Tierleben

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Christina Hucklenbroich bloggt über unser Zusammenleben mit Tieren: über Alltägliches und neu Erforschtes und lange Verborgenes

Gestresst vom Streicheln: die Wahrheit über Katzen?

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Bitte nicht kraulen: Eine neue Studie im Fachmagazin "Physiology & Behavior" zeigt angeblich, dass Katzen von Nähe zu Menschen gestresst sind.

Die Beziehung zwischen Mensch und Katze schien eigentlich gut untersucht: Mehr als zwölf Millionen Katzen sollen in den deutschen Haushalten leben, mehr als es Hunde, Kaninchen oder Hamster gibt. Katzen, schrieb der Psychologe Jens Lönneker in einer Forschungsarbeit zum Thema, „können Lebens- und Überlebensvorbilder für die Zukunft sein:  Sie zeigen uns auf ihre Art, wie wir die Anforderungen des modernen Lebens meistern können.“ Wie Lönneker das meint? Er hat tiefenpsychologische Studien mit Katzenbesitzern angefertigt und findet, dass Katzen Antworten auf Fragen bereithalten wie: „Wie können Einzelgänger und Individualisten Bindungen zueinander herstellen und ein Zusammenleben organisieren? Wie viel Nähe kann zugelassen werden, wie viel Distanz ist notwendig? Und: Wie sehr kann man eigensinnigen Interessen folgen, wie sehr muss man Rücksicht nehmen?“

Ja, wie sehr muss man eigentlich Rücksicht nehmen – und zwar auf die Katze? Eine aktuelle Studie aus Brasilien lässt diese Frage in ganz neuem Licht erscheinen. Daniela Ramos von der Universität in Sao Paulo hat gemeinsam mit Wissenschaftlern von der Veterinärmedizinischen Universität in Wien und von der britischen University of Lincoln untersucht, ob Katzen, die in Haushalten mit mehreren Katzen leben, gestresster sind als Einzelkatzen. Eine berechtigte Frage ist das, schließlich gibt es tatsächlich einen kleinen Trend in die Richtung, mehrere Tiere einer Art zusammen zu halten. In Deutschland ist dieses Phänomen vor allem bei Hundehaltern zu beobachten; es gibt inzwischen Vorträge zum Thema „Mehr-Hunde-Haltung“ und auch der Buchmarkt hält dazu neuerdings Titel wie „Einer geht noch: Tipps zur Mehrhundehaltung“ oder „Zwei Hunde – doppelte Freude“ bereit.

Glücklich in Gruppen? Hier sieht es so aus. (Foto Archiv)

Um es kurz zu machen: Ramos und ihre Kollegen fanden in allen drei untersuchten Gruppen (Einzelkatzen, Haushalte mit zwei Katzen, Haushalte mit Katzengruppen) alle Arten von Stresslevel, die sie mittels Cortisolmessung in Kotproben feststellten. Es gab gestresste Katzen in Gruppen, entspannte Katzen in Gruppen, relaxte Einzelkatzen, angespannte Einzelkatzen und so weiter. Möglicherweise, bilanzieren die Wissenschaftler, hat das Stressniveau mehr mit anderen Eigenschaften des Haushaltes zu tun, etwa mit der Beziehung zu den Menschen oder der Ressourcenverfügbarkeit, und weniger damit, wie groß die Katzengruppe ist.

Als Nebenprodukt der Studie fanden die Forscher allerdings heraus, dass Katzen, von denen die Besitzer sagten, sie „tolerierten“ das Gekraultwerden, höhere Cortisollevel aufwiesen. Dieses Detail nun hat weite Kreise gezogen. „Studie ergibt: Katzen hassen streicheln“ hieß es plötzlich bei heute.at und auf anderen Websites. Auch in Katzenforen war die Aufregung groß. Heute.at befragt Ramos‘ britischen Koautor Daniel Mills und erfährt: „Beim Kuscheln gelte, so Mills, weniger ist mehr!“ Denn Katzen mache das Kuscheln nervös.

Die Katzenhalter jedenfalls haben diese Veröffentlichungen ziemlich nervös gemacht. „Ich hörte es im Autoradio“, schreibt eine Halterin aufgeregt im „Katzenfreunde-Forum“ und schildert, wie ihre eigenen, zu Hause rasch auf den Schoß gehobenen Katzen sich tatsächlich ein wenig wehrten gegen das Gestreichelt-Werden.

