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Parental Advice. Großartig, nicht jugendfrei: Tony Rizzi als Mae West

06.09.2011, 00:06 Uhr

Von

Bild zu: Parental Advice. Großartig, nicht jugendfrei: Tony Rizzi als Mae West

Copyright: Tony Rizzi

 

Original Message—–

Date: Mon, 05 Sep 2011 13:02:33 +0200

From: Tony Rizzi

To: Wiebke Huester

am i nuts?  where u there at the show last night?

 

On Sep 5, 2011, at 1:54 PM, Wiebke Huester wrote:

Yes, dear. I just haven’t written yet. I do it tonight. I loved every

minute of it though I must admit I find it not too easy a task to write

about it.

Love,

Wiebke

 

—–Original Message—–

Date: Mon, 05 Sep 2011 16:20:28 +0200

Subject: Re: Re:

From: Tony Rizzi

>> To: Wiebke Huester

i can imagine. what the hell was that rollercoaster ride? so glad u

were here and are gonna write about it. for who?

and next time come up and slap me after the show.

best

t

 

On Sep 5, 2011, at 8:19 PM, Wiebke Huester wrote:

I said good-bye to you and that I loved it and I asked you to give me

Imma’s name which you did. – I thought you knew who I was – it is

Frankfurter Allgemeine Zeitung – in this case my blog under

www.faz.net/aufforderung. Never mind! Next time I say hello properly,

Love

Wiebke

 

Original Message—–

Date: Mon, 05 Sep 2011 22:08:01 +0200

Subject: Re: Re:

From: Tony Rizzi

Wiebke Huester

 

i smoke too much pot :-)

 

 

On Sep 5, 2011, at 10:13 PM, Wiebke Huester

can i put this dialogue as an introduction on my blog?

Tony Rizzi: 

sure

 

Das hatte er natürlich nicht getan, zuviel geraucht. Dafür wurde die Autorin aber um gefühlte 23:35 Uhr im ersten Kreisel von Idstein – das ist der Kreisel, den auch alle A3-Befahrer kennen, die hier nur abfahren um zu tanken und eins von zwei amerikanischen Burger-Restaurants aufzusuchen – also in dem Kreisel wurde ich in eine Polizeikontrolle gewunken, die aus zwei Polizisten und mir bestand. Ich stellte den Motor ab (es war meine erste Polizeikontrolle ever), öffnete die Fahrertür und wurde gefragt, ob ich Alkohol getrunken oder Drogen genommen hätte: „Nein”. Mit den Worten „Na gut, so sehen Sie auch nicht aus” wurde ich daraufhin in meine Restfahrt entlassen. Ohne Führerschein-, Fahrzeugschein- whatever-Schein-Kontrolle. Und soll ich das jetzt als Kompliment nehmen, so sehen Sie ja auch nicht aus?

In Berlin, wo Tony Rizzi vor einigen Jahren in einer Wohnung Abend für Abend als Mae West auftrat und den Leuten eine dramatisierte Fassung seiner Lebensphilosophie in zwei Stunden voller Gelächter, unvergeßlicher Augenblicke und großer Schauspielkunst packte, kam regelmäßig die von grundlos erbosten Anwohnern gerufene Polizei und überzeugte sich davon, dass es sich um – nicht harmlose zwar, aber doch – Kunst handelte und nichts in einer Demokratie und Nachbarschaft irgendwie Beanstandenswertes.

In Frankfurt am Main, wo Rizzi jetzt dankenswerterweise wieder einmal in die blonde Perücke, in Korsage, Hüftpolster und lange Abendhandschuhe schlüpft und so jeweils vierzig Zuschauern (mehr passen in das Wohnzimmer nicht rein) als Mae West entgegentritt, ist die Nachbarschaft offenbar sehr viel aufgeschlossener als in Berlin-Kreuzberg am Halleschen Ufer. Dafür gibt’s auch eine Liebeserklärung an F von dem Mann, der einer der ganz großen Stars von William Forsythe’s Ballett Frankfurt war. Neben hunderten von Polaroids und großformatigeren Fotografien hängt in Rizzis Wohnung, auf seiner Bühne also, auch eine Urkunde von Bügermeisterin Petra Roth, eine offizielle Ordensverleihung für einen großen amerikanischen Entertainer, der einfach hierblieb.

Und so ist auch das Gefühl als Zuschauer: Jemand, den man als großen Virtuosen kannte, tritt einem ganz unbefangen aus nächster Nähe entgegen und spricht, spielt, singt und tanzt davon, wie das Leben als homosexueller Tänzer, der HIV-positiv ist, so ist. Die Ironie, die Selbstdistanz, der sarkastische Witz und die mitunter drastische Darstellungskunst von Tony Rizzi sind mindestens so groß wie seine Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Welche absurden Züge das Findungsspiel von homosexuellen Partnern im digitalen Zeitalter annimmt kommt ebenso vor wie die Vorteile davon, als Aidskranker mit einem Krebsmedikament im Koffer zu reisen – man kann endlos Marihuana mitführen, ohne je fürchten zu müssen, dass irgendein Polizist Europas taktlos genug wäre, einen zu filzen.

Wer den Anblick eines Dildos oder expliziter Bilder nicht in Kauf nehmen will, obwohl die begleitenden Witze dann herrlich sind, darf Tony Rizzis Show nicht besuchen. Wer jemanden erleben will, der so bei sich und bei Verstand ist, dass man ihn nur bewundern kann, der muß versuchen, noch Karten zu bekommen für die Show der glücklichen Vierzig. 

Bild zu: Parental Advice. Großartig, nicht jugendfrei: Tony Rizzi als Mae West

 

 

 

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Jahrgang 1965, Tanzkritikerin.