Stützen der Gesellschaft

Stützen der Gesellschaft

Leben, Bildung, Torten und sozialunverträgliches Spätableben unter Stuck und Kronleuchtern.

Der weite Weg zu Wolke Sieben

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Eben noch nieselte es draußen nur, jetzt prasselt der Regen an die Scheiben. November. Wenn es draußen tagsüber gar nicht mehr richtig hell wird, wenn der Wind immer kälter weht, wenn die Bäume das letzte Laub verlieren, wenn es einen nach drinnen zieht in die Wärme. Heißer Tee, Bücher, kramen in alten Briefen und Fotos, endlich mal die alte CD-Sammlung sortieren, frühere Lieblingsalben hören und dabei auch auf Stücke stoßen, die einen wieder einmal an die Endlichkeit erinnern.

Komm großer schwarzer Vogel, komm jetzt! 
Schau, das Fenster ist weit offen, 
Schau, ich hab‘ Dir Zucker aufs Fensterbrett g’straht. 

 Komm großer schwarzer Vogel, komm zu mir! 
Spann‘ Deine weiten, sanften Flügel aus 
und leg’s auf meine Fieberaugen! 
Bitte, hol‘ mich weg von da!

Der eigene Tod, ein Thema, das viele so gerne verdrängen und dabei wäre es doch so wichtig, das nicht zu tun, finde ich nicht erst seit Kurzem.

Wenn der österreichische Liedermacher Ludwig Hirsch mit seiner sanften Stimme den Tod heraufbeschwor, wenn er über die Todessehnsucht sang, war ich, damals gerade 20, nicht traurig, sondern fasziniert. Das hatte nichts Düsteres für mich, im Gegenteil. Irgendwo da oben im Himmel gibt es noch ein Leben, es ist nicht alles vorbei, wenn man stirbt. Man trifft sich wieder, vielleicht auf Wolke sieben, tauscht Erinnerungen aus, feiert zusammen …

Schon als Kind liebte ich Friedhöfe und schon als Teenager las ich in der Tageszeitung gerne die Todesanzeigen mit ihren Gedenksprüchen. „Alles hat seine Zeit, und jedes Ding unter der Sonne hat seine Stunde“ oder „Der Tod ist das Tor zum Licht am Ende eines mühsam gewordenen Lebens“ – so etwas gefiel mir.

Viele, vor allem die Freunde, fanden das merkwürdig. Wir waren ja alle noch blutjung und starteten gerade erst in unser eigenes Leben, in die Zukunft. Erklären konnte ich das damals nicht, warum mich der Tod und alles, was damit zusammenhängt, schon so früh interessierte. Erst später kam mir, dass es vielleicht auch an den Beerdigungen auf dem kleinen Dorf lag, in dem meine Großeltern lebten und in dem ich als kleines Kind die langen Sommerferien verbrachte.

Der Friedhof und die Kirche mitten im Ort, das Totengeläut, die langen Trauerzüge, der Leichenschmaus nach der Beerdigung in der Dorfwirtschaft, die üppigen Speisen, die aufgetischt wurden, der Schnaps, der floss und von dem ich nippen durfte. Die Trauer und die Tränen, die sich langsam auflösten in Gelächter, wenn die lustigen und skurrilen Geschichten über die Verstorbenen erzählt und wenn gelästert und gestichelt wurde.

Nein, der Tod, der hatte und hat nichts Bedrohliches, er gehört einfach zum Leben, nicht nur an Allerheiligen und Allerseelen und am Totensonntag, wenn die Friedhöfe bevölkert sind und die Gräber mit Totengestecken geschmückt werden, weil man das halt traditionell so macht.

Bei vielen, die ich kenne, ist das Thema mit dem jährlichen Ritual abgetan, man hat der Verstorbenen gedacht und seine Pflicht getan. Für den Rest des Jahres ist der Tod nichts, worüber man spricht, außer, wenn jemand, dem man nahesteht, schwer krank ist oder stirbt.

Wenn man die Menschen aber ein wenig anstupst, reden sie doch über ihn und über ihre damit verbundenen Ängste und Sehnsüchte. Wenn ich etwa schwärme von diesen Friedhöfen in Mexiko, auf denen es keine schlichten Grabsteine gibt, sondern alles voller Plastiksachen ist, ganz gemäß dessen, was die Toten geliebt haben. Ein Meer von Autos in allen Farben, Musikinstrumente und Tanzschuhe, dazu Getränkedosen und Nachahmungen von Orangen, Süßigkeiten, Chilischoten, also all das, was die Toten im Leben geliebt und am liebsten getrunken und gegessen haben.

„Das gefällt mir“, sagte nicht nur einer, dem ich das erzählte und redeten über ihr eigene Beerdigung. Eine Seebestattung wäre schön oder ein Grab in einem Friedwald unter einem schattenspendenden Baum. Was nach ihrem Tod sein soll, wissen viele also sehr genau.

Warum aber setzen sich viele nicht mit der Zeit davor schon mitten im Leben intensiver auseinander? Vielleicht würden sie ja sogar ein glücklicheres, ein zufriedeneres Leben führen? Nur etwa 30 Prozent der Menschen würden nichts bereuen am Ende ihres Lebens, schreibt etwa die Palliativpflegerin Bronnie Ware in ihrem immer noch aktuellen Bestseller “5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“:

  • Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie andere es von mir erwarteten.
  • Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.
  • Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.
  • Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten.
  • Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt.

Nicht nur Bronnie Ware hat übrigens festgestellt, dass die Menschen gar nicht so viel Angst vor dem Moment des Sterbens an sich haben, sondern vor dem „wie“.

Wie ist das, wenn man alt und gebrechlich ist, wenn man Pflege braucht, wenn es auf das Ende zugeht? Liegt man dann alleine dement in irgendeinem Heim, in Windeln gebettet und muss gefüttert werden? Bekommt man genug Zuwendung, ist da jemand, der hilft beim Loslassen, wenn es in diese andere Welt geht oder stirbt man einsam zuhause? Hat man einen Unfall und liegt vielleicht jahrelang im Koma? Bekommt man die Diagnose „Krebs“ und kämpft jahrelang um sein Leben? Nein, leiden will niemand, allein die Vorstellung macht Angst und vielleicht ist das ja ein Grund, dass man lieber über seine Beerdigung redet als über Patientenverfügungen und Testamente.

Dabei wäre schön, wenn sich noch mehr Menschen schon in jüngeren Jahren Gedanken über die Endlichkeit machen würden und nicht erst, wenn der Tod näher rückt.

„Wie können wir uns eine Vorstellung vom Leben machen, von unserem jetzigen Leben, wenn wir nicht anerkennen, daß es irgendwann ein Ende haben wird?“. Das fragt Studs Terkel gleich zu Anfang seines Buches „Gespräche um Leben und Tod. Grenzerfahrungen, Ängste, Wünsche und Hoffnungen“. Und er stellt fast erstaunt fest, dass die im Buch versammelten Geschichtenerzähler, allesamt auf die ein oder andere Art und Weise mit dem Tod konfrontiert, kaum zu bremsen gewesen seien, wenn sie einmal angefangen hätten, zu reden.

Wenn ich könnte, würde ich das Buch, das bei mir seit Erscheinen in Deutschland im Jahr 2002 ganz vorne im Bücherregal liegt und in dem ich immer wieder gerne lese, zur Pflichtlektüre für jeden machen. Geschrieben hat es der Pulitzer-Preisträger Terkel, als er bereits fast 90 Jahre alt war. Seine Art, den Tod seine innig geliebten Frau Ida, die mit 87 starb, und den eigenen nahenden zu verkraften

Zu Wort kommen in 47 Portraits Ärzte und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Notaufnahmen, Kriegsveteranen und Pfarrer, Unternehmer und Obdachlose, ein Polizist, Feuerwehrleute, eine Hiroshima-Überlebende, HIV-Infizierte, ein Mensch, der irrtümlich in der Todeszelle saß und viele mehr. Allen ist gemein, dass die Konfrontation mit dem Tod, ihre Auseinandersetzung mit ihm, ihren Blick aufs Leben verändert hat.

Der Tod gehört mit zum Leben, er sei Teil davon, erzählt etwa eine Krankenschwester. Das allerdings habe sie erst lernen müssen. Die meisten Menschen wüssten, wann ihre Zeit gekommen sei: „Ich weiß, ich muss sterben“, diesen Satz habe sie nicht nur einmal gehört. Ihre Antwort anfangs: „Wir werden alles für Dich tun, was in unsere Macht steht.“ Erst viel später änderte sich das und sie sagte: „Vielleicht stirbst Du wirklich. Aber was kann ich jetzt für Dich tun, um es Dir leichter zu machen?“

Den Tod annehmen als etwas, was eben nicht in der Macht von Menschen steht. Vielleicht ist wirklich das das Geheimnis, um sich mit ihm schon im Leben intensiver auseinandersetzen zu können und zwar nicht nur an einzelnen christlichen Feiertagen wie Allerheiligen, Allerseelen oder Totensonntag.

Bemerkenswert ist übrigens in den „Gesprächen um Leben und Tod“, dass alle irgendwann auf das Thema „Glaube“ zu sprechen kommen. „Ich bin nicht religiös, aber ich glaube an etwas Höheres“, ein Satz beispielsweise, der immer wieder vorkommt. Fest steht, dass diejenigen, die an etwas glauben, leichter mit dem Tod umgehen. Mit dem der ihnen Nahestehenden, aber auch mit dem eigenen.

Schön, zu lesen, dass es nicht nur für mich etwas Tröstliches hat, an ein Leben nach dem Tod und eine Wiedervereinigung mit großer Feier auf Wolke sieben zu glauben.

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343 Lesermeinungen

  1. Danke!
    Wundervoll und sehr eindrücklich.

  2. Titel eingeben
    Morgen wird mein Vater beerdigt. Nachdem sich in dieser Woche seit seinem Tod in gesegnetem Alter so viele Dinge wie durch Zauberhand gefügt haben finde ich heute nun diesen Text. Das Leben ist schön. Der Tod ist ein Teil davon. Ein paar Tränen, und Dank für eine weitere Fügung in dieser Zeit durch diesen schönen Text. Meinem Vater hätte es gefallen.

  3. Es gibt ein Leben vor dem Tode...
    …das ist sicher, werte Frau Pukke. Aber danach – mal sehen! Neugierig:

  4. Der Tod und alles drumherum
    Sehr schöner, nachdenklicher, lesenswerter und vor allem apolitischer Text, werte Frau Pukke!

    Meine Frau ist Krankenschwester auf einer Schlaganfallstation. Sie ist öfter als der Durchschnittsmensch mit Leid und Tod konfrontiert, und ich konnte von ihr einiges lernen.
    Wenn es dem Ende zuging, zündeten die Pfleger immer ein Kerzerl im Zimmer an. Irgendwie hatten sie und der Patient es im Gefühl, wann es soweit war… Meistens „wartete“ der Patient mit dem Gehen, bis sich der Letzte der Liebsten verabschieden konnte. Danach wurde ein Fenster geöffnet, damit die Seele den Weg herausfand.
    Die kleinen Rituale erleichterten den Pflegekräften den alltäglichen Umgang mit dem Tod.

    Eine kleine Anekdote aus meinem Leben noch dazu:
    Als meine schwer demente Oma wegen eines Oberschenkelbruchs in die Klinik musste, wurde meinem Opa gesagt, dass sie nie mehr nach Hause kommen würde. Beide Anfang 90, beide vom Leben gezeichnet. Er sah (und das hat er wirklich gesagt!) seine Aufgabe, seine Ehefrau in guten wie in schlechten Zeiten zu lieben und zu ehren, als erfüllt an – und starb 3 Tage später friedlich in seinem Bett.
    Als meine Oma darüber informiert wurde, hatte sie ihren letzten klaren Moment:
    „Opa.. tot…“ murmelte sie den halben Tag. Zwei Tage später starb sie, deren Herz noch Tage zuvor zu kräftig zum Loslassen war, ebenfalls.
    Sie waren 63 Jahre verheiratet. Sie starben beide innerhalb einer Woche.
    Das … ist … Liebe

    • Danke für die sehr schönen Worte. Sie berühren mich sehr. Und ja, der Text ist bewusst apolitisch. Politische Texte gibt es derzeit genug.

  5. Ringsum ist Felseneinsamkeit...
    Danke für diesen sehr einfühlsamen Essay. Ich halte beim Zwölfuhrläuten immer inne, um mich für meine Familie und das Glück, das ich bisher in meinem Leben hatte, zu bedanken. Diese paar Minuten erden ungemein.
    Ihre Liebe zu Friedhöfen teile ich. Es ist nicht deprimierend, sondern friedlich.

    • Felseneinsamkeit
      Das ist ein schönes Wort und ein richtig schöner Text. Danke, hat mich sehr bereichert.

    • Das ist ein sehr schönes Ritual.

    • Felseneinsamkeit
      Aus irgendwelchen Gründen wurde meine Antwort nicht angezeigt, deshalb nochmal: Felseneinsamkeit ist ein schönes Wort, und Ihr Text ist ganz besonders, hat mich berührt und sehr bereichert. Danke dafür!

  6. Hoffnung
    Ein wichtiges Thema, der Tod. Natürlich besonders für diejenigen, die auf Grund ihres Alters nicht umhinkommen, ihn zunehmend mehr in den Bereich des Wahrscheinlichen gerückt zu sehen. Meine Hoffnung ist, daß jeder Tote immer dann, wenn jemand, der noch lebt, wohlwollend seiner gedenkt, in diesem Moment von einer Woge des Glücksgefühls erfüllt wird.

    Ich denke nicht zuletzt auch an Menschen, die hier (in diesem Blog) nicht mehr schreiben, nachdem sie viele gute Beiträge geleistet haben. Ich kann nur wünschen, daß sie noch unter den Lebenden weilen.

    • Titel eingeben
      Vielleicht denken Sie wie ich an Renate Simon, deren Beiträge ich seit einiger Zeit sehr vermisse. Doch ich hoffe und wünsche, dass sie nur unpässlich ist und irgendwann wieder schreibt. Wenn nicht, dann werde ich – vielleicht in einem Jahr – eine Kerze für sie anzünden… Alles andere wäre zu früh und zu hoffnungslos…

  7. Schöner Text. Mit dem ich trotzdem nicht einverstanden bin.
    Ich halte es für normal und natürlich, dass die Mehrheit von Menschen sich von allem fernhält, was unangenehm ist. Deshalb die Vorliebe für Filme und Bücher mit Happy End, deshalb die Verdrängung von Tod, Leid oder schwerer Krankheit.

    Ich habe die Auseinandersetzung mit dem Tod mit 20 hinter mich gebracht, als mir bewusst wurde, was „Soldat werden“ im Ernstfall heisst. Aber das war nicht wirklich freiwillig, sondern beruflich erzwungen. Ich sehe keinen besonderen Sinn darin, dass ganz generell von Menschen zu erwarten oder Menschen dazu zu raten. Nicht selten ist Ignoranz die menschenfreundlichere Variante …

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • @Thorsten Haupts
      “ Nicht selten ist Ignoranz die menschenfreundlichere Variante …“

      Entschiedener Widerspruch, Herr Haupts: Ignoranz gegenüber der Endlichkeit des eigenen Lebens und dem, was danach kommt, ist m. E. eine der folgenschwersten Ursachen für menschenfeindliches Verhalten. Kaum etwas hat gravierende Auswirkungen als die materialistische Einstellung, nur dieses eine, physische Leben zu haben und danach (sollte die Verdrängung es zulassen, überhaupt so weit zu denken) eine Art „schwarzes Nichts“ zu erwarten.

      Sie stellt eine Art „Blankoscheck“ für jede Art von Auslebung egoistischer Interessen aus und für jede weitere Ignoranz.

      Diese Welt wäre eine bessere, wenn jeder ahnte, daß danach kein „gnädiges“ „Nichts“ kommt sondern das volle Bewußtsein aller Zusammenhänge und damit aller Auswirkungen vergangenen Handelns und Nicht-Handelns.

      Wer das weiß oder zumindest erahnt, ist immer bedacht, stets „reisebereit“ zu sein und sein (Schuld-) „Gepäck“ klein zu halten. Unvorbereitete Ignoranten sollten sich auf die eine oder andere Überraschung gefasst machen.

      – Ein wunderschöner und wichtiger Text, Don Alphonso!

    • Widerspruch zur Kenntnis genommen.
      Und zurückgewiesen. Dafür muss man sich nur ansehen, wer vom Versprechen/der Drohung auf ein „Leben nach dem Tod“ profitiert hat, in der Menschheitsgeschichte. Jedenfalls wurde die Welt dadurch nicht besser.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Tja, der November
      Ja, ThorHa, Sie haben Recht, man muss nicht immer dran denken. Und wenn, dann vielleicht à la Karl Valentin:
      „Alle Menschen müssen sterben.
      Vielleicht auch ich.“

  8. Verdrängung auf Abruf
    Über den Tod macht man sich mehr oder weniger immer Gedanken, sei es das man den Tod der vorherigen Generation/Freunde etc zu Grabe bringt oder Mitleid mit denen hat, die es durch Unfälle oder andere Schicksale keine Chance hatten, ihr Leben weiter zu führen.
    Das Bewußtsein, jeder Tag an dem man weiterlebt, eine Gunst ist hat ja auch etwas für sich.

    Zum Leben nach dem Tod hat wohl jeder seine eigenen Vorstellungen, umso mehr treibt es uns wohl an, älter und älter zu werden – der Traum vom ewigen Leben oder des Nichtvergessenwerdens.

    • @Frau Pukke
      Ich muß mich bei Ihnen entschuldigen: Hatte nur auf die Blog-Überschrift geachtet und übersehen, daß der Text von Ihnen ist. Das Kompliment „wunderschön und wichtig“ gilt natürlich trotzdem!

    • Oh. Es gibt keinen Grund, sich bei mir zu entschuldigen. Ich freue mich, wenn Texte gefallen, egal, von wem sie stammen.

    • @Thorsten Haupts nochmal
      „…wer vom Versprechen/der Drohung auf ein „Leben nach dem Tod“ profitiert hat…“

      – Zustimmung, wenn sie damit Religionen meinten, die durch Repression Machtinteressen durchsetzen.

      – Widerspruch bezüglich ideologie-/religionsfreier Spiritualität ohne Hierarchie, Repression und Machtinteressen.

      Vielleicht denken Sie unter o. g. Prämisse nochmal drüber nach? Das würde mich freuen.

    • Ein anständiger Mensch
      muß keineswegs an ein Fortleben glauben. Das Bewußtsein der Endlichkeit genügt. Meine Einstellungen werden nicht vom Jenseits, sondern vom Diesseits bestimmt. Erfahrungen mit Menschen färben die Einstellung. Auch als Atheist (katholischer) besuche ich gern Friedhöfe und pflege das Grab meiner Vorfahren, zünde sogar Lichtlein an für den „Umgang“ (früher am 2.11.).

  9. Leonhard Cohen: CD - You want it darker u.a.
    Warum glauben nicht wenigstens ein paar mehr Menschen an ein

    RICHTIGES Leben VOR dem Tod?

    Ein Leben voller Lust, voller Offenheit, Anstand und Ehrlichkeit in Gemeinschaftlichkeit und Achtsamkeit… Nein, erst das falsche Leben, aber danach soll es dann wirklich richtig losgehen. Warum eigentlich? Gibts da irgendwelche ernstzunehmenden Gründe für, dass es so kommen wird?

    Mit dem richtigen Leben vor dem Sterben (und meinetwegen dann Wolke Sieben) wäre verdammt viel gewonnen. Und all die Drohnenmörder, Sprengstoffattentäter, Finanzkriminellen, Giftgasproduzenten, Waffenhersteller, Pharmabanditen, Dieselabgas- und Politikbetrüger… hätten vielleicht ein paar weniger Chancen weniger. Völlig überflüssige Hoffnung, ich weiß.

    • @Grigorij
      Wo ist denn der Gegensatz zwischen einem „richtigen Leben vor dem Tod“ und der Hoffnung (besser: Ahnung, vielfach auch Wissen), daß es nach der physischen Existenz noch weitergeht?

      M. E. bedingt das eine das andere sogar: Wer ahnt oder weiß, daß diese kurze physische Existenz nur ein Teilaspekt des Seins ist, verbringt es gelassener, setzt andere Prioritäten, verhält sich kooperationsbereiter, verantwortungsbewußter und weniger konfrontativ. Nicht nur gegenüber den Menschen des persönlichen Umfelds sondern auch hinsichtlich seiner Mitverantortung für das große Ganze.

      Meinen Beobachtungen nach führen nur Menschen ein wirklich glückliches, ganzheitliches, bejahendes Leben, die den physischen Tod nicht verdrängen sondern ahnen oder wissen, daß er ein Portal zu Bewußtwerdung und Anerkennung von Verantwortung sein wird.

    • @Blue Angel
      Sicher, woher maße ich mir an zu wissen, was das „richtige“ Leben ist?

      Nehmen wir die Demut, die sicher/hoffentlich unzweifelhaft zum richtigen Leben dazugehören sollte. Wo sehen Sie die in unserem westlichen Alltag? Ich kann die irgendwie viel zu selten sehen. Kann natürlich an meinem Augen liegen. Sicher.

      Ist es nicht eher so, dass aus allem das Letzte, gerade noch Mögliche herausgequetscht wird? Egal ob aus Tier, Pflanze oder Mensch? Aus der Erde sowieso.
      Wo ist da, auch angesichts unseres längst weltweit verfügbaren Wissens, unsere Demut? Oder einfach unser Anstand?

      Aber dann auf ein Leben nach dem Tod hoffen. DAS passt nicht zusammen. Finde ich jedenfalls.

      Wir als Gesellschaft, als System sind unwiderlegbar dabei, diese eine Erde zu ruinieren. Das ist offensichtlich. Und diese Erde kann nur, privat mag das jeder für sich anders entscheiden, kann nur hier und jetzt gerettet werden. Denn darum geht es mittlerweile längst.

      http://www.mondamo.de/alt/drewermann.htm

      Der Drewermann-Aufsatz endet:“Der Tag wird kommen, an dem wir Menschlichkeit gerade darin erblicken werden, niederkniend die Tiere um Verzeihung zu bitten für alles, was wir ihnen angetan haben.“

      Dieser Tag ist leider immer noch sehr, sehr weit entfernt. Und das wissen „wir“ auch alle.
      Haben wir denn als Gesellschaft angefangen, „wenigstens“ jene Menschen auf Knien um Verzeihung zu bitten, denen wir bitteres Unrecht angetan haben?

      Die, die sich täglich redlich mühen, mögen mir meine harsche Anmerkung verzeihen.

  10. Schöner Text!
    Danke. Was Sie schreiben, macht nachdenklich. Ich bin Krankenschwester und habe schon viel an Leid gesehen und erfahren, als ich in der Palliativpflege tätig war. Der Tod war da meist eine Erlösung. Das Zauberwort heißt Loslassen, das gelingt nur den wenigsten, mir mal mit Sicherheit auch nicht. Dabei ist der Tod ja unausweichlich, oft auch bitter, wenn einem liebe Menschen oder Tiere sterben. Das habe ich manchmal als zutiefst schmerzvoll und unendlich traurig erlebt. Aber es ist einfach, wie es ist. Das Leben ist ein Fluss, alles fließt, und am Ende der stetigen Veränderung steht der Tod wie ein Berg, an dem man nicht vorbei kommt. Auch irgendwie tröstlich.

    • Das Leben ist ein Fluß..........
      Wohl wahr,gute Nemesis, doch am Ende steht kein Berg, sondern ich
      löse mich in meine Elemente auf. Mit den ca. 80% Wasser geht es,
      hat es mal den Krematoriumsschornstein verlassen, am schnellsten
      mit dem Weiterfließen. “ich” ziehe mit den Wolken ostwärts, wo mich
      dürstende Pflanzen dankbar erwarten um ihren Turgor aufrechtzuerhalten
      und um ihre Nährstoffe aus der Erde zu saugen. In Form von Morgentau
      trete ich wieder ans Tageslicht, die Verdunstung hebt mich wieder
      zu den Wolken empor und weiter geht die Reise und weiter und weiter
      in Ewigkeit. Soweit das H2O. Mit den Elementen in der Asche geht
      es langsamer, aber die reisen nicht weniger abenteuerlich und sie alle
      werden irgendwo gebraucht. Dringend. Zum Leben von Gänseblümchen,
      Pferden, Menschen, Flughunden und Hyänen und dem ganzen lebendigen
      Multiversum auf der Welt.
      Mein ganzes Leben ist ein großes Abenteuer. Aber nicht gewesen,
      sondern es hört niemals auf. Da sind Chemie und Physik davor.
      Mein gegenwärtiges Sensorium wird das nicht mehr genießen können,
      mein Vorwissen aber macht mir soviel Freude wie alle
      Poesie der Welt.
      Mind you, there is’nt any smoking, drinking and the like involved.
      I’m eighty years of age and the big journey may start soon.
      Amen

    • Das Leben ist ein Fluß..........
      Wohl wahr,gute Nemesis, doch am Ende steht kein Berg, sondern ich
      löse mich in meine Elemente auf. Mit den ca. 80% Wasser geht es,
      hat es mal den Krematoriumsschornstein verlassen, am schnellsten
      mit dem Weiterfließen. “ich” ziehe mit den Wolken ostwärts, wo mich
      dürstende Pflanzen dankbar erwarten um ihren Turgor aufrechtzuerhalten
      und um ihre Nährstoffe aus der Erde zu saugen. In Form von Morgentau
      trete ich wieder ans Tageslicht, die Verdunstung hebt mich wieder
      zu den Wolken empor und weiter geht die Reise und weiter und weiter
      in Ewigkeit. Soweit das H2O. Mit den Elementen in der Asche geht
      es langsamer, aber die reisen nicht weniger abenteuerlich und sie alle
      werden irgendwo gebraucht. Dringend. Zum Leben von Gänseblümchen,
      Pferden, Menschen, Flughunden und Hyänen und dem ganzen lebendigen
      Multiversum auf der Welt.
      Mein ganzes Leben ist ein großes Abenteuer. Aber nicht gewesen,
      sondern es hört niemals auf. Da sind Chemie und Physik davor.
      Mein gegenwärtiges Sensorium wird das nicht mehr genießen können,
      mein Vorwissen aber macht mir soviel Freude wie alle
      Poesie der Welt.
      Mind you, there is’nt any smoking, drinking and the like involved.
      I’m eighty years of age and the big journey may start soon.

    • Ich arbeite ehrenamtlich in einer Einrichtung für Seniorinnen und Senioren. Das ist nicht dasselbe wie Ihr Beruf, aber ich merke auch da sehr aufmerksam, dass das Problem das Loslassen ist. Ich danke sehr für Ihren Kommentar.

    • @Grigorij nochmal
      Sie haben völlig recht, nicht nur hiermit:
      „Nehmen wir die Demut, die sicher/hoffentlich unzweifelhaft zum richtigen Leben dazugehören sollte. Wo sehen Sie die in unserem westlichen Alltag? Ich kann die irgendwie viel zu selten sehen. Kann natürlich an meinem Augen liegen. Sicher.“

      Mit einem glücklichen, authentischen, „richtigen“ Leben meinte ich grade *nicht* ein typisch „westlich“-materialistisches. In einem, das mir vorschwebt, sind Demut und Dankbarkeit vielmehr grundlegende Bewußtseinszustände.
      Schon deshalb, weil ohne sie „das große Glück am Kleinen“ m. E. gar nicht möglich ist: Die jubelnde Freude an allem Schönen, das es – entgegen menschengemachter Zerstörung – noch gibt: Einzigartige Wolkenformationen, frisches, klares Wasser, die Perfektion eines Grashalms…
      Wer ohne Demut und (ihre „Zwillingsschwester“) Dankbarkeit ist, nimmt Luxus (wie sauberes Wasser) als Selbstverständlichkeit und hat i. d. R. auch weder einen Blick für den Reichtum „kostenloser“ Schönheit um ihn herum, noch für die Empfindungen seiner Mitgeschöpfe. Er ist stattdessen mit „wichtigem“ wie Statuserwerb, -erhalt oder -mehrung und Geschäften o. ä. beschäftigt.
      – Kann man so ein „richtiges“ Leben führen? – M. E. eher nicht.

    • @Blue Angel - Alles richtig.
      Ich wollte nur auf die enorme Differenz zwischen privatem Wunsch und Erleben und der großen Realität hinweisen.

      Und diese große Realität, nennen wir sie Gesellschaft oder System, MUSS und KANN ja nur von Einzelnen getragen und gestaltet worden sein, sonst hätten wir die nicht bzw. eine andere. Es muss also logischerweise sehr, sehr viele Menschen geben, die diese herrschende Realität täglich erzeugen. Und diese Realtität ist in allerhöchstem Maße kriegerisch, verlogen, egoistisch, zerstörerisch… Kurz:Das Gegenteil von Demut, Dankbarkeit, Achtsamkeit…
      Aber zuverlässig immer sonntags und zu den Festtagen dann in den Kirchen der Welt… Das passt nicht zusammen.

      Oder lese ich nur die falschen Nachrichten? Glaube ich in meinem Alter allerdings nun schon seit längerem nicht mehr. Ich lese ja auch hier im Blog von DA immer mal die Kommentare mit.

    • kriegerisch, verlogen, egoistisch, zerstörerisch
      Ich habe in meinem Leben noch keinen Menschen kennengelernt,
      der diese Wesenszüge nicht AUCH – neben andern – aufwies.

      Auch diese Zeitgenossen haben gerne über Demut, Dankbarkeit
      und Achtsamkeit vorgetragen. Möglicherweise sind dies aber
      wertvolle Anschübe zum Fortschreiten der Zivilisation/Domestizierung …

  11. ???
    „Warum aber setzen sich viele nicht mit der Zeit davor schon mitten im Leben intensiver auseinander?“

    Mit dem – Sterben? Denn mit dem Tod setzt sich jeder auseinander, das ist sozusagen kulturell unvermeidlich.

    Über das Sterben denkt man eher selten nach und die Antwort darauf liefert der Text selber: Die Leute sollen ein Buch lesen, natürlich von jemand Preisgekröntem … und denken dann, sie seien vorbereitet. Wie ein Punkt, den man ordentlich auf der to-do-Liste abhakt!

    Der Punkt ist: Der großartige Buchschreiber ist jedenfalls nicht gestorben; wenigstens nicht beim Schreiben oder höchstens so halb wie der Ostrowski, als er den Stahl diktierte.

    Also im Ernst – was Sterben bedeutet, kann man in letzter Konsequenz erst erfassen, wenn es soweit ist. Im übrigen kann man sich der Sache nähern – aber gewöhnlich nicht gemütlich vorm Kamin als ob man einen traurigen Film sieht und ein bißchen dazu heult, sondern da muss man, so jedenfalls meine eigene Erfahrung, sich wohl leider unbequemer Weise an den Ort des Geschehens selber begeben und mal ernsthaft einem Sterbenden beigestanden haben, schlimmstenfalls noch aktiv Entscheidungen dazu getroffen haben …

    Denn bei der Erfahrung vom Sterben eines Menschen handelt es sich nunmal um eine höchstpersönliche Erfahrung, während man sich vom Tod, wie gesagt, nicht nur jede Religion, sondern auch jeder nicht völlig stumpfsinnige Mensch von alleine ein Bild macht. Kunst darf sich natürlich auch mit dem Sterben befassen, aber sich einzubilden, sie könne die Erfahrung ersetzen, scheint mir geradezu … naja, frivol! Ich habe beispielsweise mal mit einem Vormundschaftsrichter eine kuriose Debatte über „The sea inside“ geführt; er verstand das als herzzereißendes Plädoyer für Sterbehilfe (wie die meisten), während ich konsterniert darauf hinwies, dass der Protagonist, während er verbissen um sein „Sterberecht“ kämpfte, ein geradezu mopsfideles Leben führte, für einen vollständig Gelähmten – er hatte sich verliebt, wurde sogar wiedergeliebt, er war politisch aktiv, er hatte Familie und Freunde … alles war sonnig – bis er leider, leider seinen Dickschädel durchsetzte und der schönen Zeit ein jähes Ende bereitete! Naja, manche mögens halt dramatisch …

    • @Grigorij zum III.
      „…Es muss also logischerweise sehr, sehr viele Menschen geben, die diese herrschende Realität täglich erzeugen…“

      Es gibt m. E. – im Verhältnis – eher weniger Menschen, die „die Realität“ erzeugen als solche, die sie (mehr oder weniger freiwillig) mit- (er-) tragen (müssen).
      Diejenigen, die die gesellschaftlichen Ziele (im Sinne einer Realitätsproduktion) definieren, sind i. d. R. solche, die davon auch (in verschiedenster Weise) profitieren und diese „Zielvorgaben“ werden sehr professionell (siehe u. a. „Nudging“) kommuniziert, waren dementsprechend bisher auch recht erfolgreich.
      Das ändert sich aber grade…

      Ansonsten Zustimmung.

    • @Blue Angel
      Ist natürlich schwer abschweifend. Aber ist dieses riesengroße Bedürfnis je nach Interessenlage Opfer (gewesen) zu sein, nicht doch sehr, sehr auffällig?
      Zwei Jahreszahlen:1945 und 1990. Was haben wir daraus eigentlich gelernt? Nicht so viel, scheint mir.

      Nudging wird übrigens heftig diskutiert. Und zu Recht, wie ich finde.

      Vielleicht sollten wir endlich mal wahrnehmen, dass wir bei weitem nicht so frei sind, wie immer so fleißig behauptet wird. Und andererseits natürlich auch als „kleiner Mann und kleine Frau“ für die Verhältnisse verantwortlich sind. Dieses Wissen scheint mir irgendwie nicht mehr so sehr verbreitet zu sein.

      Ich habe z.T. schon als Kind gelernt,
      dass man älteren und behinderten Menschen seinen Sitzplatz in Bus und Bahn anbietet.
      dass man sich in der Öffentlichkeit rücksichtsvoll verhält,
      dass man schlichtweg solidarisch ist
      dass man Sterbende und Tote nicht mit dem Handy filmt
      dass man andere Menschen nicht bepöbelt sondern respektiert und versucht deren Verhalten und Ansichten zu verstehen
      dass man sich um die Unterscheidung von Lüge und Tatsache kümmert
      dass man niemandem kritiklos hinterherläuft, auch und gerade keinen Kampagnen und erst recht keinen Politikern oder Militärs
      dass man die täglichen Lügen der Medien nicht schluckt…

      Das wird eine lange, lange Liste. Warum ist dieses Wissen so weitgehend verschwunden?

      Sollten angesichts der immer unerträglicher werdenden Verhältnisse nicht ziemlich viele Menschen regelrecht Angst davor haben, dass es nach dem Sterben für sie persönlich so oder ähnlich weitergehen könnte? Und aus diesem banalen Grunde schon ihr alltägliches Verhalten ändern? Warum tun WIR das so selten?

    • Grigorij,
      Die Sache mit der Freiheit.
      Ist frei, wenn man tun darf was immer man will?
      Das Thema hat einen Bart.

      Auf der anderen Seite sind Sie, so scheint mir, genau da gelandet. Weil ‚wir‘ als Gesellschaft mal wieder da gelandet sind. Und Ihre Beispiele zeigen das sehr gut auf. Ist man unfrei, Sterbende (um im Thema zu bleiben) nicht filmen zu sollen dürfen?

      Ähnliches kam mir in den Sinn bei der Entscheidung des dritten Geschlechtes. „Mir kommen blaue Pickel im Gesicht und Herzrasen, wenn ich mein Geburtsdatum im Ausweis sehe. Ich beantrage einen Ausweis ohne Geburtsdatum als Ausdruck meines Persönlichkeitsrechtes.“ Alle Beispiele hinken. Bei geschlechtlich sich fortpflanzenden Wesen gibt es nun mal männlich und weiblich. Freiheit ist für mich, sein Leben und seine Sexualität frei leben zu dürfen. Und da hat sich glücklicherweise sehr viel geändert, in den letzten Generationen.
      Der Ausweis als Ausdruck meiner Persönlichkeit hingegen scheint mir nicht geeignet als Symbol der Freiheit. Korrekturen m->f oder f->m sind da selbstverständlich ausgenommen.

      Realität kann nicht im Kopf erzeugt werden. E-Mobilität kann nicht als Ziel von Koalitionsverhandlungen als ‚ab WXYZ‘ alleinig zugelassen‘ definiert werden, wenn sie physikalisch nicht funktionieren kann.
      Nudging hingegen kann funktionieren. ich kenne ausreichend Menschen, die wie aufgescheuchte Hühner durch die Gegend laufen, weil sie *überzeugt* sind, dass ab 2050 bis 2080 eine menschengemachte Erderwärmung stattfindet, die Frankfurt einen Meeresstrand beschert, bei tropischen Temperaturen. Um das mal überspitzt auszudrücken.

      Verlust von Realität und Freiheit sind die kollateralen Schäden, die wir als Gesellschaft uns für einen vermeintlichen Fortschritt antun.

  12. Titel eingeben
    Habe das gerade Anfang des Jahres mitgemacht und mit Bedacht auf die Person meines Mannes abgestellt (Naturfreund und Vogelliebhaber)
    Meines Erachtens ist das Ritual der Trauerfeier und auch der anschließende Leichenschmaus ein Stück Leitkultur.
    Da ich meinen Vater früher oft zu Beerdigungen begleitete, habe ich
    in guter Erinnerung, dass der Leichenschmaus hinterher zu halben
    Hochzeiten wurde. Erst geweint, dann gelacht.
    Das waren auch immer Gelegenheiten, die weit verstreuten Verwandten wieder zu sehen.

    Das einzig ärgerliche bei der Trauerfeier meines Mannes war, dass man mich auf den Autor des Gedichtes ansprach, der wohl nicht politisch
    korrekt sei.

    Ernst Moritz Arndt – An die Nachtigall

    Stimmt Gesänge
    Gleich der Nachtigall,
    Und im Strom der Klänge
    Flutet hin zum All!

  13. das
    Nicht nur Bronnie Ware hat übrigens festgestellt, dass die Menschen gar nicht so viel Angst vor dem Moment des Sterbens an sich haben, sondern vor dem „wie“.

