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Christina Hucklenbroich bloggt über unser Zusammenleben mit Tieren: über Alltägliches und neu Erforschtes und lange Verborgenes

Zwei Drittel der deutschen Hundehalter beschenken den Vierbeiner zu Weihnachten: ein Einkaufsbummel

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Fast zwei Drittel der deutschen Hundehalter wollen ihrem Hund etwas zu Weihnachten schenken. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des...

Fast zwei Drittel der deutschen Hundehalter wollen ihrem Hund etwas zu Weihnachten schenken. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Marktforschungsinstituts The Consumer View in Bremen. Befragt wurden 1000 Frauen und Männer aus dem gesamten Bundesgebiet. Auch 60 Prozent der befragten Katzenhalter, 53 Prozent der Aquarienbesitzer und 58 Prozent der Halter von kleinen Heimtieren, etwa von Hamstern oder Kaninchen, kaufen ihren Tieren demnach ein Geschenk.

„Viele Leute kaufen Weihnachtsgeschenke für ihren Hund, manche auch Nikolausgeschenke“, bestätigt Anne Rademacher, Inhaberin des Ladens „Feine Dame – schöne Dinge für Hund und Halter“ in Münster. „Wichtig ist den Kunden vor allem, dass das Geschenk eingepackt wird – damit der Hund auch etwas auswickeln kann, wenn Bescherung ist. Oft lege ich ein Leckerli mit rein, damit das Geschenk auch interessant riecht und der Hund besonders motiviert ist, das Papier aufzureißen.“ Hinter Rademachers „Feiner Dame“ steht ein Geschäftskonzept, das mittlerweile in vielen Großstädten Fuß gefasst hat: kleine Läden, in denen es nicht nur die „Basics“ für die Hundehaltung gibt, sondern vor allem modische, auffällige und ausgesuchte Accessoires.

Bild zu: Zwei Drittel der deutschen Hundehalter beschenken den Vierbeiner zu Weihnachten: ein Einkaufsbummel

In den vergangenen Jahren haben deutschlandweit viele Läden dieser Art eröffnet. Sie heißen Hauptstadthund (Berlin), Rocka Dog (München) oder eben Feine Dame. Körbchen kaufen, alte Lumpen und eine zerschlissene Decke rein, Futternapf aus Plastik, ein Kauknochen und ein Ball, fertig ist die Hundegrundausstattung – das war mal. Heute schlafen Hunde wie Ludwig XIV. – sie haben keine Körbchen mehr, sondern große runde Polster aus Samt und Seide, opulent bestickt, mit Fransen und Troddeln: sogenannte Hundebetten. Näpfe sind Designobjekte mit silbernen Griffen in Knochenform oder haben ein schickes Gestell, das sie leicht erhöht, damit der Hund bequemer fressen kann. Auch Hundeleine ist längst nicht mehr gleich Hundeleine, Halsband nicht gleich Halsband. Es gibt handgefertigte Einzelstücke, Leinen aus Lackleder, mit Leopardenmuster, Halsbänder mit dem Namen des Hundes, geflochten und mit Straß, aus Nylon, aus Ökoleder und aus Baumwolle. 

Der Münsteraner Laden von Anne Rademacher liegt innenstadt- und bahnhofsnah. Die meisten Kunden seien Frauen, sagt Rademacher. Auch die Bremer Marktforschungsstudie ergab, dass vor allem Frauen Weihnachtsgeschenke für ihre Tiere kaufen. 62 Prozent der Frauen suchen vor Weihnachten ein Geschenk für ihr Tier aus, dagegen nur gut 42 Prozent der befragten Männer. Auch an diesem Nachmittag betreten nur weibliche Kunden den Laden. „Frauen interessieren sich eben mehr für Mode“, ist Rademachers Erklärung dafür. Denn darum geht es in Läden wie der „Feinen Dame“ letztlich: um Mode. Im hinteren Ladenteil finden sich mehrere Kleiderstangen, an denen Jacken für Hunde jeder Größe hängen: Grüne Wachsjacken mit kariertem Innenfutter und braunem Kordkragen, Winteranoraks mit pelzgefasster Kapuze, gelbe Regencapes und sportlicher Outdoorfleece. „Es gibt Jacken für den Hundeplatz und Jacken für die Stadt“, erklärt Rademacher. Muss man einen Hund denn wirklich anziehen? Rademacher verweist darauf, dass auch Jäger in den Laden kommen oder Leute, die zum Hundesport gehen: „Stellen Sie sich vor, ein Hund liegt stundenlang vorm Kamin oder auf der Fußbodenheizung, und dann soll er im Winter direkt nach draußen und sich bewegen. Dafür braucht man dann eine Hundejacke.“

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Auch Handtaschen für die Hundebesitzerin gibt es im Luxushundesegment. Es sind weiche, mit Troddeln behängte Sitzkissen, die sich zur Handtasche verschließen lassen und dann am Arm baumelnd mitgeführt werden können – damit auch der Hund ein weiches und warmes Plätzchen bekommt, sobald man in einem Café Rast macht. 

