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Wostkinder

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Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Ost und West.

Ist der Bayer reif für die Einheit?

| 20 Lesermeinungen

Seehofer schürt bewusst Ängste vor Migration aus Osteuropa. Er vergisst, dass Solidarität keine Einbahnstraße ist. Und Osteuropa mehr als nur ein Hort für sozialschmarotzende „Armutseinwanderer“.

An einem sowjetischen Abend mit Freunden steht die Bauchseele im Mittelpunkt. Man kocht Gerichte, die vor Fleisch, Butter und Zucker nur so triefen. Es wird deftig. Die vegetarischen Gerichte muss man im Buch Die Kochkunst der Sowjetischen Völker von Pochljobkin mit der Lupe suchen und sich gleich dick anstreichen, damit man sie das nächste Mal schneller findet. Um die schwere, aber glücklich machende Kost aus Borschtsch, Kartoffel-Ei-Auflauf mit kräftig saurer Sahne, Eier-Mais-Kuchen und Honig-Rübchen zu verdauen, wird Wodka gereicht. Und der Abend läuft. Man sitzt in der Küche – obwohl das Wohnzimmer größer wäre. Diskutiert die aktuelle Lage der gemeinsamen Welt. Spricht über Bücher, die man las und Podcasts, die man hörte und plant ein bisschen an der Revolution. Diese Küchen-Versammlungen haben eine starke Tradition in vielen Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Von Machatschkala bis Prag – und auch in Sachsen-Anhalt oder Brandenburg: Es gibt doch nichts Gemütlicheres. Nichts Geselligeres. Nichts Herzerwärmenderes.

© Public DomainUkrainische Wareniki mit Fleischfüllung und Smetana. via Wikimedia Commons.

Moment! – wendet da der Bayer ein. – Des gibt’s bei uns a! Und klar: Auch der Bayer ist ein geselliger Mensch und auch der Bayer schätzt deftige Hausmannskost, ein kräftiges Schlückchen zur Verdauung hinterher und die Küchengespräche über die gemeinsam geteilte Welt. Der Horizont dieser Welt mag Variabel sein. Das Gefühl ist jedoch eines, das Menschen aus verschiedensten Teilen Europas gemeinsam sein dürfte.

„Wer betrügt, der fliegt“

Dennoch lässt sich in Bayern traditionell eine Wahl gewinnen, indem man gegen die Leute aus Osteuropa Stimmung macht. Seehofers Seismokratie schlägt sich derzeit vor allem darin Bahn, angesichts des Inkrafttretens neuer Rechte für Arbeitsmigrantinnen und –migranten aus Rumänien und Bulgarien Ängste zu schüren. Man müsse jetzt unbedingt davor schützen, dass diese Leute hier einen auf Parasit Betrüger machen und sich nur am Deutschen Sozialwesen bereichern. „Wer betrügt, der fliegt“ – diese Parole bringt die Stimmung auf einen Punkt. Die Rechtslage zu dieser Frage ist hingegen eigentlich schon mehr oder weniger klar – und wo sie es noch nicht war, werden eben Tatsachen geschaffen. Helene Bubrowski und Corinna Budras haben für diese Zeitung einmal aufgeschrieben, welche Sozialleistungen EU-Bürger bekommen: Kindergeld und „dass auch kein Hartz IV gezahlt wird, gilt dagegen als hoch umstritten.“ Nun, das wurde mittlerweile auch geklärt. Die neueste Nachricht aus Brüssel lautet: Hartz IV für arbeitslose Ausländer – zumindest dürfe das nicht einfach von vornherein ausgeschlossen werden. Diese Debatte wird Deutschland noch eine ganze Weile beschäftigen. Die Koalition hat derweil einen Ausschuss eingerichtet, der sich mit der „Armutseinwanderung“ beschäftigen soll.

