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Aufforderung zum Tanz

Aufforderung zum Tanz

Was sie schon immer über Tanz hätten wissen wollen können und bisher nicht auf die Idee kamen zu fragen.

In der Sache Horst Koegler mit oe

| 7 Lesermeinungen

Briefe an mich, die jemand an die Redaktionsanschrift schickt, werden in meiner Abwesenheit geöffnet. Denn ich bin selten dort und Post an mich wird als...

Briefe an mich, die jemand an die Redaktionsanschrift schickt, werden in meiner Abwesenheit geöffnet. Denn ich bin selten dort und Post an mich wird als offizielle, meine dienstliche Funktion betreffende Post aufgefaßt. Wird also geöffnet, könnte ja wichtig sein, dringende Tanzpost. Wenn es Leserbriefe sind, kriegt sie die Leserbriefredaktion und schickt sie danach an mich. Dann kann ich den Lesern antworten. Mache ich auch. Wenn es keine Leserbriefe sind, schickt das Feuilleton-Sekretariat sie mir auch. Dann kann ich sowieso damit machen, was ich will.

Neulich kam dieser Umschlag. Ein Umschlag für ein Kondolenzschreiben. Ich erschrak.

Bild zu: In der Sache Horst Koegler mit oe

Ich drehte den Umschlag um. Darauf stand kein Absender.

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Das fand ich merkwürdig. Innen steckte diese Trauerkarte

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“In aufrichtiger Teilnahme an Ihrem schweren Hamburger Verlust von 165 Minuten Lebenszeit!”

Wenn die Unterschrift nicht von einem Witzbold gefälscht wurde, läßt sie darauf schließen, dass die Karte von Horst Kögler ist, einem schätzungsweise in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts oder früher geborenen ehemaligen Tanzkritiker, der bis heute auf www.tanznetz.de Einträge in ein „Köglerjournal” verfaßt. Whatever. Früher hat er manchmal an Vorgesetzte geschrieben, um Beschwerden und Klagen über die Tanzkritik der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung” zu äußern. Jetzt hat er alle Hoffnungen fahren lassen und zum Äußersten gegriffen. Er wendet sich direkt an mich, als letztes Mittel. Tja, hätte er mir im Zweiten Weltkrieg so einen Umschlag geschickt, hätte ich mich wirklich tüchtig erschreckt. Schade, Witze, die zu spät gemacht werden, straft eben die Geschichte. Aber ernsthaft: Ist das nicht ein bißchen unverhältnismäßig gruselig, Horst K. aus S.? Bloß weil ich John Neumeiers „Liliom” nicht gut fand? Aber meine Lebenszeit hatte ich ja gar nicht vergeudet, wie ausführlich habe ich denn wohl die Tänzer gelobt? Na? Wer wird denn da gleich makaber werden? Schreibt mir, Leser, eine Frage nämlich bewegt mich seitdem. Rabiatisiert sich das Gerontoriat? Oder ist Horst Kö. aus S. ein Sonderfall, geschmacklos zur Welt gekommen und sich darin treu geblieben?[*-)]

 

 

 

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7 Lesermeinungen

  1. @dohmenballett: Eine...
    @dohmenballett: Eine Todesanzeige zugeschickt zu bekommen, würde niemand lustig finden, das ist schon ein seltsamer Begriff von Humor, mit Verlaub. Glauben Sie mir, Elisabeth Schaefer meinte mich mit dem humorlosen Empfänger eines Scherzes, oder Frau Schaefer? Alter hin oder her: An Menschen auch meines professionellen Umfelds schätze ich Charme, Argumentationsfähigkeit, Selbstironie, Manieren. Scharf in der Sache kann man ja sein, aber hier war doch bloß jemand sauer, dessen ästhetische Präferenzen kritisiert worden waren (Neumeier), und mochte keine Diskussion beginnen, sondern griff zu einem seltsamen Mittel, um Aufmerksamkeit zu erregen. et voilà. Herzlich!

