<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Tierleben</title>
	<atom:link href="http://blogs.faz.net/tierleben/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://blogs.faz.net/tierleben</link>
	<description>Warum werden Milchkühe nur drei Jahre alt? Kann ein Hund eine Waffe sein? Wie hält man Tier-Messies davon ab, immer mehr Katzen zu sammeln?</description>
	<lastBuildDate>Wed, 03 Apr 2013 12:23:37 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	
		<item>
		<title>Viel zu viele Tierärzte? Arbeitsmarktprognosen aus Deutschland und Amerika</title>
		<link>http://blogs.faz.net/tierleben/2013/04/03/zu-viele-tierarzte-arbeitsmarktprognosen-aus-deutschland-und-amerika-160/</link>
		<comments>http://blogs.faz.net/tierleben/2013/04/03/zu-viele-tierarzte-arbeitsmarktprognosen-aus-deutschland-und-amerika-160/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 03 Apr 2013 12:23:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-huch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Geflügel]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Nachwuchsmangel]]></category>
		<category><![CDATA[Nutztiere]]></category>
		<category><![CDATA[Rinder]]></category>
		<category><![CDATA[Schweine]]></category>
		<category><![CDATA[Tierärzte]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blogs.faz.net/tierleben/?p=160</guid>
		<description><![CDATA[<p>Jahrelang hieß es, Tierärzte würden knapp auf dem Lande. Kampagnen wie "Kuh sucht Arzt" sollten helfen. Eine Studie des Bundeslandwirtschaftsministeriums belegt nun, dass es doch genug Nachwuchs gibt. <a href="http://blogs.faz.net/tierleben/2013/04/03/zu-viele-tierarzte-arbeitsmarktprognosen-aus-deutschland-und-amerika-160/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/tierleben/author/faz-huch/">faz-huch</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/tierleben">Tierleben</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div class="ArtikelBild alignnone"><div class="MediaLink"><img class="size-medium wp-image-167" alt="" src="http://blogs.faz.net/tierleben/files/2013/04/25.03.2013-07.01.40-Kaninchen-be-DPA-23760049-300x226.jpg" width="300" height="226" /></div><span class='Bildnachweis'>&copy; dpa</span><span class="Bildunterschrift">Kleintierärztin in der Großstadt: Werden Tierärzte für Nutztiere auf dem Land doch nicht knapp?</span></div>
<p>Eine seltsame Parallele zeichnet sich ab, wenn man derzeit die Arbeitsmarktsituation für Tierärzte in Deutschland und den Vereinigten Staaten betrachtet. In beiden Ländern wurde jahrelang ein Mangel an Tierärzten beklagt. Schon gegenwärtig, vor allem aber in naher Zukunft sehe man schwarz für die Versorgung ländlicher Gegenden und insbesondere von Nutztieren durch Veterinärmediziner, warnten Berufsverbände und Dachorganisationen immer wieder. Auch Vertreter anderer Berufe schalteten sich ein: Die deutschen Bauern zogen am selben Strang und mahnten etwa geänderte Zulassungsvoraussetzungen für das Veterinärmedizinstudium an, um Bewerber zu begünstigen, die später landwirtschaftliche Nutztiere betreuen würden.</p>
<p>Im vergangenen Jahr sind nun in beiden Staaten Studien veröffentlicht worden, die ein ganz anderes Bild vermitteln. In Amerika führte die „National Academy of Sciences“ eine Untersuchung durch, die kaum Evidenz dafür fand, dass Tierärzte bald knapp werden. Stattdessen richtete die Analyse den Blick auf die Kosten der Ausbildung von Veterinärmedizinern: Sie seien an einem kritischen Punkt angelangt.</p>
<p>In Deutschland kam das <a rel="nofollow" href="http://www.bmelv.de/DE/Startseite/startseite_node.html">Bundeslandwirtschaftsministerium</a> unlängst zu einem vergleichbaren Schluss: Eine Umfrage unter 1586 Praktikern, die landwirtschaftliche Nutztiere behandeln, ergab, dass ein Nachwuchsmangel keineswegs zu befürchten sei. In der berufspolitischen Zeitschrift <a rel="nofollow" href="http://www.vetimpulse.de/">„Vetimpulse“ </a>hieß es vor einigen Wochen: „Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, denn es fehlen Angaben aus sieben der 17 Landestierärztekammern. Die Ergebnisse reichen nach Ansicht des Statistischen Bundesamtes aber aus, um den plausiblen Trend abzuleiten, dass es auch künftig genug Nutztierpraktiker geben wird.“</p>
<p>Die Überzeugung, dass genug Tierärzte zur Versorgung von Kühen, Schweinen und Geflügel da sein werden, ergibt sich auch aus dem Strukturwandel der Landwirtschaft: Kleinere Betriebe geben auf, die Tierhaltung konzentriert sich in großen Anlagen. Auch die Zahl einiger Tiere, etwa der Rinder und Zuchtsauen, schwindet. Insofern werden eher wenige große Spezialpraxen die riesigen Mast- oder Milchviehbetriebe betreuen. Die Praxen, die von Landwirtschaftsministerium befragt wurden, gaben zudem zu Protokoll, keine Schwierigkeiten bei der Suche eines Nachfolgers zu haben.</p>
<p>Diese neuen Daten sind eine große Überraschung, denn seit fast zehn Jahren beschäftigt die deutschen Tierärzte nun die Debatte um den Nachwuchsmangel auf dem Lande. Im Jahr 2006 rief die <a rel="nofollow" href="http://www.bundestieraerztekammer.de/">Bundestierärztekammer</a> die Kampagne „Kuh sucht Arzt“ ins Leben; man verteilte Flyer an den tiermedizinischen Fakultäten, um Werbung für die Arbeit in der Landwirtschaft zu machen. Auch in einem Magazin, das dem ZVS-Bewerbungsheft beilag, bekam die Kampagne unter dem Stichwort „Aussichtsreiche Berufe“ damals ein paar Seiten. Die eigens gegründete Website <a rel="nofollow" href="http://www.vetion.de/vets4vieh/">„Vets4Vieh“</a> thematisierte das Problem und vermittelte Schnupperpraktika für Studenten, die sich in die Nutztierpraxis wagen wollten.</p>
<p>Auch medial wurde der angebliche Mangel intensiv begleitet. „Pferdenärrische Großstadtmädels“ schnappten „potentiellen Nutztierärzten“ die Studienplätze weg, hieß es 2007 im „Spiegel“. „Uns droht ein Fachkräftemangel“, sagte ein Berufsvertreter im gleichen Jahr der „Welt“. Und 2009 wurde der Brandenburger Landestierarzt Klaus Reimer in der „taz“ mit den Worten zitiert, in Brandenburg fehlten immer mehr Tierärzte für Rinder, Schweine und Schafe. Viele Lokalreportagen begleiteten zudem in den vergangenen Jahren niedergelassene Landtierärzte, die ihn immer wieder beklagten: den Nachwuchsmangel.</p>
<p>Tatsächlich sind inzwischen 85 Prozent der Erstsemester im Fach Tiermedizin Frauen, was sicherlich zu einem „gefühlten Mangel“ an Nachwuchsnutztierpraktikern beitrug. Neben anderen Gründen halten Tierärztinnen wohl die unregelmäßigen und langen Arbeitszeiten, die nicht mit einer Familie zu vereinbaren sind, von einer Arbeit mit Nutztieren ab. Aus Sicht des Landwirtschaftsministeriums berechtigt diese Beobachtung aber noch lange nicht dazu, von einem handfesten Nachwuchsmangel zu sprechen. Auch ein Team aus Tierärzten einer Gemeinschaftspraxis in Steinfeld, das die Folgen des landwirtschaftlichen Strukturwandels für den Tierarztberuf Ende 2012 im „Deutschen Tierärzteblatt“ analysierte, kam zu dem Ergebnis: „Die Praxen mit guten wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen (geregelte Arbeitszeit, geregelte Infrastruktur) haben bereits heute keine größeren Probleme, qualifizierten Nachwuchs zu generieren (…).“</p>
<p>Was die neuen Prognosen auf lange Sicht für die Tierärzte in Deutschland bedeuten, bleibt noch dahingestellt. Völlig unabhängig von den Möglichkeiten, Jobs bzw. Mitarbeiter zu finden, ist die Situation vieler junger Tierärzte nämlich schon <a rel="nofollow" href="http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/traumberuf-tierarzt-dann-geht-man-eben-nachts-putzen-1871775.html">seit Jahren prekär</a>. Der Berufsstand hat nie einen Tarifvertrag abgeschlossen. Eine im Jahr 2007 veröffentlichte Studie, für die fast alle angestellten Tierärzte in Deutschland befragt wurden, ergab, dass in Praxen und Kliniken angestellte Tierärzte etwa 2000 (Ostdeutschland) bzw. 2500 (Westdeutschland) Euro brutto im Monat verdienen – unabhängig von der Anzahl der Berufsjahre. Eine Ende 2011 im „Deutschen Tierärzteblatt“ veröffentlichte Studie des Bundesverbandes der Veterinärmedizinstudierenden <a rel="nofollow" href="http://www.bvvd.de/">BVVD</a> bestätigte diese Situation noch einmal. Möglicherweise fachen die neuen Zahlen auch die Debatte um eine faire Vergütung noch einmal an.</p>
<p>In Amerika jedenfalls konzentriert sich die Debatte jetzt, da die Daten da sind, auf die wachsenden wirtschaftlichen Probleme junger Veterinäre. Zwar werden angestellte Tierärzte in den Vereinigten Staaten im Vergleich zu ihren deutschen Kollegen recht gut bezahlt: Rund 46.000 Dollar Jahresgehalt erhält ein Berufsanfänger derzeit. Doch dieses Gehalt war schon einmal höher, es ist gesunken, seitdem die Absolventen den Markt überschwemmen. Und dazu kommt, dass die amerikanischen Tierärzte hohe Schulden für ihren Studienkredit zurückzahlen müssen, wenn sie erst einmal ihren Abschluss erworben haben. Das Verhältnis von zu tilgenden Schulden zum Einkommen sei doppelt so groß wie bei amerikanischen Humanmedizinern, heißt es aktuell <a rel="nofollow" href="http://www.nytimes.com/2013/02/24/business/high-debt-and-falling-demand-trap-new-veterinarians.html?pagewanted=all&amp;_r=0">in der „New York Times“</a>, die einige Fälle dokumentiert, etwa den der 30 Jahre alten Tierärztin Hayley Schafer, die noch 312.000 Dollar zurückzuzahlen hat und sich die Frage stellt, wie sie jemals für das Rentenalter vorsorgen soll.</p>
<p>Schafer studierte an der teuersten Hochschule, die amerikanische Tierärzte ausbildet: der <a rel="nofollow" href="http://www.rossu.edu/">Ross University auf der Karibikinsel St. Kitts</a>. Zweimal war Schafer an der University of California in Davis abgelehnt worden, weil ihre Noten nicht gut genug waren. Hätte man sie dort angenommen, müsste sie nun weniger als die Hälfte dessen, was auf ihrem Schuldenkonto angehäuft ist, zurückzahlen. Doch die Veterinär-Uni auf dem karibischen Eiland ist für viele die letzte Chance. Auch hier zeigt sich eine erstaunliche Parallele zu Deutschland: Wer den Numerus clausus für Veterinärmedizin hier nicht schafft und deshalb keinen der nur etwa 1000 Studienplätze jährlich in Gießen, Leipzig, München, Berlin oder Hannover erhält, kann sich immer noch bei der Veterinärmedizinischen Fakultät <a rel="nofollow" href="http://www.ungarnstudium.hu/index.php?kid=005">in Budapest</a> bewerben und dort für Gebühren von etwa 10.000 Euro im Jahr studieren. Bis zum Physikum, also in den ersten vier Semestern, wird in deutscher Sprache unterrichtet. Danach können die Studenten hoffen, den frei werdenden Platz eines Studienabbrechers an einer der fünf Fakultäten in Deutschland zu bekommen &#8211; oder in Ungarn auf Englisch zu Ende studieren.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/tierleben/author/faz-huch/">faz-huch</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/tierleben">Tierleben</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blogs.faz.net/tierleben/2013/04/03/zu-viele-tierarzte-arbeitsmarktprognosen-aus-deutschland-und-amerika-160/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Pferdefleisch, ein Risikolebensmittel: die Hintergründe der Empörung</title>
		<link>http://blogs.faz.net/tierleben/2013/02/13/pferdefleisch-woher-die-grosse-empoerung-kommt-135/</link>
		<comments>http://blogs.faz.net/tierleben/2013/02/13/pferdefleisch-woher-die-grosse-empoerung-kommt-135/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 13 Feb 2013 10:15:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-huch</dc:creator>
		
		<guid isPermaLink="false">http://blogs.faz.net/tierleben/2013/02/13/pferdefleisch-woher-die-grosse-empoerung-kommt-135/</guid>
		<description><![CDATA[<p>In Fertiglasagne war nicht nur Rind, wie auf der Packung angegeben, sondern &#8220;bis zu hundert Prozent Pferdefleisch&#8221; &#8211; das musste die britische Lebensmittelbehörde vor wenigen Tagen bekanntgeben. Seitdem hat es das falsch deklarierte Fertiggericht auch in Deutschland schon mehrfach auf &#8230; <a href="http://blogs.faz.net/tierleben/2013/02/13/pferdefleisch-woher-die-grosse-empoerung-kommt-135/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/tierleben/author/faz-huch/">faz-huch</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/tierleben">Tierleben</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>In Fertiglasagne war nicht nur Rind, wie auf der Packung angegeben, sondern &#8220;bis zu hundert Prozent Pferdefleisch&#8221; &#8211; das musste die britische Lebensmittelbehörde vor wenigen Tagen bekanntgeben. Seitdem hat es das falsch deklarierte Fertiggericht auch in Deutschland schon mehrfach auf die Titelseiten geschafft. Inzwischen ist von einer internationalen Verschwörung die Rede: Die Spur führt zu einem&nbsp;französischen Lieferanten des Tiefkühlkost-Herstellers; der wiederum will das Fleisch aus rumänischen Schlachthöfen bekommen haben.&nbsp;</p>
<p>Stellen wir uns vor, die britischen Lebensmittelkontrolleure hätten nicht Pferd in der Rinderlasagne entdeckt, sondern Huhn oder Schaf. Ob die Aufregung wohl ebenso groß gewesen wäre? Begeisterung hätte eine solche Verfälschung wohl kaum hervorgerufen. Aber ob gleich <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/bruessel-eu-minister-beraten-am-mittwoch-ueber-pferdefleischskandal-12060041.html">eine Konferenz der EU-Agrarminister</a> einberufen worden wäre wie es jetzt der Fall ist? Wohl eher nicht. </p>
<p>Pferdefleisch hat eine Sonderrolle. Sein Verzehr ist tabuisiert, aber es ist auch ein Risikolebensmittel. In vielen europäischen Ländern lehnt man Pferdefleisch ab. Nennenswerte Mengen werden nur in Italien, Frankreich, Belgien und Spanien produziert. Dann folgt schon Deutschland mit knapp 3000 Tonnen (im Jahr 2012). Tendenz: eigentlich in&nbsp;den meisten&nbsp;Ländern sinkend.</p>
<p>Deutschland gehört zu den europäischen Ländern, in denen der Verzehr von Pferdefleisch nicht nur unpopulär ist, sondern auch mit großer Skepsis betrachtet wird. Wolfram Siebeck brach schon eine Lanze für Gerichte mit Pferdefleisch (in seinem Kochbuch &bdquo;Sonntag in deutschen Töpfen&#8221;, erschienen 1982), obwohl er weiß: &bdquo;Pferdefleisch in der deutschen Küche, das scheint unmöglich, und sei es nur, weil Willy Birgel einst für Deutschland ritt und der Schimmel Friedrichs des Großen ausgestopft im Zeughaus stand.&#8221; Die Wurzeln des Tabus, das auf Pferdefleisch liegt, reichen jedoch noch tiefer. Bei den Germanen war der Genuss von Pferdefleisch in Verbindung mit Pferdeopfern ein häufiger Brauch. Im Zuge der Christianisierung wurde der Verzehr von Pferdefleisch durch eine päpstliche Bulle verboten. Pferdefleisch zu essen, galt von da an als besonderes Zeichen des Verharrens im Heidentum. Gregor II (715-31) und sein Nachfolger Papst Zacharias (741-52) beriefen sich bei dem Verbot auf die alttestamentarische Speisevorschrift, die das Fleisch von Tieren verbietet, deren Klauen nicht gespalten sind. Die Rolle, die der Verzehr von Pferdefleisch bei den Opferriten spielte, ließ die Kirche besonders vehement gegen den Brauch vorgehen. Wolfram Siebeck schreibt: &bdquo;Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Staaten hat sich die Ablehnung gegen den Genuß von Pferdefleisch in Deutschland bis heute erhalten. Allein in Not- und Kriegszeiten ging Pferdefleisch als Ware &#8216;über den Tisch&#8217;.&#8221;</p>
<p>Doch die Deutschen sind nicht allein mit ihrer Abneigung. Gerade die Briten stehen Pferdefleisch auch sehr skeptisch gegenüber. Und selbst Länder wie Island, wo heute vergleichsweise viel Pferdefleisch verzehrt wird, blicken auf eine lange Geschichte des Verzichts und Verbots und kämpfen bis heute mit gespaltenen Gefühlen.</p>