    Ehrlich gesagt, stößt mich das ab, weil ich den Eindruck habe, dass hier die Kategorien unzulässig vermischt werden. Ich habe mehrere Vorsorgevollmachten beurkundet und auch wenn man versucht, die Patientenverfügung möglichst draußen zu halten; da ist der Tod immer Thema, das Sterben und der Sterbevorgang als solcher jedoch wird regelrecht – ausgeblendet.

    Die Leute entwickeln stattdessen wilde Phantasien, unter welchen Umständen sie ja nicht mehr leben wollen, was niemandem schwer fällt – süßer Todeswunsch, so lange alles noch weit weg ist! Und dann geht auch schon die Post ab: Bloß keine Reanimation! Bloß keine künstliche Ernährung! Bloß nicht dieses .. bloß nicht jenes … und man kann kaum an sich halten, nicht aufzustehen und das Fenster zu öffnen und die Möglichkeit zu eröffnen, die schlimme Angst sofort und auf der Stelle loszuwerden.

    Hintergrund ist natürlich der, dass viele Menschen überhaupt keine Erfahrung mit dem Sterbevorgang mehr haben, weil sie ihre Angehörigen in Heime gegeben haben. Ich selber bin weit weniger großzügig, was das prophylaktische Zurückweisen jeder Hilfe im Notfall angeht, weil ich zum einen die Erfahrung gemacht habe, dass sogar Alzheimer nicht bedeutet, dass man demjenigen jeden Lebenswillen und -freude absprechen kann und ich zum anderen noch nie den Eindruck hatte, dass jemand wirklich und tatsächlich sterben will, sondern die Leute gelegentlich noch einen furchtbaren Lebenswillen entwickeln – egal, wie romantisch sie sich den Tod vorher ausgemalt haben mögen. Und ich weiß, wie leicht das Pflegepersonal es sich da mitunter macht – der ist alt und hat Schmerzen, also werden wir mal nicht im Wege stehen – das wird oft noch als besonders „ethisch“ verkauft und wenn man darauf besteht, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, gibts noch einen Flunsch obendrauf.

    Zusammengefasst: In unserer diesbezüglich zunehmend unreifen, unerfahrenen Gesellschaft bin ich der Meinung, dass man mit morbiden Darstellungen enorm vorsichtig umgehen muss; man gießt da bloß der falschen Lobby Öl auf die Lampe.

    • Ich stimme Ihnen zu.
      Immer wieder höre ich in meinem Freundeskreis: „Also, wenn ich nur noch bewegungslos im Bett liegen könnte (ob Wachkoma oder nicht), nein kommt nicht in Frage. Dann will ich lieber sterben.“
      Ich halte das für gedankenlos. Weiß ich denn, ob mir der Anblick und Gesang eines Vogels vor dem Fenster oder vorüberziehende Wolken vor dem Fenster später nicht genausoviel Freude macht wie heute eine Bergwanderung?

    • Die lieben Pfleger...
      …als ob die Pflegekräfte auch nur irgendeinen Einfluss auf das Siechtum eines Patienten hätten!
      Denken Sie das wirklich?! Dass die Schwester sich denkt: „Ach.. dem geht’s ned gut, den reanimieren ma jetzt nimma..“?

      Wenn keine Patientenverfügung vorhanden ist, wird der gesamte Apparat aufgefahren. Denn der Arzt, der entscheidet, irgendeine Maßnahme *nicht* einzuleiten, steht mit mehr als einem Bein im Gefängnis, sollte ein entfernter Angehöriger auftauchen.

      Reden Sie mit Menschen, die in der Pflege tätig sind! Sie werden entsetzt sein, welche Mittel in der modernen Intensivmedizin vorhanden sind, das „Leben“ quasi ins Unendliche zu verlängern…

      Sogar wenn eine Patientenverfügung vorhanden ist, reicht eine schwammige Formulierung, um den gesamten Fetzen wertlos zu machen.
      Aus diesem Grund verfasste ich mit kräftiger, praxiserfahrener Unterstützung meiner Frau um meinen 30. Geburtstag herum eine wasserdichte Verfügung, die mir – so Gott will – in vielen Jahrzehnten ein „Leben“ auf dem geistigen Niveau von Blattspinat ersparen wird. Verzeihen Sie mir die Polemik! Aber dass die Schwester da was zu sagen hätte, ist solch ein Unfug!

    • Furchtbarer und wirksamer Lebenswille
      Der Vater meines Patenonkels kam Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ins Krankenhaus, Krebs, dort sollte er sterben.

      Nun war es damals dort wohl eigenartig, er war zum Sterben verurteilt, vom Sterben gekennzeichnet und, unglaublich an sich, aber so war es nun einmal, er wurde nicht mehr gewaschen.

      Der Vater meines Patenonkels wollte sich seinem Schicksal nicht entziehen, aber er wollte nicht ungewaschen sterben.

      So entwickelte er einen solch enormen Lenbenswillen, dass er aus dem Krankenhaus entlassen wurde und weitere etwa fünf Jahre lang lebte.

      Der Lebenswille ist schon enorm mächtig.

    • Wer mal erlebt hat...
      … wie eine seit 20 Minuten tote Frau, ein 87 Jahre altes Häufchen Elend, noch reanimiert werden soll, denkt anders.Die Enkelin drohte, das ganze Haus zusammenzuschreien,sollte man das wagen.

      Meine Tochter und ich hatten uns alle 2 Std. am Sterbebett meiner Mutter abgewechselt.Als ich dann kam, heuchelte der Notarzt: leider konnten wir nichts mehr für Ihre Mutter tun.Fragte aber sofort, welches Bestattungsinstitut ich nehme.Als ich ich mich bei denen darüber wunderte, sagten sie: es ist Feiertag, da bekommt er 200DM, die er sich hier schon abgeholt hat…

    • Titel eingeben
      Ja, die Vorsicht bei den morbiden Darstellungen scheint wirklich dringend erforderlich zu sein.

      Ich kenne da eine Geschichte von einer jungen Frau mit Patientenverfügung „keine Reanimation“, einem Verkehrsunfall und einem Notarzt, der kurz und bündig bemerkte: Selbstverständlich habe ich reanimiert. Die junge Dame ist praktisch vollständig genesen.

      Und ich kenne auch jenes dies nicht und das nicht, bei dem man irgendwann kaum noch den Antrieb unterdrücken kann, den Leuten die Option des Suizids nahezulegen, der auch noch die Sozialkassen schont.

      Ganz zu schweigen von der Frage, wie oft die Wirklichkeit ganz anders aussieht als in der Pflegerlyrik vom Abschied von den Liebsten, der Kerzenentzündung und der Fensteröffnung.

      Es gibt da reichlich Aspekte, bei denen man sehr schnell sehr schlechte Laune bekommt. Und ich habe zunehmend den Eindruck, daß es Mode ist, genau diese Aspekte mit Novemberprosa zu überkleistern, um sich nicht mit handfesten Fragen zum Zustand unserer Gesellschaft befassen zu müssen. Tut mir leid, das nicht freundlicher formulieren zu können.

    • Bitte!
      Das ist hier nicht der Ort und die Zeit, Urban Legends zu verbreiten.

      Standard-Patientenverfügungen enthalten die Formulierung, keine intensivmedizinischen Maßnahmen beziehungsweise keine Reanimation durchzuführen, „wenn ein Zustand erreicht ist, der unwiderbringlich zum Tode führen wird“.
      Das ist meiner Meinung nach eine sehr ungeschickte Formulierung. Erstens ist bereits mit der Geburt eines Menschen ein Zustand eingeleitet worden, der unwiederbringlich zum Tode führen wird, man nennt das „Leben“ und zweitens werden Sie von zehn Ärzten, die sie fragen, ob der Zustand des Patienten diesen Kriterien entspricht, zehn verschiedene Antworten bekommen. Schliesslich sind auch Ärzte keine Propheten.
      Das Risiko, eine fatale Fehentscheidung zu treffen, wird durch solche Formulierungen auf den Arzt ausgelagert und dass der eine vielleicht eher vorsichtig reagiert, weil er Angst hat, den Rest seines Lebens mit einem Schuldgefühl leben zu müssen, müssen Sie dem schon zugestehen. Sonst entscheiden Sie es eben selbst und tragen dann dieses Risiko. Das geht nämlich auch.

      Man kann statt einer Patientenvefügung eine Vorsorgevollmacht ausstellen. Das heisst: man beauftragt einen Verwandten oder Bekannten, diese Entscheidung zu treffen. Dann können Sie mal sehen, wie schnell Sie für lebensrettende Maßnahmen optieren.
      Aus begreiflichen Gründen muss diese Vollmacht aber auch im Falle eines Falles schriftlich im Original vorliegen und der daruf namentlich benannte Bevollmächtigte sollte sich dem Arzt gegenüber irgendwie ausweisen können und nicht herumpöbeln, wenn dem die mündliche Aussage: „Ich habe eine Vollmacht, über die weitere Behandlung zu entscheden“ nicht ausreicht.
      In 90% der Fälle, wenn Angehörige angeben, es läge eine Vollmacht oder eine Patientenverfügung vor, antworten diese auf die Frage, wo diese sei: „Im Bankschliessfach“ oder „Bei meinem Ex-Ehemann in Wuppertal“ oder einfach: „Keine Ahnung. Wieso, brauchen Sie die?“. Das weiteste, dass ich wegen so einer Vollmacht telefoniert habe, war von Augsburg nach Brisbane in Australien. Da lag sie und da lag sie gut.
      Würden SIE als Notarzt irgendwelchen für Sie wildfremden Menschen vertrauen, dass ein Patient lieber sterben als behandelt werden will, auch wenn es sich um potentielle Erben handelt, die vor Ihnen stehen?

      Dass eine 87-jährige bereits 20 Minuten lang tote Patientin gegen den Willen der nächsten Angehörigen noch reanimiert werden soll, wo haben Sie das geträumt?
      Komischerweise erlebe ich das immer genau umgekehrt. Irgendwelche Verwandte oder Bekannte, die das ganze Haus zusammenschreien, weil man das tut (oder nicht tut), was in der Patientenverfügung steht.

      Noch etwas:
      Nach den Bestattungsgesetzen der einzelnen Länder muss derjenige Arzt, der als erster bei einer Leiche ist, die Leichenschau durchführen und die Todesbescheinigung ausstellen. Ausnahme: der Notarzt in Bayern. Damit der sich schnell wieder um die Lebenden kümmern kann, muss der nur eine vorläufige Bescheinigung ausstellen, die definitive Todesbescheinigung und Leichenschau macht dann der Hausarzt oder der diensthabende KV-Arzt (an Wochenenden und Nachts).
      Dafür, für die Leuichenschau, steht dem durchführenden Arzt eine Gebühr von Euro 150.- (früher DM 200) zu. Wenn Sie meinen, das sei leichtverdientes Geld, dann schauen Sie sich mal eine Leiche an, die im Hochsommer seit 6 Wochen in der Badewanne sitzt oder eine, die von einem ICE zerstückelt wurde.
      Dieses Geld muss von den Erben des Verstorbenen aufgebracht werden. Weil das aber oft sehr lange braucht, bis man die findet und die alles andere als zahlungsfreudig sind, macht man es oft so, dass der Bestatter erst nach Abrüsten dieses Betrages die Todesbescheinigung ausgehändigt bekommt, ohne die er den Toten nicht mitnehmen, geschweige denn begraben darf.

      Das ist der Hintergund der unverschämten oder falsch aufgefassten Aussage des genannten Bestatters und des daraus verfassten Berichtes, Zitat: „…heuchelte der Notarzt: leider konnten wir nichts mehr für Ihre Mutter tun.Fragte aber sofort, welches Bestattungsinstitut ich nehme.Als ich ich mich bei denen darüber wunderte, sagten sie: es ist Feiertag, da bekommt er 200DM, die er sich hier schon abgeholt hat…“ Das war völlig korrekt.

      Was an der Ausssage: „Wir konnten leider nichts mehr tun“ falsch sein soll, erschliesst sich mir nicht. Mir sind Angehörige beim Überbringen einer Todesnachricht schon an den Kragen gegangen, haben mich als Schwein, Arschloch, Scharlatan, Quacksalber, Schulmediziner und alles mögliche anderes bezeichnet. In dieser Ausnahmesituation verstehe ich das auch (aber es muss nicht sein).
      Usache sind oft eigene Schuldgefühle der Angehörigen, die in dieser Extremsituation auf den Arzt abgeladen werden. Wenn der sagt: „Wir konnten leider nichts tun“, deutet der an, dass er bereit ist, einen Teil dieser Schuld zu übernehmen, obwohl er das garnicht muss. Das macht er, um die Angehörigen ein wenig zu entlasten. Was sit da schlimm daran?
      Die Aussage ist genmaugenommen nämlich völliger Quatsch. Natürlich hätte er etwas tun können. Nur, ob es genutzt hätte, das ist die zweite Frage.
      Das man in dieser Situation aber alles machen kann, was man will, und die anderen verstehen es trotzdem falsch und überschütten einen mit ihrer Aggression, das sieht man am Beitrag von Philomena.
      Soetwas erlebe ich jeden zweiten Tag.

    • @ Thomas Marx,
      das hat am 15. August 2001 genauso stattgefunden, wie ich es hier schreibe und sollte von Ihnen nicht in Frage gestellt werden!

      Von einer Nichte, die ihre Tante in der Wohnung fand, einige Jahre früher, hörte ich auch über ihr Entsetzen, dass die Tante tot „hochflog“ vom Boden.

    • @ Thomas Marx ll
      Noch eines : ich hatte keine Aggressionen gegenüber dem Arzt.In der Lage fand ich die Aussage einfach nicht mehr passend.Warum nicht: es ist nun ausgestanden, ihrer Mutter geht es jetzt besser? Es kommt doch wohl aufs Alter an.Mehr sage ich jetzt nicht.

      Ich denke, auch Ärzte gehen diese Situation unterschiedlich an.Es sind Menschen, wie wir alle.Mir sind die rechtlichen Konsquenzen auch bekannt.Was Sie da schreiben von verschiedenen Verhalten wäre für mich nicht denkbar.Selbstverständlich hat der Arzt seine Gebühr zu bekommen, das wird doch nicht bestritten.Was hätte er denn gemacht, wenn ich nicht so gleich gewusst hätte, welches Institut ich nehme? Also.

    • Verschieden(es)
      @Thomas Marx: Es scheint, Sie sind Arzt.? Dann interessieren mich Ihre Erfahrungen schon sehr. Wir sind hier auf einem wichtigen Nebengleis gelandet: Reanimation und Patientenverfügung.
      Patientenverfügung: Dass man den Arzt anschreit, so oder so, ist verständlich. Nicht verständlich finde ich allerdings, wenn der Arzt sich nicht an die Patientenverfügung – sofern diese im Original vorliegt – hält. Jeder Mensch ist doch zunächst Herr über sich selbst, nicht jedoch abhängig von gesellschaftlichen Vorstellungen.
      Also prinzipiell Recht auf Selbstmord. Nicht unbedingt im Moment geistiger Umnachtung, Verlust des liebsten Menschen. Sicher aber nach einiger Zeit, nach Beratung, mit klarem Kopf. Und meine Patientenverfügung ist ja mit klarem Kopf ausgestellt.

      @Schoenwetterschreiberling: Bitte helfen Sie aus. Was verstehen Sie unter ‚wasserdichte Patientenverfügung‘, und wie geht das? Tipps sind mir sehr willkommen.

      @Rheintochter: Mir erscheint Ihre Argumentation verständlich, und dennoch kann sie mich nicht überzeugen. Wir alle treffen Entscheidungen, die unser Leben beeinflussen. Irgendwann habe ich mich gegen den toll bezahlten Beruf entschieden, der mir eine wunderschöne Frau aus gutem Hause zugeführt hätte, mit der ich zwei Vorzeigekinder hätte, und in einer Villa mit Swimming-Pool wohnte, natürlich mit Hausangestellten.
      Da habe ich mich aber nicht für entschieden. War das nun ein Fehler?
      Warum schreibe ich das? Weil ich überzeugt bin, dass es da keine generelle Antwort gibt. Dass jemand, der sich in Ihrem Beispiel für das Sterben entscheidet statt einer Beobachtung des Vogelzuges vorm Fenster – das ist erstens konstruiert und zweitens subjektiv und drittens weder gut noch schlecht. Ausser, und das finde ich schlecht, dass Sie, Rheintochter, diese Entscheidung offenbar nicht bereit sind zu akzeptieren (‚gedankenlos‘).

      @Beobachter: geben Sie dem Notarzt eine Ohrfeige von mir. So sehr ich ihn und seine Arbeit grundsätzlich bewundere (eine Bekannte von mir ist überzeugte Notärztin), hat er kein recht, meiner Meinung nach, gegen expliziten Patientenwillen zu verstossen.
      ‚Glück gehabt‘ könnte man sagen. Was wäre, wenn diese junge Frau als Krüppel aus der Reanimation herausgekommen wäre? Rollstuhl oder gar ans Bett gefesselt?

    • @Uwe Dippel
      Ich arbeite nicht nur praktisch als Notarzt, sondern habe vor ein paar Jahren, weil ich mich mit diesen Fragen schon immer beschäftigt habe, über den deutschen Standpunkt zur Ethik der „End-of-Life-Entscheidungen“ in einem internationalen Journal für Intensivmedizin geschrieben.
      Patientenverfügungen beachte ich grundsätzlich.
      Das Leben ist das Eigentum des Individuums und nur der, dem es gehört, darf darüber entscheiden (was nicht den Suizid bei einem sonst gesunden Menschen beinhaltet. Wenn die Depression stärker ist, als der Selbsterhaöltungstrieb ist der freie Wille krankheitsbedingt eingeschränkt und das muss man beachten).
      Ich wollte nur mal die Schwierigkeiten beschreiben, die so im täglichen Leben passieren.
      Da sind einerseits die doppeldeutigen oder sehr allgemein gehaltenen Formulierungen (zum Beispiel dieser „Zustand, der unwiederbringlich zum Tode führt“. Jedes Leben führt unwiederbringlich zum Tode).
      Andererseits, dass man meiner Meinung nach zumindest im Notfall nicht auf die lauteren Absichten unbekannter Dritter vertrauen kann, die einem versichern, es läge so eine Verfügung vor, man könne diese momentan aber nicht finden oder sie befände sich irgendwo, wo man gerade keinen Zugriff habe.
      Es geht um Leben und Tod und meistens muss man unter extremem Zeitdruck entscheiden. Die Motivation Dritter aber, einem soetwas zu erzählen, kann auch ziemlich unlauter sein (z.B. Erbschaft).

      Ich kann keinen Arzt verstehen, der gegen die Verfügung eines Patienten handelt. Die meisten Fälle aber, die ich kenne, kommen daher, dass so eine Verfügung nicht vorgelegen hat und der Arzt den Aussagen derer, die behauptet haben, es läge eine solche vor, nicht 100% vertraute.
      Rechtlich ist er damit auf der sicheren Seite und genau DAS kann ich manchmal verstehen.

      Ich glaube Philomenaes Geschichte schon. Aber ich denke, dass die wichtigsten Details einfach fehlen.
      So ist es in Philomenaes Schilderung zumindest ungewöhnlich, dass vor 16 Jahren überhaupt eine Patientenverfügung vorlag. Wahrscheinlich lage diese als mündliche Willensäußerung vor, die die Tochter und die Enkelin kannten. Der Notarzt kennt diese aber nicht und er kennt auch nicht Enkelin und Tochter. Er weiss nichteinmal, ob die junge Dame, die das behauptet, überhaupt die Enkelin ist oder nur die Nachbarin, die scharf auf die grössere Wohnung ist (selbst erlebt!).
      Zusätzlich muss man bedenken, dass allein der Anruf bei einem Notarzt eine Art Willensäußerung ist. Für eine reine Todesbescheinigung kann nämlich auch am nächsten Tag der Hausarzt kommen.
      Ich würde schon gerne wissen, warum man einen Notarzt gerufen hat, wenn der Wille, zu sterben, angeblich so eindeutig formuliert gewesen ist.

      Wenn ein Notarzt aber dann auf eine angebliche Enkelin trifft, die behauptet, Grossmutter wolle nicht behandelt werden und lieber sterben, dann muss man sie schon fragen, woher die Enkelin das Recht nimmt, darüber zu entscheiden und wie sie es zumindest glaubhaft machen kann, den letzten Willen ihrer Grossmutter zu verteten. Die Drohung, das ganze Haus zusammenzuschreien ist da nicht sehr hilfreich, so wie jede andere Drohung eben auch.

      Damit ist die Kommunikation, die in einer solchen Situation das Wichtigste von allem ist, zunächst einmal geplatzt und der Notarzt wird machen, was garantiert, dass er demnächst nicht vor dem Richter steht.

    • Vielen Dank, Thomas Marx!
      Vielleicht ist es nur eine urban legend, mir käme es zupass. Nämlich, dass wenn man in den USA ein ‚No Code‘ auf die Brust tätowiert hat, das anzuerkennen ist als Patientenverfügung, den legendären ‚Blue Code‘ nicht anzuwenden, bzw. DNR oder, moderner, AND.
      Würde ich mich sogar tätowieren lassen. ;-)

      Suizidal fühle ich mich nicht. Dennoch, in meinem Leben habe ich deutlich mehr erreicht als ich mir in meinen kühnsten Träumen je vorgestellt hatte.
      Wenn ich also einmal schon tot sein sollte, sähe ich keinen Grund für ’noch eine Runde‘. Natürlich spreche ich nicht von Ohnmacht (! – meine bessere Hälfte neigt dazu, das misszuverstehen), sondern von Herz- und Atemstillstand. Dann hätte ich es ‚hinter mir‘.

      Ich möchte in diesem Zusammenhang auf einen viral article aus 2011(?) verweisen, der mich damals – und bis heute – durchgeschüttelt hat; ein bis heute vieldiskutierter Artikel: „Doctors die, of course—but not like the rest of us. What’s unusual is not how much treatment they get compared with most Americans but how little.“
      https://www.rte.ie/radio/mooneygoeswild/pdf/How%20Doctors%20Die.pdf ist der Volltext.
      Dennoch, dieses Thema finde ich schwieriger als das erstere. Bei ‚No Code‘ würde ich nicht zögern. Bei einer Diagnose ‚Krebs, also da bin ich mir nicht so sicher, ob und wie viel ich getan haben wollen würde.


    • Find ich gut, diesen Unter-Strang.
      Gerade weil persönliche Erlebnisse gegenübergestellt werden.
      Und die Schwierigkeiten der Abwägung, wenns spitzig steht.
      Man kann da halt nicht so sehr viel planen.

    • Herr Dippel,
      „No code“ würde ich mir nicht eintätowieren lassen, weil es die Codes nur in den USA gibt. Dort machen Paramedics (Rettungssanitäter) die Notfallmedizin und die halten sich streng an vorgegebene Algorithmen, schon damit sie keiner verklagt. Solche Codes haben nämlich den Nachteil, dass ein Richter keinen Gutachter braucht, keinen Gegengutachter anhören muss, sondern der muss nur fragen: „Sind Sie vom Code abgewichen“ und das war es dann.
      Leider kennt man aber aus der Luftfahrt zwei Fehlerquellen: „Incorrect application of correct procedure“ (Inkorrekte Anwendung der korrekten Arbeitsanleitung“) und „Correct application of the incorrect procedure“ (Korrekte Anwendung der falschen Arbeitsanleitung).
      Das erst ist, worüber ein Richter entscheiden kann, beim zweiten hängt es davon ab, ob die Diagnose richtig war und ob alle Nebendiagnosen berücksichtigt wurden.
      Das kann ziemlich kompliziert werden.
      Bei uns kürzt man das mit „DNR“ ab (Do not resuscitate): „Nicht wiederbeleben“.
      Aber fragen Sie mich mal, ob ich einen Patienten wiederbeleben würde oder nicht, der DNR auf die Brust tätowiert hat. Antwort: Die, die Sybille und einen Anker auf dem Unterarm haben, lieben ihre Sybille vielleicht auch schon lange nicht mehr.
      Das heisst: Es hängt immer von der Situation ab. Verbindlich für mich sehe ich so ein DNR nicht. (Ein „No Code“ würde für mich bedeuten, dass der Patient in den USA nicht notfallmedizionisch behandelt werden will. Dort gibt es schliesslich hunderte von Codes. Für jede Krankheit einen)
      Das gilt auch für das von Ihnen verlinkte Paper, das unfreiwillig ein bisschen auch die Situation von Steve Jobs von APPLE eingeht.
      Wenn Sie das interessiert, verlinke ich Ihnen den besten Artikel, den es dazu gibt.

      https://sciencebasedmedicine.org/one-more-thing/

    • @Thomas Marx
      Ich kann mich Ihren Ausführungen nur anschließen, auch wenn ich kein Arzt bin.

      Reanimation um jeden Preis erfolgt wohl höchstens zugunsten von Organen … ich bin jedenfalls mal angegangen worden, ob ich als Betreuerin nicht der Organentnahme zustimme; auch die Leber einer 70jährigen sei schließlich noch brauchbar. Das war schon ein wenig gruselig. Aber was man von einer 87jährigen noch wollen soll? Schlimmstenfalls war da ein Arzt übereifrig in seinem Kampf um das Leben anderer; ihm das vorzuhalten, grenzt an Zynismus.

      Dass im übrigen die Leichenschau abgerechnet wird, ist ganz normal und dass gefragt wird, ob derjenige einen Bestatter hat oder braucht, ist ebenfalls richtig; die Leiche darf nunmal nicht liegen bleiben.

      Naja – ansonsten … wenn alte, gebrechliche Menschen mit ernsten Gebrechen ins Krankenhaus kommen, braucht man in der Regel nicht lange abwarten und gar nicht viel tun; die holen sich dann noch einen Infekt drauf und dann war es das ganz schnell; sofern nicht der eigene Lebenswille und die Angehörigen konkret intervenieren! Die Patientenverfügung bläst also leider einen Fall auf, der sich kaum ereignet; jedem steht das Bild der „lebenden Leiche“ vor Augen und das macht jedem Angst, darüber ist niemand erhaben.

      Der Wirklichkeit nähert sich wohl eher folgendes:

      Wer wirklich loslassen, wer sterben will, der stirbt meistens auch.

      Aber wer eine Patientenverfügung aufsetzt, sitzt oftmals der Täuschung auf, er habe sich nun „rational“ mit den Dingen auseinandergesetzt und eine vernünftige Entscheidung getroffen – dabei hat er oft nur dem oben beschriebenen Angstimpuls nachgegeben. Wie gesagt: Viele Leute romantisieren den Tod als wohlfeilen Ausweg. Aber dann tatsächlich zu sterben – das ist eine ganz andere, eine eher bittere als süße Angelegenheit.

      Doch diese formularmäßige Patientenverfügung verhindert die reife und vor allem individuelle Auseinandersetzung damit, indem sie die Dinge vorweg nimmt: Für den Verfügenden, für die Angehörigen, für das Pflegepersonal! Mithin: Die Aufgabe der Patientenverfügung ist es, die am Sterbeprozess Beteiligten/den Prozess Begleitenden psychisch zu entlasten und die individuelle Verantwortung aufzuheben, die mit Entscheidungen in einer solchen Situation verbunden sind – obwohl es nichts Individuelleres gibt, als den Tod eines Menschen:

      Der Sterbende muss sich nämlich entscheiden, ob er wirklich JETZT schon loslassen will. Da kann es stören, wenn er meint, das habe er doch schon vor zwei Jahren am Schreibtisch beschlossen!

      Und der Arzt muss entscheiden, was jetzt wohl das Richtige für den Patienten sei. Da kann es stören, wenn sein Handlungsspielraum durch die Patientenverfügung eingeschränkt ist und er einfach nur eine Checkliste abhakt!

      Am meisten aber müssen die Angehörigen entscheiden und aushalten (damit sie reife Menschen werden und das Leben schätzen lernen):

      Großer Gott – die Oma liegt schon wieder leblos da. Reanimiere ich? Wie lange, als Laie muss ich eigentlich animieren bis zum sicheren Todeszeichen (Leichenstarre, Leichenflecke …), das halte ich ja gar nicht durch, da kann ich mich ja gleich tot daneben legen! Also erstmal Arzt rufen? Ja, nein? Na, schön – jetzt bloß Beatmung oder auch Herzdruckmassage mit Rippenbruch? OK, die kommt wieder … rufe ich jetzt den Notarzt, mit dem Ergebnis, dass sie ins Krankenhaus kommt und dort in zwei Tagen stirbt – oder halte ich mal kurz die Luft an, hoffe, dass das irgendwie gut ausgeht und sie vielleicht heute nachmittag die Augen schließt – zu Hause, wenn die Familie wieder da ist und sich verabschieden kann?

      Und wenn Opa im Krankenhaus ist und das Pflegepersonal zieht einem eine bigotte Schnute: Mach ich denen Feuer, sie sollen gefälligst alle Diagnosemöglichkeiten ausschöpfen, sonst Gnade ihnen der liebe Gott und der Strafrichter und die Mafia noch obendrauf? Sollte sich derjenige noch operieren lassen und sich damit dem Risiko aussetzen, schnell auf dem OP-Tisch zu sterben oder langsam zu siechen? – Und so weiter und so fort; alles moralische Dilemmata, eins schlimmer als das andere und dann auch noch unter Zeitdruck! Aber wenn man all das entschieden hat, was man eigentlich nie entscheiden wollte – und zwar nicht auf der Grundlage der Kenntnis eines romantischen Schauerromans, sondern auf der Grundlage der menschlichen Verbundenheit, die man für den anderen fühlt und ihm um jeden Preis gerecht werden will – und auch nicht, weil man die angeblich freie Entscheidung desjenigen „respektiert“ (die Entscheidung für den Tod ist niemals frei, so ein Blödsinn!) sondern weil niemand und erst recht kein blödsinniger Papierwisch da ist, der einem diese Verantwortung abnimmt, weil man wirklich so dicht an demjenigen dran entscheidet, wie man das eben schaffen kann und wie es ein Unbekannter (der Arzt) ja gar nicht leisten kann – dann weiß man, dass man auch das im Leben schafft.

      Und das macht einen zu einem anderen Menschen und nimmt einem die Angst vor dem eigenen Tod und lehrt einen, das Leben der anderen zu schätzen, was nunmal die Voraussetzung ist, dass man das eigene Leben schätzen kann!

      Also – Keine wilde Lebensgier um jeden Preis und bitte kein fatalistisches Schicksalsgewäsch. Sterben ist unschön, der Tod möge uns allen fern bleiben, so lange es geht, kusch! Nur wenn man so eine Situation mal selber verantwortet und entschieden hat, kann man hoffen, es mögen sich am Ende Gleichgesinnte finden, die dasselbe tun – und dann hat man nicht mehr soviel Angst vor dem Tod. Und nur dann kann man hoffen, dass man jemandes Herz berührt. Und darum geht´s im Leben! Nicht ums Romane lesen und dann denken, im Bett vor einem liege eigentlich kein Mensch, dem man gerecht werden muss, sondern bloß eine röchelnde Illusion, die um ein schnelles Ende bettelt … wie grauenvoll …

    • @Uwe Dippel
      @Beobachter: geben Sie dem Notarzt eine Ohrfeige von mir. So sehr ich ihn und seine Arbeit grundsätzlich bewundere (eine Bekannte von mir ist überzeugte Notärztin), hat er kein recht, meiner Meinung nach, gegen expliziten Patientenwillen zu verstossen.
      ‚Glück gehabt‘ könnte man sagen. Was wäre, wenn diese junge Frau als Krüppel aus der Reanimation herausgekommen wäre? Rollstuhl oder gar ans Bett gefesselt?

      Ich würde lieber Sie backpfeifen. Wie jeden, der meint, sich auf ein Formular berufen zu können, damit er eine Rechtfertigung hat, anderen die Hilfe zu verweigern. Ganz klare Ansage: Die formularmäßige Abhandlung des Sterbens anderer ist das, was man in Deutschland sachlich falsch als „Euthanasie“ bezeichnet. Nein, das wollen wir so nicht. Gehen Sie weg, Sie Gruselpeter!

    • So schnell, unwichtig,
      kriegen Sie mich nicht los!
      Da müssen Sie schon etwas mehr auffahren.

      Und dass Sie eine andere Meinung haben, ist kein Problem. Ein Problem ist eher Ihre schwache Argumentation, dass Papier == Formular zu Euthanasie führt. Und selbst wenn, kann es kaum Euthanasie sein, wenn der Verbleichende das Papier selbst aufgesetzt hat.

  14. „Wiedervereinigung mit großer Feier auf Wolke sieben"
    Noch leben wir und verbinden mit „Wiedervereinigungen“ recht unterschiedliche Erfahrungen.

    Sehen Sie mir die Pietätlosigkeit bitte nach, aber aus purer Neugierde würde mich wundernehmen …

    Wie stellen Sie sich diese Wiedervereinigungsfeiern vor, mit all den Verflossenen und Ehemaligen?

    Ist da seliges Ambrosia-und Manna-Knabbern mit Harfenspiel („keine harten Gitarren“) oder hat im Interesse des himmlischen Sozialfriedens jede/r eine eigene Wolke wie so ne Art Scooter?

    Finden sich da nur die braven Mädchen, während die andern in der Hölle für Spaß sorgen?

    Wie werden solche Gerechtigkeitslücken geschlossen?

    Fragen über Fragen.

    • Es ist was immer Sie sich vorstellen. Schweben Sie auf Wolke Sieben mit Ihren besten Freunden (was ich tun werde …), spiegeln Sie Ihr jetziges Leben, treffen Sie dort Leute, die Sie schon immer mal kennenlernen wollten (in meinem Fall sind das viele). Oder anders gesagt: Leben Sie Ihre Träume, die Sie jetzt haben, schon jetzt.

  15. Der Tod ist ein zweischneidiges Schwert
    Der Text ist gut, aber Sie machen einen Fehler, finde ich, den auch indirekt Thorsten Haupts bemängelt:

    Sie machen weder einen Unterschied zwischen dem Tod im Alter, dem, wie die Anglophonen sagen, timely death, und dem Tod in jungem Alter, z.B. bei Kindern, die durch Unfall oder Leukämie sterben,
    noch differenzieren Sie zwischen dem natürlichen und dem gewaltsamen Tod (Soldat, Mord, Terrorismus). Thema heute auch Ahmed A., Hamburg, der sich an Christen gezielt für Dinge in Israel rächen will.

    Der zu frühe und der forcierte Tod sind zu fürchten „wie die Pest“. Die Pest hat die Bevölkerung damals um ca. 50%, ich glaube sogar, stellenweise um zwei Drittel, reduziert.

    Dann will ich Sie noch auf Hunde hinweisen. Es ist für Hundehalter eine Riesenbelastung, dass ihr Vierbeiner schon nach zehn bis fünfzehn Jahren stirbt, und sie vergessen ihn nie. Die Lebensspanne von Hunden ist zu kurz, und jeder zweite Hund stirbt an einem Tumor, wobei man wieder ins Grübeln kommt über Nahrungsmittel und ihre Zusätze.

    Was Sie schreiben, gilt nur für ältere Herrschaften und vielleicht nur, wenn Sie nicht zu sehr leiden. Aber schön verfasst ist es.

    • Ja, da haben Sie recht. Ich hätte das, was ich genauso wie Sie fühle, viel stärker herausstellen sollen/können.

    • Auf Katzen könnte man auch hinweisen.
      Zum Beispiel die Variante: Früh wie immer rauslassen, ohne zu ahnen, daß es auf Nimmerwiedersehen ist. Ich glaube, es war eine Woche, nach der ich nicht mehr mit dem Stromerkater gerechnet habe.

      Und dann noch die saublöde Bemerkung, ich solle doch einfach denken, er habe jetzt vielleicht ein neues Zuhause gefunden. Nachdem im alten seit ein paar Wochen nur noch einer von den Dosenöffnern übrig war. Der nun halt wirklich allein war. Und danach nie wieder eine Katze hatte.

  16. Danke !
    Ein einnehmender Text,selbst wenn er durch die Jahreszeit entstanden ist.
    Vielen Dank dafür.O.C.

    • Ich freue mich, dass er gefallen hat. Danke.

    • @Beobachter
      Menschen die nie mit einer Katze zusammengelebt haben, sind leider diesbezüglich oft sensibilitäts-ignorant…
      Falls doch mal ein anderer Stromer vor der Tür sehen sollte, wäre mein Rat, ihm Tür und Herz zu öffnen.

      Beste Wünsche!

  17. Sie können nicht leben, ohne zu sterben
    Aus Krishnamurti “ Einbruch in die Freiheit“ – über den Tod :
    – um wirklich herauszufinden, was sich ereignet, wenn Sie sterben, müssen Sie sterben. Das ist kein Scherz.
    + u.a. weiter
    – der Tod ist eine Erneuerung, eine Mutation, bei der das Denken nicht in Funktion tritt, weil es dem Vergangenen angehört. Wo der Tod ist, entsteht etwas völlig Neues, Freiheit von dem Bekannten ist Tod, und dann leben Sie wirklich –

  18. Wie man sich seiner Toten erinnert
    Ich betrachte Friedhöfe gern ästhetisch, denn sie geben ein Gefühl für die Gesellschaft, die sie hervorbringt.
    Ich versuche bei Reisen in andere Städte und Länder einen lokalen Friedhof zu besuchen, meist den mit den berühmten Persönlichkeiten.

    In Frankreich und Belgien sind es gotischen Gruften oder steinerne Sarkophage, viel katholische Allegorik, zuweilen sehr morbide, aber von unfassbarem Charme und, eben französisch, auch von großer Pracht.

    Im Alpenraum findet man im Gegensatz häufig jenes einfache Holzkreuz mit Dach, dazu eventuell eine Kerze, sehr minimalistisch, devot, vor aber monumentaler Kulisse. Da wo die Macht Gottes schon durch die Wucht der Berge sich zeigt, wird der Mensch klein.

    In den USA Friedhöfe von imposanter Größe, natürlich mit dem Auto zu befahren. Aber mir gefällt dort die Schlichtheit der Gräber, ein marmornes Kreuz, ein Davidstern auf weiter, grüner Wiese. Dieses Land der großen Unterschiede beerdigt seine Toten zuweilen sehr egalitär.

