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Emanzipation durch Krippe?

21.03.2013, 15:12 Uhr  ·  Als Wostkind habe ich immer geglaubt: Früh Kinder bekommen ist prima! Doch als Wostkind kann ich auch nur warnen: Bei der Kinderbetreuung ist "Masse statt Klasse" sicher eine ganz schlechte Idee.

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Für die meisten Menschen, die ich kenne, ist es außergewöhnlich, schon mit Anfang Zwanzig Kinder zu bekommen. Und nicht wenige Menschen verspüren Hemmungen, ihre Kinder bereits vor dem ersten Geburtstag in eine „Fremdbetreuung“, aka Kita zu geben. Ich habe das beides nie als wirkliches Problem angesehen. Weil ich immer fand, dass das Ideal sein muss, so jung wie man möchte mit Kindern leben zu können. Und weil ich zweitens immer fand, dass das Leben eines Menschen nie wirklich lange und dauerhaft nur daraus bestehen könne, sich um diese Kinder und den Haushalt zu kümmern und sonst nichts. Vielleicht hatte das auch etwas mit meiner Ost-West-Sozialisation zu tun.

Mit meinen eigenen Anfang Zwanzig habe ich immer so gelebt, als entspräche die Welt bereits meinen Idealen. Unabhängig von der Realität.  Ich dachte immer, dass man die Probleme ja auch einfach dann angehen könnte, wenn sie tatsächlich kommen. Dass man sich aber niemals von seinen Vorbehalten leiten lassen sollte.

Das Ideal junge Mutter

Essende Krippenkinder in Kaltensundheim 1976. Quelle: Bundesarchiv. CC-BY-SA.

Dieses Ideal also selbst lebend (mit 24 Jahren Mutter geworden, das Kind nach sieben Monaten in eine Kita gegeben) kamen natürlich sehr bald die ersten Einschränkungen. Und ich fing an, die Welt realistischer zu sehen. Zum Beispiel musste ich lernen, dass Studieren mit Kindern Menschen in eine prekäre Lage bringt.
Sie bekommen ein Kind? Kein Problem: Nehmen Sie sich bitte ein oder mehrere Urlaubssemester von Ihrem Studium, dann bekommen sie von uns Geld, nämlich Hartz IV. Ansonsten können wir Ihnen leider nur das Elterngeld (Mindestsatz) von 300 Euro anbieten – aber nur für 12 Monate. Und natürlich das Kindergeld.

Klingt alles ganz toll. Aber seien wir mal ehrlich: Man hat es vor dem Kind gerade so geschafft, mit einem Job als Studentische Hilfskraft 400 Euro zusätzlich zu verdienen und damit klarzukommen. Gerade so. Auf Kante und mit Dispo. Irgendwie halt. Und nach dem Kind soll man dann mit 464 Euro klarkommen? Aha.

Aber das muss man ja nicht: Man kann ja stattdessen das Studieren sein lassen – dann bekommt man auch Hartz IV und das wurde damals noch zu den 300 € Elterngeld dazu addiert (dieser “Fehler” wurde beglichen, heute gibt es das für Hartz-IV-Empfangende nicht mehr). Davon konnte man dann auch ganz okay leben. Aber eben nicht weiter studieren. Denn der Bezug von Hartz IV und Studieren schließen sich gegenseitig aus. Mein ernst gemeinter Rat an alle Menschen, die mit dem Gedanken spielen, während des Studiums ein Kind zu bekommen: Macht es  nur, wenn auf euch mindestens eine der folgenden drei Bedingungen zutrifft: Eure Eltern haben Kohle und geben sie euch auch; euer Partner hat Kohle und teilt sie mit euch oder ihr bekommt die Kohle durch ein Stipendium.

Das Ideal Krippenbetreuung

Seit einigen Monaten würde ich mich auch sehr vehement von meinem zweiten Ideal distanzieren, das Ideal der frühen Betreuung. Nicht etwa, weil ich in den Chor der alleswissenden „Kinderversteher“ einstimmen möchte, die stets und fröhlich erklären, welche Schäden alle Kinder kriegen, die vor einem Jahr in eine Kita gegeben werden. Das ist absoluter Humbug – wenn ein Kind eine gute und sichere Beziehung in dieser Kita aufbauen kann, dann kommt es auch unter einem Jahr schon prima klar. Nein – mir machen Entwicklungen Sorgen, die zu einem Verlust an Qualität führen können oder auch schon führen.