<p>&nbsp; <img alt="Bild zu: Pferdefleisch, ein Risikolebensmittel: die Hintergründe der Empörung" title="pferdstall"  src="/tierleben/files/2013/02/pferdstall.jpg" /></p>
<p><em>Pferd auf Island</em></p>
<p>Doch sind es allein solche kulturell gewachsenen Zu- und Abneigungen einem Lebensmittel gegenüber, die es rechtfertigen, dass nun die EU-Minister zur Beratung zusammenkommen? Die es verständlich machen, dass auch <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/pferdefleischskandal-real-nimmt-mini-cheeseburger-aus-dem-verkauf-12060377.html">deutsche Supermarktketten wie Edeka nun ihr Sortiment überprüfen</a>?</p>
<p>Wahrscheinlich würde die kulturell verankerte Ablehnung allein nicht ausreichen. Beim Pferdefleisch geht es noch um etwas anderes: um den gesundheitlichen Verbraucherschutz. Schuld an der besonderen Rolle des Pferdefleisches ist die besondere Rolle des Pferdes. Es befindet sich in einer Grauzone: Zum einen gilt es anders als Hunde oder Katzen vor dem Gesetz als &bdquo;lebensmittellieferndes Tier&#8221;. Es darf geschlachtet und sein Fleisch darf vermarktet werden. Zum anderen ist es ein Gefährte, ein &bdquo;Hobbytier&#8221;, ein Kuscheltier manchmal gar, Familienanhang ähnlich wie eine Katze oder ein Ziervogel. Wird ein solches Familienmitglied, ein Freund, zu dem ein Mensch eine Bindung hat, einmal krank, dann wird oft alles getan, um ihn wieder gesund zu machen. Pferdebesitzer, die in ihrem Tier keinen Lebensmittellieferanten sehen, möchten in solchen Fällen auch auf Arzneimittel zugreifen können, die für andere lebensmittelliefernde Tiere verboten sind &#8211; zum Beispiel, weil man nicht sicher ist, ob die zugrundeliegenden Substanzen im Tierkörper verbleiben und zum Beispiel eines Tages krebsauslösend sein können bei dem, der Fleisch von dem Tier verzehrt. Bei Rindern und Schweinen sind solche Medikamente schlicht verboten.</p>
<p>Beim Pferd hat der Gesetzgeber europaweit eine besondere Lösung gefunden: den sogenannten Equidenpass oder Pferdepass. Seit dem Jahr 2000 muss jedes Pferd einen solchen Ausweis besitzen. Der Halter darf darin vermerken und es somit ein für alle mal festhalten, ob sein Tier eines Tages für die Schlachtung bestimmt sein soll oder für die Tötung, womit die Einschläferung gemeint ist. Im zweiten Fall eröffnet das die Möglichkeit, ein viel größeres Arsenal an Arzneimitteln einzusetzen, genau wie bei Hund, Katze und Meerschweinchen &#8211; wenn nötig. Ein Pferd zum &#8220;Nicht-Schlachtpferd&#8221; zu erklären, ist unwiderruflich. Ein Schlachtpferd hingegen kann man jederzeit zum &#8220;Nicht-Schlachtpferd&#8221; umdeklarieren.&nbsp;</p>
<p>Die Einführung des Equidenpasses blieb nicht ohne problematische Folgen &#8211; zumindest für manche Halter. Das Tierschutzgesetz verbietet es, ein Tier ohne vernünftigen Grund zu töten. Das Fleisch von Tieren verzehren zu wollen, gilt als &bdquo;vernünftiger Grund&#8221;. Bei Pferden, die den Status &bdquo;Nicht-Schlachtpferd&#8221; erhalten haben, entfällt die Möglichkeit, diesen Grund anzugeben. Will nun ein Pferdebesitzer sich eines chronisch kranken Pferdes entledigen, geht das nicht mehr in jedem Fall. Im Prinzip müsste ein Tierarzt dann bescheinigen, dass das Tier stark leidet, um zur Einschläferung zu schreiten &#8211; doch schweres Leiden ist längst nicht bei jeder chronischen Pferdekrankheit der Fall. Dennoch ergab eine&nbsp;<a target="_blank" rel="nofollow" href="http://library.vetmed.fu-berlin.de/diss-abstracts/14.html">Studie der FU Berlin</a> wenige Jahre nach der Einführung des Equidenpasses, dass immerhin&nbsp;fast 40&nbsp;Prozent von etwa 200 befragten deutschen Pferdebesitzern es vorgezogen hatten, ihr Pferd zum &#8220;Nicht-Schlachtpferd&#8221; zu machen. Etwa 20 Prozent hatten ihrem Pferd den Status Schlachtpferd gegeben, der Rest war noch unentschieden.</p>
<p>Nun weiß im britisch-europäischen Pferdefleisch-Skandal niemand, <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/pferdefleischskandal-britische-regierung-vermutet-verschwoerung-12058876.html">woher das Fleisch stammt</a>. Insofern besteht durchaus die Möglichkeit, dass Pferde geschlachtet wurden, die zuvor längst als &bdquo;Nicht-Schlachtpferd&#8221; deklariert waren und möglicherweise jahrelang in medizinischer Hinsicht auch so behandelt wurden.</p>
<p>Auch ein paar andere Eigenheiten machen das Pferd als &bdquo;lebensmittellieferndes Tier&#8221; zu einem Spezialfall &#8211; und zu einem Risiko. Zum einen dürfen die Nieren und die Leber von Pferden nicht als Lebensmittel vermarktet werden. Sie speichern große Mengen gesundheitsschädliches Cadmium; teilweise&nbsp;gerät der Stoff bis in die Muskulatur der Tiere. Außerdem ist das Pferd das einzige bei uns einigermaßen gängige Nutztier neben dem Schwein, das <a target="_blank" href="/planckton/2009/02/05/ungebetene-gaeste-im-wildschwein">Trichinellose</a> bekommen kann. Die Muskelwürmer kapseln sich ins Fleisch des Tieres ein und können über den Verzehr auch den Menschen infizieren. Nach der Schlachtung müssen deshalb Proben des Muskelfleisches von Pferden auf die Parasiten untersucht werden. Weil noch immer nicht geklärt ist, woher das Fleisch im britischen Fall kommt, weiß auch niemand, ob alle vorgeschriebenen Untersuchungen, etwa auf Trichinellose, überhaupt stattgefunden haben. Vor allem in Frankreich und Italien sind in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Menschen&nbsp;durch Pferdefleischverzehr mit Trichinellose infiziert worden. Zwar macht Hitze den Muskelwurm unschädlich, doch in&nbsp;beiden Ländern ist es&nbsp;oft üblich, Pferdefleisch roh oder wenig erhitzt zu servieren.&nbsp;1985 erkrankten in Frankreich 650 Menschen, 1990 in Italien mehr als 500, 1998 in Frankreich 400; es gab weitere kleinere Epidemien. In den meisten Fällen stammte das Pferdefleisch aus Osteuropa.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/tierleben/author/faz-huch/">faz-huch</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/tierleben">Tierleben</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blogs.faz.net/tierleben/2013/02/13/pferdefleisch-woher-die-grosse-empoerung-kommt-135/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>13</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Webcam im Schweinestall führt zu Shitstorm auf Facebook</title>
		<link>http://blogs.faz.net/tierleben/2013/01/19/webcam-im-stall-133/</link>
		<comments>http://blogs.faz.net/tierleben/2013/01/19/webcam-im-stall-133/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 19 Jan 2013 19:47:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-huch</dc:creator>
		
		<guid isPermaLink="false">http://blogs.faz.net/tierleben/2013/01/19/webcam-im-stall-133/</guid>
		<description><![CDATA[<p>&#8220;Erstaunt&#8221; hätten ihn die Reaktionen auf Facebook, gibt Werner Schwarz, Landwirt aus Bad Oldesloe, im Gespräch mit dem &#8220;Bauernblatt&#8221; (Ausgabe vom 19. Januar) zu. Offenbar hatte er nicht mit einem Shitstorm im Internet von dem Ausmaß gerechnet, wie er sich &#8230; <a href="http://blogs.faz.net/tierleben/2013/01/19/webcam-im-stall-133/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/tierleben/author/faz-huch/">faz-huch</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/tierleben">Tierleben</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Erstaunt&#8221; hätten ihn die Reaktionen auf Facebook, gibt Werner Schwarz, Landwirt aus Bad Oldesloe, im Gespräch mit dem &#8220;Bauernblatt&#8221; (Ausgabe vom 19. Januar) zu. Offenbar hatte er nicht mit einem Shitstorm im Internet von dem Ausmaß gerechnet, wie er sich nun entwickelt hat. Schwarz hatte Mitte Januar eine <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.die-deutschen-bauern.de/schleswigholstein">Webcam in seinem Schweinestall</a> installiert, deren Bilder alle 20 Sekunden live auf der Website des Bauernverbandes Schleswig-Holstein landen. Zur Freischaltung der Bilder hatte er&nbsp;die Presse eingeladen, und schon zu dem Zeitpunkt fiel ihm auf, dass die Resonanz &#8220;ungewöhnlich&#8221; gewesen sei.&nbsp;Doch dann postete der Bauernverband Schleswig-Holstein, dessen Präsident Schwarz ist, den Link zu den Webcam-Bildern auf seiner <a target="_blank" rel="nofollow" href="https://www.facebook.com/BauernverbandSchleswigHolstein">Facebook-Seite</a>. Innerhalb von wenigen Tagen provozierte das mehr als tausend Kommentare. So schreibt etwa &#8220;Natalie&#8221;: &#8220;Ich starre und starre diese Bilder an und möchte einfach nur die Sauen aus diesen abartig perversen Käfigen befreien, damit sie ihre Babys zum ersten Mal richtig bemuttern und versorgen können. Es ist so unendlich traurig &#8230; all meine Tränen reichen nicht aus.&#8221; Eine andere Nutzerin schrieb: &#8220;Wie können Sie so etwas nur vor sich selber und allen anderen moralisch vertreten???&#8221;&nbsp;</p>
<p>Schwarz hatte im Sinn gehabt, die Debatte über Tierschutz in der Nutztierhaltung mit einer neuen Form von Transparenz zu unterstützen. &#8220;Die Verbraucher sollen sehen, was wir hier machen&#8221;, <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.abendblatt.de/region/article112658353/Ein-Schweinestall-geht-online.html">sagte er dem &#8220;Hamburger Abendblatt&#8221;</a>. Dafür richtete er die Webcam auf den &#8220;Abferkelbereich&#8221;, jenen Teil seines Stalles, wo Muttersauen unter Metallbügeln fixiert sind, so dass sie sich nicht drehen können, nur aufstehen und sich wieder niederlegen. So will man verhindern, dass die Sauen in den engen Buchten ihre eigenen Ferkel versehentlich totdrücken. &#8220;Kastenstände&#8221; heißen diese Boxen mit Fixierbügeln, deren Untergrund Spaltenböden sind. Die Sauen können fressen und Kontakt mit ihren Ferkeln aufnehmen, sofern die Jungtiere sich zu ihrem Kopf begeben.&nbsp;Die Mütter&nbsp;können die Ferkel auch säugen, indem sie sich auf die Seite legen; das Gitter über ihnen lässt Platz frei, damit die Ferkel die Zitzen erreichen können.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Webcam im Schweinestall führt zu Shitstorm auf Facebook" title="dpa_2D00_ruthe"  src="/tierleben/files/2013/01/dpa_2D00_ruthe.jpg" /></p>
<p><em>Kastenstand in Niedersachsen (Foto dpa)</em></p>
<p>Schwarz&#8217; Motto bei der ganzen Sache war: &#8220;Wir haben nichts zu verstecken.&#8221; Dass die Reaktionen auf Facebook derartig negativ waren, sieht das &#8220;Bauernblatt&#8221;&nbsp;als Symptom einer Entfremdung&nbsp;großer Teile der Bevölkerung von der Landwirtschaft. Für jemanden, der&nbsp;mit der Schweinehaltung in Deutschland vertraut ist und regelmäßig Ställe besucht,&nbsp;mögen Kastenstände&nbsp;tatsächlich ein üblicher Anblick sein.&nbsp;Offenbar sind sie aber dem Großteil der Bevölkerung nicht einmal bekannt.&nbsp;&#8221;Wäre ich nicht eh schon Vegetarier, wäre ich es spätestens jetzt&#8221;, schrieb ein Facebook-Mitglied vor den Kopf gestoßen. Schwarz hat unter den Webcam-Bildern auf der Verbandswebsite vorsichtshalber erklärend angemerkt: &#8220;Die Schutzbügel sind dazu da, um ein Erdrücken der Ferkel zu verhindern. Die Sau ist nur zum Abferkeln in diesem Kastenstand bis zum Absetzen der Ferkel nach 21 Tagen. Sie ferkelt etwa dreimal im Jahr.&#8221; Doch das nützte nicht viel; auf Facebook wurde ihm vorgerechnet, dass dreimal 21 Tage eine lange Zeit sind.</p>
<p>Es ist möglich, dass so kurz vor der <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.gruenewoche.de/">&#8220;Grünen Woche&#8221;</a> viele Menschen sensibilisiert für landwirtschaftliche Themen sind. Auch zu der in diesem Jahr zum dritten Mal stattfindenden <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.wir-haben-es-satt.de/">Großdemonstration &#8220;Wir haben es satt&#8221;</a> gegen die Agrarindustrie in Berlin kamen am Samstag (19. Januar) 25.000 Menschen.&nbsp;Der Blick auf die Landwirtschaft ist generell kritisch: Auch eine Plakatwerbeaktion des deutschen Bauernverbandes provoziert in diesen Tagen <a target="_blank" rel="nofollow" href="https://www.facebook.com/DieDeutschenBauern">auf Facebook wütende Kommentare</a>, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie die Webcam-Bilder aus Schleswig-Holstein. Auf den Plakaten bekennen sich Landwirte zu ihrem Beruf, über einem Foto der Tierhalter in ihrem Stall steht beispielsweise:&nbsp;&#8221;Für das Wohl unserer Tiere sind wir da. 365 Tage im Jahr.&#8221;&nbsp;</p>
<p>Andererseits ist aber auch denkbar, dass tatsächlich viele Praktiken in der Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere völlig unbekannt sind und in dem Moment, wo sie deutlich werden, große Ablehnung hervorrufen. Ähnlich verlief die Diskussion über die Kastration von Ferkeln ohne Betäubung. Noch Anfang der 2000er Jahre war es in der allgemeinen Bevölkerung fast völlig unbekannt, dass Ferkel überhaupt kastriert werden; geschweige denn, dass sie dabei kein Schmerzmittel und keine Narkose erhalten. In den vergangenen &#8211; etwa acht &#8211; Jahren ist das Thema medial immer wieder aufgegriffen worden; nun soll auch das <a target="_blank" href="/tierleben/2012/12/14/tierschutzgesetz">Tierschutzgesetz geändert</a> werden.</p>
<p>Das &#8220;Bauernblatt&#8221; jedenfalls formuliert in diesen Tagen ein Fazit aus den Erfahrungen mit der Webcam: &#8220;Die konventionelle Landwirtschaft hat seit Jahren keine eigenen Bilder mehr gezeigt. Werden sie mit der modernen Sauenhaltung konfrontiert, dann&nbsp;verursacht das auch bei wohlgesinnten Mitbürgern zunächst einmal Unbehagen.&#8221; Landwirt Werner Schwarz zieht eine positive Bilanz&nbsp;seines Projektes: &#8220;Wir müssen unsere eigenen Bilder zeigen, sonst werden es andere tun.&#8221;</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/tierleben/author/faz-huch/">faz-huch</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/tierleben">Tierleben</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blogs.faz.net/tierleben/2013/01/19/webcam-im-stall-133/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>12</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Fleischverzicht von Texas bis Tübingen: Vegetarier-Forscher Matthew Ruby im Interview</title>
		<link>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/12/18/matthew-ruby-121/</link>
		<comments>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/12/18/matthew-ruby-121/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 18 Dec 2012 17:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-huch</dc:creator>
		
		<guid isPermaLink="false">http://blogs.faz.net/tierleben/2012/12/18/matthew-ruby-121/</guid>
		<description><![CDATA[<p>Matthew Ruby erforscht als Psychologe die Motivation von Vegetariern weltweit. Er promovierte am Culture and Self Lab der University of British Columbia in Kanada und ist seit Oktober Post-Doc an der Universität Hamburg. Sein Forschungsgebiet bleibt auch in Deutschland gleich:&#160;Er &#8230; <a href="http://blogs.faz.net/tierleben/2012/12/18/matthew-ruby-121/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/tierleben/author/faz-huch/">faz-huch</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/tierleben">Tierleben</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Matthew Ruby erforscht als Psychologe die Motivation von Vegetariern weltweit. Er promovierte am Culture and Self Lab der <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.ubc.ca/">University of British Columbia</a> in Kanada und ist seit Oktober Post-Doc an der Universität Hamburg. Sein Forschungsgebiet bleibt auch in Deutschland gleich:&nbsp;Er befasst sich mit der Frage, wie Menschen das&nbsp;&#8221;Omnivoren-Dilemma&#8221; lösen, wie sie damit umgehen,&nbsp;dass eine fleischhaltige Ernährung den Tod&nbsp;von Tieren bedeutet. Im Interview spricht er über seine eigenen Erfahrungen als Vegetarier, die Wirkung von Bestsellern wie Jonathan Safran Foers &#8220;Tiere essen&#8221; auf ihre Leser und die&nbsp;Schwierigkeiten, Vegetarier für Forschungsprojekte zu gewinnen. Mehr über Wissenschaftler und Projekte weltweit, die sich mit Vegetarismus beschäftigen,&nbsp;steht in der Mittwochsausgabe (19.12.) der F.A.Z. auf Seite N2 in &#8220;Natur und Wissenschaft&#8221;.</em>&nbsp;
