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Happy New Dance Year 2013!

30.12.2012, 21:31 Uhr

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„Das Tantzen, Printz, ist nöthig, nicht allein, damit ihr eine schöne Stellung und Positur des Leibes, einen zierlichen Gang, anmuthige Beugungen, und geschick­liche Wendungen euch an­ge­wehnet, sondern auch bei angestellten Fröligkeiten eure Person in Tantzen wohl agiren könnet.”

Johann Christoph Wagenseil: Von Erziehung eines Jungen Printzen, der vor allen Studiren einen Abscheu hat, dass er dennoch gelehrt und geschickt werde, Heinichen Verlag, Leipzig 1705, S. 75, zitiert nach dem Vortrag „Tanz im Mannheimer Jesuitentheater (1720-1773): Eine Spurensuche” von Hanna Walsdorf, Universität Heidelberg, gehalten bei dem Symposium „Musik – Tanz – Mannheim” am ersten Dezemberwochenende in der Akademie des Tanzes, Mannheim.

 

„Isn’t it too bad that Proust didn’t have something like this?”

Truman Capote im New Yorker „Studio 54″, wo er als regelmäßiger Gast – neben Liza Minelli, Andy Warhol und, seltener, Vladimir Horowitz und, freudloser, Rudolf Nurejew, in den späten siebziger Jahren erschien und das Publikum des Clubs von der Kabine des DJ’s beim Tanzen beobachtete.

 

Die Akademie des Tanzes, Mannheim, seit 1997 geleitet durch Professor Birgit Keil, feierte im zuendegehenden Jahr ihr 250-jähriges Bestehen. 1762 am kurfürstlichen Hoftheater angesiedelt, bildet die Hochschule heute noch professionelle Bühnentänzer aus. In diesem Jahrgang, wovon man sich bei dem eingangs erwähnten Symposium in einer Abendvorstellung überzeugen konnte, besonders begabte junge Tänzer: Sie sind nicht nur technisch bereits erstaunlich souverän in verschiedenen Stilen fähig sich auszudrücken, sondern haben dazu eine besondere Präsenz, eine Charme, künstlerische Intelligenz und Stilbewußtsein verströmende Ausstrahlung. Sie wirken bei alldem selbstbewußt und bescheiden zugleich.

Das Symposium beleuchtete in einer Vielzahl von Vorträgen unterschiedliche historische Epochen des Instituts und seiner Aufführungen, seiner Komponisten und Tänzer. Während Jörg Rothkamm das neunzehnte Jahrhundert und den Erfolg der „Puppenfee” in Mannheim thematisierte, ließ Janine Schulze Isadora Duncan’s Erscheinen in Mannheim Revue passieren und machte Liselotte Homering von den Reiss-Engelhorn-Museen (wo sie die „Abteilung Theater- und Literaturgeschichte mit Mannheimer Musikgeschichte” leitet), klar, welche Fragen Mary Wigmans Wirken in Mannheim aufwirft – etwa nach der Praktibilität von Tanznotationen wie der Benesh Notation oder der Kinetographie Rudolf von Labans.

Mannheim als Zentrum nützt vielleicht als Denkfigur. Zu begreifen, was der Tanz vermag, blieb 1762 und noch sehr lange danach einer kleinen Elite vorbehalten, sieht man von den Geschickten unter der Hofdienerschaft ab, die als zusätzliche Kräfte für Aufführungen gebraucht und entsprechend geschult wurden. Heute aber ist es kein Privileg des Standes oder der Geburt, sich einer Metamorphose durch Bewegung zu unterziehen. Man kann sich alles durch Youtube beibringen, wie Sidi Larbi Cherkaoui. Man kann in die heutigen Studio 54′ s gehen….Natürlich darf man nicht erwarten, dass Frauen mit Manolo Blahniks an den Füssen auf Pferden hereinreiten, wie Bianca Jagger das 1977 zur Eröffnung tat, aber, so kleinlich wird ja niemand heute sein.

Außerhalb von Vorstellungen auf tanzende Tänzer zu treffen, etwa in solchen Clubs, ist selten, aber nicht ausgeschlossen. Hier einige Antworten auf meine Frage nach der diesjährigen Sylvesterparty:

  • Bild zu: Happy New Dance Year 2013! 00:23Anna Tsybina

    Hallo, Wiebke ! Wir haben am 1 Januar die Vorstellung . Ich glaube nicht das ich sehr groß feiern werde . Aber in der Stadt ist immer was los. Nachtresidenz (das ist ein Club) oder Schlösser in der Altstadt wäre ein guter Tip!!! Happy New Year !!!

  Tony Rizzi

oh do dancers party in public spaces.? well in clubs sure. dancers love to do that. but if u mean like right on the street i dont imagine they search to do that. but if something gets started then the madness of movement can really begin. remember dancers are shy and insecure mostly. the wall between the public and the performers is often necessary.

Fabrice Mazliah

Hi Wiebke, interesting blog, I am not the right person to ask about party, I don’t go out that much and I am usually somewhere far away from cities and city life over that period of the year, so this time I will party in a very quiet environment in greece nothing fancy and nobody around.

Best wishes and happy new year,

Fabrice

Wir sollten unsere freie Zeit, unser Vergnügen, im neuen Jahr weniger an virtuelle Stellvertreter im Fernsehen, im Internet oder der Yellow Press abgeben. Wir sollten wieder mehr selber ins Theater gehen, ins Konzert, in die Oper, in den Werkeinführungen und Matineen Fragen stellen und ins Gespräch kommen über das, was wir gesehen und gehört haben. Wir sollten selber singen – unter der Dusche (thanks for confirming, Woody Allen), mit Freunden, im Wald. Wir müssen mehr echte Sinneseindrücke sammeln und verarbeiten, mehr wirkliche Erfahrungen machen von Klängen, Gerüchen, Gefühlen, Lesarten, Sehweisen, bewußter leben.

Sie haben ein ganzes Jahr, um unter den scheuen Tänzern Freunde zu machen, damit Sie dann auf der nächsten Sylvester-Party erfahren, wie es ist, sie ohne vierte Wand zu beobachten, wenn sie aus schierem Vergnügen und ihren eigenen Eingebungen folgend tanzen – vielleicht mit Ihnen. Happy new dance year, everyone.

 

 

 

 

 

 
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Jahrgang 1965, Tanzkritikerin.