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Wostkinder

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Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Ost und West.

Twitter ist wie die DDR

| 36 Lesermeinungen

Ein Rant über die totalitären Tendenzen einer Masse, die sich für besonders gerecht hält.

Im August 2012 fasste ich den Entschluss, mich aus dem Kurznachrichtendienst twitter zurückzuziehen. Es war aus einer Erfahrung heraus: Der Erfahrung, dass twitter die Grenzen zwischen den Menschen aufzuheben schien. Jeder schaute zu was andere machten und wenn das, was die anderen machten „ungebührlich“ war, wurde sofort laut geschrien, gepetzt und denunziert. Das war nicht immer so. Immerhin hatte ich es mit kleineren Pausen fast vier Jahre dort ausgehalten. Es ist so geworden, zumindest für mich und ein paar andere. Twitter, so drückte ich es damals in meinem Abschiedsblogpost aus, holt aus uns (mich eingeschlossen) das Schlechteste heraus.

Kleiner blauer Vogel – bitterer Ernst. Bild: CC-BY 2.0 von Ian Sane via Flickr.com

Auf twitter fing ich selbst an Menschen nach dem Mund zu reden ohne es wirklich zu realisieren. Leuten, die ich nicht einmal persönlich kenne. Die mich aber beobachteten. Die Beobachtung ist die die Währung auf twitter: Je mehr Menschen zuschauen, desto besser. Ich fing ich an, mich selbst zu zensieren. Selbst wenn ich von einer Meinung oder Aussage überzeugt war, habe ich sie oft für mich behalten, weil mir klar war, dass es nicht nur Kritik geben würde, sondern moralische Entwertung. Auch in meinem Blog fing ich an, Blogtexte nicht mehr freizuschalten. Zudem formulierte ich meine Worte und Sätze möglichst twitter-Kompatibel. Das bedeutet vor allem: Verkürzung entdecken und möglichst knallige Buzzwords finden. Denn je mehr provozierendes Gehalt in einem Wort ist, desto weniger Platz nimmt es von den 140 Zeichen weg, die man ja insgesamt nur hat. Buzzwords drücken kurz und prägnant die „Linie“ aus, auf der man ist. Buzzwords wie #fail , „sexistische Kackscheiße“ oder „Kristina Schröder“ dienen der schnellen und harten Denunziation Einzelner oder andersdenkender Gruppen. Ziel bei all dem ist stets: Zu den Gerechten und Guten zu gehören.

Zur vorbeugenden Relativierung sei gesagt: Vermutlich ist das ein Verhalten, das vor allem in meiner „Filter Bubble“ auftrat und in anderen twitter-Milieus weniger zu beobachten sein wird. Meine „Bubble“, die ist eher links und feministisch. (Beschrieben hat das Phänomen auch Che).

Was das mit DDR zu tun hat

Bis hierhin habe ich nur Beobachtungen erzählt, die einen ganz schön nerven können und außer mir ziehen sich immer mehr andere Menschen auch Stück für Stück von twitter zurück. Aber ich habe oft das Gefühl, dass diese Mechanismen in mir eine besondere Abwehr aufrufen und ganz vielleicht, so denke ich oft, hat das damit zu tun, dass ich sie irgendwoher kenne. Dieses Zelebrieren der eigenen moralischen Überlegenheit zum Beispiel. Sich selbst durch größere Gerechtigkeit über die anderen erheben (im damaligen Fall die auf der anderen Seite der innerdeutschen Grenze). Buzzwords kreieren, wie „Antifaschistischer Schutzwall“ oder „Imperialistischer Westen“, gehörte genauso dazu, wie sich über kapitalistische Ausbeutung zu brüskieren und die eigene Weltanschauung unentwegt zu inszenieren. Ein wichtiges Moment in dieser Inszenierung waren die Rituale der DDR.

