Home
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Weitersagen Kommentieren (1)
 

Wunsch und Wirklichkeit

30.08.2013, 15:27 Uhr  ·  In den Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für die unter Dreijährigen scheinen so manche Eltern alle ihre Hoffnung auf eine reibungslose Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelegt zu haben. Die Realität indes sieht anders aus, und auch die Gerichte spielen dabei nicht mit.

Von

In den Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für die unter Dreijährigen scheinen so manche Eltern alle ihre Hoffnung auf eine reibungslose Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelegt zu haben. Die Wunschkita direkt um die Ecke mit passgenauen Öffnungszeiten und hochqualifiziertem Personal. Die Realität indes sieht anders aus, obwohl sich der Staat in den vergangenen Jahren schon ordentlich ins Zeug gelegt hat: ellenlange Wartelisten, Unsicherheit, unangenehme Kompromisslösungen. Das alles macht das Leben mit Kindern nicht gerade einfacher, deshalb wenden sich einige Eltern nun mehr oder weniger verzweifelt an die Verwaltunsgerichte.

Doch die scheinen jedenfalls nicht geneigt, den Eltern jeden Wunsch von  den Augen abzulesen. Sobald die Kommune ernsthaftes Bemühen zeigt und Alternativen bringt, haben die Eltern es schwer. Gerade erst war das Verwaltungsgericht Frankfurt mit der Klage eines Elternpaares befasst, denen die Unterbringung ihres Nachwuchses bei angebotenen Tagesmüttern nicht gut genug war. Auch den Alternativ-Krippenplatz lehnten sie dankend ab, weil sie nicht jeden Morgen 30 Minuten lang mit den öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin fahren wollten. Sie hätten Bahnhöfe zu passieren, die nicht barrierefrei seien, auch die Benutzung des Frankfurter Hauptbahnhofs sei wegen des häufigen Ausfalls der Personenaufzüge und der extremen Geruchsbelästigungen durch Urin nicht akzeptabel.

Das alles ist durchaus legitim – niemand ist gezwungen, seine Kinder in einer Umgebung abzugeben, die ihm nicht passt. Doch genauso verfehlt wäre es, jeden Wunsch nach idealer Betreuung auf die chronisch klammen Kommunen abzuwälzen. Dafür müssen die Eltern schon selbst sorgen, der Staat kann allenfalls für eine vernünftige Grundausstattung verantwortlich sein – und die findet sich auch 30 Minuten vom Wohnort entfernt. Es ist deshalb absolut richtig, was das Frankfurter Verwaltungsgericht mit erstaunlich klaren Worten umriss: „Die Kammer konnte nicht nachvollziehen, warum ein dreißigminütiger Weg mit dem öffentlichen Nahverkehr mit einem einmaligen Umsteigen für den Antragsteller unzumutbar sei“ – während jeden Tag Tausende Passagiere diesen auch mit Kinderwagen bewältigten (Az.: 7 L 2889/13 F). Kompromisse muss schließlich jeder eingehen. Das können auch Gerichte nicht ändern – und sie sollten es auch gar nicht erst versuchen.

 

 

Richtlinien für Lesermeinungen

Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Lesermeinungen zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 6000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung der Lesermeinung weisen wir am Beitrag den Klarnamen des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.

Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Lesermeinungen von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Lesermeinungen zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.

Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.

Weitere Artikel

Datenschutzerklärung

Allgemeine Nutzungsbedingungen von FAZ.NET und seinen Teilbereichen

Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Lesermeinungen automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.

Schließen

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden
Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
Sortieren nach
0 H. Trickler 06.09.2013, 16:14 Uhr

Der Grundtenor des referierten Urteils wird schlcht getroffen.

Ich hätte in einem FAZ-Blog mehr erwartet!

Jahrgang 1976, Redakteurin in der Wirtschaft der F.A.Z.