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Wostkinder

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Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Ost und West.

Gottlos mit Gott leben

| 14 Lesermeinungen

Ein Leben ohne Gott und Glauben scheint erst dann möglich, wenn Gott und Glaube in einem neuen Kontext, als menschliches Handeln, wiederentdeckt werden.

Nachdem sich Katrin in der letzten Woche mit einem, nicht hauptsächlich für die Wost-Interessierten sehr bewegenden Thema, beschäftigte, widme ich mich diese Woche einer weniger aufregenden Angelegenheit: der Religion.

Wie in der DDR oftmals üblich, wurde ich nicht religiös erzogen und meine Eltern sind in keiner Weise gläubig. Ich sollte nicht verschweigen, dass die Gläubigen in der DDR nicht sonderlich gut behandelt wurden. Sie hatten es an allen Ecken und Enden schwerer und ihre Kinder konnten nur in seltenen Fällen studieren. Durch diese Diskriminierung, so könnte man vermuten, wirkten die Anreizsysteme des Systems, in Bezug auf die Kirche, abschreckend. Doch zumindest in unserem Haushalt war es so, dass die fehlende Religion kein Zwang sondern Überzeugung war.

Mir wurde nie verheimlicht, dass manche Menschen an Gott glauben. Meine Mutter legte nach unserem Umzug in den Westen gar wert darauft, dass ich die Kinderbibel lese. Die Kinderbibel, sie war ein Informationsangebot, das ich angenommen habe. Hinzu kam die Schule, in der ich den evangelischen Religionsunterricht besuchte. Zwischendurch versuchte ich es mit Ethik, doch fehlte nach 2-3 Unterrichtsstunden der Lehrer hierfür, ich blieb dann beim evangelischen Religionsunterricht. Ein kurzzeitiger Versuch mit den Katholiken –  er brachte nichts Gutes.

Denke ich an meinen Religionsunterricht zurück, dann erinnere ich mich nur noch an eine Sache. In der achten Klasse erklärte uns eine hochschwangere Religionslehrerin was Verhütung ist und wie wir diese am besten vollziehen. Wir waren, zumindest darüber, längst aufgeklärt und hatten daher ausreichend Gehirnkapazitäten frei um uns damit zu beschäftigen, wie absurd die Situation ist. Das war auch der Moment, in dem ich mich endgültig von Gott verabschiedet habe.

Gottlos leben: Gott anders denken

Ich bin jetzt 32 Jahre alt und bereue diese Entscheidung immer wieder. Zeitweise. Auch wenn ich weiß, dass es ein wenig wie das Lamento des Intelligenten ist, der gerne dumm wäre, da das Leben im weniger privilegierten Geisteszustand viel einfacher scheint. Doch die Reue überkommt mich und sie ist doch nur Selbstreflexion. Denn das Leben ohne Gott, es ist ein haltloses.

Zu Beginn meiner zwanziger Jahre wachte ich des Nachts plötzlich zitternd und schweißgebadet auf. Ich hatte panische Angst und war vollkommen verwirrt. Das war der Moment, in dem mir bewusst wurde, dass meine im Alter von 14 Jahren getroffene Entscheidung, nicht an Gott zu glauben, bedeutet, vergänglich zu sein. Ich wurde geboren, ich lebe jetzt, ich werde sterben und dann ist der Zeitraum meines Lebens bedeutungslos. Ich bin kein Thomas Mann. Und selbst wenn ich einer wäre, hätte ich wohl nur so lange eine Bedeutung, wie auch die Menschheit selbst existiert. So Gott will?

Solch eine gedankliche Krise zu bewältigen ist kein Leichtes. Bedeutet es doch, einen Sinn im Leben zu finden, der über das eigene Ich hinausgeht. Also wieder etwas nicht Greifbares, das der Mensch in seiner Neigung als göttlich interpretieren wöllte. Doch ich glaube der Mensch selbst gibt hierzu auch die Antwort, denn wir schaffen allein schon durch unser Sein ein Handeln und dieses erzeugt eine Entität über dem ich.