Die Nullhypothese steht aber längst fest – das ist allen Stimmen zu dieser Sache deutlich zu entnehmen. Sie lautet: Es gibt einen massiven Missbrauch der innereuropäischen Freizügigkeit – und das Thema kommt mit einem sorgenvollen Blick auf Südosteuropa auf den Tisch. So schürt man Ängste – und wer im Wahlkampf ist weiß, dass man mit den Ängsten der Leute Stimmen fangen kann.

Eine ähnliche Debatte findet zeitgleich in London statt. Auch David Cameron will 2015 wieder gewählt werden. Auch David Cameron nimmt die Migrantinnen und Migranten aus Osteuropa ins Visir. Der britische Premier spricht zwar ebenso sorgenvoll über die neue Situation, die mit der Ausweitung der Freizügigkeit für Rumänen und Bulgaren eintreten könnte, doch seine geplanten Maßnahmen sollen Großbritannien generell für alle Einwanderung aus ärmeren EU-Ländern unattraktiv machen. Und teilt vor allem gegen die in seinem Land lebenden Polen aus. Polens Außenminister Radoslaw Sikorski sieht von einer anderen Perspektive auf die Debatte: „Polen zahlen doppelt so viel in die britischen Sozialsysteme ein, wie sie herausbekommen“ und über Twitter rief er dazu auf: „Im Übrigen, Landsleute, kommt zurück!“

Die Arroganz der Westler

Was sich an dieser Debatte zeigt ist eine unglaubliche Arroganz der westlichen Europäer gegenüber den osteuropäischen Staaten und Menschen. So sieht es auch Sikorski: „Macht eure Sozialsysteme weniger großzügig – wenn ihr das wollt. Aber ohne Diskrimierung EU-ansässiger Steuerzahler.“

© Eigene Bilder / twitterSikorski auf twitter: Deutliche Worte.

Es ist typisch für die alte europäische Welt, in Zeiten von Unsicherheit und Krise den Fremdenhass zu schüren. So arm es klingen mag: Aber das Prinzip des Sündenbocks funktioniert bei uns ungebrochen gut. Dabei wird gerne die Idee des Vereinten Europas bemüht, wenn man darin eine Win-Win-Situation erkennen kann: Wer sich an Bord der MS Europa begibt, der eröffnet neue Märkte für die Besatzung, die schon lange mitfährt. Neue Märkte – mehr Geld. Man verspricht den neuen Besatzungsmitgliedern, dass sie dafür genauso cool werden und vor allem reich. Die Wachstumsschmerzen in den neuen Mitgliedsstaaten werden nur am Rande zur Kenntnis genommen. Dabei sind diese Wachstumsschmerzen teilweise massiv, denn der Beitritt und auch die vorangehenden Umstrukturierungen auf wirtschaftlicher, politischer und verwaltungstechnischer Ebene haben es in sich: Nicht selten werden alte Industrien einfach geschlossen, eingedampft, weil sie den Umweltstandards nicht mehr entsprechen. Und das Öffnen der Märkte hat vor allem Vorteile für die Wirtschaften derer, die nun hereinkommen und handeln. Ausländische Produkte, die als höherwertig gelten, verdrängen dann nationale Produkte. Ein großes Problem ist in vielen Ländern der sogenannten Brain Drain. Fachkräfte wandern ab, da sie in den reicheren europäischen Ländern oftmals mit Kusshand genommen werden – auch in Großbritannien und Deutschland. Und dort sind sie – Sikorski hat absolut recht – gute Steuerzahlerinnen und Steuerzahler.

Man findet die Einigung Europas also nur solange gut, wie die Wachstumsschmerzen der anderen einen nicht tangieren. Nur was ist das eigentlich für eine Vorstellung? Europa profitiert davon, wenn es zusammenhält – wirtschaftlich, aber auch politisch und was viele gerne komplett weglassen: Kulturell.

