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What’s left

What’s left

Muss links sein, wer für eine gerechte und soziale Welt eintritt? Eine Debatte über neue Haltungen und alte Weltanschauungen.

Viel Theorie, viel Kopf, wenig Herz

| 10 Lesermeinungen

Henning Lindhoff, Jahrgang 1982, erzählt von seinen linken Enttäuschungen

Henning Lindhoff© Foto privatHenning Lindhoff

Es war Sonntag, der 27. September 1998. Für mich begann damals die politische Erweckung. Gerhard Schröders SPD wurde stärkste Kraft im Bundestag und erfüllte damit einen lang gehegten Traum vieler meiner Angehörigen. Rot-Grün wurde Wirklichkeit und die Menschen in meiner Umgebung fingen wieder an zu hoffen. Nach den quälenden Jahren unter Kohl sollte nun wieder die altehrwürdige Arbeiterschicht am Zuge sein. So die Frohlockungen. Auch ich, als 16-jähriger Gymnasiast, war Feuer und Flamme. Lange schon hatte ich mit den Sozialdemokraten als Heimat des stolzen Proletariats geliebäugelt.

Nach Schröders Triumph machte also ich Nägel mit Köpfen und besorgte mir das rote Mitgliedsbuch. Wöchentliche Theoriedebatten in muffigen Räumen der Jusos wurden von da an genauso zu meinem Pflichtprogramm wie Wahlkampfstände am Wochenende. Die Ochsentour nahm ich zunächst in Kauf, putzte Klinken für gestriegelte Mitzwanziger auf ihrem Weg in den Stadtrat. Es war ja schließlich für die gute Sache. Ich hielt die Fahne der Arbeiterschaft hoch, nahm mich der Sache der Schwächsten und Ärmsten an. So dachte ich.

Immer auch wollte ich meinen Mitmenschen helfen, denen, den es nicht so gut erging wie mir. Neben dem SPD-Büchlein war also nach dem Abitur der Sozialberuf nur die logische Konsequenz. An der Universität, in der Pädagogischen Fakultät zu Köln tanzte wild der rote Bär, damals anno 2002. Ganz klassisch noch vollkommen analog: Mit handgemalten Flyern und Plakaten all überall, mit Demonstrationen, Trillerpfeifen und Sitzblockaden. Gegen Studiengebühren, gegen GATT, GATS, WTO und all das andere kryptische Kriegsgeheul der „Kapitalistenschweine“. Noam Chomsky und Naomi Klein waren zu dieser Zeit meine steten Begleiter. Die Schock-Strategie. Und Friedrich August von Hayek poppte damals zum ersten Mal vor meinen Augen auf. Von Fräulein Klein als Lehrmeister der berüchtigten „Chicago Boys“ verunglimpft. Den Blick schweifen lassen habe ich damals nicht. Scheuklappen hatte ich auf. Das Ziel, die „bessere Welt“, immer fest im Blick.

Wo ist die Freiheit zuhause?

Warum? Ein stolzes Arbeiterkind war ich damals. Und bin es heute noch. Die Freiheit war damals schon mein großes Anliegen. Ich glaubte, erst gleiche materielle Startbedingungen könnten Freiheit für alle ermöglichen. Den Markt sah ich dagegen als Werkzeug der Ausbeuter, das Leben der einfachen Menschen geprägt von Zwangslagen und schwindender Entscheidungsfreiheit.

Ein Individualist, ein Freisinniger war ich auch damals schon. Irgendwie. In meinem Herzen pochte die Freiheit. Nur gefunden habe ich sie nicht in den Konstruktionen linker Ideologie. Die Debatte blieb trotz all der angestrebten Nächstenliebe immer seltsam seelenlos. Gekämpft habe ich nach außen hin. Aber es blieb stets ein mich im Innersten unberührt lassender Kampf gegen einen Feind, der nicht fassbar war. Es war vor allem ein Kampf dagegen. Nach außen hin, fürs Profil. Viel Theorie, viel Kopf, wenig Herz. Am Ende war es fad und müde.

