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Wostkinder

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Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Ost und West.

Wider die „Pitbulls“ der Regierungen

| 20 Lesermeinungen

Was hilft gegen Propaganda? Wie unterstützt man die wenigen unabhängigen Medien in Russland? Das Netzwerk "n-ost" lud mit "Stereoscope Ukraine" zu einem transnationalen Austausch von Journalisten.

Das Korrespondenten-Netzwerk für Osteuropa n-ost hat zum Ende der vergangenen Woche 36 Journalisten aus 6 Ländern, darunter auch Russland und die Ukraine zu einem Austausch eingeladen. Unter dem Titel „Stereoscope Ukraine“ fanden sie sich in der Evangelischen Bildungsstätte „Schwanenwerder“ am Wannsee in Berlin zusammen. Die Initiatoren Hanno Gundert, Tamina Kutscher und Polina Baigarova hatten sich eine Art Labor vorgestellt, in dem die Anwesenden miteinander reagieren und neue Impulse entwickeln können, um konkrete Rechercheprojekte umzusetzen. Eine Fortsetzung wird es Anfang Oktober in Kiew geben.

 

Fill in the Blanks!

Der Auslöser für das Projekt war das Gefühl, dass die Berichterstattung über die Geschehnisse in der Ukraine gerade am Anfang oft nur mittelmäßig war. Ein Eindruck, den auch die in der Ukraine lebenden Profis bestätigen: Sie bezeichnen das, was anfangs in westlichen Medien zu lesen war als „pathetic“, „erbärmlich“. Roland ist Korrespondent des Daily Telegraph in Großbritannien, er erklärte dazu selbstkritisch, dass er wie auch viele andere Kollegen aus Moskau in das Land geschickt worden seien und mit unbekannten Verstrickungen und einer für sie zunächst undurchschaubaren politischen Lage konfrontiert worden seien. Sie hätten berichten müssen, ohne alles zu durchblicken, da hätten sich einige Fehler und Fehlannahmen eingeschlichen. Er habe sich selbst erst einmal eine Organisations-Skizze davon machen müssen, welcher Oligarch welchen TV-Sender, welche Partei und welche Schokoladenfabrik steuere. Im Laufe der Zeit hätte es aber einen großen Lern- und Verständnisprozess gegeben und auch die ukrainischen Journalisten bestätigen, dass sie mittlerweile im Großen und Ganzen mit den westlichen Medien zufrieden seien und sich selbst auch dort informierten.

Denn – und das ist eines der zentralen Themen dieser Tagung – die Propaganda-Maschine läuft. Und zwar nicht nur in Russland, wie die Teilnehmerinnen berichten. Zwar sei völlig klar, dass in Qualität und Quantität große Differenzen zwischen Russland und der Ukraine bestünden, jedoch sei die ukrainische Regierung dazu übergegangen, den Medien-Krieg zu erwidern und zu versuchen, mittels PR-Profis im Hintergrund die Berichterstattung und die Stimmung in der Bevölkerung, wie auch über die Landesgrenzen hinaus zu lenken. Wie, so eine zentrale Frage in Schwanenwerder, kann man sich dieser Propaganda entziehen, wie schafft man es, neutral, objektiv und unabhängig zu bleiben?

Eine Antwort auf diese Frage ist der Ansatz der Tagung selbst, die, wie Grundert immer wieder betont, einen multi-perspektivischen Ansatz verfolge. Das Ansinnen von n-ost war es, verschiedene Sichtweisen miteinander ins Gespräch zu bringen und die Lücken zu schließen, „fill in the blanks“. Dafür gehen die Teilnehmerinnen immer wieder in Kleingruppen, die entlang bestimmter Fragestellungen oder Themenbereiche entstehen. Am Ende, so die Hoffnung, sollen kooperative Recherche-Projekte in Teamarbeit entstehen, die mehrere Sichtweisen auf die komplexe und oft undurchschaubare Lage ermöglichen, die Licht in das Dunkel der Lage in der Ostukraine, in Russland und in die bereits vergangenen aber immer noch nicht aufgeklärten Geschehnisse rund um den Konflikt bringen, wie die Sniper-Schüsse auf dem Maidan im Februar und das Feuer in Odessa.