<p><strong></strong></p>
<p><strong>Herr Ruby, Sie sind Psychologe und beschäftigen sich als Wissenschaftler mit Vegetariern &#8211; mit den Motiven für den Verzicht auf Fleisch, aber auch mit der Frage, wie die Gesellschaft Vegetarier sieht. In diesem Jahr haben Sie Ihre Promotion zum Thema Vegetarismus an der University of British Columbia in Vancouver abgeschlossen. Wie kamen Sie zu Ihrem Forschungsfeld?</strong></p>
<p>Ich interessiere mich generell für den Themenbereich &bdquo;Ernährung und Kultur&#8221;. Sehr inspiriert haben mich die Publikationen von <a target="_blank" rel="nofollow" href="https://sites.sas.upenn.edu/rozin">Paul Rozin</a>, der Psychologieprofessor an der University of Pennsylvania ist und sich in vielen verschiedenen Studien mit Themen wie Essen, Abscheu und auch Vegetarismus befasst hat. Ich habe seine Arbeiten sehr gern gelesen. Als ich mich näher mit dem Themengebiet beschäftigte, fiel mir auf, dass es noch viele Lücken gibt, vor allem, was Vegetarismus angeht. Ich fand das Feld sehr interessant, aber auch in der Forschung völlig unterrepräsentiert.</p>
<p>&nbsp;<strong>Sind Sie selbst Vegetarier?</strong></p>
<p>Ja, ich bin seit acht Jahren Vegetarier, also seitdem ich Anfang zwanzig bin; seit drei Jahren lebe ich vegan. Ursprünglich habe ich begonnen, vegetarisch zu essen, weil ich gesünder leben wollte, nicht aus ethischen Gründen, weil ich etwa die industrielle Tierhaltung abgelehnt hätte. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, in einer Gegend, in der es keine &bdquo;Massentierhaltung&#8221; in dem Sinne gab. Dann lernte ich andere Vegetarier kennen, und dadurch kamen weitere Gründe für mich dazu, wie Ethik und Umweltfreundlichkeit. Es ist eher selten, dass Menschen, die um der Gesundheit willen anfangen, vegetarisch zu essen, dann noch mehr Gründe dazunehmen &#8211; das zeigen Studien über die Motivation von Vegetariern. Es sind eher die Ethiker, die später noch weitere Gründe hinzunehmen.&nbsp;&nbsp;</p>
<p> <img alt="Bild zu: Fleischverzicht von Texas bis Tübingen: Vegetarier-Forscher Matthew Ruby im Interview" title="Matthew.Ruby_2D00_klein"  src="/tierleben/files/2012/12/Matthew.Ruby_2D00_klein.jpg" /></p>
<p><em>Matthew Ruby</em></p>
<p><strong>Sie sprechen fließend Deutsch, weil sie während des Studiums ein Austauschsemester an der Universität Tübingen absolviert haben. Was war ihr Eindruck, wie lebt es sich als Vegetarier in Deutschland?</strong></p>
<p>Das war sehr unterschiedlich. Ich habe meistens selbst gekocht, deshalb war es okay. Aber einige Kollegen haben es auch nicht verstanden. Einmal lud uns eine Kommilitonin zum Essen ein und sagte zu mir: &bdquo;Matthew, extra für dich habe ich Nudelsalat mit Hühnchen gemacht.&#8221;</p>
<p><strong>Wann war denn ihr Austauschjahr?</strong></p>
<p>Das war 2004.</p>
<p><strong>Jetzt, acht Jahre später, hätten Sie diese Probleme vermutlich nicht mehr. In Deutschland behaupten inzwischen fast zwei Drittel der Frauen und vierzig Prozent der Männer, sie seien zumindest &bdquo;Teilzeitvegetarier&#8221;. Jahrelang stieg die Mitgliederzahl des Vegetarierbundes jährlich stabil um fünf bis sieben Prozent. 2010 wuchs der Verband um dreißig Prozent mehr Mitglieder, 2011 um vierzig Prozent. Vegetarismus <a target="_blank" href="/tierleben/2011/12/15/was-wurde-aus-der-vegetarierwelle">ist offenbar Trend</a>: Gibt es diese Entwicklung auch in Kanada?</strong></p>
<p>Hier haben wir so genaue Zahlen nicht. In Kanada schwankt die Zahl der Vegetarier von Provinz zu Provinz. Insgesamt ist von etwa drei bis vier Prozent der Bevölkerung in Kanada die Rede, aber in British Columbia soll die Zahl sehr viel höher liegen, sagen Vegetarieraktivisten. In den Vereinigten Staaten gibt es auch deutlich mehr Vegetarier an der Westküste. Das hängt auch mit politischen Einstellungen zusammen. Die wissenschaftliche Literatur aus Amerika zum Thema belegt eine Verbindung zwischen einer linksliberalen Haltung und Vegetarismus.</p>
<p><strong>In Deutschland wird angenommen, dass Bücher wie Jonathan Safran Foers &bdquo;Tiere essen&#8221; und Karen Duves &bdquo;Anständig essen&#8221; und Lebensmittelskandale hinter diesem Trend stecken.</strong></p>
<p>Jonathan Safran Foers <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/2.1719/massentierhaltung-etwas-stimmt-nicht-mit-der-welt-1573057.html">&bdquo;Tiere essen&#8221;</a> war natürlich auch in Nordamerika von Bedeutung, aber noch größeren Einfluss hatte Michael Pollans &bdquo;The Omnivore `s Dilemma&#8221;. Dieses Buch hat viele zu Vegetariern gemacht. Paul Rozin hat unlängst eine Studie angefertigt, für die er Erstsemester-Studenten &bdquo;The Omnivore `s Dilemma&#8221; hat lesen lassen, als Hausaufgabe während der Sommerferien. Anschließend hat er sie befragt. Nur durch das Lesen dieses Buches, stellte sich heraus, waren sie misstrauischer als eine Vergleichsgruppe gegenüber der Fleischindustrie, und es widerstrebte ihnen mehr, Fleisch zu essen.</p>
<p><strong>In einer Übersichtsstudie zur weltweiten Vegetarier-Forschung, die Anfang 2012 im Fachmagazin &bdquo;Appetite&#8221; erschienen ist, haben Sie auch einen historischen Rückblick dargestellt. Wie ist man vor Jahrzehnten mit Vegetariern umgegangen?</strong></p>
<p>Ich habe eine Artikelsuche bei einer Suchmaschine für wissenschaftliche Publikationen gestartet mit den Schlüsselwörtern Vegetarismus und Psychologie. Gleich der erste Artikel war aus den vierziger Jahren, darin wurde behauptet, Vegetarier seien Sadisten. Auch spätere Artikel waren noch sehr negativ. Langsam hat sich das verändert, Vegetarier wurden weniger verachtet. Heute räumen viele in Studien Befragte ein, Vegetarier hätten höhere ethische Grundsätze &#8211; sie seien aber auch schwächer und weniger maskulin. Vor allem Jungs im Teenageralter und Menschen, die autoritär veranlagt sind, lehnen Vegetarier ab. Frauen haben generell eine bessere Meinung von Vegetariern als Männer. Auch in Familien sind eher die Väter dagegen, dass Jugendliche sich vegetarisch ernähren, die Mütter haben dafür mehr Verständnis. Fleisch ist in vielen Kulturen ein Symbol für Wohlstand; Fleisch war oft den Männern vorbehalten, nur wenn genug davon da war, konnten es auch die Frauen essen.</p>
<p><strong>Sie haben vor anderthalb Jahren <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.dailymail.co.uk/femail/article-1352393/Real-men-eat-meat-say-women-turn-noses-vegetarians.html">internationale Aufmerksamkeit</a> bekommen mit einer Studie, in der Sie Frauen Dating-Profile von Vegetariern und Nicht-Vegetariern vorgelegt haben. Die Frauen beurteilten die Fleischesser als maskuliner. Medial wurde das sehr stark aufgegriffen.</strong></p>
<p>Es waren eigentlich keine Dating-Profile, sondern einfach kurze Profile, in denen es zum Beispiel um Musikgeschmack und Hobbys ging. Das einzige, was wir veränderten, war, ob jemand Vegetarier war oder nicht. Tatsächlich war es so, dass die Frauen Fleischesser zwar maskuliner fanden &#8211; Vegetarier aber attraktiver. Das haben wir aber nicht veröffentlicht, uns ging es darum, den Zusammenhang zwischen Ethik und Maskulinität zu erforschen. Wir dachten dabei auch nicht ans Daten. Aber die Journalisten schon. </p>
<p><strong>Die bisher erschienenen Studien über Vegetarier und darüber, wie sie in der Gesellschaft wahrgenommen werden, decken eine große Bandbreite ab, viele einzelne Details sind untersucht worden. In ihrer Review führen Sie beispielsweise eine Untersuchung aus dem Jahr 2010 auf, in der man herausgefunden hat, dass Vegetarier besser riechen. Männliche Probanden mussten zwei Wochen lang entweder auf Fleisch verzichten oder jeden Tag mindestens hundert Gramm Fleisch essen. Am Ende mussten sie 24 Stunden lang Baumwollpads am Körper tragen, um ihren Geruch aufzufangen. Die Frauen beurteilten den Duft der Vegetarier als attraktiver, angenehmer und intensiver.</strong></p>
<p>Ja, das war eine große Studie aus der Tschechischen Republik. Ich fand es sehr interessant, dass alles den Probanden in dieser Studie sehr genau vorgeschrieben war: was sie essen, wie oft sie baden, welche Seife sie benutzen dürfen.</p>
<p><strong>Außerdem gibt es eine Untersuchung, aus der hervorgeht, dass es einen Zusammenhang zwischen Intelligenz und vegetarischem Lebensstil gibt. Eine Studie, die 2007 im &bdquo;British Medical Journal&#8221; erschien, belegte, dass Kinder mit höheren IQ-Werten 30 Jahre später mit größerer Wahrscheinlichkeit vegetarisch leben.</strong></p>
<p>Das war eine sehr große Studie mit 8000 Teilnehmern. Sie war auch im Hinblick auf die Bildung und die soziale Herkunft der Teilnehmer kontrolliert. In diese Richtung weiter zu forschen, wäre sehr interessant.</p>
<p><strong>Warum gibt es so wenige Studien über Vegetarier?</strong></p>
<p>Es ist schwer, Probanden zu finden. Zum einen gibt es insgesamt nicht gerade viele Vegetarier. Zum anderen ist es ungünstig, wenn sie wissen, dass wir sie befragen, weil sie Vegetarier sind. Dann antworten sie anders. Das ist nicht ideal. Ich würde auf Aushänge schreiben, dass wir eine Studie zum Thema Essen machen. Das hängen wir dann in Bioläden auf oder in Wohnvierteln, wo eher Leute mit einer linken politischen Einstellung wohnen. In Deutschland würde man so etwas zum Beispiel in Berlin-Prenzlauer Berg aushängen.</p>
<p><strong>Sie sind inzwischen wieder in Deutschland und forschen in der <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.wiso.uni-hamburg.de/projekte/animals-and-society/die-gsa/">Group for Society and Animals Studies</a> an der Universität Hamburg. Wo klaffen die größten Lücken der Vegetarier-Forschung? In welche Richtung würden Sie selbst gern weiter forschen?</strong></p>
<p>Wir wissen sehr viel über Vegetarier in Europa, aber so gut wie nichts über Vegetarier im Rest der Welt, zum Beispiel in Indien, obwohl es dort sehr viele gibt. Ich habe einige Untersuchungen darüber angefertigt, aber sie sind noch nicht erschienen. Schon jetzt kann man sagen, dass die Situation der Vegetarier sich dort völlig anders darstellt. So gut wie nichts wissen wir außerdem über die Menschen, die vor allem aus Umweltfreundlichkeit, als Reaktion auf den Klimawandel auf Fleisch verzichten &#8211; statt etwa aus gesundheitlichen Gründen. Wir wissen außerdem sehr wenig über das emotionale Wohlbefinden und andere psychologische Merkmale von Vegetariern. Außerdem brauchen wir noch mehr Daten darüber, wie die Gesellschaft Vegetarier betrachtet. Wie sieht es in unterschiedlichen Regionen aus, wie etwa in der kanadischen Provinz Alberta, wie in Texas? Wie blickt die Gesellschaft auf die unterschiedlichen Beweggründe von Vegetariern, auf Fleisch zu verzichten? Wenn Vegetarier beispielsweise nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern wegen der Tierrechte, also aus ethischen Gründen kein Fleisch essen, könnten die anderen Menschen annehmen, dass die Vegetarier ihnen etwas vorwerfen. </p>
<p><em>Die Fragen stellte Christina Hucklenbroich.</em></p></p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/tierleben/author/faz-huch/">faz-huch</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/tierleben">Tierleben</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/12/18/matthew-ruby-121/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Neues Tierschutzgesetz: Kritik von allen Seiten</title>
		<link>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/12/14/tierschutzgesetz-119/</link>
		<comments>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/12/14/tierschutzgesetz-119/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 14 Dec 2012 13:20:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-huch</dc:creator>
		
		<guid isPermaLink="false">http://blogs.faz.net/tierleben/2012/12/14/tierschutzgesetz-119/</guid>
		<description><![CDATA[<p>In den vergangenen Wochen haben die deutschen Tierärzte ihre Rolle im Tierschutz intensiv diskutiert. Anlass war eine Enthüllung in der berufspolitischen Zeitschrift &#8220;Vetimpulse&#8221;: Aus der Musterberufsordnung der Bundestierärztekammer entfernt worden war die Formulierung, der Tierarzt sei der &#8220;berufene Schützer der &#8230; <a href="http://blogs.faz.net/tierleben/2012/12/14/tierschutzgesetz-119/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/tierleben/author/faz-huch/">faz-huch</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/tierleben">Tierleben</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>In den vergangenen Wochen haben die deutschen Tierärzte ihre Rolle im Tierschutz intensiv diskutiert. Anlass war eine Enthüllung in der berufspolitischen Zeitschrift &#8220;Vetimpulse&#8221;: Aus der Musterberufsordnung der Bundestierärztekammer entfernt worden war die Formulierung, der Tierarzt sei der &#8220;berufene Schützer der Tiere&#8221;. Der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) wandte sich daraufhin an die Bundestierärztekammer (BTK) mit der <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.tieraerzteverband.de/bpt/aktuelles/meldungen/2012_09_10_musterberufsordnung.php">Aufforderung</a>, diesen Satz wiederaufzunehmen, &#8220;da mit diesem Satz das Berufsverständnis vieler praktizierender Tierärztinnen und Tierärzte in prägnanter Weise auf einen Nenner gebracht wird&#8221;.</p>
<p>Andere tierärztliche Vereinigungen machten Vorschläge zur Umformulierung, in der &#8220;Vetimpulse&#8221; wurde lebhaft debattiert, und schließlich entschied die Delegiertenversammlung der BTK im Spätherbst, einen alternativen Satz in Paragraph 2 aufzunehmen: &#8220;Aufgrund der fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten ist jede Tierärztin und jeder Tierarzt in besonderer Weise zum Schutz der Tiere berufen und verpflichtet.&#8221; Die in den achtziger Jahren in die Berufsordnung aufgenommene Formulierung&nbsp;&#8221;der berufene Schützer&#8221; sei eine Phrase, die nicht konkret hinterlegt sei, war die Meinung einiger Delegierter. Der Frieden scheint zunächst wieder hergestellt, aber die Diskussionen &#8211; in der Öffentlichkeit berufspolitischer Medien und Podien ebenso wie im Privaten &#8211; zwischen Tierärzten zeigten auch, dass angesichts der Situation des Tierschutzes in Deutschland tatsächlich Zweifel angemeldet werden dürfen, dass eine Berufsgruppe wie die Tierärzte sich ohne Wenn und Aber als &#8220;berufener Schützer der Tiere&#8221; betrachten darf. Angeführt wurde beispielsweise, dass Tierärzte an vielen Praktiken in der landwirtschaftlichen Tierhaltung beteiligt sind, die das Tierschutzgesetz zwar noch erlaubt, die aber längst auch vielen Experten als tierschutzwidrig gelten, und vor allem: dass Tierärzte&nbsp;oft aus wirtschaftlichen Gründen notwenige Behandlungen nicht vornehmen können. Wichtig in der Debatte war auch, dass viele Tierärzte davor zurückscheuen, ihre&nbsp;Klienten &#8211; und das gilt für die Nutz- und für die Kleintierpraxis &#8211; selbst bei Verstößen gegen das Tierschutzgesetz anzuzeigen, denn sie müssen fürchten, dass eine solche Anzeige ihrem Ruf schadet und sie Kunden kostet.</p>
<p>Doch unabhängig davon, wo die Rolle der&nbsp;Tierärzte wirklich gegenwärtig im Hinblick auf den Tierschutz einzuordnen ist, zur Novellierung des Tierschutzgesetzes, das am Donnerstag am späten abend des Bundestag in letzter Lesung passierte und beschlossen wurde,&nbsp;haben die deutschen Veterinärmediziner in diesen Tagen deutliche Worte gefunden.&nbsp;&nbsp;</p>