Diese begannen schon in der frühen Schulzeit, bei Festen und Feiern, durch Gesänge, Zugehörigkeiten in Gruppen wie die Jungpioniere oder die FDJ, Märsche mit Fähnchen schwenken und nicht zu vergessen die sehr Buzzword-haltigen Reden zu Gedenktagen. Wir gelobten jeden Keim des Faschismus‘ zu vernichten, wir gedachten den vielen tapferen Helden – auch Stalin! – wir waren „feierlichst in aller Öffentlichkeit“ von unserer Gerechtigkeit überzeugt. Die Ritualität war in der Sprache der DDR entscheidend. Rituelle Texte in Zeitungen waren zum Beispiel tonangebend. Sie definieren sich dadurch, dass sie nichts in Frage stellen, dass keine Meinungen gegeneinander abgewogen werden, keine Skepsis zum Tragen kommt: In sämtlichen Zeitungen der DDR standen solche Texte, deren einziger Zweck es war, das System, die Politik und die von ihr propagierten Werte zu bestätigen. Natürlich konnte ich als Kind noch nicht Zeitung lesen. Aber diese an Orwell erinnernde Facette des Rituellen, in den Medien der DDR, ist mittlerweile recht gut aufgearbeitet (eingehende Betrachtungen dazu finden sich in den Ausgaben 2006 (4) und 2010 (3) der Zeitschrift Horch und Guck) und somit zugänglich.

Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park: Symbol für die stark zelebrierte Befreiung von der “Geißel des Faschismus” durch die Rotarmisten. Bild: CC-BY-SA 2.0 von Matt Biddulph via Flick.com

Natürlich ist twitter kein Staat, aus dem man nicht fliehen kann. Aber mich auf twitter zu begeben kam in meinem Fall im Laufe der Zeit auf das Gleiche hinaus, wie mich selbst einzusperren. Nur, wer ziemlich resistent gegen Überraschungsangriffe ist oder gleich dem Dalai Lama jenseits aller ideologischen Gräben steht, führt dort dauerhaft ein ruhiges Leben. Alle anderen sind nie davor gefeit, dass aus einem „ich logg mich mal kurz ein“ die Offenbarung wird, dass wiedermal jemand  übergriffig oder extrem respektlos gewesen war. Für mich reichte es schon, tweets von empörender Dummheit in die Timeline gespült zu bekommen und der Tag war hin. Aussagen von Leuten, die ich freiwillig sonst nicht gelesen hätte.

Ich habe leider keine sehr dicke Haut und kann mich nur schwer abgrenzen. Also bin ich geflüchtet. Der Freiheit entgegen. Von twitter  ist man sehr schnell abgemeldet und hat fortan auch seine Ruhe. Oder? Nicht ganz: Die Buzzwording-Olympiade und die Denunziation und Abgrenzung gegen andere  beeinflussen die Debatten in den Massenmedien direkt: In Radio-Sendungen und TV-Debatten werden Meinungen aus twitter schon jetzt direkt vorgelesen. In Echtzeit. Was „trendet“ gilt als relevant, ohne dass die Mechanismen hinter dem „Trend“ hinterfragt würden. Wer hinterfragt schon viele Klicks? Vom Niveau her ist das eine Ausrichtung auf den Pfaden der BILD-Zeitung. Übrigens passender Weise die auf twitter am meisten gehasste Zeitung.

Hinterfragen nicht erwünscht

Keine dicke Haut haben, aber ständig Dinge an- und aussprechen müssen, die nicht unbedingt konfliktfrei sind. Das haben wir gern! Ja, ich gebe zu, ich habe richtig Lust dabei, Dingen auf den Grund zu gehen, auch – oder gerade – wenn sie weh tun. Dabei habe ich auch die Rituale und Normen derjenigen Hinterfragt, die meine Bezugsgruppe waren. Bei manchen von dieser wurde es nämlich sehr bald Mode, alle möglichen Äußerungen als rassistisch abzukanzeln. Sie sind gegen die Burka? – Rassistisch! Sie hinterfragen die Stellung der Frauen in Tunesien? – Rassistisch! Auch fragte ich nach dem Sinn, für alle möglichen Texte und Meinungen, die der eigenen gegen den Strich gingen, Triggerwarnungen zu benutzen. Mir ist dabei absolut bewusst, dass jede geäußerte öffentliche Meinung in der ihr folgenden Debatte kontingent ist. Ob das, was mir wichtig ist, auch verstanden wird, darauf habe ich keinen Einfluss. Ich kann es nur versuchen. Und natürlich: Eine, die nicht einstecken kann, sollte nicht öffentlich austeilen. Wer kritikunfähig ist, sollte keine steilen Thesen in den Raum stellen.