Input aus Politik, Medien und Wissenschaft

Um die Arbeit und Debatte anzuregen und zu ergänzen, waren neben den Medienschaffenden auch Repräsentanten anderer gesellschaftlicher Bereiche anwesend: Etwa Gernot Erler, der Koordinator mit Zuständigkeit für Russland, Zentralasien und die Länder der östlichen Partnerschaft der Bundesregierung. Er erzählte off the Record von seiner Haltung und Herangehensweise an den Konflikt – ein Bericht der ziemlich genau das unterstreicht, was kurz vor der Tagung im Wallstreet Journal zu lesen war: Man war in der Bundesregierung auf Gespräche aus, wollte eine politische Lösung finden, an einen Tisch kommen und lieber nicht übereilt mit Sanktionen gegen Russland vorgehen. Auch der Filmemacher Jakob Preuss stellte die Frage, wie man mit Sanktionen einen solchen Konflikt lösen solle, er glaubt nicht an deren Wirkung. Komplett anders sah diese Frage der „Chief Investigate Reporter“ der Welt, Jörg Eigendorf. Für ihn war Europa viel zu zaghaft, für ihn wären Sanktionen der dritten Stufe schon vor Monaten notwendig gewesen und seine Sicht auf Russland war hart, fast erbarmungslos. Mit denen kann man nicht reden, so ist seine Botschaft unterm Strich. Neben ihm saß Andrej Hunko von der Linkspartei, der sehr viel mehr versuchte, zu differenzieren und wesentlich zurückhaltender mit seinen Urteilen wirkte – was ihm einiges Kopfschütteln einbrachte. Am Ende der Debatte fragte man sich, wer eigentlich der Politiker war und wer der Journalist – wer auf kritischer Distanz blieb und wer politische Entscheidungen vorantreiben wollte.

© Katrin RönickeNatalia Fiebrig, Jörg Eigendorf, Moderator Christian Esch und Andrej Hunko (v.l.n.r.)

Einen eher historisch-wissenschaftlichen Input gab Dusan Reljic, der Büroleiter des Brüsseler Büros der Stiftung Wissenschaft und Politik. Er hat den Jugoslawien-Krieg seinerzeit als Berichterstatter miterlebt und spricht von einem Déjà-vu. Auch im Konflikt um die Ukraine sei es schwierig geworden, Tatsachen in all dem Dickicht von politisch platzierten Berichten zu finden, wie damals schon. Die Medien würden in Konflikten eine Fortführung des Kriges mit anderen Mitteln betreiben. Man könne in solchen Zeiten eine „Canilogie“ – die Wissenschaft von den Hunden – anstellen: Es gebe ein paar wenige Watchdogs, jene, die sich um echten Journalismus bemühten. Aber neben ihnen seien viele „pets“ – „Pudel!“ sagte Reljic – die sich an die Regierung und die offiziellen Organe ankuschelten, um nur gut zu leben, trotz schwerer Zeiten. Am schlimmsten aber seien die „Pitbull-Terrier“, die im Auftrag der Regierung aggressiv die öffentliche Meinung zu manipulieren versuchten. Die unbequemste und schwierigste Position sei die des Watchdogs, denn er stünde im Zweifel ganz alleine da.

© Katrin RönickeDusan Reljic vom SWP

Nicht mehr alleine dastehen – gerade für einige der russischen Journalisten war dies eine große Erleichterung, denn sie arbeiteten für die, wie sie sagten, zehn Prozent russischen Medien, die nicht in den Gleichklang von Propaganda übergangenen waren, von dem wir hier bei uns immer lesen und hören. Zehn Prozent, die es verdammt schwer haben. „Wenn man eine einfache Geschichte nur oft genug wiederholt, dann fangen fast alle Menschen irgendwann an, sie zu glauben“, erzählte Anna, eine Journalistin aus Russland.