Damit ist gemeint, dass wir geboren werden und uns zumindest im Interaktionsraum der Natur befinden. Im Regelfall befinden wir uns nicht nur darin, sondern auch in einer Familie, die uns hegt und pflegt. Nicht immer gut, das mag wohl sein. Waisenkinder  befinden sich ebenfalls in solch einem Verhältnis den nicht leiblichen Erziehungsberechtigten gegenüber. Es gibt kein entrinnen. Das geborene Menschenwesen steht dadurch im steten Abgleich mit der Umgebung und muss sich einpassen. Das Einpassen, es verändert uns. Es prägt zum einen den Menschen und zum anderen zwingt es ihm Kompromisse auf. Der Kompromiss führt zu einem gemeinsamen Handeln der Gruppe und das ist mehr und auch anders, als der Einzelne selbst.

Wird dieser Gedanke fortgeführt, also die Familie im Abgleich mit ihren Nachbarn, dem Dorf, der Stadt, dem Kreis, dem Bundesland, dem Staat und der Welt, so generiert jede nur erdenkliche Stufe des gemeinsamen Handelns mehr als die jeweilige Gruppierung ist. Bis hin zur gesamten Menschheit, die als Gruppe ebenfalls mehr als sie selbst ist. Dadurch bekommt alles einen höheren Sinn, es ist nicht mehr spürbar vom Menschen selbst gesteuert, und es scheint verständlich, wie bei unseren Vorfahren der Gedanke an Göttinnen, Gott und Götter entstehen konnte.

Religion war eine Lösung

So losgelöst von allem kann man das sehen und wird der Sache damit doch nicht gerecht. Es ist unstrittig, dass die verschiedenen Religionen einen Einfluss auf unsere Gesellschaft ausgeübt haben. Dieser findet sich im Stadtbild ebenso wieder, wie in der Gesetzgebung, sowie in diversen gesellschaftlichen Ereignissen und Feiertagen. Ein gottloser Mensch ist dadurch zum Teil von dem Glauben der Gesellschaft an Gott und seinen Regeln geprägt. Auch ich, in der DDR, denn die kulturelle Herkunft konnte das System nie gänzlich verschwinden lassen. In diesem Sinne kann ich die Atheisten nicht verstehen, die mit religiösem Eifer gegen, hauptsächlich, die christlichen Kirchen ankämpfen. „Das Christentum gehört zu Deutschland“, möchte man ihnen zurufen.

Die Grenzen dieser Toleranz gegenüber den Kirchen sind bei mir dann überschritten, wenn sie mit staatlichen Geldern ihrer Verantwortung nicht nachkommen oder wenn sie generell die Nächstenliebe nur privilegiert verteilen. Dieser fortwährende Widerspruch – er stört mich immens. Nur bin ich wohl auch nicht frei von Widersprüchen, denn was hält mich eigentlich davon ab, mein Leben in Saus Braus zu leben, am besten noch auf Kosten meiner Mitbürger? Ich habe doch sonst nichts, denn am Ende ist auch das mir und sonst niemandem etwas Wert.

Vielleicht nicht ganz. Ich habe ein soziales Umfeld, das sich zwar fortlaufend verändert, aber doch einen stabilen Kern hat, den ich nicht missen möchte. Auch Kinder, die zwar nicht meinem Genpool entsprungen sind, an deren Prägung ich jedoch mitwirke, geben Halt. Diese Aussagen sind klassisch und allen bekannt. Wir vergessen dabei, dass dies früher anders war. In Zeiten, in denen die Neugeboren mit hoher Rate starben, das Leben im Dreck geführt wurde und der noch nicht einmal zum Bürger gelangte Mensch nur einen Wert in seinem Dasein als Knecht besaß. Da war der Glaube an Gott eine effektive Möglichkeit, der Gesellschaft zu vermitteln, dass ein halbwegs geordnetes und sortiertes Leben für alle Sinn macht. Am Tegernsee lassen sich manchmal noch Relikte dieser Zeit nachempfinden und sei es nur in Bildern.