<p>&#8220;Neues Tierschutzgesetz bringt weniger statt mehr Tierschutz&#8221;, schreibt der&nbsp;<a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.tieraerzteverband.de/bpt/presseservice/meldungen/2012_12_12_weniger-tierschutz.php">bpt in einer Meldung</a> klipp und klar und kritisiert vor allem, dass der Schenkelbrand zur Kennzeichnung von Pferden weiterhin erlaubt bleiben soll, obwohl viele Experten zu dem Urteil gekommen sind, dass Fohlen unter der Prozedur stark leiden &#8211; und obwohl es mit der Kennzeichnung durch einen Chip längst eine weniger schmerzhafte Alternative gibt. Daneben wirft der bpt dem Bundestag vor, ein Gesetz zu billigen, dass das lange für 2017 geplante Verbot der Ferkelkastration ohne Betäubung auf 2019 verschiebt. Lange ist um dieses Verbot gerungen worden. Viele Tierschutzverbände äußern nun, dass die Gesetzesnovelle durch dieses Verbot vollends zu einer Farce verkommt. Dabei war es mal ein Prestige- und Imageprojekt des Landwirtschaftsministeriums. Agrarministerin Ilse Aigner bekannte sich Anfang 2011 immer wieder zu der Novellierung, da damals intensive Proteste an der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung aufgekommen waren. Mit ein Anlass war der Dioxin-Skandal im Januar 2011.</p>
<p>Auch die <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.bundestieraerztekammer.de/">Bundestierärztekammer</a> kritisiert beide Punkte: die Verschiebung des Betäubungsgebots und den schmerzhaften Heißbrand beim Pferd. Die Gesetzesnovelle sei &#8220;in vieler Hinsicht enttäuschend und völlig unzureichend&#8221;, heißt es in einer Mitteilung der Kammer.</p>
<p>Beide Standesorganisationen bekunden aber insbesondere einhellig ihre Empörung darüber, dass Landwirte künftig Arzneimittel selbst einsetzen dürfen, die bei der Kastration von Ferkeln den Schmerz ausschalten. Eigentlich war die Kastration mit Betäubung ein erklärtes Ziel des Tierschutzes seit Jahren: Jedes Jahr werden etwa 20 Millionen männliche Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne Betäubung kastriert, damit ihr Fleisch nicht den strengen &#8220;Ebergeruch&#8221; annimmt. Mehr über die Debatte zur Ferkelkastration findet sich beispielsweise <a target="_blank" href="/planckton/2009/04/01/der-schmerz-der-schweine">hier</a>&nbsp;oder auch hier im <a target="_blank" href="/tierleben/archive/2012/04/11/eber-ohne-geruch-die-loesung-im-streit-um-kastrierte-ferkel">Blog Tierleben</a>.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Neues Tierschutzgesetz: Kritik von allen Seiten" title="gruene-woche-dapd"  src="/tierleben/files/2012/12/gruene-woche-dapd.jpg" /></p>
<p><em>Mehr als 20 Millionen Ferkel werden jedes Jahr ohne Betäubung kastriert.</em></p>
<p>Doch dass das Verbot der betäubungslosen Kastration nicht nur verschoben, sondern die für die Betäubung notwendigen Arzneimittel jetzt sogar Landwirten zugänglich sein sollen, können die deutschen Veterinärmediziner nicht akzeptieren. Da spielt es auch keine Rolle mehr, dass es im Berufsstand seit langem üblich ist, die Verbindung mit der Landwirtschaft zu betonen und sich als &#8220;Partner auf Augenhöhe&#8221; darzustellen. Der bpt hat in dieser Angelegenheit kurzerhand den Drogenbeauftragten der Bundesregierung eingeschaltet.</p>
<p>Der Hintergrund ist eine Änderung in Paragraph 5 &#8220;Eingriffe an Tieren&#8221; des Tierschutzgesetzes. Er beginnt: &#8220;An einem Wirbeltier darf ohne Betäubung ein mit Schmerzen verbundener Eingriff nicht vorgenommen werden. Die Betäubung warmblütiger Wirbeltiere sowie von Amphibien und Reptilien ist von einem Tierarzt vorzunehmen.&#8221; Beim Bundeslandwirtschaftsministerium heißt es auf Nachfrage, im neuen Tierschutzgesetz sei eine Verordnungsermächtigung verankert, die sich darauf bezieht, dass eine andere andere Person als ein Tierarzt eine solche Betäubung durchführen können soll.&nbsp;</p>
<p>Der Präsident des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte (bpt), Hans-Joachim Götz,&nbsp;hält es für widersinnig, Narkosemittel von Laien anwenden zu lassen.&nbsp;Die Durchführung einer sachgerechten Narkose erfordere umfassende Kenntnisse der physiologischen Funktionen eines Tieres. Die Narkoserisiken könnten unter Umständen lebensbedrohlich für die Tiere sein. Deshalb habe der &#8220;Tierarztvorbehalt&#8221; im bisherigen Tierschutzgesetz seinen Sinn gehabt. &bdquo;Nur wir Tierärzte sind durch unsere wissenschaftliche Ausbildung in der Lage, die Narkosefähigkeit eines Tieres und die Narkosetiefe sachverständig zu prüfen&#8221;, erklärt Götz. Jetzt drohe nicht nur vielen Tieren, dass sie unzureichend betäubt schweren Eingriffen unterzogen würden, sondern auch der missbräuchliche Einsatz der in Laienhand geratenen Mittel. Der Tierärzteverband verweist auf das Suchtpotential etwa von Ketamin und hat sich in dieser Angelegenheit an die Drogenbeauftragte der Bundesregierung gewandt.</p>
<p align="left">Auch Theo Mantel, Präsident der <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.bundestieraerztekammer.de/">Bundestierärztekammer</a>, kommentiert: &bdquo;Dem Tierschutz wird hier ein Bärendienst erwiesen. Es wäre besser, ganz auf diese schmerzhaften und chirurgischen Eingriffe zu verzichten.&#8221; Momentan, so Mantel, gibt es keine praktikablen und vor allem schnell und ausreichend wirksamen Schmerzmittel, die vom Landwirt bedenkenlos angewendet werden können. &bdquo;Verfügbare lokal aufzubringende Präparate für die Schmerzausschaltung bei der Ferkelkastration wirken erst nach einigen Minuten. Bei den großen Beständen wird aber im Akkord kastriert, das heißt, die Tiere wären im Regelfall bei dem Eingriff überhaupt nicht betäubt. Und auch der Schmerz nach der Operation wird nicht gelindert, das ist eine grobe Täuschung&#8221;, kritisiert Mantel.</p>
<p align="left">Nun ist es so, dass die Tierärzte natürlich berechtigterweise einen wirtschaftlichen Schaden befürchten, wenn der &#8220;Tierarztvorbehalt&#8221; im Tierschutzgesetz derartig aufgeweicht wird. Für mehr als 20 Millionen Ferkel pro Jahr muss eben kein Tierarzt gerufen werden, wenn die Kastration ansteht. Das war zwar bisher auch so, denn jeder landwirt durfte seine Ferkel selbst kastrieren und musste keinen Tierarzt dafür rufen. Dass aber die Schmerzmittel, die sich auch für andere Zwecke eignen, jetzt ganz selbstverständlich an Landwirte gelangen, dürfte die Rolle des Tierarztes generell schwächen. Von diesen wirtschaftlichen Bedenken aber abgesehen, ist es eine Überlegung wert, was die Abgabe der Mittel an &#8220;Laien&#8221; noch für Folgen haben könnte. Der bpt merkt an, dass der Verbleib der Mittel mit Sicherheit nicht lückenlos überwacht werden kann, das heißt, man kann nicht feststellen, ob die Medikamente nur für die Ferkelkastration verwendet werden. Könnten also auch andere Erkrankungen bei Nutztieren so &#8220;kaschiert&#8221; werden, die kranken Tiere unter Schmerzmitteleinfluss beispielsweise zum Schalchthof transportiert werden? Könnten Halter das Rufen des Tierarztes hinauszögern, weil sie es zunächst mit einem Schmerzmittel bei ihren kranken Tieren versuchen? Etliche Szenarien sind denkabr, auch abseits der Drogenproblematik, und auch die Schwierigkeit der Anwendung sollte nicht unterschätzt werden. Auch in Tierarztpraxen &#8220;bleiben&#8221; immer wieder Tiere &#8220;in der Narkose&#8221; &#8211; weil sie unbemerkt herzkrank sind, aber auch, weil unter Umständen die Feinheiten&nbsp;der Dosierung nicht bis ins Letzte beachtet wurden. Es gibt viele Berichte über Katzen und Hunde, die wegen einer Lappalie wie Zahnsteinentfernung oder dem Kämmen&nbsp;von Perserkatzenfell in eine kurze Narkose gelegt werden und die diesen &#8220;Eingriff&#8221; zum Entsetzen ihrer Besitzer nicht überleben.</p>
<p align="left">Ähnlich diffizil dürfte der Einsatz schmerzausschaltender Mittel sein, selbst wenn sie das Bewusstsein der Tiere nicht beeinflussen, nur die&nbsp;Fähigkeit, Schmerzen zu empfinden. Bisher wurde&nbsp;die Kastration ohne Betäubung im Sekundentakt durchgeführt. Akkordarbeit, wie die Bundestierärztekammer anmerkt.&nbsp;Die Freigabe der Schmerzhemmer für die Landwirte könnte als Feigenblatt enden, als leere Behauptung, die den Tierschutz nur nach außen hin verbessert dastehen lässt. Andere Länder, die schon länger aus der betäubungslosen Ferkelkastration ausgestiegen sind, haben sogar mit massiven <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.animal-health-online.de/kastrat/narkose.html">Narkosen experimentiert</a>, um den Eingriff wirklich schmerzfrei zu gestalten: In der Schweiz ließen Wissenschaftler die Ferkel in tiefe Gasnarkose sinken, eine Maßnahme, die ganz sicher nicht von Laien zu bewältigen ist.</p>
<p align="left">Eine Hoffnung bleibt: Die Ferkelkastration könnte in Zukunft ganz überflüssig werden durch alternative Methoden wie die &#8220;Jungebermast&#8221; (die Tiere werden geschlachtet, bevor sie den Ebergeruch mit Einsetzen der Geschlechtsreife entwickeln), elektronische &#8220;Nasen&#8221; am Schlachtband, eine Impfung gegen das stark riechende Geschlechtshormon&nbsp;oder die Züchtung geruchsfreier Tiere. Auch beim Bundeslandwirtschaftsministerium heißt es, welche Lösung in Zukunft relevant wird, ob Ebermast, Betäubung oder Impfung, sei jetzt noch nicht abzusehen. &#8220;Dass es überhaupt die Betöäubung ist, ist nicht gesagt&#8221;, so eine Sprecherin. Doch noch ist das Zukunftsmusik, und, da sind sich Tierschutzverbände und viele Experten einig, fürs erste hat man beim Tierschutzgesetz einen Weg gewählt, der besonders wenig Kosten verursacht. </p>
<p align="left">In einer Reaktion nach der Verabschiedung durch den Bundestag verteidigte der CDU-Abgeordnete Dieter Stier die Änderungen im ursprünglichen Gesetzentwurf. Strengere Tierschutzstandards als in anderen EU-Staaten führten zum Verlust von Arbeitsplätzen in der deutschen Landwirtschaft,&nbsp;sagte Stier. Kritik äußerte hingegen die Opposition. Renate Künast (Grüne) warf der Koalition vor: &#8220;Ihr Tierschutzgesetz ist der Kniefall vor der Agrarindustrie und den Pferdezüchtern.&#8221;&nbsp; </p>
<p align="left">Tatsächlich lässt sich auch der Fortbestand der Praktik des &#8220;Heißbrennens&#8221; beim Pferd unter Tierschutzaspekten und Berücksichtigung wissenschaftlicher Studien kaum rechtfertigen &#8211; außer mit dem Erhalt einer &#8220;Marke&#8221; und wirtschaftlichen Gründen, die in den vergangenen zwei Jahren immer wieder <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.tieraerzteverband.de/bpt/presseservice/meldungen/2010-10-13-schenkelbrand.php">angeführt und debattiert</a> wurden. Das Brandzeichen wurde dabei&nbsp;mit dem&nbsp;&#8221;Mercedesstern&#8221; verglichen, Pferdezüchter behaupteten, der Mikrochip sei nicht so fälschungssicher wie das jahrhundertealte traditionelle Symbol.&nbsp;Mehr zum Streit um das Brandzeichen bei Pferden findet sich <a target="_blank" href="/planckton/2010/10/15/brandzeichen-im-bundesrat">hier</a>.</p>
<p align="left">Der <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.tierschutzbund.de/">Deutsche Tierschutzbund</a> hält die Entscheidung des Bundestags, das entschärfte Gesetz zu verabschieden,&nbsp;für ein Zugeständnis an die Agrarlobby und bilanziert: &#8220;Millionen Tiere bleiben weiter schutzlos.&#8221; Er will die Liste mit dem Abstimmverhalten jedes einzelnen Abgeordneten veröffentlichen, Tierschutz soll Thema beim Bundestagswahlkampf werden.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/tierleben/author/faz-huch/">faz-huch</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/tierleben">Tierleben</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/12/14/tierschutzgesetz-119/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Essen Sozialpädagogen häufiger vegetarisch als Tierärzte? Ein Uni-Mensen-Vergleich</title>
		<link>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/12/03/preisgekroente-tiermediziner-mensa-essen-hier-nur-vegetarier-116/</link>
		<comments>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/12/03/preisgekroente-tiermediziner-mensa-essen-hier-nur-vegetarier-116/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 03 Dec 2012 13:46:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-huch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mensa]]></category>
		<category><![CDATA[Nutztierhaltung]]></category>
		<category><![CDATA[Studium]]></category>
		<category><![CDATA[Tierärzte]]></category>
		<category><![CDATA[Tierschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Veganismus]]></category>
		<category><![CDATA[Vegetarismus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blogs.faz.net/tierleben/2012/12/03/preisgekroente-tiermediziner-mensa-essen-hier-nur-vegetarier-116/</guid>
		<description><![CDATA[<p>Man könnte denken, dass in der Mensa &#8222;Caballus&#8221; am Bischofsholer Damm in Hannover, auf dem Campus der Tierärztlichen Hochschule, jetzt, mitten im Wintersemester, viel mehr Leben herrscht als im Sommer, während der großen Ferien. Dass das Kantinenpersonal wehmütig an die &#8230; <a href="http://blogs.faz.net/tierleben/2012/12/03/preisgekroente-tiermediziner-mensa-essen-hier-nur-vegetarier-116/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/tierleben/author/faz-huch/">faz-huch</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/tierleben">Tierleben</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Man könnte denken, dass in der Mensa &bdquo;Caballus&#8221; am Bischofsholer Damm in Hannover, auf dem Campus der Tierärztlichen Hochschule, jetzt, mitten im Wintersemester, viel mehr Leben herrscht als im Sommer, während der großen Ferien. Dass das Kantinenpersonal wehmütig an die ruhigen Sommermonate denkt, als nur ein paar Doktoranden und Tierpfleger mittags einkehrten und man hinter der Kasse seinen Gedanken nachhängen konnte, während die Augustsonne durch die großen Glasfronten der Mensa die wenigen schweigenden Gäste beschien, und man Kraft sammeln konnte für das große Hallo zu Anfang des Wintersemesters, für die ratlosen Erstsemester, die nicht wissen, wie man die Chipkarte auflädt, und die Hunderte von Essen, die täglich an der Kasse vorbeirutschen werden. Doch in diesem Jahr war alles anders. So richtig ruhig wurde es im Sommer nicht. Zumindest ab dem 31. Juli kamen sogar noch zusätzliche Gäste hinausgefahren in den&nbsp;Südosten Hannovers, trotz Semesterferien. Es waren kulinarische Abenteurer, die davon gehört hatten, dass die <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.studentenwerk-hannover.de/caballus.html">Mensa &bdquo;Caballus&#8221;</a> den zweiten Preis im bundesweiten Mensenwettbewerb der Studentenzeitschrift Unicum gewonnen hatte (den ersten unter mehr als 800 Bewerbern erhielt die Mensa Süd in Rostock). Vergeben wurde die Auszeichnung, nachdem Studenten ihren Mensen im Internet&nbsp; Noten gegeben hatten. Ausschlaggebend für den Spitzenplatz der Mensa &bdquo;Caballus&#8221; waren die besonders guten Beurteilungen für das Essensangebot und den Geschmack. In Hannover ist man natürlich stolz auf den Preis und hält auch das Ambiente für einen Grund, dass die Mensa so beliebt ist. &bdquo;Caballus&#8221; wurde erst vor zwei Jahren eröffnet, im Gebäude der ehemaligen Pferdeklinik.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Essen Sozialpädagogen häufiger vegetarisch als Tierärzte? Ein Uni-Mensen-Vergleich" title="Foto_2D00_caba"  src="/tierleben/files/2012/12/Foto_2D00_caba.JPG" /></p>
<p><em>Mensa &#8220;Caballus&#8221; in Hannover (Foto Tiho Hannover)</em></p>