    Die Spanische Welt mit ihren Hoch- und Urnengräbern, bunt und sonnig, das Leben geht weiter, im Dies- wie im Jenseits.

    Schwierigkeiten habe ich mit den protestantischen Grabstätten Norddeutschlands.
    Deprimierend hässliche Grabsteine, eine Atmosphäre von Kleingartenkolonie und Sanatorium, immergrüne Korniferengestecke.

    In meiner Heimat Berlin muss man entweder auf einen der jüdischen oder katholischen Friedhöfe gehen, da rankt der Efeu übers knarzende Eisengitter und das umgebrochene Kreuz vermoost seit Jahrzehnten.
    Eine gewisse Morbidität, die sich über die Eleganz vergangener Zeiten legt, das passt dann auch als Metapher zur Stadt.

    • Ich bin völlig bei Ihnen. Kein Ort auf meinen vielen Reisen, an dem ich keinen Friedhof besucht habe. Und Kirchen. Doch, ich habe auch ein Faible für Kirchen …

    • Memento mori!
      Ja, das halten mine Fru und ich auch so, still Friedhöfe in anderen Ländern anschauen. – Aber da kommen Sie einmal zu uns nach Süditalien zu den Fertigteilbetonkästen, auweia – aber die Toten sehen’s gottlob wahrscheinlich ja nicht, wo sie da zwecks späterer Erweckung zwischenzeitlich reingeschoben wurden…

      Die gleichen Bauteilkompositionen werden mit fröhlicherer Innenausstattung hier auch gerne mal als Ferienhäuschen irgendwo hingestellt, so als eine Art Vorschmack für die noch Lebenden.

      Memento mori!

    • Mich hat der Friedhof von Carcassonne,
      direkt an der Festungsmauer, sehr beeindruckt. Mein Besuch fand an einem 30.Okt. statt, alles war schon für Allerheiligen geschmückt.Man kann den auch ergooglen, mit vielen Fotos.

      Bei uns gibt es schöne,die richtige Parks sind, wie z.B. Olsdorf HH, der größte Friedhof der Welt.

  19. Ich mag ja solche Texte gar nicht...
    … allerdings respektive ich voll und ganz, dass andere solche Besinnungserinnerungen mögen und brauchen.

    Der Tod ist nämlich nur die Hälfte der Wahrheit, und die andere Hälfte ist das Leben, was bisher gelebt wurde; man kann nur beides zusammen erzählen. Natürlich kann man den Tod als Besinnungsrückschau auf ein gelebtes Leben betrachten, man kann aber auch sein Leben nur in Hinblick auf den Tod leben. Dessen Leben, der nicht auf den Tod hinlebt, also z.B. jedes Tier, ist aber nicht weniger wertvoll oder geringer. Es gibt keinerlei Verpflichtung, sich Rechenschaft abzulegen und nach dem Tod kann auch niemand zur Verantwortung gezogen werden.

    Was man tun kann, ist, sein Leben so leben, dass man jeden Tag zufrieden von dannen gehen kann. Auch, wenn man das natürlich nicht ernsthaft vorhat… ;-)

    • @yast2000
      „Was man tun kann, ist, sein Leben so leben, dass man jeden Tag zufrieden von dannen gehen kann. Auch, wenn man das natürlich nicht ernsthaft vorhat“

      – Der beste Rat für ein gutes Leben – und sicher auch für ein leichteres Sterben (sofern es die jeweiligen Umstände zulassen): Wie ja auch schon Kommentatoren mit pflegerischen/medizinischen Kenntnissen schrieben, scheint das „Loslassenkönnen“ den Sterbevorgang zu erleichtern. Und loslassen fällt wahrscheinlich den Menschen leichter, die nicht allzu viel am vergehenden Leben zu bereuen haben.

  20. Vielleicht kommt es auf die Perspektive an?
    Man sagt, der Tod ist nicht schlimm – wohl eher das Sterben. Für die Hinterbliebenen gestaltet sich dies meist umgekehrt. – – – Als Jugendlicher sah ich das Stück „Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben“ mit Fritz Straßner und Gustl Bayrhammer. Wundervoll! Es hat mich im positiven Sinne dem Boandlkramer emotional viel näher gebracht, als das auf Beerdigungen als junger Ministrant oft gesungene wunderschöne (aber auch sehr traurige) Lied „Näher mein Gott zu Dir“. https://www.youtube.com/watch?v=oCWcdlgsWIg – – – Aber woran glaubt, wer nicht (mehr) glaubt? Ich habe größte Hochachtung vor (und Bewunderung für) jene Menschen, die Sterbende beim letzten Atemzug begleiten. Wohl mehr Berufung, als Beruf…. mich selbst würde so etwas auf Dauer emotional völlig zerstören. Danke für diese aufopferungsvolle menschliche Hingabe.

  21. Kein Bedauern
    Liebe Frau Pukke, ein schoener, ruhiger und besinnlicher Text, den Sie uns liefern

    Wie R.M. Rilke es im „Stundenbuch“ so richtig ausdrückte „Oh Herr, gibt jedem seinen eigenen Tod“. Das bedeutet, lass mich individuell leben und ebenso sterben. Lass mich nicht flüchten in Phrasen und Verdrängungen.

    Ich hatte das Glück und den Willen, auch in Deutschland ein Leben zu führen, das nicht entfremdet ist durch Arbeit, zu der ich keinen inneren Bezug habe. Mein Leben war nie von Reichtum geprägt, nicht vom Begehren eines neuen Autos oder tollen Urlaubs, sondern von der Zufriedenheit überhaupt leben – und lieben- zu dürfen. Es ist ein reiches Geschenk. Ich sehe noch heute die Trümmerlandschaft vor mir, in der ich direkt nach dem Krieg aufwuchs. Wichtig war, ob es zu Essen gab. Und wo wir wohnten, im Keller oder in der Baracke. Da lernt man ganz automatisch das Leben zu lieben und zufrieden zu sein dass man lebt. Und so vergingen knapp 70 Jahre.

    Nach meinem dritten Herzinfarkt wurde ich auf den Op-Tisch gelegt und mir schoss ein ernsthafter Gedanke durch den Kopf „Wenn du dich jetzt nicht bewegst, stirbst du“. Diese Erkenntnis war frei von Furcht oder bedauern oder sonst was. Im gleichen Moment, da der Gedanke in mir stand, setze mein Herz endgültig auf zu schlagen. Ich bekam nichts mehr davon mit, ich starb, ohne tot zu sein. Schlagartig, ohne Bewusstsein. Das war vor ein und einem halben Jahr.

    Als ich aufwachte, wusste ich im ersten Moment nicht mehr, was geschehen war. Bis es langsam in mir dämmerte, auch durch Hinweise des Arztes und der Krankenpfleger. Dieser in Sekundenbruchteilen gedachte Satz „wenn du….“ hat mich an die absolute Grenze meines Lebens gebracht. Ohne Angst. Ohne Bedauern. Einfach als Tatsache. Dann stirbst du…..

    Danach habe ich eine neue Lust am Leben entwickelt, wie lange nicht mehr. Alles war unwichtig geworden. Ich erfuhr eine neue Sinnlichkeit. Wichtig war einzig: ich lebe. Und nein, ich bin dem Tod „von der Schippe“ gesprungen, unser Leben liegt sowieso in Gottes Hand. Ich habe sehr bewusst wahrgenommen, wo das Ende ist. Der Rest ist ein Vorgang, den niemand steuern kann.

    Drei Infarkte, alle drei überlebt. Eine Gnade. Der Weg von mir zum Krankenhaus beträgt 20 km. Es ist also nicht die „Kunst“ der ärztlichen Hilfe, dass ich es überlebt habe, es wirken andere Dinge hinein. Dinge wie „Patientenverfügung“ oder ähnliches habe ich nicht, gibt es bei uns in Lateinamerika auch nicht. Das einzige was ich habe, ist eine Pistole, die ich einsetzen könnte, aber ich denke, der Wille zum Leben wird bis an mein Ende ungebrochen sein.

    Mein Vater starb am Ende eines August seinen Tod. Meine Mutter folgte ihm 6 Wochen später. Sie sah keinen Inhalt mehr im Leben ohne ihn. Ich war ein Junge von erst 14 Jahren.

    „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“. Es gibt keine „Auseinandersetzung“ mit dem Tod, nur mit dem Leben. Wenn ich mein Leben, wie es ist, annehme, nehme ich auch den Tod an. Zumindest ist es meine Erfahrung.

    Bei unseren Beerdigungen folgen alle Verwandte und Freunde dem Sarg. Manchmal wird er auf den Schultern getragen bis zur letzten Stätte. Und vorn heran geht mitunter eine Gruppe Mariachis, die vom Sterben und der Gnade singen. Die Trauernden sind nie in Schwarz, die sind in Alltagskleidung, und sie plaudern und lachen auch mal während des Ganges zum Friedhof. Und die Gräber haben fast niemals schwarze Gedenksteine, sondern sind weiß gehalten.

    Da die meisten Menschen hier gläubig sind und in die Kirche gehen, gehört der Tod zu unserem Alltag. Nur dort, wo es eine Gesellschaft gibt, die nur Freude haben will, wird verdrängt, was Wirklichkeit ist. Einmal ist es, leider, vorbei.

    Am Anfang dieses Jahres trug ich den Sarg meines letzten Freundes mit. Er starb bei der Rettung eines dieser ignoranten Touristen, der glaubte auf der ganzen Welt sein „Menschenrecht“ austoben zu dürfen (so lehrt man es ja in Deutschland) zulasten anderer. Mein Freund war gerade mal 53 Jahre alt und hinterließ zwei Töchter. Das war einer dieser Touristen aus Deutschland, die immer auf Rechte pochen, auch das angebliche Recht bestimmen zu können, wie ihr Tod auszusehen hat, so als ob es ihre Entscheidung sei. Und für dieses angebliches Menschenrecht nimmt man halt gern den Tod anderer Menschen im kauf, Hauptsache man hat sein Recht bekommen.

    Ich habe einige male solche deutsche Touristen erlebt, die mich als Reiseleiter in allergrösste Gefahr gebracht haben, weil sie glaubten, es sei ihr Menschenrecht. Weil man in Deutschland glaubt, man müsse alles mit Rechten und Gesetzen durchsetzen. Sagen sie mal das der giftigen Spei-Viper, die der deutsche Tourist mit der Hand anfassen will, um zu prüfen, ob das Tier im Baum auch wirklich lebt oder nur Attrappe ist. Und sagen sie das den Touristen, die auf Teufel komm raus in den Dschungel gehen, ohne jemals Erfahrung mit Wildnis gemacht zu haben. Der dumme Reiseleiter ist verantwortlich und hat sich dann selber in Lebensgefahr zu bringen, um diese Rechthaber zu retten.

    Der Tod hier ist Alltag. Umso mehr genießt man das Leben, aber schön, ich bin ja auch in einem Land in dem das ganze Jahr über die Sonne scheint, die Blumen blühen und viele Kirchen und Gottesglaube zu erfahren sind.

    Wobei letzteres in Deutschland verachtet wird. Als ob sie dadurch den Tod ignorieren könnten. Ich nenne das die Herabwürdigung des Menschen zu einem rein biologischem Zellhaufen ohne Spur von Spiritualität. Statt dessen die Patientenverfügung. Rilke hat recht. Jeder braucht seinen eigenen Tod. Und sein eigenes Leben. Dann bedauert man auch nichts.

    • @tico
      „Wenn ich mein Leben, wie es ist, annehme, nehme ich auch den Tod an“

      – Sehr wahr. Wie auch die anderen Dinge, die Sie ansprechen.

    • Lieber Tico, das ist so schön, was Sie schreiben. Mir geht das Herz auf. Ich war in ca. 30 Ländern und weiß sehr genau, was Sie meinen.
      Vielen Dank.

    • Hochinteressant
      Das nennt man eine „Nahtoderfahrung“. Von Menschen, die soetwas überlebt haben, weiss man, dass sie ganz ruhig waren, keine Schmerzen hatten, manche sahen ein Licht und manche hatten das Gefühl, über den Menschen zu schweben und alles von aussen zu sehen.

      Der amerikanische Arzt Raymond Moody hat diese Erfahrungen mal gesammelt und aufgeschrieben,
      Zitat: „I had a floating sensation … and I looked back and I could see myself on the bed below.“ „I went through this dark black vacuum at super speed.“ „From the moment the light spoke to me, I felt really good — secure and loved.“ „I heard a voice telling me what I had to do — go back — and I felt no fear.“ „It opened up a whole new world for me — I kept thinking, ‚There’s so much I’ve got to find out.‘

      Übersetzen sollte man das glaube ich nicht. Eher selber das Buch lesen.
      Es heisst „Life after Life“ von Raymond A. Moody (2001).

  22. Wem die Stunde schlägt
    Es wäre für mich viel interessanter, den Zeitpunkt des eigenen Todes möglichst früh zu kennen. Dann könnte man das Leben viel sinnvoller gestalten. Die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod, auf Wiedergeburt und was es da so alles gibt, teile ich nicht. Es wäre auch wirklich ärgerlich, auf ewig mit allen Facetten des ehemaligen irdischen Daseins verbunden zu bleiben.

    In meinen Augen dient die Hoffnung auf ewiges Leben nur einem Ziel, die Menschen von triebhaftem Handeln fernzuhalten. Denn wer davon ausgehen muß, nur dieses eine Leben zu haben, der wird schnell dazu bereit sein, jeden und alles zu bekämpfen, durch den oder das sein Leben beeinträchtigt wird. Das aber wäre das Hindernis auf dem Wege der Entwicklung der Menschheit, es wäre das Ende der Zivilisation.

    Das Wie des Sterbens sollte durch jeden selbst und frühzeitig genug bestimmt werden. Daß sich der Gesetzgeber da einmischt, ist zwar einerseits verständlich, man denke nur mal an künstlich herbeigeführte Erbfälle, andererseits ein einziges Ärgernis. Auch das sollte man frühzeitig berücksichtigen.

    Ansonsten sollte jeder so leben, als sei jeder Tag der letzte. Dann muß man sich später nichts vorwerfen. Daß das nicht gerade leicht ist, seltenst der Fall ist, kann ich nur bestätigen.

    • Sicher?
      Stellen Sie sich vor, Sie wüssten das von Anfang an. Stellen Sie sich vor, das letzte Jahr, der letzte Monat, der letzte Tag, die letzte Stunde. Sie würden kämpfen wie ein Kampfstier, und Sie würden überleben. Der Stier stirbt nur, weil die widerlichen Picadores ihn anstechen ohne Risiko, bis er blutet.

      Da gibt es so einen Film, wo alle mit 30 aussortiert werden. Und dann laufen welche weg. Da gibt es Ärzte, die sagen „du hast noch ein halbes Jahr, Mann“, und dann gibt es Patienten, die werden so wütend darüber, dass du sie nach fünf Jahren noch siehst.

    • Schnee auf dem Kilimandscharo
      passendes Zitat aus wiki:
      „Harry liegt im Sterben und lässt jene Themen
      Revue passieren, die ihm so wertvoll waren,
      dass er ihre Niederschrift immer wieder hinauszögerte.
      […] Er hätte einfach beständig schreiben müssen,
      als es noch Zeit war.
      Über das Leben armer, aber interessanter Menschen.
      Stattdessen habe er das bequeme Leben an der
      Seite der reichen Witwe Helen vorgezogen….“

      Hörbuch gelesen von Otto Sander,
      (der – man kann es kaum glauben –
      nun auch schon vier Jahre fehlt)
      http://www.youtube.com/watch?v=V7FWiBq2VdI


    • Es wäre für mich viel interessanter, den Zeitpunkt des eigenen Todes möglichst früh zu kennen.
      Bin ich anderer Meinung.
      Das 10 Jahre oder noch mehr vorher zu wissen, vergällt das Leben.
      Es 2, 3 Wochen vorher zu merken, wie das bei einem Nachbarn der Fall war, ist in Ordnung.
      Bei einer Freundin hatte ich mal ein ganz starkes Sensorium dafür, daß es mit ihr zu Ende geht. An ihrem letzten Geburtstag ging mir irgendwie durch den Kopf, „schenkt euch Blumen während des Lebens, denn auf Gräbern sind sie vergebens“. Ich wischte das beiseite, dachte, ich sei halt etwas depressiv. Etwa ein Vierteljahr später sah ich sie nochmal, und es ging mir nicht aus dem Kopf „heute siehst du sie zum letzten Mal“. Ich fand sie verändert, in ihren Ansichten schroff im Vergleich zu wie ich sie sonst kannte, Geplänkel, Planungen, Argumentationen, war alles unangebracht und ließ ich deswegen sein. 2, 3 Wochen später erhielt ich einen Anruf ihrer Schwester, sie sei vor 2 Tagen verstorben.
      Ich habe seither noch weitere Todesfälle erlebt, wo sich im Nachhinein 1 Tag vorher klare Zeichen zeigten, daß es zu Ende geht, aber dieses klare und etwas aufdringliche Sensorium hatte ich dabei nicht.


    • Die Einwände verstehe ich wohl, aber für mich persönlich wäre es doch sehr beruhigend, zu wissen, wann mir die Stunde schlägt. Das muß und kann, ebenso wie die Frage des Lebens nach dem Tod, jeder für sich beantworten. Wie sich die Situation dann, wenn es soweit ist, tatsächlich darstellt, wie man dann reagiert, das ist nochmal eine ganz andere Frage, die mit Sicherheit wohl niemand beantworten kann. Aber wüßte ich, mir blieben nur noch ein, zwei Jahre, wüßte ich schon, was ich täte und würde das nicht immer wieder aufschieben.

      Wesensveränderungen im Angesicht des Todes, colorcraze, halte ich für völlig normal. Bei einigen verstärken sich die vorhandenen Merkmale, bei anderen verkehren sie sich in ihr Gegenteil. Vom nahenden Tod völlig unberührt zu bleiben, das schafft wohl kaum jemand.

      Was sich wohl jeder wünscht, ist ein schneller und möglichst schmerzfreier oder auch würdevoller Tod. Aber wie das mit Wünschen eben so ist, sie gehen nicht immer in Erfüllung. Und schließlich muß für die Gesundheitsindustrie ja auch noch etwas dabei herausspringen. Je länger das Sterben dauert, desto besser. Die Sozialkassen würden dagegen sicherlich ein sozialadäquates, schnelles Ableben bevorzugen.

      Für manche ist es sicher besser, vom Tod genauso überrascht zu werden wie alljährlich von Winter oder Weihnachten. Daher denken diese meist auch nur ungern über den Tod nach. Doch das Leben ist endlich und man sollte schon wegen der Hinterbliebenen beizeiten Vorsorge treffen.


    • Wesensveränderungen im Angesicht des Todes, colorcraze, halte ich für völlig normal.
      „normal“ trifft es nicht, finde ich.
      Bei manchen merkt mans, daß es mit ihnen zu Ende geht, bei anderen nicht.
      Es gab auch den Todesfall von der Frau eines Backladenbetreibers hier auf der Ecke vor vielen Jahren, die starb völlig unerwartet mit etwa 40. Eine Woche vorher hatte man sie noch gesehen, wie sie herumwuselte, dann mußte sie ihr Mann wohl plötzlich ins Krankenhaus bringen, weil es ihr auf einmal in der Nacht furchtbar elend ging, und 3 Tage später verstarb sie dort.
      Das ging so schnell, das es alle nur konsternierte. Wenn der Ausdruck „aus dem Leben gerissen“ irgendwo paßt, dann da.


    • Manchmal geht es wirklich schnell und persönlich wünsche ich das eigentlich jedem, colorcraze. Dann bleibt für Wesensveränderungen auch kaum noch Zeit. Dauert das bewußte Sterben aber länger, dann habe ich bislang noch in allen mir bekannten Fällen Veränderungen festgestellt. Ob das immer so ist, kann ich selbstverständlich nicht beurteilen, ebensowenig den Einfluß von Medikamenten darauf.

      Das langsame Sterben hat, solange es in Würde geschieht, aber auch Vorteile. Denn so können offene Fragen geklärt, zwischenmenschliche Beziehungen in Ordnung gebracht und dem Tod kann durch Trost und Hilfe etwas von seiner für viele beängstigenden Wirkung genommen werden. Am Ende bleibt dann neben der Trauer vielleicht noch etwas anderes, nämlich Zufriedenheit darüber, etwas zu einem guten Abschluß gebracht zu haben – das Leben.

  23. @Otto Meier
    „Ansonsten sollte jeder so leben, als sei jeder Tag der letzte. Dann muß man sich später nichts vorwerfen.“

    – Das ist eine kluge Einstellung, sofern sie die Auswirkungen des eigenen Handelns miteinbezieht.

    „Es wäre auch wirklich ärgerlich, auf ewig mit allen Facetten des ehemaligen irdischen Daseins verbunden zu bleiben.“

    – Klar ist das für viele „ärgerlich“ ;-) Eventuell könnte aber „ewig“ durch „vorübergehend und besonders intensiv“ ersetzt werden.


    • „ewig“ bezieht sich auf „das ewige Leben“, also das Leben nach dem Tod, Blue Angel.

    • Unerwartet
      Auf die Frage welche Art zu Sterben er sich wünsche, soll Cäsar
      geantwortet haben: “Ganz unerwartet!”, und so gut wie alles was er
      sich wünschte, hat er auch dieses erreicht.

  24. Farao
    Werter Don,
    einen Tag nach dem für uns Deutsche so besonderen Tag, den 09. November, veröffentlichen Sie einen Text über unser aller Lebensthema.

    Sie schreiben: „Den Tod annehmen als etwas, was eben nicht in der Macht von Menschen steht.“ Ich möchte zum Tod nicht viel öffentlich schreiben, es ist das zutiefst Private, weil wir alle uns dem Moment werden stellen müssen, in dem wir – bewusst oder nicht mehr bei Bewußtsein – in die existentielle Einsamkeit entlassen werden. Natürlich fürchten wir uns alle vor der Leere, die das Nichtwissen bringt, die den Tod wie den Kosmos im Weltall als kalte Leere erscheinen lässt. Wir wissen einfach nicht, was da kommen mag. Und jeder bleibt alleine mit seiner Ahnung, Angst, Hoffnung.

    Doch wer dem Tod nahe war, der mag vielleicht Ihrem Satz öffentlich noch etwas Anderes entgegen: solange wir nun einmal hier sind, sollten wir vielleicht dies bedenken (und politisch gesehen auch von unseren „Führern und Machthabern“ verlangen, dieses zu bedenken und zu leben):

    „Das Leben annehmen als etwas, was eben nicht in der Macht von Menschen steht.“

    Auch wenn ich Werbung nicht mag: zum Thema und Monat November, voller herbstlaubseliger Melancholie und Ernsthaftigkeit empfehle ich, die Musik der Band / Sängerin: Farao

    • Pardon, aber das ist ein Beitrag meiner Co-Autorin, aber es freut mich natürlich, wenn Sie meine Kompetenz mit der ihren auf einer Stufe sehen, denn sie ist sehr gut.

    • Werte Phoenicia)
      Werte Phoenicia,
      es war nicht despektierlich gemeint, die falsche Anrede. Aber ehrlicherweise lese ich in diesem Blog nie, wer da nun gerade schreibt und welche Stichtworte angeführt sind. Wenn ich antworte, dann der Texte, Bilder oder Kommentare selbst wegen, hier bewegen sie mich eben regelmäßig.

      Und so ging es mir auch heute. Ich schätze die Offenheit in diesem Blog, und auch heute wurden offene Worte geschrieben.

      Zugegeben, trotz Achtsamkeitsdefizitsyndrom – leicht verwunderte (selbst) mich die (nun auch noch?) Vorliebe (des Don) für Friedhöfe (bei einem bekennenden Befürworter der Leibeigenschaft!) schon beim Lesen… doch was ist schon ein Name, wenn es um Leben und Tod geht?

      Es ist gut, dass Sie solche Blogbeiträge schreiben, Sie beide. Und weitere Autorinnen.

      Jedes Jahr kehrt der November wieder – jedes Jahr sind wir dem Tod näher gekommen, und wenn Sie ungeborenes Kind im November verloren haben, Beziehungen in dieser Zeit verloren, und was eben in Leben so alles geschieht an Schönem und Hässlichem, so frage ich mich wirklich immer mehr, warum wir glauben, wir hätten Macht über das Leben. Warum einige meinen, sie hätten Macht über das Leben Anderer.

      An diesem Punkt sind für mich die tiefsten Persönlichkeitsthemen jedes Einzelnen unmittelbar mit dem Politischen verbunden. Denn einige (Millionen oder Milliarden?) Menschen scheinen ernsthaft zu glauben, es gelte nur sein eigenes Leben zum eigenen Wohlbefinden zu leben und dieses habe man im Griff, und es gelte zu erreichen, was man erreichen möchte, Charismatiker und Psychopathen haben dann auch tatsächlich andere Leben im Griff.

      Dass wir keine Macht über den Tod haben, das können viele Menschen akzeptieren, weil er abwesend ist. Später ist jetzt egal. Dass wir aber keine Macht über das Leben haben – diese banale Erkenntnis reift weniger denn je in unserer fortschrittlichen Welt.

      Darauf haben Sie mich heute wieder gebracht.

      Allenthalben wird Respekt gefordert – doch Ehrfurcht liest man nur noch selten. Und doch beschreibt kein Ausdruck besser das Gefühl auf einem Friedhof abends an Allerseelen.

      Mit Ihrem Blogbeitrag haben Sie jedenfalls heute ein Licht gesetzt, das mein Wochenende begleiten wird.

    • Das freut mich, das war mein Ziel: Gedanken anzustoßen …

  25. ICH BIN HIER OBEN AUF MEINER WOLKE....................
    sang schon der unvergessene Rio Reiser……………nicht in Bye Bye Novembermond, sonders schon etwas früher in Bye Bye Junimond.

    DON, immer eine kleine pause, eine memento mori – schaltsekunde bevor sie aufs rad steigen oder ich das boot aus dem lager hebe…………….der schubgelenkbus kann auch sie erwischen und mich das 500ps boot mit besoffenen Kapitän………

  26. Nachts auf der Intensivstation
    Ich kam das letzte mal um die Jahrtausendwende mit dem Tod hautnah in Berührung, als ich wegen einer Herzmuskelinfektion auf der Intensivstation lag.
    Rechts neben mir lag eine ältere Dame.
    Plötzlich in der Nacht fingen ihre Warngeräte an zu alarmieren.
    Personal stürzte nach kurzer Zeit herein, versuchte sie wiederzubeleben, aber nichts half.
    Sie verstab wohl recht friedlich im Schlaf.

    Keine Uhr blieb stehen, kein „Dunst“ löste sich von ihr, nichts.

    Dieses einfach aufhören zu existieren nach einem langen Leben hat mich ziemlich in Sachen Religion und Bedeutung des Todes desillusioniert.

    • Titel eingeben
      Es muss keine Uhr stehen bleiben, man muss keinen Dunst sehen – ich war bei vielen Sterbenden und habe ihnen die Hand gehalten, es ist ganz eigenartig. Mit dem letzten Atemzug löst sich etwas auf, verschwindet irgendwohin, zurück bleibt: Stille, ein gelebtes Leben und tiefe Ruhe.
      Gruß Nemesis

    • @Otto Meier
      „„ewig“ bezieht sich auf „das ewige Leben“, also das Leben nach dem Tod“

      Ich hatte schon verstanden, was Sie meinen. Meine Antwort sollte andeuten, daß vielleicht auch in diesem „Ewig“ keine Statik existiert sondern eine Art von Entwicklung

    • ... ich halte diese "Wahrnehmungen" ...
      … auch eher für Geistersehen, ähnlich wie ein Vater, von dem das Kind nicht ist, im Gesicht trotz anderer Haar- und Hautfarbe Ähnlichkeiten zu erkennen meint, bis ihn der DNA-Test und ein Geständnis eines besseren belehrt, woraufhin sie schlagartig verschwunden sind.

      Der unübertreffliche Meister der ständigen Todesbetrachtung im Alltag war M. Claudius und wer seine Biographie kennt, weiß wie es ausging.

  27. Ach, das war Frau Pukke?!
    Auch recht, Hauptsache romantisch, ohne #metoo. Netzkahanastasilettenmüll, Sondierungsgespräche von Drogdrängern. Bilder so schön wie von der Kreuzberg-Alm.

  28. nochmal Intensivstation
    Als mein Vater starb, sagte ich zu einer mir völlig unbekannten Frau neben mir auf der Intensivstation, deren Mann gerade gestorben war: Ich glaube, dass mein Vater jetzt da ist, wo die Engel sind.
    Sie sagte zu mir: Ja das glaube ich auch !
    Und als bei meiner Frau vor ein paar Monaten das Leben mal wieder auf der Kippe stand, habe ich gebetet.
    Wir sind beide Christen.
    Vorangegangen sind viele Besuche in schönen Kirchen aus rein kunsthistorischem Interesse.
    Aber irgendwann bleibt man da immer vor einem Kreuz stehen und dann stellt sich einem die Frage : Wer bist DU ?
    Ohne Beten kommt man nicht dahin Christ zu werden.
    Heute geht es. Ein kurzes Verweilen vor dem Kreuz, z.B über das Wort Jesu: In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen.
    Bei meiner Frau wurden unsere Gebete erhört.
    Wir leben recht gern mit dieser Hoffnung auf eine Wohnung bei IHM, wenn es so weit ist.

  29. nicht ungefährliche Zeilen
    gerade hier, wo ich schon öfter bei Frau Simon gelesen habe, wie man es machen soll, damit es klappt. Und das im November! Bei schlechtem Wetter! In – … Statt dass sie ein Glühweinrezept veröffentlichen, damit die Leute bei Laune bleiben … sie haben echt kein Gewissen …

    Noch ärger finde ich aber, wenn man Leuten, die Abschied nehmen, die Fragen nicht erleichtern, die da unweigerlich auftauchen stellen:

    Warum habe ich nicht meinen Gefühlen etc.pp. …

    Wenn ich es mit so jemandem zu tun hätte, würde ich ihn daran erinnern, dass die Leute wohl eher selten an echtem Herzdrücken sterben, aber so mancher schon schwer an Enttäuschung gelitten hat. Die meisten drücken schon aus, was sie wollen, auch wenn sie noch so zugeknöpft sind. Die Lauten haben gewöhnlich Routine und sind mit der Zeit Meister der Kunst, mithin: Des in letzter Instanz Uninterpretierbaren und des Lass-Dich-nicht-erwischen. Weshalb Kunst im Zweifel unbedingt weiträumig zu umfahren ist. Schnaps ist viel sicherer.

    Also – wenn der andere nicht mal zu erkennen gibt, dass es einen tatsächlich gibt, dann will er das nicht wissen und damit – basta.

    Sich also damit noch auf dem Sterbebett mit was-wäre-wenn zu belasten, obwohl man die Dinge nie ganz alleine in der Hand hat, klingt jedenfalls nicht nach dem Weg auf Wolke Sieben – schon gar nicht im tristen November-Berlin, dass schon Frohgemuten notwendig auf die Seele schlagen muss – sondern eher nach dem Weg in die Hölle, und davon gibts hier schon genug. Darauf und auf Frau Simon, möge sie hier das bloß nicht lesen oder auf die letzten Meter um Himmels willen lieber zufrieden Erfolge gezählt haben, statt sich in sinnlosen Grillen zu ergehen – einen Schnaps, Adieu.

    • @nichts wie weg
      Sie haben recht: Es bringt nichts, sich mit “ was-wäre-wenn“ zu be-lasten. Ent-lastend kann aber manchmal sein, sich mit dem was *ist* zu beschäftigen.
      M. E. schleppt doch jeder noch wegen unguter Taten der Vergangenheit ungute Gefühle mit sich rum…Grade in stilleren und dunkleren Zeiten und grade die bieten vielleicht Gelegenheit, für Entschuldigungen. Z. B. bei Leuten, die man früher mal verletzt, beleidigt, gemobbt oder vernachlässigt hat. – Moderne Technik und Suchmaschinen helfen, eventuelles um-Verzeihung-Bitten auch dem einen oder anderen Schulkameraden, Studienkollegen oder Ex-Nachbar zustellen zu können.
      Ein positiver Nebenaspekt der Gewissens-Entlastung sind oft die erfrischenden und schönen Erinnerungen, die dabei „nebenbei“ auch wieder greifbar werden.
      – Zumindest hat diese Vorgehensweise wahrscheinlich weniger nicht-konstruktive Nebenwirkungen als *Schnaps*.

      – Liebe Grüße unbekannterweise nach Berlin!

  30. Woher mag die Besinnlichkeit des Herbstes kommen?
    Vor 2 Jahren im Herbst bei sterbendem Laub auf dem Lingenkopf in den Vogesen, letztes Jahr zu gleichen Zeit im buchenbestandenen Verdun – und heute weiht der Bundespräsident und President Macron das neue Museum am Hartmannsweilerkopf ein. „Er ging an meiner Seite, als wär´s ein Stück von mir…“
    (DdH)

  31. Titel eingeben
    auch von mir Danke Phoenicia

    Ihr Text ist gerade richtig geworden. Viel könnten wir alle ergänzen, viel Rat für Junge und Alte, zu Erbschaftsteuer und zur Auswahl eines Friedhofs und eines Grabes.
    Mein Tip konkret: Bevor Sie mit einem Vertreter des lokalen Bestattungsamtes eine Grabstätte auswählen, gehen Sie selbst ein paar Stunden über den Friedhof und achten auf die sichtbare Entwicklung in den Grabfeldern und auf Sonne (wenn Sie Blumen am Grab wollen) oder Schatten, wenn Keiner und Niemand zum Gießen kommen werden.

    Phoenicia kommt vom Phoenix, Frau Pukke? Oder von den geheimnisvollen Ahnen der Dido?

    • Danke für das Lob.
      Ach, das mit phoenicia, ja, das kommt von Phoenix. Ich falle ab und zu mal in die Asche und tauche dann – im Moment als Gastautorin – mal wieder auf. :-)

    • Wer Dido sagt...
      der muss auch „Kuhhaut“ sagen. Aber der Kuhartikel ist ja leider schon wieder todgeweiht. Schade.

  32. Gläubige vs. Ungläubige
    „Fest steht, dass diejenigen, die an etwas glauben, leichter mit dem Tod umgehen.“
    Das darf bezweifelt werden. Mag sein, daß statistisch gesehen jene, die daran glauben, in eine Art Himmel zu kommen, leichter mit dem Tod umgehen können. Aber was ist mit jenen, die an ihre Zukunft in einer Art Hölle glauben?

    & als Atheist ist mir mein Tod scheißegal. Irgendwann muß ich sterben. Ist halt so. Nach mir die Sintflut; & solange ich lebe, versuche ich nur, den größten Ärger & Stress zu vermeiden.

    • @bossel
      Als spiritueller Atheist gehe ich von der Existenz des einen („Hölle“) wie auch der des anderen („Himmel“) aus.
      Die Erlangung des vollen Bewußtseins (durch Aufhebung der Trennung von Unterbewußsein und Alltagsbewußtsein) könnte m. E., bildlich, in etwa dem unangenehmen Zustand entsprechen, wie ihn z. B. Hieronymus Bosch versucht hat, darzustellen oder dem, was Katholiken als „Fegefeuer“ bezeichnen…
      „Himmel“ wäre dann der Zustand nach der „Aufarbeitung“ oder „Reinigung“.

  33. Sehr zutreffend und deshalb anrührend
    Danke dafür Don. Die Versatzstücke entsprechen meiner Erfahrung im Umgang mit dem Tod; sowohl im familiären Bereich als auch darüber hinaus. Sie haben ein Thema wunderbar entwickelt und an keiner Stelle überhöht oder moralisiert. Klasse.

  34. Tod? Nie gehört!
    Bei den Psychologen gibt es eine Theorie, das man den Tod verdrängen MUSS, sonst kann man überhaupt nicht leben.
    Eines der Anzeichen sieht man im Text, wo von windelverpisstem Siechtum als letzte Station des Altwerdens geredet wird.
    Nirgendwo steht aber geschrieben, dass das so sein muss. Auf solche Ideen kommt nur, wer durch zuviel Beschäftigung mit dem Tod depressiv geworden ist.

    Das man in den Himmel kommt, halte ich für ein Gerücht. Ein irgendwie geartetes höher intelligentes Wesen, dass zudem so mächtig ist, ein Universum innerhalb von 7 Tagen zu erschaffen, verschwendet garantiert nicht den Rest seiner kostbaren Tage mit der Beobachtung irgendwelcher missratenen Prototypen, sondern macht sich einfach neue, die perfekter, schöner und sündigungsfrei sind.
    In die wird auch keinerlei Geschlechtstrieb eingebaut, den sie unterdrücken und beherrschen müssen und statt Aggressionen spielen sie auf der Harfe. Dann entstehen die kleinen Kinder so wie auf dem Volksfest die Zuckerwatte. Sie materialisieren sich quasi aus der Musik.
    Und damit sich nicht wieder zwei verschiedene Gender-Lager bilden, werden die Farben „rosa“ und „himmelblau“ aus der Natur gestrichen. Die Rosen macht man einfach gelb und den Himmel grün.
    Und damit die alle den kleinen Tierchen nix tun, kommen sie alle als Veganer auf die Welt. Der grüne Salat schmeckt deshalb nach Rindfleisch.
    Apropos Fleisch: damit die Fleischeslust auch abgeschafft ist, kommen sie sie alle als Pflanzen auf die Welt.
    Die einen als Mauerblümchen, die anderen als Stinkmorcheln und alle aus der Familie „Blümchen-rühr-mich-nicht-an“ (wegen dem Sexismus, den es dann auch nicht mehr gäbe).
    Des weiteren kommen alle als CEO, oberes Managment oder DAX-Vorstandsvorsitzendes auf die Welt. 100% Quote, das nennt man „Intelligent Design“.
    Die dämlichen Prototypen namens „Mensch“ aber dafür zu bestrafen, dass sie in die falsche Kirche gehen, die falschen Lieder singen oder sich die Vorhaut abschneiden oder nicht, soetwas ist nicht der Stil eines höheren Wesens. Soetwas erfindet nur der Mensch in seiner ganzen intellektuellen Schlichtheit.