Wider das schwarz und weiß

Im Vorfeld hatten die Veranstalter von n-ost Sorge, dass sehr konfrontative Auseinandersetzungen um bestimmte Details oder ganze Themenkomplexe entstünden. Dass eventuell Russen und Ukrainer aneinander geraten könnten oder andere altbekannte Frontlinien entstehen, die man in den Debatten der vergangenen Monate oft genug in Deutschland gesehen hat: wo man die jeweils andere Seite semantisch degradierte, als Putin- oder Russlandversteher oder als Faschisten und Nazis, wie einige westliche Medien und manche Alphablogger auf twitter die Maidanbewegung denunzierten, ohne sich selbst ein Bild gemacht oder mit den Leuten gesprochen zu haben. Es war viel Schwarz-Weiß in den Debatten und genau wie Putin es in seinem Einflussbereich tat, griffen auch westliche Berichterstatter der Einfachhalt halber zurück auf die Rhetorik von vor über 25 Jahren, als der Kalte Krieg noch klare Fronten hatte.

Nicht so einfach machten es sich die anwesenden Journalisten in Schwanenwerder. Sie waren kritisch, reflektiert, warnten vor schwarz-weiß-denken und suchten die eigene Rolle und wie man in solch einem Konflikt als Journalist Haltung bewahren könnte. Zu ihren Strategien gehört natürlich als erstes die tiefe Recherche, die meisten von ihnen waren mehrmals vor Ort, sprechen fließend Russisch und sie haben ein gutes Netzwerk an Informanten aufgebaut, denen sie vertrauen können. Ein weiteres Mittel, das sie nutzen, um Einseitigkeit zu vermeiden, ist die Anhörung mehrerer Seiten zu einer Sache. Wobei die offiziellen Auslassungen aus Regierungskreisen lieber ausgespart werden. Ivan ist Russe, und arbeitet seit längerem in der Ukraine. Er berichtet in den Pausen süffisant, dass es ihm Spaß mache, im Konflikt beide Seiten zu „trollen“. In den Diskussionen am Wannsee hat er eine provokative Art, die aber wichtige Fragen auf den Tisch bringt: Warum etwa die pro-Ukrainischen Medien nicht auch auf Russisch berichtet hätten, damit sich vor dem Referendum zur Abspaltung auch auf der Krim die Leute wenigstens die Möglichkeit gehabt hätten, sich anders zu informieren. Stattdessen habe man in den „pro-ukrainischen“ Medien von Anfang an eine anti-russische Haltung entwickelt, die sich auch darin geäußert habe, nicht auf Russisch zu berichten. Auch gebe es nicht wenige Fälle, in denen Regierungskritische Berichterstattung in der Ukraine als „pro-russisch“ diffamiert würde. Dabei sind sich eigentlich alle einig: Never trust the Government – denn Journalisten sollen nicht deren PR-Agenturen ersetzen. Kritik ist notwendig und essentiell für journalistisches Arbeiten.

Gemeinsam anders berichten

Die Recherche-Projekte, die im Rahmen dieses Austauschs entstehen, klingen vielversprechend – sie alle haben zum Ziel, mehrere Perspektiven zum Wort kommen zu lassen oder eine meta-Debatte über die Medienberichterstattung in einem oder mehrerer Länder zu reflektieren. Das n-ost-Netzwerk konnte zur Finanzierung ein paar Sponsoren finden und einige der Geschichten könnten schon bis zum nächsten Treffen in Kiew entstehen. Die Teams fanden sich über Ländergrenzen hinweg – es gibt auch ein Interesse daran, mittels Übersetzungen Debatten zu einem Text in mehreren Ländern und Medien gleichzeitig zu initiieren.

