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Nach jedem Lebensmittelskandal wollen die Verbraucher wissen: Was können wir noch essen? Dabei ist die Frage, wie wir einkaufen, mindestens genauso

Der "Lidl-Check" geht in die Verlängerung

| 19 Lesermeinungen

In seinem "Lidl-Check" findet das Erste am Montagabend ein paar ganz erstaunliche Dinge heraus. Weil die Reporter vor lauter Recherche aber kaum Zeit zum Einkaufen hatten, setzt das Supermarktblog den Discounter-Test fort: Wird Lidl jetzt öko? Wie lernfähig ist so ein Unternehmen? Und woher kommt die neonrote Preis-Wüterei?

In seinem “Lidl-Check” findet das Erste am Montagabend ein paar ganz erstaunliche Dinge heraus.

Erstens: Wenn man 40 ganz normale Leute in ein Labor einlädt, um sie bei einer Blindverköstigung die Unterschiede zwischen Orangensäften aus dem Supermarkt und aus dem Discounter herausschmecken zu lassen, sagen nachher viele, dass ihnen die 100%-Saft-Säfte alle “zu wässrig” seien. (Auch der von Lidl.) Damit ist der endgültige Beweis dafür erbracht, dass – Probanden von Labortests Orangensaft nicht schmeckt.

Zweitens: Wenn man am Rechner eine virtuelle Lidl-Filiale baut und diese in ein Studio projiziert, um darin einen Experten zu befragen, sieht das lustig aus, hat aber exakt gar keinen Nutzen.

Drittens: Wenn man neun Paare in neun deutschen Städten mit der Stoppuhr an die Kasse schickt, jeweils zu Aldi und zu Lidl, und die Zeiten nachher zusammenrechnet – dann hat man mit einem absurden Drehaufwand eine lustige Quatschzahl errechnet, aber noch lange keine verlässliche Aussage über den “Stressfaktor” eines Discounter-Einkaufs.

Um aber nicht ungerecht zu sein: Der 45-minütige “Lidl-Check” hat trotz der teilweise seltsamen Experimente auch seine guten Momente. Und dass im deutschen Fernsehen direkt nach der “Tagesschau” übers Einkaufen berichtet wird, kommt ja sonst eher selten vor. (Aber schauen Sie sich’s doch einfach selbst an. Der Film müsste am Dienstag auch in der Mediathek aufschlagen und wird dann hier verlinkt.)

Das Ergebnis des “Checks” (in dem Backstationen, “Super-Samstage” und Mietwohnungen übrigens keinerlei Rolle spielten) ist jedenfalls folgendes:

Bild zu: Der "Lidl-Check" geht in die Verlängerung

Nun gestaltet es sich für Blogs wie dieses hier ein bisschen schwierig, Tests mit 40 Safttrinkern in Auftrag zu geben. Und die Recherche in Bangladesh, wo Näherinnen in Fabriken im Lidl-Auftrag zu Hungerlöhnen arbeiten, ist leider auch erstmal auf unbestimmte Zeit verschoben.

Aber natürlich lässt sich der Aufmerksamkeitsschwung nutzen, um all die unwichtigen Kriterien nachzutragen, die im Ersten aus Zeitmangel leider wegfallen mussten. Weil dort vor lauter Recherche ja niemand Zeit hatte, mal in Ruhe einkaufen zu gehen. Willkommen also zu: Der Lidl-Check – die Verlängerung!

* * *

Ausgerechnet der fiese Discounter, der seine Mitarbeiter bespitzelt und im Wettbewerb mit Aldi die Preise für den gesamten Markt drückt, wandelt sich hinter dem Rücken seiner Kunden zum Ökostreber? Sieht ganz so aus. Noch muss man genau hinsehen, um die ersten Anzeichen zu entdecken. An den Lidl-Kassen gibt’s zum Beispiel nicht mehr nur Plastiktüten, sondern auch welche aus Papier. Um auf diese sensationelle Sortimentserweiterung hinzuweisen, wurden eigens Schilder unter den Kassenbändern angebracht: “Papiertragetasche. NEU!” (Und lediglich doppelt so teuer wie die aus Plastik.)

Bild zu: Der "Lidl-Check" geht in die Verlängerung

Die Anschaffung von Papiertüten mag wie ein kleiner Schritt für die Ökobilanz so eines Discounters aussehen, aber eigentlich ist sie eine Sensation – weil Lidl kein neues Gesetz und keine Vorschrift dazu gezwungen hat.