  2. Sehr geehrte Frau...
    Sehr geehrte Frau Hüster,
    Wenn “Gerontoriat” ein SCHERZ ist, dann geht er doch zu Lasten der alten Menschen; Scherze auf Kosten anderer nenne ich SPOTT. Und wer nicht mitspotten will, den nennt Frau Schäfer humorlos. Ich zähle vermutlich noch nicht zum “Gerontoriat”, insofern bin ich nicht der “Empfänger des Scherzes” — ich kann nur nicht mitlachen.
    In meinem Umfeld habe ich Alte erlebt, die es genossen haben, nun kein Blatt mehr vor den Mund nehmen zu müssen, und den Leuten unverblümt die Meinung ins Gesicht gesagt haben — das wirkte eher befreiend.
    Ich habe es auch erlebt, dass sich unsoziale Charakterzüge im Alter verstärkt haben, Jähzorn z. B.: Leute, die sich wegen jeder Kleinigkeit empören und dann ausfällig werden. Da braucht man einen gelassenen Humor. Vielleicht hilft auch der Gedanke, dass das Alter das letzte Stadium im Leben ist, das uns aller Wahrscheinlichkeit auch eines Tages treffen wird; das könnte uns auch demütig werden lassen.
    Mit der Ablehnung des Spiels mit der Fass-Metapher (mittels einer Metapher) lenken Sie vom Kern meiner Kritik ab: Ich kann nicht erkennen, dass Sie einem alten (und verdienten) Ballettkritiker mit der gebührenden Toleranz und Achtung, schon gar nicht mit Humor, entgegentreten.
    mfG hp

  3. Schon blöd, wenn so ein...
    Schon blöd, wenn so ein Scherz auf einen völlig humorlosen Empfänger trifft, nicht wahr, Frau Hüster? :-)

  4. Gerontoriat war ein SCHERZ,...
    Gerontoriat war ein SCHERZ, ok? Ich glaube nicht, dass wir unseren Restverstand in der Fass-Metapher ertränken sollten. Nichts für ungut.

  5. Sehr geehrte Frau...
    Sehr geehrte Frau Hüster,
    dann verstehe ich Ihren Satz “Rabiatisiert sich das Gerontoriat? Oder ist Horst Kö. aus S. ein Sonderfall, geschmacklos zur Welt gekommen und sich darin treu geblieben?” nicht: Ihre Unwortschöpfung “Gerontoriat” kann sich ebenso wenig wie “Prekariat” und “Proletariat” auf eine einzige Person beziehen, auch nicht “ironischerweise”.
    Jemand wie ich, der die “vielen anderen Ihrer Blogs” nicht kennt, muss denken, dass Sie mit “Gerontoriat” alte Mitmenschen begrifflich ghettoisieren. Da helfen Beteuerungen von “aufrichtig empfundener Verehrung für ältere Menschen” wenig. Toleranz und Achtung bewähren und bewahrheiten sich erst in den schwierigen Fällen. Um beim Bild des Fasses zu bleiben: Es sollte so groß sein, dass es nicht so schnell überlaufen kann; am besten noch, es wäre ohne Boden. Mir aber würde es schon reichen, wenn es beim Überlaufen ein nicht so hässliches Geräusch machen würde …
    Ich halte Ihre Reaktion aus den genannten Gründen nach wie vor für unangemessen.
    mfG hp

  6. Zweierlei: Erstens war dies...
    Zweierlei: Erstens war dies der berühmte Tropfen, der das Faß…., wie man sich vielleicht vorstellen kann. Zweitens umfasste das Gerontoriat ironischerweise hier nur diese eine Person. In vielen anderen meiner Blogs werden Sie aufrichtig empfundene Verehrung für ältere Menschen entdecken. Ich weiß, das war scharf. Aber ich glaube, es war angemessen – in diesem einen Fall.
    Herzlich, Wiebke Hüster

  7. Sehr geehrte Frau Hüster, Sie...
    Sehr geehrte Frau Hüster, Sie haben sich geärgert und fanden den Gag geschmacklos — das ist Ihr gutes Recht.
    Aber wenn Sie auch darin Recht hätten, dass es sich um einen 80jährigen (ehemaligen) Ballettkritiker handelt, ein Mitglied des “Gerontoriats”?
    Wäre dann nicht ein milderer Umgang passend? “Geschmacklos zur Welt gekommen und sich darin treu geblieben” — ist das angemessen?
    Ich finde: nicht!
    “Rabiatisiert sich das Gerontoriat?” — Von einem auf alle schließen? Ist das logisch? Es ist eigentlich eine Beleidigung aller älteren Menschen und rückt Sie in ein unschönes Licht. Schade.
    mfG hp

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