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Gottlos mit Gott leben

27.02.2013, 10:05 Uhr  ·  Ein Leben ohne Gott und Glauben scheint erst dann möglich, wenn Gott und Glaube in einem neuen Kontext, als menschliches Handeln, wiederentdeckt werden.

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Nachdem sich Katrin in der letzten Woche mit einem, nicht hauptsächlich für die Wost-Interessierten sehr bewegenden Thema, beschäftigte, widme ich mich diese Woche einer weniger aufregenden Angelegenheit: der Religion.

Wie in der DDR oftmals üblich, wurde ich nicht religiös erzogen und meine Eltern sind in keiner Weise gläubig. Ich sollte nicht verschweigen, dass die Gläubigen in der DDR nicht sonderlich gut behandelt wurden. Sie hatten es an allen Ecken und Enden schwerer und ihre Kinder konnten nur in seltenen Fällen studieren. Durch diese Diskriminierung, so könnte man vermuten, wirkten die Anreizsysteme des Systems, in Bezug auf die Kirche, abschreckend. Doch zumindest in unserem Haushalt war es so, dass die fehlende Religion kein Zwang sondern Überzeugung war.

Mir wurde nie verheimlicht, dass manche Menschen an Gott glauben. Meine Mutter legte nach unserem Umzug in den Westen gar wert darauft, dass ich die Kinderbibel lese. Die Kinderbibel, sie war ein Informationsangebot, das ich angenommen habe. Hinzu kam die Schule, in der ich den evangelischen Religionsunterricht besuchte. Zwischendurch versuchte ich es mit Ethik, doch fehlte nach 2-3 Unterrichtsstunden der Lehrer hierfür, ich blieb dann beim evangelischen Religionsunterricht. Ein kurzzeitiger Versuch mit den Katholiken –  er brachte nichts Gutes.

Denke ich an meinen Religionsunterricht zurück, dann erinnere ich mich nur noch an eine Sache. In der achten Klasse erklärte uns eine hochschwangere Religionslehrerin was Verhütung ist und wie wir diese am besten vollziehen. Wir waren, zumindest darüber, längst aufgeklärt und hatten daher ausreichend Gehirnkapazitäten frei um uns damit zu beschäftigen, wie absurd die Situation ist. Das war auch der Moment, in dem ich mich endgültig von Gott verabschiedet habe.

Gottlos leben: Gott anders denken

Ich bin jetzt 32 Jahre alt und bereue diese Entscheidung immer wieder. Zeitweise. Auch wenn ich weiß, dass es ein wenig wie das Lamento des Intelligenten ist, der gerne dumm wäre, da das Leben im weniger privilegierten Geisteszustand viel einfacher scheint. Doch die Reue überkommt mich und sie ist doch nur Selbstreflexion. Denn das Leben ohne Gott, es ist ein haltloses.

Zu Beginn meiner zwanziger Jahre wachte ich des Nachts plötzlich zitternd und schweißgebadet auf. Ich hatte panische Angst und war vollkommen verwirrt. Das war der Moment, in dem mir bewusst wurde, dass meine im Alter von 14 Jahren getroffene Entscheidung, nicht an Gott zu glauben, bedeutet, vergänglich zu sein. Ich wurde geboren, ich lebe jetzt, ich werde sterben und dann ist der Zeitraum meines Lebens bedeutungslos. Ich bin kein Thomas Mann. Und selbst wenn ich einer wäre, hätte ich wohl nur so lange eine Bedeutung, wie auch die Menschheit selbst existiert. So Gott will?

Solch eine gedankliche Krise zu bewältigen ist kein Leichtes. Bedeutet es doch, einen Sinn im Leben zu finden, der über das eigene Ich hinausgeht. Also wieder etwas nicht Greifbares, das der Mensch in seiner Neigung als göttlich interpretieren wöllte. Doch ich glaube der Mensch selbst gibt hierzu auch die Antwort, denn wir schaffen allein schon durch unser Sein ein Handeln und dieses erzeugt eine Entität über dem ich.