An Weihnachten verschenkten die meisten Hundebesitzer allerdings weder mobile Kuschelecken noch Kleidung, sondern vor allem Spielzeug, sagt Rademacher. Und auch da ist die Auswahl groß. Manchmal verschwimmt ein wenig die Grenze zwischen Hund und Kind: Zum Beispiel beim originalgetreuen Stofftriceratops in Dackelgröße mit extra derber Oberfläche. Den würde man eher im Kinderzimmer eines achtjährigen Dinosaurierfreundes vermuten als im Hundekorb. Nein, Hundebett natürlich. Die Produktvielfalt erstaunt. Vielleicht ist der Hund heute einfach wichtiger für Herrchen und Frauchen? Oder es gibt immer weniger Hunde und damit auch immer weniger Hundebesitzer, so dass auch hundelose Verwandte und Freunde Geschenke kaufen? In diesem Jahr machen sogar mehrere „Hundeweihnachtsmärkte“ von sich reden, auf denen eine ähnlich umfangreiche Produktpalette feilgeboten wird wie in den Luxus-Hundeläden der Großstädte. Unter anderem in Heidelberg und in der Aachener Soers können Hunde Leberwursttorte bestellen, während die Halter bei Glühwein zusammenstehen und sich über Hundeschulen austauschen.

Nach den Briten investieren die Deutschen mittlerweile in Europa am meisten in ihre Haustiere. Hunde machen dabei den Löwenanteil aus. In der „Wirtschaftswoche“ hieß es unlängst, in Deutschland entfielen knapp vier Milliarden Euro Umsätze auf Hunde, der gesamte Heimtiermarkt lasse sich auf mehr als sechs Milliarden Euro taxieren.

„Jede noch so bizarre Produktidee geht in Serie“, schrieb die Zeitung über den Haustier-Markt. Gemeint waren damit vor allem luxuriöse Geschenke für den Hund, der schon alles hat, wie es sie auch in der „Feinen Dame“ gibt. Doch Anne Rademacher in Münster muss auch praktische Dinge vorrätig halten, um die Kunden zufriedenzustellen: Leuchthalsbänder, wasserdicht, 500 Meter weit sichtbar. Kotbeutelspender und Aigle-Stiefel für die Besitzer jagdlich geführter Hunde. Oder kleine bunte Gummiballons, die man dem Hund im Winter über die Pfoten stülpen kann, damit die Ballen durch Eis, Schnee und Streusalz nicht aufgerissen werden. 

„Produkte, die weiter denken“, nennt Rademacher das. Um neue Ideen ins Sortiment nehmen zu können, ist sie im Herbst extra nach Chicago geflogen, wo sie „Backer’s 44th Annual Pet Industry Christmas Trade Show“ besucht hat. In Amerika hat Luxus für den Hund und andere Haustiere schon eine längere Tradition. Auf Backer ’s Christmas Trade Show wurden in diesem Jahr drei Preise für neue Produkte verliehen. Die Goldmedaille ging an den „Cat Power Tower“, einen motorisierten Katzenkratz- und Spielbaum. Den zweiten Preis erhielt der „Walkin‘ Wheels Mini-Dog Wheelchair“, ein kleiner Rollstuhl für gelähmte Haustiere. Mit der Bronzemedaille wurde „Thundershirt“ ausgezeichnet, ein eng anliegendes T-Shirt für ängstliche Hunde, das die Tiere in stressigen Situationen beruhigt – zum Beispiel bei Gewitter, denn viele Hunde geraten bei Blitz und Donner, aber auch bei einem lauten Feuerwerk in große Panik. Manche Besitzer müssen sogar auf Psychopharmaka zurückgreifen. Als Weihnachtsgeschenk dürfte „Thundershirt“ somit in besonderer Weise geeignet sein: Nur wenige Tage nach dem Fest kann es erstmals zum Einsatz kommen – in der Silvesternacht.

Bild zu: Zwei Drittel der deutschen Hundehalter beschenken den Vierbeiner zu Weihnachten: ein Einkaufsbummel

Thundershirt (Fotos feinedame.de, huch, thundershirt.com)

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1 Lesermeinung

  1. Ich finde das verrückt. Ich...
    Ich finde das verrückt. Ich bin selber Hundehalter (halte einen Labrador Retriever) und führe ihn teilw. jagdlich und beschäftige ihn mit Dummyarbeit. Ich bin also viel mit meinem treuen Freund unterwegs. Das ist artgerechte Tierhaltung und nicht ihnen „Deckchen und Mäntelchen“ anzuziehen, ohne darüber nachzudenken, ob das Tier (!) dieses alles überhaupt braucht geschweige denn möchte. Es gibt sicherlich einige Hunderassen, die brauchen bei diesen kalten Temperaturen, die wir momentan haben, eine Decke, wenn sie Gassi gehen, da sie kein Unterfell haben und somit wirklich frieren können. Das kann ich gelten lassen und finde es wichtig. Die meisten hat Mutter Natur aber gut mit einer Wärmeisolierung ausgestattet. Ein Hund braucht folgende Dinge und in dieser Reihenfolge, um glücklich zu sein: Bewegung, Futter, Liebe und Zuwendung. Auch wenn es vielleicht erstaunen mag, die Liebe kommt zuletzt! Denn ein Hund ist in erster Linie glücklich, wenn er sich bewegen kann und nicht dick und fettgefüttert auf der Couch liegen MUSS (mit einer lumpig zerrissenen Decke im Körbchen ist er allemal glücklicher, als mit einer „gut parfümierten“ Schmusedecke). Vielleicht sollten sich manche Hundehalter auch mal ein Buch zur Hand nehmen von Menschen, die sich mit der Hundepsychologie auskennen, dann wäre den Tieren sicherlich das eine oder andere überflüssige „Weihnachtsgeschenk“ erspart geblieben. Übrigens gilt dies alles auch für kleine Hunderassen, die eigentlich keine Schoßhündchen, sondern auch Hund sein möchten. Leider sehen ihre Besitzer dies oft anders und glauben, sie tun ihren Lieblingen etwas Gutes. Ich finde das schade. In diesem Sinne „Frohe Weihnachten“.

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