Tierleben

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Christina Hucklenbroich bloggt über unser Zusammenleben mit Tieren: über Alltägliches und neu Erforschtes und lange Verborgenes

Dackel heißen meistens Lucy: Amerikas beliebteste Hundenamen

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Gleich mehrere amerikanische Verbände und Online-Communitys für Hundehalter haben in den vergangenen Tagen ihren Datenbanken eine Antwort entlockt auf die Frage: Welche Hundenamen liegen derzeit im Trend? Ob nun der American Kennel Club, das Nachbarschaftsnetzwerk „Nextdoor“ oder die Dogsittervermittlung Rover.com am Werk waren, das Ergebnis ist erstaunlich gleichförmig: Unangefochten an der Spitze stehen „Bella“ für Hündinnen und „Max“ für Rüden. Darüber hinaus lassen sich aber „rassespezifische“ Unterschiede finden: Der häufigste Name für den Chihuahua, einen winzigen, zarten Schoßhund, ist „Coco“, Dackel heißen besonders oft „Lucy“, Retriever (egal ob Golden oder Labrador) werden am liebsten „Bailey“ getauft, und die wuscheligen kleinen Shi Tzus „Gizmo“. Boxer heißen logischerweise „Rocky“, Deutsche Schäferhunde „Max“, und Mischlinge genau wie Dackel „Lucy“. Diese Informationen stammen von „Nextdoor“, einem sozialen Netzwerk, in dem viele Nutzer auch Rasse und Namen ihrer Hunde in ihrem Profil angeben.

Der American Kennel Club, ein nationaler Hundezuchtverband, hält sich dagegen nicht viel mit Statistik und Top-Ten-Listen auf und präsentiert einfach 150 besonders wohlklingende Hundenamen, die den Funktionären bei Hundesport- und anderen Veranstaltungen des Verbands positiv aufgefallen sind. Sie sollen als Inspirationsquelle für frischgebackene Welpenbesitzer dienen. Von „Aspen“ bis „Zip“ ist so ziemlich für jeden etwas dabei.

Dackel heißen häufig Lucy© dpaDackel heißen häufig Lucy

Dass Hundehalter durchaus nicht immer dem Mainstream folgen, sondern in der Namenswahl vor allem ihre Individualität und Originalität zum Ausdruck bringen wollen, zeigte vor drei Jahren schon die deutsche Namensforscherin Eva Schaab von der Universität Mainz: „Der Mensch will zeigen, wie lustig oder einfallsreich er ist“, sagte Schaab damals der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dennoch ließen sich damals auch eindeutige Trends ausmachen: Ben, Sammy oder Gina waren besonders populär.

Innerhalb der Namensforschung hat sich inzwischen ein eigener Zweig für „Tiernamen“ herausgebildet. Die Wissenschaftler haben beispielsweise herausgefunden, dass Namen, die für Babys viel gewählt werden, zu den Tierhaltern „herüberschwappen“. Bei Katzenhaltern sind Namen wie Felix und Lilly sehr beliebt, und auch Kaninchenhalter nehmen Abstand vom altmodischen „Hoppel“ und entscheiden sich eher für Mia, Paul oder Lilly. Rover.com stellt jetzt fest, dass unter den zehn aktuell in Amerika populärsten Namen für weibliche Hunde und unter den zehn aktuell beliebtesten Namen für männliche Hunde insgesamt achtzehn auch für menschliche Babys gebräuchlich sind – etwa Sophie, Chloe, Charlie oder Toby. Nur „Bear“ und „Buddy“ sind dabei die Ausreißer. In der Onomastik (Namensforschung) deutet man diese Entwicklung als Folge der immer enger werdenden Mensch-Haustier-Beziehung.

Chihuahua und Mischling - sie werden gern "Coco" und "Lucy" getauft© dpaChihuahua und Mischling – sie werden gern „Coco“ und „Lucy“ getauft

Das Portal Rover.com wartet auch mit einigen spannenden Nebenstatistiken auf. So stieg etwa von 2013 bis 2014 der Anteil an Hunden, die naturbezogene Namen wie „Lightning“ (Blitz) oder „Clover“ (Klee) erhielten. Auch auf Speisen und Getränke bezogene Namen wie „Coconut“, „Oreo“ oder „Whiskey“ nahmen deutlich zu. Die Trendforscher fanden zudem eine kleine Gruppe von Hundenamen, die sie als „Hipster-Namen“ bezeichnen: Yogi, Gigabyte oder Pikachu zählen dazu. Es gebe außerdem eine so große Sympathie für die „Royal Family“, dass Namen wie „Lady“, „Princess“ oder „Duchess“ weiterhin populär blieben.