Damit ist gemeint, dass wir geboren werden und uns zumindest im Interaktionsraum der Natur befinden. Im Regelfall befinden wir uns nicht nur darin, sondern auch in einer Familie, die uns hegt und pflegt. Nicht immer gut, das mag wohl sein. Waisenkinder  befinden sich ebenfalls in solch einem Verhältnis den nicht leiblichen Erziehungsberechtigten gegenüber. Es gibt kein entrinnen. Das geborene Menschenwesen steht dadurch im steten Abgleich mit der Umgebung und muss sich einpassen. Das Einpassen, es verändert uns. Es prägt zum einen den Menschen und zum anderen zwingt es ihm Kompromisse auf. Der Kompromiss führt zu einem gemeinsamen Handeln der Gruppe und das ist mehr und auch anders, als der Einzelne selbst.

Wird dieser Gedanke fortgeführt, also die Familie im Abgleich mit ihren Nachbarn, dem Dorf, der Stadt, dem Kreis, dem Bundesland, dem Staat und der Welt, so generiert jede nur erdenkliche Stufe des gemeinsamen Handelns mehr als die jeweilige Gruppierung ist. Bis hin zur gesamten Menschheit, die als Gruppe ebenfalls mehr als sie selbst ist. Dadurch bekommt alles einen höheren Sinn, es ist nicht mehr spürbar vom Menschen selbst gesteuert, und es scheint verständlich, wie bei unseren Vorfahren der Gedanke an Göttinnen, Gott und Götter entstehen konnte.

Religion war eine Lösung

So losgelöst von allem kann man das sehen und wird der Sache damit doch nicht gerecht. Es ist unstrittig, dass die verschiedenen Religionen einen Einfluss auf unsere Gesellschaft ausgeübt haben. Dieser findet sich im Stadtbild ebenso wieder, wie in der Gesetzgebung, sowie in diversen gesellschaftlichen Ereignissen und Feiertagen. Ein gottloser Mensch ist dadurch zum Teil von dem Glauben der Gesellschaft an Gott und seinen Regeln geprägt. Auch ich, in der DDR, denn die kulturelle Herkunft konnte das System nie gänzlich verschwinden lassen. In diesem Sinne kann ich die Atheisten nicht verstehen, die mit religiösem Eifer gegen, hauptsächlich, die christlichen Kirchen ankämpfen. „Das Christentum gehört zu Deutschland“, möchte man ihnen zurufen.

Die Grenzen dieser Toleranz gegenüber den Kirchen sind bei mir dann überschritten, wenn sie mit staatlichen Geldern ihrer Verantwortung nicht nachkommen oder wenn sie generell die Nächstenliebe nur privilegiert verteilen. Dieser fortwährende Widerspruch – er stört mich immens. Nur bin ich wohl auch nicht frei von Widersprüchen, denn was hält mich eigentlich davon ab, mein Leben in Saus Braus zu leben, am besten noch auf Kosten meiner Mitbürger? Ich habe doch sonst nichts, denn am Ende ist auch das mir und sonst niemandem etwas Wert.

Vielleicht nicht ganz. Ich habe ein soziales Umfeld, das sich zwar fortlaufend verändert, aber doch einen stabilen Kern hat, den ich nicht missen möchte. Auch Kinder, die zwar nicht meinem Genpool entsprungen sind, an deren Prägung ich jedoch mitwirke, geben Halt. Diese Aussagen sind klassisch und allen bekannt. Wir vergessen dabei, dass dies früher anders war. In Zeiten, in denen die Neugeboren mit hoher Rate starben, das Leben im Dreck geführt wurde und der noch nicht einmal zum Bürger gelangte Mensch nur einen Wert in seinem Dasein als Knecht besaß. Da war der Glaube an Gott eine effektive Möglichkeit, der Gesellschaft zu vermitteln, dass ein halbwegs geordnetes und sortiertes Leben für alle Sinn macht. Am Tegernsee lassen sich manchmal noch Relikte dieser Zeit nachempfinden und sei es nur in Bildern.

