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Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Ost und West.

Ein Spaziergang durch Prag

| 13 Lesermeinungen

Prag ist eine wundervolle Stadt, die zutiefst deprimiert. Überall hängen Kameras und es herrscht eine Ergebenheit vor dem Kapitalismus.

Es sind dunkle Zeiten in denen wir leben. Seit „der Iwan“ vor den Toren Europas tobt und unserem Außenminister Steinmeier die Krim vor der Nase weggeschnappt hat, scheint eine Art medialer Ausnahmezustand zu herrschen, dem wir uns gerade in diesem Blog annehmen mussten. Dass die von westlichen Werten geprägten Medien momentan denen der DDR doch recht ähnlich sind, das hat man nicht nur von Matthias Platzeck bei Maybrit Illner gehört. Auch andere Bürger der ehemaligen DDR vertreten diese Auffassung recht unverblümt. Doch diese Woche soll das kein Thema sein, auch wenn ich durchaus geneigt bin, meinen Wagemut zu bekunden, den ich aufbrachte, als ich mich in die hart umkämpften Peripheriegebiete der östlichen EU begeben habe.

Kurz vor Ostern habe ich Prag besucht.

Den Lesern des Berlin-Blogs der FAZ sei vorweg versichert, dass diese sehr schöne Stadt nicht halb so versifft ist, wie die deutsche Hauptstadt. Sie können dort getrost Ihren Familienurlaub verbringen. Die Prager sind sehr kinderfreundlich. In den Straßenbahnen wird für ältere Mitbürger ebenso Platz gemacht, wie für die nicht immer lieben Kleinen und man bietet sich den Platzwechsel an, wenn das Kind nicht bei den Eltern verweilen kann. Dafür bedarf es keiner großen Worte und eine Ablehnung wird nicht akzeptiert. Ein Balsam für die Seele. Auch sonst geht es angenehm sittsam zu. Ist die Straßenbahn sehr voll, stellt man sich in Dreierreihen ins Glied, immer bedacht, die Mitfahrenden nicht allzu sehr zu belästigen. Ohnehin scheint eine Subkommunikation zwischen den Menschen zu bestehen, deren Ergebnis eine gegenseitige Rücksichtnahme ist. Weit weg von der Ignoranz, die in Deutschland dominiert.

 

© Marco Herack 

Sehr heimisch fühlte ich mich plötzlich, als die Straßenbahn anhielt und der Fahrer ausstieg um die Weiche zu stellen. Da sprang mein Herz, befeuert von Kindheitserinnerungen. Zum ersten Mal seit vielleicht zwanzig Jahren wurde mir das Angesicht eines Straßenbahnfahrers überhaupt gewahr. Dadurch erst realisierte ich, dass diese Menschen in den modernen Straßenbahnen zwar vorhanden, aber dank der automatischen Weichenstellung und des nicht mehr vorhandenen Fahrkartenverkaufs verschwunden, nicht mehr sichtbar sind.

Mehr sozialistisches Erinnerungsgefüge wollte Prag jedoch nicht spenden. Überall prangte, was auch im heutigen Deutschland in der Gegend rumhängt. Vom Kaufhof bis zur Drogeriekette DM. An gefühlt jeder Ecke bot eine Volksbank oder Sparkasse ihre Dienste feil. Es ist in Teilen so, als ob man Deutschland nie verlassen hätte. Erst abseits des Stadtzentrums findet sich ein wahrnehmbarer Unterschied, wenn statt großer Supermarktketten in jeder Straße ein kleiner (scheinbar inhabergeführter) Einkaufsladen der Versorgung dient.

Der Sozialismus in Prag, er ist der westlichen Kultur gewichen. Und doch existiert er. In Form von Gedenkstätten und Museen.

