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What’s left

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Muss links sein, wer für eine gerechte und soziale Welt eintritt? Eine Debatte über neue Haltungen und alte Weltanschauungen.

Hoppla, bin ich jetzt reaktionär?

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Schade, dass es das so nicht mehr gibt? In der Kinderkrippe in Jena in den 70ern.© Picture AllianceSchade, dass es das so nicht mehr gibt? In der Kinderkrippe in Jena in den 70ern.

Heute muss man Familie für antiquiert, DDR-Krippen für vorbildlich und den Euro für das größte Friedensprojekt halten: Sind die alle irre, diese linken Solidaritätkasperl? Ein Aufschrei von Bruno Jonas

Es sieht ganz danach aus, dass ich in Kürze ein Reaktionär sein werde. Angefangen hat es damit, dass ich immer öfter nicht mehr meiner Meinung war. Früher war ich alles Mögliche. Auch links. Sicher war ich früher für manche Linke zu wenig links und für andere zu konservativ, weil nicht links genug.

Ein Lehrer meinte mal, ich sei ein langhaariger Querulant. Das mit den Haaren hat sich von selbst erledigt. Als Student war ich Marxist. Dummerweise war ich auch einmal Maoist. Hat aber Gott sei Dank nicht lange angehalten. Danach war ich eine Zeitlang Revisionist. Das war auch nicht leicht.

Gastautor Bruno Jonas, Jahrgang 1952, im Hauptberuf Kabarettist, ausgezeichnet mit allen branchenüblichen Ehrungen© dpaGastautor Bruno Jonas, Jahrgang 1952, im Hauptberuf Kabarettist, ausgezeichnet mit allen branchenüblichen Ehrungen

Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich Kabarettist bin, und ab da ging’s mir besser. Und in letzter Zeit werde ich immer wieder gefragt, ob ich links bin. Ich fühle mich den Werten verpflichtet, die im Grundgesetz formuliert sind, sage ich dann. Sie können mich also einen Verfassungspatrioten nennen, wenn es Ihnen weiterhilft. Früher hätte ich so eine Antwort als konservativ identifiziert. Ich frage mich, wie ich reagieren werde, wenn mich zum ersten Mal einer oder eine als Reaktionär beschimpft.

Keiner will reaktionär sein. „Reaktionär“, wie das schon klingt! Widerlich! Das ist das Letzte! Das sind Leute, die rückwärtsgewandt und rückschrittlich denken. Diese Menschen können die Zeichen der Zeit nicht erkennen. Reaktionäre wollen am Althergebrachten festhalten. Mit denen will keiner was zu tun haben. Die Zeichen der Zeit? Was sind denn die Zeichen der Zeit? Laubbläser, E-Books, alleinerziehende Mütter, Social Freezing, also tiefgefrorene Samen- und Eizellen, sie müssen richtig gedeutet werden, die Zeichen der Zeit.

Wir Heterosexuellen tun so, als wären wir allein für die Fortpflanzung zuständig

Reaktionäre können einfach nicht mit der Zeit gehen und klammern sich fest am Überkommenen. Und wissen Sie, was vollkommen überkommen ist? Die Familie! Die Familie ist nicht mehr zeitgemäß.

Familie im klassischen Sinn, also mit Vater, Mutter und Kindern, is over. Diese traditionelle Form der Familie ist komplett überholt. Das wird immer klarer. Dieses Familienmodell basiert auf der Diktatur der Heterosexualität. Sie haben richtig gelesen, es herrscht eine Hetero-Diktatur, unter der alle zu leiden haben. Auch die angeblich Heterosexuellen. Ich bin übrigens auch hetero. Ich oute mich jetzt mal. Ich stehe auf Frauen. Das habe ich mit Lesben gemeinsam.

Neulich war ich auf einer Geburtstagsparty in Amsterdam. Ein Freund feierte seinen sechzigsten Geburtstag. Dort kam ich mit einer Professorin ins Gespräch, und die hat mir sehr eindringlich klargemacht, und das Erstaunliche war, sie kam fast ohne Argumente aus, dass die Heterosexuellen alle anderen Sexualitäten dominieren. Nur weil sie in der Mehrheit sind und immer so tun, als wären sie in der Konstellation Mann/Frau allein für die Fortpflanzung zuständig. Dabei wäre es heute durchaus möglich, dass sich auch zwei Männer oder zwei Frauen fortpflanzen könnten. Mein Einwand, sie brauchten dazu einen Partner von der jeweils entgegengeschlechtlichen Seite, wurde höhnisch belächelt. Samen- und Eizellen seien heutzutage unabhängig vom Spender verfügbar. Das heterosexuelle Zeugungsmonopol sei gefallen. Diese Festung sei gestürmt.