Am Ende bleiben trotz sehr intensiver zwei Tage, in denen die Köpfe rauchten und viele kritische Debatten geführt wurden, sehr viele Fragen offen. Leider auch die Frage, welche Instrumente gegen Propaganda denn wirklich helfen würden. Klar: Es geht um zuverlässige Quellen und ausgewogene Berichte, in denen mehrere Seiten zu Wort kommen – aber woran erkennt man eigentlich eine zuverlässige Quelle? Und reicht es, mehrere Seiten zu Wort kommen zu lassen – muss man nicht auch immer einordnen? Ist nicht gerade das auch die Aufgabe von Journalismus? Es ist ein schmaler Grat zwischen Parteiergreifen und Relevanzbewertung – Selbstkritik und –reflexion bleiben vielleicht die besten Mittel im Kampf der Medien.

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20 Lesermeinungen

  1. deutlich
    Dass der Schreiber von Springers rechter WELT am liebsten die teutsche Schande „Stalingrad“ wieder wettmachen möchte, scheint mir sehr deutlich. Dass solche Kriegshetzer eingeladen wurden, nun ja…

  2. Hört sich Vielversprechend an
    Einen Schönen Satz der hier passen könnte.

    Vertraue denen die Wahrheit suchen und meide diejenigen die Wahrheiten verkünden.

    Ich weiß nicht mehr wo ich diesen Satz gelesen habe aber ich bin mir sicher dass er nur Sinngemäß wiedergegeben ist, weil es schon sehr lange her ist.

    • Herkunft des Zitats
      „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“ – André Gide

  3. Große Zweifel
    Ich frage mich aber inzwischen, was in unserer medialen Öffentlichkeit noch „unabhängiger Journalismus“ bedeutet. Wäre dies für Russland ein solcher, der die Vasallentreue gegenüber der russischen Regierung durch eine blinde Loyalität gegenüber finanzkräftigen NED-unterstützten Thinktanks ersetzt? Wo geostrategisches Kampfgebaren die in alle Richtungen offene Suche nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit ersetzt, wo handfestes Interesse hinter rhetorisch verkürzten Werte=Beteuerungen versteckt wird, ohne dass eine kritische Überprüfung stattfindet, dass es den Wert substanziell überhaupt für sich beanspruchen kann, verkümmert das journalistische Ethos. Befremdet hat das deutsche Publikum hinnehmen müssen, dass dergleichen nicht auf diejenigen Staaten beschränkt ist, denen die deutsche Presse immer wieder ein „Demokratiedefizit“ anheftet, sondern leider auch inzwischen unsere mediale Öffentlichkeit auszeichnet. Als jemand, der in den 70er und 80er Jahren großgeworden ist, habe ich es für eine unverbrüchliche Gewissheit gehalten, in einem Land zu leben, das als Lehre aus der Vergangenheit sich auch in seiner Berichterstattung der Mäßigkeit, Friedfertigkeit und Ausgewogenheit verpflichtet hat. Wie viele andere Zeitungsleser stehe ich bestürzt vor dem, was ich in den letzten drei Monaten erleben musste. Kann bald die Kehrtwendung gelingen? Oder steuern wir auf die nächste Selbstzerstörung Europas zu? Bange Fragen!

    Erschreckt hat mich aber auch, dass in den deutschen Medien, diejenigen Leser, die gegen die Eskalationsgefahr anschrieben, quasi zu bewussten oder unbewussten „Agenten“/“Trollen“ des Kreml stilisiert wurden. Solche Beschimpfung pazifistischer Positionen waren vor 100 Jahren üblich. Auch hier hätte ich nie gedacht, dass dergleichen (ebenso wie der Vorwurf der „Feigheit vor dem Feind“ etwa gegen Sanktionsgegner) je wiederkehrt.

    Quo vadis, Deutschland?

    • Sehen Sie, Frau Böttcher, ich könnte auch darüber erschrocken sein, dass ich als Ruslandkritiker
      der frühen Stunde als Pudel der USA, als Unterstützer einer genuinen Freiheitsbewegung (Maidan) als Nazifreund oder als Gegner kriegerischer Grenzveränderungen in Europa als Russenfeind bezeichnet werde.

