mutieren so in der Außensicht zu Walfahrten, gelegentliche Strandungen inbegriffen.

    Beliebtester Autotyp, passend zur Kundschaft: Q7 oder Cayenne, denn irgendwie muss der zugewachsene Wohlstand untergebracht sein. Ansonsten hält man es mit Obelix: „Ich bin nicht dick! Ein bisschen stark vielleicht, nur kräftig gebaut, aber nicht dick!“

    • @ Murnau-da ist viel Wahres dran,
      vor allem die Beschreibung des schweren Gerätes. Aber Ihnen ist schon aufgefallen, daß die „filigranen“ Biergartenstühle von jeher auf Mastochsen und Mastöchs*Innen ausgelegt waren, auch wenn sie früher, zu Zeiten von „Königlich Bayerisches Amtsgericht“ nicht in dieser Häufigkeit auftraten.
      .
      Der wackere Landmann hinter Pflug und Roß und der Hoizknecht konnten ja gar nicht so viel Essen um Fett anzusetzen. Der Kalorienverbrauch (im Land einer Physikerin sollte das neumodische „Joule“ als Energieeinheit erwähnt sein), den sich Don in seiner Art freiwilliger Kasteiung auferlegt und Pässe mit Steigungen hochradelt, den kein Biergartenwirt zwischen Parkplatz und Wirtschaft einzulegen je wagte, war vor der Vollmechanisierung schon zur Mittagszeit erfüllt. Und Hax`n oder Schweinsbroodn gab es in der noch nicht postfaktischen Zeit ohnehin selten.
      .
      À propos „Mediterrane Küche“ in Biergärten. Gibt es schon lange, aber Pizza? Dann können Sie gleich ein halbes Duzend Thüringische Bratwürste mit Kraut und Schupfnudel bestellen. Also in unserer Region am mittleren Neckar gibt es kaum noch Biergärten in den es nicht allerlei Varianten Salatteller gibt, von Salat Niçoise, SommersalateSalatemit Putenstreifen bis zum Griechischen

    • Titel eingeben
      „quellendes Fleisch überall“.
      Eben: überall.
      Zum Beispiel hier in Berlin (!), was seh‘ ich da täglich an hässlichen fetten Weibern und Männern, wie sie ihre Wampen mühsam durch den Supermarkt schieben; besonders die (meist Weiber,), die sich dazu auch noch äußerst unpassend anziehen und es ganz offenbar nicht mal bemerken. Wenn sie dazu noch jung sind ist der Anblick besonders schmerzhaft (oder ulkig).
      Ab und zu erblickt man eine schlanke ältere Dame mit ergrauter Mähne, ungeschminkt und dezent gekleidet. Man lächelt sie erfreut an. Sie freut sich auch. Zu Recht.

    • ...
      Schäuble ist Badener, als solcher ist ihm gutes Essen selbstverständlich.

    • Parallelwelten zum Fürchten. Ente plus.
      So isses.

      Und neben dieser prallen Entität gibt es den prallen Optimierungswahn der Sehnigen – parallel. In Bayern.

      Schnaufende, rennende Jogger am See. Stählerne Muskeln beim Cycling, Climbing (Klettern und Radln war gestern), durchtrainierte Gestalten am Salatblatt con Aqua Minerale.

      Der Fress-Mittelstand zerbricht. Nur noch Extreme: Adipositas oder Fitness-Optimiert.

      War Zeuge in Schäftlarn, da fressen zum einen ganze Familien jeder für sich je eine halbe Ente plus 2 Knödel. Wenn es auf der Karte wie selbstverständlich ganze Enten pro Person gäbe, würden sie jeder für sich ganze Enten fressen. Plus 2 Knödel.

      Daneben muss man als Radlwanderer dann heimwärts im Wald am Isarhochufer gegen cycelnde Buntpapageien im Hautnah-Plastikstoffkostüm kämpfen, die einen schnaufend rufend aus dem Weg rammen. Ohne Klingel – die hammse nicht weil dann zuviel Gewicht am Rad. Nie mehr seitdem am Hochufer nach Schäftlarn radln gewest – Nase voll; gestrichen wegen aggressionsfördernder Momente dieser beiden Welten, der Enten-fressenden und der Kampf-radelnden. Im Hochtaunus schaut’s auch nicht besser aus mit der Fress- und der Biker-Seuche der Adipoösen und der Hochoptimierten, die am MO – wieder zurück in Frankfurt – in ihrer Bank uns das Fürchten lehren.

