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Wer profitiert vom Aus für Schlecker?

19.06.2012, 09:21 Uhr  ·  Am 29. Juni schließen die meisten Schlecker-Filialen. Bis dahin gibt es hohe Rabatte aufs ganze Sortiment, in manchen Läden stehen die Kunden Schlange. Die Hersteller von Markenartikeln befürchten, dass der Ausverkauf zu einer Schlappe im Drogeriehandel führt. Und die Supermärkte bringen sich für die neuen Kunden in Position.

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Ein älterer Herr steht irritiert in einer dm-Filiale in Berlin-Wedding, hält eine Mitarbeiterin an, die gerade Ware in die Regale räumt, und fragt nach seinem Putzmittel. Das Putzmittel ist grün. Der Mann weiß genau, wie es aussieht. Nur nicht, wie es heißt. “Beim Schlecker hab ich immer gewusst, wo’s steht. Aber die haben jetzt zugemacht”, sagt er. Die Verkäuferin pampt genervt zurück: “Was Schlecker im Sortiment hatte, kann ich Ihnen aber nicht sagen.” Dann führt sie ihn zum meterlangen Putzmittelregal. Selbstbedienung, bitte.

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Am 29. Juni schließen die meisten Schlecker-Filialen, die noch übrig geblieben sind. Oder vorher, wenn sie schon leer sind. In der vergangenen Woche gab es “30 % auf alles, Einzelartikel bis 50 % reduziert”. Für die letzten roten Schilder im Schaufenster haben die Mitarbeiter in den Filialen, die noch nicht umgebaut wurden, die Aufkleber mit dem neuen Logo und “For You. Vor Ort” rausreißen müssen. Drinnen demonstrieren die Läden mit den leer gekauften Regalen noch einmal ihre ganze Traurigkeit.

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Die Reaktionen auf die angekündigte Schließung könnten unterschiedlicher kaum ausfallen. Die Markenartikelhersteller gruseln sich vor den nächsten Monaten, weil manche Schlecker-Filialen von den Kunden fast gestürmt wurden, als die Rabattaktion losging. Die Unternehmen befürchten, dass sich manche Kunden soviel auf Vorrat gekauft haben, dass die Umsätze mit Drogerieartikeln demnächst ziemlich in den Keller gehen. Das könnte wiederum andere Drogerien oder Discounter dazu veranlassen, die Preise ebenfalls zu senken, spekuliert die “Lebensmittelzeitung”:

“Damit könnte eine Preisspirale losgetreten werden, die Handel und Industrie gleichermaßen zu schaffen macht.”

Anfang der Woche hat Schlecker die Rabatte auf bis zu 70 Prozent erhöht. dpa zitiert den Insolvenzverwalter: “Es gibt einen Run, die Leute stehen Schlange.” Ausgerechnet mit seiner Pleite wischt Schlecker der Konkurrenz zum Schluss noch mal eins aus.

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In der Schlecker-Filiale in Brandenburg an der Havel, Wilhelmsburger Straße, gibt es definitiv kein Toilettenpapier mehr.

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“Sparen Sie sich den Weg zum Drogeriemarkt! Wir führen 13.000 Artikel für Körperpflege und Hygiene”, wirbt Real diese Woche auf der Titelseite der als Programmzeitschrift verkleideten Werbepostille “Einkauf aktuell” (pdf). Rewe arbeitet schon seit längerer Zeit daran, sein Drogerie-Sortiment zu vergrößern und zu verbilligen. Edeka hübscht die Drogerie-Abteilungen in seinen Märkten auf. Penny bringt im Herbst seine neue Drogerie-Eigenmarke “Today” in die Regale. Für Supermärkte und Discounter ist die Schlecker-Pleite die perfekte Gelegenheit, um die früheren Kunden zu sich in die Läden zu locken. Den Schlecker-Konkurrenten dm, Rossmann und Müller wollen sie die Käufer jedenfalls nicht kampflos überlassen.