    Glauben Sie ruhig daran. Die Irrtumswahrscheinlichkeiten der Wissenschaft, seien sie auch noch so klein, lassen genug Platz für einen Glauben. Man könnte sich aber auch einfach damit abfinden, dass wir nicht alles wissen. Noch nicht.

    • @Thomas Marx
      Ihre amüsante Fabel ist m. E. stark geprägt von der Vorstellung einer (provisorisch so bezeichneten) *Wirkmacht* nach Menschenart.

      Als spiritueller Atheist halte ich irgendeine Form von Statik oder Hierarchie (beides Voraussetzungen für eine von Ihnen beschriebene Art von „Gott“) auch für extrem unwahrscheinlich.
      Wir sind Menschen, unsere Sinne, Erfahrbarkeiten und Beschreibungen deshalb an die Bedingungen dieses Menschseins angepasst und darauf begrenzt, so lange es in dieser Form existiert.

      Jede Epoche, Kultur und Religion hat gemäß ihren jeweiligen Möglichkeiten versucht, das Nicht-Beschreibbare in Worte (oder Bilder oder Musik) zu fassen. Zusätzlich zu Überlieferungs-Quellen gibt es bruchstückhafte Berichte von Menschen mit Nahtod-Erfahrungen.

      Als Quintessenz u. a. daraus betrachte ich (grob zusammengefasst) das „Sein“ als eine Art ewigen „Tanz“ ohne statisches Oben/Unten, ohne Anfang oder Ende, in ständiger Bewegung/Veränderung. Die positive Energie (*Wirkmacht*), die alles zusammenhält und in allem enthalten ist, ist mit „das Alles“ oder „Liebe“ in dieser Vorstellung passender bezeichnet als mit „Gott“. – Aber Sie haben recht: Was wissen wir schon? ;-)

    • Titel eingeben
      Thomas Marx: „Das man in den Himmel kommt, halte ich für ein Gerücht.“

      Das heißt erstens nicht mehr Gerücht, sondern „Fake News“. Na ja, und zum zweiten kann man so etwas nur ernsthaft behaupten und belegen, wenn man im Expertenmodus auf dem Level „God or higher“ die letzte Philosophy-Challenge zu Ende gebracht hat. Der Name „Marx“ berechtigt in Deutschland zu einigem, aber reicht es ausgerechnet dafür?

    • Dumm, Dümmer, Mensch
      Wenn ich auch nicht an Gott glaube und die (sehr geringe) Wahrscheinlichkeit akzeptiere, dass ich mich täusche und der Marx, der Bischof ist, recht hat, für mich ist dennoch eines das Dümmste, Dämlichste und Abartigste, das auf dieser Welt existiert:

      Christen, Moslems und Juden glauben an den gleichen Gott. Ihr ganzer Streit, ihr Krieg, ihr Jahrhunderte andauerndes gegenseitig zugefügtes Leid basiert nur auf den unterschiedlichen Ausführungsbestimmungen. Nicht an WEN man glaubt, sondern WIE man an irgendjemanden glaubt.

      Was muss das für ein kleingeistiger Korinthenkacker da oben sein, wenn das Seelenheil seiner Kinder davon abhängt, ob sie auf lateinisch, deutsch oder arabisch singen. Oder ist ER das nur in der Vorstellung seiner kleingeistigen Anhänger, die ich, wäre ICH Gott, allein dafür in die Fritteuse des Leibhaftigen stecken würde?
      Wie kann man nur so dämlich sein, anzunehmen, so ein „Wesen“ mache sich einen Kopf darüber, ob man an seiner Vorhaut rumschnippelt oder nicht?
      Bitte beantworten.

      Und dann hätte ich noch eine Quizfrage:
      Welcher Mensch richtet sich sein gemütliches Zuhause mit Plüsch, mit Samt und mit Goldbrokat ein, keine Garage, keine Minibar?
      Wer läuft im Rock herum und hat eine Mütze auf, die aussieht wie eine, deren Name irgendwie an eine Katze erinnert und die gerade auf einer grossen Anti-Trump Demonstration getragen wurde?
      Wer schreibt ein Buch mit 20 000 Seiten ohne ein einziges Bild und wenn man das Buch gelesen hat, gibt es 20 verschiedene (gültige) Interpretationen von dem, was drinnengestanden ist, bei näherer Betrachtung weiss man aber eigentlich garnicht, was mit dem Text gemeint sein soll?
      Wer macht ein „Grundgesetz“, in dem gefühlte 50% der Bestimmungen irgendetwas mit Ehe zu tun haben?

      Richtig. Ein Bischof.
      Und eine Frau.

      „Religion“ ist das alte Werkzeug der Frauen, das Patriarchat zu domestizieren. In dem dem „Mächtigen“ ein noch Mächtigerer entgegengesetzt wurde, dessen Strafanrohungen der Mann nicht verifizieren kann. Gegen die Regel zu verstossen ist damit plätzlich mit einem postmortalen Risiko behaftet. Und der andere ist nicht nur „mächtig“, sondern „allmächtig“. Und der ist Überall. Und immerdar. Für und Für.

      Leider ist die Handschrift des „Künstlers“ in diesem Konstrukt ziemlich deutlich überall zu sehen (s.o).

      Jetzt hat Onkel Marx (nicht der Bischof, der mit dem Bart) aber den Heiland „dekonstruiert“ und damit das Patriarchat von der heiligen Leine gelassen. Jetzt darf ohne sakrales Risiko geglotzt, gegrabscht und gehurt werden, ohne nachfolgende Beichte und 20 Rosenkränze mit 10 Vaterunsern, vom Fegefeuer ganz zu schweigen.

      Das war dann wohl ein Eigentor des linksmarxistischen Feminismus, der jetzt mit der Social Media Ersatzreligion und Twitter versucht, den Geist wieder in die Flasche, die Zahnpasta wieder in die Tube zu bekommen.
      Spätestens seit der Causa Weinstein dürften „Beichte“, Exorzitien und „Fegefeuer“ wieder eingeführt worden sein. Vom Feminismus. Unter anderem Namen.

      Das kommt eben davon, wenn man alles „dekonstruieren“ muss.
      Dann muss man das Gleiche wieder hinkonstruieren (und hoffen, dass es keiner merkt).

    • Titel eingeben
      @Thomas Marx
      Glauben Sie oder glauben Sie nicht. Ihre Sache, Sie wissen was Sie brauchen

      Doch setzen Sie bitte den Herren meinen Gott nicht mit Allah gleich.
      Sein Prophet mag vieles aus der Torah übernommen haben, doch was im Koran über Allah offenbart wird, zeigt genug Unterschiede zum Herrn.

      Zwei Beispiele liefer ich Ihnen:
      Wir sind frei, frei auch zur Sünde. Muslime unterliegen dem Kismet
      Unser Herr Jesus lehrt die Liebe

  35. kleiner Ausflug in die Alten Lehren ..darf ich?
    Verehrte Frau Pukke, schön dass Sie in dieser grauen Vorwinterzeit spirituellen Gedanken nachgegangen sind. Ich darf dies für ein „Outing“ nutzen. Denn seit einigen Jahren befasse ich mich mit dem was man als uralten Lehren oder wie Paulo Coelho als „Die Tradition“ bezeichnet.

    Die Herausforderung ist, als Interessierter die seriösen Autoren unter den Vielen zu erkennen.
    Ich behaupte mal, mit Penny McLean, Thorwald Dethlefsen und Katja Wolff (Der kabbalistische Baum -sehr lesenswert-) Glück bei der Auswahl gehabt zu haben.
    Ganz wichtig ist bei dem Ganzen dass keines dieser Bücher die christliche Lehre an deren Fundamenten anzweifelt; Penny McLean nennt Jesus einen „Giganten“. Anders ist es mit den von Menschen gestalteten (veränderten?) Kirchenlehren.

    Sie, Frau Pukke, deuten ja an, dass Ihnen der Gedanke an ein Wiedersehen mit Freunden auf Wolke 7 angenehm ist und dass ein Glaube an „etwas Höheres“ den Umgang mit dem Tod erleichtert.

    Es gibt nur zwei Möglichkeiten.

    Die eine ist, dass alles „Zufall“ ist, eine Laune der Natur und deshalb ist die ganze Welt so ungerecht und eine göttliche Macht ist eine Fantasie und ein frommer Wunsch um sich alles gut zureden.

    Die zweite:
    Es gibt eine höhere Macht. Ist das der Fall, wäre diese Macht bei einem einmaligen Aufenthalt jedes Menschen auf der Erde tatsächlich sehr ungerecht und zwar in allergrößtem Maße. Wieso wird der Eine auf einer philippinischen Müllhalde und der andre in Oberbayern geboren?
    Warum wird der Eine 98 und der Andere stirbt als Kind?

    Und Himmel und Hölle? Steht der als Kind verunglückte Junge neben dem 80-jährigen früheren Kriegsverbrecher vor dem Gericht. Einer kommt für alle Ewigkeit in den Himmel, der andere in die Hölle. Und nun? Fragt der Ältere nicht zu Recht: Warum durfte ich nicht so jung sterben, dann wäre ich jetzt im Himmel. Und der Junge musste nie vor der Wahl stehen, sich für das Gute oder dass Böse zu entscheiden.

    Kurz gesagt: Dieses Modell der verschiedensten Religionen macht nur einen Sinn und lässt sich auch mit Logik erfassen wenn wir oft, wahrscheinlich sogar sehr oft, und immer wieder mit verschiedensten Körpern und Genen hierher kommen um zu lernen, zu erfahren, sich zu bewähren, zu versagen.
    Das sogenannte jüngste Gericht kommt erst ganz am Ende. Himmel und Hölle nach einmaligem Leben sind eine Erfindung um die Menschen gehorsam und untertänig zu machen. Adel und Klerus erfanden das; wer von Wiedergeburt faselte kam auf den Scheiterhaufen. Christus sprach vom ewigen Leben.

    Am Ende stellt sich alles als zutiefst gerecht heraus, alle hatten über die Jahrtausende dieselben Chancen. Die Ungleichheiten und augenscheinlichen Ungerechtigkeiten der jeweiligen Zeit wiedergeben nur den augenblicklichen Reifegrad und Entwicklungsstand der einzelnen Menschen (Seelen), die im Augenblick hier verweilen. Das sind im Moment wir. Unsere vorangegangenen Leben, unsere Verdienste und Versagen wirken im jetzigen Dasein.

    Das ist kein Dogma. Echte Esoteriker sind keine Missionare. Aber darübernNachdenken ist erlaubt. Gott will dass wir denken und forschen, dafür hat er uns das Organ Gehirn mitgegeben (auch wenn wir oft verzweifelt nach mehr davon rufen ..meist für die Anderen).

    Sollte dies alles zutreffen wäre auch erklärbar, warum alle Versuche, die Menschen zwangsweise „gleich“ zu machen scheitern müssen. Herrenmensch, Sowjetmensch, Kommunismus, Sozialismus, Gleichstellung… Die höheren Gesetze sind stärker.

    Am Ende ein kleiner Hinweis: fällt Niemandem auf wie die Schöpfungsgeschichten aus Bibel und anderen Religionen mit den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zum Urknall zusammenpassen? Hinweis: Der Biss in den Apfel war im „Jenseits“, die Erschaffung der materiellen Welt, der Erde und die Vertreibung aus dem Paradies (dem Jenseits) war die Konsequenz daraus.
    Ja …aber ..14 Milliarden Jahre zu warten bis die Erde soweit ist, ist etwas lang. Antwort: Drüben gibt es keine Zeit (siehe Einstein), das waren für die da drüben nur Sekunden …und nicht mal das.

    Danke fürs Lesen.

    • Froschperspektive
      Grundsätzlich ist unser Erkenntnisvermögen begrenzt. Es lohnt sich daher wohl nicht, die Erfahrungen der Lebenswelt auf ein Jenseits zu übertragen. Ich könnte mir vorstellen, dass Gott es „richtig macht“. Die Idee des Fegefeuers ist mir in sofern plausibel, als dass es eine brennende Erfahrung sein muß, das eigene Versagen und Unvermögen im Lichte einer universalen Erkenntnis zu betrachten. Es könnte da einen Ausweg geben. Naja, Froschperspektive.

    • Das habe ich sehr gerne gelesen. So viele neue Denkanstöße, die ich jetzt habe … Danke.

  36. Manche haben ihn im vollen Leben dabei
    Claude Monet malte ja zweifellos das pralle Leben, oft draußen. Eins meiner liebsten Gemälde ist der „Boulevard des Capucines“. Wenn man es sich vor die Nase hält, sieht man nur Striche, Tupfen und schwarze Kästchen. Weiter weg betrachtet, wie sich das gehört, sind es Menschen in Bewegung, Menschen in Gruppen und Kutschen, sehr lebendig, man möchte in jene Zeit springen und dabei sein. Über allem dieses lebendige Licht, das Paris oft hat, bläulich verschleierter Himmel des Ärmelkanals, Feuchtigkeit, die über die Seine hochzieht nach Paris, das vielleicht deswegen von den Römern Lutecia getauft wurde.

    Und dann malt er seine Frau Camille auf dem Totenbett.

    Ein anderer Künstler, der ihn dabei hat wie beiläufig und zwar in der Glocke, ist Friedrich Schiller. Rilke wurde schon erwähnt, aber nicht die Ringe. Er nennt ihn wohl „letzten Ring“. Beschäftigen tut er wohl jeden.

    Für die übrig Gebliebenen ist er jetzt nicht der große Freund. Er kappt die Sprache und versperrt die Sicht, der Geruch ist weg. Was er intensiviert, ist die Erinnerung. Aber bei Älteren, wenn dann zu viele Erinnerungen hintereinander kommen, kann er lästig werden. Daher ist es gut, wenn Leute Kinder haben und/oder Enkel und dadurch Kontakt zu jungen Leuten.
    Die mit dem Bauch, der ihnen gehörte, wussten vielleicht nicht so genau, was sie jeweils auf sich nahmen, denn in der Jugend denkt man nicht an ihn.

  37. hört Schuberts Winterreise und blättert in alten Fotos und Briefen.
    Darunter, über sechzig Jahre alt, die Nachricht eines Vaters an seinen Sohn:

    „Wir haben den alten Herrn nicht mehr lebend angetroffen. Er hat noch große Schmerzen gehabt, war aber die letzten Tage schon meist ohne Bewusstsein und ist dann sanft eingeschlafen. Sein Sarg wurde am Sonntag überführt, und zwar von zwei alten Soldaten aus seiner Heimat Schlesien, was ihm sicher ganz besonders gefallen hätte. Heute fand eine kurze musikalische Feier statt, und unter dem Lied vom guten Kameraden versank der Sarg, über den ich unsere alte schwarzweißrote Flagge gedeckt hatte. – Wenn du nächsten Sonntag kommen kannst, werden wir dir näheres erzählen. Trinke einen Gedächtnisschluck auf deinen Großvater, wie er es gern hatte, und behalte ihn in der Erinnerung in seinem unverwüstlichen Humor!“

    Dabei liegt eine Todesanzeige, in der es sinngemäß heißt, dass der älteste der Sippe, der einst unterm Kaiser im königlich preußischen Ulanenregiment Graf zu Dohna in Ostpreußen diente, nunmehr nach einem langen Jäger- und Reiterleben zur großen Armee einberufen wurde.

    Vater und Sohn sind nun ebenfalls Tod. Der eine erstickte nachts bei einem schweren Asthma-Anfall, den anderen ließen seine Angehörigen ziehen, als er, schon halb geistig umnachtet, begann sich die Schläuche der künstlichen Ernährung herauszureißen.

    Der Tod hat viele Gesichter und ich bin froh, dass wir in der Moderne Mittelchen haben, mit deren Hilfe man wenigstens auf Wolke sieben in den Sonnenuntergang reiten kann, auch wenn mir die Vorstellung, dort dann auch im Jenseits anzukommen fremd ist. Dass der Geist eines Individuums ohne Gehirn und Sinnesorgane existenzfähig ist, erscheint mir nicht plausibel. Da halte ich es doch eher mit dem alten Epikur, der sagt man solle sich vor dem Tode nicht Fürchten, denn der Tod betrifft die Lebenden nicht: Solange wir da sind, ist er nicht da. Ist er da, dann sind wir nicht mehr da.

    In den rauhen Nächten der Jahreswende, wenn der Sturmwind im Kamin heult und Eisregen gegen die Fenster prasselt, wenn sich die Familie um den Lichterbaum versammelt, bis gegen Mitternacht die Kerzen eine nach der anderen mit einer sich in Dunst auflösenden Rauchfahne verlöschen, dann werde ich an den alten Herrn denken, den Ulanen des Kaisers, und mir vorstellen er ritte mit den wilden Herrscharen durch die Lüfte. Und dann werde ich mir einen guten Schnaps in den kleinen Zinnbecher mit den Jagdmotiven eingießen und auf sein Wohlbefinden lehren. Schade, dass ich ihn nicht kennengelernt habe.

    Doch nein, ich kenne ihn ja doch. Sein unverwüstlicher Humor, seine offene leutselige Art weilt ja immer noch unter uns und bricht sich bei dem einen oder anderen der Familie bahn. Er springt mich förmlich an, wenn ich abends nach Hause komme, und dieser kleine blonde Kerl mit seinen hellen Augen, die so schimmern wie das Wasser des Baltischen Meeres an einem warmen Augustnachmittag, mit seinem Holzschwert auf mich zustürmt.

    Und vielleicht zündet sich ja dessen Urenkel dereinst an einem regnerischen Novemberabend, wenn im Kaminofen das Feuer langsam lichtlos verlischt, eine Kerze an, trinkt einen duftenden, heißen Tee und stöbert in alten Dokumenten unter denen er eine Todesanzeige findet.

  38. Gedanken...um 2000
    „Ewiges Leben:
    Erneute Wiederkehr aus dem Ursprung durch Erneuerung und Umkehr im Ursprung.“?

    Wenn das Leben sich mit dem Tod versöhnt, dann wird das Leben zum Schmuck für den Tod.
    Der Seelensehnsucht wahrnehmende Geist, im Vernunftreifeweg Leben, führt zur weisen Kunst, sich mit der Existenz Tod,
    dem neg. Sein im Sein, als zeitloses Schwebesein des absoluten Friedesein,
    schon zu Lebzeiten begreifend zu versöhnen.
    Die weise Kunst für diese Seelensehnsucht, nach Friedesynthese zu „streben“, Geisteifesynthese erlebend, eine Lebenwegkunst lang, ein Leben-Tod Symbioseweg lang, human lebend zu „sterben“?

    Ihr Beitrag hat mir gefallen.

    MfG
    W.Hennig

  39. Seltsam, dass mir das so schwer fällt
    Liebe Frau Pukke,

    Obwohl ich mich als Hagezusse/Hexe/Zaunreiterin viel mit der Welt jenseits des Schleiers befasse, hänge ich doch sehr an diesem Leben und an der Welt der Menschen.
    Es fällt mir sehr schwer mich mit dem Gedanken zu arrangieren, dass ich irgendwann meinen jetzigen Körper werde aufgeben müssen. Der Gedanke an den Tod wird für mich nur erträglich durch die Aussicht, dass ich vielleicht in einem anderen Körper wieder hier auf die Erde zurückkehren kann.

    Ich habe in meinem jetzigen Leben schon viel Dunkelheit erfahren, aber auch viel Licht, und an diesem Licht will ich mich jetzt festhalten so lange es irgend möglich ist.

    Liebe Grüße von der Kleinen Waldhexe

  40. Habt Euch nicht so unehrlich-weihevoll
    ..wie heute in den Nachrichten zum Hartmannsweilerkopf
    ..wie gestern zum bekannten Gedenktag
    ..wie letzten Sonntag zum (ehem.) Volkstrauertag
    ..wie bei irgendwelchen Attentaten
    ..wie bei Beerdigungen Nahestehender
    ..wie bei diesen November-Stereotypen „Heißer Tee, Bücher, kramen in alten Briefen und Fotos, endlich mal die alte CD-Sammlung sortieren, frühere Lieblingsalben hören und dabei auch auf Stücke stoßen, die einen wieder einmal an die Endlichkeit erinnern“

    Dieses getragene Getue, dieser falsche Klang in den Stimmen offizieller Sprecher. Gromanei oder gromannedei? Gromanhoid ei. Es hat noch keiner überlebt, es ist noch keiner wiedergekommen. Insofern ist die niederbayrische dounsubbn eine fesche, anständige Lösung für alle. Wenn aus einem Rudel Wild ein Tier herausgeschossen wird, äst der Rest oft unbeteiligt weiter.

    In meiner Geburtsgegend gabs ein Totenbrett:
    Do hat glebt der Maurer Moandl/ am liaban warn ehm kloane Stoandl/Gsuffa hota wia a Kua / itzt hot er gmua.

    Macht Euch ehrlich, Leute. Verlogenheit ist ein wesentliches Merkmal unserer Republik.

    • @gamskampler
      Was an Teetrinken, Lesen, Musikhören und Erinnern wie auch Novemberstimmung „weihevoll-unehrlich“ sein soll, bleibt Ihr Geheimnis.

      Sie vermischen da etliche Dinge privat und öffentlich – und genau das ist etwas, was enorm nervt!

      Bei Weltverbesserern ebenso wie bei deren griegrämigen Antipoden.

      Die wenigsten Kriege in Europa wurden im November begonnen, und selbst die russische Oktoberrevolution begann eigentlich im Februar.

      Was jedoch ist an Besinnlichkeit unehrlich?

      Der Autor, der ihren Toten als Säufer öffentlich gemacht hat, wird sich das auch ehrlich und besonnen in Ruhe überlegt haben, bevor er es öffentlich machte.

  41. Leben...nach dem sterben der Tod...nach dem Tod...wenn es nur 2 gibt, dann wieder Leben?
    Transzendenz
    Manchmal, wenn es Gott gefällt, in einem

  42. Leben...dann sterben, nach dem sterben der Tod...
    nach dem Tod, wenn es nur 2 und ein danach gibt, dann Leben?

    Um die Jahrtausendwende:
    Transzendenz
    Manchmal, wenn es Gott gefällt, in einem Augenblick des Einklangs
    zwischen Körper, Geist und Schöpfung, wenn äußere und innere Stille
    ein zufriedenes Gefühl von Geborgenheit bewirken, wenn die Seele in Liebe und Frieden ruht, dann, manchmal, berührt uns Gott. Ganz zart und sanft. Dann erfüllt und erwärmt er die Seele und läßt uns durch sie erkennen. Dann können wir Gott und die Schöpfung begreifen und bestaunen. Dann zeigt uns Gott seine ganze Herrlichkeit in nie gekannter Klarheit. Dann überwältigen uns unsere Gefühle und erfüllen uns mit Dankbarkeit. Dann erfreuen wir Gott und erfüllen das Prinzip von Geben und Nehmen. Dann sind wir eins. Manchmal, wenn es Gott gefällt, dann kommt dieser Augenblick erst nach dem Leben.

    • Titel eingeben
      Vielen Dank.

      Sie beschreiben gerade das Erleben und Empfinden der Geburt meiner Tochter.

      Einfach wunderschön.

      Das war vor 27. Jahren der Moment, an dem mein Glaube über Erkennen zur Gewissheit wurde.

      Es ist immer wieder schön, wie die Essays von Frau Pukke, viele der Begleiter von Don Alphonsos Blogs zu sehr privaten und persönlichen Aussagen animieren.

      Meinen Dank Ihnen Frau Pukke und an die Foristen.

      Allen noch einen schönen Sonntag und einen gemütlichen Herbst, der nicht nur der Rückschau dient, sondern auch der Regeneration und des Kräfte Sammelns für die kommende Zeit.

    • Ach, das Lob freut mich sehr. Und ja, auch ich danke den vielen Foristen, also auch Ihnen sehr. Es ist mir eine Freude, die Kommentare und die daraus resultierenden Dialoge zu lesen.

  43. Der Tod nicht in der Macht von Menschen
    Zuallererst – das ist Ihr bisher bester Text, wenn ich das beurteilen oder bemerken darf.

    Der Tod liegt auch in der Macht von Menschen.

    Im Jahr 2004, am Tag vor Altweiberfastnacht, bekam ich eine Kreditkündigung einer von zwei Hausbanken. Zwei Tage später sagte mein Anwalt und bis dahin bester und längster Freund, er würde mich nicht vertreten.

    Zwei Tode in wenigen Tagen.

    Nun, Ich habe mein Unternehmen weiter geführt, mechanisch zwar, aber es lief weiter.

    Und daneben setzte ich mich mit Möglichkeiten auseinander, mir das Leben nehmen zu können. Das ging etwa drei Monate so.

    Nicht das ich sterben wollte, ich wollte die Angst vor allem verlieren, was immer auch kommen könnte.

    Und das ist gelungen.

    —–

    Wissen Sie, man lebt weiter und weiß, dass die Lebensziele nicht mehr erreicht werden.

    Man vereinsamt angesichts der Umstände und ackert dennoch.

    Hier und da kann man ja vielleicht etwas für andere Gutes bewirken.

    —–

    Ich habe mir fest vorgenommen und hoffe, mir wird nicht der letzte Wille und die nötige Kraft dazu fehlen, dass ich selbst entscheiden kann, wann mein Ende da sein wird.

    Die Mittel dazu kenne ich, aber das ist ja nur eine Sache.

    —–

    Ein letztes zu dem Thema:

    Mein Patenonkel hat sich bei meinem letzten Besuch verschmitzt gezeigt, wie er zeitlebens war. Das tat mir wirklich gut.

    Und das, obwohl er enorm an seinem Krebsleiden litt.

    Das Besondere war etwas anderes, bei der Beerdigung.

    Er war Gärtnermeister und als es ans Grab ging, um sich zu verabschieden, sah ich, dass sich eine Ranke um das Kreuz mit seinem Namen gewunden hatte.

    Niemand anderer der Trauernden hatte das bemerkt.

    Seitdem war ich nicht mehr auf dem Friedhof, aber ich sehe das immer wieder vor mir. Und seitdem ist mir klar, es ist völlig gleich, was ich möchte oder nicht, anderes heißt uns willkommen oder vielleicht auch nicht.

    —–

    Was mich angeht, um mich wird niemand am Grab trauern, weil einfach niemand da sein wird.

    Und bitte, kein Bedauern, das ist halt das Resultat meines Lebens.

    Und denken Sie bitte an die Ranke ums Grabkreuz meines Onkels, das ist ein Segen, den ich erleben durfte, ich kann so gut leben und auch sterben.

    • Ach, ach. Solch menschliche Enttäuschungen kenne auch ich leider zu gut. Ich fühle mit. Und an die Ranke werde ich gerne denken.

    • Wenn es Sie tröstet:
      Zumindest in den hl.Messen wird Ihrer gedacht werden. Auf jeden
      Fall an Allerseelen, was schon bei unseren keltischen Vorfahren
      ein Totengedenktag war.
      Auch im Ritual ist Trost zu finden.
      Schon für Kelten und Römer war das reine Lebenshilfe.
      Auch in buddhistischen Klöster wird sehr intensiv des Sterbens
      und der Toten gedacht.
      Man kann das zeiten.-u.kulturenübergreifende Katholizität nennen.
      Die steckt auch in jedem Regenwaldbewohner und das hat mit der
      römischen Frömmigkeitsbewirtschaftung wenig zu tun.
      Auf jeden Fall sind Sie nie allein mit Ihren Zweifeln, mit Ihrem Leben
      und auch mit Ihrem (was Gott noch lang verhüten möge), Ihrem Sterben.
      ,

    • Ranke am Grabkreuz
      @ Thomas Cgn, 11. November 2017 um 04:15 Uhr
      „Und denken Sie bitte an die Ranke ums Grabkreuz meines Onkels, das ist ein Segen, den ich erleben durfte, ich kann so gut leben und auch sterben.“

      Danke für diese Anregung.
      Ich werde die Ranke am Grabkreuz ihres Onkels sicherlich vergessen, weil ich für anderes dankbar sein muss, was ich im Leben als Segen erfahren durfte. Aber diese Achtsamkeit für die großen und kleinen unverdienten Gaben des Lebens ist der Schutz vor einer Bilanz der Vergeblichkeit.

      Das ist für mich die Vorstellung von der ewigen Verdammnis: Aus der Zeit zu fallen in die Unzeitlichkeit mit dem Gedanken, dass alles vergebens, vertan, sinnlos und unverzeihlich sei.

      @ Rudi Meergans, 11. November 2017 um 13:09 Uhr
      „zeiten-und kulturenübergreifende Katholizität“ finde ich als atheistisch geneigter Katholik eine geglückte Formulierung.

      Es stimmt, in jeder katholischen Messe wird der Verstorbenen gedacht. Es ist von den „Entschlafenen“ in der Hoffnung auf Auferstehung die Rede, aber jedem steht es frei, dabei der elendig Verreckten in Schützengräben, Gaskammern, Straßengräben, Krebsstationen, Hunger – oder Naturkatastrophen, Folterkammern, Bombardierungen usw. aller Zeiten, Regionen und Kulturen zu gedenken.

      Mir fällt es schwer zu glauben, dass ich durch Beten und Bitten etwas für Verstorbene erreichen könnte. Ich habe kein Problem damit, mich in der Messe mit Verstorbenen verbunden zu fühlen und sie mit in meine Achtsamkeit zu nehmen, weil ohne sie meine Welt nicht sein könnte.

      Da ich nur gerade mal meine kleine Spanne Leben habe, werde ich danach auch zu ihnen gezählt werden (sogar „für die längste Zeit“, obwohl ich aus der Zeit gefallen sein werde).

      Das Bild Wolke sieben spricht mich nicht an, da möchte ich nicht sein.

      edSE

    • Danke für Ihre Aufmerksamkeit
      Herr Meerganz, seit ich der Kindheit entwachsen bin, hat mir Trost nichts gebracht. Ich weiß, anderen geht es anders und da spende ich auch sehr gern Trost.

      Auch wenn ich eher den Blick auf das Künftige zu lenken versuche.

      So ticke ich nunmal,

      Aber danke vielmals :)

      Phoenicia, vielleicht hätte ich noch erwähnen sollen, dass mein Patenonkel, der Gärtnermeister schon anfangs der Siebziger Jahre – wie soll ich sagen – Bio-Gärtnermeister war, also ohne Pflanzengift und allerlei mehr arbeitete. Auch das hat mich damals schon geprägt.

      Das besondere an der Ranke ist, er wurde unmittelbar bei seiner Beerdigung sichtbar von dem Empfangen, dem er sein Leben gewidmet hatte.

    • @ edSE,
      das sehe ich auch so. Verhielten sich die Menschen vernünftiger, bräuchte es, außer für natürlich Verstorbene, solche Fürbitten nicht. So ist es einfach der falsche Ansatz.(für mich)

  44. Ein Nachtrag, ein Lied von vor langem
    Was ist das Ziel von Alexandra

    Es ist November und der Regen
    kriecht durch die Kleider auf die Haut.
    Ich geh alleine auf den Wegen
    die mir vom Sommer her vertraut.
    Wem wohl die kalten Tage nützen?
    Was gestern lebte ist heut taub.
    Und in den schmutziggrauen Pfützen
    ertrinkt der Bäume welkes Laub.

    Was ist das Ziel in diesem Spiel,
    das der Natur seit je gefiel?

    An ein paar Zweigen hängen Blätter,
    die heut Nacht der Wind vergaß.
    Den Pavillon versperren Bretter,
    wo manches Liebespärchen saß.
    Sogar die Nester in den Bäumen
    sind ohne Leben, ohne Sinn.
    Und mir alleine bleibt das Träumen,
    weil ich ein Mensch mit Träumen bin.

    Was ist das Ziel…

    Ich bin auf einmal so alleine,
    wo ist das Glück, das hier begann?
    Die kahlen Bäume und die Steine
    die schaun mich durch den Regen an.
    Ich suche oben in den Sternen
    ein wenig Trost für mein Geschick.
    Doch der, der Trost sucht, sollte lernen,
    er ist vergänglich wie das Glück.

    Was ist das Ziel…

    Doch aus Verzweiflung wächst das Hoffen,
    das uns die Kraft zum Atmen schenkt.
    Zwar bleiben viele Wünsche offen,
    weil irgendwer das Schicksal lenkt.
    Solange hier bei uns auf Erden
    man einen Hauch von Leben spürt,
    sorgt das Schicksal für das Werden
    und gibt das Glück, wem Glück gebührt.

    Das ist das Ziel in diesem Spiel,
    das der Natur seit je gefiel.

  45. No Death, No Taxes
    Da sind jene, die sich das Sterben als natürlich und sogar sinnvoll und gut einreden. Und dann jene, die leben wollen und die Verhältnisse nicht akzeptieren. Für lange Novemberabende empfehle ich eher das (obwohl die Autoren mit den Themen selbst fremdeln):

    https://www.newyorker.com/magazine/2011/11/28/no-death-no-taxes

    https://www.newyorker.com/magazine/2017/04/03/silicon-valleys-quest-to-live-forever

  46. Blue Alert
    Hmja, November.
    Im Sammlersammler den Sebestyénschen (http://www.ojm.at/blog/2010/06/10/gyoergy-sebestyen/)
    „Faun im Park“ gefunden:
    „Herrin, Sie kennen das unvorstellbar große Zeitmaß des siderischen Jahres, und wie viele solche Sternenjahre sin vergangen seit unserer Geburt, und wieviele werden nach unserem Tod noch vergehen, und wie ist das nun mit uns beiden? Haben wir uns nicht zusammengefunden inmitten des Chaos, trotz der endlos monotonen Gänge und Windungen des Labyrinthes, haben wir nicht die absolute Vollkommenheit unserer absoluten Zweisamkeit entdeckt, jubelnd und auch in stiller Gewißheit? Hindert uns etwas, dieses Gesetz der Verbundenheit zu erkennen, zu tragen, zu feiern, obwohl wir wissen, daß wir weder die Beobachtung unserer eigenen Person noch den Gedanken an das Verwesen unserer Körper aus unserer Phantasie tilgen können? Ja, steigert das Lebens- und Todesbewußtsein nicht den Jubel? Ein nachdenklicher, trüber, herbstfarbener Jubel ist es freilich, der uns vereint, und nicht der liebenswürdige Catull besingt unsere Liebe, sondern eine Fliege, die nichts Besseres zu tun hat, als Harfe zu spielen am Spinnengewebe, das, vorläufig einigermaßen noch straff, über dem offenen Mund des toten Horaz liegt. Doch was gibt es Schöneres als ein Menschenpaar, das mit seiner Hoffnungslosigkeit der Schöpfung einen Sinn gibt, indem es die Absurdität dieses Weltalls nicht nur begreift, sondern auch noch überbietet? Spazieren wir also in die vielleicht krankhafte Schwüle unserer matten Zärtlichkeiten, denn nicht bocksbeinig polternd ist der Teufel, sondern lautlos wie eine Schlange!“
    Mist, urlang und ohne Absätze. Da kann auch noch gleich schwarzer Flügelmüll obendrauf:)
    https://www.youtube.com/watch?v=sjSG6z_13-Q

  47. Der Gamskrampler kommt meinen Gefanken ziemlich nah...
    Midas Dekkers‘ vom Reiz der Vergänglichkeit zu schreiben, ebenso.
    Verwelken, verrotten und vermodern sind der Lauf der Natur.Ich sehe mich nur als Eintagsfliege im Universum im Verbund mit unterschiedlichen Menschen. Bemüht,so zu leben, dass ich geachtet werde und in guter Erinnerung bleibe.Wobei das mit der Achtung so eine Sache ist.Ein bigotter Mensch wird das nie tun, weil er mich wohl als Ketzer sehen wird…

    Vor wirklich Gläubigen habe ich Respekt, habe aber viel Bigotterie beobachtet.Richtige Boshaftigkeit sogar,in dem Glauben, der/ die Gerechtere zu sein.

    Wo ich dereinst sein werde, weiß ich: im Familiengrab, das ich derzeit pflege.Gleich an der Kirchentür am Weg zum Brunnen,wo ich das Gießwasser hole.In einer Urne, anders, als die Vorfahren und mein Mann.

    Als wir vor Jahren zu Besuch in Ostfriesland waren,erzählten sie von einer Beerdigung von Mimi’s Mann und ihrer Aussage, sich nun endlich mal einen Mantel zu kaufen, der keine zu langen Ärmel hat. Ihr Mann hatte immer darauf bestanden, das die Ärmel die Hände bedeckten,damit er sich die Handschuhe sparen konnte…

    • Sorry, Gamskampler muss es heißen,
      und natürlich Gedanken.

      Hier noch ein paar Fakten, die hoffentlich niemanden verstören:

      http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/friedhoefe-in-deutschland-das-tabu-der-nicht-verwesenden-toten-a-1177353.html

      Irgendwo ist heute auch ein Treffen von Leuten mit Nahtoderfahrungen.

    • Perfektes Unverständnis
      Ich habe nie, seit ich denken Neigung zu Särgen und Gräbern verstehen
      können. Bei mir ist nie der geringste Anflug von Klaustrophobie
      festzustellen gewesen. Aber in so ein geschmackloses Möbel wie einen
      Sarg hineingepackt zu werden und dann auch noch für dieses gräßliche
      Ensemble einen festen Ort und dort zwei meter unten zugewiesen
      bekommen; Diesen Gedanken ertrage und akzeptiere ich nicht.
      Und doch ist dies ein allgemein akzeptiertes Verfahren, weil die Toten
      sich nicht wehren können und es den Lebenden gleichgültig ist, was mit
      ihrem Körper geschieht, “wenn’s vorbei ist”.
      Man führt höchstens die im Leben gepflegten, alten Ekelhaftigkeiten
      fort, wie die blöden Prestigegockelhaftigkeiten mit Prunkmausoleen,
      oder der Abgrenzungswahn fordert eigene “Ruhestätten”, weg von den
      Ungläubigen, welche den Anhängern mittelöstlicher Religionen
      selbst im Tode noch im Wege sind. Wieviel fundamentale Unverträglichkeit
      wird allein dadurch dokumentiert!
      Ich will verbrannt werden. Dann wird meine Asche den vielfältigen
      Lebensprozessen zur Verfügung stehen.
      So paßt das zu meiner ökologischen Grundeinstellung.
      Die Einwände “Energieverschwendung”, “CO2” und “carbon footprint”
      sind geschenkt.
      Auf was man doch so alles kommt um Allerseelen rum.