© Marco HerackDenkmal für die Opfer des Kommunismus in Prag

Das „Denkmal für die Opfer des Kommunismus“, am Fuße eines Parks gelegen, hat mich besonders beeindruckt. Nach hinten raus löst sich das Individuum auf und verschwindet. Es wird nicht mit Waffengewalt zerstückelt, es entschwindet auch nicht in ein Kollektiv hinein. Es verschwindet einfach so, es wird zu einer Existenz, die niemals vorhanden war. Gewidmet ist dieses Denkmal „allen Opfern des Kommunismus“. Nicht insbesondere denen, die eingesperrt oder exekutiert wurden, sondern allen. Auch jenen, deren Leben durch „den totalitären Despotismus“ zerstört wurde. Eine Verbildlichung meiner Lesart des Wortes „Totalitarismus“. Erst im Nachhinein habe ich über die Kontroverse gelesen, die das Denkmal zu seiner Eröffnung in Tschechien auslöste. Doch für mein Empfinden funktioniert es.

Mit diesem positiv besetzten Gefühl, wie wohlbesonnen hier mit der Vergangenheit umgegangen wird, sollte der Besuch des Kommunismus-Museums vermieden werden. Es bietet eine überraschende Ambivalenz, noch bevor der geneigte Besucher das Museum überhaupt entdeckt. Gelegen in einer kleinen Unterführung, über die man zum Außenbereich eines McDonalds gelangt, übersieht man das Museum regelrecht. Der Grund ist weniger der McDonalds, sondern ein riesiges Schild mit der Aufschrift „Casino – non stop“, welches auf den rechten Eingang weist. Nur links, recht unscheinbar, ist der Hinweis zum Museum. Was anfänglich wie ein Scherz wirkt, ist durchaus ernst gemeint. Beim Betreten des Gebäudes wird man eine Treppe hinauf geleitet, die sich spaltet. Rechts geht es zum Casino, links zum Kommunismus-Museum.

 

© Maro HerackEingang zum Kommunismusmuseum

Im Museum selbst wird der Besucher mit einer absurden Menge an ehemaliger Sowjet-Symbolik konfrontiert. Marx und Lenin in Übergröße, mehrfach. Irritierender Weise ist auch ein Stück Berliner Mauer vorzufinden, wobei sich die Verbindung zu Prag oder der tschechischen Republik nicht wirklich erschließt. Generell haben viele Stücke einen Bezug zur DDR oder der Sowjetunion direkt. Die tschechische Geschichte selbst wird in recht kurzer Abfolge in einem kleinen Kinosaal behandelt, in dem ein Kurzfilm in Dauerschleife läuft. Zu sehen bekommt man dabei vor allem Gewalt. Das heißt, den Kampf der Bürger gegen das Regime und seine Helfershelfer.

Es ist verloren gegangen, was zu einer Auseinandersetzung mit dem Sozialismus[1] in jedem Fall dazu gehören muss. Nämlich die Frage, wie das Alltagsleben war und wie es dem Individuum im Alltag ergangen ist. Der Alltag Bestand auch in Tschechien nicht aus Verhörzimmern und gewaltsamen Demonstrationen. Der aktive Kampf der Massen war ein sehr punktueller Vorgang, der aus heutiger Sicht sehr wichtige Ereignisse hervorbrachte und ermöglichte, aber nichts über das Leben und die Menschen selbst aussagt.

© Marco Herack 

Wer durch die Prager Innenstadt läuft, wird auf einen Lego-Laden stoßen. Dort ist alles erhältlich, was das Legoherz begehrt. Dieses Geschäft kann man in fünf Minuten durchlaufen und hat alles gesehen. Ein Kind jedoch wird unter einer Stunde nicht aus dieser Konsumhölle weichen wollen. Eine Gelegenheit für den mäßig begabten Baumeister, die Dinge näher zu betrachten. Auffällig ist, dass viele Legofiguren mittlerweile böse schauen. Nahezu martialisch, sich im steten Kampf befindend. Auch tritt bei diesem hochverehrten Hersteller von Plastikklötzen immer stärker eine Trennung von Mann und Frau hervor, die es in besseren Zeiten nicht gab. Es existiert Lego für Jungen und Lego für Mädchen. Natürlich schauen die Figuren für Mädchen bei weitem nicht so martialisch wie die Figuren für Jungen. Sie kümmern sich viel mehr um ihr Aussehen, kämpfen tun sie nicht.

