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Aufforderung zum Tanz

Aufforderung zum Tanz

Was sie schon immer über Tanz hätten wissen wollen können und bisher nicht auf die Idee kamen zu fragen.

Großes Kino im Museum: William Forsythe als Tänzer

Der deutsche Künstler Peter Welz hat 2003 eine Videoinstallation geschaffen, in der William Forsythe ein auf einem Beckett-Text basierendes Solo tanzt. Gerade baut Welz die Arbeit in Frankfurt am Main auf. "whenever on on on nohow on" wird im Zollamt des MMK Museum für Moderne Kunst im Rahmen der Schau "MMK 1991 - 2011. 20 Jahre Gegenwart" gezeigt.

Wenige unter uns werden sich an den jungen Tänzer William Forsythe erinnern, den John Cranko 1973, kurz bevor er starb, aus New York nach Stuttgart engagierte. Von Fotografien und Filmaufzeichnungen zu urteilen, muß man es rückblickend als Privileg bezeichnen, ihn damals auf der Bühne erlebt zu haben, energiegeladen und charismatisch wie er war.

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Es war der deutsche, in Berlin lebende Künstler Peter Welz, der William Forsythe drei Jahrzehnte später dazu brachte, für ihn und seine aus unterschiedlichen Perspektiven filmenden Kameras noch einmal als Tänzer zurückzukehren.

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Peter Welz beim Aufbau im Zollamt 

 

Ein Text Samuel Becketts bildete 2003 Forsythes Arbeitsgrundlage für „Whenever on on on nohow on / airdrawing“. Eine Kamera am rechten Handgelenk des Tänzers nahm zusätzlich zu den ihn umgebenden Kameras auf, während er sich bewegte. Das Geräusch der Schritte, des Atems, wird aus Lautsprechern hörbar und fünf riesengoße gerahmte Projektionsflächen, an die der Betrachter unmittelbar herantreten kann, zeigen die Bilder des tanzenden Forsythe aus verschiedenen Winkeln.

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Die Arbeit war 2005 in „The Renaissance Society“ der University of Chicago zu sehen und wurde vom Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main erworben, gleichwohl bis heute noch nie ausgestellt. Jetzt aber. Als Teil der großen Schau zum zwanzigjährigen Bestehen des MMK zeigt das Haus die Videoinstallation im Zollamt, gegenüber dem Museumshauptgebäude. Eröffnung ist am 19. Juni 2011.

Seit langem interessieren Welz kinetische Versuchsanordnungen mit skulpturalen Körpern. Was seine Werke so faszinierend macht, ist ihr total kühler Umgang mit geistesgeschichtlichen Heroen der Moderne und Postmoderne. Dabei muß sich der Betrachter, der vor einer in der Regel sehr klaren visuellen Anordnung steht, bereitmachen, um mit dem geradezu mythischen Gewicht der integrierten ästhetischen Philosophien umzugehen. Forsythe, der Mann, der die Neoklassik für zertrümmert erklärte und das Off-Balance, das Aus-dem Gleichgewicht-Geraten, zu einer Standard-Phrase zeitgenössischen Balletts machte, tanzt bei Peter Welz tief konzentriert in einfachen Kleidern so vor sich hin, Beckett natürlich.

 

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airdrawing | forsythe | above | right hand movementvideo projection onto drawing, paper, pencil, permanent marker, 30 min. DVD loop61cm x 86 cm, 2003, edition of 3photo: peter welz | studio

 

And now to something completely different: Wir berichteten in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 4. Juni über Paul Chalmers neue Interpretation von „Schwanensee“ in Florenz. Unter Eingeweihten scherzte man im Vorfeld darüber , ob denn das Dach des Teatro Comunale auch wirklich dicht sei, denn im Jahr zuvor war die Premiere eines „Sommernachtstraums“ Chalmers in den römischen Terme di Caracalla buchstäblich ins Wasser gefallen. Ein nachmittägliches Gewitter und heftige Regenfälle hatten Bühne und Umgänge unpassierbar gemacht. Eine untröstliche Carla Fracci schwebte im weißen Dressing gown über die quatschnassen Böden zurück in ihre Zeltgarderobe, um sich abzuschminken und anzukleiden. Am Sonntag, den 5. Juni, geschah dann das Unglaubliche in Florenz. Während der abschließenden Nachmittagsvorstellung von „Il lago dei cigni. Lo scandalo Cajkovskij“ setzte zwanzig Minuten nach Beginn gußartiger Regen ein, der durch das Dach des Theaters drang und die Bühne sehr schnell unbenutzbar für die Tänzer machte. Doch dem geduldigen Publikum waren auch eine Stunde vierzig Minuten für die behelfsmäßige Restaurierung und Reinigung nicht zu lang. Niemand nahm das Angebot wahr, seine Karte zurückzugeben, alle warteten geduldig, bis die Aufführung fortgesetzt wurden konnte und schenkten den Tänzern wie schon an den Tagen zuvor zehnminütigen Applaus.

 

 

 

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