Es ist noch nicht lange her, da haben wir Menschen uns einen Raum geschaffen, der leer war. Ursprünglich gedacht zur Vernetzung von Universitäten und Forschungseinrichtungen, breitete sich dieser Raum zur allgemeinen Verfügbarkeit aus und entwickelte dabei eine ganz eigene Kultur. Ein Miteinander, das in Teilen andere Werte und Vorstellungen für die Personen schuf, die daran mitwirkten. Mit zunehmender Verbreitung des Internets stießen diese unterschiedlichen Denkweisen und Kulturen aufeinander. Die Netzkultur traf die jeweilige Landeskultur. Wir sehen die Auswirkungen dessen in Deutschland heute an Diskursen wie dem Leistungsschutzrecht, der Vorratsdatenspeicherung oder bei der Frage, ob es der „Institution Zeitung“ noch bedarf.

Das Internet zeigt uns durch seine Entwicklung, dass wir Werte und Ideologien brauchen um eine Gesellschaft zu Formen. Es braucht den Glauben, als Basis des Gemeinsamen. Wir bedürfen des Eindringlings von außen, damit die Gesellschaft politisch wird und für die Manifestation ihrer Werte eintritt. In dem Moment beginnen wir etwas zu schöpfen, das einen allgemeinen Rahmen für all jene bietet, die sich darin befinden, und mehr ist als wir selbst. Was wir nicht brauchen ist ein Gott.

Das Wost?

Nun bespreche ich dieses Thema in einem sehr speziellen Rahmen, der Perspektive Wost. Ich bin ohne Gott aufgewachsen und wurde mit ihm konfrontiert. Ich habe ihn abgelehnt und in einer anderen Form wiedergefunden ohne jedoch an ihn zu glauben, außer in einem rein menschlich konstruierten Sinne. Gott ist ein Mensch. Sie ist wir. Wir haben kein Bildnis, das wir von uns zeugen könnten. Vermutlich bin ich auch nicht der einzige Mensch, den das Thema Religion aus der Perspektive der Gottlosigkeit beschäftigt. Es gibt, das gilt insbesondere für diesen Text, kein wirkliches Fazit. Es ist ein nie enden wollender Prozess  mit neuen Ideen, Erkenntnissen und vor allem Ängsten, die das alles durcheinander mischen. Nach all dem und vor allem was noch sein wird, steht die Neugier. Nur im Osten gelebt zu haben, heißt auch, dass man mit dem westlich kirchlichem Einfluss konfrontiert wurde. Während Menschen die nur dem westlichen Einfluss unterlagen, sich heute vermehrt von der Kirche abwenden, was jedoch keinerlei Aussage über ihr Verhältnis zum Glauben an sich trifft. Einen kleinen Einblick geben vielleicht die Kommentare.

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14 Lesermeinungen

  1. Ashes to ashes, dust to dust
    Nach meiner Sicht ist es ist ganz gut moeglich Gottlos durch ds Leben zu gehen, Meister Herack — ohne die Geshchichte, Werke unserer Gesellschaft, den Einfluss an Kultur, und den Effekt an menshcliche Weltanschauung, zu vergessen, oder zu ignoriren.
    Das ist die Realitet des Lebens — ob es ein gesegnetes ist, oder ein traumatisirtes. Es mag wohl durch Zufall, oder Schicksal, gepraegt sein — und wir muessen alle damit klar kommen; ob es uns zusagt oder nicht.
    Letzt endlich ist das Leben vorbei, und da mag wohl nur noch der Schmerz des Sterbens bleiben und die Frage was wohl der Zweck der Sache war? War es Prokreation der Spezien der Art? Oder war alles nur Zufall? Schicksal? Kismet? Oder gibt es ueberhaupt keine Antwort?
    Dann bleibt nur noch: “Ashes to ashes. Dust to dust” …. und auch fuer Gottlose Pilger: Pax vobiscum.

    • ja
      ich bin mir ja durchaus bewusst, dass der text stellenweise arrogant geschrieben ist. allerdings wähle ich demnächst auch keinen vertreter gottes auf erden. das mag man mir vielleicht zu gute halten.
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      mE prägte halt auch der glaube an gott sehr stark die geschichte und kultur. er ist deswegen für mich nicht zu ignorieren. zumindest dann nicht, wenn ich vesuchen möchte zu verstehen was die menschen dazu trieb. (trieb im kontext des glaubens) das widerspricht sich aber nicht mit ihrer aussage. man _kann_ das.