  59. Umerziehung
    scheint mir das Thema zu sein, und eine Resistenz dagegen, nicht um das Kulinarische an sich.

    Maas und Schwesig, zusammen genommen erlauben Sie mir bitte für beide den Begriff „Maessig“, versuchen halt auf Teufel komm raus, die lange Demokratie Deutschlands zu modifizieren. Denn schließlich haben ja 50 Jahre Indoktrination, um Zivilisation zu bringen, anscheinend nicht zum Ziel geführt.

    Was sind die Bürger auch so bockig, das geht doch gar nicht.

    Ein Tor wurde aufgestossen, hab ich gelesen, doch welches? Das wäre doch wirklich interessant zu wissen.

    Sicherlich keines, um in der verbleibenden Zeit etwas gesetzlich zu verändern, was vom Bundesverfassungsgericht einkassiert würde.

    Welches Tor also wollen die „Maessigen“, Maas und Schwesig öffnen?

    Eine absolute und diktatorische Zensurbehörde, wie sie es im 3. Reich und in der DDR gab?

    Oder wollen Sie ihre Zukunf im Sinne von Baroso vorbereiten?

    Man wüsste es ja gern.

    Umerziehung ist auch Folgendes:

    Kürzlich hörte ich auf der Autobahn fahrend einen Beitrag des WDR-Funks, da wurde erzählt, dass es eine Konferenz von Gleichstellungsbeauftragten in Schulen gegeben hätte. In einer Grundschule wurde der einzige Lehrer als Gleichstellungsbeauftragter gewählt. Und was war bei der Konferenz? Die Leiterin verwies ihn und äußerte sich, meiner Erinnerung nach, nur Frauen könnten eine solche Stellung einnehmen.

    Sexismus oder?

    Und noch etwas zum Sexismus: Feministinnen erregen sich über die Bezeichnung „große süße Maus“, nachdem der das Äußernde erst die Tochter jener Person als kleine süße Maus bezeichnete und dann jene anblickte. Mannoman, ich hab derartiges dermaßen oft erlebt, bei dem Vorwurf der Feministinnen frage ich mich wirklich, ob die ein Kompliment noch als solches erkennen können oder aber direkt das Messer in der Hosentasche, halt, Handtasche wetzen.

    Aber, die Vergewaltigung z.B. einer sehr alten Frau, durch einen …, wird mit keiner Silbe erwähnt.

    Genauso wenig, wie heftigste Gewaltaufrufe seitens Der Linken und Der Grünen, siehe Dresden.

    Mich ängstigt wirklich, was jene Maessigen im Schilde führen, denn diese haben ja Pläne über die nächste Bundestagswahl hinaus.

  60. Titel eingeben
    An des Dons Artikel erkennt man, das Bayern kulinarisch betrachtet Osteuropa ist. Verständlich: Es gibt kaum befestigte Straßen in Richtung Westen. Was Bayern von Österreich und Böhmen trennt, ist letztlich der Kartoffelknödel. Die Sterneköche wären hier besser gelitten, wenn sie Braumeister gelernt hätten. Dann könnten sie auch was zur Rettung des Terroir beitragen. Dennoch glaube ich ernsthaft, dass Vegetarismus viel schlimmer ist als Sterneküche.

  61. An Guate
    Saisonale Küche ist top. Drei gute, frische Produkte ergeben oft eine kulinarische Mahlzeit:Spätzle, gereifter Bergkäse und in Butter goldbraun gebratene Zwiebeln z.B.Aber auch ein Rotebetecarpaccio mit Rettigsprossen und Apfelkompottdressing schmeckt.Und erst ! ganz kurz blanchierte Radicchioblätter, versetzt übereinandergelegt, mit Feigenkonfitüre bestrichen und einem würzigen Ziegenkäse belegt, gerollt, dann gegrillt und mit Crema Balsamiko garniert, ist ein Genuss.

    Ein Maronen-Parfait findet auch seine LiebhaberInnen, zuerst „weg“ ist aber immer ein guter Schokoladenpudding, wenn wir feiern.

    In unserer Familie mag man sowohl alsauch.Alles zu seinem Anlass und seiner Jahreszeit.Aber möglichst wenig Fleisch von Tieren, die ein gutes Leben hatten.

  62. Banken > Schaumtempel
    Wir retten lieber Banken, statt unser Geld einem Schaumkünstler hinterher zu werfen!

    Sie sollte man mit ihrem „Esel“, als Regionales Aushängeschild Bayerns vorschlagen.