Wenn ich in 30 Jahren ein Kapitalismusmuseum besuche, dann sollte es ein elementarer Bestandteil dieses Museums sein, darzustellen wie sich das Aussehen der popkulturellen Waren dieser Art verändert hat. Es ist wichtig zu sehen und zu erleben, dass eine vermeintlich postheroische, kapitalistische Gesellschaft ihren Sprösslingen althergebrachte Rollenmuster vermittelt und vor allem die Jungen auf Kampf konditioniert. Diese Veränderung ist auch an Straßenbahnen sichtbar, sie durchdringt unsere gesamte Gesellschaft.

© Marco Herack 

Blickwinkel dieser Art konnte das ominöse „Kommunismus-Museum“ nicht bieten. Es war ein Sammelsurium an Gegenständen, die oftmals nur ihr militärischer und ideologischer Einschlag verband. Die Schlagrichtung der Sammlung war klar gen Feindbestimmung gerichtet und fungierte dadurch als Fanal der Abgrenzung gegenüber dem Früher.

Dieser Umgang mit der Vergangenheit ist mir nicht fremd, auch wenn er in Prag etwas unerwartet kam. In Deutschland geschah nach der Wende sehr Ähnliches. Alles was aus der DDR kam, erklärte man zu Schrott. Im Osten wie im Westen war man sich da erstaunlich einig. Zumindest für kurze Zeit. Bis man in Ostdeutschland begann, die eigene Kultur wieder zu entdecken und selbstbewusster mit der Vergangenheit umzugehen. Um das möglich zu machen, war vielleicht sogar die Siegerpose der „Wessis“ hilfreich, die dann zur notwendigen Reflexion und Gegenwehr im Osten führte. Vieles wird dadurch bewahrt, vor allem aber die Identität. Man könnte es als Geschenk dieser sonderbaren Konstruktion der Wiedervereinigung zweier ehemals gemeinsamer Staaten betrachten. Und auch wieder nicht, wenn wir uns in einem Jahr wie diesem befinden, in dem sich der Mauerfall zum 25. Mal jährt, gefolgt von einem Jahr, in dem sich die Wiedervereinigung zum 25. Mal jährt. Der Pathos, den Politiker wie Joachim Gauck an den Tag legen werden, wird nicht selten die Abgrenzung beschwören. Da wird über Symbole diskutiert und ob man diese noch nutzen darf oder nutzen dürfen sollte. Es mehren sich die Horrorgeschichten aus der DDR. Natürlich alles im Sinne der Aufklärung.

Doch was soll mir das sagen, wenn ich doch weiß, dass jede meiner von westlichen Werten geprägten E-Mails von den Geheimdiensten gelesen wird? Wenn zwischen der EU und den USA in einem Freihandelsabkommen Geheimgerichte beschlossen werden sollen? Wenn in Prag schon jetzt nicht nur an jeder Straßenecke und in der U-Bahn eine Kamera hängt, sondern auch in den Gebäuden. In Restaurants. Man mir also selbst beim Essen schon zuschaut und ich mir sicher sein kann, dass dies auch in Deutschland eines Tages so sein wird. Damit wir optimal geschützt sind, nimmt man uns jeden Raum durch optimale Kontrolle. Widerstand regt sich dagegen kaum. Zu erwarten haben wir nichts als Sonntagsreden, die ein ehemaliges Regime geißeln. Angela Merkel ist in diesem Sinne vielleicht noch am ehrlichsten. Sie äußert sich durch Handeln, gemäß den Wünschen des großen Bruders aus den USA und erklärt auch gleich mit Gutachten aus dem „Land of the Free“, warum der Deutsche gemäß diesen Anweisungen handeln sollte.

© Marco HerackKamera in einem Prager Restaurant

Gerade jetzt, wenn der Mauerfall dieses Jahr sein 25-jähriges Jubiläum feiert, und im Angesicht zweier Krisen, die der Überwachung und die in der Ukraine, wird sich die inhaltliche Leere dieser reflexartigen Besinnung an den Feiertagen besonders stark zeigen. Man sieht es in Prag, wie es ist, wenn nur die Sieger feiern. Dabei hätten wir zu den kommenden Anlässen so viel, über das zu sprechen es sich lohnen würde. Doch es wird sein, wie es immer war. Kein Ruck, keine Besinnung. Nur Phrasen, die im Alltag versanden.

