Home
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Weitersagen Kommentieren (2)
 

Lehman-Pleite: Nicht überflüssig, aber absurd

09.09.2013, 13:29 Uhr  ·  Fast auf den Tag genau fünf Jahre ist es her, dass Lehman Brothers in die Pleite rutschte. Inzwischen zeichnet sich ab, dass zumindest die Gläubiger der deutschen Tochtergesellschaft ohne Blessuren aus diesem Schlamassel herauskommen. Überflüssig war die Insolvenz trotzdem nicht.

Von

Fast auf den Tag genau fünf Jahre ist es her, dass die Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers für schwere Turbulenzen an den Finanzmärkten sorgte. Inzwischen zeichnet sich ab, dass zumindest die Gläubiger der deutschen Tochtergesellschaft darauf hoffen können, ohne Blessuren aus diesem Schlamassel herauszukommen. Am Ende könnten sie sogar ihr gesamtes Geld zurückerhalten.

Der letzte Stein auf dem Weg zu dieser ungewöhnlichen Entwicklung ist eine Verständigung zwischen der deutschen und der amerikanischen Insolvenzverwaltung über die Zurechnung weiterer Vermögensteile in Milliardenhöhe. Diese Grundsatzeinigung müsse allerdings in den nächsten Monaten noch weiter ausgearbeitet werden, heißt es aus gut informierten Kreisen. Außerdem müssen die Gläubiger noch darüber abstimmen.

Diese jüngste Erfolgsmeldung nährt den Verdacht, dass Lehman Brothers als die überflüssigste Insolvenz in die Geschichtsbücher eingehen könnte. Doch was nach einem üblen Treppenwitz klingt, ist bei genauerer Betrachtung den Besonderheiten des Falls geschuldet: Die deutsche Tochtergesellschaft war im Firmengestrüpp wichtiger, als viele ahnten. Andere Einheiten können diesen Erfolg nicht verbuchen. In anderen Geschäftseinheiten liegt die Insolvenzquote eher zwischen 20 und 30 Prozent.

Wirklich besorgniserregend ist jedoch die Reihe von Absurditäten, die der Fall ans Licht brachte: Eine geradezu haarsträubende Dokumentation, unübersichtliche Firmenstrukturen, unklare Rechtsverhältnisse – von jedem Kiosk wird eine gründlichere Buchhaltung erwartet. Dass der Frankfurter Insolvenzverwalter Michael Frege überhaupt einen solchen Erfolg verbuchen konnte, ist bemerkenswert.

Freges Urteil zufolge basierte ein Drittel des Erfolgs der deutschen Tochtergesellschaft auf erstrittenen Rechtspositionen, ein Drittel auf dem Reparieren von Strukturen, ein Drittel war der klassischen insolvenzrechtliche Abwicklung geschuldet. „Außerhalb der Insolvenz wäre all das nie zu erreichen gewesen”, betont der Insolvenzrechtler von der Kanzlei CMS Hasche Sigle. Auf die Insolvenz hätten wohl trotzdem viele gerne verzichtet – besonders die Investoren.

 

 
  Weitersagen Kommentieren Empfehlen (1) Drucken
 

Richtlinien für Lesermeinungen

Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Lesermeinungen zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 6000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung der Lesermeinung weisen wir am Beitrag den Klarnamen des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.

Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Lesermeinungen von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Lesermeinungen zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.

Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.

Weitere Artikel

Datenschutzerklärung

Allgemeine Nutzungsbedingungen von FAZ.NET und seinen Teilbereichen

Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Lesermeinungen automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.

Schließen

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden
Lesermeinungen zu diesem Artikel (2)
Sortieren nach
0 H. Trickler 11.09.2013, 09:26 Uhr

Am absurdesten ist aber der Titel des Blogsbeitrags

Falls die Gläubiger der deutschen Tochtergesellschaft relativ glimpflich davon kommen, so ist dies höchstwahrscheinlich ein Zufall und höchstens eine Zeile wert!

3 Karl-Heinz Andresen 09.09.2013, 17:20 Uhr

Die Lehman-Pleite löste die Krise nicht aus.

Die nun auftauchenden Tatsachen über ihre Liquiditätsausstattung stützen vielmehr eine unter Profis kursierende These, wonach sie nötig war, um die historisch größte staatliche Rettungsaktion zu ermöglichen - teilweise contra legem ohne rechtliche Basis

Sie galt der AIG, die per synthetisch am Fließband hergestellten - und fehlkalkulierten - CDS dem globalen Banksystem (nebst Schattenbanken und Versicherungen) eine Bilanzverlängerung ohnegleichen ermöglichte ohne das Eigenkapital formal überdehnen zu müssen.

Fallierte die AIG, was absehbar war, wäre es aus und zwar global.
(So erhielt die DB etwa vom US-Staat etliche zig Milliarden Ausgleich für obsolete AIG-Versicherungen, wie alle anderen Banken auch.)

Obwohl Versicherung wurde der AIG der CDS paradoxerweise zum Verhängnis, welcher "Versicherung" genannt dennoch keine war.

Es ist der abgespaltene Zinscoupon einer Anleihe, soweit er für´s Risiko stünde.
Das läßt sich mit klassischer Versicherung nicht vergleichen - und lief deswegen prinzipiell schief, weil nicht das Risiko abwärts (durch Null begrenzt) sondern aufwärts (unendlich) versichert wurde.

Damit war die AIG schon pleite bevor Lehman oder jemand anderes auch nur wackeln konnte.

So wird klar, daß erstens politisches Fehlverhalten, nämlich Clintons Gesetz zur Förderung der Subprimer, zweitens die Fehlkalkulation der AIG bei den CDS sowie deren flächendeckende Verbreitung im Finanzsystem die wesentlichen Ursachen der Finanzkrise waren, die übrigens bis heute anhält trotz globaler Löschanstrengungen aller Nationen.

Jahrgang 1976, Redakteurin in der Wirtschaft der F.A.Z.