    Wenn ich mich in meiner Heimat umschaue, was unter einer Walküre https://www.youtube.com/watch?v=UzvrvFQDENw leidet, dann sehe ich die hässliche Dekadenz derer, die sich berufen fühlen, Thüringen, eine neue touristische Vielfalt zu verschaffen (die roten Seilschaften stricken munter weiter). Der LandesOberknecht wird den Thüringern nicht annähernd gerecht werden. Mit Verlaub, dass kann wohl keiner aus den alten Bundesländern(1989 war der Osten ja auch noch hinter der Mauer). Vielleicht sind wir rückständige Nörgler und annektierte Untertanen der alten BL (sicher doch); denn wir nicken fast synchron, mit den alteingesessenen. Die einzigen, die noch nicht der vollen Verblendung durch kognitive Nebelkerzen erblindet sind, stehen auf und wehren sich. Das Wie und durch wen, lass ich mal außen vor. Was nicht heißt, dass die Stringenz, bei allen funktioniert.

    Mein Fazit: „Deutschland ist erst wiedervereint, wenn die Os(s)is tot sind.“

    Kulinarisch ist meine Heimat natürlich auch ein traditionsbewusstes BL, wie alle anderen auch. Man sollte die Touristenfallen in der LH meiden, von denen die italienische, durch „Zuschüsse“, gedeckt, sich verbreiten konnten. In der Nähe des Steigerwalds, sollte man wirklich nur zu einem Bier(eigene Brauerei) und einer Laugenbrezel: ich will nicht anmaßend sein, eine offenfrische, flache „südländische“, kann man sehr wohl verköstigen…
    Man geht den globalisierten Weg, will die internationale Küche auch hier etablieren, welche nicht lange halten – außer den Vietnamesen(China-Restaurant), die sind Zeh wie ein-e Hund/Katze, weil die wissen wie´s geht, diese Schmuggler. ^______________^

    OT:
    Wer den Bock lesen will, der den Gärtner macht(tun sie sich das Video nicht an; wenn sie Schmerzfrei sind, nur zu): http://www.jenapolis.de/2016/06/25/jenaer-rede-von-bodo-ramelow-vom-zuwanderungsland-zur-sozialen-einwanderungsgesellschaft/

    Eine Puffbohne

  63. Die besser essenden Kreise
    Solange sich die „besseren Kreise“ damit beschäftigen, was sie aus Genuß im Überfluß durch enge Röhren schieben, auch wenn dabei minderjährige Mädchen herhalten müssen zur Anregung der Verdauung, werden sich weiterhin die „Umerziehung“ der besseren Kreise in architektonischen wie kulturellen Monumenten wie Dokumenten bewundern lassen. In Prachtbauten wie in Frankreich, Moskau, Budapest, Wien, Berlin, München, Rom, Athen und in Ägypten. Als Begleitmusik klingt mir dabei das unvergleichliche Liedchen mit den Worten von Brecht im Ohr: „Am Grunde der Moldau, da wandern die Steine….“
    http://n0by.blogspot.hu/2016/10/15-von-sturovo-schrott-wiener-wundern.html

  64. Tja..
    Wenn da mal nicht Ignoranz und Neid aus Text und Lesermeinungen spricht…gepaart mit einer gehoerigen Portion Ungelassenheit, die so tut, als ob.Pfui.

  65. Meine Mutter hat nach dem Krieg in einem Hotel am Rhein kochen gelernt
    und so sah die Küche bei uns dann, zumindest an Feiertagen, aus: Serviettenknödel, Tafelspitz mit selbstgemachter Remoulade, zum Dessert gab es Weinschaumcreme. Also quasi, das was man als (vielleicht etwas gehobenere) gutbürgerlich deutsche Küche bezeichnet. Und ich muss sagen, nachdem ich viel in Frankreich und auch anderen Ländern unterwegs war und dort so manches gekostet habe (da ich kein Schwein esse reduziert sich für mich die jeweilige Landesküche meist erheblich, so kommt für mich der ganze Bereich dessen was man in Frankreich nennt, nicht in Frage), mein Fazit sieht so aus: Muttis zugegebenermaßen etwas fette Küche ist immer noch die beste. Und vor allem wichtig: ordentliche Portionen. Die kulinarischen Abstrusitäten der auch schon nicht mehr neuen waren immer eine Sache, die anscheinend für Zwerge gedachten Miniportiönchen die andere. Bei Begleitern, die mit am Tisch saßen, habe ich oft erhobene Augenbrauen verursacht mit der Frage: Dabei waren die meist schon fertig und haben auf ihren Espresso gewartet. Nein, nein, es ist schon so, die Holzfällerportion ist immer noch die beste.
    Und mit vielen Sternerestaurants ist es oft auch nicht weit her. In einem gottverlassenen Kaff bei uns in der Nähe gibt es eins, das stolz seinen Stern (oder sind es zwei?) und einen französischen Namen führt. Einmal war ich da und als ich auf Französisch bestellen wollte-na ja, der Krempel auf der Karte (oft Zeug, das einen Kammerjäger froh machen würde) war auf Französisch und meist auch richtig geschrieben, aber dann dachte ich, bevor ich hier verhungere bestelle ich Steak mit Pommes und Salat. Kein Geschmackserlebnis.
    Mir kann man mit dem ganzen prätentiös-affektierten Stus vom Hals bleiben, notfalls kaufe ich im Supermarkt und haue mir selbst was in die Pfanne. Rezepte von Mutti habe ich Gott sei dank noch jede Menge.