###Der Text ist zusammengestellt aus verschiedenen Kapiteln des neuen Buches von Bruno Jonas: „Vollhorst. Der Erfolgstyp in Politik, Kultur und Gesellschaft“, 19,99 Euro. Es ist am 11. Mai 2015 im Piper Verlag erschienen.

Seit dieser Party fühle ich mich nicht mehr so sicher in meiner heterosexuellen Disposition. Ich stehe immer noch auf Frauen, ja, aber bisher war mir nicht klar, welches Leid ich damit über die Menschheit bringe. Ich vermute, dass ich durch die Hetero-Diktatur so verblendet bin, dass ich nichts mehr verstehe. Woher nimmt die Natur das Recht, zwei Geschlechter zu bestimmen? Es ist eine Unverschämtheit der Natur! Dagegen müssen wir uns wehren. Jetzt hab ich es kapiert! Aber ich kann es nicht glauben.

Darum bin ich reaktionär. Zumal die Bewegung auf dem Vormarsch ist. In den öffentlichen Institutionen, an den Hochschulen und selbstverständlich auch in der EU-Kommission. Es gendert inzwischen flächendeckend. Es gibt für mich überall eine Gelegenheit, als Reaktionär erkannt zu werden.

Möglichst früh in die Erziehung eingreifen

Und weil ich nun schon mal dabei bin, kann ich jetzt auch gleich noch weitermachen mit meinen reaktionären Ansichten. Da geht das in einem Aufwasch. Natürlich muss man konsequenterweise möglichst früh in die kindliche Erziehung eingreifen, um Fehlentwicklungen auf dem Weg zum neuen Gender-Menschen von Anfang an zu vermeiden. Deshalb möchten die Gendertheoretiker schon in der frühkindlichen Phase ansetzen und Zugriff auf das Kind haben. Schule ist vielleicht schon zu spät. Da könnte es ja schon im Kindergarten zu unerwünschten Dispositionen gekommen sein. Besser Krabbelgruppe! Gleich nach der Geburt! Noch besser. Oder schon im Uterus! Das wäre das Optimale. Aber so weit sind wir noch nicht.

Wir wissen, dass die frühen Hominiden-Gesellschaften total reaktionär eingestellt waren, bezüglich Aufzucht und Kindererziehung. Die Neugeborenen blieben bei der Mutter und in der Familie, um dort die frühkindlichen Phasen zu durchleben. Die ersten Menschen hatten ja von der symbiotischen Phase keine Ahnung. Da wurde einfach nicht darauf geachtet.

In dieser symbiotischen Phase erlebt sich das Kind noch nicht als eigenständiger, von der Mutter losgelöster Mensch. Vielmehr erlebt sich das neugeborene Baby nach wie vor als eins mit der Mutter. Es kann noch nicht unterscheiden zwischen sich und der Mutter. Es glaubt, sich in einer Einheit zu befinden. Und deshalb müssen die ersten Trennungserfahrungen möglichst früh gemacht werden. Die Trennung als existentielle Grunderfahrung kann nicht früh genug eingeübt werden. Trennungen wird der Mensch ein Leben lang erfahren, und deshalb ist eine frühe Trennungserfahrung so wichtig.

Außerdem weiß man heute, wenn Kinder in den prägenden Phasen der ersten drei Lebensjahre bei den Eltern verbleiben, dass die Eltern dann den größten Einfluss auf sie ausüben und die elterlichen Prägungen auf das Kind übergehen. Es kommen auf diese Weise die gleichen Deppen raus wie die Alten. Das will man vermeiden. Das Kind sollte von Anfang an in professionelle Erziehungshände gelangen. Das Kind ist heute wissenschaftlich ausgeforscht und niemand kann von Eltern verlangen, dass sie dauernd die letzten Erkenntnisse der Erziehungswissenschaften beherzigen, um sie bei ihrem Nachwuchs anzuwenden.

Leider wurde die Wochenkrippe aus der DDR nicht übernommen

Wie soll das gehen? Die Eltern haben doch gar keine Zeit dazu. Zumal ja beide Eltern sowohl in der Wirtschaft wie auch staatlicherseits gebraucht werden. Nur, wenn beide Eltern in den Arbeitsprozess integriert sind, kommt das dringend benötigte Geld in die sozialstaatlichen Kassen.