 

 

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[1] Mir ist etwas rätselhaft, warum es in Tschechien den Kommunismus gegeben haben sollte. In der DDR war dieser nur das Ziel, das es mit dem Sozialismus als Zwischenschritt zu erreichen galt.

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13 Lesermeinungen

  1. Russophobie
    Kleine Bemerkung am Rande: Dieses Plakat des „Museum of Communism“ scheint mir latent russophob.
    Vermutlich sehen russische Besucher so was in der Regel mit Humor.
    .
    Trotzdem darf man sich auch als Deutscher überlegen, wie man es wirklich witzig fände, in Polen, Frankreich oder Israel am Eingang von Museen zur NS-Zeit auf Plakate zu stoßen, wo lederhosentragende Bayern mit Vampirzähnen gezeigt werden oder Göte in NS-Uniform mit Hakenkreuz oder ähnliche Witze, wie man sie sonst eher aus der britischen Gossenpresse kennt.

  2. Aggression...
    „Es ist wichtig zu sehen und zu erleben, dass eine vermeintlich postheroische, kapitalistische Gesellschaft ihren Sprösslingen althergebrachte Rollenmuster vermittelt und vor allem die Jungen auf Kampf konditioniert.“

    Das ist doch eine sehr naive Ansicht. Was bitte sollte LEGO davon haben, wenn Jungen auf „Kampf“ getrimmt werden? Oder meinen sie etwa die dänische Regierung fordert dies im geheimen von LEGO??

    Die Wahrheit ist umgekehrt: Der Junge oder Mann braucht nicht auf Kampf getrimmt zu werden – er ist von Natur aus aggressiv, kompetitiv und scheut nicht den Kampf.
    Was meinen sie, warum die meisten Gewalttäter und Opfer Männer sind?

    LEGO trägt dieser Tatsache einfach nur Rechnung. Als Kapitalisten wollen sie nicht den Menschen formen (so wie die Sozialisten), sondern seinen Wünschen dienen. Und die Wünsche sind eben anders, als die linke Pazifismuspropaganda lehrt.

    Wenn also eine Konditionierung stattfindet, dann doch eher permanent in die „friedliche“ Richtung. Das ist für Regierungungen auch viel einfacher. Bewaffnete Separatisten sind weit anstrengender als eine Herde Hindukühe.

    Korrekt wäre also:
    „Es ist in Tschechien zu einem erschreckenden Nachlassen der Umerziehung gekommen! Jungen dürfen wieder Figuren mit bösen Gesichtsausdrücken zum spielen verwenden!!“

    • ach.. nö
      natürlich folgt lego der reinen marktlogik. dernach ist es sinnvoller, wenn sie ihrem sohn und ihrer tochter unterschiedliche dinge kaufen. ein kind dem anderen also nichts übergibt, wenn es heraus wächst.

      an diesem beispiel sieht man sehr schön, welche breitenwirkung „der markt“ und seine handlungsoptionen hat.

      mfg
      mh

    • LEGO und die Marktmacht
      Mich hat tatsächlich auch der kurze Abschnitt über LEGO am meisten zur Kommentierung angeregt. Ich möchte vorwegschicken, dass mich das Einführen von Stereotypen in der LEGO-Welt ebenfalls nervt und die ganze Marketingmaschine, in die der Absatz von den kleinen Steinchen jetzt eingebunden ist.

      Andererseits hatte LEGO vermutlich kaum eine Wahl. (Der „Markt“ funktioniert in beide Richtungen.) Das Unternehmen war in ernsthaften Schwierigkeiten (ähnlich zu Playmobil) und hat Auswege aus der Absatzkrise gesucht. Und da kamen Themen-Serien und, jetzt neu, eigenkreierte Fantasywelten gerade recht. Das all dies nichts mehr mit dem ursprünglichen, freiassoziierbaren Steineberg zu tun hat, vor dem man ungeführt seiner orginären Phantasie freien Lauf lassen konnte, ist wohl dem Zeitgeist geschuldet. Wenn man lieber bespaßt werden will, wird man eben bespaßt, sofern man mit Geldbündeln winkt. Und es sind die Eltern, die den Kindern eindimensonal bespielbares Spielzeug kaufen.