  66. Und für Sonntag rühre ich jetzt den Inhalt einer Tubepennysenfdermildestenart
    in Schmandausviergroßenbechern ein. In den Brei drücke ich Sovielegerösteteerdnüsse, wie ich unter die Schüsselinhaltsoberfläche pressen kann. Das Gemenge bleibt ungekocht bei Zimmertemperatur abgedeckt bis morgen stehen. Gegessen wird wegen Angeborenergabelfehlhaltung mit…na, Sie wissen schon, lieblächel…

    Kochen? Nö, bei mir nicht, ich hasse Alleheißmacherei seit Kindertagen! Spinatblätter beispielsweise, frisch gewaschen vom Abtropfbrett, sind was Feines, gekocht, egal mit welchen Tricks auch immer, bloß noch igittigitt. Und warum muss man den Geknetetüberausleckerenkuchenteig eigentlich im Ofen ermorden?

  67. an ihrem Lenker sollt ihr sie erkennen !
    werter DON, das blau-weisse lenkerband schlägt alles………………
    heute oder morgen hinauf nach Sassetta durch die weinberge und dann die serpentinen, weiter hinten im land gibt es dann spare rips von der wildsau…………..nichts passt besser ! und wie wäre es dazu mit einem Guada al Tasso, aber das geht ja leider alles an DON vorbei. diese genüsse des lebens im süden !

  68. Sondergastronomie T.I.R.
    Ob in F oder I, wir scheuten uns nie unterwegs ab 11 :30 zu schauen wo gehäuft die Camionisti/Routiers standen um ihre Mittagspause zu machen. Die dauerte noch in den frühen Achtzigern gerne mal 3 Stunden lang. Inzwischen schaut der Scheffe quasi in die Fahrerkabine, tempi passati also.

    Und so beginnen wir heutzutage in Grenoble auf Nationalstraßen mit der Suche nach Parkplätzen mit mehr als 5 Lastkraftwagen. Bis Bourgoin-Jallieu kein Treffer und in Bourg-en-Bresse haben wir die erste, allerdings um 14:30. Da bleibt gegen den Hunger nur McWürg, aber in F auch nicht zu empfehlen.Es macht keinen Spaß mehr. Klappt nur noch wenn man feste Plätze kennt, wie z.B. an der N 7 südlich Vienne. In der Regel nur 3 Gerichte zu Auswahl, mit kleinen Variationsmöglichkeiten innerhalb und wenn es keine zu großen Umstände macht.
    .
    Hatte schon mal darüber geschrieben. Unser Lieblingsplatz im Marmorhafen von Carrara, aber ein Sonderfall, weil die Trucker dort meißtens auf eigene Rechnung fahren und weder mit der Zeit noch mit dem Geld knausern müssen. Wirt und Wirtin sind Seelen von Menschen, wie man sie kaum noch findet. Na gut, bei den Toiletten muß man Abstriche machen. Die Athmosphäre in diesen Läden ist überwiegend unübertrefflich entspannt, vor allem wenn man Kinder dabei hatte. So viele Nachtische können die niemals verdrücken. Niemand tuschelt verklemmt mit dem Nachbarn, man ist und war nach wenigen Minuten im Gespräch miteinander und das laute und fröhliche Miteinander der Routiers wirkt geradezu ansteckend.
    .
    Wir heben alle Rechnungen als Souvenir auf und kürzlich fand ich eine als Lesezeichen in einem Buch. Aus dem Jahr der Euroumstellung. Unscheinbare Routierskneipe an Nebenstrecke, in Saint-Nazaire-en-Royans, da zwischen Ardèche et Drôme, auf der Fahrt zum Pont du Gard. Die Routier-Wirte waren bei der Umstellung nicht ganz so schamlos wie die deutschen Wirte damals: 2 x Plat du jour, demi litre de vin, deux café: 24 Euro. Bei uns verlangte man für den „Rooschdbrôde mit Spätzle un Salad“ über Nacht fast den gleichen DM-Betrag in Euro. (DdH)