Vorbild für eine gute Erziehung war die Wochenkrippe im real existierenden Sozialismus. Dort konnten die Eltern guten Gewissens ihre Kinder abgeben, weil sie sicher sein konnten, dass dort alles dafür getan wurde, dass junge, gute sozialistische Menschen heranwachsen. Die Eltern konnten das Kind am Montagmorgen abgeben und wenn sie am Freitag aus irgendeinem Grunde keine Zeit hatten, den kleinen Racker abzuholen, haben sie ihn übers Wochenende dagelassen und erst übernächste Woche abgeholt, weil sie wussten, dass er gut aufgehoben ist bei den sozialistischen Erziehern.

Leider wurde diese gute Einrichtung der DDR nach der Vereinigung nicht übernommen. Dennoch wurden mit der flächendeckenden Versorgung des Landes mit Kinderkrippen richtige Wege eingeschlagen. Hoffentlich werden dann auch die passenden Gendererzieher angestellt und nicht irgendwelche rückständigen, reaktionären Kindergartenbetreuerinnen.

Aber man sollte auch amerikanische Studien zur Kleinkindentwicklung im Auge behalten. In den Vereinigten Staaten hat man die Krabbelgruppen untersucht. Eine Langzeitstudie hat ergeben, dass bereits Krabbler um die Gunst der ersten Beziehungsperson buhlen, also um die Zuwendung der Tagesmutter konkurrieren. Dabei hat man bei den Kleinen erste Burn-outs feststellen können. Das ist erfreulich. Mit der Burn-out-Erfahrung kann man nicht früh genug beginnen. Denn im späteren Leben kommt diese Erfahrung immer wieder auf den Erfolgsmenschen zu.

Trennung und Burn-out sollten die Kinder möglichst früh erleben

Trennung und Burn-out sind die beiden wichtigsten Erlebnisse, die Kinder möglichst früh erleben sollten, um eine gewisse Routine zu entwickeln. Wenn dazu dem Kleinkind noch eine optimale Genderorientierung gegeben wird, kann eigentlich im Leben nichts mehr schiefgehen. Außer die Eltern wehren sich dagegen, weil sie aus irgendwelchen Gründen reaktionär eingestellt sind. Doch warum sollten sie das tun. Eltern wollen immer nur das Beste, oder?

Der Psychologe Hans-Joachim Maaz wurde in der „Süddeutschen Zeitung“ interviewt. In dem Gespräch sprach er sich gegen die Verkrippung der Kleinkinder während der prägenden Phasen aus. Prompt fragte die Journalistin, ob diese Haltung nicht reaktionär sei. Und Maaz antwortete: Wie kann die Sorge um das Kind reaktionär sein? – Eine gute Frage. Wenn man die Kleinkinder fragen könnte, wie würden sie ihre Verkrippung beurteilen?

Reaktionär ist eine politische Vokabel, die immer abwertend gebraucht wird, ein Wort, mit dem gesellschaftliche Zustände als nicht mehr zeitgemäß beurteilt werden, von klugen Leuten, die wissen, wo’s langgeht, weil sie in einer Partei politisch engagiert sind, und die oft selber kinderlos geblieben sind. Das ist jetzt vermutlich von mir ganz, ganz, ganz polemisch, einfach so hingeschrieben, es entspricht aber meiner Erfahrung.

Kleinkinder kommen ohne Parteibuch zur Welt

Kleinkinder wissen normalerweise nicht, wo’s langgeht. Das liegt daran, dass sie ohne Parteibuch auf die Welt kommen und keine Ahnung haben, was für sie das Richtige ist, und schon gar nicht wissen, was zeitgemäß ist. Die wollen eigentlich nur gefüttert und gestreichelt werden. Auch meine ganz persönliche Erfahrung mit unseren Kindern.

Es gibt aber entwicklungspsychologische Erkenntnisse, die in der parteipolitischen Debatte keine Rolle spielen dürfen, weil sie stören. Die Entwicklungspsychologen sagen, dass durch Störungen in der frühkindlichen Entwicklung, in der für das Grundvertrauen entscheidenden Phase, der „Mutter-Kind-Symbiose“, die Bindungsfähigkeit des Menschen Schaden nimmt.

So ein Satz klingt reaktionär, was? Hab ich mich zum Vollhorst gemacht? Mich würde interessieren, ob es einen Zusammenhang gibt von sozialistischer Wochenkrippenversorgung und rechtsradikalen Neonazis auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Kann das mal einer erforschen?