Vor allem aber scheint das nur der Anfang zu sein: Lidl hat sich außerdem dazu entschlossen, die Plastikflaschen seiner Getränke-Eigenmarken selbst zu recyceln. Neu eröffnete Filialen sparen Kohlendioxid, weil die Beheizung mit der Abwärme erfolgt, die von den Kühlregalen stammt. Und seine Schokolade produziert Lidl mit Kakao aus nachhaltig zertifiziertem Anbau (allerdings bisher nur zu 10 Prozent).

Keine Ahnung, wo die Weltverbesserungsmotivation herkommt. Aber wenn diese Maßnahmen dabei helfen sollen, das ramponierte Image des Discounters zu verbessern, ist das schon mal ein Anfang. Das Urteil:

ÖKO-FAKTOR: STEIGEND

In vielen Berliner Filialen gehören 30-Prozent-Billiger-Ecken in den Kühltheken inzwischen zum Standard. Darin landen Salate, Joghurts, Käse und Fleisch, die nicht mehr so lange haltbar sind, dafür aber im Preis heruntergesetzt, damit sie nicht liegenbleiben und weggeschmissen werden müssen, wie kürzlich intensiv diskutiert. Dabei steht der Hinweis, dass es sich um “qualitativ einwandfreie Ware” handele, die “lediglich ein kürzeres Mindesthaltbarkeitsdatum” habe.

Bild zu: Der "Lidl-Check" geht in die Verlängerung

Weil Kunden aber bekanntlich nie zufrieden sind: Wäre es möglich, die Packungen nicht mit roten Warnetiketten zu entstellen? Und sie nicht so abfallmäßig in die Billiger-Ecken hineinzuverklappen? Das sind Lebensmittel, die haben auch Gefühle! Das Urteil:

LERNFÄHIGKEIT: AKTIVIERT

Seit einiger Zeit scheint Lidl ausgeprägte Augenleiden zur Einstellungsvoraussetzung für Marktleiter gemacht zu haben. Anders lässt es sich nicht erklären, dass viele Märkte seit einigen Wochen mit neonfarbenen Preisschildern zugepflastert sind, die den Kunden permanent “BILLIGER!” und “AKTIONSPREIS!” entgegen schreien. Sie meinen, so ein bisschen Preiswerbung sei in Ordnung? Aber nicht mehr, wenn die Neonquote acht Schilder pro Regalmeter überschreitet.

Bild zu: Der "Lidl-Check" geht in die Verlängerung

Höchstwahrscheinlich handelt es sich dabei um den durchsichtigen Versuch, die Lidl-Märkte unattraktiver als die von Aldi zu machen, nachdem die Lidl-Zentrale kürzlich den Supermarkt-Blog-Eintrag über den Hässlichkeitszwang für Discounter gelesen hat.

Aber könnten wir bitte da eine Ausnahme machen – und die Aktionspreis-Wüterei möglichst bald wieder abhängen? Das Einkaufen bei Lidl macht jetzt nämlich immer so Kopfschmerzen. Das Urteil:

AUFDRINGLICHKEIT: BLENDEND

Zusammengefasst ergibt der ARD-Supermarktblog-Check für Lidl also folgendes Testurteil: überschätzt-erträglich-ordentlich-unzureichend-steigend-aktiviert-blendend.

Können Sie damit was anfangen? Ach, nicht? Mist.

Dann verraten Sie mir doch wenigstens in den Kommentaren, wie das mit den Billig-Ecken, den Papiertüten und den Neonschildern in Ihrem Lidl ausschaut. Und schalten Sie am Abend mal rein: “Der Lidl-Check”, um 20.15 Uhr im Ersten. 

Screenshot: WDR; Fotos: Supermarktblog

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19 Lesermeinungen

  1. Ich glaube, wir haben diese...
    Ich glaube, wir haben diese Billig-Ecke auch. Ist aber schwer zu sagen, weil ich vor lauter Schildern (die meist so niedrig hängen, dass ein 185cm-Mann ständig dagegen läuft, den Wald nicht mehr sehen kann.

  2. Diese "nachhaltige" Schokolade...
    Diese “nachhaltige” Schokolade ist mir ja suspekt. Da steht man schule die Erzeuger “wie sie Kakao professioneller, hochwertiger, ertragreicher und nachhaltiger anbauen können (…) Ziel des Programms ist, dass die Erzeuger einen besseren Preis für ein besseres Produkt erzielen können. ”
    Und das nur bei 10% des Kakaos, da sollte man doch lieber zu echten Fairtrade Produkten greifen wo man den Produzenten einfach mehr Geld für ihre Ware gibt.
    Interessant in diesem Zusammenhang, auch eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung von Oxfam zu den Arbeitsbedingungen von Bananen Produzenten in deutschen Discounter-Lieferketten:
    http://www.oxfam.de/publikationen/bittere-bananen

  3. <p>@Uli: Auf der Website steht...
    @Uli: Auf der Website steht ja auch, dass der Anteil bis 2020 auf 100 % erhöht werden soll. Es müssen dann ja auch die entsprechenden Mengen zur Verfügung stehen.