    • der TEURO, nicht aber bei FAHRADSCHLÄUCHEN
      werter Deja, in Carrara…………….? gibts da ne präzisere angabe, damit auch ich diesen ort beglücken kann ?

      ja, beim essen und beim Trollinger und Schwarzriesling schlug der Teuro zu, nicht dagegen bei fahrradschläuchen.
      finde heute im reisegepäck noch einen MTB-schlauch für 11,90 DM, gekauft beim Merz in Ludwigsburg, da ist ja keine teuerung drin.
      heute in Donoratico reserve gekauft für 5 Euro für ein fast 20 jahre altes alu-MTB, aber mit modernster Hurricane-bereifung, rollt göttlich auch zum Stocksberg hoch !

  69. Dioe gescheiterte Umerziehung der Intelligentsia(?)
    Vielen Dank, Don Alphonso, für das beinahe unpolitische Bratenstück für das Wochenende, das mir auch mehrfach genossen bekommen und schmecken wird.

    Inhaltlich habe ich einen etwas anderen Eindruck von der Umerziehung, und die Münchner Nummernschilder gehören meiner bescheidenen Meinung nach kaum zu ‚besseren Kreisen‘, sondern viel eher den nouveau riche. Und das ist allemal kein Lob.
    Also ich für meinen Teil erachte es als ganz besonderes Ereignis, wenn die Gelegenheit sich ergibt mein bevorzugtes Restaurant in Köln neben der Domplatte aufzusuchen, um dort eine eher traditionelle französische Küche ohne Sterne im 5-Stern-Ambiente serviert zu bekommen.
    Kultur ist ja eben holistisch. Da muss das Essen gut sein, muss nicht ausgefallen sein, aber mit hervorragender Getränkeauswahl, Weinkarte, und insbesondere wirklich guter und kompetenter Bedienung.

    In Asien haben wir dem zu häufig nachweinen müssen, wenn unsere bevorzugten Restaurants nach langsamem ‚Aussterben‘ der gebildeten Elite von den Neureichen frequentiert wurden, die nach einer (unitalienischen) Pizza in modernem italienischen Ambiente gierten. Wo ein Wein je teurer je besser war. Und die Frauen vorzugsweise halbnackt am Tisch sassen und die Männer zur Not mit einer Baseballkappe bekleidet.

    Ich glaube nicht, dass es gelingt wirkliche Bessere Kreise umzuerziehen. Und durch einen SUV mit Münchner Kennzeichen der zum Wachtelspachteln an den Tegernsee gefahren wird, wird man auch kein Mitglied derselben. ‚Rossini, oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief‘ zeigt wunderbar die Gesellschaft, zu der man sich dann zurechnen kann.

    Was Sie beschreiben scheint mir eher als verzweifelter Versuch, eine durch Kulturveränderung wegbrechende Kundschaft gehobener Gastronomie zu ersetzen.

    Und dass eine Ministerin, die sich ’sexuell diskriminiert‘ fühlt durch ‚Nordsee-Barbie‘ beziehungsweise ‚weinerlich‘ nicht einmal zur Intelligentsia zuzurechnen wäre; geschweige denn man es je verstehen kann, wie sie ins Amt gelangte, zeigt nochmals deutlich wie wenig Umerziehung funktioniert.
    Um mir den Appetit durch dieses Wochenende hindurch nicht zu verderben, denke ich erst gar nicht an jegliche Versuche, eine Ex-Stasi-Mitarbeiterin in einen demokratischen Rechtsstaat integrieren zu wollen.

  70. Der Don kann borstig
    Don kann Genuss, er kann Essen, er kann Kochen, Backen, dekorieren und anbieten.

    An Empfinden und Kenntnis fehlt es ihm nicht.

    Er schreibt auch hier, geeignete Näpfe und Tröge zu kennen – geheim.
    Don schätzt das derbe Steinzeug sehr, das gestanzte Blechbesteck und die Ikealampe über dem Esstisch.

    Irgendwer muss seine Borsten aufgestellt haben. Die Gäste der Sterneria? Die alternden Chefköche wie Witzigmann? Die ubiquitären Chefkochthematisierten Produkte wie Lafer?
    Die Kellner wohl nicht.

    Ich wünsche allen einen guten Appetit heute und viel Genuss in guter Gesellschaft.
    Von schwarzem Tee und Apfelreibe grüsst der Honigbär.