  2. Und gerade Politologen und Weltstrategen sollten das A.T. lesen
    damit sie eine Chance haben, die Amis zu verstehen.
    Und den Koran.
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    Aber auch die übrigen Werber und Wasmitmedien sollten ruhig mal ab und zu im Landesmuseum vorbeischauen. Sich die alten Altäre angucken, dann auf Wikipedia nach den dazu gehörigen Heiligenlegenden erkundigen. Wer einmal etwas Zeit investiert hat, wird es bald viel spannender finden als den öden Thriller oder Action-Film, den er sich stattdessen im Kino angesehen hätte.
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    Hinter jedem Bild und jedem GEgenstand verbirgt sich eine lange Geschichte, welche herauszufinden im INternetzeitalter viel einfacher geworden ist.
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    Zu jeder Bibelstelle kann man heute in X Sprachen INterpretationen abrufen. So kann man sich heute auch als nicht-beschränkter Laie am Wochenende durch die Jahrhunderte “navigieren” wie es früher (vor 30 Jahren) nur wenigen Gelehrten möglich war.
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    Und natürlich nicht vom Vorurteil ausgehen, dass Religion und Christentum immer nur “das Gute” darstellen konnten oder sollten. Die Götter und Heiligen waren nicht allesamt Gutgötter und Gutheilige. Das macht die Geschichte ja so spannend.

  3. Wir leben in der Postkultur
    Kurz gesagt: Wir leben in der Postkultur. In der Wüste. Unsre Welt ist wüst und leer. Keine Musik, keine Malerei, kein Theater, keine Architektur. Überall nur Parkplätze, Unterhaltungselektronik und Verpackungsmüll.
    Keine Dramen, keine Geschichten, keine Mythen mehr. Nur noch TV-Serien über spießige Vampire und Fußball Champions Leage.
    .
    Und da sage einer, das hätte nichts mit der Entchristlichung zu tun.

  4. Was diese Atheisten immer mit dem Jenseits haben
    Fest steht jedenfalls, dass Atheisten im Diesseits kulturell nix leisten.
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    Im Mittelalter haben die Menschen mit primitiven Mitteln vor 700 Jahren gotische Kathedralen in ihre Städte gebaut, in denen seit dem nichts mehr von Belang passiert. Kulturell gesehen.
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    Uns allen klingt noch das Geschrei im Ohr weil der Papst ein paar Ablassbriefe verkauft hat. Jaja, das hatte schon ein Gerüchle. Aber sehen Sie mal, es war wenigstens für einen guten Zweck: Es ging darum in Rom den Petersdom zu bauen! Und er hat ihn gebaut und der sieht doch gut aus.
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    Und was produzieren unsere rationalen Atheistenprotestanten heutzutage? Ruinen wie S21 oder den Berliner Flughafen.
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    Keine Frage: Das Abendland braucht die Rekatholisierung wie die Luft zum Atmen.

  5. Das Wunder der heiligen Hedwig
    Die Rekatholisierung Brandenburgs ist nur noch eine Frage der Zeit.

  6. Wir brauchen keine Moralprediger und Ideologen !
    ZITAT: “Das Internet zeigt uns durch seine Entwicklung, dass wir Werte und Ideologien brauchen um eine Gesellschaft zu Formen”

    Wer ist denn mit “WIR” gemeint ? Ich fühle mich jedenfalls nicht angesprochen.
    Denn ich will ganz sicher nicht dass wieder irgendwelche Leute bzgl. Internet meinen sie wüssten ganz genau was gut oder schlecht ist. Hatten wir alles schon mal.
    Wir sind in Deutschland und durch das Internet inzwischen eine sehr
    pluralistische und zum Glück keine sozialistische Gesellschaft mehr.

    Als junger, nicht gläubiger Mensch bin ich doch ziemlich überrascht dass jemand in ihrem Alter sich noch zwanghaft an irgendwelchen Ideologien und Glauben festhalten muss um im Leben klar zu kommen. Und das dann nicht mal wirklich überzeugt, sondern mehr als Mittel zum Zweck.
    Es kommt so rüber als wollen sie sich bewusst selbst belügen um sich irgendeinen Sinn im Leben herbei zu konstruieren.