  4. Die Tragödie in Neonrot ist...
    Die Tragödie in Neonrot ist in einigen Filialen des RMG schon seit vielen Monaten zu beobachten, ebenso die Reduzierung von Lebensmitteln nahe dem MHD. Auch wenn ich kein besonderer Fan von Lidl bin, bleibt doch festzuhalten, dass dieser als – AFAIK – einziger Discounter ein nennenswertes Angebot an Fair-Trade-Produkten (Kaffee, Schokolade, Bananen…) im Sortiment hat.

  5. Ich habe mir gerade diesen...
    Ich habe mir gerade diesen Lidl-Check im TV angesehen. Ich fand es war ganz interessant, aber beispielsweise dieser virtuelle Supermarkt war echt überflüssig. Da hätte der gut Mann auch so was zu erzählen können!
    Das mit der Schokolade war ja zu erwarten. Fair gehandelte Schokolade?! Viel zu teuer für die Discounter, und das Lidl das wirklich machen würde glaubt ja wohl niemand, oder?!
    Lg

  6. Ein sehr seltsamer...
    Ein sehr seltsamer Beitrag…Wieso werden die Discounter einem Querverlgeich unterzogen. Ich vermute mal stark, dass Aldi, Penny und Co. ebenfalls Waren aus Indien beziehen. Sind dort die Umstände besser?!
    Also ich persönlich kann nichts mit dem Markt-Check anfangen…ausser ein bisschen Angst-Macherei war nichts dabei

  7. Eine tendienzielle...
    Eine tendienzielle Berichterstattung absolut lächerlich. Ich muß mich immer wieder darüber ärgern für diese Art der Berichterstattung in ARD und ZDF Gebühren zu überweisen. Das war kein LIDL Check – das war eine Aneinanderreihung schwachsinniger “Tests” und sinnlose Interviews mit dem Bürger von Nebenan und der Gewerkschaft Verdi sowie dem Überstundenmann. Wieso werden nicht die zufriedenen LIDL-Mitarbeiter gezeigt, die seit Jahren und Jahrzehnten liebend gerne für LIDL arbeiten. Wieso wird nicht über LIDL Mindestlöhne, Spenden an die Tafel, Fair Trade Handel, Eigenrecycling, Nachhaltigkeit etc berichtet. So einen Müll will keiner sehen

  8. Wohne bei Bamberg und unser...
    Wohne bei Bamberg und unser Lidl hat auch diese Billig-Ecke mit fast abgelaufenen Produkten. Hat aber auch unser Tegut bei deutlich besserer Auswahl und Produktqualität, besonders bei Käse.

  9. Ich gehe hauptsächlich zu...
    Ich gehe hauptsächlich zu Lidl wegen den leckeren “coquette”-Fertiggerichten von Dietz. Und wenn man dann schon mal da ist, dann kauft man halt – alles aus einer Hand. Dafür fahre ich sogar ein paar km, auch wenn der Aldi am Ort wäre.

  10. Der "Warenkorb-Test" aus dem...
    Der “Warenkorb-Test” aus dem Bericht hat mich darin bestätigt, dass es sich dort lohnt einzukaufen, wo die Produkte Deines persönlichen Warenkorbs gerade im Angebot sind und damit unter dem Warenkorb-Testeinkaufspreis
    Zwei Beispiele:
    Unser Lieblingsgetränk ist zur Zeit Schwipp-Schwapp (1-2 Flaschen/Tag). Der Warenkorb-Einkaufspreis liegt bei 89, ct. Die 1,5 Liter Flasche ist aber in fast jeder Woche bei einem Discounter für 49-59 cent im Angebot. Das sind mind. 33% weniger. Das gleiche gilt für “Golden Toast”. Statt mind. 1,19 € Warenkorb-Einkaufspreis ist es in fast jeder Woche bei einem Discounter für 88 cent im Angebot (-26%).
    Durch die in dem Bericht geschilderten Nähe der Supermärkte, bzw. Discounter zueinander liegen für mich Lidl, Penny, Kaufland, ALDI, REWE, netto und Norma auf meinem täglichen Weg zur Arbeit, bzw. vor der Haustüre. So entstehen also auch keine Zusatzkosten durch “Extra-Fahrten”.
    “Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein”
    http://www.youtube.com/watch?v=6lyI0WEqa9Y

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