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Wer sein altes Waschmittel beim Laden um die Ecke nicht findet, kauft ein anderes. Und wenn man sich schon umgewöhnen muss, darf das Neue ruhig ein bisschen günstiger sein als das alte. Vielleicht reicht ja auch eine Eigenmarke. Für die Hersteller der klassischen Marken ist das Ende von Schlecker also nicht nur bedauernswert – sondern der kritische Punkt, an dem viele treue Käufer plötzlich geradezu herausgefordert werden, sich ihre Marke abzugewöhnen.

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Der Schlecker-Twitter-Account hat derzeit 336 Follower.

Foto: Supermarktblog

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (11)
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0 Petra 19.06.2012, 10:50 Uhr

Mir tut es definitiv um die...

Mir tut es definitiv um die Eigenmarke in Strumpfhosen mit 15 Den leid. Die waren unschlagbar günstig, hatten angenehme Farben und saßen auch über den etwas breiteren Büro-Popo. Alles andere bekomme ich auch bei jedem Discounter, Rewe oder EDEKA.

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0 habitha 19.06.2012, 10:54 Uhr

Und noch im Ausverkauf wurde...

Und noch im Ausverkauf wurde deutlich, warum Schlecker pleite gegenagen ist. Der Schlecker bei mir schloss zwischenzeitlich die Tür, weil zu viele Kunden an der Kasse warteten (6 Kunden auf einmal! Das hatten die da bestimmt seit Jahren nicht mehr...). Als die Tür dann wieder geöffnet wurde, wurde der Ausgang (der in Kassensichtweite liegt) dann auch permanent von einer Mitarbeiterin bewacht. Als ob die Kunden jetzt alle zu Dieben würden. Von wegen. Wenn Schlecker zum ersten mal seit Menschengedenken günstiger ist als die Konkurrenz, bezahlt man doch gerne...

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0 hgebhardt 19.06.2012, 11:00 Uhr

So gute Zinsen gibt es auf...

So gute Zinsen gibt es auf keiner Bank.

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0 Mausflaus 19.06.2012, 11:06 Uhr

wie da gehamstert wurde war...

wie da gehamstert wurde war schon krass - viele haben sich mit haarspray, kosmetik, putzmitteln usw. im wert von über 100€ eingedeckt. dabei ist die preisersparnis selbst mit den 30% gar nicht mal so groß, da schlecker deutlich teurer ist als rossmann oder dm. ich hoff ja, dass in den beiden schlecker-filialen bei mir in der nähe rossmann oder dm einziehen, das wäre eine deutliche verbesserung.

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0 Ariene 19.06.2012, 13:04 Uhr

Ach was, und ich war...

Ach was, und ich war gestern bei Rossmann, meine Einkäufe erledigen....Aber da ich nie zu Schlecker gegangen bin, wir es mich auch nicht stören, wenns die nicht mehr gibt. Ich finde auch, die Markenhersteller sollten sich nicht zu viel sorgen. Als ob wir Frauen so gern in die Drogerie gehen, um nur Billigprodukte zu kaufen. Bei Waschmittel überlegt man da vielleicht noch, aber spätestens bei Duschbad, Bodylotion oder gar Kosmetik hört doch bei den meisten der Spaß auf.

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0 westernworld 19.06.2012, 14:09 Uhr

"Für die Hersteller der...