      Es ist an Ihnen, die Kinder von Einflüssen fern zu halten, die Sie für schädlich halten – das tun Sie im Zusammenhang mit gefährlichen Tieren, giftigen Pflanzen und Süßigkeiten doch auch. Warum sollte es hier anders und von schlechterer Absicht sein?

    • Keine Verdammung
      ..aber die Kritik daran muss nicht nur erlaubt sein, sie muss auch vorgetragen werden.

      Und das mit er Wahl der Eltern ist ja auch nur theoretisch. Wenn alle Kinder in der Klasse mit zehn Jahren ein Smartphone haben, kann man sich dagegen kaum wehren. Was aber noch viel schlimmer ist: Kinder entwickeln erst mit 12 Jahren Abwehr- und somit Reflexionskräfte gegen Werbung und Anreize ähnliche Art. Die Eltern werden also in einen Zustand steter Abwehr versetzt, der dazu führt, dass sie Prioritäten in der Abwehr setzen müssen.. Die Aufgabe gehört somit zur Inszenierung. In der Intensität abgestufte Produktgruppen etc.

      Stichwort: Neuromarketing

      (da haben „wir“ deterministen sehr viel spaß)

      mfg
      mh

    • Gegen den Strom schwimmen?
      Grundsätzlich gebe ich Ihnen recht: Wenn die Peergroup anderer Meinung ist, lässt sich dauerhaft schwer eine konträre Position einnehmen ohne ungewünschte soziale Folgen tragen zu müssen.* Aber auch hier sind es die Eltern, die ihre Kinder den schädlichen Einflüssen aussetzen. Wenn die Kleinen ab dem zweiten Lebensjahr auf den Trickfilmkanälen mit Werbung beschossen werden, werden sie – mangels Filter – sinnlose Konsumwünsche äußern und schließlich auch durchsetzen. Oder wenn sie ihren Kindern Wischhandies aufdrängen, damit sie sie überwachen können, dann kaufen die lieben Kleinen auch Spiele oder vertändeln ungeheuer viel Zeit in „sozialen“ Medien. Und die, die neben dem mainstream stehen und dieses Treiben kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen, erkennen zwar die fatalen Muster, können aber nichts dagegen tun.

      Dennoch ist es wie bei Faust: Man muss den Mephisto selbst über die Schwelle bitten, damit er Macht über einen gewinnt. (Ausgefeilte Werbe- und Diversifikationsstrategieen hin oder her)

      * Allerdings kenne ich auch ein Gegenbeispiel – wo die Jungen immer draußen spielen mussten und nie oder nur eingeschränkt an den Computer durften und dennoch viele Freunde zu Besuch hatten.

  3. Nach 15 Jahren Leben in Prag
    ..kurz zu ihrer Prag-Reportage: also ich wiederum war vor kurzem in Berlin, und angenehm ueberrascht ueber die „neue“ Freundlichkeit der Berliner (gegenueber vor 15/20 Jahren) gegenueber der Unfreundlichkeit vieler Prager- es scheint also, dass man als Kurzbesucher ein etwas verzerrtes Bild hat, egal in welcher Stadt. Dann zu den Strassenbahnen: es ist richtig, aber leider einer der sehr wenigen tschechischen Tugenden, in der Strassenbahn alten Leuten und Kindern Platz zu machen. Sie werden aber auch mal ganz schnell ihre Geldboerse dort unauffaellig los. Und zu dem KommunismusMuseum (in der Strasse „Am Graben“): schnoeder Kapitalismus, das ist ein privates Unternehmen, und hat mit einem Museum nur das Wort gemeinsam. Richtig an Ihrem Artikel ist sicherlich: Tschechien ist Kapitalismus pur, hier ist Gott tot und durch „Geld“ ersetzt – eine extreme Welt ohne Ideale, Frauen laufen ohne Unterwaesche durch die Gegend und Drogen gibts auf der Strasse wie Fastfood, Korruption bis in den Kindergarten und ins Krankenhaus hinein. Ein solider westdeutscher nichtpraktizierender Katholik/Protestant mit humanistischer Erziehung sollte sich Tschechien als Wohnort sehr gut ueberlegen.