      Könnte. Wenn ich mir irgendwelche Illusionen über die menschliche Natur machen würde.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

  4. Ich würde die Information der Regierung nicht ausschließen
    und zwar die von beiden Seiten nicht. Dann kennt man zumindest die Standpunkte und Argumentationen. Wo das fehlt – und das tut es in unseren Mainstreammedien – besteht nicht nur der Verdacht der Meinungsmanipulation.

    Der vorliegende Artikel reiht sich in seiner pro-westlichen Affinititätberichterstattung nahtlos in dieses Konzert ein. Wo bleiben aber auf deutschem Boden breit veröffentlichte, sachliche Informationen über die russische Sicht der Dinge, die nichts mit Desavouierung oder Übungen in psychologischer Ferndiagnosse zu tun haben?

    • Titel eingeben
      es ging darum, nicht einfach alles zu glauben. es ging nicht darum, irgendwelche Informationen auszuschließen.

      beste Grüße

    • Dachte ich auch zuerst...
      …bis ich an die Stelle kam, wo diese Leute sogar westliche Medien als Wahrheitsfundus heranziehen:

      „…dass sie mittlerweile im Großen und Ganzen mit den westlichen Medien zufrieden seien und sich selbst auch dort informierten.“

      Man kann mir vorwerfen, dass ich mich auf einen einzigen Satz stürze und damit dem Artikel nicht entfernt gerecht werde. Jedoch: wenn es um die Arbeits-Methoden geht, sind nicht allein die deklarierten Absichten interessant sondern das faktische Vorgehen, gestützt auf die journalistische Kognition, wobei einzelne Schlüsselpunkte aufschlussreich sein können, gerade wenn man sie selber (als deutscher Medienkonsument) verifizieren kann.

      Interessant ist das Wort „mittlerweile“ im zitiereten Satz – also ob sich mit der Zeit etwas hin zu objektiverer Berichterstattung geändert hätte. Ich sehe gegenteilig dazu nämlich nach dem anfänglichen, orchestrierten Putin-Bashing noch vor dem Maidan (Homosexualität, Sotschi usw.) sogar Verhärtungen, die mittlerweile in den Zustand der bekräftigenden Eigenbestätigungen übergegangen sind – wobei der Wille zur Wahrheitsfindung durch investigatives Vorgehen (natürlich ohne Unterstellungen zu suchen) keine wichtige Rolle spielt.

      Schauen Sie sich bitte auch die Kommentare der Herren Kohler, Frankenberger und Veser (alle FAZ) an und interessieren sich für ihre politisch-journalistischen Vernetzungen. Anscheinend kommentieren diese Herren überhaupt nur.

      Der Kopp-Verlag hat gerade einen Artikel von Janne Jörg Kipp veröffentlicht mit dem Titel: „Meinungsmacht: So nehmen Eliten Einfluss auf Leitmedien“. Kann man unter diesem Titel googeln und online lesen.

      Und das sollen nun Medien sein, die die von Ihren (Fr. Rönicke) beschriebenen Netzwerker auf der Wahrheitssuche „mittlerweile“ zufriedenstellen?!

      Während die FAZ meiner Beobachtung nach in Deutschland in Sachen Anti-Russland der Schärfste der überregionalen Elche ist, sieht es bei anderen Mainstreammedien in der Quintessenz ihrer Meinungsmache nicht viel anders aus.

      Dieser Blog-Artikel lenkt den Fokus ausschließlich auf Osteuropa – und erwähnt dabei die Sicht auf westlich zufriedenstellende Medien – wo wir genauso vor der eigenen Tür zu kehren hätten. Sowas verdient natürlich Kommentierung durch Leser.

      Für mich ist etwas wichtiger zu wissen, womit ich belogen werde anstatt womit Leute in anderen Ländern belogen werden. Das eine zieht bekanntlich, obwohl nicht notwendig, das andere gerne erst nach sich. Insofern geht es auch um das ursächliche Subjekt, BEVOR ein beidseitiger Brei von Verfehlungen sowie jeweils einseitigen Vorürfen angerührt ist, wo keiner mehr auseinanderhalten kann, ob Henne oder Ei zuerst da waren – aber jeder recht behalten will. Bei der Ursachenfindung gilt noch zu berücksichtigen, dass ein Konflikt nicht mit dem ersten Schuss beginnt sondern mit dem Vorhaben oder einer Doktrin expansiver Vereinnahmung.