Was nämlich dabei verloren geht ist das Politische an sich: Pluralismus der Meinungen in einem öffentlichen Raum, natürlich auch Streit um Hegemonie, aber mit Respekt für die Andersdenkenden im Sinne Rosa Luxemburgs: Denn die Freiheit ist immer auch die Freiheit derer, denen ich widerspreche. Dazu gehören auch Kritikfähigkeit, Skepsis und Selbsthinterfragung – auch sie sind Kennzeichen des Politischen, wie wir es bei Hannah Arendt, Chantal Mouffe und auch Linda Zerilli finden. Das politische Streiten ist nicht selten ein kleiner Kampf um das bessere Argument. Und das sollte uns etwas wert sein! Umso schmerzlicher wird es, wenn Menschen, die dieses politische Streiten lieben und debattieren, an den Kopf geworfen wird, sie seien „zu dominant“. Wenn man ihnen den Mund verbietet mit der Begründung, sie sollten erst einmal ihre „Privilegien checken“ gehen. Für mich ist das Politische auch immer konfliktuell – aber das ist auf twitter nicht wirklich möglich. Dort befindet man sich schneller in den Kategorien von Moral und moralischer Abwertung: Eine andere Meinung ist dann nicht nur eine andere Meinung, sondern eine verwerfliche. Eine andere Ansicht kann neben der eigenen kaum ausgehalten werden, ohne ein #fail dahinter zu setzen. Wer abweicht wird so denunziert. Die Gerechten feiern sich hiernach selbst.

Es spricht nichts gegen Rituale. Es ist in Ordnung, wenn Gruppen sich nach innen verfestigen, indem sie sich nach außen abgrenzen. Doch auf twitter sind solche Prozesse öffentlich geworden. Menschen dort haben versucht sich durch weit verbreitete Rituale gegen Kritik immun zu machen. Sie haben das Politische verdrängt – zumindest für mich. Auf twitter bin ich eine Rassistin. Und ich habe ein paar Monate gebraucht, meine klare, kritische und skeptische politische Stimme wieder zu finden. Es ist die Sprachlosigkeit und das Ducken, das Witzemachen, das man sich aber nur in vertrauter Runde zugesteht, wenn man weiß, dass es nicht nach außen dringt – all das hat mich frappierend an eine andere Zeit erinnert.

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36 Lesermeinungen

  1. Wie alt sind Sie,
    dass Sie in der DDR noch in Festtagsritualen Stalins gedachten?
    Ich als Mittfünfziger kann mich an solcherlei Gedenken nicht erinnern.

    • Dieser Einschub
      am Ende des Absatzes war als Quellenangabe gedacht: “(eingehende Betrachtungen dazu finden sich in den Ausgaben 2006 (4) und 2010 (3) der Zeitschrift Horch und Guck)”

    • Darüber bin ich auch gestolpert.
      Katrin Rönicke ist so in den Dreißigern.

    • das "Wir" meint mich nicht mit
      es ist doof ausgedrückt. das gebe ich zu. dieses “Wir” steht für “die DDR”. ich war quasi nur als Quark im Schaufenster dabei. und lese eben nach Jahren darüber…

  2. Servicehinweis: Zeichenbegrenzung
    Momentan gibt es im neuen Blogsystem noch eine Zeichenbegrenzung von 1.000. Soweit ich hörte, soll diese alsbald aufgehoben werden. :)

  3. Mit Sicherheit richtig, aber
    (und ich hätte niemals gedacht, dass ich das einer Erziehungswissenschaftlerin einmal schreiben würde) Sie müssen sich abgrenzen können. Ich bin ein großer Freund dieses Dienstes, da man durch nichts und niemanden sonst so schnell, unmittelbar und zielgenau mit Informationen versorgt wird. Das Problem ist zu glauben, es wäre wichtig, wie viele Follower, Retweets oder Favoriten man hat. Twitter ist weder als Plattform zur Generierung von sozialer Anerkennung durch Selbstdarstellung noch als “Social Community” zu verstehen. Genau dies glauben aber viele dort angemeldete Nutzer, die gerne vollkommen triviale Vorgänge aus ihrem Leben mit der Welt teilen wollen und beleidigt sind, wenn sich niemand dafür interessiert.

    P.S.: Meine Followerzahl schwankt zwischen 20 und 50. In der Regel nimmt sie zu, wenn eine bekannte Person meine Tweets abonniert und radikal ab, wenn ich etwas schreibe, was vielen nicht gefällt. Ich pfeif drauf.

    • Grundsätzlich richtig, aber ...
      Glauben Sie, dass diese Abgrenzung, die mit Sicherheit richtig und nützlich ist, von der Mehrheit der Nutzer vollzogen wird oder zumindest die Aussicht besteht, das vielen Nutzer das lernen werden? Wenn Sie das nicht glauben, für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass sich diese Verhaltensmuster festigen und ggf. auch im realen Leben manifestieren werden?