Zu Europa gibt es keine Alternative

Oder nehmen Sie Europa und den Euro: Ein Leben ohne sollen wir uns gar nicht mehr vorstellen können. Europa ist eine Idee, die nicht zur Debatte steht. Die Gefahr, als Reaktionär, als europa-feindlicher Idiot, als rechter Depp, als Querulant, zumindest als Kritiker gebrandmarkt zu werden, ist zu groß. Wir sollten dankbar sein für die lange Friedensperiode in Europa. Heißt es. Ich höre da immer auch einen Befehlston heraus. Ohne die europäische Integration hätten wir längst wieder Krieg! So müssen wir das wohl verstehen. Solche und ähnliche Sätze kriegen wir immer wieder zu hören. Mir kommt das Geschwätz schon zu den Ohren raus. Und der Euro ist ein Segen! Jajaja, ist schon recht. Für wen? Ist die Frage überhaupt erlaubt? Für uns alle! Natürlich. Ohne den Euro wären wir heute nicht da, wo wir sind! Ohne den europäischen Einigungsprozess ist das Leben in Europa sinnlos. Das wird mir immer klarer. Dieses ganze Gefasel vom europäischen Haus, das wir angeblich gemeinsam bauen, es nervt nur noch.

Wir alle haben oft genug gehört, dass es keine Alternative zu Europa gibt. Da führt kein Weg zurück. Sagen sie uns mit leichter Aggression. Wir wären im Übrigen schön blöd, wo wir Deutschen doch am allermeisten von Europa profitieren. Mehr als alle anderen. Wird uns auch immer wieder eingebleut! Von „überzeugten Europäern“ wie Martin Schulz werden wir ungezogenen, uneinsichtigen Europa-Kritiker darauf hingewiesen, dass der „europäische Prozess unumkehrbar ist“. Das erinnert mich an einen, der aus dem obersten Stock eines Hochhauses aus dem Fenster springt, und unten stellt einer fest, dass dieser Prozess unumkehrbar ist. Wer hat denn Europa in eine solche Lage manövriert?

Der Martin Schulz war es nicht. Aber er ist eine Nervensäge. Ausgestattet mit einem Charisma, das ihn zum Marktleiter bei Rewe befähigen könnte, spielt er sich auf als oberster europäischer Projektleiter, als vorbildlicher Einigungseuropäer. Haben wir wirklich keinen anderen als diesen vorlauten Wichtigtuer, der Weisheiten von sich gibt, dass es einem die Zehennägel aufkranzelt?

Die Deutschen als kleinliche Buchhalter

Die europäische Idee ist eine ganz große Idee. Vor allem auch der Euro. Zivilisation vom Feinsten! Der Euro ist ein Segen! Wie lästig war das immer mit dem Geldwechseln. Wenn man nach Italien in Urlaub fuhr, musste man die D-Mark in Lire wechseln. Und man bekam ein Bündel Papier in die Hand gedrückt. Sofort hatte man das Gefühl, dass diese Scheine nichts wert sind. Mit dem Euro kam Stabilität. Und die Zinsen gingen runter. In ganz Europa. Und dann konnten die Südländer billig Geld aufnehmen, und sie haben sich gefreut und gelacht, weil sie an der deutschen Stabilität teilhaben konnten. Und wer hat davon profitiert? Wir! So höre ich das immer wieder.

Wir wären die größten Profiteure der Euroeinführung. Wie oft haben sie uns das nun erzählt. Es hört sich fast so an, als hätten wir die anderen mit der Einführung des Euros über den Tisch gezogen! Deshalb sollten wir das Maul nicht so weit aufreißen und uns einkriegen und nicht jammern, wenn uns demnächst die Rechnung vorgelegt wird. Wir wissen noch nicht genau wann, aber irgendwann wird abgerechnet. Einer wird die Party zahlen müssen.

Wir, die deutschen Steuerzahler, sind im griechischen Worst Case mit ungefähr 65 Milliarden dabei. Zahlemann und Söhne! Da wird ein Ouzo zur Beruhigung der deutschen Seele nicht ausreichen. Genau kann das niemand beziffern, wie viele Ouzos wir trinken müssten, bis wir nichts mehr mitkriegen. Und diejenigen, die es könnten, halten sich zurück. Wir haben auch noch Anteile an diversen Rettungsschirmen, da könnten noch mal locker 200 Milliarden auf uns zukommen. Aber das bisschen Kohle muss uns die europäische Integration schon wert sein.