Es ist noch nicht lange her, da haben wir Menschen uns einen Raum geschaffen, der leer war. Ursprünglich gedacht zur Vernetzung von Universitäten und Forschungseinrichtungen, breitete sich dieser Raum zur allgemeinen Verfügbarkeit aus und entwickelte dabei eine ganz eigene Kultur. Ein Miteinander, das in Teilen andere Werte und Vorstellungen für die Personen schuf, die daran mitwirkten. Mit zunehmender Verbreitung des Internets stießen diese unterschiedlichen Denkweisen und Kulturen aufeinander. Die Netzkultur traf die jeweilige Landeskultur. Wir sehen die Auswirkungen dessen in Deutschland heute an Diskursen wie dem Leistungsschutzrecht, der Vorratsdatenspeicherung oder bei der Frage, ob es der „Institution Zeitung“ noch bedarf.

Das Internet zeigt uns durch seine Entwicklung, dass wir Werte und Ideologien brauchen um eine Gesellschaft zu Formen. Es braucht den Glauben, als Basis des Gemeinsamen. Wir bedürfen des Eindringlings von außen, damit die Gesellschaft politisch wird und für die Manifestation ihrer Werte eintritt. In dem Moment beginnen wir etwas zu schöpfen, das einen allgemeinen Rahmen für all jene bietet, die sich darin befinden, und mehr ist als wir selbst. Was wir nicht brauchen ist ein Gott.

Das Wost?

Nun bespreche ich dieses Thema in einem sehr speziellen Rahmen, der Perspektive Wost. Ich bin ohne Gott aufgewachsen und wurde mit ihm konfrontiert. Ich habe ihn abgelehnt und in einer anderen Form wiedergefunden ohne jedoch an ihn zu glauben, außer in einem rein menschlich konstruierten Sinne. Gott ist ein Mensch. Sie ist wir. Wir haben kein Bildnis, das wir von uns zeugen könnten. Vermutlich bin ich auch nicht der einzige Mensch, den das Thema Religion aus der Perspektive der Gottlosigkeit beschäftigt. Es gibt, das gilt insbesondere für diesen Text, kein wirkliches Fazit. Es ist ein nie enden wollender Prozess  mit neuen Ideen, Erkenntnissen und vor allem Ängsten, die das alles durcheinander mischen. Nach all dem und vor allem was noch sein wird, steht die Neugier. Nur im Osten gelebt zu haben, heißt auch, dass man mit dem westlich kirchlichem Einfluss konfrontiert wurde. Während Menschen die nur dem westlichen Einfluss unterlagen, sich heute vermehrt von der Kirche abwenden, was jedoch keinerlei Aussage über ihr Verhältnis zum Glauben an sich trifft. Einen kleinen Einblick geben vielleicht die Kommentare.

 

Veröffentlicht unter: ddr, wostkinder, religion, marco herack, gott

 

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (14)
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3 Egon Weissmann 04.03.2013, 01:16 Uhr

Ashes to ashes, dust to dust

Nach meiner Sicht ist es ist ganz gut moeglich Gottlos durch ds Leben zu gehen, Meister Herack -- ohne die Geshchichte, Werke unserer Gesellschaft, den Einfluss an Kultur, und den Effekt an menshcliche Weltanschauung, zu vergessen, oder zu ignoriren.
Das ist die Realitet des Lebens -- ob es ein gesegnetes ist, oder ein traumatisirtes. Es mag wohl durch Zufall, oder Schicksal, gepraegt sein -- und wir muessen alle damit klar kommen; ob es uns zusagt oder nicht.
Letzt endlich ist das Leben vorbei, und da mag wohl nur noch der Schmerz des Sterbens bleiben und die Frage was wohl der Zweck der Sache war? War es Prokreation der Spezien der Art? Oder war alles nur Zufall? Schicksal? Kismet? Oder gibt es ueberhaupt keine Antwort?
Dann bleibt nur noch: "Ashes to ashes. Dust to dust" .... und auch fuer Gottlose Pilger: Pax vobiscum.