    • Auch seit 15 Jahren in Prag
      und habe kein so negatives Fazit wie Sie. Ja, die Prager sind unfreundlich, aber auch nur von Montags bis Freitags, und auch nur zu den Geschäftszeiten. Sonst sind Sie eigentlich sehr gesellig.
      Tschechien, Kapitalismus pur…: kann ich auch nicht so sehen. Richtig ist, dass die ungezügelte Korruption im Lande das Leben radikal verteuert hat, haben doch die korrupten Politiker das Gemeinwohl an Privatinteressen verscherbelt, so wie in Deutschland auch.
      Es gibt jedoch hier immer noch dieses Gefühl von Freiheit, in dem Sinne, unter anderem, dass es im täglichen Leben (noch) nicht so viele Verbote und Beschränkungen gibt. Dies spürt man, beispielsweise, wenn man in die Parks der Stadt geht: da grillen die Leute ungestört, die Hunde tummeln sich überall umher, man kann überall auf dem gut gepflegtem Rasen sitzen, ohne dass irgendwelche Ordnungshüter einem dies verbieten…dies wird jedem deutschen wie Science Fiction vorkommen…
      Warum ziehen Sie dann nicht einfach nach Berlin?

  4. Wer ist Sieger
    Der Sozialismus in seinen verschiedenen Varianten trat in dem Glauben an, die halbe Menschheit in eine bessere Welt führen zu können. Nach unglaublich langen vierzig Jahren wurde er in Mitteleuropa von diesen Menschen wieder abgeschafft.
    Heute ist er im Museum zu bewundern.
    Da waren keine finstren und obskuren Mächte am Werk.

  5. Opfer des Kommunismus
    gibt es nicht, es waren Opfer der Menschen die Kommunismud als Ideologie hatten, die Ideologie hat daran keine Schuld, der menschliche Charakter schon

    die Matroschka ist auch etwas missraten, wiese ein russich/japanisches Kulturgut so degeneriert wird, weiss ich auch nicht

  6. Tja, da geht die Ostalgie ...
    … mal wieder mit dem Autor durch.

    Man braucht kein „sozialistisches Erinnerungsgefüge“ für manuelle Straßenbahnweichen. Gab’s auch in Westdeutschland.

    Bei den angesprochenen „Geheimgerichten“ soll (!, ist ja noch nichts beschlossen) es sich um Schiedsgerichte handeln & diese sind nunmal idR nicht öffentlich. Wikipedia:
    „Schiedsverfahren sind im Gegensatz zu Gerichtsverhandlungen in der Regel nicht-öffentlich, zudem kann die Vertraulichkeit des Verfahrens vereinbart werden“

    & zu [1]: Auch in der Tschechoslowakei gab es Kommunismus, weil die Kommis an der Macht waren. Als Kommunismus kann man auch das (ehemals) real existierende kommunistische Machtgefüge bezeichnen, nicht nur die politische Theorie. Bei diesem Rückgriff auf die politische Theorie handelt es sich übrigens um ein beliebtes Ablenkungsmanöver von West-Kommis, die ihre geliebte Theorie nicht diskreditiert sehen wollen.

    PS: Bitte die Texte vor der Veröffentlichung zum Lektor geben. Das ist teilweise nur noch gräßlich (z.B. „zu tiefst “ oder „in dreier Reihen“).

    • Titel eingeben
      vielen dank für das p.s., es wurde noch einiges ausgebügelt.

      natürlich gab es auch in westen eine weichenstellung.. das stand niemals in frage, doch die eigene erinnerung sollte hier ja den raum nehmen und nicht die hyperdifferenzierte sichtweise auf alle mir bekannten welten. deswegen ist es auch nur ein spaziergang und sen dabei empfundenes.

      bei den nicht öffentlichen schiedsgerichten fehlt mir jegliches vertrauen in unsere verhandlungsführer. zu anbiedernd und ergeben präsentierte sich nicht zuletzt merkel ggü. den usa.

      warum von der politischen theorie abzuweichen ist und ein geflügeltes wort zu nutzen ist, wurde mir nicht zugänglich.

      P.S. ostalgie bedeutet auch immer ihr gegenteil. ich sehe jedenfalls nicht, dass der westen frei von seiner vergangenheit ist.

      mfg
      mh

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