      Ganz allgemein ist das ständige Hinweisen auf Mißstände in anderen Ländern unter dem Vorzeichen derselben eigenen Fehler ein Mißstand unserer eigenen Medien.

      Wenn die beschriebenen Netzwerker nicht imstande sind, o.g. westliche Propaganda als solche zu erkennen, wäre es mit ihren kognitiven Fähigkeiten jedenfalls nicht weit her… und somit ihrer veröffentlichten Gesamtleistung.

      Nichtdestoweniger ist begrüßenswert, wenn Journalisten distanziert bleiben, d.h. sich nicht von einer Seite vereinnahmen lassen. Wo dies ehrlich gemeint ist, kommt es in praxi „nur“ noch darauf an, nicht auf das reinzufallen, wovor man selber gewarnt hat – und man braucht eine Plattform, wo nicht unter „ferner liefen“ quasi als Alibi der Meinungsfreiheit eines ansonsten anders gepolten Mediums mit anderer „Leitmeinung“ veröffentlicht werden darf. Dass es in einer pluralistischen Demokratie überhaupt eine orchestergleiche, veröffentlichte Leitmeinung gibt, ist allein schon verdächtig genug.

    • Guten Tag,

      Diese Leute sind vor Ort und im Celd, einige von ihnen waren kurz vor der Tagung selbst in Donezk – es sind also keine Menschen, deren Artikel auf westlichen Medien beruhen, sondern auf eigene Beobachtung und Recherche vor Ort, eigenes Wissen und Gewissen.

      Das nur zur Abgrenzung.

      Wenn diese Leute sagen, dass es besser geworden ist, würde ich da a) als abgleich im Vergleich zum Anfang und b) als Abgleich zum eigenen Wissen und Beobachten sehen.

      Ich denke nicht, dass diese Aussage als „Persilschein“ für jeden einzelnen westlichen Autor und jedes einzelne Medium interpretiert werden sollte.

      MfG

      Katrin Rönicke

    • Danke für die Antwort (Fr. Rönicke)
      Ich würde auch nichts singulär als Persilschein interpretieren (aber im Kontext dann schon) – und es geht (mir) auch nicht um den letzten Einzelnen sondern, wie ich hoffentlich verständlich zum Ausdruck bringen konnte, um den grundsätzlichen Tenor und den Gesamteindruck in unseren Medien. Das kann gar nicht verwechselt werden mit objektiver Berichterstattung aus neutraler Warte – allenfalls dies im Einzelfall.

      Die Bildung der Meinung fängt indes schon bei der Selektion der Themen an. Einen ähnlichen Text wie Ihren auf die eigenen Medien bezogen, dem man konkludierend genauso suggestiv entnehmen könnte, dass wir eigenständige Netzwerker oder zumindest die Beachtung des (vorhandenen) Pressekodex dringend nötig hätten, habe ich in dieser Zeitung jedenfalls noch nie gesehen und auch nicht in anderen Leitmedien bis auf einzelne Ausnahmen, die ohne allgemeine Wirkung blieben. Hier spielt es eben doch eine Rolle, ob der Fokus nur auf ukrainischen und russischen Medien liegt und im selben Artikel die westlichen Medien mit einem einzigen, aber alles erledigenden Satz en gros sakrosankt ausgenommen werden („…mittlerweile im Großen und Ganzen mit den westlichen Medien zufrieden…“), was weiteres Hinterfragen dieser Medien sozusagen „im Großen und Ganzen unnötig macht“. Doch, das ist ein Persilschein und sogar ein abstufend vergleichender!

      Was ist überhaupt bei den Recherchen der Netzwerker „vor Ort“ konkret rausgekommen? Gibt es etwas, was wir aus westlichen Medien nicht kennen aber kennen sollten?