Wir sollten uns da nicht wie kleinliche Buchhalter benehmen. Sagt ein linker Solidarkasperl! War’s der kleine Augstein, der „Spiegel“-Erbe? Wir sollten großzügig sein! Nicht so kleinlich! Geld? Das passt nicht zur europäischen Idee. Es geht doch nicht ums Geld, es geht um die längste Friedensperiode in Mitteleuropa. Ach so!

Den Vertrag den Schulden anpassen

Zur Erinnerung: Es gibt dieses Defizitkriterium, das vorschreibt, dass kein Mitgliedstaat der EU das jährliche Haushaltsdefizit von höchstens drei Prozent überschreiten darf. Das steht im Vertrag. Aber kein Schwein, Entschuldigung, kein Verantwortlicher hält sich dran. Frau Christine Lagarde, eine ehemalige französische Finanzministerin, die heute ihr Unwesen als Chefin des IWF treibt, schlug neulich vor, man müsse die Schuldenregeln in Europa „anpassen“. Ich hab das in der F.A.Z gelesen. Mir wäre lieber gewesen, ich hätte den Artikel übersehen, denn ich habe mich wirklich aufregen müssen. Auf einer Konferenz in Paris hat diese Person vorgeschlagen, die 60-Prozent-Grenze des Maastricht-Vertrags über die maximale Staatsverschuldung „anzupassen“. Und zwar woran? An die tatsächlichen Schuldenstände, weil die deutlich darüber lägen. – Aha. Sauber.

Sie machen Schulden, dann stellen sie fest, dass sie das nicht dürfen, weil sie den Vertrag brechen. Jetzt möchte man annehmen, dass sie ein schlechtes Gewissen kriegen, weil sie sich nicht an die Verträge halten. Aber woher denn! Nicht wir brechen Verträge, sagt dieser feminine Vollhorst, sondern die Verträge passen nicht zu unserem Verhalten. Also muss es an den Verträgen liegen. Wie nennt man dieses Verhalten? Gaunerei? Nein, das nennt man flexible Vertragstreue. Verträge sind nicht dazu da, sich daran zu halten, wichtig ist, dass sie unterzeichnet werden mit dicken Füllfederhaltern, begleitet von schönen Bildern in den Medien, wo seriöse Damen und Herren uns zulächeln. Sie freuen sich ungemein, dass wir mit unserer Lebensleistung für ihre flexible Vertragsauslegung einstehen dürfen. Stabilitätspakt, Stabilitätskriterien, Blablaba. Nichts als Geschwätz! Unterschreibe Verträge und halte dich nicht dran. Es gibt immer einen, der deine Vertragsbrüche nachträglich legalisiert. Super!

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Das Buch zum Blog von Rainer Hank gibt es hier:

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54 Lesermeinungen

  1. Titel eingeben
    Zu diesem glänzeden Artikel fallen mir Spotan zwei Worte ein: Wahrheit und Danke. Es ist erfreulich zu lesen, das nicht nur ich mittlerweile dem Gefühl erliegen, zwichenzeitlich in einer neuen DDR oder UDSSR aufgeacht zu sein. Oder ist es ein Albtraum? Nein es ist die grausige Realität die uns eingeholt hat weil wir in der Demokratie geschlafen haben und Sozialisten -nein zu gemäßigt, sprechen wir es ruhig aus -moderne Kommunisten unser System geentert haben und hier nun der gleiche Müll wie früher in Ossiland oder den Russen beginnt.

  2. Einfach super!
    Ist genau meine Ansicht zu diesen drei Themen.
    Über Ihre Ansichten zu weiteren aktuellen Themen, Sie wissen genau um welche es sich handelt, bitte nicht zögern und bekannt geben!
    Diese werden wieder genau mit meinen übereinstimmen, wetten das?

  3. Das mit dem Ouzo kann ich beziffern
    Wenn man die 65 Milliarden Schulden auf 80 Millionen Bundesbürger aufteilt, und einen Flaschenpreis von €4,50 ansetzt, kann sich jeder Bürger als Entschädigung ein halbes Jahr lang jeden Tag eine Flasche Ouzo als Schmerzmittel verschreiben. Und weil jetzt einige fragen werden: ja, natürlich auch Babys und Kleinkinder. Denn die werden in ihrem Leben noch sehr viel Ouzo trinken müssen. Besser man fängt klein an, am besten im Uterus – womit sich der Kreis schliesst (s. Artikel)

  4. Vielen Dank!
    Ich bin zwar älter als Sie es sind aber habe so ziemlich die selbe Lebensphilosophie (allerdings kann ich nicht so gut schreiben).
    Danke!