Ein Kindergarten in Oppburg, 1980. Quelle: Bundearchiv. CC-BY-SA.

Ursula von der Leyen hat einen rechtlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz für unter-Dreijährige durchgesetzt. Auch ich habe damals applaudiert. Aber so langsam bleibt mir der Jubel darüber im Halse stecken. Der Paradigmenwechsel, den von der Leyen damit losgetreten hat, ist gravierend. Vor allem, für eine konservative Partei wie die CDU. Vom Paradigma „das Beste für das Kind ist die Mutter“ wechseln wir zu „das Beste für die Mutter ist eine Kita“. Oder so ähnlich. Denn die arbeitende Frau wird, wie jüngst zu lesen ist, der Normalfall. Und irgendwohin muss in der Zeit ja das Kind. Okay – das ist grundsätzlich eine Entwicklung, die aus feministischer Perspektive zu begrüßen ist. Wo aber bleiben die pädagogischen Ansprüche? Nur ein paar Fakten:

  • Das Gehalt von Erzieher_innen liegt nicht selten in etwa auf der Höhe des Gehaltes einer Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft (umgangssprachlich: Müllmann)
  • Die Ausbildung von Erzieher_innen erfolgt nur im Ausnahmefall an einer Hochschule.  Das hat einerseits Auswirkungen auf die theoretische Basis in Erziehungseinrichtungen und andererseits auch auf das Gehalt.
  • Das Betreuungsverhältnis, das seit Jahren vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte eingefordert wird, kann eigentlich nirgends geboten werden, nicht einmal in Kinderläden, in denen die Eltern selber putzen und noch monatliche Zusatzbeiträge leisten. Es läge eigentlich für Säuglinge zwischen neun und zwölf Monaten bei  1:2, für Kleinkinder von 12 bis 24 Monaten bei  1:3 und von 24 bis 36 Monaten bei  1:4. Hingegen sind Schlüssel von 1:7 bis 1:12 immer wieder an der Tagesordnung.
  • Nachrichten über die Insolvenz von Kitas werden immer häufiger. Der Bedarf steigt zwar, doch die Kosten werden nicht in dem Umfang gedeckt, der eine qualitativ gute Betreuung ermöglicht. Manche von Elternvereinen getragene Kita muss einen Kredit aufnehmen, um eine Umgebung zu ermöglichen, die kindgerecht ist.

Wem gehören unsere Kinder?

Der dänische Familientherapeut Jesper Juul klagte in seinem zuletzt bei BELTZ erschienenem Essay „Wem gehören unsere Kinder“ hart an, dass es um kindgerechte Betreuung häufig gar nicht mehr ginge, sondern lediglich um Betreuung, damit die Eltern eben arbeiten können. Das würde in Skandinavien schon seit Jahrzehnten gelebt – Krippenplätze sind dort vorhanden. Aber glücklich macht das Herrn Juul nicht unbedingt und er würde Deutschland gerne warnen, den gleichen Weg zu gehen. Es mag apokalyptisch klingen, wenn er sagt:

„Ich halte das für das größte soziale Experiment des vergangenen Jahrhunderts.“

Und damit meint er das in Dänemark seit 30 Jahren praktizierte Paradigma der Betreuung außerhalb des Elternhauses. Die Einwände von Juul rufen momentan viel Ärger hervor – und zwar auf allen Seiten. Eigentlich will das gerade niemand so richtig hören. Die Stimmung in Deutschland ist im Moment, dass man auf einer Kristina Schröder herumhacken möchte, die es nicht geschafft hat, die Kita-Platz-Garantie ihrer Vorgängerin umzusetzen. Man fragt nicht nach dem „warum“. Man will einfach nur die Plätze. Man fragt auch nicht, wie gut die dann sind. Währenddessen denkt die Bundesagentur für Arbeit darüber nach, Arbeitslose in Kitas einzusetzen, um den Erzieher_innen-Mangel aufzufangen.

Und ein altes DDR-Ideal erlebt sein kapitalistisches Revival: „Emanzipation durch Arbeit“ – gekoppelt an ein von den Männern vorgelebtes Vollzeit-Dogma. Viele Eltern können es sich zudem gar nicht leisten, ihre Kinder zuhause zu betreuen, sie sind auf zwei Einkommen angewiesen.