Erst einige Jahre später – die linke Ideologie plätscherte nur noch uninspiriert in meinem Kopf daher, das Engagement für die Mitmenschen war dem Alltagstrott des Sozialberufs gewichen, das SPD-Parteibuch war zurückgesandt, Chomsky und Klein verstaubten innovationslos im Regal – fand ein Büchlein seinen Weg zu mir: Roland Baaders „Die belogene Generation“. Ein Freund hatte es mir empfohlen mit dem Versprechen auf einen bislang ungeahnten Blickwinkel auf die Welt. Ich las.

Der Funke, der mein Herz erreichte

Und da war er: Der Funke, der mein Herz erreichte. Zum ersten Mal dachte ich nicht nur Freiheit, sondern fühlte sie auch. Im Gegensatz zu den linken Gallionsfiguren versprühte Roland Baader wahrlich Feuer. Er schrieb aus ganzem Herzen, nicht nur aus dem Kopf. Und nicht nur er. Ausgehend von Baader, über von Hayek, von Mises und Hazlitt bis hin zu Bastiat, Rothbard und vielen anderen glänzenden Autoren habe ich erkannt: Liberal ist das bessere sozial.
Konsequenter Liberalismus fördert Freiheit und fordert Eigenverantwortung. Leitern brauchen die Ärmsten und Schwächsten. Keine Almosen. Dies war auch die Botschaft des Manchesterliberalen Hermann Schulze-Delitzsch, der Mitte des 19. Jahrhunderts durch die deutschen Arbeitervereine zog und für das genossenschaftliche Modell der Sozialversicherung warb. Im Zentrum seines Konzepts standen die Ablehnung jeder staatlichen Unterstützung und die Befürwortung von Selbsthilfe und Eigenverantwortung auf dem Boden der Marktgesetze.
Stark war der Liberalismus damals dank solcher Ideen. Und zu diesen Wurzeln muss er wieder zurückfinden, will er den Menschen eine wirkliche Alternative zum paternalistischen Sozialstaat der Gegenwart bieten. Den Einzelnen gewähren lassen, sein Eigentum und seine Entscheidungen respektieren: Als stolzes Arbeiterkind bedeutet für mich ein solcher Liberalismus die Interpretation von Nächstenliebe, die mir behagt. Von ganzem Herzen.

Henning Lindhoff, Jahrgang 1982, ist stellvertretender Chefredakteur des Monatsmagazins „eigentümlich frei“.

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10 Lesermeinungen

  1. Hoffnung ist ins Gelingen verliebt ...
    Ich will versuchen, mein Unbehagen zu erklären: Der Blog wurde mit dem Bonmot eingeleitet, dass die Jugend beherzt und das Alter Vernünftig handelt. Was aber, wenn es sich genau umgekehrt verhält, wenn die Jugend sich Vernünftig verhält (und darauf besteht, dass vernünftige Einsichten zu Konsequenzen im Handeln führen müssen). – Und eine daraus resultierende Überforderung am Ende zu der skeptischen Einsicht führt, sich mit weniger (nur mit dem, was man selbst erreichen kann) zu bescheiden. Was ist, wenn im Kredo für Selbstverantwortung und Freiheit die Erleichterung zum Ausdruck kommt, sich von der Last der Verantwortung zu befreien?
    Die Geschichtsphilosophie (und mir ihr auch der Marxismus) hat die These vertreten, dass alles (mit Ausnahme der Natur, – aber das ändert sich im Zuge der Genetik gerade), was wir vorfinden, von Menschen gemacht wurde. Daraus ergibt sich die (theoretische Last) jeden Zustand im Hinblick auf seine Ursachen zu erklären. Verwirft man diese aufklärende Anstrengung, weil einem dabei das Herz nicht warm wird, muss man sich den Vorwurf gefallen lassen, hier mit einer Metapher Schindluder getrieben zu haben (denn das Herz ist nicht der Ort dieser Empfindung). An Theorie führt (so die Prämisse) kein Weg vorbei, es sei den man favorisiert Meinungen vor Wissen. – Einsichten sind Meinungen nur überlegen, wenn sie sich im Hinblick auf ihren Wahrheitsgehalt unterscheiden. Hält man bestimmte Ansichten für Wahr, folgt, dass es wenig plausibel ist, wenn man sie ignoriert. Ihnen wohnt eine Verpflichtung inne (die es überhaupt erst ermöglicht, Vernunft und Freiheit zusammen zu denken, weil jeder vernünftig denkende zu den selben Einsichten gelangen muss, weil sie ansonsten nicht wahr wären). – In diesem Sinne definiert Kant die Aufklärung als den Weg aus einer selbst verschuldeter Unmündigkeit. Allerdings war dies ideengeschichtlich an die Vorstellung einer evidenten Wahrheit gekoppelt (deren Modell die Mathematik war). – Diese „theoretische“ Maximalforderung ist politisch weder durchzuhalten noch zu organisieren. Der theoretische Anspruch ist aber nicht nur im Hinblick auf den Wahrheitsgehalt von Theorien umstritten (Positivismusstreit), sondern auch im Hinblick auf das mit dem Denken verbundene Versprechen auf eine bessere Welt. Denn wenn der Mensch die ihm gestellte Aufgabe, Verantwortung für sein eigenes Tun zu übernehmen, annimmt, dann ergeben sich sofort Folgefrage: Was soll wie verbessert werden (politische Partizipation, Wohlstand, Bildung, Gesundheit, Frieden, Glück, Gerechtigkeit, Rechtssicherheit, soziale Verantwortung etc.). – Dabei geht es aber nicht nur um die Frage, welche Ziele mit welchen Mitteln verfolgt und erreicht werden sollen, sondern auch um die Frage: in welcher Zeit, denn mit der Geschichtlichkeit kann die Beantwortung der Frage nicht auf den jüngsten Tag verschoben werden – und vielleicht wird sich (angesichts der Grenzen von Wachstum) auch die Frage der Wertigkeit von Zielen verschieben: Ist z.B. ein endloses Wachstum wünschbar (und überhaupt erreichbar etc.).

