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Zu Weihnachten: Geschenkempfehlungen

30.11.2012, 11:17 Uhr

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Drei, die es in den Beinen hatten: Ginger Rogers, Hermes Pan und Fred Astaire (Courtesy: Arthaus Musik)

„I believe there are many Sheldons out there in different parallel universes. In none of these do I dance”

Sheldon in „The Big Bang Theory”

„Oh, the periphery. They throw good parties there.” Fiona Apple

 

Zuviele Menschen tanzen nicht, so wie Sheldon. Sie verpassen etwas. Glaubt mir. Umgeben zu sein von Menschen, die nicht tanzen und auf dem Land zu wohnen, das waren bis vor kurzem zwei schwerwiegende Nachteile für alle, denen die Namen Sylvie Guillem, Raymonda oder Fred Astaire etwas bedeuten. Aber inzwischen kann man beide etwas abmildern. Weit von guten Diskotheken und großen Ballettcompagnien entfernt zu leben, läßt sich durch die neuen Medien in Teilen kompensieren. Und selber Parties geben ist in der dunklen Jahreszeit auch unbedingt einen Verscuh wert. Meint Fiona Apple jedenfalls.

Oh, die Welt der Apps! Zwischen der Autoraser-App „Need for Speed: Most Wanted” und „Avengers Initiative” (Knallharte Kämpfe mit Superkräften, superschneller Steuerung und einer packenden Mischung aus Taktik und Action”) gibt es „Merce 65 Years” für das I-Pad, I-Tunes App Store, Euro 14,99. Den schleimgrünen Monstermuskelmann aus „Avengers Initiative” könnte man sich vielleicht auch als Tänzer vorstellen (Geiles Kostüm, Mann). Bestimmt hätte der größte Barfuß-Choreograph der Moderne, Merce Cunningham, auch noch Avatare und App-Darsteller eingeladen auf seine Tanzbühne. Aber er ist 2009 im Alter von neunzig Jahren gestorben. Sein lebendes Gedächtnis, der Archivar der Merce Cunningham Dance Company, David Vaughan, hat die Forstetzung seines wundervollen gedruckten Standardwerks „Merce 50 years” („The Merce Bible”, wie es allgemein genannt wird) jetzt als App herausgebracht. Als er zum ersten Mal ein I-Pad mit der Anwendung in den Händen hielt, die er doch entworfen hat, war er überwältigt. Er fand, diese technologischen Möglichkeiten der Tanzvermittlung seien noch phantastischer als er geglaubt habe. Nun, zwischendurch hatte es DVD’s gegeben, Vaughan hatte stets mit dem medialen Fortschritt mitgehalten.

Verehrer der Musicals mit Fred Astaire freuen sich über die bei Arthaus Musik erschienene Dokumentation (Nr. 101 642) „Dance Crazy in Hollywood. A Film about Choreographer Hermes Pan”). Pan war der Choreograph vieler Fred-Astaire-Produktionen, brachte aber auch viele andere Hollywood-Stars zum Tanzen – Rita Hayworth etwa, oder Cyd Charissse. Bei Astaire, der sich viele seiner Tänze selbst ausdachte, war Pans Anwesenheit in den Proben gleichwohl immens wichtig. Er war das kritische Auge, das von außen auf eine Tanzsequenz sah und raten konnte, ob sie gelungen war oder wo es Schritte oder Übergänge zu verbessern galt. Wenn Astaire einen Tanz choreographierte und mit Improvisationen nach Lösungen suchte, konnte er sich darauf verlassen, dass Hermes Pan sich alles merken und notieren würde. Übrigens war es Hermes Pans tolle Idee, dass Astaire statt mit einer Tanzpartnerin mit einem Garderobenständer tanzen könnte, was er dann in „Royal Wedding” auch tut.

Im Schweizer Bohem Verlag ist ein hübsches großes Bilderbuch erschienen, das Kinder und Erwachsene gleichermaßen erfreut. Es heißt „Little Gurus. Ein Yoga Entdeckungsbuch” (ISBN: 978-3-85581-529-6). Olaf Hajeks herrliche Bilderseiten zeigen ein farbenprächtiges Indien voller Tiere, Pflanzen, Götter und Personen in Yoga-Positionen. Es ist ein für Kinder ab drei Jahren geeignetes Wimmelbuch, das in den Yoga einführt (mit einem Vorwort der Yoga-Lehrerin Patricia Thielemann in Englisch, Französisch und Deutsch. www.bohem.ch)

Bei Warner Classics gibt es eine unübertrefflich schöne DVD-Sammlung für lange Winterabende. Das Ballett der Pariser Oper tanzt in „The Ballet Collection” (2564-66518-4) Nurejews Fassungen von „La Bayadère”, „Romeo und Julia”, und „Dornröschen”, mit Manuel Legris, Aurélie Dupont, Laurent Hilaire, Elisabeth Platel und anderen. Léonide Massines „Dreispitz”, Bronislava Nijinskas „Le Train Bleu” und ein Ballettabend mit Werken, die Picasso ausstattete, ergänzen diese Klassiker.

Mit Darcey Bussell ist eine DVD, die eine Studio-Aufnahme von Kenneth MacMillan’s „Winter Dreams” zeigt (50-51865-2683-2-1. Das ist MacMillan’s hinreißende Version von Tschechows „Drei Schwestern” (Musik: Tschaikowsky).

Schöne Geschenke sind auch die Ballettkalender 2013. Der Dumont-Kalenderverlag hat einen sehr schönen mit Martin Schläpfers „Ballett am Rhein” produziert. Deutschlands führende Compagnie, die gerade mit den Schläpfer-Stücken „Neither” und „Forellenquintett” im Pariser „Théâtre de la ville” ein begeistert aufgenommenes Gastspiel vor den Augen der tanzverwöhnten Pariser gibt, macht sich auch als Kalendermotiv gut. Natürlich gibt es auch von vielen anderen Ensembles schöne Kalender – von John Neumeiers Hamburgballett etwa. Viel Freude beim Aussuchen und Schenken.

 

 

 

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Jahrgang 1965, Tanzkritikerin.