Lernen von der DDR

In der DDR gab es alles das, was heute, fast 25 Jahre nach der Wende, in ganz Deutschland herbeigesehnt wird: Die Infrastruktur in Sachen Kinderbetreuung war quasi lückenlos; es gab genügend Einrichtungen für alle und die Mütter konnten schnell wieder arbeiten gehen. Die Frauen wurden als emanzipiert empfunden, und gaben an, dass ihnen Arbeit und Familie gleich wichtig seien. Die Kinder erlebten, wie Mutti und Vati in Sachen Berufstätigkeit auf Augenhöhe waren.

© Katrin Rönicke 

Aber über die Qualität spricht man eigentlich nie. Was für einen Betreuungsschlüssel hatten sie denn in den DDR-Krippen? Welche kinderzentrierten, auf Individualität gerichteten pädagogischen Konzepte gab es denn? Die Geschichte zeigt uns, dass es in der DDR keine Phase gab, in der einmal „anti-autoritäre“ Erziehung „in“ gewesen wäre. Kinder sollten stattdessen funktionieren. Ein häufig genanntes Beispiel dafür ist die Sauberkeitserziehung, die in der DDR sehr früh begann. Wer DDR-Verwandte hat, die vor 1965 geboren wurden, wird um ihren „Töpfchen-Fetisch“ wissen, der häufig noch vor dem vollendeten ersten Lebensjahr eines Babys zum Vorschein kommt. Mir selbst wurde geraten, mein krabbelndes Kind auf einen Topf zu setzen. Dass er erst mit zweieinhalb Jahren trocken war, wurde mit bedauernder Miene wahrgenommen. Sowas gab es in der DDR nicht! Funktionieren und sich in eine Gruppe integrieren – das waren zwei wichtige Eigenschaften, die Kinder haben sollten. Und gab es Probleme, so suchte man natürlich auch nur beim Kind.

Die erste Kita meines Sohnes war eine ehemalige DDR-Kita, die Leiterin war noch die selbe. Und die Herangehensweise an Kinder glaube ich auch. Wir haben aus verschiedenen Gründen gewechselt. In eine sich damals gründende kleine Kita eines privaten Trägers. Mein Sohn war zum Wechsel ein Jahr und drei Monate alt. Ich fasse mir heute noch an den Kopf, dass die Ex-DDR-Kita damals wirklich noch versuchen wollte, bei diesem nicht mal laufendem Kind mit der „Sauberkeitserziehung“ anzufangen.

Eine Verwandte von mir ist Lehrerin an einer reformpädagogischen Schule in Halle. Bei einem Familientreffen im letzten Jahr zeigte sie ein Video von dieser Schule: Wie Kinder dort lernen, wie Lehrer_innen dort denken und wie der Unterricht abläuft. Meine restlichen Verwandten (also jene, die vor 1965 geboren sind) guckten wie Autos und hatten sehr viele Fragen und Einwände. Es wollte ihnen nicht in den Kopf, wie so etwas funktionieren soll. Für sie war irgendwie klar, dass man so natürlich nichts lernen könne – ein Denken, das sich auch bei Harald Martenstein finden lässt, der in jener Runde auch Anklang fand.

Es war nicht alles schlecht, aber…

Na klar: Diese Einstellung findet sich deutschlandweit. Sie ist in West wie Ost populär. Genauso wie die Krippenplätze für alle, das Vollzeit-Dogma, und die Verknüpfung von Arbeit als Ausdruck von Emanzipation.

Als Wostkind habe ich immer geglaubt und auch ganz bewusst gelebt: Früh Kinder bekommen ist prima! Und Kitas sind auch unter einem Jahr kein Problem und prima! Heute würde ich hinzufügen: Wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Denn als Wostkind kann ich auch dennoch nur warnen: Bei der Kinderbetreuung ist Masse statt Klasse eventuell eine ganz schlechte Idee. Meine Mutter hat mich vielleicht nicht umsonst die ersten drei Jahre selbst betreut. Und auch wenn es mehr Spaß macht, auf Kristina Schröder herumzuhacken, sollten die Einwände von Jesper Juul nicht ungehört verhallen.