    • Titel eingeben
      das ding mit der abgrenzung ist doch aber, dass es zwei seiten hat. wer sich abgrenzt, gibt zugang auf. und dieses aufgeben, das ist der ideologische grundsatz mit dem immer alles gekontert wird. man muss hart sein, auf alle pfeifen… und wo bleibt da das (zwischen)menschliche?

      also was geben wir auf, mit diesem denken?

    • nunja
      es ist eine Sache, sich gegen Unbekannte abzugrenzen. Es ist eine andere Sache, direkt neben sich Verbündete wegbrechen zu sehen und von Leuten eins über den Deckel zu bekommen, bei denen man mal dachte, man zöge an einem Strang..

      aber sie haben schon recht: Abgrenzung ist nicht meine Stärke. Und es nicht zu können dann doch wieder eine. Es ist kompliziert :)

      Viele Grüße
      Katrin Rönicke

  4. Dauerbewertungs- und Dauerbeobachtungsmechanismen
    Mache die selben Beobachtungen seit einiger Zeit. Twitter ist zu einer Plattform geworden, auf der sich Menschen gegenseitig überwachen und auf eine Meinungslinie bringen. Gegenmeinungen werden ignoriert oder sogar mit Entfolgungen, Blockaufrufen, Shitstorms etc. quittiert – was man sicherlich auch bei diesem Artikel beobachten können wird.

    Aber: Ich glaube, das ist kein twittereigenes Phänomen, sondern es zieht sich inzwischen durch das halbe Netz und hat mit Zahlengeilheit und Bewertungen zu tun. Dadurch, dass man überall im Netz mit “Like”-Buttons und Kommentaren eine Wertung abgeben kann und dadurch, dass sich Leute über Social Media zu Mobs formieren, entkommt man dem Mist nur schwer. Keiner, der schreibt, kann mir erzählen, dass es für ihn absolut keinen Unterschied macht, wenn einer seiner Texte 300 Likes bekommt, der andere nen Shitstorm auslöst. Über kurz oder lang wird man so in eine Richtung genormt (oder man bezieht halt die Trotzposition), was wirklich unschön ist.

    • Auf die Dienste kommt es an!
      Geschenkt – aber ich sehe da Facebook als “schlimmer” an als Twitter. Kommt natürlich immer auf die eigene Community an.

      Die Überschrift an sich finde ich unsachlich, aber sie mag dem Thema des Blogs geschuldet sein. Klar kann man mit Normierungstendenzen im vernetzten Spätkapitalismus argumentieren, sprich, dass heute weniger Gewalt und mehr “sanfte” Disziplinierung stattfindet. Dennoch ist es ein Unterschied, ob ich (willkürlicher) staatlicher Gewalt ausgesetzt bin oder den kleinen Nadelstichen meiner “Freunde”. Die Opfer der DDR-Herrschaft finden den Vergleich sicher auch nicht so spaßig.

      Mein Petitum: Community-Management. Und das Bewusstsein, dass im Netz Idioten und kluge Leute sind und dass man diese unterscheiden muss. Dann klappts auch mit Kommentaren im Netz, die durch ihre Schriftlichkeit zweifellos mehr treffen – denn man kann in schriftlichen Umständen ja nicht mehr fünfe gerade sein lassen.

    • ich denke auch
      dass es kein auf twitter beschränktes Phänomen ist. Mir fällt nur eben auf, dass es dort noch einmal zu ganz anderen Dynamiken kommt, die diese vielleicht allgemeine Menschlichkeit, zu Totalitarismen hin und wieder zu neigen, extrem verstärken können.

      Ihren letzten Satz kann ich nur unterstreichen. Das Phänomen der Schweigespirale von Noelle-Neumann ist da ganz treffend: http://de.wikipedia.org/wiki/Schweigespirale

      herzliche Grüße
      Katrin Rönicke

  5. "15 Minuten Ruhm"
    Ich denke Twitter erzeugt, wie viele andere Sites – vielleicht ursprünglich sogar ungewollt – eine Art Pseudo Gleichheit. Alle sind auf demselben Niveau, geistiger Narzissmus ist im “15-Minuten-Ruhm-Prinzip” mit jeder anderen Form von Narzissmus unmittelbar verschmolzen und am Ende siegt immer die Mehrheit – ob sie weiss wovon sie da redet oder nicht.. Das Prinzip der Öffentlichkeit hat aber mit dem Hauptmotiv Selbstdarstellung noch nie viel Sinn gemacht – ausser in der Disco.
    Deswegen hab ich Twitter und auch das berühmte f aus meinem Leben verbannt.