Nicht umsonst findet in der Ukraine ein entsprechendes Engagement von deutscher Seite statt, das Land an die EU zu assoziieren. Es gibt ein handfestes Interesse, dieses Land als Partner zu gewinnen – geostrategisch und wirtschaftlich. Ein Land mehr  bedeutet, dass die EU als Ganze wächst. Wie kann man da glauben, dass nur das hinzukommende Land sich verändern wird? Dass nur dort Probleme auftreten?

© Public Domain - via Wikimedia CommonsDer Sündenbock / The Scapegoat. Von William Holman Hunt

Viviane Reding brachte diese bornierte Sichtweise in famoser Klarheit zum Ausdruck: „Wer die Freizügigkeit von Dienstleistungen, Waren und Kapital in unserem Binnenmarkt nutzt, muss auch die Freizügigkeit von Personen akzeptieren“, und: „Das ist der Geist des EU-Vertrags, und die Kommission wird dies unerbittlich durchsetzen“.

Großbritannien hat ein Bildungsproblem

Vielleicht ist es manchmal gar nicht schlecht, daran zu erinnern, dass wir über Menschen reden. Menschen, die Gemütlichkeit und Küchengespräche schätzen, die bewegende Literatur hervorbringen, die sich abrackern, um mit den Entwicklungen in der Welt mitzuhalten. Die sich mit der Last der sowjetischen Vergangenheit abmühen, genauso wie mit den Erwartungen einer möglichst moderenen Zukunft – modern hier gleichbedeutend mit „wie die westlichen Europäer leben“. Es ist ein kulturelles, politisches Zusammenwachsen – und es äußert sich durch die Ströme der Menschen. Das Problem an diesen Strömen mag sein, dass sie bislang nur in die eine – als fortschrittlich und reich wahrgenommene – Richtung verlaufen.

Das könnte sich auch bald drehen. In Großbritannien, wo Cameron derzeit Stimmung macht und sich in Polen nicht gerade beliebt, gibt es unter der Decke ganz andere Probleme. Die Briten haben ein massives Bildungsproblem. Immer mehr Schüler bleiben ohne Abschluss, immer mehr Jugendliche mit miserablen Lese- und Rechenkenntnissen werden dem Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt. Und sind für diesen nicht geeignet. Demgegenüber stehen die Migrantinnen und Migranten – sie sind oft recht gut ausgebildet. Auch wenn ihre Abschlüsse nicht ausreichend anerkannt werden, sind sie hochmotiviert. Sie lernen schnell und sind alles andere als übergeschnappt. Sie haben Ziele und sehen die Migration als eine Chance, diese auch zu verwirklichen. Einheimische Jugendliche hingegen sind nicht selten Perspektivenlos. Erinnern wir uns an die Kämpfe in Frankreichs Banlieues. Gerade letzten September berichtete die Neue Zürcher Zeitung aus Marseille vom Verfall der ehemaligen Prosperität. Aus einem Grund verlinke ich das hier bewusst nicht: Denn wie so oft, wenn westliche Medien davon berichten, bleibt es nicht aus, dass ein Bild gemalt wird welches suggeriert, die Probleme lägen in der Migration. Nein: Das Problem ist, dass viele EU-Länder in die Krise geraten sind und die Schere zwischen Arm und Reich überall immer weiter auseinander geht. Eine Schere, die ganze Landstriche zu verarmten Regionen degradiert, während anderswo Großprotzprojekte aufgezogen werden. Es gibt keine Konzepte von sozialer Inklusion. Es kann daher auch nicht verwundern, dass es ebenso wenig Konzepte der kulturellen Inklusion gibt. Und schlussendlich: Keine Idee über die aktive Ausgestaltung der Einheit. Der europäischen Einheit. Wie soll das gehen? Wirtschaftlich ausdekliniert wurde es – doch diese Konzepte zeigen auch immer mehr, dass der Wunsch häufig Vater des Gedanken war. Weniger die Realität.