 

Veröffentlicht unter: ddr, Kita, Jesper Juul, Kinderkrippen

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (24)
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3 Dorothea Böhm 22.03.2013, 16:26 Uhr

Das Recht auf entwicklungsbedürfnis-gerechte Betreuung...

...bedeutet unter anderem, dass Kinder das Recht auf gesundheitsförderliche Lebensbedingungen haben. Deshalb ist Vernachlässigung oder Misshandlung von Kindern verboten, obwohl nur wenige später zu Psychopathen und Frühinvaliden werden. Die meisten dieser Kinder sind als Erwachsene "nur" etwas unglücklicher, angespannter und anfälliger gegen die Auswirkungen von Stress, weswegen sie eher zu Bluthochdruck, Depressionen und Burnout neigen. Einem der Vernachlässigung und Misshandlung im Ausmaß vergleichbaren Stress unterliegen U3-Kinder in Gruppentagesbetreuung. Das ist keineswegs den ganz überwiegend engagierten Personal anzulasten sondern dem Umstand, dass Kleinkinder nur auf der Basis von tiefem Vertrauen entspannen können.
Das Ausmaß der Belastung von Kindern in Krippen sollte immer wieder einmal genannt werden: In "topp"-ausgestatteten Krippen stehen ca. 75%, in durchschnittlichen Einrichtungen ca. 90% unter chronischem Stress. Und auch aus diesen Kindern werden längst nicht alles Psychopathen oder Frühinvaliden, sondern "nur" - ganz wie bei den Vernachlässigten - Erwachsene, die angespannter, vulnerabler und krankheitsanfälliger sind.

Antworten (2) auf diese Lesermeinung

10 Cornelia Mertens 22.03.2013, 09:12 Uhr

Es geht auch anders

Der im Artikel empfohlene Betreuungsschlüssel ist nicht nur für Kitas unrealistisch, sondern ebenso für viele Familien mit mehr als einem Kind. Die meisten Mütter, auch wenn sie zuhause sind, haben ja im Gegensatz zu den Kitabetreuern noch andere Aufgaben, die sie während dessen zu erledigen haben.

Aber abgesehen davon, der tatsächliche Betreuungsschlüssel in vielen deutschen Einrichtungen scheint wirklich schrecklich. Es geht allerdings auch anders: wir leben im Ausland. Unsere Kinder sind beide schon mit sieben Monaten in Kitas gegangen, da wir beide berufstätig sind, und es war für sie durchaus positiv. Bei einem Betreuungsschlüssel von 1:3, später 1:5 war immer jemand da, der sich Zeit nehmen konnte, die Kinder erst einmal kurz zu kuscheln und auf den Arm zu nehmen, bevor sie Lust hatten, sich den anderen anzuschliessen und zu spielen. Ebenso waren immer Rückzugsmöglichkeiten vorhanden. Ich bin sehr froh, dass ich nicht vor der Wahl stand, Beruf oder Kinder, sondern es eben doch ging, beides zu vereinbaren.

Wir haben in der Zeit beide beruflich etwas zurück gesteckt, damit zumindest einer von uns die Kinder immer relativ früh abholen konnte, weil wir ihnen keine 40 Stunden Woche zumuten wollten. Dank flexibler Arbeitgeber ging dies auch recht gut.

Als wir uns überlegten, nach Deutschland zurückzukehren, gaben wir den Plan auf, weil wir dort keine vergleichbaren Betreuungmöglichkeiten fanden, und von Arbeitgeberseite auch weit weniger Entgegenkommen vorhanden gewesen wäre.

9 Franz Müller 21.03.2013, 22:04 Uhr

Erfahrungen und Erkenntnisse

Kinder früh bekommen IST prima! Frauen sollten in der ersten Hälfte ihrer 20er Jahre die Kinder bekommen! Das ist für beide, die Eltern und die Kinder - biologisch gesehen - optimal.

Was allerdings das Abgeben der Kinder in Kindertagesstätten angeht: Man sollte sie nicht unter 3 Jahren dahin geben. Es ist entwicklungspsychologisch besser, dass die Kinder in ihren ersten drei Lebensjahren bei den Eltern (der Mutter) aufwachsen. Ich weiß, dass die heute herrschende politische Korrektheit das völlig anders sieht, aber die Realitäten beugen sich nunmal nicht der Ideologie. Selbst zu DDR-Zeiten wurde diskutiert, ob man nicht die Krippen abschaffen sollte (was aus ökonomischen Gründen aber niemals ernsthaft in Erwägung gezogen wurde).