    • @ Rudi Meergans
      Leider darf man doch die Asche nicht vertreuen? Möglichkeiten in eigenem Wald umd Flur hätte ich ja.

      Einen Diamanten aus mir pressen zu lassen, ist mir zu dekadent…

      Ich kam auch schon auf den Gedanken, dass Frau Simon, so sie denn die Seebestattung bekommen hat, größere Chancen hat, dass sich der Deckel lupft, als in der Erde.

  48. .....
    Ich denke ein Teil des Problems ist, wie am Ende angedeutet, dass die organisierten Religionen an Zuspruch verlieren und damit auch ihre Stützerfunktion. Man ist oft nicht bereit sich auf den Glauben einzulassen, denn wenn wir ehrlich sind, wer noch überzeugt katholisch ist, wird doch vor allem als Wunderling wahrgenommen, zumindest im städtisch-bürgerlichen Umfeld. Glauben aber spielt eine wichtige Rolle im Umgang mit dem eigenen sterben, denn wer an ein Jenseits glaubt muss keine Angst haben vor dem Tod.
    Wenn man aber das typisch moderne, hedonistische Leben führt ohne jeden Bezug zu einem Glauben (der durchaus auch Einhaltung von Regeln bedeutet) hat ja nichts was Trost spenden könnte oder Hoffnung, da ist einfach Schluss, Klappe zu Affe tot.
    Die Aushilfskrücke „ich bin schon spirituell“ oder „ich glaub schon das es irgendwas gibt“ ist kaum ausreichend um befreit sterben zu können denn im Regelfall ist das eher ein verzweifeltes Hoffen, weils dem Ende zugeht.

  49. Man müsste mal die so oft so schlecht bezahlten Pflegekräfte und Krankenschwestern befragen, die d
    den ganz direkten Draht mit dem Sterben und dem Tod haben. Oder die Feuerwehrmänner, die Verunfallte aus den Autos schneiden müssen. Ob da viel übrig bleiben wird von Wolke Sieben?

    Ein alte Erinnerung:

    „CAPUT I

    Sie sang von Liebe und Liebesgram,
    Aufopfrung und Wiederfinden
    Dort oben, in jener besseren Welt,
    Wo alle Leiden schwinden.

    Sie sang vom irdischen Jammertal,
    Von Freuden, die bald zerronnen,
    Vom jenseits, wo die Seele schwelgt
    Verklärt in ew’gen Wonnen.

    Sie sang das alte Entsagungslied,
    Das Eiapopeia vom Himmel,
    Womit man einlullt, wenn es greint,
    Das Volk, den großen Lümmel.

    Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
    Ich kenn auch die Herren Verfasser;
    Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
    Und predigten öffentlich Wasser….

    Ein neues Lied, ein besseres Lied,
    O Freunde, will ich euch dichten!
    Wir wollen hier auf Erden schon
    Das Himmelreich errichten.

    Wir wollen auf Erden glücklich sein,
    Und wollen nicht mehr darben;
    Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
    Was fleißige Hände erwarben.

    Es wächst hienieden Brot genug
    Für alle Menschenkinder,
    Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
    Und Zuckererbsen nicht minder.

    Ja, Zuckererbsen für jedermann,
    Sobald die Schoten platzen!
    Den Himmel überlassen wir
    Den Engeln und den Spatzen.

    Und wachsen uns Flügel nach dem Tod,
    So wollen wir euch besuchen
    Dort oben, und wir, wir essen mit euch
    Die seligsten Torten und Kuchen…“

    Ich habe den Eindruck, wir haben das selbst heute noch nicht verstanden.

    Ein Mann wie Eugen Drewermann wurde übrigens regelrecht aus der Kirche rausgeekelt und ist dann ausgetreten. Und wird von einem sehr großen Teil des Publikums als der typische Gutmensch verlacht. Von der Kirche, die den Gott amtlich und staatlich subventioniert weiß, bekämpft. „Ich weiß, sie tranken heimlich Wein und predigten öffentlich Wasser.“ Man sollte das niemals vergessen.

    Tiere kniend um Vergebung bitten? Wäre ja noch schöner.

    • Fragen Sie mich
      Ich habe in meinem Leben um die 3000 – 5000 Tote gesehen und die meisten tun mir immer noch Leid.
      Ich glaube, der größte Gefallen, den man einem Gestorbenen tun kann, ist, um ihn zu trauern.
      Ein Mensch, um dessen Verlust keiner trauert, hat sein Leben umsonst gelebt.

    • @Thomas Marx
      Ich glaube zu wissen, was Sie meinen.

      Ich aber denke, kein Mensch hat umsonst gelebt. Aber so mancher ist völlig umsonst gestorben. Obwohl dann eben auch das wieder nicht gar so sicher sein mag. Aber was ist in diesen Sphären sicher?

      Bei so mancher Beerdigung habe ich gedacht, warum sind diese vielen Menschen nicht alle mal zu Lebzeiten gekommen? Gerade bei den einsamen Suiziden!…

      „Die Unfähigkeit zu trauern“ haben m.E. die Mitscherlichs leider aus „gutem“ Grund geschrieben. Und die Gründe sind immer noch vorhanden.

    • Stimmt
      Ich wollte eigentlich sagen, dass „Trauer“ die grösste Ehre ist, die man einem Verstorbenen erweisen kann, da bedarf es eigentlich keiner riesigen Grabsteine und Kränze (obwohl ich nichts gegen soetwas habe).

      Nur ist mir das, wie man das formulieren könnte, erst jetzt gerade eingefallen (mit aktiver Beteiligung Herrn Grigorjis. Vielen Dank dafür).

    • Wenn man sich als Gläubigen sieht und wahrnimmt, dann weiß man ganz sicher:
      Gott will jeden, so wie er ist. Zu Lebzeiten! Nach dem Tod dann… Habe ich die Gewissheit:Gibt es einen Gott, so wird er mich nehmen. Gibt es keinen, dann wird das auch ein Weg sein. Womöglich ist dann selbst dieser in seiner Hand?

      Und vielleicht noch ein Satz zu den so oft so riesigen, auch teuren Grabsteinen und Feiern.
      Diese Pracht und der Reichtum so vieler Kirchen ist für mich ein deutliches Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Jesus war doch wohl ein völlig Besitzloser. Sein Haus und sein Reichtum waren anderer Art. Haben wir das vergessen?
      Kann er gewollt haben, dass wir, Gott zu feiern, all diese Reichtümer anhäufen??? Niemals!!!

      Kann er gewollt haben, dass wir die Schöpfung und also die Erde bewahren? Tun wir das?

      Trauer und Versöhnung vor dem Tod scheinen mir der kraftvollere Weg zu sein. Und der ehrlichere.

      (Am Ende gar auch Versöhnung mit der im Blog so verdächtig ausdauernd und mit welchem Recht eigentlich geschmähten Frau Kahane,…)

  50. Das Leben als Abenteuerreise
    Liebe Frau Pukke,

    vielen Dank für Ihren einfühlsamen Text zu einem Thema, dass für viele (auch mich) sehr emotionsbeladen ist und die Tränen der Hinterbliebenen kullern lässt.

    Nach der Aktivität des Sommers kehrt nun wieder Ruhe und Zeit zum Innehalten ein, man räumt auf, bilanziert – materiell und spirituell.

    Die Frage nach dem „woher-wohin?“ oder generell dem „warum?“ wird uns Lebenden niemand mit Gewißheit beantworten können. Ich hüte mich jedenfalls immer vor Leuten, die den exklusiven Wahrheitsanspruch für sich erheben!

    Es gibt ein hübsches Gedicht eines unbekannten Verfassers, der den Blickwinkel umdreht (Jenseits->Diesseits) und von der Gewißheit eines Jenseits ausgehend das irdische Leben als eine freiwillige Reise beschreibt.
    Mir gefällt´s, da es die Idee in sich trägt, nicht ein passives Opfer einer langen Reproduktionskette zu sein, sondern der eigenen Existenz aktiv zugestimmt zu haben:

    Das Leben, das ich selbst gewählt

    Eh‘ ich in dieses Erdenleben kam,
    ward mir gezeigt, wie ich es leben würde.
    Da war die Kümmernis, da war der Gram,
    da war das Elend und die Leidensbürde.
    Da war das Laster, das mich packen sollte,
    da war der Irrtum, der gefangennahm.
    Da war der schnelle Zorn, in dem ich grollte,
    da waren Haß und Hochmut, Stolz und Scham.

    Doch war da auch die Freude jener Tage,
    die voller Licht und schöner Träume sind,
    wo Klage nicht mehr ist und nicht mehr Plage,
    und überall der Quell der Gaben rinnt;
    wo Liebe dem, der noch im Erdenkleid gebunden,
    die Seligkeit des Losgelösten schenkt,
    wo sich der Mensch, der Menschenpein entwunden,
    als Auserwählter hoher Geister denkt.

    Mir ward gezeigt das Schlechte und das Gute,
    mir ward gezeigt die Fülle meiner Mängel,
    mir ward gezeigt die Wunde, draus ich blute,
    mir ward gezeigt die Helfertat der Engel.
    Und als ich so mein künftig‘ Leben schaute,
    da hört‘ ein Wesen ich die Frage tun:
    Ob dies zu leben ich mich traute,
    denn der Entscheidung Stunde schlüge nun.

    Und ich ermaß noch einmal alles Schlimme –
    „Dies ist das Leben, das ich leben will!‟,
    gab ich zur Antwort mit entschloss‘ner Stimme
    und nahm auf mich mein neues Schicksal still.
    So ward geboren ich in diese Welt,
    so war‘s, als ich ins neue Leben trat.
    Ich klage nicht, wenn ‘s oft mir nicht gefällt,
    denn: ungeboren hab‘ ich es bejaht.

    Daraus folgere ich: Nicht jammern, sondern weitermachen! Bis der große schwarze Vogel kommt…

  51. ...#
    Sehr geehrte Frau Pukke,

    herzlichen Dank für diesen schönen Beitrag.
    Ich finde es schön, dassa Sie Friedhöfe besuchen, ich mache das ebenso gerne, wo und wie auch immer es möglich ist. Es gehört zum Leben dazu, auch den Verstorbenen zu gedenken; meine persönliche Meinung.
    Ich war an Allerheiligen u.a. das letzte Mal am Grab meines Vaters, das leider ein paar Tage davor im Oktober auf Beschluß der Familie nach 25 Jahren eingeebnet wurde. Mein Vater ist im Alter von 64 Jahren verstorben und die meisten Leute haben ihn sehr gern gemocht im Dorf… .

    • Danke.
      Ja, das mit dem Grab ist nicht schön. Aber in Ihrem Herz und in den Herzen anderer bleibt er ja, Ihr Vater. Und das ist wichtig.

  52. Titel eingeben
    Liebe Phoenicia, eigentlich wollte ich Ihren Beitrag erst gar nicht lesen, weil nicht vom Don. Das war der Stand von Freitagabend. Heute nun beim Frühstück die Entscheidung gegen meine Vorurteile. Jetzt bin ich sehr froh über diesen Sinneswandel. Chapeau! Ein wunderbarer Text mit sehr schönen und melancholischen Fotos, alles ganz stimmig. Ich – bis vor einigen wenigen Jahren ganz atheistisch – saß an einem Dezemberabend auf der Couch angekuschelt an meinen Mann, er schaute fern, ich habe gelesen. So angekuschelt an ihn hatte ich den Gedanken „dieses überwältigende Gefühl der Liebe, das du gerade spürst, muss für das ganze Leben reichen“. Daraufhin der zweite Gedanke „was denkst du da gerade“… Keine 48 Stunden später kann ich meinen Mann, unterwegs in seinem geliebten und PS-starken 5er, nicht erreichen. Also schreibe ich ihm zu einer bestimmten Uhrzeit eine SMS, die genau diesen Sachverhalt thematisiert und fühle beim Schreiben, er schaut mir über die Schulter… Später am Abend löst sich dieses Gefühl in der Realität auf, denn ich habe Kontakt mit dem Arzt der Notaufnahme, in der mein Mann nach seinem Autounfall verstarb. Meine SMS entstand in der Minute seines Todes. Als ich ihn am nächsten Tag ganz still und mit seinem typischen ganz leichten Lächeln im Gesicht sah, wusste ich, es geht seiner Seele – irgendwo – gut. Vielleicht auf Wolke Sieben, vielleicht anderswo… Was auch immer ich heute glaube, atheistisch ist es nicht mehr. Ich bin mir sicher, alles hängt mit allem zusammen und es gibt etwas, das größer als unser „Ich“ ist. Wenn ich heute in einem fernen Meer im warmen Wasser stehe oder im Schnee auf einem hohen Berg, dann spüre ich H. Nähe und bin mir sicher, ein paar seiner Elementarteilchen sind neben mir und er ist bei mir. Für immer, wie an jenem Dezemberabend im goldenen Licht unendlicher Liebe und Erkenntnis gefühlt. Seien Sie herzlich gegrüßt und Danke!

    • … und ich habe jetzt ein paar Tränen der Rührung in den Augen. So viel Liebe, so schön, dass sie bleibt, genauso wie die Nähe.
      Danke!

    • Er wird niemals mein Freund werden
      Es ist ganz wunderbar, wie Sie das hier beschreiben. Das Innige, Gelassenere darin berührt.

      Ich bin ganz anders: Ich schreie. Ich hasse den Tod. Als ich mit meinen Kindern „Ronja Räubertochter“ sah, erkannte ich mich wieder in Ronjas Vater, der beim Tod seines eigenen Vaters schreit: „Er war doch immer da, und jetzt ist er nicht mehr da!“ So simpel. Ich habe bei meinem Vater geschrien, bei meinen Hunden, bei jedem. ich schreie es heraus und habe schon geschrien: „Du bist mein ärgster Feind. Verzieh dich!“

      Irgendwann sind sie wieder da, die Verstorbenen. Ich habe mich beruhigt, kann sie einordnen. Aber liebenswert ist der Gevatter keineswegs. Vor allem fragt er nicht nach dem richtigen Zeitpunkt. Da bekäme er auch nur eine ihm genehme Antwort bei sehr Kranken, die manchmal eher weg wollen, als sie gelassen werden. Sonst bekäme er von mir: „Hau ab!“

      Robert Gernhardt hat ein Gedicht geschrieben, wie einer ihn einläd, sich dann anders entscheidet, der Gevatter aber nicht.
      Am tröstlichsten dargestellt empfand ich ihn nie in der Kirche, sondern in „Stadt der Engel“. Das war diesbezüglich ein wichtiger Film. Seither kann ich mir Gestalten meines Lebens auf Berggipfeln vorstellen, wie sie uns beobachten. Die Hunde alle daneben, eine ganze Galerie.
      Vor längeren Autofahrten bitte ich sie, uns wie Schutzengel zu behüten. Bislang hat es geholfen.

      Das Reden um seine Akzeptanz mag auch bedeuten, dass eine Tendenz besteht, das Leiden zu meiden. So gesehen gehört für mich seine Akzeptanz latent zum Hedonismus. Ich kann schreien. Schmerz ist wichtig. Die auf den Bergen hätten sich gewundert, wenn ich ihren Abgang so einfach akzeptiert hätte. Mein Vater hätte gesagt: „Kenne ich nicht. Wer ist das, Petrus?“

      Er ist ein Scheißer, der Herr Gevatter. Der Don reflektiert auch über ihn. Dann merkt er, dass ihn alle Leser – bis auf ein paar Notoriker – behalten wollen. Das mag helfen.
      Und so schön es auch geschrieben ist, beides, Ihr comment und Phoenicias Gedanken: Den November möchte ich auch in der Pfeife rauchen. Singen unter der Dusche hilft oder auf dem Instrument: Komme lieber Mai und mache. Das beste Novemberlied. Dann kommt ein Schiff geladen, das ist schön, dann noch ein überflüssiger Monat – ich nenne ihn Jänner, weil mir das gefällt – dann wird alles besser.
      Wobei: Wenn der Jänner Schnee bringt, ist er schön, aber nur dann. Licht.

      Unser Glauben ist auch: Es werde Licht. Ich bin wohl bei dem Teil stehen geblieben. Ganz vorn. Schöpfungsgeschichte.

    • So, genau so
      passt das zu meinem augenblicklichen Denken, das ich in einem Familienkonflikt zu vermitteln versuche: so schnell kann alles vorbei sein: werdet grosszüger, toleranter, nachsichtiger und weniger verbissen im eigenen Ich.

      ich wünsche viel Kraft und Stärke
      weiterhin aus dem Gefühl der Liebe.
      „die Liebe währet immerdar“ – so ähnlich heisst es doch.

    • @ you made my day -j a, die Wissenschaft kommt langsam dahinter
      Sie schreiben: „Ich bin mir sicher, alles hängt mit allem zusammen und es gibt etwas, das größer als unser „Ich“ ist.“

      Da liegen Sie genau richtig. Ich habe ja das Buch „Die Quantengötter“ von ca 1976, das wegen mangelndem Kaufinteresse eingestellt wurde, denn es war zu phantastisch, dass wir alle weit größere Fähigkeiten in uns haben sollen, als das was bisher vorstellbar war.

      Jetzt wird das langsam von den Quantenphysikern bestätigt und in diesem Interview mit Dr. Ulrich Warnke ist es verständlich dargestellt: (23 Minuten die sich lohnen)

      https://www.youtube.com/watch?v=lVhFhR_lSdw

    • Titel eingeben
      Lieber Oberländer, auch ich habe geschrien wie noch nie im Leben „Nein!!!, nicht H.“ als ich den Arzt am Telefon hatte, der mir die Botschaft überbrachte. Ich glaube, dieses Schreien ist etwas ganz elementares und wichtiges.

      Mir haben später diese Worte in der Trauerrede geholfen. „Was ist Sterben – Ein Boot segelt hinaus. Wir beobachten, wie es am Horizont verschwindet. Jemand neben uns sagt ‚Es ist verschwunden‘. Verschwunden wohin? Es ist verschwunden aus unserem Blickfeld – das ist alles. Das Boot ist nach wie vor so groß, wie beim Auslaufen aus dem Hafen. Dass es immer kleiner wird, dass es dann völlig verschwindet, ist in uns. Es hat mit dem Boot nichts zu tun. Und gerade in dem Moment, wenn jemand neben uns sagt ‚es ist verschwunden‘, gibt es andere, die es kommen sehen und andere Stimmen, die freudig rufen ’seht das Segel, da kommt das Boot!‘. Das ist Sterben.“ Keine schlechte Metapher, wenn ein großer Holländer gegangen ist. Und „Danke“ auch an Bernard für den Link.

    • Alles hängt zusasmmen
      Text eingeben

    • Alles hängt zusammen
      Hören Sie sich mal die Töne an, die die Planeten machen (genauer gesagt: elektromagnetische Wellen, deren Frequenzen ins Hörbare umgerechnet wurden). Dann zweifeln Sie nie mehr an dieser Aussage (ausnahmsweise muss ich ein UTube Video verlinken).

      https://is.gd/VgHT01

  53. Meldepflicht zu einem menschlichen Beitrag
    Ich liebe, Botanische Gärten zu erkunden.
    Dort ist der Rhythmus von wachsen und sterben in vielfältigster Natur zu beobachten.
    Einfach nur Danke.

    • @You made my day
      „…Es ist verschwunden aus unserem Blickfeld – das ist alles…“ – Richtig.

      Aber, eingedenk Ihrer Empfindung des „über-die-Schulter-Sehens“, ist auch das „Verschwunden-Sein“ „in uns“ kein wirkliches. – Da ich ähnliche Erfahrungen mit lieben Verstorbenen kenne, behaupte ich das mal so.

  54. Normalerweise habe ich es nicht mit Rappern. Aber dieser hier:
    ist eine Ausnahme:

    „Death is not the greatest loss in life. The greatest loss is what dies inside while still alive. Never surrender.”

    Beim Altwerden merke ich, wie viele um mich herum leider noch schneller sterben als ich. Nicht eher („die Einschläge kommen näher“) sondern schneller. Bei lebendigem Leibe.
    Never surrender!

  55. Passt natürlich wunderbar zum November.
    Neulich, in der FAZ, ein mutiger Artikel zu Krebs.
    Das ‚Anhalten und Anfeuern des Patienten bis zum letzten Atemzuge zu kämpfen‘ (meine Formulierung) ist nicht so durchgehend sinnvoll wie man manchmal denkt.

  56. Platz der Wolke 7 reservieren
    Wieder ein sehr schöner Beitrag…

    Ich habe – nach dem Tod meiner Mutter, dessen Urne im Grabteil meines vor langer Zeit verstorbenen Vaters beigesetzt wurde – schlicht die noch freie Seite gekauft.
    Wenn es sich nicht ändert, werde ich damit dort begraben, wo ich aufgewachsen bin. An der Küste.
    Alles andere ist auch geregelt.

  57. Blick aufs Leben verändert
    Das Leben ist der relevantere Teil der Veranstaltung.
    Der Tod ist nur Teil des Lebens wenn andere sterben.
    Mein Tod ist nicht Teil meines Lebens, er beendet es.
    Danach bin ich für nichts mehr zuständig,
    ich höre auf zu sein.

    Ich persönlich ziehe die Bestattung in einem
    Friedwald deswegen vor, weil sich niemand
    um die Grabpflege kümmern muss.
    Der Körper wird verbrannt und die Asche wird in einer Urne begraben.
    Hilfreich wäre vorher noch die Überlassung der Körpers
    einer Uniklinik zum Zwecke der ärztlichen Ausbildung.
    ggf als Deal: Ihr dürft an mir Üben, müsst aber die
    Bestattungskosten übernehmen.

    Zur Erinnerung der Autorin an die Feierlichkeiten:
    Diese hatten früher noch einen anderen Effekt.
    Man begegnete dort ggf dem nächsten Partner.
    Nicht notwendiger Weise für den Partner des Verstorbenen,
    für die anderen Sicherlich.
    Für den weiterlebenden Teil des Paares galt es
    ein Trauerjahr einzuhalten. Eine angemessene
    Frist wenn sie mich fragen.

    Die Qualität des Daseins nur dann zu prüfen
    wenn man über seine Endlichkeit nachdenkt
    ist m.E. grober Unfug.

    Ein gelungenes, einigermaßen glückliches
    Leben zu führen ist tägliche Übung.

    Man macht am besten das was man einigermaßen gut kann
    und versucht in den Bereichen die noch nicht gelingen, besser zu werden und versucht seine Fähigkeiten auf Dauer zu erhalten.

    Glück ist laut Goethe das begleitende Gefühl des Gelingens.
    Die Definition hat den Vorteil das sie beschreibt welchen
    Eigenanteil Glück haben kann. Sich von dritten (wie zufälligen Entscheidungen der Bundesregierung) abhängig zu machen
    ist heikel.

    Eine Schwierigkeit besteht darin das Menschen sich
    von Widrigkeiten ängstigen oder verunsichern lassen.
    Das wird dann zum Problem wenn man sich zunehmend
    nicht mehr Alltagshandlungen zutraut.

    Wenn man dann über den Tot nachdenkt sind das ggf schon
    Sterbefantasien die eine Vorstufe der Suizidalität sind.
    Dann sollte man sich Hilfen suchen, Ärzte können das
    hin und wieder tatsächlich.

    Für ca 10.000 Menschen in Deutschland wird die Vorstellung
    nicht mehr so (also ggf anders) leben zu müssen handlungsleitend
    und sie beenden ihr Dasein selbst.

    Zum sterben selbst.
    Wichtig wäre m.E. weitgehende
    Schmerzfreiheit und möglichst Beschwerdefrei atmen können.
    Leute die in der Palliativmedizin* arbeiten, können
    sicherlich Auskunft geben.

    Ein Grundsatz dort dürfte lauten:
    Wenn man dem Leben nicht mehr Tage hinzufügen kann,
    sollte man den Tagen mehr Leben hinzufügen.

    Denken sie also darüber nach wie sie leben wollen
    und fragen sie sich wie man die Widrigkeiten
    besser bewältigen kann.
    (Leute die E-Bikes kaufen wissen vermutlich warum
    sie das tun)

    Wenn sie über ihr Dasein nachdenken wenn sie sterben ist
    das etwas spät. Aber auch dann geilt der Grundsatz:
    Man lebt von Moment zu Moment.

    Leben sie wohl und sterben sie später.

    (Ich erinnere an Dons Grundsatz:
    Sozialunverträgliches Spätableben.)

    *Hospize sollten m.E. Fachabteilungen
    von Krankenhäusern sein da
    dort ärztliche und pflegerische Kompetenzen
    vorhanden sind. Narkoseärzte sind zB oft als
    Schmerztherapeuten tätig. Der Internist
    weis wie Atembeschwerden zu lindern sind.

    Wenn das Hospiz zu Weit entfernt ist müssen
    die Menschen unnötig lange auf Entlastung warten.

    Der einzige Grund warum man dies nicht macht
    sind die Kosten!
    Ein Hospiz am Rande der Stadt mit frisch ausgebildeten
    1 Jährigen pflegerischen Hilfskräften zu betreiben ist eine
    Unverschämtheit.

    ps Grundsätzlich sind die Hospize für Kinder nicht zu vergessen.
    Nicht alle 5 jährige haben die Chance ihren 10.
    Geburtstag zu feiern.

    • @ Klaus Keller
      Ein sehr guter Kommentar, man merkt, daß Sie in der Pflege gearbeitet haben. Für mich habe ich das kürzer zusammengefasst:
      Es gibt ein Leben vor dem Tod!
      Im vorletzten Satz des Originalbeitrags zeigt sich eine Uninformiertheit der Schreiberin.
      Es gibt viele Menschen wie mich, die einen großen Trost darin sehen, daß mit dem Tod alles vorbei, vergessen und vergeben ist. Die Vorstellungen von etwas „höherem“ oder gar einem „Leben nach dem Tod“ wären mir unerträglich.
      Grüße Uli

    • "Ich persönlich ziehe die Bestattung in einem Friedwald deswegen vor...
      …weil sich niemand um die Grabpflege kümmern muß.“ – Haben Sie eine Ahnung! Die besondere Verkehrssicherungspflicht in Friedwäldern (Wälder mindestens im Übergang von der Alters- zur Zerfallsphase, in die sachunkundiger Publikumsverkehr gezielt gelenkt wird) dürfte den Pflegeaufwand eines herkömmlichen Gräberfeldes weit übersteigen.

      Im übrigen gebe ich Ihnen insoweit recht, als den Verstorbenen nicht mehr zu kümmern braucht, in welcher Weise die Hinterbliebenen Abschied nehmen. Man muß jedoch nicht so weit gehen und annehmen, daß der Tote tot und außerdem gar nichts mehr ist und es also schlicht nicht mitbekommt. Auch dem auferstandenen Toten wird es vermutlich vollkommen egal sein, was mit seinem zurückgelassenen Körper geschieht. Die irdischen Maßstäbe einer schönen Leich‘ gelten für ihn nicht mehr. Insofern finde ich diese detaillierten Regieanweisungen für die eigene Trauerfeier reichlich albern. Manch einer mag die Trauergemeinde noch im Abschied düpieren, etwa mit einer befremdlichen Musikauswahl. Nein, die Beerdigung ist ganz und ausschließlich Sache der Hinterbliebenen. Sie entscheiden, wie’s gemacht wird, und sollten es so tun, daß sie am besten Abschied nehmen können. Und wer sich in dem Augenblick vom Schmerz überwältigt sieht, der nehme halt Zuflucht zu den traditionellen Riten. Genau dafür sind sie ja da. Feierliches Requiem und Beerdigung.

  58. Der Hauptstadtfriedhof als Spiegel der Gesellschaft,
    (Die Hauptstadtpolizei als Spiegel der Gesellschaft,faz.net v.Tage,Politik),
    daß dieser Witz mißglückt, weiss ich selbst.
    Dieser Spiegel ist für Zeitgenossen blind.
    Der weite weg zu Wolke sieben?
    Eine Spekulation über Verstorbene will mir nicht gelingen.
    Friedhöfe sind die windstillen Zonen im Auge der politischen Wirbelstürme.
    Im karibischen Meer mit den Antillen wohnen die Zeugen
    klimatischer Stürme.
    Uns lebenden Europäern wird die Abstraktion ausgetrieben?
    (Schreiben ist „böse“?) (z.B.Astrid Lindrgen war böse?)
    Die Erfindung der Schrift ist die Erfindung der Sklaverei.(Christian Delacampagne,Die Geschichte der Sklaverei).
    Erfunden ist erfunden.
    Das Bestatten ist älter als das Schreiben.

  59. Alles will geplant sein... Bayern kommen sowieso nicht in den Himmel...
    … aber das ist eine andere Geschichte, siehe Alois Hingerl, Dienstmann Nr. 172, tut sich doch niemand an, auch der Liebe Gott und Petrus nicht.

    Für die letzte Reise, wie wär`s mit einem Volvo P1800- liebevoll in Deutschland und der Schweiz“ Schneewitchensarg“ genannt.

    http://78.media.tumblr.com/559c686acbf2bf6444dde4183d804860/tumblr_neiz1wPHjq1rwc3yzo1_1280.jpg

    • Das letzte Hemd hat keine Taschen...
      …und das letzte Auto ist immer ein Kombi ;) Aber in pink? Ich weiß nicht.

      Eine von zwei Rappen gezogene Kutsche wäre mir lieber, als abschließendes, krönendes Finale. Da bin ich ausnahmsweise Ego.

  60. Spiritualität und die Frage woher kommen wir und wohin gehen wir
    Verehrte Phoenicia,
    sind Sie von der starken Resonanz zu diesem Thema überrascht? Ich glaube dass Spiritualität bald ein größeres Thema als das stark beackerte politische Feld sein könnte.
    Wie wir von Dr. Ulrich Warnke (mein Hinweis von 11. November 2017 um 13:15 Uhr) erfahren können soll es ja soweit führen dass wir als Gemeinschaft dies alles positiv verändern können.

    Machen Sie doch ein eigenes Blog dazu auf. Dass sie genügend Unterstützung hätten, sehen Sie ja jetzt. Schönes Wochenende.

  61. „Komm dei Zeit is um - geh mach ka Theater“
    Am Bildschirm vorbei schaue ich durchs Fenster in den Garten, in der Tristesse des Schnürlregens fällt das restliche Laub von den Haselsträuchern und eine letzte Rose, die der Rückschneidewut meiner Gattin entgehen konnte, blüht noch auf.
    .
    Derweil höre ich mir, passend zum Thema, EAV an. Nein, nein, nicht „Ding Dong“, Text mit der Renate, dem Petrus und der Himmelstür, sondern „Der Tod“ =>
    .
    http://www.songtexte.com/songtext/erste-allgemeine-verunsicherung/der-tod-13dcf5c1.html
    .
    „Es is zwölfe bei der Nocht, draußen geht a Sturm. Die Todenglocken leuten, scho wieda muas oana in die Grubn…….“
    Und mache ich den Lyrics-Text auf poppt da prompt eine Werbung für scharfe Lingerie auf (bon prix-ist me –Fühl dein Wow). Wenn hier Auge, Blut und Herz noch reagieren ist es viel zu früh um an den Tod zu denken.
    .
    Übrigens, uns geht kein Friedhof aus wenn wir bei Reisen zu Fuß unterwegs sind. Alte Marotte. Wie auch in jeder Kirche, die offen ist eine Kerze anzuzünden. In Italien, glaube in San Savino, durfte ich kürzlich ein erstmals ein batteriebetriebenes Modell entfachen (Nachhaltigkeit/Schutz der Wand-und Deckengemälde vor Ruß). Als Memento mori steht dort ein musealer Leichenwagen in der Kirche.
    .
    Der Wiener Zentralfriedhof mit seinen interessanten Grabinschriften (hier ruht die Oberlokomotivführersgattin / Schlachterinnungsmeistersgattin…) haben wir noch nicht besucht. Dazu heute am Martinitag, eine Grabinschrift in Tirol: „Hier liegt Martin Krug, der Kinder, Frau und Orgel schlug“ oder hier, ohne Bezug auf einen Heiligen aber mit Bezug zu einem regierenden Präsidenten: „Hier schweigt Johanna Vogelsang, sie zwitscherte ihr Leben lang“.
    .
    Wenn Sie übrigens dem gleichen Hobby frönen, so empfehle ich, sollten Sie einmal die Gegend um Nizza besuchen, sich den Cimetière du Cap-d’Ail – Cap-d’Ail, Alpes-Maritimes, bzw. in La Turbie mit Blick auf Monte Carlo anzuschauen. Für den nächsten Rom-Aufenthalt ist auch schon wieder fest der Besuch auf dem Cimiterio Acatholico an der Cestius-Pyramide eingeplant. Wir waren schon so oft dort, dass wir glauben ein Auslassen würde Unglück bringen.
    .
    Aber wissen Sie, verehrte Frau Pukke, was ärgerlich ist? Ärgerlich ist, dass ich das gleiche wie hier vor ca. 2 Std. schon einmal weggeschickt hatte und nach 10 Std. Abstinenz ich erklärt bekam, dass ich zu schnell schreibe. Ich dachte Don hätte das ausmerzen lassen.
    (DdH)

    • Kurze Zwichenmeldung: Ich beharre da immer wieder drauf und werde auch jetzt wieder sofort reklamieren.

    • An DdH - Schreibtechnik
      Verehrtester vom Neckar,
      ich schreibe meine Kommentare immer zuerst auf Libre-Office in aller Ruhe, kopiere sie dann hier ein. Klappt immer.

    • Palermo
      Wenn Sie schon dabei sind: Die Tiefgewölbe des Kapuzinerklosters
      in Palermo sind absolut sehenswert. Sie sind mit einer großen Zahl
      vertrockneter Bürger Altsiziliens aufs Dekorativste bestückt.
      Ich war unter Anderem mal mit einem portugiesischen Kollegen dort
      unten. Er entfleuchte nach wenigen minuten upstairs:er könne
      unmöglich länger bleiben.
      Übrigens besuchte Goethe in jeder neuen Stadt die er kennen lernte,
      zuerst den Kirchturm, dann den Friedhof.
      Das ergab Orientierung.

  62. Ars moriendi bavarica
    Ein sehr schöner Beitrag, Don!
    Ich habe ihn gleich einer Social Media-Freundin, die ihren sterbenskranken Mann pflegt, empfohlen.
    Der beglückendste Beitrag aus Bayern zur Lebens- und Sterbekunst („Alles hat seine Zeit“) ist für mich der „Brandner Kaspar“ – nicht nur wegen der Perspektive eines vielversprechenden Jenseits.

  63. R.I.P.
    Vorhin bekam ich die Nachricht, dass die Mutter meiner Schwiegertochter tot ist. Sie sei im Flur gestürzt, der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Ob evtl. erst ein Schlag und dann der Sturz erfolgte, oder umgekehrt, müssen die Kinder noch erfragen.Ein 2. Arzt stellt den Totenschein aus.

    Gestern war sie am Telefon gut drauf und freute sich,an ihrem Geburtstag nächste Woche,die ganze Familie zu sehen.Für die Hinterbliebenen ist das ein Schock, ich beneide sie um den schnellen Tod mit fast 88 Jahren.

    • as I said
      Och, Philomena, mein Beileid an alle. Wie ich aber sagte: Er bringt alles durcheinander, wartet nicht einmal auf den Geburtstag.
      Aber 88 ist doch gnädig.

    • Danke, Herr Oberländer.
      Die Kinder haben mich grad aus dem Auto angerufen,sie sind auf dem Weg ins Schwäbische. Da kommt ja auch noch die Polizei ins Spiel. Ihr Freund, der zum Essen eingeladen war, fand sie.

      Ganz viele vergessen ja, wie schnell alles ganz anders sein kann. Mir fällt das täglich ein.Was glauben Sie, wie es für unsere Familie war, als mein Mann an einem 23.12. ging…

      Vor 3 Jahren rief ich morgens eine gute Bekannte an und merkte sofort, dass etwas nicht stimmte. Auf meine Frage sagte sie, dass ihr Mann um 06:00 Uhr neben ihr einen Sekundentod erlitten habe.Da sucht man nach Worten.

  64. Dank
    Dann Dank an beide – der Autorin Antje-Susan Pukke und Don, der den Platz bereit gestellt hat.

  65. Titel eingeben
    Ein Beitrag der mir aus dem Herzen spricht. Es gibt Dinge hinter dem Schleier auf der anderen Seite die wahr sind. Selbst erlebt.

  66. Titel eingeben
    Ausgezeichnet!

  67. Adeo Bernard sagte am 11. November 2017 um 14:39 Uhr
    „An DdH – Schreibtechnik….“ Danke, mache ich sonst bei höherer Kommentarfrequenz auch. Aber dieses Mal hatte ich tags zuvor um 19:04 zum letzten mal gepostet.

  68. Da kann man nichts relevantes hinzufügen....
    Aber es ist schön, in diesen Zeiten mal was Positives über den Glauben zu lesen. Zwei Jahre habe ich damit verbracht, mit einem Psychologen über meine Traurigkeit zu reden. Dann habe ich ihm gesagt, dass ich mich wegen meines Glaubens nicht umbringen werde. Dazu fiel ihm ein: „Dann hat das ja endlich auch mal einen Nutzen“. An diesem Tag wurde die Therapie entbehrlich.

  69. Diesseits
    Nachdem ich noch über die Lieblingsalben ein wenig verwundert hinweggelesen hatte, mußte ich spätestens als ich bei Ludwig Hirsch angekommen war, noch einmal zum Anfang zurückscrollen, um zu gucken, ob das nicht vielleicht doch mal wieder ein Gastbeitrag ist oder ob sich tatsächlich mit dem Novemberregen unerwarteter Weise ein Schatten über die Seele des sportlichen alten weißen Mannes gelegt hat…

    Faszinierend fand ich eine geraume Zeit lang Raymond Moody’s ‚Leben nach dem Tod.‘ – Ein Bekannter von mir ordinierte vor einigen Jahren in Burma in einem buddhistischen Kloster, als wir uns vor einiger Zeit einmal wieder trafen und über die Unterschiede der Sammlung als Mönch und der Sammlung als Laie in der Meditation austauschten, kam er auf jenes ‚Licht‘ zu sprechen, das auch die Sterbenden bei ihrem Übergang sehen…

    Für ihn war es eine das gesamte Sein durchwirkende Wirklichkeit des Geistes, kein Jenseits, eher eine Immanenz, die nur vor uns verborgen zu sein scheint, solange wir diese Schleier um unsere Wahrnehmungsfähigeit herum gebunden tragen…

    Mit Gedanken an die eigene Endlichkeit ist dieser Immanenz nicht beizukommen, mit Denken ist jenes alldurchstrahlende Licht nicht einzufangen.