<p>Auch ich war kürzlich Gast in der Mensa &bdquo;Caballus&#8221; &#8211; und schwer beeindruckt. Vor allem von einem Überfluss an Wahlmöglichkeiten, die ich aus meiner Studentenzeit nicht kannte: Auf dem Speiseplan stehen derzeit beispielsweise Rahmchampignons in der Pastete, Saltimbocca, hausgemachte Käsespätzle, Kürbis-Gratin und viele zuwählbare Beilagen, von Rahmwirsing bis Schwarzwurzelgemüse.&nbsp;Die Mensa an der tiermedizinischen Fakultät in Leipzig, wo ich studiert habe, bot meistens nur zwei Gerichte, die so klangvolle Namen hatten wie &bdquo;Panierte Wurstscheibe, Spirelli und Tomatensauce&#8221;, &#8220;Fischschnitte Bordelaise&#8221; oder &#8220;Penne mit Wurstgulasch und Käse&#8221;. Wer sich das genauer ansehen will, kann diesen schon etwas älteren <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://mensablog.macdevil.net/mein-mensablog-und-ich/">Blog einer Leipziger Mensagängerin</a> besuchen. Man sollte dazu sagen: Die Zeiten sind vorbei. Auch die Leipziger Tiermediziner haben jetzt eine moderne Mensa mit mehr Optionen in einem neuen Mehrzweckgebäude.</p>
<p>Aber damals aßen wir Wurstgulasch in einer Baracke, einer stehengebliebenen Übergangslösung, und Alternativen fanden sich kaum. In der Kantine der <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.dnb.de/DE/Home/home_node.html">Deutschen Nationalbibliothek</a>, ein paar hundert Meter vom Campus entfernt, gab es nur Brühwürstchen und Soljanka. Zwischen DB und unserer Mensa, zwei kulinarischen Wüsten, lag allerdings das Paradies: Die Kantine des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie, wo man beim&nbsp;Genuss&nbsp;erlesener&nbsp;Küche auf einer Terrasse sitzen, den englischen Gesprächen der Spitzenforscher lauschen und auf eine Insel in einem Teich schauen konnte, auf der sich eine Schildkröte sonnte. Doch da wir oft nur eine halbe Stunde hatten, wenn wir Kittel und Gummistiefel in den Spind geschlossen und die Mensa erreicht hatten, bis die nächste Vorlesung begann, war es illusorisch, sich in die meist etwas längere Kantinenschlange des MPI zu stellen. </p>
<p>In der Veterinärmediziner-Mensa enthielten meist beide Gerichte Fleisch, aber das schien niemanden zu stören. Häufiger wurde das Fehlen einer Salatbar bemängelt. Ich kannte damals eigentlich nur zwei Vegetarier, die Tiermedizin studierten. Das heißt allerdings nicht, dass es nicht mehr gab. Vielleicht hängte man es einfach nicht an die große Glocke? Ich erinnere mich zwar an viele Kommilitonen, die wie selbstverständlich Fleisch aßen, obwohl offenbar bei den meisten ja eine so enge Bindung an Tiere bestand, dass sie sogar Tiermedizin als Studienfach gewählt hatten. Aber letztlich weiß ich nicht, ob die Fleischesser wirklich in der Mehrheit waren. Ausgeschlossen ist es nicht, dass viel mehr Veterinäre Verzicht üben, als ich vielleicht annehme. Immerhin erfuhren wir im Studium täglich so viele unschöne Details aus dem Leben landwirtschaftlicher Nutztiere, dass man wirklich ins Nachdenken kommen konnte &#8211; schon damals, Ende der Neunziger, Anfang der Nuller Jahre, als es noch keine wirkliche Debatte über Nutztierhaltung und Vegetarismus als Lebensstil gegeben hat, keine Titelstorys in Magazinen und Bestseller wie <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/2.1719/massentierhaltung-etwas-stimmt-nicht-mit-der-welt-1573057.html">&bdquo;Tiere essen&#8221;</a> von Jonathan Safran Foer, die erst viel später kamen. Gerade an Colleges und Universitäten in den Vereinigten Staaten soll Foers 2010 erschienenes Buch viel gelesen worden sein und viele Studenten zu Vegetariern gemacht haben.</p>
<p>Inzwischen ist Vegetarismus also ein größerer, gesamtgesellschaftlicher Trend. Ob die Tierärzte auch davon erfasst sind? Ich fragte bei meinem Besuch das Personal in &bdquo;Caballus&#8221;, ob hier überdurchschnittlich viele vegetarische Gerichte über die Theke gehen. &bdquo;Ja, vegetarisch wird hier schon gut verkauft&#8221;, sagte die Frau an der Kasse. &bdquo;Mehr als in der Hauptmensa?&#8221; fragte ich. Sie rief ihre Kollegin, die manchmal in der Hauptmensa Dienst hatte. &bdquo;Also, in der Hauptmensa wird schon auch viel vegetarisch gegessen&#8221;, schränkte die ein. Dass es in &bdquo;Caballus&#8221; tatsächlich mehr sei, hielt sie für zweifelhaft. Könnte es also sein, dass Tierärzte überdurchschnittlich selten Vegetarier sind? Seltener als junge, angehende Juristen und Ärzte, Germanisten und Maschinenbauer? </p>
<p>Belastbare Zahlen oder Studien zum Vegetarismus unter Tierärzten gibt es nicht. Allerdings führt die Uni Hannover eine Statistik über ihre Mensen. In den ersten acht Monaten dieses Jahres sind demnach in der Mensa &#8220;Contine&#8221; die meisten Fleischesser eingekehrt: 78 Prozent der Essen, die hier verkauft werden, enthalten Fleisch. Die Mensa liegt in der Nähe bunt zusammengewürfelter Fachbereiche: In Reichweite sind das Institut für Elektroprozesstechnik, der Fachbereich Geschichte, die Sozialwissenschaften, die Literatur und Sprachwissenschaften und der Fachbereich Rechtswissenschaften. Gefolgt wird die &#8220;Contine&#8221; von der Hannoveraner Hauptmensa, in der 76 Prozent der Gäste Fleischgerichte bevorzugt haben. Ingenieure und Physiker haben in der Nähe ihre Vorlesungen; umliegend finden sich das Institut für Siedlungswirtschaft und Abfalltechnik, das Institut für Systems Engineering, die Institut für Informationsverarbeitung und für Mikrotechnologie, das Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik und die Fakultät für Bauingeneurwesen und Geodäsie. Und dann kommt auch schon Caballus: Nur 30 Prozent vegetarische Gerichte werden hier verkauft, 70 Prozent beinhalten Fleisch oder Fisch. Deutlich weniger Fleisch geht in der Mensa Blumhardstraße über den Verkaufstisch: Hier sind 37 Prozent der gekauften Gerichte vegetarisch. Es handelt sich um die Mensa der Fakultät V: Die Studiengänge Diakonie, Gesundheit und Soziales, Heilpädagogik, Pflege, soziale Arbeit, Bildungswissenschaften und Management für Pflege und Gesundheitsberufe sind hier angesiedelt.</p>
<p>&bdquo;Maschinenbauer sind seltener Vegetarier als Sozialarbeiterinnen? Oh, ich glaube ich habe gerade ein Klischee vorbeihuschen sehen&#8221;, kommentiert ein Kollege, als ich von den Recherchen zu diesem Blogeintrag berichte. Doch eigentlich geht es um mehr als ein Klischee. Über Vegetarier weiß man noch nicht viel, aber die Studien, die es gibt, stellen zumindest einige Dinge&nbsp;klar: Vegetarier leben häufiger als Nicht-Vegetarier in urbanem Milieu und sind Single; Studien aus den Vereinigten Staaten und Kanada haben ergeben, dass sie häufiger politisch linksliberal eingestellt sind. Aber vor allem gibt es einen klaren Zusammenhang mit dem Geschlecht: Frauen neigen eher zum Vegetarismus als Männer.&nbsp;Insofern ist es kein Wunder, dass sich in Studiengängen, die vor allem von Frauen gewählt werden, mehr Vegetarier finden. Und auch Sebastian Zösch, Sprecher des&nbsp;<a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.vebu.de/">Vegetarierbundes Deutschland (Vebu)</a>, sagt: &bdquo;Unseren Erfahrungen nach gibt es Studiengängen wie Maschinenbau eher weniger, in weiblich geprägten Fächern wie Psychologie eher mehr Vegetarier.&#8221; </p>
<p>Wie aber nun ist es bei den Tierärzten? Seit Jahren ist der Anteil der weiblichen Studienanfänger mit 85 Prozent stabil und außerordentlich hoch.&nbsp;Sebastian Zösch sagt, der Vegetarierbund habe durchaus einige Mitglieder, die Tierärzte seien. Dennoch sei nicht unbedingt zu erwarten, dass man überdurchschnittlich viele Vegetarier im Studium finde. &bdquo;Dass es um Tiere geht, zieht viele Menschen, die Wert auf Tierschutz legen, zunächst an&#8221;, sagt Zösch. &bdquo;Aber dass zum Beispiel im Studium auch Tiere seziert werden müssen, schreckt wiederum auch viele überzeugte Vegetarier ab. Das gleicht sich dann sicherlich zahlenmäßig aus.&#8221; Beim Beruf Koch gebe es eine ähnliche Entwicklung: Viele Vegetarier interessierten sich stark fürs Kochen und könnten sich deshalb vorstellen, Koch zu werden. Dass in der Ausbildung aber auch mit Fleisch gekocht werden müsse, halte sie dann aber doch davon ab, den Beruf zu wählen. Bei den Tierärzten komme aber noch ein Punkt hinzu: &bdquo;Viele Studierende kommen aus bäuerlicher Umgebung, arbeiten später in der Fleischbeschau und lehnen deshalb Fleischkonsum nicht ab.&#8221; </p>
<p>Sebastian Zösch vermittelt mir eine Tierärztin, die vegan lebt, Kathrin Herrmann aus Berlin. &#8220;Einige wenige Vegetarier gab es schon unter uns Tiermedizinstudentinnen und -studenten, aber die Mehrheit hat Fleisch gegessen&#8221;, sagt sie. &#8220;Vegane Tierärztinnen und Tierärzte kenne ich nur sehr wenige. Aber immerhin leben heute auch zwei andere Tierärztinnen aus meinem Semester vegan.&#8221; Eine der Kommilitoninnen &nbsp;wurde nach dem Absolvieren des Schlachtfhofpraktikums vegan. Kathrin Herrmann selbst kam durch ihre Weiterbildung zur Fachtierärztin für Tierschutz und Tierschutzethik vom Vegetarismus zum Veganismus. &#8220;Als ich als &nbsp;Kind erstmals den Zusammenhang begriff zwischen dem Stück Fleisch auf dem Teller und dem lebenden Tier, da &nbsp;habe ich das Fleischessen abgelehnt&#8221;, sagt sie.&nbsp;&#8221;Damals war ich vier oder fünf. Meine Eltern hatten mir zwei kleine Enten auf dem Markt gekauft. Als sie größer wurden, haben wir sie zu Freunden mit einem Weiher gegeben &#8211; mit der Begründung, sie hätten es dort besser. Aber dann habe ich verstanden, dass die Enten dort irgendwann geschlachtet wurden. Als ich kein Fleisch und keinen Fisch mehr essen wollte, haben meine Eltern mich zum Glück nicht dazu gezwungen. Ich denke, dass viele Kinder es intuitiv ablehnen, Tiere zu essen, aber von ihren Eltern dann dazu erzogen werden, es doch zu tun.&#8221;</p>
<p>Jetzt steht Kathrin Herrmann kurz vor dem Abschluss der Weiterbildung zur Fachtierärztin für Tierschutz und Tierschutzethik. Außerdem absolviert sie ein PhD-Studium an der <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.fu-berlin.de/sites/promovieren/drs/index.html">Dahlem Research School</a>, Thema: das Refinement von Tierversuchen, dazu gehören sämtliche Methoden und Maßnahmen, die zu einer Minimierung der Belastung der Versuchstiere führen wie zum Beispiel ein adäquates Schmerzmanagement. &bdquo;Irgendwann wurde mir klar, dass auch das Essen von Milchprodukten und Eiern nicht zu verantworten ist. Und auch bei Kleidung achte ich nun darauf, dass sie nicht aus Wolle oder Seide ist, und verwende kein Leder und keine Daunen mehr.&#8221; Für sie ist der vegane Lebensstil eng an ihre berufliche Motivation geknüpft: &bdquo;Ich habe das Studium gezielt gewählt, um Tiere zu schützen.&#8221; Irritiert habe sie dann beispielsweise, dass einige Kommilitonen Jäger gewesen seien.</p>
<p>Dass immer noch etliche Tierärztinnen und Tierärzte sich anders als sie kaum Gedanken über ihren Konsum tierischer Produkte machen, sieht sie als Symptom der &bdquo;Schizophrenie&#8221; des Berufsstandes. Darüber hat sie im vergangenen Jahr einen Vortrag (&bdquo;The schizophrenia of the veterinary profession&#8221;) in Prag gehalten, bei der&nbsp;<a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.criticalanimalstudies.org/conference-for-critical-animal-studies/european-conference/">&bdquo;European Conference for Critical Animal Studies&#8221;</a>. Hier hat sie dargestellt, dass Tierärzte zwar gesellschaftlich als Experten für Tierschutz wahrgenommen werden, aber dennoch viele tierschutzwidrige Lebensbedingungen von Nutztieren tolerieren. &#8220;Und das&#8221;, sagt Herrmann,&nbsp;&#8221;obwohl längst wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, die nachweisen, wie stressig, traumatisch oder schmerzhaft diese Zucht- und Haltungspraktiken für Tiere sind.&#8221; Als Beispiel nannte&nbsp;Herrmann in Prag&nbsp;die gängige Praxis, Sauen in Kastenständen zu halten, in denen sie sich nicht einmal drehen können. &#8220;Dahinter steht die Begründung, so würden sie ihre Ferkel nicht zerquetschen&#8221;, sagt Herrmann.&nbsp;&#8221;In Nachbarländern wie der Schweiz ist der Einsatz von Kastenständen aber bereits verboten.&#8221;&nbsp;Als weiteres Beispiel&nbsp;sprach Herrmann&nbsp;das Trennen der neugeborenen Kälber von der Mutter an. Die Tierärzte und Tierärztinnen schienen viel zu sehr mit wirtschaftlichen Fragen befasst, um konsequent auf der Tierschutzseite zu agieren, vermutet Herrmann. &bdquo;Wir sollten die Tiere beschützen laut unserer Berufsordnung, aber viele Tierärzte und Tierärztinnen, insbesondere die, die mit sogenannten &#8216;Nutz&#8217;tieren arbeiten, finden es leider völlig &nbsp;in Ordnung, gar selbstverständlich, dass wir Tiere nutzen. Im Studium wird man auch nicht ermutigt, dies und die Art und Weise der Nutzung, besser gesagt Ausbeutung, kritisch in Frage zu stellen.&#8221;</p>
<p>Eins jedenfalls ist klar: Die Frage nach der eigenen Lebensweise und dem Umgang mit tierischen Produkten berührt zentrale Diskussionen, mit denen die deutschen Tierärzte sich gegenwärtig intensiv beschäftigen: ihre eigene Position im Tierschutz und ihre Haltung zur Landwirtschaft, zu den Rechten und zum Schutz von Tieren. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Essen Sozialpädagogen häufiger vegetarisch als Tierärzte? Ein Uni-Mensen-Vergleich" title="mensaschulung"  src="/tierleben/files/2012/12/mensaschulung.JPG" /></p>
<p><em>Mensaschulung des Vegetarierbundes beim Studentenwerk Halle (Foto Vebu)</em></p>
<p>Kathrin Herrmann sagt, sie habe die Mensa während ihrer Studentenzeit nur selten besucht. Heute ist das anders. Sie ist für ihr PhD-Studium wieder an der Freien Universität Berlin immatrikuliert und in Dahlem, ganz in der Nähe der Dahlem Research School, gibt es eine vegan-vegetarische Mensa. Vegetarisch und vegan seien allgemein heute in Uni-Mensen keine Fremdwörter mehr, heißt es beim Vebu. &bdquo;Fast die Hälfte der 60 Studentenwerke in Deutschland deklariert veganes Essen&#8221;, sagt Andreas Schneider, der das Großküchen-Beratungs-Projekt <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.gv-nachhaltig.de/">&#8220;GV Nachhaltig&#8221;</a> des Vebu leitet und die Einführungskurse ins vegetarische und vegane Kochen koordiniert, die der Vebu für Uni-Mensen anbietet. Gut aufgestellt seien beispielsweise Oldenburg, Dresden, Gießen, München und Bremen. &bdquo;In Gießen gibt es seit diesem Jahr sogar selbst gemachte vegane Brotaufstriche und Oldenburg hat auch Milchshakes aus Sojamilch und veganen Kuchen im Angebot. In Freiburg gibt es zur normalen Currywurst auch immer vegane.&#8221; Und das Studentenwerk Thüringen kennzeichne nicht nur vegane Gerichte mit einem &bdquo;V&#8221;, sondern deklariere auch negativ: Gerichte mit tierischen Zutaten bekommen ein &bdquo;T&#8221;.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/tierleben/author/faz-huch/">faz-huch</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/tierleben">Tierleben</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/12/03/preisgekroente-tiermediziner-mensa-essen-hier-nur-vegetarier-116/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Bio, Tierschutz, Rückstände und der verunsicherte Verbraucher</title>
		<link>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/09/17/antibiotika-tierschutz-bio-und-der-verunsicherte-verbraucher-114/</link>
		<comments>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/09/17/antibiotika-tierschutz-bio-und-der-verunsicherte-verbraucher-114/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 17 Sep 2012 12:12:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-huch</dc:creator>
		
		<guid isPermaLink="false">http://blogs.faz.net/tierleben/2012/09/17/antibiotika-tierschutz-bio-und-der-verunsicherte-verbraucher-114/</guid>