  2. Thorha ist leicht zuzustimmen, intelligent, gebildet und lebenserfahren wie er
    argumentiert. Wie schoen also, dass sich da einer in so jungen Jahren einer möglichen gewichtigen Vielfalt von Stellungnahmen aussetzt – mögen diese weiter aufbauen, aber nicht verschrecken.

    Und sicher steht Hank wie FAZ für ein politisches Programm, welches tätig wird. Und die hier vorgestellte Biographie soweit in sich schlüssig, (emotional) verständlich, gut begründet und nachvollziehbar.

    Ein kleines, naheliegendes aber wurde also zunächst einmal 10 Jahre warten wollen – und dann noch einmal 10 – und dann vielleicht vorsichtig urteilen. (Auch mit dem Liberalismus als Model konnte es Enttäuschungen/Kränkungen geben.)

    Und zweitens ‚das grundsätzliche aber‘ wuerde aber jener diesen jungen Mann hinaus mehr in Richtung Hank weisen: neben all dem selbst gemachten, selbst erarbeitetem, selbst verdienten, selbst erkämpften Fortschritt in Freiheit gäbe es aber in hiesigen Kulturkreis das paradigma goethens. Mäanderndes, pflanzengleiches Wachstums, auf Jahrzehnte, auf Vollstaendigkeit, auf Lebensbaum hin ausgerichtet. Die eigenen gene geschehen lassen. Früchte erscheinen sodann biologisch, aber kaum noch rational. Und dann erst wirds gut.

    (Genies an die Front! *g*)

  3. Viel Theorie, viel Kopf, wenig Herz.
    „V“ernunftreifung ist Synthese von Herz und Verstand…
    „E“motion und „I“ntelligenz…“V“ = „E“ X „I“…Syntheseprodukt.
    „V“Leistung= „E“Spannung X „I“Strom…Vernunft ein physik. Gesetz.
    Wobei der „Reinheitsgrad“, der „Wirkungsgrad“ der Vernunft
    gleich 1, maximal ist, wenn „E“ = „I“ zum Syntheseprodukt führt.
    Humaner Vernunftgrad enthält „all incl.“…Moral, Ethik, Ästhetik, Freiheit, Gerechtigkeit, Empathie(Nächstenliebe)…
    Der Grad der humanen Vernunft ist Qualitätbasis aller „Träume“.
    „Menschen-Massen-Vernunft-Bildung-Systeme“ die gezielt
    diese Synthese bewirken führen zur Not wendenden…
    Freiheit-Qualität, Moral-Qualität, Ethik-Qualität, Gleichheit-Qualität…
    „HUMAN-QUALITÄT“
    Warum also „Richtungen“ wie Links, Rechts, Liberal, Neo-was weiß
    ich…und all der „Quatsch“?
    Humane Sein-Qualität mittels Bildung bilden. Das reicht.
    Wir heißen doch auch „Human“.
    Warum in die (Geist-)Ferne schweifen, wenn das Glück so nahe liegt?
    Frohe Ostern wünsche ich :=)

    MfG
    W.H.