    Wir Hiesigen, in den Schleiern des Diesseits Verfangenen, so wer wir uns auch bemühen über existenzielle, ‚tiefe‘ Themen nachzudenken und uns auszutauschen, so bleiben wir doch immer im Oberflächlichen stecken, stoßen wir allenfalls mit unserem ‚Glauben und Fürwahrhaltenwollen‘ hinab in die Tiefe.

    Womöglich ein Spiegelbild der Armut unserer Kultur, die weder die Menschen auf ein der geistigen Welt gefälliges Leben, noch die Seelen auf die ihnen unweigerlich bevorstehende Reise fortzubereiten weiß.

    Gerade so, als hätte es nicht zu allen Zeiten Menschen, Wegweiser, Überlieferungen gegeben…

  70. WEITERMACHEN
    packen wir das Diesseits an, es gibt viel zu tun………..das hinterlassen uns der Berliner Dorotheenstädtische Friedhof und Herbert Marcuse…………

    https://de.wikipedia.org/wiki/Friedhof_der_Dorotheenst%C3%A4dtischen_und_Friedrichswerderschen_Gemeinden#/media/File:Dorotheenst_Friedhof_Marcuse.jpg.

    wird nicht die deutsche Seele in November etwas schwer belastet: Allerheiligen, Totensonntag, Volkstrauertag, Buß- und Bettag !

    sollten wir es nicht – manchmal halt auch – mit W. Abros halten:

    es lebe der Zentralfriedhof………………
    der Moser singt´s Fiakerlied, und die Schrammeln spü´n an Woiza.

    jetzt wäre ein YouTube-Link einfach Spitze !

    • „wird nicht die deutsche Seele in November etwas schwer belastet"?
      „Allerheiligen, Totensonntag, Volkstrauertag, Buß- und Bettag“

      Als ob damit nicht genug wäre, drohen am kalendarischen Horizont der Nikolaustag, Weihnachten, Silvester, Neujahr, Drei Könige …

      Die Frage nach der Existenz einer „deutschen Seele“ bleibe hier unbehandelt, ebenso die Auseinandersetzung mit praktischen Problemen wie „wohin mit den Rudern“ z.B.
      Stattdessen bei youtube etwas Georg Kreisler vielleicht: „Was tut man um zu sein“ oder „Der Tod muss ein Wiener sein“.

      Beim „Abfahren“ oder die „71er nehmen“, wie die Wiener das Sterben nennen, gilt: „S’wird schöne Maderln geb’m, und wir wer’n nimmer leb’n. Hollodoro! Hollodoro!“

      Es endet alles und alle enden im Zentralfriedhof und der ist, laut Weana Schmäh, halb so groß wie Zürich aber doppelt so lustig.

  71. Hass auf den Tod?
    Lieber Herr Oberländer, da liegen Sie nicht richtig.
    Einem mächtigen Gegner darf nie den Gefallen tun, sich zu seinem
    Anti zu machen, ihn zu hassen und ihn mit schreiender Wut anzugehen.
    Das ist ein absoluter Grundsatz aller asiatischen Kampfkünste.
    In bedrohlichen Krankheiten, sagt Nietzsche, hilft nur absoluter
    Fatalismus.
    Ich habe das im vergangenen Frühjahr erlebt, als ich tagelang mit
    dem Tod tanzte, ja tanzte, mit einer Freude wie sie das Tanzen eben macht.
    Ich bin heute noch von den Socken, daß es so etwas wirklich gibt.

    • .
      Is that all there is?
      Is that all there is?
      If that’s all there is my friends, then let’s keep-
      I know what you must be saying to yourselves.
      “If that’s the way she feels about it why doesn’t she just end it all?”

      Oh, no, not me.
      I’m in no hurry for that final disappointment.
      ‘Cause I know just as well as I’m standing here
      talking to you,
      That when that final moment comes and I’m breathing
      my last breath
      I’ll be saying to myself-
      Is that all there is?
      Is that all there is?
      If that’s all there is my friends
      Then let’s keep dancing
      Let’s break out the booze and have a ball
      If that’s all there is

      Thomas Manns Erzählung „Enttäuschung“
      inspirierte den Verfasser dieses Songs.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Entt%C3%A4uschung_(Thomas_Mann)

    • Kollege Meergans
      „Einem mächtigen Gegner darf nie den Gefallen tun, sich zu seinem
      Anti zu machen, ihn zu hassen und ihn mit schreiender Wut anzugehen.“
      .
      Klasse!

  72. Auf unseren Reisen immer auch Friedhöfe besucht...
    … gibt eine Einblick über Leute, die dort leben und ihre Denkweise.
    Zwei mal kurz herausgegriffen
    Key West * :
    https://www.keywesttravelguide.com/key-west-cemetery-map-self-guided-tour/

    Boothill Graveyard
    https://en.wikipedia.org/wiki/Boothill_Graveyard_(Tombstone,_Arizona)
    Grab von : George Johnson, with epitaph „Here lies George Johnson, hanged by mistake 1882. He was right we were wrong. But we strung him
    up and now he’s gone.“

    * nichtt vergessen hier auch noch vorbeizuschauen.
    https://en.wikipedia.org/wiki/Ernest_Hemingway_House

    Zum Schluss noch kurzer Einblick bei den ehemaligen Kopfjägern auf Borneo,
    Wir haben dort mit ihnen einige Tage verbracht , auf die jagd gegangen, mit Blasrohr u. Gewehr ( nicht wir, sondern die Iban).
    Eine Art Hörnchen mit dem Blasrohr im Dschungel vom Baum geholt und abends verspeist. Nächster Tag Jagd Krokodiljagd vom Boot aus im Dschungel, wurde auch verspeist.
    Ihren gestorbeneb Angehörigen geben sie alles mit auf die Grabstelle, was sie besonders gemocht haben. Altes Kofferradio, Fernseher usw.
    ( Strom haben sie aus staionären Dieselmotoren).
    https://de.wikipedia.org/wiki/Iban_(Volksgruppe)

  73. Gegenteil von Tod > Geburt
    Der Muttermainkutter titelte heute:

    „In Deutschland kommen so viele Kinder auf die Welt, dass das Elterngeld nicht reicht. Jetzt mussten offenbar Millionen Euro zusätzlich bewilligt werden.“

    Na, dann is ja doch jut. Ich war schon in Sorge! – Wie Adenauer damals schon sagte: „Kinder bekommen die Leute immer…“

  74. antiker Grabspruch
    Vor ungefähr fünfundzwanzig Jahren fand ich im Feuilleton der F.A.Z einen umrandeten, mit „Bp.“ gezeichneten Text:

    Das Dasein

    Römische Grabinschrift, nicht als Rätsel für die Nachlebenden, sondern als Mitteilung der sichersten Gemeinsamkeit mit ihnen, die keiner Entschlüsselung bedarf:

    N F F N S N C

    Doch sollte der Spruch noch solche erreichen, die zwar seines Sinnes inne, nicht aber seiner Sprache kundig sind:

    NON FUI, FUI, NON SUM, NON CURO

    „Bin nicht gewesen, bin gewesen, bin nicht mehr, keine Sorge.“

  75. Die Vorsorge vor den Tod mit Textsorten und dem Zahnarzt - für "Hanne" und "Raute"
    Heute bei wechselhaften Wetter auf der Autobahn. Auf der Gegenfahrbahn standen die Autos. Viel Blaulicht. Aber es wird so schlimm nicht gewesen sein. Im Autoradio brachten sie darüber nichts.

    Vorher ein paar stimmungsvolle Tage mit Laubfärbung und einem erstmaligen Treffen von Studenten, deren Hochschule nicht mehr existiert. Einige Kommilitonen waren schon vorher verstorben.

    Und nun Sie, Frau Pukke und der Blog, über das Sterben und das richtige Leben damit und davor – und dem Traum von Wolke 7.

    Zu Paul Gerhardt und Ludwig Feuerbach schweiften die Gedanken und die Texttrostsuche…

    Aber,
    immer wieder schoben sich „Hanne“ und „Raute“, zwei ehemalige Friedhofskollegen in Ostberlin, vor die Paul-Gerhardt-Lieder, die mir – für das Liegen nach dem Tod – eine Spruchweisheit, eine Patientenverfügung der besonderen Art, mit auf den Lebens-Weg gaben:

    Verärgere nie den Totengräber – einen Goldzahn solltest Du mindestens im Maule haben. Sorge vor.

    Hanne selber hatte keinen, der Magendurchbruch wg. Alkohol war schneller als der Weg zum Zahnarzt.

    Autofahrer korrespondieren zwar anders mit der Statistik als Trinker.

    Aber die Vorsorge und die Patientenverfügungen sollten nicht auf die lange Bank geschoben werden. Es hilft – vielleicht – bei der Affektkontrolle vor der Todesangst, solange noch Leben in einem ist.

    – Vielen Dank für den unvermuteten Vorsorge-Erinnerungs-Text an diesem „Ort“.

    • Organspende
      Ich bin 100%-iger Befürworter der Organspende, hatte selber einen Ausweis (zu alt inzwischen) und ärgerte mich damals sehr über den von der Lü…enpresse an den Haaren herbeigezogenen sogenannten „Organspendeskandal“.

      Damals war es üblich, dass von zwei Organen, die einem Spender entnommen wurden, eines am Ort der Entnahme bleibt und einem Patienten auf der lokalen Liste des Hauses zugute kommt und das andere über die Organisation „Eurotransplant“ irgendwo in Europa einem passenden Empfänger eingepflanzt wird.
      Damit wollte man erreichen, dass der, der die ganze Arbeit mit den Angehörigen und der Organentnahme hat, auch irgendetwas Positives davon hat. Sonst nimmt der die Organe heraus und wenn er Glück hat, sagen die, die sie mitnehmen, noch „Dankeschön“ und lassen ih mit einer Leiche und trauernden Angehörigen, nicht zu sprechen von den Wartelisten der Organempfänger, die jedes Haus ja selber hat, einfach stehen.
      Ob die mehrstündige Operation „Organentnahme“ von irgendjemandem bezahlt wird (rein rechtlich ist der Patient bereits tot), wage ich zu bezweifeln.
      Dieses Vorgehen war also ein Motivationsfaktor und seit es abgeschafft wurde, gehen die Zahlen der Organspende (nicht die der SPENDER), erwartungsgemäß zurück.

      Dann wurde noch behauptet, dass Privatpatienten öfter Organempfänger wären und kürzere Wartezeiten hätten, als Kassenpatienten und das ganze wurde dann zu der Behauptung zusammengemauschelt, die Organe würden unter der Hand an Privatpatienten „verkauft“.
      Das ganze wurde verstärkt durch die damalige Gesundheitsministerin, Ex-KBW-Mitglied und Pol-Pot Fan Fischer und ihren SPD-Kosten-Einsparungsgott aus Köln, der dem ganzen einen wissenschaftlichen Anstrich gab.

      Sieht man sich die echten Statistiken an, dann kam jeder Patient, egal wie versichert, in der Reihefolge des Einganges, auf eine Warteliste.

      Diese wurde streng so abgearbeitet, wie sie war. Wenn aber ein Privatpatient auf Platz 10 und 20 dieser Liste stand, dazwischen standen Kassenpatienten, dann kam es häufig vor, dass alle Kassenpatienten bereits verstorben waren und die Plätze 10 und 20 waren auf einmal „1“ und „2“.

      Daraus gab es eine statistische Häufung der Organtransplantation an Privatpatienten und den Eindruck, Kassenpatienten müssten länger warten, weil die, die neu dazugekommen waren, jetzt auf den Plätzen dahinter standen.

      Das das Ganze eigentlich ein Skandal der Kassenpatienten war, spezifisch der miesen Behandlung, die diese erfahren, verbunden mit einer viel höheren Sterblichkeit auf den Wartelisten, das können sie von einer machtgeilen Gesundheitsministerin und einem publicitysüchtigen Einsparfritzen nicht erwarten, dass die das zugeben. Da liegt ein klarer Interessenkonflikt vor und so haben die sich auch verhalten.

      Die linksorienterte Presse mit ihrem pathologischen Hass auf (privatversicherte) Reiche hat das Ganze dann zu dem bekannten Skandal hochgemotzt.

      Den Fehler zu finden, das braucht 5 Minuten, aber dazu muss man sich die Zahlen anschauen. Lieber verschwendet man 10 Stunden, um sich über den Ausdruck „Lügenpresse“ und „staatsgesteuert gleichgeschaltet“ zu mokieren.

    • Ich glaube, ich habe da gerade ein nächstes Thema für einen Artikel entdeckt. Ich habe selbst einmal vor Jahren eine Reportage gemacht über Organspende. Ich könnte sie fortschreiben. Hmmmm.
      Danke jedenfalls für Ihre Schilderungen.

    • Nüchternheit geboten und Forschungsgelder
      Die Organspende wird irgendwann ein alter Hut sein, wenn die Stammzellforschung weit genug ist, Gott sei Dank. Ich bin jederzeit für die Lebensspende einer Niere innerfamiliär, die Knochenmarkspende scheitert oft am passenden Spender, findet aber ansonsten auch statt. Ansonsten gibt es ja auch noch das Kunstherz. Die Leber wird manchmal kaputtgesoffen, das weiß aber der Säufer vorher.
      Die Linse im Auge kann schon ersetzt werden.

      Mütter und Väter von sterbenden Kindern oder Motorradfahrern zu bedrängen, halte ich für unethisch.

      Ich selbst hofe, dass das Thema irgendwann obsolet ist und man die Leute in Ruhe lässt. Außerdem halte ich Anatomiekurse am 3 D-Modell für vollkommen ausreichend. Es ist ein schönes Kränzchen dort an der Leiche, man lernt sich kennen. Aber lernen tut man nicht die Welt, wenn man drei Monate einen Fuß auseinander nimmt. Meine über 90 Prozent im Physikum in dem Fach waren zu hundert Prozent aus dem Waldeyer und dem Benninghoff auswenidg gelernt. Das Sezieren bringt nicht die ganzen Knochen, Nerven und Muskeln in den Kopf, vor allem nicht die ganz kleinen.

      Die Forschung und Digitalisierung werden beides ethischer gestalten, daher betrachte ich das extrem nüchtern.

    • Organspende II
      Das sollte eigentlich einen Kommentar weiter unten stehen, unter Philomenas Beitrag.
      Aber ich glaube, es geht auch so.

  76. " Gloria felicis olim….."
    „Was die Zierde einst war glücklich blühende Jugend, ist dem trauernden Greis Trost jetzt in schlimmem Geschick“ (Boethius)
    .
    Da der gelehrte Herr aus dem 5/6. Jh. natürlich nichts vom Binnen“i“ des frühen 21. Jh. ahnen konnte, füge ich dem Spruch natürlich auch die ebenfalls betroffene Greis*n zu.
    .
    Dulce et Decorum est ……ach, wie sollen wir es damit halten, wenn im Vaterlande seit geraumer Zeit Menschen ihr Leben lassen müssen, die sich noch eher selten mit der Vergänglichkeit auseinandergesetzt hatten und noch länger als gute Gastgeber für die Miserablen dieser Welt zu dienen vorhatten?
    .
    Wie in dem jüngsten Fall, bei dem der Mutterkutter zwar eine Kommentarfunktion eingerichtet hat. Diese aber hartnäckig auf „Null“ bleibt. Daher, liebe F.A.Z.-Kommentatoren, nehmen Sie sich zurück mit Ihren Aussagen, lassen Sie efeugleich Lobeshymnen auf Einwanderungspolitik und innere Sicherheit ranken….Allez-y
    (DdH)

  77. der weite weg zu wolke sieben
    Unsere KK hat vor einigen Wochen meiner Familie Organspendeunterlagen zugeschickt.Dies wird noch offen diskutiert.Mich würden da die Meinungen von Mitforisten interessieren?

    • Ich habe letztes Jahr mitbekommen,
      wie pietätvoll das bei einem Mittfünfziger zuging, der seine Organe zur Verfügung gestellt hat. Die Angehörigen wurden lange einbezogen und durften beobachten.Für die Hinterbliebenen war es da ein Trost.

      Meinen Ausweis habe ich vor 2 Jahren entsorgt, weil ich inzwischen zu alt bin.

    • Wenn Sie schon fragen ...
      Eine interessante Frage, wirklich, die weiterer Diskussion bedarf.

      Früher war ich bewust mit einem Organspender-Ausweis herumgelaufen, damit jemand noch etwas von mir haben kann, wenn ich nicht mehr bin.

      Seit einigen Jahren laufe ich mit dem gegenteiligen Ausweis durch die Gegend. Ein Grund gegen Organspenden könnten die notorischen Bestechungsvorgänge in den grossen deutschen Kliniken sein.
      In meinem Falle sieht das anders aus. Mit (mittlerweile) Gesichts- und gar Kopf-Transplantationen (gibt es eigentlich ausserhalb von ‚Frankenstein Junior‘ auch Penis-Transplantationen?) wird mir die ganze Szene zu geschäftsmässig.
      Welche Philosophie steht dahinter?, könnte ich fragen. Ist ein Mensch, dem Auto ähnlich, ein physisches Konstrukt, wo man statt des Getriebes irgendwann das eine oder andere Organ auswechselt? Mit Skalpell statt mit Schraubenschlüssel?

      Darüber hinaus sehe ich keine Gleichbehandlung. Im Gegenteil. Transplantationsmedizin wird deutlich die Bevölkerung unterscheiden: In diejenigen für die sie zur Verfügung steht, pekuniär. Und diejenigen, für die sie unerreichbar ist und bleiben wird.

    • @Herr Dippel: Organspende
      Ich halte es ebenso. Es sind Interessen vorhanden, es ist Geld vorhanden.
      Ich verzichte auch gern darauf von chinesischen ihrer Strafe zugeführtrn Delinquenten ein Organ zu bekommen. Fake news: wer weiß schon genau, was alles mit den Migranten und ihren Organen passiert?

      Sowohl Transplantations- als auch Reproduktionsmedizin sind in meinen Augen, betrachtet man auch das Drumrum, eher schmutzig als heilstiftend.

      Tod: Ich kann nicht damit umgehen und muss verdrängen, ich empfinde auch keine morbide Lust an irgendwelchen begleitenden Ritualen .

      Alle mir lieben Menschen, die jetzt „mit den Mücken fliegen“, wie meine vor mittlerweile vor 3 Jahren vertstorbene Mama gesagt hat, werde ich nie wieder sehen.

      Richtig grausam muss es sein, wenn der eigene Nachwuchs vor der Zeit, sprich: vor einem selbst abtritt.

      Nicht, dass ich länger leben möchte, aber mit dem Tod ist auch eine gewaltige Sinnlosigkeit verknüpft, die an den Grundfesten meines Seelenlebens rührt.

      „Vergeh und werde“ spendet mir keinen Trost.

      Habe lange in allerlei theistischen und atheistischen Religionen nach
      spirituellen erleichterungen gesucht – allein: umsonst.

    • Interessant, Nahuatl, sehr interessant!
      ich finde das sehr interessant, dass es das gibt, und frage mich, wie sich das anfühlt, und irgendwie beschreiben Sie es ja:
      „Nicht, dass ich länger leben möchte, aber mit dem Tod ist auch eine gewaltige Sinnlosigkeit verknüpft, die an den Grundfesten meines Seelenlebens rührt.

      „Vergeh und werde“ spendet mir keinen Trost.

      Habe lange in allerlei theistischen und atheistischen Religionen nach
      spirituellen erleichterungen gesucht – allein: umsonst.“

      Für mich ist es besonders interessant, weil ich auch gerade in diesen drei Aspekten offenbar genau die gegenteilige Erfahrung gemacht habe.
      Vielleicht aber mir das Ganze schon deshalb leichter fiel, weil ich noch nie wirklich Angst vor dem Tode hatte. Sondern wirklich nur panische Angst vor der Vorstellung damit einhergehender Schmerzen.

    • @Nahuatl,
      es mag inzwischen so sein.In meinem Dorf hier gibt es jemanden, der seit 18- 20 Jahren mit einem Spenderherz lebt.(Ich müsste ihn anrufen)Er ist GKV- versichert.

    • WIDERSPRUCHSPAPIERE UNBEDINGT IN JEWEILIGER LANDESAMTSSPRACHE MITFÜHREN!!!
      Selbst wenn Sie bis zu Ihrer nächsten Auslandsreise (Transitländer (Notlandeflughäfenländer) gehören ebenfalls dazu!) Ihre Entscheidung für oder gegen Ihre Ausschlachtung noch nicht getroffen haben, sollten Sie auf jeden Fall beachten, dass anderenorts oftmals ausdrücklicher Widerspruch erkennbar sein MUSS:

      Andere Länder, andere Sitten

      Ob ein frisch Verstorbener bei Eignung zum Organspender wird, hängt allein von den Transplantationsgesetzen des Landes ab, in dem sich dieser aufhält. So kann es in manchen Ländern passieren, dass die Angehörigen über die anstehende Organspende informiert werden, aber keinerlei Einspruchsmöglichkeit haben. Hier ein internationaler Vergleich mit Schwerpunkt Europa:

      Erweiterte Zustimmungsregelung: Der Verstorbene muss zu Lebzeiten einer Organentnahme zugestimmt haben (i. d. R. Organspendeausweis). Alternativ können die Hinterbliebenen entscheiden. Diese Regelung existiert unter anderem in Australien, Dänemark, Griechenland, Großbritannien, Irland, Niederlande, Schweiz und USA.

      Entscheidungsregelung: In Deutschland wurde die Entscheidungslösung am 25. Mai 2012 im Bundestag verabschiedet. Sie gleicht im Wesentlichen der „erweiterten Zustimmungsregelung“, nur dass Krankenversicherte zu Lebzeiten zu einer Entscheidung pro oder kontra Organspende aufgefordert werden.

      Erweiterte Widerspruchsregelung: Der Verstorbene ist automatisch Organspender, wenn er zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat. Allerdings können Angehörige eine Organentnahme ablehnen. Diese Regelung ist unter anderem in Belgien, Finnland, Japan, Norwegen und Russland in Kraft.

      Widerspruchsregelung: Hier ist ein Verstorbener automatisch Organspender, sofern kein Widerspruch ( d. R. in der Amtssprache) dokumentiert ist. Angehörige müssen weder informiert werden noch haben sie ein Einspruchsrecht. Dies gilt unter anderem für Italien, Luxemburg, Österreich, Portugal, Slowenien, Spanien, Tschechien und Ungarn.

      Informationsregelung: Sie ähnelt der Widerspruchsregelung. Hinterbliebene haben kein Einspruchsrecht, müssen aber über eine Organentnahme informiert werden. Diese Regelung besteht unter anderem in Frankreich und Schweden.
      Einige Länder, die eine Widerspruchslösung praktizieren, führen sogenannte Widerspruchsregister, z. B. Frankreich, Italien, Spanien und Österreich. Dort können auch Ausländer zu Lebzeiten ihren Widerspruch gegen eine Organspende dokumentieren. Sofern Sie die Rechtslage zu Organspende an Ihrem Reiseziel nicht kennen, sollten Sie von der Widerspruchsregelung ausgehen.

      Weiterführende Informationen

      Organspendeausweis herunterladen oder bestellen (BZgA)
      Organspende schenkt Leben (BZgA)
      Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO)
      Gesundheitsministerium Frankreich – Informationen zur Organspende
      Gesundheitsministerium Italien – Informationen zur Organspende
      Gesundheitsministerium Spanien – Informationen zur Organspende
      Widerspruchregister Österreich

    • Sehen gehen
      Schauen Sie sich einfach mal die jungen Leute an, die dreimal pro Woche zur Dialyse müssen und wie die aussehen, wenn nach dem Aufwachen aus der Narkose wieder eine funktionsfähige Niere haben.
      Die haben ein zweites Leben geschenkt bekommen umd wenn Sie das einmal gesehen haben, stellen Sie solche Überlegungen, das heisst, keine Organe zu spenden, nicht mehr an.
      Schlimm genug, dass ein Leben verloren geht, aber damit kann man wenigsten noch ein anderes wieder beginnen.
      Stattdessen in Sichtweite von denen, die sie wirklich brauchen, die Nieren und die Leber von den Maden fressen zu lassen, halte ich gelinde gesagt für asozial.
      Diesen Dialysepatienten hilft es auch nicht, wenn in 20 Jahren die Organe aus Stammzellen zusammengezimmert werden können. Deren Leiden ist heute. Und es war gestern. Und in 20 Jahren sind sie tot.
      Und wenn man keine Ahnung hat, zum Beispiel, dass Alkoholiker, die ihre eigene Leber zusammengesoffen haben, nicht auf die Wartelisten für Organtransplantationen kommen, genauso, wie Kettenraucher, die nicht aufhören können, keine neue Lunge bekommen, dann sollte man solche Bemerkungen nicht machen.
      Und das mit dem Kunstherz können Sie nicht ernst meinen. Ich hatte vor kurzem einen jungen Mann mit Kunstherz, der zuhause gestorben war, weil er das Ladegerät vergessen hatte, einzustecken.
      Wissen Sie, was Sie aus Ihrem Leben alles streichen müssen, wenn es von der Verfügbarkeit einer 220-V Steckdose abhängt?

    • Wenn schon Widerspruch, denn schon Widerspruch
      Liebe Frauke, wenn Sie schon Widerspruchszettelchen in allen Sprachen mit sich führen, damit niemand ihr kostbares Organ-Eigentum anfasst, haben Sie dann auch einen dabei, der ausschliesst, dass sie Spenderorgane bekommen, falls Sie mal eines brauchen?

    • Gehört eher hierher
      Nüchternheit geboten und Forschungsgelder
      Die Organspende wird irgendwann ein alter Hut sein, wenn die Stammzellforschung weit genug ist, Gott sei Dank. Ich bin jederzeit für die Lebensspende einer Niere innerfamiliär, die Knochenmarkspende scheitert oft am passenden Spender, findet aber ansonsten auch statt. Ansonsten gibt es ja auch noch das Kunstherz. Die Leber wird manchmal kaputtgesoffen, das weiß aber der Säufer vorher.
      Die Linse im Auge kann schon ersetzt werden.

      Mütter und Väter von sterbenden Kindern oder Motorradfahrern zu bedrängen, halte ich für unethisch.

      Ich selbst hofe, dass das Thema irgendwann obsolet ist und man die Leute in Ruhe lässt. Außerdem halte ich Anatomiekurse am 3 D-Modell für vollkommen ausreichend. Es ist ein schönes Kränzchen dort an der Leiche, man lernt sich kennen. Aber lernen tut man nicht die Welt, wenn man drei Monate einen Fuß auseinander nimmt. Meine über 90 Prozent im Physikum in dem Fach waren zu hundert Prozent aus dem Waldeyer und dem Benninghoff auswenidg gelernt. Das Sezieren bringt nicht die ganzen Knochen, Nerven und Muskeln in den Kopf, vor allem nicht die ganz kleinen.

      Die Forschung und Digitalisierung werden beides ethischer gestalten, daher betrachte ich das extrem nüchtern.

    • Titel eingeben
      @Frauke Amgelin 13.11 10:33
      danke Ihnen
      Die Wahrscheinlichkeit für den Eintitt des Hirntodes im Ausland ist zwar gering, doch vorhanden. Skilaufen kann einen direkt auf den Ö-OP-Tisch führen.

      Halb-OT möchte ich etwas anmerken. Christiaan Barnaard hat mich als jungen Menschen begeisert, als er (obwohl er) das Herz entzauberte. Heute bin ich sehr skeptisch geworden und lehne fpür mich ab.

      Zum Ersten bedauere ich, daß dieser Geist aus der Flasche gelangte. Im Westen entwickelt wird weltweit transplantiert. Schauderhafte Geschichten über Sinai, Ägypten, China muß ich wohl in diesem Kreis nicht auuführen.

      Zum Zweiten glaube ich, daß in D und weltweit mit den verfügbaren Arztstunden und Mitteln andere Eingriffe und Behandlungen mehr Nutzen stiften. Die gerechte Verteilung von Organen bezweifle ich zwar, doch stößt mich das nicht zu sehr ab.

      Zuletzt habe ich Sorge, als Spender nicht mehr so versorgt zu werden, wie ich es wünsche. Ich könnte als hirntoter Spender länger „frisch“ gehalten werden.

      Zustimmen würde ich zu einer Spende von Niere, Knochenmark oder Lebertelen zu Lebzeiten an mir nahestehende Empfänger.

      Viele Behandlungen werden überschätzt. Die Zahl der Überlebenden nach zwei Monaten ist oft nicht so groß. Die OP und die Immunsuppression können die Lebensqualität auch senken. Wobei ich mir nicht anmaßen mag, die deinzelnen MonatexQualität abzuwägen für Andere.

    • Nicht jede, die ein Organ bräuchte, bekommt eins. Sie kommt nicht mal auf die ominöse Liste,
      wenn sie nicht einige hübsche Kollateralbedingungen erfüllt.

      Die Verkäufer oder eher wohl Käufer, die mir einst einen solchen Deal schmackhaft machen wollten, bekamen immer längere Gesichter (bis zur Rasurbezahlbarkeitsgrenze), als ihre Fragen bezüglich Meinersonstigeneigenschaften in meinen Antworten ihnen immer mehr „gelebte Asozialität“ (die zu ändern ich ablehn(t)e) offenbarten. Ergebnis: Organ – ich krieg eh keins, also geb ich keins – so einfach mach(t)e ich mir das.

      Jetzt „amisyre“ ich mich mit meiner zweiten Raumforderung und deren Folgen – damit sind die Themen Ausschlachtgenehmigung und/oder Einpflanzung wohl endgültig durch…

    • Gegebenenfalls noch ein mehr oder weniger großer Fetzen Haut, und unbenutzte,
      weil im Kieferknochen liegendeingewachsene, Weisheitszähne – aber immer bei eigenem Lebenserhalt. Alles sonst ist keine Spende mehr, sondern bloß noch Metzgerei.

    • @ Frauke Amgelin
      Vielen Dank für die ausführlichen Informationen.Ich werde sie meiner Tochter geben. Das war bestimmt sehr Zeitintensiv für sie.

  78. nur zwei dinge
    Nur zwei Dinge (wie jene von G.Benn) :

    Es fällt auf, dass die Zahl der Zuschriften sprunghaft ansteigt, wenn es um allgemeine, im Grunde oberflaechliche Themen geht, wie Sex, Umwelt, Grüne. Doch wenn es ans Eingemachte geht, an das was wirklich wichtig ist, Leben und Sterben, die Basis unseres Daseins, haben anscheinend viele Mituser kein Interesse (oder sie haben Furcht), sich damit ebenso eifrig auseinander zu setzen. Bösartige Zungen könnten daraus schließen, dass es Ausdruck der Spaßgesellschaft und Ausdruck des ständigen Meckerns über alles, nur nicht über sich, sei.

    Zum zweiten, Organspende:

    Ich habe mich vermacht. Der Universität. Aus Dankbarkeit. Die Ärzte haben mir sooft geholfen, nun will ich wenigstens nach dem Tod ein bisschen zurück geben, damit angehende Ärzte an mir lernen können wie es funktioniert, das helfen.

    Der frühvollendete Georg Trakl hat ein wunderbares, ein so am Tod Hautnahes Gedicht geschrieben, dass ich nicht zitiere (es kann jeder selber goggeln). Der Titellautet: „Auf den Tod einer alten Frau“. Doch zwei Zeilen will ich bringen:

    „Und kost mit müder Hand ihr weißes Haar
    Und fragt mit fahlem Blick: Muß ich schon gehn?“

    Ich meine, darin ist alles beschrieben. Das lange leben. Die viele Arbeit. Die körperliche Müdigkeit. Die Innerlichkeit, die noch jung ist und leben will und die etwas entsetzt fragt „…schon…?“

    • Vielen Dank für den Kommentar, insbesondere für den Hinweis auf Trakl. Ich sollte wieder einmal etwas von ihm lesen.
      Ansonsten: Ich selbst hätte gar nicht mit so vielen inspirierenden Kommentaren gerechnet. Der Tod, der ist ja auch ein sehr intimes Thema.

    • @ Thomas Marx
      Bei den letzten Organspendeskandalen haben doch Ärzte die Laborparameter ihrer
      Patienten „frisiert“,um sie auf der Liste nach oben zu bekommen.

      Der Patient mit dem künstlichen Herzen ist ein tragisches Schicksal, aber er hatte immerhin eine 2.Chance

      Anfang der 90iger Jahre habe ich in einem Dialysezentrum ( Krankenschwester ) gearbeitet.Ja die Patienten sind alle mittlerweile verstorben,auch die Patienten,die eine Spenderniere erhalten hatten.Schlimm fand ich die Aussagen bei super Motorradwetter „heute könnte es Ersatzteile geben“.Die Patienten haben menschlich natürlich erstmal an sich gedacht,ich fand es befremdlich.Man wünschte anderen Menschen den Tod.

    • Liebe Manuela
      ein hypothetisches Beispiel: sie sind Arzt und behandeln seit 5 Jahren eine junge Patientin mit terminaler Niereinsuffizienz, die auf ein Spenderorgan wartet.
      Dazu muss sie bestimmte Kriterien erfüllen, das heisst, die anderen Organe sollen gesund sein.
      Sie nehmen also seit 5 Jahren regelmäßig Blutproben, bestimmen das Blutbild, die Leberwerte SGOT und Gamma-GT (müssen beide unter „10“ sein, Leukos dürfen nicht erhöht sein).
      Ist immer alles im Normbereich.
      Jetzt hat man einen Spender gefunden und Sie nehmen das präoperative Labor ab. Die SGOT ist 11.
      Was machen Sie: Patientin von der Liste streichen, OP absagen, oder die SGOT, die 5 Jahre lang <10 war (das heisst: zwischen 2 und 9 hin- und her pendelte) auf "9" frisieren (zur Info: Leberkranke haben 500 oder höher)?
      Entscheiden Sie das selbst.

  79. Der Tod ...
    Ich bitte Fr. Pukke und den Don ❤️, um Verzeichung, dass diesen Artikel nicht gelesen habe, da ich meine Gründe dazu habe. Meine Schwiegermutter, nicht zufrieden mit einer türkischstämmigen Schwiegertochter hat mir das Leben, in meiner Anstrengung ein intaktes Familienleben zu führen, ziemlich und heftig schwer gemacht. Dabei bewunderte ich sie. Mochte sie, ihre Bildung, eine der wenigen Frauen, die nach dem WWII, mit einem Doktortitel (Chemie) da standen, ihre Forschungsarbeiten und Patente, ihr Geschmack, ihre Art Empfänge zu organisieren, ihre Kultivierheit. Trotz all ihrer Erniedrigungen, habe ich immer darauf geschaut, was ich von ihr noch lernen und übernehmen kann. Sie war eine faszinierende Persönlichkeit und hat mich geprägt ohne zu wissen, dass sie es tut. Aber irgend wann mal wurde es mir zu viel das alles zu ertragen, sie mit ihren zwei Haushälterinnen gegen mich, da habe ich ein sabbetical genommen, in Istanbul, für eine Zeitlang, wo ich mich in Sufismus eingearbeitet “ habe. Tod und Auseinandersetzung mit dem Tod war ein zentrales Thema. Der Tod war jeden Tag irgendwie ein Thema. Dabei hat der Tod zweierlei Bedeutungen, einmal das physische Ausscheiden aus dem Leben und der Tod im sufistischem und biblischem Sinne, d.h die Befreiung des Individuums von jeglichen egobezogenen Gefühlen. Wie auch immer, nach so viel Beschäftigung mit dem Thema Tod, habe ich weder Angst noch Scheu, aber genug davon …

    PS. Ich vermisse Fr. ObjectBe, Tamarisque und würde mal den lieben Don, den Harry Charles, Oberländer, Melursus, DdH, Django, Tico, v. Goslar, Otto Moser persönlich kennenlernen, obwohl, da ich all die Genannten, in meiner Vorstellungswelt so ziemlich idealisiert habe, auch Angst vor Enttäuschungen habe …

    Wie auch immer, ein ❤️ Gruss an alle …

    • Sufismus wäre die Rettung
      Nett.
      Es ist recht selten, dass Studierte nicht irgendwann die Kurve kriegen mit Schwiegern. Am Anfang ist das ja noch verständlich, wenn dann daran gearbeitet wird

      Sufismus ist ja wohl die Mystik des Islam und sehr innig. Sufisten wurden oft verfolgt, wenn nicht, wäre diese Religion unpolitischer und in bedeutend besserem Zustand. Hafiz ist wunderbar, ein ganz reicher Bettler. Die meisten kenne ich aus Persien.

      Hat die Türkei auch Sufisten, türkische Sufisten?

    • Details
      Bis heute werden sie von Salafisten verfolgt:

      So gilt er (Sheikh Adi) nunmehr als Reformer des Yezidentums und wird, obwohl eigentlich ein Moslem, von Yeziden als Heiliger verehrt. Lalish, der Ort an dem nach yezidischer Vorstellung die Erde fest wurde, ist yezidisches Heiligtum und Grabstätte des Şexadi. Da es aus der Zeit vor Şexadi praktisch keine schriftlichen Überlieferungen aus dem Yezidentum gibt, ist nur bekannt, dass der yezidische Glauben selbst viele mystische Elemente enthält und enthielt. Şexadis Vorstellungen ergänzten die ältere yezidische Religion und haben noch immer Bestand.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Sufismus#Al-Ghazali_.281058.E2.80.931111.29

      Die BuReg hat gemütlich zugesehen. Christen und Yeziden. Dann kriegt sie ein schlechtes Gewissen und nimmt Label-Syrer auf, unter die sich alles mit dem Etkett Syrer mischt, was Grund zum Abdampfen hat. Als man es merkt, ist es zu spät. Das ist schlechte Politik.

      Die Perser selbst kann ich nicht einordenen wegen unterschiedlichen Einschätzungen der heutigen Politik. Unter Kyros II ließen sie die Opfer der babylonischen Gefangenschaft frei und gaben weitgehende Autonomie.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%B6nizier

      Grüße an Phöniza!