  71. @Tamarisque 30.9., @Déjà en préparant le tribunal 1.10.: Witthüs usw.
    Das Witthüs hat sich auch sehr verändert oder entwickelt. Abgesehen davon, dass es einst Wohnort des Schriftstellers Hans Henny Jahnn war, war es später eine Zeitlang Treffpunkt für bestimmte Hamburger Querdenker und Lebensreformer – boshafterweise könnte man sie als Proto-Linksgrüne bezeichnen, aber der Leiter Peter Schilinski und andere waren eher den Anthroposophen zuzurechnen [http://anthrowiki.at/Peter_Schilinski]. Es gab auch ein Partner-Witthüs auf Sylt. Jedenfalls war man kritisch und aufmüpfig – ich erinnere mich, dass mein Vater einmal von dort eine hektographierte Schrift mitbrachte, in welcher die französische Algerienpolitik sehr heftig kritisiert wurde. Das war Anfang der 60er, lange vor 68 und den Anti-Vietnamkrieg-Protesten.

    Später war das Witthüs dann als Teehaus ein beliebter Treffpunkt für ältere Blankeneser – durchaus nicht nur aus der Oberschicht – und für Blankeneser Oberschüler. Eine gewisses Selbstbewußtsein der Besucher war nicht so sehr ihrem Vermögen geschuldet, als vielmehr dem Genius Loci: einst sprach man auch von Blankeneser Strandräubern, Seefahrern und Fischern, die „in den Treppen“ wohnten ; und im 19.Jhdt hieß es einmal in einem Hamburger Zeitungsbericht „die Blankneser sind ein wilder und ungebärdiger Menschenschlag“ vor dem der Reisende sich in Acht nehmen solle. Das ist alles vorbei und gründlich gentrifiziert. Heute scheint das Witthüs ja sowohl ein Restaurant als auch eine Teestube zu beherbergen. Künstlerisches gibt es wohl auch noch, aber ob dort noch etwas von der einstigen Aufmüpfigkeit zu spüren ist?

    Auch hier wieder „tempi passati“

  72. A propos Witthüs: Schilinski, AUD und die diversen Wurzeln der Grünen
    Da es ja nun mal unvermeidlich wieder auf eine politische Diskussion hinausgelaufen ist, hier noch ein interessanter Hinweis: Da gab es mal eine Partei names „AUD“ („U“, nicht „f“, s.Wikipedia), die anfänglich neben sehr verknöcherten Ex-Nazis, auch Anthroposophen, Pazifisten und sonstige Lebensreformer umfaßte – man war nationalistisch, friedensbewegt und neutralistisch, d.h. auch anti-Amerikanisch, auch die Tendenz zu einer Verständigung mit den Russen war schon da. –

    Später hat man dann die Brandtsche Ostpolitik unterstützt, und noch später für Umweltschutz und gegen Atomkraft agitiert. In den 60er näherte man sich der APO an, man schuf Bündnisse mit verschiedenen Kleinstparteien des linken Spektrums: das mündete dann schließlich in den eher konservativen Flügel der Grünen (den gab es mal, nicht nur die ex-KB* Aktivisten). Peter Schilinski, der von „Witthüs Teestube“ mischte da als Drahtzieher eifrig mit. Näheres im Wikipedia-Artikel zur „AUD“.
    Boshafterweise könnte man von einem frühen „Querfront“-Versuch sprechen.

    Tempi passati, aber wenn man heute so das politische Spektrum in Deutschland betrachtet, dann merkt man, wie langwellig (nicht „-weilig“!) bestimmte geistige Strömungen wirken. Die meisten Leute, die sie alt genug sind, erinnern sich nur nicht mehr daran. Vielleicht könnte die Erinnerung an diese Wurzeln von APO und Grünen ein wenig helfen beim Versuch zu verstehen, was manche ältere AfD-Mitglieder so motiviert.

    Was mit so einer harmlosen Teestube alles zusammenhängt …

  73. Was mag der Mensch?
    Vor längerer Zeit war ich im Lande Michelin unterwegs und hatte als gelehriger Gourmet-Schüler in Paris sowohl im Tour dÁrgent als auch im Grand Vefour gegessen. Da entdeckte ich auf den Champs Elysee eine große Menschenschlange vor einem Restaurant, es war das McDonalds!

  74. OT
    Dumm gelaufen …. für Manuela Schwesig. einerseits selbst Teil einer
    politischen Kampagne, die weiß, blond, blauäugig zum genetischen
    Auslaufmodell erklärt, und sich andererseits diskriminiert fühlen, wenn man sie als
    „Küstenbarbie“ bezeichnet.
    Da hilft wohl kein Aufschrei: Wehret den Anfängen!