Sicherlich ist es ein paar weitere Studien wert, die Lebensbedingungen von Katzen und ihre möglicherweise nicht immer unbelastete Beziehung zu Menschen genauer zu untersuchen. Über die gerade im Fachmagazin „Psychology & Behavior“ publizierte Studie aus Brasilien lässt sich allerdings sagen, dass das Ergebnis bei genauerem Hinsehen nicht gar so absolut ist. 4 der Katzen in der Studie mochten Kraulen und Streicheln nach Auskunft der Halter gar nicht, 13 „tolerierten“ es und 85 „genossen“ es. Nur in der Kategorie der Katzen, die Kraulen „tolerierten“, fanden sich auch erhöhte Cortisolwerte. Es könne sein, dass Katzen, die Kraulen offen ablehnen, im Gegensatz zu den toleranten Artgenossen in Ruhe gelassen werden, mutmaßen die Autoren. Diejenigen, die Kraulen tolerieren, haben dieses Glück nicht, sondern müssen den Stress aushalten. Um die Aussagen „Katzen hassen streicheln“ aus der Welt zu schaffen, schalteten sich weitere Autoren der Studie bald nach der Fehlinterpretation in die Debatte ein. Rupert Palme vom Institut für Biochemie an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien sagte: „Katzen sind keinesfalls grundsätzlich gestresst, wenn sie gestreichelt werden. Das hängt viel mehr von der Situation und vom Charakter des einzelnen Tieres ab.“

Entwarnung also für alle Katzenhalter, denen die plakative Aussage Sorgen bereitet hat. Sie können unbesorgt weiterstreicheln – und sollten sich vielleicht nur einmal Gedanken darüber machen, zu welcher Kategorie ihrer Katze gehört: Toleriert sie nur oder genießt sie wirklich? Und: Gibt es vielleicht noch ein paar Zwischentöne, ein paar weitere Kategorien, die hier gar nicht vorkommen? Die Halter waren auch gebeten worden, die Persönlichkeit ihrer Katze im allgemeinen zu charakterisieren. Gerade drei Möglichkeiten standen ihnen zum Ankreuzen zur Verfügung: Bossy, schüchtern und entspannt. Man fragt sich, ob diese doch recht grobe Einstufung tatsächlich der komplexen Psyche von Katzen gerecht wird.

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18 Lesermeinungen

  1. nun ja.. verständlich
    Wie wären wir wohl gestresst wenn ein Wesen daß ca 20 bis 30 mal so schwer und gross ist wie wir uns zärtlich unterm Kinn streichen wollen würde.. etliche Minuten lang !!
    Ganz egal wie zärtlich es wäre, ich könnte mich dabei wohl nie ganz entspannen ;-)

  2. Fachmagazin "Physiology & Behavior"
    »Fachmagazin« – Da lachen ja nicht nur die Hühner, sondern auch … ! Und die FAZ übernimmt Scharlatansveröffentlichungen zwar nicht ungeprüft, aber zitierend hin: Cortisol in der Katzenkacke als Simpelmerkmal für irgendwelche Katzenmentalerosionen. Das Ausmaß an Unwissenschaftlichkeit in monokausaler Verblendung aber hat als einzige Ursache den Veröffentlichungsdrang von »Wissenschaftlern« und genügt nur diesem überproportional. Irre.

    Die vielen verständigen und liebevollen Kommentare der Katzenhalter allerdings wären ohne diesen Artikel nicht geschrieben worden. So hat alles immer auch Nebenwirkungen; in diesem Falle nur positive.

  3. Unser Kater (siehe Bild) ...
    … hasst Streicheln. Seine Reaktion ist Zurückschlagen mit Kralle. Manchmal will er gestreichelt werden. Dann setzt er sich auf den Schoß.

    Unsere Kätzin mag Streicheln. Manchmal ist uns Menschen ihre Zuneigung ziemlich lästig, beispielsweise wenn die Computertastatur mit schmusiger Katze besetzt ist. Wenn sie nicht mehr mag, beißt sie leicht und geht weg.

    Beide Katzen sind „Findlinge“ (zu unterschiedlicher Zeit), die sich ihre Menschen selbst gesucht haben. Der Kater hat etwas gebraucht, sich an die Kätzin zu gewöhnen. Beide sind eifersüchtig aufeinander. Die Katzenklappe als Flaschenhals ist ein stetiger Konfliktherd – beide sind Freigänger. Kater und Katze sind sterilisiert.