    Ich für meinen Teil sehe das eher ganz realistisch. Wir sind nur ein kleines unbedeutendes Staubkorn im Universum unter Milliarden anderen. Nicht der biblische Gott hat uns erschaffen sondern Entropie. Im Prinzip ist daher vieles was wir als einzelner Mensch auf unserem kleinen Planeten im Leben tagtäglich als ganz ganz wichtig betrachten in Wahrheit völlig irrelevant. Den einzigen Sinn den ich für uns Menschen im größeren Maßstab für die Zukunft sehe sind wissenschaftliche Erkenntnisse, die Erforschung des Weltraums und der zahlreichen (vermutlich teilweise bewohnten) Exo-Planeten.

    Alles ist vergänglich. Wir werden alle irgendwann zu Staub. Wer das als Mensch psychisch nicht erträgt, kann sich entweder Ray Kurzweil anschließen oder in die Kirche gehen und hoffen dass es doch etwas wie einen “Himmel” gibt.
    Wobei das mit Ray Kurzweil wohl noch realistischer ist. Wer weiß, vielleicht wird dadurch ja auch mal der Kreislauf der Generationen etwas unterbrochen und wir müssten nicht immer wieder erleben dass jede Generation wieder die gleichen Fehler begeht wie die vorherigen.

    • das ist mir zu einfach
      ja, wir (menschen) können uns als staubkörner ansehen. oder vielleicht auch als bakterien die irgendein organ irgend eines wesen recht erfolgreich mit giftstoffen vollpumpen. oder als roboter, die im sinne von civilization irgend jemandem freude bereiten und “nur noch einen click”-nächte bescheren.
      .
      und dennoch ist es so, dass wir (menschen) gesellschaften ausbilden und mit anderen zusammen leben (müssen) und dafür regeln brauchen und diese sich auch immer ausbilden. die stärkste und wirkungsmächtigste ideologie verbreitet sich dann, wenn eben kein rahmensetzendes regelwerk vorhanden ist.
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      und das war im hintergrund mitschwebende gedanke, denn das internet als gerade entstandener raum der bisher über keine regeln mit größerer wirkungsmacht verfügte, dient hier als beweis meiner konstruktionsthese.
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      ich denke über dinge eigentlich nach um sie zu verstehen. das bedeutet bereits, dass ich es nicht besser weiß. im zweifelfall kann ich nur abschätzen was besser ist, wenn die optionen beschränkt sind.
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      “Wir sind nur ein kleines unbedeutendes Staubkorn im Universum unter Milliarden anderen.”
      … interessant. ihr leben hat also einen höheren sinn, denn sie sind ein teil von etwas großem.

    • Titel eingeben
      Danke für die Antwort.
      Allerdings habe ich etwas Probleme ihre Argumentation nachzuvollziehen.
      Dass Gesellschaften gewisse Grundregeln benötigen um ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen stimme ich zu. Nur sollte man mit Regeln meiner Ansicht nach möglichst sparsam umgehen, damit individuelle Freiheiten nicht den subjektiv moralischen Vorstellungen anderer unterworfen werden.
      Bezogen auf das Internet ist ihre Aussage dass es keine Regeln mit größerer Wirkungskraft gäbe aber schlicht falsch. Ich arbeite als Netzwerk Admin und weiß daher dass es etliche Regeln, Standards, Protokolle, Vergabestellen, Automatismen usw. für das Internet gibt. Ansonsten würde es gar nicht funktionieren. Vielleicht aber nicht unbedingt die Regeln die sie sich vorstellen. Zudem ist das Internet keine Ideologie sondern lediglich Infrastruktur.
      Wenn man mal als Vergleich die Infrastruktur von Wasserrohrleitungen nimmt, so gibt es da auch keine spezifischen Regeln was jeder Verbraucher mit dem Wasser anstellen darf und was nicht.

      Zu der Aussage dass wir ein Teil von etwas Großem sind:
      Kann sein dass unsere Existenz einen höheren Sinn/Zweck hat, muss aber nicht.
      Und selbst wenn es so wäre, dann wissen wir noch lange nicht worin dieser Sinn genau besteht. Wir werden es wohl auch nie erfahren.
      Daher muss wohl jeder das individuell Beste aus seiner Existenz machen.