Aber auch popkulturelle Phänomene haben deutlichen Einfluss. Um ganze 900 Prozent, so die Statistik von Rover.com, wuchs zwischen 2013 und 2014 die Zahl der Namen, die von dem Disney-Computeranimationsfilm „Frozen“ inspiriert sind, der Ende 2013 auch in die deutschen Kinos kam. Die Hauptcharaktere in dem Kinderfilm heißen Elsa, Anna, Olaf und Hans, und so wurden in den Monaten nach dem Kinostart auch viele Hunde genannt. Auch dass ein Star-Wars-Film gedreht wurde, ging nicht spurlos an den amerikanischen Hundehaltern vorbei. Sie nannten ihre Tiere vermehrt „Leia“ oder „Vader“.

Dass Kinofilme, in denen Hunde eine Hauptrolle spielen, die Popularität einer Hunderasse beeinflussen können, zeigten Wissenschaftler um Harold Herzog vom Department of Psychology an der Western Carolina University vor genau einem Jahr im Fachmagazin „Plos One“. Die Forscher untersuchten 29 Filme, die zwischen 1927 und 2004 in die Kinos gekommen waren. Bis zu zehn Jahre lang beeinflussen Filme demnach die Popularität einer Rasse, gemessen an den Zahlen neu registrierter Welpen im American Kennel Club. So ließ etwa der Disney-Film „The Incredible Journey“ von 1963, der einen Labrador Retriever zum Star hatte, die Rate von neu registrierten Hunden dieser Rasse von 450 im Jahr auf durchschnittlich 2200 im Jahr für die nächste Dekade steigen. Auch „Snow Dogs“, ebenfalls eine Disney-Produktion, hatte 2002 diesen Effekt; der Film zeigte zwei Huskys und einen Border Collie.

Stabil populär: Golden Retriever - die Halter mögen den Namen "Bailey"© dpaStabil populär: Golden Retriever – die Halter mögen den Namen „Bailey“

Entscheidend war, wie sehr ein Film die Öffentlichkeit erreichte. Deshalb korrespondierte die Zuschauerzahl am ersten Wochenende nach dem Kinostart stark mit dem Trend beim Welpenabsatz. Andere Ereignisse, bei denen Hunde in den Vordergrund gestellt werden, etwa die große britische Westminster Kennel Club Dog Show, haben keine so starke Auswirkung auf die Popularität einer Rasse – wohl, weil hier nur kleinere Gruppen von Experten zuschauen, mutmaßen Herzog und seine Kollegen, die den Effekt der Hundeschau schon vor zehn Jahren einmal untersuchten.

Aber auch Hundefilme sind wohl nicht mehr die Massenereignisse, die sie einmal waren. Die Auswirkungen eines vierbeinigen Filmstars auf den Hundemarkt waren am stärksten Anfang des 20. Jahrhunderts, zeigt die Studie in „Plos One“. Und auch die „Lassie“-Filme in den vierziger Jahren konnten noch einen regelrechten Collie-Boom begründen. Bis heute nahm der Effekt der Hundefilme auf die Nachfrage nach entsprechenden Rassevertretern aber kontinuierlich ab.

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2 Lesermeinungen

  1. What's in a name?
    Ist schon interessant dass Dackel anscheinend meist mit dem Namen Lucy beschmueckt sind. Haette das nicht erwartet. Ein Nchbar hat einen den er als „Sausage Dog“ bezeichnet, also so wie „Wursthund“, dem aber aber emistens nachbruellt wenn er nicht hoert. Dazu ruft er ihn als „Killer“ und wenn jemand an die Haustuer kommt, dann schreit er dem Dackel zu „Back killer. Back, zurueck von der Tuer.“ Natuerlich hoeren das die Besucher, die oft zurueck springen in der Erwartung eines Kampfhundes oder sonstigemgefaehrlichen Tiers. Zum Glueck wedelt der Dackel immer freundlichst wenn jemand zu Besuch kommt. „A most pleasant companion“ sagt der Nachbar. Ob der Vierbeiner nach einer ‚Lucy“ sucht? It’s a dogs life.

  2. Parallelwelten
    Handelt es sich bei den genannten Untersuchungen um ABM Programme für Wissenschaftler?

    Unter worunter leiden Menschen, die mit der Namenswahl für den Hund „ihre Individualität und Originalität zum Ausdruck bringen wollen“?

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