		<description><![CDATA[<p>Gerade erst haben die &#8222;Grünen&#8221; eine kleine Anfrage abgeschickt: Wann es denn endlich etwas werde mit der Novellierung des Arzneimittelgesetzes (AMG), erkundigen sie sich. Die Novelle soll, so hoffen Umwelt- und Tierschutzverbände, Aktivisten für ökologische Landwirtschaft und Verbraucherschützer, neue Bedingungen &#8230; <a href="http://blogs.faz.net/tierleben/2012/09/17/antibiotika-tierschutz-bio-und-der-verunsicherte-verbraucher-114/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/tierleben/author/faz-huch/">faz-huch</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/tierleben">Tierleben</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade erst haben die &bdquo;Grünen&#8221; eine kleine Anfrage abgeschickt: Wann es denn endlich etwas werde mit der Novellierung des Arzneimittelgesetzes (AMG), <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.bundestag.de/presse/hib/2012_09/2012_386/04.html">erkundigen sie sich</a>. Die Novelle soll, so hoffen Umwelt- und Tierschutzverbände, Aktivisten für ökologische Landwirtschaft und Verbraucherschützer, neue Bedingungen für die Anwendung von Antibiotika in Nutztierbeständen schaffen. Strengere Regeln sollen, so wird es wenigstens von den Kritikern konventioneller Nutztierhaltung gefordert, insbesondere für Antibiotika gelten, die in der Humanmedizin dringend benötigt werden. So soll die Entstehung resistenter Keime vermieden, die Wirksamkeit der Arzneimittel für schwere Fälle erhalten bleiben. </p>
<p>Doch Verbände wie der BUND hoffen auch, dass über eine Einschränkung der Mittel, die gegen bakterielle Infektionen wirken, eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Tiere in der Landwirtschaft eintritt. In einer Stellungnahme dem Bundeslandwirtschaftsministerium gegenüber betonte der BUND im August, Ziel der Novelle müsse es sein, die &bdquo;Ursachen für hohen und missbräuchlichen Antibiotikaeinsatz&#8221; zu beheben. &bdquo;Die Senkung des Antibiotika-Einsatzes geht mit Verbesserung der Tierschutzstandards einher&#8221;, schreibt Reinhild Benning, Leiterin Agrarpolitik beim BUND. Dass Verbesserungen der Tierschutz-Nutztierhaltungs-Verordnung gänzlich fehlen, ist für den BUND auch der Grund, das derzeitige Stadium der Gesetzesnovelle strikt zurückzuweisen. Andere Inhalte des aktuellen Kabinettsentwurfs akzeptiert und begrüßt der Verband hingegen, etwa den Plan, bestimmte Antibiotikaklassen in Zukunft von der Anwendung in der Nutztierhaltung ausnehmen zu können.</p>
<p>Jetzt wird es ernster, über den &#8220;Entwurf eines Sechzehnten Gesetzes zur Änderung des Arzneimittelgesetzes&#8221; soll bald endgültig entschieden werden. Vor wenigen Tagen hat der BUND deshalb noch einmal nachgelegt &#8211; gemeinsam mit dem Ökologischen Ärztebund. In einem <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://bund.net/fileadmin/bundnet/pdfs/landwirtschaft/20120913_bund_landwirtschaft_antibiotika_aigner_bahr_offener_brief.pdf">offenen Brief</a> richten sich die Verbände an Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner und Gesundheitsminister Daniel Bahr. Darin heißt es: &nbsp;&#8221;Sorgen Sie dafür, dass bei der Novellierung des Arzneimittelgesetzes und der Neufassung des Tierschutzgesetzes dem System der Massentierhaltung mit seinem massenhaften Antibiotikaeinsatz ein Riegel vorgeschoben wird. Der Antibiotikaeinsatz muss bis 2015 mindestens halbiert werden. Zudem müssen Sie umgehend die Subventionen für den Bau neuer Massentierhaltungs-Anlagen stoppen und die Privilegien für industrielle Tierhaltungen im Baugesetz abschaffen.&#8221;</p>
<p>Der BUND und der ökologische Ärztebund verweisen auf die hohe Zahl von Patienten, die jährlich wegen antibiotikaresistenter Keime sterben, und beziehen klar Stellung: &#8220;Die Bundesregierung versäumt es, wirksame Gesetze dagegen zu erlassen.&#8221;</p>
<p>Für Ökoaktivisten ist die Sache klar: Tier- und Verbraucherschutz sind in dieser Angelegenheit untrennbar miteinander verbunden. Und auch in der öffentlichen Debatte ging es jedesmal, wenn das Thema Antibiotika in den vergangenen zwei Jahren hochkochte, um Tierschutz, auch in der Wahrnehmung der Bevölkerung. Auch veterinärmedizinische Experten betonen immer wieder den Zusammenhang zwischen Antibiotikagebrauch und Haltungsbedingungen von Tieren, unlängst etwa auf einer <a target="_blank" href="/tierleben/2012/07/06/antibiotika-was-passiert-wirklich-in-den-staellen">Tagung</a> am veterinärmedizinischen Fachbereich der TU Berlin. Zuletzt wurde die Beziehung zwischen beidem wieder deutlich durch die Diskussion über &bdquo;Bio&#8221;. Eine inzwischen vielzitierte <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/oeko-debatte-skepsis-im-bioladen-11879034.html">Studie der Universität Stanford</a> hatte ergeben, dass Bio-Lebensmittel zwar nur unwesentlich mehr Nährwert haben als konventionelle Produkte. Fleisch aus Bio-Haltungen wies aber signifikant weniger Keime auf, die mit Resistenzen behaftet waren.</p>
<p>Insofern macht es tatsächlich Sinn, beide Themen zusammen zu behandeln, auch in der Gesetzgebung. Allerdings ist die Thematik für viele Verbraucher immer noch sehr verwirrend. Das zeigten unlängst die Reaktionen auf eine <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://mbio.asm.org/content/3/5/e00190-12">Studie</a> dänischer und irischer Wissenschaftler, die in &bdquo;mBio&#8221; erschienen ist, dem Online-Journal der American Society for Microbiology. Die Forscher von der Universität von Kopenhagen und vom University College Cork setzten Fleisch für die Produktion von Rohwürsten wie Salami im Labor kleine Mengen der Antibiotika Oxytetracyclin und Erythromycin zu. Das Fleisch war bereits mit Milchsäurebakterien versetzt, wie man sie verwendet, um den pH-Wert in Rohwürsten sinken zu lassen, so dass die rohen Produkte weniger anfällig für pathogene Keime sind. </p>
<p> <img alt="Bild zu: Bio, Tierschutz, Rückstände und der verunsicherte Verbraucher" title="salamiFoto"  src="/tierleben/files/2012/09/salamiFoto.JPG" />&nbsp;</p>
<p><i>Misstrauisch beäugt: Rohwürste</i></p>
<p>Nicht besonders erstaunlich war das Ergebnis: Die Antibiotika beeinträchtigten die Milchsäurebakterien so stark, dass sie nicht mehr in der Lage waren, die Wurst ordnungsgemäß reifen zu lassen und den ph-Wert zu senken. Krankheitserreger hätten also freie Bahn gehabt &#8211; fatal in einem Produkt, das schließlich in den Handel gelangt und verzehrt worden wäre.</p>
<p>Schnell stellten Berichte über das Forschungsprojekt einen Zusammenhang zwischen dem Antibiotikagebrauch in der Tierhaltung und der Fehlreifung der Würste her. Doch übersehen wurde, dass der Versuch gar nicht Fleisch von mit Antibiotika behandelten Tieren zum Gegenstand hatte, sondern dass die Mittel nachträglich zugesetzt wurden. Das wäre vielleicht noch kein Grund, die Studie anzuzweifeln &#8211; immerhin wurde mit ähnlich geringen Konzentrationen gearbeitet, wie sie zu erwarten sind, wenn die Medikamente zu kurz vor der Schlachtung eingesetzt werden, im Körper verbleiben und auf diesem Weg Eingang in Lebensmittel finden. </p>
<p>Doch noch erstaunlicher ist, dass über die dänisch-irische Studie stets so berichtet wird, als ob regelmäßig Antibiotikarückstände in Fleisch zu finden sind &#8211; als ob es sich also um ein hoch praxisrelevantes Problem handelt. Dabei hatte gerade erst kurz zuvor das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) seinen <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.bvl.bund.de/DE/01_Lebensmittel/01_Aufgaben/02_AmtlicheLebensmittelueberwachung/07_NRKP/01_berichte_nrkp/07_NRKP_ErgaenzendeDokumente_2010/lm_nrkp_bericht_2010_node.html">Rückstandskontrollplan</a> (aus dem Jahr 2010) vorgelegt. Ergebnis: Nur in 0,5 Prozent der Masthähnchenproben fand man ein Antibiotikum (nämlich Doxycyclin). Bei den Schweinen waren 0,05 Prozent der Tiere positiv, bei den Rindern nur 0,03 Prozent.</p>
<p>Nun müsste man dazu sagen, dass in Deutschland nicht jedes&nbsp;Tier auf Antibiotikarückstände untersucht wird. Auf dem Schlachthof werden lediglich Stichproben genommen, meist in Verdachtsfällen. Ob das ausreichend ist und man daraufhin anhand der Ergebnisse des Rückstandskontrollplans wirklich sagen kann, Antibiotikarückstände seien kein Problem &#8211; das bleibt dahingestellt. Eine Debatte darüber, ob die nachträglichen Kontrollen ausreichen, die Maßnahmen, mit denen schon jetzt die landwirtschaftliche Nutztierhaltung überprüft wird, ist bisher zumindest in der Öffentlichkeit nicht entstanden. Vielleicht ist es Zeit, darüber einmal zu sprechen, wenn Datenlage und öffentliche Wahrnehmung so weit auseinanderklaffen: Die Daten belegen zwar, dass kein Problem vorliegt. Erscheint eine Studie wie die über die Salami, zeigt sich aber schnell, dass viele Verbraucher regelrecht mit Rückständen rechnen. Sicher fühlen sie sich jedenfalls nicht. Würden solche Missverständnisse aus der Welt geschafft, könnte man auch zum Kern des Problems vordringen. Oder vielmehr, zu zwei zentralen Themen: Schutz menschlicher Patienten. Und Tierschutz.</p>
<p>Hanne Ingmer von der Universität in Kopenhagen, Autorin der Salami-Studie, sagt, die ultimative Lösung des ganzen Problems sei es, die Verwendung von Antibiotika als Wachstumsförderer zu verbieten und ihren therapeutischen Einsatz bei Nutztieren einem Monitoring zu unterwerfen. Ersteres hat man in Europa längst gemacht, nur in den Vereinigten Staaten bleibt das &bdquo;Wachstums-Doping&#8221; erlaubt. Dass aber auch der Einsatz von Antibiotika als Therapeutika so stark überhandnehmen kann, dass er die Akzeptanzgrenzen der meisten Beteiligten &#8211; Experten und Verbraucher &#8211; sprengt, zeigten die deutschen <a target="_blank" href="/tierleben/2011/11/18/huehner-antibiotika-und-tieraerzte">Studien aus der Geflügelmast</a>, die im Herbst 2011 veröffentlicht wurden,&nbsp;und die Reaktionen darauf. Insofern bleibt eine Menge Konfliktstoff, die die Novelle des AMG lösen muss.&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/tierleben/author/faz-huch/">faz-huch</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/tierleben">Tierleben</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/09/17/antibiotika-tierschutz-bio-und-der-verunsicherte-verbraucher-114/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Antibiotika gegen den Stress: Was ist in den Ställen los?</title>
		<link>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/07/06/antibiotika-was-passiert-wirklich-in-den-staellen-111/</link>
		<comments>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/07/06/antibiotika-was-passiert-wirklich-in-den-staellen-111/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 06 Jul 2012 19:17:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-huch</dc:creator>
		
		<guid isPermaLink="false">http://blogs.faz.net/tierleben/2012/07/06/antibiotika-was-passiert-wirklich-in-den-staellen-111/</guid>
		<description><![CDATA[<p>Die Meldung, die Anfang der Woche aus Nordrhein-Westfalen kam, hatte eigentlich das Zeug dazu, ganz großen Wirbel zu verursachen. Sie ist mindestens so brisant wie der Fund resistenter Keime auf Geflügelfleisch, den die Umweltorganisation BUND Anfang des Jahres publik gemacht &#8230; <a href="http://blogs.faz.net/tierleben/2012/07/06/antibiotika-was-passiert-wirklich-in-den-staellen-111/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/tierleben/author/faz-huch/">faz-huch</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/tierleben">Tierleben</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Meldung, die Anfang der Woche aus Nordrhein-Westfalen kam, hatte eigentlich das Zeug dazu, ganz großen Wirbel zu verursachen. Sie ist mindestens so brisant wie der Fund <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/antibiotika-resistenzen-ein-huhn-kommt-selten-allein-11607307.html">resistenter Keime</a> auf Geflügelfleisch, den die Umweltorganisation BUND Anfang des Jahres publik gemacht hatte und der die Schlagzeilen lange dominiert hatte. Vielleicht war das dem Zeitpunkt geschuldet:&nbsp;Wenige Tage&nbsp;später sollte die Grüne Woche in Berlin beginnen.</p>
<p>Diesmal bleibt es bemerkenswert ruhig. Dabei&nbsp;bergen&nbsp;die <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.umwelt.nrw.de/ministerium/presse/presse_aktuell/presse120703.php">Nachrichten aus Nordrhein-Westfalen</a> eigentlich noch mehr Zündstoff: Das Landesumweltamt in NRW hatte in 42 Geflügelställen Trinkwasserproben genommen. In 26 Ställen wurden auffällige Rückstände ermittelt. Mastgeflügel komme teils sogar ohne tierärztliche Verordnung und häufig außerhalb von Therapiezeiten in Kontakt damit &#8211; im Extremfall bis zu drei Jahre später, berichtete der nordrhein-westfälische Verbraucherminister Johannes Remmel (Grüne) am Dienstag in Düsseldorf. Auch von Anzeichen für &#8220;Langzeit-Rückstände&#8221; war die Rede. Das Ministerium prüfe aufgrund der Ergebnisse weitere rechtliche Schritte in einzelnen Fällen, hieß es. Gegen den massiven Antibiotika-Einsatz müsse jedoch auch die Bundesregierung aktiv werden.</p>
<p>Halten wir fest: Jetzt geht es nicht mehr in erster Linie darum, dass Geflügel&nbsp;<em>große Mengen</em>&nbsp;Antibiotika erhält&nbsp;- das war das Thema des Verbraucherschutzes in den vergangenen Monaten. Es geht nicht darum, dass kaum ein Mastdurchgang es bis zur Schlachtung schafft, ohne dass ein Tierarzt dem Halter Antibiotika ausgehändigt hat, weil er den Ausbruch einer Infektion schon kommen sah, nachdem einzelne Küken kränkelnd durch den Stall schlichen. Darum ging es im Herbst, die Sache war unschön, aber legal.</p>
<p>Der Fall jetzt ist grundsätzlich anders gelagert. Zuvor hatten die Behörden Dokumente ausgewertet. Jetzt analysierten sie Trinkwasser, also den Stoff, dem üblicherweise beim Geflügel Arzneimittel zugesetzt werden. Sie fanden Antibiotika darin &#8211; und das zu Zeiten, in denen der Landwirt überhaupt keine von seinem Tierarzt gekauft hatte. Zumindest war dieser Kauf nicht dokumentiert in den Unterlagen, die Tierarzt und Halter&nbsp;erstellen müssen, in denen sie alle Arzneimittelgaben festhalten. Was kann man daraus schließen?</p>
<p>Man muss wohl folgern, dass es möglich ist, dass landwirtschaftliche Nutztiere in Deutschland Antibiotika erhalten, ohne dass diese Arzneimittelgabe in einem Dokument erscheint und&nbsp;ohne dass sie&nbsp;einer behördlichen Kontrolle auffällt &#8211; außer, man &nbsp;würde von jedem einzelnen Tier eine Blut- oder Fleischprobe nehmen und sie untersuchen oder von jedem Betrieb eine Wasserprobe.&nbsp;Das Ganze ist also&nbsp;für den Verbraucherschutz überaus relevant.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Antibiotika gegen den Stress: Was ist in den Ställen los? " title="Foto"  src="/tierleben/files/2012/07/Foto.JPG" /></p>
<p><em>Proteste gegen Antibiotika in der Geflügelhaltung&nbsp;in Berlin</em></p>
<p>Nun gab es in der Vergangenheit immer wieder <a target="_blank" href="/tierleben/2011/11/18/huehner-antibiotika-und-tieraerzte">spektakuläre Prozesse</a> gegen Tierärzte, die offensichtlich einen schwunghaften Handel mit Antibiotika&nbsp;unterhalten hatten und dabei auch in ihren&nbsp;Unterlagen so einiges durcheinanderbrachten. Einer, der vor nicht allzu langer Zeit verurteilt wurde, soll gar Tiere erfunden haben, um&nbsp;Bestellung und&nbsp;Verkauf großer Mengen von Arzneimitteln zu begründen.&nbsp;Noch bekannter wurde der Fall bayerischer Tierärzte, die vor zehn Jahren wegen des &bdquo;Schweinemastskandals&#8221; verurteilt wurden. Nachdem dieser Antibiotika-Skandal aufgeflogen war, wurde das Arzneimittelgesetz verschärft.</p>
<p>Jetzt sind wieder Erinnerungen an Geschichten wie diese geweckt. Und heute wurde nun auch noch eine Studie zum <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.regierung-mv.de/cms2/Regierungsportal_prod/Regierungsportal/de/lm/?&amp;pid=36125">Antibiotikaeinsatz in Mecklenburg-Vorpommern</a> veröffentlicht. Auch im Nordosten ist der Antibiotikaeinsatz beim Geflügel demnach so verbreitet, dass Agrarminister Till Backhaus in Schwerin Konzepte zur Minimierung forderte.</p>