"Für die Hersteller der klassischen Marken ist das Ende von Schlecker also nicht nur bedauernswert - sondern der kritische Punkt, an dem viele treue Käufer plötzlich geradezu herausgefordert werden, sich ihre Marke abzugewöhnen."
och das schaffen die markenhersteller schon selber ganz gut da brauchen die schlecker nicht zu.
zum beispiel procter&gamble ihres zeichens hersteller von pantene pro v haben im rahmen einer verpackungsänderung einfach mal den preis für die spülung um knapp 30% erhöht. es sind jetzt einfach nur noch 200ml wo zuvor 275ml enthalten waren.
ich war jahr und tag treuer kunde shampoo, spülung, kur, meine chlorgeplagten haare haben es einfach nötig, aber jetzt bin ich aus reinem trotz auf eine eigenmarke umgestiegen und siehe da geht auch ganz gut.
vielleicht hätte ich die preiserhöhung ja einfach geschluckt, aber dieses für dumm verkauft werden geht gar nicht. damit hat diese marke bei mir für alle zeiten verschissen.
zu edeka wollte ich noch sagen das mir der ausbau des drogeriesortiments schon in den letzten 2-3 jahren bei uns positv auffiel. hauptsächlich markenprodukte aber preislich 1:1 mit dm. da nehm ich durchaus öfter mal was mit. die könnten sich besonders in der großfläche zu einer echten konkurrenz zu dm und rossmann entwickeln.
ps: bin ja gespannt ob man die ausgesucht stilvollen schlecker ladeneinrichtungen in deutschland nochmal wiedersieht oder wohin die verkauft werden.

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0 amfa 19.06.2012, 15:47 Uhr

"Für die Hersteller der...

"Für die Hersteller der klassischen Marken ist das Ende von Schlecker also nicht nur bedauernswert - sondern der kritische Punkt, an dem viele treue Käufer plötzlich geradezu herausgefordert werden, sich ihre Marke abzugewöhnen." Ich weiß nicht.. gerade die Markenartikel bekomm ich doch "überall". Das ist doch "das Tolle" an denen. Egal wo ich ich einkaufe, Persil z.B. bekomm ich meist recht prominent präsentiert. Warum sollte ich jetzt umsteigen? Nur weil ich bei DM die Persilflasche nicht sofort finde sondern 2 mal gucken muss? Beim nächsten mal weiß ich wo die steht. Ist das nicht eher umgekehrt.. die vorher AS-Produkte genutzt haben weichen jetzt auf Markenartikel aus (oder auf die Eigenmarken der Konkurenz). Somit könnte das für die Markenhersteller eher eine Chance sein. gruß amfa

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0 Merci 20.06.2012, 06:07 Uhr

Literarisch finde ich es...

Literarisch finde ich es schoen wenn ein Text mit einer Anekdote eingeleitet wird. Das kann ihn lebensnaeher machen. Man muss sich aber auch nichts an den Haaren herbeiziehen, nur damit das eigene Argument bestaetigt wird. Schlecker hat sich nun wirklich noch nie als besonders Kundenfreundlich ausgezeichnet. Das ist auch kein Wunder, weil die dafuer auch gar keine Zeit hatten. Aber gerade im Gegensatz zu dm. Irritierte aeltere Herren sollten da vielleicht nicht der Massstab sein! Der Grund warum der Herr nicht weiss wie das heisst ist, weil er es vermutlich selber nicht benutzt.

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0 pschader 20.06.2012, 08:58 Uhr

@Merci: War nicht...

@Merci: War nicht Andenhaarenherbeigezogen, sondern am Samstag (und Auslöser für den Eintrag).

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0 Nils 24.06.2012, 07:06 Uhr

Naja, so extrem voll waren die...

Naja, so extrem voll waren die Lager der einzelnen Schlecker-Filialen ja sicher auch wieder nicht, oder? Gab ja schon vor der Pleite sogar Warenengpässe. Daher würde ich davon ausgehen, dass, wenn sich eine ein einzelne Person beispielsweise einen ganzen Karton Haarsparay bei Schlecker kauft, dann für alle anderen gar nichts mehr da ist und die sich damit auch gar nicht bevorraten können. ;)

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Peer Schader, 34, ist freier Medienjournalist, hat den Start von Kabelkanal und Vox live am Fernseher verfolgt, aber erst viel später gemerkt, dass sich mit solchen Erfahrungen in den meisten Berufen wenig anfangen lässt. Seit acht Jahren schreibt er übers Fernsehen und seit Dezember 2008 ins Fernsehblog bei FAZ.NET. Leserbeteiligung ist dringend erwünscht: Hinweise und Beschimpfungen bitte unter kontakt (at) dasfernsehblog (dot) de.