    • Küstenbarbie
      Das ist noch gar nichts – was soll erst jemand sagen, den man mit Fug und Recht wegen seiner politischen Verbandelung mit einer bestimmten zivilgesellschaftlichen Organisation als „Pink-Stinker“ bezeichnen könnte?

      A propos Wehleidigkeit – die Dame soll sich mal ein Beispiel an älteren US-Politikerinnen wie die verstorbene Nancy Reagan nehmen, die auf Presse-Kritik an ihrem angeblich aufwendigen Lebensstil reagierte mit einem Gesangsauftritt beim „Gridiron Dinner“ als „Second Hand Rose“ in entsprechender Kleidung. Auch die frühere Außenministerin Madeleine Albright soll sich irgendwann mit einem selbstironischen (Gesangs-?) Auftritt über Kritik an der US-Außenpolitik lustig gemacht haben. (Leider keine Web-Links verfügbar, da länger her )

      Und auf „Große süße Maus“ kann man auch z. B. mit „Alter fetter Hahn“ antworten … anstatt eine Facebook / Twitter- Kampagne zu starten.

  75. Soll man Banken retten?
    Es wird darüber diskutiert, ob der deutsche Staat die darbende Deutsche Bank retten sollte. Man sollte sich zuerst lieber diese Fragen stellen:
    1. Wie „deutsch“ ist die Deutsche Bank noch, außer dem Namen nach?
    2. Wer sind die Mehrheitseigner? Nach meiner letzten Information lag das größte Aktienpaket bei Blackrock, USA. Es wurde in den Medien auch kolportiert, dass die Königsfamilie eines der Emirate in die Deutsche Bank schwer investiert hat.
    3. In welchem Standort generiert die Deutsche Bank ihr größtes Geschäftsvolumen? Das ist vermutlich gar nicht mehr Deutschland, sondern die USA.
    4. Welches Land ist zuständig?

    Fazit: Lasst doch die Amerikaner ihre Deutsche Bank retten. Im Crash von 2008 wurde die Deutsche Bank doch auch von der US Regierung unterstützt.

    Wobei ich eher der Meinung bin, dass man dem Markt endlich die Chance geben sollte, zu zeigen, wie er durch seine unsichtbare Hand alles optimal regelt. Schließlich ist das eine der Kernthesen der neoliberalen Wirtschaftslehre.

    Aber hey, habe es beinahe vergessen: Es gibt doch den ESM. Wenn durch den Gelder fließen, werden „wir“ das doch gar nicht mitbekommen. Die sämtlichen Aktivitäten unterliegen einer strikten Geheimhaltung. Der EU Steuerzahler soll alles zahlen, darf aber nichts wissen.

  76. Kässpätzle versus Steak
    @colorcraze – Wenn man abends oder morgens ein bisschen rennt, schmecken Kässpätzle, auch wenn man den ganzen Tag herumsitzt. Aber ich bekam die einmal aus einem ganz anderen Grund verboten. Ich war mit meinem kanadischen Chef bei der Firma Dornier in Friedrichshafen. Am ersten Abend gingen wir essen, und ich bestellte Kässpätzle. Später im Hotel sagte mein Chef mir: ‘We are under cost-reimbursement contract. Don’t make these guys form Dornier think that we can live on this cheap stuff. We (Canadian men) want big steaks. Please take steak in the future.’

  77. Sassetta CHINGIALE
    scheinbar nur mit bewegten bildern können mann oder frau die pracht der wildsau einfangen, allerdings: es liegen einige harte kehren vor dem Hurricane-frontreifen bis sich

    https://www.youtube.com/watch?v=ToT7FdP21_c

    so ein anblick bieten kann !

    • Verehrter Django,
      ich verstehe es trotzdem-aber das „h! gehört etwas nach rechts hinter das „g“ gerückt. Ich verwende „scrofa“, paßt besser zu Schwaben.
      (DdH)

  78. Wenig zum Essen
    Um Ihre Beharrlichkeit und den Esprit solcher Texte kann ich Sie zurzeit nur beneiden.

    Mir ist mittlerweile fast durchgängig schlecht, dass ans Essen kaum zu denken ist – daher kann mich auch niemand gängeln. (Und das, obwohl ich versuche, ein wenig die Schotten zur Welt zu schließen.)

    Am Freitag dieser Berliner-Grünen-Tweet, der eine erneute Bombardierung Dresdens forderte, worauf der Sprecher der Grünen in Sachsen (!), J. Kasek, zunächst zustimmte – das könne er nachvollziehen.