  4. Dialektische Kontinuität?
    Eine interessante Vita politischer Überzeugung, die auf mich in weiten Teilen vertraut wirkt. Auffällig finde ich den regelrechten Pendelumschwung. Libertärer Kapitalismus ist ja geradezu Antithese zum etatistischen Sozialismus. Insofern besteht eine gewisse Kontinuität über den Freiheitsdrang hinaus im Radikalismus; ein Radikalismus mithin, auf den gerade ein Roland Baader ausdrücklich gesetzt hat.
    Aber folgt am Ende aus These und Antithese nicht vielleicht die Synthese?

  5. Ordinary persons
    Englisch sprechende und denkende Menschen nutzen Vokabeln, die, würden sie wortwörtlich übersetzt, im Deutschen pejorativen Charakter haben, da sie schroff differenzieren bzw. etwas zuweisen können, was als gegenteilige Bedeutung meliorativ zu werten wäre. Ordinary, ordinär und persons, Personen: das Gewöhnliche und einfach eine Person – man vegetiert vor sich hin und hinterher. Dennoch möchte man etwas bewundern, man weiß, dass es etwas Anderes, Besseres gibt, jenseits des eigenen Horizonts. Linken liegt der Horizont ganz weit weg, lange, breite Wege werden betreten, große Räume gesehen und erschaffen, die sprachgewaltig erkundet, beschrieben und mit schweren Gedankentürmen ausstaffiert werden. Der Ansatz, dass jeder Einzelne dies können solle, ist der entscheidende Fehler und arrogant zugleich: die einfachen Menschen werden einerseits verachtet für deren naheliegenden Horizont, der doch viel zu schnell erreicht wird, ohne Pathos, ohne das Ganze, Wahre, Schöne, andererseits sollen sie aufgeklärt werden. Aufgeklärt, dass sie nicht(s) begreifen, dass die in der Ferne liegende zu verwirklichende Utopie nicht herangeholt, wenngleich der Weg dorthin von den Linken begleitet werden könne – und nur von denen, mit der entsprechenden Autorität und autoritärem Auftreten. Das ist Hybris, die sie so – um den Autor zu zitieren – herzlos macht. Was wie eine Klischeekritik klingt, aber dennoch erwähnt werden muss: Egalitarismus, die geschilderte und daraus folgende, ist der entscheidende Gegensatz zu dem, was nicht links ist – wie immer das nun lauten mag. Der Linke ist selbst an Macht interessiert, nur vorübergehend, versteht sich, weil nach dem Erreichen der (welcher?) Utopie braucht’s keine Macht mehr für niemand, alles läuft wie von selbst – mittels unsichtbarer sichtbarer Hand (die nur Stift und Papier trug, nie die Spuren der Plackerei anzeigt, und stets weiter den moralischen Zeigefinger erheben muss, irgendwer muss doch die Vernunft kontrollieren) der Vernunft. Alles Konsens, aber wer verwaltet den Konsens – fragt u.a. Odo Marquard die Ideologiekritiker? Die Linken „verharren entlarvungsartistisch in Dauerreflexion“ (auch von O. M.) und blenden dabei die sie umgebene Umwelt einerseits beflissen aus – wen kümmert’s, wer mir meine Infrastruktur aufrecht erhält und meine Schriften druckt und verteilt und … –, andererseits geht’s ausschließlich ums Ganze, um die anderen, die ordinären Personen. Eigentlich sollen die auch schön ordinär bleiben, denn wen gäbe es dann noch zu paternalisieren und wen sollten dann die Ordinären denn noch angesichts der Eloquenzen und Charismen bewundern? Obschon den meisten Menschen die kopferten Theorien niemals nachvollziehen können und es eine nicht zu unterschätzendes Ressentiment vice versa seitens der Ordinären ggü. der Geistesarbeit gibt, das ist wohl wahr (wie es hier Fr. Guérot erwähnte). Zuletzt ist es eine Luxusdebatte die von denjenigen geführt wird, die sich um Begriffe streiten, obschon drumherum es 95% einfach nicht interessiert und dies sie niemals interessieren wird. Wohlhabende Gesellschaften – oder Sklavendemokratien der Antike – leisten sich diese Diskurse und das sollen sie auch. Nur nützt die Hybris der autoritären Linken niemanden außer ihnen selbst: Standesdünkel, Distinktionsgewinn und -verteitigung und allumfassende Erhabenheit über alles und jeden – sprich der Pflege des empfindsamen Narzissmus. Der Muff unter den Talaren, der einst bekämpft werden sollte, sitzt selbst verdammt im feinen Stück Stoff der Salonlinken. Der Arbeiter malochte damals zig Stunden und schrie nach oder vor der Schicht unreflektiert linke Arbeiterparolen nach – für mehr Geld, mehr nicht. Utopie war und ist ihm sch***egal, erst kommt das Fressen, dann die Moral.

