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Trop de miel dans la ruche? Irritierendes zum Konzept der zweiten Chance

27.06.2013, 22:18 Uhr  ·  Der zweite Aufschlag, der zweite Ehemann, wer braucht sie nicht mehr als einmal, die zweite Chance, natürlich in verschiedenen Hinsichten. Es kommen außerdem vor: Die Bienenstöcke auf dem Dach der Pariser Oper.

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Also manchmal sagt dieses Internet ja Sachen zu einem, die kann man gar nicht glauben. Das da zum Beispiel: „Browsen Sie treue Männer in Ihrer Nähe, die eine zweite Chance suchen“. Und dann steht dabei ein Foto von einem grinsenden Mann mit kurzrasiertem Schädel. „Klicken Sie hier“ steht dann da noch. Aber woher wollen die jetzt wissen a) was hier in meiner Nähe ist b) wer von denen bei mir schon mal eine erste Chance vergeigt hat oder falls sich das c) gar nicht auf mich bezieht, können die doch aber gar nicht wissen, in welchen Fällen von vermasselter erster Chance ich jetzt genau helfen könnte.

Ich fand das verwirrend. Browsen klingt sowieso schon nach Abschweifung, dem soll mit dem Adjektiv treu gleich vorgebeugt werden. Bloß wem oder was sind die treu, die Männer? Ihren Prinzipien? Soll das gut sein? Dazu müßte man die Prinzipien erfahren. Sonst könnte man ihnen in zweiter Chance helfen, bessere Prinzipien zu entwickeln. Rätselhaft, nahezu unverständlich und mithin keine gute Geschäftsidee. Ihr könntet das in zweiter Chance mal so versuchen, Internetnepper. „Browsen Sie modegesetztreue Handtaschen in Nähe Ihrer Kreditkarte, die eine zweite Chance suchen.“ Das kann eine Frau verstehen. Das sind klare Ansagen, da wird man schwach. Diese wahnsinnig tolle Tasche letztens, die ich weggeklickt habe in falschem Heroismus, vielleicht ist die jetzt hier in meiner Nähe im Sale 5 % günstiger und ich kriege eine zweite Chance mit ihr…

Auf dem Dach der Pariser Oper bekommen jetzt zwei neue Imker eine erste Chance, also Bienenvölker eine zweite Chance, sich anzusiedeln. Assistiert von Feuerwehrleuten beeindruckten die jungen Imker als erstes damit, vor einigen Tagen in einer vierstündigen Aktion einen Bienenschwarm einzufangen, der sich in der Uhr oberhalb des Restaurants des Palais Garnier eingenistet hatte. Es war die erste Amtshandlung von Rémy Vanbremeemersch und Bruno Petit. Sie lösen im Amt des französischen Oberopernimker Jean Paucton ab, der seine vier Bienenstöcke dreißig Jahre dort oben logieren ließ. Seitdem etwa ist „Zuviel Honig im Bienenstock zu haben“ ein geflügeltes Wort unter den 177 Tänzern des Hauses, noch so eine Kleinigkeit, an die sich ihr zukünftiger Ballettdirektor Benjamin Millepied aus Ollywwuud erst noch gewöhnen muß. Es sind ja mehr die zeitgenössischen Tänzer, die sich für Schwarmtheorien und dergleichen interessieren. Den Honig verkauft die Boutique der Pariser Oper, also der Shop im Palais Garnier, dessen Angestellte sauer werden, wenn man nach „Black Swan“ fragt, obwohl Millepied und seine Frau Natalie Portman darin mitspielen. Auch so eine Kleinigkeit, an die sich die Boutique der Pariser Oper dann noch gewöhnen muß in ihrem neuen amerikanischen Management.

Heute ist Siebenschläfer, der Tag der zweiten Chance. Es hat heute ganz schön gegossen, hier wo ich wohne, und angeblich soll das Wetter an Siebenschläfer sieben Wochen so bleiben. Aber erstens geht es bei der Bauernregel zur Zeit ihrer Prägung noch nach dem gregorianischen Kalender, sodass man am 7. Juli nach dem Wetter schauen müßte um Prophezeiungen verkünden zu können. Diese haben dann allerdings eine sechzig- bis achtzigprozentige Wahrscheinlichkeit. Ziemlich wahrscheinlich bleibt das Wetter des 7. Juli einige Wochen stabil vorherrschend, allerdings eher im Süden Deutschlands. Im Norden ist das nicht anwendbar, das zeigen meteorologische Statistiken. Alle die was anderes behaupten, haben zuviel Honig in der Wabe, siehe oben.

Falls Sie bis jetzt gefunden haben, das trifft auf die Autorin zu, weil Bienen auf dem Dach der Pariser Oper jetzt aber streng genommen die Tanzkritikerin nur peripher angehen, dann betrachten Sie diesen Blog doch als aufgehängt am Thema „Zweite Chance“. Wir alle, die wir 1965 noch im Mutterleib oder noch weniger real existierten, kriegen jetzt noch eine zweite Chance, John Cages phantastische „Variations V“ anhören und Merce Cunninghams Choreographie gleichen Namens sehen zu können. Und zwar weil ein der Neuen Musik treuer Wissenschaftler und Autor, Hansjörg Pauli, das 1965 geschaffene Stück 1966 für den NDR Hamburg filmte und Mode Records aus New York jetzt eben gerade eine einhundertsechsundfünzig Minuten lange DVD (die haben zuviel Bonustracks in ihrem Bienenstock, aber für mich können es gar nicht genug sein) www.moderecords.com veröffentlicht haben. Haben wollen. Mehr darüber an dieser Stelle, demnächst. Wer mir schöne Tierhaltungsgeschichten anderer Opernhäuser erzählt…., bei dem überlege ich mir, was er kriegt oder sie. Wir browsen mal ein bißchen. Die DVD kostet 19 Dollar neunundneunzig und zwölf Dollar Versand nach Deutschland.

 

 

 

 

 
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Jahrgang 1965, Tanzkritikerin.