  6. Na, ein Glück ...
    … dass ihr kein Blog über die NS-Zeit betreibt. Herzlichen Glückwunsch zum Klickmonster.

  7. WTF
    Das ist ein Rohrkrepierer! Wenn man glaubt mehr als 22 Jahre nach dem Ende eines Staates Verhaltensweisen wahrzunehmen, die man aus diesem Staat kennt, hat dies nichts mit dem untergegangenen Staat zu tun, sondern mit offenbar allgemeinen menschlichen Verhaltensweisen. Zumal wenn man bedenkt, dass die “Twittergemeinde” aus Leuten besteht, die komplett in der BRD sozialisiert, erzogen und gebildet wurde. #fail #ddrbashing #billig

    • genau..
      .. das ist doch der punkt an dem text. es ist eine grundsätzliche verhaltensweise, die durch ihre (technische) umgebung lediglich mehr oder weniger ausgeprägt auftritt.

  8. Die Prozesse sind verwandt, aber die Wirkung heute ist universaler
    In der DDR wurde die “Meinungsreinheit” durch die bestehenden Machtstrukturen sicher gestellt. Wenn es zu bunt wurde, klingelten Männer mit ersten Gesichtern an der Haustür. Das wusste jeder und stellte sich darauf ein. Die Rituale wurden von mir nur als hohl erfahren und blieben so ohne Wirkung und ich glaube, das ging den allermeisten so – gibt es als eine schöne Geschichte von Stanislaw Lem.

    Bei twitter ist das anders, hier sind die Rituale gelebt und entspringen einer lebendigen Gemeinschaft. Das erhöht die gesellschaftliche Relevanz.

    Ich fürchte, twitter verstärkt nur einen Trend, der mit dem Aufkommen von Kommentaren ohnehin schon bestand: Die Erosion einer echten Diskursfähigkeit. Das wird sich, so meine Befürchtung, über kurz oder lang auch im realen Leben manifestieren. Vermutete Folge ist die Abnahme der Demokratiefähigkeit, ggf. bis hin zum populistischen Mob. Ich kann mir lebhaft vorstellen, was passiert, wenn dann der erste Rattenfänger aufspielt.

    • Die Erosion einer echten Diskursfähigkeit.
      das haben Sie vielleicht auf den Punkt gebracht. Umso wichtiger finde ich es, darum zu kämpfen. Rattenfänger sind btw auf twitter genügend unterwegs, glauben Sie mir…
      Beste Grüße
      Katrin Rönicke

  9. Twitter und Facebook
    Twitter und Facebook dienen in erster Linie dem Zweck die Menschen zu überwachen!
    Gut nun mag mancher argumentieren:
    “Die haben doch bei der arabischen Revolution geholfen!”
    Nicht wirklich! Sie haben die Revolution nicht unterstützt, sie haben sie nur NICHT VERHINDERT. Hätten die Twitter- und Facebookmacher nämlich gewollt, hätten sie ganz einfach die Accounts und Seiten der Rebellen gesperrt (sowie sie es in DEutschland mit dem “Orden der Patrioten” gemacht haben; aber die bastelten sich einfach neue :-) ) und das wäre es mit der Revolution gewesen!
    Das wirft die Fragen auf: Was für ein Interesse hatten Twitter und Facebook daran dass die arabische Revolution stattfindet? Und haben sie gewusst, das es in Ägypten dann einen radikalislamistischen Gottesstaat geben würde?
    Und warum stellen sie sich der Revolution in DEutschland durch den “Orden der Patrioten” in den Weg?
    Wer weiß…

  10. twittwer ist wie ddr
    endlich einmal eine “politisch unkorrekte” Meinung zum Phänomen unserer Zeit. Die andere Meinung niederschreien ist meiner Meinung nach äusserst faschistisch. Geschichtsunterricht und Aufarbeitung dieser Zeit mittels guter Filme hat demnach nichts gebracht.
    Mutige, verantwortungsvolle und gleichzeitig vielgelesene Medien könnten hier wirklich gute Arbeit leisten.

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