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Aufforderung zum Tanz

Aufforderung zum Tanz

Was sie schon immer über Tanz hätten wissen wollen können und bisher nicht auf die Idee kamen zu fragen.

Frankfurt braucht wieder ein Ballett an den Städtischen Bühnen

| 2 Lesermeinungen

  Frankfurt braucht wieder ein Ballett an den Städtischen Bühnen oder: Anmerkungen zum Reisen als Beruf Teil 2 der Serie „O Gott, was sind Sie,...

 

Frankfurt braucht wieder ein Ballett an den Städtischen Bühnen oder: Anmerkungen zum Reisen als Beruf

Teil 2 der Serie „O Gott, was sind Sie, Tanzkritikerin? Ja, äh, schön.”

Manche finden das aber wirklich schön, wenn sie einen kennenlernen. Mit kehligem Lachen erzählt die achtzigjährige, unglaublich gut gelaunte und gutausehende Mutter/Schwiegermutter neuer Freunde, die uns netterweise in das Haus ihrer (Schwieger)Eltern einluden, wo sie – die Kinder – gerade zu Besuch und damit in unserer Nähe waren, von den Ballettstunden ihrer Kindheit in Old New York, back in the days. Die hätten dazu geführt, dass sie in ihren Frankfurter Berufsjahren selbstverständlich immer in die Vorstellungen von William Forsythes Ballett Frankfurt gegangen seien.

Das machte man einfach, das gehörte zum kulturellen Leben der Stadt dazu. Natürlich gehen heute auch die Freunde der Forsythe Company weiterhin ins Bockenheimer Depot, und das sollen sie auch, aber schade und traurig und auch total unverständlich ist doch, woran man im Gespräch mit so anregungsreichen und erfahrenen und lebendigen Menschen denken muß: Dass wir nämlich kein Ballett an den Städtischen Bühnen Frankfurts mehr haben. Absurd. Würde man einem Schauspieldirektor, den man loswerden möchte, etwa eine freie Gruppe anbieten und sagen, Zieh hin, fahrender Gesell und fürderhin machen wir hier das Schauspielhaus dicht? Im Leben nicht. Also vielleicht könnten wir das doch wieder aufmachen, bitte?

Das bringt mich auf mein eigentliches Thema. Tanzkritik hat, ok, nicht soviel gemein mit dem Tankstellenwesen, der Landwirtschaft, dem Lehrerdasein. Der Berufsalltag der Ballettkritikerin hat mit dem eines Restaurantkochs wenig gemein, außer dass beide nachts arbeiten, das tun Ärzte aber auch und Schiffskapitäne zur See. Was mich aber mit Betriebswirten, Marketing-Mitarbeitern, Professoren und Tänzern in eine Teilmenge der Menschheit einschließt, ist das unfreiwillige, notwendige Herumreisen. Ein Architekt hat mir mal in einem Zug gesagt, morgens Madrid fände er nicht schlimm, denn er würde ganz bewußt freie dreißig Minuten zwischen Terminen dazu nutzen, schnell in ein Museum zu huschen und zwanzig Minuten konzentriert vor einem ausgesuchten Gemälde zu verbringen.

Der Mann ist mein Vorbild. Mein unerreichtes. Sowie man mich irgendwo fern ab von Bügelwäsche, Staubsauger, Computer, Garten und Supermarkt aussetzt, falle ich in den Standby-Modus, bis die Vorstellung beginnt. Ich laufe herum in einer fremden Stadt, trinke zuviel Kaffee, gerate in die Fänge ruchloser Handtaschenverkäuferinnen oder fröne sinnloser Lektüre von Tanzzeitschriften und Schlimmerem.

Dann bin ich abends in Topform. Aber nur, wenn alles beim Reisen gutgegangen ist. Wenn also meine Freundinnen mit Ihren Rufen “Oh, Du darfst wieder nach Hamburg, London, Karlsruhe, München, Paris”, auch Recht hatten. Manchmal geht nämlich alles so komplett schief, dass man heilfroh ist, abends überhaupt in dem vorgesehenen Theater zu sitzen, rechtzeitig. So wie neulich. Zweieinhalb Stunden vor Abflug auf den Weg gemacht, eine halbe Stunde dauert es mit dem Auto zum Flughafen, also bannig Zeit und kein Grund zur Unruhe. Doch nach drei Kilometern, peng, ist Stau, aber apselut keine Bewegung mehr, sieben Kilometer von der nächsten Ausfahrt entfernt. Zweieinhalb Stunden später als geplant treffe ich am Flughafen ein und nicht nur mein Flug, sondern auch der nächste ist schon weg und jetzt ist natürlich zweieinhalb Stunden Pause bis zum nächsten. Abflug: 14.40 Uhr statt 10.55 Uhr. Ich lande pünktlich in Heathrow, da ist es 15.20 Uhr, eine Stunde früher als in Deutschland. Noch ist Zeit fürs entspannte Umziehen, essen, zwanzig Minuten Bildbetrachtung, geschenkt. Aber in Heathrow, Terminal 5, stehen die ankommenden Geflogenen einmal um das ganze Terminal herum und kriegen Wasserflaschen gereicht von besorgten Flughafen-Angestellten, denn Tausende stapeln sich vor den Grenzkontrollen.

Es dauert eine Stunde, bis diese Schwelle überschritten ist. Englands Bank Holiday sei dank. Die U-Bahnen sind so überfüllt wie in Tokyo. Ich steige eine Station früher aus, weil ich keine Luft mehr kriege. Spaziergang. Im Hotel bleibt eine halbe Stunde zum Einchecken, Umpacken, Loslaufen. War das doch wieder ein von glamourösen Umständen beglänzter internationaler Jetset-Arbeitstag? Kann denn nicht jemand in Frankfurt wieder ein Ballett einrichten, bitte? Ist doch nicht bloß für mich.

 

 

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2 Lesermeinungen

  1. @m.loewenstein
    "Oder bin ich...

    @m.loewenstein
    “Oder bin ich hier völlig unverhofft auf einer Satireseite gelandet?”
    Da liegen Sie sicherlich falsch. Was aber stimmt ist, dass Sie den Witz, den Sie wiederholen, nicht verstehen wollen.

  2. Könnten sie das nochmal ganz...
    Könnten sie das nochmal ganz klar und deutlich sagen, damit’s jeder (also, ich jedenfalls) versteht: wir brauchen deswegen Ballett an der Frankfurter Bühne, damit Sie nicht mehr so anstrengend herumreisen müssen?? Oder bin ich hier völlig unverhofft auf einer Satireseite gelandet?
    Michael zu Löwenstein

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