  5. Empfehlung für Wahrheitssucher (nicht alles ist relativ) unter den Journalisten:
    Kaufen Sie sich das Buch: Die erfolgreichsten Gehirnwäsche-Techniken der Globalisierungs-Fanatiker von Wolfgang R. Grunwald

  6. Schon lustig was so nebenbei fällt
    „und auch die ukrainischen Journalisten bestätigen, dass sie mittlerweile im Großen und Ganzen mit den westlichen Medien zufrieden seien und sich selbst auch dort informierten.“

    da die „Feindsender“ verboten worden sind und nicht mehr empfangen werden können bleibt denen in Kiew auch nichts anderes übrig. Warum hat man das getan, daher ist das ganze nichts weiter als eben das worüber gesprochen wird, Propaganda.

  7. "Pressefreiheit" - ich glaube nicht mehr daran
    die aktuelle Lage in vielen Ländern und die Berichte die teilweise noch nicht einmal eine Vermutung ausdrücken werden immer mehr und lassen sehr oft klare Richtungen erkennen – vielleicht wird das Volk schon jetzt für so dumm gehalten das das möglich zu sein scheint – ich frage mich nur ob es bei Journalisten ähnlich ist wie bei Politikern die ebenfalls anfangs mit viel Idealismus starten und dann nur nach oben kommen wenn der Richtlinie gefolgt wird.
    Wrum schreibt denn hier in Deutschland keiner einern Israelkritischen Artikel oder wieso hört man von dem Freihandelsabkommen oder den Schwirigkeiten mit USA nichts mehr

    Ihr dürft wohl nicht – oder ??

    Wir werden durch die Presse NIE die Wahrheit über die Schüsse am Maidan, den Flugzeugabschuß ….. erfahren – es gibt noch nicht einmal eine Darstellung in der Presse wie es die Seite Russlands sehen könnte – das würde helfen um sich eine Meinung zu bilden und nicht die vorgefasste Meinung aus den Journalen zu erhalten….

    Schade wir hatten einen sehr guten und kritischen Journalismus bis – ja das ist die Frage – bis wir hinterfragt haben und festgestellt haben das es klare regeln gibt was geschrieben werden darf und was nicht …..

    • Genau so ist es!
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      es gab vor ein oder zwei Tagen einen sehr nachdenklichen und sehr guten Artikel zur Israel-Thematik in dieser Zeitung: „Unser Text ist machtlos“ Von Richard C. Schneider

    • 90% der über schlechte Information klagenden Kommenatoren wollen auch keine gute Information.
      Sondern bestenfalls mehr Artikel, die ihr spezifisches Vorurteil und ihre spezifische Weltsicht bestätigen. Woher sollte also für den Journalismus der externe Anreiz kommen, sich wirklich um gute Information zu bemühen? Anerkennung dafür bekommen sie im selben Masse, wie Tendenzartikel, Ablehnung ebenso, zeitgeist- und regional gebunden.

      Ihre Beispiele – isaelkritische Artikel (massenweise) oder Freihandelsabkommen (massenweise) zeigen genau das. Sie wollen nicht mehr Information (sonst wüssten sie, wie obsessiv und wie kritisch in SPIEGEL, ZEIT, ARD, ZDF, taz, deutschlandradio etc. usw. über Israel berichtet wird), sondern (noch) mehr Tendenz. Nur eben eine andere, als die, die Sie wahrnehmen.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Sehr geehrte Frau Rönicke.
      Es gibt sie, die Objektivitaet. Oefter feiert sie fulminante Siege ueber Geschichtsverfaelschung und jahrelanger Indoktrination; siehe Seymour Hersh´s Offenlegung ueber das My Lai Massaker.

      Die Effektivitaet solcher Wahrheitsfreunde ist scheinbar so gefaehrlich, dass sie in den Mainstraem-Medien ein stiefmutterliches Dasein fuehren muessen.