EU quo vadis?

Aus all diesen Betrachtungen kann man zwei Schlussfolgerungen ziehen: Erstens kann man die Idee eines geeinten Europas, das auch weiter wächst, gut finden. Das bedeutet keinesfalls, dass man automatisch die Probleme schön reden sollte, die ein Zusammenwachsen mit sich bringt. Aber man geht dann so an die Sache, wie Viviane Reding: Man nimmt die Schmerzen hin, zeigt sich geduldig und hofft auf den Erfolg des Bohrens dicker Bretter. Zweitens kann man das alles völlig furchtbar finden, zum nicht aushalten – diese Tendenz zeigt sich derzeit in Großbritannien und Seehofer nutzt das ein bisschen für seinen Wahlkampf – aber gerade so dosiert, dass es nicht so aussieht, als wolle er aus der EU austreten. Cameron hingegen provoziert schon deutlich und testet gerade merklich die Grenzen aus. Wenn man sich dem europäischen Zusammenwachsen nicht mehr anhängig fühlt – bitteschön. Dann soll man sich aber bitte auch ganz genau darüber einen Kopf zerbrechen, welche Konsequenzen das wiederum hat. Einen ersten Geschmack bekommt derzeit die sich nun als völlig unpolitisch deklarierende britische Firma tesco: In Polen ruft nämlich ein Vertreter der Bauernpartei zum Boykott auf.  Wer europäische Separation will, kann diese eben haben.

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20 Lesermeinungen

  1. Ok Frau Rönnicke, Horsti stellt es recht dumm an.
    Freizügigkeit ist ein vereinbartes, angestrebtes Ziel der europäischen Union. Sozialleistungen wie Wohngeld aber, Maternitätsausstattung, ALGII, Kindergeld sind von unserem Staatsvolk finanzierte „Sicherheitspolster“ für unsere Mitbürger.
    Ich stehe dazu, daß ich nicht jeden als Mitbürger annehmen will. Unsere Alten, unsere Kranken, unsere Armen und unsere Hilflosen sind genau das. Es sind Unsere und sie haben ein Recht auf Unterstützung. Dem Armen aus Bulgarien, Vietnam oder Togo verweigere ich nicht jede Hilfe. Aber ich will ihn nicht mit deutschem Standard an Wohnung, Heizung, Teilhabe helfen (müssen). Und ich will von unseren Politikern, Stadträten, Richtern und Polizisten vor Taschendieben, Einbrechern, Hütchenspielern und Trickbetrügern geschützt werden.

  2. eine ehrliche Debatte
    wünscht sich derweil auch Dirk Schümer – hier im Feuilleton: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/einwanderung-der-neue-schaendliche-anti-romanismus-12748436.html

  3. Stammtischparolen ...
    … Könnten ja mal im Zusammenhang beleuchtet werden. Wenn irgend jemandem daran irgend etwas gelegen wäre.

    Und dann könnte man (könnte, wie gesagt) die Parolen in einen ganz anderen Zusammenhang stellen:

    Deutschland verkraftet schon wieder einige hunderttausend Neubürger. pro Jahr. Viele davon aus vorsichtig ausgedrückt nur begrenzt zivilisierten Gegenden.

    Deutschland (und letztlich jur Deutschland) garantiert mit einer Summe, die alle Risiken eingeschlossen, deutlich über der Jahreswirtschaftsleistung liegt, Schuldenprogramme vieler EU Länder und darf sich dafür, nicht nich mehr zu tun (!) Nazi-Vergleiche am Fließband anhören.

    Einige Kriminalitätsbereiche in vielen deutschen Grosstädten werden eindeutig von bestimmten Zuwanderergruppen beherrscht, in Berlin z.B. der Taschendiebstahl. Medien und Politik haben darauf reagiert – mit Selbstzensur. Jetzt darf man nicht einmal mehr die Fakten nennen, sonst ist man ein Rassist oder leistet Rassismus Vorschub.