    • naja
      ich kann der argumentation zwar folgen, aber ich möchte gerade das nicht für eine gesellschaft sehen. ich will mich nicht der technik und ihrer begrenzung unterworfen sehen. mir ist natürlich klar, dass ich mich innnerhalb eines von technik geschaffenen raumes den rahmenbedigungen unterworfen sehe. nur sollten die nicht meine sozialen beziehungen definieren. dagegen wehre ich mich ganz klar und entschieden. und genau das kann man ja auch verändern. ebenso wie die wirtschaft dem menschen dienen soll (was sie nicht immer tut und dagegen gilt es sich auch zu wehren). von daher kann ich dann doch nicht mitgehen. denn wie geschrieben ist das internet an sich für mich erstmal ein leerer raum und gefüllt wird er vom menschen.

  7. Themensurfing?
    Ich gehöre zu denen die in der DDR mit einem Gottesglauben aufgezogen wurden und ich bin mir nicht sicher, was Ihr Artikel sagen will. Sie beschreiben im Wesentlichen, dass sich Ihrer Meinung nach aus einer beliebigen menschlichen Gesellschaft heraus permanent ein Wertekanon entwickelt, der mit ein bißchen Zeit mit den konstituierenden Urkunden der Weltreligionen vergleichbar sein würde aber nicht notwendigerweise einen Gottesbegriff ausgeformt hätte.

    … oder eben doch nicht vergleichbar, weil er ständig wieder umgeschmissen wird, was schade ist, weil man sich ja an nichts mehr festhalten kann, was eigentlich ganz gut ist, weil diese überkommenen Lebensformen ja mit Bildung nicht vereinbar sind, was komisch ist, weil sich ein Gebildeter auch manchmal verloren vorkommen kann, …

    Das klingt sehr unentschlossen.

    Ich versuche es mal so zu sagen: Wenn Sie ein Iphone oder ein Samsung Galaxy fertig kaufen können, dann löten Sie lieber selber ein Telefon zusammen, weil Ihnen das Bedienkonzept nicht gefällt, Sie auf dem Gerät schon mal rumgewischt haben, aber nichts so funktioniert hat, wie Sie es erwartet haben und Sie Apps kennen, die Sie für Schrott halten?

    Oder noch mal anders: Wenn Sie Mathe begreifen wollen, vertrauen Sie bei einer Annäherung an dieses Thema auf einen Leitfaden zur Bedienung von Registrierkassen?

    Die Bemerkung “Auch wenn ich weiß, dass es ein wenig wie das Lamento des Intelligenten ist, der gerne dumm wäre, da das Leben im weniger privilegierten Geisteszustand viel einfacher scheint. ” empfinde ich als anmaßend. Auch Gläubige ringen mit ihrem Glauben und denken über Sachverhalte kritisch nach. Der einzige Unterschied ist, sie können zur Reflexion auf eine feste Sammlung von Erzählungen zurückgreifen und vertrauen darauf, dass, wenn sie den Geist dieser Erzählung in seiner Gesamtheit erfassen und sie ihn dann wieder zurückprojizieren auf ihr Leben, das Ergebnis nicht das schlechteste sein wird.

    • sinn der beispiele?
      ich verstehe ihre ausführungen nicht. nicht entschlossen zu sein ist kein manko, denn es bedeutet auch korrekturfähig zu sein. nicht entschlossen zu sein bei dingen an die man glauben muss, kann ja nur heißen sich des nicht-wissens bewusst zu sein.
      und natürlich bin ich vermessen. denn einen standpunkt habe ich ja dann doch, bei all dem nicht wissen und der stört sie.. denn ich zweifel eben an der sinnhaftigkeit des glaubens, weil ich es nicht wissen kann.
      also versuche ich es rauszufinden. so wie manche leute ihr smartphone auseinander schrauben und versuchen zu verstehen was der hersteller da zusammengebaut hat.