  4. Es gibt "Dinge"...Liebe?...
    die kann „man“ zerreden…:-)

  5. Wir haben fünf Katzen und drei Hunde im Haushalt....
    und erleben täglich, worüber diese „Wissenschaftler“ wohl nur temporär Einblick erhalten. Unsere Katzen fordern mal mehr oder weniger regelmäßig ihrer Streicheleinheiten ein. Unser robuster Macho-Kater schmeißt sich z.B. jeden Morgen auf den Rücken, damit ich seinen Bauch und über seinen Kopf streichele. Unser jüngster Zugang, eine 5 1/2-monatige Glückskatze (dreifarbig) wurde als Neugeborenes mit dem gesamten Wurf im Plastikbeutel in einem Müllcontainer gefunden. Sie will täglich so oft gestreichelt werden, dass es uns schon „stresst“. Und warum schnurren die Katzen beim Streicheln, wenn es so unangenehm sein sollte?

    Früher fing ein Witz öfter mit der Floskel an …..“Amerikanische Wissenschaftler haben festgestellt“

  6. Meine Katze : eine Persönlichkeit!
    Mein Kätzchen läßt sich nur aus reiner Liebe streicheln, und sie kann für mich beschämend reagieren, wenn ich sie etwa nur aus Zeitvertreib, aus vorgetäuschter, mechanischer Zuneigung oder gar aus Mutwillen streichele!

    Sie durchschaut meine Motivation umgehend und zielsicher, und wenn sie mich betraft, indem sie davonschreitet mit diesem unbeschreiblichen Seitenblick auf mich, fühle ich mich ertappt, durchschaut, moralisch verurteilt – kurz, sie schrumpft mich auf Zwergengröße.

    Bin ich aber reinen Herzens bei ihr, dann erhebt sie mich über meine alltägliche Kleinheit und läßt mich an ihrer Persönllichkeit teilhaben!

    Was wissen diese Psychologen von meiner Katze? Weniger als nichts, keine Ahnung!

  7. Oh meine Katze ist eine Persönlichkeit
    sie hat nicht Herrchen oder Frauchen sondern sie hat Personal!

    Und wenn ich dieses Tierchen unaufmerksam oder zerstreut streichele oder gar wenn es darum geht, daß ICH Frust abbauen will, gar nicht zu reden davon, daß ich sie etwa in meinem Sinne necken bzw „ärgern“ will, dann fürchte ich ihren verachtungsvollen Blick von der Seite im Weg – gehen bzw.- schreiten, der mich zum moralischen Zwerg degradiert.

    Nein, Streß hat sie mit mir nicht, sie zeigt mir dagegen, was sie von mir hält – und oftmals erschrecke ich or mir selber.
    Was diese „Psychologen“ alles nicht wissen !!! (nix wissen)

  8. Das ist wie bei der Liebe ...
    … man soll die Katze nicht zu Boden kraulen, ob sie gerade will oder nicht, sondern sie kommt schon von selber … … … .

  9. Gestresst sind Katzen dann, wenn Menschen nicht auf ihre Körpersprache achten
    Ich beobachte regelmäßig, wie Katzenbesitzer es als ihr „Recht“ ansehen, die Katze zu streicheln, wann immer ihnen danach ist. Eine Katze zeigt stets sehr deutlich, was sie gerade gern hat und was nicht, wer sich darauf einlässt, nervt die Katze nicht und hat das gute Gefühl, dass seine Zuwendung wirklich geschätzt wird. Tipp am Rande, bei Frauen ist das auch eine gute Strategie …

  10. Wahrheit über Katzen
    Selten so eine gequirlte KK (Katzen-K*cke) gelesen. Wissen diese „Forscher“ eigentlich wie Katzen aussehen? Meine 3 (2 Kater eine Katze, alle kastriert/sterilisiert) fordern ihre Streicheleinheiten ein. Je behaglicher, umso tiefer das Schnurren. Und wenn sie genug haben, lassen sie es mich wissen. Ansonsten haben sie freien Auslauf in den Garten (in der Großstadt an einer Hauptverkehrsstraße) und sind rundum zufrieden.

    • Titel eingeben
      Und was hat jetzt das Eine (Ihr Kommentar) mit dem Anderen (FAZ-Artikel) zu tun?
      Die Forscher sagen, dass Katzen gestresst sind, wenn sie gestreichelt werden, obwohl sie es nicht wollen. Hört sich vernünftig und sinnvoll an.
      Kein Forscher behauptet, Katzen wollen generell nicht gestreichelt werden.
      Also was genau soll Ihr Einwurf über gequirlte Exkremente?

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