    In bestimmten Gegenden einiger Grosstädte Deutschlands sollte man sich besser nicht (mehr) als Jude oder Schwuler zu erkennen geben. Dank der Toleranz von Flüchtlingen und Migranten gegenüber den Sitten und Gebräuchen ihres neuen Heimatlandes.

    Ja, die Fakten könnte man in die Debatte einfließen lassen. Aber das wäre nicht nur Arbeit. Es würde auch dazu zwingen, einige unangenehme Fakten zur Kenntnis zu nehmen.

    Und dann ist doch viel einfacher, den Deutschen bzw. ihrem migrationskritischen Teil mal schnell Stammtischparolen und mangelnde Solidarität unterzuschieben.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • ja Herr Haupts, das haben Sie alles wunderbar aufgelistet und das könnte man ewig weiterführen. Aber wie viel profitiert Deutschland von der EU und ihrer Erweiterung? Als Exportland? Wie ist die EU-Politik und warum? Es geht um knallharte Wirtschaftsinteressen – die EU ist vor allem ein Wirtschaftszweckbündnis. Von Anfang an und das Politische kommt an zweiter Stelle. Wer also hat von Anfang an von all diesen Verträgen am meisten profitiert? Ach ja – genau: Das Land, das jetzt jammert, weil der kulturelle transfer hinzu kommt. weil Menschen wandern – nicht mehr nur Kohle.

      Und das Wort Stammtisch steht kein einziges Mal in diesem Artikel.
      Das Niveau haben Sie jetzt eingeführt.

    • was ich eigentlich damit nur sagen will:
      ich sehe viele Probleme – aber Migration kann man entweder haben oder man macht die Schotten dicht. In einer globalisierten Welt hat man innerhalb der EU eben das eine und die Leute aus Lampedusa lässt man auf dem Wasser von der Festung abperlen – sollen sie halt sterben. Das allein ist schon zynisch genug. Aber es noch innerhalb der Logik – in der EU Mobilität und Freizügigkeit und der Rest geht uns nix an. Wie gesagt: Menschlich gesehen ist das zynisch genug. Aber wir waren bei Ihren Problemen.

      Natürlich ist ihr Einwand mit Fakten angereichert: Es gibt Probleme und verschiedene Herausforderungen mit der Migration. Und das ist in einem Volk der Unlustvermeidung ein Problem, sicher. Aber ihre Sichtweise ist mindestens so einseitig wie meine. es gibt ehrlich gesagt in meinen Augen eine Verantwortung der Politik auf diese Probleme in einer Art und Weise einzugehen, die nicht ganze Volksgruppen stigmatisiert und Fremdenhass schürt.

      Fremdenfeindlichkeit zu überwinden – das ist in einer globalisierten Welt die Herausforderung. Alles andere ist gestriges Denken und ich wüsste nicht, was es nutzen sollte immer nach gestern zu schauen. Gestern ist vorbei. Im Osten Europas liegen Länder und Regionen die auf eine Art Kulturclash erleben, die für uns der blanke Horror sein muss. Das sind Herausforderungen in dieser Welt. Das ist auch nichts, was uns nicht angeht, sondern das ist nebenan. Diese Leute kommen zu uns – weil wir in deren Märkte wollten.

      Wer seine Fremdenfeindlichkeit nicht in den Griff kriegt, kann kein einziges das von Ihnen geschilderten Probleme lösen. Wenn irgendwann einmal diese Erkenntnis durchsickert, wird man von mir ein lautes Halleluja hören.