Das Kreuz heute ist doch, dass wir Menschen nur noch als ökonomische Größen (Steuerzahler, Kostenfaktor, Arbeitskraft) betrachtet werden und die Menschlischkeit der Ökonomie untergeordnet ist.

Antworten (3) auf diese Lesermeinung

9 René Kaiser 21.03.2013, 21:02 Uhr

Frau Rönicke,

danke! Danke für Ihre so persönlichen Zeilen! Nichts kann nachdenklicher stimmen!
Natürlich kann ich von meiner Ostvergangenheit auch berichten - ich war bspw. in einer Wochenkrippe, bis der Hintern aussah wie Hackfleisch. War halt keine Zeit zum Wickeln. Auch an die Tageskrippe und die frühe Kindergartenzeit habe ich noch schlaglichtartige Erinnerungen: das Gerangel um Spielzeug, das kollektive Auslachen, wenn ich was "falsch" gemacht habe, der Dipps mit dem Gesicht in das Essen, das ich nicht mochte, die Demütigung, mich gegen Gleichaltrige nicht durchsetzen zu können und bei gehetzten Erwachsenen keine Unterstützung zu finden, das endlose auf-dem-Topf-Gehocke... Jaja, war schon eine prägende Zeit.
Solche Zustände gibt es heute (vielleicht? hoffentlich!) nicht mehr, aber: Auch damals waren das Ausrutscher in Extrembelastungen der Erzieher - wie heute. Und ich weiß sie noch gut. Doch, auch an Ausrutscher meiner Eltern erinnere ich mich, aber DAS WAREN MEINE ELTERN! Das konnte ich einordnen als Kind!
Heute bin ich glücklich verheiratet mit einer Frau, die sich liebevoll um unsere fünf Kinder kümmert. Wie jeder Vater halte ich meine Kinder für außergewöhnlich, was die schulischen und musikalischen Leistungen und die heute so wichtige Sozialkompetenz betrifft. Und ich frage mich ernsthaft, wo unsere Kinder als Klassenbeste, Favoriten in Jugend musiziert und begehrte Freunde und Streitschlichter wären, wenn meine Frau mit ihrem 1,0-Abi ihre Selbstverwirklichung als Ärztin und nicht als Mutter betriebe. Nichts gegen Ärztinnen, überhaupt nicht, aber bitte schaut auch darauf, was gelebte Mutterschaft bewirkt.
Aber was rede ich. Ich mag ja Krippenerfahrungen haben und mehrfacher Vater sein und gelungene Familie erleben. Das zählt alles nicht, klar, denn ich bin bloß ein Mann...
Deshalb, Frau Rönicke, DANKE für Ihre offenen, so persönlichen Worte!

Antworten (2) auf diese Lesermeinung

8 Marc Scherer 21.03.2013, 20:51 Uhr

Wie schön

das der Groschen langsam, langsam anfängt zu fallen.

16 Marco Vogt 21.03.2013, 18:57 Uhr

Die arbeitende Frau...

Die arbeitende Frau ist aus feministischer Sicht zu begrüßen?

Denke ich nicht, ich begrüße das ganz einfach aus Gründen den Sozialstaat noch ein wenig länger finanzieren zu können und aus Sicht der Unternehmen Arbeitskräfte geboten zu bekommen, die die Preise für Humankapital auf dem Arbeitsmarkt drücken können.

Aus feministischer Sicht zu begrüßen wäre die volle Wahlfreiheit für Frauen und Männer! Doch die ist doch längst kein Thema mehr.

Ach ja: Wir haben das "Problem" mittels eines Au Pairs gelöst. Kostepunkt: 500 Euro pro Monat, nur 150 Euro mehr als eine Krippe oder Tagesmutter. Betreuungschlüssel während meiner Frau arbeitet 1:1.

Antworten (7) auf diese Lesermeinung

26 Jan Hoffmann 21.03.2013, 18:36 Uhr

Tja . . .

ich, ich, ich und nochmal ich!

Und plötzlich merkt frau, daß es nicht nur um ICH geht.
Oh . . .

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Spricht, schreibt und denkt ins Netz und in die Welt. Freie Autorin und Podcasterin, Berlin