<p>Eins ist jedenfalls klar: Die deutschen Tierärzte stecken wegen der aktuellen Fälle in Schwierigkeiten &#8211; nicht nur, weil sie um ihr Dispensierrecht fürchten müssen, das Recht, Arzneimittel vom Großhandel zu beziehen und mit einem Aufschlag an Tierhalter weiterzuverkaufen. Deutlich wurden die Konflikte unlängst wieder in Berlin-Zehlendorf, dort, wo der <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.vetmed.fu-berlin.de/">veterinärmedizinische Fachbereich der FU</a> seine Institute und Kliniken hat. Im grün gekachelten Hörsaal für Pferdechirurgie fanden sich Veterinäre aus ganz Deutschland ein, um an einer Tagung teilzunehmen, die den sachlichen Titel &bdquo;Neue Entwicklungen im Arzneimittelrecht in der Veterinärmedizin&#8221; trug. </p>
<p>Nicht nur Wissenschaftler nahmen teil, sondern vor allem viele Praktiker, die hier offen nach Lösungen für die Probleme ihres Arbeitsalltags fragten und besondere Probleme thematisierten. So wurde etwa angemerkt, dass es längst nicht nur um Antibiotika gehe, die man zur Bekämpfung bakterieller Infektionen einsetzt. Es falle auch auf, dass immer häufiger bestimmte Anästhetika, etwa zum Enthornen älterer Kälber, an den Landwirt abgegeben werden &#8211; obwohl sie eigentlich nur vom Tierarzt eingesetzt werden&nbsp;dürfen.&nbsp;Offenbar bestehe hier oft Unsicherheit über die rechtliche Sitaution.</p>
<p>Sorgen machen den Tierärzten auch die strengen Bestimmungen für die Anwendung von Antibiotika, die nicht explizit für die betroffene Tierart und die Krankheit zugelassen sind &#8211; was nur in begründeten Fällen möglich ist. Tierärzte müssen sich in alle Richtungen absichern, wenn sie solche eigenen Entscheidungen fällen, zum Beispiel auch mit einem sogenannten Antibiogramm, das zeigt, auf welche Antibiotika der Krankheitserreger, den sie in Proben gefunden haben, noch sensibel reagiert und gegen welche er schon resistent ist.&nbsp; Ein Praktiker formulierte das Dilemma so: &bdquo;Wenn ich abweiche, bin ich verantwortlich. Wenn nicht und das Tier stirbt, dann auch.&#8221;</p>
<p>Der Veterinär-Pharmakologe Manfred Kietzmann von der <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.tiho-hannover.de/">Tierärztlichen Hochschule Hannover</a> empfahl, die ausbleibende Wirksamkeit von Arzneimitteln, die dann oft dazu führt, dass andere Mittel eigenständig ausgewählt werden, stets sofort an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zu melden, das die Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneimitteln überwacht. In was für einer brenzligen Situation sich die Veterinäre befinden, wurde deutlich, als jemand anmerkte, viele Tierärzte hätten Bedenken, solche Meldungen zu machen. Immer schwinge die Angst mit, dass ein Mittel die Zulassung verliert &#8211; und damit eine weitere Möglichkeit wegfällt, schwere Krankheiten bei Tieren in den Griff zu bekommen.</p>
<p>Ein weiteres Problem sei es oft, überhaupt das Material für das vorgeschriebene Antibiogramm zu bekommen, das verlangt wird, um zu verhindern, dass Antibiotika sinnlos eingesetzt und so immer mehr Resistenzen bei Keimen erzeugt werden. Wie man bei einem lahmen Schwein die Keime aus dem Gelenk bekommen oder keimhaltiges Material bei einer Mittelohrentzündung gewinnen solle, fragte ein praktisch tätiger Tierarzt aus dem Publikum. Andere beschwerten sich: &bdquo;Ich stehe ja mit einem Bein immer im Gefängnis, wenn ich das Antibiotikum wechsle und kein Antibiogramm mache.&#8221;</p>
<p>Jeden Fall solle man begründen und dokumentieren, riet Kietzmann. Doch die Tierärzte haben längst auch das Gefühl, dass sie mit ihrer Hausapotheke versuchen müssen,&nbsp;die Folgen von Zuständen abzumildern, für die sie nicht verantwortlich sind: &bdquo;Viele Ställe müssten renoviert oder neu gebaut werden&#8221;, hieß es aus dem Publikum. Anders sei die Hygiene gar nicht in den Griff zu bekommen.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Antibiotika gegen den Stress: Was ist in den Ställen los? " title="dpa_2D00_kuehe"  src="/tierleben/files/2012/07/dpa_2D00_kuehe.jpg" /></p>
<p><em>Stress macht die Tiere anfällig für&nbsp;sogenannte &#8220;Faktorenerkrankungen&#8221;&nbsp;(Foto dpa)</em></p>
<p>Eins wurde aber auch in Berlin deutlich: Das, was man immer häufiger &bdquo;Tierwohl&#8221; nennt, wird ein Markt. &bdquo;Molkereien versuchen jetzt schon, die Tiergesundheit zu erfassen&#8221;, sagte Kerstin Müller, die geschäftsführende Direktorin der Klinik für Klauentiere der FU Berlin. Sie werde inzwischen etwa von Molkereien um Rat gebeten hinsichtlich der Frage, wie man etwa Lahmheiten in Milchkuh-Betrieben quantifizieren kann: &bdquo;Das wollen die Molkereien als Benchmark verwenden.&#8221;</p>
<p>Gesunde Tiere sind Tiere, die nicht leiden. Gesunde Tiere bekommen auch weniger Medikamente. Das würde heißen, je weniger Medikamente ein Landwirt braucht, desto besser, tiergerechter hält er seine Tiere, desto besser geht es ihnen: Diese Erkenntnis kommt inzwischen vielen Verbrauchern schlüssig vor. Dass es Zusammenhänge zwischen Arzneimitteln und Leid gibt, sickert natürlich auch zu denen durch, die Produkte von Tieren weitervermarkten. Dass besonders Antibiotika in die Kritik geraten, hat also nicht nur damit zu tun, dass Menschen um ihre eigene Gesundheit fürchten, die angesichts von immer mehr resistenten Keimen bedroht wirkt (und angesichts der Erkenntnisse aus NRW wohl auch angesichts von möglichen Rückständen der Arzneimittel selbst). Antibiotikagaben an Nutztiere kaschieren deren schlechte Lebensbedingungen &#8211; das glaubt nicht nur der kritische Konsument inzwischen. Nein, natürlich wissen das auch Tierärzte.&nbsp;&nbsp;</p>
<p>&bdquo;Im Nutztiersektor werden Antibiotika vor allem zur Behandlung von Faktorenkrankheiten eingesetzt&#8221;, sagte Kerstin Müller in ihrem Vortrag. Dazu gehören etwa der Kälberdurchfall, die enzootische Bronchopneumonie (eine Atemwegserkrankung), Euterentzündungen und Klauenkrankheiten. Verschiedene Risikofaktoren kommen dabei zusammen, sich selbst verstärkende oder hemmende Regelkreise spielen eine Rolle. Die Tiere erkranken in Phasen, in denen sie immunsupprimiert sind, zum Beispiel, wenn zwei Wochen alte männliche Kälber die Betriebe verlassen und zum Mäster wechseln. Viele Tiere brüten in dieser Zeit eine ansteckende Krankheit aus, die sie sich schon auf dem Herkunftsbetrieb zugezogen haben, dann kommt der Stress des Transports und neuen Stalls hinzu. &bdquo;Deshalb empfehlen wir Mästern: Seht, wo ihr eure Kälber herbekommt&#8221;, sagte Müller. &bdquo;Aber die sagen: Der Markt wird leergeräumt.&#8221; Sie müssten froh sein, wenn sie Tiere kaufen könnten. &bdquo;Das wird auch in Zukunft so sein&#8221;, sagte Müller. &bdquo;Fleisch wird knapp werden.&#8221; Vielleicht ist dann das möglich, was Kietzmann sich vorstellt, um die Situation zu verbessern: ein Mindestpreis für Fleisch.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/tierleben/author/faz-huch/">faz-huch</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/tierleben">Tierleben</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/07/06/antibiotika-was-passiert-wirklich-in-den-staellen-111/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der &quot;typische Yorkshire-Patient&quot; und sein googelnder Halter: Debatten unter Tierärzten</title>
		<link>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/05/15/der-typische-yorkshire-patient-und-sein-googelnder-halter-debatten-unter-tieraerzten-107/</link>
		<comments>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/05/15/der-typische-yorkshire-patient-und-sein-googelnder-halter-debatten-unter-tieraerzten-107/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 15 May 2012 07:06:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-huch</dc:creator>
		
		<guid isPermaLink="false">http://blogs.faz.net/tierleben/2012/05/15/der-typische-yorkshire-patient-und-sein-googelnder-halter-debatten-unter-tieraerzten-107/</guid>
		<description><![CDATA[<p>Wenn jemand von meinen Studienfreunden am Freitag Zeit gehabt hätte, mit auf den Tierärztekongress zu gehen, dann hätten wir im Regionalzug von Frankfurt nach&#160;Wiesbaden Tierarzt-Raten spielen können: Wer von den Mitreisenden ist ein Tierarzt? Die drei jungen Leute mit den &#8230; <a href="http://blogs.faz.net/tierleben/2012/05/15/der-typische-yorkshire-patient-und-sein-googelnder-halter-debatten-unter-tieraerzten-107/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/tierleben/author/faz-huch/">faz-huch</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/tierleben">Tierleben</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn jemand von meinen Studienfreunden am Freitag Zeit gehabt hätte, mit auf den Tierärztekongress zu gehen, dann hätten wir im Regionalzug von Frankfurt nach&nbsp;Wiesbaden Tierarzt-Raten spielen können: Wer von den Mitreisenden ist ein Tierarzt? Die drei jungen Leute mit den drei alten Hunden, die sich in den Gang gesetzt haben und über die Qualität&nbsp;diverser Vorlesungen reden, sind jedenfalls mit Sicherheit Veterinärmedizin-Studenten. Das sieht man an den Hunden und an den Outdoor-Klamotten. Einer der Hunde ist sogar ein Beagle: Ganz klar ein in den Ruhestand geschicktes Versuchstier also, das ein mitleidiger Student übernommen hat. Und die Frau mit der grünen Kongresstasche, auf der ein auf Tierärzte spezialisierter Versicherer Werbung macht, ist auch eine Veterinärin. Aber bei den anderen Zuginsassen kann ich nur raten, und ich muss das Ratespiel mit mir selbst spielen, denn alle ehemaligen Kommilitonen haben mir abgesagt: A. liegt im Wochenbett, B.s Mutter hat diesmal keine Zeit, auf den Kleinen aufzupassen, C. lernt für die Prüfung zur Fachtierärztin für Lebensmittelhygiene, D. ist nach dem siebten Jobwechsel mal wieder in der Probezeit und&nbsp;E.s Chefin im Veterinäramt flippt aus, wenn sie zwei Tage frei nimmt, wo gerade erst&nbsp;drei Kolleginnen gleichzeitig in den Mutterschutz verschwunden sind. F. wollte erst kommen, aber dann war die Reise ihr doch zu weit: Sie arbeitet inzwischen in Norwegen.</p>
<p>Den letzten Tierärztekongress habe ich im Januar <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.faz.net/aktuell/wissen/veterinaermedizin-die-stupsnase-quaelt-mops-und-bulldogge-11622159.html">in Leipzig </a>besucht. Dort habe ich studiert und deshalb kamen dort viele Leute zusammen, die ich kannte. Sieben Jahre ist es her, dass ich Examen gemacht habe, und einige von den Kommilitonen, die ich auf der Leipziger Messe traf, hatte ich seitdem nicht mehr gesehen. Als ich nach einem vollen Vormittagsvortragsprogramm und vielen Lange-nicht-gesehen-Gesprächen&nbsp;in den Pausen mit einer&nbsp;Kollegin&nbsp;die Straßenbahn&nbsp;in die Innenstadt nahm, sagte sie: &#8220;Es ist wirklich so, wie man uns im Studium immer vorausgesagt hat: Die Frauen&nbsp;arbeiten entweder gar nicht und haben Kinder &#8211; oder sie sind auf dem Amt.&#8221;</p>
<p>Tierarzt ist ein Beruf, der derzeit einem tiefgreifenden Wandel unterworfen ist. Beinahe neunzig Prozent der Studierenden sind Frauen, und auch unter den&nbsp;berufstätigen Tierärzten überwiegen die Veterinärinnen. Das zeigt die&nbsp;aktuelle Statitistik, die&nbsp;im April&nbsp;im &#8220;Deutschen Tierärzteblatt&#8221; veröffentlicht wurde. 37.200 Tierärzte gibt es in Deutschland, davon sind mehr als 10.000 nicht tierärztlich tätig, weil sie in Elternzeit sind, ohne Gehalt hospitieren, im Ruhestand sind, berufsfremd oder einfach gar nicht arbeiten.&nbsp;Von den 26.700, die als Tierärzte arbeiten, sind 15.500 Frauen.&nbsp;Die Neu-Zusammensetzung des Berufsstands&nbsp;geht mit vielen Konflikten einher, die teilweise auch unter den Augen der Öffentlichkeit ausgetragen wurden. Seit einigen Monaten bangen die deutschen Tierärzte etwa um ihr Dispensierrecht, das Recht, Arzneimittel an Tierhalter zu verkaufen, womit sie einen großen Teil ihres Verdienstes erwirtschaften. Sie stehen in der Kritik, seitdem sich Hinweise häufen, dass Mastgeflügel einen Großteil seiner Lebenszeit unter <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/antibiotika-resistenzen-ein-huhn-kommt-selten-allein-11607307.html">Antibiotika</a> steht. Daneben gibt es eine Debatte innerhalb der Tierärzteschaft über die Gehälter: Der Berufsstand hat sich nie auf Tarife geeinigt, mit dem Ergebnis, dass&nbsp;heute Vollzeitstellen für examinierte Tierärzte ab 580 Euro brutto in tierärztlichen Praxen angeboten werden &#8211; Missstände, die <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/traumberuf-tierarzt-dann-geht-man-eben-nachts-putzen-1871775.html">eine Studie</a> vor wenigen Jahren aufdeckte.&nbsp;Zudem erscheint alle Vierteljahre irgendwo eine Reportage, in der Landtierärzte auf den Nachwuchsmangel hinweisen &#8211; ihre Praxen lassen sich nicht mehr verkaufen, denn die Jungveterinäre zieht es in die Städte. Angeblich &#8211; so steht es in den Reportagen &#8211; wollen sie in die Kleintiermedizin, aber der Eindruck&nbsp;meiner&nbsp;Kollegin in Leipzig, ein paar Jahre&nbsp;nach dem Examen&nbsp;seien zumindest die&nbsp;Frauen entweder gar nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt oder hätten eine Stelle im öffentlichen Dienst ergattert, ist auch nicht falsch.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Der &quot;typische Yorkshire-Patient&quot; und sein googelnder Halter: Debatten unter Tierärzten" title="Fotoschilder_2D00_rotate"  src="/tierleben/files/2012/05/Fotoschilder_2D00_rotate.jpg" /></p>
<p><i>Kongressgeschenke: Die Autoschilder für Frauen sind viel schneller weg.</i></p>
<p>Längst weisen wissenschaftliche Untersuchungen aus aller Welt darauf hin, dass sich der Typus des Tierarztes auch psychologisch verändert hat. Die Wissenschaftler Joseph Taboada und Stephanie Johnson von der Louisiana State University haben unlängst in einer <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.researchgate.net/publication/38040916_A_descriptive_analysis_of_personality_and_gender_at_the_Louisiana_State_University_School_of_Veterinary_Medicine">Studie</a> die These vertreten, dass sich in den vergangenen Jahren ein neuer Persönlichkeitstyp für das Veterinär-Studium interessiert: Waren die Tiermediziner früherer Generationen pragmatisch und zupackend, so wählten heute vor allem gefühlsorientierte Typen das Studium. Viel Aufmerksamkeit widmet die veterinärmedizinische Forschung&nbsp;auch der Frage, was diese neuen Tierärzte medizinisch anders machen. Insbesondere die Beurteilung von ethischen Konflikten und die Schmerzbehandlung wurde dabei unter die Lupe genommen. Mit meist eindeutigem Ergebnis: Offenbar benutzen Tierärzte, die einen Studienabschluss neueren Datums haben, häufiger Schmerzmittel nach Operationen. Das reflektiert zum einen den wissenschaftlichen Fortschritt, der Eingang ins Studium findet. Zum anderen gibt es auch Hinweise darauf, dass Frauen Schmerz von Tieren &#8211; zumindest auf den Skalen von Fragebögen &#8211; immer höher bewerten. Inzwischen haben die deutschen Veterinäre sogar ein Forum zum Austausch von neuen Informationen über Schmerztherapien gegründet, &#8220;<a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.i-tis.de/home">Itis</a>&#8220;, die &#8220;Initiative tiermedizinische Schmerztherapie&#8221;, die Wissen zusammentragen will, gerade weil Schmerz bei Tieren immer noch viel zu häufig übersehen oder nicht adäquat behandelt wird.</p>