    • Ach, @ El.Pe. wo Sie gerade schon mal da sind...
      …ich muß Ihnen sicher nicht sagen, dass es auch in Istanbul genügend Friedhöfe anzuschauen gibt. Auch wenn die, die da ruhen von der anderen Feldpostnummer waren. Bei unseren langen Wanderungen von Yenikapi entlang des Bosporus mit ambulanten Teepausen und Halts in einem der Fischrestaurant zwischen Kumkapi und Cankurtaran (?) entlang des Goldenen Horn bis nach Eyüp, auf dessen Friedhof der Polyglott ausdrücklich hingewiesen hatte, konnten wir eine Friedhofskultur feststellen, meist neben Moscheen, die unserer kaum nachsteht.
      .
      Mit der Lotrechten der Grabstelen hapert es öfter mal, aber diese mangelnde Akkuratesse schiebe ich einmal auf die häufigen Erdbeben (wobei die Minarette gerade wie eine Eins stehen). Obwohl, wenn ich mir so die Gärten und selbst gebauten Gartenlauben vieler Ihrer Landsleute hier so anschaue, kommt Zweifel auf, ob der Gebrauch von Richtschnüren und Wasserwagen überall Gang und Gäbe ist. Besser konditionierte Türken ordnen die windschiefen Gecekondus immer den Anatolien zu.
      .
      Und wie ist das jetzt eigentlich mit der Wolke Sieben? Das frage ich die Autorin dieses Beitrages. Werden den Muslimen eine eigene Wolke zugewiesen, denn die Zahl Sieben wird nicht überall als Glückszahl gesehen, (zudem Priemzahl). Beim heutigen Stand der Beziehungen zw. Christen und Muslimen sähe ich auf einer gemeinsamen Wolke 7 erhebliches Konfliktpotenzial, was sich ja an der aktuellen Streiterei bezüglich der Friedhofsordnungen mit gesonderten Gräberfeldern- ersehen lässt (Leintuch oder Kiste/Dose-angemessener Abstand oder nicht?). Denn die sog. christlichen „Kartoffeln“ werden von der „Religion des Friedens“, wenn es um das gemeinsame Liegen in Erde, die erst einmal noch dem rechten Glauben zugeführt werden muß, nicht mehr als jene Erdfrucht betrachtet sondern erlebt die mentale Metamorphose zum unreinen Tier.
      .
      Btw, nach zwei Türkeireisen haben wir diese touristische Destination aus unseren Reiseplänen gestrichen. Vielleicht kommt da ja mal wieder ein Normalo ans Ruder.
      (DdH)

    • @Oberländer
      ‚ hat die Türkei Sufisten ‚ ?

      Im Sufismus geht es ja darum, in einer allgemeinen Akzeptanz darüber, dass alle Menschen einer Quelle stammen, wo rassistische Unterschiede keine Rolle spielen sollen, eine Weltordnung zu finden … Eine Weltbruderschaft der Menschen, es geht darum in Menschen, die wir begegnen die Herzenswünsche zu definieren …
      Rumî der größte Sufi, der die Türkei hervorgebracht hat … Die Iraner sagen, er sei ein Iraner, aber er stammt von Belh/Afghanistan, wo türkische Völker leben und ist nach Anatolien eingewandert, ist ethnisch Türkisch.

    • @DDH
      Ich meinem Mann aufrgetragen, dass ich auf seinem Familiengrab in Tirol, hoch oben auf den Bergen begraben werden möchte, obwohl meine Familiengruft in Istanbul, gemessen an immowerten eine viel noblere Ruhestätte darstellt. 10 Quadratmeter im Wert von einer halben Million US Dollar.

    • Danke für die Grüsse !!!
      Aber irgendwas scheint faul zu sein, der kleine Italiener hat im Nachbarblog etwas angedeutet (Einstweilige Verfügung,pfui).
      Wenn es an dem ist, Gute Nacht Deutschland und Meinungsfreiheit.
      An alle Beteiligteten ( Die Kläger werden einen Sch.. tun, schämt Euch ! )! Haltet das Banner der Freiheit hoch, gegen wahre Hetze und Zensur sowie für unabhängige Medien.
      Frau Pukke, ihr Beitrag in allen Ehren, wir wollen den Blog-Gott himself, gern wieder an der Tastatur ärgern wollen.

    • Wer ist „wir“?

  80. Upps ...
    Habe den Gampskampler in der Liste vergessen und den lieben Herren Meergans und Peter Bernhardt und Sylter456 und den Onkel …

  81. @ Frau Pukke, vor 08:00 Uhr(?) abgeschickt. Verloren gegangen oder
    nicht genehm?

    Gloria felicis olim…..
    „Was die Zierde einst war glücklich blühende Jugend, ist dem trauernden Greis Trost jetzt in schlimmem Geschick“ (Boethius)
    .
    Da der gelehrte Herr aus dem 5/6. Jh. natürlich nichts vom Binnen“i“ des frühen 21. Jh. Ahnen konnte, füge ich dem Spruch natürlich die Greis*n zu.
    .
    Dulce et Decorum est ……ach, wie sollen wir es damit halten, wenn im Vaterlande seit geraumer Zeit Menschen ihr Leben lassen müssen, die sich noch eher selten mit der Vergänglichkeit auseinandergesetzt hatten und noch länger als gute Gastgeber für die Miserablen dieser Welt zu dienen (z.T. zähneknirschend) vorhatten.
    .
    Wie in dem jüngsten Fall, bei dem der Mutterkutter zwar eine Kommentarfunktion eingerichtet hat, diese aber hartnäckig auf „Null“ bleibt („eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr…). Daher, liebe F.A.Z.-Kommentatoren, nehmen Sie sich zurück, lassen Sie efeugleich Lobeshymnen auf Einwanderungspolitik und innere Sicherheit ranken….Allez-y
    (DdH)

    • Faz lässt Bezahl-Kunden nicht bezahlen
      Die verehrte Phoenicia möge mir bitte verzeihen dass ich anlässlich unseres Französisch-kundigen über die Technik vergrämten DdH mich der Kritik anschließe.

      Vor einem Jahr wollte ich am E-Kiosk eine FAS-Ausgabe wegen eines interessanten Interviews erwerben. Die Bezahl-Funktion über Amazon funktionierte nicht. Nach einer Woche gab ich auf, auch eine mail an die Faz bracht nichts (welchen Browser nutzen Sie).

      Seit gestern versuche ich wegen es Messner-Interviews die neue FAS zu kaufen. Diesmal kommt man nicht mal bis zur Bezahlfunktion, schon beim Klicken auf den Button „in den Warenkorb legen“ geht nix. Mein PC ist ok, alle Webseiten funktionieren nur die Faz weigert sich beharrlich einen zahlenden Kunden anzunehmen. Na, hoffentlich reicht es noch für Phoenicias und Don’s Honorare. Ich hab getan was ich konnte.
      Schönen Sonntag.

    • Ich habe gerade nachgefragt und warte auf Antwort.

  82. An Don oder das Feuilleton FAZ
    Lese gerade die Börne-Preis-Rede von Florian Illies aus „gerade war der Himmel noch blau“.

    Auf Seite 229 steht:
    „Er (Börne) schreibt am 24. Juli 1807 einen bedeutenden „Brief an den Vater“, doch der verhallt wie jener, zweihundert Jahre spätere, berühmtere, den Kafka……

    Es muss wohl 100 Jahre heißen. Sowas wie Kafka haben wir leider nicht mehr zu bieten.

    Vielleicht möchte jemand den Autor darauf aufmerksam machen, dass sein Lektor da müde war.

  83. Aber klar doch, Herr Oberländer;
    Die Türkei beherbergt schon seit alters her Sufis. Dieser wirklich ganz
    inniglich fromme und deshalb auch gewaltlose Orden stammt aus der
    Türkei und er hat seinen Mittelpunkt in Konya. Hier nennt man das oft
    “die tanzenden Derwische”, was unziemlich daneben ist. Mit ihren
    schwingenden Drehtänzen, völlig in sich versunken, feiern sie eine Art
    mystische Vereinigung mit dem göttlichen Kosmos.Sie kultivieren und
    pflegen eine sehr berührende Musikalität mit Instrumenten und Gesang.
    Aus ihrer Hirten und Nomadenzeit führen sie als einzige muslimische
    Musikkultur noch die Trommel mit sich. Ein feiner und gedämpfter
    Trommelschlag, mehr hingetupft als geschlagen, ist typisch bei ihrem
    Musizieren.Auch sehr wichtig in ihrer Musik ist die Ney Flöte mit ihrem
    ätherisch-verhuschten Klangbild. Etwas vom eindrucksvollsten in der ganzen Weltmusik.
    Den weltlichen Herrschern war dieser Bektashi-Orden oft ein dicker
    Kloß im Hals, weswegen diese gewaltlosen Gottsucher öfters schwere
    Verfolgungen erleiden mußten.
    Scholl-Latour beschreibt, wie die Sufis durch ihre konspirative Tätigkeit
    zum Fall des Sowjetsystems beitrugen.
    Soviel zum türkischen”Beitrag” zum Sufimus.
    Die Türken haben ihn “erfunden”.
    Und er unterscheidet sich vom Salafismus wie eine Nutte von einer Nonne.

    • Wer sich der Welt der Sufis zunächst behutsam annähern will, ohne gleich die zuweilen...
      …beschwerliche Reise an die Originalschauplätze zu wagen, dem seien die Filme „Takva“ und „Bab’Aziz“ empfohlen. Der erste führt in die Türkei und gewährt einen Blick in das Leben eines Sufiordens unter den Bedingungen der Moderne, entbehrt dabei trotz dem philosophischen Hintergrund nicht einer gewissen Komik. Der zweite ruft mit seinen herrlichen Wüstenbildern ein nordafrikanisch-orientalisches Kolorit auf, ist aber weitgehend in persischer Sprache gehalten und zeigt die vor allem die mystisch-märchenhafte Seite des Sufismus.

    • Dürfte ich eine Sache korrigieren ? LieberHerrMeergand
      Der Orden der tanzenden Derwische, von Rumi’s Sohn ist kein Bektaschi Orden. Der Herr Haci Bektaschi Veli hat seinen eigenen Orden gehabt. Die beiden waren jedoch Zeitgenossen …
      ❤️liche Grüße …

  84. LieberHerrMeergans
    Mir gefallen Ihre Vergleiche nicht so sehr. Dass der türkische Sufismus sich unterscheide vom arabischen Salafidmus, ist wahr. Aber für mich gibt es kein Unterschied zwischen Nutte und Nonne. Beide sind im Dienste des Mannes !!!

    • Bezüglich der Nonnen müssen Sie noch einmal nachdenken.
      Was den Sufismus angeht: der entstand aus den christlichen Mönchsklöstern in den vom Islam eroberten vormals christlichen Regionen. Der Sufismus ist so friedfertig und uns so sympathisch, soweit er christliche, nicht islamische Quellen hat.
      .
      Klingt bitter, aber der Sufismus ist kein Modell für einen friedfertigen Islam, sondern eher eines dafür, wie friedfertige Menschen trotz Islam (eine Weile) überleben können.

    • Kein schöner Vergleich,
      das gebe ich zu. Aber ich mache zwischen diesen beiden Arten zu leben
      sehr wohl einen gewaltigen Unterschied. Nonnen haben sich dem Dienst
      an lhren Mitmenschen verschrieben.Aus Liebe zu ihrem Gott und seinen
      Geschöpfen. So geht jedenfalls deren Narrativ. Nutten machen die Beine breit für Geld, ganz banal und sind emotional scheintod dabei.
      Fromme Sufis leben ebenso der Liebe zu ihrem Gott und seiner Schöpfung.

      Salafisten und dergleichen sehen sich als Soldaten, sowie Henker an
      allen welche sie als Ungläubige definieren.
      Sie tun das im Dienste eines Propheten,( der Titel ist von äußerst
      zweifelhafter Provenienz ). Dieser Prophet hat seinen Arabern den
      Aiimächtigen
      Gott, den Herrn der Welten, ganz engstirnig als Obersten Kriegsherrn
      und unglaublich kleinlichen Vorschriftenmacher und Frauenfeind
      dargestellt. Die Araber, unerhört simple Wüstenbewohner damals, haben
      ihrem Anführer das aus der Hand gefressen. Sie haben nicht gemerkt.
      daß ihnen ein reichlich blasphemisches Gottesbild untergejubelt wurde.

      Es gab aber Menschen, die ahnten Gott ist viel, viel mehr als ein Warlord
      und Blutrichter und Frauenfeind. Gott würde sich
      in seiner erhabenen Majestät auch niemals dazu herablassen, Homos
      zu hassen und mit dem Tode zu bedrohen. So etwas Verqueres überließ
      er den Hitlers und den Salafisten et.al.Das haben die Sufis begriffen.

    • @Rabe
      Es fällt mir wirklich schwer Ihnen darzulegen, warum ich keinen Unterschied sehe zwischen den beiden Existenzformen. Zumindest kann ich Ihnen versichern, dass ich beiden Gruppen gegenüber ziemlich vorurteilsfrei stehe, es ist schlussendlich egal wer, was einer ist, es kommt lediglich darauf an, ob er sich benehmen kann oder nicht und ehrlich dabei ist. Bei den Sumeren übrigens und in ihren Tempeln gab es ‚Nonnen‘ die sexuelle Belohnungsdienste an Gläubige geleistet haben.

      Der von den Türkengeprägte Sufismus hat seine Wurzeln nicht im Christentum, sondern in Buddhismus, eine unserer vorherigen Religionen. Das habe ganz klar und deutlich gesehen als ich das Rumi Museum in Konya besucht habe. Und hier ein Schwenker zum aktuellen Blogartikel vom Don ❤️, mit den schönen Kellen, in der Küche von dem Sufiorden seines Sohnes. Der Koch des Ordens hat eine zentrale Rolle, wie der Tenzo im Zen Buddhismus. Vor allem bei der Bestimmung der neu aufzunehmenden Mitglieder. Ihre Kleidung, die schwarzen Roben, sehen fast identisch wie die Roben von Zenmönchen. Und und …

      Die Sufis in der Türkei haben auch Christen und Gläubige anderer Religionen als Mitglieder angenommen.

      Frau Rabe, Sie können dem Sufismus nicht vorschreiben, dass er ausschließlich christliche Werte annehmen und beinhalten soll, so dass er Ihnen gefällt. Er steht irgendwie über alle Religionen, es sind da andere Kriterien im Spiel, wo auch die Religion (en) ziemlich unbedeutend sind …

    • Hochgeschätzte El. PE.
      Da ist bei mir, mangels genauer Kenntnis, ein Synapsenkurzschluß
      passiert. Ich danke Ihnen für die Korrektur.
      Mit herzlichem Gruß!


  85. Das Todesthema machte mich etwas besorgt, weil ich Angehörige über 80 habe, bei denen man nie so recht weiß… aber, siehe da, ein neuer Todesfall letzte Woche, eine Mieterin, deren Lebensgefährte vor 2 Monaten verstorben ist…

  86. Zauberberg
    Ich konnte dem Thema, offen gestanden, zunächst wenig abgewinnen. Nicht, weil es mich nun gar nichts anginge, im Gegenteil, aber ich hielt – pardon – das Format für ungeeignet.

    Nach der Durchsicht von inzwischen 217 Leserkommentaren muss ich einräumen, dass die Autorin und ihre Leser so etwas wie einen kleinen Zauberberg geschaffen haben, einen respektablen Zauberhügel mindestens, für Ungeübte nicht ohne Weiteres zu erradeln.
    Etliches erinnert an Manns meisterliche Persiflage bürgerlicher Erfahrungen mit Leben und Tod, dramaturgisch geschickt und wie für die Bühne gerafft, beschränkt auf engen Raum und knappe Zeit.

    Das Anekdotische, die vielen, oft skurrilen Gestalten, die weltentrückten Figuren, das gelegentlich groteske Personal, der „Verein Halbe Lunge“ usw. usf. – während der an Settembrini (!) erinnernde Deus ex Machina sich vornehm zurückhält und nur eingreift, wenn über Bezahlmodalitäten und widerborstige Kommentarfunktionen gestritten wird, oder wenn sich unter den „Patienten“ „Zanksucht, kriselnde Gereiztheit und namenlose Ungeduld“ einstellen.

    Das Leben, diese Krankheit zum Tode, in der laut Dr. Krokowskis nichts als „verkappte Liebesbestätigung und alle Krankheit verwandelte Liebe“ zu erkennen ist, diese „Mischung von Tod und Amüsement“ mündet – im Roman – zunächst in Stumpfsinn, um am Ende vom Donnerschlag des „Weltfest des Todes“ geweckt zu werden.

    „Schneeträume“ und Erinnerung an Castorps Mahnung, das Wissen um den Tod nicht zu verdrängen, aber um der Güte und Liebe willen dem Tod keine Herrschaft einzuräumen über die Gedanken und – Vorschlag zur Güte – vielleicht wieder mal Schuberts „Lindenbaum“ anhören?!

    • .
      Passt auch:
      Thomas Manns Erzählung „Enttäuschung“
      https://de.wikipedia.org/wiki/Entt%C3%A4uschung_(Thomas_Mann)

    • @ Dunque
      „Thomas Mann „Enttäuschung“

      Ja, genau! Der Leser und Kommentator dargestellt im Bild des Flaneurs auf der Piazza, der sich seinen Selbstgesprächen hingibt.
      In der Summe oder im Summen zahlreicher Selbstgespräche am Ende doch so etwas wie ein Gespräch, der unerwartete Nutzen aus der bekennenden Absicht des Gastgebers, bloß plaudern zu wollen.

      Danke für den Hinweis!

    • Literatur
      Nur als Ergänzung:
      Ausser dem Spruch eines Rappers (weiter oben) habe ich auch Dylan Thomas sehr ins Herz geschlossen:

      „And death shall have no dominion.
      Dead man naked they shall be one
      With the man in the wind and the west moon;
      When their bones are picked clean and the clean bones gone,
      They shall have stars at elbow and foot;
      Though they go mad they shall be sane,
      Though they sink through the sea they shall rise again;
      Though lovers be lost love shall not;
      And death shall have no dominion.“

      Ich finde das jeweils sehr ermutigend, und furchtlos.
      Insbesondere sagt es (wenigstens mir), dass der Tod nur genau die Bedeutung hat, die wir ihm zugestehen.

    • @ Dippel
      „When their bones are picked clean and the clean bones gone“

      Yep, was für eine triumphale Auflehnung gegen das Unvermeidliche!

      Man muss die Zeilen laut sprechen, damit sie ihre großartige Wirkung entfalten – oder sich bei YT eine der zahlreichen Versionen vortragen lassen. Es muss ja nicht gerade die von Richard Burton sein.
      Tipp: Howard Marks oder der erschütternde Vortrag von Peter Capaldi in Field of Blood.

    • Danke.
      Da gebe ich Ihnen völlig recht: Die Leserinnen und Leser haben da in ihren Kommentaren einen ganz besonderen Zauber geschaffen. Ihr Kommentar gehört da auch dazu. Und ich höre gerade „Winterreise“.

    • @Uwe Dippel
      Der Leichnam des begnadeten Dichter-Alkoholikers Dylan Thomas wurde nach seinem Tod in einem Boot nach Laugharne überführt, von seiner Frau Caitlin, sitzend auf dem Sarg. Beide kämpften mit den Wogen, im Tod wie im Leben.
      Seine Verse und sein Spiel mit Stimmen, Under Milkwood, gehen unter die Haut.

      […]
      And we have come
      To know all
      Places
      Ways
      Mazes
      Passages
      Quarters and graves
      Of the endless fall
      […]
      Die Sanduhrform des vollständigen Gedichts hier:
      http://allenginsberg.org/2017/09/w-s-20/

    • @Lichtenberg
      Besten Dank! – Mit Under Milkwood bin ich zwar gross geworden, aber diese Darstellung kannte ich noch nicht.

      Zumindest hat er irgendwie doch einen Nobelpreis bekommen, weil sich ein gewisser Robert Allen Zimmerman aus Verehrung den Namen von Dylan Thomas aneignete.

  87. die einzige Erinnerung an Swans Welt,
    Großmutter richtet sich im Bett auf, sieht sich unruhig um, ob ich im Zimmer bin, und sagt dann: Adieu meine Tochter, adieu für immer.

  88. Mein schwarzer Anzug .....
    Ist in den letzten sieben Tagen oft von mir benutzt worden. Ein Onkel, eine Tante. Da ich einer Großfamilie entstamme, ist die persönliche Nähe nicht so da gewesen aber das Bewusstsein, zusammen zu gehören. Beide haben ein langes, reiches und erfülltes Leben gehabt. Das tröstet. Aber es ist auch die Generation. Die den Krieg noch erlebt hat, den Mangel.
    .
    Schön an Beerdigungen ist das Beisammensein. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, mit seinem Pfarrer zu plaudern oder entfernt lebende Verwandte zu treffen? Auch das hilft.
    .
    Im Grunde sind Beerdigungen Therapien für die Lebenden: Einzel-, Gruppen- und Familientherapie.

    • Therapien... schon, aber...
      Beerdigungen zeigen einem auch die eigene Vergänglichkeit. Als Bub war ich an der Hand meiner Mama, als die Oma und der Opi runtergelassen wurden. Bei der Beerdigung der Eltern standen wir inzwischen Erwachsenen direkt vor der Grube, und keine(r) mehr „dazwischen“, und so geht alles seinen zeitlichen Gang. Jedenfalls bei mir war und ist es so. Sehr individuell, die Gefühle, beim Sterben (der Anderen).

  89. @ Thomas Marx & Uwe Dippel
    Ich möchte etwas klarstellen. Meine Mutter hatte damals keine Patientenverfügung und meine Tochter hat das auch nie behauptet.
    Ihre Omi war nun tot und sollte es auch bleiben. Sie war einfach nur entsetzt, dass man versuchen wollte, sie zu reanmieten.

    Schmunzelnd erzählte meine Tochter ein Jahr vorher von einem Krankenbesuch bei ihrer Oma. Diese hatte eine Lungenentzündung und kam ins Krankenhaus.Die Ärzte sagten mir, dass ich mit allem rechnen müsse.Meine Tochter saß da am Bett und beobachtete ihr Ömchen, wie die interessiert an die Decke schaute, als ob ein Film da oben ablief. Plötzlich drehte sie ihren Kopf zu ihrer Enkelin und sagte: Nee, da will ich nicht hin…

    Ich schrieb das, weil weiter oben wohl eine Notarin eine Verfügung eher ablehnte, wie ich es verstand.Selbst habe ich eine, auch Vollmachten für meine Kinder sind notariell beglaubigt und liegen an zentraler Stelle.

    • Nette Geschichte, Philomena
      Nur, also ich frage mich das, was wäre denn ‚da‘ gewesen? Himmel? Etage darüber? Meistens sich die Leichen doch im Keller … .
      OP? Pflegeheim?
      Oder war es ein schnöder Fernseher, auf dem gerade ein Bericht aus Sanaa gezeigt wurde?

    • Herr Dippel,
      es war die Decke eines normalen Krankenhauszimmers, sie hatte, wie ich schrieb, eine Lungenentzündung.

  90. Alte Hüte neu diskutieren
    Das ist die Zukunft:
    University of Stanford, Virtual Dissection Table:
    https://med.stanford.edu/news/all-news/2011/05/body-image-computerized-table-lets-students-do-virtual-dissection.html

    Übrigens ist das auch extrem wichtig für Universitäten in islamischen Ländern, weil sich dort niemand zur Verfügung stellt. Falls wir wieder mehr beten gehen sollten insgesamt, wie die Kanzlerin ja vorgeschlagen hat, wird das hier auch immens wichtig.

    Außerdem ist es neben modern bedeutend ästhetischer, man hat auch muskulösere Modelle, an denen man mehr sieht. An diesen armen alten Leuten kriegt man manche Muskeln gar nicht mehr seziert, so atrophiert sind die. Der ätzende Formalingeruch fällt weg. Vermutlich werden auch die Computer- und Kernspintomographie in solches Teaching integriert werden. Das ist die Zukunft. Viel besser in diesem speziellen Fall!

  91. Verflixte Tablet - Tastatur:
    reanimieren

  92. Das Leben ... das Sterben ... und der Tod ...
    liebe Frau Pukke,

    danke dass Sie daran erinnern …

    … wie Tico sehr richtig anmerkte, ist es nicht leicht darüber zu schreiben – man möchte speziell bei diesem, sehr intimen und sensiblen Thema seinem „Gegenüber“ in die Augen schauen – seine Gefühle „lesen“ können.

    … daher melden sich vermutlich weniger Leute zu Wort als üblicherweise.

    mein Bruder wählte einst den Freitod – gerade mal 34 Jahre jung – (den Begriff „Selbst-Mord“ finde geradezu abartig anstößig und verletzend – nur im deutschen Sprach-Gebrauch findet man diesen martialisch verletzenden Ausspruch …

    wer als Familie davon betroffen ist, weiß wovon ich spreche – es ist entsetzlich, als Schwester eines „Selbst-Mörder´s“ beglotzt zu werden –

    … mein Vater verstarb nur 3 Jahre später mit gerade mal 58 Jahren. Er wurde mit 17 Jahren zum „Kregsdienst“ eingezogen – kam in russische Gefangenschaft und kehrte erst Ende 1949 nach dem Verlust seiner sudetendeutscher Heimat alleine auf sich gestellt – krank an Körper und Seele – nach Süd-Deutschland zurück.

    Das hat mich geprägt in meinem Denken und Handeln – vielen wird es ähnlich gehen …

    mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen …

    darum – nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben …

    geh´heiter und freundlich deine Wege –
    sorge dich um deine Lieben –
    danke der Sonne für ihre Wärme und ihr Licht –
    genieße jeden glücklichen kleinen Moment …

    … nur der Mensch der nicht gelebt hat, fürchtet sich vor dem Tod …

  93. Autor
    Dachte schon, das hätte der Meyer selbst geschrieben … Aber soviel Emphatie kriegt der nicht hin ;)

    Dann hätte ich jetzt hämisch gesagt:
    Wow, Rainer Meyer stimmt Silke Burmeister von der TAZ zu, dass Selbstverwirklichung der einzig gangbare Weg ist!

    Apropos:
    Ist der Tod eines Familienangehörigen von einem syrischen Flüchtling gleich viel Wert, wie der eines biodeutschen Staatsbürgers?
    Weil das kommt so in den anderen Texten von Rainer Meyer eher nicht so zur Geltung, wenn er von „Balkanroute“ oder „Schleuserbanden“ spricht.

    Aber das hängt ja auch alles nicht zusammen gell?
    Tod und Trauer als Fluchtursache?
    Oder gar als Radikalisierungsursache?

    Iwo, lieber Merkel die Schuld die Shculd geben, ist einfacher.

    • Am Anfang
      der Geschichte, die Sie andeuten, steht zuerst die Überbevölkerung, also der massenhafte Vorgang, der den Tod überhaupt erst einläutet.

    • Aus der Montanunion in die Momentanunion;
      biodeutscher Staatsbürger,das ist das,was 1916 vor Verdun und an der Somme untergepflügt wurde. Soll ich mich vor dieser Selbstachtung verneigen? Eine Einladung nicht nur an Bedrohte, sondern auch an alle widerliche Frechheit.
      Berliner Scherzeugeniker.

    • ach Gottchen, ein kleiner Neider
      Ist der Tod eines Familienangehörigen von einem syrischen Flüchtling gleich viel Wert, wie der eines biodeutschen Staatsbürgers?

      Nein, und während er dort unten lebt, ist der unsere für ihn weniger wert. Bleiben Sie mal auf dem Teppich, Mann: Sowohl der Deutsche als auch der Syrer bemitleiden und betrauern zuerst mal ihre Familienangehörigen.

      Und was den Don betrifft: Wenn er auch noch anfängt, in dieses moralin-ich werf-mich-weg-gehör mir nicht-samariter-Gesäusel einzufallen, braucht man ihn dann nicht mehr zu lesen, denn davon gibt es inzwischen genug, Kirche in Redaktionsstuben satt, der linke Klon des Barmherzigen Samariters, womit natürlich Jesus verringert werden soll. Und Kirchen.

    • Tode sind sich alle gleich
      Aber daß es “ dem Flüchtling „. nicht paßt, neben mir beerdigt zu werden,
      weil er unter der Zwangvorstellung leidet ich sei ungläubig und unrein,
      das ist mir in der Seele zuwider. Für solche Leute habe ich mich nicht
      krummgelegt mein Leben lang, damit die auf meine Kosten ein gemachtes
      Bett hier vorfinden.
      Eine Regierung welche mir das zumutet ist schrecklich aus der Spur
      und steuert auf einen grandiosen Crash zu.


    • Was für ein Krampf.
      Es gibt die Todesfälle der Nahestehenden und die der weiter Entfernten und die der Unbekannten. Allerseelen wurde erfunden, um auch der letztgenannten zu gedenken.
      Ob die Syrer auch sowas wie „Allerseelen“ haben, weiß ich nicht, würde von ihnen aber genausowenig verlangen, Todesfälle im Familienkreis mit Todesfällen von völlig Unbekannten am anderen Ende der Welt gleichzustellen wie ich es von Deutschen verlange.

    • undifferenziertes Bashing von Ihnen
      Gestern oder vorgestern wies Heinrich Bedford-Strohm darauf hin, dass die Kirchen in den Medien falsch dargestellt werden. Er erwähnte, dass die Kirchen seit Jahren darauf gedrungen hätten, Christen, später Yeziden sowie Muslime, denen es am schlechtesten ginge, mitsamt!!! ihrer Familien aus Lagern zu holen. Eine andere Organisation, die sich gezielt um verfolgte Christen bemüht, ist „Open Doors“. Eine ihrer führenden Persönlichkeiten war der verstorbene Lord Weidenfeld, Jude, was in diesem Zusammenhang wichtig ist, denn sein Motiv war, zurückzugeben, was die anglikanischen Christen ihm im Zweiten Weltkrieg an Hilfsbereitschaft haben angedeihen lassen.

      Nichts ist passiert. Schily schlug mal so etwas vor, Schäuble wohl auch. Unter der derzeitigen Leitung trägt die CDU das C im Namen zu Unrecht. Eines Tages läuft das Fass über, und statt den Hilfsbedürftigsten kommen Leute, die das Geld für Schlepper haben, und die CDU sieht seelenruhig zu, wie sich ein kriminelles Business entwickelt, das dann hier zu teilweise chaotischen Zuständen führt.
      Das ist die Leitung der CDU, die auch jetzt zuzusehen scheint, wie sich drei kleinere Parteien die Pfründe aufteilen. In den Umfragen merkt die Partei das jede Woche mehr, und wer das auch merkt, ist Schultz.

      Fazit: Wenn, muss man rechtzeitig und gezielt helfen. Merkel hat ihren Jesus nicht verstanden: Er half, wenn es notwendig war. Dem Rest sagte er, er solle erstmal den Balken aus seinem Auge entfernen oder auch: Nimm dein Bett und geh.

      Eine solche Politik macht sowohl die Kirchen als auch die CDU kaputt. Absicht? Ich glaube nicht. Finanzinteressen, Machtinteressen und Inkompetenz mit desaströsen Folgen. Die schlechteste Kanzlerschaft der Nachkriegszeit, moralisch betrachtet, wohlgemerkt. Finanziell steht das Land angeblich gut da, nur merken viele Leute nichts davon. Helmut Schmidts Grab muss ganz zerwühlt sein vom vielen Umdrehen.

    • Das werden Sie noch erleben
      @Anderer Max

      „ Aber das hängt ja auch nicht zusammen gell?
      Tod und Trauer als Fluchtursache?
      Oder gar als Radikalisierungsursache?“

      Im 21.Jahrhundert wird vor allem gestorben,
      soviel wie noch nie. Überall in der Welt.

      Sehen Sie eine Möglichkeit das zu verbieten?

    • etwas präziser
      Bis Ende des Jahrhunderts werden 6 Milliarden Menschen
      sterben.

      Sechs Milliarden!!!

    • Nachdem jetzt doch jemand 'endlich' den Bogen zurück zum Standardthema No.1
      gefunden hat (leider), wurde dieser gut aufgenommen und beantwortet.

      Das passt schon hierzu: „In einer barmherzigen Tat teilte er seinen Mantel mit dem Schwert und gab eine Hälfte dem Armen.“ Die Rede ist natürlich vom Heiligen Martin. Er gab seinen Mantel freiwillig. Und er teilte ihn.

      Das ist anders, als wenn der potentielle Empfänger ihm einen Stein über den Schädel geschlagen hätte, ihm den Mantel insgesamt zu entreissen.

      Wir wären die ersten, die unser Haus Flüchtlingen öffnen würden. Wenn in Dänemark, Österreich, Belgien oder Polen Bomben auf die Zivilbevölkerung fielen. Und zwar nicht, weil sie uns kulturell näher stehen. Sondern weil sie in diesem Falle aktuell bedroht und ‚alternativlos‘ wären.
      Vielleicht muss das hier noch einmal erinnert werden. Diejenigen die kamen, waren – sofern überhaupt Flüchtlinge – die Reicheren, die mehr Geld an ihre Schlepper zahlen konnten, als 40 Prozent der Deutschen als verfügbares Vermögen zur Verfügung hätten.
      Es kamen kräftige junge Männer, also genau das Potential das vor Ort, in Aleppo und Ramadi gebraucht worden wäre, um ihre Familien mit Wasser und Essen zu versorgen. Wenn nicht sogar, um für ihre Familien zu kämpfen. Kommen müssen hätten die Alten und die Kinder.
      Und nach dem Erreichen der Türkei oder gar Griechenland war die akute Gefahr in jedem Falle gebannt.

      Die Perversion – und damit die Erregung öffentlicher Wut – begann vielmehr erst damit, dass eine Ungleichheit der Behandlung stattfand, weil die Deutschen sich anmassten, der Welt eine vermeintliche moralische Überheblichkeit vorzuexerzieren zu versuchen.

      Es ist doch schon ein seltsamer Ansatz, überhaupt zu fragen, ob „der Tod eines Familienangehörigen von einem syrischen Flüchtling gleich viel Wert, wie der eines biodeutschen Staatsbürgers“ sei. Denn spätestens im Tod sind alle Menschen gleich, und der Verlust jedes Menschen ein gleicher mit jedem anderen.
      So eine Frage kann nur jemand stellen, der – wenn auch nicht alleine, sondern eher durch die Mehrheitsgesellschaft gestützt – sich plötzlich – wenigstens gedanklich – dazu aufschwingt, die gesamte Menschheit retten zu wollen. Dabei können die Deutschen – kann niemand – alle Menschen weltweit retten, von den Syrern angefangen, über die Jemeniten, die derzeit deutlich mehr leiden, von denen niemand spricht, den hunderten Millionen die hungern, den hunderten Millionen für die unsere Diskussion hier über medizinische Vorsorge und Versorgung nur von einem anderen Stern sein kann. Weil sie nämlich so gut wie keine haben.
      Nein, da ist der Tod eines Syrers in Aleppo auch nicht schlimmer als irgendein anderer Tod. Wenn man unbedingt vergleichen will.

      Nein, ich verstehe nicht, wenn ich die Menschen sehe, die in Deutschland derzeit unter schrecklichen Bedingungen leben, über 500000 obdachlos, von 300000 vor knapp 10 Jahren, und geschätzt eine Million in 10 Jahren, und natürlich nicht alle freiwillig, warum dann irgendwelche verdrehten Köpfe finden, dass es wichtiger sei, einen Syrer für vergleichsweise viel Geld aus Syrien herauszuholen. Vergleichsweise sehr viel mehr Geld, als für die Versorgung eines Obdachlosen, bzw. die Vermeidung eines weiteren Obdachlosen.
      Ja, es macht mich bitter, zu sehen, dass die Deutschen nicht die Hälfte der von ihnen ursprünglich versprochenen Mittel für das Programm zur Verfügung gestellten Mittel gegeben haben, das vorsah für einen Bruchteil pro Mensch Auffang in der Türkei oder im Libanon zu garantieren.
      Das lässt mich schon fragen, ob diese ganze Aktion wirklich menschlich motiviert ist, oder vielleicht doch eher nur der Selbstbespiegelung dient.

  94. @Anderer Max
    Es wird bestimmt auch wieder Blogs geben, in denen das von Ihnen benannte Thema sinnvoll diskutiert werden kann. Hier ist es, genau wie die Art und Weise, in der sie es anführen, m. E. unpassend.

    • Sieht so aus,
      als wäre der max ein Troll der seine hämische Freude, vermutlich mit Insider(Kläger-?)wissen, nicht verbergen wollte. Sei es ihm gegönnt.
      Solange die FAZ hinter ihren Journalisten steht, können Trolle hier gern ihre, die Beste aller Meinungen, kund tun.
      Den Gefallen, der Don verschwindet in den ewigen Jagdgründen, wird er sicher nicht erfüllen. So als Bogen zum Thema.

  95. I.B. und der vorhergesagte Tod
    mann oder frau mögen den

    muttiistdieallerbesteunddiemutterderafdmutterkutter oder das

    fischeinwickelpapier

    mögen oder hassen, aber was heute über I.Bachmann aufscheint in einer art buchbesprechung ist einfach wieder spitze und passt auch zur hier im Blog aktuell diskutierten thematik voll und ganz.

    immer noch das phantom Max Frisch – ungeklärt, selbst mein besuch in Berzona – nach abenteuerlicher fahrt mit dem postauto – vor drei wochen kann das nicht klären, nur steinerne spuren und palmen in der bergsonne !

    • must-read, schätze ich
      Sie meinen wohl das Interview, ja, das ist sehr gut.
      Diese Inszenierung als einfühlsames Co-Opfer von Paul Celan finde ich sehr deutsch. Bis heute haben wir das: Ich bin klein, mein Herz ist rein. Alles über elitäre Opferidentifikation.

  96. Lieber Don!
    Wir sind alle oder die meisten ziemlich treue Leute und haben verdient, dass Sie mal ein Wort sagen: Dürfen Sie nicht oder wollen Sie nicht, oder sind Sie anderweitig beschäftigt oder gar krank?

    • Soviel kann ich dazu sagen: Er darf natürlich schreiben. Und: Er ist bald wieder da.
      Kann ich helfen? Welche Worte fehlen Ihnen denn?