    • Titel eingeben
      herr haupts, wenn man das mal rein monetär betrachtet, macht es ja viel mehr sinn nach luxemburg auszuwandern. hartz IV ist da im vergleich wirklich nicht sehr reizvoll. vielleicht wollen ein paar hartz IVler ja auch auswandern?

      südfrankreich wäre auch eine option.

      mfg
      mh

    • Lassen Sie mich darauf mit nur einem Satz antworten:
      Text eingeben

    • Lassen Sie mich darauf in nur einem Satz antworten:
      Wenn Fremdenfeindlichkeit nur durch das Begrüssen unbegrenzter Zuwanderung überwunden werden kann, bleibe ich lieber fremdenfeindlich. Und eine andere Alternative habe ich in der deutschen politischen Landschaft nicht.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Ich argumentiere eben genau nicht rein monetär, Herr Herack,
      Es gibt häufig unterschätzte Kosten sozialer, am Ende politischer Natur. Wer weiterer Erhöhung der Zuwanderung nach Deutschland das Wort redet, wird das bekommen, was er sich wünscht, eine front national in Deutschland.

      Ist wirklich nicht mein Wunschtraum, aber das kann man anders sehen.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • ich glaube
      ganz fest daran: es gibt mehr als nur schwarz und weiß. es gibt eine Einwanderungspolitik jenseits von Multikulti-Rosabrille und Fremdenfeindlichkeit.

      es wäre eben ein Anfang gemacht, letztere nicht zu schüren und besonnen im Rahmen der bestehenden Gesetze an echter Inklusion zu arbeiten. Und die von Ihnen genannten Probleme gibt es bei Deutschen genauso: religiöser Fanatismus zum Beispiel bei Unterschreibern einer gewissen Pätition nicht zu knapp – so viel zur Schwulenfreundlichkeit der Deutschen…

      und dann komme ich wieder an den Punkt vom Anfang meines Textes: es geht hier um das Zusammenleben von Menschen und warum erscheint es in diesem Blog? – weil ich ja schon als Ostdeutsche im Westen die Fremdenfeindlichkeit zu spüren bekam (vergangene Beiträge handelten davon) und der Titel ist bewusst zweideutig gewählt. Auch wenn es im Text nur um die eine Sache geht.

      In meinen Augen müssen Sie also gar nicht fremdenfeindlich werden – aber darüber entscheiden am Ende natürlich Sie selbst.

    • Wenn ich differenziert argumentiere, dann wünsche ich mir eine begrenzte Zuwanderung
      von Leuten, die ich mir frei aussuchen kann. Ich wünche mir die unbegrenzte Aufnahme von Kriegs-Flüchtlingen aus Europa angrenzenden Gebieten, die man nach Ende des Krieges allerdings auch vollständig wieder in ihre Heimatländer zurückführen kann. Und ich wünsche mir, dass man sich um die, die nun mal hier sind und hier bleiben werden, wesentlich besser und intensiver kümmert, damit sie im besten Sinne des Wortes schnell zu Deutschen werden.

      Der erste Teil meines Eingangssatzes und der zweite Teil meines zweiten Satzes reichen allerdings völlig aus, mich öffentlich als Rassisten zu brandmarken. Nicht, dass mich persönlich das kratzen würde – aber so viele Leute mit dickem Fell gibt es eben nicht.

      Es gab in Deutschland mal ein sehr grosszügiges Asylrecht und (z.B. während der Balkankriege) noch grosszügigere Flüchtlingsregeln. In beiden Fällen haben die diese Regeln ursprünglich aus Überzeugung Mittragenden die Erfahrung gemacht, dass beide Grosszügigkeiten bis zum Exzess ausgenutzt wurden, bewusst und vorsätzlich unterstützt von Leuten in Deutschland, die damit ihre anders nicht mehrheitsfähige politische Agenda durchsetzen wollten.