      Apropos Vietnam: die bestehende Problematik, die Folgen – riesige Teile des Urwalds sind zerstoert, verschwunden und weiterhin kontaminiert; immer noch Missbildungen an menschlichen Foeten – der irrsinnigen Bombardements und der unsaeglichen Agent-Orange-Berieselung in Vietnam sind, dank beharrlicher Verschwiegenheit nicht mehr im Bewusstsein der heutigen US-Amerikaner vorhanden.

  8. "Dabei sind sich eigentlich alle einig: Never trust the Government"
    Warum wurden dann in unseren Medien nur die Verlautbarungen der US- und der UA-Regierung zur *Beweisführung* verwendet?

  9. Die ukrainischen Medien sind fest in den Händen einiger Oligarchen, wie dem Milliardär Kolo-
    moskij, der auch Provinzgouverneur in Dnipropetrowsk ist und sind auch nur Propagandaveranstaltungen. Die Straffung der russischen Medien dürfte darauf beruhen, dass in Moskau das Misstrauen gegenüber der EU und USA erheblich ist. Falls die ukrainische Regierung irgendwann Raketen in der Ostukraine stationiert, dürfte sowieso ein neuer eiserner Vorhang kommen.
    Dann wird die Hälfte von Europa von der anderen Hälfte von Europa abgetrennt. Welche Auswirkung dies für den Handel mit Zentral- und Ostasien haben wird, ist überhaupt noch nicht vorhersehbar, dürfte sich aber ändern.
    In Teilen der Nordukraine soll übrigens die russischen Kanäle abgestellt worden sein.

  10. "Ehrenwerte" Idee(n).
    Vielleicht ist mein „Bild“ ja nicht stimmig mit der Realität.
    „Flüsseverschmutzung“(Nachrichtenflüsse) weltweit, die letztendlich
    „Nachrichten-Ozeane“ bilden. Allesamt mit einem derzeitigen Verschmutzungsgrad,
    der nicht der „Trinkwasserqualität“(notwendiger Wahrheitsgehalt?) entspricht.
    Die „Schmutzwasserzuläufe“ mit „Seuchengefahr?“, öffentlich bekannt und auch
    unbekannt(versteckt). Die „Gesamt-Menge“ dieser „täglichen Verschmutz.-flut“ möchten
    Sie und wenige Andere „sauber“ bekommen, in dem sie, Verzeihung, mit dem
    Gartenschlauch „Trinkwasser“ in einen, mehreren?, Fluß?…Ozean(e)? einleiten?
    Ihre „Wasserschlauchquelle“ kann benutzt werden, wenn sie denn gesucht und
    gefunden wird von Menschen, die wiederum Ihnen „Glauben“ müssen,
    Trinkwasserqualität zu bieten. Die Suche nach einem „Löffel“ Trinkwasser in
    den „7 Weltmeeren“?…zu drastisch, das Bild von mir?
    Dazu kommt, daß alle, die aus den Ozeanen trinken, sehr differentes Geistpotential
    besitzen und die Verschmutzung gar nicht erkennen und somit auch keine
    Trinkwasserqualtät suchen, die Qualität, die Sie anbieten möchten.
    sie trinken einfach…bis sie umfallen.
    Das ist nur mein Bild…ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim und mit dem Projekt „Trinkwasser“:=)

    Zitat;
    Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
    Winston Churchill

    …abgewandelt, viele muten ihrem Magen Verschmutzung zu, ohne daß der Geist
    es überhaupt registrieren, wahrnehmen, filtern, kann…und verbreiten so die „Seuche“,
    unbewußt, unbedacht…geistlos?

    …die von Ihnen angesprochene geistige Reflexion nützt am Ende nur Ihnen selbst
    und das ist schon gut und auch vorrangig.
    Aber erst wenn jeder einzelne „Verbraucher“ die gleiche Anstrengung,
    geistige Reflexion unternimmt, wird es ein „Qualität-Massenprojekt“!?

    …der „Trinkwasser-Journalismus“-Anfang braucht wohl seine Zeit!?:=)

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