<p>Schmerz beim Tier war auch ein zentrales Thema des <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.veterinaerwissen.de/frankfurter-tieraerztekongress/150/95/31699/">10. Frankfurter Tierärztekongresses</a> in Wiesbaden. Einige Konflikte des Berufsstandes blieben hier ausgespart, das Programm war gezielt auf Pferdetierärzte und Kleintierpraktiker zugeschnitten, so dass die Lebensmittel- und Landwirtschaftsfragen ausgeklammert wurden. Doch dass man es mit einer besonderen Berufsgruppe zu tun hatte, wurde dennoch an manchen Stellen deutlich, dort zum Beispiel, wo ein emeritierter Hochschullehrer eine Referentin mit den Worten vorstellte,&nbsp;deren Chef&nbsp;behandele seine Mitarbeiter auf Augenhöhe &#8211; damit sei er eine Rarität. </p>
<p>Vielleicht ein Scherz. Der&nbsp;Frankfurter Tierärztekongress jedenfalls wird schon seit&nbsp;seiner Gründung Ende der neunziger Jahre in&nbsp;veterinärmedizinischen Kreisen sehr ernst genommen und hat auch überregional Bedeutung erlangt. Er gilt als einziger deutscher Kongress, der direkt aus der Praxis entstanden und für Praktiker konzipiert ist &#8211; ohne direkte universitäre Anbindung. So müssen&nbsp;die dort gehaltenen Vorträge sich immer daran messen lassen, wie&nbsp;nützlich sie für praktizierende Tierärzte sind &#8211; ein strenger Anspruch in einem Metier, in dem Wissen die&nbsp;<a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.faz.net/aktuell/politik/christina-hucklenbroich-ein-herz-fuer-tieraerzte-11068851.html?selectedTab=comments&amp;tabCounter=1&amp;showMarginalSlot=1">härteste Währung</a> ist &#8211; ja manchmal sogar die einzige, denn&nbsp;gering entlohnte oder sogar unbezahlte Stellen werden gerade dort angeboten, wo junge Tierärzte hoffen können, &#8220;etwas zu lernen&#8221;.</p>
<p> <img alt="Bild zu: Der &quot;typische Yorkshire-Patient&quot; und sein googelnder Halter: Debatten unter Tierärzten" title="Fotokatze"  src="/tierleben/files/2012/05/Fotokatze.JPG" /></p>
<p><i>Manschette am Katzenschwanz: Das moderne Blutdruckmessgerät kostet 1600 Euro.</i></p>
<p>Der&nbsp;Vortrag von Sabine Tacke von der Justus-Liebig-Universität Gießen jedenfalls war hochgradig praxisrelevant: &#8220;Schmerzmanagement beim multimorbiden Patienten&#8221; hieß er und&nbsp;streifte damit einen Bereich der Tiermedizin, der immer größere Bedeutung erlangt: die Geriatrie. Tiere werden immer älter, die Bindung ihrer Halter an&nbsp;sie immer enger; das erfordert eine Medizin, die auf alternde, oft multimorbide &#8211; also an vielen&nbsp;Gebrechen gleichzeitig erkrankte &#8211; Tiere zugeschnitten ist.</p>
<p>Jeder kenne den Fall,&nbsp;begann Tacke: &#8220;Der typische Yorkshire-Patient, schlechter Zahnstatus,&nbsp;dreizehn, vierzehn, fünfzehn Jahre alt, mit einer Fraktur, und wo es dann heißt: Wir haben uns nicht getraut, den Patienten in Narkose zu legen.&#8221; Das jedoch, stellte die Referentin klar, sei nicht zu akzeptieren: Tierärzte hätten die Pflicht, auch multimorbide Patienten mit einer Anästhesie&nbsp;zu versorgen.</p>
<p>Wie das auch bei schwer kranken und geschwächten Patienten möglich sein soll, erklärte Tacke dann im einzelnen: Sie wies auf die Möglichkeit hin, Schmerztherapien miteinander zu kombinieren und etwa Physiotherapie hinzuzuziehen, die bei einer gezielten Indikation weniger Nebenwirkungen hat. Zum anderen erklärte sie, welche Folgen Organstörungen haben &#8211; etwa eine Leber- oder Niereninsuffizienz oder&nbsp;Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Letztere sorgen beispielsweise dafür, dass die Metaboliten von Schmerzmitteln langsamer ausgeschieden werden, weil die Nierendurchblutung sich verschlechtert. Zudem ist die Kreislaufzeit erhöht, deshalb tritt die Wirkung später ein. Tacke diskutierte auch einzelne Substanzen,&nbsp;etwa Lidocain, das bei der Katze zu Herzrhythmusstörungen führen kann. Die Fachwelt ist gespalten: &#8220;Es gibt zwei Lager&#8221;, sagte Tacke, &#8220;die einen sagen, mach es, schau was passiert und setz es ab.&#8221; Sie aber finde, man solle bei multimorbiden Patienten nicht erst ein Symptom hervorrufen, das man dann therapieren muss. </p>
<p>Bei alldem sei immer die Aufklärung des Patientenbesitzers zu beachten: &#8220;Was macht der Patientenbesitzer als erstes, wenn Sie etwas verschreiben? Er googelt.&#8221; Aus den Mienen und dem Nicken der Zuhörer sprach die leidvolle Erfahrung, die sie&nbsp;damit schon gemacht hatten. Ein Arzt, der bar bezahlt werden muss, ohne dass es gesetzliche Kassen gibt, wird offenbar mit viel <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/jutta-ziegler-hunde-wuerden-laenger-leben-wenn-so-geht-die-sachkenntnis-vor-die-hunde-1657375.html">Misstrauen</a> von den Patienten bzw. ihren Besitzern beäugt.&nbsp;</p>
<p> <img alt="Bild zu: Der &quot;typische Yorkshire-Patient&quot; und sein googelnder Halter: Debatten unter Tierärzten" title="Fotokaninchen"  src="/tierleben/files/2012/05/Fotokaninchen.JPG" /></p>
<p><i>Sind Trichter schon wieder out? Weicher Tierkragen für Kaninchen, die ihre Bauchnaht nicht&nbsp;selbst auftrennen sollen&nbsp;</i></p>
<p>Auch zur Therapie chronischer Schmerzen positionierte Sabine Tacke sich &#8211; in der Veterinärmedizin ein häufiges Problem, etwa wenn ältere Hunde Arthrose entwickeln. &#8220;Die Lebensqualität für den Patienten muss gewährleistet sein &#8211; auch wenn man die Lebensdauer eventuell etwas verkürzt&#8221;, bezog die Veterinärmedizinerin Stellung. Multimodal müsse die Schmerztherapie sein, bei Arthrose heiße das zuallererst Gewichtsreduktion. Und dann erinnerte sie sich an ihre Zeit als Assistenztierärzten nach dem Studium. &#8220;Im tiefsten Schwarzwald&#8221; sei das gewesen. &#8220;Ein Patient mit Arthrose kommt und der Chef sagt: &#8216;Der muss abnehmen.&#8217; Dann schaut er den Besitzer an und sagt: &#8216;Ihnen würd das auch nicht schaden.&#8217;&#8221;</p>
<p>Die Lacher im Publikum klingen ein bisschen schockiert &#8211; und ein bisschen wehmütig. Andere Zeiten waren das, in denen die Kleintiermedizin nur ein zweites Standbein war, der Hauptverdienst über die Versorgung von Nutztieren auf Bauernhöfen floss, damals im Schwarzwald. Da konnte man sich so ein paar dreist-neckende Bemerkungen den Kunden gegenüber leisten. Kam ein Hund weniger, tat das nicht weh. Doch heute geht der Trend zur Spezialisierung, wer Rinder behandelt, beschränkt sich meist ganz darauf, wer Kleintiere macht, wird oft noch zum Experten für nur ein Organsystem. Die Zahlungsmoral wird schlechter, die Ansprüche der Kunden steigen, und dann das leidige Internet: Heute würde der auf sein Gewicht angesprochene Hundebesitzer sich wohl auf einem Bewertungsportal oder in einem Tierforum über den unsensiblen Landpraktiker auslassen, und die Folgen für die Praxis wären ganz andere.</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/tierleben/author/faz-huch/">faz-huch</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/tierleben">Tierleben</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/05/15/der-typische-yorkshire-patient-und-sein-googelnder-halter-debatten-unter-tieraerzten-107/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Eber ohne Eigengeruch: Die Lösung im Streit um Ferkelkastration?</title>
		<link>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/04/11/eber-ohne-geruch-die-loesung-im-streit-um-kastrierte-ferkel-105/</link>
		<comments>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/04/11/eber-ohne-geruch-die-loesung-im-streit-um-kastrierte-ferkel-105/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 11 Apr 2012 12:47:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>faz-huch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Betäubung]]></category>
		<category><![CDATA[Ferkelkastration]]></category>
		<category><![CDATA[Schweine]]></category>
		<category><![CDATA[Tierschutz]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blogs.faz.net/tierleben/2012/04/11/eber-ohne-geruch-die-loesung-im-streit-um-kastrierte-ferkel-105/</guid>
		<description><![CDATA[<p>&#160; &#8220;Fragen Sie bei Ihren Besamungsstationen nach INODORUS!&#8221; steht, deutlich abgesetzt und mit Ausrufezeichen versehen,&#160;unter der einseitigen Pressemeldung, die das Tierzuchtunternehmen &#8220;German Genetic&#8221; gerade herausgegeben hat; sie richtet sich an Mastferkelerzeuger. Inodorus: das ist der neue Markenname für Zuchteber, männliche &#8230; <a href="http://blogs.faz.net/tierleben/2012/04/11/eber-ohne-geruch-die-loesung-im-streit-um-kastrierte-ferkel-105/"></a></p><p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/tierleben/author/faz-huch/">faz-huch</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/tierleben">Tierleben</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;</p>
<p>&#8220;Fragen Sie bei Ihren Besamungsstationen nach INODORUS!&#8221; steht, deutlich abgesetzt und mit Ausrufezeichen versehen,&nbsp;unter der einseitigen Pressemeldung, die das Tierzuchtunternehmen &#8220;German Genetic&#8221; gerade herausgegeben hat; sie richtet sich an Mastferkelerzeuger. Inodorus: das ist der neue Markenname für Zuchteber, männliche Schweine, die an&nbsp;ihre Söhne einen deutlich weniger ausgeprägten Eigengeruch vererben als der Durchschnitt ihrer Artgenossen. Mehrere Jahre lang hat das Zuchtunternehmen durch gezielte Selektion darauf hingearbeitet,&nbsp;Deckeber zu entwickeln, die möglichst geruchsarme Nachkommen hervorbringen. Jetzt scheint das Ziel erreicht, gleich drei Bilder von Inodorus-Ebern stellt der Schweinezuchtverband Baden-Württemberg, der einige Inodorus-Eber als Zuchttiere aufgestellt hat,&nbsp;der Presse zur Verfügung.&nbsp;Die drei&nbsp;heißen Chianti, Chanell und Wacholder.&nbsp;Seit 1. April&nbsp;sind sie im Einsatz&nbsp; &#8211; als Produzenten von Sperma, mit dem dann Sauen besamt werden, deren männliche Ferkel man sich geruchsarm wünscht.</p>
<p>Was klingt wie eine neue Strategie in der Vermeidung von Emissionen aus der Landwirtschaft, ist eigentlich ein Aspekt einer Tierschutzdebatte, die <a target="_blank" href="/planckton/2009/04/01/der-schmerz-der-schweine">seit Jahren in ganz Europa emotional geführt</a> wird. Der ausgeprägte Geruch des Fleisches einiger &#8211; längst nicht aller &#8211; männlicher Schweine ist der Grund, warum jedes Jahr in der EU schätzungsweise hundert Millionen männliche Ferkel kastriert werden.</p>
<p><b>An Urin erinnernder Geruch</b></p>
<p>Bis vor wenigen Jahren war es noch üblich, diesen Eingriff generell ohne jede Art von Betäubung vorzunehmen. Eine jahrhundertealte Praxis: Männliche Ferkel werden kastriert, um zu verhindern, dass ihr Fleisch den &#8220;Ebergeruch&#8221; annimmt. Das an Urin erinnernde Aroma entsteht durch einen Cocktail von Substanzen, allen voran das Hormon Androstenon, das im Hoden gebildet wird. Deshalb kastriert man die Tiere vor der Geschlechtsreife. Ohne Betäubung ist das nach dem Deutschen Tierschutzgesetz nur in der ersten Lebenswoche erlaubt. Der Landwirt greift das Ferkel dazu aus der Gruppe heraus, schneidet mit einem Skalpell die Haut auf, durchtrennt den Samenstrang und entfernt die Hoden. Der Eingriff dauert etwa fünf Sekunden. Dann wird das Ferkel zurück zu seinen Geschwistern gesetzt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp; <img alt="Bild zu: Eber ohne Eigengeruch: Die Lösung im Streit um Ferkelkastration?" title="eber_2D00_wacholder"  src="/tierleben/files/2012/04/eber_2D00_wacholder.jpg" /></p>
<p align="left"><i>Der Eber Wacholder, Foto German Genetic/Schweinezuchtverband Baden-Württemberg</i></p>
<p align="left">Seit 2009 ist es mit dieser Praxis vorbei, zumindest im Großteil der Schweinemastanlagen in Deutschland: Das QS-System, ein&nbsp;Interessenverband, der Lebensmittel auf verschiedenen Stufen &#8211; vom Landwirt bis zum Einzelhandel &#8211; überprüft,&nbsp;legte&nbsp;fest, dass ab April 2009 alle innerhalb des Systems&nbsp;erzeugten Tiere (das sind nach Angaben des Bauernverbandes 90 Prozent aller Ferkel)&nbsp;ein Schmerzmittel erhalten, bevor sie&nbsp;kastriert werden. Damals kam sofort Kritik auf: Die Betäubung per Spritze sei Augenwischerei, hieß es von Seiten vieler Tierschützer. Man könne&nbsp;so den eigentlichen Schmerz bei der Operation nicht vollständig blockieren, nur den Wundschmerz danach. Für die völlige Ausschaltung bräuchte man eine Vollnarkose.</p>
<p align="left">Zu dem Zeitpunkt waren längst auch andere Verfahren zur Schmerzreduzierung in Gebrauch. In den Niederlanden versetzt man die Ferkel mit Kohlendioxid, in der Schweiz mit dem Narkosegas Isofluran in eine Vollnarkose. Außerhalb Europas erhalten&nbsp;männliche Schweine&nbsp;in mehreren Ländern eine Impfung, die die Bildung der Geschlechtshormone unterdrückt &#8211; beispielsweise in Australien oder Mexiko. In England ist eine Kurzmast üblich: Die Eber werden vor Erreichen der Geschlechtsreife geschlachtet.</p>
<p align="left"><b>Ausstieg bis 2018</b></p>
<p align="left">Die uneinheitliche Handhabung, die&nbsp;auch etwas mit der unterschiedlichen Stärke des Tierschutzgedankens in der Politik der Länder zu tun hat, soll 2018 ein Ende haben.&nbsp;Vor einem guten Jahr hat sich eine Plattform, in der Schweineproduzenten, Tierschützer und andere Akteure am &#8220;Schweinemarkt&#8221; aus den EU-Mitgliedsstaaten darauf geeinigt, dass man bis 2018 auf &#8220;Ebermast&#8221; umsteigen will. Das Aktionsbündnis, das dieses <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://ec.europa.eu/food/animal/welfare/farm/initiatives_de.htm">Ziel</a> in der &#8220;Brüsseler Erklärung&#8221; formulierte, wird von der EU-Kommission koordiniert.</p>
<p align="left">Noch herrscht Ratlosigkeit, ob sich der Plan reibungslos umsetzen lässt.&nbsp;&nbsp;Am Ende wird es, da sind sich Experten einig, immer einige stark riechende Tiere geben.&nbsp;Roboternasen, die diese&nbsp;Exemplare auf dem Schlachthof identifizieren könnten, sind noch nicht ausgereift.&nbsp;Die Ebermast nehme trotzdem zu, sagt ein Vertreter des Zentralverbands der Deutschen Schweineproduktion <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.zds-bonn.de/">(ZDS)</a> in Bonn. &#8220;Die Ebermast wird ganz massiv von einigen großen Schlachtkonzernen gefördert; es gibt inzwischen auch Bonussysteme für Ebermäster. Die Schlachtkörper lassen sich wohl ganz gut vermarkten, und die Branche ist zudem unter Druck, etwas zu tun.&#8221;&nbsp;Ob sich die Ebermast bis 2018 durchsetzen lässt? Der Experte ist skeptisch:&nbsp;&#8221;Zumindest nicht europaweit&#8221;, sagt er.</p>
<p align="left"><b>Wohlriechend&nbsp;wie Kölnisch Wasser?</b></p>
<p align="left">&#8220;Inodorus&#8221; sei im übrigen längst nicht die einzige geruchsarme Zuchtlinie, heißt es beim ZDS. Auf dem Markt ist auch Deckeber <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.topigs-snw.de/index.php?id=28">&#8220;NADOR&#8221;,</a> eine Züchtung der Firma&nbsp;Topigs. &#8220;Das Risiko für Ebergeruch wird um 40 Prozent&nbsp;reduziert&#8221;, schreibt das Zuchtunternehmen auf seiner Website.</p>
<p align="left">Noch offensiver wirbt das Unternehmen &#8220;Bundes Hybrid Zucht Programm <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.bhzp.de/">(BHZP GmbH)&#8221;,</a>&nbsp;&#8221;im Besamungsebersegment deutscher Marktführer&#8221;, für seine geruchsarme Eberzüchtung, einen, so heißt es in der Anzeige, &#8220;duften Typen&#8221;. Der Name ist dabei Programm: db7711 heißt der Ebertyp, der Nachkommen mit einem &#8220;minimalen Risiko für Ebergeruch&#8221; hervorbringen soll.&nbsp;</p>
<p>von <a rel="author" href="http://blogs.faz.net/tierleben/author/faz-huch/">faz-huch</a> erschienen in <a href="http://blogs.faz.net/tierleben">Tierleben</a> ein Blog von <a href=http://www.faz.net/>FAZ.NET</a>.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://blogs.faz.net/tierleben/2012/04/11/eber-ohne-geruch-die-loesung-im-streit-um-kastrierte-ferkel-105/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