    Als ob Schramms Bomber-Harris Irrsinn nicht bereits einer zu viel gewesen wäre.

    Nein, nein, nein, nein! Was wollen sich die Apologeten des Massenmords noch leisten; sie, die längst an Hebeln dieses Landes sitzen? Ich habe keine Veranlassung mehr, über den Geist von verbrecherisch Denkenden nur zu psychologisieren. Und wenig Kraft, ihnen mit Zynismus zu begegnen.

    Da erklärt mir Sachsen dieser Einheitstage jemand, ich solle die Geschichte nicht vergessen. O nein, ich vergesse sie nicht. Die zweier Jahrzehnte, die danach, die davor. Ich höre Schreie durch Jahrhunderte hindurch. In dunklen Momenten sehe ich Geschichte, wie der Angelus Novus sie sehen muss.

    Maisbrei. Manchmal kann Maisbrei helfen. Irgendwann in den Achtzigern saß ich mit einem bulgarischen Historiker in Plovdiv zusammen und hörte mir eine bulgarisch-türkische Bestandsaufnahme an, eine ganze Nacht lang. Mit Erzählungen gewürzt, die den Einsatz ungeheurer Mengen von selbstgebranntem Pflaumenschnaps erforderten. Um alles auszugleichen, gab es zwei Pfannen voll gepfeffertem Maisbrei.

    Der hat mich damals gerettet, glaube ich. Der Morgen blieb ohne Kater, in jeder Hinsicht. Vielleicht muss man, um ein Unverdauliches zu verdauen, ein anderes Unverdauliches zu sich nehmen.

    Freundliche Grüße.

  79. Titel eingeben
    Auch als Bayer muss ich sagen, Sie nehmen mir hier die Biergärten zu sehr in Schutz.

    Der Biergarten soll keine Neoküche mit fehlender Dekoration und zu kleinen Experimentportionen werden. Aber Anpassung an nächste Generationen ist dort durchaus nötig.

    Die Enkel sind auch Vegetarier und möchten nicht zwischen Wurstsalat und Fettpommes wählen müssen. Das ist nicht meine Meinung, aber wenn ein Familienteil absolut nicht mit der Karte begeistert ist, dann zieht die ganze Familie weiter, nicht zu Unrecht.

    Warum ist es so schwer einen schönen Teller mit Tomante, Käse (vielleicht sogar Feta vom frechem Griechen) und sonstiger Rohkost plus ein paar Scheiben frischen Bauernbrotes zusammenzustellen?

    Warum versteht der Biergarten noch immer nicht dass das durchaus in seine Karte passt, und ich gerne 10 Euro, ohne Getränk versteht sich, dafür lasse?

    Wenn der Biergarten sich heftiger in seine gewohnte Karte verbeisst als der normale vegetarische 20 – 30 jährige dies je vermag, dann steht einer von beiden in absehbarer Zeit vor einem ordentlichen Problem.

  80. Witthüs
    @ Thomsen
    Dank für die interessanten Informationen. Ich war urlange nicht mehr in Witthüs, auch weil wir nicht mehr im Hirschpark,sondern an den Elbhängen spazieren gegangen sind.

    Das letzte Mal, als ich dort war, war das Publikum auffallend jung, das Ambiente war noch bodenständig und urig. Na ja, habe die aktuelle Website gesehen. Alles wurde „aufgehübscht“. Ich weiß nicht, ob ich das noch mögen würde. Das sieht jetzt irgendwie trendgemäß angepasst aus.

    @ Otto Meier
    Habe noch eine Antwort auf Ihren letzten Post auf „Gender-Iwan“. Sorry für die Verspätung.


    • Hab die Antwort schon gesehen und gelesen, Tamarisque. Bei älteren Blogs dauert es halt manchmal ein wenig, bis freigeschaltet wird. Kein Problem.

    • Ich war mit dem Freischaltungshelfer in Italien. Deshalb dauert es im Moment so lang.


    • Wie geschrieben, kein Problem. Es wundert mich sowieso, wie das thematische am Ball bleiben, das durchaus anspruchsvolle Schreiben, das Freischalten und die körperlichen Torturen zeitlich unter einen Hut zu bringen sind. Denn daneben gibt es ja auch noch Silberkännchen etc. pp. Das erfordert jedenfalls ein gerüttelt Maß an Organisiertsein und Selbstdisziplin und paßt so garnicht zu dem Bild, das ich von Menschen habe, die als Beruf „Sohn“ angeben.

  81. Titel eingeben
    Wir sind wir sind wir sind wir. Schnitzel und Bier. Das Rad ist schön.

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