      Seitdem ist nicht nur meine Grosszügigkeit auf Null geschrumpft. Grosszügigkeit wird zu Dummheit, wo sie exzessiv ausgenutzt werden WIRD. Und die Erfahrung haben wir nun hinter uns.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • können Sie mal genauer erklären:
      was meinen Sie hiermit:

      „dass beide Grosszügigkeiten bis zum Exzess ausgenutzt wurden, bewusst und vorsätzlich unterstützt von Leuten in Deutschland, die damit ihre anders nicht mehrheitsfähige politische Agenda durchsetzen wollten“

      das ist so sehr im Passiv und ohne Nennung, dass ich nicht weiß, worauf Sie hinaus wollen.

    • Gerne: Es gab und gibt Teile der politischen Linken,
      die Deutschland gerne unbegrenzt bzw. im Ergebnis unbegrenzt für Einwanderer öffnen möchten, auch weit ausserhalb der Antideutschen. Aus Mitleid oder Antinationalismus, wegen der kolonialen Vergangenheit oder des westlichen Kapitalismus, aus multikultureller Wertschätzung oder wegen Selbsthass, was weiss ich.

      Diese Menschen unterstützen aus Überzeugung, mit Leidenschaft und unter Ausnutzen jeder rechtlichen Möglichkeit bis in die denkbar letzte Instanz unterschiedlos jeden (!), der in Deutschland entweder Asyl beantragt oder sich gegen seine Rückführung nach Fristablauf oder wegen abgelehnten Asylantrages wehrt.

      Und unterlaufen damit natürlich vorsätzlich (oder auch nur fahrlässig, mir geht´s hier ums Ergebnis) jedwede Regelung, die überhaupt noch die Möglichkeit vorsieht, einen Einwanderer abzulehnen bzw. abzuschieben. Und exakt das unterlief und unterläuft praktisch den Mehrheitswillen der deutschen Bevölkerung.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • das mag sein, aber
      es gibt genauso gut Leute, die jede nur erdenkliche Möglichkeit nutzen, aus Überzeugung, mit Leidenschaft und unter Ausnutzen jeder rechtlichen Möglichkeit – oder auch gegen Menschenrechte und europäisches Recht – unterschiedlos jede (!) abzuschieben, die sie abschieben können. Egal, was diese Leute erwartet, ob da ein Kind im Bauch ist…

      Missbrauch gibt es links wie rechts. Wenn wir anfangen, den eventuellen und tatsächlichen Missbrauch zur Maxime unseres Handelns zu machen, haben wir in meinen Augen längst versagt. Dann können wir einfach jegliche Verantwortung sein lassen. In der HartzIV-Debatte zeigt sich das analog.

      Man muss in meinen Augen in der Politik klar definieren, was man WILL – und dann soll man das umsetzen. Wenn es Probleme gibt, wenn Leute etwas ausnutzen oder oder oder, dann hat man nach zu justieren. Wenn Fehler im System sind, müssen die weg. So weit, so richtig. Aber – und ich komme mir etwas blöd vor, etwas zu zitieren, was oben im Text schon einmal steht, denn ich mag es nicht so, mich zu wiederholen:

      „Macht eure Sozialsysteme weniger großzügig – wenn ihr das wollt. Aber ohne Diskrimierung EU-ansässiger Steuerzahler.“

      und von mir aus macht die Schotten dicht – aber dann auch: Ohne Stigmatisieren ganzer Bevölkerungsgruppen im Zuge dessen. Diesen Diskurs brauchen wir nicht. ich verlinkte übrigens weiter oben ein sehr guten Text von Dirk Schümer.

    • "und von mir aus macht die Schotten dicht"
      Will ich nicht mal. Nur als Gedankenanregung – wie soll eine Position ohne moralische (hier: negative) Aufladung diskutiert werden können, wenn deren Gegenposition sich moralisch (hier: positiv) bis zum Platzen auflädt und ihre Gegner moralisch maximal diskreditiert?

      Ich kann das – mühsam und auch durch meinen langjährigen Job erzwungen.