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  7. zeitverschwendung
    du hättest viel zeit und frust gespart wenn du folgende goldene regel gekannt hättest:

    Man redet immer davon am meisten womit man selbst die meisten probleme hat

    die sozis in Hamburg sind das paradebeispiel. überlege welche phrasen sie immer wieder dreschen: solidarität etc und du weist womit sie die gössten probleme haben du hast diese erkenntnis auf dem harten weg erworben.

  8. Erlauben Sie mir bitte als (am Ende des Tages doch) alter Konservativer,
    ein wenig Wasser in Ihre Entdeckung zu giessen: Ich dachte einmal genauso wie Sie jetzt. Nur funktioniert das Modell eines möglichst minimalen Staates verbunden mit möglichst grosser individueller Freiheit nur auf einem Fundament, dass sich nicht selbst legt (Bildung, Infrastruktur) oder das zunehmend wegbricht (annähernde Vollbeschäftigung). Bildung wird der Staat bereitstellen müssen, weil anders zu wenige Kinder aus bildungsfernen Familien keine Chance haben.

    Und Vollbeschäftigung wird zunehmend unerreichbarer (die deutsche – und voraussichtlich kurzlebige – Entwicklung ist eine Ausnahme), diese Vorhersage lässt sich aufgrund fortschreitender Automatisierungsprozesse auch geistiger Tätigkeiten und einer weltweit noch unausgeschöpften Billigreserve von vielen hundert Millionen potentiellen Arbeitern ziemlich sicher machen. Treffen tut das – lässt sich in allen „alten“ Industrienationen betrachten – zuerst die Unterschicht, aus der sich traditionell die Arbeiter rekrutierten.

    Freiheit muss eine reale Chance für jedes Individuum beinhalten, sonst ist sie auch nur ein Wort für „nothing else to lose“. Und genau diesem Zustand nähern wir uns heute, zumindest aus dem Blickwinkel der 20% der Gesellschaft, die unsere Wohnungen reinigen, unsere Abflüsse reparieren, unsere Bürofenster putzen, unsere Zeitungen ausliefern etc. Reale Aufstiegschance: Keine. Lohnerwartung: Mindestlohn (vorher noch weniger).

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  9. Freiheit ist nicht ohne Wahrheit denkbar und die Wahrheit ist zumutbar!
    Wahrheit ist nie ideologisch, weder links noch rechts. Das kann man bei ein bisschen gutem Willen auch schon mit Mitte Zwanzig erkennen. Leider ist unser Denken oft viel zu lange in unseren sozialen Millieus verhafte.

  10. Informationen aus erster Hand
    Sehr geehrter Herr Lindhoff

    Es ist schön, eine Wortmeldung eines Arbeiterkindes zu lesen, das sich in der SPD engagiert hat. Ich habe häufig den Eindruck, die SPD oder große Teile des linken politischen Spektrums wird von Bürgertöchtern und -söhnen beherrscht. Da Sie über Erfahrungen aus erster Hand verfügen, würde mich interessieren, wie den die Zusammensetzung der Kader zu Ihrer Zeit war: Wie viele Arbeiterkinder kämpften mit Ihnen Seit an Seit und wie viele bürgerliche?

    Viele Grüße
    Günther Werlau

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