    • nix für ungut
      Sie wollen nicht dagegen angehen, wenn ich behaupte, dass er einen Zacken besser ist, oder? Er darf einem dann schon fehlen, oder nicht?

      Oder soll das hier nur eine Wichsvorlage für Leser sein, wenn Sie fragen, welche Worte mir fehlen?

    • Aber selbstverständlich darf er fehlen. Ich wollte Ihnen nur höflich gleich antworten. Sozusagen ein Zwischenbescheid.

    • Das ist die Art Lob, die vermutlich niemand gern liest. Ich jedenfalls nicht.


    • Vielleicht ist der Don „Auf der Suche nach der verlorenen Gesprächskultur“, Oberländer. http://blogs.faz.net/stuetzen/2017/10/30/8375-8375/

    • Otto Meier, ich glaube nicht ...
      Es ist nicht ‚der Don‘, der sich damit bekümmern müsste.

    • Also, ich gehöre nicht zu "wir",
      weil ich mir in solchen Fällen denke: er wird seine Gründe haben, die ich respektiere und geduldig bin.
      Im Hinterkopf habe ich auch den Ausdruck „schwebendes Verfahren“…
      Ihren Stil mag ich auch, werte Frau Pukke.Es wäre doch langweilig, hätten wir alle den gleichen.

  97. Ob ich der nächste bin?
    Dieser Gedanke kam mir bei der Beerdigung des Letzten aus der älteren Generation meiner Familie. Nun gehöre ich endgültig zu der ältesten noch lebenden Generation. Da fragt man sich wohl automatisch, wann man selbst an der Reihe ist.

    Irgendwie hat die Zahl der Beerdigungen im Familien- und Bekanntenkreis in den letzten Jahren sprunghaft zugenommen. Aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, vielleicht macht das das Alter. Als Kind habe ich mich jedenfalls bei der Beerdigung des Vaters meiner Mutter nur gefragt, wo denn all die toten Tiere im Wald bleiben, wer die denn beerdigt. Da hatte der Tod noch keine weitergehende Bedeutung. Heute frage ich mich, wer sich um all die Singles kümmert, die ohne Familie den letzten Gang antreten.

    Was ich mir nicht einbilde, bei den Totenmessen wird kaum noch gesungen, kaum noch gebetet und das Auf und Nieder scheinen auch immer weniger Anwesende noch zu beherrschen. Selbst kein Kirchgänger, hat mich die Frage aber schon überrascht, woher ich wüßte, wie man sich in einer katholischen Messe zu verhalten hätte. Schließlich habe ich das als Kind durch regelmäßige Übung erlernt und so etwas vergißt man doch eher nicht. Was mich zu der Frage bringt, ob Kinder heute nicht mehr mit ihren Eltern die Kirche besuchen. Mir scheint, das ist heute die Ausnahme und auch eine Erklärung für die Entwicklung der Gesellschaft, die sich, trotz anders lautender Behauptungen, immer weiter von Werten und Kultur entfernt.

    Nun, schon lange beschränken sich meine Kirchenbesuche ja auch auf die Pflichtveranstaltungen, Trauungen, Taufen und Beerdigungen. Aber die christliche Erziehung hat mir, der ich schon recht früh vom Christen über den Humanisten zum Atheisten mutierte, jedenfalls nicht geschadet. Läßt man mal alles auf Gott, Wunder und das Jenseits Bezogene einmal weg, kommt dahinter ein Menschenbild zum Vorschein, welches ich immer für gut befunden habe – auch wenn es fernab jeglicher Realität angesiedelt ist.

    Daher kann ich es mir auch nicht verkneifen, die Abschweifungen in Richtung Flüchtlinge usw. hier einmal ganz deutlich zu mißbilligen. Aber das ist wohl auch eine Frage des Menschenbildes bzw. des Niveaus, auf das man, sich herab zu begeben, bereit ist.

    • Danke. Vor allem für den letzten Absatz. Alles eine Frage des Menschenbildes …


    • Vielen Dank für Ihren Beitrag, phoenicia. Das Thema ist halt eines, welches vermutlich erst im fortgeschrittenen Alter auf größeres Interesse stößt, was einige Antworten erklären mag und mir auch durchaus verständlich erscheint. Ansonsten, nehmen Sie es sich nicht zu Herzen, Gastautor/inn/en haben es hier nicht leicht, egal um welches Thema es sich handelt und wie gut ihre Beiträge auch immer sind. Die Beiträge des Don haben augenscheinlich Suchtpotential, manche Äußerung läßt kaum einen anderen Schluß zu. Dagegen ist kein Kraut gewachsen.

    • Vielen lieben Dank. Wissen Sie, ich bin sehr glücklich über die vielen tollen Beiträge. Ich hätte so eine Resonanz gar nicht erwartet. Die wenigen nicht so schönen? Die gehören halt dazu.

  98. Einen hab´ ich noch
    Der Tod soll ein Meister aus Deutschland sein (Paul Celan „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“). Aber das Patent auf ihn haben wir nicht, oder?

    • Nette Idee, DdH.
      Nein, nicht das Patent auf den Tod.
      Wir bilden uns lediglich ein, das Patent auf universale Menschlichkeit zu besitzen.
      Es muss eine Einbildung sein, weil Deutschland, und Deutsche, aus diesem Universum ausgeschlossen sind.
      Vielleicht das Patent auf die Rettung des ‚guten Wilden‘? Des Schutzsuchenden? Also doch wieder nur Arroganz statt echter Menschlichkeit ohne Rücksicht auf Ethnie, Farbe und Religion?

  99. Nein halt, noch einen...Trauerloge
    An dem öden Strand des Lebens,
    Wo sich Dün´ auf Düne häuft,
    Wo der Sturm im Finstern träuft,
    Setze dir ein Ziel des Strebens.
    Unter schon verlosch´nen Siegeln
    Tausend Väter hingestreckt,
    Ach! von neuen, frischen Hügeln
    Freund an Freunden überdeckt.
    .
    Hast du so dich abgefunden,
    Werde Nacht und Äther klar,
    und der ew´gen Sterne Schar
    Deute dir belebte Stunden,
    Wo du hier mit Ungetrübten,
    Treulich wirkend, gern verweilst
    Und auch treulich den geliebten
    Ewigen entgegeneilst.

    J.W. von Goethe, Lyrische Dichtungen, Weimar und Jena 1815-1818
    .
    Ich gehe davon aus, dass diese Trauerloge im Zusammenhang mit den Napoleonischen Kriegen entstanden ist. Wer weiß mehr?

    • Ergo bibamus ...
      „Das Gedicht ist der unvergeßlichen Prinzessin Caroline von Weimar-Eisenach, vermählten Prinzessin von Mecklenburg-Schwerin gewidmet, welche, seit dem i. Juli 1810 vermählt, am 20. Januar 1816 starb.

      Wie von der bei „Ergo bibamus“ erwähnten Vermählungsfeier unter Teilnahme der Schwestern die Logenprotokolle nichts enthalten, so ist auch von einer besonderen Trauerloge nichts zu ersehen. Jedoch wurde in der am 26. Januar zum Andenken verstorbener Brüder stattfindenden ritualmäßigen Trauerloge auch „an den großen Verlust erinnert, den unser erhabenes Fürstenhaus in der Kürze erfahren hat durch den Tod der einzigen Tochter, die in der Blüte ihrer Jahre zu einem höheren Erbe abgerufen, von allen Bewohnern der Mecklenburgischen, und hiesigen Lande beweint wird“

      ( http://kunstmuseum-hamburg.de/goethe-und-die-koenigliche-kunst-lehrbrief )

  100. Ganz dumme Politik, lernunfähig und geschichtsblind
    Obwohl Sie, Otto Meier, meinen, das Thema wäre hier nicht sinnvoll angebracht, komme ich auf das Thema zurück, einerseits, weil ich im trüben Monat November nicht über Tage über den Tod reden möchte (kurz schon), andererseits, weil ich noch einen Aspekt einbringen möchte:

    Wenn man hier undifferenziert und in Form eines Massenansturms Leute akzeptiert, die das Geld für einen Schlepper hatten, warum wundert man sich dann eigentlich, wenn ein Teil davon a) straffällig wird oder ein anderer Teil, teilweise mit dem ersten überlappend, b) lernunwillig oder gar lernunfähig ist (Nahles: Der syrische Arzt ist nicht der Normalfall.)?

    Nun muss ja das Geld für einen Schlepper irgendwo mal zusammengekommen sein, und die entsprechende Kriminalstatistik über afrikanische Länder und Afghanistan war bei Roland Tichy nachzulesen.

    Ich übertrage diese Gedanken auf Deutschland. Wir stellen uns vor, D würde zerbombt. Dann säße hier in Lagern auch unser unterbezahltes akademisches Proletariat, während mancher Drogenhändler und Autoschieber im Ausland auftauchen würde. „Ach“, würde man dort äußern, „die deutsche Intelligenz ist wohl nicht der Normalfall.“

    Will also sagen, dass beides zusammen passt. Der Arzt ist noch ein Sonderfall, weil mancher aus Pflichtbewusstsein und ethisch begründetem Verantwortungsgefühl nicht wegläuft. Das wäre nachzulesen in Camus „Die Pest“.

    Einmal hatten wir das schon in dieser Form, denn wer im Konzentrationslager umkam, gehörte meistens zu den Armen, auch zu den ärmeren Akademikern. Wer Geld hatte, konnte sich oft freikaufen. Der einzige Unterschied ist, dass er im Ausland nicht kriminell wurde, weil er das Geld legal durch Arbeit oder eine Firma verdient hatte. Aber dass die Armen gern zurückbleiben müssen und nicht immer die dümmsten sind, müsste eigentlich klar sein.

    Erdogan übrigens behält die Klügeren im Land. Ist Erdogan vielleicht klüger als Angie? Man darf darüber nachdenken. Putin ist auf jeden Fall klüger (fünf Sprachen).


    • Die Autorin, Oberländer, hat hier aus meiner Sicht einen sehr persönlichen Beitrag veröffentlicht. Ihre Ansprache an die Autorin fand ich, freundlich ausgedrückt, völlig unangemessen. Darauf bezog sich mein Einwurf.

      Da es der Autorin um den persönlichen Umgang mit dem Thema geht, also darum, wie Sie oder ich das Thema mit Bezug auf uns selbst sehen, gehen hier so einige Beiträge am Thema vorbei.

      Aber das ist ja nicht neu und selbst kann ich mich davon auch nicht immer freisprechen. Daran übe ich somit im eigenen Interesse keine direkte Kritik. Was den Inhalt einiger Beiträge betrifft, juckte es mich zwar schon ganz gewaltig in den Fingern, aber ich werde mich auch weiterhin beherrschen. Denn die Zahl der Antworten würde das sicherlich signifikant erhöhen, doch das eigentliche Thema wäre damit tot.

      Man muß auch nicht zu jedem Thema etwas schreiben, wenn das Thema einem nicht zusagt. Und es sprengt ganz einfach die Grenzen der Höflichkeit, laut nach dem Don zu rufen, geradezu zu verlangen und damit die Mißachtung der Gastautorin überdeutlich zum Ausdruck zu bringen. Der Don schreibt sicherlich nicht für Sie oder für mich, sondern für sich und vielleicht noch für die FAZ.

      Sie, Oberländer, sind auch nicht der einzige, dessen, ich bleibe mal dabei, Gesprächskultur mir hier manchmal auf die Nerven geht. Das muß Sie nicht kümmern, mich kümmert es auch nicht, solange es nur mich betrifft, ich kann damit umgehen. Und ich antworte Ihnen hier auch nur, weil Sie mich direkt angesprochen haben. So deutlich wollte ich eigentlich auch garnicht werden, das ist mir selbst sehr unangenehm.

      An anderer Stelle können wir gerne das Thema der Flüchtlinge etc. wieder aufnehmen, hier halte ich es für unpassend. Es erinnert mich an den Probanden, der in der mündlichen Prüfung über den Elephanten referieren sollte, sich aber auf den Regenwurm vorbereitet hatte und begann: Der Rüssel des Elefanten ist eine lange, fast wurmartige Verlängerung der Nase. Der Regenwurm …

    • Kein Problem
      1. Ich nehme das zur Kenntnis.
      2. Das Thema ist mir zu persönlich.

      Ich hätte mich da vollkommen raushalten sollen. Habe völlig andere Ansichten dazu als der Kollege Marx und überaupt keine Lust, länger mit ihm darüber zu diskutieren. Nehme die Einlassungen des Kollegen zum Anlass, umgehend eine Patientenverfügung und Genaralvollmacht zu erstellen.

      Dass Gott eine weibliche Erfindung zur Unterdrückung der Männer sein soll, hat mich auch überdimensional irritiert bei völlig fehlender tieferer Kenntnis der Bücher.
      Es ist überdies irrelevant, wie identisch JHWH, Gott und Allah sind, denn Moses, Jesus und Mohammed sind keinesfalls identisch, geben aber den Gläubigen ihre Identität. Kriege würden auch ohne sie geführt.

      Sie schreibt aber schön, das zum Ausklang meinerseits.

      Aber vielleicht fragte ich nach der leichteren Kost des Don nur, weil mir das Thema Religion und Sterben und Ewiges Leben zu persönlich ist.

  101. Oberländer sagt: 13. November 2017 um 15:45 Uhr nix für ungut
    ‚Oder soll das hier nur eine Wichsvorlage für Leser sein, wenn Sie fragen, welche Worte mir fehlen?‘

    Helfen Sie mir weiter, bitte:

    Ich kenne den Begriff der Vorlage, natürlich, aber ‚Wichsvorlage‘
    ist mir nicht nicht untergekommen bisher – was genau ist eine solche und zu welchem Behufe wird sie benutzt?

    Spaziergang gefällig?

    —————————————–
    Johann Gottfried Seume :

    „Das beständige Leben im Zimmer wird bald zur kränkelnden Vegetation.

    Wer Kraft und Mut und Licht mehren will, gehe hinaus in die Elemente!“ Apokryphen S. 1330
    ————————————-

    • das nehme ich Ihnen nicht ab
      Mit Wichsen ist in diesem Fall die narzisstische Überhöhung des eigenen Ego durch Kommentieren gemeint, und ich wollte gern von Frau Phoenicia wissen, ob sie das den Lesern des Don indirekt unterstellen will.

      Wenn Sie frische Luft wollen, gehen Sie bitte selbst raus. Mir ist es zu feuchtkalt. Ich lüfte aber genügend.

    • Nein, das will sie nicht.

    • Ich will auch vieles wissen, aber bei dem Ton würde ich mich ncht wundern, wenn ich keine Antwoert bekäme. Ganz eherlich, das Bearbeiten der Kommentare ist hier Privatvergnügen, und wer meint, hier diejenigen anpatzen zu können, die es machen, wird wenig Spass habem. Versprochen.

    • die dort in Ablagen zur medizinisch erwünschten Temperaturunddruckerhöhung vorrätig gehalten wird
      Andernorts (Baton Rouge et al.) auch „archive glows“ genannt. Da wir hier mit glühender, heißer Druckwerkebehandlung historisches Danebenbenehmen in Verbindung bringen, haben Sprachwissenschaftler die Buchstaben in einem Mixer (nein, NICHT Wixer!) neu ordnen lassen. Ergebnis: Wichsvorlage – wegen traditionell wenig Text ganz einfach zu lesen…

    • sorry
      Hatte vielleicht etwas Unterzucker, kommt öfter vor. Will Sie nicht ärgern:

      phoenicia sagt:
      14. September 2017 um 19:49 Uhr

      Oh. Danke für die netten Worte. Unter uns gesagt: Der Don hat Wochen gebraucht, um mich zu überreden, wieder zu schreiben, weil ich genau wusste, was auf mich zukommt.
      Es ist für mich ein spannendes Experiment und im Grunde genommen überwiegt doch die positive Resonanz, was ich sehr schön finde. Und für Kritik, Anregungen bin ich immer offen, da war auch überwiegendes Kluges zu lesen.
      Insofern: Machen Sie sich keine Sorgen um mich …

    • @ frauke amgelin
      Übt man auf ein chemisches System im Gleichgewicht einen Zwang aus, so reagiert es so, dass die Wirkung des Zwanges minimal wird.

      Ich freu doch sehr, dass Sie da sind

      Beste Grüsse an Sie alle

    • @frauke
      Wenig Text… Und wenig Kleidung.

      Spart Straps!

      Kleiner Tipp zum Vorhergehenden:

      O Greta, nun a tergo.

      Und näher am Thema:

      Retten Nebel Rentnerleben netter?

      Wie immer:

      Gnudung

    • @nochwas, zu den archive glows, frauke
      jede Silbe eine Predigt, Ihr Beitrag.

      Beinahe wär‘ mir doch das immerfeuchte Baton Rouge entgangen, doch jetzt, bei achtsamem Hineinfühlen in alternative kontemplative Praktiken…

    • Zur Erbauung unserer Nachrichtendienstfernsprecherin gibt's 'n büschen was längeres,
      aber wirklich nur ’n büschen:

      Nebelregennegerleben

      , denn für Georges Perec – Le Grand Palindrome (mehr als 5000 Wörter, nicht Anschläge) ist hier definitiv kein Platz (noch fünftausendundsiebenhundertundsechsunddreißig Anschläge frei), hintergründigschmunzel…

    • Perec
      In Ermangelung französischer Sprachkenntnisse musste ich leider auf Herrn Helmlé und seine Kenntnisse zurückgreifen.
      Das Leben, eines meiner Lieblingsbücher, und natürlich Anton Voyls Fortgang.

      Danke übrigens für die Hinweise auf andere Gepflogenheiten in anderen Ländern, was Organspende betrifft.

      Ich wusste zwar vage darum, sah aber keinen Handlungsbedarf. Jetzt schon.

    • Frauke, bitte
      bleiben Sie uns erhalten.

      Was wäre dieser Blog ohne AMIGA FLUNKERE oder deren Versionen?

  102. @ Uwe Dippel sagte am 13. November 2017 um 17:19 Uhr
    „Nette Idee, DdH. Nein, nicht das Patent auf den Tod.“

    Ja, ja Herr Dippel, dieser Titel ist explizit und unauslöchlich auf Deutschland zugeschnitten. Natürlich haben die Deutschen es „geschafft“ in einer relativ kurzen Zeitspanne diese absolute Zuschreibung der „Todesmeister“ zu erringen. Erste Ansätze hatte es ja schon nach dem Einmarsch in Belgien im August 1914 gegeben, wenn ich nicht irre sogar schon bei der Belagerung von Metz und Paris im Jahre 1870, als die franz. Propaganda deutsche Soldaten als Kinderfresser affichierte. Da gibt es nichts zu beschönigen, wenn dieser Titel zuvor ebenso gut z.B. den Spaniern in Südamerika oder Stalins Schergen hätte zustehen müssen, evtl. auch den Türken. Dabei sollte ich es belassen um hier kein Öl ins Feuer zu gießen.
    .
    Das Patent auf „universale Menschlichkeit“ ist nichts als das Pendel in seiner maximalen Ausschwingung. Hoffentlich schlägt das Pendel nicht wieder so heftig nach der anderen Seite aus. Man sollte es möglichst ersetzen durch Federzugantrieb oder Kette-Schnecke als Ausdruck für eine befriedete und in sich ruhenden Gesellschaft. Was gerade in unserer Gesellschaft abläuft ist genau das Gegenteil. Ich vergleiche es mit dem Aufladevorgang eines Kondensators.
    (DdH)

    • Wetten, DdH, würde ich nicht darum.
      Auch wenn man geneigt wäre, in mir den Nazi-Verteidiger sehen zu wollen:
      Mir ist nicht klar, wer auf dem Siegertreppchen des 20. Jahrhunderts obenan stehen würde, wer links und wer rechts zu stehen käme: Hitler, Stalin, Mao?

    • Meine Version
      Es ist der Klassiker des Rauschens im Wald des deutschen Kommentariats, wenn jemand sich über einen ihm nicht genehmen, leicht ordinären, Ausdruck echauffiert, ein Link über etwas Interessantes aus der Moderne, nämlich über die virtuelle Leiche im Anatomiekursus, aber unkommentiert bleibt.

  103. Plebs facilis sunt, wohl wahr
    Es ist der Klassiker des Rauschens im Wald des deutschen Kommentariats, wenn jemand sich echauffiert über einen ihm nicht genehmen, leicht ordinären Ausdruck, ein link über etwas Interessantes aus der Moderne, nämlich den über die virtuelle Leiche im Anatomiekursus, unkommentiert bleibt.

    • Die Leute mögen einfach sein, aber nicht der Satzbau...
      Ick helfe mal mit der korrigierten Fassung:

      „Es ist der Klassiker des Rauschens im Wald des deutschen Kommentariats: Wenn jemand sich echauffiert über einen ihm nicht genehmen, leicht ordinären Ausdruck, wie ein Link über etwas Interessantes aus der Moderne, z.B. den über die virtuelle Leiche im Anatomiekurs, bleibt dieser unkommentiert.“

      Nicht doof, aber doch eigentlich nur die Tuchholskysche Wiederholung von den Leuten, die auf dem Sofa sitzen und übel nehmen, weil einer einen guten, politischen Witz gemacht hat.
      Ein bisschen mehr Humor und ein weniger vulgäre Ausdrucksweise würde ihrem überragenden Verstand durchaus gut tun, lieber Oberländer! Oder wolln’se als sonderbarer Typ mit Inselbegabung durchgehen? ;-)

    • Über das "sunt" bin
      ich mir noch nicht ganz klar, schonalt halt.
      Da denk ich noch drüber nach.
      Danke an die Autorin, Verfasserin :
      Sehr sehr fein. Und sehr nachdenklich habe ich gelesen. Und so ganz ohne : HEY.

      @oberländer
      Basst scho, des mit den virtuellen Leichen sezieren….dann schaffens die Schneeflöckle scho……den Schein zu kriegen.
      Perfekt: bei nicht gewünschtem Ergebnis war dann die Software schuld.
      Ohne den Schock auf die Riechnereven…

      @oberländer
      Es gibt keine „leicht“ ordinären Ausdrücke mehr, seit Joschka. Ich meine sicher nicht Sie persönlich ( warum wollte ich gerade ein h einfügen…)
      ….ja ja: schonalthalt

      Vor vielen Jahren starb mein Vater.
      Auf einem Berg, auf dem ein Kreuz steht.
      Am 14. November.
      An diesem Tag trafen sich alle noch lebenden Veteranen.
      Zu einer Messe.
      Er starb während der Messe.
      Ein anwesender Herr in Uniform ( nicht dazu befohlen) hat ihn mit seinem Mantel zugedeckt. Mit mir zusammen auf den Leichenwagen gewartet.
      Und stellen Sie sich vor: das war und ist kein Nazi.

      @oberländer
      links aus der Moderne…..
      Sie auch. Sie wissen was modern ( welch entsetzlich abgedroschenes Wort )
      ist?
      Aber basst scho, ich lese Sie immer wieder gerne

      Beste Grüsse zu Ihnen Allen

    • Aufbauend, danke
      Fehlte wohl ein Wort:

      Es ist der Klassiker des Rauschens im Wald des deutschen Kommentariats, wenn jemand sich echauffiert über einen ihm nicht genehmen, leicht ordinären Ausdruck, ein link ABER über etwas Interessantes aus der Moderne, nämlich den über die virtuelle Leiche im Anatomiekursus, unkommentiert bleibt.

  104. "anpatzen"..
    ..habe ich noch nie gehört. Wie heisst die Vergangenheitsform denn? patzte, putz oder potz?

    • patzen ...
      … patzte, gepatzt (süddt).

      Sie können beim Schreiben patzen (klecksen?),
      jemanden eine patzen (oder picken) (Tachtel),

      herumpatzen, z.B. als Maler oder Maurer,

      beim Anpatzen patzen Sie absichtlich herum und schauen dass jemand genug Patzer kassiert.

      (Schauen Sie sich den Veltliner-Michl, BM von Wien an, der kann das ganz gut…)

  105. Leichenschaendung
    Nun Herr Oberlaender, Sie sondern lediglich das an brachialartigem Gedankengut ab, was einzig in ihnen vorhanden ist. Diese Absonderung gibt mehr von ihrem peinlichen Innenleben preis, als ihnen vielleicht lieb sein sollte.

    Mir erzeugte ihr Sprachgebrauch einen anderen Gedanken, der so fern nicht ist: Leichenschaendung.
    Ihr Zusammenhang von „Wichsvorlage“ und „Wolke sieben“ gibt das allemal her.
    Ich denke, Sie fuehlen sich wohl dabei. Schoen fuer Sie.

    Sollten Sie auf meine Zuschrift irgendwie reagieren, ich werde nicht drauf eingehen. Aber gesagt will ich es haben. Schon aus Respekt dem Thema und den vielen Mitusern gegenueber, die sich ernstlich damit auseinander setzen.
    Schoenen abend noch.
    Sie duerfen mich nun beschimpfen.

    Saludos.

    • befolgt
      Und führe uns nicht in Versuchung,
      sondern erlöse uns von dem Bösen.
      Denn dein ist das Reich und die Kraft
      und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
      Amen.

  106. Da hat schon wieder jemand sein eigenes gesellschaftliches Todesurteil
    unterzeichnet, zumindest totale zukünftige Ächtung. Nun, er wird´s verkraften, der Mann ist schließlich 84.
    .
    Schauen Sie mal in den Einwickler, was sich der Karl erlaubt hat.
    (DdH)

    • Asyl für Karl
      Karl dürfte bei der Achse der Abtrünnigen, die neben Katalonien nun auch Oberbayern umfasst (-München, dessen Bewohner sich ja gegen die Industriegesellschaft oder zumindest für die totale energietechnische Abhängigkeit von außen entschieden haben ), sicher Asyl finden. Gewiss, die Rest-EU wird mit wirtschaftlichen Sanktionen drohen, aber ich bin Optimist; am Ende werden die Staaten der Abtrünnigen und der Alliierten, für eine gedeihliche wirtschaftliche Zusammenarbeit eintreten.

      Der Tod holt uns alle aber bis dahin wird es immer lustiger.

    • Karl ist schon gut....
      … und wo er recht hat, hat er recht!
      Geht manchmal nur mit drastischen Worten.
      Und gegen Spinner und Labertaschen ohne Hirn und Verstand, besonders wenn sie braun angezogen sind, drunter knallrote Unterwäsche tragen, finde ich auch drastische Worte… auch hier im Blog.

    • Berlin, Berlin...
      Der Polizeipräsident + das Bürgermeisterlein fürchten
      sich vor nichts so sehr wie vor einem Rassismus-Vorwurf.
      Dem ordnen sie den Verfall der öffentlichen Ordnung unter.
      .
      Die arab.Clans lachen sich möglicherweie tot.

  107. Stimmt....
    “ schonalthalt sagt:
    14. November 2017 um 00:04 Uhr
    @oberländer
    …. Aber basst scho, ich lese Sie immer wieder gerne“

    … kann ich zustimmen.

    @oberländer

    Aber basst scho, ich lese Sie immer wieder gerne

    Beste Grüsse zu Ihnen Allen

  108. Angst
    Habe mich erst jetzt an den Text und die Kommentare begeben. Der eigene Tod ist vielleicht noch weit weg, aber meine Eltern befinden sich nun in der Mitte ihrer 70er, noch pudelwohl. Angst vor dem eigenen Tod? Vor dem meiner Eltern? Eher vor dem Abschied. Und dem was davor geschieht.

    Angst vor der Pflege, die ich selbst nicht werde leisten können. Muß ich hier ein schlechtes Gewissen haben? Wird dieses kommen? Können meine Eltern und ich die Dinge noch einmal klären, die offen sind? In Liebe? Ohne Vorwürfe? Oder werden alle innewohnenden Konflikte ungelöst und unausgesprochen bleiben? Alice Miller läßt grüßen…

    Der Tod ist unabänderbar, aber wie gestalte ich den emotionalen Abschied? Davor habe ich Angst.

    Es war schön, einmal wieder von Ihnen zu lesen, Frau Pukke. Vielen Dank dafür.

    • "Muß ich hier ein schlechtes Gewissen haben?"
      Sie sprechen da ein paar sehr wunde Punkte an, Laurentius. Dieselben Fragen quälten mich auch einmal und quälen mich noch immer, obwohl der Tod das Thema eigentlich erledigt haben sollte. Eine Antwort kann Ihnen wohl niemand darauf geben.

      Dennoch würde ich es einmal so formulieren, wer alles getan hat, was er kann, muß sich, rational betrachtet, zwar keine Vorwürfe machen, emotional hilft das aber auch nicht wirklich weiter.

      Für Kinder, deren Eltern ihnen immer hilfreich und unterstützend zur Seite standen, ist die eigene Hilflosigkeit gegenüber dem Sterben der Eltern besonders schlimm. Helfen wollen, nicht helfen können, zusehen müssen – das ist für Kinder eine weitgehend unterschätzte Quälerei, die oft wohl nie ganz endet.

      Auch hat es schon seinen Grund, warum Paare, die lange glücklich zusammen gelebt haben, manchmal recht kurz nacheinander sterben. Wem das Herz bricht, dem kann nur noch die Liebe helfen.

      Es hat schon seinen Grund, warum ich gerne früh genug wüßte, wann meine Zeit gekommen sein wird. Denn nur dann bleibt noch die Möglichkeit, auch mit Blick auf die Hinterbliebenen, das Leben in einer für alle erträglichen Art und Weise zu beenden.

      Vielleicht noch dies zum Schluß. Eltern wissen in der Regel sehr genau, was sie von ihren Kindern zu erwarten haben oder auch nicht. Ob die Eltern das aber zu gegebenem Zeitpunkt auch noch wissen wollen, das ist die entscheidende Frage.

  109. tFJ45 sagte am 14. November 2017 um 09:41 Uhr
    „Karl ist schon gut….… und wo er recht hat, hat er recht!“……
    .
    Nun gut, aber zu kryptisch sollten es die Nicht-Labertaschen ihren Post auch nicht gestalten. Es könnte hier im Block sonst zu einem babylonischen Sprachengewirr nebst Missverständnissen ausufern. Glauben Sie daran, ein vorwiegend braun gekleideter Herr, nicht berücksichtigter Alterspräsident im Bundestag, trüge rote Unterwäsche?

  110. eine kleine nicht zu persönliche Beigabe
    Ich will Ihnen doch mal etwas quasi Persönliches dazu schreiben, ohne ins Persönliche zu gehen. Übrigens danke für Unterstützung, aber auch Kritik.

    Der Vierte in folgendem Gemälde
    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e1/Apocalypse_vasnetsov.jpg

    kam uns mit den Kindern einige Male gefährlich nahe, genauer gesagt viermal. Eins picke ich raus, weil es belegt, wie diese gut geölte Maschinerie genannt Deutschland funktioniert. Stichwort: Meningitis, Hirnhautentzündung. Nach der Klinik war angedacht, ihn noch vier bis sechs Wochen zu Hause zu behalten. Nach einer Woche fühlte er sich pudelwohl und wollte wieder in die Schule. Also begebe ich mich höchstpersönlich nach Rücksprache mit dem Arzt zu seiner -äh- hier würde ich sehr gern etwas Beleidigendes ablassen, aber gut, Lehrerin und sagte, er könne wieder kommen, aber vier Wochen no sports. Sie bestand darauf, dass er, wenn er kommt, auch Sport macht. Letzten Endes habe ich dann meine Version durchgesetzt.

    In einem anderen Fall, den ich nur aus dem Bekanntenkreis kenne, ging das anders aus. Ein Junge musste nach einer schweren Grippe den Sportunterricht mitmachen, obwohl das medizinisch kontraindiziert war. Er verstarb an Myokarditis (Herzmuskelentzündung), einer seltenen, aber bekannten, potentiellen Folgeerkrankung von schweren Infekten, die bei Belastung eintreten kann. So funktioniert diese gut geölte Maschinerie.

    Der vierte Reiter ist auch mit der Blödheit liiert und unter denen, die ihm auf den Pelz gerückt sind, waren am wichtigsten nicht die praktizierenden Ärzte, sondern die Immunologen, die Hygieniker und die Pharmakologen. Ich bin von einigen Prachtexemplaren dieser Fachrichtungen unterrichtet worden und halte sie in Ehren. Und ich kann mich gegen Bürokratennonsense von Lehrern wehren, aber andere nicht.

    Ich bin froh, dass der dritte an uns vorbeigeschrappt ist, mehrfach. Und hier kommt Gott ins Spiel: Ich bin ihm extrem dankbar. In solchen Zeiten betet man plötzlich. Man hat gar keine andere Wahl, denn an seine Existenz zu glauben.

  111. Wow!
    Wundervoller Text und danke für die Buchempfehlung.

    Könnten Sie meine emailadresse bitte an goodnight weitergeben?
    Wir kennen uns über wiesaussieht.
    Danke

  112. Totes Gleis, (permesso @ FJ 45?)
    Habe gerade nachgeschaut. « Karl Lagerfeld mit Aussage zu Flüchtlingen »
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    Kommentarfunktion offen
    Bis jetzt (12:32) Anzahl der Kommentare: 0
    Da klemmt wohl wieder ein Ventil?
    Nebenbei: Ich kommentiere da schon lange nicht mehr.
    (DdH)

    • DdH, hmmm ...
      Offenbar haben Sie ein anderes Internet als ich … .
      Bei mir war (und ist) die Kommentarfunktion nicht offen. Und ich denke, es wird mehreren so gehen, weil sonst doch schon immer mal ein paar Kommentare da sind; auch bei den üblicherweise (und nur dann wenn) etwas abseitigen Themen.

    • sticht Unter
      Im Zweifelsfall denkt man sich in diesem Land inzwischen lieber sein Teil und kauft ein paar Weihnachtsgeschenke bei KL, Chanel oder Fendi.

  113. Danke
    Liebe Phoenicia!

    Ich will mich aber bei Ihnen dezidiert entschuldigen und nicht nur das, sondern bedanken. Sie haben hier Betrachtungen geschrieben, die viele Assoziationen bei mir weckten.

    Ich dachte an unsere Fahrt an Allerheiligen durch die Toscana vor Jahren, wie es dunkel wurde und plötzlich auf einem Hügel viele kleine Lichter zu sehen waren, an den Père Lachaise und den Cimetière Montmartre und an Napoléons pharaonisch zu nennende Grabstätte im Invalidendom. Dann fiel mir der kleine Friedhof ein, auf dem ich plötzlich das Grab einer Zweijährigen entdeckte, schön gepflegt von den Eltern.

    Danach dachte ich an den Zweijährigen, den wir nicht durchbringen konnten, der schon bewusstlos kam. Seine Eltern hatten keinen Teich, aber die Nachbarn, und die Eltern hatten das nicht gewusst. Dann fielen mir die anderen beiden Kinder ein, die in Teichen ertrunken waren und dann „Wenn die Gondeln Trauer tragen“. Nach den Gondeln in gleicher Stadt angesiedelt „Tod in Venedig“, von Visconti, den ich mal wieder sehen muss, dann über den Carneval von Venedig Orfeu Negro, wo der Tod persönlich mitspielt und das Mädchen die ganze Zeit verfolgt, im Carneval von Rio de Janeiro. Den muss ich auch mal wieder sehen.

    Am Ende landeten meine Gedanken bei Gott, für viele Menschen die einzige Erlösung von dem, ja, in Orfeo Negro so dargestellten Apokalyptischen Reiter. Als ich anfing an Gott zu denken, kam endlich über Nacht die Sonne wieder raus und beschien gnädig eine verschneite Landschaft, heute, und meine Gedanken kehrten zurück zu Camille Monet, die da liegt wie im Schnee und an die unglaubliche Ausstellung im Grand Palais in Paris, wo sie auch an der Wand hing.

    So haben Sie sehr reiche Assoziationen ausgelöst, die noch eine Weile vertieft werden können. Vielen Dank dafür.

    Zwischenzeitlich beschäftigte ich mich mit dem Film „Still Alice“, den ich noch nicht gesehen habe. Er war in ähnlicher Form schon einmal gemacht worden, 1985, für das US-Fernsehen und auch in Deutschland zu sehen gewesen („Do you remember Love?“) mit Joanne Woodward.
    Ob das mal ein Thema für Sie wäre? Das ist der Tod im Leben, erst in Momenten, die aber dann dichter werden. Ich hoffe hier auf die Wissenschaft wie auch beim Autismus. Ein großes Thema.

    Das Stück vom Don lasse ich ungelesen und unkommentiert – es sind genug andere Leute da – nach dem Theater. Der einzige Ausdruck, den ich den bei uns zuweilen feiernden Jugendlichen ausgeredet habe, ist Spast. Und Mongi, indem ich beides erklärte. Die anderen haben auf mich abgefärbt, so ist das Leben.
    Alles Gute! Schreiben Sie mal wieder!

    • War da was? Es ist alles in Ordnung, jeder hat mal einen schlechten Tag.
      Ansonsten: Ich lese Ihre klugen Texte wirklich gerne. Wir lesen uns demnächst wieder, in Ordnung?
      Bis dahin: Eine gute Zeit Ihnen.

    • Titel eingeben
      Danke! Ihnen auch!

  114. @ Uwe Dippel sagte am 14. November 2017 um 13:42 Uhr
    „DdH, hmmm …“
    .
    Herr Dippel, die „0“ erkläre ich mir nur mit versehentlich geöffneter Kommentarfunktion durch einen Volontär/Volontärin und anschließend drohte der Redakteur oben aus dem höher gelegen Redaktionsbüro mit dem Finger und machte mit der Hand den Wischer vor der Stirn. Immerhin ein hochnotpeinliches Urteil vom Karle. Dann kam es zu einem Ventilhänger, plötzlicher Bruch der Rückholfeder. Zum Glück ist Karl in Frankreich zuhause und der Zwergenaufstand wird eher beendete sein als das Wasser der Seine in Höhe der Pont Alexandre III in Honfleur ankommt.
    .
    Don könnte uns übrigens gelegentlich einmal eine virtuelle Rundfahrt durch den Kutter anbieten.
    .
    @ Ober, wir werde am 9./10.12. in Paris sein aber ich schätze diese Art Unterstützung hat der Karl nicht nötig. Hängt aber von unseren Frauen ab.

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