  5. Mit grimmigem Vergnügen gelesen
    Die Dogmen der Apostel/Innen des Zeitgeistes spotten jeder Beschreibung.

  6. Ach Bruno...
    …du bist nicht allein!

  7. In dem Sinne, daß ein Reaktionär gegenüber dem aufklärerischen Relativismus nicht behauptet,....
    …. daß es keine universalen Prinzipien gebe, sondern unbeirrt bestreitet, daß die von der egalitaristischen Aufklärung verkündeten Prinzipien Teil der universalen Prinzipien seien, stehen alle vernunftbegabten realistischen Menschen seit der französischen Revolution („Der Weg der neuen Bildung geht von Humanität durch Nationalität zur Bestialität.“, Franz Grillparzer) auf verlorenem Posten. Die fortschrittliche Zukunftsgläubigkeit ist keine „Ausübung der Vernunft“, sondern lediglich Ergebnis bestimmter infamer pseudophilosophischer Unterstellungen (der sog. „Frankfurter Schule“), die ohne empirische Überprüfung den Anspruch erhoben hatten, mit der natürlichen Vernunft in eins gesetzt zu werden. Das ist in einem Satz der theoretische Überbau, der die aristokratische Überlegenheit eines Reaktionärs begründet. Doch beginnt die geistige Unterwerfung bereits mit der Übernahme der Fragestellung und so muß man die Selbstbezichtigung „Ich bin ein Reaktionär“ vermeiden, denn sie ist schlicht und einfach falsch. Auf actio folgt reactio – und auf die bis dahin bestehende staatliche Ordnung („actio“) rebellierte die blutgetränkte totalitäre französische Revolution („reactio“) des jakobinischen Tugendterrors als Reaktion. Wer sich also in der (Post-)Moderne für Tradition, Konservatismus, Ungleichheit der Menschen, der Völker und der Geschlechter, Kinder-, Familien- und Minderheitenschutz, Eigentumsrechte und -pflichten, Skeptizismus und für christlich-abendländische Werte ausspricht, der ist kein Reaktionär. Nein. Reaktionäre hingegen sind die Gleichmacher und Abschaffer, die sich für den Sozialismus in allen seinen Unterformen inklusive Enteignung, Bevormundung, atheistische Fortschrittsgläubigkeit, Etatismus, Klimahysterie, Familienzerstörung, Zentralismus, Europhantasmus, Relativismus, Päderastie, Hegelianismus, Zwang, Ökofaschismus, freie Migration, Genderwahn, Homoheroisierung und Nazi-Fatamorganismus ausprechen.

    Sie können also ganz beruhigt sein, Herr Jonas („Hoppla, bin ich jetzt reaktionär?“).

    Sie sind es nicht.

    Im Gegensatz zu den Kollegen von der anderen Feldpostnummer.

    • Eine Nummer kleiner ging es wohl nicht
      Wortgewaltig versuchen Sie sich an einer Neudefinition des Begriffes „reaktionär“ – nur um Herrn Jonas von diesem Vergehen freizusprechen. Das ist aber völlig witzlos, da es aber an der Struktur des Arguments nichts ändert – lediglich das Label wird ausgetauscht. Ob man „die anderen“ „reaktionär“ oder „fortschrittsgläubig“ nennt, ist letztlich egal, denn die Abwertung bleibt.

      Viel interessanter finde ich die Frage, wie man diese Wutrede produktiv nutzen kann um den Blödsinn _beider_ Seiten zu entlarven und ad acta zu legen. Es ist auch viel erfolgversprechender mit Vertretern der anderen Positionen zu streiten als nur über sie her zu ziehen.

  8. Schön, dass Sie es auch schon merken, Herr Jonas
    Besser spät als nie.

  9. Grossartig!
    Wie der ‚wise fool‘ in Shakespeares King Lear, sieht ein Kabarettist den Wald trotz vieler Baeume noch und darf das auch noch (!) sagen. Dem Himmel sei Dank.

  10. Schmunzelkram
    Noch eine XL-Schmunzelrede. Heute gehalten, morgen für immer vergessen. Denn wer nichts zu sagen hat, der redet ja i.d.R. gerne und viel. Wozu? Um zu sozialisieren bzw. dem Drang nach Beliebtheit nachzukommen?

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