    • Tansition als Mittel der Verbesserung der Anschauung
      Ich bin Ihrer Meinung, was das zwingende Ausbilden eines Wertekanons aus einer menschlichen Gesellschaft heraus angeht. Die Frage, ob dieser Wertekanon auf einen übergeordneten Urgrund (nichts anderes ist der Gottesbegriff) hinweist, lässt sich davon trennen.

      Die Gesellschaft mag sich oberflächlich in den letzten hundert Jahre stark verändert haben. Die Mechanismen und gruppendynamischen Prozesse sind aber älter, als sich der “moderne Mensch” gemeinhin einbildet. (Siehe dazu die Twittererfahrung Ihrer Kollegin) Deshalb stellt sich für jemanden, der sich für den Wertekanon der aktuellen Gesellschaft interessiert, die Frage, ob die bereits existierenden Wertekanons nicht schon tiefe Aufschlüsse über bestimmte Fragen geben kann.

      Das zu meinem Bild mit dem Handies: Es gibt bereits ausgeformte Strukturen, in deren Entwicklung sich die gleichen Fragen stellten, die Sie jetzt auch haben. Da scheint mir der Heimbastelsatz als erste Alternative nicht die beste zu sein.

      Ihre Erfahrungen bzgl. Religion beschränken sich – zumindest nach den Informationen, die Sie zur Verfügung gestellt haben – auf eine Kinderbibel (Noah, Jonah, Mose, Bergpredigt?), einer nicht näher erläuterten Erfahrung mit katholischem Schulreligionsunterricht und dem evangelischen Schulreligionsunterricht. Jetzt kommen wir zum zweiten Bild, Mathematik und Registrierkassen. Ich formuliere es mal anders: Wenn Sie sich einem komplexen Thema wie einer Glaubenslehre nähern, die auf einer konstituierenden Urkunde – in unserem Falle die Bibel – beruht, dann sollte man auf die Primärquelle und eine ordentliche Anleitung (oder gute Sekundärliteratur) zurückgreifen, ansonsten ist das Ergebnis lächerlich. In Ihrem Fall ist es etwa so, wie über Marxismus/Leninismus zu urteilen, nachdem man ein paar Pioniernachmittage besucht hat.

      Was Ihre Unentschlossenheit angeht, so ist sie Ihre Sache. Vermutlich ist das ein Generationenunterschied, den man zur Kenntnis nehmen kann, aber der sich emotional nicht erschließen lässt. Sie hatten in der Frauenunterdrückungsdebatte die US-Amerikanische Arbeitsteilung in einem Haushalt ins Spiel gebracht. Auch in Punkte Problemlösungsstrategie liefern die US-Amerikaner ein alternatives Modell: Während in Deutschland immer Pläne von vorne bis hinten gemacht und aufwändig abgestimmt werden und nichts passiert, bevor man nicht damit durch ist, legt man in den USA nach Sichtung der Sachlage sehr schnell los und korrigiert, wenn sich die Notwendigkeit dazu ergibt. Man muss also seine Korrekturfähigkeit nicht aufgeben, wenn man Entschlusskraft entwickelt.

    • oje
      die grundlage dieses textes war es nicht den glauben auseinanderzupflücken und für absurd zu befinden, sondern genau das gegenteil zu tun: denn ich habe aus der perspektive des ungläubigen hergeleitet, dass ich diesen gott nicht los werde und ihn also bedenken muss, wenn ich mir eine gesellschaft anschaue. dass er eine gesellschaftliche relevanz hat. was ich ebenfalls getan habe ist, zu definieren, dass dieser gott eine reine frage des glaubens ist und dass ich diesen glauben konstruieren kann. ich habe, und das ist vermessen, erklärt woher er kommt .. und zwar woher er kommt, wenn man ihn aus der perspektive des ungläubigen betrachtet. damit habe ich ihn legitimiert. dafür brauche ich nicht die tiefe der bibel sondern die tiefe meines eigenen weltbildes und meines wissens über die welt. was sie nun fordern ist eher der zweite schritt. wir sind uns aber durchaus einig darin, dass die funktionsweisen des menschen nur einer sehr langsamen veränderung unterliegen. vieles ist noch so, wie anno dazumal. daher auch mein skeptischer blick auf den gebrauch des neuen. das damalige in schneller aber nicht sehr stark verändert.

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