Antworten (1) auf diese Lesermeinung

2 Hans Meier 03.03.2013, 08:47 Uhr

Und gerade Politologen und Weltstrategen sollten das A.T. lesen

damit sie eine Chance haben, die Amis zu verstehen.
Und den Koran.
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Aber auch die übrigen Werber und Wasmitmedien sollten ruhig mal ab und zu im Landesmuseum vorbeischauen. Sich die alten Altäre angucken, dann auf Wikipedia nach den dazu gehörigen Heiligenlegenden erkundigen. Wer einmal etwas Zeit investiert hat, wird es bald viel spannender finden als den öden Thriller oder Action-Film, den er sich stattdessen im Kino angesehen hätte.
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Hinter jedem Bild und jedem GEgenstand verbirgt sich eine lange Geschichte, welche herauszufinden im INternetzeitalter viel einfacher geworden ist.
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Zu jeder Bibelstelle kann man heute in X Sprachen INterpretationen abrufen. So kann man sich heute auch als nicht-beschränkter Laie am Wochenende durch die Jahrhunderte "navigieren" wie es früher (vor 30 Jahren) nur wenigen Gelehrten möglich war.
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Und natürlich nicht vom Vorurteil ausgehen, dass Religion und Christentum immer nur "das Gute" darstellen konnten oder sollten. Die Götter und Heiligen waren nicht allesamt Gutgötter und Gutheilige. Das macht die Geschichte ja so spannend.

3 Hans Meier 03.03.2013, 08:13 Uhr

Wir leben in der Postkultur

Kurz gesagt: Wir leben in der Postkultur. In der Wüste. Unsre Welt ist wüst und leer. Keine Musik, keine Malerei, kein Theater, keine Architektur. Überall nur Parkplätze, Unterhaltungselektronik und Verpackungsmüll.
Keine Dramen, keine Geschichten, keine Mythen mehr. Nur noch TV-Serien über spießige Vampire und Fußball Champions Leage.
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Und da sage einer, das hätte nichts mit der Entchristlichung zu tun.

4 Hans Meier 03.03.2013, 08:02 Uhr

Was diese Atheisten immer mit dem Jenseits haben

Fest steht jedenfalls, dass Atheisten im Diesseits kulturell nix leisten.
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Im Mittelalter haben die Menschen mit primitiven Mitteln vor 700 Jahren gotische Kathedralen in ihre Städte gebaut, in denen seit dem nichts mehr von Belang passiert. Kulturell gesehen.
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Uns allen klingt noch das Geschrei im Ohr weil der Papst ein paar Ablassbriefe verkauft hat. Jaja, das hatte schon ein Gerüchle. Aber sehen Sie mal, es war wenigstens für einen guten Zweck: Es ging darum in Rom den Petersdom zu bauen! Und er hat ihn gebaut und der sieht doch gut aus.
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Und was produzieren unsere rationalen Atheistenprotestanten heutzutage? Ruinen wie S21 oder den Berliner Flughafen.
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Keine Frage: Das Abendland braucht die Rekatholisierung wie die Luft zum Atmen.

2 Hans Meier 03.03.2013, 07:51 Uhr

Das Wunder der heiligen Hedwig

Die Rekatholisierung Brandenburgs ist nur noch eine Frage der Zeit.

2 Florian Guthoff 27.02.2013, 20:54 Uhr

Wir brauchen keine Moralprediger und Ideologen !

ZITAT: "Das Internet zeigt uns durch seine Entwicklung, dass wir Werte und Ideologien brauchen um eine Gesellschaft zu Formen"

Wer ist denn mit "WIR" gemeint ? Ich fühle mich jedenfalls nicht angesprochen.
Denn ich will ganz sicher nicht dass wieder irgendwelche Leute bzgl. Internet meinen sie wüssten ganz genau was gut oder schlecht ist. Hatten wir alles schon mal.
Wir sind in Deutschland und durch das Internet inzwischen eine sehr
pluralistische und zum Glück keine sozialistische Gesellschaft mehr.