      Aber als gesellschaftliche Forderung ist das irreal. Wenn die einen behaupten, die Aufnahme von A sei moralisch die einzig haltbare Position, alle A wären verfolgt, liebenswert, friedlich, arbeitsam und gut, die Gegner der Aufnahme wären alles Nazis und Rassisten, dann bekommen Sie automatisch die abgefragte spiegelbildliche Negativreaktion. Die logischerweise lautet, alle A sind böse, Schmarotzer, Verbrecher, Gewalttäter und gemeingefährlich.

      Beide Positionen sind gemeingefährlich, aber die Position „Alle A = Engel“ hatte für mehr als 20 Jahre (ca. 1970 bis 1990) die unangefochtene Lufthoheit über den Akademikerstammtischen und bekommt sie zur Zeit wieder.

      Ich erspare mir gerade die Vorstellung, wie das wohl diesmal ausgehen wird.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Zitat: "ihre Gegner moralisch maximal diskreditiert?"
      wo denn?

      Zitat: „Wenn die einen behaupten, die Aufnahme von A sei moralisch die einzig haltbare Position, alle A wären verfolgt, liebenswert, friedlich, arbeitsam und gut, die Gegner der Aufnahme wären alles Nazis und Rassisten“

      wo denn? hier? ich?
      nein – ich argumentierte so nicht.

      also?
      https://de.wikipedia.org/wiki/Strohmann-Argument

    • Sie hatte ich auch nicht gemeint, weder ex- noch implizit.
      Ich hatte meine ganz persönlichen Gründe genannt, in Zuwanderungsfragen dicht zu sein, das ist alles. War nicht wirklich relevant.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • in Ordnung
      gut. dann lasse ich die auch einfach so stehen – ich hatte einfach die Schwierigkeit, vom Text her zu argumentieren.

      Beste Grüße

    • Kirchenasyl
      Solche Gruppen fragten auch 2013 Gemeinden an, ob diese Flüchtlinge unterbringen, denen das Asyl in Italien nicht gut genug ist. Der Standard in Deutschland ist in vielem besser als in Gr oder Italien. Vielleicht ist er manchmal zu gut.
      Ich ärgere mich über die Forderungen von Asylbewerbern in Bayern und Deutschland. Wohnungen wollen sie und Geld.
      Als vor langer Zeit in der Bundesrepublik Deutschland Wehrpflichtiger durfte ich mir ein Jahr lang mit fünf andren, wechselnden Männern ein Zimmer teilen. Drei weitere Monate mit acht. Dieser Teil des Wehrdienstes war nicht schön, aber noch erträglich.
      Unsere Zeitsoldaten und Unteroffiziere sind auch in Doppelzimmern kaserniert. Gut genug für die Staatsdiener. Nicht gut genug für Flüchtlinge die aus großer Gefahr oder Not bei uns vorübergehend Schutz und Hilfe suchen? Wir sind zu großzügig.

  4. Bereits am Anfang gibt es Mängel
    Die 114 verschiedenen Nationen der alten UdSSR haben teils völlig verschiedene Gewohn- heiten. Das betrifft nicht nur die Küche. Erstrangig im Bayern zählt, und das ist auf dem Land, ob die „Neien sunndich in die Kerch“ gehn. Deutschrussen tun das, in beträchtlicher Menge. Sie heiraten meist kirchlich, sind arbeitssam, bauwillig und extrem familiensüchtig. Für jeden isolierten Bayern ist die Russenfamilie ein soziale Bedrohung. Sie zeigt selbst ihm, dass man ohne großen Staat sehr schnell sehr weit kommen kann. In Bayern hat’s 6% Arbeitslose und die mit Abstand beste Integration. Der deutsche Rest will daran lieber nicht erinnert werden. Es muss aber immer mal wieder sein. Auch die Rumänen und Bulgaren kriegen ihre Jobs, wetten dass ? Man wird sie daran messen, was Bürgermeister und Pfarrer dazu sagen. Gehn’s
    lieber nach Duisburg zu Frau Kraft, auch gut !

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