Das letzte Wort

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Die Welt ist voller Paragraphen und Aktenzeichen. Hendrik Wieduwilt und Corinna Budras blicken auf Urteile und Ereignisse im Wirtschaftsrecht.

Mysteriöse Strategie

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Die Anwälte von sieben Hedgefonds haben bei ihrer Milliardenklage gegen Porsche die Geduld der Richter in Hannover auf eine harte Probe gestellt. Nach sechs Stunden Fragemarathon brach der Vorsitzende am Mittwoch entnervt die Vernehmung des früheren Stuttgarter Chefjuristen ab und vertagte die Beweisaufnahme. Wobei er deutlich machte, dass er in vielen dieser sich mehrfach wiederholten Fragen keinen rechten Sinn erkennen konnte.

Tatsächlich müssen die Kläger eine sehr ausgefeilte Prozessstrategie im Hinterkopf haben, wenn sie auf diese Weise zum Ziel kommen wollen. Denn was immer in den Chefetagen der Sportwagenschmiede einst geplant wurde, bevor der Versuch zur Übernahme von VW kläglich scheiterte: Ausweichende Antworten oder tatsächliches Nichtwissen von Zeugen ersetzen keine Beweise. Die muss im deutschen Zivilprozess aber liefern, wer etwas fordert – und nicht die Gegenseite.

Vielleicht ist das ganze doch nur eine Show für die Mandanten, die nach der Fehlspekulation an der Börse vor der Justiz weiterzocken, oder der Versuch, Porsche wenigstens eine kleine Entschädigung abzuringen. Vielleicht gibt es auch die verzweifelte Hoffnung, im Strafprozess gegen die einstigen Porsche-Chefs könnte neues Belastungsmaterial auftauchen. Damit aber rechnet selbst die dafür zuständige Strafkammer nicht, welche die Anklage bekanntlich nicht einmal zulassen wollte.

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2 Lesermeinungen

  1. Pingback: Fundstücke Mai 2015 – 114 Tatbestandsberichtigungsanträge, Privatklagen und befangene Richter | zpoblog.de

  2. Mit derartigen Prozessen entzieht man sich letztlich selbst die Geschäftsgrundlage.
    Ich gestehe offen – ich habe mich über die Milliardenverluste dieser Fonds damals sehr gefreut. Wer spielt, muss auch verlieren können. Ich konnte das Geschäftsmodell der Hedgefonds also durchaus akzeptieren, solange ihrem Gewinn- in äquivalentes Verlustrisiko gegenüberstand.

    Aber das Modell „Wir gewinnen oder Ihr verliert“ ist nicht mehr akzeptabel. Genau das aber liegt der Klage zugrunde. Man hat sich verzockt und klagt jetzt sogar vor Gericht darauf, in Zukunft bitte alle zur absolut sicheren Verlustvermeidung und Gewinnmaximierung notwendigen Informationen (inklusive spekulativer Absichten) frei Haus geliefert zu bekommen.

    So entzieht man sich selbst die Geschäftsgrundlage.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

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