Als junger, nicht gläubiger Mensch bin ich doch ziemlich überrascht dass jemand in ihrem Alter sich noch zwanghaft an irgendwelchen Ideologien und Glauben festhalten muss um im Leben klar zu kommen. Und das dann nicht mal wirklich überzeugt, sondern mehr als Mittel zum Zweck.
Es kommt so rüber als wollen sie sich bewusst selbst belügen um sich irgendeinen Sinn im Leben herbei zu konstruieren.

Ich für meinen Teil sehe das eher ganz realistisch. Wir sind nur ein kleines unbedeutendes Staubkorn im Universum unter Milliarden anderen. Nicht der biblische Gott hat uns erschaffen sondern Entropie. Im Prinzip ist daher vieles was wir als einzelner Mensch auf unserem kleinen Planeten im Leben tagtäglich als ganz ganz wichtig betrachten in Wahrheit völlig irrelevant. Den einzigen Sinn den ich für uns Menschen im größeren Maßstab für die Zukunft sehe sind wissenschaftliche Erkenntnisse, die Erforschung des Weltraums und der zahlreichen (vermutlich teilweise bewohnten) Exo-Planeten.

Alles ist vergänglich. Wir werden alle irgendwann zu Staub. Wer das als Mensch psychisch nicht erträgt, kann sich entweder Ray Kurzweil anschließen oder in die Kirche gehen und hoffen dass es doch etwas wie einen "Himmel" gibt.
Wobei das mit Ray Kurzweil wohl noch realistischer ist. Wer weiß, vielleicht wird dadurch ja auch mal der Kreislauf der Generationen etwas unterbrochen und wir müssten nicht immer wieder erleben dass jede Generation wieder die gleichen Fehler begeht wie die vorherigen.

Antworten (3) auf diese Lesermeinung

10 Günther Werlau 27.02.2013, 15:30 Uhr

Themensurfing?

Ich gehöre zu denen die in der DDR mit einem Gottesglauben aufgezogen wurden und ich bin mir nicht sicher, was Ihr Artikel sagen will. Sie beschreiben im Wesentlichen, dass sich Ihrer Meinung nach aus einer beliebigen menschlichen Gesellschaft heraus permanent ein Wertekanon entwickelt, der mit ein bißchen Zeit mit den konstituierenden Urkunden der Weltreligionen vergleichbar sein würde aber nicht notwendigerweise einen Gottesbegriff ausgeformt hätte.

... oder eben doch nicht vergleichbar, weil er ständig wieder umgeschmissen wird, was schade ist, weil man sich ja an nichts mehr festhalten kann, was eigentlich ganz gut ist, weil diese überkommenen Lebensformen ja mit Bildung nicht vereinbar sind, was komisch ist, weil sich ein Gebildeter auch manchmal verloren vorkommen kann, ...

Das klingt sehr unentschlossen.

Ich versuche es mal so zu sagen: Wenn Sie ein Iphone oder ein Samsung Galaxy fertig kaufen können, dann löten Sie lieber selber ein Telefon zusammen, weil Ihnen das Bedienkonzept nicht gefällt, Sie auf dem Gerät schon mal rumgewischt haben, aber nichts so funktioniert hat, wie Sie es erwartet haben und Sie Apps kennen, die Sie für Schrott halten?

Oder noch mal anders: Wenn Sie Mathe begreifen wollen, vertrauen Sie bei einer Annäherung an dieses Thema auf einen Leitfaden zur Bedienung von Registrierkassen?

Die Bemerkung "Auch wenn ich weiß, dass es ein wenig wie das Lamento des Intelligenten ist, der gerne dumm wäre, da das Leben im weniger privilegierten Geisteszustand viel einfacher scheint. " empfinde ich als anmaßend. Auch Gläubige ringen mit ihrem Glauben und denken über Sachverhalte kritisch nach. Der einzige Unterschied ist, sie können zur Reflexion auf eine feste Sammlung von Erzählungen zurückgreifen und vertrauen darauf, dass, wenn sie den Geist dieser Erzählung in seiner Gesamtheit erfassen und sie ihn dann wieder zurückprojizieren auf ihr Leben, das Ergebnis nicht das schlechteste sein wird.

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